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phoenix vor Ort: Aktuelles zur Lage in der Ukraine

Mittwoch, den 19. Februar 2014
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DI 18.02.2014 | 21.00 Uhr | phoenix

Die politische Lage in der Ukraine scheint erneut zu eskalieren. Auf dem Maidan-Platz in Kiew greift die Polizei gegen die Demonstranten durch. Mehrere Feuer brennen.
Der Sender phoenix berichtete in zwei Sondersendungen von “phoenix vor Ort” über die Ereignisse in Kiew.

Bei Twitter im Internet regte sich unterdessen mal wieder Protest. In Kiew herrsche eine brisante politische Lage, und Das Erste zeigt Arztserien, und im ZDF gibt’s Humtata-Karneval. Sondersendungen? Fehlanzeige.
Und da war sie wieder, die Welle der Empörung, die wieder mal in dem Satz gipfelte: “Und dafür zahlen wir Gebühren.”

Ja, genau. Dass phoenix zweimal sein Programm unterbrochen hat, um aus Kiew zu berichten, dafür zahle ich meine Gebühren. Auch dafür, dass der “Report” im Ersten live nach Kiew geschaltet hat.
Die überwiegende Twitter-Meinung jedoch war, dass Das Erste und das ZDF ihre Programme hätten unterbrechen müssen. Ein “Brennpunkt” hätte mindestens drin sein können.

Hätten man machen können, ja. Aber was hätte man zeigen sollen. Die Totale vom Maidan in Kiew. Ein Reporter, der nicht mehr machen kann, als zu sagen, was er sieht?
So bitter das klingt: Es ist schlimm, was in Kiew passiert, aber im Laufe des Abends gab es dazu wenig Neues zu sagen.
Die “Tagesschau” berichtete aus Kiew. Danach gab’s auf n-tv Live-Bilder. Später auf phoenix. Was Neues ist in der Zeit nicht passiert, außer dass man sehen konnte, dass es immer noch brennt auf dem Maidan.

Die “Tagesthemen” brachten die Zuschauer im Ersten dann wieder auf den aktuellen Stand – der allerdings kaum anders war als zwei Stunden vorher in der “Tagesschau”. Dass sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen unglaubwürdig macht, nur weil es nicht ständig aus Kiew berichtet, dem würde ich keineswegs zustimmen. Zumal phoenix eben jene Updates lieferte, und dafür ist der Sender auch da. Die Lage erforderte es aber wohl kaum, dass auch die Hauptprogramme ihre Sendungen unterbrechen. Und wer doch permanent ein Auge auf die Ereignisse in der ukrainischen Hauptstadt haben möchte, für den gibt es die Livestreams im Internet.

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Der große deutsche Jugendreport: Internet

Donnerstag, den 13. Februar 2014
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MI 12.02.2014 | 20.15 Uhr | RTL II

Hach, das C-Promi-Dasein kann ja so herrlich sinnfrei sein. Darf man dem “großen deutschen Jugendreport” bei RTL II Glauben schenken, dann beschäftigt sich der Schauspieler Wilson Gonzalez Ochsenknecht den ganzen Tag mit Twitter. Jede Stunde lädt er ein Foto hoch, überlegt, was man denn so alles fotografieren kann. Und wenn es er selbst ist – in der Badewanne, eingewickelt in Frischhaltefolie und scheinbar blutverschmiert. Das ist Kunst. Oder so was Ähnliches. Auf jeden Fall ganz sicher nicht Langeweile!
Gut, dass wir das mal erfahren haben.

Auch sonst bot die RTL-II-Doku am Mittwochabend lauter packende und nie gehörte Informationen. Jugendliche chatten mit dem Smartphone – unentwegt. Sie twittern kaum, sind aber Follower von Stars.
Und sie sammeln Freunde im Internet, chatten und daten sich dann. Da dürfen wir – RTL II sei Dank – sogar mal mit dabei sein. Dann sitzen dann also ein junger Er und eine junge Sie und haben sich nicht wirklich was zu sagen.
Ist die Jugend wirklich so lahm? Oder nur die bei RTL II gezeigte?
Nächste Woche geht es um Ernährung und Styling, aber vielleicht läuft ja auf einem anderen Sender noch was Nettes. Hoffentlich.

