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Das war 2016!

Samstag, den 31. Dezember 2016
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Was war das für 1 Jahr???!!!!11!!
Die Welt wird immer verrückter. Nein, eigentlich sind es die Menschen, die immer irrer werden. Die sich gegenseitig anstacheln, die nur noch ihre eigenen Wahrheiten akzeptieren, alles andere als Lüge abtun. Die immer und überall Verschwörungen wittern und nicht mal mehr offiziellen Mitteilungen der Polizei glauben.
Stattdessen wird immer mehr als gefühlte Wahrheiten gesetzt. Was ich fühle, wie ich etwas empfinde, ist auch ein Fakt. Wir leben im postfaktischen Zeitalter, und das ist auch das Wort des Jahres. Eigentlich ja eher das Unwort.

RT Deutsch zum Beispiel. Das russische Auslandsfernsehen sei reine Propaganda, sagen die einen. Das sei alles die Wahrheit, und nur dort gebe es sie, sagen die anderen. Als in Berlin angeblich ein Asylbewerber eine junge Russlanddeutsche entführt und vergewaltigt, kocht die Volksseele, angestachelt auch durch Berichte von RT Deutsch. Dass das Mädchen die Schule geschwänzt und der Mann ihr Freund war – irgendwann hat es schlicht keinen der Demonstrierenden mehr interessiert.
Es sind nämlich nicht nur von Gefühlen geprägte Kommentare, die verbreitet werden – sondern auch Fakenews, Nachrichten, die schlicht ausgedacht, die eine Lüge sind. Da werden Politiker Worte in den Mund gelegt, die sie nie gesagt haben. Oder Gerüchte über angebliche Taten von Ausländern gegenüber Deutschen, die so nie stattfanden.
So haben EU-Gegner den Brexit in Großbritannien erreicht, dass die Wähler für den Austritt des Königreiches aus der EU stimmen, hatten wenige für möglich gehalten. So hat es Donald Trump in den USA geschafft, Präsident zu werden. Gefühle statt Fakten. Irgendwelche Zahlen statt echtem Inhalt.
Oder eben irgendwas daher gelabert. So macht das Mario Barth. In New York sendete er live auf Facebook und wunderte sich, dass zwar über Anti-Trump-Demo berichtet werde, er aber keine sehe. Dass es am Tage war und die Straße, an der er stand, gesperrt – na ja, das hat Mario ja nicht wissen können.
Facebook, Twitter und Co. werden aufgefordert, etwas gegen die Verbreitung solcher Fakenews zu unternehmen. Darüber wird 2017 noch zu reden sein.

Ganz unschuldig sind die Medien aber nicht, dass man ihnen nicht glaubt. Als in der Neujahrsnacht rund um den Kölner Hauptbahnhof hunderte Männer Frauen begrapschen und Passanten berauben, dauerte es Tage, bis umfassend berichtet worden ist. Der WDR sendete um Mitternacht sogar live aus der Domregion – da hat man das offenbar nicht mitbekommen. Beim ZDF war selbst am 4. Januar, als alle anderen endlich berichteten, noch nichts dazu zu sehen. Man bat um Verzeihung. Im Laufe des Jahres ist dann aber recherchiert worden: Dass es sich vorwiegend um Täter aus Nordafrika handelt. Dass die Polizei haarsträubend unterbesetzt war, dass Fehlentscheidungen getroffen und in einer ersten Pressemitteilung beschönigt worden ist.

Es war kein schönes Jahr. Terror, Unglücke, Todesfälle.
Und immer startet die Breaking-News-Maschine. Ein Zwischenfall in Berlin? Da darf gern mal schwadroniert und vermutet werden – immer mit der Betonung, man wolle nichts vermuten. Amoklauf in München? Da zeigt man bei RTL schon mal, wie Leichen abtransportiert werden und live hinter dem Reporter, wie Polizisten mit Waffen auf Passanten zielen. Auch der Teilzeitnachrichtensender N24 ist da ganz weit vorn mit bei.
Und immer wieder der Vorwurf an ARD und ZDF, es werde in solchen Fällen zu spät reagiert. Nach dem Zugunglück in Bayern ging der BR erst nach Stunden auf Sendung, nach dem Berliner Zwischenfall das ZDF erst nach fast zwei Stunden.

