RTZapper

phoenix vor Ort: Amtseinführung von Joe Biden

Donnerstag, den 21. Januar 2021
Tags: , , ,

MI 20.01.2021 | 16.00 Uhr | phoenix

Wenn Lady Gaga die US-amerikanische Nationalhymne singt, wenn sie dabei auf ihrem Kleid eine goldene Friedenstaube trägt, dann ist das ein großer Moment. Nicht nur wegen Lady Gaga an sich.
Denn sie besingt nicht nur ihr Land, sondern auch die Hoffnung auf Frieden. Und sie besingt die neuen US-Präsidenten Joe Biden. Und wahrscheinlich besingt sie auch die Freude darüber, dass ein gewisser Donald Trump endlich das Weiße Haus geräumt hat.

Am Mittwochnachmittag übertrugen phoenix und viele andere Sender die Amtseinführung von Joe Biden als neuer US-Präsident. Wegen des Coronavirus gab es in Washington keine Zuschauer, aber man kann trotzdem erahnen, dass in diesem Moment, in dem Lady Gaga gesungen hat, Tränen in den Augen hatten. Später sang Jennifer Lopez „This Land is my Land” und “America the Beautiful”. Und sie sprach auf Spanisch: “Eine Nation unter Gott, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle”.

Joe Biden sprach den Eid, und später erklärte er, wie er seine Landsleute wieder mehr einen möchte. Wie wohltuend ist das nach vier Jahren Trump und seinem Hass.

Das hätte ich gern wieder öfter: Dass das Fernsehen ein überaus positives Ereignis überträgt. Ein Tag voller Erleichterung.

-> Die Zeremonie auf tagesschau24 via Youtube

Hits: 187

RTZapper

Tagesschau: Trump-Anhänger dringen ins Capitol ein

Samstag, den 9. Januar 2021
Tags: , , , ,

MI 06.01.2021 | 20.57 Uhr | tagesschau24

Wenn man in einer Blase lebt, in der man nichts anderes erfährt als alternative Fakten, dann hält man die vermutlich sehr schnell für die einzig wahre Wahrheit.
Was dann irgendwann passiert, ist am Mittwochabend deutscher Zeit sichtbar geworden.
Im US-Capitol in Washington ging es darum, die Wahl von Präsident Joe Biden endgültig abzuschließen – ein formaler Akt. Eigentlich.
Zuvor jedoch hatte Noch-Präsident Donald Trump die Meute aufgehetzt, erneut den Wahlsieg Bidens angezweifelt, er sprach von Wahlbetrug, und seine Anhänger sollten nun zum Capitol gehen.
Dort drangen sie bald durch die Sperren und gewaltsam ins Capitol ein. Die Sitzung musste abgebrochen werden, Waffen wurden auf den Eingang des Sitzungssaals gerichtet.
Rundum schockierend.

Und draußen schrie der Mob Reporter an, blökten ihre “Fakenews”-Tiraden und begannen schließlich, TV-Technik zu zerstören und Technikteile zu stehlen.
Ein Anschlag auf die Demokratie, ein Anschlag auf die Pressefreiheit. Das ist Terror von innen.
Und alles live. Live in aller Welt.

Die Ereignisse vom Mittwoch zeigen, wie weit es gehen kann, wenn ein Herrscher sein Volk aufhetzt, es bewusst spaltet – und irgendwie den Eindruck macht, als säße er in einer TV-Show und müsse das fiese Spiel bis zum bitteren Ende weiterspielen.

