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Gewittertierchen

Montag, den 27. Juli 2020
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Kleiner Ausflug nach Nordwestvorpommern. Auf der Landesstraße zwischen Gägelow und Klütz taucht sie plötzlich direkt vor uns auf: die Ostsee. Oder eher: Wir sehen die Wohlenberger Wiek, eine halbrunde Bucht in der Ostsee, die das Gewässer eher wie einen normalen See aussehen lassen. Wellen sind da kaum noch erwarten, und sie sind auch jetzt nicht zu sehen.

In Gramkow biegen wir in die Einfahrt eines Zeltplatzes. Dort befindet sich eine Naturbadestelle, die bei den Einheimischen sehr beliebt ist. Doch an der Einfahrt werden wir von zwei verkleideten Herren gestoppt. Hier fände heute eine Kostümparty statt, und wer ohne Kostüm komme, solle doch bitte eine kleine Spende hinterlassen.
Ahja, gut zu wissen. Wir sagen, wir würden uns da überlegen und heute fahren erst mal rein, ohne was zu zahlen. Und da wir keinen Parkplatz finden, drehen wir gleich wieder um, und an der Einfahrt fahren wir auch gleich an den beiden Kostümherren vorbei.

An einem größeren Parkplatz halten wir dann, laufen über die Straße zum Strand, der gleich an der Straße beginnt. Das Wasser gleicht einem Tümpel, nichts bewegt sich. Es ist früher Abend, und es ist nicht mehr sehr viel los. Ich atme einmal tief durch, um doch noch so etwas wie Ostseeluft einatmen. Allerdings ist da was anderes: ein Kribbeln. Überall kribbelt es. Auf den Armen, an den Beinen, überall am Körper.
Ich lasse mir sagen, dass es sich um Gewittertierchen handele. Thripse sind winzig kleine Insekten, die sich überall niederlassen. Sie schwirren eigentlich weiter oben herum, aber wenn ein Gewitter droht, dann sinken auch die Insekten in die unteren Luftschichten ab und landen überall, wo sie was zum landen finden – oder eher, wer ihnen im Weg ist.
Als wir wieder am Auto sind, lange haben wir es nicht am Strand ausgehalten, müssen wir uns erst mal abkopfen. Überall sind die Tiere, und überall kribbelt es.
Dieser Ausflug war wirklich sehr kurz…

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Der Waschbär ist Stammgast

Mittwoch, den 22. Juli 2020
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Es müssen schwierige Monate gewesen sein, als die Coronakrise auf dem Höhepunkt war. Denn die Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken in Berlin-Reinickendorf hat ganz besondere Stammgäste: Waschbären.

Irgendjemand hat am Dienstagabend sein volles Tablett draußen im Essbereich auf den Boden fallen lassen. Aber es verkommt nichts, denn ein Waschbär machte sich schon an den Resten direkt vor der Terrassen-Eingangstür zu schaffen. Seelenruhig wühlte sich das Tier durch die Reste, und es störte den Waschbären auch nicht, dass ein Mann und ein Kind ihn dabei beobachteten.

Und es müssen zwei Waschbären sein, die sich auf dem KFC-Parkplatz rumtreiben. Denn an einem der Mülleimer, direkt hinter einem parkenden Auto und auch beobachtet von zwei Leuten, fraß das gar nicht so kleine Tier gerade etwas aus einer Papiertüte. Als alles alle war, erhob es sich auf die Hinterbeine und schaute, ob noch etwas Brauchbares im Papierkorb liegt.

Die Tiere sind scheinbar regelmäßig dort, ich habe sie schon mehrfach dort gesehen. Und als KFC während der Coronakrise nur Essen to go rausgab, muss das eine schlimme Zeit auch für die Waschbären gewesen sein.

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Tiger King

Mittwoch, den 22. April 2020
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SO 19.04.2020 | Netflix

Wenn man so eine kleine Hauskatze zu Hause hat, dann ist man offenbar ein ziemlich langweiliger Mensch.
Joe Exotic hat da ganz andere Viecher, mit denen er auch gern mal im Auto unterwegs ist. Er nennt sich der „Tiger King“, und der Name ist Programm. Denn seine Haustiere sind echte Tiger. Er schmust mit seinen Tieren, er geht zu ihnen in den Käfig, und wenn sie mal bockig sind, dann muss das Kamerateam eben schnell mal flüchten, und ein Wasserschlauch kommt dann auch zum Einsatz.

“Tiger King” heißt dann auch die 8-teilige Doku-Reihe auf Netflix, die allerdings in Deutschland unter dem Titel “Großkatzen und ihre Raubtiere” vermarktet wird.
So blöd der Titel, so richtig ist aber auch. Denn die Tiger sind in dieser Doku-Reihe sicherlich die normalsten Protagonisten.
Der ehemaliger Zoobesitzer Joe Exotic aus Oklahoma sitzt wohl inzwischen im Knast, weil er einen Auftragsmöder auf eine Frau angesetzt haben soll. Außerdem hat er viele Waffen, und er war scheinbar zeitweise mit mehreren Männern verheiratet – gleichzeitig.

Eigentlich war es das Anliegen der Filmemacher Eric Goode und Rebecca Chaiklin über schlechte Zustände von verschiedenen kleinen US-Zoos zu berichten. Doch der Tiger King erwies sich schnell als viel spannender. Und so lernen wir diesen abgedrehten Typen kennen, und es stockt der Atem, wenn man sieht, wie er mit seinen Rabtieren schmust.

