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Doppelhaushälfte

Donnerstag, den 17. März 2022
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DI 15.03.2022 | 21.45 Uhr | zdf neo

Immer diese Vorurteile. Jeder hat sie. Wirklich jeder! Deshalb kann das Aufeinandertreffen von Menschen auch so spannend sein – und so lustig!
Auf zdf neo ist am Dienstagabend die neue und wunderbare Comedyserie “Doppelhaushälfte” gestartet. Genau dort spielt die Serie nämlich, genauer gesagt: in zwei Doppelhaushälften, in einer Wohnsiedlung in Kleinmachnow am Rande von Berlin.

Mari und Theo ziehen aus Berlin raus – sie wollen ins Grüne, mehr Ruhe haben als in der Großstadt. Sie bewerben sich um eine Doppelhaushälfte, der etwas, nun ja, unangenehme Makler zeigt ihnen alles. Theo ist schwarz, und er und Mari haben sofort das Gefühl, dass er das Paar nicht leiden kann.
Was sie noch rausfinden werden: Der Typ ist nicht nur der Makler, sondern auch der Nachbar – aus der anderen Doppelhaushälfte. Andi Knuppe lebt dort mit seiner Frau Tracy – ihre Eltern stammen aus Vietnam, aber aufgewachsen ist sie in Birkenwerder – und dem Sohn Rocco, der sich auch gleich in Maris Tochter Zoe verknallt.

Diese Serie macht einfach Spaß – und sie spielt vortrefflich mit Vorurteilen und Stereotypen. Denn man wird schnell feststellen: Nichts ist, wie es scheint. Andi der neue Ekel Alfred? Nicht wirklich! Denn in Wirklichkeit trägt er vor allem sein Herz auf der Zunge. Er ist streng, aber liebevoll. Er quatscht auch mal Blödsinn, aber wirklich rassistisch? Theo, der als Schwarzer oft Anfeindungen ausgesetzt ist, hat regelrecht Schiss vor Andi – muss aber öfter feststellen, dass er manches gar nicht so meint – während auch Theo Vorurteile hat – gegenüber der vietamstämmigen Tracy zum Beispiel. Und auch seine Frau Mari, die sich so politisch korrekt verhalten will, steckt in Wirklichkeit voller Vorurteile.
Und so ergeben sich in den acht Folgen lauter herrlich absurde Situationen.

Und das auch noch mit tollen Darstellern. Milan Peschel spielt den kauzigen Andi, Minh-Kai Phan-Thi spielt seine Frau Tracy. Theo wird von Benito Bause dargestellt. Allesamt zeigen sie ihr humoristisches Können.
“Doppelhaushälfte” gehört zu den sehr sehenswerten Comedyserien, die das ZDF produziert hat.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 7. März 2023)

Hits: 137

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Sløborn

Freitag, den 25. Februar 2022
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DI 22.02.2022 | 0.35 Uhr (Mi.) | ZDF

Neues aus der Reihe: Das ZDF verpulvert sein Serien-Futter: Schon vor einiger Zeit lief bei zdf neo die Premiere der 2. “Sløborn”-Staffel. Auch die ist wieder recht sehenswert.
Die Insel an der Nordsee musste nach einer Pandemie evakuiert werden, aber einige Bewohner sind geblieben und muss sich nun durchschlagen – und versuchen, aufs Festland zu kommen.

Das ist eine hochwertige Eigenproduktion, nichts, was man nun im Nachtprogramm verschleudern müsste. Bei zdf neo reichte es sogar für zwei Primetime-Sendeplätze. Und sogar ins Hauptprogramm hat es die Serie nun geschafft, aber das ZDF hat sich für die Ausstrahlung einmal mehr etwas ganz Feines einfallen lassen.
Die ersten drei Folgen liefen auf dem Montagskino-Sendeplatz am Montag ab 22.15 Uhr. Danach allerdings pfiff man beim ZDF auf das lineare Publikum – die letzten drei Folgen liefen in der Nacht zu Mittwoch ab 0.35 Uhr.

Natürlich stehen alle Folgen schon längere Zeit in der ZDF-Mediathek bereit. Dennoch sollte es doch wohl möglich sein, auch bei einer linearen Ausstrahlung – wenn man sie denn schon recht prominent beginnt – auch genauso fortzusetzen.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 21. August 2022)

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Ich dich auch!

