RTZapper

dunja hayali: Oliver Polak und der Antisemitismus des Jan B.

Freitag, den 9. November 2018
Tags: , ,

MI 07.11.2018 | 23.25 Uhr | ZDF

Der Comedian Oliver Polak war am Mittwochabend zu Gast in der ZDF-Talkshow “dunja hayali”, in der es um Antisemitismus und Rassismus ging. Polak hat gerade ein Buch herausgebracht, in dem er erzählt, wie er als Jude Antisemitismus ausgesetzt ist.
Ein Fall handelt von einem Comedyabend. Nach einem Auftritt von Polak habe sich ein bekannter deutscher Fernsehmoderator auf der Bühne die Hände desinfiziert und gesagt, das Händegeben mit Polak sei eklig gewesen. Und ob das ansteckend sei. Später wurde bekannt: Es geht um Jan Böhmermann. Der äußerte sich schon in seiner Sendung “Fest & flauschig” und wies die Vorwürfe zurück, weil es sich um einen geplanten, inhaltlich vorher besprochenen Auftritt gehandelt habe. Serdar Somuncu, um dessen Abend es da ging, bestätigte das.

Und was sagt Oliver Polak? Der legte am Mittwoch im ZDF einen erschreckenden Auftritt hin. Das sei nicht sein Thema, sagte er. Wenn behauptet würde, das sei besprochen gewesen, dann könne das ja später jeder sagen. Aber ansonsten gebe es ja noch viele andere Geschichten in seinem Buch.
Oliver Polak hatte in diesem Talk schlicht keine Argumente. Er redete sich raus, und das macht wütend. Völlig unklar ist, ob er die – wie er sagt – mit Absicht ohne Namen erzählte Story nur für irgendwas stehen sollte oder ob er genau diesen Abend so erlebt haben will – was jedoch nicht glaubwürdig ist.
Unglaubwürdig deshalb, weil Oliver Polak ein Comedian ist, der mit genau diesen Dingen spielt, die an diesem Abend mit Böhmermann geschehen sind. Polak macht Witze über Minderheiten, auch Eigengags über Juden. Aber das sei ja Standup-Comedy, sagt Polak. Und der Auftritt bei Somuncu war keine Standup-Comedy?

Antisemitismus gibt es, und man muss darüber reden. Man muss den Finger in jede Wunde legen. Aber mit dieser Story tut Oliver Polak sich und allen Beteiligten keinen Gefallen.
Klar kann man auch darüber reden, wie weit Comedy gehen darf. Aber nicht, wenn er an einem Akt beteiligt war, der mit ihm besprochen worden ist. Und auch nicht, wenn er selbst auch kräftig austeilt. Übrigens so sehr austeilt, dass ein anderer jüdischgläubiger Gesprächsgast sagte, dass er in einer Polak-Show war und er nach der Hälfte gehen musste, weil er es nicht ausgehalten hatte.

Es wäre schön, wenn sich Polak, Böhmermann und Somuncu mal gemeinsam einem Interview stellen würden. Klartext und Diskussion sind wichtig.

-> “dunja hayali” in der ZDF-Mediathek (bis 8.11.2019)

RTZapper

Wahl 2018: Wahl in Bayern

Dienstag, den 16. Oktober 2018
Tags: ,

SO 14.10.2018 | 17.30 Uhr | ZDF

Das war dann wohl ein politisches Erdbeben mit Ansage. Auf eines, auf das sich Journalisten offenbart schon seit Wochen freuten vorbereiten. In Umfragen fiel die allein regierende CSU tiefer und tiefer, und am Ende kamen dann doch 37 Prozent heraus.
Da war man als popcornessender Zuschauer fast schon ein bisschen enttäuscht, dass die CSU am Ende doch nicht so abgestürzt, wie es alle erwartet haben. Da war es dann fast schon zweitrangig, dass die Grünen einen Höhenflug erleben (der aber auch geringer ausfiel als erwartet), die SPD in die Fast-Bedeutungslosigkeit gedonnert ist und dass die AfD ihr hochtrabendes 15+x-Ziel nicht erreicht hat.

