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Das zweite Berlin im Krämer Wald

Donnerstag, den 6. Februar 2014
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Die Nazis bauten zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow Anlagen auf, die die Bomber von der Großstadt ablenken sollten

MAZ Oranienburg, 6.2.2014

OBERKRÄMER/KREMMEN
Alles sollte aus der Luft betrachtet so aussehen wie das Original: Straßenzüge, Kreuzungen, Häuser und viel Licht. So, wie es 1940 rund um die Friedrichstraße in Berlin-Mitte eben aussah. In Wirklichkeit befand sich das Areal auf einem Feld zwischen Eichstädt und Vehlefanz. Die Straßenschluchten waren beleuchtete Waldschneisen. Neu-Berlin sagten die Leute damals zu dieser sogenannten Scheinanlage. Rund um die Reichshauptstadt bauten die Nazis im Zweiten Weltkrieg diese Anlagen auf, um die englischen und amerikanischen Bomber von ihren eigentlichen Zielen abzulenken. An anderen Stellen wollten sie angriffswürdige Ziele vertuschen.

Über dieses Kapitel deutscher Geschichte ist bislang nur wenig bekannt. Der Berliner Hobbyforscher Peter Reinhardt befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema. Am Dienstagabend hielt er einen Vortrag in Grünefeld (Havelland). „Es gibt kaum Infos und Dokumente“, erzählte er.

Rund um den Krämer Wald, in einem Gebiet zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow befand sich die größte Anlage in der Region. Sie trug die Bezeichnung „V-500“, die Engländer gaben ihr den Namen „Decoy-City“ oder auch „Berlin-Nauen 1“. Sie sollte an zwölf Stellen eine Gesamtdarstellung von Berlin simulieren. Dazu gehörte die Friedrichstraße nahe Eichstädt, Bahngleise und Güterbahnhöfe bei Eichstädt, Grünefeld und Perwenitz oder ein Flughafen bei Pausin. „Die Leute in diesen Gebieten fragten sich immer wieder, warum dort ab und zu Bomben gefallen sind“, erzählte Peter Reinhardt. Oftmals sei erst nach dem Krieg die Existenz einer solchen Anlage klar gewesen.
Mehrere dieser Bauten standen nahe Pausin. Nördlich des Dorfes installierten die Nazis Metallwannen mit einem Altöl-Benzingemisch. Die Flammen sollten aus der Ferne einen Großbrand simulieren. Ebenfalls bei Pausin ist ein ganzer Flughafen zum Schein simuliert worden. Dazu gehörten große Modellflugzeuge aus Holz, die immer hin und hergeschoben worden seien, um Verkehrsbewegungen darzustellen. Auf einem Acker bei Perwenitz gab es ganze Schienenanlagen, die den Bahnverkehr aber ebenfalls nur simulierten. Ebenso nahe Eichstädt und Grünefeld. Die heutige Autobahn 10, der Berliner Ring, war damals noch nicht fertig, aber der Brückenkopf bei Paaren im Glien stand bereits, die Fundamente dienten ebenfalls als Scheinanlage. Nahe der alten Grünefelder Mühle standen Scheinwerfer, auf einem Feld am Vehlefanzer Weg bei Börnicke sind ähnliche Entdeckungen gemacht worden. Auf den Feldern zwischen Staffelde, Groß-Ziethen und Klein-Ziethen befanden sich, ähnlich wie bei Eichstädt, beleuchtete Schneisen im Wald – auch sie sollten teilweise die Großstadt darstellen. Wer zwischen Paaren im Glien und Perwenitz unterwegs ist, wird nahe der Tankstelle am Berliner Ring auf alte Fundamente solcher Bauten treffen. „Man muss aber ganz genau hinsehen“, sagte Peter Reinhardt. „Es steht beispielsweise eine Holzhütte darauf.“ In einem Waldstück bei Schönwalde-Glien entdeckte er lauter Erdhügel, auf denen in den 1940er-Jahren Scheinwerfer standen, die ebenfalls einen Teil der Stadt Berlin simulieren sollten.

