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Die Wannseekonferenz

Montag, den 24. Januar 2022
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MO 24.01.2022 | 20.15 Uhr | ZDF

Der Ermordung von Millionen Juden als Verwaltungsakt. Wo man einfach mal drüber spricht. So ganz nüchtern. Wie man denn eine solche Tötung von unfassbar vielen Menschen so einfach wie möglich gestalten kann – also, nicht für die Opfer, sondern für die Täter.

Vor 80 Jahren, am 20. Januar 1942, fand in einer Villa am Wannsee in Berlin eine „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ statt. Thema: die “Endlösung der Judenfrage”.
15 führende Vertreter der SS und der NSDAP reden auf Einladung von Reinhard Heydrich, dem Chef der Sicherheitspolizei und des SD, darüber, was denn nun mit den Juden zu passieren habe.

Unter der Regie von Matti Geschonneck entstand anhand von Protokollen der Film “Die Wannseekonferenz”. Er lief am Montagabend im ZDF.
Der Film spielt bis auf den Anfang, der vor der Villa beginnt, ausschließlich im Versammlungsraum. Lauter Herren, die babarische Dinge unfassbar nüchtern sprechen. Man berät darüber, wie man die Juden umbringen wolle. Mit Gas. Und am besten in großen Gruppen, damit es schneller gehe. Man spricht über diese Gräueltaten wie über einen Verwaltungsakt. Dass es doch gut wäre, wenn auch Jeden als Arbeiter und Überwacher eingesetzt würden, weil das Personal einsparen würde. Dass es doch gut wäre, wenn die mit den Zügen ankommenden Juden so bald wie möglich zur Vergasung gebracht würden. Dass man drauf achten müsse, dass in der Gegend, wo der Rauch hinziehen könnte, niemand wohne.
An einer Stelle gibt es Skrupel: Aber nicht wegen dem Massenmord, sondern ob dieser Massenmord für das KZ-Personal so “unaufwändig” und so einfach wie möglich geschehen könnte, weil das ja irgendwie belastend sein könnte.

Diese ganze Nüchternheit, mit der das alles besprochen wird, ist bedrückend, ist schockierend und einfach nicht zu fassen. Diese Menschen, die dort über den Massenmord reden, vor allem die, die die Vorschläge einbringen, sind Bestien. Der Judenhass, dieser riesige Hass auf diese Menschen, ist kaum zu ertragen.

Wir alle kennen die Bilder aus den Konzentrationslagern. Wir alle wissen, was danach geschehen ist. Diese Bilder blitzen auf, wenn man diese Männer reden hört.
Ein wichtiger Film!

-> Der Film in der ZDF-Mediathek (bis 17. Januar 2024)

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Der Palast

Freitag, den 7. Januar 2022
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MI 05.01.2022 | 20.15 Uhr | ZDF

Berlin ist gerade groß in Serienmode. Gerade erst waren wir im “Eldoradio KaDeWe”, und nun geht es in den Palast. Also, nicht in den abgerissenen Palast der Republik, sondern in den Friedrichstadt-Palast. Der war schon in der DDR die allererste Adresse für den Revuetanz, und auch heute hat die Spielstätte in Berlin-Mitte die größte Theaterbühne der Welt.
Kein Wunder, dass der Palast Stoff für Filme oder Serien bietet. Das ZDF startet das neue Jahr mit dem Dreiteiler “Der Palast”, der in der ZDF-Mediathek auch als Sechsteiler verfügbar ist.

