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Bericht aus Berlin – Sommerinterview: Angela Merkel

Mittwoch, den 22. Juli 2015
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SO 19.07.2015 | 18.30 Uhr | Das Erste

Die ARD-Hauptstadtjournalisten haben Bundeskanzlerin Angela Merkel so richtig gegrillt. Mit unglaublich kritischen Nachfragen, extrem unbequem.
Also, nun ja, zumindest drei, vier Minuten. Aber das Sommerinterview am frühen Sonntagabend im Ersten war 20 Minuten lang.
Und nachdem sich Merkel durchaus unangenehme Fragen zu Griechenland, zur CDU-Disziplin und zu Schäuble gefallen lassen musste, begann der Kuschelkurs. Tina Hassel und Rainald Becker gingen ihre Fragen durch, die auf ihren Zetteln standen, Merkel antworte, und fertig war der lahme Lack.

Neue Erkenntnisse gab es nur wenige. Das ist deshalb interessant, weil es wenige Tage zuvor ein sehr viel bemerkenswerteres Interview mit Angela Merkel gab. Der Youtube-Star LeFloid war im Kanzleramt zu Gast und durfte Mutti 30 Minuten lang befragen.
Für die Journalisten in Funk, Fernsehen und Papierpresse war das ein gefundenes Fressen und das Signal, endlich mal wieder über dieses ach so wunderliche Youtube lachen zu können.
Sicherlich, besonderen Neuigkeitswert hatte das Youtube-Gespräch auch nicht, und die Hampeleien und die “Cool”-Antworten des Interviewers muss man nicht mögen – interessant war es trotzdem, zu beobachten, wie die Kanzelerin einem “Jugendmedium” ein Interview gibt, und wie sie versucht, Dinge einfacher zu klären als sonst.
Klar, LeFloid hätte hier und da härter nachhaken können und müssen, aber sich darüber lustig zu machen, ist deplatziert.
Denn das Sommerinterview der guten alten Tante ARD war letztlich inhaltlich und von der Aufmachung her, nicht wirklich besser. Dass es die Fernsehjournalisten dem Youtube-Star mal ordentlich gezeigt haben, wie es geht, das kann man jedenfalls nicht behaupten.

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Der Deutsche Webvideopreis 2015

Montag, den 15. Juni 2015
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SA 13.06.2015 | 19.00 Uhr | einsplus

Webvideopreis! Im Fernsehen! Da muss erst wieder das öffentlich-rechtliche Fernsehen her, dass die Verleihung des Deutschen Webvideopreis so groß und aufwändig zelebriert wird wie noch nie.
Immerhin haben wieder ein paar Leute mehr aus der jungen Zielgruppe entdeckt, dass die alte Tante ARD einen Jugendsender betreibt – oder so was Ähnliches.
Und während sich die Internetwelt auf einsplus das Event reinzogen, twitterten sie fleißig.

Allerdings war eine Vielzahl der Tweets nicht gerade schmeichelhaft für die ARD und das Fernsehen im Allgemeinen. TV-Verantwortliche werden sich die Reaktionen mit gemischten Gefühlen angesehen haben.
Sicherlich jeder dritte bei einsplus eingeblendete Tweet handelte am Sonnabendabend davon, dass man ja sonst kein Fernsehen mehr schaue, aber jetzt endlich mal was Cooles laufe. Endlich lohne es sich mal wieder, Fernsehen zu gucken. Drei Jahre kein Fernsehen genutzt – jetzt aber, zum Webvideopreis. Und so weiter. Dabei hätte man sich das Event auch locker im, na so was, Internet ansehen können.

Eigentlich ein Trauerspiel, das natürlich die jungen Leute nicht als solches empfinden. Warum auch. Im Internet – meist auf Youtube – haben sie ihre Stars, die sie gern verfolgen und verehren. Wer braucht da noch das lineare Fernsehen? Dass es da durchaus auch noch einiges Gutes gibt, wird da kaum noch wahrgenommen.

2016 (oder später) geht das ARD/ZDF-Jugendangebot an den Start – im Internet, da wo die Zielgruppe anzutreffen ist. Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Und vor allem, wie ARD und ZDF die Zielgruppe ansprechen und erreichen wollen. Und ob sie das schaffen.

