RTelenovela

Bernd ist im Katzenhimmel

Samstag, den 3. April 2021
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Kein Tier war länger bei uns. Es müssen 15 oder 16 Jahre gewesen sein. Am Donnerstag mussten wir von Bernd Abschied nehmen.

Wann genau Bernd zu uns kam, wissen wir gar nicht mehr so genau. Ich kann mich nur erinnern, dass der Kater zur Fußball-WM 2006 schon bei uns war. Also muss er entweder Ende 2005 oder Anfang 2006 zu uns gestoßen sein.
Er ist uns zugelaufen. Wir wissen nur, dass zu zuvor bei Nachbarn bereits zugelaufen war. Er muss in der Nachbarstraße geboren worden und irgendwann losgelaufen sein. Bei unseren Nachbarn – und den Kindern dort – scheint es ihm aber nicht gefallen zu haben.
Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon Oskar, 2006 war der Kater drei Jahre alt.
Plötzlich tauchte der plüschige grau getigerte Kater bei uns auf. Wir wussten, dass er Bernd heißt, und wir haben den Namen eigentlich immer auch beschmunzelt. Und plötzlich war da. Im Garten. Und plötzlich war er im Haus. Und er kam immer wieder. Immer öfter. Und blieb dann irgendwann.
Es schien ihm bei uns mehr gefallen zu haben, denn bei uns hatte er einerseits seine Ruhe. Andererseits hatte er aber auch Oskar, der Bernd erstaunlich gutmütig und freundlich bei uns aufnahm – war ja auch nicht selbstverständlich.
Offenbar war es der anderen Familie auch nicht so wichtig, wo der Streuner abgeblieben war. Bernd jedenfalls blieb.

Wie Oskar und Bernd quasi als Brüder ihr Leben bei uns führten, war oft rührend anzusehen. Abends lagen sie Rücken an Rücken auf dem Sofa. Natürlich gab es hin und wieder Zoff. Aber nie ernsthaft. Als Bernd zu uns kam, war er noch nicht ausgewachsen, und es schien, als ob Oskar ihm erst mal beibringen musste, wie man sich putzt. Das hat Bernd erst getan, nachdem er das bei Oskar gesehen hat.
Als Oskar am Ende des Winters 2016 bei uns in der Veranda eingeschläfert werden musste und der Kater noch auf der Bank lag, sprang Bernd rauf und leckte ihn ein paar mal – vermutlich wusste das Tier, dass es Abschied nehmen musste.

Zuletzt wurde festgestellt, dass Bernd einen Tumor im oder am Magen hatte. Nachdem das klar war – vermutlich hatte er ihn schon länger -, hatte er noch ein paar Wochen. Aber dann kamen die Tage, wo er gar nichts mehr fraß, wackelig wurde. Und ehe das Leiden ganz schlimm wird…
Mach’s gut, kleiner Freund! Ich werde die Zeit auf dem Sofa mit dem ausführlichen Kuscheln vermissen.

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aRTikel

Linus ist einer der Helden der Brandnacht

Mittwoch, den 24. Februar 2021
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Als nebenan ein Feuer ausbricht, ist es der Hund, der sein Frauchen Tanja Bienek aus dem Schlaf reißt

MAZ Oberhavel, 24.2.2021

Kremmen.
Als alles überstanden war, da wich Linus seinem Frauchen nicht mehr von der Seite. „Er war fix und fertig“, erzählt die Kremmenerin Tanja Bienek. „Der hat auch Angst gehabt.“ Aber Linus war vor allem einer der Helden der Nacht. Hund Linus ist achteinhalb Jahre alt. Der Parsson Russell Terrier war noch ein Welpe, als er zu Tanja Bienek kam. „Er ist ein friedlicher Geselle und sehr auf mich geprägt.“

Am frühen Montagmorgen brach auf dem Gelände eines Dachdeckerbetriebes ein Feuer aus. Und Linus erkannte offenbar den Ernst der Lage. Eigentlich schläft er beim Frauchen im Bett. Aber in dieser Nacht wurde er nervös. „Linus hat gebellt, ist durch die ganze Wohnung gerannt. Er ist aufs Bett gesprungen.“ Er stupste sie am Gesicht und am Körper an. „Ich habe den auch noch angeschnauzt“, erzählt Tanja Bienek. „Aus! Ist nachts!“, hatte sie gerufen. Aber Linus ließ nicht locker, er ließ sein Frauchen einfach nicht mehr weiter schlafen. „Ich bin dann aber doch aufgestanden.“ Sie kam am Fenster vorbei, und da sah sie die Katastrophe: das Feuer nebenan.

