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Rügen 2021 (1): Vilmnitz ist ins 21. Jahrhundert katapultiert

Donnerstag, den 12. August 2021
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2020 -> 7.3.2020

Nach anderthalb Jahren: Endlich wieder Rügen! Anfang März 2020 war ich noch in Sellin, nur Tage später begann das Coronavirus so richtig Fuß zu fassen. Lockdown.
Mein Sommerurlaub in Skandinavien fiel flach – im Sommer sollte es diesmal sowieso nicht nach Rügen gehen. Aber selbst ein Ersatzurlaub auf Rügen war im Sommer 2020 nicht mehr möglich – es gab nichts mehr zu vernünftigen Preisen. Meine Herbstreise nach Sellin fiel dann wieder flach – wieder Lockdown. Auch im Winter war nichts möglich – erst jetzt wieder, im Sommer.
Schon Anfang Januar hatte ich mein Zimmer sicherheitshalber gebucht.

Und, was hat sich alles getan? Und was nicht?
Gleich zum Anfang eine SENSATION: Vilmnitz ist im 21. Jahrhundert angekommen. Wobei das irgendwie schade ist. Schon 2014 hatte ich hier über die Straße durch den Ort geschrieben, die wirkte, als könne man dort einen Film drehen, der im 19. Jahrhundert spielt. Holpriges Kopfsteinpflaster.
2021 ist nichts mehr davon da. Die Strecke ist asphaltiert. Und so schön das für den Ort ist, so schade ist es gleichzeitig. Denn diese Straße war auch der Charme von Vilmnitz. Weil es historisch aussah – und jetzt beliebig.

Leider nichts getan hat sich am Knotenpunkt der L29 mit der B196 bei Alt Süllitz. Immer noch keine Ampel. Dabei wäre die mal dringend nötig, denn als Linksabbieger in Richtung Bergen/Binz steht man unter Umständen ewig, bis mal eine Lücke frei ist.

In den ehemaligen “Binzer Bierstuben” ist jetzt ein indisches Restaurant, der “Maharadscha Palace”. Von draußen ist zu sehen, dass sich an der Einrichtung nicht so viel geändert hat, nur dass hinterm Tresen ein Mann mit einem Turban stand. Die können nichts dafür, aber irgendwie will ich da trotzdem nicht rein. Zu sehe trauere ich dem alten Lokal nach.

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Rügen 2018 (9): Fährmann, hol öwer!

Montag, den 30. Juli 2018
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(8) -> 3.4.2018

Ich dachte ja immer, dass es ziemlich out ist, mit der Fähre vom Festland nach Rügen fahren. Also, nicht bei mir. Aber bei den vielen anderen Reisenden. Immerhin kostet es ja nicht ganz wenig Geld, um überzusetzen, für mich und mein Auto sind es 5,40 Euro.
Diesmal war war alles anders.

Als ich auf Stahlbrode zufuhr, war die Straße noch leer. Doch direkt am Hafen erwartete mich ein kleiner Stau – nie erlebt, bisher. Aber vielleicht liegt es an den aktuellen Verkehrsverhältnissen auf Rügen. Bei Bergen ist die B96 gesperrt, was bedeutet, dass sich der komplette Verkehr in Richtung Inselnorden durch Bergen quält. Mit langen Staus, wie immer wieder im Verkehrsfunk zu hören ist.
Fahre ich mit der Fähre von Stahlbrode nach Glewitz, fahre ich auch gleich an Bergen vorbei, ohne in den dortigen Stau zu kommen.

Ich hatte Glück, erst ein paar Autos hinter mir war Schluss, weil die Fähre voll war. Ich musste also immerhin keine weitere Fähre abwarten. Aber so voll habe ich das Schiff lange nicht (nein: nie) gesehen.

Schon 2014 habe ich hier über die Landesstraße geschrieben, die durch Vilmnitz führt. An ihrem historischen Charakter hat sich immer noch nichts geändert.
Aber Geld scheint da zu sein. Denn in Kasnevitz bei Putbus war die Strecke nicht ganz so übel, aber auch dort gab es Kopfsteinpflaster und Löcher. Immerhin dort ist die Straße saniert worden, und man rollt relativ gemütlich durch.
Wer weiß, wann Vilmnitz dran ist – allerdings: Irgendwie würde mir auch was fehlen, wenn da die Holperstrecke plötzlich weg wäre…

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Rügen 2017 (14): Hinten spielt die Musik!