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Der Deutsche Webvideopreis 2015 – Die Nominierten

Montag, den 27. April 2015
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SO 26.04.2015 | 18.00 Uhr | einsplus

Da denkt man, die Youtube-Generation und die heutigen Webvideofilmer sind total modern, und dann läuft so eine verschnarchte Veranstaltung wie die Nominierungsshow zum Deutschen Webvideopreis 2015. Erstmals übertrug am Sonntagabend einsplus die Veranstaltung live, und sie wirkte wie eine längst verschollene Aufzeichnung aus den 80ern.

Das Bühnenbild bestand aus einem Fernseher aus Oma-Opa-Zeiten, was ganz sicher (hoffentlich!) ironisch wirken sollte. Immerhin sollten ja – so die Ankündigung – die TV-Welt mit der digitalen Welt vernetzt werden.
Was allerdings grandios misslang.
Okay, einsplus hat sowieso kaum Zuschauer. Aber wer sich vielleicht doch dorthin verirrte und womöglich wenig mit Webvideos am Hut hat, der wird sich gefragt haben, was das alles soll.
Die Nominierten in den verschiedenen Kategorien sind nämlich nur verlesen worden: Ausschnitte? Fehlanzeige. Wer wissen will, warum die Nominierten ausgewählt worden sind, stand im Regen, man wurde mit den bloßen Namen poder Titeln alleingelassen. Und ganz am Ende mit dem Hinweis, wo man sich denn nun infomieren könne.
Immerhin sind in den bereits prämierten Kategorien (sehr) kurze Ausschnitte gezeigt worden.

Wenn man wirklich auch andere Zielgruppen auf diese Kunst im Web aufmerksam machen will, dann sollte man sie auch ein bisschen anfüttern und neugierig machen. Das ist dieser seltsam altertümlich wirkenden Show nicht gelungen.
Was schade ist: Denn hinter den Nominierungen stecken hier und da wirklich hervorragende und sehenswerte Projekte, die man auch Fernsehzuschauern gern mal näher bringen könnte.

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Neo Magazin Royale: #Varoufake

Freitag, den 20. März 2015
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DO 19.03.2015 | 22.20 Uhr | zdf_neo

Was für ein Coup! Vielleicht jetzt schon der Mediencoup des Jahres!
Am Mittwochabend ging ein Ruck durchs Twitterland. Jan Böhmermann behauptete in einem Vorab-Ausschnitt aus seinem am Donnerstag bei zdf_neo ausgestrahlten “Neo Magazin Royale”, dass sein Team dem griechischen Finanzminister Varoufakis einen Stinkefinger in ein Youtube-Video montiert habe.

Vorgeschichte: Bei “Günther Jauch” warf Günther Jauch dem Herrn Varoufakis vor, in einem Youtube-Video gegenüber Deutschland den Stinkefinger gezeigt zu haben. Sehr verkürzt dargestellt. Varoufakis stritt das ab, das Video sei gefälscht.
“Bild” und Co. diskutierten nun, wer denn nun Recht habe, und eigentlich sei Varoufakis ja ein Lügner.

Und dann kam Jan Böhmermann: Ja, sagte er, das Video sei gefälscht. Und verantwortlich dafür sei sein Team. Genau legte er dar, wie das Video gefälscht wurde, er präsentierte einen Voroufakis-Rede-Ausschnitt ohne Stinkefinger.
Da war die Aufregung groß. Riesengroß. Hat Günther Jauch versagt. Hat seine Redaktion Mist gebaut? Hat die “Bild” fälschlicherweise eine große Fresse gehabt?

Oder war es Jan Böhmermann, dessen Varoufake in Wirklichkeit ein Varoufakefake ist?
Beim Jauch-Team muss Panik geherrscht haben. Am Donnerstagmittag stellte das ZDF klar, dass Böhmermann eine Satire abgeliefert habe, und dass ja das “Neo Magazin Royale” eine Satiresendung sei. Ach was.
Fast war es ein bisschen schade, dass der Fake “nur” eine Satire war. Ich hätte gern in den betroffenen Redaktionen Mäuschen gespielt.

