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Joachim Gauck und die Youtubestars

Donnerstag, den 27. Dezember 2012
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„Willi“: 58-mal in der MAZ und täglich auf Facebook – was 2012 bei den Jugendlichen in Oberhavel los war

MAZ Oranienburg, 27.12.2012

Topmodels, Videos auf Youtube, Auftritte im Fernsehen. Das Jahr bot in Oberhavel interessante Höhepunkte.

Januar:
In Hohen Neuendorf und im Löwenberger Land beginnt das Jahr mit gähnender Leere. Zumindest in den Veranstaltungskalendern auf den Internetseiten stehen keine Einträge. Glücklicherweise nur ein vorübergehender Zustand.
Toxica ist mit 15 Jahren die wohl jüngste Bassistin in Oberhavel. Die Schildower Band „Masters of dark Fire“ scheint aber Geschichte zu sein, denn die Musikerin gründet eine eigene Band.

Februar:
Tobias Regner, 2006 Gewinner bei „Deutschland sucht den Superstar“, gibt ein Konzert in Oranienburg. Der Hype um ihn hielt ein halbes Jahr, dann sei Schluss gewesen, erzählt er im „Willi“-Interview. Aber er macht tapfer weiter.
Facebook gestaltet seine Seiten um, führt die Chronik ein. Die „Willi“-Fans sind nicht begeistert, nur sieben Prozent finden die neuen Strukturen gut, ergibt eine Umfrage.
„Crazy Dennis Tiger“ feiert auf der Berlinale Premiere. Der Kurzfilm wurde in Schildow und Bergfelde gedreht. In der Hauptrolle: Dennis Kamitz aus Schildow.

März:
„Hackt’s noch? Schmeißt den Dreck in den Müll!“ Das ist nur eine Reaktion auf eine Verlosung von DVDs der Band Freiwild. Die Musiker sollen eine Naziskin-Vergangenheit haben.
Der Leegebrucher Jugendklub kommt in die Jahre. Die Party zum 50. Geburtstag ist ein rauschendes Fest.
Annabelle Rieß aus Velten mischt „Germany’s next Topmodel“ auf. Die 23-Jährige schafft es in der ProSieben-Modelshow unter die letzten 13 Frauen.

April:
Bei Youtube erscheint der Videoclip zum Song „Tanzen“ von Ilja Schierbaum. Gedreht wurde der Film auf Schloss Schwante.
Ingmar und Boussa von der Energy-Berlin-Toastshow treten im Oranienburger Filmpalast auf. Boussa überzeugt mit ihrer groovigen Musik, Ingmars Comedyshow bleibt eher platt.
Schauspieler Jörn Schlönvoigt, bekannt aus „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, engagiert sich für den Tierschutzverein Oberhavel. Dafür setzt er sich bei „Fressnapf“ in Oranienburg an die Kasse.
Die Hennigsdorfer Band „Die anderen Kinder“ hat einen Auftritt in der ZDFneo-Show „NeoParadise“. Die Pilotfolge ist schon 2011 aufgezeichnet und nun heimlich ausgestrahlt worden. Die Musiker haben ihren eigenen TV-Auftritt verpasst.

Mai:
Theo Trebs aus Birkenwerder hat einen Auftritt im „Tatort“. Im SWR-Fall „Der Wald steht schwarz und schweiget“ spielt der 17-Jährige aus Birkenwerder an der Seite von Ulrike Folkerts (Lena Odenthal).
Sandro Kohnke ist Youtubestar. der 20-Jährige aus Schwante spielt in einem Imagefilm der Bäckerinnung mit. Bislang ist er 271 000-mal angeklickt worden.
Glückwunsch! Mit einer „Trash is fash“-Party feiert die „Beat-Fabrik“ in Marwitz ihren 15. Geburtstag.

Juni:
3D schlägt 2D. „Men in Black 3“ ist der erste Film, der im Filmpalast Oranienburg gleichzeitig in beiden Versionen läuft. Die 3D-Fassung wird jedoch mehr angenommen.
Janin Schadewald (23) aus Oranienburg lässt sich vom ZDF umstylen. „Schick und schön“ heißt die Show, aus der sie wie ein neuer Mensch herauskommt.
In Zehdenick wird Moritz von Uslars Buch „Deutschboden“ für das Kino verfilmt. Premiere soll im Herbst 2013 sein.
An der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule in Birkenwerder tauchen Vampire auf. „Blut“ heißt das Musical, das dort Premiere feiert.

