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Karneval in Köln

Dienstag, den 5. März 2019
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MO 04.03.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Bernd Stelter hat am Rosenmontagabend im Ersten Witze über Frauen mit Doppelnamen gemacht. Und keine Frau mit Doppelnamen kam auf die Bühne gelatscht, um ihm mitzuteilen, dass seine Witze scheiße sind.
Ist das jetzt eigentlich gut oder schlecht?
Fakt ist jedenfalls, dass das eigentlich Spannende der mehr als dreistündigen Show “Karneval in Köln” gar nicht zu sehen war.

Stattdessen hat der WDR davor den, hüstel, Skandal gestreut. Zweimal sechs Stunden (!!) dauerten die Aufzeichnungen für die große Rosenmontagsshow, und in einer ist es passiert.
Der Humorist Bernd Stelter machte sich über Annegret Kramp-Karrenbauer lustig, über ihren komplizierten Doppelnamen, der ja von allen deshalb nur AKK abgekürzt werde. So weit, so lahm. Der Monolog war langweilig und altbacken – aber so ist er eben, der Fernsehkarneval.
Und seien wir mal ehrlich: Eigentlich würden wir uns öfter wünschen, dass jemand im Publikum mal pfeift und dann auf die Bühne geht, um dem Typen da vorne mal mitzuteilen, dass das, was er da macht, ziemlich mies ist.
In einer der Aufzeichnungen war es dann auch wirklich eine Frau, die Stelter erst auspfiff und dann auf die Bühne kam, um ihm zu sagen, dass Witze über Doppelnamen so boring sind – und sie selbst hat auch einen.

Ja, klar, ein bisschen albern ist es schon, zum Karneval zu gehen und dann zu glauben, dass man als Zielgruppe nicht verarscht wird. Damit muss man schon rechnen. Dann beleidigt zu sein, auf die Bühne zu gehen und den Humoristen auf sein Fehlverhalten anzusprechen, muss man sich auch erst mal trauen, kann man sich eventuell aber auch sparen. Zumal sie vermutlich noch wochenlang den Internet-Shitstorm über sich ergehen lassen muss.

Dass der WDR den ungeplanten Auftritt der Dame in der Show nicht gezeigt hat, war richtig – für alle Beteiligten. Für die Show selbst, weil es nun mal eine (wenn auch nicht gute) Unterhaltungsshow ist und das nicht reinpasst. Für die Frau, damit man ihren albernen Auftritt nicht noch mal ausbreitet. Für Bernd Stelter, dessen lahme Witzeparade so erst richtig offengelegt worden wäre.

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Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss

Freitag, den 11. Januar 2019
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MI 09.01.2019 | 22.00 Uhr | SWR-Fernsehen

Als “Holocaust” 1979 erstmals im deutschen Fernsehen lief, da löste der US-Vierteiler einen Gefühlserdrutsch aus. Vorher waren die Verbrechen im Dritten Reich und die organisierte Tötung der Juden kaum ein Thema in der Bundesrepublik. Dann kam “Holocaust”, und die Skepsis vorher war groß: Kann eine eher soapige Darstellung der Geschichte für Aufklärung sorgen? Müssen das nicht Dokus und Diskussionssendungen leisten?
In der ARD war die Skepsis so groß, dass man sich nicht dazu durchringen konnte, den Vierteiler im Ersten Programm ausstrahlte. Stattdessen liefen die Filme in den zusammengeschlossenen Dritten.
Das Echo war riesig. Die Leute waren berührt, entsetzt und beschämt. Sie litten mit, sie trauerten mit. “Holocaust” sorgte dafür, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht nur in Deutschland eine andere wurde.

Ich habe “Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss” irgendwann Anfang der 90er gesehen, ich war ein Teenager. Aus der Oranienburger Bibliothek lieh ich mir die Videokassetten aus.
Bald war ich gebannt. Es war spannend zu sehen, was mit den Menschen in diesem Vierteiler passiert, und in Teil 4, wenn das Ende naht und die Familie quasi ausgelöscht wird… Ich habe an einigen Stellen sehr geweint. Es hat mich extrem getroffen, was dort geschah. Ich konnte diesen Wahnsinn – der ja in diesem Fall fiktiv ist, aber ja auch in Wirklichkeit stattfand – nicht fassen.

