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Wach

Mittwoch, den 19. September 2018
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MO 17.09.2018 | 20.00 Uhr | Funk

Beim Namen Kim Frank fällt mir schon lange nicht nur die Band “Echt” ein. Inzwischen ist er ein sehr angesagter Musikvideo-Filmer. Er drehte mehrere Clips für Mark Forster (”Bauch und Kopf”, “Sowieso”, “Flash mich”), außerdem für Udo Lindenberg, Adel Tawil, Revolverheld und viele andere.

Sein Traum schon lange war aber ein Langfilm, es war allerdings schwierig einen Partner dafür zu finden. Er fand ihn in Funk, dem jungen Netzwerk von ARD und ZDF und im “Kleinen Fernsehspiel” des ZDF. Am Montagabend hatte “Wach” bei Funk Premiere. Unter anderem bei Youtube ging er online, am sehr späten Abend lief er dann (allerdings mit sehr wenigen Zuschauern) im ZDF.

Zwei 17-jährige Mädchen wollte so lange wie möglich wach bleiben. Daraus entwickelt sich mehr und mehr ein echter Trip.
Der allerdings keine 75 Minuten trägt. Leider zieht sich die Geschichte ein bisschen wie ein Kaugummi, abgesehen davon, dass die Grundkonstellation auch nicht sehr aufregend ist.
Auch wenn sich am Ende alles ziemlich zuspitzt – von der Qualität seiner Videoclips ist Kim Frank leider mit seinem ersten langen Film ziemlich weit entfernt.

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Heidi

Dienstag, den 18. September 2018
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SO 16.09.2018 | 5.40 Uhr | ZDF

Das ZDF schickt immer am Sonntagmorgen Roboter im Kinderprogramm auf Sendung. Es sind Figuren, die sich nur behäbig bewegen, die sehr glatt sind und die nur drei verschiedene Mundbewegungen machen.

Ausgerechnet Heidi, eine der Kultfiguren aus dem Kinderprogramm ist auf besonders plumpe Weise reanimiert worden. Nun war die Zeichentrickserie aus Japan von 1974 zeichnerisch auch keine ganz hohe Kunst. Aber die 2018er-Version kann auch nicht sehr teuer gewesen sein.

Für Hintergründe hat es meist gar nicht gerecht. Die Bäume am Horizont sind nur noch farblich angedeutet. Die Figuren sind computeranimiert, und es war nicht das modernste Programm. Klobig bewegen sich Heidi und Peter durch die Gegend. Die Münder bewegen sich nur schlicht, alles sieht sehr glatt aus. Selbst der Bart vom Almöhi ist eine Maske, die aussieht, als habe sich der Großvater eine Haube aufgesetzt und sei fast komplett haarfrei. Das Haus kommt ohne Schnickschnack an den Wänden aus.

Kindern, die um 5.40 Uhr am Sonntag schon vor dem Fernseher sitzen, ist das alles vermutlich egal. Aber dennoch hätte die “Heidi”-Neuauflage ein bisschen weniger lieblos sein können.

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Markus Lanz: Hinrich Lührssen

Freitag, den 7. September 2018
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DI 04.09.2018 | 22.45 Uhr | ZDF

Ob Journalisten wirklich Mitglied in einer Partei sein müssen, das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Dass ein Journalist aber im Vorstand einer Partei sitzt – das ist schwierig.
Hinrich Lührssen kennt man von vielen “Stern TV”-Reportagen, zuletzt war er für das Magazin “Buten un Binnen” von Radio Bremen unterwegs.
Lührssen ist nun im Vorstand der Bremer AfD, und das ist mit der aktiven Arbeit eines Journalisten nicht vereinbar. Dass man da beim RB kurz oder länger mal drüber nachdenkt, wie man damit umgeht, ist selbstverständlich.
AfD-Freunde mögen nun motzen, dass ja ganz sicher auch Mitglieder von SPD oder Grüne in den Sendern sitzen. Und dass da keiner drüber berichtet. Aber vermutlich wäre das anders, wenn eine Fernsehnase plötzlich im Vorstand eines SPD-Landesvorstandes sitzen würde. Und was ist mit Steffen Seibert, wird dann auch gerne mal gefragt. Dabei ist die Frage einfach: Seibert hat einen neuen Job und arbeitet derzeit nicht mehr als Journalist.

Am Dienstagabend war Hinrich Lührssen zu Gast bei Markus Lanz im ZDF. Lanz und Lührssen kennen sich lange, und Lanz wollte wissen, was seinen Kollegen zur AfD getrieben habe. Immerhin sei das doch die Partei, die gern mal von der
Lügenpresse reden, bei der Lührssen (und dann noch für einen öffentlich-rechtlichen Sender) ja arbeitet.
Von Lührssen kommt dazu nicht wirklich Stichhaltiges. Er sage ja so was nicht, meint er. Deshalb habe das gar keine Bedeutung.
Er finde die Flüchtlingspolitik von Merkel furchtbar. Viele hätten Angst, und dass jeder seine Familie beschützen will, erwarte er auch von der Regierung. Der Druck werde auf alle immer größer, Stichwort Digitalisierung. Ob man noch Diesel fahren dürfe, sei unklar, und Elektroautos könne sich keiner leisten.

