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Rosenmontag in Köln: Der ausgefallenste “Zoch”!

Mittwoch, den 17. Februar 2021
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MO 15.02.2021 | 14.00 Uhr | WDR

Der Zoch in Kölle begann wie immer nach einer kleinen Ansprache. Das ließ sich die Oberbürgermeisterin nicht nehmen. Die Fanfare ertönte, und dann schauten sie alle ganz gespannt. Bald hieß es: “De Zoch kütt!”. Die Feuerwehr war dabei und präsentierte sich. Funkenmariechen tanzten. Natürlich gab es die Umzugswagen, die die aktuellen Themen beleuchten – das Coronavirus durfte da nicht fehlen. Und wie das bei so einem Umzug manchmal ist: Es entsteht ein Loch im Zoch – und deshalb müssen Tanzgruppen ein wenig überbrücken.

Rosenmontag am Rhein 2021. Der große Kölner Umzug. Der WDR überträgt.
Alles wie immer?
In Zeiten des Coronavirus: natürlich nicht! Denn draußen in Köln fiel der Karneval 2021 komplett aus. Keine Umzüge, keine Partys.
Dennoch sorgte der WDR am Rosenmontagnachmittag für Ersatz. Die Jecken vom Festkomitee Kölner Karneval ließen trotzdem einen Umzug stattfinden. Motto: “Nur zesamme sin mer Fastelovend”. Gemeinsam mit dem Hänneschen Puppentheater stellten sie den “ausgefallensten Zoch” zusammen: Es handelte sich um 30 Wagen, die von der Severinstorburg vorbei am historischen Rathaus durch die Kölner Altstadt zogen. Der Umzug als Puppentheater. Natürlich kommentiert wie ein richtiger Umzug.

Natürlich war das kein wirklicher Ersatz. Aber dennoch lustig und sogar rührend. Denn die Macher des Puppentheater achteten auf viele Details und Kleinigkeiten. So begann einer der Fanfaren-Trompeter fürchterlich zu sabbern. Auch die Gegebenheiten eines Umzuges wurden schön ins Bild gesetzt. Dazu noch die Akustik eines jubelnden Publikums am Straßenrand – und fertig war die schöne Illusion.
2022 dann aber hoffentlich so, wie wir es kennen!

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 15. Februar 2022)

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Die letzte Instanz

Mittwoch, den 3. Februar 2021
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FR 29.01.2021 | 23.30 Uhr | WDR

Jürgen Milski kennt niemanden, der sich von Wörtern wie Zigeunersoße oder Mohrenkopf diskriminiert fühlt. Deshalb gebe es das nicht.
Janine Kunze fühlt sich zwar diskriminiert, wenn man sie auf ihre großen Titten und ihre blonden Haare reduziert, sie findet das aber jetzt auch nicht so schlimm. Deshalb haben das alle nicht schlimm zu finden, wenn man sie diskriminiert.
Thomas Gottschalk hat sich schon mal das Gesicht schwarz angemalt. Deshalb weiß er, wie es sich anfühlt, als Schwarzer… ähm.
Micky Beisenherz würde die Zigeunersoße keinesfalls umbenennen, weil das ja eigentlich nichts ist, was wirklich ein Problem sein könnte. Deshalb sei es für niemanden ein Problem.

“Die letzte Instanz” im WDR: Vier Prominente kommen zusammen, und Moderator Steffen Hallaschka gibt ihnen zu diskutierende Themen vor. Am Ende stimmen die vier mit roten oder grünen Karten ab. Diese Sendung ist also nicht mehr als ein Stammtisch.
Und am Stammtisch wird auch schon mal viel Scheiße gelabert. Und am Freitagabend war es besonders schlimm.
Ob man die Zigeunersoße umbenennen soll, fragte Hallaschka.
Was folgte, was nur unter Schmerzen auszuhalten. Von der Zigeunersoße, die ja keinesfalls umbenannt werden könne, weil die Soße ja schon immer so heiße, kamen die vier sehr schnell zur Aussage, dass man ja immer weniger sagen dürfe und man total vorsichtig sein müsse.

