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Casper: Alles war schön und nichts tat weh

Dienstag, den 7. Juni 2022
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SA 04.06.2022 | 0.15 Uhr (So.) | 3sat

Als Casper am 24. Februar gegen 23 Uhr in einem Live-Konzert-Stream auf Youtube sein neues Album vorstellte, da hatten wir eigentlich ganz andere Sorgen. Es war der Tag, als die Ukraine von Russland überfallen worden ist. Den ganzen Tag wurden wir mit Nachrichten geflutet – Casper verzichtete dennoch nicht auf dieses Konzert und sorgte auf diese Weise am späten Abend doch noch für Zerstreuung. Wobei Zerstreuung das falsche Wort war: Es war ein bisschen der Kommentar zum Tag – und auch der Kommentar über unseren aktuellen Alltag mit seinen Höhen und Tiefen.

“Alles war schon und nichts tat weh” heißt das neue Casper-Album, und so hieß auch die Show, die Casper live auf Youtube streamte. Am späten Sonnabendabend zeigte 3sat eine leicht geschnittene Version dieses Konzertes.
Er und sein Team haben sich dafür unfassbar viel Mühe gegeben. Jeder Song hatte ein eigenes, mitunter aufwändig gestaltetes Set.
Mal stand Casper auf einer Art Blumeninsel. Oder er stand in einem Haus-Innenhof, im Hintergrund brannte ein Mülltonne. Für jedes Lied ein neues Bühnenbild.

In sich haben es aber auch die Songs selbst. Casper singt und rappt über bipolare Menschen, über Kriegsheimkehrer, die nicht mehr mit sich fertig werden und ein Blutbad anrichten – Casper sagte zu Beginn dieses Songs, er sei heute (am 24. Februar) so aktuell wie nie -, über die drohende Umweltkatastophe. Über das nahende Ende, “und wir fahren zur Hölle”.
Gerade an diesem Abend, nach diesem hochemotionalen Tag, sorgte dieses Konzert für viel Gänsehaut. Und auch mehr als drei Monate danach zeigt sich die Genialität von Casper. Teilweise atemberaubende, fesselnde Texte, tolle Sounds und Melodien – hochrelevante Songs.

-> Die Sendung in der 3sat-Mediathek (bis 3. Juni 2023)

Hits: 130

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Eurovision Song Contest 2022: Opening Ceremony

Montag, den 9. Mai 2022
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SO 08.05.2022 | 16.00 Uhr | Youtube

Der Eurovision Song Contest 2022 in Turin ist eröffnet, und natürlich steht auch diese Show ganz unter dem Eindruck des Ukra…
Ähm.
Nein, was?
Also, ist irgendwas los? Ist da was, worüber wir sprechen müssen?
Krieg? Echt? Wo?

Der ESC soll eine unpolitische Veranstaltung sein. Politische Botschaften sind in der Show tabu.
Offenbar so tabu, dass bestimmte Ereignisse offenbar einfach mal ausgeblendet werden.
Am Sonntagnachmittag ging in Turin die Opening Ceremony über die Bühne – beziehungsweise über den türkisen Teppich. Alle, die am ESC teilnehmen, sind begrüßt worden, gaben Interviews, stellten sich Presse und Fans. Live übertragen wurde das auf der Seite des ESC auf Youtube.

Auch die Ukraine ist beim ESC vertreten. Das Kalush Orchestra hat es nach Turin geschafft, wobei wohl ein Mitglied wegen der Kämpfe in der Ukraine zu Hause geblieben sei.
Die Delegation aus der Ukraine schritt also auch über den Teppich, und es war ein bedeut… also, öhm, nein, eigentlich war es ein völlig normaler… also…

Jedenfalls war die Gruppe dann im offiziellen Interview der EBU, des Veranstalters des Eurovision Song Contests. Die Interviewthemen waren, nun ja, nicht sehr tiefgründig. Zunächst wollten die beiden Interviewer etwas über den Musikstil wissen, und dann ging es um den Muttertag.
Genau, sie sprachen mit der ukrainischen Band über den Muttertag, während in der Ukraine Krieg herrscht. Und das alles am 8. Mai, dem Tag der Befreiung.