Sie meldete sich bei der Feuerwehr, zuvor hatte schon eine Nachbarin ebenfalls die Feuerwehr angerufen. In der Nachbarschaft setzte geschäftiges Treiben ein. „Alle Einwohner sind raus, haben die Autos aus dem Gefahrenbereich gebracht. Nicht, dass die auch noch Funken abbekommen. Wir haben die Explosionen gehört. Es hieß dann nur noch: raus, raus, raus!“
Es sei erschreckend gewesen, wie schnell alles gegangen sei. „Das alles hat sich ja innerhalb von drei bis vier Minuten abgespielt. Da bekommt man zwischenzeitlich wirklich Panik, weil man sich fragt: Wann hört das auf?“ Wie lange die Feuerwehr brauchte, kann Tanja Bienek nicht sagen. „Es kommt einem ja immer wie Stunden vor, aber auch das ging schnell.“ Als das Löschen begann, habe sie sich auch schon sicherer gefühlt.
Und für Linus gab es am Montag ein Extrastück Käse. „Den liebt er.“ Und es ging noch eine große Runde spazieren.

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aRTikel

Mehr als 200 Zicklein tollen im Schnee herum

Samstag, den 13. Februar 2021
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Saisonstart auf dem Karolinenhof bei Flatow – Hofladen ist geöffnet – wegen Corona gibt es keine Führungen

MAZ Oberhavel, 13.2.2021

Karolinenhof.
Normalerweise dürfen zum Saisonstart auf dem Ziegenhof die Leute auch in den Stall, um die kleinen Zicklein zu beobachten und zu streicheln. Am Freitag öffnete der Hofladen das erste Mal in diesem Jahr – der Stall aber bleibt für die Öffentlichkeit geschlossen. Wegen der Pandemieregeln dürfen die Leute dort nicht rein. In den Hofladen dürfen nur einzelne Personen oder Familien rein. Alle Produkte aus dem Café gibt es zum Mitnehmen.

Die Beschränkungen haben am Freitagvormittag aber niemanden gestört, denn bei schönstem sonnigen Wetter konnten die Besucher die Tiere in ihrem Außengehege ansehen. „Auf dem Hof können sich die Leute frei bewegen“, sagte Sarah Spindler, eine der Geschäftsführerinnen auf dem Karolinenhof, der sich zwischen Kuhhorst und Flatow befindet. „Wir bekommen von Corona hier nur mittelmäßig viel mit“, sagt die Landwirtin und lächelt. „Wir haben hier viel Platz, sind oft draußen.“ Gerade jetzt bietet der Hof viel Entspannung, der Lärm der Stadt ist nicht zu hören, selbst von der Autobahn dringt nur sehr selten Lärm dorthin. Einsam fühlt sich Sarah Spindler aber trotzdem nie. „Wir sind in 45 Minuten in Berlin, haben hier aber unsere Ruhe. Das ist eine gute Kombi.“

Am 10. Januar begann die Zeit der Zicklein-Geburten. „Sie waren diesmal alle sehr pünktlich.“ Es habe Tage gegeben, da seien 20 Tiere geboren worden. „Da hat man manchmal schon ein bisschen den Überblick verloren. Wer gehört zu wem?“ Etwa 200 Jungtiere sind auf dem Hof in diesem Jahr bislang auf die Welt gekommen. Dabei muss den Besuchern immer klar sein, dass die meisten der süßen Tierchen keine Zukunft haben. Nur etwa 20 davon bleiben für die nachfolgende Zucht dort. Die anderen werden geschlachtet oder verkauft. Zwar kann es in diesem Jahr keine Führungen geben, aber Sarah Spindler thematisiert das dann immer. „Ich erzähle davon, bevor die Leute anfangen mit den Tieren zu schmusen.“ Es sei für alle wichtig zu wissen, dass der Hof vor allem von der Ziegenmilch lebe. Einerseits werde die Milch der Ziegen gebraucht, andererseits könnten nicht jedes Jahr 200 Tiere behalten werden. „Wir müssen schlachten. Anders geht es nicht. Aber bis dahin haben sie ein schönes Leben.“ Dieser Kreislauf müsse den Besuchern klar sein.

