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Die Story: Kranke Pflege – Alexander Jorde kämpft für einen Neustart

Samstag, den 27. Januar 2018
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MI 24.01.2018 | 22.10 Uhr | WDR

Alexander Jorde ist der neue Superstar. Aber aus einer ganz anderen Kategorie als sonst. Kein Sänger, kein Schauspieler, kein Politiker. Der 21-Jährige ist Krankenpfleger. Und er liebt seinen Job, aber er macht sich große Sorgen, und verärgert ist er auch.
Bekannt geworden ist er im September 2017 in der “Wahlarena”, als er Angela Merkel grillte. Er wies auf die Missstände in der Krankenpflege hin und wollte von der Bundeskanzlerin wissen, wie sie das ändern will. Als sie sich herauswinden wollte, legte er nach und warf ihr vor, dass sie ihre Versprechen gar nicht halten könne. Mehr Pflegepersonal – aber woher nehmen?

Seitdem ist Alexander Jorde ein kleiner Superstar. Geht es um die Pflege in Altenheimen und Klinik ist er ein gefragter Experte. Für den WDR war er am Mittwochabend der Hauptprotagonist in der Doku “Kranke Pflege”.
Mit einem Kamerateam reiste er durch Deutschland. Er traf auf Leute, die eine schlechte Pflege in Kliniken anprangern. Und der Zuschauer hat gelernt, dass Klinikunternehmen teilweise irre Gewinne machen, aber trotzdem eher keine guten Bewertungen von Patienten bekommen.

Jorde steht dafür, die Missstände zu benennen. Das ist mutig, denn er ist ja Teil der Branche, er hat auch einen Arbeitgeber, und auf ihn könnte das auch zurückfallen. Andererseits ist er zum Symbol geworden. Und die vielen betroffen – die schlecht bezahlten Angestellten, die schlecht behandelten Patienten – haben endlich jemanden, der für sie spricht, der ausspricht, was nicht gut läuft. Das Thema hat ein junges Gesicht bekommen. Einen jungen Mann, der für seinen Beruf brennt, der ihn liebt – und der sich gerade deshalb so große Sorgen macht.

Das Aha-Erlebnis in der Doku gab es, als Jorde und das WDR-Team in eine Klinik nach Norwegen fuhren. In Deutschland ist eine Pflegekraft für zehn Patienten zuständig. In Norwegen für 3,5. und das merkt man. Die Stimmung ist besser, die Pflege sowieso. Scheint hierzulande nicht machbar zu sein.
Gut, dass wir jemanden wie Alexander Jorde haben. Gut, dass er sich getraut hat.

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Domian redet

Dienstag, den 9. Januar 2018
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FR 05.01.2018 | 23.30 Uhr | WDR

Vor mehr als einem Jahr saß Jürgen Domian zum letzten Mal im 1Live-Studio des WDR und telefonierte mit seinen Hörern. Weit mehr als 20 Jahren sprach er Nacht für Nacht eine Stunde lang mit den Anrufern über den Alltag, über irre Hobbys, Sexpraktiken oder erschütternde Schicksale. Das ganze Palette, die das Leben zu bieten hat.

Am Freitagabend zeigte der WDR unter dem Titel “Domian redet” den Mitschnitt eines Bühnenprogramms. Dort plauderte Domian mit einem 1Live-Kollegen über die lange Zeit, in der es die Talkshow gab.
Sie erinnerten sich an die schwerstkranke junge Frau, die Domian über ihr Leben erzählt hat – und, wie er dann erzählte, nur wenige Wochen danach gestorben ist. Es ging um arme Irre, die glaubten, die Erde sei eine Scheibe. Auch über die Oma redeten sie, die eine Friedhofsaffäre mit heißem Oralsex hatte.

