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Comedians for Worldpeace: Do they know it’s Europe

Freitag, den 24. Mai 2019
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MI 22.05.2019 | 20.15 Uhr | Youtube

Erst war da Enttäuschung.
Aber zum Glück nicht lange.

Für sein neuestes Projekt hatte Jan Böhmermann die größtmögliche Aufmerksamkeit. Nachdem sein Name in der österreichischen Affäre um das Ibiza-Video gebracht worden ist, wollten alle wissen, was er dazu zu sagen hat. Ob er womöglich enthüllen wollte, dass…
Im Zuge dieser Aufregung postete er vor ein paar Tagen plötzlich eine Internetseite, auf der ein Conutdown zu sehen war, und im Quelltext zur Internetseite versteckte er das Wort “Ibiza”.
Hui, da war die Aufregung natürlich groß!

Der Countdown endete am Mittwoch um 20.15 Uhr – und bei den meisten passierte erst mal nichts. Alle wollten die große Ibiza-Enthüllung sehen, aber der Server war überlastet. Auf Youtube und zdf.de war das Video dann aber abrufbar – und hatte mit Ibiza gar nichts zu tun.

Vielleicht hat sich Jan Böhmermann mit vielen weiteren Comedians aus ganz Europa zusammengeschlossen und – passend zur anstehenden Europawahl – einen Europasong aufgemommen. “Allein ist man allein” heißt es da auf Deutsch und in den vielen anderen Sprachen. Es geht um Vielfalt und Gemeinsamkeit.
Monatelang ist dieses Projekt vorbereitet worden, es hatte mit dem Ibiza-Thema gar nichts zu tun. Mancher mag da enttäuscht gewesen sein. Dabei ist das eine wirklich schöne Aktion mit einem echten Ohrwurm-Song.

-> Der Song auf Youtube in der kurzen Version und in der langen Version.

Hits: 168

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Eurovision Song Contest 2019 – 1. Halbfinale

Donnerstag, den 16. Mai 2019
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DI 14.05.2019 | 21.00 Uhr | one

Mit Fans der Serie “Doctor Who” sollte man sich besser nicht anlegen. Dass man ihnen am Dienstag bei one nur eine statt der üblichen zwei Folgen kredenzte, das stieß ihnen sehr bitter auf. Und dass nur wegen einer Musikshow, die keine gute Musik bietet. Die ja sowieso besser im Ersten laufen könnte.

Leider haben sie damit nicht so ganz unrecht. In der ARD – oder beim verantwortlichen NDR – ist man offenbar immer noch nicht gewillt, aus dem Eurovision Song Contest das Mega-Event in Deutschland zu machen. Immerhin hat man da einen wahren Schatz, den man da Jahr für Jahr live überträgt. Aber leider gibt es im Ersten keine begleitenden Sendungen, mal abgesehen vom deutschen Vorentscheid. Einen Kult muss man bedienen, vor der ESC-Woche müsste es eigentlich PR-mäßig knallen. Aber bei der ARD knallt gar nichts.

Stattdessen versteckt man den Songcheck auf Youtube oder versendet ihn im one-Vormittagsprogramm. Hintergrundbeiträge gibt es auch nur im Internet. Die beiden Halbfinals laufen auch nur bei one. Das Argument, dass Deutschland da eh nicht bei ist, sollte nicht zählen.
Nur das Finale läuft im Ersten und scheint da völlig unvermittelt zu kommen. Das ist mehr als schade, dass es scheint, als habe die ARD nicht wirklich Bock auf den ESC.

In Tel Aviv in Israel ging am Dienstagabend das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest 2019 über die Bühne – übertragen bei one. Und um auf das Thema der schlechten Musik zu kommen: Viele der Auftritte waren erstaunlich enttäuschend. Wer sich viele der Songs vorab im Internet als Videoclips angesehen hat, der wird schon Favoriten gehabt haben. Wenn dann aber der junge Belgier Eliot seinen Song “Wake up” nur mit dünnem Stimmchen zum Besten gibt, muss er sich über sein Aus nicht wundern. Der Song selbst gab mehr her.

San Marino kam weiter, und das, obwohl Serhat erschreckenderweise nicht einen einzigen Ton getroffen hat. Sein “Say na na na” ist live eine Katastrophe, und fast möchte man flehen, dass jemand vergisst, sein Mikro einzuschalten. Dabei ist der Song nett.
Portugal kam auch 2019 wieder künstlerisch hochwertig daher und schickte einen Mann mit mies geklebtem Mann auf die Bühne, dazu gab es einen orientalisch klingenden mit Bongo-Klängen. Es schien, als ob Portugal auf gar keinen Fall gewinnen wollte – und ist nun nicht mal im Finale, nachdem das Land erst 2018 des ESC ausrichtete.