Janine Kunze faselte davon, dass sie sich ja nie, nie, nie was dabei gedacht habe, wenn vom Führerschein die Rede war. Führer. Nie, nie, nie hat sie an den Führer aller Führer gedacht. Und nie, nie, nie hat sie sich über die Zigeuner in der Zigeunersoße Gedanken gemacht. Was eigentlich weniger für Frau Kunze spricht, dass sie sich offenbar nie einen Kopf macht über das, was die so daherquasselt. Und überhaupt könne es doch nicht sein, dass irgendwelche wenigen Diskriminierten den Nichtdiskriminierten vorschreiben wollen, was sie zu sagen haben.
Jürgen Milski – nach “Big Brother” zockte er jahrelang ahnungslose 9Live-Zuschauer ab, und erstaunlicherweise schafft er es, dass darüber niemand mehr spricht, wenn er eingeladen wird – findet, dass ja ein Sprachgefühl verloren gehe, wenn er nicht mehr Mohrenkopf sagen könne. Wobei man ja eher ein Sprachgefühl hat, wenn man merkt, dass beim “Mohrenkopf” oder dem “Negerkuss” irgendwas nicht stimmt. Aber als Ex-9Live-Abzocker und Malle-Sänger hat man es mit Sprachgefühlen wohl nicht so. Was Jürgen Milski jetzt hoffentlich nicht allzu sehr diskriminiert.

Grundsätzlich darf natürlich jeder über Rassismus diskutieren. Und auch über die Zigeuersoße. Und natürlich auch über Diskriminierung. Wirklich jeder. Aber natürlich kommt beim anderen oder anderen dabei nur Müll raus, und wenn jemand von einem Problem nie betroffen war oder davon keine Ahnung hat, eventuell erst recht.
Das Problem bei dieser Sendung: Offenbar hat daran niemand gedacht. Man lädt einfach irgendwelche Promis ein, um über irgendwelche Themen zu diskutieren. Klar, kann man machen. Damit riskiert man aber, dass daraus gequirlter Mist wird. Wenn das der WDR will, wäre das schade. Aufgefallen ist das scheinbar nicht, denn die Sendung lief schon mal im November – die Ausstrahlung am Freitagabend war eine Wiederholung. Was es noch schlimmer macht. Keinem beim WDR ist aufgefallen, dass diese Ausgabe der Show irgendwie, nun ja, nicht gut war.
Themen und Gäste besser aufeinander abzustimmen, ist in der Redaktion vermutlich keinem in den Sinn gekommen. Nach dem Motto: Irgendwas mit irgendwem am Stammtisch. Der Anspruch des WDR sollte aber höher sein.

Natürlich und zu recht gibt es nun Vorwürfe. Auch gegen Steffen Hallaschka, der, so heißt es, als Moderator stärker hätte intervenieren sollen. Das aber ist schwierig, weil es ja als Moderator nicht unbedingt seine Aufgabe ist, Meinungen zu unterbinden oder abzuwürgen. Stärker hinterfragen hätte er aber einiges machen können. Er hat es immerhin ansatzweise getan.
Auch heißt es, Leute wie diese vier dürften über bestimmte Themen gar nicht reden. In einer Meinungsfreiheit ist ein solches Verbot allerdings nicht vorgesehen. Jeder darf über alles reden – es wäre nur schön, wenn er/sie auch was zu sagen hätte, was nicht nur auf Gefühlen oder dösigen Gewohnheiten beruht. Keiner in der Runde hatte wirklich schlüssige Argumente.
Ob Milski, Kunze, Gottschalk und Beisenherz rassistisch sind? Vermutlich eher nicht, am wenigsten Micky Beisenherz. Aber eben doch ziemlich von gestern. Und damit sind sie irgendwann Auslaufmodelle. Wie auch “Die letzte Instanz”.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 29. Januar 2022)

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Ferdinand von Schirach: Feinde

Dienstag, den 5. Januar 2021
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SO 03.01.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste / one / Dritte Programme

Ein Film, zwei Blickwinkel, elf Sender. Die ARD ist ja eher selten wirklich experimentierfreudig, aber am Sonntagabend hat sie es mal wieder gewagt.

