RTelenovela

Rumnölen in Zeiten des Coronavirus

Donnerstag, den 2. April 2020
Tags: , , ,

Die Wirtschaft steht durch die Entwicklungen rund um das Coronavirus derzeit auf sehr wackligen Beinen. Zum Beispiel die Gastronomie.
Gaststätten, Kneipen und Bistros dürfen derzeit nicht öffnen – sie dürfen aber ihre Speisen to go, also zum Mitnehmen verkaufen, und die dürfen ihre Speisen auch ausliefern. Es ist das Letzte, was ihnen noch bleibt. Ein kleiner Strohhalm, um nicht einen kompletten Umsatzausfall zu haben.
Nun müssen nur noch die Kunden mitziehen, sie müssen erfahren, dass ihr Lokal noch da ist, und dass sie dort was bestellen können.

In einer Facebook-Gruppe wurde am Mittwoch dafür geworben, dass ein Hohen Neuendorfer Lokal noch für seine Kunden da sei. Ist ja immerhin gut zu wissen, dass da noch was geht.
Das sollte man irgendwie unterstützen. Was man jetzt nicht so zwingend tun sollte, ist rumzunölen. Eine Frau, die Mitglied der Facebook-Gruppe ist, hatte nichts Besseres zu tun, als zu schreiben, dass sie den Laden ja ganz schlecht finde, weil sie mal negative Erfahrungen gemacht habe. Ausführlich berichtete sie später, was schief gelaufen war.

Ja, das kann man machen. Ja, natürlich kann man seine Meinung sagen. Man kann sagen, dass einem ein Restaurant nicht gefällt. Aber ist das jetzt wirklich nötig? Muss man den Leuten wirklich jetzt, wo die Lokale jeden Euro gebrauchen können, nölig sagen, dass das ja alles Mist sei? Solidarität scheint für einige Menschen schlicht keine Rolle zu spielen. Hauptsache: Ich. Hauptsache auch in Krisenzeiten noch mal nachtreten.
Wenn alles wieder gut ist, kann man froh sein, wenn alle Gaststätten noch da sind. Und dann kann man ja immer noch rumtönen, wo man denn nie wieder hingehen wolle.

Hits: 52

aRTikel

Alles verändert sich jeden Tag

Donnerstag, den 26. März 2020
Tags: ,

Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz aus Schwante will sich auch in der Corona-Krise seinen Optimismus bewahren – Zusammenarbeit mit anderen Kollegen

MAZ Oberhavel, 26.3.2020

Schwante.
Der Optimismus von Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz aus Schwante ist in der Regel unerschütterlich. Aber am Montag war seine Stimmung deutlich angeschlagen: 50 Prozent Einbruch bei den Umsätzen in den Filialen. Am Telefon klang er an diesem Tag leiser als sonst. „Aber das hat sich nun stabilisiert“, sagte er bei einem weiteren Gespräch am Mittwoch. Inzwischen liege die Quote der Rückgänge bei „nur“ etwa 20 Prozent. „Die Backware geht noch, aber die Nachfrage nach den Frühstückssnacks ist weggebrochen.“

Auch an der Bäckerei Plentz mit den sieben Läden in Oranienburg, Germendorf, Velten, Kremmen und Schwante geht die Corona-Krise nicht spurlos vorbei. „Im Grunde verändert sich alles jeden Tag“, sagt der Schwantener. „Wir müssen immer Stück für Stück entscheiden, wie es weitergeht.“ Für ihn gehe es darum, die Mitarbeiter zu schützen und Hygienemaßnahmen umzusetzen. „Das zieht eine Flut von Maßnahmen nach sich.“ Er nennt ein Beispiel: So könne zwar Kaffee to go angeboten werden, aber kein Zucker mehr aus dem Streuer. Momentan gibt es Zucker nur abgepackt.
„Auch für uns gibt es die Möglichkeit, Kurzarbeit anzumelden“, sagt Karl-Dietmar Plentz. Momentan sei das aber nicht nötig, ergänzt er. „Bei allem ist es jetzt aber auch für mich wichtig, so gut wie es geht Ruhe zu bewahren.“ Er wolle seinem Team Sicherheit geben. In der Backstube gelten auch zu normalen Zeiten sehr hohe Hygienestandards. „Dort sind wir bemüht, ein B-Team aufzubauen.“ Heißt: Fällt ein Team wegen einer möglichen Corona-Erkrankung aus, dann könne ein anderes Team einspringen und die Arbeit fortsetzen.

Schon vor zwei Wochen habe es Telefonate mit verschiedenen Bäckern aus der Region gegeben. Es sei darum gegangen, sich gegenseitig zu helfen, für den Fall der Fälle. Falls es zu Engpässen komme, könne das Sortiment untereinander ausgetauscht werden. Dafür seien entsprechende Konditionen festgelegt worden. „Die Initiative ging von Bäcker Tobias Exner aus“, so Karl-Dietmar Plentz.

