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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

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Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2021

Samstag, den 6. November 2021
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DO 04.11.2021 | 23.30 Uhr | WDR

“Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.”
Dieser Satz wird dem Journalisten und “Tagesthemen”-Moderator Hanns-Joachim Friedrichs zu geschrieben. Er wird gern heutigen Journalisten von besserwissenden Facebook-Kommentierern um die Ohren gehauen. Und er steht auch ganz oben auf der Webseite des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises.
Am Donnerstagabend wurde dieser Preis mal wieder übergeben. Der WDR übertrug die Preisvergabe.

Blöd nur: So ganz genau hat Friedrichs das gar nicht gesagt.
Einerseits sagte Friedrichs kurz vor seinem Tod 1995 dem “Spiegel”: “Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.”
Es gehe also eher darum, als Überbringer einer Katastrophennachricht ruhig und neutral zu bleiben. Was es nicht bedeutet: Keine Haltung dazu zu haben.
Und andererseits: Das Zitat, das mit Friedrichs verbunden wird, stand auf dem Buchrücken seiner Autobiografie. Allerdings hat er dieses Zitat im Buch selbst gar nicht gesagt. Vielmehr berichtet er im Buch vom BBC-Mann Charles Wheeler. Der habe gesagt, dass ein „seriöser Journalist“ Distanz zum Gegenstand seiner Betrachtung halte und sich „nicht gemein“ mache mit einer Sache – auch nicht mit einer „guten Sache“. Es ist also ein Zitat von Wheeler, nicht von Friedrichs. Weil es aber gut klang, hat es der Verlag hintern drauf gedruckt und den Eindruck erweckt, es handele sich um en Friedrichs-Zitat.
Die Kollegen von Übermedien haben das ausführlich auseinander genommen.

Dass sich die Leute vom Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis trotzdem darauf berufen, ist merkwürdig. Zudem man dann fragen muss, ob alle Ausgezeichneten überhaupt gute Journalisten seien.
Ein Preis ging an ZDF-Journalistin Katrin Eigendorf. Für das “Auslandsjournal” berichtete sie über Frauen in Afghanistan, es ging um die Rechte der Frauen. Die Journalisten hatte ein Anliegen – aber machte sie sich auch mit der Sache gemein?

Und stimmt der Friedrichs-Satz überhaupt? Sollte es nicht immer ein Anliegen sein, Menschenrechte zu schützen – und vor allem die Demokratie? Wenn es darum geht, über die Aktivitäten von Neonazis zu berichten, dann haben diese Beiträge natürlich ein Anliegen: Wehret den Anfängen, schützt unsere Demokratie! Etwas, womit sich gute Journalisten gemein machen müssen. Genau wie es ein Anliegen sein sollte, die Menschen dazu zu bringen, sich am gesellschaftlichen Diskurs zu beteiligen. Egal sein sollte Journalisten nicht, was sie da tun.
Wenn also immer mit diesem Satz um sich geworfen wird, dann steckt was Wahres drin – so ganz richtig ist er aber keinesfalls. Von den Problemen rund um das Zitat selbst mal ganz abgesehen.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 4. November 2022)

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Autobahn – Wie eine Ortsumgehung Bad Oeynhausen spaltet

Samstag, den 16. Oktober 2021
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MI 13.10.2021 | 22.45 Uhr | WDR

Wer bis Dezember 2018 von der A2 auf die A30 in Richtung Westen fuhr, der befand sich plötzlich mitten in einem Kurort. Die Autobahn führte gewissermaßen mitten durch Bad Oeynhausen.
Für die Menschen, die wohnten und arbeiten, war das die Hölle.
Jahrelang wurde eine Ortsumgehung geplant. Schließlich möchte man ja nicht unbedingt eine Autobahn mitten in der Stadt haben.