Im Anschluss zeigte der WDR noch einen 90-minütigen Zusammenschnitt mit einer Auswahl an Gesprächen, die Domian in den 22 Jahren geführt hatte.
Auch nach einem Jahr kann man sagen: Domian fehlt. Oder eher: die Sendung, die Institution fehlt, und es ist vollkommen unverständlich, warum der WDR sich nicht darum gekümmert hat, einen Nachfolger zu finden. Oder warum sich die ARD nicht zusammengetan hat und den Hörertalk in eines ihrer bundesweiten Nacht-Radioprogramme integriert hat. Denn eines kann man ganz sicher sagen: Teuer war “Domian” nun wirklich nicht. Aber der Nutzen war sehr hoch: Es brachte Menschen zusammen, die nachts alleine oder noch unterwegs sind.
Die Domian-Nacht am Freitag verstärkte dieses Gefühl.

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So was wie Angst – Eine Suche mit Anke Engelke

Sonntag, den 7. Januar 2018
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MI 03.01.2018 | 21.02 Uhr | tagesschau24

Wir haben Angst. Viel zu viel Angst. Wir misstrauen allen Statistiken, stattdessen setzen wir auf unser Gefühl. Und das trügt.
“So was wie Angst” hieß eine spannende Doku, die am Mittwochabend bei tagesschau24 zu sehen war (erstmals lief sie ebenfalls recht versteckt im Dezember im WDR). Anke Engelke begab sich auf die Suche und wollte wissen, was uns Angst macht und ob es uns zurecht Angst macht.

Es sind keine Belehrungen, die sie in ihrer Doku macht. Aber es sind Beobachtungen, und die sind spannend und erhellend. Und dass so eine Doku in der ARD auf kleinen Sendern versteckt wird, ist schade. Denn diese durchaus auch unterhaltsame Doku ist Bildungsfernsehen auf beste Weise.

Ein interessantes Beispiel ist der Berliner Platz in Wuppertal. Er gilt als Angstort, weil sich dort Leute aufhalten, von denen andere Leute denken, sie müssten einem Angst machen: Menschen mit “subjektiv unerwünschtem Verhalten”, Drogendealer, Trinker. Klar, da macht man einen Bogen drum. Anke nicht, sie geht auf die Leute zu. Und mehr noch: Sie will die Wuppertaler zusammentrommeln, um Ideen zu sammeln, damit der Platz wieder beliebt und belebter wird. Man muss nur machen.

Was macht Angst mit uns? Auch diese Frage stellt Anke Engelke. Die Leute kaufen sich Waffen, gehen in Selbstverteidigungskurse – sie lassen sich offenbar verrückt machen. Und der Feinstaub mit wohl 46.000 jährlichen Opfern? Nicht wichtig. Die 28 Toten durch Terror wiegen schwerer – über sie wird aber mehr eindrücklicher berichtet. Wie ja überhaupt über jeden Unfall oder sonstige Katastrophe, die einem zeigt, “dass es immer schlimmer” wird. Wenn wir das denn alles an uns ranlassen.

“So was wie Angst” war eine sehr sehenswerte Doku, und es ist der ARD und und allen zu wünschen, dass solche Sendungen etwas prominenter ausgestrahlt werden.

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Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Sonntag, den 24. Dezember 2017
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SA 23.12.2017 | 23.15 Uhr | WDR

Warum ein Film zum Kult wird, weiß man nicht so genau. Aber vielleicht muss man ihn nur oft genug im Fernsehen zeigen, dass auch wirklich jeder eine Chance hat, ihn zu sehen.
Als ich “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” zum ersten Mal Ende der 80er-Jahre im Fernsehen der DDR sah, da war an einen Kult noch nicht zu denken. Es war einfach ein schöner Märchenfilm, der ab und zu gesendet wurde – und das nicht mal zwingend zu Weihnachten. Denn eigentlich ist das Werk (DDR/CSSR) von 1973 ja gar kein expliziter Weihnachtsfilm.
Anfang der 90er lief das Märchen im Freitagnachmittagsprogramm des Ersten, und da nahm ich ihn das erste Mal auf VHS auf – und guckte ihn seitdem öfter mal.
Irgendwann da muss auch der Rest des Landes angesteckt worden sein.

