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Wetten, das war’s..?

Freitag, den 26. April 2019
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MI 24.04.2019 | Youtube

Er sagt, das sei vermutlich eine seiner letzten Sendungen. Er ist jetzt 77 und hat gerade seine Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht.
Frank Elstner hat eine neue Sendung, aber eigentlich macht er das, was er schon immer gut konnte: mit Menschen reden. Sich zu interessieren. Ein wirklich ernsthaftes Gespräch zu führen.
Am Mittwochabend ging mit “Wetten, das war’s..?” ein neues Talkformat auf Sendung – online auf Youtube. Mehr als 50 Minuten lang sitzen sich in der Premiere Frank Elstner und Jan Böhmermann gegenüber, um miteinander zu plaudern. Darüber, wie sich das Showbusiness verändert hat. Was heute geht und was damals vielleicht nicht ging. Auch über die Erdogan-Affäre.

Der 77-Jährige könnte diese Sendung durchaus auch im herkömmlichen Fernsehen laufen lassen. Aber nun sorgt er dafür, dass auch Youtube mehr niveauvollen Content bekommt.
Den beiden zuzusehen und zuzuhören, ist spannend – auch weil da zwei Show-Generationen aufeinander treffen. Der alte Hase und der junge Wilde. Elstner ist gut vorbereitet, aber Zettel braucht er nicht. Böhmermann kontert da, wo es angebracht ist.

Nur gut 30 Stunden nach Veröffentlichung hat das Video auf Youtube fast 166.000 Klicks. Ein wirklich großer Erfolg. Hoffentlich ist Elstner fit genug für viele weitere spannende Gespräche.

-> “Wetten, das war’s..?” auf Youtube.

Hits: 113

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Richtig & Wichtig

Dienstag, den 16. April 2019
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SA 13.04.2019 | 4.55 Uhr (So.) | zdf neo

Das sieht auf den ersten Blick merkwürdig aus. Auf zdf neo lief am frühen Sonntagmorgen um 4.55 Uhr eine ganz neue Sendung. Eine Art Late-Night-Show mit Moderator, der sich zu politischen Themen äußert.
Das ist auch auf den zweiten Blick merkwürdig. Denn zdf neo verriet zum Inhalt von “Richtig & Wichtig” genau nichts. Nur der Titel war bekannt. Eine Suche auf zdf.de brachte keine Ergebnisse. Wie eine Sendung, die es nicht geben sollte.
Und das war sie auch. “Richtig & Wichtig” ist eine Pilotsendung, von der das ZDF später allerdings keine weiteren Folgen in Auftrag gab. Somit ist am Sonntagmorgen um fünf ein schon totes Format versendet worden – nicht mal in die Mediathek wurde die Sendung gestellt.

Hintergründe gab allerdings der Macher der Sendung schon vorher preis: Denn hinter “Richtig & Wichtig” steckt Tilo Jung. Bekannt ist er durch sein oft hervorragendes und sehenswertes Youtube-Format “Jung & Naiv”. Dort interviewt er interessante Leute, scheinbar und gewollt ohne vorherige größere Recherche. Seit 2013 gibt es das Format.
“Richtig & Wichtig” hätte sein Sprungbrett ins ZDF oder zu zdf neo sein können.
Tilo Jung machte schon vorher seinen Unmut darüber öffentlich, wie zdf neo nun mit dieser Sendung umging. Aufgezeichnet wurde sie schon im Januar 2018, und laut der ZDF-Pressestelle wurde danach schon entschieden, dass die Reihe nach diesem Piloten nicht produziert werde. Eine richtige Entscheidung?

Ja. Denn die Sendung hat leider nicht funktioniert, und im Fall von Tilo Jung muss man wirklich sagen: leider.
In der monothematischen Sendung ging es um den Überwachungsstaat. Tilo erzählte etwas dazu, zwischendurch gab es kurze Einspieler.
Wer Tilo Jung kennt, weiß, dass er was drauf hat. Was er scheinbar nicht kann: moderieren. Er sprach absolut aufgesetzt, als ob er mit viel zu monotoner Stimme einen Text vorlas. Ohne Högen und Tiefen. Das war schnell ermüdend. Dass sein Textbuch die ganze Zeit vor ihm lag, wirkte ein wenig merkwürdig. Das machen zwar Grissemann und Stermann in “Willkommen Österreich” auch, aber die reden trotzdem flüssig. Tilo Jung nicht. Und weil er so seltsam zahm und wurschtig vor sich hinredete, wirkten seine Meinungsbeiträge auch wie eine unglaubwürdige Agitation – leider fast schon unangenehm.
Die Einspieler selbst waren mehr oder weniger schmunzelig. Aber irgendwie wirkte die Sendung, trotz des brisanten Thema, leider nicht brisant.

