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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

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phoenix vor Ort: Amtseinführung von Joe Biden

Donnerstag, den 21. Januar 2021
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MI 20.01.2021 | 16.00 Uhr | phoenix

Wenn Lady Gaga die US-amerikanische Nationalhymne singt, wenn sie dabei auf ihrem Kleid eine goldene Friedenstaube trägt, dann ist das ein großer Moment. Nicht nur wegen Lady Gaga an sich.
Denn sie besingt nicht nur ihr Land, sondern auch die Hoffnung auf Frieden. Und sie besingt die neuen US-Präsidenten Joe Biden. Und wahrscheinlich besingt sie auch die Freude darüber, dass ein gewisser Donald Trump endlich das Weiße Haus geräumt hat.

Am Mittwochnachmittag übertrugen phoenix und viele andere Sender die Amtseinführung von Joe Biden als neuer US-Präsident. Wegen des Coronavirus gab es in Washington keine Zuschauer, aber man kann trotzdem erahnen, dass in diesem Moment, in dem Lady Gaga gesungen hat, Tränen in den Augen hatten. Später sang Jennifer Lopez „This Land is my Land” und “America the Beautiful”. Und sie sprach auf Spanisch: “Eine Nation unter Gott, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle”.

Joe Biden sprach den Eid, und später erklärte er, wie er seine Landsleute wieder mehr einen möchte. Wie wohltuend ist das nach vier Jahren Trump und seinem Hass.

Das hätte ich gern wieder öfter: Dass das Fernsehen ein überaus positives Ereignis überträgt. Ein Tag voller Erleichterung.

-> Die Zeremonie auf tagesschau24 via Youtube

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Tagesschau: Trump-Anhänger dringen ins Capitol ein

Samstag, den 9. Januar 2021
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MI 06.01.2021 | 20.57 Uhr | tagesschau24

Wenn man in einer Blase lebt, in der man nichts anderes erfährt als alternative Fakten, dann hält man die vermutlich sehr schnell für die einzig wahre Wahrheit.
Was dann irgendwann passiert, ist am Mittwochabend deutscher Zeit sichtbar geworden.
Im US-Capitol in Washington ging es darum, die Wahl von Präsident Joe Biden endgültig abzuschließen – ein formaler Akt. Eigentlich.
Zuvor jedoch hatte Noch-Präsident Donald Trump die Meute aufgehetzt, erneut den Wahlsieg Bidens angezweifelt, er sprach von Wahlbetrug, und seine Anhänger sollten nun zum Capitol gehen.
Dort drangen sie bald durch die Sperren und gewaltsam ins Capitol ein. Die Sitzung musste abgebrochen werden, Waffen wurden auf den Eingang des Sitzungssaals gerichtet.
Rundum schockierend.

Und draußen schrie der Mob Reporter an, blökten ihre “Fakenews”-Tiraden und begannen schließlich, TV-Technik zu zerstören und Technikteile zu stehlen.
Ein Anschlag auf die Demokratie, ein Anschlag auf die Pressefreiheit. Das ist Terror von innen.
Und alles live. Live in aller Welt.

Die Ereignisse vom Mittwoch zeigen, wie weit es gehen kann, wenn ein Herrscher sein Volk aufhetzt, es bewusst spaltet – und irgendwie den Eindruck macht, als säße er in einer TV-Show und müsse das fiese Spiel bis zum bitteren Ende weiterspielen.

Die Tagesschau berichtete über die Ereignisse ab etwa 20.57 Uhr auf tagesschau24. Als erster deutscher Sender reagierte phoenix gegen 20.40 Uhr, also etwa zehn Minuten nach dem “Showdown”, wo aber im Netz sowieso schon ein Livestream aus dem US-Capitol lief.
Und dennoch gibt es mal wieder Vorwürfe an die Öffentlich-Rechtlichen. Das Erste reagierte erst gegen 21.47 Uhr mit einer Extra-Ausgabe der Tagesthemen. Das ZDF wartete bis um 21.45 Uhr das reguläre heute-journal begann.
Dafür ist später im Ersten der laufende Film abgebrochen worden, und die Tagesthemen begannen schon früher, um 23 Uhr und dauerten statt 20 fast 65 Minuten. Im ZDF gab es gegen 23.05 Uhr ein zusätzliches heute-journal. Auf phoenix gab es bis Mitternacht eine durchlaufende Berichterstattung, ebenso auf tagesschau24.

