RTelenovela

Auf der Suche nach der Wertarbeit

Mittwoch, den 25. Juni 2014
Tags: , , ,

Zugegeben: Mit dem Straßenbau kenne ich mich nicht aus. Aber ich bin Autofahrer und kann einschätzen, ob eine Straße gut ist oder nicht.

Seit Monaten ist das Autobahndreieck Havelland eine Großbaustelle. Zu beobachten, wie neue Fahrbahnen und Trassen entstehen und dafür andere komplett abgetragen werden, ist immer wieder spannend. Gerade entsteht zum Beispiel die neue Tangente von der A10 aus falkensee kommend, zur A24 in ichtung Kremmen. Vorher ist die alte Rampe abgetragen worden.
Inzwischen sind einige der neuen Trassen freigegeben. Das Ergebnis aber ist ernüchternd. Wer vom Dreieck in Richtung Oberkrämer unterwegs ist, holpert über viele Bodenwellen. Dafür, dass es sich schon um die neue dreispurige Fahrbahn handeln soll, ist die Qualität überhaupt nicht berauschend. Oder kommt da bald noch mal eine glattere Deckschicht rüber? Ist das momentan nur eine Zwischenlösung? Wir können es nur hoffen!

Beim Brückenbau auf der Landesstraße in Hohenbruch waren die Straßenbauer vor zwei Jahren ja auch eher … sagen wir mal: unkonventionell. Die neue Asphaltdecke ist alles andere als glatt. Der Belag ist sehr rau und huckelig. Gute Qualität sieht anders aus.
Aber vielleicht ist diese Sache mit der Wertarbeit auch einfach aus der Mode gekommen.

aRTikel

Neu-Vehlefanzer wollen nicht länger benachteiligt sein

Dienstag, den 18. März 2014
Tags: , , ,

Wählergemeinschaft: Enttäuschung über die geschlossene Kita ist immer noch groß

MAZ Oranienburg, 18.3.2014

NEU-VEHLEFANZ
Die Neu-Vehlefanzer machen jetzt ihr eigenes Ding. Ortsvorsteher Peter Gerlach, Karlheinz Döpke und Monique Hartmann haben die Wählergemeinschaft Neu-Vehlefanz gegründet. Mit ihr wollen sie bei der Kommunalwahl im Mai an den Start gehen. Die Enttäuschung über die etablierten Parteien in Oberkrämer hat sie zu diesem Schritt gebracht.

Wie schon berichtet, ist Peter Gerlach kein Mitglied der „Bürger für Oberkrämer“ (BfO) mehr. Karlheinz Döpke war zwar kein SPD-Mitglied, trat aber 2008 für die Sozialdemokraten zur Kommunalwahl an. Auch das ist nun Vergangenheit. „In den Parteien ist nicht mehr viel zu holen“, sagte der 62-jährige Karlheinz Döpke gestern in einem Pressegespräch. Die Enttäuschung, dass im Jahre 2012 in Kita in Klein-Ziethen geschlossen worden ist, sitzt immer noch tief. „Uns ist damit der letzte gesellschaftliche Treffpunkt im Dorf weggenommen worden“, so Döpke. Ortsvorsteher Peter Gerlach stimmt ihm zu. Ihn ärgert aber auch, dass sich die Mehrheit der Mitglieder des Gemeinderates in Oberkrämer gegen den Ortszbeirat und die Leute in Neu-Vehlefanz gestemmt hatten. Das sei nicht demokratisch, findet Gerlach. Die Auslastung der Kita sei gut gewesen. „Es hieß immer: Die Kita bleibt.“ Dann jedoch sei anders entschieden worden. „Und das Gebäude steht immer noch leer.“ Gerlach und seine Mitstreiter könnten sich vorstellen, dass sich in Zukunft wenigstens eine Tagesmutter um Kinder aus Neu-Vehlefanz kümmert. Allein Wolfslake hat momentan acht Kinder.
Das Kita-Aus hat zum Bruch zwischen Peter Gerlach und der BfO geführt. „Das hat viel kaputtgemacht“, sagte er gestern. Das Vertrauen sei nicht mehr da gewesen. „Es gab keine Bereitschaft für einen Kompromiss“, erinnert sich Gerlach.

Bislang hat der kleinste Ortsteil in der Gemeinde Oberkrämer keine Stimme im Gemeinderat. Auch das soll sich ändern. Die Mitglieder der Wählergemeinschaft treten zwar alle für den Ortsbeirat an, jedoch nicht für den Gemeinderat. Das will Frank Christoph (SPD) übernehmen. Der 52-Jährige stellt sich der Wahl und wird von der Wählergemeinschaft unterstützt. „Unsere Ziele für den Ortsteil sind ja dieselben“, sagt Frank Christoph, und die anderen stimmen ihm zu.