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Das war 2013!

Dienstag, den 31. Dezember 2013
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Aufschrei! Der Twitter-Hashtag gehört ganz sicher zu den Wörtern des Jahres 2013. Und das nicht nur, weil FDP-Mann (was war noch gleich diese FDP?) Rainer Brüderle einer “stern”-Journalistin verbal etwas zu nahe gekommen ist. Die Medien wittern in diesem Jahr ständig und immer wieder einen Skandal.
Der Stinkefinger des Herrn Steinbrück. Aufschrei!! Der Rundfunkbeitrag für ARD und ZDF. Aufschrei!! Beim NSU-Prozess gibt es nicht für alle Journalisten einen Platz. Aufschrei!! Markus Lanz hat bei “Wetten, dass…?” schon wieder was falsch gemacht. Aufschrei!!
Es folgt eine Hysterie nach der anderen, die eine verpufft schneller, die andere bis heute nicht. Nur beim NSA-Abhörskandal, da dauert es ein bisschen bis zu jenem Aufschrei.
Aber mal ganz von vorn.

Für das ZDF und sein Aushängeschild “Wetten, dass…?” ist es ein schweres Jahr. Die Quoten sinken, die Kritiker mosern, überall gibt es etwas zu meckern. An vielen Stellen zurecht. Hollywoodstars bekommen Eiswürfel in die Hose geschüttet, und plötzlich sitzen Roooobert Geiß und seine Prollfrau auf der Wettcouch. Inzwischen sind alle Innovationen abgeschafft, die Show so pupsig wie früher, nur Gottschalk fehlt noch. Bis heute fehlt der Show eine vernünftige Redaktion im Hintergrund, die sich wirklich mal Gedanken macht, wie diese Sause aus dem Dreck gezogen werden könnte.

Eigentlich können wir ja froh sein, dass es solche Shows noch gibt. Denn ein Großteil des Programms bei den Privaten wird weiterhin mit billigen Dokusoaps bestritten. Der Asifaktor steigt. Bei RTL müssen Paare “7 Tage Sex” haben – und wir dürfen zuschauen. Allerdings wollen die Zuschauer das gar nicht, die Reihe floppt. ProSieben schickt “Reality-Queens auf Safari” und RTL “Wild Girls auf Highheels durch Afrika”. Seltsamerweise sind auch da die Zuschauer bockig und wollen Tussis auf Reisen lieber nicht sehen. Ebenso wenig besoffene Jugendliche in Sölden oder Single-Tierfreunde, die einen Partner suchen.

Billig, aber erfolgreich sind dagegen die pseudoechten Serien “Berlin – Tag & Nacht” sowie das im Januar gestartete “Köln 50667″. Bei der Jugend kommt das doofe Geblöke erstaunlich gut an. Prolls scheinen in zu sein. Als RTL II seinen 20. Geburtstag feiert, ist die Party voll mit Menschen, denen man außerhalb von RTL II lieber nicht begegnen will. Die Prollparty des Jahres.

Jenny Elvers fällt 2013 zwar nicht durch Prollgehabe auf, dafür aber mit ihrer Alkoholbeichte. In einem einstündigen RTL-Special entblättert sich die ehemalige Frau Elvers-Elbertzhagen und erzählt der sehr verständnisvollen Frauke Ludowig von ihren Saufeskapaden – und wie ihr Mann ihr da rausgeholfen hat. Später trennt sich ihr liebender Gatte von ihr.
Bei Markus Lanz hat die Schauspielerin Katrin Sass sehr schlechte Laune. Sie ist wütend, weil man ihren Grimmepreis besudelte. Das RTL-Dschungelcamp ist nämlich nominiert, und darüber ist die Sass so erbost, dass sie im ZDF den Dschungelkönig Peer Kusmagk runtermacht – oder eher zusammenblökt.