Warum er nun aber der AfD beigetreten sei, was denn die AfD zu diesen Themen sage – Diesel und auch Wohnungsnot -, wollte Lanz von Lührssen wissen.
Mehr als Gestotter und Inhaltsleere kam da allerdings nicht, und für einen gestandenen Journalisten war es durchaus peinlich, wie wenig Gehaltvolles außer das übliche Geblubber Lührssen zu sagen hatte.
Natürlich kann sich jeder die Partei aussuchen, der er beitreten möchte (oder auch nicht), dass Lührssens Begründungen aber so schlicht ausfielen, das war dann schon mehr als bemerkenswert. Da war nicht nur Markus Lanz verwundert.

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Heut abend: Dieter Thomas Heck

Montag, den 27. August 2018
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SA 25.08.2018 | 23.55 Uhr | Das Erste

Darf man hier rauchen?
Es dauert keine vier Minuten, bis Dieter Thomas Hecks Lunge schon nach frischem Teer schreit. Er ist zu Gast in der ARD-Talkshow “Heut abend” – und er will im Fernsehen tatsächlich qualmen.
Aber der Moderator – Joachim Fuchsberger – ist total gönnerhaft. Natürlich dürfe er rauchen, schließlich pafft er selbst ja immer mal wieder an seiner Pfeife.

Was heute undenkbar wäre und zu einem Aufschrei in den sozialen Netzwerken führen würde, war im November 1986 vollkommen normal. Da verschwanden die Gäste einer Talkshow schon mal gern in einer Rauchwolke, weil ohne Hemmungen die Zigaretten ausgepackt worden sind.

Das Erste wiederholte am Sonnabendabend die mehr als 30 Jahre alte Sendung aus Anlass des Todes von Dieter Thomas Heck. Zu diesem Zeitpunkt war seine letzte “Hitparade” gute zwei Jahre her, und natürlich sprach er auch über den deutschen Schlager. Es sei wichtig, hierzulande den deutschen Schlager zu fördern. Womit er ja nicht ganz unrecht hatte. Aber seine Begründung, dass, wenn Musikredakteure besser Englisch verstehen würden, weil sie dann wüssten, wie mies manche englische Texte wären, ist natürlich albern.

Als ob der deutsche Schlager in den 70ern und 80ern immer die textliche Hochkultur darstellte. Aber vielleicht wurden damals deshalb englische Hits eingedeutscht.
“Sie warten auf den Sommer und woll’n die Sonne seh’n. Sie haben alle ein Surfbrett in der Garage steh’n. Sie wollen keinen Regen, sie mögen keinen Schnee, Denn sie wollen alle surfen auf’m Baggersee.”
Mit dem Text haben die Strandjungs 1980 an der Hitparade teilgenommen. Gut, dass die den englischen Text der Beachboys mal ins Deutsche übersetzt haben. So wurde der Song gleich viel besser.

Am 23. August ist Dieter Thomas Heck mit 80 Jahren verstorben. Wieder einer weniger von den ganz Großen von damals.

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Das aktuelle Sportstudio

Montag, den 27. August 2018
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SA 25.08.2018 | 23.00 Uhr | ZDF

Jetzt macht sie auch noch unseren Sport kaputt. Jetzt muss sie auch noch den Sport politisieren. Jetzt muss sie uns auch noch im Sport erziehen.
Die, die sich darüber beschweren, dass Dunja Hayali nun im ZDF auch “Das aktuelle Sportstudio” moderiert und sie wegen ihrer Politik-Berichterstattung und wegen ihrer AfD-und-Pegida-Reportagen hassen, sind natürlich keine Rechten, sondern Deutsche, die sich um ihr Land sorgen. Oder irgendwie so.

Aber in der Tat ist es bemerkenswert, dass sich das ZDF entschieden hat, einem ihrer prominentesten Info-Gesichter auch noch die Moderation des Sportstudios anzubieten. Beschäftigt man sich näher mit Dunja Hayali, weiß man, dass das aber gar nicht so abwegig ist, weil sie einst Sportjournalistik studiert hat. Sie kennt sich also aus.
Bemerkenswert ist, dass das ZDF Hayali nun auch noch die sportliche Schusslinie der überkritischen Zuschauer setzt. Sie muss sowieso schon viel Hass über sich ergehen lassen. Nun auch noch als Moderatorin des Sportstudios – wo doch ewig Gestrige immer noch finden, dass Frauen da nicht viel zu suchen haben oder im Fall von Dunja Hayali sie doch bitte weiter das “Morgenmagazin” moderieren solle. Nörgler schrieben schon vorher, dass sie nun nicht mehr das Sportstudio einschalten würden. Mimimi.

