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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

Hits: 238

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DRОП

Dienstag, den 19. Oktober 2021
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SO 17.10.2021 | Youtube

Das Grauen kommt schleichend. Und es kommt unerwartet. Andererseits: Guckt man genau hin, hätte man ahnen können, was da passiert. Wenn auch nicht in der Unerbittlichkeit. In dieser Härte.

“DRОП” heißt die 8-teilige Serie aus der Ukraine, die auf Youtube zu sehen ist. “Drop” heißt so was wie “Tropfen”, und es geht um den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Eine Schulklasse mit lauter Jugendlichen. Mark ist in ein Mädchen verliebt, sie schlafen auch miteinander – aber da ist auch noch ihr Ex-Freund. Der nicht weiß, dass er Ex ist. Unterdessen hat sich auch Marks bester Freund Wlad verliebt – in Mark. Als er ihn etwas unbeholfen küsst, rastet Mark aus. Anja wird unterdessen von allen geschnitten und beschimpft, weil sie einen Fehler begangen hat. Und auch Artem hat es schwer. Er gilt als Freak, ist ein Außenseiter. Wlad will nicht mehr mit ihm befreundet sein, und die Lehrerin ist extrem fies.

Über das Projekt “DRОП” ist hierzulande wenig bekannt. Aber die Veröffentlichungsart ist sehr an “Druck” angelehnt, bei der vorab immer einzelnen Szenenschnipsel veröffentlicht wurden. Am Ende sind es 8 Folgen mit bis zu je 20 Minuten Länge.
Anders als bei “Druck” ist hier die Unerbittlichkeit auffallend.
Denn die Probleme mit der ersten Liebe, dem Outing – die wirken am Ende wie Pillepalle, wenn es in den letzten beiden Folgen zu den großen Katastrophen kommt.
Und die Zuschauenden werden nicht verschont. Die Katastrophen werden in voller Länge gezeigt, unerbittlich.
Ob das ein gutes Mittel ist, zu verhindern, was da zu verhindern ist, ist schwierig zu beantworten. In der Ukraine hat man eine Antwort gefunden: Zeigen, worauf es hinauslaufen kann.
Am Ende jeder Folge wird an die Zuschauenden appelliert, es nicht so weit kommen zu lassen, am Beginn von Folge 8 gibt es eine längere Einführung.
Doch die Erschütterung am Ende ist groß – auch wenn man den Hass bei Artem recht deutlich nachvollziehen kann.
Manchmal ist das alles ein wenig klischeehaft, manchmal auch szenisch unlogisch. Aber alles in allem – schon, um mal den kulturellen Kosmos der Ukraine auf diese Weise zu erleben – durchaus sehenswert.

Via Youtube soll “DRОП” ein großes Publikum erreichen. Von der Ukraine aus in die Welt. Gesprochen wird russisch, aber es gibt in den Einstellungen bei Youtube viele Untertitel-Versionen – auch eine deutsche Version. An der sollte aber noch mal gearbeitet werden. Zwar ist immer verständlich, worum es geht. Aber die Übersetzung ist dennoch schlecht und oft nicht treffend.

-> Die Serie bei Youtube

Hits: 129

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ABBA: I still have Faith in you

Samstag, den 4. September 2021
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FR 03.09.2021 | Youtube

Neues von ABBA.
Ja, echt.
Andererseits: Weg waren die ja eigentlich nie, und in Wirklichkeit haben sie ja 1982 gesagt, dass sie nur eine Pause einlegen. Dass diese Pause fast 40 Jahre dauern würde, konnte da natürlich noch niemand ahnen.
Aber die Rückkehr von ABBA könnte dennoch das Comeback des Jahres 2021 sein.

