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Das war 2018!

Montag, den 31. Dezember 2018
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Ein sonniger Winternachmittag auf dem Kudamm in Berlin. Die Lichter an den Bäumen sehen zum Träumen aus. Johannes B. Kerner und Marcus Lanz plaudern ein wenig, sie wollen auf den Weihnachtsmarkt, und Marcus freut sich schon auf das Mettbrot, das er sich kaufen will. Träumerisch blickt Johannes den Marcus an und greift nach seiner Hand, als… ähm…
Nein, nein, diese ausgedachten Geschichten sollte ich wirklich lassen. Das konnte Claas Relotius vom “Spiegel” sehr viel besser. Allerdings ist er damit im Dezember 2018 dann doch aufgeflogen. Peinliche Sache, auch für den “Spiegel”, der ja angeblich alles nachrecherchiert, was die Reporter so abliefern.

Der Skandal ist Futter für alle, die sowieso sagen, dass die Medien allesamt lügen, wenn es um brisante Themen geht. Dabei sind 2018 einige heikle Dinge aufgedeckt worden. Da ging es um die Football-Leaks und die Frage, wie sehr sich Fußballvereine von den Fans entfernen. Um den Steuer-Raubzug großer Banken bei den CumEx-Enthüllungen. Um nur zwei dieser Storys zu nennen.
Auch wenn es um die Flüchtlingskrise geht, haken die Journalisten inzwischen knallhart nach. Dass dabei andere, vielleicht sogar wichtigere Themen, untergehen, bemerken offenbar nur die Zuschauer. Bei den Sommerinterviews von ARD und ZDF ging es oft 18 Minuten um die Flüchtlingskrise und zwei um den Rest. Nur bei Alexander Gauland von der AfD ging es fast nur um den Rest – und Gauland schien ratlos.

Die AfD sitzt seit 2017 im Bundestag, und immer meinen die Blauen, Unrecht in den Medien aufgedeckt zu haben. Im Brennpunkt steht dabei die Band “Feine Sahne Fischfilet”. Dass sie mal vom Verfassungsschutz beobachtet worden ist, hängt ihr noch ewig nach, und die linke Band ist der rechten AfD ein Dorn im Auge. Andererseits wird aber auch jede Kleinigkeit über “Feine Sahne Fischfilet” in den Medien durchgekaut. Als die Band für das ZDF in Dessau ein Konzert aufzeichnen wollte, sagte der Veranstalter, die Bauhaus-Stiftung, den Veranstaltungsort ab. Eine Diskussion, die für die AfD ein voller Erfolg war.
Ebenso die Diskussion um eine KiKA-Doku über ein junges Mädchen, das einen Moslem liebt, wo die AfD der Meinung war, so etwas könne man nicht unkommentiert lassen. Als Deniz Yücel in der Türkei freigelassen worden ist, wollte die AfD wissen, ob der nicht vielleicht selber schuld war, dass er in Haft war. In den sozialen Netzwerken versuchen viele Parteimitglieder weiterhin, die Gesellschaft zu spalten.

In Cottbus hat das schon gut funktioniert. Die Rechten sind dort der Meinung, dass die Stadt überfremdet sei, dass es zu viele Straftaten von Flüchtlingen gebe. Der Hass bei den Demos, an denen Normalos mit den Rechtsextremen gemeinsam marschieren, richtet sich auch gegen die Medien. Der rbb wird ebenso angefeindet wie die Reporter der Lausitzer Rundschau. Da helfen auch Diskussionssendungen, die der rbb live aus Cottbus sendet, nur wenig. Aber wenigstens bleibt man im Gespräch. Irgendwie.

Das scheint auch das Ziel von CSU-Innenminister Horst Seehofer zu sein. Als er seinen Rücktritt, nun ja, androht, berichten die Nachrichtensender in Dauerschleife. Tritt er zurück? Oder doch nicht? Oder doch? Seehofer weiß nicht so recht, und ganz Deutschland wartet auf einen eventuellen Bruch der Großen Koalition. Als die Meldung bekannt wird, dass sich gar CSU und CDU trennen, schickt ntv die Breaking News gleich auf Sendung – um dann die nächste Breaking News hinterher zu schicken, dass man einer Ente aufgesessen sei. Aber es musste eben schnell gehen. Keiner hatte 2018 so viele Comebacks wie Seehofer.