Zwei Favoriten gab es im ersten Halbfinale. Einen wegen der Show und einen wegen des Songs: Australien bot die wohl atemberaubendste Show ever beim ESC. “Zero Gravity” sang Kate Miller-Heidke. Der Song war fast egal, aber die Performance war der Knaller. Es schien, als schwebe sie über der Erde und schwebte später über ihr. Dabei saß sie auf einem wippenden Pfahl. Musikalisch gut und modern war Lake Malawi aus Tschechien. “Friend of a Friend” ist ein Ohrwurm.

-> Die komplette Show auf Youtube

Hits: 191

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Das Ende von Die Lochis

Dienstag, den 14. Mai 2019
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SA 11.05.2019 | 15.00 Uhr | Youtube

Alles hat 2011 angefangen. Ein Video vom Dezember zeigt Roman Lochmann auf dem Bett sitzend von Weihnachten erzählen und vom Videodreh für eine Parodie.
Der Junge hat Pickel, steht noch vor dem Stimmbruch, er ist zwölf Jahre alt. Es ist sehr lang her. Roman und sein Zwillingsbruder Heiko machten weiter, sie drehten viele weitere Videos. Songparodien, Vlogs, Gags. Schon 2012 bekamen sie eine erste große Auszeichnung. 2014 erreichte ihr Youtube-Kanal 1 Million Abonnenten.
Die Lochis wurden Kult. Mit eigenen Songs landeten sie bald in den Charts. Unter den Jugendlichen sind Die Lochis Megastars. Von Erwachsenen vermutlich weitgehend ignoriert.

Am Montag sind Heiko und Roman 20 geworden. Vermutlich eine Zäsur. Die Pubertät liegt bald hinter ihnen, sie werden erwachsen, und vermutlich steht die Frage im Raum, was sie denn mal machen wollen.
Die Antwort scheint lauten: Ihre Karriere als Lochis zu beenden. Auf Youtube ging am Sonnabendnachmittag ihr Film unter dem Namen “Das Ende von Die Lochis” online. Ein durchaus bemerkenswerter Film.
Darin werfen sie einen Blick zurück und erzählen, wie sie die vergangenen acht Jahre erlebt haben. Sie berichten von ihren Song, ihren Videos und vom Erwachsenwerden. Das ist durchaus rührend.

Was die Jungs in ihrem Leben schon geschafft haben, ist erstaunlich. Erstaunlich deshalb, weil eigentlich unklar ist, was ihren Videos eigentlich so außergewöhnlich gemacht hat, dass ihnen bis heute 2,7 Millionen Youtube-Nutzer folgen. Ihr Abschiedsvideo ist innerhalb von zweieinhalb Tagen 1,23 Millionen Mal angeklickt worden. Da war damals sicherlich viel Glück im Spiel, sie haben zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle irgendeinen Nerv getroffen. Das kann man belächeln oder blöd finden, geschafft haben es die Lochmanns aber trotzdem.
Ich bin gespannt, ob die Jungs was Neues beginnen oder ob sich einer oder beide zurückziehen.

-> Das Video auf Youtube.

Hits: 119

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Wetten, das war’s..?

Freitag, den 26. April 2019
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MI 24.04.2019 | Youtube

Er sagt, das sei vermutlich eine seiner letzten Sendungen. Er ist jetzt 77 und hat gerade seine Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht.
Frank Elstner hat eine neue Sendung, aber eigentlich macht er das, was er schon immer gut konnte: mit Menschen reden. Sich zu interessieren. Ein wirklich ernsthaftes Gespräch zu führen.
Am Mittwochabend ging mit “Wetten, das war’s..?” ein neues Talkformat auf Sendung – online auf Youtube. Mehr als 50 Minuten lang sitzen sich in der Premiere Frank Elstner und Jan Böhmermann gegenüber, um miteinander zu plaudern. Darüber, wie sich das Showbusiness verändert hat. Was heute geht und was damals vielleicht nicht ging. Auch über die Erdogan-Affäre.

Der 77-Jährige könnte diese Sendung durchaus auch im herkömmlichen Fernsehen laufen lassen. Aber nun sorgt er dafür, dass auch Youtube mehr niveauvollen Content bekommt.
Den beiden zuzusehen und zuzuhören, ist spannend – auch weil da zwei Show-Generationen aufeinander treffen. Der alte Hase und der junge Wilde. Elstner ist gut vorbereitet, aber Zettel braucht er nicht. Böhmermann kontert da, wo es angebracht ist.

