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Lindenstraße: DuRöhre

Dienstag, den 6. März 2018
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SO 04.03.2018 | 18.50 Uhr | Das Erste

Diese DuRöhrer! Die halten sich alle für was besseres! Wobei man natürlich aber sagen muss, dass man auf DuRöhre auch sehr viel Informatives finden kann.
DuRöhre? Kennst du nicht?

Schleichwerbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist eher nicht so gern gesehen. Andererseits gibt es Unternehmen, die inzwischen schlicht zur Lebenswirklichkeit der Menschen gehören.
Seit 1985 will die “Lindenstraße” im Ersten diese Lebenswirklichkeit der Menschen abbilden. Und dazu gehört heute auch das Internet. Wir schreiben kaum noch SMS, tickern dafür aber auf WhatsApp. Wir twittern und verbinden uns auf Facebook. wir sehen uns Videos auf YouTube an.
Dabei handelt es sich um kommerzielle Unternehmen, und die gehören natürlich nicht in eine öffentlich-rechtliche Fernsehserie. Das aber führt zu durchaus absurden Momenten.

So schreiben die Bewohner der Lindenstraße auch 2018 noch eine SMS. Sie posten Fotos auf Spacehorst und schauen Videos auf DuRöhre.
Die Frage ist, ob die Macher nun für diese Plattform besonders bescheuerte Namen etablieren wollten. Andererseits ist “DuRöhre” ja die genaue Übersetzung von YouTube. Denn ist es schwierig, in einer Serie, die das wahre Leben zeigen will, so einen Quatsch zu erzählen, weil an diesem Punkt die Glaubwürdigkeit so ziemlich bei Null liegt.

Am Sonntag kam dann auch noch ein Youtube-Star als Gast in die Serie. In die “Lindenstraße” kam er natürlich als bekannter DuRöhrer, und irgendwie schrammt das schon sehr eng an der Peinlichkeit vorbei. Andererseits: Vielleicht wird ja ein Trend draus, und YouTube benennt sich in Deutschland in DuRöhre um.

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Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

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Straßenwahl: Bushido vs. Beatrix von Storch

Montag, den 11. September 2017
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FR 08.09.2017 | YouTube

Kürzlich sorgte ein Foto im Internet für neue Erregungswellen: Es zeigte den Rapper Bushido und die AfD-Frau Beatrix von Storch. Und alle Welt fragte sich, ob Bushido nun eine Wahlempfehlung für die Blaurechten ausspricht, und natürlich sorgte auch das wieder für Erregungs- und Empörungswellen.

Am Freitag gab es die Auflösung. In der YouTube-Reihe “Straßenwahl” traf der Rapper die Politikerin. Und dass Bushido nun ein großer AfD-Freund ist, kann man nun wirklich nicht mehr behaupten, wenn man sich diese Sendung ansieht.
Die beiden trafen sich, um über die aktuelle Politik zu diskutieren. Das war irgendwie interessant, aber leider hat sich Bushido entweder nicht wirklich dafür interessiert oder sich mitunter mies informiert.
So ging es um die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Islam – von Storch könne die nicht entdecken. Bushido sprach davon, dass irgendwer was falsch auslege. Aha. Nun ja. Es ging um Flüchtlinge, als Bushido der AfD-Frau vorwarf, unmenschlich zu sein. Storch argumentierte mit Zahlen.
Bushido sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass Schwule und Lesben AfD wählen würden – oder gar Mitglied in der Partei seien. Storch konterte, doch, die gebe es. Konnte sich Bushido nicht vorstellen, und man wünschte sich, dass er sich doch mal vorbereitet hätte.

