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Das war 2016!

Samstag, den 31. Dezember 2016
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Was war das für 1 Jahr???!!!!11!!
Die Welt wird immer verrückter. Nein, eigentlich sind es die Menschen, die immer irrer werden. Die sich gegenseitig anstacheln, die nur noch ihre eigenen Wahrheiten akzeptieren, alles andere als Lüge abtun. Die immer und überall Verschwörungen wittern und nicht mal mehr offiziellen Mitteilungen der Polizei glauben.
Stattdessen wird immer mehr als gefühlte Wahrheiten gesetzt. Was ich fühle, wie ich etwas empfinde, ist auch ein Fakt. Wir leben im postfaktischen Zeitalter, und das ist auch das Wort des Jahres. Eigentlich ja eher das Unwort.

RT Deutsch zum Beispiel. Das russische Auslandsfernsehen sei reine Propaganda, sagen die einen. Das sei alles die Wahrheit, und nur dort gebe es sie, sagen die anderen. Als in Berlin angeblich ein Asylbewerber eine junge Russlanddeutsche entführt und vergewaltigt, kocht die Volksseele, angestachelt auch durch Berichte von RT Deutsch. Dass das Mädchen die Schule geschwänzt und der Mann ihr Freund war – irgendwann hat es schlicht keinen der Demonstrierenden mehr interessiert.
Es sind nämlich nicht nur von Gefühlen geprägte Kommentare, die verbreitet werden – sondern auch Fakenews, Nachrichten, die schlicht ausgedacht, die eine Lüge sind. Da werden Politiker Worte in den Mund gelegt, die sie nie gesagt haben. Oder Gerüchte über angebliche Taten von Ausländern gegenüber Deutschen, die so nie stattfanden.
So haben EU-Gegner den Brexit in Großbritannien erreicht, dass die Wähler für den Austritt des Königreiches aus der EU stimmen, hatten wenige für möglich gehalten. So hat es Donald Trump in den USA geschafft, Präsident zu werden. Gefühle statt Fakten. Irgendwelche Zahlen statt echtem Inhalt.
Oder eben irgendwas daher gelabert. So macht das Mario Barth. In New York sendete er live auf Facebook und wunderte sich, dass zwar über Anti-Trump-Demo berichtet werde, er aber keine sehe. Dass es am Tage war und die Straße, an der er stand, gesperrt – na ja, das hat Mario ja nicht wissen können.
Facebook, Twitter und Co. werden aufgefordert, etwas gegen die Verbreitung solcher Fakenews zu unternehmen. Darüber wird 2017 noch zu reden sein.

Ganz unschuldig sind die Medien aber nicht, dass man ihnen nicht glaubt. Als in der Neujahrsnacht rund um den Kölner Hauptbahnhof hunderte Männer Frauen begrapschen und Passanten berauben, dauerte es Tage, bis umfassend berichtet worden ist. Der WDR sendete um Mitternacht sogar live aus der Domregion – da hat man das offenbar nicht mitbekommen. Beim ZDF war selbst am 4. Januar, als alle anderen endlich berichteten, noch nichts dazu zu sehen. Man bat um Verzeihung. Im Laufe des Jahres ist dann aber recherchiert worden: Dass es sich vorwiegend um Täter aus Nordafrika handelt. Dass die Polizei haarsträubend unterbesetzt war, dass Fehlentscheidungen getroffen und in einer ersten Pressemitteilung beschönigt worden ist.

Es war kein schönes Jahr. Terror, Unglücke, Todesfälle.
Und immer startet die Breaking-News-Maschine. Ein Zwischenfall in Berlin? Da darf gern mal schwadroniert und vermutet werden – immer mit der Betonung, man wolle nichts vermuten. Amoklauf in München? Da zeigt man bei RTL schon mal, wie Leichen abtransportiert werden und live hinter dem Reporter, wie Polizisten mit Waffen auf Passanten zielen. Auch der Teilzeitnachrichtensender N24 ist da ganz weit vorn mit bei.
Und immer wieder der Vorwurf an ARD und ZDF, es werde in solchen Fällen zu spät reagiert. Nach dem Zugunglück in Bayern ging der BR erst nach Stunden auf Sendung, nach dem Berliner Zwischenfall das ZDF erst nach fast zwei Stunden.

