aRTikel

Überflieger: Vom Drescherfest bis zum großen Lichtspektakel

Samstag, den 20. April 2019
Tags: , , , , , ,

Die aus Vehlefanz stammende Alice Paul-Lunow (38) plant in ihrer FirmaFine Emotion Events – alles beginnt am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium

MAZ Oberhavel, 20.4.2019

Vehlefanz.
Events sind ihr Ding. Schon in der Schule war das so, als sie am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium den Frühlingsball organisierte. Inzwischen ist Alice Paul-Lunow Geschäftsführerin ihrer eigenen Firma. Das in Potsdam ansässige Unternehmen Fine Emotion gibt es seit acht Jahren. Erst kürzlich fand in der Landeshauptstadt das Tulpenfest statt. Im Herbst heißt es „Berlin leuchtet“ unter ihrer Projektleitung, außerdem findet das Lichtspektakel in Potsdam statt. Bedeutend ist auch die Veranstaltung „M 100“, zu der viele Medienschaffende nach Potsdam kommen.

Alice Paul-Lunow ist in Vehlefanz groß geworden, ihre Familie lebt dort noch immer. Dietmar Sturzbecher, dem der Alte Dorfkrug in Staffelde gehört, ist ihr Vater. „Ich wusste immer, dass ich mit Menschen arbeiten möchte“, erzählt die 38-Jährige. Am Puschkin-Gymnasium war sie Schulsprecherin. Schon mit 17 Jahren bekam sie die Gelegenheit, für eine Agentur Veranstaltungen zu organisieren. „Ich habe dann mit 18 ein Kleingewerbe angemeldet. Damals gab es ja noch nicht so viel in Hennigsdorf.“ Sie war dann an verschiedenen Aktionen im Einkaufszentrum „Ziel“ und in der Storchengalerie beteiligt. „Es gab mal ein Beachvolleyball-Event auf dem Havelplatz.“ Nach dem Abi im Jahr 2000 begann sie eine Lehre als Marketingkauffrau. „Damals gab es noch kein Studium zum Veranstaltungsmanager.“
Im Laufe der Jahre seien die Events immer größer geworden. „Man sammelt ja mit der Zeit immer mehr Kontakte.“ 2010 war sie für eine Festveranstaltung zum 125. Kudamm-Jubiläum in Berlin zuständig. „Mit 10 000 geladenen Gästen und einem großen Feuerwerk an der Gedächtniskirche.“

Wichtig für solche Veranstaltungen sei eine gute Vorplanung. „Dann gibt es den Spannungsmoment, wo dann die Sachen auch alle gelingen müssen. Immerhin ist es für den Kunden der eine große Tag, da ist es egal, ob was schief geht.“ Klar, es funktioniere nicht immer alles, aber im Idealfall bekomme das keiner mit. „Ich mag den Prozess, Dinge zu gestalten. Und das Tolle ist: man bekommt sofort ein Feedback.“ Insgesamt 22 Leute arbeiten in zwei verschiedenen GmbH, eine davon betreibt Gastronomie-Objekte wie den Kutschstall und das Freundschaftsinsel-Café in Potsdam. Am vergangenen Wochenende waren 18 000 Menschen beim Potsdamer Tulpenfest, trotz schlechten Wetters. Allerdings gibt es momentan rund um das Fest Unruhe, weil der frühere Ausrichter rechtlich dagegen vorgehen will und es selbst wieder in die Hand nehmen möchte.

Für Alice Paul-Lunow spielt aber auch Oberhavel weiter eine Rolle. „Ich freue mich, wie sich die Region weiterentwickelt“, sagt sie. Sie lobt das Schloss Schwante, das Forsthaus in Sommerswalde und das Kremmener Scheunenviertel. Am Sonnabend, 27. April, ist sie beim Krämerwaldfest in Wolfslake, sie wird das Festprogramm moderieren. „Es ist total schön, dort wieder zu sein.“ Auch gehört sie zum Organisationsteam des Staffelder Drescherfestes, das am Alten Dorfkrug stattfindet.