Am Sonnabend konnte das Aschenbrödel im WDR schon mal vorglühen. Allein von Sonnabend bis zum ersten Weihnachtsfeiertag gibt es zehn Ausstrahlungen. Und Heiligabend bietet die ARD einen ganz besonderen Service. Da kann man den Film zwischen 12 und 18 Uhr in der Dauerschleife sehen. Los geht es um 12.05 Uhr im Ersten, dann um 13.35 Uhr im WDR, um 15.05 Uhr im NDR und um 16.40 Uhr im SWR und SR. Wer das nicht schafft, bekommt um 20.15 Uhr im rbb und 21.05 Uhr bei one weitere Chancen – wenn man ihn nicht eh auf DVD hat.

Frohes Fest!

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phoenix vor Ort: Aktuelles nach der Bundestagswahl

Donnerstag, den 28. September 2017
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DI 26.09.2017 | 9.00 Uhr | phoenix

AfD! Bei den drei Buchstaben wird man in vielen Redaktionen schon ganz nervös. Hat wieder ein AfDler irgendwas Schlimmes gesagt? Ist das eine Schlagzeile wert? Bringt das Klicks und Quote? Oder ist Ignorieren nicht manchmal auch besser? Oder einfach mal nüchtern zu berichten?
Das ist momentan ein großes Thema, weil in diesen Tagen ARD und ZDF immer wieder vorgeworfen wird, zum Erfolg der AfD mit beigetragen zu haben (und von der “Bild” spricht niemand?).
Als Pauschalvorwurf ist das natürlich Quatsch. Immer ganz von der Hand zu weisen ist das aber auch nicht – wie ein denkwürdiges Interview am Dienstag zeigte. Eine WDR-Reporterin sprach mit Marcus Pretzell, der ihr erzählte, dass er die AfD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag verlassen werde und die Partei gleich mit. Eine richtige Begründung nannte er nicht, was die nicht sichtbare Reporterin hörbar störte.

Die Reporterin hakte nach. Ob er nicht dazu gehören wolle zu den grölenden Höckes und den Gaulands, die Frau Merkel jagen wollen, um das deutsche Volk wieder heimzuholen.
Dazu Marcus Pretzell: “Ach, wissen Sie. Das sind so Fragen, die Sie stellen, die mich überlegen lassen. Ob es nicht vielleicht Sie sind, die genau zu einer solchen Radikalisierung der Gesellschaft beitragen – ganz maßgeblich, und der WDR ist da leider sehr weit vorne, weil auch Ihnen leider die Fähigkeit zur Differenzierung völlig abgeht.”
Die WDR-Frau tat das ab, ein bisschen Medienschelte müsse immer sein. Worauf Pretzell ihr nochmals vorwarf, dass sie nicht differenziert sei.

Nun kann man sich sicher wieder empören. Über die AfD. Über Pretzell.
Nur leider: Pretzell hat im Kern nicht Unrecht.
Denn die WDR-Journalistin war gerade in diesem Interview – ausgestrahlt am Dienstagnachmittag auf phoenix – alles andere als differenziert und unvoreingenommen. Wenn sie von den “grölenden Höckes und den Gaulands” spricht, macht sie ihre persönliche Meinung deutlich. Sicherlich, sie kann Pretzell mit Aussagen von Gauland konfrontieren, aber nicht auf die Art, mit der sie gleich vorweg schickt, dass sie selbst, sie ganz persönlich, das unerhört findet. Das ist unprofessionell. Die WDR-Frau kann privat denken und sagen, was sie will. Im Job muss sie sich überlegen, wie sie ihre Fragen verpackt – im Idealfall ohne Wertung. Dass sie das als doofe Medienschelte abtut, ist ebenso undifferenziert, denn in diesem Fall ging es konkret um sie selbst.
Die WDR-Frau hat nicht gut gearbeitet, und hier wurde sofort der Finger in die klaffende Wunde gelegt.