Die Tagesschau berichtete über die Ereignisse ab etwa 20.57 Uhr auf tagesschau24. Als erster deutscher Sender reagierte phoenix gegen 20.40 Uhr, also etwa zehn Minuten nach dem “Showdown”, wo aber im Netz sowieso schon ein Livestream aus dem US-Capitol lief.
Und dennoch gibt es mal wieder Vorwürfe an die Öffentlich-Rechtlichen. Das Erste reagierte erst gegen 21.47 Uhr mit einer Extra-Ausgabe der Tagesthemen. Das ZDF wartete bis um 21.45 Uhr das reguläre heute-journal begann.
Dafür ist später im Ersten der laufende Film abgebrochen worden, und die Tagesthemen begannen schon früher, um 23 Uhr und dauerten statt 20 fast 65 Minuten. Im ZDF gab es gegen 23.05 Uhr ein zusätzliches heute-journal. Auf phoenix gab es bis Mitternacht eine durchlaufende Berichterstattung, ebenso auf tagesschau24.

Dass unbedingt immer ARD und ZDF ihre Hauptprogramme abbrechen müssen, ist eine Forderung, die nicht neu ist. Das hat sicherlich auch mit einem gesteigerten Info-Bedürfnis zu tun. Dabei handelt es sich da nicht im Nachrichtensender, dafür gibt es die Sparten mit phoenix und tagesschau24, für die Hauptprogramme gelten sicherlich andere Maßstäbe, die gelten, um das Programm zu unterbrechen.
Aber: Die ARD schafft es nach wie vor nicht, zu seinen Angeboten zu stehen, darauf hinzuweisen. Zwar gab es während des Films “Für immer Sommer 90” Breaking-News-Einblendungen, aber auch nur mit dem Hinweis auf die Sondersendung im Anschluss. Dass tagesschau24 und phoenix live sendeten – kein Hinweis darauf. Warum nicht? Warum kann die ARD nicht auf ihre eigenen Angebote hinweisen? Aus Angst, die Leute würden vom Film wegschalten? Das Risiko muss eingegangen werden.

Aber auch tagesschau24 muss dringend gestärkt werden. Am Abend hapert es ganz stark am Programm. Über längere Zeit wurde nach der Extra-Tagesschau um 20.57 Uhr ein unkommentiertes Live-Bild gezeigt, später schaltete sich ein Social-Media-Redakteur ins Bild – offenbar aus dem Homeoffice. Das ist der ARD und ARD-aktuell nicht würdig! Das Studio ist da, also sollte es auch genutzt werden. Das Tagesschau- und Tagesthemen-Team, das ja fürs Erste sowieso da ist – wieso kann das nicht sofort auf tagesschau24 auf Sendung gehen?
Seitens der ARD heißt es, man wolle tagesschau24 demnächst auch nach 20 Uhr stärken – was immer das heißt.

-> Die Berichterstattung von tagesschau24 auf Youtube

Hits: 171

RTZapper

phoenix vor Ort: US-Wahl 2020 – Erstes TV-Duell zwischen Trump und Biden

Freitag, den 2. Oktober 2020
Tags: , ,

DI 29.09.2020 | 2.45 Uhr (Mi.) | phoenix

Joe Biden will US-Präsident werden. Donald Trump will US-Präsident bleiben, und in gut fünf Wochen werden wissen, wie das Wahlergebnis aussieht. Bis dahin treffen Trump und Biden noch in mehreren TV-Duellen aufeinander.
Das erste übertrug phoenix in der Nacht zu Mittwoch live.

Und bei phoenix dachten die tatsächlich, es würde ausreichen, wenn sie zwei Dolmetscher einsetzen. Eine Frau für Trump und einen Mann für Biden und den Moderator des TV-Duells.
Die gut 100 Minuten wurden zu einer Schwerstarbeit für die beiden Dolmetscher – und für den Moderator erst recht. Denn Trump und Biden lieferten sich eine Redeschlacht, die sich gewaschen hat. Vom Niveau her war allerdings nur noch wenig Platz nach unten vom “Sommerhaus der Stars”. Trump blökte dazwischen, wenn ihm was nicht passte, er quakte bei Biden dazwischen, aber auch bei Moderator Chris Wallace, der es nicht schaffte, die Diskussion irgendwie zu leiten, weil Donald Trump nicht zu dulden vermag, wenn jemand anderes redet.