Das Problem in dieser Sendung: Die knallharte Politfrau trifft auf den Rapper mit gefühltem Wissen und gefühlten Wahrheiten.
Nun kann man Bushido ja das eigentlich gar nicht vorwerfen. Denn auch er war nur Gast in dieser Sendung, er ist kein Moderator, der sich gut vorzubereiten hat. Aber Bushido hatte offenbar auch nicht den Elan, der AfD mit Fakten und Argumenten entgegen zu treten. Aber Bushido gab am Ende sowieso zu, gar nicht wählen zu gehen. Das alles interessiere ihn überhaupt nicht, und es bringe auch alles nichts. Die Sendung war da zu Ende, und im Grunde war da klar, dass man sich die halbe Stunde davor hätte auch sparen können. Ärgerlich war nicht Bushidos Uninformiertheit – sondern sein Desinteresse.

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#DeineWahl – YouTuber fragen… Martin Schulz

Freitag, den 8. September 2017
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DI 05.09.2017 | 12.00 Uhr | YouTube

Toll! Was wir jetzt auch noch über Martin Schulz wissen:
Einmal in der Woche bringt er seinen Müll raus. Wenn er denn zu Hause ist.
Er hat viele sehr enge Freunde in der Community.
Er hat mal Waschpulver ins Freibad gekippt.
Und das war nur das Zweitschlimmste, was er je getan hat.
Das Allerallerschlimmste ist so schlimm, dass er das öffentlich nicht erzählen möchte.
Er hatte einen engen Freund, der fühlte sich weder als Deutscher noch als Türke, und das sei ein Problem gewesen.
Er hatte einen engen Freund, dem durch die neue Digitaltechnik geholfen werden konnte.
Er hat eine Frau, die streng darauf achtet, dass er den Umweltschulz, äh, -schutz wahrt.
Eventuell wird er einen YouTube-Kanal eröffnen. Also, vielleicht.
Mensch Schulz!

All das haben wir am Dienstagmittag auf YouTube erfahren. Um 12 Uhr sitzt der Otto-Normal-YouTube-Zuschauer zwar in der Schule, aber Martin Schulz hatte grad Zeit – schließlich ist er kein Bundestagsabgeordneter und musste nicht zur Abschlusssitzung.
Nach der Fragerunde mit Angela Merkel stellte sich auch Herausforderer Schulz den Fragen der jungen Zielgruppe – und machte das erstaunlich gut. Wie überhaupt die ganze mehr als einstündige Sendung unter dem Motto “#DeineWahl” erstaunlich interessant war.
Die gestandenen Journalisten können wieder tuttern wie sie wollen – die jugendlichen Fragesteller machten ihre Sache im Rahmen ihrer Möglichkeiten gut. Es ging um die digitale Zukunft, um Bildung, Ausländerfeindlichkeit, um Persönliches – was eben die Jugend interessieren könnte.

Nur einmal wollte auch Martin Schulz mal was wissen: Als er von der YouTuberin “ItsColeslaw” wissen wollte, was denn ihr Name zu bedeuten hatte, war das Mädel erstaunlich uncool. Anstatt es in einem Satz zu erklären, erklärte sie in zwei Sätzen, dass man das ja später klären könne. Aber irgendeinen Grund wird sie schon haben, dass sie sich nach einem Salat benennt.

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#DeineWahl – YouTuber fragen

Samstag, den 19. August 2017
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MI 16.08.2017 | 13.30 Uhr | YouTube

Es war die Stunde der gestandenen Journalisten, die endlich mal wieder darauf hinweisen konnten, dass sie ja schließlich Journalisten seien, und das, weil sie das gelernt haben.
Sie haben das deshalb am Mittwoch so naserümpfend betont, weil auf YouTube eben keine Journalisten Angela Merkel interviewen durften, sondern YouTube-Stars, die teilweise überhaupt das erste Mal eine andere Person interviewten.