Comeback ist sowieso ein gutes Stichwort. Fernsehmacher glauben, dass die Zuschauer darauf abfahren, wenn alte Serien wiederbelebt werden. In Deutschland floppte allerdings die Neuauflage von “Akte X” oder “Will & Grace”. Selbst Shows wie “Dingsda” im Ersten und “Die Montagsmaler” im SWR-Fernsehen laufen eher mau.
Die “Lindenstraße” dagegen wird nicht fortgesetzt. Im März 2020 wird nach fast 35 Jahren die letzte Folge laufen. Begründung: schlechte Quoten und inhaltliche Unzufriedenheit. Von einer Absetzung aus inhaltlichen Gründen von “In aller Freundschaft”, “Rote Rosen”, “Sturm der Liebe” oder “Rentnercops” ist allerdings noch nichts bekannt.
Auch an der Vormittagssendung “live nach neun” hält man im Ersten fest, obwohl die Zuschauerzahlen ein Desaster sind. Ähnlich sieht es am Vorabend in Sat.1 aus. Mit “Endlich Feierabend” versucht man da zum x-ten Mal das Frühstücksfernsehen zu kopieren – und scheitert zum x-ten Mal. In diesem miesen Sog läuft auch die neue Dailysoap “Alles oder nichts” ziemlich mies. Sie hatte nie eine wirkliche Chance.
Auch ProSieben hat Sorgen. Die neuen Folgen der “Simpsons” laufen richtig schlecht. Bei Sat.1 wird die Unternehmershow “Start up” abgesetzt, obwohl doch Jurymitglied Carsten Maschmeyer so doll dafür geworben hat. Aber vermutlich wollten gerade wegen ihm so wenige einschalten.
Bei Sky dachte man sich, es sei eine gute Idee, die Castingshow “X-Factor” aus der Versenkung zurückzuholen. Die Quoten waren kaum messbar, und wer gewonnen hat… ähm… Wer hat da eigentlich gewonnen? Eine weitere Staffel ist ausgeschlossen.

Es wird für das herkömmliche Fernsehen immer schwieriger, Aufmerksamkeit zu erregen. Die Mehrzahl der jungen Zuschauer schaut schon überwiegend online. Und dann eher Netflix oder Amazon Prime, auch Youtube ist ein echter Konkurrent.
Ein Opfer ist der Musiksender VIVA. Nach 25 Jahren wird Silvester der Stecker gezogen, MTV aus dem gleichen Senderkonzern lebt weiter, aber in der Nische. Immerhin noch wacker hält sich Deluxe Music. Musikclips schaut man an sich aber eher bei Youtube.

Immerhin: Man bemüht sich aber noch. Im Ersten läuft im Herbst “Babylon Berlin”, die teure Co-Produktion mit Sky. Auf dem “Tatort”-Sendeplatz werden etwa acht Millionen Zuschauer erreicht. Das Interesse am Berlin der 20er-Jahre schwindet jedoch, am Ende schauen weniger als vier Millionen zu. Allerdings stehen in den diversen Kritiken zur Serie, in denen es hieß, man müsse als Zuschauer drei Folgen durchhalten, bis man es eventuell verdammt gut fände, auch für sich. Allerdings sorgt die Serie auch für einen der magischsten Momente des Fernsehjahres – nämlich mit einer Szene in einem Tanzclub, die für Gänsehaut sorgt.
Im ZDF wird “Bad Banks” von der Kritik gelobt, ist aber dennoch langweilig. Amazon Prime dagegen trumpft mit einer neuen Staffel “Deutschland 86” auf und mit “Pastewka” auf.

Das Fernsehen steht aber immerhin noch für Events. In diesem Land lief es glücklicherweise für Deutschland auch mal gut beim Eurovision Song Contest in Lissabon. Michael Schulte schaffte den 4. Platz. Die Diskussionen darum, dass niemand Deutschland mag und wählt, finden nicht statt.
Bei der Fußball-WM dagegen, ach, lassen wir das. Immerhin sorgte das WM-Spiel von Deutschland gegen Schweden mit 27,48 Millionen Zuschauer für den 2018er-Quotenrekord.
Und auch als in Großbritannien Harry und Meghan heirateten, waren ein paar Millionen dabei – auch Ross Antony, der für RTL vor Ort und ausrastete, nur weil das Prinzenpaar in der Kutsche an ihm vorbeirauschte.