Die Neu-Vehlefanzer fühlen sich in Oberkrämer ein wenig im Stich gelassen. „Wir werden kaum wahrgenommen“, sagt Frank Christoph. Es gebe Probleme im Ort, die ungenügend thematisiert würden. So fehle ein Gehweg entlang der Perwenitzer Chaussee von Wolfslake nach Vehlefanz. „Besonders die Brücke über der Autobahn ist gefährlich, gerade für Kinder“, sagt Ortsvorsteher Peter Gerlach. Ebenso die S-Kurve in der Chaussee kurz vor Vehlefanz.
Die Wählergemeinschaft will sich auch für den Wohnungsbau und Ausbau einsetzen. „Mieter kommunaler Wohnungen beschweren sich über Schimmel“, sagt Karlheinz Döpke. Die Neu-Vehlefanzer fordern eine fachgerechte Sanierung. Außerdem wollen sie einen besseren Winterdienst zwischen Neu-Vehlefanz und Eichstädt.

Auch zwischenmenschlich soll sich wieder mehr tun. Möglich seien ein Dorffest und ein kleiner Weihnachtsmarkt. „Es gibt junge Leute, die nachfragen und sich einbringen wollen“, so Peter Gerlach. Monique Hartmann kündigte an, dass es demnächst eine eigene Internetseite geben soll – ein Forum für Neu-Vehlefanz.

RTelenovela

In Gedenken an Willy

Mittwoch, den 11. Dezember 2013
Tags: ,

Er hielt sich immer ganz dezent im Hintergrund. Wenn ihm aber doch etwas einfiel, dann rief er auch schon mal laut aus der Küche rüber ins Wohnzimmer.
Im Sommer war ich mehrere Male zu Gast im Hause Hoppe in Wolfslake und ließ mir die Dorfchronik erzählen. Oft gab es rühstück, und gegen Mittag kam der rollende Mittagstisch in Wolfslake an, um für Willy das Essen zu bringen. Auch davon sollte ich etwas abbekommen, aber ich muss dann immer schon los. Aber die Gastfreundschaft war dort immer ein ganz großes Thema.
Irene Hoppe hatte viel zu berichten, und ihr Mann Willy hörte sich die alten Geschichten immer mit an. Auch wenn er sie sicher schon auswendig kannte.

Am Sonnabend musste ich in der MAZ lesen, dass Willy Hoppe gestorben ist. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Wolfslake und Umgebung. Zuvor war er im Zweiten Weltkrieg Fliegerpilot und überlebte einen Abschuss nur knapp. 1952 heirateten Irene und Willy in der Schwantener Kirche. Im Jahre 1958 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Wolfslaker LPG „Vorwärts“. Die Landwirtschaft war sein Leben. Nach der Wende nutzten die beiden die Zeit für viele Reisen.
88 Jahre alt ist Willy Hoppe geworden, ein bewegtes Leben ist zu Ende gegangen, am Sonnabend ist die Beerdigung. Ich werde dann an den Wolfslaker denken.

RTelenovela

Umweg: Angeblich ist Stau

Montag, den 29. Juli 2013
Tags: , ,

Ich bin einfach zu gutgläubig! Wenn etwas im Radio angesagt wird, dann nehme ich das für bare Münze.
Im Verkehrsservice von radioeins sagte die nette Vorleserin einen fetten Stau rund um das Dreieck Havelland an. Besonders in Richtung Norden sei es schlimm. Genau da wollte ich lang. Blöd. Ich musste das Dreieck umfahren.

Also fuhr ich in Oranienburg-Süd auf die B96 nicht in Richtung Autobahn. Ich fuhr stattdessen über die Dörfer. Ich zuckelte an Leegebruch vorbei, durch Bärenklau und Vehlefanz.
Ich wusste, kurz vor Wolfslake fahre ich über die Brücke und über die A10 – da werde ich den Stau sehen.

Von einem Stau aber keine Spur. Auf dem Berliner Ring rollte der Verkehr sogar sehr flüssig. Man könnte sogar sagen: Es war nicht viel los. Hätte ich mal nicht auf meinen Stammradiosender gehört. Ich frage mich nur, wie die darauf kommen, dass da angeblich ein Stau sei?