Und dann immer wieder die Empörungswellen, die durch Deutschland rollen.
Letzter Platz beim Eurovision Song Contest? Empörung! Keiner hat uns lieb! Alles Fake! Und überhaupt! Dass unser Song mies war, zieht keiner in Betracht – obwohl er in den deutschen Charts auch unterbelichtet war. Na ja, diese Fakten halt.
Die Sache mit dem Nachbarn Boateng. AfD-Mann Alexander Gauland habe gesagt, keiner wolle, dass Boateng sein Nachbar sei. Mag er so gesagt haben, er meinte aber wohl eher, dass viele Deutsche erst mal schlucken würden, wenn ein Dunkelhäutiger nebenan einziehen würde. Dennoch: Empörung! Aber eher eine geheuchelte, weil nicht weiter nachgedacht, sondern nur auf einen Satz Bezug genommen wurde, aber nicht auf den Kontext.
Fußball-Bundestrainer Jogi Löw kratzt sich während eines EM-Spiels an den Eiern und riecht dann an seiner Hand. Groooße Aufregung! Viele Berichte und Artikel, als ob wir keine anderen Sorgen haben.
Diskuswerfer Christoph Harting gewinnt Gold bei Olympia und erdreistet sich, bei der Hymne nicht ernsthaft zu sein. Empörung! Wie kann er nur so respektlos sein!! Meine Güte.
Und so weiter.

Da geht es schon mal fast unter, wenn Journalisten etwas enthüllen – die Panamapapers. Es ging um Briefkastenfirmen in Panama und um Geldwäsche von Unternehmen und Promis. Da wird ein großes Ding aufgedeckt, es ist das, was die Menschen fordern: diese Art des Enthüllungsjournalismus. Zwei Abende lang ist das ein Thema, dann verpufft es schon wieder. Empörung? Hält sich in Grenzen.
Oder wenn Jan Böhmermann in seiner zdf_neo-Show “Neo Magazin Royale” aufdeckt, wie die Leute in der RTL-Dokusoap “Schwiegertochter gesucht” arbeiten, wie sie die Teilnehmer und Zuschauer veralbern. Kurze Aufregung und gleich wieder verpufft. Quasi ohne Folgen.

Apropos Böhmermann: Nach einer “extra 3″-Satire über den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan legte er in seiner Show noch einen drauf. Er wolle mal zeigen, was denn ein Schmähgedicht sei und wie es klingen müsse: und trug eines vor. Und wieder: groooooße Aufregung. Das ZDF löschte vorsichtshalber die Passage aus der Mediathek, in der Wiederholung lief die Show verkürzt. Erdogan forderte eine Strafe, die Bundesregierung gab den Fall zur Ermittlung frei. Böhmermann zog sich einige Wochen zurück. Am Ende siegte dennoch die Satirefreiheit. Zumal viele Kritiker schlicht den Kontext des Gedichtes ausblendeten. Dass Böhmermann Aufsehen erregen wird, ahnte er wohl, dass das Aufsehen so groß wird – inklusive Berichte in “Tagesschau” und Co., das ahnte er sicher nicht.

Aber zwischendurch waren die Deutschen sowieso mit, ähm, wichtigeren Dingen beschäftigt: dass sich Sarah und Pietro getrennt haben. Weshalb RTL II das auch ordentlich ausschlachtete. Dass Babette von Kienlin (Einstmann) zum zweiten Mal in ihrer ZDF-”Drehscheibe” zusammengebrochen ist. Dass irgendwo irgendwelche Horrorclowns aufgetreten sind.
Oder dass sich Til Schweiger unfassbar toll findet. Sein Nick Tschiller im “Tatort” sei der beste Krimi, der je im Fernsehen lief, und jeder Kritiker habe keine Ahnung, so schrieb er auf Facebook. Von Fernsehgeschichte war da die Rede. Nun ja.

Einer hat keine Lust mehr auf den Zirkus: Im Herbst hing Tobias Schlegl seinen Fernsehjob an den Nagel – um sich zum Notfallsanitäter umschulen zu lassen.
Auch Jürgen Domian will nicht mehr – jedenfalls nicht Nacht für Nacht im 1LIVE-Studio sitzen. Nach 22 Jahren endet seine Call-in-Show “Domian”. Sie wird schwerstens vermisst.