Trump war voll auf Konfrontation, immer wieder und von Anfang an. Und wieder – das wiesen ihm Analysten später nach – waren viele Lügen dabei. Das Problem: Bei den Trump-Fans wird diese Konfrontation sehr gut ankommen, ob Fakten oder Lügen im Raum standen, interessiert die nicht. Das zweite Problem: Biden. Dass die Demokraten in den USA wirklich niemanden gefunden haben, der Trump echtes Kontra geben kann und eine wirkliche und klare und zukunftsweisende Alternative bieten kann, ist wirklich peinlich. Wenn Trump gewinnen sollte, dann muss man auch den Demokraten sagen: Ihr habt versagt.

Moderator Chris Wallace sagte übrigens danach: “Ich bin ein Profi. So etwas habe ich noch nie durchgemacht. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es so aus dem Ruder laufen würde.”
Na dann viel Spaß beim zweiten Duell.

-> Das TV-Duell in der ARD-Mediathek (bis 30. September 2025)

Hits: 178

RTZapper

Breaking News: LA County under Curfew

Donnerstag, den 4. Juni 2020
Tags: , , , ,

MO 01.06.2020 | 3.00 Uhr (Di.) | NBC LA

Los Angeles von oben. Ein Hubschrauber bringt die Live-Fernsehbilder aus den Straßen der Stadt nach Hause. Breaking News beim US-Sender NBC LA. In der Stadt gilt eine Ausgangssperre, “LA County under Curfew” steht dauerhaft und groß unten im Bild. Die Kamera zeigt aus der Luft einen Mann und eine Frau, die mit einem Kind in der Mitte auf dem Bürgersteig laufen.
Die Kamera schwenkt weg, denn offenkundig passiert an dieser Stelle der Stadt gerade nichts. Suchend bewegt sie sich über die Straßen, bis sie an einer Kreuzung eine Reihe mit Cops entdeckt. Sie blockieren eine Straße, und es sieht bedrohlich aus. Auf der anderen Seite der Kreuzung stehen ein paar Demonstranten. Trotz der Bedrohlichkeit wirkt das Hubschraubergeräusch fast schon wieder beruhigend. So beruhigend, dass die Reporterin im Helicopter schon minutenlang schweigt.
Die Kamera schwenkt wieder weg. Aus einer der anderen Seiten kommen plötzlich lauter Polizeiwagen, die Kamera verfolgt sie. Die Autos stoppen unweit der Kreuzung, wo die Demonstranten jetzt nach rechts wegschwenken und damit die Cop-Blockade umgehen.
Die Demonstranten halten Schilder hoch, aber man kann nicht lesen, was drauf steht. Sie ziehen an Roman’s Liquor-Laden vorbei, das Schild blinkt und lädt zum Trinken ein, aber alle laufen dran vorbei und beachten es nicht mal.
Ein anderer Hubschrauber fliegt durchs Bild – von der Konkurrenz? Oder sitzt Donald Trump drin, um alle auszulachen? Die Demonstranten ziehen in Richtung Hollywood, sagt die Reporterin, die plötzlich aus ihrer Lethargie erwacht. Sie muss aber schon lange auf Sendung sein, ununterbrochen, seit mindestens anderthalb Stunden auf der Suche nach aufregenden Live-Bildern.

