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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

Hits: 518

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#Umweltsau: Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad

Sonntag, den 29. Dezember 2019
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SA 28.12.2019 | 18.05 Uhr | WDR2

Natürlich gibt es auch zwischen den Jahren einen ordentlichen Shitstorm. Wäre ja auch langweilig gewesen, wenn es ein paar Tage ruhig geblieben wäre.
Langsam, aber sicher wird es wirklich peinlich.

Diesmal dreht sich alles um die #Umweltsau. In diesem Fall ist es die Oma. Also, nicht die eine, sondern so ganz allgemein. Und weil es um Omas geht, sind sowohl die Omas als auch alle Omaliebhaber empört, empört und übrigens auch: empört.
Was war passiert: Für einen satirischen Beitrag des Radiosenders WDR2 ist der WDR-Kinderchor angefragt worden, ob er ein Lied einsingen will. Es ging um “Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad”, aber mit neuem Text, denn danach geht es weiter mit: “Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau!”

Oh. Mein. Gott.
Da ist aber am Sonnabend schon wieder eine riesige Welle über Deutschland hinweggeschwappt, Twitterland ist mal wieder erregt. Der WDR ist böse, der Verantwortliche für den Song ist böse, alle sind böse und gehören am besten vor einen Twitterrichter.
Beim WDR bekamen sie auch gleich kalte Füße und löschten das Video wieder. WDR-Chef Tom Buhrow sah sich genötigt, sich zu entschuldigen. Er war selbst gerade bei seinem 93-jährigen Vater in der Klinik. Der sei keine Umweltsau, so Buhrow. WDR2 strahlte am frühen Sonnabendabend gar eine Sondersendung aus, in der das alles noch mal auseinandergenommen worden ist.
Alles ganz schlimm, schlimm, schlimm.
Selbst NRW-Ministerpräsident Laschet schaltet sich ein und blubbert, dass man Kinder nicht für seine Zwecke instrumentalisieren dürfe. Blöd nur, dass er das selbst auf Wahlplakaten in seinem Wahlkampf gemacht hat.
So heuchelt jeder vor sich hin.

Die Erregungen in Deutschland scheinen immer blödsinniger und hysterischer zu werden. Niemand scheint mehr vernünftig debattieren zu können. Stattdessen: Schnappatmung, Hass und der Ruf nach Absetzung, Einstellung und Abschaffung der GEZ, die längst keine GEZ mehr ist.
Da will man dann auch keine Hintergründe mehr hören, man will ja eigentlich überhaupt nicht mehr diskutieren.

Bei WDR2 hieß es, man sei mit der satirischen Liedidee, die sich mit der Klimahysterie und mit den “Fridays for Future”-Forderungen auseinandersetzt, an den WDR-Kinderchor getreten. Eltern und Kinder konnten sagen, ob sie mitmachen wollen oder nicht. Den Kindern sei erklärt worden, was es mit dem Text auf sich hat.
Aber wir wir ja alle wissen, sind Kinder ja eh alle doof, kapieren nichts und lassen sich instrumentalisieren, und die Eltern gleich mit.
Stattdessen wird sich darüber empört, dass man ja so keineswegs über Omas reden könne. Schließlich haben doch unsere Omas Deutschland aufgebaut und Steine geputzt.
Also, die Omas der Empörten. Die Omas dieser Kinder sind vermutlich um die 50 oder knapp 60, fahren vielleicht einen SUV und könnten durchaus…

Anstatt kurz zu schmunzeln oder das Lied einfach nur blöd zu finden, reicht es heute nicht mehr, drüber hinwegzusehen. Nein, heute muss sich halb Twitterland aufplustern, als gäbe es hierzulande keine anderen Sorgen. Nein, das Ganze muss wieder zum allumfassenden Skandal aufgebläht werden, zum vermutlichen letzten in diesem Jahr, falls sich morgen keine Sau mehr findet, die sich durchs Dorf treiben lässt. Argumente werden nicht gehört, Debatten erst gar nicht geführt.

Dass ein WDR-Mitarbeiter Feuer ins Öl goss, in dem er sagte, dass die Omas der Empörten ja eher keine #Umweltsau sei, sondern eher eine #Nazisau, das war sicherlich nicht sehr clever. Denn es machte die Empörten noch empörter. Auch wenn er damit meint, dass hier schon von einer ganz anderen Generation die Rede ist.
Und eins wollen wir doch mal klarstellen: Wir sind alle Umweltsäue. Ich bin auch eine Umweltsau. Denn in Sachen Umwelt kommen wir alle nicht voran, da reden wir alle nur, aber wir machen alle viel zu wenig oder sogar nichts.
Aber jetzt so zu tun, als seien Omas satiregeschützt, gleichzeitig aber wird auf die Jugend eingedroschen, die freitags demonstriert, ist albern.

Ärgerlich an diesem, uuuh, Skandal ist nur, dass der WDR so kleinlaut reagiert. dass Tom Buhrow sich mit blödsinnigen Begründungen voreilig entschuldigt und schlicht kein Selbstbewusstsein beim WDR herrscht. Stattdessen stehen dann am Sonntag ein paar Rechte vor der Tür und demonstrieren für die Abschaltung des WDR. Und natürlich für Omas. Dieselben Rechten hetzen übrigens gegen Omas, wenn sie sich für linke Politik einsetzen. Dann kennt auch dort der Oma-Hass kein Niveau-Grenzen nach unten.
Leute, wir haben ganz andere Sorgen, als Kinder, die lustige Oma-Lieder singen. Kümmert euch lieber um die wichtigen Dinge.