Den Grimmepreis bekommt das Dschungelcamp später zwar nicht, gutes Fernsehen ist das aber trotzdem – bei aller Häme. Und für einen der rührendsten TV-Augenblicke 2013 sorgt die Show auch noch: In Folge 1 nimmt das Team Abschied von Dirk Bach. “Ta, Dickie!”, heißt es am Ende.
Auch Sat.1 möchte etwas von dem RTL-Erfolg abhaben. Nur A-Promis wollen sie ins “Big Brother”-Haus schicken. “Wir nehmen nur die Besten.” Die scheinen allerdings keine Zeit zu haben. Da gibt es stattdessen die Blondine, die in irgendeiner gefloppten ProSieben Doku-Titten-Soap mitgemacht hat. Einen Sänger, der mal bei “The Voice of Germany” mitgemacht hat. Einen Doku-Soap-Typ und einen, der irgendwas im Internet macht. Und dazu Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn, die so gar nicht harmonieren wollen und einen Gag nach dem anderen versemmeln. Selten ist ein Format dermaßen in den Sand gesetzt worden.
Aber damit kennt man sich bei Sat.1 aus. Auch die “Patchwork Family” floppt. Die Zuschauer strafen schlechtes Fernsehen mit Missachtung.

Umso erstaunlicher, dass Marc Bator vom Nachrichten-Flaggschiff “Tagesschau” zu den “Sat.1-Nachrichten” wechselt. Vielleicht bekommt er dort mehr Geld, dafür aber weniger Image.
Sein Vorgänger Peter Limbourg, inzwischen Chef der Deutschen Welle, muss im März geradezu darum betteln, auf Sendung bleiben zu dürfen. Gerade soll in Rom der neue Papst verkündet werden, doch bei Sat.1 will man die Live-Sendung für so eine Nichtigkeit nicht verlängern.
RTL unterbricht für den neuen Papst immerhin die Sendung “Teenies auf Partyurlaub”. Ein wirklich päpstliches Kontrastprogramm.

2013 dreht sich das Personalkarussell auch auf anderen Sendern. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf wechseln von zdf_neo zu ProSieben und sorgen dort für gute, unverkrampfte, einfallsreiche, gern auch mal sinnfreie Unterhaltung. Joko entert sogar die ProSieben-Newstime, darf dort live die Nachrichten sprechen und wird dort – ja, live – von Klaas angerufen. Bei ProSieben ist man not amüsed.
Tom Buhrow verlässt die “Tagesthemen” und wird WDR-Intendant. Dort muss er einen harten Sparkurs verkünden. Das Nachwuchstalent Thomas Roth ist sein Nachfolger bei den Abendnachrichten.
Christian Rach geht von RTL zum ZDF und will nun dort kochen – oder so.

Natürlich gab es auch 2013 gutes Programm. “Homeland” auf Sat.1 war extrem spannend, ebenso die “American Horror Story” auf sixx. Leider mit miesen Quoten. Das ZDF zeigte “Unsere Mütter, unsere Väter”, eine Aufarbeitung über den Alltag im Dritten Reich. Für den “Super Bowl” gab sich Sat.1 ausnahmsweise richtig Mühe und konnte so sogar den Stadionstromausfall ordentlich überbrücken. Die ARD zeigte mit “Operation Zucker” einen aufwühlenden Film über Kinderhandel – und musste ihn zensieren, weil die FSK das Ende nicht positiv genug fand. Die ARD traut sich an den Showklassiker “Dalli Dalli” ran. “Das ist spitze!” heißt die Neuauflage, die großen Spaß macht.

Die Medien suchen aber lieber nach Skandalen, als zu loben. Während sich fast ganz Journalistendeutschland aufplustert, weil nicht alle von ihnen beim NSU-Prozess berücksichtigt werden, und es doch ein Skandal sei, weil die ehrwürdige FAZ nicht dabei sei, hält sich das Interesse beim NSA-Abhörskandal erst mal in Grenzen. In der heißen Phase diskutiert selbst Günther Jauch im Ersten lieber über Schlaglöcher. Als aber klar ist, dass auch das merkelsche Kanzlerinnenhandy abgehört wurde – ja, jahaaa, da ist der Aufschrei groß.