“ABBA Voyage” ist das Motto, im Herbst soll es ein neues Album geben, aber vor allem aber wird in London eine spezielle Konzerthalle für ABBA gebaut. Die Band selbst wird aber dort auch nicht selbst auftreten, die Leute, die zum Konzert gehen, werden nur Avataren zuschauen können. Und vermutlich viel Geld dafür zahlen werden, dass sie technisch erzeugten Wesen beiwohnen und keinen echten Musikern beim Singen.
Letztlich geht es dann vermutlich doch nur um Geld. Denn angekündigt worden ist dieses Comeback schon 2018 – lange hat man dann davon nichts mehr gehört, und dann kam Corona. Mit Corona keine Leute in einer Konzerthalle – so musste es September 2021 bis zum Comeback werden.

Am Donnerstag gab es live auf Youtube die Verkündungsshow, bei der allerdings auch nur die ABBA-Herren anwesend waren, die ABBA-Damen hatten wohl darauf keine Lust, was natürlich ein wenig enttäuschend war.
Veröffentlicht worden sind aber auch zwei brandneue ABBA-Songs. Einer davon, “I still have Faith in you” hatte am Freitag schon fast 7 Millionen Klicks, allein der Videoclip.
Das Lied klingt nach ABBA, es ist irgendwie rührend, den Song in Verbindung mit den Bildern von früher zu sehen. Und auch wenn das Lied irgendwie nicht knallt, es schleicht sich schließlich doch ins Ohr.
Aber hat es dieses Comeback gebraucht? War es nötig, den alten ABBA-Mythos wieder aufzumachen? Die Frage lässt sich wohl erst in einigen Monaten beantworten.

-> Die Ankündigungsshow auf Youtube
-> Der Videoclip auf Youtube

Hits: 207

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Philipp Mickenbecker ✝ 09.06.2021

Freitag, den 11. Juni 2021
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DO 10.06.2021 | Youtube

Es ist das wohl traurigste Youtube-Video des Jahres. Und dennoch eines, das wahnsinnig viel Kraft ausstrahlt, voller Zuversicht und Freude ist. Und das, obwohl ein paar Stunden zuvor ein Freund, ein Bruder, der Lieblingsmensch gestorben ist.
Philipp Mickenbecker ist gestorben. Mit gerade mal 23 Jahren.

Er hat viel zu kurz gelebt. Aber er hat auch sehr viel länger gelebt, als es ihm seine Ärzte vorhergesagt haben. Er hat noch eine Chance bekommen, die er auch genutzt hat. Um zu leben. Um Freude zu haben. Um Mut zu machen.

Philipps Geschichte ist erstaunlich. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Johannes und Freunden betreibt er den Youtube-Kanal “The Real Life Guys”, auf dem sie verrückte Experimente gebaut und ausprobiert haben. Mit Erfolg. Bis heute hat der Kanal mehr als 1,5 Millionen Abonnenten.
Philipp war 16, als er zum ersten Mal die Krebsdiagnose bekam. Bestrahlung, Therapie. Er konnte den Krebs besiegen. Es hat jedoch ein Jahr gedauert. Ein Jahr voller Strapazen.
Drei Jahre später: Der Krebs ist zurück. Eine zweite Chemo lehnt er ab. Zu schlimm war es damals.
Nicht genug: Seine Schwester stirbt in dieser Zeit beim Absturz eines Kleinflugzeuges. Ein Schock. Der Tod kam plötzlich, er kündigte sich nicht an, wie bei Philipp.
Wieso weiß niemand: Aber Philipp wird wieder gesund, zum zweiten Mal.
Im Sommer 2020 aber, da kehrte der Krebs wieder zurück, und diesmal mit voller Wucht. Endstadium. Die Ärzte geben ihm Wochen, vielleicht zwei Monate. Es wird fast ein ganzes Jahr.

Philipp macht weiter. Seine Kraft schöpft er aus dem Glauben, zu dem er gefunden hatte. Er wusste, Gott werde ihm helfen, einen Ausweg zeigen, ihn heilen. Er war sich sicher: Er wird wieder gesund. Er wusste aber auch: Wenn er nicht gesund wird, geht das Leben im Himmel weiter, er würde nach seinem Tod alle wiedertreffen, die er schon verloren hatte. Er ging ohne Angst, er ging voller Freude. Er wusste, was er geschaffen hatte, was er an seinem Leben hatte.