Viele werden am Ende des Jahres vermisst. Sehr viele Promis – sehr viele Musiker sind 2016 gestorben.
George Michael ist tot, ebenso Prince und David Bowie. Leonard Cohen und Roger Cicero. Achim Mentzel und Ekki Göpelt. Außerdem “Trio”-Schlagzeuger Peter Behrens und Manfred Durban von den Flippers. Der Publizist Roger Willemsen, die Politiker Guido Westerwelle, Hans-Dietrich Genscher, Lothar Späth, Peter Hintze, Jutta Limbach, Hildegard Hamm-Brücher, Henning Voscherau und Walter Scheel. In Kuba Fidel Castro. Der Produzent Wolfgang Rademann. Die Schauspieler Götz George, Manfred Krug, Uwe Friedrichsen, Alan Rickman, Bud Spencer, Maja Maranow, Gisela May, Hans Korte, Hilmar Thate, Karl-Heinz von Hassel und Peter Lustig. Die Moderatorinnen Erika Berger und Miriam Pielhau, die Journalisten Günter-Peter Ploog und Jana Thiel, Tamme Hanken, Schriftsteller Umberto Eco, Synchronsprecher Arne Elsholtz, Comiczeichner Lothar Draeger, DDR-Regimefrau Morgot Honecker und der Boxer Muhammad Ali.

Drei Fernsehsender haben sich auch verabschiedet: Der Social-Media-Sender joiz ist erst verkauft worden, dann ging er in Insolvenz, das Studio ließ der Besitzer schon mal ausräumen – ein Musiksender sollte daraus werden. Am Ende zog man den Stecker. einsplus und zdf.kultur gibt es auch nicht mehr. Dafür aber das ARD/ZDF-Jugendangebot Funk – allerdings nur im Internet.
Und was ist mit Servus TV? Erst ließ Besitzer und Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz verkünden, er mache den Sender zum Jahresende dicht. Zu Hohe Kosten. Und von der Gründung eines Betriebsrates war die Rede. Nur einen Tag später hieß es: Es geht doch weiter. Und dann: Servus TV beendet die Ausstrahlung in Deutschland. Und dann: doch nicht, alles geht weiter. Ein Hü und Hott.

Was war sonst so?
Der Deutsche Fernsehpreis ist nun eine rumpelige Gala in den Düsseldorfer Rheinterrassen. Eine öde Party.
Harald Schmidt ist auch noch da – in grausamen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen – und auf dem Traumschiff.
Weibliche Fußball-Kommentatorinnen wollen einige deutsche Männer nicht haben: Als Claudia Neumann im ZDF ein Herren-EM-Spiel kommentiert, wird im Internet fies gepöbelt. Wo doch angeblich nur Asylbewerber nicht gut mit ihren Frauen umgehen. Wobei, sorry, im Fußball gelten natürlich andere Regeln.
RTL hat einen neuen Ableger: RTLplus. Noch mehr Sendeflächen für Gerichtsshow-Resterampen.
Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis teilen ihr Leben mit den RTL-II-Zuschauern: Hochzeit und Heiligabend live. Puh.
Auch puh, aber anders: Als Jörg Draeger, Frederic Meißner, Björn-Hergen Schmipf und Harry Wijnvoord den Jakobsweg liefen, entstand daraus die 12-teilige Dokureihe “OGOT” bei Tele 5. Slow-TV vom feinsten. Ein kleines TV-Highlight.
Sehr sehenswert war auch “Terror – Ihr Urteil”. Der Film bestand nur aus einer Gerichtsverhandlung um den Abschluss eines Flugzeuges, das von Terroristen entführt worden ist, und am Ende konnte das Fernsehvolk abstimmen. Ein spannendes Experiment, und immerhin ist das auch einen Tag diskutiert worden.
Olympia in Rio. Das letzte Mal bei ARD und ZDF – nun übernimmt Eurosport.
Als an einem Sonntag morgens um kurz vor halb 7 im ZDF der Horrorfilm “Halloween – Nacht des Grauens” statt Kinderfernsehen läuft, fragen ein paar Leute via Twitter mal nach. Erst da fällt den ZDF-Leuten was auf. Ups.