Dass unbedingt immer ARD und ZDF ihre Hauptprogramme abbrechen müssen, ist eine Forderung, die nicht neu ist. Das hat sicherlich auch mit einem gesteigerten Info-Bedürfnis zu tun. Dabei handelt es sich da nicht im Nachrichtensender, dafür gibt es die Sparten mit phoenix und tagesschau24, für die Hauptprogramme gelten sicherlich andere Maßstäbe, die gelten, um das Programm zu unterbrechen.
Aber: Die ARD schafft es nach wie vor nicht, zu seinen Angeboten zu stehen, darauf hinzuweisen. Zwar gab es während des Films “Für immer Sommer 90” Breaking-News-Einblendungen, aber auch nur mit dem Hinweis auf die Sondersendung im Anschluss. Dass tagesschau24 und phoenix live sendeten – kein Hinweis darauf. Warum nicht? Warum kann die ARD nicht auf ihre eigenen Angebote hinweisen? Aus Angst, die Leute würden vom Film wegschalten? Das Risiko muss eingegangen werden.

Aber auch tagesschau24 muss dringend gestärkt werden. Am Abend hapert es ganz stark am Programm. Über längere Zeit wurde nach der Extra-Tagesschau um 20.57 Uhr ein unkommentiertes Live-Bild gezeigt, später schaltete sich ein Social-Media-Redakteur ins Bild – offenbar aus dem Homeoffice. Das ist der ARD und ARD-aktuell nicht würdig! Das Studio ist da, also sollte es auch genutzt werden. Das Tagesschau- und Tagesthemen-Team, das ja fürs Erste sowieso da ist – wieso kann das nicht sofort auf tagesschau24 auf Sendung gehen?
Seitens der ARD heißt es, man wolle tagesschau24 demnächst auch nach 20 Uhr stärken – was immer das heißt.

-> Die Berichterstattung von tagesschau24 auf Youtube

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phoenix vor Ort: US-Wahl 2020 – Erstes TV-Duell zwischen Trump und Biden

Freitag, den 2. Oktober 2020
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DI 29.09.2020 | 2.45 Uhr (Mi.) | phoenix

Joe Biden will US-Präsident werden. Donald Trump will US-Präsident bleiben, und in gut fünf Wochen werden wissen, wie das Wahlergebnis aussieht. Bis dahin treffen Trump und Biden noch in mehreren TV-Duellen aufeinander.
Das erste übertrug phoenix in der Nacht zu Mittwoch live.

Und bei phoenix dachten die tatsächlich, es würde ausreichen, wenn sie zwei Dolmetscher einsetzen. Eine Frau für Trump und einen Mann für Biden und den Moderator des TV-Duells.
Die gut 100 Minuten wurden zu einer Schwerstarbeit für die beiden Dolmetscher – und für den Moderator erst recht. Denn Trump und Biden lieferten sich eine Redeschlacht, die sich gewaschen hat. Vom Niveau her war allerdings nur noch wenig Platz nach unten vom “Sommerhaus der Stars”. Trump blökte dazwischen, wenn ihm was nicht passte, er quakte bei Biden dazwischen, aber auch bei Moderator Chris Wallace, der es nicht schaffte, die Diskussion irgendwie zu leiten, weil Donald Trump nicht zu dulden vermag, wenn jemand anderes redet.

Trump war voll auf Konfrontation, immer wieder und von Anfang an. Und wieder – das wiesen ihm Analysten später nach – waren viele Lügen dabei. Das Problem: Bei den Trump-Fans wird diese Konfrontation sehr gut ankommen, ob Fakten oder Lügen im Raum standen, interessiert die nicht. Das zweite Problem: Biden. Dass die Demokraten in den USA wirklich niemanden gefunden haben, der Trump echtes Kontra geben kann und eine wirkliche und klare und zukunftsweisende Alternative bieten kann, ist wirklich peinlich. Wenn Trump gewinnen sollte, dann muss man auch den Demokraten sagen: Ihr habt versagt.

Moderator Chris Wallace sagte übrigens danach: “Ich bin ein Profi. So etwas habe ich noch nie durchgemacht. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es so aus dem Ruder laufen würde.”
Na dann viel Spaß beim zweiten Duell.

