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Tempo 100 im Gewerbegebiet? Nein!

Donnerstag, den 11. August 2022
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Bislang nur eine 50er-Tafel an der Ausfahrt des Areals – restliche Beschilderung in Vehlefanz und am Bärenklauer Ortseingang soll demnächst vorgenommen werden

MAZ Oberhavel, 11.8.2022

Vehlefanz.
Das Vehlefanzer Gewerbegebiet füllt sich stetig, immer mehr große Hallen entstehen. Seit Ende des vergangenen Jahres gibt es auch eine Straßenverbindung in Richtung Bärenklau. Was es bislang nicht gibt: eine Beschilderung. Das Areal befindet sich zwar in der Gemarkung Vehlefanz, liegt aber außerhalb einer geschlossenen Ortschaft. Wie schnell darf man eigentlich im Gewerbepark fahren? Das ist auch eine Frage, die kürzlich in der Facebook-Gruppe „Oberkrämerreport“ aufgeworfen ist. Im Gewerbegebiet gelte Tempo 100, und die Rechts-Vor-Links-Kreuzungen seien nicht beschildert, heißt es dort in einer Diskussion. Durch den meist ortsfremden Verkehr könne es dort zu Unfällen kommen. Auch nach Bärenklau hin gebe es kein Ortsschild, wodurch Autofahrende vom Gewerbegebiet aus keine Infos über Tempolimits hätten.
Ähnlich äußerte sich in dieser Woche René Stange vom Autodienst Stange im Gewerbegebiet während eines Pressetermins. „Man merkt schon, jeder fährt, wie er Lust hat.“ Aus seiner Sicht sei die Gewerbestraße „eigentlich an der Auslastungsgrenze, obwohl noch gar nicht alle Firmen aktiv sind.“ Die Straße sei zu schmal geplant worden.

Die gute Nachricht aber ist: Die Beschilderung soll nun kommen. „Die Beschilderung für das genannte Gewerbegebiet hat der Landkreis Oberhavel am 27. Juli verkehrsrechtlich angeordnet“, teilte Ivonne Pelz, Pressesprecherin der Kreisverwaltung, am Mittwoch auf MAZ-Nachfrage mit. „Auch die Beschilderung mittels Ortstafeln wurde veranlasst und gibt künftig eine entsprechende Geschwindigkeitsbegrenzung vor.“ Das bestätigte auch Dirk Eger, der Leiter des Ordnungsamtes in Oberkrämer: „Eine Ortstafel ,Vehlefanz’ und zwei Ortstafeln ,Bärenklau’ sind bestellt und in der Fertigung.“

Aber darf man denn bislang überhaupt mit Tempo 100 durch das Gewerbegebiet rasen? Nein, so einfach ist das nicht, wie Dirk Eger weiter erklärt. „Jeder muss seine Fahrweise zum Beispiel der Witterung, den Sichtverhältnissen und den baulichen Gegebenheiten anpassen“, sagt er. „Dabei gilt es Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme zu üben. Sofern eine Situation unklar ist, hat sich jeder Verkehrsteilnehmer so zu verhalten, wie es die größtmögliche Sicherheit für alle Beteiligten bringt, das heißt: Nur, weil ein Schild fehlt, kann nicht automatisch 100 km/h gefahren werden“, erklärt Dirk Eger. Das sagt auch Ivonne Pelz: Es „gilt, dass jede/r Verkehrsteilnehmer/in grundsätzlich in angemessener Fahrweise unterwegs sein sollte.“ Es gehe um gegenseitige Rücksichtnahme.