Und dann der Titel: Der Hashtag lautete #RichtigWichtig. Der würde auch als Redewendung für die Sendung funktionieren. “Richtig & Wichtig” dagegen funktioniert nicht. Wer will mir sagen, was richtig ist. “Richtig & Wichtig” wirkt überhöht und arrogant. Was die Sendung aber sicher nicht sein soll.
Zudem scheinen sämtliche Publikumsreaktionen nachbearbeitet worden zu sein – das Studio wirkte sehr, nun ja, still.

Dass zdf neo diese Sendung nicht in die Produktion schickte, ist sehr verständlich. Verwunderlich ist viel mehr, dass sie überhaupt ausgestrahlt worden ist. Sie wäre jedoch sehr heimlich im Nachtprogramm versendet und verpufft gewesen, wenn Tilo Jung selbst nicht so getrommelt hätte.
Hoffentlich findet sich für ihn ein besseres Format, das auch zu ihm passt. Ansonsten eben weiter “Jung & Naiv” oder ähnliche Formate auf Youtube. Macht er gut.

-> Die Sendung auf Youtube.

Hits: 141

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Rammstein: Deutschland

Montag, den 1. April 2019
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DO 28.03.2019 | Youtube

Ja, da war sie wieder, die Empörung auf Knopfdruck. Fast wie bestellt.
Als die Band Rammstein einen etwas mehr als halbminütigen Vorschauclip präsentierte, dauerte es nicht lange, und die Musiker hatten die PR, die sie wollten.
“Deutschland” heißt der neue Song von Rammstein, und im Teaser war zu sehen, dass die Musiker in KZ-Kleidung dastanden. Sie hatten den Strick um den Hals und warteten auf ihre Hinrichtung.
Will Rammstein da etwa auf Kosten von Holocaust-Opfern Kasse machen. Da raste sofort der Puls. Das komplette Video, der eigentliche Song war noch gar nicht draußen, aber die Empörungswelle lief an. Da ruft man den jüdischen Zentralratspräsident an, der auch gleich mitteilt, dass er empört sei. Die Schlagzeile war sicher, und schon war davon die Rede, wie rechts die Band nun wieder sei.

Am Donnerstag hatte der eigentliche Clip und Song dann auf Youtube Premiere. In “Deutschland” geht es, so stellt sich schnell heraus, um 2000 Jahre deutscher Geschichte. Es geht um die Befreiungskriege, die Ordensritter, um die Weltkriege.
“Deutschland” ist kein Song, der den Faschismus hochhält. Es ist eher so, dass er ein Plädoyer gegen den Faschismus, gegen Hass für den Zusammenhalt ist. Rammstein distanziert sich vom Hass.
Und das in einem neunminütigen Epos, das an viele Kinofilme und Serien-Events erinnert.
Und schon sind die ganzen Empörungspostings der ganzen Texte verpufft und wirken ziemlich peinlich. Aber genau diese Provokationhat Rammstein vermutlich gewollt. Oder zumindest erwartet. Denn dieser Reflex ist in der Zeit der Klickzählerei Alltag geworden.

-> Der Clip auf Youtube.

Hits: 153

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VIVA – Rest in Peace

Mittwoch, den 2. Januar 2019
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MO 31.12.2018 | 14.00 Uhr | VIVA

Das war’s für VIVA. Mit der x-ten Wiederholung der Abschiedsshow “VIVA forver” endete Silvester die 25 Jahre lange Geschichte des ersten deutschen Musiksenders. Ab jetzt sendet auf dem Kanal 24 Stunden lang Comedy Central gut abgehangene lustige Serien in Dauerschleife.
So ätzend das auch ist – VIVA haben wir heute nicht mehr gebraucht, auch wenn die Macher selbst dran schuld sind.