Nach jetzigem Stand bleiben alle Filialen geöffnet. Falls wegen Personalnot dennoch Engpässe entstehen, könnte es einen der Oranienburger Läden treffen. „Da haben wir ja drei Standorte. Aber das ist wirklich nur ein Notfallplan“, stellt Karl-Dietmar Plentz klar.
Auch in seinem Team seien manche zuversichtlicher, andere ängstlicher. „Für mich ist es wichtig, da irgendwie Ruhe zu bewahren und Sicherheit zu geben.“ Sein Gott-Vertrauen spiele in diesen Tagen eine große Rolle, sagt er.
160 Leute beschäftigt das Schwantener Bäckerunternehmen. In den Läden haben seine Mitarbeiterinnen Bilder gemacht. Auf Schildern ist zu lesen: „Bleiben Sie uns trotzdem weiter treu!“ Plentz dazu: „Das haben sie in den sozialen Netzwerken gepostet. Das hat mich sehr berührt.“

Hits: 109

RTelenovela

Lokal einkaufen in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 25. März 2020
Tags: ,

Wenn man wegen der Coronakrise den ganzen Tag zu Hause im Home-Office verbringt, dann muss es einfach sein, dass man einmal wenigstens rausgeht. Mein Auto habe ich das letzte Mal am Sonnabend bewegt.
Stattdessen bewege ich mich nur in meinem Viertel. Einmal um den Block.

So überlege ich dann immer, was ich draußen mache, wohin ich denn konkret gehen will. Am Dienstag war klar: Es sollte der Gang zum Bäcker sein. Ich wollte dort ein halbes Brot kaufen, und mit Absicht bin ich dafür nicht in den Supermarkt gefahren. Denn der hat meinen Einkauf gerade nicht ganz so zwingend nötig. Aber der Bäcker um die Ecke, der momentan Umsatzeinbußen hat, der braucht jeden Einkäufer, also auch mich.
Gleich neben ist ein Fleischer, und weil ich ja was brauche, was ich mir aufs Brot lege, kaufte ich da gleich noch Aufschnitt – und ein Stück Blutwurst. Also gleich noch was für die Pfanne.

Telefonisch habe ich mir heute in unserem Buchladen zwei Bücher bestellt, die in diesen Tagen erschienen sind und die ich auch schnell anfangen will, zu lesen. Einen Tag danach sind sie da, sie werden mir geliefert, oder ich kann sie draußen vor der Ladentür in Empfang nehmen.
Es wäre schön, wenn es alle diese Läden auch nach der Krise noch gibt.

Hits: 122

RTelenovela

Wochenendeinkauf in Zeiten des Coronavirus

Samstag, den 21. März 2020
Tags: , , ,

Freitag, Zeit für den Wochenendeinkauf. In einigen Supermärkten in der Gegend gibt es bereits Zugangsbeschränkungen. Ist es zu voll, müssen die Leute draußen warten, bis jemand rauskommt. Dann kann einer rein.
In meinem Oranienburger Stamm-Supermarkt scheint die Lage noch relativ entspannt zu sein. Hier deutet nichts darauf hin, dass es Einlassbeschränkungen geben könnte. Allerdings ist es auch nicht besonders voll.

Das Regal mit dem Klopapier und den Küchenrollen ist mittlerweile absolut leer, von vorne bis hinten. Nichts mehr da, gar nichts mehr. Nicht dass ich Klopapier brauche, ich habe noch sechs Rollen. Es könnte also vielleicht nach Ostern kritisch werden. Aber vielleicht haben sich die Leute bis dahin ja eingedeckt.
Milch ist auch Mangelware. Die Schokoladen haben sich auch verabschiedet – Kinder-Schokolade scheint immer noch extrem beliebt zu sein.

Gespenstisch sind die Durchhalteparolen, die aus den Lautsprechern kommen. Es gebe keine Lieferschwierigkeiten, alles werde aufgefüllt, irgendwann, und wir sind für Sie da. Das Ganze soll beruhigen, aber ehrlich gesagt, löst eine solche Lautsprecherdurchsage unterschwellig eher bedrohlich. Weiß auch nicht, warum.

Vor den Kassen sind Markierungen auf dem Boden. Schließlich sollen wir ja alle 1,5 Meter Abstand zueinander halten. Die Frau hinter mir hat die Markierungen wohl nicht gesehen, sie steht plötzlich direkt hinter mir. Ich bitte sie zurückzuziehen. Sie tut es lächelnd, sie habe nicht dran gedacht.
Die Frau an der Kasse hat jetzt immerhin Handschuhe an, sonst ist sie allem ausgesetzt. Auch sie ist eine Heldin unserer Zeit. Ich gehe mit den Worten: Bleiben Sie gesund!