Ostberlin, Ende der 80er. Christine Steffen ist Tänzerin im Friedrichstadt-Palast. In einer der Aufführungen sitzt Marlene Wenninger im Publikum. Die ist schockiert: Denn eine der tanzenden Frauen dort auf der Bühne, sieht aus wie sie selbst! Marlene kommt aus Franken, sie soll dort in den Familienbetrieb einsteigen, und dass sie eine Schwester hat, wusste sie nicht. Christine und Marlene kommen zusammen, und nun wollen sie ergründen, was denn einst rund um den Mauerbau mit ihrer Familie passiert ist. Als Marlene nach West-Berlin zieht, tauschen sie immer mal wieder die Identitäten, um von Ost nach West zu kommen…

Eine neue Variante des doppelten Lottchens. Denn natürlich sorgen die Zwillingsschwestern an vielen Stellen für Verwirrung. Wenn die beiden ihre Rollen tauschen und Marlene in den Ostberliner Alltag eintaucht, aber von der Tochter schnell enttarnt wird. Wenn sich neue Liebesbeziehungen über die Mauer hinweg auftun – und wenn sie die Grenze überschreiten müssen. Denn die Grenzer und die Stasi werden zunehmend misstrauisch.
Die Geschichte ist ohne Zweifel spannend, weil sie erneut ein Stück DDR erzählt. Denn natürlich bekommt man auch Einblicke in die Abläufe des Palastes, was hinter den Kulissen der Showbühne passiert.
Svenja Jung spielt übrigens beide Zwillinge, was eine Herausforderung gewesen sein durfte.

Und dennoch: “Der Palast”, so heißt die Serie, ist nicht der Hauptdarsteller. “Der Palast” ist nicht die Hauptgeschichte. Im Vordergrund stehen die Zwillinge, und die Geschehnisse im Friedrichstadt-Palast sind nur Beiwerk. Deshalb ist der Titel eigentlich irreführend, denn er impliziert eine andere Story, die sich mehr und hauptsächlich damit befasst. Die Serie ist sehenswert, aber dennoch ein leichter Etikettenschwindel.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 26. Dezember 2022)

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Willkommen 2022

Montag, den 3. Januar 2022
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FR 31.12.2021 | 20.15 Uhr | ZDF

Die digitale Silvesterfeier. Wer in Berlin in den Tagen vor Silvester den Verkehrsfunk im Radio gehört hat, wird diesen Begriff sehr oft gehört haben. Denn deswegen ist der Verkehr auf der Straße des 17. Juni tagelang blockiert. Hinter der digitalen Silvesterfier verbirgt sich die ZDF-Silvestershow.

Eine große Bühne, viele Musiker – aber kein Publikum. Nach der Show im vergangenen Jahr musste auch “Willkommen 2022” ohne Zuschauer vor Ort auskommen. Das zweite eher traurige Silvester.
So begrüßten Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner die Menschen ausschließlich zu Hause. Wirklich nötig wäre das übrigens nicht gewesen, denn laut Coronaverordnung hätten zumindest 3000 Menschen dort mitfeiern können. Aber offenbar wollte man nicht das Risiko eingehen, dass drumherum noch viel mehr Leute am Veranstaltungsgelände rumstehen. Andererseits: Es hat den ganzen Abend in Strömen geregnet…

Natürlich schlägt sich das Senden ins Nichts auf die Stimmung nieder. Wenn auf der Bühne die große Show geboten wird und es reagiert niemand, dann macht auch das Zusehen nicht so großen Spaß wie sonst.

Ein Feuerwerk war auch nicht drin. Auch das hätte zwar abgefeuert werden dürfen – es hab ja nur ein Verkaufsverbot, aber es hätte keinen guten Eindruck gemacht. Stattdessen versprachen Kerner und Kiewel zu Mitternacht etwas nie Dagewesenes, etwas ganz besonderes. Was sie damit gemeint haben, weiß ich allerdings nicht. Denn außer ein paar Stellwänden mit Farbenspielen und ein paar Scheinwerfern ist während der Musikacts rund um 0 Uhr nichts wirklich Aufregendes passiert. Es wurde “Auld Lang Syne” gespielt (hat man aus New York geklaut), dazu ein paar Lichtraketen. Und Bonnie Tyler, die später zum Playback ihre Lippen bewegte. Doll.
Drücken wir mal ganz fest die Daumen, dass wir “Willkommen 2023” dann wieder mit Publikum erleben können. Aber auf die Wiederkehr dieser Normalität hoffen wir ja alle…

