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The last Wave

Mittwoch, den 29. Juli 2020
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FR 24.07.2020 | 23.40 Uhr | zdf neo

In einem Ort in Frankreich, direkt am Atlantik. Plötzlich taucht über der Küste eine Wolke auf. Und bleibt. Sie ist relativ schmal und breitgezogen. An sich passiert aber nichts. Zunächst.
Während am Strand und im Wasser ein Surfwettbewerb stattfindet, kommt es jedoch zu einem Zwischenfall. Die Wolke nähert sich dem Wasser und der Küstenlinie. Eine Wolkenwand entsteht, und danach sind die Surfer nicht mehr da. Die Suche bleibt erfolglos. Als keiner mehr damit rechnet, tauchen die Surfer plötzlich wieder auf. Was mit ihnen geschehen ist, wissen sie nicht. Aber in den folgenden Stunden und Tagen wird klar: Es ist etwas anders, bei jedem von ihnen. Und auch die Wolke ist eines Tages wieder da.

Auf zdf neo sind am späten Freitagabend und in der Nacht alle sechs Folgen der französischen Mysteryserie “The last Wave” gezeigt worden.
Gerade in der zweiten Hälfte, in den letzten drei Folgen steigt die Spannung permanent an, denn immer hängt eine diffuse Angst über dem kleinen Ort. Als die Leute beginnen, die Wolke zu bekämpfen, müssen sie bald feststellen, dass der Kampf auch eine Gefahr für die Menschen darstellt. Denn ein Verschwinden der Wolke für die Surfer, die in ihr verschwunden waren, erst mal nichts Gutes.
Die Serie bekommt den Spagat zwischen der mystischen Spannung und der Geschichte über die Menschen in dem Ort recht gut hin. Natürlich wird in dem Ort auch gelebt und geliebt, es gibt Affären, Geheimnisse und kleine Intrigen.
Das ist nicht das ganz große Kino, aber dass diese sechs Folgen letztlich unterhaltsam und zum Ende hin sehr fesselnd sind, ist die Hauptsache.
Völlig untypischerweise steht übrigens fest, dass diese Serie nur diese eine Staffel haben wird, sie war von vornherein als Miniserie angelegt. Das ist gut so, denn Netflix und Co. können in solchen Fällen viel zu oft nicht widerstehen, eigentlich beendete Storys doch weiterspinnen zu wollen.

Und auch in diesem Fall hat zdf neo die Serie versendet – sowohl bei der Premiere Ende Juli, als auch an diesem Freitag liefen alle sechs Folgen am Stück. Vermutlich hauptsächlich für die Auswertung in der ZDF-Mediathek. Dabei hätte auch diese Serie einen Sendeplatz im ZDF-Hauptprogramm verdient, wo im Sommer eh nur die alten Krimiserien wiederholt werden.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 23. August 2020)

Hits: 185

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Sløborn

Dienstag, den 28. Juli 2020
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FR 24.07.2020 | 22.40 Uhr | zdf neo

Es ist die Serie zur Krise. Und das, obwohl zum Zeitpunkt des Drehs über das Coronavirus überhaupt noch gar keiner gesprochen hat. Aber die Parallelen sind erschütternd.

Taubengrippe. Man hört davon, irgendwo in der Welt ist irgendwas ausgebrochen, und bald gibt es auch den ersten Fall in Deutschland.
Die Insel Sløborn im deutsch-dänischen Grenzgebiet. Das Virus wird eingeschleppt, über eine der vielen Fähren. Und es breitet sich aus, das Virus.

Die Serie “Sløborn” erzählt von diesem Virus, aber nicht nur. Am Donnerstag und Freitag sind die acht Teile bei zdf neo gezeigt worden.
Am Anfang wirkt alles noch ein bisschen wie eine Teenieserie. Die 15-jährige Evelin (Emily Kusche) kehrt von einer Klassenfahrt zurück. Ihr geht es nicht gut. Bald erfährt sie, dass sie schwanger ist – vom Vertrauenslehrer, in den sie sich verliebt hat. Und er sich in sie. Erst mal kümmert sie sich aber um Herm (Adrian Grünewald), der von den anderen Jungs gemobbt wird. Er soll nun zu einer großen Party mitkommen. Dort entdecken die anderen Jungs ein gestrandetes Boot. Sie entdecken darauf zwei Tote.
Unterdessen kommt Starautor Nikolai Wagner (Alexander Scheer) auf die Insel. Er ist drogensüchtig, braucht Geld, will dort eine Lesung machen. Er kommt bei einer Familie unter.
Und auch eine Gruppe straffällig gewordene Jugendliche kommen auf die Insel zu einem Rehabilitationsprojekt.
Keiner von denen ahnt, dass sich das Taubenvirus auf der Insel ausbreitet.