Und nur Stunden später setzen sich sein Bruder und seine Freunde zusammen und drehen ein Video. Erzählen von seinen letzten Stunden, vom Abschied, vom Schmerz und der Trauer – und eben auch von der Freude, der Erlösung. Und vor allem vom Zusammensein.
Selbst wenn man nicht an Gott glaubt, ist es einfach nur rührend und schön zu sehen, wie diese Menschen mit dem Tod und dem Abschied umgehen.
Und Philipp Mickenbecker kann man nur danken. Für seinen Mit und seine Kraft, für seine Freude, den anderen Menschen zu zeigen, wie der Umgang mit dem eigenen Tod funktionieren kann. Er hat es geschafft, vielen Menschen, Ängste zu nehmen, Zuversicht auszustrahlen.
23. Natürlich viel früh. Aber wenn man ihn in Videos reden hört, weiß man: Philipp hatte ein erfülltes Leben.

-> Das Video auf Youtube
-> Doku über Philipp Mickenbecker in der ARD-Mediathek (bis 14. Januar 2022)

Hits: 194

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Eurovision Song Celebration 2021

Dienstag, den 1. Juni 2021
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SA 29.05.2021 | 21.00 Uhr | Youtube

Wäre es nicht möglich gewesen, den Eurovision Song Contest 2021 doch nicht in der Ahoy-Arena in Rotterdam auszutragen, dann wäre das Event trotzdem nicht abgesagt worden. Denn im Vorhinein mussten alle teilnehmenden Länder ein Back-up-Video einreichen. Es musste also vorab schon mal eine Live-Performance aufgezeichnet werden, die dann anstatt der eigentlichen Live-Show eingespielt worden wären.
Das war nun aber – zum Glück – nicht nötig. Nur Australien musste darauf zurückgreifen, weil die Teilnahme in den Niederlanden wegen des Coronavirus dann doch nicht möglich war.

Damit diese Back-Up-Videos nicht vollkommen umsonst produziert worden sind, präsentierte die EBU auch 2021 eine Eurovision Song Celebration – mit eben jenen Clips. Nur Irland und Großbritannien haben sich geweigert, diese Clips ausstrahlen zu lassen.
Am Donnerstagabend liefen auf Youtube die Auftritte der Länder, die im Halbfinale ausgeschieden waren. Am Sonnabend war noch mal das Final-Line-up zu sehen.

Auffallend: Die Auftritte von Litauen und Deutschland waren so ziemlich identisch mit denen in Rotterdam. Kein Wunder, denn erstens nutzten die beiden Länder dieselbe Location. Und zweitens haben die die Rotterdam-Bühne für diesen Dreh nachgebaut.
Ansonsten gab es durchaus Unterschiede. Die Schweiz hatte im Back-up-Video noch eine karge Bühne, der künstlerische Aufbau fehlte. Mit dem Clip wäre die Schweiz nicht dritte geworden. Auch die Ukraine (“Shum”) hat in Rotterdam noch mal umgeplant. Im Back-Up-Video scheint die Projektion hinter der Bühne noch kleiner zu sein, die marschierenden Figuren am Ende wirken erst in der Rotterdam-Show richtig gut und sind erst dort beeindruckend.

Nach der Youtube-Ausstrahlung ist vor allem die Erkenntnis: Gut, dass alles in Rotterdam über die Bühne gegangen ist. Es war toll, dass man mit aller Kraft versucht hat, die Show über die Bühne zu kriegen – und wenn nur diese Clips gelaufen wären. Aber es wäre ein ruhigerer Abend gewesen, die Emotionen hätten gefehlt, die Aufregung, der Thrill.

