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Lokalzeit Bergisches Land

Donnerstag, den 31. Mai 2018
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DI 29.05.2018 | 19.30 Uhr | WDR

Immer diese Fernsehreporter! Ständig müssen sie in der Gegend rumstehen und irgendwas erzählen. Und wenn sie ihr Zeug in die Kamera quatschen, da haben sie dann natürlich auch kein Auge für ihr Umfeld. Und das, obwohl es ja immer heißt: Augen auf im Straßenverkehr!

Am Dienstagabend berichtete in der WDR-”Lokalzeit Bergisches Land” ein Reporter aus Wuppertal vom schweren Unwetter, das über die Stadt gefegt war. Er stand in der Nähe des Bahnhofes, mitten auf einer relativ schmalen Straße. Er erzählte davon, dass der Bahnverkehr zum Erliegen gekommen ist, und dass die Leute jetzt nicht so genau wissen, wie sie von A nach B kommen soll. Er erzählte auch davon, dass die Leute nun teilweise händeringend auf Taxis warten.

Kein Wunder, dass sie warten mussten. Denn der WDR-Reporter stand ja, wie gesagt mitten auf der Straße. Hinter ihm näherte sich ein Taxi und musste stoppen, weil es nicht an ihm vorbei kam. Und natürlich hat er auch nichts von seiner Blockieraktion gemerkt. Vielleicht hat ihm sein Kameramann ein Zeichen gegeben, denn die Schwenks wurden ein bisschen unruhig.
Irgendwann hat er es doch gemerkt, und das Taxi konnte endlich durchfahren. Gibt es denn keine Kurse für Reporter für das richtige Rumstehen im Straßenverkehr?

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Tatort: Weil sie böse sind

Donnerstag, den 3. Mai 2018
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DI 01.05.2018 | 21.45 Uhr | hr fernsehen

Wieder mal große Aufregung um die ach so einfallslose öffentlich-rechtliche ARD: Am Maifeiertag liefen in den verschiedenen Dritten Programme gleich acht “Tatort”-Filme, davon fünf mehr oder weniger parallel – im hr fernsehen, im WDR, im NDR, im BR-Fernsehen und im rbb. Au weia.
In den Internetforen tönte es wieder: Und dafür zahlen wir Gebühren! Die Anti-Gebühren-Trolle hatten mal wieder Schnappatmung.

Dabei sollte die Frage lauten: na und?
Im Grunde ist der “Tatort” doch bloß eine Marke, hinter der sich die verschiedensten Serien befinden. Der WDR zeigte einen Fall aus Köln, der hr mit “Weil sie böse sind” einen aus Frankfurt/Main, der rbb einen aus Berlin, der NDR einen aus Münster, der BR einen aus München (aus den 70ern!).
Was also ist so aufregend und dramatisch schlimm daran, wenn auf verschiedenen Sendern diese Krimis laufen, meistens sogar regional passend im regionalen Dritten?

Würden die Dritten stattdessen an einem Abend, wo im ZDF die quotenstarke Champions League mit dem FC Bayern München übertragen wird, aufwendige eigene und erstausgestrahlte Shows senden, wäre das auch nicht recht. Mal wird gemeckert, wenn die Sender klotzen, mal wird gemeckert, wenn die Sender sparen. Die Hater wissen irgendwie auch nicht, was sie denn eigentlich wollen.
Die Parallelausstrahlung von mehreren sehr unterschiedlichen “Tatort”-Reihen sollte nichts sein, was uns aufregt. Da gibt es bei ARD und Co. ganz andere Baustellen!

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Das Lachen der Anderen – Comedy im Grenzbereich

Montag, den 12. März 2018
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DO 08.03.2018 | 23.25 Uhr | WDR

Oliver Polak stellt sich auf die Bühne und macht Witze über Menschen mit Downsyndrom.
Der Satz stimmt oder auch wieder nicht. Denn eigentlich stellt sich Oliver Polak auf eine Bühne und macht Witze vor Menschen mit Downsyndrom über sie selbst.
Was zunächst ziemlich bizarr klingt, ist in Wirklichkeit eine unglaublich warmherzige Sache.
In “Das Leben der Anderen” im WDR reisen Oliver Polak und Micky Beisenherz zu besonderen Menschen. In der Folge vom Donnerstag ging es um Menschen, die das Downsyndrom haben. Die beiden treffen sich mit verschiedenen Menschen, befragen sie, erleben sie in ihrem Alltag – und am Ende steht ein Stand up vor genau diesen Menschen. In der Woche davor ging es um HIV.