Und tatsächlich nimmt sich Serienschöpfer Christian Alvart Zeit. So ein Virus braucht immerhin eine Weile. Aber der Zuschauer ahnt schnell: Irgendwas geht da vor. Jedes Händeschütteln wird registriert. Jede Umarmung. Jeder Nieser, jeder Huster. Man hört kurz ein Taubengurren. Der Zuschauer ist Mitwisser, und das sorgt für Gänsehaut.
Unheimliche Parallelen zum Coronavirus tun sich auf. Das zögerliche Handeln der Regierung. Ein Krankenhausvideo, das chaotische Zustände in den Fluren zeigt und von dem geleugnet wird, dass es echt sei. Abstandsregeln, Masken, Panikkäufe – als hätte schon 2019 beim Dreh jemand geahnt, was im März 2020 in Deutschland passieren wird.
Allerdings geht “Sløborn” sehr viel weiter. Denn in der Serie lässt sich die Pandemie nicht eindämmen, sie wird unkontrollierbar. Polizei und Bundeswehr werden eingesetzt, Ausgangssperren, Evakuierungen, Gewalt.

“Sløborn” ist das Beste, was bislang 2020 in Sachen Serien aus Deutschland kam. Es ist alles andere als Wohlfühlfernsehen, die zufällige Vermischung aus Real und Fiktion (an sich ist die Serie natürlich rein fiktiv) sorgen für einen zusätzlichen Thrill. Es gibt viele spannende Figuren, und keiner weiß, wer am Ende noch da sein wird. Die Spannung steigt mehr und mehr. Unterstürzt wird sie durch tolle Sounds und durch spannende Wendungen.

Auf zdf neo ist die Serie innerhalb von zwei Tagen versendet worden, aber immerhin startete sie an beiden Tagen in der Primetime, aber dann immer gleich vier Folgen am Stück. Das ist einmal mehr bedauerlich, und für diese starke Serie kann man nur hoffen, dass sie einen vernünftigen ZDF-Sendeplatz bekommt. Für alle anderen bleibt die Mediathek.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 22. Januar 2021)

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8 Tage

Sonntag, den 12. Juli 2020
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FR 10.07.2020 | 22.40 Uhr | zdf neo

Europa steht der Einschlag eines Asteroiden bevor. In acht Tagen soll es so weit sein. Danach ist Mitteleuropa ausgelöscht. Amerika und Russland machen ihre Grenzen dicht, und es brechen die letzten Tage vor der Apokalypse an.
“8 Tage” heißt die 8-teilige Serie, die 2019 bei Sky ihre Premiere hatte und nun bei zdf neo zu sehen ist. Die ersten vier Folgen liefen am Freitagabend.

Wie das ZDF sein Programm plant, ist schon merkwürdig. Da kaufen sie von Sky eine Serie ein, um sie im Programm auszustrahlen – aber vor allem, um sie für drei Monate in der ZDF-Mediathek anbieten zu können. Aber so richtig viel scheint man beim ZDF dennoch nicht von der Serie zu halten. Warum sonst schafft sie es nicht ins Hauptprogramm, wo doch jetzt, im Sommer, fast nur noch Wiederholungen laufen. Stattdessen sind die Folgen selbst bei zdf neo nur spät zu sehen, und durch die Zwei-mal-vier-Folgen-Ausstrahlung laufen sie immer bis spät in die Nacht. Viele Zuschauer sind da nicht zu erwarten und erwartet man offenbar auch nicht.

Das ist schade, denn eigentlich spielen in “8 Tage” so viele bekannte Schauspieler mit, dass es eigentlich hätte auch fürs Hauptprogramm interessant sein können.
Was nicht zwingend heißt, dass “8 Tage” so richtig gelungen ist.

