RTZapper

Nena – Nichts versäumt

Montag, den 9. Oktober 2017
Tags: , ,

SA 07.10.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

Ob nun “Nichts versäumt” ein guter Titel für eine Fernsehshow ist, sei mal dahingestellt. Aber das ZDF traute sich und strahlte am Sonnabend zur Primetime mal keinen Krimi und kein Quiz aus – sondern eine Musikshow.
Nena feiert ihr 40. Bühnenjubiläum. Bekannt geworden ist sie 1982 mit “Nur geträumt”, und so richtig knallte es 1983 mit den “99 Luftballons”. Wer nun aber meint, dass danach ja gar nichts mehr kam und dass es völliger Blödsinn sei, dass das ZDF ganze 150 Minuten für opfert, der irrt gewaltig.
Denn 2005 hatte Nena in Deutschland überhaupt erst ihren zweiten Nummer-1-Hit: “Liebe ist”. 2002 war sie zuvor sehr clever und coverte ihre eigenen NDW-Hits und schaffte es als eine der wenigen, daraus noch bessere Songs zu machen.

Allerdings müssen die 150 Minuten trotzdem viel zu kurz gewesen sein, denn aus den Interview-Passagen zwischen den Musiksongs wurde sehr viel rausgeschnitten. Teilweise waren es so viele Schnitte, dass die Gespräche wie Best-of-Schnipsel wirkten.
Ansonsten war es aber eine nette, entspannte Show. Stars und Freunde und Familie kamen, um Nena-Songs neu zu singen und zu spielen, und Nena selbst hatte offenbar den größten Spaß daran, dem beizuwohnen.
Letztlich hat vielleicht wirklich “Nichts versäumt”, aber es war auch schön, einen Abend mal alte und neuere sowie bekannte und unbekanntere Nena-Hits zu hören.

RTZapper

Wahl 17: Berliner Runde

Montag, den 25. September 2017
Tags: , ,

SO 24.09.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Martin Schulz war sauer, aber so richtig. Erst lassen ihn die Moderatoren von ARD und ZDF mal wieder nicht ausreden. Das sei ja gar nicht in Ordnung, das störe ihn total. Dann teilt er auch noch gegen Angela Merkel aus, die einen skandalösen Wahlkampf geführt habe. Sie sei schuld an der Stärke der AfD.
Da flogen die Giftpfeile, und man fragte sich als Zuschauer: Wo war denn dieser wütende Martin Schulz vor der Wahl? Im TV-Duell? Erst am Sonntagabend, in der “Berliner Runde” im Ersten und im ZDF, als die Wahl gelaufen war und die SPD ganz böse krachen gegangen ist, da polterte Schulz los – da war zu ahnen, was alle Welt von diesem Schulz-Zug gefaselt hat. Er hatte wohl eine Verspätung – kam viel zu spät, zu einem Zeitpunkt, wo es eher peinlich wurde. Da musste sogar die Kanzlerin ein bisschen lächeln.

13 Prozent für die AfD – für Deutschland war es ein besonderer Wahlsonntag. Welche Folgen er hat, wird sich in den nächsten Monaten und Jahren zeigen.
Aber wer hat Schuld, dass die Rechten nun ins Parlament einziehen? CSU-Mann Joachim Herrmann weiß genau Bescheid: ARD ujd ZDF sind es, weil sie viel zu viel über die AfD berichtet haben. Aha.
Mag sein, dass die deutschen Journalisten auch noch nicht den richtigen Umgang mit den Blauen drauf haben, dass jeder Pups von Gauland und Co. skandalisiert worden sind – aber Schuld für den Einzug in den Bundestag sind die Sender nicht, jedenfalls keineswegs alleine. Da hat Herrmann eine Nebelkerze geworfen.

RTZapper

Die versteckte Kamera 2017

Montag, den 25. September 2017
Tags:

2016 -> 16.2.2016

Das muss man dem ZDF lassen: Das Team der “Versteckten Kamera” hat es in diesem Jahr geschafft, das Verhältnis von schlechten und guten Filmen noch deutlicher herauszuarbeiten. Man machte es sich sehr einfach: Man produzierte neun Filme, in denen Promis die Lockvögel waren. Acht davon waren mau oder völliger Schrott. Aber immerhin hat der eine gute Film am Ende auch beim Duisburger Publikum gewonnen.

In einem der Filme spielte ein umfangreicher Comedian einen Bademeister, der die Leute mit eiskaltem Wasser bespritzte. Das war wirklich sehr, sehr unlustig.
In einem anderen Film sollte Guido Maria Kretschmer reingelegt werden. Er setzte sich vor seine Greenbox, um für “Shopping Queen” wieder Filme zu kommentieren. Zu sehen war eine wunderliche Frau, die wunderliche Dinge tat und noch wunderlichere Dinge anzog. Kretzschmer giggelte die ganze Zeit rum, es wirkte, als juckt ihn das alles gar nicht, weil es eh wurscht ist. Und als klar war, dass er verarscht worden ist, giggelte er immer, und es war alles immer noch so furchtbar wurscht – und vor allem lahm. Aber Hauptsache, VOX bekam kostenlose Werbung für seine Sendung.
Die Ehrlich-Brothers legten irgendwelche Supermarktkunden rein, und man wünschte sich beim ZDF vielleicht doch mal erlösende Werbepausen. Einer der Männer zeigte kaum eine Regung, als er erfahren hat, dass er reingelegt wurde.
Eine Frau sollte von der Kelly Family reingelegt werden – ignorierte aber schlicht einige der Scherze. Aber scheinbar muss man auch die Gags senden, die in die Hose gegangen waren.

