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Wie geht’s, Deutschland?

Samstag, den 9. September 2017
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DI 05.09.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

Wie geht’s, Deutschland? Zwar hieß so am Dienstagabend ein weiterer Polittalk zur Bundestagswahl im ZDF. Aber in Wirklichkeit war die interessante Frage, über die die meisten sprachen: Wie geht’s, Alice?
Mittendrin hatte die AfD-Frau Alice Weidel nämlich keinen Bock mehr auf die Sendung. Sie verließ die Arena unter dem johlenden Applaus des Publikums. Sie ging, als CSU-Mann Andreas Scheuer sie auf rechtsextremistische Mitglieder in der AfD ansprach. Schon zuvor gab es immer wieder Streit zwischen Weidel und anderen Gästen der Sendung.

Weidel ging, und sie wusste ganz genau, was sie da tat. Im Moment, als sie ging, war sie mit Vorwürfen konfrontiert, die alles andere als neu waren. Der Abgang war albern, und es schien, als ob dieser Eklat einkalkuliert war.
Immerhin hatte Alice Weidel danach sehr schnell Gelegenheit, auf Twitter wieder mal die Abschaffung des Rundfunkbeitrages zu fordern und der Moderatorin Marietta Slomka vorzuwerfen, sie sei parteiisch. Sie solle ihre persönlichen Animosiäten nicht in den eigenen Sendungen ausleben, so Weidel weiter.

Weidels Abgang bestärkt die AfD-Fans in ihrem Hass und vor allem in ihrer Ansicht, die Medien seien gesteuert.
Allerdings gibt ihnen Marietta Slomka auch ordentlich Futter. Mal abgesehen davon, dass sie in der Tat eine erstaunlich schlechte Interviewerin ist – sie führte fahrig und unsicher durch die Sendung. Und tatsächlich – Slomka hat sich nicht im Griff, wenn es darum geht, ihre eigenen Meinungen hinterm Berg zu halten. Macht der SPD-Vertreter einen Scherz in die AfD-Richtung lächelt Slomka und zeigt indirekte Zustimmung. Sie zieht Grimassen – und damit wirkt sie unsouverän und tatsächlich nicht unparteiisch.

Wenn Alice Weidel ihren Abgang mit einer Hasstirade gegen die Medien verbindet, dann ist das Unsinn. Aber leider gab ihr Marietta Slomka ordentlich Futter dafür.

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Überzeugt uns! Der Politikercheck

Dienstag, den 22. August 2017
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MO 21.08.2017 | 23.00 Uhr | Das Erste

Woran erkennt man eine politische Jugendsendung zur Bundestagswahl in der ARD? Junge Politiker zu Gast? Interaktivität? Einbindung des Publikums? Alles falsch: Eine Jugendsendung in der ARD erkennt man daran, dass sie im Kesselhaus in Berlin stattfindet. Weil die Location so cool ist. Um 23 Uhr in der Nacht. Und natürlich am Titel: “Überzeugt uns!” – mit passendem Hashtag #ueberzeugtuns.
Dummerweise hat der Titel mit dieser Sendung so wenig zu tun wie die “RTL II News” mit Informationen.

Für die ach so junge, flotte Politshow am Montagabend im Ersten war angekündigt: Jungwähler stellen Fragen. Am Ende wird entschieden, welcher Gast von welcher Partei überzeugte.
Es lief so: Ein Moderator und eine Autorin stellten Fragen, lasen ab und zu Facebook-Fragen vor, und die Sache mit der Überzeugungsentscheidung muss irgendwie vergessen worden sein.

Selten klafften in einer ARD-Politsendung Anspruch und Wirklichkeit so auseinander. Jung sollte das Ganze sein. Aber wo waren die jungen Politiker? Warum mussten bei “Überzeugt uns!” wieder die üblichen Verdächtigen sitzen – allen voran der alte AfD-Gauland, der von der Jugend am weitesten entfernt war. Warum wirkte die Show wie eine verlängerte “Hart aber fair”-Sendung? Warum hatte das Publikum fast nichts zu sagen? Und wer sollte eigentlich von irgendwas überzeugt werden? Wer war das “uns” in “Überzeugt uns!”?

Eine schlimme Fehlbesetzung war zudem Ronja von Rönne. Die Autorin hatte irgendwie eine falsche Vorstellung davon, wie es ist, eine Talkshow zu moderieren. AfD-Gauland machte sie mehrfach blöd von der Seite an, was weder cool noch investigativ wirkte, sondern einfach nur plump und pubertär. Immer wieder plärrte sie bei anderen dazwischen, und immer wieder merkte man, wenn ihr Antworten missfallen. Als Moderatorin allerdings erwarte ich mehr Seriosität, denn das Denken möchte ich als Zuschauer gern selbst übernehmen. Wenn die ARD wieder mal ein Argument liefern wollte, warum so viele die angeblich linksversifften Sender so hassen, dann hat Ronja von Rönne wieder ordentlich Öl ins Feuer gegossen – und das war schlicht unnötig und höchst unprofessionell.
An einigen Stellen war dem eigentlichen Moderator Ingo Zamperoni anzumerken, dass er versuchte, das Steuer zu übernehmen.