Und dann immer wieder die Empörungswellen, die durch Deutschland rollen.
Letzter Platz beim Eurovision Song Contest? Empörung! Keiner hat uns lieb! Alles Fake! Und überhaupt! Dass unser Song mies war, zieht keiner in Betracht – obwohl er in den deutschen Charts auch unterbelichtet war. Na ja, diese Fakten halt.
Die Sache mit dem Nachbarn Boateng. AfD-Mann Alexander Gauland habe gesagt, keiner wolle, dass Boateng sein Nachbar sei. Mag er so gesagt haben, er meinte aber wohl eher, dass viele Deutsche erst mal schlucken würden, wenn ein Dunkelhäutiger nebenan einziehen würde. Dennoch: Empörung! Aber eher eine geheuchelte, weil nicht weiter nachgedacht, sondern nur auf einen Satz Bezug genommen wurde, aber nicht auf den Kontext.
Fußball-Bundestrainer Jogi Löw kratzt sich während eines EM-Spiels an den Eiern und riecht dann an seiner Hand. Groooße Aufregung! Viele Berichte und Artikel, als ob wir keine anderen Sorgen haben.
Diskuswerfer Christoph Harting gewinnt Gold bei Olympia und erdreistet sich, bei der Hymne nicht ernsthaft zu sein. Empörung! Wie kann er nur so respektlos sein!! Meine Güte.
Und so weiter.

Da geht es schon mal fast unter, wenn Journalisten etwas enthüllen – die Panamapapers. Es ging um Briefkastenfirmen in Panama und um Geldwäsche von Unternehmen und Promis. Da wird ein großes Ding aufgedeckt, es ist das, was die Menschen fordern: diese Art des Enthüllungsjournalismus. Zwei Abende lang ist das ein Thema, dann verpufft es schon wieder. Empörung? Hält sich in Grenzen.
Oder wenn Jan Böhmermann in seiner zdf_neo-Show “Neo Magazin Royale” aufdeckt, wie die Leute in der RTL-Dokusoap “Schwiegertochter gesucht” arbeiten, wie sie die Teilnehmer und Zuschauer veralbern. Kurze Aufregung und gleich wieder verpufft. Quasi ohne Folgen.

Apropos Böhmermann: Nach einer “extra 3″-Satire über den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan legte er in seiner Show noch einen drauf. Er wolle mal zeigen, was denn ein Schmähgedicht sei und wie es klingen müsse: und trug eines vor. Und wieder: groooooße Aufregung. Das ZDF löschte vorsichtshalber die Passage aus der Mediathek, in der Wiederholung lief die Show verkürzt. Erdogan forderte eine Strafe, die Bundesregierung gab den Fall zur Ermittlung frei. Böhmermann zog sich einige Wochen zurück. Am Ende siegte dennoch die Satirefreiheit. Zumal viele Kritiker schlicht den Kontext des Gedichtes ausblendeten. Dass Böhmermann Aufsehen erregen wird, ahnte er wohl, dass das Aufsehen so groß wird – inklusive Berichte in “Tagesschau” und Co., das ahnte er sicher nicht.

Aber zwischendurch waren die Deutschen sowieso mit, ähm, wichtigeren Dingen beschäftigt: dass sich Sarah und Pietro getrennt haben. Weshalb RTL II das auch ordentlich ausschlachtete. Dass Babette von Kienlin (Einstmann) zum zweiten Mal in ihrer ZDF-”Drehscheibe” zusammengebrochen ist. Dass irgendwo irgendwelche Horrorclowns aufgetreten sind.
Oder dass sich Til Schweiger unfassbar toll findet. Sein Nick Tschiller im “Tatort” sei der beste Krimi, der je im Fernsehen lief, und jeder Kritiker habe keine Ahnung, so schrieb er auf Facebook. Von Fernsehgeschichte war da die Rede. Nun ja.