Gar keinen Aufschrei gibt es, als das ZDF verkündet, dass zdf.kultur eingestellt wird. Der innovativste und interessanteste Spartenkanal hat miese Quoten. Leider. Eigentlich sollte Silvester Schluss sein. Nun hat der Sender doch noch eine Schonfrist und sendet auch 2014.
Für Das 4. ist dagegen am 31. Dezember Schluss. Mitte Januar 2014 startet auf dem Programmplatz der Disney Channel. Der Micky-Maus-Konzern kauft Das 4. und schafft ihn ab.
Auch ARD und ZDF hätten gern einen Jugendkanal, wofür das Zweite eben auch zdf.kultur opfern will. Die Politik möchte da jedoch mitreden und hat das Konzept abgelehnt. Das Konzept liegt auf Eis, und der SWR macht’s im Alleingang und fragt erst niemanden: einsplus ist inzwischen fast vollständig zum Jugendkanal mutiert.

Mit gedruckten Zeitungen hat die Jugend unterdessen immer weniger am Hut. Die Auflagen sinken, die Verlage sparen. Springer stößt diverse Regionalzeitungen an die Funke-Gruppe ab, darunter die “Berliner Morgenpost”. Dafür weitet Springer die Aktivitäten im Internet aus und kauft N24.
Die “Westfälische Rundschau” erscheint zwar noch, hat aber keine eigenen Inhalte mehr. Der Mantel kommt vom zentralen Desk, der Lokalteil von der Konkurrenz. Ganz dicht machen will man das Blatt nicht – der publizistischen Vielfalt wegen. Aha.
Die Nachrichtenagentur dapd ist nicht mehr zu retten.
Die Mediengruppe Madsack gliedert die Lokalredaktionen der “Märkischen Allgemeinen” aus. Bis 2018 will man außerdem in Hannover einen Großteil der Inhalte für die Regionalzeitungen vorproduzieren. Ressorcen will man sparen, heißt es.

Die wahre Musik spielt im Internet. Und bei Twitter meist nachts, dann sind nämlich Boris Becker und Oliver Pocher noch wach und zoffen sich. Der ehemalige Tennisgott Becker hat ein Buch geschrieben, darin kommt auch seine Ex (und inzwischen auch Pochers Ex) Allessandra vor, und das nicht sehr positiv. Am Ende kommt Becker in Pochers RTL-Show “Alle auf den Kleinen”, um sich endgültig lächerlich zu machen.
Pochers anderer Ex, Harald Schmidt nämlich, sendet unterdessen bei Sky unter Ausschluss der großen Öffentlichkeit. Aber nur noch bis März 2014. Mitte Dezember verkündet Sky das Aus für “Die Harald Schmidt Show”. Der Aufschrei hält sich in Grenzen.

Weichen Politiker mal vom Langweiler- und Weichspülkurs ab, dann aber ist besagter Aufschrei doch wieder groß. Der Bundestagswahlkampf plätschert eher vor sich hin – bis SPD-Mann Steinbrück für ein wortloses Interview mit dem SZ-Magazin den Stinkefinger zeigt. Nur leider scheinen Journalisten keinen Humor zu haben – oder doch lieber den Skandal herschreiben zu wollen.
Gleiches gilt, wenn ZDF-Frau Marietta Slomka im Interview mit SPD-Chef Sigmar Gabriel eher plan- und hilflos wirkt und Gabriel deutlich macht, dass er ihren pikierten Interviewstil, nun ja, seltsam findet. Slomka wird von vielen Zuschauern als Heldin gefeiert. Warum auch immer.

Die Hörer von radioeins hatten tatsächlich was zu feiern: die Rückkehr der Radiolegenden. Zwei Wochen lang waren sie jeweils drei Stunden auf Sendung: Thomas Gottschalk, Frank Elstner oder Jürgen Kuttner. Noch einmal “Sprechfunk”, so wie früher, nur diesmal eben an einem Vormittag. Herrlich.