Davon handelte eine Doku, die am Mittwochabend im WDR lief: “Autobahn – Wie eine Ortsumgehung Bad Oeynhausen spaltet”. Sie machte das im wahrsten Sinne des Wortes.
Mehrere Jahre lang beobachteten die Filmemacher, wie die neue Autobahn entstand und wie die Menschen in der Stadt das erlebten.

Da ist zum Beispiel die ältere Frau, die in einem Wolleladen hinter dem Tresen steht. Wenn niemand in den Laden kommt, und es kommt scheinbar nicht oft jemand in den Laden, dann schaut sie raus auf die Straße, auf der ständig schwere Lkw vorbeifahren. Sie erzählt, dass sie wohl ihren Laden aufgeben muss, wenn der Verkehr nicht mehr durch die Stadt rollt. Nicht wegen fehlender Kunden, sondern weil der Hausbesitzer das Haus dann selber bewohnen will – weil es dann ja so ruhig sei.
Da ist das ältere Ehepaar, das an einem Feld lebt – und auf die Natur schaut. Bis direkt vor ihrer Tür die Autobahn gebaut werden soll. Sie sagen, es werde wohl nicht so schlimm.

In der Doku sind diese Menschen zu sehen, die erleben, wie sich alles wandelt. Leute, die gegen die Umfahrung mitten durch die Natur kämpfen. Ein Bürgermeister, der von der Umgehung schwärmt.
Man sieht also, wie die Menschen mit der Autobahn leben und was sie glauben, hoffen, befürchten, wenn die Umgehung in den Betrieb geht.

Und dann kommt der 6. Dezember 2018. An diesem Tag wird die Ortsumgehung am Rand von Bad Oeynhausen offiziell eröffnet. Die Spannung ist groß.
Und hier enttäuscht die Doku auf ganzer Linie. Denn “Autobahn” endet an dieser Stelle. Was ist aus der Wollefrau geworden? Herrscht wirklich Stille am ehemaligen Feldrand, da wo die älteren Leute wohnen? Ist der Verkehr in Bad Oeynhausen nun eine stille Idylle?
Dieses Kapitel fehlt in dieser Doku. Sehr schade und ganz klar ein Fehler im Konzept. So lange hat man die Stadt besucht und beobachtet, da hätte ein Jahr mehr auch nicht geschadet. Es wäre sogar wichtig und abrundend gewesen.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 13. Oktober 2022)

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WDR extra: Starkregen ohne Ende – NRW unter Wasser

Donnerstag, den 15. Juli 2021
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MI 14.07.2021 | 20.15 Uhr | WDR

Die Lage in Nordrhein-Westfalen ist sehr ernst. Nach Starkregenfällen treten diverse Flüsse und Bäche über die Ufer, Talsperren laufen über.
Am Abend sendete der WDR ein “WDR extra” zur aktuellen Lage, in der Nacht, wo es offenbar in einigen Landesteilen richtig ernst wurde, gab es im laufenden Wiederholungsprogramm zur ein Laufband mit wenigen aktuellen Informationen – und dem Verweis auf den WDR-Hörfunk, der aber nachts ebenfalls nicht sendet. Immerhin gab es zur vollen und zur halben Stunde ins bundesweite ARD-Radioprogramm eingestreute kurze “WDR aktuell”-Sendungen. Aber reicht das? Nein! Das reicht nicht!

Katastrophenalarm im Sendegebiet, und der WDR ist ab 22.30 Uhr im Tiefschlaf. Nach 0 Uhr spitzte sich die Lage zu, in Wuppertal wurde gewarnt – im WDR lief das Programm normal weiter. Der WDR-Hörfunk hatte Sendeschluss. Die eingestreuten eigenen Nachrichten dauerten zur vollen Stunde lumpige drei Minuten, zur halbe Stunde katastrophale eine Minute.
Der WDR hat sich blamiert. Und der WDR muss sich fragen lassen, welche Aufgabe er eigentlich hat. Wenn es damit geht, sich um die Menschen im Sendegebiet zu kümmern, hat der WDR in der Nacht zu Donnerstag versagt.
Selbst die großen Nachrichtensender sind nachts nicht live drauf, um aktuell zu berichten. Katastrophen im Nachtprogramm lohnen sich offenbar nicht.
Auf tagesschau24 läuft ebenfalls das übliche Wiederholungsprogramm. Nur ab und zu läuft ein Nachrichtenticker durch. Die Unwetterlage ist daran gerade mal die fünfte (!) Meldung. Lapidar: Es gebe Überschwemmungen in weiten Teilen Deutschlands. Aha. Auch tagesschau24 versagt kläglich.

