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Kommissarin Heller: Panik

Dienstag, den 19. Januar 2021
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SA 16.01.2021 | 20.15 Uhr | ZDF

Peng. Und weg.
Das war dann wohl der überraschendste und schnellste Serientod des Jahres.
Kommissarin Heller wurde vom Blitz getroffen, und damit endet auch die Krimireihe.

Im ZDF lief am Sonnabendabend tatsächlich die letzte Folge von “Kommissarin Heller”. In Wiesbaden muss sie in Sachen Prostitution ermitteln. Als der Fall erledigt war und sie das Haus verließ, krachte es einmal und… nun ja.
Das nenne ich mal konsequent. Kurz und eventuell schmerzlos.

Gerade mal 10 Folgen der Reihe liefen zwischen 2014 und 2021 – wobei Folge 9 bereits vor fast zwei, im Februar 2019, ausgestrahlt worden ist. Hauptdarstellerin Lisa Wagner wollte die Serie beenden, nicht das ZDF. Sie wolle nicht, dass sich ihre Figur im Kreis drehe. Auch das: konsequent.
Zuschauer, die nicht wussten, dass nach “Panik” nichts mehr kommen würde, werden am Sonnabend vermutlich ziemlich verstört gewesen sein. Aber ein normaler Abgang wäre für die unkonventionelle Kommissarin wahrscheinlich zu langweilig gewesen.

-> Der Film in der ZDF-Mediathek (bis 14. Januar 2022)

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Was nun, Herr Laschet?

Sonntag, den 17. Januar 2021
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SA 16.01.2021 | 19.25 Uhr | ZDF

Huch, das kam ja dann doch fast ein bisschen überraschend. Friedrich Merz ist nicht CDU-Vorsitzender geworden. Dabei hatte er scheinbar seine Zukunft in dieser Rolle schon fest durchgeplant, und auch in den Medien schien es, als ob das Rennen eigentlich schon gelaufen ist.
Am Ende setzte sich am Sonnabendvormittag bei der Wahl auf dem digitalen CDU-Parteitag Armin Laschet durch.

Beim ZDF dachten sie sich offenbar, Laschet zum Amtsantritt gleich mal richtig grillen zu müssen. Ihm knallharte Fragen zu stellen und ihm aufregende Antworten zu entlocken. Was erst mal nicht falsch ist.
Allerdings schienen Bettina Schausten und Peter Frey investigative Fragen mit dämlichen Fragen verwechselt zu haben. Sie dachten, wenn sie ihm mal Fragen stellen, bei denen die Antworten aus naheliegenden Gründen feststehen, aber sie dabei einen scharfen Ton anschlagen, dass das den Laschet schon irgendwie zermürben würde.

Und so fragten sie, ob denn jetzt auch feststünde, dass er auch Bundeskanzler werden wolle. Laschet antwortete – und das ist ja logisch -, dass das im Frühjahr mit der CSU besprochen werde solle. Woraufhin Frey ihn fragte, warum er so zögere. Erwartet Frey wirklich, dass Laschet sagt, Söder sei nun raus? Das ist albern.

Gleich danach ging es darum, dass Verlierer Merz vorgeschlagen habe, nun als Wirtschaftsminister ins aktuelle Kabinett zu wechseln. Merkel ließ ablehnen, und von Laschet wollten Frey und Schausten wissen, ob das nicht ein Machttest von Merz gewesen sei. Erstaunlich locker erzählte Laschet, dass er Merz gern im CDU-Präsidium gehabt hätte, dass Merz das nicht wollte und dass es an diesem Tag ja um die CDU-Wahl gegangen sei, alles andere nicht zur Debatte stand. Worauf ihm Schausten gewissermaßen Krach einreden wollte und meinte, dass es Merz darum gegangen sein könnte, Merkel vom Thron zu stürzen und ihm fast schon zum Vorwurf machte, dass da nichts geschehe.
Das ist ziemlich krude, denn warum sollte Armin Laschet in der momentanen Pandemiekrise auch noch eine Regierungskrise auslösen? Das hätte weder Merz getan, noch wird das Laschet tun, weil es so kurz vor der Wahl und mitten in der Krise keinen Grund dazu gibt. Laschet ließ sich das von den ZDF-Befragern nicht einreden, recht souverän erteilte er der Idee eine Absage.