Als es 1993 los ging, da war VIVA noch sehr dilettantisch. Das war aber genauso gewollt. Die Leute, die dort moderieren, waren welche von uns.
VIVA war was Besonderes, denn VIVA sendete endlich deutsche Musik. Die sah man 1993 auf dem noch englischen MTV sehr selten. Wenn da mal Die toten Hosen liefen, da war das schon eine Sensation.

Blöd nur: Ich konnte VIVA erst gar nicht sehen. Ich kannte VIVA nur von premiere. Dort liefen jeden Tag in “Zapping” ausgewählte Ausschnitte mit lustigen Pannen oder Begebenheiten – und da war VIVA oft dabei.
VIVA sendete damals nur im Kabel und auf Eutelsat. Damals hatten die meisten Leute mit Satellitenschüssel aber Astra-Empfang – auch wir. Aber 1997 konnte ich mich zu Hause irgendwie durchsetzen, dass ich einen Umschalter brauchte, um auf den anderen Satelliten wechseln zu können. Dazu brauchten wir auch ein neues Empfangsteil. Aber ich konnte endlich VIVA sehen.

Doch der Kult verblasste. Spätestens als MTV und Viacom den Sender übernahmen. Nach und nach wurde VIVA zurückgefahren, irgendwann musste sich VIVA die Sendezeit mit anderen Viacom-Sendern teilen. Am Ende gab es Clips nur noch zwischen 2 und 14 Uhr – quasi unter dem Radar.
Andererseits: Videoclips sehe ich heute nur noch auf Youtube. Ich brauche keine Musiksender mehr, die mir irgendwie Clips vorsetzen. Auf Youtube fahnde ich selbst regelmäßig nach neuen Clips und entscheide selbst, welche in meine Playlist kommen. Ein echter Luxus, den mir weder VIVA, noch MTV oder auch Deluxe Music bieten konnten und können.

VIVA hätte nur eine Chance gehabt, wenn es weiterhin spannende Personality-Shows gegeben hätte – und eine stärkere Einbindung des Internets in Youtube-Art. Aber dafür war der Zug längst abgefahren.

Und deshalb: Danke, VIVA! Es war schön. Aber die Medienwelt hat sich weiterentwickelt, und da ist VIVA in dieser Form nicht mehr notwendig.

Hits: 133

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Bruder vor Luder

Mittwoch, den 5. Dezember 2018
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SA 01.12.2018 | 20.15 Uhr | RTL II

Wenn sich Heiko Lochmann auf einer Restaurant-Toilette den Durchfall auf die Hosen kackt, weil er vergisst, sich auf Klo zu setzen, dann…
Also, ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht mehr, was dann noch passieren kann, um diese Bilder aus dem Gedächtnis löschen zu können.
Aber die Macher des Filmes “Bruder vor Luder” dachten vermutlich, dass die junge, geile Youtube-Zielgruppe es voll nice findet, wenn man die dünne Scheiße vom Lochi-Zwilling in Großaufnahme sehen darf.

Ist dieses Machwerk schon im Kino kein großer Erfolg gewesen – um es mal vorsichtig auszudrücken – legte am Sonnabend auch RTL II eine Bauchlandung hin. Kaum Zuschauer.
Erstens: Die Älteren haben Silbereisen geschaut.
Zweitens: Die Jüngeren wissen vermutlich gar nicht mehr, dass es RTL II gibt und haben den Livestream auf Snapchat oder Youtube nicht finden können.
Und die anderen beiden haben den Film schon gesehen.
Bleibt also kaum noch jemand übrig.

Eine Handlung… Nun ja, es ist Zeit vergangen. Von einer Handlung kann man kaum sprechen. Jungs und Mädchen labern Müll. Die Lochis wollen ein Konzert geben, und böse Mädchen wollen das irgendwie verhindern. Irgendeine dämliche Intrige.

Dass das Kino irgendwie von den Youtubern, die die Jugend zu sich ziehen, profitieren will, kann man ihnen nicht verübeln. Aber kann man diesen Leuten nicht ein bisschen Schauspielunterricht geben. Und vielleicht eine vernünftige Handlung?
“Bruder vor Luder” bei RTL II war jedenfalls ein prima Argument, Amazon, Netflix und Co. ein Abo zu schenken.