Diese angebliche Jugendsendung der ARD war von vorn bis hinten ein Missverständnis. Ein verstaubtes Konzept, viel zu viele Themen, Leute wurde über den Mund gefahren, eine ärgerliche Gesprächsführung.
Jens Spahn (CDU) war deutlich anzumerken, dass ihm diese Sendung missfällt, und später machte er bei Twitter seinem Ärger Luft. Eigentlich wäre es spannend gewesen, wenn irgendwer der Gäste die ganze Runde gesprengt und sich drüber ausgelassen hätte, welchen Müll die ARD da gerade fabriziert – und alle zustimmend gegangen wären. Aber so was traut sich ja niemand – auch niemand aus dem Publikum.
Jugendtalk: Liebe ARD, das #ueberzeugtuns nicht.

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Zapp: Carsten Harry Petersen

Donnerstag, den 11. Mai 2017
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MI 10.05.2017 | 23.20 Uhr | NDR fernsehen

Hach, war das aber peinlich für diese dämliche ARD! Da blenden sie am Sonntag bei einem Interview mit dem ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten doch glatt statt Peter Harry Carstensen den Namen Carsten Harry Petersen ein.
Lustig, lustig! Der Twitter-User Artur hat einen entsprechenden Screenshot veröffentlicht. Und deshalb haben viele Medien drüber berichtet.
Blöd nur: Das Foto war eine Fälschung! Die ARD hat in Wirklichkeit den richtigen Namen eingeblendet.
Die Medien, die drüber berichteten, haben sich entschuldigt und die Sache berichtigt, und nicht nur Artur beschwert sich, dass ja niemand recherchiert habe.

Damit hat er recht. Aber auch nicht.
Das Medienmagazin “Zapp” vom NDR hat am Mittwochabend darüber berichtet – und auf ndr.de auch mit Artur gesprochen.
Artur ist Journalist. Und er hat das nicht mal gemacht, um irgend jemanden vorzuführen. Er wollte einfach nur lustig sein, sagt er. Und außerdem sei das ja ein privater Account, das sei doch deutlich zu sehen – auch weil er ein total lustiges Profilfoto habe.
Ja, mag sein.
Aber ein Journalist sollte es nun wirklich besser wissen.
Ja, es ist verwerflich, dass so was ungeprüft übernommen wird. Aber es ist auch verwerflich, so etwas zu posten, ohne dass man gleich sieht, dass es Satire ist. Und selbst wenn man das macht, dann sollte man sich nicht wundern, was man mit so einem Post auslösen kann – oder gar erschrocken sein. Das wirkt dann schon ein bisschen, nun ja, unbedarft. So was sollte einen Journalisten nicht überraschen. Man sollte so was einfach sein lassen – oder besser machen.
Nicht dass sich Journalist Artur mal darüber aufregt, dass Journalisten Fakenews vorgeworfen wird.

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Rundschau extra: Pressekonferenz zur Schießerei in München

Sonntag, den 24. Juli 2016
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FR 22.07.2016 | 2.20 Uhr (Sa.) | BR-Fernsehen

Mitten in der Nacht, um 2.20 Uhr, unterbricht das BR-Fernsehen nochmals den Spielfilm für eine aktuelle Nachrichtensendung. Fast sechs Stunden lang hat BR zuvor ununterbrochen über die Schießerei im Olympia-Einkaufszentrum in München berichtet, das Dritte schaltete sich gute vier Stunden lang zum Ersten dazu, wo umfassend berichtet worden ist.

Um 2.20 Uhr also noch mal. In München berichtete die Polizei in einer Pressekonferenz, welche Erkenntnisse sie gewonnen hat. Wie viele Tote (neun), wie viele Täter (einer, und der hat sich umgebracht) und wie das Ganze abgelaufen ist.
Die Polizei hat in München einen sehr, sehr guten Job gemacht. Mit unendlicher Geduld hat Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins in mehreren improvisierten Pressekonferenzen jede noch so doofe Frage von Journalisten beantwortet. Er hat ruhig und gelassen übermittelt, welche Fakten vorlagen. Er hat Gerüchte zurückgewiesen, versucht einzuordnen, Gelassenheit in einer schwierigen Lage ausgestrahlt.
Über Twitter informierte die Polizei München vorbildlich, sie informierte die Leute, bat sie, keine Tatortfotos zu posten und rief auf, ruhig zu bleiben. In der Krise behielt die Polizei einen kühlen Kopf. Vorbildlich!

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live ran – Football: Super Bowl 50

Dienstag, den 9. Februar 2016
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SO 07.02.2016 | 23.15 Uhr | Sat.1

Was für ein geiler Super Bowl!
Der beste Super Bowl aller Zeiten!
Was für ein super geiles Footballspiel!

