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Die US-Wahlnacht im Ersten

Freitag, den 11. November 2016
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DI 08.11.2016 | 22.50 Uhr | Das Erste

Nach fast zehneinhalb Stunden (!) Live-Sendung waren die Moderatoren im Ersten nicht nur in Schockstarre. Schockstarre war nämlich, nachdem feststand, dass Donald Trump neuer US-Präsident wird, das Lieblingswort der Moderatoren und Gäste. Nach einer so langen Strecke waren alle auch sehr, sehr müde.
War ja auch so nicht abzusehen, dass das Ganze nicht nur die Nacht hindurch dauern wird, sondern auch den ganzen Morgen. Erst um 8.30 Uhr stand wirklich fest: Donald Trump schlägt Hillary Clinton.
Es war das Ende eines monatelangen, oft extrem unschönen Wahlkampfes – und der Beginn einer Ära mit einem ungewissen Ausgang.

Diese lange US-Wahlnacht war eine Geduldsprobe für alle. Für die Zuschauer, aber auch für die Fernsehmacher. Irgendwie muss man diese verdammt lange Zeit ja füllen.
Beim ZDF war irgendwann in der Nacht eine Reporterin bei einer völlig aufgelösten jungen Frau, die – warum auch immer – nicht wählen durfte. Heulend stand die Frau nun da und ließ sich von der verständnisvollen Korrespondentin ausfragen.
Im Ersten musste der Moderator zwischendurch mal für Ruhe sorgen, wenn das Publikum maulig wurde, weil Trump schon wieder einen Bundesstaat gewonnen hatte.

Bei Family TV war man schon vorher stolz wie Bolle, dass man ja angeblich der einzige deutsche Sender, äh, na ja, Privatsender sei, der durchgängig von der US-Wahl berichtete. Letztlich übertrug man dann doch nur das CNN-Programm und laberte etwas dazu. Eher überflüssig.
Im ZDF muss sich Christian Sievers vorher so richtig vorbereitet haben, denn immer wenn in weiteren US-Staaten Wahllokale schlossen, kannte Sievers kleine Anekdoten und Randnotizen zu fast jedem der Staaten. Respekt. Wenn auch manchmal albern.
Bei Sat.1 begann man mit dem Frühstücksfernsehen immer schon um 4.55 Uhr, und man erzählte den Zuschauern auch, was in den USA los ist. So ganz wollte man sie dann aber doch nicht mit der Politik belästigen. Zwischendurch wurde dann auch noch gekocht. Anders als bei RTL, wo es ab 4 Uhr eine rein journalistische Wahlsendung gab.

Eine spannende Alternative gab’s im Internet, auf Youtube. Dort konnte man Jan Böhmermann und seinem “Neo Magazin Royale”-Team dabei zusehen, wie sie sich die Wahlnacht um die Ohren hauen. Inklusive Kommentare zum Wahlgeschehen. Als sich gegen 5 Uhr schon deutlich der Trump-Sieg abzeichnete, machten sie aber schon Schluss.

Unterdessen endete im ZDF “Die Nacht der Entscheidung” ohne Entscheidung, denn nach 7 Uhr übernahmen die Leute vom Frühstücksfernsehen. Diesen Luxus hatten die ARD-Kollegen nicht. Sie mussten bis weit nach 9 Uhr weitermachen. Und von der Schockstarre berichten.

Apropos Schockstarre: Immer mehr Leute werfen dem deutschen Journalismus vor, einseitig zu berichten. Die ARD-Leute ließen die Zuschauer im Minutentakt wissen, wie schockiert sie sind. Aber muss das so sein? Natürlich haben Journalisten zu allen Themen auch eine Meinung, aber sind sie auch in der Position, immer und überall kommentierend zu wirken?
Ich fand es auch schockierend, dass Donald Trump gewonnen hat, aber müssen mir das auch die Moderatoren immer wieder mitteilen?