Donnerstag, den 24. Februar 2022
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DI 22.02.2022 | 21.45 Uhr | zdf neo

Caro und Yannik sind erst seit einem knappen halben Jahr zusammen. Und die meisten werden sich erinnern: Da hat man noch richtig Bock aufeinander. Doch leider kommen sie nie so richtig dazu. Denn in ihrer kleinen Wohnung scheint viel mehr Verkehr zu herrschen als in ihrem Bett.
Da ist zum Beispiel der Nachbar Tüffi, der plötzlich mit E-Bikes in der Wohnung auftaucht, weil er sie schnell mal laden muss. Oder Caros Schwester lungert mit ihrem Freund in der Wohnung rum. Oder die Schwiegereltern kommen. Und und und.

“Ich dich auch!” heißt die achtteilige Comedyserie, die immer dienstags bei zdf neo läuft. Bislang hatte der kleine Sender nicht so oft Glück mit diesem Genre. Aber in diesem Fall handelt es sich um eine sehr liebenswürdige, humorige Komödie in kleinen 25-Minuten-Häppchen.
Das liegt auch und vor allem an den sympathischen Hauptdarstellern. Rojan Juan Barani spielt den Yannik auf eine Weise, dass man oft gar nicht glaubt, dass das alles nicht echt ist. Die Dialoge wirken meist sehr lebensnah. Auch die Nebenrollen sind gut besetzt, Tüffi wird gespielt von Daniel Zillmann – er ist der immer etwas verpeilte Typ. Manon Straché ist Caros leichte biestige Mutter, die sich am Ende so richtig mit Yanniks Mutter anzickt.

Gespielt wird überwiegend in Echtzeit, alles spielt sich in der Wohnung ab. Dass das alles andere als billig wirkt, ist eine große Leistung. Sehenswert!

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 20. Februar 2023)

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Westwall

Freitag, den 10. Dezember 2021
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MI 08.12.2021 | 21.45 Uhr | zdf neo

Was für ein Schock! Die Kommissaranwärterin Julia hat den geheimnisvollen Nick kennengelernt. Jetzt liegt sie in seinem Bett, er schläft noch. Da entdeckt sie auf seinem Rücken ein riesiges tätowiertes Hakenkreuz.
Die Warnungen, sich auf so einen Typen einzulassen, sind groß. Nick wiederum sagt, er habe mit den Nazis nichts mehr zu tun, er habe sich von denen abgewandt. Er sei kein Nazi mehr.
Ist er scheinbar wirklich nicht. Dafür arbeitet er im Auftrag des Geheimdienstes, um eine Gruppe Nazis aufzuspüren und auffliegen zu lassen – und die Kommissaranwärterin hat Nick wohl nicht ganz zufällig getroffen.
Julia lebt nun sehr gefährlich – und Nick sowieso. Denn natürlich nutzen die Rechtsextremen alle Mittel, um sich vor dem Verfassungsschutz zu wappnen.

“Westwall” heißt die sechsteilige Serie, die am Dienstag- und Mittwochabend bei zdf neo zu sehen war. Das ZDF verfolgte mit der Ausstrahlung mal wieder eine neue, merkwürdige Variante. Teil 1 und 2 liefen an einem Sonnabend um 21.45 Uhr im ZDF-Hauptprogramm. Und nur diese beiden Folgen. Anderthalb Wochen später am Mittwoch zeigte zdf neo die Folgen 1 und 2 noch mal, und Folge 3 um 23.15 Uhr hintendran. Den Rest am Tag danach. Wer soll da eigentlich durchsehen? Dass das ZDF so vor allem die Mediathek stärken will, ist klar. Aber fürs lineare Fernsehen sollten doch auch vernünftige Ausstrahlungen möglich sein.