Legenden kommen, andere gehen. Es hieß Abschied nehmen. Viele Stars haben uns 2013 verlassen.
Marcel Reich-Ranicki wird keine Bücher mehr verreißen, Paul Kuhn spielt nicht mehr Klavier. Reinhard Lakomy besingt nie mehr den Traumzauberbaum. Der afrikanische Held Nelson Mandela ist verstummt. Außerdem die Schauspieler Dieter Pfaff, Eddie Arent, Hildegard Krekel, Rosemarie Fendel, Heinz Meier, Jörg Pleva, Otto Sander, James Gandolfini, Ulrich Matschoss und Peter O’Toole, die Politiker Lothar Bisky, Manfred Rommel und Margaret Thatcher, Radiolegende Chris Howland, die Musiker Lou Reed und Esther Williams, die Humoristen Dieter Hildebrandt, Peter Ensikat und Günter Willumeit, die Moderatoren Vivi Bach und Elmar Gunsch, Sportmanager Peter Graf, die Schriftsteller Doris Lessing, Otfried Preußler, Walter Jens und Wolfgang Herrndorf sowie Prinz Johan Friso von Oranien.

2013. War sonst noch was?
Ach ja. “Inka” im ZDF, das neue, frische Format am Nachmittag. War dann aber leider doch nicht so frisch, sondern ziemlich altbacken und oberflächlich. Nach einem Vierteljahr zieht das ZDF den Stecker. Damit endet auch die Dailytalk-Ära, denn auch “Britt” auf Sat.1 musste sich veranschieden.
Stefan Raab mischt für ProSieben beim TV-Duell mit Merkel und Steinbrück mit. Und macht seine Sache gut.
Das Erste bricht in der Nacht einen Boxkampf für einen Spielfilm mittendrin ab, weil es so im Programmplan stand.
Hinter den Kulissen der kultigen zdf.kultur-Talkshow “Roche & Böhmermann” kracht es so sehr, dass Schluss ist. Und die Zuschauer das erst für einen Gag halten.
Heino bekommt großartige PR, weil er Ärzte-Songs nachsingt und sich darüber angeblich jemand aufregt.
Die Lotto-Ziehungen gibt’s nicht mehr im Fernsehen, weil das die Zuschauer angeblich langweilt.
phoenix unterbricht sein Programm für einen Asteroiden-Vorbeiflug und zeigt helle Striche.
Waldemar Hartmann blamiert sich bei “Wer wird Millionär?” weil er die deutsche Fußball-WM 1974 vergisst.
Und da ist er schon, der nächste Aufschrei. Einer von vielen, in diesem 2013.

Ach, und fast hätte ich das Wichtigste vergessen: Dieter Moor heißt jetzt Max. Ähm, ja, genau.
Guten Rutsch.

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Wetten, dass…?: Blackface

Montag, den 16. Dezember 2013
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SA 14.12.2013 | 20.15 Uhr | ZDF

Endlich mal ein bisschen Ruhe für Markus Lanz. Endlich mal eine relativ normale, solide Show. Aber denkste! Da war ja noch die Sache mit der Saalwette, und ich habe erst später auf Twitter mitbekommen, dass die ein Skandal war.

Das ZDF sendete “Wetten, dass…?” am Sonnabend aus Augsburg, der Heimat der “Augsburger Puppenkiste”. Die bekannteste Figur: Jim Knopf, erfunden vom Autor Michael Ende. Jim ist ein echter Held, eine grundsympathische und liebenswerte Figur. Und er ist schwarz.
Die Saalwette lautete, dass die Augsburger es nicht schaffen, als Jim Knopf verkleidet – und insbesondere schwarz geschminkt – scharenweise in die Halle zu strömen.

Schwarz angemalt! Da brodelte es schon bei Twitter, als Markus Lanz das vorlas. Dass sich Menschen schwarz schminken, um eine schwarze Figur darzustellen, gilt bei vielen Leuten als rassistisch. Es sei diskrimierend.
Die Sache artete zu einem regelrechten Shitstorm aus, wobei auch viele Twitterer andererseits nicht einsehen wollten, dass es sich bei der Aktion um einen rassistischen Akt handele. Ein großes Für und Wider. Echter Twitter-Zoff!