Die Art der Veranstaltungen habe sich in den vergangenen Jahren durchaus geändert. „Früher gab es bei solchen Gelegenheiten immer, Champagner und Kaviar, aber das ist heute natürlich schwer erklärbar. Der Trend setzt auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Es geht darum, Wärme zu vermitteln, die Leute abzuholen, sie sehnen sich danach, berührt zu werden.“

Sie hat zwei Kinder. „Das muss man gut organisieren, aber das haben wir sehr gut hinbekommen.“ Nachmittags nimmt sie sich Zeit für die Kinder, aber dafür wird abends noch mal gearbeitet. Momentan steckt sie schon in den Vorbereitungen für die Berliner und Potsdamer Lichterfeste. „Ansonsten lese ich sehr gerne“, sagt sie. Privat telefoniert sie ungern. „Ich versuche dann eher, Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, da brauche ich auch keine laute Musik.“

Hits: 139

RTelenovela

Ab nach Henningsdorf!

Montag, den 15. April 2019
Tags: , ,

Vielleicht hätte man doch noch mal nachschauen sollen. Auf der Landstraße zwischen Vehlefanz und Eichstädt ist in der dortigen Baustelle ein neuer, provisorischer Wegweiser aufgestellt worden. Da fiel mir am Sonnabend etwas sofort ins Auge. Denn ganz oben und ganz groß stand der Hinweis auf die Stadt “Henningsdorf”.
Mir ist das sofort aufgefallen, aber diversen Leuten, die sich sicherlich mit der Aufstellung eines solchen Schildes beschäftigt haben, scheinbar nicht.

Viele Leute sprechen von “Henningsdorf”, wenn sie von der sogenannten Stahlstadt an der Havel sprechen. Kein Wunder, dass da öfter mal ein N zu viel im Ortsnamen auftaucht. Denn natürlich heißt die Stadt Hennigsdorf.
Ob wir uns den “Henningsdorf”-Schriftzug nun monatelang ansehen müssen?

Hits: 133

aRTikel

Sind Sie eigentlich volksnah, Herr Leys?

Samstag, den 23. März 2019
Tags: , , , , ,

Oberkrämers Bürgermeister äußert sich über den Zuzug, die Schulsituation und den Autobahnbau

MAZ Oberhavel, 23.3.2019

Oberkrämer.
Der Gemeinde Oberkrämer geht es finanziell gut, Probleme gibt es dennoch einige. Der hohe Zuzug bedeutet, dass es enger wird in den Kitas und Schulen, die neuen Bewohner müssen integriert werden. Und wie geht es weiter mit dem Oberschulthema? Über diese und andere Themen spricht Bürgermeister Peter Leys im MAZ-Interview.

Oberkrämer wächst. Ist das ein Segen oder ein Fluch?
Peter Leys: Weder noch. Ein Segen schon deshalb nicht, weil nicht die Notwendigkeit besteht, mit Gewalt wachsen zu müssen. Ein Fluch würde sich sehr schlimm anhören. Es ist mit Belastungen verbunden, aber wir werden uns bemühen, die Probleme zu lösen.

Marwitz wächst derzeit rasant. Stichwort „Marwitzer Heide“. Wie kann man die neuen Bewohner integrieren?
Das ist sicherlich nicht so einfach. Aber zum Beispiel, indem wir die Vereine unterstützen, die die Möglichkeit bieten, Kontakte aufzunehmen. Dort finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Auch die Feuerwehr hat ein sehr aktives Leben, da haben auch schon einige angeklopft.

Wird Oberkrämer weiterhin allen Kindern Kita- und Grundschulplätze anbieten können?
Ich denke ja, aber einen Garantieschein würde ich da auch nicht vergeben wollen. Es ist unwahrscheinlich schwer einzuschätzen, wie die weitere Entwicklung ist. Wir hatten vor zwei Jahren die Situation, dass wir den Kitabedarfsplan verabschiedet haben, und vier Monate später haben wir schon einen Nachtrag beschlossen. Aber wir wollen das nicht dem Zufall überlassen. Die Entwicklung geht nach oben, aber nicht unendlich nach oben. Wir werden Kitaplätze anbieten können, aber nicht immer entsprechend den Wünschen der neuen Bürger. Das ist ein Riesenproblem. Wir können nicht an jeder Kita anbauen.

In der Hinsicht werfen Ihnen Kritiker Planlosigkeit vor.
Die Planung hat ein Büro neutral von außen erstellt. Da ging man von den Geburtenzahlen aus, die sind nicht höher als woanders, man zog Prognosen des Landes und der Bertelsmann Stiftung zurate. Bis vor zwei Jahren waren sich alle Experten sicher, dass Oberkrämer schrumpfen wird. Wir haben damals unsere Zweifel angemeldet. Den Schuh würde ich mir deshalb nicht anziehen.