-> Das TV-Duell in der ARD-Mediathek (bis 30. September 2025)

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Breaking News: LA County under Curfew

Donnerstag, den 4. Juni 2020
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MO 01.06.2020 | 3.00 Uhr (Di.) | NBC LA

Los Angeles von oben. Ein Hubschrauber bringt die Live-Fernsehbilder aus den Straßen der Stadt nach Hause. Breaking News beim US-Sender NBC LA. In der Stadt gilt eine Ausgangssperre, “LA County under Curfew” steht dauerhaft und groß unten im Bild. Die Kamera zeigt aus der Luft einen Mann und eine Frau, die mit einem Kind in der Mitte auf dem Bürgersteig laufen.
Die Kamera schwenkt weg, denn offenkundig passiert an dieser Stelle der Stadt gerade nichts. Suchend bewegt sie sich über die Straßen, bis sie an einer Kreuzung eine Reihe mit Cops entdeckt. Sie blockieren eine Straße, und es sieht bedrohlich aus. Auf der anderen Seite der Kreuzung stehen ein paar Demonstranten. Trotz der Bedrohlichkeit wirkt das Hubschraubergeräusch fast schon wieder beruhigend. So beruhigend, dass die Reporterin im Helicopter schon minutenlang schweigt.
Die Kamera schwenkt wieder weg. Aus einer der anderen Seiten kommen plötzlich lauter Polizeiwagen, die Kamera verfolgt sie. Die Autos stoppen unweit der Kreuzung, wo die Demonstranten jetzt nach rechts wegschwenken und damit die Cop-Blockade umgehen.
Die Demonstranten halten Schilder hoch, aber man kann nicht lesen, was drauf steht. Sie ziehen an Roman’s Liquor-Laden vorbei, das Schild blinkt und lädt zum Trinken ein, aber alle laufen dran vorbei und beachten es nicht mal.
Ein anderer Hubschrauber fliegt durchs Bild – von der Konkurrenz? Oder sitzt Donald Trump drin, um alle auszulachen? Die Demonstranten ziehen in Richtung Hollywood, sagt die Reporterin, die plötzlich aus ihrer Lethargie erwacht. Sie muss aber schon lange auf Sendung sein, ununterbrochen, seit mindestens anderthalb Stunden auf der Suche nach aufregenden Live-Bildern.

NBC LA ist nicht der einzige Sender, der in den USA live berichtet. Die Auswahl ist in der Nacht zum Dienstag – in den USA am Pfingstmontagabend – sehr groß.
In vielen Städten sind Unruhen ausgebrochen, nachdem ein Polizist sich nach der Festnahme eines schwarzen Mannes minutenlang auf dessen Kehle setzt – und der Mann, er heißt George Floyd, daran erstickt. Es ist ein neuer und erschreckender rassistischer Vorfall in den USA – und immer weiter befeuert von US-Präsident Donald Trump, der nun die Antifa zur Terrororganisation erklären will. Die Antifa gibt es zwar als einzelne Organisation gar nicht, aber er triggert damit auch in Deutschland mal wieder eine entsprechende Diskussion. Dabei gäbe es ganz andere Dinge zu besprechen.
Viele Menschen sind nun in den USA auf der Straße. Afroamerikaner machen ihrem Ärger über den Rassenhass Luft. Aber es sind nicht nur Black People, die demonstrieren. Und diese Demos sind bei weitem nicht alle friedlich.

Im Livestream von USA Today auf Youtube aus Washington sind zur gleichen Zeit Knaller zu hören und schreiende Menschen. Die Kamera ist mittendrin im Gewühle, es gibt weitere kleine Explosionen. Die Lage scheint zu eskalieren, und der Zuschauer steht mittendrin. Live.

Rübergezappt zu ABC, live aus Los Angeles. Die Hubschrauberkamera zeigt eine Gruppe Cops, die einen Mann stellen. Der Mann liegt auf dem Boden. Die Lage muss ernst sein, und man nur hoffen, dass da keiner schießt. Der Mann erhebt, und mit erhobenen Armen steht er nun da.
Das ist so spannend, dass ABC an dieser Stelle erst mal eine Werbepause einlegen muss. Vielleicht wollte man auch auf Nummer sicher gehen.

Auch die Reporter sind keineswegs sicher. Ein Team der Deutschen Welle ist beschossen worden. Bei CNN in Atlanta stand eine große Gruppe Demonstranten drei Tage zuvor vor dem Sendezentrum des Nachrichtensenders. Der Sender berichtete live aus dem Foyer, wo der Eingang von Cops beschützt werden musste und wo von draußen immer wieder Gegenstände reingeflogen kamen. Dann eine Rauchbombe, der Reporter kriegt kaum noch Luft, der Moderator im Studio fragt immer wieder, ob es ihm gut gehe. Ein dunkelhäutiger Mann wird ins Gebäude geführt und von den Cops abgetastet. Live bei CNN. Der Reporter fragt den Mann, warum er hier sei. Er wolle den Wechsel, sagt er. Unterdessen versucht ein Mann, die Scheibe der Eingangstür mit einem Skateboard einzuschlagen. Live bei CNN. Jegliche Hemmung ist vorbei. Die Cops verschanzen sich hinter den Schilden, ein Feuerwehrkskörper fliegt ins Foyer und explodiert. Immer noch live bei CNN.