-> Die Sendung auf Youtube

Hits: 187

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#allesdichtmachen

Dienstag, den 27. April 2021
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DO 22.04.2021 | Youtube

Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder.
Liefers muss in den vergangenen Monaten extrem beschäftigt gewesen sein. Dass er nicht mitbekommt, dass seit Monaten in den Medien rauf und runter diskutiert, ist mindestens bemerkenswert. Dass es Kritik gegenüber der Regierung hagelt, und das nicht erst seit gestern, bekommt man durchaus mit, wenn man das denn will. Liefers irgendwie nicht so.
Stattdessen setzt sich der Schauspieler vor eine Kamera und faselt davon, wie problematisch das mit den Medien sei.

Liefers ist eine der bekanntesten Personen, die am Donnerstagabend erstmals für Furore sorgt.
Es gibt ja so diese Momente, bei denen man auf den Laptop starrt und es nicht glauben kann. Weil man nicht weiß, was da gerade passiert. Und was das alles soll. Und wie das denn jetzt gemeint ist.
53 Schauspielerinnen und Schauspieler beteiligten sich an einer Aktion namens #allesdichtmachen. Am Donnerstagabend erschienen auf Youtube 53 Videos. Es geht allen um Kritik an den Maßnahmen der Bundesregierung. An den chaotischen Regeln. Am gesellschaftlichen Umgang damit.

Jan-Josef Liefers ist der Meinung, in den Medien seien verschiedene Meinungen nicht erbeten und man werde nicht umfassend informiert. Heike Makatsch findet, man müsse eigentlich niemanden mehr in die Wohnung lassen. Ben Münchow sagt, faul sein reiche nicht aus, sondern er habe jetzt auch aufgehört, zu denken. Dietrich Brüggemann will von der Politik, den Polizeistaat von der Leine zu lassen und den Karren vor die Wand zu fahren, um gute Geschichten erzählen zu können. Jörg Bundschuh will die Ausgangssperre, damit noch mehr Ruhe herrsche. Kostja Ullmann löscht alle Handy-Kontakte, um keine Kontakte mehr haben zu müssen. Maxim Mehmet sieht seine Frau und seine Tochter seit einem Jahr nicht mehr, wegen der Kontaktsperre. Meret Becker liest ab, dass sie nicht verstehen kann, wie sie bisher mit den vielen Viren leben konnte. Nadja Uhl hat gelernt zu schweigen, es sei vorbei, nach Wahrheiten zu suchen. Ricky Müller atmet von einer Mülltüte in die andere. Wotan Wilke Möhring faselt was von positiv und negativ und drinnen und draußen. Volker Bruch sprach von der Angst, die man hochhalten müsse.

Der Shitdown begann bereits in der Nacht zum Freitag. Schauspielkollegen wie Elyas M’Barek und Nora Tschirner drückten ihre Verwunderung über die Filme aus. Mit Zynismus komme man nicht weiter.
Im Kreuzfeuer ist vor allem Jan-Josef Liefers. Dem Schauspieler kann es so schlecht nicht gehen, seine Münster-Tatorte werden weiter gedreht, seine Gage nicht nicht klein. Dass er sich in der Medienszene nicht umhöre, erscheint unwahrscheinlich. Wie kommt er dann aber zu solchen Aussagen?
Einige der 53 Videos gehen ohne Weiteres als Satire als überspitzte Darlegung der Situation durch. Aber vor allem die wirklich prominenten Schauspieler irritieren mit ihren Videos: Dass man gar nicht mehr raus solle, ist schlicht Unsinn. Dass Familien getrennt werden, ist hanebüchen. Dass Richy Müller in Papiertüten atmet, ist atemberaubend dämlich. Menschen, die gerade am Beatmungsgerät hängen, werden das interessiert zur Kenntnis nehmen.
Es sind vor allem diese Videos, die verstören, die verwundern, die auch wütend machen.

Liefers besteht auf Satire und Meinungsfreiheit. Alles gut und schön. Aber Fakten sind natürlich besser. Und wer behauptet, dass in den deutschen Medien keine Regierungskritik stattfindet, der lügt.
Viele Stars haben ihre Videos noch am Freitag zurückgezogen. Weg sind sie natürlich nicht, denn das Internet vergisst nichts. Heike Makatsch hat um Entschuldigung gebeten, Richy Müller ebenfalls – der Vergleich mit dem Atmen sei falsch gewesen, sagte er später.