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Junior Eurovision Song Contest 2018

Dienstag, den 27. November 2018
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SO 25.11.2018 | 14.00 Uhr | Youtube

Herzlichen Glückwunsch, Polen hat den Junior Eurovision Song Contest 2018 gewonnen!
Und wenn du dich jetzt fragst, was Polen da genau gewonnen haben soll, dann bist du nicht allein – zumindest in Deutschland.

Während im Mai der Eurovision Song Contest auch in Deutschland ein Event ist, fristet die kleine Schwester im November hierzulande nicht mal ein Schattendasein. Da ist gar nichts.
Beim Junior Eurovision Song Contest 2018 sind 20 Länder angetreten. Es sind Jugendliche bis 16 Jahre, die dort mit ihren Songs auftreten – in ihrer Landessprache. Diesmal fand die Show in Minsk statt und ist ein durchaus bemerkenswertes europäisches (und darüber hinaus) Jugendmusikfest.

In Deutschland findet es nicht statt. Es gab seit 2003 noch nie einen deutschen Teilnehmer, eine Übertragung gibt es dementsprechend auch keine. Es ist nur live auf Youtube zu sehen gewesen – immerhin.
Dabei wäre es das ideale Event für den KiKA, der es am Sonntagnachmittag live ausstrahlen könnte. Im KiKA köännten sie auch eine deutsche Vorentscheid-Show veranstalten, und das würde bei Kindern sicherlich für Aufmerksamkeit sorgen. Dass man in Deutschland diese Chance nicht nutzt, auch die Jüngeren ein paar Stunden den europäischen Gedanken leben zu lassen, ist echt schade.

Denn der JESC funktioniert wie die große Schwester – nur dass am Ende beim Voting die Länderwertungen direkt in der Halle verkündet werden – und nicht per Schalte in die Länder. Dass die Kids dann allesamt die wundervolle Show loben, wirkt dann allerdings ein bisschen albern. Aber das gehört dann wohl doch zum Junior-ESC auch dazu.

-> Die Show auf Youtube

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Kalkofes Mattscheibe: Das Schlimmste aus dem Internet

Montag, den 12. November 2018
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FR 09.11.2018 | 20.15 Uhr | Tele 5

Fragt man junge Leute heute, was sie sich im Fernsehen anschauen, dann gucken die einen nur noch mit großen Augen an. Fernsehen? Die gucken doch kein Fernsehen mehr. Eine Studie ergab, dass bei den jungen Leuten das Streaming im Internet die lineare Fernsehnutzung abgelöst hat.
Insofern ist es nur folgerichtig, dass sich auch Oliver Kalkofe mit seiner “Mattscheibe” auf Tele 5 mal nicht mit dem Fernsehen, sondern mit dem Internet beschäftigte. Am Freitagabend lief die neue Folge: “Das Schlimmste aus dem Internet”.

Aber vermutlich richtete sich diese Folge eher an die älteren Zuschauer, um denen mal zu zeigen, was denn da so los ist in diesem Internet. Der Titel suggeriert das.
Denn eigentlich – und das ist in dieser Kolumne schon länger so – sollten Internet- und Fernsehinhalte auf einer Ebene behandelt werden. Wenn zum Beispiel – wie bei Kalkofe gezeigt – ein Sami Slimani in seinem Vlog darüber schwadroniert, wie seine Zähne weiß werden und er ein Produkt nach dem nächsten in die Kamera hält, und das nicht als Werbung deklariert, da sollte man schon mal kritisch nachfragen.
Oder wenn Beatrix von Storch von der AfD bei Tilo Jungs “Jung & naiv” bekloppt äußert, dann ist das genauso zu hinterfragen, als wenn die Sendung auch im herkömmlichen Fernsehen liefe.

Weshalb es übrigens auch schade ist, dass ein Format wie Fernsehkritik-TV eingestellt wird, weil es angeblich am Fernsehen nichts mehr zu kritisieren gebe und sich das meiste im Netz abspiele. Dabei ist es ja eigentlich der Begriff “Fernsehen”, der sich wandelt. Immerhin schaue ich mir Youtube-Sendungen inzwischen längst auch auf dem Fernsehbildschirm an.
Internet und Fernsehen werden, was die Inhalte angeht, weiter verschmelzen. Das weiß auch Kalkofe, der ja in seiner Mattscheibe sonst auch immer Fernsehen und Youtube-Inhalte gemischt in eine Sendung packt.

Hits: 185