Kräfte der Luftwaffe stellten den Betrieb der Anlagen sicher. Um sie vor Bombenangriffen zu schützen, sind jeweils unweit davon leichte Bunker gebaut worden. In Grünefeld ist einer heute noch zu sehen.
Dass Berlin etwa 30 Kilometer weiter südöstlich vom Krämer Wald liegt, bekamen die Engländer aber schnell mit. Auf Karten vermerkten sie die Scheinanlagen von „Decoy-City“. 30 englische und amerikanische Flieger sind bis zum Ende des Krieges in der Region abgestürzt.

Peter Reinhardt hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Kapitel der Scheinanlagen bekannter zu machen. Er sucht weiter nach Zeitzeugen, Fotos und Dokumenten

*

Simulierte Heinkel-Werke bei Nassenheide
Eine Auswahl von Scheinanlagen während des Zweiten Weltkrieges:
Bei Mühlenbeck befand sich in den Rieselfeldern eine Anlage, die mit Scheinwerfern und Rauch einen Großbrand simulieren sollte. In der Nähe von Nassenheide sind Teile der Anlage des Germendorfer Heinkel-Werkes nachgestellt worden.
In einem Gebiet zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow befand sich die Scheinanlage „V-500“. Innerhalb dieses Kreises sind diverse Maßnahmen ergriffen worden, um die Bomber von Berlin abzulenken. Zwischen Staffelde und Groß-Ziethen befanden sich beleuchtete Waldschneisen, die Berliner Straßenzüge darstellen sollten.
In der Region Eichstädt/Vehlefanz befanden sich Signalraketen, Schein-Bahn- und Verkehrsanlagen sowie ein Scheinfeuer. Auch ist dort ein Teil von Berlin-Mitte durch Schneisen und Lichter simuliert worden. Eine weitere Anlage bestand, laut einer Karte, zwischen Velten und Schönwalde.
Südlich von Pausin ist ein Testfeld angelegt worden, auf dem alle Scheinanlagen erprobt worden sind. Auch gab es dort eine komplette Flugplatzanlage – ebenfalls nur zum Schein. Noch vor dem Bau des Berliner Rings diente der schon fertige Brückenkopf nahe Paaren im Glien ebenfalls als Scheinanlage.

RTelenovela

Der Ausführungskostenanteil der Teilnehmergemeinschaft

Freitag, den 24. Januar 2014
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Es war von einem Vorhabenträger die Rede und von einer Teilnehmergemeinschaft. Dann gab es noch die Ausführungskosten im Einwirkungsbereich. Nicht zu vergessen den Regelungsbedarf.
Zwischendurch hatte eine Frau die ganz entscheidende Frage, und sie flüsterte sie ihrem Mann zu: “Verstehst du das?” Ihr Mann schüttelte nur den Kopf. Tja, da waren die beiden nicht allein.
Gut 100 Leute hörten am Donnerstagabend im Bärenklauer Dorfkrug dem Vortrag eines Herrn des Landesamtes für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung zu. Und nicht nur der Name dieser Einrichtung ist kompliziert. Es ging – und es wird nicht einfacher – um ein Flurbereinigungsverfahren in Oberkrämer. Die gut 100 Leute waren gekommen, um zu erfahren, was dahinter steckt.