2019. NDR, WDR und SWR wiederholen “Holocaust” zum 40. Austrahlungsjubiläum. Der SWR ist am Mittwochabend eingestiegen. Leider haben die Dritten dafür nur Sendeplätze am späteren Abend.
Denn auch nach 40 Jahren sind diese Filme wichtig. Um zu zeigen, was war. Aber auch um zu zeigen, was nie mehr passieren darf. Und das in Zeiten, in der die Rechtsextremen wieder in die Mitte der Gesellschaft rutschen, in der Andersdenkende schleichend wieder diskriminiert und mundtot gemacht werden sollen. Denn so hat es damals auch angefangen, bevor der eigentliche Wahnsinn begann.

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Silvester im Südwesten: Willkommen 2019

Donnerstag, den 3. Januar 2019
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MO 31.12.2018 | 23.50 Uhr | SWR-Fernsehen

Silvester haben auch einige Dritte Programme live den Jahreswechsel übertragen. Dabei allerdings kann man so einiges falsch machen.
Deshalb an dieser Stelle einige wertvolle Tipps, wie man es 2019/20 eventuell besser machen kann.

1. Verpasse, um Gottes Willen, nicht die 0-Uhr-Marke!
Beim SWR hat sich die Moderatorin von “Silvester im Südwesten: Willkommen 2019” so sehr mit einem neben ihr stehenden Herren verquatscht, dass sie schlicht den Countdown verpasste. Sie führte einfach ihr Interview eiter. Drei Sekunden (!) vor Mitternacht muss ihr jemand von der Regie was ins Ohr gebrüllt haben, denn mitten im Gespräch riss sie dem Mann das Mikro weg und zählte die letzten drei Sekunden mit runter.

2. Nach 0 Uhr kann man die eingeblendete Uhr ruhig ausblenden.
Beim SWR hat man die Uhr einfach bis 0.18 Uhr weiter laufen lassen. Irgendwer wird sich schon noch für die Uhrzeit interessieren, dachte man sich da wohl.

3. Wenn man schon eine Countdown-Uhr einblendet, sollte man sie um 23.58 Uhr nicht einfach ausblenden.
Im WDR hat man es einfach andersrum gemacht wie beim SWR. In der “Lokalzeit extra: Silvesterfeuerwerk am Kölner Dom” lief die Uhr rückwärts – bis zur 0:02:00-Marke. Dann war sie weg. Vielleicht wollte man die WDR-Zuseher einfach ein bisschen mit dem Beginn von 2019 überraschen. Auch dort plauderte die Moderatorin noch bis zehn Sekunden vor Mitternacht, bevor dann doch noch mal ein Ziffern-Countdown zu sehen war.

4. Wenn schon zurückzählt, dann auch pünktlich.
Glaubt man der Uhrzeit im WDR-Videotext, ging der drei Sekunden nach. Zeigte der Videotext 0 Uhr an, stand der Countdown noch auf Drei.

5. Schweigen bringt’s auch nicht.
Waren die Moderatorinnen bei SWR und WDR ein wenig zu sehr in Plauderlaune, hat der Moderator beim rbb ab 45 Sekunden vor Mitternacht einfach geschwiegen. Wer das “Silvesterfeuerwerk am Brandenburger Tor” im rbb gesehen hat, hörte stattdessen im Hintergrund die ZDF-Leute den Countdown zählen. Aber so ein bisschen Stimmung verbreiten, sollte doch auch beim rbb zu machen sein.

6. Sprenge die Party nicht mit depressiven Erinnerungen!
Bevor der rbb-Moderator schwieg, erinnerte er noch mal an das vergangene 2018. An die schweren Waldbrände zum Beispiel. Und wie schlimm das war, als auch in Berlin Brandgeruch herrschte. Ein echt tolles Silvesterparty-Thema.

