RTelenovela

Und dann nischt wie raus nach Wannsee

Montag, den 10. August 2009
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Connie Froboess sang schon 1951: “Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein. Und dann nischt wie raus nach Wannsee.”
Zwar packten wir heute unsere Badehosen ein, ein kleines Schwesterlein stand uns jedoch nicht zur Verfügung. Aber mit Freunden macht das bestimmt viel mehr Spaß, als mit einem garantiert verzickten Schwesterlein.

Ich war 1992 das erste und letzte Mal am Wannsee. Genauer gesagt: auf dem Wannsee. Damals fuhr ich mit einem Freund mit der allerersten von Oranienburg nach Wannsee durchfahrenden S-Bahn. Auf dem See unternahmen wir dann eine sonnige Bootsfahrt. Und als wir wieder zu Hause in Oranienburg waren, musste ich feststellen, dass man mir mein Fahrrad geklaut hat.

Es wurde höchste Zeit für mich und den Wannsee, diese Eindrücke aufzubessern. Das 1907 eröffnete und bis vor zwei Jahren sanierte Strandbad hat tatsächlich echten Ostseesand zu bieten – er kommt aus Travemünde. Er kann zwar den richtigen Ostseesandstrand nicht ersetzen, macht aber trotzdem durchaus was her.
Wir schlugen unser Lager direkt an der Mauer zur Wandelhalle auf, picknickten mit Baguettes, Wurst, Käse, Marmelade und Puddings und stürzten uns in die Fluten.
Nun ja, das mit dem Stürzen dauerte natürlich etwas länger – das Wasser war ganz schön kalt. Zumindest anfangs.
Schön ist, dass das Wasser recht lange ziemlich flach ist, man läuft schon den einen oder anderen Meter, bis man wirklich untertauchen kann.

So ließen wir die Seele baumeln, uns von der Sonne brutzeln, der eine oder andere mühte sich am gemieteten Sonnenschirm ab, wir spielten Karten – das “Uno”-Imitat “Solo” – und lauschten den diversen Ansagen durch die Lautsprecher. Fast wie Lotto: Die Bekanntgabe der aktuellen Nummernschilder der Autos, die gerade mal wieder in der Buswendeschleife vor dem Gelände standen – oder die kleine Luzi, die ihre Tante Emmi sucht.

Nach mehr als fünf Stunden verließen wir wieder das Strandbad Wannsee. Und jetzt kann ich mir an meinem Körper ansehen, wo ich mir keine Sonnencreme hingeschmiert habe…

aRTikel

Erste Hilfe am Maschendraht

Mittwoch, den 5. September 2001
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Steffen Dorn und Ronny Gassan fuhren mit dem Fahrrad bis nach Kopenhagen