Zu diesem Zeitpunkt war der Jubel unter den Rechtspopulisten und Rechtsextremen schon riesig. AfD, NPD und Querdenker teilten die Videos eifrig und begeistert. Kein Wunder, werden in vielen der Videos doch deren Narrative bestens bedient. Liefers will das nicht einsehen, er könne nicht steuern, wer ihm applaudiere, sagte er in einem Interview mit dem WDR. Liefers regte sich dort auch über die Frage auf, ob er da naiv gewesen sei. Dabei scheint er genau das zu sein: naiv. Denn erstarkt war nach dem Video vor allem die rechte Meinungsecke.

Interessant ist, wie diese Aktion überhaupt zustande gekommen ist: Denn offenbar wussten einige der Promis gar nicht so genau, wer das eigentlich initiiert hat, wer alles mitmacht, was da eigentlich gesagt wird.
Ein Schauspieler, der nicht dabei war, erzählte davon, dass er nicht mitgemacht habe, weil er nicht gewusst habe, worauf das eigentlich hinausgelaufen sei. Es habe kaum Infos gegeben. Wurde da einige der Promis etwa auch ein wenig reingelegt? Aber ist genau das nicht auch naiv? Kann so was solchen Promis wirklich passieren?

Die komplette Corona-Debatte ist heikel. Nicht, weil man nichts diskutieren dürfe. Sondern weil die Stimmung allgemein wacklig ist. Alle sind genervt. Alle. Und das zurecht. Denn momentan passiert viel Murks.
Dann aber anzukommen mit einer solchen Aktion, die voller Zynismus ist und voller Ironie, die viele gar nicht verstehen, das ist vielleicht nicht die beste Idee. Wo es doch bei allem Streit um Solidarität gehen sollte. Und nicht um oft privilegierte Schauspieler, die in einer gemütlichen Wohnung sitzen und dann darüber fabulieren, wie schlecht alles sei. Oder sich lustig machen. Von Leuten wie Müller, Liefers oder Makatsch habe ich da wirklich mehr Grips erwartet.

-> Weitere Hintergründe, auch zu einem der Macher der Aktion auf netzpolitik.org.

Hits: 241

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Stadtverordnetenversammlung in Velten live

Samstag, den 13. Februar 2021
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DO 11.02.2021 | 17.30 Uhr | Youtube

Ich hatte am Donnerstag einen interessanten Fernsehabend. Am späten Nachmittag begann auf Youtube die Live-Übertragung der Veltener Stadtverordnetenversammlung. Und ich muss mal ein echtes Kompliment aussprechen! Denn die technische Qualität der Übertragung war – mal abgesehen von kleinen Rucklern – hervorragend.

Youtube ist ein leicht zu bedienendes Medium, das jeder einfach erreichen und drauf zugreifen kann. Jeder hat es auf dem Handy oder sogar per App auf dem Fernseher. Man muss nicht erst irgendeine Webseite aufrufen, wie zum Beispiel in Oranienburg, und sich den Livestream aufwendig raussuchen.

Fast hätte man meinen können, dass es sich um eine Übertragung des Parlamentskanals phoenix handele. Es müssen mehrere Kameras in der Halle gewesen sein, es gab immer Umschnitte auf die Personen, die gerade sprachen, man hat fast alle immer beim Reden gesehen. Davon können sich andere Kommunen einiges abschauen!

In Spitzenzeiten waren mehr als 180 Menschen live dabei. Das ist ein Erfolg – so viele Menschen kommen sonst nicht zu den Sitzungen. Das ist ein wichtiges Zeichen für die Stadt Velten, aber eigentlich für alle Kommunen, dass diese Live-Übertragungen nach Ende der Pandemie fortgeführt werden sollten.

-> Die Übertragung auf Youtube (bis 25. Februar 2021)

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