Nur gut 30 Stunden nach Veröffentlichung hat das Video auf Youtube fast 166.000 Klicks. Ein wirklich großer Erfolg. Hoffentlich ist Elstner fit genug für viele weitere spannende Gespräche.

-> “Wetten, das war’s..?” auf Youtube.

Hits: 124

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Richtig & Wichtig

Dienstag, den 16. April 2019
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SA 13.04.2019 | 4.55 Uhr (So.) | zdf neo

Das sieht auf den ersten Blick merkwürdig aus. Auf zdf neo lief am frühen Sonntagmorgen um 4.55 Uhr eine ganz neue Sendung. Eine Art Late-Night-Show mit Moderator, der sich zu politischen Themen äußert.
Das ist auch auf den zweiten Blick merkwürdig. Denn zdf neo verriet zum Inhalt von “Richtig & Wichtig” genau nichts. Nur der Titel war bekannt. Eine Suche auf zdf.de brachte keine Ergebnisse. Wie eine Sendung, die es nicht geben sollte.
Und das war sie auch. “Richtig & Wichtig” ist eine Pilotsendung, von der das ZDF später allerdings keine weiteren Folgen in Auftrag gab. Somit ist am Sonntagmorgen um fünf ein schon totes Format versendet worden – nicht mal in die Mediathek wurde die Sendung gestellt.

Hintergründe gab allerdings der Macher der Sendung schon vorher preis: Denn hinter “Richtig & Wichtig” steckt Tilo Jung. Bekannt ist er durch sein oft hervorragendes und sehenswertes Youtube-Format “Jung & Naiv”. Dort interviewt er interessante Leute, scheinbar und gewollt ohne vorherige größere Recherche. Seit 2013 gibt es das Format.
“Richtig & Wichtig” hätte sein Sprungbrett ins ZDF oder zu zdf neo sein können.
Tilo Jung machte schon vorher seinen Unmut darüber öffentlich, wie zdf neo nun mit dieser Sendung umging. Aufgezeichnet wurde sie schon im Januar 2018, und laut der ZDF-Pressestelle wurde danach schon entschieden, dass die Reihe nach diesem Piloten nicht produziert werde. Eine richtige Entscheidung?

Ja. Denn die Sendung hat leider nicht funktioniert, und im Fall von Tilo Jung muss man wirklich sagen: leider.
In der monothematischen Sendung ging es um den Überwachungsstaat. Tilo erzählte etwas dazu, zwischendurch gab es kurze Einspieler.
Wer Tilo Jung kennt, weiß, dass er was drauf hat. Was er scheinbar nicht kann: moderieren. Er sprach absolut aufgesetzt, als ob er mit viel zu monotoner Stimme einen Text vorlas. Ohne Högen und Tiefen. Das war schnell ermüdend. Dass sein Textbuch die ganze Zeit vor ihm lag, wirkte ein wenig merkwürdig. Das machen zwar Grissemann und Stermann in “Willkommen Österreich” auch, aber die reden trotzdem flüssig. Tilo Jung nicht. Und weil er so seltsam zahm und wurschtig vor sich hinredete, wirkten seine Meinungsbeiträge auch wie eine unglaubwürdige Agitation – leider fast schon unangenehm.
Die Einspieler selbst waren mehr oder weniger schmunzelig. Aber irgendwie wirkte die Sendung, trotz des brisanten Thema, leider nicht brisant.

Und dann der Titel: Der Hashtag lautete #RichtigWichtig. Der würde auch als Redewendung für die Sendung funktionieren. “Richtig & Wichtig” dagegen funktioniert nicht. Wer will mir sagen, was richtig ist. “Richtig & Wichtig” wirkt überhöht und arrogant. Was die Sendung aber sicher nicht sein soll.
Zudem scheinen sämtliche Publikumsreaktionen nachbearbeitet worden zu sein – das Studio wirkte sehr, nun ja, still.

Dass zdf neo diese Sendung nicht in die Produktion schickte, ist sehr verständlich. Verwunderlich ist viel mehr, dass sie überhaupt ausgestrahlt worden ist. Sie wäre jedoch sehr heimlich im Nachtprogramm versendet und verpufft gewesen, wenn Tilo Jung selbst nicht so getrommelt hätte.
Hoffentlich findet sich für ihn ein besseres Format, das auch zu ihm passt. Ansonsten eben weiter “Jung & Naiv” oder ähnliche Formate auf Youtube. Macht er gut.

-> Die Sendung auf Youtube.

