RT im Kino

Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen

Donnerstag, den 12. Januar 2012
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Am Ostseestrand von Warnemünde thront das Hotel Neptun und überstrahlt alles. Bis zur Wende stand für einen Ort in der DDR, in dem die Mauer scheinbar überwunden wird. Westgeld wechselte den Besitzer wahrscheinlich häufiger als Ostgeld. Es ist einst zur Devisenbeschaffung gebaut worden – vor allem für Geschäftsleute aus dem Westen. Willy Brandt war dort. Auch Uwe Barschel. Und Fidel Castro. Die Liste ist sehr lang. “Da wurde Globalisierung betrieben, bevor dieser begriff überhaupt erfunden wurde”, sagt Regisseur Marc Bauder.
Für seinen Film über “Das System” rollt er die Vergangenheit des Hauses wieder auf. Und nicht nur das: Er zeigt ein Stück Geschichte aus der Nachwendezeit, als reihenweise Akten aus den Archiven der Staatssicherheit verschwunden waren.

Mike Hiller (Jacob Matschenz) bekommt die Vergangenheit deutlich zu spüren. Der 20-jährige Rostocker schlägt sich als Kleinkrimineller durch, bis er Böhm (Bernhard Schütz) kennenlernt, einen alten Freund seines verstorbenen Vaters. Der Mann hat eine Baufirma und einen großen Fisch an der Angel. Böhms Firma soll mit an der Erdgas-Pipeline bauen, die mitten durch Mecklenburg-Vorpommern führt. Wie er an den Auftrag kommt, ist alles nicht ganz astrein.
Mike lernt, dass die alten Seilschaften von vor 1989 immer noch funktionieren. Läuft etwas nicht nach Böhms Geschmack, dann kennt er eben die richtigen Leute, die die richtigen Akten noch in ihren Unterlagen finden.

“Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen” basiert auf tatsachen und langjährigen recherchen über die Hintergründe des Baus der russischen Gas-Üipeline in Westeuropa. Bauder beruft sich auf die “Spiegel”-Geschichte von 2008 über Matthias Warnig, den Vorstandvorsitzenden der Pipelinebetreiber NordStream AG, der bis zum Mauerfall für die Stasi-Auslandsspionage gearbeitet hat. Auch die Machenschaften alter Stasi-Seilschaften haben sich Regisseur Marc Bauder und die Drehbuchautoren Dörte Franke und Khyana el Bitar nicht ausgedacht.
Der Film zeigt einen jungen Mann, der die DDR nie erlebt hat, der nun, 20 Jahre danach, aber feststellen muss, dass sie im Kleinen noch lebt. Dass es immer noch Menschen gibt, die ihre alten Selilschaften pflegen und auch ihr Wissen über die damalige Zeit. Jacob Matschenz macht das gut. In weiteren Rollen sind jenny Schilynund Heinz Hoenig zu sehen.
Bauders Film ist spannend, er macht stellenweise sprachlos und wütend. Schade, dass “Das System” weit mehr als ein Jahr auf einen kinostart warten musste.

7/10

RTelenovela

Warnemünde

Sonntag, den 4. September 2011
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Die Rechtsextremen. Sie versuchen mit aller Macht, wieder ins Landesparlament von Mecklenburg-Vorpommern zu kommen. Heute wird dort gewählt. Wer auf der B105 nach Rostock reinfährt, sieht die Plakate. Und man möchte kotzen. Die Straße ist gesäumt mit den Schildern, auf denen steht, man solle sich doch wehren, und sie seien die Nationalen. Unfreiwilligerweise empfängt Rostock seine Gäste mit den bedrückenden, rechten Botschaften und Parolen. Mitten im Zentrum von Warnemünde hängt ein ganz anderes Plakat: Wählt keine Nazis!
Merkt euch das!

Wir nutzten das wohl letzte richtige Sommerwochenende für einen Ausflug nach Warnemünde an der Ostsee. Wer dort hin will, kann durch Rostock gurken oder durch den Warnowtunnel fahren – eine Mautstrecke. Es ist das erste Mal, dass ich auf einer Mautstrecke unterwegs war. Die Fahrt durch den Tunnel unter der Warnow kostet 3,20 Euro. Nicht gerade billig. Nicht umsonst fahren sehr viel weniger Autos durch den Tunnel als bei der Planung gedacht. Die Mautstelle war nicht wirklich voll.

In Warnemünde zeigt sich mal wieder die Faszination der Menschen nach XXL-Fortbewegungsmitteln. Gleich zwei große Dampfer waren am Sonnabend im Hafen zu sehen. Eine, die schon angelegt hatte und eine, die am frühen Nachmittag in den Neuen Storm einfuhr. Die Schiffe überragen alles, was am Ufer steht. Man kann sitzen, wo man will – das Schiff ist zu sehen. Und wird bewundert.

Wo aber an der Ostsee ist es denn nun am schönsten? Warnemünde? Auf dem Darß? Auf Usedom? Auf Rügen? Der Mann an der Warnemünder Strandbar war sich sicher: Natürlich in Warnemünde. Hier gebe es einen breiten Strand. Der Alte Strom mit seinen vielen Kneipen und Geschäften um Ufer mache was her. Das Zentrum sei toll. Niemand hat ihm widersprochen.
Nur ich. Im Geiste. Ich kannte den Herrn ja nicht.
Warnemünde ist wirklich schön. Das Tolle ist, dass das Ostseebad in nur zwei Stunden von zu Hause erreichbar ist. Das lohnt sich für eine Tagestour. Und tatsächlich hat Warnemünde einen herrlichen Strand, schöne Bummelmeilen. Und doch – Binz. Na, ihr wisst schon.

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