Das ist einfach nur beschämend und peinlich. Dass man im Interview mit den Ukrainern nicht mal eine Andeutung macht und stattdessen über blöde Allerweltsthemen (MUTTERTAG!!) smalltalkt, ist absolut erbärmlich.
Umso spannender wird es dann wohl, was die Ukrainer dann in den Live-Shows veranstalten.

-> Die Sendung auf Youtube (Ukraine ab 22:47 min)

Hits: 114

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ZDF Magazin Royale: Fynn Kliemann

Sonntag, den 8. Mai 2022
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DO 05.05.2022 | 0.20 Uhr (Fr.) | Youtube

Dieser Moment, wo ein Raunen durchs Publikum geht. Und selbst Moderator Jan Böhmermann ziemlich bestürzt wirkt. Weil etwas wirklich Ungeheuerliches enthüllt wird.
Zu sehen im “ZDF Magazin Royale”, diesmal schon am späten Donnerstagabend auf Youtube veröffentlicht.

Im Mittelpunkt: Fynn Kliemann. Der besonders bei der jungen Zielgruppe bekannte und sehr erfolgreiche Musiker, Unternehmer und Youtuber soll sich, so Böhmermann, 2020 an Maskendeals bereichert haben. Und nicht nur das: Die Ware sollte aus Europa kommen, so wurde es versprochen. Stattdessen seien die Masken aber aus Bangladesh gekommen – Billiglohn lässt grüßen – und aus Vietnam. Mehr noch: Die Herkunft sollte verschleiert werden. Aber das Atemraubende, im negativen Sinne: Die ersten 100.000 Masken seien fehlerhaft gewesen, hat der Hersteller kostenlos rausgegeben. Diese fehlerhaften Masken verscheuerten Kliemann und sein Geschäftspartner an Flüchtlingslager – und ließen sich dafür feiern. “Krise kann auch geil sein”, soll Kliemann in einem WhatsApp-Chat geschrieben haben.

Dass da was kommen würde, hatte sich schon länger abgezeichnet, denn schon vor Wochen nahmen Böhmermann und sein Team das Kliemannsland in verschiedenen Sketchen aufs Korn.
Vergangene Woche verschickte das Team einen Fragenkatalog an Fynn Kliemann, der die Antwort aber öffentlich auf seiner Instagram-Seite gab – was da aber wirklich auf ihn zu kam, schien da noch unklar zu sein.

Nach einer Stellungnahme von Kliemann, die aber teilweise auch ziemlich wischiwaschi war, ließ die Redaktion von Böhmermann bei der ZDF-Ausstrahlung am Freitagabend einblenden, dass man voll umfänglich bei der Darstellung bleibe.

Abgesehen davon, dass die Enthüllung für viele Kliemann-Fans ein Schock sein wird – ist das, was das Team da rausgefunden hat, alles genauso gewesen, dann ist das Enthüllungsjournalismus vom besten. Da scheint wochen- und monatelang recherchiert worden zu sein, schon vor längerer Zeit hatte Böhmermann bei “Fest & flauschig” angekündigt, dass man da noch einige Knaller auf dem Tisch habe. In diesem Fall hatte er absolut recht.

-> Die Sendung auf Youtube

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Xavier Naidoo: #OneLove

Donnerstag, den 21. April 2022
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DI 19.04.2022 | Youtube

Weil in der Ukraine Krieg herrscht, glaubt Xavier Naidoo nicht mehr, dass die Erde eine Scheibe ist. Und es tut ihm auch total Leid, einen solchen Quatsch verbreitet zu haben. Wegen des Krieges. Und deshalb will er auch keine Hetze mehr gegen Juden verbreiten. Und weil jetzt in der Ukraine Krieg herrscht, will er auch nicht mehr vom besetzten deutschen Staat sprechen, der gar keine Demokratie sei.

Es ist die wohl überraschendste Auswirkung des Ukraine-Krieges auf Deutschland: Xavier Naidoo will kein Hetzer mehr sein. Xavier Naidoo will kein Antisemit mehr sein. Und irgendwie war das alles ja sowieso nur ein unangenehmes Missverständnis. Kann ja mal passieren.