Am Sonnabend moderierte sie die traditionsreiche ZDF-Sportsendung das erste Mal. Wegen einer starken Erkältung war sie wohl ein wenig gehandicapt, aber dennoch machte sie ihre Sache recht gut. Die Routine wird sicherlich noch kommen, wenn sie einige ihrer monatlichen Einsätze hinter sich haben wird. Der Biss kommt dann sicher auch noch. Mesut Özil kam zwar nicht vorbei – das wäre in der Tat mal ein Knaller gewesen -, aber dafür Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel. Er verzieht ihr auch bestimmt die etwas dämliche Frage nach dem 1. Bundesliga-Spieltag, ob das am Ende reihen werde, die Liga zu halten…

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Berlin direkt – Sommerinterview: Alexander Gauland

Montag, den 13. August 2018
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SO 12.08.2018 | 19.10 Uhr | ZDF

Unsere Klimaprobleme? Alexander Gauland (AfD) sagt, dass wir dafür nichts können und dagegen auch nichts machen können.
Die Zukunft der Rente? Alexander Gauland (AfD) sagt, dass die AfD ihr Konzept erst im kommenden Jahr auf einem Parteitag beschließen wird. Und was X und Y aus seiner Partei dazu gesagt haben, das sieht er nicht so, aber das muss ja alles nichts heißen.
Digitalisierung? Alexander Gauland (AfD) sagt, dass er dazu der falsche Ansprechpartner ist, er könne dazu eigentlich nichts sagen.
Wohnungsmarkt? Regulierung von Airbnb? Alexander Gauland (AfD) sagt, dass man mehr Wohnungen bauen müsse, und dass eine Regulierung ja bisher nicht funktioniert habe. Und Airbnb, ähm, keine Ahnung.

Angesichts dieser Inhaltsleere (im Gegensatz zu den ARD-Sommerinterviews spielten Asyl und Flüchtlinge kaum eine Rolle), ist man bei der AfD vermutlich froh, davon ablenken zu können. Denn während der Aufzeichnung des ZDF-Gesprächs, das am Sonntagabend gezeigt worden ist, kam es zu einem Zwischenfall. In Potsdam standen in Mikrofon- und Kamerareichweite plötzlich drei Leute und riefen Anti-Gauland-Parolen.
Vermutlich wäre es sinnvoller gewesen, diese Momente rauszuschneiden, wobei das natürlich auch schwierig ist in einem laufenden Gespräch. Aber natürlich, die einen werfen den anderen nun vor, manipuliert zu haben. Da wird gefragt, ob die AfD die Störer selbst da hin gestellt haben könnte, ob das ZDF die Hand im Spiel hatte oder irgendwelche anderen Organisationen. Oder ob es womöglich doch ganz normale Leute mit Haltung waren.
So oder so wird dieser Moment aber nun instrumentalisiert. Die einen, um mehr PR und Aufmerksamkeit zu bekommen. Die anderen, um von fehlenden Inhalten abzulenken.

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Tod auf Raten

Sonntag, den 12. August 2018
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DO 09.08.2018 | 22.30 Uhr | ZDF

Sie kann nicht mehr. Sie kann einfach nicht mehr.
Ronald (Oliver Stokowski) hat bei einem Boxunfall sein Kurzzeitgedächtnis verloren. Es dauert gerade mal ein paar Sekunden, da hat er schon wieder vergessen, was man ihm gesagt hat und was er gerade gesehen oder erlebt hat. Er weiß nicht mal, dass es in seinem Kopf nicht mehr richtig rund läuft.
Seine Frau Annett (Veronica Ferres) droht daran zu verzweifeln. Sie kann nicht mehr arbeiten gehen, weil sie ihren Mann nicht mehr alleine lassen kann. Aber auch eine höhere Pflegestufe bekommt sie nicht. Alles scheint aussichtslos zu sein.
Selbst Anwalt Lorenzo (Matthias Brenner) kann nicht helfen – allerdings verlieben sich er und Annett. Aber kann sie ihren Mann sich selbst überlassen?

“Tod auf Raten” ist ein sehr berührender Film. Er dreht sich um die Verantwortung, die man einem anderen Menschen gegenüber hat – und die man nicht einfach abtreten kann. Oder kann man das doch? Das Drama, das am (leider nur) späten Donnerstagabend im ZDF zu sehen war, bietet einige Diskussionsansätze. Denn die Frage ist: Wann muss man die Entscheidung treffen, dass es so nicht weiter geht. Wie weit muss man gehen – bis zur Selbstaufgabe? Oder gibt es da noch was anderes?
Oliver Stokowski spielt den Mann ohne Kurzzeitgedächtnis ganz hervorragend. Ein Mann, der zufrieden in seiner extrem kleinen Welt lebt. Und Veronica Ferres die Frau, die sich dem großen Leid mutig, aber kräftezehrend entgegenstellt.