Nun saß die Bundeskanzlerin eben nicht einer Tina Hassel gegenüber, sondern einem Typen namens Alexi Bexi.
Darüber könnte man Witze machen, aber eigentlich gibt es dafür eher wenig Gründe – wenn man nicht des Lästerns wegen lästern will.
“#DeineWahl – YouTuber fragen” hieß das Format, das am Mittwochnachmittag live auf YouTube gezeigt worden ist. Die Kanzlerin stellte sich den Fragen von vier YouTubern. Neben Alexi Bexi waren das MrWissen2Go, ItsColeslaw und Ischtar Isik.
Sie wollten von Merkel wissen, wie sie mit Trump zurecht kommt. Es ging um den Dieselskandal, um soziale Gerechtigkeit, um die miesen Gehälter in den Pflegeberufen und vieles mehr. Außerdem verriet Merkel, dass das :-) ihr Lieblingssmiley ist.

Man hat gemerkt, dass diese Sendung auch für Angela Merkel etwas Besonderes war, manchmal schien es, als dass sie sich ganz leicht über die Unbedarftheit ihrer Interviewer amüsiert hat.
Dass sie aber überhaupt dort sitzt, ist clever: Denn auf YouTube erreicht sie unter Umständen ganz andere Leute als in den Fernseh-Talkrunden. Und vor allem: Über die YouTuber, die sich teilweise sonst mit ganz anderen Dingen befassen, hat sie die Chance, überhaupt mal politische Botschaften rüberzubringen. Das ist richtig und wichtig, wenn es darum geht, junge Leute für die Wahl zu interessieren.

Deshalb ist es auch überaus arrogant und kurzsichtig, wenn sich die “gelernten Journalisten” darüber aufregen, dass da YouTuber sitzen und fragen stellen dürfen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Fragen der gestandenen Experten nicht soo viel anders gewesen wären. Anstatt sich zu freuen, dass es dort ein Format von jungen Leuten für junge Leute gibt, dass es auch auf Schmucktipp-Kanälen mal Politik gibt, wird gelästert.
Beim nächsten Merkel-Talk dürfen dann wieder die richtigen Journalisten ran. Vielleicht erreichen sie mehr Leute (wobei “#DeineWahl” noch am selben Abend eine Million Klicks hatte), aber die ganz jungen erreichen mit mit Zeitungen und TV-Talks kaum noch.

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News spezial: Der G20-Gipfel

Sonntag, den 9. Juli 2017
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FR 07.07.2017 | 20.00 Uhr | n-tv

In Hamburg herrscht Krieg, und das Fernsehen steht mittendrin.
Der Reporter von n-tv steht im Schanzenviertel. Er hat einen Helm auf und blickt sich immer wieder um. Hinter ihm ist Blaulicht zu sehen, Polizisten in Kampfuniform und auch Randalierer. Eine Barrikade brennt, und der Reporter erzählt von alldem.

Als am Freitagabend in St. Pauli die Lage eskalierte, als die Proteste gegen den G20-Gipfel zur dumpfen Randale wurde, da zoomten die Nachrichtensender noch mal richtig ran. Stundenlang berichtete n-tv in einem “News spezial” live direkt aus dem Brennpunkt. Immer mal wieder musste der Reporter abbrechen und seinen Standort wechseln, weil er von der Polizei abgedrängt wurde. Weil es einfach zu gefährlich wurde.

Ebenso auf N24. Die Nachrichten kamen direkt aus dem Hamburger Krisengebiet. Jeder Steinwurf, jedes Feuer – live und direkt. Die Tagesschau hatte ebenfalls einen Reporter vor Ort, und auf Facebook bot sie immer wieder einen Livestream an, auf dem unkommentiert ebenfalls Livebilder aus dem Schanzenviertel zu sehen waren.

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist es gut, ein ungefiltertes Bild von der Situation zu bekommen, irgendwie dabei zu sein, aus erster Hand zu sehen, was sich abspielt. Andererseits ist es natürlich auch eine Befriedigung von Sensationsgier und ein Stück Voyeurismus. Es ist, als wären wir in Hamburg dabei und würden gaffend auf der anderen Straßenseite stehen. Zehntausende waren über das Internet über Streams auf Facebook und Youtube live dabei, und morgen regen wir uns auf, wenn wir andere bei Autobahnunfällen doch mal wieder neugierig sind und gaffen.