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 9. Januar 2022)

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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

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Alice im Weihnachtsland

Donnerstag, den 16. Dezember 2021
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SO 12.12.2021 | 20.15 Uhr | ZDF

Im ZDF weihnachtet es sehr – auch im Herzkino am Sonntagabend. Geht es im “Tatort”-Konkurrenzprogramm schon immer kitschig zu, ist das zum Fest natürlich nicht anders.
Nicht immer treffen sie damit ins Schwarze, beim “Schneewittchen am See” im vergangenen Jahr haben sie doch glatt vergessen, eine interessante Geschichte zu kreieren.

An diesem Sonntag ging nun “Alice im Weihnachtsland” auf Sendung. Es geht um Alice, die eigentlich mit ihrem Freund Nicolas erstmals zu seinen Eltern reisen will. Na ja, will – nicht so unbedingt, aber jetzt, zu Weihnachten, muss es sein. Weil Nicolas aber noch arbeiten muss, reist sie allein nach Oberstorf. Dort wird sie auch gleich vion den Hubers in Empfang genommen. Und dachte sie, dass es schreckliche Weihnachten werden, hat sie es mit einer bezaubernden Familie zu tun. Und verliebt sich in Nicolas’ verwitweten Bruder.
Es gibt nur ein Problem: Es stellt sich raus, dass Alice bei den falschen Hubers ist.

Ja, das ist schon eine sehr merkwürdige Wendung in der Geschichte, über die man schon ein bisschen den Kopf schüttelt. Aber dennoch: “Alice im Weihnachtsland” gelingt ein sehr schöner Spagat zwischen Weihnachtskitsch, Humor und – ja, auch ein bisschen wohliger Spannung. Denn natürlich will man irgendwann wissen, wie es mit Alice und Nicolas weitergeht – oder auch mit Alice und Jakob.
Ein schöner Film für einen gemütlichen und entspannten Adventsabend ohne Mord und Totschlag.

-> Der Film in der ZDF-Mediathek (bis 3. Dezember 2022)

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Westwall

Freitag, den 10. Dezember 2021
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MI 08.12.2021 | 21.45 Uhr | zdf neo

Was für ein Schock! Die Kommissaranwärterin Julia hat den geheimnisvollen Nick kennengelernt. Jetzt liegt sie in seinem Bett, er schläft noch. Da entdeckt sie auf seinem Rücken ein riesiges tätowiertes Hakenkreuz.
Die Warnungen, sich auf so einen Typen einzulassen, sind groß. Nick wiederum sagt, er habe mit den Nazis nichts mehr zu tun, er habe sich von denen abgewandt. Er sei kein Nazi mehr.
Ist er scheinbar wirklich nicht. Dafür arbeitet er im Auftrag des Geheimdienstes, um eine Gruppe Nazis aufzuspüren und auffliegen zu lassen – und die Kommissaranwärterin hat Nick wohl nicht ganz zufällig getroffen.
Julia lebt nun sehr gefährlich – und Nick sowieso. Denn natürlich nutzen die Rechtsextremen alle Mittel, um sich vor dem Verfassungsschutz zu wappnen.

“Westwall” heißt die sechsteilige Serie, die am Dienstag- und Mittwochabend bei zdf neo zu sehen war. Das ZDF verfolgte mit der Ausstrahlung mal wieder eine neue, merkwürdige Variante. Teil 1 und 2 liefen an einem Sonnabend um 21.45 Uhr im ZDF-Hauptprogramm. Und nur diese beiden Folgen. Anderthalb Wochen später am Mittwoch zeigte zdf neo die Folgen 1 und 2 noch mal, und Folge 3 um 23.15 Uhr hintendran. Den Rest am Tag danach. Wer soll da eigentlich durchsehen? Dass das ZDF so vor allem die Mediathek stärken will, ist klar. Aber fürs lineare Fernsehen sollten doch auch vernünftige Ausstrahlungen möglich sein.