Juli:
Noch ein 15. Geburtstag! Diesmal feiern wir uns selbst, „Willi“ ist in der Pubertät angekommen.
Michael Kessler ist mal wieder auf Expedition. Mit dem Klapprad fährt er von Kopenhagen nach Berlin. Vor dem Oranienburger Schloss lässt er sich von Jugendlichen einige Akrobatiktipps geben.

August:
In Oranienburg tauchen an Brücken- und Hausmauern gelbe Klebezettel auf. „Junger, schlanker Er sucht Sie bis 20 Jahre“, heißt es darauf. Der Unbekannte bietet „viel TG“, Taschengeld. Wir warnen davor.
Die Oranienburger Runge-Gymnasiasten beziehen zum Schuljahresbeginn ihr neues Gebäude an der Willy-Brandt-Straße. Sie lernen nun in modernen Räumen.
Sven Gruel wird von Paul Aurin erst im Stechen besiegt. In Hohen Neuendorf steigt am Marie-Curie-Gymnasium wieder das Event „Schlag den Paul“. Eine echt spannende Show.

September:
Die Oranienburger Band PlekWek bringt ihr neues Album „Deswegen!“ heraus. Mehr als 250 Konzerte haben die Musiker bereits gegeben.
Die Kremmener Jugendarbeit bekommt gute Noten von den jungen Leuten in den Klubs, aber auch von den Betreuern. Die Stadt Kremmen hatte die Jugendarbeit von einem privaten Träger übernommen.

Oktober:
Schock! Der Schauspieler Dirk Bach ist tot! Nur vier Tage, bevor er gestorben war, kam er in die Show „neoParadise“. Der Schildower Dennis Kamitz war vor Ort. „Dirk Bach war total gut drauf“, erzählte er.
Ali Rhabarber und die Pfirsichräuber haben einen neuen Sänger. Die Band aus Groß-Ziethen wird nun von Mike Döhnert unterstützt.
Die Geburtstagsparty eines 16-Jährigen in Lehnitz ufert dermaßen aus, dass die Polizei kommt. Dutzende Jugendliche müssen zum Lehnitzer Bahnhof eskortiert werden.
Das „Kino im Ziel“ in Hennigsdorf schließt. Die Mitarbeiter erfahren es erst wenige Tage vorher. Unterdessen feiert der Oranienburger Filmpalast sein 15. Jubiläum seit der Neueröffnung.

November:
Schüler des Oranienburger Runge-Gymnasiums treten am Morgen nach der US-Wahl im Morgenmagazin der ARD auf. Sie präsentieren ihr Projekt zur Wahl. Sie sagen voraus, dass Mitt Romney in Indiana gewinnt – und haben recht.
Ein Treffen bei Bundespräsident Gauck in Berlin haben Oranienburger Schüler des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums ein paar Wochen danach. Die Band Hightek Music schafft es sogar ins „Nachtmagazin“ der ARD.
Die Band Mayia, die regelmäßig in Oranienburg probt, gewinnt die zweite Ausgabe von „Rockin’ Oberhavel“ im Hennigsdorfer Stadtklubhaus. Die jungen Frauen sind die Nachfolger der „anderen Kinder“, die 2010 gewannen.

Dezember:
Herzlichen Glückwunsch! Die Theatergruppe „Obst“ vom Oranienburger Runge-Gymnasium bekommt den diesjährigen Kulturpreis des Landkreises Oberhavel.
Die Hennigsdorfer sind schockiert: Unbekannte brechen ins Jugendfreizeitzentrum Konradsberg ein und stehlen Laptops, eine Playstation 3, eine Digitalkamera sowie ein Diktiergerät.

aRTikel

1992: Zühlsdorfer für Oranienburg

Dienstag, den 30. Oktober 2012
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Oktober 1992 I -> 12.10.2012

Vor 20 Jahren: Bewohner haben die Wahl

MAZ Oranienburg, 30.10.2012

Was passierte vor 20 Jahren in der Region? Diesmal die zweite Hälfte im Oktober 1992.

OBERHAVEL
Hunderte schwere Laster poltern jeden Tag über das Kopfsteinpflaster auf der B 273 in Staffelde. Im Oktober 1992 haben die Anwohner die Nase voll. Sie starten eine Unterschriftensammlung für eine Ortsumgehung.