Die Hamburger Ausschreitungen waren in jedem Fall auch wieder eine kleine Zäsur in der Live-Berichterstattung. Per Internet sind wir mittendrin statt nur dabei.

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ZAPPER VOR ORT: Podiumsrunde zu Desinformation und Hass in sozialen Netzwerken

Mittwoch, den 28. Juni 2017
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DI 27.06.2017 | Berlin, Quadriga-Forum

Fakenews. Hasskommentare.
Das sind zwei Schlagwörter, die mehr und mehr in Zusammenhang mit dem Internet und mit sozialen Netzwerken genannt werden. Aber ist das Problem wirklich so groß? Und wenn ja, lassen sich diese Probleme irgendwie regulieren?
Darum ging es am Dienstagmittag im Berliner Quadriga-Forum. Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit lud zu einer Podiumsdiskussion ein.

Sie zeigte vor allem, dass man es sich damit nicht einfach machen kann.
Arnd Haller von der Google-Rechtsabteilung erläuterte zum Beispiel, was eigentlich mit strittigen Videos passiert. Und dass die Löschung nicht immer unproblematisch sei. Einem Privatunternehmen sei es nicht zuzumuten, zu entscheiden, ob ein Video verboten werden müsse oder nicht. Als Beispiel nannte er das Böhmermann-Erdogan-Video. Hätte Youtube das Video sperren sollen? Hätte Youtube entscheiden müssen, ob das Video erlaubt ist oder nicht. das müssten Gerichte entscheiden und nicht Youtube, so Haller.

Christian Mihr von “Reporter ohne Grenzen” überraschte ein wenig mit der Aussage, dass Fakenews kaum ein Problem seien – weil die Menschen angeblich so schnell nicht auf Fakenews reinfallen würden. Erst wenn man sie mehr als 30-mal mit so einer falschen Nachricht konfrontieren würde, würden sie sie glauben. Ich mache da leider andere Beobachtungen.
Auch das Problem der Hasskommentare sei kleiner, als viele denken würden. Aber insbesondere Betroffene würden natürlich eine andere Wahrnehmung haben. Dennoch seien es Minderheiten, die solche Kommentare absondern.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wies in Sachen Fakenews darauf hin, dass die nicht verboten seien, man müsse aber als Gesellschaft dagegen steuern und besser aufklären.

Die Diskussion war streckenweise sehr interessant. Aber sie hätte wesentlich mehr Biss vertragen können. Auf dem Podium gab es keine wirkliche Gegenrede, nur vereinzelt vom Google-Mann. Es fehlte der Widerpart, denn zu einer guten, erhellenden Diskussion gehört auch ein Disput. Wenn sich letztlich alle einig sind, schmort man auch nur im eigenen Saft, in einer Filterblase, die während der Diskussion sogar ein Thema war.
Die Moderatorin wollte nämlich wissen, ob es schlimm sei, wenn in Filterblasen andere relevante Meldungen ausgeblendet würden. Dabei sind Filterblasen nichts Neues. Wer nicht rechts ist, liest keine rechtslastigen Zeitungen. Wer kein Asylkritiker ist, wird bei Facebook nicht mit “Nein zum Heim…”-Seiten belästigt. Andersrum aber eben genauso. Google-Mann Arnd Haller merkte da völlig zu recht an, dass dies nicht das Problem sei, das man zu bewältigen habe.
Vielmehr müssten Gerichte in die Lage versetzt werden, Urteile zu fällen. Abzuschätzen, was im Netz geht und was nicht. Aber – und das ist auch ein wichtiger Punkt – es ist auch eine Aufgabe für uns als Gesellschaft, gegen Fakenews und Hass im Netz vorzugehen. Es einfach laufen zu lassen, das wäre der falsche Weg.