Ich tue mich schwer damit. Ich denke, ich bin nicht rassistisch, ich bin tolerant und verabscheue die Rechtsradikalen.
Aber ist es rassistisch, wenn man sich schwarz schminkt, wenn man Jim Knopf darstellen möchte?
Angenommen, jemand sagt mir, ich solle zum Karneval als Jim Knopf verkleidet auftauchen, und ich hätte keine andere Wahl. Dann würde ich mir diesen Jim Knopf ansehen, und ja, zu meiner Verkleidung würde es auch gehören, mich schwarz zu schminken. Das ist Jim Knopf, der sympathische Jim Knopf, und er ist nun mal schwarz. Ganz wertfrei schwarz.

Sicherlich: Einige der Leute, die an der Saalwette teilnahmen, waren tatsächlich nur schwarz geschminkt und ansonsten nicht wirklich verkleidet. Das war dann einfach nur einfallslos. Aber auch rassistisch?

2006 war ich in Hennigsdorf bei einem Afrika-Musical der dortigen Musikschule. Die Darsteller spielten, tanzten und sangen. Sie schminkten sich schwarz. Sie wollten die Leute aus Ghana, um die es im Stück geht, darstellen. Sie waren zuvor mehrere Male in Ghana, hatten und haben Freundschaften dort, beim Stück nahmen auch Leute aus Ghana teil, halfen sogar bei der Choreografie mit. Ist das rassistisch, dass sich die Darsteller schwarz schminkten?

Rassistisch ist es, wenn in einem Film ein Weißer einen Schwarzen spielt, und es für den Film womöglich gar nicht so wichtig ist, ob derjenige schwarz ist. Rassistisch ist es, wenn in einem Film oder in einem Stück Schwarze klischeehaft dargestellt werden (es sei denn, das Klischee soll herausgearbeitet werden). Rassistisch ist es, wenn in einem Film die Schwarzen immer die Bösen sind, die Dummen, die Tumben.

Aber Jim Knopf?
Und was ist mit Pittiplatsch? Der ist auch schwarz. Muss ich mir Sorgen machen?
Und ist es rassistisch, wenn Männer Frauen spielen und sich dafür Frauenkleider anziehen? Ist es rassistisch, wenn sich Leute blondieren lassen, um eine bestimmte Rolle zu spielen?

Die “Blackface”-Debatte ist wichtig, man muss sie diskutieren. Bei Twitter und Facebook ist das seit Sonnabend ausgiebig getan worden.
Aber aus der Jim-Knopf-Aktion einen Skandal zu machen – das finde ich eher zweifelhaft.

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Der Deutsche Fernsehpreis 2013

Sonntag, den 6. Oktober 2013
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FR 04.10.2013 | 22.15 Uhr | Sat.1

Deutschlands Fernsehkritiker haben nicht nur am Donnerstag fast kollektiv heftigste Blähungen gehabt. Herrschte beim RTL-Katastrophenfilm “Helden” ein Kollektivkotzen, so war das am Mittwoch nicht anders. Da zeichnete Sat.1 den “Deutschen Fernsehspreis 2013″ auf, und so ziemlich alle waren sich erneut einig: Die Show war der letzte Scheiß, die Schlechteste, die je veranstaltet worden sei. Wie auch bei “Helden” redeten sich die User bei Facebook, Twitter und den Medienseiten sehr in Rage, und – schwupp, da war sie schon wieder – die große Hämeblase. Ein großes Tuttern und Blubbern, und überhaupt drohte bereits der Weltuntergang.

Und schon wieder muss ich sagen: Ich fand’s eigentlich ganz okay. “Der Deutsche Fernsehpreis” war (leider) selten eine wirklich unterhaltsame Show mit vielen witzigen Momenten. Das haben seit 1998 leider nur wenige hinbekommen. Die 2013er-Ausgabe fügte sich ganz gut ein in die Reihe.