65 Minuten dauerte der Monolog des Landesamtsmannes. Gespickt mit komplizierten Wörtern und theoretischen Begebenheiten. Irgendwie haben alle am Ende durchaus mitbekommen, worum es geht. Aber warum schaffen es Beamte nicht, sich so auszudrücken, dass man nicht erst im Amtsdeutsch-Deutsch-Übersetzungsbuch blättern muss? Einmal mehr zeigte sich, dass die Leute in den Behörden scheinbar nicht mehr die Sprache der Leute hier draußen sprechen.

aRTikel

Die Historie des Gebäudes bleibt weiter sichtbar

Dienstag, den 14. Januar 2014
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Seit fünf Jahren wird die Kirche in Vehlefanz saniert / Fassade bis Ende des Jahres fertig

MAZ Oranienburg, 14.1.2014

VEHLEFANZ
Die Kirchenuhr zeigt 7.50 Uhr. Immer, den ganzen Tag. Die Uhr steht, und das schon seit Wochen. Auch die Kirchenglocke schweigt, selbst zu Weihnachten blieb es in Vehlefanz still. Seit dem Spätherbst des vergangenen Jahres ist kein Strom da. Solange die Fassade des alten Kirchengebäudes saniert wird, bleibt das auch so. „Wir mussten die Hauptleitung abklemmen“, sagt Pfarrer Thomas Hellriegel. Für die Feiern zum Weihnachtsfest ist extra eine Baustellen-Notstromleitung gelegt worden.

Seit 2009 schon dauern die Bauarbeiten. „Das Ziel ist die grundhafte Sanierung und Restaurierung des Gebäudes“, so der Pfarrer. Von 2010 bis 2012 ist das Dach hergerichtet und komplett neu eingedeckt worden. Momentan stehen draußen Gerüste. „Es ist deutlich geworden, dass wir am Südanbau erheblich mehr Schäden haben als gedacht“, sagt Thomas Hellriegel. Der Giebel war durchgefault und hatte kaum noch Tragkraft. „Auch wegen des Denkmalschutzes müssen wir behutsam rangehen.“ Statisch sei der Umbau an der Stelle ein Problem gewesen, weil das neue Dach ja schon drauf war. „Wir haben das hinbekommen, aber es wäre natürlich einfacher gewesen, wenn wir das Dach danach erst saniert hätten“, so Hellriegel.

Ende 2014 soll die Außensanierung fertig sein. Dazu gehört auch der Putz der Kirche. „Dabei handelt es sich an vielen Stellen um poröses Gestein aus dem 18. Jahrhundert. Das ist nicht so solide wie Ziegel.“ Hellriegel kratzt ein wenig an den alten Steinen, und tatsächlich krümelt es auf die Erde. Bei den Bauarbeiten soll ein Kompromiss zwischen der Erneuerung und die Sicht auf die Baugeschichte geschaffen werden. „Wir wollen, dass es sichtbar bleibt, wo früher mal Fenster waren. Es wird am Gemäuer auch weiterhin Stellen geben, an denen die Historie einsehbar ist.“ Eventuell sollen später zusätzliche Schrifttafeln angebracht werden. Momentan ist die Baustelle in Vehlefanz allerdings verwaist. „Wir haben Winterpause“, sagt der Pfarrer. „Wenn wir gewusst hätten, dass es so mild ist, hätten wir weitergemacht.“

Bis Ende 2014 sollen etwa 650 000 Euro in Vehlefanz verbaut worden sein. Gefördert wird das Projekt von der Landesregierung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der kirchlichen Stiftung zum Erhalt von Baudenkmalen, der Landeskirche, dem Kirchenkreis, der Gemeinde Oberkrämer sowie diversen privaten Stiftungen.

Im Jahr 2015 geht es im Inneren der Kirche weiter. Pfarrer Thomas Hellriegel zeigt auf die Risse oben in der Wand. „Die kommen von der Dachsanierung“, sagt er. Allerdings sind die entsprechenden Folgeschäden geringer als angenommen. Was außerdem genau im Innenraum passieren soll, darüber herrscht noch Unklarheit. „Wir wollen im Laufe der nächsten Monate ein Konzept erarbeiten.“ Demnächst soll deshalb ein Spendenaufruf gestartet werden, denn für den Innenausbau gibt es weniger Fördergelder als für die bisherigen Arbeiten.
Beispielsweise wird es bald um die Fragen gehen, was aus der Bemalung werden soll, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. „Darunter könnten sich eventuell historische Zeugnisse befinden“, so Hellriegel. Stichprobenartig könnte dies untersucht werden. „Historisch gesehen soll möglichst viel sichtbar bleiben.“ Die Kirchenbänke bekommen aber auf jeden Fall eine Frischzellenkur. Auch eine Heizung soll es dann geben. „Gottesdienste finden bisher immer nur im Sommerhalbjahr statt, das wird sich danach ändern.“