Auch wenn die Fake-Enthüllung ein Fake ist – er ist großartig. Denn er hält uns allen einen Spiegel vor: Wem glauben wir? Dem Journalisten Jauch oder dem Satiriker Böhmermann? Glauben wir alles, was man uns hinwirft oder denken wir auch selber mal wieder nach? Quatschen wir alles nach, was andere sagen oder schalten wir auch mal wieder selbst en Kopf ein?
Böhmermann hat erreicht, dass wir alle über die Wahrheit nachdenken. Dass wir sehen, dass es da zwei “Wahrheiten” gibt, dass wir verwirrt sind, dass wir abwägen müssen – und, das auch, recherchieren müssen.
Wir sehen, wie leicht Bilder und Filme heute manipulierbar sind – nicht nur in Kinofilmen.

Böhmermann kritisiert aber auch, wie leicht es sich die Medien manchmal machen. Da hat “Günther Jauch” also den Stinkefinger, reißt ihn aus dem Kontext, macht sein “Au weia”-Gesicht und stilisiert den Griechen mal wieder zum bösen Griechen. Damit nach dem “Tatort” das Gut-Böse-Verhältnis bei den Zuschauern nicht aus den Fugen gerät und sich alle noch mal herrlich auskotzen können.
Böhmermann: „Liebe Redaktion von Günther Jauch. Yanis Varoufakis hat Unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt einfach das Video nur aus dem Zusammenhang gerissen und ‘nen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. Damit sich Mutti und Vati abends nach dem Tatort noch mal schön aufregen können. ,Der Ausländer! Raus aus Europa mit dem! Er ist arm und nimmt uns Deutschen das Geld weg. Das gibt’s ja wohl gar nicht. Wir sind hier die Chefs! So!’ Das habt ihr gemacht. Und der Rest ist von uns.“

Dafür gibt’s einfach mal Applaus.

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TV total: Youtube-Stars

Donnerstag, den 4. Dezember 2014
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MO 01.12.2014 | 23.15 Uhr | ProSieben

Dieses putzige Youtube, dieser Internetkram, der ja von kaum jemandem gesehen wird – ja, darüber lächeln die Herrschaften beim Fernsehen immer noch gern. Gleich zwei solcher Beispiele gab es in den vergangenen Tagen. Beim „TV total Turmspringen“ auf ProSieben war einer der Promikandidaten Andre Schiebler. Er ist einer der drei Initiatoren und Darsteller auf der Youtube-Seite ApeCrime. In der Fernsehshow musste er sich dafür doofe Sprüche anhören, wie toll es doch bestimmt sei, endlich mal im echten Fernsehen auftreten zu dürfen.

Bei „TV total“, ebenfalls auf ProSieben, war vergangene Woche Fresh Torge zu Gast. Auch er hat einen eigenen Youtube-Channel, und auch er durfte sich von Stefan Raab gleich mal ein wenig Häme darüber abholen, dass er ja „nur“ ein Internetstar sei.

So, liebe Leute vom Fernsehen. Vielleicht habt ihr das ja noch nicht mitbekommen. Aber dieses Internet, das ist ein ganz schön erfolgreiches Ding. „Ape Crime“ zum Beispiel hat fast 1,9 Millionen Abonnenten, das ist fast doppelt so viel wie „TV total“ schauen. Innerhalb von sechs Monaten werden die Clips auf deren Channel schon mal drei Millionen Mal angeklickt. Fresh Torge hat auf „Freshaltefolie“ immerhin 1,2 Millionen Follower. Das sind eine ordentliche Menge Leute, und eigentlich müssten sich die Fernehheinis viel mehr Sorgen machen, wie viele Zuschauer sie weiter ans Netz verlieren, als sich drüber lustig zu machen.