In Velten wird mehr Platz für die Oberschule geschaffen. Aber es gibt weiter Forderungen nach einer Ober- oder Gesamtschule direkt in Oberkrämer. Sind Sie dennoch zufrieden?
Ich wäre zufriedener mit einer Schule in Oberkrämer. Das wäre ja auch ein Standortvorteil. Es ist auch eine politische Geschichte, die Schule im Ort zu fordern. Klar ist eins, man muss vernünftig und sachlich sein. Der Landkreis meint, dass die Lösung in Velten liegt. Wenn es so kommt, dass dort die Oberschule gebaut wird und auch ausreichend Plätze vorhanden sind, dann ist das auch für Oberkrämer eine gute Sache.

Auch Velten wächst – nach Marwitz hinein. Wie soll es mit der Parkstadt Velten II weitergehen?
Die Gemeinde Oberkrämer war bisher offen gewesen zur Gebietsabtretung. Wenn man sich die Historie ansieht, ist das auch mal so geplant gewesen. Es gibt schon einen neuen Termin entsprechend des Beschlusses in Velten. Velten hat sich bemüht, mit uns in Kontakt zu treten, vorher war das immer andersrum. Ich gehe davon aus, dass sich Oberkrämer nicht dagegenstellen wird, obwohl der Beschluss von 2012 aufgehoben wurde.

Der Ausbau der Autobahn beeinträchtigt auch Oberkrämer. Fühlen Sie sich über den aktuellen Stand immer gut informiert?
Aus meiner Sicht ausreichend. Wir kriegen nicht täglich Infos, aber wir können bei Bedarf jeden Tag anrufen. So richtig zufrieden mit der ganzen Brückengeschichte in Bärenklau bin ich allerdings nicht. Auch liegt immer noch keine Genehmigung für die Brecheranlage vor. Die Gemeinde Oberkrämer hat keine positive Stellungnahme dazu abgegeben. Wir wollen, dass der Anlieferverkehr für diese Anlage nicht über unsere kommunalen Straßen erfolgt. Das ist mal so abgesprochen worden, aber das ist nicht hundertprozentig der Fall. Seit Wochen ist eine Brecheranlage an der Autobahnzufahrt bei Eichstädt, die haben unwahrscheinlich viel gebrochen. Viele Leute haben das gar nicht bemerkt. Ich sage das auch wegen der Befürchtung in Bärenklau. Das wird kaum zu hören sein, und die Menge, die gebrochen werden muss, ist inzwischen auch nicht mehr so groß.

Es gibt Ärger um den Tennisplatz in Bärenklau. Will man den Familiensportverein nicht?
Die Sache, die da beantragt wurde, ob die tatsächlich für Bärenklau störend ist, da kann man Zweifel haben. Ich habe schon Hockeyspiele gesehen. Fußball ist lauter, das muss man so deutlich sagen. Ungeachtet dessen ist die Gemeinde nicht verpflichtet, diese Änderung des Bebauungsplanes vorzunehmen. Da spielt der Verein vielleicht eine Rolle, aber ich kann mich nicht erinnern, dass jemand im Bauausschuss so diskutiert hat.

Neulich gab es im Vehlefanzer Ortsbeirat den Vorschlag, das ehemalige Volksbank-Grundstück für die Feuerwehr zu kaufen. Sie wollten sich wegen der Kosten erkundigen.
Das habe ich noch nicht gemacht. Wir müssen auch prüfen: Wer will da wirklich was machen? Es ging ja weniger um die Feuerwehr, sondern der Feuerwehrverein suchte eine Räumlichkeit. Das alles ist nicht übers Knie zu brechen.

Hätten Sie eigentlich gern in Eichstädt die Regenbogenflagge gehisst?
Nein. Ich denke, das ist eine rein private Angelegenheit, wie jemand sexuell ausgerichtet ist. Das hat vor der Verwaltung nichts zu suchen.

Sind Sie eigentlich volksnah?
Na ja. Das ist schwierig. Wenn ich ehrlich bin, nicht so sehr. Ich bin insofern volksnah, dass ich versuche, das Optimale für unsere Gemeinde auf den Weg zu bringen und ich weiß, was in Oberkrämer passiert. Aber mich öffentlich zu präsentieren ist nicht so mein Ding. Da würde ich prahlen, wenn ich das sagen würde. Aber das weiß auch jeder.