Thomas Hellriegel, der seit 2011 Pfarrer in den Kirchengemeinden in Vehlefanz und Schwante ist, freut sich über das Interesse der Dorfbewohner. „Sie fragen nach und sagen auch mal ihre Meinung.“ Etwa 15 Leuten kommen regelmäßig zu den Gottesdiensten, zu Taufen und zu den großen Festen sind es erheblich mehr.
Nicht nur in Vehlefanz wird gebaut, auch der Kirchturm in Schwante soll bald saniert werden, kündigt Pfarrer Hellriegel an.

aRTikel

„Ich freue mich auf das E-Book“

Freitag, den 11. Oktober 2013
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20 Jahre Bibliothek in Vehlefanz: Margot Deetz spricht über die Zukunft des Buches, über Bestseller und Konstantin Wecker

MAZ Oranienburg, 11.10.2013

VEHLEFANZ
Seit 20 Jahren leitet Margot Deetz die Bibliothek in der Vehlefanzer Nashorn-Grundschule. Die Jubiläumswochen sind zu Ende. Jetzt geht es in den Alltag zurück, aber auch der ist aufregend genug.

MAZ: Hier stehen so viele Bücher. Sind die für die Kinder überhaupt noch spannend?
Margot Deetz: Ja, auf jeden Fall! Dieses Wetter da draußen, das ist meine Zeit! Dann sind die Kinder alle hier drinnen. Bücher, die abgegeben wurden, liegen dann gern mal noch auf der Theke, und schon beginnen sie, darin herumstöbern. Außerdem gibt es ja inzwischen viele witzige Kinderbücher. Die sehen sie sich an und nutzen sie für die Vorlesewettbewerbe, die ja jedes Jahr stattfinden.

Die Bibliothek befindet sich in der Schule. Ist das ein Vorteil?
Deetz: Auf jeden Fall! Ich möchte in Zukunft auch noch mehr in die Klassen reingehen und für die Bibliothek werben. Man muss präsent sein und zeigen, was man hat.

Hat sich denn das Leseverhalten in den vergangenen 20 Jahren stark verändert?
Deetz: Gerade bei den Erwachsenen gibt es viele Nachfragen wegen der E-Books, da arbeiten wir dran und kooperieren wie alle hauptamtlich geleiteten Bibliotheken mit der Oranienburger Bücherei. Wir geben uns Mühe. Wir haben inzwischen auch ein gutes Angebot an DVDs, die gehen irre, und das muss man einfach akzeptieren. Auch die Nintendo-DS-Spiele gehen alle weg. „Lillifee“ genauso wie das Mathetraining.

Was halten Sie denn von den E-Books? Besser als richtige Bücher aus Papier?
Deetz: Das will ich unbedingt, aber nicht sofort. Ich warte erst mal ab, welches System wir hier bei uns einführen. Ich bin ja jetzt im Brillenalter, und mich begeistern die technischen Möglichkeiten. Ich kann die Schriften vergrößern und habe Licht. Ich freue mich darauf und warte darauf.

Es gab vor ein paar Jahren den Harry-Potter-Hype. Gibt es jetzt etwas Ähnliches?
Deetz (greift hinter sich ins Regal): Jetzt gibt es zum Beispiel „Gregs Tagebuch“, das ist eine interessante Mischung aus Comic und Text. Die Überheblichkeit Comics gegenüber habe ich mir abgewöhnt. Meine Kinder haben Garfield-Comics gelesen. Im Auslandsurlaub sahen wir dann mal einen Film mit Untertiteln. Meine Kinder sind damit klargekommen, ich hatte Schwierigkeiten. Ich denke, Comics fördern die Zweigleisigkeit, also lesen und schauen.