Ein junges Mädchen wird entführt. Der Entführer fordert von der reichen Familien viel Geld für die Freilassung. Kommissar Nadler ermittelt und fokussiert sich auf das Umfeld der Familie. Sicherheitsmann Kelz wird verhört, und Nadler ist sich sicher: Kelz hat das Mädchen entführt. Weil aber Kelz nichts zugibt und auch nicht sagt, wo das Mädchen ist, greift er zu drastischen Mitteln.
Strafverteidiger Biegler muss sich vor seiner Frau rechtfertigen, weil er Kelz verteidigen wird. In der ausführlichen Befragung seines Mandanten bringt er Ungeheuerliches ans Licht.

Das Thema von “Ferdinand von Schirach: Feinde” ist extrem spannend. Denn der Zuschauer war bei der Entführung dabei, und man kann ziemlich sicher sein, dass Kelz ein Täter ist. Ziemlich. Aber nicht hundertprozentig.
Nadler foltert Kelz während des Polizeiverhörs, um ein Geständnis zu erpressen. Ist diese Art der Folter legitim? Sind alle Mittel recht, um ein Mädchen aus ihrer Gefangenschaft zu befreien?
Die Antwort ist sehr eindeutig, denn der Strafverteidiger nimmt Nadler während der Gerichtsverhandlung regelrecht auseinander. Nadler hatte keine Beweise, die Spurensicherung war quasi nicht vorhanden, es war lediglich ein Gefühl, dass Kelz es gewesen sei. Dass Nadler Kelz gefoltert hat, fliegt dem Ermittler um die Ohren.

Bjarne Mädel spielt in “Feinde” den Ermittler Nadler, und das macht er hervorragend. Einmal mehr zeigt er, dass er ein fantastischer Schauspieler ist. Ebenso aber Klaus Maria Brandauer, der den Strafverteidiger spielt.

Es gibt zwei Versionen dieses Films. In Version 1 geht es vor allem um die Sichtweise des Ermittlers. Der Zuschauer ist dabei, wenn Nadler zunächst im Dunkeln tappt und später beim Verhör, das dann eskaliert. Diese Version lief im Ersten.
In Version 2 verfolgen wir, wie Strafverteidiger Biegler arbeitet, wie er hadert und sich dann seiner Aufgabe widmet, wie er schließlich Kelz verhört und auf die Tatsache der Folter stößt. Die erstengut 15 Minuten sind deckungsgleich, die letzten 25 Minuten auch – zumindest fast. Denn im Prozess ist die Kameraführung vor allem auf Biegler fokussiert, und am Ende erfährt der Zuschauer auch mehr über die Urteilsbegründung, während in Version 1 der Zuschauer mit Nadler relativ zügig nach der Urteilsverkündung den Saal verlässt. Version 2 lief bei one und in allen neun Dritten Programmen.

Das Experiment: Die beiden Filme laufen parallel, und der Zuschauer kann entscheiden, aus welcher Sicht er das Ganze sehen will. Oder er konnte hin- und herschalten, um zwischendurch zu schauen, was der Strafverteidiger ermittelt.
Ich habe das probiert und habe gezappt. Gut ist, dass man tatsächlich nicht nennenswert etwas in den jeweils anderen Versionen verpasst hat. Allerdings verliefen die Handlungen nicht immer wirklich parallel. So gab es in Version 1 ein Zusammentreffen von Nadler und Biegler, das aber da nicht gleichzeitig in Version 2 gab.
Andererseits gab es in Version 1 die Folterszenen, während Kelz in Version 2 die Szenen schilderte und der Anwalt darauf reagierte. Das war ein spannender Gegensatz, der auch nur so unmittelbar funktioniert.
Wer dagegen die beiden Filme hintereinander sah – weil viele den Eindruck hatten, es habe sich um einen zweiten Teil gehandelt – sah dagegen viele Doppelungen, die dann langweilig erschienen.