Freitag, den 21. Juli 2017
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(13) -> 20.7.2017

Fahre ich auf Rügen von der Fähre in Glewitz nach Binz, dann komme ich durch den Putbuser Ortsteil Vilmnitz. Die Landesstraße wird dort schmal, das Kopfsteinpflaster ist holprig und sieht aus wie aus dem 19. Jahrhundert. Man könnte dort Filme über alte Zeiten drehen. Dort steht auch die Maria-Magdalena-Kirche, sie ist fast 800 Jahre alt.
Jeden Donnerstag finden dort im Sommer Konzerte statt. Ich hatte davon in der Ostsee-Zeitung gelesen und fuhr hin.
Geplant war ein Barockkonzert mit Orgel und Trompete.

Tickets gab es nur an der Abendkasse. In der Schlange entdeckte ich vorn auf dem Teil die Preisangabe 15 Euro. Ich zückte schon mal das Geld. Als ich es der Frau an der Kasse gab, wunderte die sich. Nein, das koste keine 15 Euro, sondern nur 6 Euro.
Ich hatte den CD-Preis erblickt, nicht den Eintrittspreis, und ich irgendwie dachte ich, dass 6 Euro ganz schön wenig sind.

Wir saßen nun in den Kirchenbänken und warten. Alle blickten nach vorn zum Altar. Allerdings tat sich nicht vorn, sondern hinten etwas. Hinten, auf der Empore ist nicht nur die Orgel, dort stand auch schon der Trompeter.
Eine Frau aus der Kirchengemeinde begrüßte dann die “lieben Hörenden”. Fans ich erst lustig, aber dann war klar: Wir werden nach vorn blicken – aber nichts sehen. Denn das Konzert findet hinter uns statt.

Und so war es dann auch. Anfangs drehte ich mich immer wieder mal um, um auch mal die Musiker zu sehen. Aber irgendwann fand ich mich damit ab, dass man ins Leere schaut. Irgendwie hatte es auch etwas Meditatives.

Bei Kirchenkonzerten ist das mit dem Applaus ja auch immer so eine Sache. Darf man zwischen Musikstücken klatschen? Das Publikum war sich sehr uneins. Nach dem ersten Stück applaudierte keiner. Nach dem zweiten traute sich einer und viele stimmten mit ein. So zog sich das durchs ganze Konzert. Den Jubel gab es dann am Schluss. Verdient, übrigens. War schön!

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Rügen 2014 (5): L29 – schlimmer geht immer

Samstag, den 26. Juli 2014
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(4) -> 30.4.2014

Gleich hinterm Ortsschild kommt die Überraschung. Die Landesstraße verwandelt sich in eine historische Meile. Das schmale Kopfsteinpflaster führt durch ein kleines Waldstück, den Berg runter, an einer kleinen Kirche vorbei.
Die Autos fahren sehr langsam, und Gegenverkehr könnte, wenn er breiter ist, zum Problem werden. Platz zum Ausweichen gibt es nicht, und das Kopfsteinpflaster ist nicht mehr das Beste.

In den Orten meiner Region rund um Oranienburg wird über die schlechten Landesstraßen gesprochen. Da gibt es in Vehlefanz Schlaglöcher, die immer wieder gestopft werden müssen. In Groß-Ziethen tun sich Krater neben der Fahrbahn auf, wer da aus Versehen reinfährt, kommt unter unter Umständen nicht mehr raus.
Aber dann gibt es die L29 in Vilmnitz, einem Ortsteil von Putbus auf Rügen. Das Pflaster macht einen musealen Eindruck, es muss noch aus der Kaiserzeit stammen, dort könnte man historische Filme drehen. Für Nebenanlagen ist kein Platz, und der Verkehr quält sich durch – auch 25 Jahre nach der Wende.
Wer durch dieses Dorf fährt, weiß: Schlimmer geht immer.