Einer hat keine Lust mehr auf den Zirkus: Im Herbst hing Tobias Schlegl seinen Fernsehjob an den Nagel – um sich zum Notfallsanitäter umschulen zu lassen.
Auch Jürgen Domian will nicht mehr – jedenfalls nicht Nacht für Nacht im 1LIVE-Studio sitzen. Nach 22 Jahren endet seine Call-in-Show “Domian”. Sie wird schwerstens vermisst.

Viele werden am Ende des Jahres vermisst. Sehr viele Promis – sehr viele Musiker sind 2016 gestorben.
George Michael ist tot, ebenso Prince und David Bowie. Leonard Cohen und Roger Cicero. Achim Mentzel und Ekki Göpelt. Außerdem “Trio”-Schlagzeuger Peter Behrens und Manfred Durban von den Flippers. Der Publizist Roger Willemsen, die Politiker Guido Westerwelle, Hans-Dietrich Genscher, Lothar Späth, Peter Hintze, Jutta Limbach, Hildegard Hamm-Brücher, Henning Voscherau und Walter Scheel. In Kuba Fidel Castro. Der Produzent Wolfgang Rademann. Die Schauspieler Götz George, Manfred Krug, Uwe Friedrichsen, Alan Rickman, Bud Spencer, Maja Maranow, Gisela May, Hans Korte, Hilmar Thate, Karl-Heinz von Hassel und Peter Lustig. Die Moderatorinnen Erika Berger und Miriam Pielhau, die Journalisten Günter-Peter Ploog und Jana Thiel, Tamme Hanken, Schriftsteller Umberto Eco, Synchronsprecher Arne Elsholtz, Comiczeichner Lothar Draeger, DDR-Regimefrau Morgot Honecker und der Boxer Muhammad Ali.

Drei Fernsehsender haben sich auch verabschiedet: Der Social-Media-Sender joiz ist erst verkauft worden, dann ging er in Insolvenz, das Studio ließ der Besitzer schon mal ausräumen – ein Musiksender sollte daraus werden. Am Ende zog man den Stecker. einsplus und zdf.kultur gibt es auch nicht mehr. Dafür aber das ARD/ZDF-Jugendangebot Funk – allerdings nur im Internet.
Und was ist mit Servus TV? Erst ließ Besitzer und Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz verkünden, er mache den Sender zum Jahresende dicht. Zu Hohe Kosten. Und von der Gründung eines Betriebsrates war die Rede. Nur einen Tag später hieß es: Es geht doch weiter. Und dann: Servus TV beendet die Ausstrahlung in Deutschland. Und dann: doch nicht, alles geht weiter. Ein Hü und Hott.

Was war sonst so?
Der Deutsche Fernsehpreis ist nun eine rumpelige Gala in den Düsseldorfer Rheinterrassen. Eine öde Party.
Harald Schmidt ist auch noch da – in grausamen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen – und auf dem Traumschiff.
Weibliche Fußball-Kommentatorinnen wollen einige deutsche Männer nicht haben: Als Claudia Neumann im ZDF ein Herren-EM-Spiel kommentiert, wird im Internet fies gepöbelt. Wo doch angeblich nur Asylbewerber nicht gut mit ihren Frauen umgehen. Wobei, sorry, im Fußball gelten natürlich andere Regeln.
RTL hat einen neuen Ableger: RTLplus. Noch mehr Sendeflächen für Gerichtsshow-Resterampen.
Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis teilen ihr Leben mit den RTL-II-Zuschauern: Hochzeit und Heiligabend live. Puh.
Auch puh, aber anders: Als Jörg Draeger, Frederic Meißner, Björn-Hergen Schmipf und Harry Wijnvoord den Jakobsweg liefen, entstand daraus die 12-teilige Dokureihe “OGOT” bei Tele 5. Slow-TV vom feinsten. Ein kleines TV-Highlight.
Sehr sehenswert war auch “Terror – Ihr Urteil”. Der Film bestand nur aus einer Gerichtsverhandlung um den Abschluss eines Flugzeuges, das von Terroristen entführt worden ist, und am Ende konnte das Fernsehvolk abstimmen. Ein spannendes Experiment, und immerhin ist das auch einen Tag diskutiert worden.
Olympia in Rio. Das letzte Mal bei ARD und ZDF – nun übernimmt Eurosport.
Als an einem Sonntag morgens um kurz vor halb 7 im ZDF der Horrorfilm “Halloween – Nacht des Grauens” statt Kinderfernsehen läuft, fragen ein paar Leute via Twitter mal nach. Erst da fällt den ZDF-Leuten was auf. Ups.