Die Räume des Flatower Dorfkonsums stehen nicht mehr leer. Am 15. Oktober 1992 eröffnet die Kremmenerin Heike Busse den neuen Spar-Markt.

In Zühlsdorf fällt am 18. Oktober 1992 die Entscheidung, ob der Ort zu Wandlitz und damit zum Nachbarkreis Bernau oder zum Amt Schildow, also zum Kreis Oranienburg, gehören soll. 82,26 Prozent entscheiden sich für Oranienburg – und das, obwohl eigentlich alle Weichen für Wandlitz längst gestellt waren.

Der Bau der neuen Schule in Vehlefanz gerät ins Stocken. Der Potsdamer Bewilligungsausschuss erhängt einen Finanzierungsstopp. Dennoch müsse der zu zwei Dritteln fertige Bau fortgesetzt werden, so der Vehlefanzer Bürgermeister Hubert Gediga, das Dach müsse vor dem Winter geschlossen sein.

Grundsteinlegung in Birkenwerder: Die Firma Francotyp Postalia lässt sich für 50 Millionen Mark den neuen Unternehmenssitz bauen. Zunächst entstehen eine 10 000 Quadratmeter große Produktionshalle und ein Verwaltungsgebäude.

Das Stahlwerk-Klubhaus in Hennigsdorf steht auch künftig den Berliner Filmleuten offen, die dort schon diverse Filme und Serien gedreht haben. Einen entsprechenden Beschluss fassen die Stadtverordneten am 21. Oktober 1992. Die Großdisko ist somit vom Tisch.

Kremmens Amtsdirektor Werner Neue wechselt nach Zehdenick. Oder eher: Er verzichtet auf Kremmen. Im Oktober 1992 stellt sich heraus, dass sich Neue sowohl in Kremmen als auch in Zehdenick zum Amtsdirektor hat wählen lassen. Er entscheidet sich für Zehdenick, da seien die Herausforderungen größer, so Neue. Helmut Glanzer übernimmt das Amt Kremmen nun kommissarisch, die Stelle wird ausgeschrieben.

RTelenovela

Ausgebogst nach Neubrandenburg

Dienstag, den 30. Oktober 2012
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Jürgen Bogs war in der DDR mal ein guter Trainer. Jedenfalls führte er den BFC Dynamo zehnmal zur Fußball-Meisterschaft. Aber das ist lange, lange her. Inzwischen ist er Rentner, trainiert aber immer noch die eine oder andere Mannschaft.
Im Frühsommer kam er nach Zehdenick, um den SV zu trainieren. Das lief, sagen wir mal, nicht immer gut. Eine 0:7- und eine 0:4-Niederlage waren eher unerwartete Ergebnisse.

Klar, dass man da ein bisschen die Lust verliert, und dann spielt ja Zehdenick auch nur in der Landesklasse, da langweilte sich Jürgen Bogs bestimmt.
Deshalb machte er sich nun aus dem Staub. Der 1. FC Neubrandenburg rief (immerhin Oberliga – hohoho!), und Bogs kam. Macht doch euren Zehdenicker Dreck alleine, Bogs ist zu höherem berufen, denkt er sich vermutlich.
Der Mannschaft hat er seinen Abschied nicht verkündet, nur dem fünfköpfigen Spielerrat erklärte sich. So was Schäbiges! Der mann hat nicht mal den Arsch in der Hose, sich von einen Leuten vernünftig zu verabschieden, stattdessen verpfeift er sich – und tschüss.
Unsportlich, um es mal vorsichtig auszudrücken.

RT im Kino

Herr Wichmann aus der dritten Reihe

Sonntag, den 9. September 2012
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Herr Wichmann von der CDU hat’s geschafft – in den Landtag von Brandenburg. Knapp zehn Jahre, nachdem ihn der Filmemacher Andreas Dresen im Bundestagswahlkampf begleitet hat, können wir Henryk Wichmann wieder ein Stück bei der Arbeit beobachten.
Wichmann sitzt in der Opposition in Potsdam, sein Wahlkreis liegt im Norden von Oberhavel und in der Uckermark.

