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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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#Umweltsau: Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad

Sonntag, den 29. Dezember 2019
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SA 28.12.2019 | 18.05 Uhr | WDR2

Natürlich gibt es auch zwischen den Jahren einen ordentlichen Shitstorm. Wäre ja auch langweilig gewesen, wenn es ein paar Tage ruhig geblieben wäre.
Langsam, aber sicher wird es wirklich peinlich.

Diesmal dreht sich alles um die #Umweltsau. In diesem Fall ist es die Oma. Also, nicht die eine, sondern so ganz allgemein. Und weil es um Omas geht, sind sowohl die Omas als auch alle Omaliebhaber empört, empört und übrigens auch: empört.
Was war passiert: Für einen satirischen Beitrag des Radiosenders WDR2 ist der WDR-Kinderchor angefragt worden, ob er ein Lied einsingen will. Es ging um “Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad”, aber mit neuem Text, denn danach geht es weiter mit: “Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau!”

Oh. Mein. Gott.
Da ist aber am Sonnabend schon wieder eine riesige Welle über Deutschland hinweggeschwappt, Twitterland ist mal wieder erregt. Der WDR ist böse, der Verantwortliche für den Song ist böse, alle sind böse und gehören am besten vor einen Twitterrichter.
Beim WDR bekamen sie auch gleich kalte Füße und löschten das Video wieder. WDR-Chef Tom Buhrow sah sich genötigt, sich zu entschuldigen. Er war selbst gerade bei seinem 93-jährigen Vater in der Klinik. Der sei keine Umweltsau, so Buhrow. WDR2 strahlte am frühen Sonnabendabend gar eine Sondersendung aus, in der das alles noch mal auseinandergenommen worden ist.
Alles ganz schlimm, schlimm, schlimm.
Selbst NRW-Ministerpräsident Laschet schaltet sich ein und blubbert, dass man Kinder nicht für seine Zwecke instrumentalisieren dürfe. Blöd nur, dass er das selbst auf Wahlplakaten in seinem Wahlkampf gemacht hat.
So heuchelt jeder vor sich hin.

Die Erregungen in Deutschland scheinen immer blödsinniger und hysterischer zu werden. Niemand scheint mehr vernünftig debattieren zu können. Stattdessen: Schnappatmung, Hass und der Ruf nach Absetzung, Einstellung und Abschaffung der GEZ, die längst keine GEZ mehr ist.
Da will man dann auch keine Hintergründe mehr hören, man will ja eigentlich überhaupt nicht mehr diskutieren.

Bei WDR2 hieß es, man sei mit der satirischen Liedidee, die sich mit der Klimahysterie und mit den “Fridays for Future”-Forderungen auseinandersetzt, an den WDR-Kinderchor getreten. Eltern und Kinder konnten sagen, ob sie mitmachen wollen oder nicht. Den Kindern sei erklärt worden, was es mit dem Text auf sich hat.
Aber wir wir ja alle wissen, sind Kinder ja eh alle doof, kapieren nichts und lassen sich instrumentalisieren, und die Eltern gleich mit.
Stattdessen wird sich darüber empört, dass man ja so keineswegs über Omas reden könne. Schließlich haben doch unsere Omas Deutschland aufgebaut und Steine geputzt.
Also, die Omas der Empörten. Die Omas dieser Kinder sind vermutlich um die 50 oder knapp 60, fahren vielleicht einen SUV und könnten durchaus…

Anstatt kurz zu schmunzeln oder das Lied einfach nur blöd zu finden, reicht es heute nicht mehr, drüber hinwegzusehen. Nein, heute muss sich halb Twitterland aufplustern, als gäbe es hierzulande keine anderen Sorgen. Nein, das Ganze muss wieder zum allumfassenden Skandal aufgebläht werden, zum vermutlichen letzten in diesem Jahr, falls sich morgen keine Sau mehr findet, die sich durchs Dorf treiben lässt. Argumente werden nicht gehört, Debatten erst gar nicht geführt.