Und dann war das noch der Junge, der während der Trump-Siegesrede direkt neben ihm stand. Er rollte mit den Augen, musste sich mehrfach heftig das Gähnen verkneifen. Er wusste ganz genau, dass zig Millionen Menschen ihm gerade zusehen und dass es ganz ungünstig wäre, nun dauernd zu gähnen. Andererseits war es weit nach 3 Uhr in New York. Und stand der Junge da und litt sehr. Er konnte einem Leid tun. Den Spott bekam er aber auch so ab.

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Das war 2015!

Donnerstag, den 31. Dezember 2015
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Lügenpresse, halt die Fresse!
Die deutschen Medien befinden sich 2015 in einer Vertrauenskrise. Zumindest scheinbar. Auf Demonstrationen von sogenannten Abendspaziergängern, von AfD oder NPD oder allem zusammen, bekommen Journalisten diese Parole immer wieder ins Gesicht und in die Kamera gebrüllt. Man möchte die Presse nicht da haben, aber man möchte auch, dass ihre Meinungen in eben jener Presse vorkommen und beschwert sich über angeblich einseitiger Berichterstattung.
Die Flüchtlingskrise, die 2015 auch Deutschland erreicht hat, macht auch den Medien zu schaffen. Wie macht man’s richtig? Ausführlich über Anti-Asyl-Demos berichten? Über die Willkommensinitiativen? Über die Flüchtlinge selbst? Es scheint: Wie sie es machen, sie machen es in irgendwessen Augen immer falsch. Wobei Medien noch nie dazu da waren, einfach nur die eigene Meinung zu bestätigen. 2015 scheinen das mehr und mehr Menschen zu vergessen. Der Ton wird rauer.
Da ist es doch mal gut, einfach mal zu schweigen: Wie es der Aktivist Harald Höppner in der Talkshow von Günther Jauch durchzog: nicht quatschen, sondern einfach mal den Mund halten – und überrumpelte mit einer Schweigeminute sogar den Moderator.

Ein Moment der Ruhe. Innehalten. Angesichts so dramatischen Ereignissen wie dem Terroranschlag auf die französische Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” in Paris ist das auch nötig. Zwölf Menschen starben bei diesem Angriff auf die Pressefreiheit. Millionen gingen danach auf die Straße, und auch Politiker aus aller Welt trafen sich in Paris. Letztere mussten sich vorwerfen lassen, ihre Trauer inszeniert haben, weil sie abseits der eigentlichen Demonstraten standen. Dabei wäre das aus Sicherheitsaspekten vermutlich Wahnsinn gewesen.

Im Herbst folgte ein zweiter Terroranschlag in Paris. Dann noch der Abschuss eines Flugzeuges. Das Flugzeugunglück in den Alpen, als ein Co-Pilot die Maschine in den Bergen zerschellen ließ. Nachrichten in Dauerschleife. Weiter und weiter. Journalisten im Hamsterrad.

Zwei, die rausstechen, sind Anja Reschke (NDR) und Dunja Hayali (ZDF). Letztere ließ sich bei AfD und Pegida beschimpfen, hörte sich aber trotzdem an, was die Leute zu sagen hatten. Wenn sie was zu sagen hatten. Anja Reschke zertrümmerte den Schlusstrich, den einige Leute unter die Auschwitz-Erinnerungen setzen wollten. Stach mit bissigen Kommentaren zur Asylkrise und zum rechten Populismus heraus. Beide Frauen sind mutige Journalistinnen mit Haltung.

Auch Jan Böhmermann macht auf sich aufmerksam: #Varoufake. Und: #Varoufakefake. Böhmermann behauptet in seiner zdf_neo-Late-Night-Show “Neo Magazin Royale”, dass der in der ARD-Talkshow “Günther Jauch” gezeigte Stinkefinger des griechischen Politikers Yanis Varoufakis gar nicht echt sei – und präsentierte ein Video, in dem zu sehen ist, wie Böhmermanns Leute das bei Jauch gezeigte Video fälschen. Ist Jauch auf einen Fake von Böhmermann reingefallen? Ist er nicht, und Jauch selbst war sich nicht mal sicher. Es soll nervöse Anrufe gegeben haben. Der Böhmermann-Fake aber war ein Fake. Grandios, und der Mediencoup des Jahres.

