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Peter Hahne: Fußball, Gott und die große Bühne

Dienstag, den 12. Dezember 2017
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SA 09.12.2017 | 19.30 Uhr | phoenix

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass in Zukunft das Wochenende nicht mehr vollständig ist? Dass man was vermisst, weil einen Peter Hahne nicht mehr angrinst und dämliche Fragen stellt, ob es mir auch so geht wie ihm? Dass man sich am Wochenende nicht mehr einlullen lassen kann, weil die gepflegte Laberei auf phoenix im ZDF bedauerlicherweise eingestellt worden ist?

Geht es dir auch so wie mir, wenn ich sage, dass das Ende von “Peter Hahne” kein großer Verlust ist? Am Wochenende lief die letzte Ausgabe seiner Gesprächssendung. Das ZDF scheint auch nicht mehr viel von ihrem Ex-Star gehalten zu haben, denn die kleine Talkshow hat man irgendwann ins tiefe Nachtprogramm abgeschoben. Immerhin gab es zuletzt eine Erstausstrahlung am Tag zuvor auf phoenix – fast zur Primetime. Aber auch da scheint er quotentechnisch nicht für Furore gesorgt zu haben. Vielleicht wollten sich die Leute dort auch nicht blöd von der Seite anquatschen lassen, ob man sich auch so fühle wie Hahnes Peter. Deshalb geht er nun in Rente.

Aber vermutlich wird er weiter von sich reden machen – wie beispielsweise mit seinen wunderlichen Kolumnen in der “Bild am Sonntag”. Dort nölte er über das moderne Weihnachtsfest. Das sei alles nicht mehr schön, weil die Leute jetzt alleine zu hause sitzen und Geschenke im Internet bestellen. da sei man ja total alleine. Für den Kirchenmann Peter Hahne ist Weihnachten nämlich, sich ins Kaufhaus-Getümmel zu stürzen, das Gedränge zu ertragen und dem Kaufrausch im Laden zu erliegen. Gut zu wissen. Ich dachte ja immer, dass für Kirchenleute Weihnachten eine ganz andere Bedeutung hat. Aber beim Hahne, Peter zählt halt auch nur der Kommerz. Frohes Fest.

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Luther – Das Projekt der 1000 Stimmen

Mittwoch, den 1. November 2017
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DI 31.10.2017 | 22.00 Uhr | ZDF

L-U-T-H-E-R!
Den ungewöhnlichsten Beitrag zum 500. Reformationsjubiläum hatte am Dienstagabend das ZDF zu bieten: ein Luther-Musical! “Das Projekt der 1000 Stimmen” wurde schon in vielen Orten Deutschland gezeigt, und der Höhepunkt war die Show in der Berliner Mercedes-Benz-Arena. Dort waren es sogar rund 4000 Stimmen, denn so riesig war der Chor, der das Musikprojekt begleitete und den Namen des Reformators schmetterte: L-U-T-H-E-R!

Michael Kunze und Dieter Falk haben die Ereignisse aus dem 16. Jahrhundert in erstaunlich gute und eingängige Songs gepackt. “Wir sind Gottes Kinder. Wo auch immer: Kinder ist allein!” Solche Texte sind, die dem Zuschauer regelrecht eingehämmert wurden – denn viele Textstellen wiederholten sich in den Songs, so dass man irgendwann mindestens mitsummte. Was aber auch ein wenig wie die evangelikalen Gottesdienste wirkte, die auf vielen kleinen Sendern zu sehen sind. Sehr ungewöhnlich war zudem, dass die komplette Show untertitelt wurde – nicht als wegzuschaltende Option. Irgendwer muss sich dabei was gedacht haben, aber dass man die Texte alle mitlesen konnte, führte dazu, dass man der Geschichte, die dort erzählt wurde, noch besser folgen konnte.

Dass Moderator Eckart von Hirschhausen teilweise mitten in den Songs seinen Senf dazugeben musste, schien da ein bisschen aufdringlich, aber vielleicht wollte man den ZDF-Zuschauer nicht so viel Musik oder Wortbegleitung zumuten. Die Zuschauer in der Halle kamen ja offenbar auch ohne die Hinweise aus.
Dennoch: Dieser Luther-Abend war auf jeden Fall modernes Bildungsfernsehen, das es im ZDF immer seltener gibt.

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Aktenzeichen XY… ungelöst

Samstag, den 28. Oktober 2017
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MI 25.10.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

50 Jahre! Ein halbes Jahrhundert! So lange werden im ZDF schon Verbrecher gejagt. Am Mittwochabend wurde Jubiläum gefeiert, im Oktober 1967 ging “Aktenzeichen XY… ungelöst” erstmals auf Sendung, erfunden von Eduard Zimmermann.
2017 gehört die Sendung noch immer zu den Quotenbringern im ZDF, Rudi Cerne hat Zimmermanns Erbe vor 15 Jahren übernommen, und die Fahndungserfolge können sich auch sehen lassen.
Das macht diese Sendung für alle Beteiligten so wichtig.