Heute ist in Schwante und Vehlefanz Dorfputz. Sind Sie dabei?
Das hätte ich gemacht, aber ich bin am Wochenende privat unterwegs, das war schon länger geplant. Das ist schade, denn ich finde, das ist eine super Aktion.

Hits: 182

RTelenovela

40? 60? Wann wird geblitzt?

Dienstag, den 19. März 2019
Tags: , , ,

Es bleibt spannend auf der Autobahn-Baustelle auf dem nördlichen Berliner Ring. Wer dort langfährt, droht immer wieder abgelenkt zu werden. Beim Blick auf die fehlende andere Fahrbahn. Oder an den Brücken, wo oft schon der erste Teil fehlt. Oder die neue Lärmschutzwand in Neu-Vehlefanz. Dass da an den meisten Stellen der Baustelle nur Tempo 60 erlaubt ist, verwundert da nicht.

Neulich aber war ich schwer verunsichert. An der Abfahrt Oberkrämer gilt Tempo 40. Zumindest in Richtung Hamburg. Kein Wunder bei den vielen Unfällen dort. Ich kam nachts von einer längeren Tour aus Richtung Dreieck Havelland nach Oberkrämer. Auf der Strecke gilt Tempo 60. Dann aber, direkt an der Abfahrt steht ein Tempo-40-Schild. Befestigt über dem Ausfahrt-Schild. Gelten diese 40 nun für mich oder nur für den, der abfährt? Vorsichtshalber fuhr ich noch ein bisschen langsamer, denn ich wusste: An der Auffahrt steht ein Blitzer. Direkt davor bremste ich noch mal scharf, das Auto hinter mir auch.

Aber eigentlich gehe ich davon aus, dass da Tempo 60 erlaubt ist. In einer der Facebook-Gruppen wurde mir das wenig später bestätigt. Aber dennoch sollte man noch mal an der Beschilderung arbeiten.

Hits: 143

RT liest

Karl-Dietmar Plentz / Andrea Specht: Der Brotmacher – Bäcker. Beter. Unternehmer.

Donnerstag, den 14. März 2019
Tags: , , , ,

An Karl-Dietmar Plentz kommt man in Oberhavel kaum vorbei. Die Filialen seiner Bäckerei sind u.a. in Oranienburg, Kremmen und Velten. In Schwante steht die große Backstube, dort schlägt das Herz des Unternehmens.
Aber der Bäckermeister tritt nicht nur dort in Erscheinung. ER ist in der Lokalpolitik tätig, er engagiert sich in der Region und ist bekennender Christ.
Davon erzählt er nun auch in einem Buch.
Plentz ist immer wieder zu Vorträgen eingeladen, dort erzählt er über sein Unternehmen und wie sich das mit seinem Glauben vereinbaren lässt. Immer wieder ist er gefragt worden, ob man diese Vorträge irgendwo nachlesen könne. Schließlich ist er auch von einem Verlag angesprochen worden. Die Idee eines Buches war geboren.
Gemeinsam mit der Berliner Autorin und Lektorin Andrea Specht hat Plentz 2018 viele gemeinsame Stunden verbracht. Sie haben sich über sein Leben unterhalten, er hat Anekdoten und seine Geschichte dargelegt. Sie hat das in seinen Worten in Buchform gebracht. Nun ist “Der Brotmacher” im christlichen Brunnen-Verlag erschienen. Untertitel: “Bäcker. Beter. Unternehmer.”

Das Buch spielt auf mehreren Ebenen. Plentz berichtet von seiner Jugendzeit, als er mit Freunden am Mühlensee in Vehlefanz so etwas wie Bomben gebaut hat, die dann auch tatsächlich detonierten. Das hat für ordentlich Ärger gesorgt. Das Muttersöhnchen – er ist zu Hause nie ausgezogen, die Familie blieb in Schwante bis zum Tod der Eltern immer beisammen – erzählt davon, wie er als Christ in der DDR zurecht kam. So weigerte er sich während des Kriegsdienstes zu schießen – und kam irgendwie damit durch. Viel erzählt er von seiner Familie, wie er seine Frau kennengelernt hat, wie sich das Leben mit seinen Kindern gestaltet. Plentz legt aber auch dar, wie sein Bäckerunternehmen das wurde, was es jetzt ist. Welche Kämpfe zu gewinnen waren und welche Konzepte dahinterstehen.