Am Dienstag stellte Xavier Naidoo auf Youtube und dann auch auf Instagram ein etwas mehr als dreiminütiges Video mit dem Hashtag “#OneLove” online, in dem er erklärte, dass er sich in einer Blase befunden habe – und er wolle sich entschuldigen.
Was ihn denn letztlich dazu bewogen hat, dass das, was er in den vergangenen beiden Jahren von sich gegeben hat, falsch war, bleibt jedoch unklar.
Er berichtete, dass er familiär persönlich vom Ukraine-Krieg betroffen sei, er musste Menschen von dort zu sich holen. Und da hätten ihn auch Freunde und Verwandte darauf angesprochen, was er denn in letzter Zeit so gesagt habe.

Es sei ihm nun wichtig, zu sagen, dass er sich von allem Extremen distanziere, insbesondere von rechten und verschwörerischen Gruppen. Alle, die ihn kennen würden, wüssten, wofür er einstehe.
Scheinbar haben ihn in den vergangenen Jahren nur wenige gekannt. Denn auch Freunde haben sich von ihm distanziert, und wenn es nach Xavier geht, dann haben die ihn wohl nicht gekannt.
Dann haben die wohl seine homophoben Äußerungen auch irgendwie falsch verstanden. Und seine rassistischen Äußerungen. Und seine menschenverachtenden Äußerungen. Alles falsch verstanden. Blöde Sache, das. Das arme Hascherl wurde in den vergangenen Jahren einfach falsch verstanden.
Aber, Xavier Naidoo, vielleicht haben Sie sich ja auch einfach nur, ähm, komisch ausgedrückt? Hat man Sie gezwungen, sich antidemokratisch zu äußern. Hat man Sie gezwungen, Verschwörungsphantasien breitzutreten? Hat man Sie gezwungen, gefährlichen Unsinn als Wahrheiten zu verkaufen?

Warum sich Xavier Naidoo im Video glatt rasiert, schick gekleidet und lieb dreinschauend reinwaschen will, bleibt im Dunkeln. Seinen Text scheint er vorher sich akribisch überlegt zu haben, vielleicht hat er ihn irgendwo abgelesen. Vielleicht hatte er anwaltliche oder andere Hilfe dabei. Man weiß es nicht. Vielleicht ist er auch schlicht pleite, und vielleicht will er endlich – wo es nach der Coronazeit wieder geht – auf die Bühne. Da muss man sich eben mal entschuldigen. Welche Äußerungen, welche Widerlich- und Widerwärtigkeiten er aber zurücknehmen will – das sagt er nicht.

Xavier Naidoos Statement vom Dienstag ist auf atemberaubende Weise unglaubwürdig. Er hat in den vergangenen Jahren nicht nur eben mal was dahingesagt. Naidoo gehörte in den vergangenen beiden Jahren zu den größten Hetzern im Netz mit mitunter menschenverachtenden, verfassungsfeindlichen, antidemokratischen und rechtsradikalen Äußerungen. Da reicht keine abgelesene Entschuldigung.
Der Typ ist durch.

-> Das Video auf Youtube

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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

Hits: 315

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DRОП

Dienstag, den 19. Oktober 2021
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SO 17.10.2021 | Youtube

Das Grauen kommt schleichend. Und es kommt unerwartet. Andererseits: Guckt man genau hin, hätte man ahnen können, was da passiert. Wenn auch nicht in der Unerbittlichkeit. In dieser Härte.

“DRОП” heißt die 8-teilige Serie aus der Ukraine, die auf Youtube zu sehen ist. “Drop” heißt so was wie “Tropfen”, und es geht um den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Eine Schulklasse mit lauter Jugendlichen. Mark ist in ein Mädchen verliebt, sie schlafen auch miteinander – aber da ist auch noch ihr Ex-Freund. Der nicht weiß, dass er Ex ist. Unterdessen hat sich auch Marks bester Freund Wlad verliebt – in Mark. Als er ihn etwas unbeholfen küsst, rastet Mark aus. Anja wird unterdessen von allen geschnitten und beschimpft, weil sie einen Fehler begangen hat. Und auch Artem hat es schwer. Er gilt als Freak, ist ein Außenseiter. Wlad will nicht mehr mit ihm befreundet sein, und die Lehrerin ist extrem fies.