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Die Harald Schmidt Show: Abschied

Freitag, den 14. März 2014
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DO 13.03.2014 | 22.15 Uhr | Sky Hits

Harald Schmidt. Late Night. Letzte Sendung.
Ja, wirklich! “Die Harald Schmidt Show” gab es noch. In den vergangenen anderthalb Jahren sendete Schmdit unter Ausschluss der Öffentlichkeit beim Pay-TV-Sender Sky. Oft waren weniger als 5000 Zuschauer dabei, eine nicht mehr messbare Quote. Und Sky hat nie wirklich etwas dafür getan, damit “Die Harald Schmidt Show” im Gedächtnis der Pay-TV-losen Öffentlichkeit bleibt. Im Internet gab es nur Zwei-Minuten-Schnipsel, nicht mal das freitägliche Best of gab es frei im Netz. Dass man damit auch Werbung für ein Sky-Abo gemacht hätte, ist den Sky-Leuten offenbar nicht in den Sinn gekommen. Ähnlich wie bei “Zapping” hätten die Shows auch Tage später noch online gehen können. Aber nichts da. Harald Schmidt war nur noch ein Randphänomen, kaum noch beachtet.

Insofern war das Ende am Donnerstagabend traurig, aber (leider, leider) auch nicht mehr das große Drama.
Zum Abschied stellte Sky die komplette Show zeitgleich zur Ausstrahlung auch schon bei Youtube zur Verfügung. Und wie Schmidt sinngemäß sehr richtig bemerkte: Wenn Schluss ist, ist’s auch zu spät für eine solche Aktion.

Kurz vor Schluss versammelte Harald Schmidt noch mal alle Side-Kicks der Sky-Zeit. Gemeinsam mit Olli Dittrich, Klaas Heufer-Umlauf, Pierre M. Krause und den anderen Kollegen blödelte er sich durch ein kleines Bankett. Sticheleien gegen Sky, gegen Kollegen, Events – es war ein bisschen die gute alte Zeit. Und somit doch wieder ein bisschen Wehmut.

Sang und klanglos verabschiedete sich Schmidt. Eine Ära, die am 5. Dezember 1995 auf Sat.1 begann, später im Ersten und zwischenzeitlich mit Oliver Pocher fortgeführt wurde, dann wieder bei Sat.1 und am Ende auf Sky.
Im Gedächtnis bleiben die bissige Abhandlung der Tagespolitik, tolle Studioaktionen, Einspielsfilme, Gäste und ein eingespieltes Team – inklusive das kratzende Lachen von Manuel Andruck.
Von der “Harald Schmidt Show” bleiben viele DVD, auf denen die Erinnerungen für immer bleiben. Und wer weiß, vielleicht geht’s ja irgendwann und irgendwo weiter.

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Jung & Naiv: Peer Steinbrück

Mittwoch, den 21. August 2013
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MO 19.08.2013 | 20.00 Uhr | joiz

So langsam, also, ganz langsam läuft er an, der Wahlkampf 2013. Da tingeln die Politiker durch alle möglichen Talkshows und seiern, was das Zeug hält.
Wenn sie bei Tilo Jung zu Gast sind, dann können sie all ihre Platitüden wegwerfen, wenn Jung fragt nach, ganz naiv. So heißt auch sein Format: “Jung & Naiv”. Mehr als 70 Folgen sind bereits auf Youtube zu sehen, am Montagabend feierte das Magazin auf dem neuen Sender joiz seine Fernsehpremiere.

Dass Tilo Junge die Politiker grundsätzlich duzt, kann man gut finden oder nicht. Ich finde nicht, dass man jeden Menschen kumpelhaft duzen muss, ich möchte auch gar nicht jeden duzen. Interessanterweise blieb Steinbrück zunächst beim Sie, schwenkte erst kurz vor Schluss um, vielleicht musste er erst warm werden.

Bankenrettung, Koalitionen, Zukunftspolitik. Das Format dauert bei joiz etwas mehr als 25 Minuten, aber Jung grast in der kurzen Zeit viele spannende Politikfelder ab – und das alles für eine sehr viel jüngere Zielgruppe, als die, die Steinbrück bei ARD, ZDF oder RTL jemals erreichen kann.
Da sollten sich andere Politmoderatoren mal ein Beispiel dran nehmen, denn im Vorwahleinerlei war der Steinbrück-Talk bei “Jung & Naiv” bisher eine der interessantesten Sendungen.