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Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

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Wie geht’s, Deutschland?

Samstag, den 9. September 2017
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DI 05.09.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

Wie geht’s, Deutschland? Zwar hieß so am Dienstagabend ein weiterer Polittalk zur Bundestagswahl im ZDF. Aber in Wirklichkeit war die interessante Frage, über die die meisten sprachen: Wie geht’s, Alice?
Mittendrin hatte die AfD-Frau Alice Weidel nämlich keinen Bock mehr auf die Sendung. Sie verließ die Arena unter dem johlenden Applaus des Publikums. Sie ging, als CSU-Mann Andreas Scheuer sie auf rechtsextremistische Mitglieder in der AfD ansprach. Schon zuvor gab es immer wieder Streit zwischen Weidel und anderen Gästen der Sendung.

Weidel ging, und sie wusste ganz genau, was sie da tat. Im Moment, als sie ging, war sie mit Vorwürfen konfrontiert, die alles andere als neu waren. Der Abgang war albern, und es schien, als ob dieser Eklat einkalkuliert war.
Immerhin hatte Alice Weidel danach sehr schnell Gelegenheit, auf Twitter wieder mal die Abschaffung des Rundfunkbeitrages zu fordern und der Moderatorin Marietta Slomka vorzuwerfen, sie sei parteiisch. Sie solle ihre persönlichen Animosiäten nicht in den eigenen Sendungen ausleben, so Weidel weiter.

Weidels Abgang bestärkt die AfD-Fans in ihrem Hass und vor allem in ihrer Ansicht, die Medien seien gesteuert.
Allerdings gibt ihnen Marietta Slomka auch ordentlich Futter. Mal abgesehen davon, dass sie in der Tat eine erstaunlich schlechte Interviewerin ist – sie führte fahrig und unsicher durch die Sendung. Und tatsächlich – Slomka hat sich nicht im Griff, wenn es darum geht, ihre eigenen Meinungen hinterm Berg zu halten. Macht der SPD-Vertreter einen Scherz in die AfD-Richtung lächelt Slomka und zeigt indirekte Zustimmung. Sie zieht Grimassen – und damit wirkt sie unsouverän und tatsächlich nicht unparteiisch.

Wenn Alice Weidel ihren Abgang mit einer Hasstirade gegen die Medien verbindet, dann ist das Unsinn. Aber leider gab ihr Marietta Slomka ordentlich Futter dafür.

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Überzeugt uns! Der Politikercheck

Dienstag, den 22. August 2017
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MO 21.08.2017 | 23.00 Uhr | Das Erste

Woran erkennt man eine politische Jugendsendung zur Bundestagswahl in der ARD? Junge Politiker zu Gast? Interaktivität? Einbindung des Publikums? Alles falsch: Eine Jugendsendung in der ARD erkennt man daran, dass sie im Kesselhaus in Berlin stattfindet. Weil die Location so cool ist. Um 23 Uhr in der Nacht. Und natürlich am Titel: “Überzeugt uns!” – mit passendem Hashtag #ueberzeugtuns.
Dummerweise hat der Titel mit dieser Sendung so wenig zu tun wie die “RTL II News” mit Informationen.

Für die ach so junge, flotte Politshow am Montagabend im Ersten war angekündigt: Jungwähler stellen Fragen. Am Ende wird entschieden, welcher Gast von welcher Partei überzeugte.
Es lief so: Ein Moderator und eine Autorin stellten Fragen, lasen ab und zu Facebook-Fragen vor, und die Sache mit der Überzeugungsentscheidung muss irgendwie vergessen worden sein.

Selten klafften in einer ARD-Politsendung Anspruch und Wirklichkeit so auseinander. Jung sollte das Ganze sein. Aber wo waren die jungen Politiker? Warum mussten bei “Überzeugt uns!” wieder die üblichen Verdächtigen sitzen – allen voran der alte AfD-Gauland, der von der Jugend am weitesten entfernt war. Warum wirkte die Show wie eine verlängerte “Hart aber fair”-Sendung? Warum hatte das Publikum fast nichts zu sagen? Und wer sollte eigentlich von irgendwas überzeugt werden? Wer war das “uns” in “Überzeugt uns!”?