Es sind eher die Geschichten im Kleinen, die in der Serie erzählt werden. Zwar erfährt der Zuschauer ganz am Anfang, was los ist und wie dramatisch die Lage zu sein scheint. Das spielt dann aber erst mal keine Rolle. Stattdessen geht es um eine Familie, die mit dem Zug nach Russland flüchten will. Um ein Paar, das mit dem Flugzeug in die USA will. Ein älteren Herrn, die sein Haus ausmistet.
Die bedrohliche Stimmung spielt durch das, was sie tun, zwar eine Rolle. Aber es fehlt der Blick auf das große Ganze. Seltsamerweise wirkt “8 Tage” an vielen Stellen wie ausgestorben, weil kaum Leute zu sehen sind. In nur wenigen Szenen sind viele Menschen zu sehen.
Dadurch ist das Ganze nicht uninteressant, aber zumindest in den ersten vier Folgen vom Freitag kommt die ganz große Spannung selten auf. Immerhin gibt später noch einige Wendungen, die dann doch noch für Spannungen sorgen. Aber wie das bei vielen Serien so ist: Eigentlich sollte in den ersten Teil viel reingepulvert werden, denn die Zuschauer bleiben sonst nicht dran. Hier steigt die Spannung erst mit der Zeit. Aber das werden dann viele schon nicht mehr mitbekommen.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 8. Oktober 2020)

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Liebe. Jetzt!

Freitag, den 8. Mai 2020
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SO 03.05.2020 | 21.45 Uhr | zdf neo

Liebe in Zeiten des Coronavirus.
Ich bin nicht sicher, ob Menschen sehen wollen, was sie sowieso jeden Tag erleben. Momentan erleben die Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime oder Disney+ einen Boom, weil sie Serien und Filme bieten, die Zerstreuung versprechen. Die Leute wollen gedanklich weg von den aktuellen Problemen, und wer kann es ihnen verdenken?

Bei zdf neo ist man einen anderen Weg gegangen. Viele Serien und Filme können wegen der Coronavirus-Krise gerade nicht gedreht werden. Im Kleinen geht es aber doch. Paare können drehen, oder man dreht getrennt voneinander, und die Drehteams sind extrem klein, oder die Schauspieler müssen sich selbst kümmern.
Das Ergebnis ist “Liebe. Jetzt!”. Die sechsteilige Serie lief am Sonntagabend komplett auf zdf neo und ist auch in der ZDF-Mediathek abrufbar.
Zu sehen sind in jeder Folge abgeschlossene Liebesgeschichten in Zeiten des Coronavirus. Jede Folge erzählt ein neues, kleines Liebesdrama mit immer komplett neuen Darstellern.
Das führt allerdings auch dazu, dass jede der sechs Folgen sehr unterschiedlich ist – und auch unterschiedlich gut ist.

So geht es in Folge 1 um ein Paar, das wegen der Cortonakrise früher als geplant zusammenlebt – und schon eine Lebensberaterin kontaktieren muss. Die wird über das Internet zugeschaltet. Und auch wenn Jürgen Vogel eine der drei Folgen spielt, ist die Folge leider ziemlich blutleer.
Folge 2 dagegen ist echt herzig. Es geht um eine junge Frau (Lea Zoe Voss) und einen jungen Mann (Leonard Scheicher). Er strandet nach einer Reise in Wien, die beiden kennen sich schon länger, und in langen Videochats stellen sie fest, dass da mehr ist.

Liebe gewinnt. Fast immer. Das ist das Credo der kleinen Serie. Dass zdf neo in Zeiten der Krise eine solche Reihe produziert, ist gut. Dass damit das Jahr 2020 festgehalten wird, auch. Dass “Liebe. Jetzt!” innerhalb von wenigen Wochen entstanden ist, ist ungewöhnlich, wo doch sonst die Entstehung eines Fernsehformates sehr viel länger dauert. Sicherlich ist die Serie kein Hochglanzprodukt. Aber vielleicht wird man in 20 Jahren mal drauf schauen und sagen: Weißt du noch, damals?