Ein paar Kilometer weiter, in Binz, ist die L29 in den vergangenen Monaten erneuert worden. Aber da sind ja auch die vielen Touristen…

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Rügen 2012 (5): Leitwolf

Montag, den 21. Mai 2012
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(4) -> 20.5.2012

Ich, der Leitwolf. Weil unser eigentlicher Rallyeboss sein Auto schon auf seinen Trailer geladen hat, bin ich heute derjenige, der den Oldtimertross anführt. Und das, obwohl ich selbst gar nicht mit einem Oldtimer unterwegs bin. Aber glücklicherweise ist die Anzahl der Autos an unserem dritten und letzten Rallyetag nicht mehr so groß, dass die Fahrt kompliziert werden könnte.

Wir starten wieder in Göhren und fahren am Bahnhof vom Rasenden Roland vorbei. Wie wir am Abend zuvor schockiert festgestellt haben, war einigen unserer Mitreisenden (oder eher -innen) nicht klar, dass Göhren einen Bahnhof hat – und wo der sein soll. Dass wir dort schon oft vorbei gefahren sind, ist ihnen irgendwie entfallen. Aber irgendwohin muss Roland ja fahren…

Als Leitwolf muss man einige Rücksichten nehmen. Am Ortsausgang gebe ich erst später Gas, damit die Truppe beisammen bleibt. Am Abzweig zwischen Lancken-Granitz und Serams müssen wir nach links in Richtung Putbus abbiegen. Da ist es wichtig, eine besonders große Lücke im Gegen verkehr zu finden, damit so viele wie möglich hinter mir noch abbiegen können. Und glücklicherweise gibt es auch immer wieder Autofahrer, die erkennen, dass Gruppen unterwegs sind und dann auch mal anhalten, um alle durchzuwinken.

Ein echtes Erlebnis ist die Straße in Vilmnitz. Obwohl es sich um eine Landesstraße handelt, macht sie eher einen musealen Eindruck. Ein extrem holpriges, uraltes Pflaster, enge Kurven, ausgefahrene Ränder. Mit raffinierten Kameraeinstellungen lassen sich in dem Dorf sicherlich Filme drehen, die im frühen 20. Jahrhundert spielen. Oder noch früher.

In Lauterbach legen wir am Hafen einen Zwischenstopp ein. Pflichtbewusst kaufe ich mir ein Parkticket, schließlich haben fast alle anderen Autos auf dem Parkplatz schon ein Knöllchen. Merke: In Lauterbach geht das Ordnungsamt auch am Sonntag um. Allerdings hätten die Oldtimerfreunde sicherlich eine gute Verhandlungsbasis gehabt, warum sie kein Parkticket kaufen müssen.
In einem Miniauto fährt ein Mann umher, hört italienische Musik und macht Faxen. Immerhin bekommt er unsere Aufmerksamkeit. Er wirbt für ein italienisches Lokal am Putbuser Bahnhof, und wir würden einen Kaffee kostenlos bekommen. Wir kündigen uns an und bitten darum, dass er uns Parkplätze freihalte.

Am Bahnhof von Putbus fährt an diesem Nachmittag eine Lok des Rasenden Roland hin und her. Immer wieder. Mal tutet sie, mal schnauft sie. Es ist Bahnhofsfest, und deshalb dürfen Interessierte mit der Lok fahren.
Wir beobachten das vom Italiener aus, wo wir zwar keinen kostenlosen Kaffee bekommen, dafür aber Pizzen, Fisch und Wasauchimmer.
Mit einer Ehrenrunde rund um den Putbuser Circus (nein, keine Artistik und Tiere, sondern weiße Häuser im Rondell), verlassen wir die Stadt.

Unser letztes Ziel auf Rügen ist Glewitz. Dort, wo mein Mai-Rügen-Aufenthalt begann, endet er auch wieder. Wir sind pünktlich, die Fähre aus Stahlbrode ist gerade angekommen, wir können gleich rauffahren.
Diesmal gibt es kaum Wellen, dafür viel Sonne und einen Surfer, der spannende Kunststücke auf dem Strelasund macht.

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