Aber vielleicht habe ich ja es einfach nicht bemerkt: Vielleicht sollte der Zuschauer reingelegt werden, vielleicht sollte er denken, er sähe eine unterhaltsame Show.
Witzig war nur der Film, wie ein nerviger Fan einen Tag mit Ross Antony verbringen sollte – Rossi war sichtlich genervt, und das sorgte für die einzigen echten Lacher des Abends. Für 150 Minuten Sendedauer ist das ganz eindeutig zu wenig.

RTZapper

Wahl 2017 – Die Schlussrunde

Samstag, den 23. September 2017
Tags: , ,

DO 21.09.2017 | 22.00 Uhr | ZDF

Mehrfach hat sich der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz vor eine Kamera gestellt, um darauf hinzuweisen, dass er gern ein zweites TV-Duell mit Angela Merkel gehabt hätte. Zuletzt am Montagabend in der “Wahlarena” im Ersten. Nicht, dass es was gebracht hätte – aber in Wirklichkeit ist Schulz dann doch ein ziemlicher Heuchler.

Am Donnerstagabend gab es die “Schlussrunde” bei ARD und ZDF. Es ist die Sendung, die es bereits seit Jahrzehnten immer kurz vor der Bundestagswahl gibt – früher besser bekannt als die Elefantenrunde. Ältere Semester erinnern sich an harte Wortgefechte zwischen Helmut Kohl und Willy Brandt in den 80ern. Damals trafen dort nämlich auch die beiden Kanzlerkandidaten aufeinander, ein TV-Duell gab es noch nicht.

Und heute? Heute labert Martin Schulz davon, dass er gerne noch mal vor Kamera mit Angela Merkel sprechen will. Angela sagt Nein. Und auch zur Schlussrunde will sie nicht. Und was macht Martin Schulz? Hat plötzlich auch keinen Bock mehr. Beide schickten am Donnerstag Vertreter in die Sendung. Im Gegensatz zu Linke, Grüne, FDP und AfD.
Und das macht Schulz zum Heuchler. Denn wenn er wirklich noch mal ein Merkel-Duell gewollt hätte, wäre er auch zur Schlussrunde gekommen – genau dort hätte er sich auch berechtigt über das Merkel-Fernbleiben beschweren können.

Ursprünglich heiß die Sendung “Die Schlussrunde der Spitzenkandidaten”. Das mit den Spitzenkandidaten hatte man wegen CDU und SPD gleich mal weggelassen. Beim nächsten Mal sollten ARD und ZDF darauf pochen – oder einfach die Stühle der beiden Parteien leer stehen lassen. Arroganz muss bestraft werden.

RTZapper

Klartext, Herr Schulz!

Donnerstag, den 14. September 2017
Tags: ,

DI 12.09.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

Ob Angela Merkel milde gelächelt hat? Oder hat sie sich ausgeschüttet vor Lachen? Oder hat sie schlicht “Nö” gesagt?
In der Sendung “Klartext, Herr Schulz!” am Dienstagabend im ZDF hat Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) erneut ein zweites TV-Duell gefordert. Er habe Merkel einen Brief geschrieben.
Da ging sicherlich ein Ruck durch’s Kanzleramt, als Angela beim Frühstück den Schulz-Brief aufgerissen hat.
Aber mal ernsthaft: Glaubt Martin Schulz wirklich, dass Angela ihm zurückschreibt? “Gern. Wann? Deine Angie.” Warum sollte sie das tun? Sie liegt in den Umfragen vorn, und sie hat das Betteln um ein zweites Duell nicht nötig. Schulz weiß das natürlich, aber vielleicht denkt er ja, dass man ihn bemitleiden würde, wenn Angela Merkel ihn mal wieder zurückweist. Ein billiges Ablenkmanöver.

Ansonsten machte Martin Schulz den Eindruck, als habe er sich für die ZDF-Sendung ausführlich beraten lassen:
Martin! Geh hin zu den Leuten! Sei nah dran! Zeig ihnen, dass du ihnen wichtig bist! Setz dich neben sie! Zeig Verständnis!
So muss sich das angehört haben. Denn Martin Schulz machte die kompletten 95 Minuten genau das: Er hörte sich die Probleme der Menschen an, immer ging er zu ihnen hin, setzte sich neben sie, guckte mal gütig, mal streng, mal unternehmungslustig. Er organisierte sich freie Plätze im Publikum, schickte auch mal Leute weg und kam den (überflüssigen) Moderatoren zuvor, wenn die mal wieder das Heft in die Hand nehmen wollten.
Die Zuschauer erlebten die Martin-Schulz-Show. Allerdings wirkte das alles auf die Dauer dann doch viel zu bemüht.