Hits: 239

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Berichte von heute

Sonntag, den 14. Dezember 2014
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DI 09.12.2014 | 23.30 Uhr | NDR Info

Manchmal hat man es gar nicht so eilig auf der Autobahn. Neulich war ich spätabends unterwegs auf der A2, und ich hatte schon die landesgrenze von Niedersachen nach Sachsen-Anhalt passiert. Dennoch hoffte ich, dass ich den Radiosender NDR Info noch ein bisschen empfange. Es liefen nämlich die “Berichte von heute”.

Die Sendung dauert 30 Minuten und läuft von 23.30 Uhr bis Mitternacht auf NDR Info sowie auf WDR2 und WDR5 – und das bereits seit Anfang 1979. Und das seitdem immer mit der selben Titelmusik: “Wade in the water”, gespielt vom Ramsey Lewis Trio. Ein Radiodinosaurier, wenn auch vermutlich trotzdem nicht allzu bekannt. Dabei bietet das Format ähnlich der “Tagesthemen” noch mal kompakt in 30 Minuten, was der Tag geboten hat. Berichte aus Deutschland und aller Welt, dazu Sport und eventuell noch was Buntes.

Eigentlich schade, dass diese Sendung nicht ARD-weit, also bundesweit, ausgestrahlt wird, zum Beispiel innerhalb der “ARD-Infonacht”.

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WDR-Check

Donnerstag, den 31. Oktober 2013
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MI 30.10.2013 | 20.15 Uhr | WDR

Inzwischen wird ja bei der ARD so ziemlich alles gecheckt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Und nun auch noch der WDR selbst.
Der neue Intendant Tom Buhrow stellte sich am Mittwoch live in der Primetime dem Publikum in der Möchengladbacher Studioarena. Ganz schön aufgeregt sei er, sagte er am Anfang. Es sei schließlich nichts geplant.

Buhrow hat’s überlebt, und der WDR auch. Wirklich wehgetan hat es aber auch nicht. Da wurde mal wieder auf die GEZ geschimpft (Buhrow hat Verständnis), darauf, dass im WDR zu viel Fußball und kaum andere Sportarten laufen (Buhrow hat Verständnis), dass die Doppelmoderationen in der “Aktuellen Stunde” überflüssig sind (Buhrow hat Verständnis), dass die Musik bei WDR2 ruhig abwechslungsreicher sein könnte (Buhrow hat Verständnis), dass oft zu viele Reporter von einem Ereignis berichten (Buhrow hat Verständnis) oder dass die Orchester des WDR so selten im Fernsehen zu erleben sind (Buhrow hat Versändnis).

Es ist nett und richtig, dass der Intendant sich anhört, was seine Zuschauer ihm zu sagen haben. Nur wirklich ändern wird sich nichts. König Fußball bleibt König. Die WDR2-Musik bliebt, wie sie ist. Die Doppelmoderationen in der “Aktuellen Stunde” müssen auch sein. Und so weiter. Verständnis ja, aber so ist das nun mal, vielen Dank für die faire Frage.
Aber vielleicht kommt ja doch alles ganz anders, und der Tom krempelt seinen laden ordentlich um.

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WDR2 Westzeit / Der NDR2 Vormittag

Sonntag, den 6. Mai 2012
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FR 04.05.2012 | 9.05 Uhr | WDR2
FR 04.05.2012 | 10.05 Uhr | NDR2

Als Hörer von radioeins vom rbb ist man ziemlich verwöhnt, was die Qualität eines Radiosenders angeht. Ich möchte eine gute Mischung aus Wort und Musik haben. Ich möchte keinen Dudelfunk und keine Langeweile. Die verschiedenen Sender der ARD haben in der Hinsicht auch ein höchst unterschiedliches Niveau. Das merkt man bei einer Fahrt auf den deutschen Autobahnen sehr deutlich. Schon allein NDR2 und WDR2 trennen in Sachen journalistischem Niveau Welten.

Die “WDR2 Westzeit” bietet pro halbe Stunde neben den Nachrichten und dem Service in der Regel zwei Wortbeiträge. Da wird über einen Mann in den USA berichtet, der unschuldig im Knast saß, oder über anstehende Wahl in Nordrhein-Westfalen. Dazu gibt’s eine abwechslungsreiche Musikauswahl – vom Oldie bis zum aktuellen Pophit. Eine wirklich hörenswerte Mischung. Würde ich in NRW leben, wäre WDR2 wohl mein Haussender.
Nur der Werbespruch “WDR2 – Der Sender”, der ist mehr als schwach.

Und dann rollt man mit dem Auto in den Bereich des NDR. Schluss mit dem hohen Niveau. Im “NDR2 Vormittag” passiert journalistisch gar nichts mehr. NDR2 ist nur noch eine Dudelmaschine, in der zwischendurch ein Gewinnspiel zu hören ist. Braucht kein Mensch, dann legt man doch lieber eine CD ein. Es wäre schön, wenn sich der seichte NDR ein Beispiel am WDR oder am rbb nehmen würde.

Was bei NDR2 und WDR2 gleichermaßen seltsam ist: In beiden Sendern sind die Tageszeiten unterschiedlich. Im WDR2 dauert die Mittagssendung bis 15 Uhr, im NDR2 läuft die Vormittagssendung bis 14 Uhr.
Mahlzeit.

Hits: 115