Kritikerdeutschland moserten über… na ja, eigentlich über alles. Über die miesen Moderatoren, die schlechten Gags, die teilweise grauenhaften Dankesreden, über teilweise zweifelhafte Gewinner.
Die Kritiker haben an vielen Punkten natürlich recht. Die Gags, die Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher bringen mussten, zündeten oft nicht. Andererseits mag ich Selbstironie, und ein Einspieler, in dem es sich um Wahrheit oder Lüge drehte, war wirklich witzig. Dass Cindy und Pocher keinen Bock auf die Show hatten, wie es ihnen Kritiker vorwarfen, nein, konnte ich nicht feststellen.
Schmunzelmomente – die gab es wirklich: Zum Beispiel, dass sich Marc Bator gleich mehrfach – und zurecht – Häme gefallen lassen musste, dass er von der “Tagesschau” zu den “Sat.1-Nachrichten” gewechselt ist.

Ja, über einige Preise muss man reden. Dass zdf_neo für die Dokureihe “Auf der Flucht” ausgezeichnet wird, muss man hinterfragen. Dass D-Promifrau Mirja Dumont so tun darf, als sei sie auf der Flucht und denkt, sie erlebte reales Leben, das ist ihre Sache. Dass sie dann aber pathetisch auf der Bühne steht, heult und immer an die Flüchtlinge denken will, das grenzt an Lächerlichkeit. Wenn sich Sky und seine Frau natürlich überlegt haben, zwölf Flüchtlinge zu Hause aufzunehmen, dann nehme ich die Anmerkung natürlich gern zurück.

Dass immer mehr Sendungen prämiert werden, die auf kleinen Sendern laufen, sollte die Fernsehmacher nachdenklich stimmen. Dass nur ein einziges Format der Privatsender preiswürdig ist, sollte die Fernsehmacher erst recht nachdenklich machen.

Sat.1 kann man jedenfalls nicht vorwerfen, eine besonders schlechte Show abgeliefert zu haben. Sie war mittelmäßig wie immer. Man kann mehr draus machen, aber das ist ein allgemeines Problem der Show. Das kollektive Kotzen im Vorfeld war trotzdem übertrieben und peinlich. Die B.Z. riet den Lesern gar ab, einzuschalten.
Was man Sat.1 (und wahrscheinlich auch ARD, ZDF und RTL auch) sehr wohl vorwerfen kann: die Show 50 Stunden nach Aufzeichnung zu senden. Im Grunde war sie nur eine Wiederholung – bei Twitter und Facebook ist sie Mittwochabend genau verfolgt und verkündet worden. Eigentlich sollte sie am Feiertag ausgestrahlt werden – immerhin auch noch 26 Stunden später. Sat.1 verschob sie um einen weiteren Tag, vermutlich weil sie sauer waren, weil die Konkurrenz – die aber gemeinsam Ausrichter des Fernsehpreises sind – starke Programme gegensetzten.
Langsam sollte den Entscheidern mal dämmern, dass eine Preisverleihung in der heutigen Zeit nur noch live funktioniert. Als Aufzeichnung ist jede Spannung raus, Sperrfristen kann man heute in die Tonne treten.
Und wenn es darum geht, einen passenden Tag zu finden, wo die anderen drei Sender mal keine Premiumprogramme senden – wer sagt denn, dass das am 3. Oktober sein muss?

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Helden – Wenn dein Land dich braucht

Samstag, den 5. Oktober 2013
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DO 03.10.2013 | 20.15 Uhr | RTL

Deutschlands Fernsehkritiker haben am Donnerstag fast kollektiv heftigste Blähungen gehabt. RTL zeigte einen Katastrophenfilm, und so ziemlich alle waren sich einig: “Helden – Wenn dein Land dich braucht” ist der letzte Scheiß, das Schlechteste, was je im deutschen Fernsehen zu sehen war. Bei Facebook und Twitter redeten sich die User in Rage, und – schwupp – saßen sie alle wieder in der großen Hämeblase.