Und es ist viel zu tun. In Vogelsang hält zwar die Bahn im Bahnhof, öffnet aber nicht die Türen. In einem Kanal bei Prenzlau dürfen keine Boote fahren. Die Rentner in Himmelpfort möchten ihren Frust loslassen. In Templin ist eine große Rentnersause. In Gransee möchten Schulkinder etwas über seine Arbeit erfahren. Ein Schreiadler sorgt dafür, dass ein Radweg nicht gebaut werden kann. Im Landtag in Potsdam wird während der Landtagssitzung getratscht und abgestimmt (gern auch mal ohne zu wissen, worum es gerade geht). Und dann ist auch noch das Auto kaputt, weil Wichmann in Nassenheide statt Benzin Diesel getankt hat. Zwischendurch noch ein Besuch bei der Zeitung in Gransee und die Eröffnung des Wahlkreisbüros in Zehdenick.

Was’n Stress. “Herr Wichmann aus der dritten Reihe” bietet sehr spannende Einblicke in den Politikeralltag. Als Otto-Normal-Bürger lernt man auch dazu: Es ist unglaublich, womit sich ein Landtagsabgeordneter in der Provinz innerhalb weniger Monate beschäftigen muss, worin er auskennen muss, worüber er sich schlaumachen muss, was er sich anhören muss, versprechen muss, und und und.
Die Leute sagen gern mal: Politiker sind überbezahlt. Aber wenn Wichmann den Rentnerinnen in Himmelpfort erzählt, was er von seinen Diäten alles bezahlen muss, da wird einem schon schwindlig.

Sicherlich: Dresens Film ist vor allem für die Menschen nördlich von Berlin spannend, weil “Herr Wichmann aus der dritten Reihe” in gewisser Hinsicht auch ein Heimatfilm geworden ist. Allerdings wird es anderen Landespolitikern nicht sehr viel anders gehen als Henryk Wichmann aus Templin.

8/10

aRTikel

Kesslers Expedition führt nach Oranienburg

Mittwoch, den 1. August 2012
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Für den RBB radelt der Comedian den Fernweg von Kopenhagen nach Berlin / Begegnungen in Oberhavel

MAZ Oranienburg, 1.8.2012

OBERHAVEL
Begegnen die Leute dem Schauspieler und Comedian Michael Kessler, dann haben sie oft nur eine Frage: „Wo ist der Esel?“ So ist es auch gestern Nachmittag auf dem Oranienburger Schlossplatz passiert.
Der 45-Jährige ist seit dem 20. Juli für den RBB auf seiner fünften Expedition. Diesmal ist er nicht mit einem Esel oder auf einem Hausboot unterwegs, sondern er fährt auf einem Klapprad namens „Rotkläppchen“ auf dem Radfernweg von Kopenhagen nach Berlin. Montag und gestern war er in Oberhavel unterwegs.

Vor dem Schloss in Oranienburg begegnete er Oliver und seinen Freunden, die ihm gleich mal ein paar Freestyle-Sprünge zeigten. „Es läuft bisher wirklich sehr, sehr gut“, sagte Michael Kessler gestern über seine aktuelle Expedition. „Sommer, Sonne, die Menschen fühlen sich wohl, wir kommen leicht mit ihnen ins Gespräch. Es ist toll, die Menschen lassen sich schnell auf uns ein“, so Kessler weiter. „Unsere Kamera und das Mikro werden von den Leuten meist ausgeblendet, aber deshalb funktioniert die Sendung auch so gut.“
630 Kilometer lang ist der Radfernweg. Kessler ist auf einem 30 Jahre alten Rad aus dem RBB-Fundus unterwegs. „Die Beine tun weh, der Hintern auch, aber es geht“, sagte er. „Es hat zwei Gänge, das sind 20 zu wenig.“ Der Anhänger macht es noch schwerer. Immer dabei hat er ein Zelt, Proviant, einen Schlafsack, Regenklamotten und eine Luftpumpe. Beim Start gestern früh begegnete Kessler in Zehdenick dem Musiker Blocky von der Band „5 Teeth Less“, bekannt aus Moritz von Uslars Roman „Deutschboden“. „Er erzählte mir, dass gerade ein Film über sie gedreht wird“, so Kessler.

Begeistert war er vom Radweg-Abschnitt zwischen Bernöwe und Friedrichsthal. „Das ist irre, diese ursprünglichen Wälder dort“, schwärmte er. „Man hat das Gefühl, man ist im Urwald, es herrscht dort eine totale Stille.“ Gestern führte die Tour bis nach Birkenwerder. Heute geht es weiter bis zum Brandenburger Tor nach Berlin.