Über Perwenitz, Paaren im Glien, am Greenville-Festival vorbei, ging es bis zur Auffahrt Falkensee. Die überflüssige Aktion hat mich sicherlich 20 Minuten gekostet.

aRTikel

Die Hoppe-Chronik (7): Skandal! Nur 97 Prozent für die SED und die Blockparteien

Freitag, den 26. Juli 2013
Tags: , , ,

(6) -> 24.7.2013

Irene Hoppe – eine Neu-Vehlefanzer Lebenschronik (7): Vom Alltag in der DDR als Bürgermeisterin / 1987 zwingt sie die Gesundheit zum Rücktritt

MAZ Oranienburg, 26.7.2013

NEU-VEHLEFANZ
Ein bisschen geärgert hat sie das schon, obwohl es aus heutiger Sicht eine Lappalie ist. Bei einer Kommunalwahl in den 70er-Jahren erreichte die „Nationale Front“, bestehend aus der SED und den Blockparteien, in Neu-Vehlefanz „nur“ 97 Prozent der Wählerstimmen. „Das war der schlechteste Wert im ganzen Kreis Oranienburg“, erinnert sich die heute 83-Jährige. „Ich musste nach Oranienburg zum Rat des Kreises fahren und erklären, wie es dazu kommen konnte.“ Sie selbst war nicht in der SED, sagt sie. „Ich wurde auch nie dazu gedrängt oder dazu aufgefordert. Vielleicht wollten sie auch eine Parteilose für den Posten haben.“
Das Wahllokal befand sich immer im Klein-Ziethener Saal, um 8 Uhr am Morgen ging es los. „Der oder die erste an der Wahlurne erhielt von uns immer einen Blumenstrauß.“ Es soll einige ältere Damen gegeben haben, die, um ihn zu bekommen, um die Wette gelaufen sind. Nach 18 Uhr fand die Auszählung der Stimmen statt. „Da konnte ich immer zusehen.“ Über eventuelle Wahlfälschungen, davon war später in der DDR immer wieder die Rede, kann sie nichts sagen.

Es gab nur wenige Telefone in Neu-Vehlefanz, eines befand sich im Amtshaus in Klein-Ziethen, außerdem eines im Konsum und in der Post in Wolfslake. Eine Privatperson besaß ebenfalls einen Fernsprecher. „Im Notfall haben wir den Mann auch mal nachts rausgeklopft.“

Ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit als Bürgermeisterin war die Jugendarbeit. „Jeden Monat war Versammlung bei mir im Büro in Klein-Ziethen.“ Es gab Filmabende für die jungen Leute, zum Beispiel mit „Ehe im Schatten“, hinterher ist darüber diskutiert worden. Aber eigentlich wollten die Jugendlichen viel lieber die Komödien von Louis de Funès sehen.
Es war ein 7. Oktober, der „Republikgeburtstag“, da kam es in Neu-Vehlefanz zu einem Zwischenfall. „Jemand hat Fahnen abgerissen“, erinnert sich Irene Hoppe. „Es kam ein junger Bengel zu mir. Er wollte wissen, ob er ein Verräter sei, wenn er mir sagt, wer das war.“ Sie hat sich die Namen der Jungen sagen lassen, sie jedoch nicht verpfiffen. „Bei der nächsten Jugendversammlung habe ich die beiden nur angeguckt. Ich habe sie getadelt, ohne sie zu tadeln. Danach ist so was nie wieder passiert.“
Die Jugendlichen im Dorf haben sich aber nicht alles vorschreiben lassen. Als Irene Hoppe eines Tages für eine Feier Tischdecken und Blumen zur Verzierung bereitstellen wollte, winkten die Leute ab. „Tischdecken? Wozu?“ Dennoch hat die Bürgermeisterin alles so drapiert, wie sie es schön fand. „Ich war stolz auf mein Werk.“ Das Ergebnis: Als die Feier im Saal so richtig losging, haben die jungen Leute alles wieder abgeräumt. „Ich war einerseits enttäuscht, andererseits fand ich das lustig.“

Mit der Zeit war Irene Hoppe mit ihrer Arbeit jedoch überlastet. „Ich bin krank geworden.“ Sie war blass, ihr wurde schwindlig. Mit gerade mal 57 Jahren musste sie ihren Posten aufgeben. Der Arzt hat es ihr verordnet. „Ich wurde zum Rentner gemacht.“ 1987 schied sie aus dem Amt aus.
Sie kümmerte sich nun um ihr großes Grundstück, machte Handarbeiten und begann an der Chronik zu schreiben. Nach dem Mauerfall im November 1989 reiste sie in den 90er-Jahren noch viel herum. „Ich hatte ein bewegtes Leben“, sagt Irene Hoppe. „Ich habe gesehen, was ich wollte, nun bleibe ich hier.“