Ich sehe, da hinter Ihnen steht eines der „Shades of Grey“-Bücher. Darin soll es ja mächtig abgehen.
Deetz: Die Leute fragen danach. Ich muss ja nicht alles lesen, was wir hier zu stehen haben. Da lasse ich die Arroganz mal fröhlich stecken. Ich kaufe, was sich die Leute wünschen und was mein Budget hergibt.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Deetz (überlegt): Ich mag „Der Alchimist“ von Paolo Coelho. Aber da gibt es noch mehr ( steht auf, holt etwas aus einem Regal auf der anderen Seite des Raumes ). In „Der Hals der Giraffe“ von Judith Schalansky geht es um den Schulalltag. „Am Rande der Haut“ von Iris Paul-Feußner hat mich tief beeindruckt, sie schreibt über die Zivilisationskrankheit, bei der mit Essen alle Sorgen kompensiert werden.

Und wie geht es weiter mit dem Medium Buch?
Deetz: Das ist immer in Entwicklung. Da habe ich auch etwas ganz Neues (steht wieder auf, holt etwas aus einem Regal). Ein Vogel-Bestimmungsbuch und einen Stift. Und wenn ich auf ein Zeichen neben der Abbildung des Vogels mit diesem Stift gehe, dann hört man die passenden Geräusche. Genial! Oder auch Bücher mit CDs. Da bin ich ganz gierig drauf! Ich denke, so kann man die Kinder motivieren, zu lesen und zu lernen.

Die Jubiläumsfeiern zum 20. Geburtstag der Bibliothek sind zu Ende. Was war der Höhepunkt?
Deetz: Mein Anspruch war, dass etwas bleibt. Ich habe gemeinsam mit den Schülern eine Chronik der Bibliothek zusammengestellt. Der schönste Augenblick für mich war das Konzert mit Gerhard Schöne in Eichstädt.

Welche Ziele stehen nun an?
Deetz: Wir haben den Bibliothekskatalog im Internet, den wollen wir ausbauen auf die aktuelle Opac-Version, mit der die Oranienburger Bibliothek arbeitet. Ich bin dankbar, dass ich die Verwaltung von Oberkrämer auf meiner Seite weiß. Wenn ich gut begründen konnte, wenn ich Mittel brauchte, habe ich sie bekommen. Wir wollen ein Maskottchen für die Bibliothek, vielleicht einen Lesefuchs.

Wollen Sie mal wieder Promis herholen?
Deetz: 1993 war ich größenwahnsinnig und wollte Konstantin Wecker. Den habe ich kürzlich auf der Zitadelle Spandau erlebt. Ihn haben die Jahre geprägt, das passt nicht so hierher. Wir wollen bald mehr Kinderveranstaltungen machen, das habe ich mir vorgenommen.

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Ein paar kritische Fragen, und das Eis war gebrochen

Donnerstag, den 10. Oktober 2013
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Vivien Genzow (20) hat ein Berufsziel: Mit Jugendlichen arbeiten – in Bärenklau übt sie schon mal

MAZ Oranienburg, 10.10.2013

BÄRENKLAU
Vivien Genzow kümmert sich nicht um die Jugendlichen in Bärenklau, sondern die kümmern sich auch mal um ihre Betreuerin. Als die 20-Jährige vor kurzem sehr erkältet war, bekam sie von den Jungs Tee. „Das fand ich sehr nett“, sagt sie und lächelt. Seit Anfang August absolviert die Veltenerin ein Praktikum bei der Jugendarbeit Oberkrämer und ist für den Klub in der Alten Remonteschule in Bärenklau zuständig. Sie macht eine Ausbildung zur Erzieherin bei der Agus-Gadat-Bildungsgruppe in Neuruppin. Die Arbeit mit Kindern ist ihr wichtig. „Sie erfüllt mein Leben“, sagt Vivien Genzow. Besonders merkt sie das, seit sie vor drei Jahren noch eine kleine Schwester bekommen hat.
Geprägt hat sie auch die Zeit an der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule in Birkenwerder. „Das soziale Miteinander, auch mit behinderten Mitschülern, hat auf mich eingewirkt.“ In Oranienburg machte sie später noch ein Wirtschaftsfachabitur.