Die Baumaßnahmen im Gewerbepark würden unterdessen auf Hochtouren laufen, „und wir sind von Anfang an mit allen Investoren im Kontakt, um rechtzeitig zu erfahren, welche Unternehmen sich dort mit welchem Verkehrsaufkommen ansiedeln.“, sagte Dirk Eger. „Wir werden fortlaufend die Entwicklung selbst und die entstehenden Verkehrsströme beobachten, um dann den aktuell genehmigten Verkehrszeichenplan gegebenenfalls fortzuschreiben.“ Um den sonstigen Verkehr, wie den Baustellenverkehr, zu „beruhigen“, werde aktuell noch „rechts vor links“ belassen. „Mit der fortschreitenden Ansiedlung kommen noch Unternehmen dazu, die höhere Verkehrsaufkommen verursachen werden. Hier muss dann nicht nur die Ampelschaltung an der Autobahn-Anschlussstelle Oberkrämer geprüft und gegebenenfalls angepasst werden, sondern auch die aktuelle Vorfahrtsregelung auf den Prüfstand.“ Dirk Eger gehe davon aus, dass sich mit der Inbetriebnahme der derzeit noch im Bau befindlichen Hallen der Verkehrsstrom in Richtung Autobahn weiter durchsetzen werde und dann eine Hauptstraße mit dem korrespondieren „Vorfahrt gewähren“ eingerichtet werden sollte. „Daneben werden wir auch prüfen, welche Verkehrsströme über Bärenklau abfließen und ob da nachgesteuert werden muss.
Letztendlich würden dort alle beteiligten Behörden – Landkreis Oberhavel, Polizei und Gemeinde – konstruktiv zusammenarbeiten, „und Interessierte sollten verstehen, dass sich der Gewerbepark eben noch im Bau oder Entwicklung befindet“, so Dirk Eger weiter. „Bei der Entwicklung von Wohn- und Gewerbegebieten erfolgt die Bepflanzung und Beschilderung relativ spät, damit sie nicht vom Baustellenverkehr in Mitleidenschaft gezogen wird.“

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Zwei neue Azubis beim Autodienst, aber die Suche wird schwieriger

Dienstag, den 9. August 2022
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René Stange freut sich über Nachwuchs für Vehlefanzer Werkstatt – Personalmangel ist Problem

MAZ Oberhavel, 9.8.2022

Vehlefanz.
Für die beiden jungen Männer beginnt am 1. September ein neuer Lebensabschnitt. Till Arndt (18) aus Zehlendorf und Angus Zunker (16) aus Oranienburg starten dann ihre Ausbildung beim Autodienst Stange im Vehlefanzer Gewerbepark. „Ich hoffe auf eine gute Ausbildung“, sagte Angus Zunker am Montag. „Dass ich generell viel lerne.“ Aber der Spaß dürfe auch nicht zu kurz kommen. Till Arndt sieht das ähnlich: „Ich will aus der Lehre kommen mit sinnvollen Sachen, die ich dann gelernt habe und die ich für den Beruf brauche.“ Angus hat seinen Abschluss an der Sachsenhausener Jean-Clermont-Oberschule gemacht, Till sein Abi am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium. „Ich hatte schon als Kind Spaß daran, handwerkliche Dinge zu machen“, so Angus weiter. Auch sei das Interesse an Autos groß gewesen. Till ist in der Motocross- und Quad-Szene unterwegs, wie er erzählte. „Und mit dem Führerschein kam auch mein Interesse für Autos.“

Dass der Autodienst Stange in Vehlefanz mit der großen Werkstatt im Gewerbegebiet überhaupt zwei neue Azubis gefunden hat, macht den Firmenchef René Stange froh. Denn eigentlich hätte er durchaus „drei oder vier Azubis gerne genommen.“ Aber es sei immer schwerer, junge Leute für den Job zu begeistern. „Wir bilden seit 1996 aus, und wir merken seit 2020, dass es fast unmöglich ist, junge Leute für den Beruf zu interessieren. Man hat das Gefühl, alle wollen was mit IT machen oder Influencer werden und begeistern sich nicht mehr für das Handwerk.“