Da ist man schon mal aufgeregt. Und bei all dem Neuen blickt sowieso keiner mehr durch. Deshalb kommen nun auch viele Sendungen von damals wieder. Für die guten Gefühle. Oder so. Das “Glücksrad” ist wieder da. “Herzblatt”, das “Familien-Duell”, “Jeopardy!”, “Ruck Zuck”, “Akte X”, “Der heiße Stuhl” und – da haben wir ja wirklich drauf gewartet: “Tutti Frutti”.
Mal sehen, wer oder was 2017 alles zurückkommt. Und ob wir uns alle ein bisschen abregen. So ganz allgemein.
Guten Rutsch.

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Slow TV auf Tele 5: Boccia Boccia

Mittwoch, den 5. Oktober 2016
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SO 02.10.2016 | 22.10 Uhr | Tele 5

In Skandinavien soll ja Slow-TV der große Hit sein. Da kann man dann zig Stunden live dabei sein, wenn ein Zug von A nach B fährt. Oder man kann irgendwem stundenlang beim Stricken zusehen.
Bei Tele 5 muss man dieses Slow-TV-Konnzept irgendwie falsch verstanden und mit Edel-Trash verwechselt haben.

Am Sonntagabend gab es erstmals “Slow TV auf Tele 5″. Friedrich Liechtenstein präsentierte den Film “Boccia Boccia”. Darin traf sich eine große Gesellschaft und spielte überaschenderweise Boccia.
Und das machten sie gaaaaaaanz laaaaaangsam. Der komplette Film war in einer Art Slowmotion aufgenommen. Leute, die durch einen Park schlenderten. Leute, die seltsame Gruppenbewegungen machten. Und sogar Leute, die Boccia spielten. Und andere, die zuschauten. Und soffen, natürlich Champagner.
Alles in Slomo.
Dazu chillige Musik und irgendein Geseier von Friedrich Liechtenstein.

Das war kein Slow-TV, das war Hochkultur! Und das auf Tele 5. Ergab nur keinen Sinn, machte keinen Spaß, war total langweilig und seltsam hochtrabend. War zwar langsam, hat mit der Slow-TV-Idee war so gut wie nichts zu tun.
Kein Wunder, dass die Zuschauer in Scharen flohen.

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OGOT – Old Guys on Tour: Finale

Montag, den 3. Oktober 2016
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SO 02.10.2016 | 20.15 Uhr | Tele 5

Sie stritten sich, schwiegen sich an, und am Ende hatten sie sich wieder lieb. Die old Guys haben Santiago de Compostela erreicht.
Zwölf Folgen lang konnten wir Jörg Draeger, Frederic Meißner, Björn-Hergen Schmipf und Harry Wijnvoord dabei zusehen, wie sie auf dem Jakobsweg pilgern. Karl Dall empfing die Männer an den jeweiligen Etappenzielen.
Am Sonntagabend ging “OGOT – Old Guys on Tour” mit der Ankunft in Santiago de Compostela zu Ende. Das aber ein bisschen enttäuschend – für alle Beteiligten.