Dafür powert der WDR im Abendprogramm. Manchmal wirkt das aber einfach nur albern. Oder warum muss das “WDR extra” am Mittwochabend in Doppelmoderation über die Bühne gebracht werden?
Susanne Wieseler und Thomas Bug machten ein Moderations-Pingpong. Jeder durfte mal einen Satz sagen. Oder Susanne Wieseler schickte ein “Mann, Mann” nach einem Hochwasser-Beitrag hinterher. Als ob Mann, Mann nicht selber sehen kann, wie schlimm das alles ist.
Das Moderations-Pingpong ließ diese eigentlich ernste Sondersendung ein bisschen wie ein unlustigen Kaffeeklatsch wirken. Manchmal ist weniger eben doch mehr, lieber WDR.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 21. Juli 2021)

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#allesdichtmachen

Dienstag, den 27. April 2021
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DO 22.04.2021 | Youtube

Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder.
Liefers muss in den vergangenen Monaten extrem beschäftigt gewesen sein. Dass er nicht mitbekommt, dass seit Monaten in den Medien rauf und runter diskutiert, ist mindestens bemerkenswert. Dass es Kritik gegenüber der Regierung hagelt, und das nicht erst seit gestern, bekommt man durchaus mit, wenn man das denn will. Liefers irgendwie nicht so.
Stattdessen setzt sich der Schauspieler vor eine Kamera und faselt davon, wie problematisch das mit den Medien sei.

Liefers ist eine der bekanntesten Personen, die am Donnerstagabend erstmals für Furore sorgt.
Es gibt ja so diese Momente, bei denen man auf den Laptop starrt und es nicht glauben kann. Weil man nicht weiß, was da gerade passiert. Und was das alles soll. Und wie das denn jetzt gemeint ist.
53 Schauspielerinnen und Schauspieler beteiligten sich an einer Aktion namens #allesdichtmachen. Am Donnerstagabend erschienen auf Youtube 53 Videos. Es geht allen um Kritik an den Maßnahmen der Bundesregierung. An den chaotischen Regeln. Am gesellschaftlichen Umgang damit.

Jan-Josef Liefers ist der Meinung, in den Medien seien verschiedene Meinungen nicht erbeten und man werde nicht umfassend informiert. Heike Makatsch findet, man müsse eigentlich niemanden mehr in die Wohnung lassen. Ben Münchow sagt, faul sein reiche nicht aus, sondern er habe jetzt auch aufgehört, zu denken. Dietrich Brüggemann will von der Politik, den Polizeistaat von der Leine zu lassen und den Karren vor die Wand zu fahren, um gute Geschichten erzählen zu können. Jörg Bundschuh will die Ausgangssperre, damit noch mehr Ruhe herrsche. Kostja Ullmann löscht alle Handy-Kontakte, um keine Kontakte mehr haben zu müssen. Maxim Mehmet sieht seine Frau und seine Tochter seit einem Jahr nicht mehr, wegen der Kontaktsperre. Meret Becker liest ab, dass sie nicht verstehen kann, wie sie bisher mit den vielen Viren leben konnte. Nadja Uhl hat gelernt zu schweigen, es sei vorbei, nach Wahrheiten zu suchen. Ricky Müller atmet von einer Mülltüte in die andere. Wotan Wilke Möhring faselt was von positiv und negativ und drinnen und draußen. Volker Bruch sprach von der Angst, die man hochhalten müsse.