Und das, wohl der Autodienst zu den modernsten Betrieben in Oberhavel gehören würden, wie René Stange sagte. „Wir werben aktiv in allen Medien, machen Aushänge.“ Jetzt sei man glücklich, zwei Azubis gefunden zu haben. Die dann hoffentlich auch bleiben: 2021 habe man drei Lehrlinge gefunden, davon sei nur noch einer übrig. „Sie haben in der Ausbildungszeit erkannt, dass es nicht der richtige Beruf ist.“ Einer sei zur Bundeswehr gegangen, der andere zu einem anderen großen Unternehmen. „Es ist ein Berufsangebot, das wir unterbreiten, und es kostet uns ja auch eine Menge Geld, da ist es doppelt so bitter, wenn sie ihre Ausbildung schmeißen.“ Bei der Ausbildung gehe es auch darum, die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Momentan arbeiten beim Autodienst in Vehlefanz 26 Menschen. Wenn ältere Mitarbeiter mal in Rente gehen, müssen die nächsten Generationen folgen. Das sei aber nicht einfach. „Wir müssen ausbilden, damit sie nachrutschen“, sagt René Stange. „Normaler Mechatroniker zu finden, ist unmöglich, einen Lkw-Mechatroniker zu bekommen, ist quasi aussichtslos. Man hat das Gefühl, dass dieser Beruf nicht mehr interessant genug ist. Das aber stelle ich in Frage.“ Man müsse rechnen können, ein wenig Ahnung von Physik haben. Es sei aber auch körperliche Arbeit, auch mache man sich dabei dreckig. „Vielleicht ist das einer der Aspekte. So richtig kann das keiner sagen.“ Ein Aspekt sei auch die nicht vorhandene Busanbindung des Gewerbegebietes. Seine Azubis kommen nur umständlich und zeitintensiv zum Firmengelände.
Auch Till Arndt kenne „keinen, der so was noch macht“, sagt er. Ein Grund sei die Bezahlung, glaubt er. „Wobei ich der Meinung bin, es ist gar nicht so wenig. Ich wüsste nicht, warum ich das nicht machen sollte.“

Die schwierige Suche nach Mitarbeitern wirkt sich auf den Betrieb aus. „Wir könnten mehr reparieren, können aber nicht, weil wir kein Personal finden“, sagt René Stange, Die Firma könnte sofort drei bis vier Schlosser einstellen. „Wir haben ein halbes Jahr gebraucht, um die Stelle eines Kraftfahrers zu besetzen.“ Hinzu komme die aktuelle Energiekrise, die das mittelständische Unternehmen zusätzlich belaste.

Jetzt aber stehen erst mal die beiden neuen Azubis im Fokus. Am 1. September beginnt ihre Einweisung. Halten sie durch und wollen sie das alles auch, dann haben sie einen festen Arbeitsplatz auf jeden Fall sicher.

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Prignitz-Express: Oberkrämer hat vom Ausbau der Strecke gar nichts

Freitag, den 27. Mai 2022
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Auch künftig wird der RE 6 an Schwante, Vehlefanz und Bärenklau vorbeifahren – für die Gemeinde ergeben sich durch die Bahnpläne keine Vorteile – SPD-Landtagsabgeordneter Noack äußert sich

MAZ Oberhavel, 27.5.2022

Oberkrämer.
Was hat eigentlich die Gemeinde Oberkrämer mit den Bahnhöfen in Schwante, Vehlefanz und Bärenklau vom Ausbau des Prignitz-Express? Die Antwort lautet: eigentlich nichts.