Version 1 im Ersten. Version 2 auf one, im WDR, NDR, radiobremen tv, BR, SWR, SR. hr, mdr und im rbb. Ein Film auf zehn Sendern. War das wirklich nötig? Die ARD hielt das offenbar für nötig, und sicherlich ist dabei zu bedenken, dass wahrscheinlich nicht jeder Fernsehzuschauer wirklich jedes Dritte Programm und one empfängt. Es heißt, dass über DVB-T nur bestimmte Dritte zu empfangen sind. Um also sicherzustellen, dass wirklich alle Zuschauer am kompletten Experiment teilnehmen können, wurde der Film also durchgeschaltet.
Ob es grundsätzlich den zweiten Film gebracht hätte, ist eine andere Sache. Das Experiment war spannend, aber mit 120 statt 90 Minuten Länge hätte man auch alles erzählen können. Was dann aber vermutlich wieder weniger Aufmerksamkeit bekommen hätte, weil es dann eben nur ein Film im Ersten gewesen wäre.

Der Umgang mit dem Experiment in der ARD war jedoch lausig. Man hat den Zuschauer mit den Filmen leider sehr allein gelassen. Man hat sich darauf verlassen, dass alle vorher informiert waren, was denn da jetzt passiert.
Nicht nur, dass der Film in den meisten Dritten nicht zeitgleich mit dem Film im Ersten startete, sondern schon etwas früher. Er startete ohne Info an die Zuschauer.
Eigentlich hätten alle elf Sender zu Beginn wirklich zusammengeschaltet werden müssen. Ein(e) Ansager(in) (ja, sowas gibt es ja leider nicht mehr) hätte den Zuschauern erklären müssen, was jetzt passiert und was die Zuschauer machen können. Auch während des Films hätte es ab und zu Einblendungen geben müssen. An bestimmten Stellen hätte man “Umschalthilfen” geben können, in dem man sagt, was gerade in der anderen Version passiert. Dazu hätte man während des Films vielleicht zwei oder drei Punkte schaffen müssen, wo sich die Storys kreuzen und man dem Zuschauer das durch entsprechende Einblendungen sagen können.
Aber die Mühe hat man sich dann leider nicht gemacht, so wirkte das ganze wie eine gute Idee, die man aber nicht zu Ende gedacht hat.

Fast elf Millionen Menschen haben am Sonntagabend zur Primetime einen der beiden Filme gesehen. Das ist ein Erfolg, und solche Experimente könnte es gern mal wieder geben. Dann aber bitte noch mehr durchdacht.

-> Die Filme in der ARD-Mediathek (bis 3. April 2021)

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Willkommen 2021

Samstag, den 2. Januar 2021
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DO 31.12.2020 | 21.45 Uhr | ZDF

Ruhiger war es, dieses Silvester 2020. Nicht nur wegen der Ausgangsbeschränkungen und des Versammlungsverbotes in Deutschland. Seit Wochen müssen auch die Fernsehshows wieder komplett ohne Publikum auskommen.
Umso verwunderlicher war die Ankündigung, dass das ZDF dennoch nicht auf die große Show zum Jahreswechsel vom Brandenburger Tor in Berlin verzichten wollte. “Willkommen 2021” sollte trotzdem über die Bühne gehen, und war im Berliner Verkehrsfunk immer davon die Rede, dass die Straße des 17. Juni wegen der digitalen Silvesterparty gesperrt sei. Wegen einer Fernsehshow ohne Publikum war also mal wieder mehrere Tage die Straße zum Brandenburger Tor dicht.
Viele fragten sich: Hätte das ZDF nicht in ein Studio umziehen können?
Die Antwort gab es zu Silvester: Klar hätte das ZDF mit “Willkommen 2021” ins Studio umziehen können – aber wer die parallel laufenden Show im Ersten und im mdr gesehen hat, weiß: Das wäre ziemlich ätzend gewesen.