Warum aber überlebt ein Format über so lange Zeit? Warum ändert sich die Gesellschaft, warum wandelt sich das Fernsehen, aber das “Aktenzeichen” bleibt?
Die Sendung ist das wahre Leben. Das bekommen wir in den Dokusoaps zwar angeblich auch zu sehen, aber “Aktenzeichen” hebt sich davon sehr ab. Denn hier geht es nicht darum, sich einlullen lassen, sich mit nichtigem Kram zu befassen. Was wir in dem ZDF-Magazin sehen, sind ebenfalls gedrehte Kurzfilme – aber die Fälle sind echt, und sie gehen eigentlich immer nicht gut aus. Das ist der Thrill. Viele der Fälle gehen unter die Haut, und vielleicht kommt der Tag, wo man vorm Fernseher sitzt und feststellt: Man ist Zeuge, und man kann was tun.
Dabei geht es dem Team der Sendung nie um Sensationen, sie wirkt immer noch seriös, auch wenn sie nicht mehr so steif ist wie in den 70ern.

Am Mittwochabend wurde nicht nur gefeiert, denn die Polizei hatte neue Fälle, die es gilt zu lösen. Damit die Verbrecher dieses Landes ihre gerechte Strafe bekommen.

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Nena – Nichts versäumt

Montag, den 9. Oktober 2017
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SA 07.10.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

Ob nun “Nichts versäumt” ein guter Titel für eine Fernsehshow ist, sei mal dahingestellt. Aber das ZDF traute sich und strahlte am Sonnabend zur Primetime mal keinen Krimi und kein Quiz aus – sondern eine Musikshow.
Nena feiert ihr 40. Bühnenjubiläum. Bekannt geworden ist sie 1982 mit “Nur geträumt”, und so richtig knallte es 1983 mit den “99 Luftballons”. Wer nun aber meint, dass danach ja gar nichts mehr kam und dass es völliger Blödsinn sei, dass das ZDF ganze 150 Minuten für opfert, der irrt gewaltig.
Denn 2005 hatte Nena in Deutschland überhaupt erst ihren zweiten Nummer-1-Hit: “Liebe ist”. 2002 war sie zuvor sehr clever und coverte ihre eigenen NDW-Hits und schaffte es als eine der wenigen, daraus noch bessere Songs zu machen.

Allerdings müssen die 150 Minuten trotzdem viel zu kurz gewesen sein, denn aus den Interview-Passagen zwischen den Musiksongs wurde sehr viel rausgeschnitten. Teilweise waren es so viele Schnitte, dass die Gespräche wie Best-of-Schnipsel wirkten.
Ansonsten war es aber eine nette, entspannte Show. Stars und Freunde und Familie kamen, um Nena-Songs neu zu singen und zu spielen, und Nena selbst hatte offenbar den größten Spaß daran, dem beizuwohnen.
Letztlich hat vielleicht wirklich “Nichts versäumt”, aber es war auch schön, einen Abend mal alte und neuere sowie bekannte und unbekanntere Nena-Hits zu hören.

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Wahl 17: Berliner Runde

Montag, den 25. September 2017
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SO 24.09.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Martin Schulz war sauer, aber so richtig. Erst lassen ihn die Moderatoren von ARD und ZDF mal wieder nicht ausreden. Das sei ja gar nicht in Ordnung, das störe ihn total. Dann teilt er auch noch gegen Angela Merkel aus, die einen skandalösen Wahlkampf geführt habe. Sie sei schuld an der Stärke der AfD.
Da flogen die Giftpfeile, und man fragte sich als Zuschauer: Wo war denn dieser wütende Martin Schulz vor der Wahl? Im TV-Duell? Erst am Sonntagabend, in der “Berliner Runde” im Ersten und im ZDF, als die Wahl gelaufen war und die SPD ganz böse krachen gegangen ist, da polterte Schulz los – da war zu ahnen, was alle Welt von diesem Schulz-Zug gefaselt hat. Er hatte wohl eine Verspätung – kam viel zu spät, zu einem Zeitpunkt, wo es eher peinlich wurde. Da musste sogar die Kanzlerin ein bisschen lächeln.

13 Prozent für die AfD – für Deutschland war es ein besonderer Wahlsonntag. Welche Folgen er hat, wird sich in den nächsten Monaten und Jahren zeigen.
Aber wer hat Schuld, dass die Rechten nun ins Parlament einziehen? CSU-Mann Joachim Herrmann weiß genau Bescheid: ARD ujd ZDF sind es, weil sie viel zu viel über die AfD berichtet haben. Aha.
Mag sein, dass die deutschen Journalisten auch noch nicht den richtigen Umgang mit den Blauen drauf haben, dass jeder Pups von Gauland und Co. skandalisiert worden sind – aber Schuld für den Einzug in den Bundestag sind die Sender nicht, jedenfalls keineswegs alleine. Da hat Herrmann eine Nebelkerze geworfen.