Wer Plentz nur als Bäcker und örtlichen Wohltäter kennt, wird in seinem Buch viel Neues über ihn erfahren. Erstaunlich offen erzählt er aus seinem Leben. Der Leser bekommt mit, welchen unglaublichen Zusammenhalt es in dieser Familie gibt. Aber auch, dass in jeglicher Hinsicht sehr viel Arbeit dahintersteckt. Arbeit, um diese Familie zusammenzuhalten, um das Unternehmen zu führen. Ein bisschen schade ist, dass gegen Ende eher nur noch eine Aufzählung verschiedener PR-Konzepte erfolgt.
Dass Karl-Dietmar Plentz tiefgläubig ist, ist keine Neuigkeit. Erstaunlich ist mitunter, wie weit dieser Glauben geht. In fast jedem der Kapitel spielt Gott eine Rolle. Es ist immer Gott, der, so sagt es Plentz, in sein Leben eingreift, es beeinflusst, es steuert und der ihm Hinweise gibt. Das kann man nicht kritisieren, es ist ein nicht veränderbarer Lebensstil. Als Außenstehender ist die Umfänglichkeit des Glaubens aber mitunter befremdlich. So wird im Buch erzählt, dass es Probleme beim Umbau der Veltener Filiale gab, die fast zum Projekt-Aus führten. Mitglieder des christlichen Unternehmerkreises trafen sich daraufhin dort zum beten, es wurde Gott geweiht. Kurz danach sei plötzlich der Brief gekommen, der das Projekt-Aus abwendete. Gottes Tat. Es ist einer der Uijuijui-Momente.
Auch erscheinen einige der familiären Erzählungen hin und wieder ein wenig zu intim. Andererseits drückt sich Plentz sehr blumig aus als vom einem Fehler die Rede ist, die fast zur Scheidung mit seiner Frau geführt habe. Aber auch da sei Gott zur Stelle gewesen.
Darauf muss und kann man sich jedoch einlassen. Auch wenn diese Erzählung einer sehr christlichen Lebensweise mitunter befremdlich erscheint – es macht das Buch nicht zu einem schlechten Buch. Nur weil man einiges merkwürdig findet und für sich selbst ablehnt, ist es dennoch interessant zu lesen. Letztlich ist es genau das, was es im Titel verspricht.

Karl-Dietmar Plentz / Andrea Specht: Der Brotmacher – Bäcker. Beter. Unternehmer.
Brunnen, 208 Seiten
7/10

Hits: 196

aRTikel

In der Lehre bei den Krämer Kids

Donnerstag, den 24. Januar 2019
Tags:

Sebastian Weidhaas (20) ist Azubi im Vehlefanzer Hort – dort wurde er selbst als Kind schon betreut

MAZ Oberhavel, 24.1.2019

Vehlefanz.
Vor 15 Jahren war er selbst noch ein „Krämer Kid“. Nun gehört Sebastian Weidhaas zu denen, die die heutigen „Krämer Kids“ betreuen. Der 20-jährige Vehlefanzer ist Auszubildender im Hort und in der Kita im Ort. „Ich weiß noch, dass mir das hier damals sehr gut gefallen hat“, erinnert er sich. „Ich hatte Spaß, hierher zu kommen.“

Später machte er seinen Abschluss auf der Kremmener Goethe-Oberschule und begann dann eine Lehre als Kaufmann im Einzelhandel. „Aber das war vielleicht nicht der richtige Beruf für mich“, sagt er. Die Sache mit der Kinderbetreuung, die hatte er allerdings auch schon länger im Hinterkopf. Schon längere Zeit ist er Fußballtrainer beim 1. SV Oberkrämer. „Da bin ich das erste Mal mit dieser Art Job in Berührung gekommen“, erinnert sich Sebastian Weidhaas.
Nach der abgebrochenen Lehre absolvierte er ein Praktikum bei den „Krämer Kids“ in Vehlefanz. Sechs Monate arbeitete er in allen Bereichen und Altersgruppen. „Ich habe Angebote angeleitet und überall aktiv mitgeholfen.“ Eigentlich hatte er schon einen neuen Lehrvertrag unterschrieben – wieder im kaufmännischen Bereich. „Aber da kamen zwei Kolleginnen auf mich zu“, erzählt er. „Basti, eigentlich ist das hier doch dein Beruf“, hieß es dann. Sie hätten gesehen, mit wie viel Leidenschaft und Spaß er dabei sei. Sebastian Weidhaas ließ sich umstimmen. Er sagte die Lehre ab – stattdessen ging er in den Bereich Sozialassistenz und Erzieher.
Er machte Praktika in der Kinder- und Jugenderziehung, bei Menschen mit Beeinträchtigungen und bei Senioren. „Das hat mir gezeigt, dass das genau der richtige Weg für mich ist.“ Er wollte mit Kindern arbeiten und kann das in Vehlefanz nun tun.