An dieser Stelle mal eine kurze Ansage: Ich fand den Film ganz okay.
Ja, ich weiß, kommt nicht gut, aber ist nun mal so.

Wer sagt, dass es sich bei “Helden” um richtig mieses Fernsehen handelt, der kann sich ja mal einen Nachmittag lang das Tagesprogramm der Privaten zu Gemüte führen, und dann können wir gern weiterreden.

In dem Eventschocker ging es um den Teilchenbeschleuniger in Genf, der ein schwarzes Loch erzeugt. Über Deutschland stürzen Flugzeuge und Satelliten ab, Erdbeben, Stromausfälle und so weiter.

Ja, ja. Unglaubwürdig. Passiert so ganz sicher nicht. Ich weiß, ich weiß. Aber “Helden” war ja keine Doku auf phoenix, sondern Unterhaltungsprogramm bei RTL. Dass es dabei nicht immer ganz logisch zugeht – geschenkt. Aber viel wichtiger ist doch: Der Film war einigermaßen spannend, wenn auch zum Ende hin deutlich in der Spannung abfallend. Es hat gekracht, der Reichstag ist eingestürzt, in der Lausitz gibt’s jetzt ein Gebirge, und im Tropical Island ist’s auch ganz schön.
Ist alles keine Hochkultur, war manchmal unlogisch und schlecht durchdacht, bot den einen oder anderen grottigen Dialog und, ja, auch Hannes Jaennicke. Aber wenn man darüber mal hinwegsieht, dann bot RTL ausnahmsweise mal recht gute, anspruchslose Unterhaltung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger sollte dieser Film bieten.
Da muss man sich nun wirklich nicht so aufplustern, wie es fast ganz Kritikerdeutschland gemacht hat. Es gibt nun wirklich sehr viel schlimmeres Fernsehen in Deutschland, und darüber sollte man sich mal aufregen!

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Überzeugt uns! Der Politiker-Check

Dienstag, den 27. August 2013
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MO 26.08.2013 | 22.35 Uhr | Das Erste

Dass die ARD mit Politik auch eine jüngere Zielgruppe ansprechen will, ist richtig und wichtig. Zwar lief “Überzeugt uns!” recht spät mitten in der Woche, aber immerhin an einem Abend, wo mit “Türkisch mit Anfänger” im Vorprogramm auch schon ein junges Programm zu sehen war.

Ob aber diese jungen Zuschauer nun zur Wahl rennen, weil sie den Wahltalk im Ersten gesehen haben, das darf vage bezweifelt werden. Und das lag weniger an der ARD, sondern an den eingeladenen Politikern. Mal von Gregor Gysi und Claudia Roth abgesehen, kamen alle mit den üblichen Floskeln daher. Ilse Aigner (CSU) brachte es gar fertig, eine ihr gestellte Zuschauerfrage komplett zu ignorieren, weil sie lieber noch ein Thema weiterbesprochen haben wollte, das davor schon dran war. Das ist nicht sehr fein.
Daniel Bahr (FDP) riet einem jungen Mann, der in seinem Verkäuferjob trotz gutem Abschlusses nur halbtags beschäftigt ist, doch lieber in die Pflegebranche zu gehen. Genau, Herr Bahr, da, wo ja auch super Löhne gezahlt und wo die Angestellten richtig gut behandelt werden.

Twitter, Facebook, eigene Internetseite – die Zuschauer konnten mitreden. Ihre Ansichten kamen in der Sendung auch zur Sprache. Bei Twitter war #überzeugtuns am Ende sogar der deutsche Hashtag Nr. 1. Solche Sendungen sollte die ARD öfter ausstrahlen und nicht so ein ödes Gequatsche wie bei “Günther Jauch” am Abend davor. Allerdings müssen die Moderatoren noch mehr darauf achten, dass gestellte Fragen auch wirklich beantwortet und Floskeln unterlassen werden.
Letzteres ist wohl das größte Problem der Politiker – das immer gleiche, ausweichende Geseier ohne echtem Inhalt. Jungwähler (oder eher: Jungnichtwähler) wird das wenig beeindrucken.