Mal sind es an einem Tag fünf Leute, mal 15, die in den Bärenklauer Klub kommen. „Die Tendenz ist steigend“, sagt Vivien. Es spricht sich langsam rum, dass dort was los ist. Mundpropaganda ist in dem kleinen 1200-Seelen-Dorf das A und O.
Mittags gegen 13 Uhr öffnet sie die Tür. „Wir gucken dann immer, was wir denn zu Essen da haben.“ Entweder liegt noch was im Kühlschrank, oder die Jugendlichen bringen was von zu Hause mit. Gern unternehmen sie alle gemeinsam eine kulinarische Weltreise, und die funktioniert so: Blind zeigen sie auf dem Globus auf ein Land und überlegen dann, was dazu typisch gekocht werden könnte. Neulich stand die Türkei auf dem Plan. Es gab Börek, Hackfleisch im Teigmantel. „Das Schöne war, dass wir dann nicht nur türkisch gegessen, sondern uns auch mit dem Land befasst haben“, erzählt Vivien Genzow. „Das war für alle sehr lehrreich.“

Die Jugendklubgänger in Bärenklau haben ihre neue Betreuerin recht schnell angenommen. „Mir war klar, dass ich auf sie zugehen muss“, sagt Vivien. „Ich habe ihnen dann auch erst mal meinen Lebenslauf erzählt.“ Es kamen Fragen wie „Warum bis du hier? Und wie lange?“ Das Eis war bald gebrochen. „Das hat vielleicht drei bis vier Tage gedauert.“ Allerdings geht das auf dem Dorf auch schneller als in der Stadt, findet die Veltenerin. „Auf dem Dorf sind die Freundschaften viel enger, da kennt jeder jeden. Wir als Sozialarbeiter kennen eigentlich auch immer die Eltern der Jugendlichen.“ Das sei in der Stadt anders. Aber auf jeden Fall möchte sie später ein weiteres Praktikum in der städtischen Jugendarbeit absolvieren.
Für die Klubgänger ist der Treffpunkt im Dorf sehr wichtig. „Sie sind mal weg von den Eltern, sie wollen auch mal ihre Ruhe haben“, sagt Vivien Genzow. Im Klub bekommen sie die. Wobei Ruhe natürlich relativ ist: An den Spielkonsolen geht es schon mal hoch her. Inzwischen ist die Küche neu gemalert. „Wir haben uns für ein freundliches Grün entschieden.“ Und auch die gerade vergangenen Bundestagswahlen haben im Jugendklub eine große Rolle gespielt. „Bei uns fanden die U-18- Wahlen statt, und deshalb haben wir recht ausführlich darüber gesprochen.“ Es gab Momente, bei denen sich rund um den Computer kleine Grüppchen bildeten, um im Internet in Wahlprogrammen der Parteien zu stöbern.

Es läuft also alles gut in Bärenklau, und doch gibt es einen Wermutstropfen: Die Jugendlichen müssen Ende November schon wieder Abschied nehmen. Denn dann beginnt für Vivien die nächste Theoriezeit an der Neuruppiner Schule. „Ich weiß jetzt schon, dass ich die Zeit hier vermissen werde“, sagt sie. „Toll ist die Förderung, die ich hier bekomme.“ Sie darf an Seminaren und Veranstaltungen der Jugendarbeit teilnehmen. Genau das ist auch das Ziel von Marlies Arian, die für die Jugendkoordination in Oberkrämer zuständig ist. „Ein breites Spektrum ist wichtig.“ Deshalb gehört zum Praktikum auch mehr als die Betreuung im Klub. Beim Landeserntefest in Kremmen bauten Jugendliche aus Oberkrämer am Jugenddorf im Scheunenviertel mit. Das Mühlenfest in Vehlefanz ist ebenfalls von ihnen begleitet worden. Jetzt, in den Herbstferien, findet das zentrale Programm im Vehlefanzer Klub statt.