MAZ Oranienburg, 5.9.2001

SACHSENHAUSEN
Einmal über den Öresund nach Kopenhagen. Das war der Traum, der Steffen Dorn (20) und Ronny Gassan (21) dazu bewog, sich in Sachsenhausen auf das Fahrrad zu setzen, um nach Dänemark zu radeln.
Bepackt mit Getränken, Müsliriegeln, Schokolade, Traubenzucker, aber auch mit reichlich Kleidung für jedes Wetter, machten sie sich an einem Montagmorgen um 6.15Uhr auf den langen Weg.
Der erste Tag. Die Fähre in Malz ist außer Betrieb. Das wussten die beiden Radreisenden. Die ADFC-Karte nicht. Auch ein Hinweis, wo man stattdessen langfahren soll, war nicht zu entdecken. So fuhren Steffen und Ronny über die Oranienburger Klinkerbecken am Ufer des Oder-Havel-Kanals entlang. Doch als der Weg immer schlechter wurde, die Brennesseln am Wegesrand immer höher, beschlossen sie, einfach rechts auf einen anderen Weg abzubiegen. Dort stießen sie auf eine Asphaltstraße: der Radfernweg. Über Bernöwe, Liebenwalde, Zehdenick und Mildenberg führte er nach Ravensbrück. Der geschichtliche Aspekt dieses Ortes mit dem ehemaligen KZ wurde am Radweg aber nicht klar: „Schade, dass es keine Hinweise darüber gab, was das eigentlich war“, bedauert Ronny.
Am Abend erreichten sie die Müritz. „Die Radwege dort sind wunderschön“, erzählt Steffen. „Man fährt fernab von Straßen durch ein Naturschutzgebiet.“ 120 Kilometer hatten sie am Ende des Tages hinter sich gebracht.
Der zweite Tag. Die Anstrengung macht sich bemerkbar: „Ich dachte, mir springen die Oberschenkel auseinander“, meint Ronny.
Ratlosigkeit am dritten Tag. Den Radfernweg inzwischen verlassen, kamen Steffen und Ronny auf dem Elbe-Ostsee-Weg an eine Gabelung. Ein Schild gab es auch, es zeigte jedoch genau in die Mitte der beiden Straßen. Doch die Anwohner waren mit diesem Problem wohl schon vertraut, sie konnten schnell weiterhelfen.
In Priwall (bei Travemünde) goss es wie aus Kannen. Zum Glück gab es vor Ort eine Jugendherberge. „Wir dachten uns, eine Nacht im Bett wäre nicht schlecht“, erinnert sich Ronny. Aber sie hatten sich zu früh gefreut. Im Jungen-Trakt gab es nur noch ein Einzelzimmer. Darin noch eine Liege aufzustellen, war den Mitarbeitern unmöglich. So mussten die beiden DJH-Mitglieder wieder abziehen. Steffen: „Da waren wir natürlich stinkig!“ Glücklicherweise war nebenan ein Zeltplatz.
Der vierte Tag begann mit einer Reifenpanne. Bereits die zweite. Als der Fahrradhändler in Travemünde meinte „Das wird heute nichts mehr“ (es war 9Uhr), musste der Schlauch eigenhändig repariert werden. Er hielt – ganze 200 Meter. „Da gab es erste Spannungen“, meint Ronny grinsend. An einem Bauernhof mussten die beiden erste Hilfe leisten. Eine Ziege hatte sich mit ihrem Kopf in einem Maschendrahtzaun verfangen. Mit einem Seitenschneider wurde sie befreit.
Am Nachmittag des fünften Tages befuhren sie mittels der Rampe für die Autos die Fähre nach Rödbyhavn. Begeistert waren die beiden vom Zeltplatz im dänischen Maribo. „Gute Preise, die Anlage top“, fasst Steffen kurz zusammen. „Und alles inklusive. Man kann zum Beispiel stundenlang duschen.“
Der sechste Tag, Sonnabend. Am Nachmittag war natürlich kein Laden mehr offen. Glücklicherweise gab es in der Nähe eine Pizzeria.
„Dänemark ist ein Fahrradfahrerland“, ist Steffen begeistert. „Überall gibt es breite Radwege, das ist genial.“ Bis Kopenhagen waren es noch 80 Kilometer. Noch in der Nacht zum Sonntag machten sie sich auf den Weg. Eine erneute Reifenpanne und heftiger Regen machten ihnen die Fahrt allerdings nicht einfach. Doch um 6Uhr waren sie am Ziel. Aber was macht man am Sonntagmorgen in Kopenhagen, wenn noch nichts los ist? Nur bei McDonald’s im Hauptbahnhof gab es etwas zu essen. Der Zeltplatz, den sie ansteuern wollten, war noch weit weg, die Stimmung auf dem Nullpunkt.
Sie beschlossen, die Fähre nach Malmö zu nehmen, nach nur fünf Stunden Aufenthalt verließen sie Kopenhagen. Von Malmö aus blieben ihnen nur wenige Stunden, bis die Rostocker Fähre in Trelleborg abfuhr. Die nächsten 40 Kilometer waren die schwersten. „Von vorn kam ein knallharter Wind, es regnete und der Weg war aufgeweicht“, beschreibt Ronny die Rückfahrt. Fast wären sie auch noch am Hafen vorbeigefahren. Um 21.30Uhr kamen sie in Rostock an, doch die letzte Bahn nach Oranienburg war bereits weg. So verbrachten sie die letzte Nacht ihres Trips an einer Straßenbahnhaltestelle und auf dem Hauptbahnhof.
Der achte Tag, 6.07Uhr. Abfahrt nach Oranienburg. Als sich Steffen und Ronny, wieder in der Heimat angekommen, voneinander verabschiedeten, zeigte Steffens Tacho 695 gefahrene Kilometer an.
„Es war anstrengend, aber wir werden so etwas bestimmt im nächsten Jahr wieder machen“, beteuern die beiden. Vielleicht können sie ja dann auch über den Öresund fahren: In diesem Jahr war das Wetter zu schlecht.