Der Shitdown begann bereits in der Nacht zum Freitag. Schauspielkollegen wie Elyas M’Barek und Nora Tschirner drückten ihre Verwunderung über die Filme aus. Mit Zynismus komme man nicht weiter.
Im Kreuzfeuer ist vor allem Jan-Josef Liefers. Dem Schauspieler kann es so schlecht nicht gehen, seine Münster-Tatorte werden weiter gedreht, seine Gage nicht nicht klein. Dass er sich in der Medienszene nicht umhöre, erscheint unwahrscheinlich. Wie kommt er dann aber zu solchen Aussagen?
Einige der 53 Videos gehen ohne Weiteres als Satire als überspitzte Darlegung der Situation durch. Aber vor allem die wirklich prominenten Schauspieler irritieren mit ihren Videos: Dass man gar nicht mehr raus solle, ist schlicht Unsinn. Dass Familien getrennt werden, ist hanebüchen. Dass Richy Müller in Papiertüten atmet, ist atemberaubend dämlich. Menschen, die gerade am Beatmungsgerät hängen, werden das interessiert zur Kenntnis nehmen.
Es sind vor allem diese Videos, die verstören, die verwundern, die auch wütend machen.

Liefers besteht auf Satire und Meinungsfreiheit. Alles gut und schön. Aber Fakten sind natürlich besser. Und wer behauptet, dass in den deutschen Medien keine Regierungskritik stattfindet, der lügt.
Viele Stars haben ihre Videos noch am Freitag zurückgezogen. Weg sind sie natürlich nicht, denn das Internet vergisst nichts. Heike Makatsch hat um Entschuldigung gebeten, Richy Müller ebenfalls – der Vergleich mit dem Atmen sei falsch gewesen, sagte er später.

Zu diesem Zeitpunkt war der Jubel unter den Rechtspopulisten und Rechtsextremen schon riesig. AfD, NPD und Querdenker teilten die Videos eifrig und begeistert. Kein Wunder, werden in vielen der Videos doch deren Narrative bestens bedient. Liefers will das nicht einsehen, er könne nicht steuern, wer ihm applaudiere, sagte er in einem Interview mit dem WDR. Liefers regte sich dort auch über die Frage auf, ob er da naiv gewesen sei. Dabei scheint er genau das zu sein: naiv. Denn erstarkt war nach dem Video vor allem die rechte Meinungsecke.

Interessant ist, wie diese Aktion überhaupt zustande gekommen ist: Denn offenbar wussten einige der Promis gar nicht so genau, wer das eigentlich initiiert hat, wer alles mitmacht, was da eigentlich gesagt wird.
Ein Schauspieler, der nicht dabei war, erzählte davon, dass er nicht mitgemacht habe, weil er nicht gewusst habe, worauf das eigentlich hinausgelaufen sei. Es habe kaum Infos gegeben. Wurde da einige der Promis etwa auch ein wenig reingelegt? Aber ist genau das nicht auch naiv? Kann so was solchen Promis wirklich passieren?

Die komplette Corona-Debatte ist heikel. Nicht, weil man nichts diskutieren dürfe. Sondern weil die Stimmung allgemein wacklig ist. Alle sind genervt. Alle. Und das zurecht. Denn momentan passiert viel Murks.
Dann aber anzukommen mit einer solchen Aktion, die voller Zynismus ist und voller Ironie, die viele gar nicht verstehen, das ist vielleicht nicht die beste Idee. Wo es doch bei allem Streit um Solidarität gehen sollte. Und nicht um oft privilegierte Schauspieler, die in einer gemütlichen Wohnung sitzen und dann darüber fabulieren, wie schlecht alles sei. Oder sich lustig machen. Von Leuten wie Müller, Liefers oder Makatsch habe ich da wirklich mehr Grips erwartet.

-> Weitere Hintergründe, auch zu einem der Macher der Aktion auf netzpolitik.org.

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Rosenmontag in Köln: Der ausgefallenste “Zoch”!