Wenn Vivien Genzow ihre Ausbildung in Neuruppin abgeschlossen hat, dann möchte sie am liebsten für ein Jahr in die USA gehen und als Aupair arbeiten. Und wie sieht es in fünf Jahren aus, was macht sie daann? Sie muss nicht lange überlegen: „Da bin ich mittenmang unter Jugendlichen.“ Was genau sie dann beruflich mit jungen Leute machen möchte, das lässt sie aber noch offen.

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Der Jugendklub in Bärenklau befindet sich in der alten Remonteschule im Dorfzentrum. Geöffnet ist nach den Herbstferien wieder montags bis freitags von 13 bis 20 Uhr.

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Es dreht sich alles ums Nashorn

Mittwoch, den 18. September 2013
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Vor 20 Jahren ist die Vehlefanzer Grundschule eröffnet worden / Hubert Gediga erinnert sich und blickt voraus

MAZ Oranienburg, 18.9.2013

VEHLEFANZ
In diesen Tagen feiert die Vehlefanzer Nashorn-Grundschule ihren 20. Geburtstag. Seit Anfang an dabei ist Schulleiter Hubert Gediga.

Erinnern Sie sich noch an den Umzug 1993?
Hubert Gediga: Ja. Damals sind 182 Kinder aus der alten Schule in die neue gezogen. Sarah Nitz aus der 1. Klasse bekam den Schlüssel und hat das Haus feierlich eröffnet. Kinder, Eltern und die ganze Dorfgemeinschaft stürmten hinein. Damals gab es auf dem Gelände nichts als die Schule, sie stand mitten auf dem Feld. Das war schwierig zu rechtfertigen, aber es war ja eine Investition in die Zukunft. Aula und Turnhalle kamen später. In der Einheitseuphorie sind blühende Landschaften versprochen worden. Wenn man die erleben wollte, dann hier. Die baulichen Voraussetzungen waren top.

Das konnte man ja von der alten Schule nicht behaupten.
Gediga: Da gab es 24 Kachelöfen und ein Plumpsklo. 1988 hat die Baubehörde es schon gesperrt, nur mit einer Sondergenehmigung konnten wir weitermachen. Die nächste Schule in der DDR wäre in Vehlefanz gebaut worden, im Herbst 1989 sollte Baubeginn sein, das ist dann auf das Frühjahr 1990 verschoben worden. Aber da gab es ja die DDR in der Form nicht mehr.

Es hat noch drei Jahre gedauert.
Gediga: Wir haben in Oberkrämer einen Schulzweckverband gegründet, erster Chef war Karsten-Peter Schröder, damals der Bürgermeister in Bärenklau. Wir wollten was Sinnvolles auf die Beine stellen. Als beim Bau das Geld ausging, übernahm der Landkreis die Bauherrschaft. Am 2. Oktober 1993 ist die Schule dann übergeben worden.

Und was hat es mit dem Nashorn auf sich?
Gediga: Als die Schule eingeweiht worden ist, schenkten mir die Architekten ein Holznashorn. Das fand ich niedlich. (Tritt ans Fenster, zeigt raus.) Schauen Sie mal, der Vorbau sieht ein wenig aus wie ein Nashorn. Da, die Fenster, die sehen ein bisschen aus wie die Augen. So haben mir das auch die Architekten erzählt.