Das ZDF hat das Beste draus gemacht, und das war am Ende recht gut. Die Kulisse des bunt angestrahlten Brandenburger Tores war unschlagbar. Es gab musikalische Gäste auf der Bühne, die Partymusik lieferten (natürlich ist das immer Geschmackssache), andere Promis sind per Internet zugeschaltet worden. Zuschauer konnten sich ebenfalls live dazuschalten oder Bilder einsenden. Kurzweilig!

Und vor allem: live! Beim ZDF gab es zwar Applaus vom Band – ansonsten aber war alles real.
Ganz anders im Ersten: Die Silvestershow war bereits im November aufgezeichnet worden. Im Studio kam da nicht so wirklich Partyatmosphäre auf. Und wenn dann kurz vor Mitternacht noch der Countdown gezählt wurde, dann wirkte das im Wissen, eine Aufzeichnung zu sehen, schon albern, wenn sich dann alle überschwänglich zuprosteten.
Ebenso im mdr, wo die Show ebenfalls im kleinen Studio und ohne Publikum aufgezeichnet worden ist.
Aber selbst das ist auch immer noch besser als der rbb, der einfach nur die laufende Rankingshow unterbrochen hatte für einen eingesprochenen Countdown und einen Zusammenschnitt von Berliner Feuerwerken. Erstmals gab es keine Live-Sendung zum Jahreswechsel. Der WDR übertrug dagegen live das Nichts vom Kölner Dom, was natürlich auch kein Stimmungsaufheller war.

All diese Beispiele zeigen, dass das ZDF am Ende doch alles richtig gemacht hat. Live vor Ort konnte dann zumindest ein bisschen Stimmung gemacht werden.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 7. Januar 2021)
-> Mehrere TV-Jahreswechsel bei TVClipsDeutschland auf Youtube

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11.11. Sessionseröffnung – Alles anders!

Samstag, den 14. November 2020
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MI 11.11.2020 | 10.45 Uhr | WDR

Der WDR hat am Mittwochvormittag live eine Beerdigung übertragen.
Lauter traurige Menschen, die sich auf einem Hoteldach versammelt haben. Sie haben traurige Reden gesprochen. Dass diesmal alles anders sei, und dass bald hoffentlich wieder alles besser werden würde. Sie haben einen Countdown gezählt, und dann schwebten ganz leise ein paar Luftballons in den Himmel über Köln.
Es war zum Heulen.
Es war der Karnevalsauftakt 2020. Der Elfte im Elften um 11.11 Uhr.

Keine Menschenmassen auf dem Alter Markt in Köln. Keine Bühne mit Partymusik. Kein Countdown. Kein Kölle Alaaf. Jedenfalls kein fröhliches. Das Coronavirus sorgte dafür, dass der Sessionsauftakt komplett abgesagt worden ist. Dazu ein Alkoholverbot in Köln und strengste Überwachung, dass sich nicht irgendwo doch noch Menschen zusammenfinden, um rechtswidrig zu schunkeln.

Dennoch gab es um 11.11 Uhr eine kleine Zeremonie, die der WDR live übertrug. “11.11. Sessionseröffnung 2020 – Alles anders!” hieß die Sendung, die aber wirkte wie eine tragische Trauerfeier.
Alle redeten gedämpft, alle waren bedrückt, und es wirkte, als wenn sie beim “Kölle Alaaf” endgültig in Tränen ausbrechen würden.