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Die versteckte Kamera 2017

Montag, den 25. September 2017
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2016 -> 16.2.2016

Das muss man dem ZDF lassen: Das Team der “Versteckten Kamera” hat es in diesem Jahr geschafft, das Verhältnis von schlechten und guten Filmen noch deutlicher herauszuarbeiten. Man machte es sich sehr einfach: Man produzierte neun Filme, in denen Promis die Lockvögel waren. Acht davon waren mau oder völliger Schrott. Aber immerhin hat der eine gute Film am Ende auch beim Duisburger Publikum gewonnen.

In einem der Filme spielte ein umfangreicher Comedian einen Bademeister, der die Leute mit eiskaltem Wasser bespritzte. Das war wirklich sehr, sehr unlustig.
In einem anderen Film sollte Guido Maria Kretschmer reingelegt werden. Er setzte sich vor seine Greenbox, um für “Shopping Queen” wieder Filme zu kommentieren. Zu sehen war eine wunderliche Frau, die wunderliche Dinge tat und noch wunderlichere Dinge anzog. Kretzschmer giggelte die ganze Zeit rum, es wirkte, als juckt ihn das alles gar nicht, weil es eh wurscht ist. Und als klar war, dass er verarscht worden ist, giggelte er immer, und es war alles immer noch so furchtbar wurscht – und vor allem lahm. Aber Hauptsache, VOX bekam kostenlose Werbung für seine Sendung.
Die Ehrlich-Brothers legten irgendwelche Supermarktkunden rein, und man wünschte sich beim ZDF vielleicht doch mal erlösende Werbepausen. Einer der Männer zeigte kaum eine Regung, als er erfahren hat, dass er reingelegt wurde.
Eine Frau sollte von der Kelly Family reingelegt werden – ignorierte aber schlicht einige der Scherze. Aber scheinbar muss man auch die Gags senden, die in die Hose gegangen waren.

Aber vielleicht habe ich ja es einfach nicht bemerkt: Vielleicht sollte der Zuschauer reingelegt werden, vielleicht sollte er denken, er sähe eine unterhaltsame Show.
Witzig war nur der Film, wie ein nerviger Fan einen Tag mit Ross Antony verbringen sollte – Rossi war sichtlich genervt, und das sorgte für die einzigen echten Lacher des Abends. Für 150 Minuten Sendedauer ist das ganz eindeutig zu wenig.

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Wahl 2017 – Die Schlussrunde

Samstag, den 23. September 2017
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DO 21.09.2017 | 22.00 Uhr | ZDF

Mehrfach hat sich der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz vor eine Kamera gestellt, um darauf hinzuweisen, dass er gern ein zweites TV-Duell mit Angela Merkel gehabt hätte. Zuletzt am Montagabend in der “Wahlarena” im Ersten. Nicht, dass es was gebracht hätte – aber in Wirklichkeit ist Schulz dann doch ein ziemlicher Heuchler.

Am Donnerstagabend gab es die “Schlussrunde” bei ARD und ZDF. Es ist die Sendung, die es bereits seit Jahrzehnten immer kurz vor der Bundestagswahl gibt – früher besser bekannt als die Elefantenrunde. Ältere Semester erinnern sich an harte Wortgefechte zwischen Helmut Kohl und Willy Brandt in den 80ern. Damals trafen dort nämlich auch die beiden Kanzlerkandidaten aufeinander, ein TV-Duell gab es noch nicht.

Und heute? Heute labert Martin Schulz davon, dass er gerne noch mal vor Kamera mit Angela Merkel sprechen will. Angela sagt Nein. Und auch zur Schlussrunde will sie nicht. Und was macht Martin Schulz? Hat plötzlich auch keinen Bock mehr. Beide schickten am Donnerstag Vertreter in die Sendung. Im Gegensatz zu Linke, Grüne, FDP und AfD.
Und das macht Schulz zum Heuchler. Denn wenn er wirklich noch mal ein Merkel-Duell gewollt hätte, wäre er auch zur Schlussrunde gekommen – genau dort hätte er sich auch berechtigt über das Merkel-Fernbleiben beschweren können.

Ursprünglich heiß die Sendung “Die Schlussrunde der Spitzenkandidaten”. Das mit den Spitzenkandidaten hatte man wegen CDU und SPD gleich mal weggelassen. Beim nächsten Mal sollten ARD und ZDF darauf pochen – oder einfach die Stühle der beiden Parteien leer stehen lassen. Arroganz muss bestraft werden.