Hui. Bei all dem Stress will man doch mal durchatmen. Dachte sich vielleicht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und gab dem Youtube-Star LeFloid ein Interview. Okay, inhaltlich hatte das wenig Neuigkeitswert. Für die alten Hasen aus Funk, Fernsehen und Presse war das aber ein gefundendes Fressen, um mal wieder über die Internetfritzen zu lästern.
Als Merkel aber nur Tage später im ARD-Sommerinterview saß, gab es nach wenigen Minuten mit kritischen Fragen auch nur noch Kuschelthemen. Liebe gestandene Fernsehjournalisten: Macht’s doch einfach besser – dann können Sie eventuell weiterlachen.

Wie schön kann da mal ein etwas anderer Staatsbesuch sein – die Queen war in Deutschland. Da können auch seriöse Journalisten endlich mal klatschen und tratschen. Was denn das Adlon zu bieten hat. Und ob die Queen denn ein schönes Kleid an hat. Und wie denn wohl ihr Schlafzimmer im Hotel eingerichtet ist.

Und wenn man mal gar keine Nachrichten zu vermelden hat, macht man sie sich eben selbst und stellt ins “Tagesthemen”-Studio eine Puppe nur mit Unterkörper. Damit die Journallie sich wundern kann. Hat geklappt. Natürlich. Mit Mega-PR verkündete ARD-aktuell Tage später, dass man in Zukunft auch die Beine der Nachrichtensprecher sehen wird. Da ging ein Ruck durch Deutschland.

Aber genug von Nachrichten und dem ewigen Politstreit. Wie entspannend kann doch da das jährliche Dschungelcamp bei RTL sein. Und zur Abwechslung herrschte da mal Harmonie. Keiner der Insassen wollte sich so richtig streiten, und Walter Freiwald war der einzige, der für Stunk sorgte, aber bald rausgewählt worden ist. Alle hatten sich lieb. Herrlich. Hat uns aber auch nicht gepasst. Stunk! Wir wollen Stunk! Na ja, vielleicht nächstes Jahr wieder.

Das ZDF versuchte es mit einer Show, in der nichts anderes passieren sollte, als dass live ein paar Vögel aus Eiern schlüpfen sollten. Weil am 1. April ausgetrahlt, hielten es viele für einen Scherz. War aber keiner. Leider.
War allerdings bestimmt wenigstens nicht so teuer, das Ganze. Schließlich muss das Fernsehen sparen.
Das hat man 2015 bei “Deutschland sucht den Superstar” noch nie so deutlich gesehen. Für die Verkündungen, wer eine Runde weiter kommt, hat man einfach einen Bus auf einen Parkplatz gestellt und von dort gesendet. Zwei Dutzend Fans schauten immerhin auch vorbei. Die Event-Show: ganz schön runtergekommen. Und, wer hat noch mal gewonnen? Ach, wurscht!
Aber immerhin blieben da alle gesund: Bei der neuen ZDF-Show “1000 – Wer ist die Nummer 1?” gab es mehrere Verletzte, ein Mann bekam gar einen Herzinfarkt. Einige Spiele funktionierten technisch nicht, die aufgezeichnete Show war am Ende 35 Minuten kürzer als geplant, und eine Fortsetzung wird es wohl nicht geben.