Aber nicht alle haben Glück mit Großereignissen. In letzter Minute hatte Eurosport für die Olympischen Winterspiele in Korea Sublizenzen an ARD und ZDF vergeben. Die Folge: Die meisten Zuschauer waren bei ARD und ZDF dabei, für Eurosport 1 und den Frauensender TLC blieben kaum Zuschauer übrig. Selbst die Abendshow “Zwanzig18” hatte auf zwei Sendern parallel gerade mal 200.000 Zuschauer. Dass man in Korea eventuell einen koreanischen Dolmetscher braucht, konnte man im Ersten allerdings echt nicht ahnen.
Und dann der Echo. Der Musikpreis gerät 2018 zum Debakel. Farid Bang und Kollegah rappten davon, dass sein Körper definierter sei als von Auschwitz-Insassen. Kam nicht überall gut an, Preise gab es dafür trotzdem, und Proteste auch. Selbst in der Show herrschte Unruhe. Danach geben diverse Promis ihre Echos zurück. Ende vom Lied: Der Echo ist tot.

2018 war wieder ein Jahr der Abschiede. Wir mussten uns von vielen Promis verabschieden. Die große Aretha Franklin lebt nicht mehr. Monserrat Caballé ist verstummt. Ebenso die Musiker Holger Biege, Jürgen Marcus, DJ Avicii, Lys Assia, France Gall, Ingo Insterburg, Abi Ofarim, Dolores Edwards (Cranberries) und Charles Aznavour. Auch nicht mehr da: die Schauspieler Rolf Hoppe, Morten Grunwald, Burt Reynolds, Rolf Zacher, Siegfried Rauch, Wolfgang Völz, Jochen Senf und Ulrich Pleitgen. Die Sportler Markus Beyer und Graciano Rocchigiani. Die Fernsehleute Dieter-Thomas Heck, Egon Hoegen, Wilfried Scharnagl, Gunther Witte, Friedrich Moll, Stefanie Tücking, Martin Haas, Thomas Leif und Dagobert Lindlau. Die Entertainer Jens Büchner und Daniel Küblböck, der am Jahresende nach einem Sturz vom Schiff immer noch als vermisst gilt. Die Politiker George Bush, seine Frau Barbara Bush, Philipp Jenninger und Kofi Annan. Wissenschaftler Stephen Hawking, Sternekoch Paul Bocuse, Kirchenmann Karl Kardinal Lehmann, Unternehmerin Käthe Wohlfahrt. Die Autorin Philip Roth und Christine Nöstlinger. Sie werden fehlen.

Auch Nachrichten fehlen. RTL II findet, dass die News zu wenige Zuschauer haben. Deshalb laufen die nun am Nachmittag und sind fünf Minuten kürzer. Und auch der rbb hat seine Spätnachrichten um die Hälfte auf 15 Minuten gekürzt. Damit um 22 Uhr gut abgehangene und preiswerte ARD-Degeto-Schnulzen laufen können. Bei N24 hat sich dagegen wenig geändert – bis auf den Namen: Welt.

Und sonst so? Sascha Hehn will nicht mehr Kapitän vom Traumschiff sein. Ist ihm vielleicht zu doof geworden. Kein Wunder.
Spiegel TV ist 30 geworden. Geschenk von RTL: Sendeplatzverschiebung auf den späten Montagabend. Glückwunsch.
Auf Sat.1 durfte im “Promi Big Brother”-Haus eine gewisse Katja Krasavice minutenlang in der Wanne mit dem Duschkopf masturbieren.
Die Chefs vom FC Bayern München teilten den Journalisten mit, dass die ein bisschen genervt von der ewigen Kritik seien. Bitte mal aufhören. Danke.
Dunja Hayali moderiert nun auch das “Aktuelle Sportstudio” im ZDF. Ihren Hatern bleibt aber auch gar nichts erspart.
Das SWR-Mega-Live-Event “Jäger der versunkenen Lok” musste ausfallen. Mangels versunkener Lok. Ist aber erst nach 25 Jahren Suche aufgefallen.
Und dann noch die Helene und der Flori. Es ist so traurig.

Kann man da eigentlich noch das Jahresende feiern? Darf man sich da noch auf 2019 freuen? Mit neuen Diskussionen und Hasskommentaren und den aktuellen Wasserstandsmeldungen von “Feine Sahne Fischfilet?” Und den neuen Schluckaufs der AfD? Wir bleiben dran und freuen uns auf 2019. Und Michelle ist auch dabei.