Frey versuchte es dann noch mal andersrum: Ob denn Laschet den Merz ins Kabinett holen würde. Aber auch das konterte Laschet: Erst müsse man sich ja mit der CSU einigen, dann werde noch gewählt.
Schausten ließ aber nicht locker: Ob Merz damit rechnen müsse, dass Laschet sein Angebote ausschlage, Wirtschaftsminister zu werden. Was angesichts all dessen, was Laschet vorher sagte, eine bekloppte Frage war, denn ein Wechsel im aktuellen Kabinett stehe ja nicht zur Debatte. Und ob es sinnvoll ist, dass Laschet einfach mal den Altmeier rausschmeißt, um Merz sein Pöstchen zu geben, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Es folgten viele weitere merkwürdig schlecht durchdachte Fragen, die immer nervig konfrontativ waren. Natürlich ist es gut, wenn Journalisten hart nachfragen, aber diese Fragen sollten auch sinnvoll sein, und nicht einfach nur nölig und schlecht gelaunt. Warum Laschet als CDU-Chef jetzt in der Coronafrage hauptsächlich mitbestimmen sollte, was läuft und was nicht, ist völlig abwegig. Das sei keine Parteienfrage, so Laschet. Das entscheiden immer noch die Ministerpräsidenten gemeinsam mit Merkel und den weiteren Entscheidern. Worauf die ZDF-Leute da hinaus wollten, ist völlig schleierhaft.

Es folgten weitere auf Zoff ausgerichtete Fragen. Das ist grundsätzlich nicht falsch. Aber das sollte dann schon mit Argumenten geschehen, die Laschet am besten nicht entkräftigen könnte. Es gebe bei Laschet so einiges, was man fragen könnte, was gerade in Bezug auf Corona schief gelaufen ist.
Solche Fragen kamen aber nicht, stattdessen solche, die argumentativ seitens Laschet einfach zu entkräften waren. So wirkten die beiden ZDF-Leute wie harte Nachfrager, aber eigentlich war das alles nur heiße Luft, und damit machten sie es – ohne, dass sie das sicher wollten – für den neuen CDU-Chef sehr einfach. Er geht als eindeutiger Sieger aus dieser missglückten Sendung hervor.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 16. Januar 2022)

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Das Traumschiff: Seychellen

Sonntag, den 3. Januar 2021
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FR 01.01.2021 | 20.15 Uhr | ZDF

Das war doch mal eine schöne Traumschiff-Reise. Sie führte sehr lang an Blueboxien vorbei bis zu den Seychellen. Da war man aber auch nur kurz, damit man wieder an Blueboxien vorbeischippern konnte.

Es war an Neujahr im ZDF alles ein bisschen anders – allerdings haben es eventuell viele Zuschauer gar nicht so genau mitbekommen. In “Das Traumschiff: Seychellen” hat der Dampfer nämlich in Wirklichkeit den Hafen nie verlassen.
Wie in der Doku am 2. Weihnachtsfeiertag zu sehen war, musste bei dieser Reise mit einem Bluescreen gearbeitet werden. Wegen der Coronakrise hat die MS Amadea den Hafen nicht verlassen können. Dennoch ist an Bord gedreht worden. Damit es aber so aussieht, dass sich das Schiff auf hoher See befindet, musste an den richtigen Stellen immer ein Bluescreen errichtet werden. Dort sind dann die Hochsee-Bilder eingeblendet worden. Gesehen hat man das nur mit einem sehr geübten Auge.