Da ist man schon mal aufgeregt. Und bei all dem Neuen blickt sowieso keiner mehr durch. Deshalb kommen nun auch viele Sendungen von damals wieder. Für die guten Gefühle. Oder so. Das “Glücksrad” ist wieder da. “Herzblatt”, das “Familien-Duell”, “Jeopardy!”, “Ruck Zuck”, “Akte X”, “Der heiße Stuhl” und – da haben wir ja wirklich drauf gewartet: “Tutti Frutti”.
Mal sehen, wer oder was 2017 alles zurückkommt. Und ob wir uns alle ein bisschen abregen. So ganz allgemein.
Guten Rutsch.

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einsplus: Sendeschluss

Sonntag, den 2. Oktober 2016
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FR 30.09.2016 | 0.00 Uhr (Sa.) | einsplus

Bei der ARD und beim verantwortlichen SWR scheint man einsplus nicht gerade lieb gehabt zu haben. Während bei zdf.kultur zum endgültigen Sendeschluss ein kleines Abschiedsfilmchen lief, gab es am Freitagabend bei einsplus – nichts.
Der Spielfilm “Das fünfte Element” war um 22 Uhr die allerletzte Sendung. Der Abspann war zu Ende – und flupp. Aus. Seitdem steht dort eine grüne Hinweistafel, dass das Programm einsplus zum 1. Oktober eingestellt worden sei.
Hatte man zum Sender nichts mehr zu sagen? Wollte man nichts mehr sagen? Anders als bei zdf.kultur gibt es auf einsplus auch keinen Hinweis auf das neue Jugendangebot “Funk”, wegen dem ja einsplus abgeschaltet worden ist.

Immerhin 19 Jahre gab es diesen Sender. Gestartet zur IFA 1997 mit dem Namen EinsMuxx wurden dort die Sendungen vom Ersten zeitversetzt ausgestrahlt. Damals eine schöne Idee, heute eigentlich wegen der fortgeschrittenen Technik nicht mehr nötig. Vor gut zehn Jahren wurde daraus einsplus, zunächst als Servicesender.
Dann aber dachte man sich beim federführenden SWR, dass man ja aus einsplus einfach mal einen Teilzeit-Jugendsender machen könnte. Immerhin war ja schon ewig über einen “Jugendkanal” debattiert worden – einsplus war das eigentlich schon.

Blöd nur: So richtig Reklame wurde für einsplus nirgendwo gemacht. Dass da ordentlich Kohle für viele (durchaus sehenswerte) Jugendformate rausgehauen wurde, wusste kaum jemand. Deshalb waren die Einschaltquoten wohl bis zum Schluss kaum messbar.
Man hat schlicht an der Zielgruppe vorbei gesendet.

Aber eine Debatte darum ist müßig. Die Politik und die Entscheidergremien wollten, dass es einen neuen Jugendkanal nur online gibt – und dass dafür einsplus und zdf.kultur eingestellt werden.
Und wie auch bei zdf.kultur ist es um einsplus schade drum – wenn auch das Programm im vergangenen Jahr auch dort nur fast noch aus Wiederholungen bestand.
Und jetzt sind wir alle mal gespannt, ob der “Funk” durch die Decke gehen wird.

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Das war zdf.kultur

Samstag, den 1. Oktober 2016
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FR 30.09.2016 | 23.55 Uhr | zdf.kultur

FUNK! Das ist der neue heiße Scheiß von ARD und ZDF! So nennt sich der neue Jugendkanal, der ja kein Jugendkanal ist, weil …ähm, ist ja Internet und nicht Fernsehen, ne?
Mit FUNK will man aber endlich die Jugend erreichen. Da wartet die Jugend zwar nicht drauf, man kann aber trotzdem mal schnell 45 Millionen Euro ausgeben, um das Internet mit jungen, frischen, frechen Formaten zu fluten. Und weil das ja am Sonnabend gestartet worden ist, durfte das ZDF endlich das ungeliebte Anhängst zdf.kultur abschalten.

“Das war zdf.kultur” hieß dann auch am Freitagabend die fünfminütige Abschiedssendung. Sie zeigte, was zdf.kultur vor ein paar Jahren mal war. Cool! Ja, und Kult!
Ich könnte jetzt sagen: Ich werde zdf.kultur vermissen. Aber ich vermisse eher das zdf.kultur, das es gab, bevor das Aus beschlossen und der Sender in den Wiederholungsmodus gesetzt wurde.
Es gab sehenswerte Musiksendungen, lange Live-Übertragungen von Festivals, außergewöhnliche Talks, und das ganze Senderdesign war ein echter Hingucker. Im Grunde hatte sich das ZDF einen Jugendsender geschaffen – ihn aber gleichzeitig mit dem Namen zdf.kultur gleich wieder begraben.