Die Ankündigungen der Landespolitik am Montag klangen geradezu euphorisch: Künftig sollen zwei Züge pro Stunde zwischen Neuruppin und Hennigsdorf fahren, und die S-Bahn nach Hennigsdorf alle zehn Minuten – perspektivisch auch nach Velten. Allerdings: Die Durchbindung des RE 6 über Tegel nach Gesundbrunnen ist endgültig vom Tisch. Ob und wann die S-Bahn bis Velten fährt, bleibt weiter vollkommen unklar. Und der Prignitz-Express wird auch künftig an Oberkrämer vorbeirauschen, und nur die RB 55 wird weiterhin an den drei Stationen halten – und auch weiterhin nur stündlich. Denn in Wirklichkeit wird der Prignitz-Express auch künftig nicht zweimal pro Stunde fahren. Genau genommen wird nur die RB 55 von Kremmen bis Neuruppin verlängert, wird aber auch dann, anders als der RE 6, an jeder Station halten. Irgendeine Verbesserung für Oberkrämer ist somit gar nicht in Sicht.

Darum ging es auch am Dienstagabend im Bärenklauer Dorfkrug. Dort traf sich der SPD-Ortsverein aus Oberkrämer. Zu Gast war der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Noack. Die Strecke sei dem aktuellen Bedarf nicht mehr gewachsen, sagte er. Problem: Die Strecke ist eingleisig. „Wenn ein Zug ausfällt, sich verspätet oder liegenbleibt, dann gibt es eine Kettenreaktion“, so Noack. „Das wird sich erst ändern, wenn der zweigleisige Ausbau nach Neuruppin erfolgt.“ Der ist nach jetzigen Plänen bis 2026 angekündigt. Nahe Beetz solle beispielsweise ein Ausweichgleis gebaut werden.

Schon jetzt sind die Pendler in Schwante, Vehlefanz und Bärenklau ziemlich genervt von der Regionalbahn 55. Ausfälle und Verspätungen sind an der Tagesordnung. Erst kürzlich ist die Linie am Wochenende wieder mal komplett ausgefallen, wegen Personalmangels. Uta Hoffmann, die für die SPD auch im Ortsbeirat in Schwante sitzt, bemängelte das bei dem Treffen mit Noack.
Wie der Landtagsabgeordnete sagte, bleibe für die Menschen in Oberkrämer weiterhin nur der Zustieg in Kremmen oder Velten zum Prignitz-Express – auch in Zukunft. Und für Nutzer der RB 55: „Ihr werdet weiterhin in Hennigsdorf umsteigen müssen.“ Dass der RE 6 nicht in Oberkrämer halte, sei zudem verständlich: „Das Ding heißt Regionalexpress. Er soll Berlin-ferne Orte anbinden.“ Er glaube nicht, dass es nach dem Streckenausbau mit hybrider Technik einen Halt für den RE 6 in Oberkrämer geben könne. „Eher nicht“, so Noack.

Dass der Prignitz-Express nicht durch den Berliner Norden fahren könne, sei für ihn klar gewesen. Man hätte neben der A 111 ein weiteres Gleis bauen müssen, durch den Forst, dazu viele Brücken und über die Gorkistraße in Tegel – dort wäre wegen der großen Schienenauslastung ein Tunnel nötig gewesen. „Wer ernsthaft daran geglaubt hat, dass wir das realisieren können, der ist ein Visionär, aber kein Realist.“ Deshalb sei es gut, dass sich Berlin und Brandenburg endlich verständigt hätten. Dafür bringt Noack eine zusätzliche Streckenführung über Hohen Neuendorf West und das Karower Kreuz ins Spiel.
Der größte Fehler, den die Deutsche Bahn in den 90er-Jahren gemacht habe, sei es gewesen, an vielen Stellen die vorhandene Infrastruktur aus rein wirtschaftlichen Gründen zurückgebaut zu haben. „Ganze Abschnitte wurden stillgelegt.“ Heute müsse das alles neu geplant und gebaut werden. Die heutige Bahn-Infrastruktur reiche nicht aus, um die Bedürfnisse zu stillen.

Darüber hinaus müsse aber, so Andreas Noack weiter, für eine bessere Busanbindung von Schwante nach Oranienburg gesorgt werden, um dort den Regionalexpress nach Berlin zu erreichen. Die Linie 823 bedient diese Strecke – aber nur am Wochenende.