Werden bei den nächsten Silvester-Übertragungen diese wertvollen Tipps beherzigt, dann könnte das auch mit dem gelungenen Jahreswechsel klappen. Gern geschehen.
Andererseits: Irgendwie wäre es schon lustig gewesen, wenn beim SWR die 0-Uhr-Marke einfach überquatscht worden wäre.

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Bahnbrechend bekloppt – Der legendäre WWF Club

Donnerstag, den 4. Oktober 2018
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DI 02.10.2018 | 22.10 Uhr | WDR

Als der “WWF Club” 1980 im regionalen WDR-Vorabendprogramm der ARD auf Sendung ging, da war nicht abzusehen, dass da eine Kultshow gestartet war.
In der allerersten Sendung, die der WDR am Dienstagabend wiederholte, standen da eine nervöse Mareijke Amado und ein lampenfiebriger Frank Laufenberg und stammelten sich durch die Premiere ihrer Sendung. Die Ansagen waren ungelenk, die Moderationen dauerten ewig, die Interviews waren bieder. Dann gab es da aber auch noch Jürgen von der Lippe, der den Hausmeister im “WWF Club” gab – er rettete durch seine launige Art die Sause von Anfang an. Und er zog seine Kollegen mit, so dass auch die im Laufe der Zeit auftauten.

In der Doku “Bahnbrechend bekloppt” wurde am Dienstag an den “legendären WWF-Club” erinnert. Er war damals ein Phänomen. Nur regional im Ersten in Nordrhein-Westfalen ausgestrahlt, gehörte die wöchentliche Show zu den Straßenfegern der 80er. Denn die Biederheit der ersten Sendung wurde schnell abgelegt. Es traten Stars für die Jugend und für die Alten auf.
Andererseits wusste in Norddeutschland keiner was mit dieser Show anzufangen – man konnte sie im Norden, Osten und Süden schlicht nicht sehen, damals gab es noch kein Satellitenfernsehen, das es möglich machte, alle Regionalprogramme zu empfangen.

Sieht man sich heute Ausschnitte dieser Show an, dann vermisst man das Live-Fernsehen, das es kaum noch gibt. Wo auch mal spontan was schief gehen kann oder wo Dinge geschehen, wie man so nicht erwartet.

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Lokalzeit Bergisches Land

Donnerstag, den 31. Mai 2018
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DI 29.05.2018 | 19.30 Uhr | WDR

Immer diese Fernsehreporter! Ständig müssen sie in der Gegend rumstehen und irgendwas erzählen. Und wenn sie ihr Zeug in die Kamera quatschen, da haben sie dann natürlich auch kein Auge für ihr Umfeld. Und das, obwohl es ja immer heißt: Augen auf im Straßenverkehr!

Am Dienstagabend berichtete in der WDR-“Lokalzeit Bergisches Land” ein Reporter aus Wuppertal vom schweren Unwetter, das über die Stadt gefegt war. Er stand in der Nähe des Bahnhofes, mitten auf einer relativ schmalen Straße. Er erzählte davon, dass der Bahnverkehr zum Erliegen gekommen ist, und dass die Leute jetzt nicht so genau wissen, wie sie von A nach B kommen soll. Er erzählte auch davon, dass die Leute nun teilweise händeringend auf Taxis warten.

Kein Wunder, dass sie warten mussten. Denn der WDR-Reporter stand ja, wie gesagt mitten auf der Straße. Hinter ihm näherte sich ein Taxi und musste stoppen, weil es nicht an ihm vorbei kam. Und natürlich hat er auch nichts von seiner Blockieraktion gemerkt. Vielleicht hat ihm sein Kameramann ein Zeichen gegeben, denn die Schwenks wurden ein bisschen unruhig.
Irgendwann hat er es doch gemerkt, und das Taxi konnte endlich durchfahren. Gibt es denn keine Kurse für Reporter für das richtige Rumstehen im Straßenverkehr?