Eine schlimme Fehlbesetzung war zudem Ronja von Rönne. Die Autorin hatte irgendwie eine falsche Vorstellung davon, wie es ist, eine Talkshow zu moderieren. AfD-Gauland machte sie mehrfach blöd von der Seite an, was weder cool noch investigativ wirkte, sondern einfach nur plump und pubertär. Immer wieder plärrte sie bei anderen dazwischen, und immer wieder merkte man, wenn ihr Antworten missfallen. Als Moderatorin allerdings erwarte ich mehr Seriosität, denn das Denken möchte ich als Zuschauer gern selbst übernehmen. Wenn die ARD wieder mal ein Argument liefern wollte, warum so viele die angeblich linksversifften Sender so hassen, dann hat Ronja von Rönne wieder ordentlich Öl ins Feuer gegossen – und das war schlicht unnötig und höchst unprofessionell.
An einigen Stellen war dem eigentlichen Moderator Ingo Zamperoni anzumerken, dass er versuchte, das Steuer zu übernehmen.

Diese angebliche Jugendsendung der ARD war von vorn bis hinten ein Missverständnis. Ein verstaubtes Konzept, viel zu viele Themen, Leute wurde über den Mund gefahren, eine ärgerliche Gesprächsführung.
Jens Spahn (CDU) war deutlich anzumerken, dass ihm diese Sendung missfällt, und später machte er bei Twitter seinem Ärger Luft. Eigentlich wäre es spannend gewesen, wenn irgendwer der Gäste die ganze Runde gesprengt und sich drüber ausgelassen hätte, welchen Müll die ARD da gerade fabriziert – und alle zustimmend gegangen wären. Aber so was traut sich ja niemand – auch niemand aus dem Publikum.
Jugendtalk: Liebe ARD, das #ueberzeugtuns nicht.

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Zapp: Carsten Harry Petersen

Donnerstag, den 11. Mai 2017
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MI 10.05.2017 | 23.20 Uhr | NDR fernsehen

Hach, war das aber peinlich für diese dämliche ARD! Da blenden sie am Sonntag bei einem Interview mit dem ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten doch glatt statt Peter Harry Carstensen den Namen Carsten Harry Petersen ein.
Lustig, lustig! Der Twitter-User Artur hat einen entsprechenden Screenshot veröffentlicht. Und deshalb haben viele Medien drüber berichtet.
Blöd nur: Das Foto war eine Fälschung! Die ARD hat in Wirklichkeit den richtigen Namen eingeblendet.
Die Medien, die drüber berichteten, haben sich entschuldigt und die Sache berichtigt, und nicht nur Artur beschwert sich, dass ja niemand recherchiert habe.

Damit hat er recht. Aber auch nicht.
Das Medienmagazin “Zapp” vom NDR hat am Mittwochabend darüber berichtet – und auf ndr.de auch mit Artur gesprochen.
Artur ist Journalist. Und er hat das nicht mal gemacht, um irgend jemanden vorzuführen. Er wollte einfach nur lustig sein, sagt er. Und außerdem sei das ja ein privater Account, das sei doch deutlich zu sehen – auch weil er ein total lustiges Profilfoto habe.
Ja, mag sein.
Aber ein Journalist sollte es nun wirklich besser wissen.
Ja, es ist verwerflich, dass so was ungeprüft übernommen wird. Aber es ist auch verwerflich, so etwas zu posten, ohne dass man gleich sieht, dass es Satire ist. Und selbst wenn man das macht, dann sollte man sich nicht wundern, was man mit so einem Post auslösen kann – oder gar erschrocken sein. Das wirkt dann schon ein bisschen, nun ja, unbedarft. So was sollte einen Journalisten nicht überraschen. Man sollte so was einfach sein lassen – oder besser machen.
Nicht dass sich Journalist Artur mal darüber aufregt, dass Journalisten Fakenews vorgeworfen wird.

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Rundschau extra: Pressekonferenz zur Schießerei in München

Sonntag, den 24. Juli 2016
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FR 22.07.2016 | 2.20 Uhr (Sa.) | BR-Fernsehen

Mitten in der Nacht, um 2.20 Uhr, unterbricht das BR-Fernsehen nochmals den Spielfilm für eine aktuelle Nachrichtensendung. Fast sechs Stunden lang hat BR zuvor ununterbrochen über die Schießerei im Olympia-Einkaufszentrum in München berichtet, das Dritte schaltete sich gute vier Stunden lang zum Ersten dazu, wo umfassend berichtet worden ist.