Über das Projekt “DRОП” ist hierzulande wenig bekannt. Aber die Veröffentlichungsart ist sehr an “Druck” angelehnt, bei der vorab immer einzelnen Szenenschnipsel veröffentlicht wurden. Am Ende sind es 8 Folgen mit bis zu je 20 Minuten Länge.
Anders als bei “Druck” ist hier die Unerbittlichkeit auffallend.
Denn die Probleme mit der ersten Liebe, dem Outing – die wirken am Ende wie Pillepalle, wenn es in den letzten beiden Folgen zu den großen Katastrophen kommt.
Und die Zuschauenden werden nicht verschont. Die Katastrophen werden in voller Länge gezeigt, unerbittlich.
Ob das ein gutes Mittel ist, zu verhindern, was da zu verhindern ist, ist schwierig zu beantworten. In der Ukraine hat man eine Antwort gefunden: Zeigen, worauf es hinauslaufen kann.
Am Ende jeder Folge wird an die Zuschauenden appelliert, es nicht so weit kommen zu lassen, am Beginn von Folge 8 gibt es eine längere Einführung.
Doch die Erschütterung am Ende ist groß – auch wenn man den Hass bei Artem recht deutlich nachvollziehen kann.
Manchmal ist das alles ein wenig klischeehaft, manchmal auch szenisch unlogisch. Aber alles in allem – schon, um mal den kulturellen Kosmos der Ukraine auf diese Weise zu erleben – durchaus sehenswert.

Via Youtube soll “DRОП” ein großes Publikum erreichen. Von der Ukraine aus in die Welt. Gesprochen wird russisch, aber es gibt in den Einstellungen bei Youtube viele Untertitel-Versionen – auch eine deutsche Version. An der sollte aber noch mal gearbeitet werden. Zwar ist immer verständlich, worum es geht. Aber die Übersetzung ist dennoch schlecht und oft nicht treffend.

-> Die Serie bei Youtube

Hits: 178

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ABBA: I still have Faith in you

Samstag, den 4. September 2021
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FR 03.09.2021 | Youtube

Neues von ABBA.
Ja, echt.
Andererseits: Weg waren die ja eigentlich nie, und in Wirklichkeit haben sie ja 1982 gesagt, dass sie nur eine Pause einlegen. Dass diese Pause fast 40 Jahre dauern würde, konnte da natürlich noch niemand ahnen.
Aber die Rückkehr von ABBA könnte dennoch das Comeback des Jahres 2021 sein.

“ABBA Voyage” ist das Motto, im Herbst soll es ein neues Album geben, aber vor allem aber wird in London eine spezielle Konzerthalle für ABBA gebaut. Die Band selbst wird aber dort auch nicht selbst auftreten, die Leute, die zum Konzert gehen, werden nur Avataren zuschauen können. Und vermutlich viel Geld dafür zahlen werden, dass sie technisch erzeugten Wesen beiwohnen und keinen echten Musikern beim Singen.
Letztlich geht es dann vermutlich doch nur um Geld. Denn angekündigt worden ist dieses Comeback schon 2018 – lange hat man dann davon nichts mehr gehört, und dann kam Corona. Mit Corona keine Leute in einer Konzerthalle – so musste es September 2021 bis zum Comeback werden.

Am Donnerstag gab es live auf Youtube die Verkündungsshow, bei der allerdings auch nur die ABBA-Herren anwesend waren, die ABBA-Damen hatten wohl darauf keine Lust, was natürlich ein wenig enttäuschend war.
Veröffentlicht worden sind aber auch zwei brandneue ABBA-Songs. Einer davon, “I still have Faith in you” hatte am Freitag schon fast 7 Millionen Klicks, allein der Videoclip.
Das Lied klingt nach ABBA, es ist irgendwie rührend, den Song in Verbindung mit den Bildern von früher zu sehen. Und auch wenn das Lied irgendwie nicht knallt, es schleicht sich schließlich doch ins Ohr.
Aber hat es dieses Comeback gebraucht? War es nötig, den alten ABBA-Mythos wieder aufzumachen? Die Frage lässt sich wohl erst in einigen Monaten beantworten.

-> Die Ankündigungsshow auf Youtube
-> Der Videoclip auf Youtube

Hits: 286