Dass die Seychellen-Folge zu den eher langweiligen gehörte, hat aber vermutlich weniger mit Corona zu tun. Auch die Seychellen-Aufnahmen waren jetzt nicht so umfangreich und aufregend. Und auch Harald Schmidt fehlte wieder.
Aber klar: Es gibt Schlimmeres, und letztlich zeigte diese Folge auch, dass es auch ohne echte Kreuzfahrt geht. Und ohne wirklich Kreuzfahrt-Reiseziele: Die “Kreuzfahrt ins Glück” im Anschluss am Neujahrsabend führte nach Tirol. Wie das Schiff aber dorthin gekommen ist oder wie die Passagiere so schnell vom Hafen nach Österreich gekommen sind, wurde vorsichtshalber nicht gezeigt.
Weihnachten 2021 führt der nächste Traumschiff-Ausflug dann vermutlich nach Dessau. Soll ja auch schön sein. Vor allem der Hafen.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 30. Dezember 2021)

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Willkommen 2021

Samstag, den 2. Januar 2021
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DO 31.12.2020 | 21.45 Uhr | ZDF

Ruhiger war es, dieses Silvester 2020. Nicht nur wegen der Ausgangsbeschränkungen und des Versammlungsverbotes in Deutschland. Seit Wochen müssen auch die Fernsehshows wieder komplett ohne Publikum auskommen.
Umso verwunderlicher war die Ankündigung, dass das ZDF dennoch nicht auf die große Show zum Jahreswechsel vom Brandenburger Tor in Berlin verzichten wollte. “Willkommen 2021” sollte trotzdem über die Bühne gehen, und war im Berliner Verkehrsfunk immer davon die Rede, dass die Straße des 17. Juni wegen der digitalen Silvesterparty gesperrt sei. Wegen einer Fernsehshow ohne Publikum war also mal wieder mehrere Tage die Straße zum Brandenburger Tor dicht.
Viele fragten sich: Hätte das ZDF nicht in ein Studio umziehen können?
Die Antwort gab es zu Silvester: Klar hätte das ZDF mit “Willkommen 2021” ins Studio umziehen können – aber wer die parallel laufenden Show im Ersten und im mdr gesehen hat, weiß: Das wäre ziemlich ätzend gewesen.

Das ZDF hat das Beste draus gemacht, und das war am Ende recht gut. Die Kulisse des bunt angestrahlten Brandenburger Tores war unschlagbar. Es gab musikalische Gäste auf der Bühne, die Partymusik lieferten (natürlich ist das immer Geschmackssache), andere Promis sind per Internet zugeschaltet worden. Zuschauer konnten sich ebenfalls live dazuschalten oder Bilder einsenden. Kurzweilig!

Und vor allem: live! Beim ZDF gab es zwar Applaus vom Band – ansonsten aber war alles real.
Ganz anders im Ersten: Die Silvestershow war bereits im November aufgezeichnet worden. Im Studio kam da nicht so wirklich Partyatmosphäre auf. Und wenn dann kurz vor Mitternacht noch der Countdown gezählt wurde, dann wirkte das im Wissen, eine Aufzeichnung zu sehen, schon albern, wenn sich dann alle überschwänglich zuprosteten.
Ebenso im mdr, wo die Show ebenfalls im kleinen Studio und ohne Publikum aufgezeichnet worden ist.
Aber selbst das ist auch immer noch besser als der rbb, der einfach nur die laufende Rankingshow unterbrochen hatte für einen eingesprochenen Countdown und einen Zusammenschnitt von Berliner Feuerwerken. Erstmals gab es keine Live-Sendung zum Jahreswechsel. Der WDR übertrug dagegen live das Nichts vom Kölner Dom, was natürlich auch kein Stimmungsaufheller war.