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Tatort: Weil sie böse sind

Donnerstag, den 3. Mai 2018
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DI 01.05.2018 | 21.45 Uhr | hr fernsehen

Wieder mal große Aufregung um die ach so einfallslose öffentlich-rechtliche ARD: Am Maifeiertag liefen in den verschiedenen Dritten Programme gleich acht “Tatort”-Filme, davon fünf mehr oder weniger parallel – im hr fernsehen, im WDR, im NDR, im BR-Fernsehen und im rbb. Au weia.
In den Internetforen tönte es wieder: Und dafür zahlen wir Gebühren! Die Anti-Gebühren-Trolle hatten mal wieder Schnappatmung.

Dabei sollte die Frage lauten: na und?
Im Grunde ist der “Tatort” doch bloß eine Marke, hinter der sich die verschiedensten Serien befinden. Der WDR zeigte einen Fall aus Köln, der hr mit “Weil sie böse sind” einen aus Frankfurt/Main, der rbb einen aus Berlin, der NDR einen aus Münster, der BR einen aus München (aus den 70ern!).
Was also ist so aufregend und dramatisch schlimm daran, wenn auf verschiedenen Sendern diese Krimis laufen, meistens sogar regional passend im regionalen Dritten?

Würden die Dritten stattdessen an einem Abend, wo im ZDF die quotenstarke Champions League mit dem FC Bayern München übertragen wird, aufwendige eigene und erstausgestrahlte Shows senden, wäre das auch nicht recht. Mal wird gemeckert, wenn die Sender klotzen, mal wird gemeckert, wenn die Sender sparen. Die Hater wissen irgendwie auch nicht, was sie denn eigentlich wollen.
Die Parallelausstrahlung von mehreren sehr unterschiedlichen “Tatort”-Reihen sollte nichts sein, was uns aufregt. Da gibt es bei ARD und Co. ganz andere Baustellen!

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Das Lachen der Anderen – Comedy im Grenzbereich

Montag, den 12. März 2018
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DO 08.03.2018 | 23.25 Uhr | WDR

Oliver Polak stellt sich auf die Bühne und macht Witze über Menschen mit Downsyndrom.
Der Satz stimmt oder auch wieder nicht. Denn eigentlich stellt sich Oliver Polak auf eine Bühne und macht Witze vor Menschen mit Downsyndrom über sie selbst.
Was zunächst ziemlich bizarr klingt, ist in Wirklichkeit eine unglaublich warmherzige Sache.
In “Das Leben der Anderen” im WDR reisen Oliver Polak und Micky Beisenherz zu besonderen Menschen. In der Folge vom Donnerstag ging es um Menschen, die das Downsyndrom haben. Die beiden treffen sich mit verschiedenen Menschen, befragen sie, erleben sie in ihrem Alltag – und am Ende steht ein Stand up vor genau diesen Menschen. In der Woche davor ging es um HIV.

Es ist einfach wunderbar, wie sich Polak und Beisenherz diesen Menschen annähern. Nämlich ohne Scheu, aber voller Respekt. Sie wollen wissen, wie sie ticken, was sie ausmacht, was sie mögen, was nicht nicht mögen. “Dürfen wir Downies sagen?”, fragt Oliver Polak, das sei doch schließlich ganz nett gemeint. Aber er bekommt eine Abfuhr, der junge Mann mit dem Downsyndrom möchte nicht “Downie” genannt werden. Die beiden akzeptieren das, auch wenn sie es vielleicht erst mal nicht verstehen.
Mit einer jungen Frau sprechen sie über ihren Freund, über die Liebe. Sehr offen sagt sie, dass sie keine Kinder möchte, obwohl sie welche bekommen könnte. Sie könne sich nicht um Kinder kümmern, sagt sie. Ein trauriger, aber wahrhaftiger Moment.

In dieser Mischung aus Comedy, Realität und auch Tragik kommen Menschen zu Wort, die das normalerweise im Fernsehen nicht schaffen. Am Ende steht Polak auf der Bühne – und die meisten seiner Zuhörer lachen meistens.
Dass der WDR in der neuen Staffel nur zwei Folgen zeigt, ist wirklich extrem traurig.

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