Hits: 154

aRTikel

Wie im Museum

Freitag, den 20. März 2020
Tags: ,

Alte Möbel, Fußböden und mehr – die „Historischen Bauelemente“ in Marwitz gibt es fast 30 Jahre

MAZ Oberhavel, 20.3.2020

Marwitz.
Wer über das Gelände der „Historischen Bauelemente“ läuft, bekommt viel zu sehen. Alte Türen und Tore aus verschiedenen Epochen, Bahnhofsschilder, Straßenlaternen, Regale, Schränke und vieles mehr. In einer Ecke gibt es sogar ein Stück Berliner Mauer zu sehen – jemand hat das Sandmännchen drauf gesprüht. Das Mauerteil gehörte zur Hinterlandmauer im Bereich Humboldthain. Beeindruckend ist auch der Besuch des Hauptgebäudes, denn in jeder Ecke sieht es völlig anders aus. Rechts befindet sich ein Kamin mit einer Sitzgruppe davor, daneben eine Bar. In der Mitte ist eine Empore aufgebaut, wie in einer Kirche. Hier und da stehen Palmen. Auf der linken Seite gibt es eine Art Ausstellungsraum mit Deko und Bildern. In unserer derzeit aufgeregten Zeit ein Ort der Stille voller interessanter Ansichten.

Eigentlich sollte es ein besonders schönes Jahr werden für Olaf Elias und seine Mitarbeiter. Denn die Firma „Historische Bauelemente“ im Bärenklauer Weg in Marwitz feiert 2020 ihr 30. Jubiläum. Am 4. Oktober 1990, genau einen Tag nach der Wiedervereinigung, ging das Unternehmen an den Start, damals noch in Eichstädt. „Wir hatten sogar noch einen DDR-Stempel auf der Gewerbeanmeldung“, erinnert sich der 52-jährige Firmenchef und lächelt. 1997 zog die Firma schließlich auf das Gelände des ehemaligen Schweinekombinats. Eigentlich sollte am 6. Juni gefeiert werden. Ein Festkomitee plante bereits alles. „Wir haben aber alles auf Stand-by gesetzt“, sagt Olaf Elias . Falls sich die aktuelle Corona-Lage bis dahin nicht beruhige, sei auch eine Feier im Oktober denkbar.

Auch in der Krise geht es in Marwitz weiter, online gibt es den 24-Stunden-Versandhandel. „Der Onlinehandel macht bereits 50 Prozent unseres Geschäfts aus“, sagt Olaf Elias. „Wir hoffen, dass wir auch die Lieferketten halten können. Wir haben zum Beispiel auch Kunden in Dänemark.“ Hauptschwerpunkt des Geschäfts ist der Handel mit historischen Türen und Fenstern – gut 3000 verschiedene Teile sind in Marwitz zu finden. „Es sind Originalbauteile, keine Nachbauten.“ Vom Barock über Bauhaus und DDR-Stücke sei alles dabei, was in den vergangenen 300 Jahren gefertigt worden sei. Die Teile stammen von Entkernungen, Abrissen oder aus Sammlungsauflösungen. Auch Backsteine, Zäune, Säulen, Fußböden, Dielen und Fliesenböden sind darunter.

„Vorrangig melden sich bei uns Bauherren und Architekten, aber auch Denkmalpfleger“, sagt Olaf Elias. „Und der Häuslebauer, von der Datsche bis zum Schloss.“ Auch Hotelbetreiber und Gastronomen erkundigen sich. „Die Grundidee damals war, dass man nun im Zuge der Modernisierung Ostdeutschlands eine Lanze für das Original bricht.“ Damals seien reihenweise alte Baustoffe entsorgt worden. Vor allem mit Material aus den 1920er- und 30er-Jahren sei die DDR voll gewesen. Olaf Elias hatte unterdessen schon in Frankreich und England Geschäfte besichtigt, wo solche historischen Bauelemente verkauft wurden. „In jedem dritten Dorf gibt es dort so einen Laden.“ Er selbst hatte Geschichte und Philosophie studiert und sei in einer Findungsphase gewesen. „So wurde ich dann zum Kaufmann.“
Die spannendsten Stücke in 30 Jahren? „Wir hatten vieles vom Umbau des Reichstags hier, auch aus der Staatsbibliothek Unter den Linden. Säulen, Figurenfragmente von Stadtschlössern in Berlin und Potsdam, aus der Garnisonkirche.“ Kein Wunder, dass sich auch Film- und Fernsehproduktionen an die Marwitzer wenden. Für viele Babelsberger Produktionen konnte zugeliefert werden.