Montags bis mittwochs ist er in Vehlefanz, donnerstags und freitags muss er zur Berufsschule nach Neuruppin. „Da wird es dann theoretischer.“ Dort muss er auch die theoretischen Prüfungen ablegen. Seine Ausbildung begann im September 2017 und dauert noch bis Juni 2020.
In Vehlefanz ist er einer von drei Azubis. Bei den „Krämer Kids“ ist er zwar nicht der einzige Mann, aber nur einer von zweien. „Auch in meiner Klasse sind viel mehr Frauen. Der Krippenbereich ist mehr weiblich, aber um so älter die zu betreuenden Kindern werden, um so mehr Männer arbeiten in diesem Bereich.“ Grundsätzlich denkt er aber auch, dass sich die Zeiten ändern, in denen Frauen nur in „Frauen-Berufen“ und Männer nur in „Männer-Berufenen“ arbeiteten.
In Vehlefanz betreut jeder vom dem Erziehungspersonal einen Funktionsraum. „Bei mir ist es der Bauraum“, erzählt Sebastian Weidhaas. „Ich biete den Kindern Kons-truktionsangebote an. Sie können selbstständig Dinge nach ihren eigenen Vorstellungen zusammenbauen.“ Seinen eigenen Stil beschreibt er als locker. „Diese Art kommt mir ganz gelegen“, sagt er. „Ich bin nicht so der Hau-ruck-Mensch, ich gehe die Sachen ruhig an, Probleme will ich auch in Ruhe klären. Ich finde es gut, dass die Kinder gern zu mir kommen.“

Nach der Lehre kann er sich gut vorstellen, weiter im Hort und in der Kita zu arbeiten – aber er hat auch einen Traum. „Ein kleines Ziel ist das Lehramt.“ So klein aber ist das Ziel nicht, denn das bedeutet noch mal lernen: Abi, Studium. „Das wäre ein Brocken, ich wäre mit 30 erst fertig.“ Momentan wohnt er noch bei seiner Mutter. „Es ist schwierig, hier eine eigene Wohnung zu finden“, sagt er. In Vehlefanz fast unmöglich, in Velten ebenfalls schwierig. „Und die Mieten steigen. Da müsste nachgebessert werden.“

Zeit für Hobbys bleibt für den 20-Jährigen auch noch. Beim 1. SV Oberkrämer trainiert er die C-Jugend-Fußballer und ist Co-Trainer bei der zweiten Männermannschaft. Kürzlich erhielt er vom DFB eine Ehrenamtsauszeichnung. „Ich gehe außerdem noch leidenschaftlich gern angeln, hier in der Gegend.“ Da könne er mal so richtig abschalten.

Hits: 112

RTelenovela

Bitte einmal Kasse 1!

Mittwoch, den 23. Januar 2019
Tags:

Die Krämer Kids haben es gut. Im Vehlefanzer Hort gibt es einen Raum mit verschiedenen Spielecken. Eine Lese-Ecke ist allerdings kürzlich etwas verkleinert worden, weil die Kinder gerade nicht so viel lesen. In einer anderen Ecke steht eine Burg, mit der gespielt werden kann.
Aber das Beste: Es gibt dort einen kleinen Supermarkt. Früher sagten wir immer: “Wollen wir Kaufmannsladen spielen?” Das gehörte einfach dazu: Hinterm Bahndamm in einem Strauch hatten wir unsere Bude, und natürlich mussten wir zwischendurch auch mal einkaufen.

In Vehlefanz haben sie alles da: Regale, ein paar Produkte – und natürlich eine Kasse. Ich wusste sofort, wo mein Lieblingsplatz wäre, wenn ich ein Krämer Kids in Vehlefanz wäre: Mein Platz wäre der an der Kasse. Das fand ich als Kind toll. Abkassieren. Zusammenrechnen. Geld nehmen, Restgeld rausgeben. Das war meine Welt, und natürlich war das eine Zeit lang auch mal mein Berufswunsch. Bevor ich Lokführer bei der S-Bahn werden wollte.

So, Leute, wer kommt mit mir mit nach Vehlefanz und spielt mit mir Kaufmannsladen?

Hits: 130