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Die Helene Fischer Show

Mittwoch, den 26. Dezember 2018
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DI 25.12.2018 | 20.15 Uhr | ZDF

Die “Helene Fischer Show” im ZDF ist am ersten Weihnachtsfeiertag vom Gossip besonders beobachtet worden. Immerhin steht der Boulevard ja immer noch unter Schock. Vor Weihnachten gaben Helene Fischer und Florian Silbereisen bekannt, dass sie kein Paar mehr sind – schon seit dem Sommer. Helene hat einen Neuen, wohl einen Tänzer aus ihrer Crew, und der Flori ist nun einsam. Aber die beiden sind immer noch Freunde, sagen sie, mehr als je zuvor. Was immer das auch heißen soll.
Für den Boulevard ist das auch deshalb irgendwie doof, weil die Klatschzeitungen ja noch wenige Tage zuvor spekuliert hatten wissen wollten, dass die beiden bald ein Baby bekommen. Und dass sie heiraten werden oder schon heimlich geheiratet haben.
Insofern hat diese schockierende Trennung fast noch eine heitere Note.

Am Abend des ersten Weihnachtsfeiertages nun also die “Helene Fischer Show”, aufgezeichnet schon Anfang Dezember in Düsseldorf. Wird Helene was sagen? Wird sie weinend zusammenbrechen und eine Sexbeichte ablegen?
All das geschah nicht. Aber ein paar Zeichen gab es dennoch. So gab es einen Sketch mit Olaf Schubert zum Thema Trennung, und später sang sie das Lied „Gib mir deine Hand“ – ein letztes Mal. Darin geht es um eine Trennung. Helene sagte dazu, dass ja jeder solche Situationen kenne. „Der Schmerz sitzt unendlich tief.“ Doch die Wunden würden irgendwann heilen, am Ende würden wunderbare Erinnerungen bleiben.
Rührend. Denn bei aller Häme: Wenn wir mal davon ausgehen, dass die Beziehung echt war, dann hielt sie durchaus lange. Dass so was mal zu Ende geht, ist ganz normal.
Dass zum Zeitpunkt der Aufzeichnung das Publikum einen ganz anderen Bezug zum Song hatte wie die ZDF-Zuschauer zu Weihnachten, das ist dann aber auch durchaus bemerkenswert.

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Die Anstalt

Mittwoch, den 21. November 2018
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DI 20.11.2018 | 22.15 Uhr | ZDF

ARD und ZDF sind das Regierungsfernsehen. Das wissen wir doch alle. Da wird nur berichtet, was Angela Merkel genehm ist. Angela Merkel telefoniert nämlich jeden Tag mit ARD und ZDF, um die aktuellen Befehle bekanntzugeben. Oder um zu sagen, was ihr denn am Vortag gar nicht gefallen hat.
Ach ja, und natürlich gehört das Regierungsfernsehen auch zur Lügenpresse.

Keine Ahnung, wen die AfD und ihre Freunde da immer meinen, wenn vom Regierungsfernsehen die Rede ist. Wer nur mal bei der “heute show” reinschaut, wird wissen, dass die Regierenden dort wöchentlich ihr Fett wegbekommen. Und natürlich auch die AfD. Oder wer Magazine wie “Monitor” oder auch “Frontal 21” sieht, sollte eigentlich auch wissen, dass regierungskritische Beiträge da an der Tagesordnung sind.

Am Dienstagabend lief im ZDF eine neue Folge von “Die Anstalt”. Das ist eine Kabarettshow. Allerdings eine, die ziemlich bitter ist. Denn dort wird das gesellschaftspolitische Geschehen so haarscharf unter die Lupe genommen, dass es mitunter wehtut.
Diesmal ging es um die SPD, die vor 100 Jahren vielleicht doch nicht so revolutionär war, wie sie gern behauptet. Und darum, dass man vieles fordern kann, wenn man nicht unmittelbar in der Verantwortung ist.
Oder um den Machtkampf in der CDU – und darum, dass Friedrich Merz, der sich anschickt, neuer Vorsitzender zu werden, eben doch ein Lobbyist ist.

Volle Breitseite gegen die Politik, gegen die Regierenden. Und das soll Regierungsfernsehen sein? Nicht wirklich.
Ein Hoch auf die freien Medien!

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dunja hayali: Oliver Polak und der Antisemitismus des Jan B.