Im Fall von “Deutschland 83″ weiß man das noch nicht genau. RTL überlegt noch. Schon das ganze Jahr über ist die deutsche Serie aus dem Hause RTL gefeiert worden. Weil sie schon auf Festivals lief. Weil sie schon im US-Fernsehen lief. Weil RTL endlich überhaupt mal was Sehenswertes geliefert hat. Dumm nur: Als sie dann im November endlich auch mal zu sehen war, interessierte das nur wenige. Die Serie wurde ein Flop, selten klafften Kritikermeinung und Zuschauerinteresse so auseinander. Absolut überschätzt.
Aber nicht der einzige Flop.
“Newtopia” zum Beispiel. Ein Jahr lang sollte eine Gruppe Leute auf einem Gelände bei Berlin eine Kleingesellschaft bilden. Alles echt, hieß es. Das Interesse war gering, und als dann auch noch live – aus Versehen oder so – eine Produktionsbesprechung im Internet übertragen worden ist, ging alles den Bach runter. Vorzeitiges Ende.
Oder die “Stadlshow”. Mit dem sollte der “Musikantenstadl” verjüngt werden. Andy Borg hat da nur gestört, er musste gehen. Die “Stadlshow” aber war inhaltlich und produktionsmäßig eine Katastrophe: die Senioren verscheucht und die Jungen – die gucken doch keinen Stadl, auch nicht als Show.
Die gucken übrigens auch kaum noch Castingshows. “Die Band” (ProSieben) und “Popstars” (RTL II) sind böse Flops. Wie auch “Mila”, die Soap-Hoffnung von Sat.1 am Vorabend. Hat keinen hinterm Ofen vorgelockt.

Ein großer Erfolg ist dagegen “Der Club der roten Bänder” bei VOX, eine Klinikserie über junge Patienten. Große Gefühle, große Spannung, große Komödie – ein Hit. Ebenso sehenswert wie die 3. Staffel der ARD-Serie “Weißensee”, die im Gegensatz zur RTL-Serie dicht erzählt und sehr spannend ist. Fortsetzung in beiden Fällen dringend erwünscht. Wir wollen wissen, wie es weitergeht.

2016 wird es ohne sie weitergehen. Lauter Abschiede.
Die Politiker Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Egon Bahr und (viel zu jung) Philipp Mißfelder. Die Journalisten Hellmuth Karasek, Klaus Bednarz, Werner Zimmer und Konrad Toenz. Die Autoren Günter Grass, Henning Mankell, Harry Rowohlt, Ellis Kaut und Jutta Resch-Treuwerth. Die Filmemacher Helmut Dietl und Wes Craven. Die Moderatoren Karl Moik, Sebastian Radke und Ben Wettervogel. Die Schauspieler Norbert Gastell (die Stimme von Homer Simpson), Leonard Nimoy (Spock), Pierre Brice, Elisabeth Wiedemann, Edith Hancke, Hans Teuscher. Die Musiker James Last, Kurt Masur und Lemmy Kilmister (Motörhead). Die Sportfunktionäre Udo Lattek und Gerhard Mayer-Vorfelder. Die DDR-Größen Günter Schabowski und Alexander Schalck-Golodkowski.

Einer ist noch da, aber irgendwie auch nicht mehr. Stefan Raab will das Fernsehen Fernsehen sein lassen. Nie wieder “Schlag den Raab”. Nie wieder “TV total”. Nie wieder Wok-WM, Turmspringen, Bundesvision Song Contest. Raabschied.

Mit Raabs Weggang endet auch die Ära der großen Live-Fernsehshow. Es gibt sie noch, aber immer seltener. Kein Wunder, dass mehr und mehr junge Leute gar kein lineares Fernsehen mehr schauen. Streamingdienste im Internet haben sich inzwischen durchgesetzt, produzieren eigene, exclusive Serien. Die junge Generation macht sich ihr eigenes Fernsehen.

Eines der wenigen Events bleibt immerhin der Eurovision Song Contest. War aber 2015 aus deutscher Sicht nicht ganz so berauschend. Erst wollen die Deutschen, dass Andreas Kümmert zum Finale nach Wien reist. Der Gewählte will aber nicht. Kann aber nicht. Lässt seinen Sieg sausen. Stattdessen fährt die Zweitplatzierte nach Wien (wie heißt sie noch gleich?). Ann-Sophie bekommt dort null (genau: null) Punkte. Die Enttäuschung ist groß, die Verschwörungsrufe natürlich auch (immerhin: auch Gastgeber Österreich hat null Punkte).
Da soll es Xavier Naidoo richten, findet man beim NDR. Der Sänger steht fest, nur der Song soll vom Volke gewählt werden. Der Proteststurm ist groß. Nicht nur wegen der Bevormundung, sondern auch weil Naidoo in der Vergangenheit durch Auftritte bei politisch zweifelhaften Reichsbürger-Demos aufgefallen war. Dass das irgendwie nicht zum weltoffenen ESC passt, ist beim NDR keinem aufgefallen. Nur zwei Tage nach Verkündung zieht man dort angesichts eines Mega-Shitstorms den Schwanz ein. Die Suche nach dem ESC-Star 2016 geht weiter.