RTZapper

Das Pubertier – Die Serie

Sonntag, den 10. September 2017
Tags:

DO 07.09.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

Vati ist aufgeregt, weil seine Kinder in die Pubertät kommen. Das macht ihn total fertig, und er weiß gar nicht, wie er damit zurecht kommen soll. Mutti ist genervt, weil Vati immer so fertig ist. Und die Kinder sind natürlich auch voll genervt, weil Vati so nervt und die Pubertät ja auch irgendwie nervt. Nervt halt alles und jeder.

Genau. Alles nervt. Auch die neue, völlig verunglückte ZDF-Serie “Das Pubertier”, die am Donnerstagabend ihre Premiere feierte. Dabei hat man sich beim ZDF echt mal was getraut: Ausnahmsweise gab es mal keine Krimiserie, aber vermutlich war es auch ein harter Kampf mit den Krimifan-Gremien im Sender, mal was ganz anderes machen zu dürfen.
Allerdings hat man beim ZDF inzwischen auch verlernt, gute Serien abseits der Krimis zu drehen.
So toll die Kolumnen von Jan Weiler sind, auf die die Serie basiert, so schrecklich ist die Umsetzung geworden.

In “Das Pubertier” scheint es keine normal handelnde und redende Person zu geben. Alle Dialoge sind völlig überdreht und aufgesetzt. Alle sind sie immer total aufgeregt, total genervt, total erschrocken – egal was, immer sind sie total. Lässt man diese permanente Aufgeregtheit mal weg, bleibt nur leider nichts übrig. Die Handlung tendiert gegen null – dass Papi von der Pubertät genervt ist, ist ja noch keine Geschichte. Viel mehr scheint aber nicht zu passieren.
Was soll “Das Pubertier” sein? Sitcom? Dafür ist sie mit 45 Minuten zu lang und zu unlustig. Drama? Keinesfalls! Als Zuschauer sträubt man sich sehr schnell, und einen neuen Einschaltgrund sucht man vergebens.
In kurzen Kolumnen erzählt Jan Weiler immer kurze Geschichten – die machen Spaß. Diese Serie leider gar nicht.

Mit Programmplanung kennt man sich beim ZDF auch nicht so aus. Teil 2 von “Das Pubertier” kommt nach dem Start am Donnerstag nämlich erst in zwei Wochen. Darauf muss man auch erst mal kommen.

PS: Im Anschluss startete mit “Zarah – Wilde Jahre” gleich noch eine neue Serie – und auch kein Krimi. Die Serie scheint edler zu sein – aber leider auch ziemlich langweilig. Der neue ZDF-Serienabend ist bedauerlicherweise ein Totalausfall.

RTZapper

Wie geht’s, Deutschland?

Samstag, den 9. September 2017
Tags: , ,

DI 05.09.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

Wie geht’s, Deutschland? Zwar hieß so am Dienstagabend ein weiterer Polittalk zur Bundestagswahl im ZDF. Aber in Wirklichkeit war die interessante Frage, über die die meisten sprachen: Wie geht’s, Alice?
Mittendrin hatte die AfD-Frau Alice Weidel nämlich keinen Bock mehr auf die Sendung. Sie verließ die Arena unter dem johlenden Applaus des Publikums. Sie ging, als CSU-Mann Andreas Scheuer sie auf rechtsextremistische Mitglieder in der AfD ansprach. Schon zuvor gab es immer wieder Streit zwischen Weidel und anderen Gästen der Sendung.

Weidel ging, und sie wusste ganz genau, was sie da tat. Im Moment, als sie ging, war sie mit Vorwürfen konfrontiert, die alles andere als neu waren. Der Abgang war albern, und es schien, als ob dieser Eklat einkalkuliert war.
Immerhin hatte Alice Weidel danach sehr schnell Gelegenheit, auf Twitter wieder mal die Abschaffung des Rundfunkbeitrages zu fordern und der Moderatorin Marietta Slomka vorzuwerfen, sie sei parteiisch. Sie solle ihre persönlichen Animosiäten nicht in den eigenen Sendungen ausleben, so Weidel weiter.

Weidels Abgang bestärkt die AfD-Fans in ihrem Hass und vor allem in ihrer Ansicht, die Medien seien gesteuert.
Allerdings gibt ihnen Marietta Slomka auch ordentlich Futter. Mal abgesehen davon, dass sie in der Tat eine erstaunlich schlechte Interviewerin ist – sie führte fahrig und unsicher durch die Sendung. Und tatsächlich – Slomka hat sich nicht im Griff, wenn es darum geht, ihre eigenen Meinungen hinterm Berg zu halten. Macht der SPD-Vertreter einen Scherz in die AfD-Richtung lächelt Slomka und zeigt indirekte Zustimmung. Sie zieht Grimassen – und damit wirkt sie unsouverän und tatsächlich nicht unparteiisch.

Wenn Alice Weidel ihren Abgang mit einer Hasstirade gegen die Medien verbindet, dann ist das Unsinn. Aber leider gab ihr Marietta Slomka ordentlich Futter dafür.