Freitag, den 9. November 2018
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MI 07.11.2018 | 23.25 Uhr | ZDF

Der Comedian Oliver Polak war am Mittwochabend zu Gast in der ZDF-Talkshow “dunja hayali”, in der es um Antisemitismus und Rassismus ging. Polak hat gerade ein Buch herausgebracht, in dem er erzählt, wie er als Jude Antisemitismus ausgesetzt ist.
Ein Fall handelt von einem Comedyabend. Nach einem Auftritt von Polak habe sich ein bekannter deutscher Fernsehmoderator auf der Bühne die Hände desinfiziert und gesagt, das Händegeben mit Polak sei eklig gewesen. Und ob das ansteckend sei. Später wurde bekannt: Es geht um Jan Böhmermann. Der äußerte sich schon in seiner Sendung “Fest & flauschig” und wies die Vorwürfe zurück, weil es sich um einen geplanten, inhaltlich vorher besprochenen Auftritt gehandelt habe. Serdar Somuncu, um dessen Abend es da ging, bestätigte das.

Und was sagt Oliver Polak? Der legte am Mittwoch im ZDF einen erschreckenden Auftritt hin. Das sei nicht sein Thema, sagte er. Wenn behauptet würde, das sei besprochen gewesen, dann könne das ja später jeder sagen. Aber ansonsten gebe es ja noch viele andere Geschichten in seinem Buch.
Oliver Polak hatte in diesem Talk schlicht keine Argumente. Er redete sich raus, und das macht wütend. Völlig unklar ist, ob er die – wie er sagt – mit Absicht ohne Namen erzählte Story nur für irgendwas stehen sollte oder ob er genau diesen Abend so erlebt haben will – was jedoch nicht glaubwürdig ist.
Unglaubwürdig deshalb, weil Oliver Polak ein Comedian ist, der mit genau diesen Dingen spielt, die an diesem Abend mit Böhmermann geschehen sind. Polak macht Witze über Minderheiten, auch Eigengags über Juden. Aber das sei ja Standup-Comedy, sagt Polak. Und der Auftritt bei Somuncu war keine Standup-Comedy?

Antisemitismus gibt es, und man muss darüber reden. Man muss den Finger in jede Wunde legen. Aber mit dieser Story tut Oliver Polak sich und allen Beteiligten keinen Gefallen.
Klar kann man auch darüber reden, wie weit Comedy gehen darf. Aber nicht, wenn er an einem Akt beteiligt war, der mit ihm besprochen worden ist. Und auch nicht, wenn er selbst auch kräftig austeilt. Übrigens so sehr austeilt, dass ein anderer jüdischgläubiger Gesprächsgast sagte, dass er in einer Polak-Show war und er nach der Hälfte gehen musste, weil er es nicht ausgehalten hatte.

Es wäre schön, wenn sich Polak, Böhmermann und Somuncu mal gemeinsam einem Interview stellen würden. Klartext und Diskussion sind wichtig.

-> “dunja hayali” in der ZDF-Mediathek (bis 8.11.2019)

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Wahl 2018: Wahl in Bayern

Dienstag, den 16. Oktober 2018
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SO 14.10.2018 | 17.30 Uhr | ZDF

Das war dann wohl ein politisches Erdbeben mit Ansage. Auf eines, auf das sich Journalisten offenbart schon seit Wochen freuten vorbereiten. In Umfragen fiel die allein regierende CSU tiefer und tiefer, und am Ende kamen dann doch 37 Prozent heraus.
Da war man als popcornessender Zuschauer fast schon ein bisschen enttäuscht, dass die CSU am Ende doch nicht so abgestürzt, wie es alle erwartet haben. Da war es dann fast schon zweitrangig, dass die Grünen einen Höhenflug erleben (der aber auch geringer ausfiel als erwartet), die SPD in die Fast-Bedeutungslosigkeit gedonnert ist und dass die AfD ihr hochtrabendes 15+x-Ziel nicht erreicht hat.

Aber auch die Journalisten schienen fast schon ernüchtert gewesen zu sein. In der ZDF-Wahlsendung aus München schienen sie sich am Sonntag schon auf weitreichende deutschlandweite Erdbeben vorbereitet zu haben – die dann aber nicht eintrafen. So wollte Bettina Schausten immer wieder von den Politikern wissen, welche Konsequenzen denn das Ergebnis habe. Für Bayern. Für Berlin. Für Seehofer. Für Merkel. Für uns alle. Und überhaupt. Und was ist denn nun mit den Konsequenzen?
Immer wieder dieselbe Frage, und wieder immer dieselbe Antwort, dass man das noch nicht wisse. Und dass es eigentlich erst mal keine Konsequenzen habe. Ziemlich ermüdend.

Vermutlich hat sich Bettina Schausten ihre Konsequenzen-Frage schon für ihre Wahlsendung aus Hessen am 28. Oktober fett rot angestrichen. Man muss ja schließlich hart nachhaken.