Es ist ein beunruhigender Ausnahmezustand in den USA. Der Anlass macht wütend, der Name George Floyd steht ab sofort für Rassismus und Polizeigewalt. Die Auswirkungen sind besorgniserregend. Und das Fernsehen immer mittendrin.

-> Die CNN-Übertragung auf Youtube

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One World: Together at Home

Sonntag, den 19. April 2020
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SA 18.04.2020 | 2.00 Uhr (So.) | NOW!

Natürlich können sie nicht zusammen spielen: Aber sie können sich zusammenschalten. Die Rolling Stones spielen ihren phantastischen Song “You can’t always get what you want”. Und der Satz stimmt in dieser besonderen Zeit in einer bedrückenden Art und Weise.

Die Vierer-Schalte zu den Rolling Stones war Teil eines Dankeschön-Abends in den USA. “One World: Together at Home” hieß das Special, das am Sonnabend um 20 Uhr US-Ostküstenzeit begann, bei uns um 2 Uhr in der Nacht. Es ging darum, den Menschen zu danken, die sich darum kümmern, dass andere geheilt werden, dass anderen geholfen wird, dass der Laden am Laufen gehalten wird. Und in den USA ist die Lage rund um den Coronavirus bekanntermaßen sehr viel dramatischer als hierzulande.

Die Sendung wurde in alle Welt ausgestrahlt, live war sie offenbar jedoch nicht. Das aber hatte wiederum den Vorteil, dass die Musikeinlagen in durchweg guter Qualität vorlagen und nicht von einer guten Internetleitung abhängig. Wenn Keith Urbran “Higher Love” sang oder Stevie Wonder “Lean on me”, dann waren das tolle Momente, von denen man nur hoffen kann, dass sie auch von den Menschen gesehen wurden, die die Künstler damit auch hauptsächlich erreichen wollten.

In Deutschland wurde das Special in der Nacht zu Sonntag im Fernsehen nur extrem versteckt gezeigt – nämlich beim RTL-Minisender NOW!, der ausschließlich auf der Plattform TV Now sendet (und man muss sich bei TV Now registrieren, um ihn überhaupt anschauen zu können) – den also quasi so gut wie keiner kennt. Schade, dass RTL diese Sendung nicht einem größeren Sender zeigen konnte. Immerhin auf Youtube war das Event auch hierzulande zu sehen, und am Sonntagvormittag wiederholt VOXup (auch nicht gerade der Krachersender) das TV-Event. MTV zeigt eine Wiederholung am Sonntagabend.

-> Das Special auf Youtube

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RT im Kino

Fahrenheit 11/9

Montag, den 10. Juni 2019
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Michael Moore legt mal wieder den Finger in die amerikanische Wunde. In die sehr tiefe Wunde. Und es gibt Momente, in denen man eigentlich gar nicht fassen kann, was da eigentlich passiert ist.

In seiner Doku “Fahrenheit 11/9” zeigt er, wie es dazu kommen konnte, dass am 9. November 2016 (11/9) Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt worden ist. Aus Spaß wurde Ernst. Ursprünglich war das eher ein Entertainment-Profilierungsding, dass Trump Präsident werden wollte. Aber irgendwie hat sich das verselbstständigt. Und umso mehr sich alle lustig gemacht haben, desto erfolgreicher wurde er.
Und die Demokraten? Waren nicht besser. Hilary Clinton wurde Präsidentschaftskandidatin, weil einflussreiche Leute das durchdrücken wollten. Man könnte auch von Wahlbetrug sprechen.
Und noch am Wahltag waren sich alle sicher, dass Trump das nicht schaffen werde. Sie alle, wir alle, sollten uns umgucken. Also, eigentlich hat sie es ja auch geschafft, aber das merkwürdige Wahlsystem machte es möglich, dass Trump ohne Mehrheit trotzdem eine Mehrheit bekam.

Es ist atemberaubend, was Michael Moore uns da zeigt. Er berichtet von der Arroganz der Macht und teilt in viele Richtungen aus. Es geht auch um Waffennarren und um Politiker, die für den Profit die Gesundheit von Tausenden Menschen aufs Spiel setzen.
“Fahrenheit 11/9” demontiert die Politik und appelliert an die Menschen, sich mehr zu engagieren. Dass das auch kürzer als 128 Minuten hätte ausfallen können, ist aber auch ein Fakt.

Fahrenheit 11/9
USA 2018, Regie: Michael Moore
Weltkino, 128 Minuten, ab 12
6/10

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