(Schluss)

aRTikel

Die Hoppe-Chronik (6): Nach dem Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten

Mittwoch, den 24. Juli 2013
Tags: , , , , ,

(5) -> 23.7.2013

Irene Hoppe – eine Neu-Vehlefanzer Lebenschronik (6): Mehrere heftige Unwetter in den 70ern / Neue Straßen für die Gemeinde

NEU-VEHLEFANZ
In und um die Gemeinde Neu-Vehlefanz tat sich in den 60er-Jahren einiges. Am 17. April 1961 fand die erste Standortbesichtigung für den geplanten Autobahnbau auf der Strecke Berlin – Hamburg sowie für die Schließung des Berliner Rings statt. Der Bau der Strecke, die genau durch die Gemeinde führt und Klein-Ziethen und Wolfslake voneinander trennt, brachten aber ab 1969 für die Dörfer selbst Verbesserungen. Die 1906 erbaute Pflasterstraße von Vehlefanz nach Wolfslake wurde asphaltiert. 1970 erhielt die Straße in den Ortsteil Neu-Vehlefanz einen Belag – auch die Strecke in der Ortslage selbst.
Am 7. Oktober 1971 ist der Teilabschnitt der Autobahn bis Linum eingeweiht worden. Im selben Jahr bekamen auch die Klein-Ziethener eine befestigte Straße. Der staatliche Forstwirtschaftsbetrieb nutzte ebenfalls die Baukapazität des Autobahnbaus und ließ 1973 die Wege zu den Förstereien Krämerpfuhl und Oberkrämer befestigen.

Der Lebensweg von Irene Hoppe aus Wolfslake verlief unterdessen ganz anders als geplant. In die Landwirtschaft konnte sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Sie wollte Lehrerin in Vehlefanz werden. Doch dann bekam sie Stimmbandknötchen, somit konnte sie auch dieses Vorhaben nicht umsetzen. 1967 begann sie als Sachbearbeiterin im Büro der Gemeinde Neu-Vehlefanz. „Das war eine sehr vielseitige Arbeit“, erinnert sie sich. „Bei uns ist die Rente ausgezahlt worden, ich habe die Bibliothek mit betreut.“
Ende der 60er-Jahre ist Irene Hoppe dann von einem Vertreter des Rates des Kreises gefragt worden, ob sie den Bürgermeisterposten übernehmen wolle. Ihr Vorgänger Richard Schulz hatte gekündigt. „Ich wollte aber erst mal Bedenkzeit.“Aber angesichts des Autobahnbaus sagte sie zu. „Ich habe mich breitschlagen lassen. Und ich wusste: Wenn wir jetzt nichts tun, bekommen wir nichts ab.“ Gemeint ist der schon erwähnte Straßenbau auch in den Dörfern der Gemeinde. Von 1970 bis 1987 war Irene Hoppe Bürgermeister von Neu-Vehlefanz.
In ihre Zeit fallen auch die neuen Hauswasserversorgungen. „Vorher haben wir das Wasser hochgepumpt, erst später kamen wir ans Netz.“

Zwei schwere Unwetter bleiben den Menschen unterdessen in Erinnerung. Am 13. November 1973 fegte ein schwerer Sturm über das Land. Dächer wurden abgedeckt, eine Scheune fiel zusammen, Bäume sind entwurzelt worden und verursachten wiederum Schäden. Ein Baum fiel auf eine Lichtleitung und zerstörte dadurch den Giebel eines Hauses.
Noch schlimmer war der Winter 1978/79. Zu Silvester 1978 setzte ein starker Schneesturm ein. Der Strom fiel aus. Es dauerte Tage, bis die Straßen wieder frei waren, der Schnee türmte sich an den Seiten. Am 13. Februar 1979 fegte der nächste dreitägige Schneesturm über die Gemeinde hinweg. Die Straßen in Neu-Vehlefanz waren nun komplett zugeweht. „Der Schnee türmte sich bis in die Baumkronen“, erinnert sich Irene Hoppe. „Die Versorgungsgüter mussten an einem Wochenende per Traktor über das Feld zur Verkaufsstelle nach Klein-Ziethen gebracht werden.“ Erst am 18. Februar 1979 konnte ein Räumpanzer der NVA kommen und die Gemeinde Neu-Vehlefanz regelrecht aus dem Schnee freibuddeln.