Schon ab Freitag, 17. August, soll die neue Staffel von „Kesslers Expeditionen“ beim RBB auf Sendung gehen. Die vier Folgen laufen freitags ab 20.15 Uhr. Die nächste Tour wird wohl in den Harz führen.

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Doppelt so hohe Gebühren

Dienstag, den 10. Juli 2012
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Ärger um die geplanten Gema-Tarife / Marwitzer Diskobetreiber müssten jährlich fast 6300 Euro zahlen

MAZ Oranienburg, 10.7.2012

Die Auswirkungen der Tarifreform sind unklar. Eigentlich müssten wir die Eintrittspreise senken, statt erhöhen, sagt Tom Wittenbecher von der „Beat-Fabrik“.

OBERKRÄMER/KREMMEN
Die Gema spricht von Gerechtigkeit. Tom Wittenbecher von der Marwitzer „Beat-Fabrik“ nennt es „nicht sehr clever“ und drückt sich damit noch vorsichtig aus.
Die Rede ist von der geplanten Neustruktur der Gema-Gebühren. Etwa zehn Prozent der Eintrittspreise sollen dann an die Verwertungsgesellschaft gehen, die die Gebühren für ihre Mitglieder eintreibt. Fällig werden sie, wenn öffentlich bei Veranstaltungen Musik gespielt wird. Die Höhe der Gebühren richtet sich nach der Größe des Veranstaltungsraumes und der Höhe der Eintrittspreise. Bisher wabern allgemeine Zahlen und Durchschnittswerte durch die Medien. Tom Wittenbecher und Susan Beastoch von der Marwitzer Diskothek „Beat-Fabrik“ nennen nun konkrete Zahlen.

„Bei uns fallen in diesem Jahr 3120 Euro Gema-Gebühren an“, sagt Wittenbecher, der die Disko seit 15 Jahren betreibt. „Kommt es zur Tarifreform zahlen wir 6296 Euro.“ Das wäre mehr als das Doppelte. Hinzu kommt wohl ein Aufschlag um 50 Prozent, wenn die Party länger als fünf Stunden dauert – und das ist in Marwitz grundsätzlich so. Ob sie das stemmen können, wissen Wittenbecher und Beastoch nicht. Damals, zur Eröffnung 1997, zahlte die „Beat-Fabrik“ gerade mal 1874 Euro an die Gema. „Das Problem ist: Wenn wir die Preise erhöhen, will auch die Gema mehr Geld“, sagt Tom Wittenbecher. Es wäre deshalb eigentlich sinnvoller, die Eintrittsgelder eher zu senken, ob die Besucher in Marwitz dafür aber bereit wären, mehr für Getränke zu zahlen, ist ungewiss.

Bislang erhöhte die Gema die Gebühr alle zwei Jahre, aber nie so drastisch wie es für 2013 geplant ist. „Ich kann das nicht verstehen“, sagt der Marwitzer Diskobetreiber. Er und seine Partnerin Susan Beastoch üben Kritik an der Undurchsichtigkeit der Verwertungsgesellschaft. „Niemand weiß, wie viel eigentlich beim Künstler ankommt“, so Wittenbecher. „Der Verteilungsschlüssel ist nicht offen.“ Bekannt ist dafür, dass der Gema-Vorstand fast eine halbe Million Euro erhält.
Unfair finden die Marwitzer vor allem, dass die Gebühr auch von der Quadratmeterzahl der Disko abhängig ist. „Die Gema geht von einer 85-prozentigen Auslastung aus, aber die muss man erst mal haben“, sagt Tom Wittenbecher.

Betroffen sind auch Veranstaltungen wie das Hafenfest in Velten, das Wittenbecher und Beastoch betreuen. Für solche Events steigen die Gebühren um weit mehr als das Doppelte. „Hätten wir 2012 das Hafenfest veranstaltet, wären 421 Euro Gema-Gebühren pro Tag fällig gewesen. 2013 sind es 1059 Euro. Ähnliches gilt für die Veltener Kneipennacht. Jede teilnehmende Gaststätte zahlte 2011 eine Gebühr von 95 Euro, 2013 wären 160 Euro fällig. Wittenbecher hat das alles ausgerechnet.