Aber auch die Journalisten schienen fast schon ernüchtert gewesen zu sein. In der ZDF-Wahlsendung aus München schienen sie sich am Sonntag schon auf weitreichende deutschlandweite Erdbeben vorbereitet zu haben – die dann aber nicht eintrafen. So wollte Bettina Schausten immer wieder von den Politikern wissen, welche Konsequenzen denn das Ergebnis habe. Für Bayern. Für Berlin. Für Seehofer. Für Merkel. Für uns alle. Und überhaupt. Und was ist denn nun mit den Konsequenzen?
Immer wieder dieselbe Frage, und wieder immer dieselbe Antwort, dass man das noch nicht wisse. Und dass es eigentlich erst mal keine Konsequenzen habe. Ziemlich ermüdend.

Vermutlich hat sich Bettina Schausten ihre Konsequenzen-Frage schon für ihre Wahlsendung aus Hessen am 28. Oktober fett rot angestrichen. Man muss ja schließlich hart nachhaken.

RTZapper

Gottschalks große 68er-Show

Montag, den 8. Oktober 2018
Tags:

SA 06.10.2018 | 20.15 Uhr | ZDF

Die Beatles, die Stones, Tom Jones, The Tremeloes. Die 68er haben musikalisch einiges zu bieten gehabt. Und Heintje. Und Peter Alexander. Und überhaupt stehen die 68er für ein Lebensgefühl, für Studentenproteste und die sexuelle Revolution.

50 Jahre danach erinnerte das ZDF daran mit “Gottschalks große 68er-Show”. Da erwartet man Oldies und viel Retro. Und wen holte Thomas Gottschalk am Sonnabendabend als erstes auf die Bühne? Andreas Gabalier, Jahrgang 1984. Mehr schlecht als recht sang er Oldies nach, und als Gottschalk von ihm wissen wollte, was er mit den 68ern verbindet, sagte die Österreicher: Er sei ja noch nicht geboren worden. Wie wahr. Er blieb trotzdem bis zum Ende der Show.
Oder der Song “Everlasting Love” – im Original von 1968. Und wer sang diesen Hit im ZDF? Vanessa Mai. Und das ziemlich dürftig.

Natürlich ist Thomas Gottschalk der richtige Mann für so eine Show. Er hat die Zeit erlebt, er hat Spaß an der damaligen Musik und kann viel über den Zeitgeist erzählen. Ob er innerlich verzweifelt ist, als Vanessa Mai und Andreas Gabalier seine Hits der Jugend ruinierten? Ob er sich auch gefragt hat, warum eigentlich Inka Bause da war, obwohl sie über das Jahr 1968 nichts erzählen konnte, weil sie da ja erst geboren worden ist. Oder was eigentlich Rowan Atkinson in der Show zu suchen hatte, der nur da war, um seinen neuen Film zu promoten.

1968 ist ja vermutlich einiges Schlimmes passiert, aber diese Show – 50 Jahre danach – war mehr ein Nachtreten als eine schöne Erinnerung.

RTZapper

Vereint und doch nicht eins? – Barbara Hahlweg unterwegs im Osten Deutschlands

Freitag, den 5. Oktober 2018
Tags: , ,

MI 03.10.2018 | 19.30 Uhr | ZDF

Tag der deutschen Einheit. Aber wie ist es eigentlich um die Einheit bestellt? Und spielen Ost und West eigentlich noch eine Rolle? Und warum sind die Ossis eigentlich oft so nölig?
Das ZDF lieferte die beste Bestandsaufnahme der deutschen Einheit seit sehr langer Zeit. Am Feiertag lief dort die Doku “Vereint und doch nicht eins? – Barbara Hahlweg unterwegs im Osten Deutschlands”.