Mittwoch, den 17. Februar 2021
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MO 15.02.2021 | 14.00 Uhr | WDR

Der Zoch in Kölle begann wie immer nach einer kleinen Ansprache. Das ließ sich die Oberbürgermeisterin nicht nehmen. Die Fanfare ertönte, und dann schauten sie alle ganz gespannt. Bald hieß es: “De Zoch kütt!”. Die Feuerwehr war dabei und präsentierte sich. Funkenmariechen tanzten. Natürlich gab es die Umzugswagen, die die aktuellen Themen beleuchten – das Coronavirus durfte da nicht fehlen. Und wie das bei so einem Umzug manchmal ist: Es entsteht ein Loch im Zoch – und deshalb müssen Tanzgruppen ein wenig überbrücken.

Rosenmontag am Rhein 2021. Der große Kölner Umzug. Der WDR überträgt.
Alles wie immer?
In Zeiten des Coronavirus: natürlich nicht! Denn draußen in Köln fiel der Karneval 2021 komplett aus. Keine Umzüge, keine Partys.
Dennoch sorgte der WDR am Rosenmontagnachmittag für Ersatz. Die Jecken vom Festkomitee Kölner Karneval ließen trotzdem einen Umzug stattfinden. Motto: “Nur zesamme sin mer Fastelovend”. Gemeinsam mit dem Hänneschen Puppentheater stellten sie den “ausgefallensten Zoch” zusammen: Es handelte sich um 30 Wagen, die von der Severinstorburg vorbei am historischen Rathaus durch die Kölner Altstadt zogen. Der Umzug als Puppentheater. Natürlich kommentiert wie ein richtiger Umzug.

Natürlich war das kein wirklicher Ersatz. Aber dennoch lustig und sogar rührend. Denn die Macher des Puppentheater achteten auf viele Details und Kleinigkeiten. So begann einer der Fanfaren-Trompeter fürchterlich zu sabbern. Auch die Gegebenheiten eines Umzuges wurden schön ins Bild gesetzt. Dazu noch die Akustik eines jubelnden Publikums am Straßenrand – und fertig war die schöne Illusion.
2022 dann aber hoffentlich so, wie wir es kennen!

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 15. Februar 2022)

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Die letzte Instanz

Mittwoch, den 3. Februar 2021
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FR 29.01.2021 | 23.30 Uhr | WDR

Jürgen Milski kennt niemanden, der sich von Wörtern wie Zigeunersoße oder Mohrenkopf diskriminiert fühlt. Deshalb gebe es das nicht.
Janine Kunze fühlt sich zwar diskriminiert, wenn man sie auf ihre großen Titten und ihre blonden Haare reduziert, sie findet das aber jetzt auch nicht so schlimm. Deshalb haben das alle nicht schlimm zu finden, wenn man sie diskriminiert.
Thomas Gottschalk hat sich schon mal das Gesicht schwarz angemalt. Deshalb weiß er, wie es sich anfühlt, als Schwarzer… ähm.
Micky Beisenherz würde die Zigeunersoße keinesfalls umbenennen, weil das ja eigentlich nichts ist, was wirklich ein Problem sein könnte. Deshalb sei es für niemanden ein Problem.

“Die letzte Instanz” im WDR: Vier Prominente kommen zusammen, und Moderator Steffen Hallaschka gibt ihnen zu diskutierende Themen vor. Am Ende stimmen die vier mit roten oder grünen Karten ab. Diese Sendung ist also nicht mehr als ein Stammtisch.
Und am Stammtisch wird auch schon mal viel Scheiße gelabert. Und am Freitagabend war es besonders schlimm.
Ob man die Zigeunersoße umbenennen soll, fragte Hallaschka.
Was folgte, was nur unter Schmerzen auszuhalten. Von der Zigeunersoße, die ja keinesfalls umbenannt werden könne, weil die Soße ja schon immer so heiße, kamen die vier sehr schnell zur Aussage, dass man ja immer weniger sagen dürfe und man total vorsichtig sein müsse.