Um 2.20 Uhr also noch mal. In München berichtete die Polizei in einer Pressekonferenz, welche Erkenntnisse sie gewonnen hat. Wie viele Tote (neun), wie viele Täter (einer, und der hat sich umgebracht) und wie das Ganze abgelaufen ist.
Die Polizei hat in München einen sehr, sehr guten Job gemacht. Mit unendlicher Geduld hat Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins in mehreren improvisierten Pressekonferenzen jede noch so doofe Frage von Journalisten beantwortet. Er hat ruhig und gelassen übermittelt, welche Fakten vorlagen. Er hat Gerüchte zurückgewiesen, versucht einzuordnen, Gelassenheit in einer schwierigen Lage ausgestrahlt.
Über Twitter informierte die Polizei München vorbildlich, sie informierte die Leute, bat sie, keine Tatortfotos zu posten und rief auf, ruhig zu bleiben. In der Krise behielt die Polizei einen kühlen Kopf. Vorbildlich!

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live ran – Football: Super Bowl 50

Dienstag, den 9. Februar 2016
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SO 07.02.2016 | 23.15 Uhr | Sat.1

Was für ein geiler Super Bowl!
Der beste Super Bowl aller Zeiten!
Was für ein super geiles Footballspiel!

Wie gut, dass wir Frank Buschmann haben. Ohne hätten wir in der Nacht zum Montag gar nicht so genau mitbekommen, ob der 50. Super Bowl nun gut oder nur so lala war. Buschi teilte es uns immer wieder laut schreiend und besoffen vor Begeisterung mit.
Ich mag Frank Buschmann eigentlich, denn er kommentiert locker und flüssiger als so manch anderer Sportkommentator.
Aber was er bei Sat.1 ablieferte, war dann doch eine Spur to much.

Immer wieder plärrte er seine Begeisterung ins Mikro. Es ist zwar schön, wenn sich die “Geilheit” eines Footballspiels auch auf den Kommentator auswirkt, aber wenn ich einen Fanboy beim kommentieren zuhören will, dann gehe ich auf Fanseiten.
Buschi, du kannst gern weiter begeistert sein, du darfst sogar laut sein, aber du musst uns nicht alle paar Minuten zuschreien, wie geil du das, was du da siehst (und wir auch), findest. Und wer das auf twitter kritisch anmerkst, dann musst du auch nicht auf “beleidigte Leberwurst” machen, von wegen “Mimimi, geh schlafen!”.
Da möchte man eher rufen: Komm mal wieder runter!

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Der Deutsche Webvideopreis 2015

Montag, den 15. Juni 2015
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SA 13.06.2015 | 19.00 Uhr | einsplus

Webvideopreis! Im Fernsehen! Da muss erst wieder das öffentlich-rechtliche Fernsehen her, dass die Verleihung des Deutschen Webvideopreis so groß und aufwändig zelebriert wird wie noch nie.
Immerhin haben wieder ein paar Leute mehr aus der jungen Zielgruppe entdeckt, dass die alte Tante ARD einen Jugendsender betreibt – oder so was Ähnliches.
Und während sich die Internetwelt auf einsplus das Event reinzogen, twitterten sie fleißig.

Allerdings war eine Vielzahl der Tweets nicht gerade schmeichelhaft für die ARD und das Fernsehen im Allgemeinen. TV-Verantwortliche werden sich die Reaktionen mit gemischten Gefühlen angesehen haben.
Sicherlich jeder dritte bei einsplus eingeblendete Tweet handelte am Sonnabendabend davon, dass man ja sonst kein Fernsehen mehr schaue, aber jetzt endlich mal was Cooles laufe. Endlich lohne es sich mal wieder, Fernsehen zu gucken. Drei Jahre kein Fernsehen genutzt – jetzt aber, zum Webvideopreis. Und so weiter. Dabei hätte man sich das Event auch locker im, na so was, Internet ansehen können.

Eigentlich ein Trauerspiel, das natürlich die jungen Leute nicht als solches empfinden. Warum auch. Im Internet – meist auf Youtube – haben sie ihre Stars, die sie gern verfolgen und verehren. Wer braucht da noch das lineare Fernsehen? Dass es da durchaus auch noch einiges Gutes gibt, wird da kaum noch wahrgenommen.

2016 (oder später) geht das ARD/ZDF-Jugendangebot an den Start – im Internet, da wo die Zielgruppe anzutreffen ist. Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Und vor allem, wie ARD und ZDF die Zielgruppe ansprechen und erreichen wollen. Und ob sie das schaffen.