An sich – sieht man von der aktuellen Lage ab – gehe es dem Unternehmen gut. „Wir haben eine kleine Marktnische besetzt“, sagt Olaf Elias. In dieser seien die „Historischen Elemente“ in Marwitz eine der größten Firmen in Deutschland. „Da unsere Kunden langfristig planen, wird uns die Krise nicht so hart treffen. Aber die schlechte Stimmung könnte uns auch mit ergreifen. Deswegen muntere ich meine Mitarbeiter morgens immer auf.“
Acht Angestellte arbeiten in Marwitz, hinzu kommen externe Handwerksfirmen, und auch um eine Nachfolge muss sich Olaf Elias wohl keine Sorge machen. Es könnte gut sein, dass seine Tochter in zehn Jahren übernimmt.

Im Internet: www.historische-bauelemente.com

Hits: 105

RTelenovela

Zukunftsangst in Zeiten des Coronavirus

Donnerstag, den 19. März 2020
Tags: , , , ,

Es ist ja nicht nur so, dass uns das Coronavirus Sorgen macht. Dass wir uns Gedanken darüber machen, wie lange das alles dauert. Wie lange wir jetzt zu Hause rumsitzen müssen.
Da ist auch noch die Zukunftsangst, die diffus im Hinterkopf schwirrt. Wenn das alles vorbei ist: Habe ich dann noch meinen Job? Hält mein Arbeitgeber in dieser auch wirtschaftlich hochproblematischen Zeit durch?Wenn man hört, dass andere, ähnliche, wenn auch kleinere Firmen schon Kurzarbeit anmelden, dann wird einem schon mulmig.

Auch in Oranienburg haben am Mittwoch viele Läden geschlossen. Wie lange das dauert, ist unklar. Und wie die finanziellen Verluste sich in Grenzen halten können, auch. Ich hoffe, dass es – wenn wir das alles überstanden haben – meinen Buchladen noch gibt.

Auf meiner kleinen Recherche-Rundtour stoppte ich kurz bei Freunden. Sie haben gerade erst ein neues Lager eröffnet, doch mit Veranstaltungsbedarf ist momentan wenig zu machen, und man kann auch für sie nur hoffen, dass das alles schnell vorübergeht.
In der Disco im Nachbardorf passiert erst mal auch nichts mehr. Das ist bitter, weil es dort seit längerer Zeit mal wieder richtig gut lief, und auch dort passiert beim Veranstaltungsservice, der dort auch betrieben wird, nichts mehr. Kurzarbeit ist schon angemeldet.
Und das sind nur wenige Beispiele. Die Sorgen gibt es jetzt überall.

Hits: 110

RTelenovela

Einkaufen in Zeiten des Coronavirus

Samstag, den 14. März 2020
Tags: , ,

Freitagabend, es ist nach 21 Uhr. Der Oranienburger Rewe-Parkplatz ist außergewöhnlich voll. Normalerweise kann ich um diese Zeit immer sehr entspannt einkaufen gehen.
Aber in den Zeiten des Coronavirus ist alles anders.
Tatsächlich ist der Supermarkt noch relativ voll. Auffallend viele junge Leute wollen sich noch mit Getränken und anderem Kram eindecken.

Ich habe nicht vor, zu hamstern. Aber dennoch nehme ich mir vor, zumindest meinen Vorrat an Mittagsmahlzeiten und Getränken ein wenig mehr aufzustocken.
Und Obst? Orangen sind aus. Die wenigen Mandarinen, die noch da sind, sehen entweder soll aus oder sind hochpreisiger. Die Weintrauben, die noch da sind, liegen aus Gründen noch da. Die Leute kaufen eben doch nicht alles. Die Apfelkisten sind fast leer.

Auch das Brotregal sieht sehr luftig aus. Toastbrot ist extrem angesagt.
Ein paar Meter weiter, wo sonst immer das Desinfektionsmittel steht, steht keins. Nur der Hinweis, dass es gerade knapp ist. Sehr beliebt sind auch Erbsen- und Linsensuppe. Das Nudelregal ist auch relativ leer gefegt. Ebenfalls beliebt: die kleinen Konserven mit Rind- oder Scheinefleisch mit Soße. Auch Würstchen sind knapp. Bei den Chips ist das untere Regal fast leergefegt.
Und, natürlich: Klopapier. Es ist noch was da, aber das preiswerte ist längst vergriffen.

Als ich meine Waren aufs Band lege, fällt mir auf: So einen großen Einkauf mache ich selten. Für gute 50 Euro habe ich mich eingedeckt. Hamsterkauf light.

Hits: 132