Die ZDF-Nachrichtenfrau reiste durch Ostdeutschland, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Weitgehend ohne Vorurteile, aber mit Fragen.
28 Jahre nach der Einheit sind die Löhne immer noch nicht angeglichen. Ebenso nicht die Renten. In Ostdeutschland gibt es nur wenige Großunternehmen, die ganz großen sitzen ausschließlich im alten Westen.

Oder Bischofferode. Die Menschen dort sind immer noch wütend. Den Braunkohle-Bergleuten hat man vor 25 Jahren die Grube zugeschüttet, obwohl noch Potenzial war. Die Firma wurde vom Westen übernommen und später dicht gemacht. Die Leute dort fühlen sich verarscht und allein gelassen. Sie haben die Wende letztlich als Verlierer erlebt.

Auch um die Vorurteile zwischen Ossis und Wessis ging es – die allerdings gibt es beiderseits. Klar ist aber auch, dass die Westdeutschen nach der Wende ihr Leben einfach weiterlebten. Im Osten änderte sich alles. Es heißt, viele Westdeutsche waren bis heute noch nicht im Osten.

Natürlich gibt es auch viele Gewinner, auch das zeigte die ZDF-Doku. Da sind die Unternehmer, die nach der Wende angepackt haben und die, die nach dem Ende der DDR ihre Pläne umsetzen konnten.
“Vereint und doch nicht eins” – das gilt längst nicht für alle. Aber leider für viele. Der Rechtsextremismus spielte am Mittwoch eine sehr untergeordnete Rolle. Wer aber eine Ahnung davon bekommen will, wieso einige im Osten so ticken wie sie ticken, der sollte sich diesen Film noch ansehen.

-> Die Doku in der ZDF-Mediathek (bis 2. November 2019).

RTZapper

Wach

Mittwoch, den 19. September 2018
Tags: ,

MO 17.09.2018 | 20.00 Uhr | Funk

Beim Namen Kim Frank fällt mir schon lange nicht nur die Band “Echt” ein. Inzwischen ist er ein sehr angesagter Musikvideo-Filmer. Er drehte mehrere Clips für Mark Forster (“Bauch und Kopf”, “Sowieso”, “Flash mich”), außerdem für Udo Lindenberg, Adel Tawil, Revolverheld und viele andere.

Sein Traum schon lange war aber ein Langfilm, es war allerdings schwierig einen Partner dafür zu finden. Er fand ihn in Funk, dem jungen Netzwerk von ARD und ZDF und im “Kleinen Fernsehspiel” des ZDF. Am Montagabend hatte “Wach” bei Funk Premiere. Unter anderem bei Youtube ging er online, am sehr späten Abend lief er dann (allerdings mit sehr wenigen Zuschauern) im ZDF.

Zwei 17-jährige Mädchen wollte so lange wie möglich wach bleiben. Daraus entwickelt sich mehr und mehr ein echter Trip.
Der allerdings keine 75 Minuten trägt. Leider zieht sich die Geschichte ein bisschen wie ein Kaugummi, abgesehen davon, dass die Grundkonstellation auch nicht sehr aufregend ist.
Auch wenn sich am Ende alles ziemlich zuspitzt – von der Qualität seiner Videoclips ist Kim Frank leider mit seinem ersten langen Film ziemlich weit entfernt.

RTZapper

Heidi

Dienstag, den 18. September 2018
Tags:

SO 16.09.2018 | 5.40 Uhr | ZDF

Das ZDF schickt immer am Sonntagmorgen Roboter im Kinderprogramm auf Sendung. Es sind Figuren, die sich nur behäbig bewegen, die sehr glatt sind und die nur drei verschiedene Mundbewegungen machen.

Ausgerechnet Heidi, eine der Kultfiguren aus dem Kinderprogramm ist auf besonders plumpe Weise reanimiert worden. Nun war die Zeichentrickserie aus Japan von 1974 zeichnerisch auch keine ganz hohe Kunst. Aber die 2018er-Version kann auch nicht sehr teuer gewesen sein.