Kommentar
„i2030“: Zu kurz gedacht
In Sachen Ausbau der Prignitz-Express-Linie hört man viel PR-Geklingel. Dabei heißt das Ausbau-Programm „i2030 – Mehr Schiene für Berlin & Brandenburg“. Das gilt aber nicht für Oberkrämer. Das muss man sich mal vorstellen: Der Bahnhof Bärenklau liegt am Gewerbegebiet mit dem künftigen Amazon-Lager und weiteren Großunternehmen. Am Bahnhof in Vehlefanz soll ein neues Wohngebiet entstehen. Oberkrämer wächst. Und was macht die Bahn? Ignoriert Oberkrämer. Weiterhin hält dort – auch künftig – nur einmal pro Stunde eine Bimmelbahn. Das „i2030“-Konzept ist überholt und konzeptionell nicht zu Ende gedacht. Es ist richtig, Berlin-fernere Gebiete wie Neuruppin besser anzubinden. Aber wenn Berlin-nahe Orte gar nicht bedacht werden, ist das ein Fehler im System. Denn eigentlich sollten Bahntaktungen, je näher man zur Stadt kommt, dichter werden. In Oberkrämer ist das nicht der Fall. Eigentlich sollte man über eine S-Bahn bis Oberkrämer oder Kremmen nachdenken. Aber dazu müsste sie ja erst mal bis Velten fahren. Und ob wir das noch erleben werden?

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RTelenovela

Die Sache mit dem Fast Food

Mittwoch, den 2. Februar 2022
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Die Sache mit dem Getränkebecher beim Fast-Food-König am Autohof in Vehlefanz. Neulich habe ich hier darüber berichtet, und der Beitrag löste an verschiedenen Stellen ein großes Echo aus. Beim Fast Food können viele Menschen mitreden.

Da war dann die Rede von einer Großbestellung zum Mitnehmen im selben Laden, wo man beim Auspacken gemerkt habe, dass diverse Dinge fehlten oder falsch zusammengestellt waren. Oder dass das Essen schlicht kalt war, selbst wenn vor Ort isst.
Neulich war ich beim großen M in Sachsenhausen, bestellte einen Burger mit Extra-Fleisch, um zu Hause festzustellen, dass ich dafür zwar gute 2 Euro extra bezahlt hatte, das Extra-Fleisch dann aber trotzdem fehlte.

Die Fast-Food-Ketten haben schon lange ihren Ruf verspielt – mit Fleisch, das ewig in der Schublade wartet, bis es kalt ist, mit kalten Burgerbrötchen, mit labbrigen, lauwarmen Pommes.
Trotzdem gehen wir wieder hin. Und man fragt sich, warum man sich die oft schlechte Qualität gefallen lässt.

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RT liest

Karl-Dietmar Plentz / Andrea Specht: Mit Laib & Seele – Neue Geschichten vom Brotmacher

Mittwoch, den 26. Januar 2022
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(1) -> 14.3.2019

Er hat noch so viel zu erzählen. Karl-Dietmar Plentz aus Schwante, der bekannteste Bäcker in der Region Oranienburg, hat ein zweites Buch herausgebracht. Denn Plentz ist nicht nur Bäcker, er ist bekennender Christ in einer freikirchlichen Gemeinde, und er ist ein sehr guter Erzähler.
Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass es nun “Neue Geschichten vom Brotmacher” gibt: “Mit Laib & Seele” heißt sein zweites Buch, das er erneut gemeinsam mit Andrea Specht verfasst hat. Der Titel passt, denn viele Geschichten drehen sich genau darum, um den Laib Brot, den er jeden Tag bäckt, und um die Seele, um seine Seele, um die Seelen seines Umfeldes.