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 30. April 2021)

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Deutscher

Donnerstag, den 30. April 2020
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DI 28.04.2020 | 20.15 Uhr | zdf neo

Das ZDF hat ein spannendes Gedankenspiel mal wieder im kleinen Spartenprogramm versteckt. Aber vielleicht will man gar nicht die große Bühne für den Vierteiler bekommen. Denn “Deutscher” könnte einen Shitstorm auslösen, der sich gewaschen hat. So von wegen: Alle linksversifft.

In der Dramaserie, die am Dienstag- und Mittwochabend bei zdf neo lief, ist die Bundestagswahl zu Ende gegangen, und alles ist anders. Die ehemaligen Volksparteien sind so schwach geworden, dass sie gegen die Rechtspopulisten keine Regierung mehr bilden können. Die stramm Rechten kommen an die Macht, und ganz schnell dreht sich auch die Stimmung im Land.

Die Familien Pielcke und Schneider leben in ihren Häusern Grundstück an Grundstück. Die Pielckes sehen der Zukunft positiv entgegen, schließlich würde sich die Politik nun den wichtigen Themen annehmen. Die Schneiders machen sich Sorgen, und Christoph bemerkt als Lehrer recht schnell, dass an der Schule nun ein neuer Wind weht.

Die Serie wirft ein dramatisches Bild. In “Deutscher” geht es nicht um die Politik und um die Politiker, sondern darum, was der rechte Wahlsieg mit den Menschen machen könnte. Denn die, die schon vorher in den sozialen Netzwerken pöbelten, die fühlen sich nun bestätigt, die sind jetzt “an der Macht”. Die können den anderen jetzt zeigen, was das Sagen hat. Da wird der Apotheker, der zwar in der Stadt geboren worden ist, aber türkische Wurzeln hat, beschimpft. Da wird im Dönerimbiss übelst beleidigt. Da prügeln aufrechte Deutsche auf den türkisch Aussehenden ein, weil er türkisch aussieht.
Und als dann auch der Dönerimbiss abgefackelt wird, steigt die Unruhe noch weiter.
Es herrscht eine Stimmung der Angst, andererseits eine angespannte, gewalttätige Stimmung. Und interessanterweise geht der Riss auch nicht nur zwischen Den Nachbarn hindurch, sondern auch durch die Familien. In der Hinsicht bietet auch die Serie mehr als nur Schwarz-Weiß-Denken.
Und man hat nicht das Gefühl, dass das alles sehr weit hergeholt ist, wenn man sich an einige Twitter-Tweets von Anhängern einer bestimmten Partei erinnert, die orakelten, was passiert, wenn sie an die Macht kämen. Vermutlich deshalb wird diesen Leuten “Deutscher” auch nicht gefallen.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 25. Oktober 2020)

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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Neo Magazin Royale: Auf keinen Fall eine Late-Night-Show

Dienstag, den 17. Dezember 2019
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DO 12.12.2019 | 22.15 Uhr | zdf neo

Das war’s für Jan Böhmermann bei zdf neo. Am Donnerstagabend lief dort zum letzten Mal das “Neo Magazin Royale”. Die Late-Night-Show ist Geschichte.
Es ist aber nicht vorbei, denn Jan Böhmermann die oder eine ähnliche Show ab 2020 im ZDF präsentieren. Im Hauptprogramm! Allerdings soll es erst im Oktober so weit sein.
Das wirft einige Fragen auf.

Auch jetzt schon lief die Sendung im ZDF, wenn auch extrem spät am Freitag. Wieso dauert es zehn Monate, bis er mit einer neuen Show im ZDF loslegen kann? Soll es doch etwas ganz Neues werden? Für eine Late-Night-Show müsste man die Sendung eigentlich nur einen neuen Namen geben – irgendwas ohne “Neo”.
Und warum ist es überhaupt so wichtig, ob seine Show bei zdf neo oder im ZDF läuft? Die junge Zielgruppe sucht sich ihre Clips doch eh auf Youtube und in der Mediathek.

Dortgingen so einige Aktionen Böhmermanns durch die Decke. Seit 2013 gab es das “Neo Magazin”, und es konnte viel Staub aufwirbeln. Verafake. Varoufake. Erdogan. Die Giesinger-Kritik. Und so vieles mehr. Immer wieder hat Böhmermann den Finger in die verschiedenen Wunden gelegt. Er hat seiner Show immer wieder eine Bedeutung gegeben. Jetzt müssen wir warten…

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