NBC LA ist nicht der einzige Sender, der in den USA live berichtet. Die Auswahl ist in der Nacht zum Dienstag – in den USA am Pfingstmontagabend – sehr groß.
In vielen Städten sind Unruhen ausgebrochen, nachdem ein Polizist sich nach der Festnahme eines schwarzen Mannes minutenlang auf dessen Kehle setzt – und der Mann, er heißt George Floyd, daran erstickt. Es ist ein neuer und erschreckender rassistischer Vorfall in den USA – und immer weiter befeuert von US-Präsident Donald Trump, der nun die Antifa zur Terrororganisation erklären will. Die Antifa gibt es zwar als einzelne Organisation gar nicht, aber er triggert damit auch in Deutschland mal wieder eine entsprechende Diskussion. Dabei gäbe es ganz andere Dinge zu besprechen.
Viele Menschen sind nun in den USA auf der Straße. Afroamerikaner machen ihrem Ärger über den Rassenhass Luft. Aber es sind nicht nur Black People, die demonstrieren. Und diese Demos sind bei weitem nicht alle friedlich.

Im Livestream von USA Today auf Youtube aus Washington sind zur gleichen Zeit Knaller zu hören und schreiende Menschen. Die Kamera ist mittendrin im Gewühle, es gibt weitere kleine Explosionen. Die Lage scheint zu eskalieren, und der Zuschauer steht mittendrin. Live.

Rübergezappt zu ABC, live aus Los Angeles. Die Hubschrauberkamera zeigt eine Gruppe Cops, die einen Mann stellen. Der Mann liegt auf dem Boden. Die Lage muss ernst sein, und man nur hoffen, dass da keiner schießt. Der Mann erhebt, und mit erhobenen Armen steht er nun da.
Das ist so spannend, dass ABC an dieser Stelle erst mal eine Werbepause einlegen muss. Vielleicht wollte man auch auf Nummer sicher gehen.

Auch die Reporter sind keineswegs sicher. Ein Team der Deutschen Welle ist beschossen worden. Bei CNN in Atlanta stand eine große Gruppe Demonstranten drei Tage zuvor vor dem Sendezentrum des Nachrichtensenders. Der Sender berichtete live aus dem Foyer, wo der Eingang von Cops beschützt werden musste und wo von draußen immer wieder Gegenstände reingeflogen kamen. Dann eine Rauchbombe, der Reporter kriegt kaum noch Luft, der Moderator im Studio fragt immer wieder, ob es ihm gut gehe. Ein dunkelhäutiger Mann wird ins Gebäude geführt und von den Cops abgetastet. Live bei CNN. Der Reporter fragt den Mann, warum er hier sei. Er wolle den Wechsel, sagt er. Unterdessen versucht ein Mann, die Scheibe der Eingangstür mit einem Skateboard einzuschlagen. Live bei CNN. Jegliche Hemmung ist vorbei. Die Cops verschanzen sich hinter den Schilden, ein Feuerwehrkskörper fliegt ins Foyer und explodiert. Immer noch live bei CNN.

Es ist ein beunruhigender Ausnahmezustand in den USA. Der Anlass macht wütend, der Name George Floyd steht ab sofort für Rassismus und Polizeigewalt. Die Auswirkungen sind besorgniserregend. Und das Fernsehen immer mittendrin.

-> Die CNN-Übertragung auf Youtube

Hits: 240

RTZapper

One World: Together at Home

Sonntag, den 19. April 2020
Tags: , , , , ,

SA 18.04.2020 | 2.00 Uhr (So.) | NOW!

Natürlich können sie nicht zusammen spielen: Aber sie können sich zusammenschalten. Die Rolling Stones spielen ihren phantastischen Song “You can’t always get what you want”. Und der Satz stimmt in dieser besonderen Zeit in einer bedrückenden Art und Weise.

Die Vierer-Schalte zu den Rolling Stones war Teil eines Dankeschön-Abends in den USA. “One World: Together at Home” hieß das Special, das am Sonnabend um 20 Uhr US-Ostküstenzeit begann, bei uns um 2 Uhr in der Nacht. Es ging darum, den Menschen zu danken, die sich darum kümmern, dass andere geheilt werden, dass anderen geholfen wird, dass der Laden am Laufen gehalten wird. Und in den USA ist die Lage rund um den Coronavirus bekanntermaßen sehr viel dramatischer als hierzulande.