Später wurde es dann offiziell?
Gediga: Im Oktober 2003, als die Schule zehn Jahre alt wurde, haben wir eine Umfrage unter den Kindern gemacht. Bis dahin hießen wir „Neue Schule Vehlefanz“. Wir wollten keine Person als Schulnamen haben, es sollte was kindgerechtes sein. Drei Viertel entschieden sich in der Umfrage für die Nashorn-Grundschule.

Ist doch nett, oder?
Gediga: Sie glauben gar nicht, was man mit Nashörnern alles machen kann! In der Jubiläumswoche dreht sich alles nur darum.

Haben sich die Schüler in 20 Jahren verändert?
Gediga: Oh ja! Zu meiner Zeit hat mir Opa erklärt, wie die Welt funktioniert. Jetzt ist es umgekehrt. Der Zehnjährige erklärt dem Opa die heutige Technik. Auch im Verhalten stellen wir Unterschiede fest. Eltern werden immer später Eltern. Oft sind die Kinder zu Hause kleine Stars, und das soll ja auch so sein. Dann aber kommen sie in die Schule und sind nicht mehr Platz 1, sondern einer unter 18 anderen. Das ist für viele Kinder dann schwierig. Auch hat der Anteil der alleinerziehenden Eltern stark zugenommen. Wir müssen damit leben, dass zu Hause immer seltener ein Elternpaar lebt. Auch wir sind da ganz anders in der Verantwortung.

Und der Unterricht?
Gediga: Heute ist es nicht mehr wichtig rauszufinden, wann Napoleon nach Russland gegangen ist, das steht alles im Netz. Die Art des Wissenserwerbes hat sich verändert. Unsere Möglichkeiten, die Medien zu nutzen, sind anders. Nicht besser, sondern anders. Wir müssen versuchen, das zu steuern. Wobei wir natürlich nicht wissen, womit sie sich zu Hause beschäftigen. Ich sage immer zu meinen Kollegen: Ihr müsst Möglichkeiten finden, dass euch die Kinder zuhören. Da gibt es ganz unterschiedliche Lernansätze.

Oberkrämer muss bis 2014 noch einmal eine halbe Million Euro investieren, um beispielsweise die Holzfassade zu sanieren.
Gediga: Die Schule wurde zu einem Zeitpunkt gebaut, als Umwelt und Wärmehaushalt eine untergeordnete Rolle spielten. Die Architekten konnten sich austoben. Jetzt entspricht das nicht mehr den Anforderungen. Durch das Holz entweicht die Wärme, wir haben extrem hohe Heizkosten.Das zu erneuern, kostet eine Menge. Es soll aber auch was kosten, es muss schließlich wieder mindestens 20 Jahre halten. Wir sind dankbar, dass die Gemeinde bereit ist, da zu investieren. Die Unterstützung für uns ist immer da.

RTelenovela

Ein Autohof – oder so was Ähnliches

Mittwoch, den 4. September 2013
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Ich war ein bisschen voreilig, als ich meinem Kollegen sagte, ich würde auf dem Autohof in Vehlefanz mittagessen.
Ich war schon auf diversen Autohöfen, und normalerweise bestehen die aus einer Tankstelle und einem Restaurant. Deshalb war ich mir auch ziemlich sicher, in Vehlefanz das zu bekommen, was ich vermutete.

Leider ist der Autohof in Vehlefanz eher eine Sehr-light-Vatiante. Denn ein separates Restaurant gibt es dort nicht, nur eine kleine Bistronische im Tankstellenkiosk. Wenn man mal bei Wikipedia nachschaut, dann ist es nicht ganz unumstritten, ob das überhaupt als Autohof gilt. Ein großer Parkplatz und eine Tankstelle reichen da nicht wirklich aus. Aber die Gesetzeslage ist in der Hinsicht wohl etwas schwammig.

Mein Besuch auf dem Autohof Vehlefanz fiel jedenfalls sehr kurz aus, stattdessen ging es weiter ins Dorf – da gibt’s Döner.