Wie gut, dass wir Frank Buschmann haben. Ohne hätten wir in der Nacht zum Montag gar nicht so genau mitbekommen, ob der 50. Super Bowl nun gut oder nur so lala war. Buschi teilte es uns immer wieder laut schreiend und besoffen vor Begeisterung mit.
Ich mag Frank Buschmann eigentlich, denn er kommentiert locker und flüssiger als so manch anderer Sportkommentator.
Aber was er bei Sat.1 ablieferte, war dann doch eine Spur to much.

Immer wieder plärrte er seine Begeisterung ins Mikro. Es ist zwar schön, wenn sich die “Geilheit” eines Footballspiels auch auf den Kommentator auswirkt, aber wenn ich einen Fanboy beim kommentieren zuhören will, dann gehe ich auf Fanseiten.
Buschi, du kannst gern weiter begeistert sein, du darfst sogar laut sein, aber du musst uns nicht alle paar Minuten zuschreien, wie geil du das, was du da siehst (und wir auch), findest. Und wer das auf twitter kritisch anmerkst, dann musst du auch nicht auf “beleidigte Leberwurst” machen, von wegen “Mimimi, geh schlafen!”.
Da möchte man eher rufen: Komm mal wieder runter!

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Der Deutsche Webvideopreis 2015

Montag, den 15. Juni 2015
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SA 13.06.2015 | 19.00 Uhr | einsplus

Webvideopreis! Im Fernsehen! Da muss erst wieder das öffentlich-rechtliche Fernsehen her, dass die Verleihung des Deutschen Webvideopreis so groß und aufwändig zelebriert wird wie noch nie.
Immerhin haben wieder ein paar Leute mehr aus der jungen Zielgruppe entdeckt, dass die alte Tante ARD einen Jugendsender betreibt – oder so was Ähnliches.
Und während sich die Internetwelt auf einsplus das Event reinzogen, twitterten sie fleißig.

Allerdings war eine Vielzahl der Tweets nicht gerade schmeichelhaft für die ARD und das Fernsehen im Allgemeinen. TV-Verantwortliche werden sich die Reaktionen mit gemischten Gefühlen angesehen haben.
Sicherlich jeder dritte bei einsplus eingeblendete Tweet handelte am Sonnabendabend davon, dass man ja sonst kein Fernsehen mehr schaue, aber jetzt endlich mal was Cooles laufe. Endlich lohne es sich mal wieder, Fernsehen zu gucken. Drei Jahre kein Fernsehen genutzt – jetzt aber, zum Webvideopreis. Und so weiter. Dabei hätte man sich das Event auch locker im, na so was, Internet ansehen können.

Eigentlich ein Trauerspiel, das natürlich die jungen Leute nicht als solches empfinden. Warum auch. Im Internet – meist auf Youtube – haben sie ihre Stars, die sie gern verfolgen und verehren. Wer braucht da noch das lineare Fernsehen? Dass es da durchaus auch noch einiges Gutes gibt, wird da kaum noch wahrgenommen.

2016 (oder später) geht das ARD/ZDF-Jugendangebot an den Start – im Internet, da wo die Zielgruppe anzutreffen ist. Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Und vor allem, wie ARD und ZDF die Zielgruppe ansprechen und erreichen wollen. Und ob sie das schaffen.

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Das Wort zum Sonntag: Seitenwechsel

Montag, den 16. Juni 2014
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SA 14.06.2014 | 0.50 Uhr (So.) | Das Erste

Die Predigerin Verena Maria Kitz bekommt nach der Halbzeitpause im Fußball gern mal einen Schreck, wenn die Mannschaften plötzlich die Seiten gewechselt haben und verkehrt herum spielen.
Das ist natürlich ihr gutes Recht. Wenn sie das aber ausgerechnet in der Halbzeitpause eines Fußball-WM-Spieles erzählt, dann kommt das eher nicht so gut an. Fans sind nämlich sehr sensibel, und wenn jemand daherkommt und zugibt, dass man ihr Spiel nicht kapiert, dann werden sie fuchsig und gemein.

Aber immerhin schaffte es “Das Wort zum Sonntag”, das diesmal ja wirklich erst am Sonntag im Ersten lief, in die Twitter-Trendliste, wo sich die Netzgemeinde das Maul zerriss.
Dabei kann es der ja meist eher verschnarchten Sendung nichts Besseres passieren, als dass über sie geredet wird. Und ganz doof ist es auch nicht, in der WM-Halbzeitpause über den Fußball und ein entsprechendes Gleichnis zum Thema “Seitenwechsel” zu sprechen.
Zumal Verena Maria Kitz wusste, dass sie es mit einem normalerweise flüchtenden Publikum zu tun hatte, denn sie begann mit Ansprache mit den Worten “Halt, laufen Sie nicht gleich weg!”

Dabei wollte sie doch nur erzählen, das Seitenwechsel auch im normalen Leben dazu gehören. Warum soll immer nur Frauchen das Pausenbier holen? Da kann doch auch Sohnemann mal in den Keller gehen. Dem rülpsenden Männer-WM-Zuschauervolk kann dieses “Wort zum Sonntag” ja eigentlich nur gefallen haben.