Die Sendung wurde in alle Welt ausgestrahlt, live war sie offenbar jedoch nicht. Das aber hatte wiederum den Vorteil, dass die Musikeinlagen in durchweg guter Qualität vorlagen und nicht von einer guten Internetleitung abhängig. Wenn Keith Urbran “Higher Love” sang oder Stevie Wonder “Lean on me”, dann waren das tolle Momente, von denen man nur hoffen kann, dass sie auch von den Menschen gesehen wurden, die die Künstler damit auch hauptsächlich erreichen wollten.

In Deutschland wurde das Special in der Nacht zu Sonntag im Fernsehen nur extrem versteckt gezeigt – nämlich beim RTL-Minisender NOW!, der ausschließlich auf der Plattform TV Now sendet (und man muss sich bei TV Now registrieren, um ihn überhaupt anschauen zu können) – den also quasi so gut wie keiner kennt. Schade, dass RTL diese Sendung nicht einem größeren Sender zeigen konnte. Immerhin auf Youtube war das Event auch hierzulande zu sehen, und am Sonntagvormittag wiederholt VOXup (auch nicht gerade der Krachersender) das TV-Event. MTV zeigt eine Wiederholung am Sonntagabend.

-> Das Special auf Youtube

Hits: 233

RT im Kino

Fahrenheit 11/9

Montag, den 10. Juni 2019
Tags: ,

Michael Moore legt mal wieder den Finger in die amerikanische Wunde. In die sehr tiefe Wunde. Und es gibt Momente, in denen man eigentlich gar nicht fassen kann, was da eigentlich passiert ist.

In seiner Doku “Fahrenheit 11/9” zeigt er, wie es dazu kommen konnte, dass am 9. November 2016 (11/9) Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt worden ist. Aus Spaß wurde Ernst. Ursprünglich war das eher ein Entertainment-Profilierungsding, dass Trump Präsident werden wollte. Aber irgendwie hat sich das verselbstständigt. Und umso mehr sich alle lustig gemacht haben, desto erfolgreicher wurde er.
Und die Demokraten? Waren nicht besser. Hilary Clinton wurde Präsidentschaftskandidatin, weil einflussreiche Leute das durchdrücken wollten. Man könnte auch von Wahlbetrug sprechen.
Und noch am Wahltag waren sich alle sicher, dass Trump das nicht schaffen werde. Sie alle, wir alle, sollten uns umgucken. Also, eigentlich hat sie es ja auch geschafft, aber das merkwürdige Wahlsystem machte es möglich, dass Trump ohne Mehrheit trotzdem eine Mehrheit bekam.

Es ist atemberaubend, was Michael Moore uns da zeigt. Er berichtet von der Arroganz der Macht und teilt in viele Richtungen aus. Es geht auch um Waffennarren und um Politiker, die für den Profit die Gesundheit von Tausenden Menschen aufs Spiel setzen.
“Fahrenheit 11/9” demontiert die Politik und appelliert an die Menschen, sich mehr zu engagieren. Dass das auch kürzer als 128 Minuten hätte ausfallen können, ist aber auch ein Fakt.

Fahrenheit 11/9
USA 2018, Regie: Michael Moore
Weltkino, 128 Minuten, ab 12
6/10

Hits: 221

aRTikel

Überflieger: Forschung an Pflanzenzellen wird zum großen Erfolg

Samstag, den 5. Mai 2018
Tags: , , , , ,

Michael Wudick aus Grüneberg arbeitet an der University of Maryland – jetzt erscheint ein Artikel von ihm in den USA im renommierten “Science”-Magazin

MAZ Oberhavel, 5.5.2018

Grüneberg.
Das kommt nicht alle Tage vor. Nicht mal alle Jahre, wie Michael Wudick sagt. Der 36-jährige Grüneberger hat geschafft, was nicht sehr vielen Wissenschaftlern vergönnt ist: Am Freitag erschien ein Artikel von ihm im US-Wissenschaftsmagazin „Science“.