Dass ein WDR-Mitarbeiter Feuer ins Öl goss, in dem er sagte, dass die Omas der Empörten ja eher keine #Umweltsau sei, sondern eher eine #Nazisau, das war sicherlich nicht sehr clever. Denn es machte die Empörten noch empörter. Auch wenn er damit meint, dass hier schon von einer ganz anderen Generation die Rede ist.
Und eins wollen wir doch mal klarstellen: Wir sind alle Umweltsäue. Ich bin auch eine Umweltsau. Denn in Sachen Umwelt kommen wir alle nicht voran, da reden wir alle nur, aber wir machen alle viel zu wenig oder sogar nichts.
Aber jetzt so zu tun, als seien Omas satiregeschützt, gleichzeitig aber wird auf die Jugend eingedroschen, die freitags demonstriert, ist albern.

Ärgerlich an diesem, uuuh, Skandal ist nur, dass der WDR so kleinlaut reagiert. dass Tom Buhrow sich mit blödsinnigen Begründungen voreilig entschuldigt und schlicht kein Selbstbewusstsein beim WDR herrscht. Stattdessen stehen dann am Sonntag ein paar Rechte vor der Tür und demonstrieren für die Abschaltung des WDR. Und natürlich für Omas. Dieselben Rechten hetzen übrigens gegen Omas, wenn sie sich für linke Politik einsetzen. Dann kennt auch dort der Oma-Hass kein Niveau-Grenzen nach unten.
Leute, wir haben ganz andere Sorgen, als Kinder, die lustige Oma-Lieder singen. Kümmert euch lieber um die wichtigen Dinge.

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Das schaffst du nie! Der 72h-Talkshow-Weltrekord

Freitag, den 15. November 2019
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DI 12.11.2019 | 17.30 Uhr | Funk

Das schaffen die nie!
So dachte ich am Dienstag.
Da begann nämlich bei Funk auf Youtube und auf ARD-alpha eine etwas andere Sendung. Nun ist natürlich eine Talkshow erst mal nichts Besonderes. Besonders ist, dass sie 72 Stunden dauert. Drei Tage. Von Dienstagnachmittag bis Freitagnachmittag. Ohne nennenswerte Pause.

Der alte Weltrekord stammt aus Syrien. Zwei Moderatorinnen des Staatsfernsehens waren 2014 insgesamt 70 Stunden und fünf Minuten auf Sendung – mit nur kurzen Pausen und kaum Schlaf.
Ariane Alter und Sebastian Meinberg vom Funk-Format “Das schaffst du nie!” wollen das um fast zwei Stunden toppen und drei volle Tage auf Sendung sein.
Die Schwierigkeit besteht natürlich auch darin, dass eine Talkshow an sich erst mal nur wenig Aktion bietet. Heißt: Man sitzt viel und unterhält sich. Das ist bei großer Müdigkeit natürlich wenig förderlich.

So wurde die Dauertalksendung eigentlich auch erst in der Nacht zum Donnerstag wirklich interessant. Da waren die beiden Moderatoren schon so richtig müde. Inklusive Augenringe und im Sitz hängen wie ein Schluck Wasser.
Ganz ohne Pausen geht es dann doch nicht, pro Stunde haben sie fünf Minuten zur freien Verfügung – auch für Schlaf. Die Zeit können sie sammeln und für etwas längeren Schlaf nutzen – was sie auch taten. Einer oder eine muss jedoch immer live auf Sendung bleiben.

Jeder, der mal länger wach war, weiß: Irgendwann wird es wirklich schwierig. Nach 30 Stunden übermannt einen die Müdigkeit sehr, und ob dann 90 Minuten Schlaf wirklich reichen, ist fraglich.
Aber wenn es so einfach wäre, wäre es ja nicht Besonderes.
So ist eigentlich fast nebensächlich, wer zu Gast ist – spannend ist, wie sich Ariane Alter und Sebastian Meinberg schlagen. Schaffen sie die 72 Stunden – dann: Respekt!