Und sonst noch?
Der Jugendkanal von ARD und ZDF kommt. Nun wohl wirklich 2016. Im Internet.
Der Münster-”Tatort” geht weiter durch die Decke und erreichte fast 14 Millionen Zuschauer. Quotenrekord 2015.
Die “Lindenstraße” gibt es auch noch und feiert ihren 30. Geburtstag mit einer live gespielten und ausgetrahlten Folge.
Jürgen Domian ist nun auch schon 20 Jahre dabei – und will Ende 2016 aufhören. Schade.
Bei der “Oscar”-Verleihung muss bei ProSieben jemand gepennt haben: sieben Minuten Sendeausfall. Nun ja, war ja auch nicht so spannend diesmal.
RTL klont mit “Stepping out” seine eigene Tanzshow “Let’s Dance” und hofft, dass der Zuschauer es nicht merkt. Hat er zum Glück trotzdem.

Sind ja nicht doof, die Zuschauer. Also, jedenfalls nicht alle. Ähm, na ja, vielleicht ein paar.
In diesem Sinne: Gute Besserung, 2016!

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Kalkofe: Kommentar zu Hass und Dummheit

Sonntag, den 6. September 2015
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SO 30.08.2015 | 20.07 Uhr | Tele 5

“Die dümmsten Schweine, die bei uns gerade rumlaufen.”
Oliver Kalkofe meint damit die Flüchtlingshasser, die sich derzeit im Internet ihre Scheißangst von der geschundenen Seele schreiben. Und die, die sich vor Flüchtlingsheimen ihren Hass aus dem Hals grölen.
Tele 5 räumte dem Satiriker kurzfristig ein paar Minuten ein, damit er seine Botschaft gegen Rechts, gegen Nazis, gegen den allgemeinen Hass loswerden konnte.

Kalkofe habe die “Hoffnung, andere damit zu motivieren, auch nicht länger den Mund zu halten.” Die leute sollten “nicht mehr schweigend zuzuschauen, wie sich in unserem Land furchtbare Dinge ereignen, die ich aus dem Geschichtsunterricht, aus Filmen und Büchern kenne, von denen ich mir aber niemals habe träumen lassen, sie einmal selbst miterleben zu müssen.”

Davor hatten sich schon Joko und Klaas vom “Cirvus Halligalli” zu Wort gemeldet und den Fremdenhassern sehr eindeutig ihre Meinung gegeigt.
Millionen Mal sind die Videos jeweils angeklickt und hoffentlich auch bis zu Ende angesehen worden.

Nun kann man sich natürlich fragen: Und? Was bringt das?
Promis haben in der Regel eine Vorbildwirkung, sie haben unzählige Fans, die genau verfolgen, was ihre Idole zu sagen haben. Kommt dann ein so eindeutiges Statement, können Fans eigentlich nicht anders, als sich auch zu positionieren. Es ist der Moment, in dem auch sie einen Moment lang über die politische Lage nachdenken müssen. Solche Statements bewegen insofern etwas, weil ein Thema, das einigen vielleicht am Arsch vorbeigeht, ins Bewusstsein aller gerät. Den Mund zu halten, das geht nicht mehr.
Und natürlich auch, um solchen dumpfen Gestalten, die in diesen bewegten Zeiten nichts als dummen Hass übrig haben, etwas entgegenzusetzen.