Übrigens war dieser Schlagabtausch auch deshalb spannend, weil Marcus Pretzell schon gar nicht mehr als AfD-Mann zu sprechen schien. Denn er machte deutlich, wie die Medienmasche – und es ist definitiv eine Medienmasche – funktioniert. Jemand sagt etwas, und dann wird es aufgebauscht, ohne mal ganz genau zu betrachten, was da eigentlich abging. Es gibt bei der AfD sehr sicher sehr viele Gründe empört zu sein. Das Problem: Die Medien nutzen diese Empörung zu oft für sich selbst aus. Denn Empörung bringt Klicks. Und gerade die “Bild” ist auf diesem Empörungstrip und merkt vielleicht nicht mal, dass sie die besten Pusher für die AfD sind. Dem WDR warf Pretzell dies ebenfalls vor. Die Journlastin, die da gerade vor ihm stand, hat ihm da leider wieder sehr viel Futter hingeworfen.

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Rockpalast-Festival

Sonntag, den 30. Juli 2017
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FR 28.07.2017 | 3.25 Uhr (Sa.) | WDR

Fernsehen vor 40 Jahren – wie aus einer anderen Welt.
Der WDR wiederholte in der Nacht zum Sonntag das allererste Rockpalast-Festival von 1977. Stundenlang wurde damals live aus Essen übertragen, Das Erste hieß zu der Zeit noch schlicht “Deutsches Fernsehen”, und der Ansager wies zu Beginn schon darauf hin, dass die Sendung wohl bis etwa 4 Uhr dauern würde. Und das zu einer Zeit, wo das Fernsehprogramm gern schon vor Mitternacht beendet worden ist.
Der Ansager erklärte aber noch etwas, was heute unmöglich wäre: 1977 gab es im Fernsehen nämlich noch keinen Stereoton, und deshalb gab es einen besonderen Service: Einige ARD-Hörfunksender übertrugen die Konzerte parallel, mit Stereoton. Damals ging das nämlich noch, dass der Fernseh- und der Radioton gleichzeitig über die Antenne zu Hause ankamen.

1977 war der Aufwand so ein Festival zu übertragen aber auch noch vergleichsweise gering. Da hat man halt mal ein paar Kameras hingestellt. Keinen Kran, der Bilder von oben zeigte und auch keine Kamera, die an der Hallendecke umher fuhr. Das Publikum hat man mangels Kameras so gut wie nie gezeigt. Und wenn der Ton mal allzu laut kreischte, gab es gleich eine Bildstörung.
Deshalb sorgt so eine Wiederholung heute eher für Schmunzeln – auch wenn der Rockpalast 1977 quasi eine Revolution in der damals verschnarchten ARD war.

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Kölner Sommer Treff

Dienstag, den 18. Juli 2017
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SO 16.07.2017 | 10.30 Uhr | WDR

Woche für Woche talkt Bettina Böttinger freitagabends im WDR. Jetzt hat sie sich in die Sommerpause verabschiedet. Statt der Sendung “Kölner Treff” läuft nun der “Kölner Sommer Treff”.
Susan Link und Micky Beisenherz führen viermal durch diese Sendung, und irgendwie war ich der Meinung, dass sie sich in irgendeiner Art und Weise von der Böttinger-Talkshow unterscheiden wird.

Das tut sie auch. Weil nicht Böttinger moderiert, sondern Link und Beisenherz. Das war es dann aber auch. Und das ist dann doch ein bisschen enttäuschend.
Micky Beisenherz ist Deutschlands wohl bester Comedyautor, er schreibt wunderbare Kolumnen voller Witz und Weisheiten. Deshalb dachte ich auch, dass der “Kölner Sommer Treff” irgendwie anders wird.
Stattdessen: die übliche Abfolge an Interviews. Gast für Gast, Beisenherz und Link wechselten sich ab in der Fragestellung. Und das ohne besondere Ideen, ohne spezielle Einfälle. Leider also nichts Besonderes.
Was diesen Treff zum Sommertreff macht, bleibt unklar. Einfach nur die Moderation austauschen, ist ein bisschen mau.