Mit den Geburten der Zicklein begann auch die Arbeit in der Käserei. In diese sei zudem investiert worden, sagt Sarah Spindler. „Wir haben komplett neu gefliest, neue Elektronik, und die Melkanlage ist umgebaut.“
Ob es 2021 Veranstaltungen geben wird, ist nicht klar und abhängig von der Pandemie-Lage. Eigentlich ist im Juni die Landpartie und im August das Hoffest geplant. Außerdem im April und Mai immer am Wochenende das Schaumelken.

Petra und Burkhard Dorn aus Hohen Neuendorf haben vom Saisonstart per E-Mail-Newsletter erfahren. „Wir sind schon von Anfang an immer wieder hier“, sagte Petra Dorn am Freitag. „Wir kaufen alles. Käse, den Lassi, die Milch. Der Käse ist erste Klasse.“ Jörg von Wittken aus Spandau feierte am Freitag auf dem Karolinenhof seinen 67. Geburtstag. Auch er bekam den Newsletter, und da war ganz schnell der Entschluss gefasst, zu seinem Geburtstag die Zicklein zu streicheln.

Die Kälte und der Schnee machen den Tieren nichts aus. Vielmehr tollten sie am Freitag im Schnee herum, einige hielten regelrecht andächtig ihre Nasen in Richtung Sonne. „Nässe und Wind mögen sie nicht“, sagt Sarah Spindler. Wenn der Wind kräftig wehe, „dann stopfen wir alle Ritzen im Stall zu.“ Problematisch sei bei der Kälte nur, wenn die Neugeborenen noch nass seien. „Da muss man aufpassen, dass ihnen nichts abfriert.“
Bis 14. November ist der Hofladen freitags von 11 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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Gewittertierchen

Montag, den 27. Juli 2020
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Kleiner Ausflug nach Nordwestvorpommern. Auf der Landesstraße zwischen Gägelow und Klütz taucht sie plötzlich direkt vor uns auf: die Ostsee. Oder eher: Wir sehen die Wohlenberger Wiek, eine halbrunde Bucht in der Ostsee, die das Gewässer eher wie einen normalen See aussehen lassen. Wellen sind da kaum noch erwarten, und sie sind auch jetzt nicht zu sehen.

In Gramkow biegen wir in die Einfahrt eines Zeltplatzes. Dort befindet sich eine Naturbadestelle, die bei den Einheimischen sehr beliebt ist. Doch an der Einfahrt werden wir von zwei verkleideten Herren gestoppt. Hier fände heute eine Kostümparty statt, und wer ohne Kostüm komme, solle doch bitte eine kleine Spende hinterlassen.
Ahja, gut zu wissen. Wir sagen, wir würden uns da überlegen und heute fahren erst mal rein, ohne was zu zahlen. Und da wir keinen Parkplatz finden, drehen wir gleich wieder um, und an der Einfahrt fahren wir auch gleich an den beiden Kostümherren vorbei.

An einem größeren Parkplatz halten wir dann, laufen über die Straße zum Strand, der gleich an der Straße beginnt. Das Wasser gleicht einem Tümpel, nichts bewegt sich. Es ist früher Abend, und es ist nicht mehr sehr viel los. Ich atme einmal tief durch, um doch noch so etwas wie Ostseeluft einatmen. Allerdings ist da was anderes: ein Kribbeln. Überall kribbelt es. Auf den Armen, an den Beinen, überall am Körper.
Ich lasse mir sagen, dass es sich um Gewittertierchen handele. Thripse sind winzig kleine Insekten, die sich überall niederlassen. Sie schwirren eigentlich weiter oben herum, aber wenn ein Gewitter droht, dann sinken auch die Insekten in die unteren Luftschichten ab und landen überall, wo sie was zum landen finden – oder eher, wer ihnen im Weg ist.
Als wir wieder am Auto sind, lange haben wir es nicht am Strand ausgehalten, müssen wir uns erst mal abkopfen. Überall sind die Tiere, und überall kribbelt es.
Dieser Ausflug war wirklich sehr kurz…

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Der Waschbär ist Stammgast

Mittwoch, den 22. Juli 2020
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Es müssen schwierige Monate gewesen sein, als die Coronakrise auf dem Höhepunkt war. Denn die Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken in Berlin-Reinickendorf hat ganz besondere Stammgäste: Waschbären.

Irgendjemand hat am Dienstagabend sein volles Tablett draußen im Essbereich auf den Boden fallen lassen. Aber es verkommt nichts, denn ein Waschbär machte sich schon an den Resten direkt vor der Terrassen-Eingangstür zu schaffen. Seelenruhig wühlte sich das Tier durch die Reste, und es störte den Waschbären auch nicht, dass ein Mann und ein Kind ihn dabei beobachteten.