Statement von Oliver Kalkofe auf Youtube.
Statement von Joko und Klaas auf Youtube. Stichwort: #mundaufmachen

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1080NerdScope

Freitag, den 7. August 2015
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MI 05.08.2015 | 20.00 Uhr | einsplus

Wie herrlich ist doch die Youtube-Welt. Man kann machen, was man will. Es muss nicht professionell sein. Es darf gern auch dilettantisch rüberkommen. Aber gut muss es sein, unterhaltsam. Deshalb ist am neuen Magazin “1080NerdScope” eigentlich auch nicht wirklich was auszusetzen.
Die Youtubestars LeFloid (Florian Mundt), Frodoapparat (Max Krüger) und RobBubble (Robin Blase) sitzen an einem Tisch und reden, was gerade so los ist und im Kino und in Sachen Gaming gerade angesagt ist. Da werden Zettel als Rubrikentrenner ins Bild gehalten und drauf losgeredet.

Anders an diesem Youtube-Magazin ist, dass es für den SWR produziert wird. Dass es zwar zuerst auf Youtube zu sehen ist, dann aber auch im Fernsehen, bei einsplus.
Die drei Jungs machen sich darüber selbst ein wenig lustig. Auch verteilen sie ordentliche Seitenhiebe an den Kinofilm “Kartoffelsalat”, in dem ja diverse Youtuber mitspielen (da gibt es sogar einen recht lustigen Einspieler mit einer Trailer-Verarsche).
Ansonsten ist das alles nett, nicht zwingend langweilig, aber besonders innovativ auch nicht. Auf Youtube werden sie vermutlich trotzdem ihr Fans finden – wer dann aber noch einsplus einschalten soll, ist fraglich. Immerhin machen die Jungs selbst im Magazin kaum Werbung für den Sender.

Ich glaube, wenn ich heute noch mal 18 wäre, würde ich das auch versuchen. Sehe ich mir die inzwischen 20 Jahre alten Videos von damals an, haben wir ja eigentlich nichts anderes gemacht, als die Youtuber heute…
Rumlabern kann jeder. Heute sehen aber bei Youtube im Idealfall Tausende zu.

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Bericht aus Berlin – Sommerinterview: Angela Merkel

Mittwoch, den 22. Juli 2015
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SO 19.07.2015 | 18.30 Uhr | Das Erste

Die ARD-Hauptstadtjournalisten haben Bundeskanzlerin Angela Merkel so richtig gegrillt. Mit unglaublich kritischen Nachfragen, extrem unbequem.
Also, nun ja, zumindest drei, vier Minuten. Aber das Sommerinterview am frühen Sonntagabend im Ersten war 20 Minuten lang.
Und nachdem sich Merkel durchaus unangenehme Fragen zu Griechenland, zur CDU-Disziplin und zu Schäuble gefallen lassen musste, begann der Kuschelkurs. Tina Hassel und Rainald Becker gingen ihre Fragen durch, die auf ihren Zetteln standen, Merkel antworte, und fertig war der lahme Lack.

Neue Erkenntnisse gab es nur wenige. Das ist deshalb interessant, weil es wenige Tage zuvor ein sehr viel bemerkenswerteres Interview mit Angela Merkel gab. Der Youtube-Star LeFloid war im Kanzleramt zu Gast und durfte Mutti 30 Minuten lang befragen.
Für die Journalisten in Funk, Fernsehen und Papierpresse war das ein gefundenes Fressen und das Signal, endlich mal wieder über dieses ach so wunderliche Youtube lachen zu können.
Sicherlich, besonderen Neuigkeitswert hatte das Youtube-Gespräch auch nicht, und die Hampeleien und die “Cool”-Antworten des Interviewers muss man nicht mögen – interessant war es trotzdem, zu beobachten, wie die Kanzelerin einem “Jugendmedium” ein Interview gibt, und wie sie versucht, Dinge einfacher zu klären als sonst.
Klar, LeFloid hätte hier und da härter nachhaken können und müssen, aber sich darüber lustig zu machen, ist deplatziert.
Denn das Sommerinterview der guten alten Tante ARD war letztlich inhaltlich und von der Aufmachung her, nicht wirklich besser. Dass es die Fernsehjournalisten dem Youtube-Star mal ordentlich gezeigt haben, wie es geht, das kann man jedenfalls nicht behaupten.