Auch die Beachparty am Veltener Bernsteinsee könnte die Erhöhung treffen. „Partys mit elektronischer Musik aber wahrscheinlich eher, als wenn Bands auftreten“, sagt Veranstalter Christian Rietzke von der Right Now Showproduktion GbR. Völlig unklar ist noch, wie sich die neuen Preise auf Stadt- und Dorffeste auswirken. „Die Gebühren sind bislang immer unterschiedlich hoch“, sagte Sabine Großmann vom Hauptamt in Oberkrämer gestern. „Da bin ich noch nie wirklich dahintergestiegen.“ Das Geld dafür kommt aus den Töpfen der verschiedenen Ortsteile, in denen die Feste stattfinden.

Die Gema argumentiert, dass viele von der neuen Preisstruktur profitieren würden, Tom Wittenbecher von der „Beat-Fabrik“ kennt niemanden. Das ruft auch den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auf den Plan. Der Kreisvorsitzende Norbert Stolley, der im Kremmener Scheunenviertel das „New Coldehörn“ betreibt, findet die geplante Gebührenerhöhung nicht richtig. „Die Betreiber von Diskotheken und Tanzlokalen betrifft das ganz besonders“, sagte er gestern auf Nachfrage der MAZ. Beim nächsten Dehoga-Stammtisch am 28. August um 14.30 Uhr im Zehdenicker Havelschlösschen will er das Thema besprechen.

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DJ macht eine Babypause

Samstag, den 21. April 2012
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Der Zehdenicker Sebastian Augstein ist seit vielen Jahren DJ – heute nimmt er in Marwitz Abschied

MAZ Gransee, 21.4.2012

ZEHDENICK
Schon seine Mutter hat ihn immer Augi genannt. Den Spitznamen hat Sebastian Augstein bei vielen Freunden immer noch. Die Besucher der Marwitzer Diskothek „Beat-Fabrik“ müssen heute Abschied nehmen vom 37-jährigen DJ-n-rico, wie er sich auch nennt. Nach zwölf Jahren sorgt der Zehdenicker ein letztes Mal für die Musik in Marwitz. Nun steigt die „Abschiedssause“.
„Eigentlich ist es eine Babypause“, sagt er. „Der Geburtstermin ist in der ersten Mai-Woche, dann will ich kürzertreten.“ Dass er nie wieder irgendwo als DJ auftreten werde, will er aber nicht sagen.

Für Musik hat sich Sebastian Augstein schon immer interessiert. Er hatte Schlagzeugunterricht an der damaligen Musikschule in Hohen Neuendorf. Anfang der 90er legte er im „Flashlight“ in Gransee auf, damals die erste Disko in der Region. „Das war ein riesiger Hype.“
Vor zwölf Jahren fuhr er zur Marwitzer „Beat-Fabrik“ und stellte sich dort vor – mit Erfolg. „Der dritte Floor war meiner“, erzählt Augstein. Schnell wandte er sich der elektronischen Musik zu. „Musik muss tanzbar sein und treiben“, sagt er über den Stil, den er auflegt. Seine Favoriten sind Paul Kalkbrenner und die Sounds aus dem Techhousebereich.
Auch auf der Love Parade in Berlin war er mehrere Male präsent, meistens auf dem „Lovebase“-Wagen. „Die elektrische Musikszene ist immer noch da“, erzählt er. „Wobei man die Stile kaum noch voneinander unterscheiden kann. Die elektronische Musik ist sehr viel mainstreamiger geworden“, sagt Augstein. „Hier in der Region hat sie es deutlich schwerer, Berlin ist aber immer noch die Hochburg.“

Eigentlich ist Sebastian Augstein Elektriker, er arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Monteur bei einer Altlüdersdorfer Firma. „Mit Musik kannst du zwar Geld verdienen“, sagt er. „Aber du wirst damit nicht alt.“
Dennoch herrschte in Marwitz einen Moment lang Stille, als er verkündete, dass er als DJ aufhören will. „Das haben sie erst nicht so richtig verstanden und nachgehakt, ob es wirklich für immer ist“, sagt er. „Aber ich weiß es noch nicht, vielleicht komme ich in einem Jahr wieder.“ Heute steigt in der „Beat-Fabrik“ seine letzte Party. „Musikalisch wird alles dabei sein“, sagt Augi. „Ich werde die vergangenen Jahre Revue passieren lassen.“ Ansonsten will er sich überraschen lassen, was heute weiterhin passiert. In der Babypause möchte er sich verstärkt um Musikmixe kümmern. „Die will ich auch lizensieren lassen und in den Handel bringen“, sagt er.