Es ist einfach wunderbar, wie sich Polak und Beisenherz diesen Menschen annähern. Nämlich ohne Scheu, aber voller Respekt. Sie wollen wissen, wie sie ticken, was sie ausmacht, was sie mögen, was nicht nicht mögen. “Dürfen wir Downies sagen?”, fragt Oliver Polak, das sei doch schließlich ganz nett gemeint. Aber er bekommt eine Abfuhr, der junge Mann mit dem Downsyndrom möchte nicht “Downie” genannt werden. Die beiden akzeptieren das, auch wenn sie es vielleicht erst mal nicht verstehen.
Mit einer jungen Frau sprechen sie über ihren Freund, über die Liebe. Sehr offen sagt sie, dass sie keine Kinder möchte, obwohl sie welche bekommen könnte. Sie könne sich nicht um Kinder kümmern, sagt sie. Ein trauriger, aber wahrhaftiger Moment.

In dieser Mischung aus Comedy, Realität und auch Tragik kommen Menschen zu Wort, die das normalerweise im Fernsehen nicht schaffen. Am Ende steht Polak auf der Bühne – und die meisten seiner Zuhörer lachen meistens.
Dass der WDR in der neuen Staffel nur zwei Folgen zeigt, ist wirklich extrem traurig.

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Die Story: Kranke Pflege – Alexander Jorde kämpft für einen Neustart

Samstag, den 27. Januar 2018
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MI 24.01.2018 | 22.10 Uhr | WDR

Alexander Jorde ist der neue Superstar. Aber aus einer ganz anderen Kategorie als sonst. Kein Sänger, kein Schauspieler, kein Politiker. Der 21-Jährige ist Krankenpfleger. Und er liebt seinen Job, aber er macht sich große Sorgen, und verärgert ist er auch.
Bekannt geworden ist er im September 2017 in der “Wahlarena”, als er Angela Merkel grillte. Er wies auf die Missstände in der Krankenpflege hin und wollte von der Bundeskanzlerin wissen, wie sie das ändern will. Als sie sich herauswinden wollte, legte er nach und warf ihr vor, dass sie ihre Versprechen gar nicht halten könne. Mehr Pflegepersonal – aber woher nehmen?

Seitdem ist Alexander Jorde ein kleiner Superstar. Geht es um die Pflege in Altenheimen und Klinik ist er ein gefragter Experte. Für den WDR war er am Mittwochabend der Hauptprotagonist in der Doku “Kranke Pflege”.
Mit einem Kamerateam reiste er durch Deutschland. Er traf auf Leute, die eine schlechte Pflege in Kliniken anprangern. Und der Zuschauer hat gelernt, dass Klinikunternehmen teilweise irre Gewinne machen, aber trotzdem eher keine guten Bewertungen von Patienten bekommen.

Jorde steht dafür, die Missstände zu benennen. Das ist mutig, denn er ist ja Teil der Branche, er hat auch einen Arbeitgeber, und auf ihn könnte das auch zurückfallen. Andererseits ist er zum Symbol geworden. Und die vielen betroffen – die schlecht bezahlten Angestellten, die schlecht behandelten Patienten – haben endlich jemanden, der für sie spricht, der ausspricht, was nicht gut läuft. Das Thema hat ein junges Gesicht bekommen. Einen jungen Mann, der für seinen Beruf brennt, der ihn liebt – und der sich gerade deshalb so große Sorgen macht.

Das Aha-Erlebnis in der Doku gab es, als Jorde und das WDR-Team in eine Klinik nach Norwegen fuhren. In Deutschland ist eine Pflegekraft für zehn Patienten zuständig. In Norwegen für 3,5. und das merkt man. Die Stimmung ist besser, die Pflege sowieso. Scheint hierzulande nicht machbar zu sein.
Gut, dass wir jemanden wie Alexander Jorde haben. Gut, dass er sich getraut hat.

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Domian redet

Dienstag, den 9. Januar 2018
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FR 05.01.2018 | 23.30 Uhr | WDR

Vor mehr als einem Jahr saß Jürgen Domian zum letzten Mal im 1Live-Studio des WDR und telefonierte mit seinen Hörern. Weit mehr als 20 Jahren sprach er Nacht für Nacht eine Stunde lang mit den Anrufern über den Alltag, über irre Hobbys, Sexpraktiken oder erschütternde Schicksale. Das ganze Palette, die das Leben zu bieten hat.

Am Freitagabend zeigte der WDR unter dem Titel “Domian redet” den Mitschnitt eines Bühnenprogramms. Dort plauderte Domian mit einem 1Live-Kollegen über die lange Zeit, in der es die Talkshow gab.
Sie erinnerten sich an die schwerstkranke junge Frau, die Domian über ihr Leben erzählt hat – und, wie er dann erzählte, nur wenige Wochen danach gestorben ist. Es ging um arme Irre, die glaubten, die Erde sei eine Scheibe. Auch über die Oma redeten sie, die eine Friedhofsaffäre mit heißem Oralsex hatte.