Am Ende gab’s dann nur noch alte ZDF-Serien, alte ZDF-Shows und wenige alte Musiksendungen. Dieses zdf.kultur war verzichtbar. Das davor – das fehlt.
Also, liebe jugendliche Zielgruppe: Jetzt schaut euch gefälligst an, was ARD und ZDF da beim FUNK Tolles machen. Damit das Aus von zdf.kultur wenigstens irgendeinen Zweck hat.

PS: Habe ich einen Wunsch frei? Wie wäre es mit einem ARD/ZDF-Retrokanal? Fänd ich gut! Schließlich sind die Archive groß genug.

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Nur Porno im Kopf

Freitag, den 20. Mai 2016
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MI 18.05.2016 | 22.15 Uhr | zdf.kultur

Wenn das mal kein denkwürdiges Interview ist: Der britische Journalist Martin Daubney führt im Auto fahrend ein Gespräch mit einem jungen Mann über seine Sex- und Pornosucht. Plötzlich stoppt der Mann den Wagen, er sagt, er müsse mal aufs Klo. Der Interviewer bleibt im Auto und wartet. Als der junge Mann wieder ins Auto kommt, gibt er zu: Er musste sich auf dem Klo schnell mal einen runterholen. Und jetzt fühle er sich schlecht, weil es ja nur die Sucht sei. Nur darüber zu reden, habe ihm schon gereicht. Der Druck war da. In Spitzenzeiten macht er das 26-mal am Tag. Ja. sechsundzwanzigmal.

“Nur Porno im Kopf” hieß eine Doku, die am Mittwochabend bei zdf.kultur lief. Und bei dieser Szene wusste man als Zuschauer gar nicht, ob man lachen oder weinen soll. Der erstaunliche Seelenstriptease war am Ende dann aber doch traurig, denn auch wenn Sex etwas Tolles ist – für den jungen Mann ist der Sex, den er so so so oft hat, die Hölle.
Sich aber in so einer Sendung so dermaßen zu entblättern – das ist dann schon pikant. Während des Interviews rauszurennen, um zu… Ein Fake?

Der Hintergrund der Doku war aber so oder so interessant. Denn das Internet macht es möglich, dass sich alle Menschen so viele und so oft Pornos reinziehen können, wie sie wollen.
Früher, als es das Netz noch nicht gab, war das anders: Da musste die “Bravo” mit der Dr. Sommer-Seite herhalten oder irgendwelche Katalogseiten oder Heftchen, die man irgendwoher hatte. Mit 18 schlicht man sich in eine Videothek.
Heute können sich schon 12-Jährige alles im Netz ansehen – also, in jedem Alter. Und die meisten machen das sicherlich auch.
Aber ist das schädlich? Sicherlich führt es dazu, dass viele junge Leute eventuell ein falsches Bild vom Sex und seinen Umständen bekommen.
Es heißt, es sei zu einfach, auf solche Seiten zu gelangen – selbst auf Gewaltpornos. Aber andererseits: Man muss sie auch finden wollen. Man muss sie auch sehen wollen.
Einfach nur Seiten zu sperren, nützt da wohl wenig. Drüber sprechen, vielleicht schon mehr.

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ZDF-Hitparade: (Keine) Blumen für Heck!

Mittwoch, den 27. April 2016
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DI 26.04.2016 | 18.45 Uhr | zdf.kultur

Sie haben es doch nur gut gemeint. Sie wollten ihrem Lieblingsmoderator ein paar Blümchen schenken. Der aber hat es ihnen nicht gedankt.

Das waren noch Zeiten, als einmal im Monat die “ZDF-Hitparade” zu sehen war, und die Musiker regelmäßig von den Zuschauern mit Blumen beschenkt worden sind. In der Ausgabe vom Juli 1980 – sie lief am Dienstagabend mal wieder auf zdf.kultur – war aber alles anders.