Die Serie selbst ist über weite Strecken recht spannend. Auch, weil Nicks Rolle in dem ganzen Gefüge nicht immer so klar ist. Jannik Schümann spielt den jungen Mann, der mal ein Nazi war und sich nun gegen sie wehren muss, ziemlich gut. Ebenso Emma Bading als Julia.
Die Serie taucht ein in einen ziemlich gruseligen Strudel des Rechtsextremismus, der den Kindern schon in entsprechenden Gruppen beigebracht wird. Auch mit welcher Unerbittlichkeit diese Menschen tun, was sie für richtig halten.
Das alles wird flott mit einem hohen Tempo erzählt und bietet bis zum Schluss immer wieder Spannungshöhepunkte.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 19. November 2022)

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Wir

Montag, den 8. November 2021
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FR 05.11.2021 | 23.55 Uhr | zdf neo

Wenn es um Serien geht, dann ist ein Sender wie zdf neo oft nur noch eine Abspielstätte, um die Serien dann vor allem in der Mediathek zeigen zu können. Dann ist es den Programmplanern auch vollkommen wurscht, ob es für Zuschauer des linearen Programms sinnvoll ist, alle acht Folgen einer Serienstaffel stundenlang am Stück zu versenden. Eine sinnvolle und regelmäßige Verteilung der Folgen scheint oft gar nicht mehr gewünscht.

Am 12. November zeigt zdf neo deshalb sogar schon zum zweiten Mal am späten Freitagabend Staffel 1 von “Dead Pixels” komplett. Ob das da jemand schaut, ist den Programmmachern wurscht, Hauptsache die Serie kann in der Mediathek bleiben. Am 19. November laufen fünfeinhalb Stunden am Stück alle Folgen von “Alex Rider”.

Völlig irre und kolossal egal ist den Machern die Ausstrahlung der Eigenproduktion “Wir”. In der ZDF-Mediathek gibt es wöchentlich eine Folge, was in Zeiten des Streamens absolut nervig ist. Aber bei zdf neo auch eine Folge pro Woche zu zeigen, das wäre natürlich viel zu sinnvoll und einfach.
Nein, bei zdf neo läuft “Wir” alle vier Wochen am späten Freitagabend. Man zeigt alle Vier Wochen vier Folgen am Stück. Einfach nur noch irre! Sicherlich soll die Serie vor allem Mediathek-Zuschauer anlocken, aber wieso scheint die lineare Ausstrahlung in zwischen dermaßen scheißegal zu sein, dass man sich für einen nicht mehr nachvollziehbaren Rhythmus entschieden hat? Linear findet eine solche Serie jedenfalls keine Fans. Was ja dann aber wohl auch nicht gewollt ist.

Hits: 171

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Maithink X – Die Show

Dienstag, den 26. Oktober 2021
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SO 24.10.2021 | 22.20 Uhr | zdf neo

Wissen vermitteln. Zusammenhänge erklären. Genauer auf Studien schauen. Und das auf eine populäre Art, für jeden verständlich.
Das ZDF hat jetzt so eine Sendung im Programm, und darauf ist man dermaßen stolz, und das hält man beim Sender für so wichtig, dass man diese neue Show jetzt am späten Sonntagabend im Spartenprogramm versendet, wo es kaum auffällt.

Mai Thi Nguyen-Kim sorgte nicht erst während der Corona-Pandemie mit ihren Erklärvideos für Furore. Die Wissenschaftsvermittlerin trat bei Science-Slams auf und hatte dann auch Auftritte im WDR. Inzwischen ist sie öfter im ZDF zu sehen, aber ihre eigene Show darf sie nur bei zdf neo präsentieren.
“Maithink X – Die Show” heißt die Sendung, dessen Titel zwar sehr logisch erklärbar ist – ihr Vorname und die ersten Buchstaben ihrer Nachnamen – man könnte aber rein von der Aussprache her den Titel mit “Mein Denken” übersetzen – aber für das ältere ZDF-Publikum vielleicht doch etwas sperrig ist.

Aber auf den Inhalt kommt es an. Und der überzeugt. So erklärt sie in der ersten Ausgabe, die am Sonntagabend zu sehen war, was es mit Meinungsfreiheit auf sich hat. Wie bestimmte Studien entstehen und warum andere Studien in Sachen Mehrwert kaum zu gebrauchen seien. Auch erklärte sie, wie die Wissenschaft arbeitet und wieso es nicht stimmt, wenn Armin Laschet davon redete, dass es DIE Wissenschaft nicht gebe und es auch immer Minderheitenmeinungen gebe. Mai Thi Nguyen-Kim legte dar, wie das mit den Minderheiten in der Wissenschaft sei. Dazu gab es gut gemacht, launige Einspieler.
Sehr sehenswert!