Die Serie selbst ist über weite Strecken recht spannend. Auch, weil Nicks Rolle in dem ganzen Gefüge nicht immer so klar ist. Jannik Schümann spielt den jungen Mann, der mal ein Nazi war und sich nun gegen sie wehren muss, ziemlich gut. Ebenso Emma Bading als Julia.
Die Serie taucht ein in einen ziemlich gruseligen Strudel des Rechtsextremismus, der den Kindern schon in entsprechenden Gruppen beigebracht wird. Auch mit welcher Unerbittlichkeit diese Menschen tun, was sie für richtig halten.
Das alles wird flott mit einem hohen Tempo erzählt und bietet bis zum Schluss immer wieder Spannungshöhepunkte.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 19. November 2022)

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Ein Herz für Kinder

Dienstag, den 7. Dezember 2021
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SA 04.12.2021 | 20.15 Uhr | ZDF

Wenn es um die Kinder geht, dann kann man doch eigentlich nichts falsch machen, oder? Wenn es darum geht, schnell mal 27,62 Millionen Euro für eine Kinderhilfsaktion einzunehmen, dann muss das doch eine richtig gute Sache sein.
Ja und Nein. Kommt halt drauf an, wer es mit ihm zusammen macht.

Jedes Jahr im Dezember räumt das ZDF seine Primetime am Sonnabend für drei Stunden frei, damit sich die Bild-Zeitung als reine Samariter darstellen kann. Johannes B. Kerner moderierte die Spendengala.
“Ein Herz für Kinder” heißt eigentlich “Bild hilft e.V. – Ein Herz für Kinder” und wurde 1978 von Verleger Axel Springer und der Bild ins Leben gerufen. Bis heute ist die Aktion sehr eng mit dem Axel-Springer-Verlag verbunden.

Dazu gehört auch die große Fernsehspendengala. Viele Millionen kommen da jedes Jahr zusammen – auch, weil es offenbar diverse Großspenden gibt, die Springer sicherlich vorher schon angeleiert hat. Dazu kommen viele Promis, um sich im Studio an eines der Spendentelefone zu setzen – sogar der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz schaute vorbei, um zu zeigen, wie toll doch die Aktion ist – und die Bild natürlich auch.

So schön das alles ist. Aber: warum? Warum im ZDF? Warum nicht im nun hauseigenen Fernsehkanal Bild?
Warum im ZDF, einem der öffentlich-rechtlichen Sender, den Bild am liebsten die Abschaltung wünscht? Und warum macht das ZDF da mit? Und warum machen diese vielen Promis da mit? Ja, für den guten Zweck, aber sie lassen sich vor den Karren einer Zeitung spannen, die viele der Promis schon in den Schmutz gezogen hat. Oder eher: Die, die in den Schmutz gezogen werden, kommen nicht – und die, die kommen freuen sich, wenn ihnen der Schmutz erspart bleibt.
Alle Welt regt sich über die Hetze auf, die die Bild betreibt. Noch am Sonnabend herrschte Wut über eine Bild-Schlagzeile, die suggeriert, dass Wissenschaftler für Lockdowns verantwortlich seien. Und man denke an die Attacken gegen Christian Drosten. Und man denke vor allem an Storys über Kinder, die in große persönliche oder öffentliche Katastrophen geraten – wo dann Bild eher kein Herz für Kinder hat – oder es nur vorheuchelt.

Wenn das ZDF nun sagen würde: Wir verzichten auf die Bild-Gala – dann würde Bild sicherlich ein großes Geschütz auffahren und ein Gewitter gegen das ZDF lostreten. Aber dem ZDF steht diese Gala nur vordergründig gut zu Gesicht. Vielmehr sollte sich der Sender von dieser Bild-Reklame lösen und eine eigene Kinderspendengala auf die Beine stellen.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 3. März 2022)

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