Janine Kunze faselte davon, dass sie sich ja nie, nie, nie was dabei gedacht habe, wenn vom Führerschein die Rede war. Führer. Nie, nie, nie hat sie an den Führer aller Führer gedacht. Und nie, nie, nie hat sie sich über die Zigeuner in der Zigeunersoße Gedanken gemacht. Was eigentlich weniger für Frau Kunze spricht, dass sie sich offenbar nie einen Kopf macht über das, was die so daherquasselt. Und überhaupt könne es doch nicht sein, dass irgendwelche wenigen Diskriminierten den Nichtdiskriminierten vorschreiben wollen, was sie zu sagen haben.
Jürgen Milski – nach “Big Brother” zockte er jahrelang ahnungslose 9Live-Zuschauer ab, und erstaunlicherweise schafft er es, dass darüber niemand mehr spricht, wenn er eingeladen wird – findet, dass ja ein Sprachgefühl verloren gehe, wenn er nicht mehr Mohrenkopf sagen könne. Wobei man ja eher ein Sprachgefühl hat, wenn man merkt, dass beim “Mohrenkopf” oder dem “Negerkuss” irgendwas nicht stimmt. Aber als Ex-9Live-Abzocker und Malle-Sänger hat man es mit Sprachgefühlen wohl nicht so. Was Jürgen Milski jetzt hoffentlich nicht allzu sehr diskriminiert.

Grundsätzlich darf natürlich jeder über Rassismus diskutieren. Und auch über die Zigeuersoße. Und natürlich auch über Diskriminierung. Wirklich jeder. Aber natürlich kommt beim anderen oder anderen dabei nur Müll raus, und wenn jemand von einem Problem nie betroffen war oder davon keine Ahnung hat, eventuell erst recht.
Das Problem bei dieser Sendung: Offenbar hat daran niemand gedacht. Man lädt einfach irgendwelche Promis ein, um über irgendwelche Themen zu diskutieren. Klar, kann man machen. Damit riskiert man aber, dass daraus gequirlter Mist wird. Wenn das der WDR will, wäre das schade. Aufgefallen ist das scheinbar nicht, denn die Sendung lief schon mal im November – die Ausstrahlung am Freitagabend war eine Wiederholung. Was es noch schlimmer macht. Keinem beim WDR ist aufgefallen, dass diese Ausgabe der Show irgendwie, nun ja, nicht gut war.
Themen und Gäste besser aufeinander abzustimmen, ist in der Redaktion vermutlich keinem in den Sinn gekommen. Nach dem Motto: Irgendwas mit irgendwem am Stammtisch. Der Anspruch des WDR sollte aber höher sein.

Natürlich und zu recht gibt es nun Vorwürfe. Auch gegen Steffen Hallaschka, der, so heißt es, als Moderator stärker hätte intervenieren sollen. Das aber ist schwierig, weil es ja als Moderator nicht unbedingt seine Aufgabe ist, Meinungen zu unterbinden oder abzuwürgen. Stärker hinterfragen hätte er aber einiges machen können. Er hat es immerhin ansatzweise getan.
Auch heißt es, Leute wie diese vier dürften über bestimmte Themen gar nicht reden. In einer Meinungsfreiheit ist ein solches Verbot allerdings nicht vorgesehen. Jeder darf über alles reden – es wäre nur schön, wenn er/sie auch was zu sagen hätte, was nicht nur auf Gefühlen oder dösigen Gewohnheiten beruht. Keiner in der Runde hatte wirklich schlüssige Argumente.
Ob Milski, Kunze, Gottschalk und Beisenherz rassistisch sind? Vermutlich eher nicht, am wenigsten Micky Beisenherz. Aber eben doch ziemlich von gestern. Und damit sind sie irgendwann Auslaufmodelle. Wie auch “Die letzte Instanz”.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 29. Januar 2022)

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