Er berichtet von seinen Glaubenszweifeln – zum Beispiel als seine Schwester in jungen Jahren gestorben war. Nachdem er im letzten Buch erzählt hat, wie er mit seinen Kumpels zu “Bombenbauern” wurden, geht es diesmal um die Suche nach einem Geheimgang unter der Vehlefanzer Kirche – und warum man eines Tages eine merkwürdige Entdeckung machen wird, wenn man die Ruhestätte der von Bredows öffnen würde.
Immer wieder geht es um Gottesfügungen. Von Menschen, die etwas in Plentz gesehen und ihn daraufhin gefördert haben. Um Momente, wo scheinbar Gott anwesend war, wenn es darum ging, Streitigkeiten zu schlichten. Fast schon spooky ist die Geschichte über einen Mann, dessen Frau gestorben war. Gott habe ihm den Namen “Hildegard” genannt und ihn aus dem Westen Deutschlands nach Schwante führte, weil dort eine Hildegard bei Plentzens im Bäckerladen gearbeitet hatte – und die beiden haben tatsächlich geheiratet! Auch eine Heilung eines eigentlich totkranken Menschen wird beschrieben.

Die spannendsten und rührendste Geschichte ist, als der Bäckermeister an einer Demo in Berlin teilnimmt – am “Marsch für das Leben”. Er ist, auch das erzählt er im Buch, ein Kind, das eigentlich abgetrieben werden sollte. Bei der Demo war er auch mit lauten und unangenehmen Gegendemonstranten konfrontiert. Plentz schreckte davor nicht zurück – und mischte sich unter die Gegendemo, um zu hören, was sie zu sagen hatten. In den Gesprächen setzte er sich mit Abtreibungsbefürwortern auseinander, um zu verstehen, was sie beschäftigt.

Ob ist es ja so, dass ein zweites Buch, mit “weiteren Geschichten” nur ein müder Abklatsch ist. Das ist hier nicht so. Plentz hat mitunter wirklich interessante Geschichten zu erzählen. Er gibt Einblicke in sein Familienleben, die diesmal weniger intim sind. Oft sind sie zum Schmunzeln, hier und da staunt man aber auch, welche Zufälle – die für ihn natürlich keine Zufälle sind – es im Leben doch gibt.
Auch in diesem zweiten Buch muss man sich als Leser, der normalerweise mit der Kirche nichts am Hut hat, dass dieses Thema dominierend ist. Aber wenn man dafür offen ist – und ein ungläubiges Stirnrunzeln hier und da ist ja nicht verboten -, dann diese diese Lektüre einen interessanten Einblick in so ein gottesgläubiges Leben, in ein Unternehmen, in eine Kirchengemeinde, in eine Familie.
Potenzial für ein drittes Buch ist sicherlich auch da – wenn einige Dinge werden auch diesmal nur angedeutet, lohnen aber ganz sicher, auch irgendwann mal erzählt zu werden.

Karl-Dietmar Plentz / Andrea Specht: Mit Laib & Seele – Neue Geschichten vom Brotmacher
Brunnen, 216 Seiten
8/10

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Abzocke beim Bouletten-König?

Dienstag, den 25. Januar 2022
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Immer mal wieder was Neues in den Fast-Food-Läden, und man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus.
Am Montagabend bei Burger King in Vehlefanz. Es ist zur Normalität geworden, dass man am Automaten bestellt. Dazu gehört, dass ich das Getränk ganz gerne ohne Eiswürfel bestelle, so auch diesmal.