Es ist ja richtig und wichtig, dass auch der WDR deutlich macht, dass der Straßenkarneval diesmal nicht stattfinden kann. Dass man aber daraus eine dermaßen depressive Veranstaltung macht, das hätte nun wirklich nicht sein müssen. Ein bisschen Humor, ein bisschen beißende Satire, ein bisschen leise Fröhlichkeit hätte man den Menschen daheim trotzdem schenken können.
Das war der traurigste 11.11. aller Zeiten!

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 18. November 2020)

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Servicezeit

Donnerstag, den 29. Oktober 2020
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MI 28.10.2020 | 18.15 Uhr | WDR

Woran erkennt man eigentlich die Qualität von Espressobohnen? Wie gut sind die Bohnen im Supermarkt und im Discounter? Darf es billig sein oder doch eher teurer?
In der “Servicezeit” des WDR hat man sich am frühen Mittwochabend mit den ganz wichtigen Themen unserer Zeit befasst. Schöne Espressobohnen. Die sahen wirklich schön aus, und die Stimme, die alles so schön erklärte, die war auch so schön beruhigend.

Gleichzeitig sprach übrigens Armin Laschet, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen über die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Stichwort: Lockdown light ab 2. November.
Vielleicht sehe ich da irgendwas falsch. Aber könnte es sein, dass die aktuellen Entwicklungen, eine solche Pressekonferenz, wichtiger ist als die Frage, welche Espressobohne die beste ist?
Während das hr fernsehen sein Programm änderte und die entsprechende Veranstaltung von Ministerpräsident Volker Bouffier übertrug, hielt der WDR an seinem Wohlfühlprogramm fest. Immerhin zeigte phoenix die Pressekonferenz, aber warum soll es nicht möglich sein, dass das Dritte Programm des Bundeslandes bei außergewöhnlichen Lagen vom gewohnten Einerlei abweicht?

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Herr Feuerstein schreibt seinen Nachruf – Und lebt noch 2091 Tage

Samstag, den 10. Oktober 2020
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MI 07.10.2020 | 22.15 Uhr | WDR

Als kurz vor Weihnachten 1994 die Late-Night-Show “Schmidteinander” beerdigt worden ist, saß Herbert Feuerstein am Ende ganz allein am Schreibtisch. Das Licht war abgedunkelt, und Feuerstein spielte auf seiner Flöte “Stille Nacht” – mit der Nase.
Damals war er auf dem Höhepunkt seiner Popularität, gemeinsam mit Harald Schmidt schrieb er Fernsehgeschichte. Zuvor brachte er das “Mad”-Magazin nach Deutschland, er saß im Rateteam von “Psst…”, er zelebrierte im WDR zweimal zwölf Stunden live “Feuersteins Nacht”, er ging auf Reisen, brachte immer viel Spaß als Talkgast.
Nun ist Herbert Feuerstein gestorben. Er wurde 83.

Nur wenige Stunden, nachdem sein Tod bekannt war, gingen beim WDR schon eine 60-minütige Doku online, und bei WDR5 lief am Abend ein 115-minütiger Nachruf.
Beide Sendungen hatte der WDR schon lange fertig in der Schublade – Feuerstein hat den Radio-Nachruf selbst verfasst, und in dem Zuge entstand auch die Fernsehdoku. Im Januar 2015 war das. Der Satiriker wollte es sich nicht nehmen lassen, selbst von den Leuten Abschied zu nehmen, mit dem Hinweis, dass er es nicht schön finde, dass er nicht wisse, wann denn der Sendetermin sei. Der Name der WDR-Doku stand mit der Todesnachricht: “Herr Feuerstein schreibt seinen Nachruf – Und lebt noch 2091 Tage”.
Am Ende seines Nachrufes bei WDR5 im Radio stand ein einfaches “Tschüs”.
Und seine Fans sagen: Danke!

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 7. Oktober 2021)
-> Der Radio-Nachruf auf wdr.de (bis 7. Oktober 2021)

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