Michael Wudick arbeitet seit 2014 als Postdoktorand am Institut für Zellbiologie und Molekulargenetik an der University of Maryland in College Park nahe Washington. Er gehört dort zum Team von Professor José Feijó. Gute sechs Jahre lang haben sie erforscht, wie Pflanzenzellen Glutamat Rezeptor-ähnliche Proteine (GLRs) verwenden, um zelluläre Kommunikationsnetze aufzubauen. Schon als er vorher in Lissabon war, forschte er an diesem Projekt.
Das Team vermutet, dass Pflanzenzellen einen spezifischen Mechanismus nutzen, um die Position von GLRs in der Zelle zu kontrollieren. Michael Wudick untersuchte Cornichon-Proteine, die in früheren Studien mit der Aktivität von Glutamatrezeptoren in Tieren in Verbindung gebracht worden sind. Vermutet wird, dass jede Pflanze zudem ein eigenes Immunsystem habe.

Keine leichte Materie. Sechs Jahre also dauerte das. „Ich sage deshalb immer scherzhaft, dass ich dafür eigentlich einen zweiten Doktortitel bekommen müsste, weil das so in etwa der Zeit einer Doktorarbeit entspricht“, erzählt Michael Wudick. „Ich arbeite aber nicht immer nur an dem einem Projekt, weil ich immer mehrere Projekte parallel laufen habe. Und wenn es bei einem stockt oder man warten muss, dass die Pflanzen wachsen, arbeite ich an dem anderem weiter.
Alle seine Projekte seien recht riskant, weil sie Grundlagenforschung darstellen, „und man da schnell oft Resultate bekommt, die man auf den ersten Blick nicht interpretieren kann.“ Man müsse eine ganze Reihe von weiterführenden Experimenten durchführen, um die ursprüngliche Hypothese zu bestätigen oder zu widerlegen.
„Grundlagenforscher, die dazu noch an Pflanzen forschen, haben es zudem oft doppelt schwer, weil sie gegen das ,Was hat die Menschheit denn davon?’-Stigma ankämpfen müssen“, so der Grüneberger, der inzwischen in Washington lebt, weiter. „Dabei wird oft vergessen, dass der Entwicklung von Medikamenten oder resistenteren Pflanzen jahrelange Grundlagenforschung voraus geht.“
Am Freitag ist das „Science“-Magazin mit seinem Beitrag erschienen. das macht ihn sehr stolz. „Obwohl mir das Prestige, das mit so einem Artikel kommt, gar nicht so bewusst ist“, sagt Michael Wudick. „Ich merke das immer nur, wenn Kollegen unglaubwürdig noch mal nachhaken, ob ich in DEM Science Magazin veröffentlicht habe.“

Er hofft, dass ihm die Veröffentlichung bei seinen weiteren Karriereschritten hilft. „Vor ein paar Jahren wäre eine Veröffentlichung in Journalen wie Science, Nature oder Cell quasi eine Jobgarantie gewesen. Heute ist die Konkurrenz viel größer.“
Michael Wudick machte im Jahr 2000 sein Abitur am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium. Er studierte danach in Potsdam, promovierte in Montpellier in Frankreich und arbeitete als Naturwissenschaftler in Lissabon in Portugal. Dort begann er mit der Forschung, die nun in „Science“ veröffentlicht worden ist. „Mein Chef ist derselbe. Er hat in Maryland eine Professur bekommen und mich mitgenommen“, erzählt der Grüneberger.

Hierzulande ist Michael Wudick auch bekannt für seine Musicals wie „Zwiebelchen“ oder „Lost and Found“, die in Berlin und Rheinsberg mit Kindern aus der Region aufgeführt werden – dazu kehrt er regelmäßig in seine alte Heimat zurück. Das nächste Mal voraussichtlich Ende Mai.

Hits: 107