Spätestens nachdem Jan Böhmermann und Olli Schulz in ihrem Spotify-Podcast “Fest und flauschig” über “Tiger King” mehrfach gesprochen haben, begann für die Netflix-Reihe auch in Deutschland der Siegeszug. Aber mit Geschichten über seltsame Menschen mit erschreckend gefährlichen Hobbys lassen sich Zuschauer ja immer locken, und tatsächlich strahlt die Reihe eine merkwürdige Faszination aus. Trash ist “Tiger King” aber trotzdem.

-> Trailer auf Youtube

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Wildwechsel – Einmal über die Gräben

Freitag, den 13. März 2020
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Wenn man in der einsetzenden Dunkelheit auf den Straßen unterwegs ist, achtet man in den Waldgebieten ja besonders auf einen möglichen Wildwechsel. Der Blick ist dann nicht nur auf die Straße gerichtet, sondern auch auf die Seitenbereiche.
Und wer die Strecke zwischen Sommerfeld und Sachsenhausen kennt, weiß, dass man dort abends und nachts sehr oft wilde Tiere am Straßenrand sieht. Da wird man am Ende einer Kurve schon mal von einer tierischen Versammlung überrascht.

Bisher dachte ich immer, es ist gut, wenn an beiden Straßenseiten jeweils tiefe Gräben entlanglaufen. So ist es zum Beispiel im Wald bei Teerofen. Aber: falsch gedacht.
Neulich bremste das Auto in diesem Waldgebiet direkt vor mir scharf ab. Erst wusste ich nicht, was los ist. Aber dann sah ich, wie eine ganze Kolonne von Rehen erst über den Graben sprang und dann über die Straße spurtete, um auf der anderen Seite über den nächsten Graben zu springen.
Heißt: Eigentlich sind die Gräben noch gefährlicher dafür den Verkehr, denn die Rehe hatten ein ordentliches Tempo drauf, als sie die Landstraße überquerten.
Also: Augen auf!

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Rügen 2019 (12): Die Möwen lauern schon

Samstag, den 31. August 2019
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(11) -> 21.8.2019

Am Binzer Strand gibt es ja die eine oder andere Imbissbude. Und natürlich auch neugierige Möwen. Die wissen genau, wo sie eventuell was finden.
Sitzt man mit einem Teller Pommes im Sessel am Imbiss, direkt am Strand, dann beäugen einen die Vögel sofort. Langsam pirschen sie sich an, schauen einen an. Patscht man in die Hände, dann zucken sie nicht mal zusammen. Guckt man gerade mal nicht hin, tippeln sie gleich wieder näher ran.
Wenn man die Pommes dann nicht abschirmt, dann kann es durchaus sein, dass die Möwen einen Angriff starten. Aber zum Glück waren wir mit dem Verspeisen schneller.

An der Strandpromenade ist unterdessen Showtime. Ein Mann steht am E-Piano, das unter einem Pavillon steht. Eine ältere Frau singt Schlager. Das heißt, sie singt zum Playback mit. Im Playback sind noch mehr Stimmen zu hören, ein kleiner Chor. Aber dafür hat vermutlich die Gage nicht gereicht.
Vermutlich würde man im Normalfall die ganze Sause einfach ignorieren – aber wenn man in Urlaubsstimmung ist, nimmt man das mal mit. Jedenfalls für fünf Minuten. Dann mussten wir dann doch, ähm, dringend los.

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Grashüpfer – ein blinder Passagier

Sonntag, den 25. August 2019
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Er fiel mir auf, als ich auf der Avus, der A115 in Berlin, unterwegs war. Auf der rechten Seitenscheibe neben dem Beifahrersitz hockte ein grüner Grashüpfer. Erstaunlicherweise strotzte er der Geschwindigkeit. Es wirkte, als ließe er sich den Wind um die Nase wehen.
Irgendwann bewegte sich das Tier in Richtung Seitenspiegel, da war der Wind vielleicht nicht ganz so heftig. Wo der Gashüpfer “dazugestiegen” ist, habe ich nicht mitbekommen.

Am Kreuz Zehlendorf bog ich in Richtung Wannsee ab, und ich dachte, da wäre es ja ideal für den Grashüpfer “auszusteigen”. Immerhin befindet sich dort am Rand ein kleiner See und viel Grün drumherum.

Aber der Grashüpfer blieb. Ich fuhr inzwischen auf der B1 durch Wannsee. Das Tierchen kletterte inzwischen auf die Windschutzscheibe. Selbst das Betätigen des Scheibenwischers konnte ihn nicht verscheuchen. Er wollte weiterfahren.
Im Ortsteil Stolpe hatte er die linke Fahrertür erreicht. Als ich im Arnold-Knoblauch-Ring stoppte, betätigte ich den Fensterheber, und der Grashüpfer landete auf der Straße. Und blieb dort. Erst als ich ihn leicht mit den Fuß antippte, hüpfte er ein paarmal weiter. Ich ließ ihn ziehen, und hoffentlich geht es ihm gut. So ein Umzug kann ja sehr aufregend sein.

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Möwen und die Sehnsucht nach Mehr

Freitag, den 9. August 2019
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Das ist definitiv ein Zeichen: In dieser Woche hörte ich öfter Möwengeschrei über der Oranienburger Innenstadt. Ein Geräusch, das ich kenne und gern habe. Es erinnert mich an das Meer.

Ich liebe das Meer, und bald werde ich auch wieder am Meer sein. Binz ruft. Und dort werden sie wieder jeden Tag kreischen. Die Möwen werden über den Ort fliegen, und sie werden sich am Ostseestrand aufhalten.
Diesen Flash hatte ich, als die Möwengeräusche durch das offene Fenster drangen.

Einen Tag danach lief ich gerade über den Bahnhofsplatz, und da sah ich sie dann auch. Die Möwen flogen über den Platz, sie kreischten, und für einen kurzen Momente wirkte es, als befinde sich auch Oranienburg am Meer.

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