-> Die Sendung auf Youtube

Hits: 102

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NightWash

Dienstag, den 17. September 2019
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FR 13.09.2019 | 23.35 Uhr | Sat.1

Stand-up-Comedy hat in Deutschland eine neue Heimat – mal wieder. “NightWash” ist zurück – wobei die Show eigentlich nie weg war.
Am Freitagabend startete bei Sat.1 aber eine neue Staffel der Show, die in einem Kölner Waschsalon aufgezeichnet wird. Der Raum ist eng, die Bühne ist klein, das Publikum ist ganz dicht dran. Als Comedian muss man abliefern, sonst ist man geliefert.

Die erste Folge bei Sat.1 war so etwas wie ein Familientreffen, denn auf der kleinen Bühne standen neben dem neuen Moderator Atze Schröder auch Simon Stäblein und Luke Mockridge. Beide waren sie auch schon “NightWash”-Moderatoren, und es ist schön, dass man auch bei Sat.1 nicht den Eindruck machte, als handele es sich um eine ganz neue Show. Stattdessen hob man hervor, dass wir es hier mit einer traditionsreichen Show zu tun haben.

Im Oktober 2001 schon startete “Night Wash” im WDR. Eine Staffel lief sogar im Ersten. 2007 kam der Wechsel zu Comedy Central, 2009 ging es rüber zu einsfestival, dem späteren one. In den letzten beiden Jahren gab es “NightWash” nur auf Youtube. Mit Sat.1 hat man nun einen neuen Partner gefunden, der der Show hoffentlich so viele Zuschauer zuspült wie noch nie.
Dass man da als Zugpferd einen alten Hasen wie Atze Schröder voranstellt, erscheint da nur logisch, immerhin braucht Sat.1 ja jemanden, mit dem sie werben können.

Dass man für die Sat.1-Show auch Comedian Carl-Josef (14) hat noch mal auftreten lassen, obwohl er mit fast derselben Stand-Up-Nummer schon im Juni bei “NightWash” war, ist ebenso verständlich. Dass er aber auch fast die gleiche Nummer erzählte wie zwei Stunden zuvor bei Luke Mockridge – das hätten man vielleicht besser planen können.

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Live: 1 IX 1939 – Wieluń Pamiętamy

Dienstag, den 3. September 2019
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SA 31.08.2019 | 4.30 Uhr (So.) | TVP

Mit der kleinen Stadt Wielun werden die allermeisten Deutschen vermutlich nichts anfangen können. Dabei handelt es sich dabei um einen sehr bedeutsamen Ort.
In Wielun in Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Wielun war der erste Ort, der von den Deutschen angegriffen worden ist.
Am 80. Jahrestag ist dem Kriegsbeginn in Wielun mit einem Festakt gedacht worden. Morgens um 4.30 Uhr. Denn wenige Minuten danach begann 1939 der Angriff auf die Stadt. Im Morgengrauen saßen die Gäste des Akts auf dem Marktplatz, als alle Lichter ausgingen und die Sirenen heulten. Durchaus beeindruckend.
Zu Gast war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der in seiner Rede um Vergebung bat für das, was Deutschland Polen damals angetan hat.

Du hast das gar nicht mitbekommen? Das wundert mich gar nicht. Die Live-Übertragung des polnischen Senders TVP in der Nacht zu Sonntag war hierzulande als Livestream auf einem kleinen Youtube-Kanal zu sehen. Die großen Sender in Deutschland zeigten da noch ihr Wiederholungsnachtprogramm.
Wie überhaupt dieser wichtige Gedenktag vollkommen überschattet war von den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen. Zwar übertrug phoenix am Mittag aus Warschau die offizielle Gedenkfeier zum Kriegsbeginn-Jahrestag – wirklich Beachtung fand das in Deutschland aber nicht.
Zwar gab es in den Nachrichten Hintergründe und Ausschnitte, aber spätestens nach 18 Uhr war das Thema durch.