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Der Deutsche Webvideopreis 2015

Montag, den 15. Juni 2015
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SA 13.06.2015 | 19.00 Uhr | einsplus

Webvideopreis! Im Fernsehen! Da muss erst wieder das öffentlich-rechtliche Fernsehen her, dass die Verleihung des Deutschen Webvideopreis so groß und aufwändig zelebriert wird wie noch nie.
Immerhin haben wieder ein paar Leute mehr aus der jungen Zielgruppe entdeckt, dass die alte Tante ARD einen Jugendsender betreibt – oder so was Ähnliches.
Und während sich die Internetwelt auf einsplus das Event reinzogen, twitterten sie fleißig.

Allerdings war eine Vielzahl der Tweets nicht gerade schmeichelhaft für die ARD und das Fernsehen im Allgemeinen. TV-Verantwortliche werden sich die Reaktionen mit gemischten Gefühlen angesehen haben.
Sicherlich jeder dritte bei einsplus eingeblendete Tweet handelte am Sonnabendabend davon, dass man ja sonst kein Fernsehen mehr schaue, aber jetzt endlich mal was Cooles laufe. Endlich lohne es sich mal wieder, Fernsehen zu gucken. Drei Jahre kein Fernsehen genutzt – jetzt aber, zum Webvideopreis. Und so weiter. Dabei hätte man sich das Event auch locker im, na so was, Internet ansehen können.

Eigentlich ein Trauerspiel, das natürlich die jungen Leute nicht als solches empfinden. Warum auch. Im Internet – meist auf Youtube – haben sie ihre Stars, die sie gern verfolgen und verehren. Wer braucht da noch das lineare Fernsehen? Dass es da durchaus auch noch einiges Gutes gibt, wird da kaum noch wahrgenommen.

2016 (oder später) geht das ARD/ZDF-Jugendangebot an den Start – im Internet, da wo die Zielgruppe anzutreffen ist. Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Und vor allem, wie ARD und ZDF die Zielgruppe ansprechen und erreichen wollen. Und ob sie das schaffen.

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Der Deutsche Webvideopreis 2015 – Die Nominierten

Montag, den 27. April 2015
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SO 26.04.2015 | 18.00 Uhr | einsplus

Da denkt man, die Youtube-Generation und die heutigen Webvideofilmer sind total modern, und dann läuft so eine verschnarchte Veranstaltung wie die Nominierungsshow zum Deutschen Webvideopreis 2015. Erstmals übertrug am Sonntagabend einsplus die Veranstaltung live, und sie wirkte wie eine längst verschollene Aufzeichnung aus den 80ern.

Das Bühnenbild bestand aus einem Fernseher aus Oma-Opa-Zeiten, was ganz sicher (hoffentlich!) ironisch wirken sollte. Immerhin sollten ja – so die Ankündigung – die TV-Welt mit der digitalen Welt vernetzt werden.
Was allerdings grandios misslang.
Okay, einsplus hat sowieso kaum Zuschauer. Aber wer sich vielleicht doch dorthin verirrte und womöglich wenig mit Webvideos am Hut hat, der wird sich gefragt haben, was das alles soll.
Die Nominierten in den verschiedenen Kategorien sind nämlich nur verlesen worden: Ausschnitte? Fehlanzeige. Wer wissen will, warum die Nominierten ausgewählt worden sind, stand im Regen, man wurde mit den bloßen Namen poder Titeln alleingelassen. Und ganz am Ende mit dem Hinweis, wo man sich denn nun infomieren könne.
Immerhin sind in den bereits prämierten Kategorien (sehr) kurze Ausschnitte gezeigt worden.

Wenn man wirklich auch andere Zielgruppen auf diese Kunst im Web aufmerksam machen will, dann sollte man sie auch ein bisschen anfüttern und neugierig machen. Das ist dieser seltsam altertümlich wirkenden Show nicht gelungen.
Was schade ist: Denn hinter den Nominierungen stecken hier und da wirklich hervorragende und sehenswerte Projekte, die man auch Fernsehzuschauern gern mal näher bringen könnte.