Was die Show nicht so zwingend braucht, ist Publikum. Und wenn schon Publikum ist es nicht nötig, ständig übertriebene Lacher einzuspielen, die Leute müssen in so einer Show nicht ständig ausrasten. es bisschen mehr Gelassenheit würde der Show in der Hinsicht gut tun.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 24. Oktober 2023)

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Otto – Der Film

Dienstag, den 5. Oktober 2021
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SA 02.10.2021 | 20.15 Uhr | zdf neo

Otto hatte mal wieder drei Probleme. Eines davon: Er hatte kein Geld. Was ihm helfen konnte, war ein Neger. Bimbo, so nannte er den Neger, den er zufällig auf der Straße traf, verkaufte er an eine reiche Ministergattin als Sklaven, von der er wenig später ein paar Scheine bekam, und weil das zu wenig war, nahm er Bimbo, den Sklaven, gleich wieder mit.
Das war 1985 in “Otto – Der Film”. Er lief am Sonnabendabend mal wieder auf zdf neo.

Ab, Moment mal: Neger? Ein Schwarzer als Sklave? Und dann auch noch mit Namen Bimbo?
Das ist doch… also… das kann doch nur RASSISTISCH sein!!!
Oder auch nicht.

Um “Otto – Der Film” gab es kürzlich eine Rassismusdebatte. Eine von vielen. Es wurde darüber gestritten, was man denn mit mehr oder weniger historischen Comedynummern macht, in denen deutsche Comedians Asiaten mit Schlitzaugen gespielt haben, sich schwarz geschminkt haben, um Schwarze zu spielen, die Inder mit entsprechendem Dialekt gespielt haben oder sich als schwule Kreischtucken in Filmkulissen gestellt haben.

Darüber muss man sprechen, denn aus heutiger Sicht, sagen viele Menschen, gehen Witze, die man 1995 oder 2005 gemacht hat, nicht mehr. Witze, die Minderheiten beleidigen, sich über andere Ethnien lustig machen oder sexistisch sind.
So wurden in den USA ganze Folgen von Serien gelöscht, weil da Schauspieler Blackfacing betreiben, “Little Britain” ist teilweise nicht mehr zu sehen, weil sich auch da, wie es heißt, über Minderheiten lustig gemacht wird.
Ja, gelöscht – weg damit.

Allerdings: Löschen ist falsch. Einfach unter den Tisch fallen zu lassen, ist nicht der richtige Weg. Aus den Augen, aus dem Sinn bringt nur wenig. Man muss die Szenen weiter zugänglich machen. Um sie in die Zeit einzuordnen, um sie aus heutiger Sicht beurteilen zu können. Um zu sehen, was damals eventuell nicht so gut war.
Denn, ganz klar: Solche Szenen fallen heute auf. Man macht sich Gedanken, ob man da so heute auch noch machen kann. Wenn man sich beispielsweise alte Folgen von “Kalkofes Mattscheibe” von 1998 ansieht, wird es dort auch Momente geben, bei denen man sagt: Das würde er heute so nicht mehr tun.

Und Otto? Ottos erster Film war gar nicht rassistisch. Denn im Film ging es nicht darum, sich über “Neger” lustig zu machen. Günther Kaufmann ist dunkelhäutig, und er spielte den Mann, den Otto als Bimbo als Sklave an die reiche Tussi verkaufte. Die Frau, für die Sklavenhandel mit “Negern” völlig normal zu sein schien. Das ist der Witz – der sich gegen die Frau richtet und nicht gegen den Schwarzen. Otto machte sich in dem Film genau darüber lustig – über den Alltagsrassismus von solch gutbürgerlichen Damen.

Auch in diesen Rassismusdebatten über alte Filme, Serien oder Sketche, muss man immer betrachten, welches Ziel ein Gag hatte. Geht es einfach nur darum, irgendwie lustig zu sein wollen oder geht es darum, was aufzuzeigen? Otto ging es 1985 um Letzteres.

-> Der Film in der ZDF-Mediathek (bis 10. Oktober 2021)

Hits: 196