Dass diese Wahlen auf den 1. September gelegt worden sind, ist instinktlos gewesen. Dieser 1. September 2019 als Gedenktag hätte gerade in unseren unruhigen Zeiten viel mehr Beachtung finden müssen. Er spielte in Deutschland kaum eine Rolle. Spätestens am Abend redeten alle nur noch über die Wahlen. Die hätten gut und gerne auch noch eine Woche später stattfinden müssen.

Die Live-Übertragung aus Wielun haben in Deutschland sicherlich nur eine Handvoll Leute gesehen. Die “Wieluń Pamiętamy” – die Erinnerung – hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

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Max Herre: Nachts

Mittwoch, den 14. August 2019
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DI 13.08.2019 | Youtube

Max Herre sei Dank! Denn durch ihn habe ich im großen Archiv der DDR-Songs etwas Neues entdeckt. Einen Song, der scheinbar bislang vollkommen unbeachtet blieb, der in keine Hitliste auftaucht.

“Nachts” heißt der aktuelle Song von Max Herre. Er selber rappt, das macht er ganz okay. Aber der Knaller ist der Refrain: Darin singt nämlich Veronika Fischer.
Die war 1973 Sängerin in der Band Panta Rhei. In ihrem Song sang sie: “Die Nacht streckt ihre Hände aus. Deckt alles ringsum zu. Ich bin allein in meinem Haus und finde keine Ruh’.”
Ein toller Text, eine wahnsinnig schöne Melodie, und dass das bislang in der DDR-Nostalgie nicht vorkam, ist schade. Dafür hat Max Herre für eine 2019er-Nostalgie-Entdeckung gesorgt.

Veronika Fischer schrieb auf ihrer Facebook-Seite, dass Herre sie gefragt habe, ob er ihr Lied verwenden dürfe.
Was ärgerlich ist: Dass Max Herre weder Veronika Fischer noch Panta Rhei nennt. Eigentlich hätte der Youtube-Clip als Max Herre feat. Veronika Fischer betitelt werden müssen. Dass sie es ist, sieht man im Videoclip in einer Namenseinblendung, die aber zudem schlecht zu erkennen ist.
Das ist schäbig. Denn ohne Veronika Fischer gäbe es auch den Herre-Song nicht.
Schade ist übrigens auch, dass er im Clip gleich zwei Songs verwurstet. “Diebesgut” wird hinten rangeklatscht. Eine echte Verschwendung.

-> Der Clip auf Youtube.
-> Das Original auf Youtube.

Hits: 214

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Giovanni Zarrella feat. Pietro Lombardi: Senza te (Ohne dich)

Freitag, den 5. Juli 2019
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MI 03.07.2019 | Youtube

Die Münchner Freiheit hat Ende der 80er für einige unvergessene Hits gesorgt. “Ohne dich” gehört eindeutig dazu. Ziemlich genau 30 Jahre später gibt es ein Remake.

Giovanni Zerella und Pietro Lombardi haben aus “Ohne dich” eine Hymne an die Freundschaft gemacht. Das klappt erfreulich gut, zumal Zabrella auf Italienisch singt und wieder mal beweist, was für eine wohlklingende Sprache das ist. Lombardi singt auf Deutsch.

Ein bisschen peinlich ist nur eins: Im Videoclip steht Pietro Lombardi mit einem Zettel am Mikro. Da soll so etwas wie sein Markenzeichen sein, weil er ja damals bei “Deutschland sucht den Superstar” vor der Castingjury auch mit einem Spickzettel in der Hand stand. Aber in einem Videoclip wirkt das dann doch eher ärmlig. Und vor allem unglaubwürdig, denn Giovanni Zarrella singt den Song voller Freude und Inbrust, und daneben steht Pietro Lombardi und muss seinen Text ablesen – also meint er es auch nicht ernst.
Hätte man anders machen können.

-> Das Video auf Youtube.

Hits: 116