Im Anschluss zeigte der WDR noch einen 90-minütigen Zusammenschnitt mit einer Auswahl an Gesprächen, die Domian in den 22 Jahren geführt hatte.
Auch nach einem Jahr kann man sagen: Domian fehlt. Oder eher: die Sendung, die Institution fehlt, und es ist vollkommen unverständlich, warum der WDR sich nicht darum gekümmert hat, einen Nachfolger zu finden. Oder warum sich die ARD nicht zusammengetan hat und den Hörertalk in eines ihrer bundesweiten Nacht-Radioprogramme integriert hat. Denn eines kann man ganz sicher sagen: Teuer war “Domian” nun wirklich nicht. Aber der Nutzen war sehr hoch: Es brachte Menschen zusammen, die nachts alleine oder noch unterwegs sind.
Die Domian-Nacht am Freitag verstärkte dieses Gefühl.

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So was wie Angst – Eine Suche mit Anke Engelke

Sonntag, den 7. Januar 2018
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MI 03.01.2018 | 21.02 Uhr | tagesschau24

Wir haben Angst. Viel zu viel Angst. Wir misstrauen allen Statistiken, stattdessen setzen wir auf unser Gefühl. Und das trügt.
“So was wie Angst” hieß eine spannende Doku, die am Mittwochabend bei tagesschau24 zu sehen war (erstmals lief sie ebenfalls recht versteckt im Dezember im WDR). Anke Engelke begab sich auf die Suche und wollte wissen, was uns Angst macht und ob es uns zurecht Angst macht.

Es sind keine Belehrungen, die sie in ihrer Doku macht. Aber es sind Beobachtungen, und die sind spannend und erhellend. Und dass so eine Doku in der ARD auf kleinen Sendern versteckt wird, ist schade. Denn diese durchaus auch unterhaltsame Doku ist Bildungsfernsehen auf beste Weise.

Ein interessantes Beispiel ist der Berliner Platz in Wuppertal. Er gilt als Angstort, weil sich dort Leute aufhalten, von denen andere Leute denken, sie müssten einem Angst machen: Menschen mit “subjektiv unerwünschtem Verhalten”, Drogendealer, Trinker. Klar, da macht man einen Bogen drum. Anke nicht, sie geht auf die Leute zu. Und mehr noch: Sie will die Wuppertaler zusammentrommeln, um Ideen zu sammeln, damit der Platz wieder beliebt und belebter wird. Man muss nur machen.

Was macht Angst mit uns? Auch diese Frage stellt Anke Engelke. Die Leute kaufen sich Waffen, gehen in Selbstverteidigungskurse – sie lassen sich offenbar verrückt machen. Und der Feinstaub mit wohl 46.000 jährlichen Opfern? Nicht wichtig. Die 28 Toten durch Terror wiegen schwerer – über sie wird aber mehr eindrücklicher berichtet. Wie ja überhaupt über jeden Unfall oder sonstige Katastrophe, die einem zeigt, “dass es immer schlimmer” wird. Wenn wir das denn alles an uns ranlassen.

“So was wie Angst” war eine sehr sehenswerte Doku, und es ist der ARD und und allen zu wünschen, dass solche Sendungen etwas prominenter ausgestrahlt werden.

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Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Sonntag, den 24. Dezember 2017
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SA 23.12.2017 | 23.15 Uhr | WDR

Warum ein Film zum Kult wird, weiß man nicht so genau. Aber vielleicht muss man ihn nur oft genug im Fernsehen zeigen, dass auch wirklich jeder eine Chance hat, ihn zu sehen.
Als ich “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” zum ersten Mal Ende der 80er-Jahre im Fernsehen der DDR sah, da war an einen Kult noch nicht zu denken. Es war einfach ein schöner Märchenfilm, der ab und zu gesendet wurde – und das nicht mal zwingend zu Weihnachten. Denn eigentlich ist das Werk (DDR/CSSR) von 1973 ja gar kein expliziter Weihnachtsfilm.
Anfang der 90er lief das Märchen im Freitagnachmittagsprogramm des Ersten, und da nahm ich ihn das erste Mal auf VHS auf – und guckte ihn seitdem öfter mal.
Irgendwann da muss auch der Rest des Landes angesteckt worden sein.

Am Sonnabend konnte das Aschenbrödel im WDR schon mal vorglühen. Allein von Sonnabend bis zum ersten Weihnachtsfeiertag gibt es zehn Ausstrahlungen. Und Heiligabend bietet die ARD einen ganz besonderen Service. Da kann man den Film zwischen 12 und 18 Uhr in der Dauerschleife sehen. Los geht es um 12.05 Uhr im Ersten, dann um 13.35 Uhr im WDR, um 15.05 Uhr im NDR und um 16.40 Uhr im SWR und SR. Wer das nicht schafft, bekommt um 20.15 Uhr im rbb und 21.05 Uhr bei one weitere Chancen – wenn man ihn nicht eh auf DVD hat.

Frohes Fest!