Dieter-Thomas Heck wollte gerade zur Schlussmoderation ansetzen, da kommen zwei junge Damen und wollen ihm Blumen schenken. Und was macht der Heck? Schickt sie weg! Will die Blumen nicht! Ab damit! Husch, husch!
Aber im selben Moment muss ihm aufgefallen sein, dass er da gerade extrem arschig rübergekommen ist. Denn er rief den Damen hinterher, dass er am Ende der Sendung die Blumen doch gern haben möchte.

Wohl eher nicht. In your Face, Herr Heck! Verkackt, würde ich sagen.

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Hurricane 2015: Madsen

Montag, den 13. Juli 2015
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SA 11.07.2015 | 3.00 Uhr (So.) | zdf.kultur

Eines vorweg: Ich mag Madsen. Ich mag viele der Songs. Ich gröle auch mal mit, wenn es um die (bitte jetzt brüllen!) “PERFEKTION” geht.
Erstaunlich ist es trotzdem, dass die Band so erfolgreich ist. Denn singen können die Jungs nun wirklich nicht.

Auf zdf.kultur lief in der Nacht zu Sonntag das Madsen-Konzert vom Hurricane-Festival 2015, und manchmal musste man als Zuschauer den Toleranzpegel doch schon sehr hoch drehen. Da nimmt sich einer der Madsen-Brüder das Mikro und singt irgendwas rein. Gut, viellecht war er heiser. Aber er hat nicht im entferntesten irgendeinen Ton getroffen.
So dramatisch war es nicht die ganze Stunde, die das Konzert lief. So richtige Talente sind die Jungs aber wirklich nicht. Direkt danach lief noch ein Mitschnitt des Auftritts von George Ezra, der nun wirklich eine Stimme hat. Da fragt man sich dann doch, wieso manche Bands es schaffen und andere, bei denen ein Gesangstalent wirklich vorhanden ist, nie den Durchbruch schaffen.

Zufall vielleicht. Sehr viel Glück. Aber wie auch immer: Gut, dass es Madsen gibt.

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Chart Attack

Donnerstag, den 11. Juni 2015
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MI 10.06.2015 | 19.45 Uhr | zdf.kultur

Der Sommer 1998. Es war wohl der Sommer. Wir hatten die Abiturzeugnisse in der Tasche, die Bundeswehr-Zeit lag noch vor uns, und nun hatten wir noch einen ganzen Sommer.
Noch heute löst der Soundtrack dieser Monate viele Erinnerungen aus, und zdf.kultur hat mir am Mittwochabend dabei kräftig geholfen.

Dort scheint man sich für nichts mehr schade zu sein, und deshalb läuft dort momentan jeden Tag um 19.45 Uhr eine Folge “Chart Attack”.
Mitte der 90er versuchte das ZDF eine der vielen Jugendoffensiven, man arbeitete sogar mit VIVA zusammen, und ein Ergebnis war diese wöchentliche Chartshow.
Gewollt cool kann aber trotzdem unfassbar spießig sein, und das zeigt diese Sendung recht deutlich. Moderator Mike Diehl, damals 32 (sah aber älter aus), machte auf ganz jung und crazy und lümmelte in einem Studio rum, das so groß war wie eine Garage. Dazu kurze Hosen, Sonnenstudio-Bräune und ZDF-Jugend-Lockerheiten-Sprüche.
Ganz schön, nun ja, erschreckend. Heute, im Jahre 2015. Aber ich vermute mal, auch 1998 war das nicht besonders cool.

Aber wurscht. Es ist die Musik, die zählt, und momentan laufen die Folgen 1998. Westbams “Love Parade 1998″ war in den Charts, ebenso wie Puff Daddys “Godzilla”-Hit “Come with me” und “Die Flut” von Witt/Heppner. Und nicht zu vergessen Ricky Martins “Cup of Life” und “Carnaval de Paris” von Dario G. – immerhin war ja auch Fußball-WM in dem Sommer. Auch Scooters “How much is the Fish?” wurde gespielt, an den habe ich allerdings weniger gute Erinnerungen: Damals hatte ich, während dieser Song lief, meinen Schildunfall.

So unfassbar dröge, wie “Chart Attack” auch ist – die Musik damals war geil. Und deshalb lohnt es sich irgendwie doch, mal wieder einzuschalten. Insofern: Danke, zdf.kultur!