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Gottschalks große 68er-Show

Montag, den 8. Oktober 2018
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SA 06.10.2018 | 20.15 Uhr | ZDF

Die Beatles, die Stones, Tom Jones, The Tremeloes. Die 68er haben musikalisch einiges zu bieten gehabt. Und Heintje. Und Peter Alexander. Und überhaupt stehen die 68er für ein Lebensgefühl, für Studentenproteste und die sexuelle Revolution.

50 Jahre danach erinnerte das ZDF daran mit “Gottschalks große 68er-Show”. Da erwartet man Oldies und viel Retro. Und wen holte Thomas Gottschalk am Sonnabendabend als erstes auf die Bühne? Andreas Gabalier, Jahrgang 1984. Mehr schlecht als recht sang er Oldies nach, und als Gottschalk von ihm wissen wollte, was er mit den 68ern verbindet, sagte die Österreicher: Er sei ja noch nicht geboren worden. Wie wahr. Er blieb trotzdem bis zum Ende der Show.
Oder der Song “Everlasting Love” – im Original von 1968. Und wer sang diesen Hit im ZDF? Vanessa Mai. Und das ziemlich dürftig.

Natürlich ist Thomas Gottschalk der richtige Mann für so eine Show. Er hat die Zeit erlebt, er hat Spaß an der damaligen Musik und kann viel über den Zeitgeist erzählen. Ob er innerlich verzweifelt ist, als Vanessa Mai und Andreas Gabalier seine Hits der Jugend ruinierten? Ob er sich auch gefragt hat, warum eigentlich Inka Bause da war, obwohl sie über das Jahr 1968 nichts erzählen konnte, weil sie da ja erst geboren worden ist. Oder was eigentlich Rowan Atkinson in der Show zu suchen hatte, der nur da war, um seinen neuen Film zu promoten.

1968 ist ja vermutlich einiges Schlimmes passiert, aber diese Show – 50 Jahre danach – war mehr ein Nachtreten als eine schöne Erinnerung.

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Vereint und doch nicht eins? – Barbara Hahlweg unterwegs im Osten Deutschlands

Freitag, den 5. Oktober 2018
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MI 03.10.2018 | 19.30 Uhr | ZDF

Tag der deutschen Einheit. Aber wie ist es eigentlich um die Einheit bestellt? Und spielen Ost und West eigentlich noch eine Rolle? Und warum sind die Ossis eigentlich oft so nölig?
Das ZDF lieferte die beste Bestandsaufnahme der deutschen Einheit seit sehr langer Zeit. Am Feiertag lief dort die Doku “Vereint und doch nicht eins? – Barbara Hahlweg unterwegs im Osten Deutschlands”.

Die ZDF-Nachrichtenfrau reiste durch Ostdeutschland, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Weitgehend ohne Vorurteile, aber mit Fragen.
28 Jahre nach der Einheit sind die Löhne immer noch nicht angeglichen. Ebenso nicht die Renten. In Ostdeutschland gibt es nur wenige Großunternehmen, die ganz großen sitzen ausschließlich im alten Westen.

Oder Bischofferode. Die Menschen dort sind immer noch wütend. Den Braunkohle-Bergleuten hat man vor 25 Jahren die Grube zugeschüttet, obwohl noch Potenzial war. Die Firma wurde vom Westen übernommen und später dicht gemacht. Die Leute dort fühlen sich verarscht und allein gelassen. Sie haben die Wende letztlich als Verlierer erlebt.

Auch um die Vorurteile zwischen Ossis und Wessis ging es – die allerdings gibt es beiderseits. Klar ist aber auch, dass die Westdeutschen nach der Wende ihr Leben einfach weiterlebten. Im Osten änderte sich alles. Es heißt, viele Westdeutsche waren bis heute noch nicht im Osten.

Natürlich gibt es auch viele Gewinner, auch das zeigte die ZDF-Doku. Da sind die Unternehmer, die nach der Wende angepackt haben und die, die nach dem Ende der DDR ihre Pläne umsetzen konnten.
“Vereint und doch nicht eins” – das gilt längst nicht für alle. Aber leider für viele. Der Rechtsextremismus spielte am Mittwoch eine sehr untergeordnete Rolle. Wer aber eine Ahnung davon bekommen will, wieso einige im Osten so ticken wie sie ticken, der sollte sich diesen Film noch ansehen.

-> Die Doku in der ZDF-Mediathek (bis 2. November 2019).

Hits: 8