All diese Beispiele zeigen, dass das ZDF am Ende doch alles richtig gemacht hat. Live vor Ort konnte dann zumindest ein bisschen Stimmung gemacht werden.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 7. Januar 2021)
-> Mehrere TV-Jahreswechsel bei TVClipsDeutschland auf Youtube

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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

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SOKO München: Countdown

Dienstag, den 29. Dezember 2020
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DI 29.12.2020 | 20.15 Uhr | ZDF

Das muss man sich mal vorstellen: Sie erste Folge dieser Serie lief am 2. Januar 1978 im ZDF. Da habe ich noch gar nicht gelebt. Vor fast 43 Jahren. Seitdem liefen unglaubliche 46 Staffeln und 675 Folgen.
Am Dienstagabend hieß es Abschied nehmen von der “SOKO München”. “Countdown” war die allerletzte Folge, die ausgestrahlt worden ist.

1978 gestartet unter dem Titel “SOKO 5113” – 5113 war die Durchwahlnummer der Kripo – wurde die Reihe später das Vorbild für unzählige SOKO-Ableger im ZDF.
Die Quoten der Reihe waren gut, und so waren es offenbar auch keine Quotengründe, warum das ZDF die Reihe nicht fortsetzen wollte. Zumal sie durch SOKO-Serien aus Potsdam und Hamburg ersetzt wird – was ja auch nicht gerade originell ist und frischen Wind bedeuten könnte.

In “Countdown” ging es noch mal hoch her: Zwei Tage vor der Pensionierung von Arthur eskaliert eine Entführung. Sein Kollege Dominik muss den Geiselnehmer erschießen, um sein Leben zu retten. Als der suspendiert wird, entschließt sich Arthur, ihn zu schützen.
Zum Abschluss gab es also noch einmal einen Fall, der es in sich hatte, und der auch die Kommissare selbst bis an die Grenzen brachte.
Seltsam, dass das ZDF so einen Klassiker wegwirft, der ohne Weiteres gut zu modernisieren ist – und ihn durch andere SOKOs zu ersetzen, wirkt dann schon sehr beliebig.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 28. Dezember 2021)

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Das Traumschiff: Kapstadt

Montag, den 28. Dezember 2020
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SA 26.12.2020 | 20.15 Uhr | ZDF

Das Traumschiff schipperte am 2. Weihnachtsfeiertag im ZDF nach Kapstadt, und es herrschte mal wieder die relativ heile Welt, die nur zwischendurch mal kurz ins Wanken gerät.
Der Schiffarzt verabschiedet sich, ein junges Paar kommt für ein Blind Date aufs Schiff, eine Schwester reist für Impfungen nach Kapstadt. Eine junge Frau will in Kapstadt ihre Heimat entdecken – und die leibliche Mutter finden.
Es sind unterhaltsame Geschichten, die erfreulich gut funktionieren. Die kreative Krise der Serie scheint überwunden zu sein, und Florian Silbereisen als Kapitän spielt auch nicht mehr so hölzern wie am Anfang.

Spannend an der “Kapstadt”-Folge sind auch eher die Umstände. Denn die Folge entstand im Winter und Frühjahr. Während des Kapstadt-Drehs herrschte noch einigermaßen Normalität. Doch die Szenen, die auf dem Schiff entstanden, standen schon unter dem Eindruck der Coronakrise und des ersten Lockdowns.
Harald Schmidt war nicht dabei, weil er nicht mehr aufs Schiff konnte. Und auch Florian Silbereisen konnte am Ende nicht mehr aufs Schiff, weshalb auch da Szenen umgeschrieben werden musste. Die Abschiedsrede musste der zweite Kapitän halten.
Crew und Passagiere waren tagelang auf dem Meer unterwegs, ohne zu wissen, wo anlegen können und wie lange das dauert – durch Corona geriet alles durcheinander.
Umso schöner die coronafreie heile Welt, die wir dann zu sehen bekommen haben.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 24. Dezember 2021)

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