aRTikel

Die Hoppe-Chronik (4): Der Ziegelstein aus dem Ofen wärmte das Bett

Samstag, den 20. Juli 2013
Tags: , , , ,

(3) -> 19.7.2013

Irene Hoppe – eine Neu-Vehlefanzer Lebenschronik (4): Der Winter 1945/46 war bitterkalt, doch das Landleben hatte auch einen Vorteil

MAZ Oranienburg, 20.7.2013

NEU-VEHLEFANZ
Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 fielen auf dem Gebiet der Gemeinde Neu-Vehlefanz noch einmal Bomben. Häuser und Stallungen wurden abgedeckt. Die schon zerstörte Kirche in Klein-Ziethen bekam den Rest.
Das Kriegsende erlebte die Familie in der Ziegelei in Klein-Ziethen, Russen besetzten das Haus in Wolflake. Erst im Herbst 1945 war eine Rückkehr möglich: Zuerst Vater Wilhelm, dann die Mutter Luise mit der Familie.
Durch den Krieg war die Landwirtschaft zum Erliegen gekommen. „Die Frühjahrsbestellung konnte nicht vollständig durchgeführt werden“, erinnert sich die heute 82-jährige Irene Hoppe aus Wolfslake. „Erst ein Teil der Kartoffeln lag in der Erde, nur etwa 40 Prozent der Zuckerrüben-Anbaufläche war bestellt, Futterrüben noch gar nicht. Von der 400 Hektar großen Gesamtfläche des Gutes Klein-Ziethen – davon 100 Hektar Wiesen und Weiden und zehn Hektar Wald – blieben etwa 50 Hektar zunächst unbestellt.
Im Sommer 1945 begann sich das Leben wieder einigermaßen zu normalisieren. „Gemeinsam mit den Umsiedlern und den sowjetischen Soldaten haben wir angefangen, die Kulturen zu pflegen und zu ernten.“

Schon im Herbst 1945, so steht es in den Niederschriften von Irene Hoppe, begann in Neu-Vehlefanz die Bodenreform. Der Acker und Wiesen wurden planmäßig aufgeteilt und in Parzellen mit einer durchschnittlichen Größe von fünf Hekrat Acker und 2,5 Hektar Grünland vermessen. Bis zum Herbst 1946 hatten fast alle dieser Parzellen einen Käufer. Ehemalige Gutsbesitzer und Umsiedler waren die ersten Neubauern, einige bislang landarme Bauern bekamen Flächen hinzu. Industriearbeiter erhielten bis zu einem Hektar Land.

Zwischendurch aber kam der Winter 1945/46, und er war bitterkalt. „Wir hatten aber einen Vorteil“, sagt Irene Hoppe. „Wir hatten den Wald und somit Holz vor der Tür. Wir konnten den Kaminofen im Wohnzimmer anheizen.“ Eine Methode sich zu wärmen, war, einen Ziegelstein in den Ofen zu legen. „Den legten wir dann in unser Bett, so hatten wir es einigermaßen warm.“

Die Leute hatten in dieser Zeit sehr wenig im Magen. „Die Kartoffeln mussten erst mal wachsen. Aber es gab noch ein paar Vorräte. Landwirtschaft war Vorratswirtschaft“, erinnert sich Irene Hoppe. Oft kamen Hamsterer ins Dorf. „Außerdem Leute aus den Städten. Einmal standen zwei Frauen vor unserer Tür, sie sahen erbärmlich aus.“ Renis Mutter Luise bat die beiden ins Haus.
Irene, damals war sie 15 Jahre alt, musste öfter raus auf die Felder und Wiesen: Brennnesseln pflücken. „Wir haben damals alles Grüne, was da war, gegessen. Auch wenn es nicht geschmeckt hat, aber darum ging es eben zu dieser Zeit nicht. Wir hatten kaum eine andere Möglichkeit. Aber ich muss es ganz klar sagen: Anderen Menschen ging es viel schlechter als uns.“

Nach dem Winter verbesserte sich die Situation. Im ehemaligen Gutshaus wurde eine Verkaufsstelle eingerichtet, vorher gab es keine einzige in der Gemeinde. Die Belieferung der Haushalte erfolgte einmal wöchtlich von Kolonialwarenhändlern und Bäckern aus den Nachbarorten.
Der Aufbau ging nach und nach voran. In Deutschland gründeten sich 1949 die DDR und die Bundesrepublik. Daheim in ihrer Familie in Wolfslake musste Irene Hoppe jedoch zwei schwere Schicksschläge hinnehmen.