RTelenovela

Rügen 2011 (3): Eine Nacht im Baum

Montag, den 23. Mai 2011
Tags: , , , , , , ,

(2) -> 22.5.2011

Eines muss man der Post ja lassen: Ein Dorf kann noch so klein sein – einen Briefkasten gibt es eigentlich immer. So auch in Zicker. Neben dem Gutshaus gibt’s noch ein paar wenige Häuser – und einen Briefkasten. Vermutlich ist es etwas Besonders, wenn plötzlich tatsächlich etwas eingeworfen wurde.

Unsere Reise führte uns weiter nach Altefähr. In Altefähr war ich noch nie, ich dachte immer, dass es nur ein kleines Dorf ist, von dem eben auch eine Fähre abfährt – die nach Hiddensee.
Weit gefehlt. Altefähr hat durchaus was zu bieten – und einen schönen Blick auf Stralsund auf der anderen Seite des Strelasundes. Auch die Rügenbrücke ist von Altefähr aus gut zu sehen.

Und auch einen Kletterpark gibt’s dort. Mit einem ganz besonderen Angebot. Ab Juni kann man in den Bäumen übernachten. Dazu legt man sich auf eine Fläche, auf die zwei Leute passen. Drumherum ist eine zeltartige Hülle. Jeder, der da schlafen will, muss sich angurten und einen kurzen Kurs absolvieren.
Mit Luxus hat das alles wenig zu tun. Wenn man nachts aufs Klo muss, muss man per Funk den Parkmitarbeiter rufen, alleine kommt da niemand runter. Großartig bewegen kann man sich dort oben auch nicht.
Alternativ kann man auch auf einer Plattform schlafen – sie liegt etwa sechs Meter über der Erde im Baum. Die Plattform ist fest, man kann sich wenigstens ein bisschen bewegen, und man hat den Blick auf Stralsund.
Für mich ist das nichts. Wer mir das zum Geburtstag schenken will – nein danke! ist auch nicht soo billig.

Letzte Station: Götemitz, einem Ortsteil von Rambin. Dort gibt es ein Lokal mit einigen Übernachtungszimmern. “Die Insel auf der Insel” ist ein echter Geheimtipp. Obwohl ich fast immer auf der B96 an der Einfahrt vorbeifahre, ist mir das noch nie aufgefallen.
Noch einmal lecker essen. Ich habe in so einer kurzen Zeit noch nie so oft so lecker gegessen. Es gibt Lachs, Spargel, Kartoffeln. Toll.
Bei einem Kaffee im Garten des Hauses schweift der Blick über das freie Feld. Allerdings könnte sich das ändern, wenn dort bald die neue B96 gebaut wird.

Abschied von Rügen. In Stralsund der Abschied von der Reisegruppe. Und rein ins sonntagnachmittägliche Bahngetümmel. Auf dem Weg von Stralsund nach Neustrelitz füllt sich der kleine Zug. In Neustrelitz muss ich umsteigen in den RE5 aus Rostock. Der Bahnsteig ist voll, viele Radfahrer wollen mit. Ich finde zum Glück noch einen Platz, aber spätestens in Fürstenberg ist es kritisch, wenn die vielen Radtouristen noch zusteigen wollen. Dann wird es richtig eng…

RTelenovela

Rügen 2011 (2): Mücken – Der Vilm

Sonntag, den 22. Mai 2011
Tags: , , , ,

(1) -> 2.1.2011

Den Süden von Rügen kenne ich eigentlich nur vom Durchfahren. Wenn ich von der Glewitzer Fähre komme, führt meine Reise eigentlich immer über Garz und Putbus nach Binz. Unsere Reise jedoch führte in genau diesen Süden der Insel.

Erster Stopp: Lauterbach. Vom dortigen Hafen aus fährt die Fähre zur Insel Vilm. Vor der Wende war sie ein Sperrgebiet, weil dort der Ministerrat der DDR sein Urlaubsdomizil hatte. Normale DDR-Bürger durften nicht auf den Vilm, das änderte sich erst 1990. Deshalb ist die Insel für viele heute noch sagenumwoben.
Heute ist Vilm ein Naturschutzgebiet – wie übrigens auch schon 1936. Nur wenige Menschen dürfen pro Tag überhaupt dorthin. Nur eine bestimmte Reederei fährt zur Insel.

Auf der Fähre meinten ein paar Rentner, dass es ja angeblich Mücken auf Vilm gebe. Ich fand das lustig. Die sollen sich mal nicht so haben, dachte ich.
Auf Vilm änderte sich meine Meinung.
Nur mit geführten Touren geht es über die Insel. Als unser Ranger an der Stelle des Weges, die in den Wald hinein führt, auch meinte, es gäbe viele Mücken – da wussten wir schon: Er hat Recht.
Vilm ist an sich ganz schön. Naturbelassene Wälder, uralte Bäume. Der älteste Baum auf der Insel ist etwa 850 Jahre alt.
Allerdings hat Vilm tatsächlich eine Plage: die Mücken. Vilm hat wirklich viele Mücken. Sehr viele Mücken. Während uns der Ranger also irgendwas zeigte und erklärte, standen wir mitten im Mückeschwarm. Herrlich.

Eines der wenigen Häuser auf Vilm diente übrigens bis 1989 als Urlaubsdomizil der Honeckers. Erich, der Staatsratsvorsitzende, selbst war allerdings nur zwei- oder dreimal da. Dafür kamen seine Frau Margot und die Tochter wohl öfter.
Viele Leute fragen nach dem Honecker-Haus, wenn sie auf Vilm sind. Es ist noch da, aber nichts erinnert an die Vorwendezeit. Im Grunde erinnert auf Vilm gar nichts an die Vorwendezeit. Ein bisschen schade ist das schon, wenn man mal überlegt, welche Geschichte Vilm in der DDR-Zeit mitgemacht hat.
Die Rügener Tourismusverantwortliche sah das ganz anders, man müsse doch nicht überall an die DDR-Geschichte erinnern, das sei völlig unnötig. Es scheint, als ob das ein Reizthema auf Rügen ist.

Und weil wir sowieso schon im Wald unterwegs waren, nahmen wir auch noch den nächsten mit. Abseits von Lauterbach bei Putbus steht am Ufer des Greifswalder Boddens der Goor. Das ist ein Wald-Naturschutzgebiet, in dem es den Pfad der Muße und Erkenntnis gibt. Toll, sich die alten Buchen und Eichen anzusehen, die verschiedenen Landschaften und Wildnisinseln. Kleine Moore, Hügelgräber und vieles mehr.

Aber eines steht fest: Unser Bedarf an Wald und Mücken ist für die nächste Zeit gedeckt.
Jetzt sitzen wir im Gutshaus in Zicker und lassen die nächtliche Seele baumeln. In völliger Abgeschiedenheit auf einem kleinen Dorf in geräumigen Wohnungen. Eine echte Rückzugsinsel.