Für Hintergründe hat es meist gar nicht gerecht. Die Bäume am Horizont sind nur noch farblich angedeutet. Die Figuren sind computeranimiert, und es war nicht das modernste Programm. Klobig bewegen sich Heidi und Peter durch die Gegend. Die Münder bewegen sich nur schlicht, alles sieht sehr glatt aus. Selbst der Bart vom Almöhi ist eine Maske, die aussieht, als habe sich der Großvater eine Haube aufgesetzt und sei fast komplett haarfrei. Das Haus kommt ohne Schnickschnack an den Wänden aus.

Kindern, die um 5.40 Uhr am Sonntag schon vor dem Fernseher sitzen, ist das alles vermutlich egal. Aber dennoch hätte die “Heidi”-Neuauflage ein bisschen weniger lieblos sein können.

RTZapper

Markus Lanz: Hinrich Lührssen

Freitag, den 7. September 2018
Tags: , , ,

DI 04.09.2018 | 22.45 Uhr | ZDF

Ob Journalisten wirklich Mitglied in einer Partei sein müssen, das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Dass ein Journalist aber im Vorstand einer Partei sitzt – das ist schwierig.
Hinrich Lührssen kennt man von vielen “Stern TV”-Reportagen, zuletzt war er für das Magazin “Buten un Binnen” von Radio Bremen unterwegs.
Lührssen ist nun im Vorstand der Bremer AfD, und das ist mit der aktiven Arbeit eines Journalisten nicht vereinbar. Dass man da beim RB kurz oder länger mal drüber nachdenkt, wie man damit umgeht, ist selbstverständlich.
AfD-Freunde mögen nun motzen, dass ja ganz sicher auch Mitglieder von SPD oder Grüne in den Sendern sitzen. Und dass da keiner drüber berichtet. Aber vermutlich wäre das anders, wenn eine Fernsehnase plötzlich im Vorstand eines SPD-Landesvorstandes sitzen würde. Und was ist mit Steffen Seibert, wird dann auch gerne mal gefragt. Dabei ist die Frage einfach: Seibert hat einen neuen Job und arbeitet derzeit nicht mehr als Journalist.

Am Dienstagabend war Hinrich Lührssen zu Gast bei Markus Lanz im ZDF. Lanz und Lührssen kennen sich lange, und Lanz wollte wissen, was seinen Kollegen zur AfD getrieben habe. Immerhin sei das doch die Partei, die gern mal von der
Lügenpresse reden, bei der Lührssen (und dann noch für einen öffentlich-rechtlichen Sender) ja arbeitet.
Von Lührssen kommt dazu nicht wirklich Stichhaltiges. Er sage ja so was nicht, meint er. Deshalb habe das gar keine Bedeutung.
Er finde die Flüchtlingspolitik von Merkel furchtbar. Viele hätten Angst, und dass jeder seine Familie beschützen will, erwarte er auch von der Regierung. Der Druck werde auf alle immer größer, Stichwort Digitalisierung. Ob man noch Diesel fahren dürfe, sei unklar, und Elektroautos könne sich keiner leisten.

Warum er nun aber der AfD beigetreten sei, was denn die AfD zu diesen Themen sage – Diesel und auch Wohnungsnot -, wollte Lanz von Lührssen wissen.
Mehr als Gestotter und Inhaltsleere kam da allerdings nicht, und für einen gestandenen Journalisten war es durchaus peinlich, wie wenig Gehaltvolles außer das übliche Geblubber Lührssen zu sagen hatte.
Natürlich kann sich jeder die Partei aussuchen, der er beitreten möchte (oder auch nicht), dass Lührssens Begründungen aber so schlicht ausfielen, das war dann schon mehr als bemerkenswert. Da war nicht nur Markus Lanz verwundert.