Als ich mit dem Tablett und meinem Menü am Platz ankomme, stutze ich: Zum großen Menü gehört ein 0,5-Liter-Getränk. Vor mir steht aber ein 0,4-Liter-Becher. Ich denke mir meinen Teil und gehe damit zurück zum Tresen.
Dort hat man eine sehr interessante Erklärung: Das soll so sein. Wenn man ein 0,5-Liter-Getränk ohne Eiswürfel bestellt, bekommt man einen 0,4-Liter-Becher, der aber höher abgefüllt ist als es die 0,4-Liter-Markierung anzeige. Ahja. Das sei doch trotzdem Beschiss, meine ich. Und der Mann hinterm Tresen antwortet, dass er ja am Automaten die 0,5-Liter-Taste drücke, und außerdem habe man Lieferengpässe.
Keine Ahnung, worauf sich nun die Engpässe beziehen, aber angeblich hat Burger King alles richtig gemacht. Was aber gegenüber dem Kunden trotzdem nicht okay ist, ihm nun einen 0,4-Liter-Becher zu geben – es macht auf jeden Fall einen falschen Eindruck.
Ich hätte mir, weil der Tresenmann mir die Abfüllung gezeigt hat, diese zweiten Becher sogar noch mitnehmen können, aber ich verzichtete, etwas bockig.

Aber ich nahm den Becher mit nach Hause. Ich wollte das mit eigenen Augen sehen. Ich füllte also den Becher mit Wasser fast ganz voll und leerte den Inhalt dann in einem Messbecher. Und tatsächlich: Es sind 0,5 Liter in diesem 0,4-Liter-Becher.
Ich gebe zu, fast war ich ein bisschen enttäuscht. Unclever in Sachen Marketing ist es dennoch, die 0,5-Liter-Bestellung in einem Becher rauszugeben, in dem 0,4 Liter draufstehen.

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Wahlkampf: Schwere Vorwürfe an die BfO

Donnerstag, den 13. Januar 2022
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Dirk Lehmann aus Schwante schreibt Offenen Brief – Bürgermeister Leys darf nicht als Amtsperson werben

MAZ Oberhavel, 13.1.2022

Oberkrämer.
Der Schwantener Dirk Lehmann wirft den Bürgern für Oberkrämer (BfO) schwere Verfehlungen im Bürgermeister-Wahlkampf vor. In einem Fall räumt die BfO einen Fehler ein und bittet um Entschuldigung.
Alles begann am Montag mit einem offenen Brief, der an den Kreiswahlleiter Rudi Mießner, die Gemeindewahlleiterin Sabine Großmann und an die Presse ging. Dirk Lehmann schreibt darin, dass der Wahlkampf fair verlaufe. „Bis auf eine Ausnahme: Die Kandidatin der BfO, Carolin Schmiel, leistet sich immer wieder – ob gewollt oder ungewollt – Verfehlungen, welche sogar gegen aktuelle Rechtsprechung (…) verstoßen.“

Die Liste umfasst fünf Punkte. Die MAZ ist allen Punkten nachgegangen. Dirk Lehmann wirft der BfO unter Punkt 1 vor, dass in der Vehlefanzer Kita im Dezember Wahlwerbung in Form der Ankündigung der Weihnachtskutschentour der BfO gehangen habe. Dazu sagte BfO-Chef Matthias Schreiber am Mittwoch auf MAZ-Nachfrage, dass er davon ausgehe, dass niemand von der BfO dort den Flyer offiziell angebracht habe. Zudem habe es im Umfeld der Veranstaltungen keine direkte Wahlwerbung gegeben, so Schreiber.

Punkt 2: BfO-Kandidatin Carolin Schmiel habe in den Räumen der Gemeindeverwaltung während der Arbeitszeit geholfen, Weihnachtstüten für Senioren zu packen. Dabei handelte es sich um eine Aktion für die Senioren in Vehlefanz, die schon länger läuft. Wie die Verantwortliche Kerstin Laatsch am Mittwoch sagte, fand das Packen in ihrem Büro in „Haus der Generationen“ statt. Schwierig ist die Einordnung der Arbeitszeit, denn Schmiel ist jetzt schon stellvertretende Bürgermeisterin, da kommen solche Aktionen vor. In der Berichterstattung der BfO auf Facebook wurde sie aber als Bürgermeisterkandidatin betitelt. Carolin Schmiel weist aber auch darauf hin, dass sie sich nicht während der Arbeitszeit um ihre Kandidatur kümmere, dass sie sich dann in der Verwaltung auslogge, diese Zeiten dann also nicht als Arbeitszeit gelten würden.