Und es müssen zwei Waschbären sein, die sich auf dem KFC-Parkplatz rumtreiben. Denn an einem der Mülleimer, direkt hinter einem parkenden Auto und auch beobachtet von zwei Leuten, fraß das gar nicht so kleine Tier gerade etwas aus einer Papiertüte. Als alles alle war, erhob es sich auf die Hinterbeine und schaute, ob noch etwas Brauchbares im Papierkorb liegt.

Die Tiere sind scheinbar regelmäßig dort, ich habe sie schon mehrfach dort gesehen. Und als KFC während der Coronakrise nur Essen to go rausgab, muss das eine schlimme Zeit auch für die Waschbären gewesen sein.

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Tiger King

Mittwoch, den 22. April 2020
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SO 19.04.2020 | Netflix

Wenn man so eine kleine Hauskatze zu Hause hat, dann ist man offenbar ein ziemlich langweiliger Mensch.
Joe Exotic hat da ganz andere Viecher, mit denen er auch gern mal im Auto unterwegs ist. Er nennt sich der „Tiger King“, und der Name ist Programm. Denn seine Haustiere sind echte Tiger. Er schmust mit seinen Tieren, er geht zu ihnen in den Käfig, und wenn sie mal bockig sind, dann muss das Kamerateam eben schnell mal flüchten, und ein Wasserschlauch kommt dann auch zum Einsatz.

“Tiger King” heißt dann auch die 8-teilige Doku-Reihe auf Netflix, die allerdings in Deutschland unter dem Titel “Großkatzen und ihre Raubtiere” vermarktet wird.
So blöd der Titel, so richtig ist aber auch. Denn die Tiger sind in dieser Doku-Reihe sicherlich die normalsten Protagonisten.
Der ehemaliger Zoobesitzer Joe Exotic aus Oklahoma sitzt wohl inzwischen im Knast, weil er einen Auftragsmöder auf eine Frau angesetzt haben soll. Außerdem hat er viele Waffen, und er war scheinbar zeitweise mit mehreren Männern verheiratet – gleichzeitig.

Eigentlich war es das Anliegen der Filmemacher Eric Goode und Rebecca Chaiklin über schlechte Zustände von verschiedenen kleinen US-Zoos zu berichten. Doch der Tiger King erwies sich schnell als viel spannender. Und so lernen wir diesen abgedrehten Typen kennen, und es stockt der Atem, wenn man sieht, wie er mit seinen Rabtieren schmust.

Spätestens nachdem Jan Böhmermann und Olli Schulz in ihrem Spotify-Podcast “Fest und flauschig” über “Tiger King” mehrfach gesprochen haben, begann für die Netflix-Reihe auch in Deutschland der Siegeszug. Aber mit Geschichten über seltsame Menschen mit erschreckend gefährlichen Hobbys lassen sich Zuschauer ja immer locken, und tatsächlich strahlt die Reihe eine merkwürdige Faszination aus. Trash ist “Tiger King” aber trotzdem.

-> Trailer auf Youtube

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Wildwechsel – Einmal über die Gräben

Freitag, den 13. März 2020
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Wenn man in der einsetzenden Dunkelheit auf den Straßen unterwegs ist, achtet man in den Waldgebieten ja besonders auf einen möglichen Wildwechsel. Der Blick ist dann nicht nur auf die Straße gerichtet, sondern auch auf die Seitenbereiche.
Und wer die Strecke zwischen Sommerfeld und Sachsenhausen kennt, weiß, dass man dort abends und nachts sehr oft wilde Tiere am Straßenrand sieht. Da wird man am Ende einer Kurve schon mal von einer tierischen Versammlung überrascht.

Bisher dachte ich immer, es ist gut, wenn an beiden Straßenseiten jeweils tiefe Gräben entlanglaufen. So ist es zum Beispiel im Wald bei Teerofen. Aber: falsch gedacht.
Neulich bremste das Auto in diesem Waldgebiet direkt vor mir scharf ab. Erst wusste ich nicht, was los ist. Aber dann sah ich, wie eine ganze Kolonne von Rehen erst über den Graben sprang und dann über die Straße spurtete, um auf der anderen Seite über den nächsten Graben zu springen.
Heißt: Eigentlich sind die Gräben noch gefährlicher dafür den Verkehr, denn die Rehe hatten ein ordentliches Tempo drauf, als sie die Landstraße überquerten.
Also: Augen auf!

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