Hits: 148

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Rammstein: Deutschland

Montag, den 1. April 2019
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DO 28.03.2019 | Youtube

Ja, da war sie wieder, die Empörung auf Knopfdruck. Fast wie bestellt.
Als die Band Rammstein einen etwas mehr als halbminütigen Vorschauclip präsentierte, dauerte es nicht lange, und die Musiker hatten die PR, die sie wollten.
“Deutschland” heißt der neue Song von Rammstein, und im Teaser war zu sehen, dass die Musiker in KZ-Kleidung dastanden. Sie hatten den Strick um den Hals und warteten auf ihre Hinrichtung.
Will Rammstein da etwa auf Kosten von Holocaust-Opfern Kasse machen. Da raste sofort der Puls. Das komplette Video, der eigentliche Song war noch gar nicht draußen, aber die Empörungswelle lief an. Da ruft man den jüdischen Zentralratspräsident an, der auch gleich mitteilt, dass er empört sei. Die Schlagzeile war sicher, und schon war davon die Rede, wie rechts die Band nun wieder sei.

Am Donnerstag hatte der eigentliche Clip und Song dann auf Youtube Premiere. In “Deutschland” geht es, so stellt sich schnell heraus, um 2000 Jahre deutscher Geschichte. Es geht um die Befreiungskriege, die Ordensritter, um die Weltkriege.
“Deutschland” ist kein Song, der den Faschismus hochhält. Es ist eher so, dass er ein Plädoyer gegen den Faschismus, gegen Hass für den Zusammenhalt ist. Rammstein distanziert sich vom Hass.
Und das in einem neunminütigen Epos, das an viele Kinofilme und Serien-Events erinnert.
Und schon sind die ganzen Empörungspostings der ganzen Texte verpufft und wirken ziemlich peinlich. Aber genau diese Provokationhat Rammstein vermutlich gewollt. Oder zumindest erwartet. Denn dieser Reflex ist in der Zeit der Klickzählerei Alltag geworden.

-> Der Clip auf Youtube.

Hits: 161

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VIVA – Rest in Peace

Mittwoch, den 2. Januar 2019
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MO 31.12.2018 | 14.00 Uhr | VIVA

Das war’s für VIVA. Mit der x-ten Wiederholung der Abschiedsshow “VIVA forver” endete Silvester die 25 Jahre lange Geschichte des ersten deutschen Musiksenders. Ab jetzt sendet auf dem Kanal 24 Stunden lang Comedy Central gut abgehangene lustige Serien in Dauerschleife.
So ätzend das auch ist – VIVA haben wir heute nicht mehr gebraucht, auch wenn die Macher selbst dran schuld sind.

Als es 1993 los ging, da war VIVA noch sehr dilettantisch. Das war aber genauso gewollt. Die Leute, die dort moderieren, waren welche von uns.
VIVA war was Besonderes, denn VIVA sendete endlich deutsche Musik. Die sah man 1993 auf dem noch englischen MTV sehr selten. Wenn da mal Die toten Hosen liefen, da war das schon eine Sensation.

Blöd nur: Ich konnte VIVA erst gar nicht sehen. Ich kannte VIVA nur von premiere. Dort liefen jeden Tag in “Zapping” ausgewählte Ausschnitte mit lustigen Pannen oder Begebenheiten – und da war VIVA oft dabei.
VIVA sendete damals nur im Kabel und auf Eutelsat. Damals hatten die meisten Leute mit Satellitenschüssel aber Astra-Empfang – auch wir. Aber 1997 konnte ich mich zu Hause irgendwie durchsetzen, dass ich einen Umschalter brauchte, um auf den anderen Satelliten wechseln zu können. Dazu brauchten wir auch ein neues Empfangsteil. Aber ich konnte endlich VIVA sehen.

Doch der Kult verblasste. Spätestens als MTV und Viacom den Sender übernahmen. Nach und nach wurde VIVA zurückgefahren, irgendwann musste sich VIVA die Sendezeit mit anderen Viacom-Sendern teilen. Am Ende gab es Clips nur noch zwischen 2 und 14 Uhr – quasi unter dem Radar.
Andererseits: Videoclips sehe ich heute nur noch auf Youtube. Ich brauche keine Musiksender mehr, die mir irgendwie Clips vorsetzen. Auf Youtube fahnde ich selbst regelmäßig nach neuen Clips und entscheide selbst, welche in meine Playlist kommen. Ein echter Luxus, den mir weder VIVA, noch MTV oder auch Deluxe Music bieten konnten und können.

VIVA hätte nur eine Chance gehabt, wenn es weiterhin spannende Personality-Shows gegeben hätte – und eine stärkere Einbindung des Internets in Youtube-Art. Aber dafür war der Zug längst abgefahren.

Und deshalb: Danke, VIVA! Es war schön. Aber die Medienwelt hat sich weiterentwickelt, und da ist VIVA in dieser Form nicht mehr notwendig.

Hits: 145