Dirk Lehmann wirft außerdem der BfO vor, dass dessen Vorsitzender Matthias Schreiber beobachtet worden sei, wie er gemeinsam mit seiner Frau, die im Ordnungsamt arbeitet und die mit einem Fahrzeug der Gemeinde unterwegs gewesen sei, in Eichstädt BfO-Plakate aufgehangen habe. Als Beweis werden Zeugen und Fotos angegeben. Matthias Schreiber kündigt in dem Zusammenhang rechtliche Schritte an. „Eine Anzeige wegen Verleumdung wurde gefertigt“, so Schreiber in einer Stellungnahme. Wie er sagt, sei Eichstädts Ortsvorsteher Dirk Ostendorf dabei gewesen. Nach Schreibers Angaben habe die Ordnungsamtsmitarbeiterin – seine Frau – nicht geholfen, Plakate aufzuhängen, sondern sie habe in ihrer Job-Funktion darauf hingewiesen, dass ein BfO-Plakat an einer unzulässigen Stelle gehangen habe. Was die Beweisfotos angeht, kommt Sebastian Wolf, der Bürgermeisterkandidat der Linken, ins Spiel. Laut Dirk Lehmann würden die Fotos von ihm stammen. Wolf selbst sagte jedoch auf MAZ-Nachfrage, dass man auf den Fotos wenig Konkretes erkennen könne. Er stünde auch als Zeuge nicht zur Verfügung. Es ist jedoch von einem Wortgefecht zwischen Wolf und Schreiber vor Ort die Rede.

Weiterer Vorwurf: Die Gemeinde Oberkrämer habe eine Wahl-Veranstaltung auf dem Dorfplatz in Klein-Ziethen untergesagt, an der drei Kandidaten teilgenommen hätten, nicht aber die Kandidatin der BfO. Bei einer Veranstaltung der BfO in Schwante wiederum, seien dagegen keine Abstände eingehalten worden, auch seien mehr als zehn Leute zusammengekommen. Laut Ordnungsamtsleiter Dirk Eger habe die Gemeinde die Veranstaltung in Klein-Ziethen nicht untersagt. „Da hatten wir gar keine Infos drüber“, sagte er der MAZ. Dementsprechend habe es da seitens der Gemeinde keine Einmischung gegeben. Auch der Neujahrsempfang in Vehlefanz ist nicht untersagt worden, sondern wurde durch den Heimatverein aufgrund der hohen Hürden der Umsetzung abgesagt.

Schwerwiegend ist der Vorwurf Lehmanns, dass auf einem BfO-Flyer auch Bürgermeister Peter Leys für Carolin Schmiel wirbt. „Verstoß gegen das Neutralitätsgebot“, so Dirk Lehmann. Matthias Schreiber räumt diesen Fehler ein. „Dafür bitten wir um Entschuldigung“, sagte er. Der Begriff „Bürgermeister“ dürfe dort nicht erscheinen. Auch Carolin Schmiel, die Kandidatin selbst, räumte das Versäumnis ein. Als Privatperson dürfe er aber werben, und deshalb seien die Flyer nun mit Überklebungen oder Schwärzungen verteilt worden. Einen ähnlichen Hinweis gab es vom Landkreis. Leys sei „auf sein Neutralitätsgebot hingewiesen“ worden, „da er im Falle des genannten Flyers nicht als Privatperson handelt“, so Pressesprecherin Constanze Gatzke.

Gemeindewahlleiterin Sabine Großmann schließt unterdessen aus, dass Carolin Schmiel von der Wahl ausgeschlossen werde. Es gebe aber die Möglichkeit, nach der Wahl Einsprüche zu erheben.

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