Tele 5 hat mit der Sendung für ein leider viel zu wenig beachtetes Fernsehhighlight gesorgt. Das Konzept war dabei sehr simpel: vier Männer wandern, und wir schauen zu. Kein Skript, keine Challenges. Nur der Weg. Nur das Ziel erreichen. Nur darum ging es.
Ein wenig war das Slow-TV, denn Tele 5 hat auch darauf verzichtet, dieses Projekt so aufzupeppen, dass das ganz große Ding draus wurde. Fast muss man sagen, Tele 5 hätte ein wenig mehr draus machen können, schon durch den seltsamen Titel, “OGOT”, sind sicherlich viele Zuschauer gar nicht auf das Jakobsweg-Projekt aufmerksam geworden.

Vermutlich ist noch nie so ausführlich – immerhin mehr als 13 Stunden – vom Jakobsweg berichtet worden. Wir haben gesehen, dass es oft öde ist. Dass es tolle Momente und Stellen gibt. Dass man sich anstrengen, überwinden muss. Dass man den inneren Schweinehund besiegen muss. Herrliche Gegenden, runtergekommene Wege, lange Steppen, schöne Dörfer und Städte.

Auch ohne Challenges – eigentlich ist natürlich der Weg selbst die Challenge – ist viel passiert. Denn die vier Männer kamen nicht immer miteinander klar. Jörg und Frederic waren immer schnellen Schrittes, Björn und Harry eher weniger. Und Harry war genervt. Am Ende so sehr, dass er sich mehr und mehr an den anderen entfernte. Was wiederum die anderen aufregte.
So war die Stimmung leider am Ende sehr gedrückt, in Santiago de Compostela herrschte wenig Euphorie. Und dann wurden sie auch noch aus der Kathedrale rausgeschmissen, weil man da nicht mit Rucksäcken rein darf. So gab es auch nicht den berühmten Gottesdienst mit dem großen Weihrauch-Pendel zu sehen. Wirklich schade.

So war das Finale dann eher Gesprächstherapie. Aussprache. Aber wenigstens konnten beim Abschluss-Picknick alle wieder lachen.
Fazit am Ende: “Ogot” – schön, es gesehen zu haben.

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OGOT – Old Guys on Tour

Dienstag, den 20. September 2016
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MO 19.09.2016 | 22.05 Uhr | Tele 5

Dagegen ist das Dschungelcamp der reinste Urlaub. Tele 5 schickte im Frühjahr vier alternde Promis auf den Jakobsweg – und zwei Kamerateams gleich mit.
Seit Sonnabend zeigt der kleine Sender fünfmal pro Woche “OGOT”. Das ist kein Schreibfehler, sondern die Abkürzung für “Old Guys on Tour”.

Jörg Draeger war mal ein bekannter Gameshow-Moderator. Frederic Meisner war mal ein bekannter Gameshow-Moderator. Harry Wijnvoord war mal ein bekannter Gameshow-Moderator. Björn-Hergen Schimpf war mal… na ja, du weißt schon. Gemeinsam laufen sie mehrere hundert Kilometer. Und sie labern. Und sie streiten. Und sie lästern. Und sie verlaufen sich. Sie leiden. Sie lachen.

Das Projekt ist in mehrerlei Hinsicht mutig. Erstens, weil natürlich niemand weiß, wie viele von den vieren am Ende des Jakobsweges noch gesund sind. Zweitens: Ist es spannend, vier Herren (und dem Team dahinter) beim bloßen Laufen zuzusehen? Passiert da überhaupt was? Reicht das für zwölf Folgen?
Die letzte Frage lässt sich nach drei Folgen am Montagabend noch schwer beantworten. Denn es passiert nicht allzu viel. Wir sehen die Landschaften und die Herren. Das Interessante ist: Diese Nicht-Spannung ist dann doch irgendwie spannend, irgendwie faszinierend. Slow-TV.

Schade ist, dass Tele 5 das Ding selbst kaum und schlecht promotet. Der Titel “OGOT” ist zwar mehrdeutig-lustig, aber dass da vier Promis auf dem Jakobsweg laufen, kann man daraus nicht erkennen, wenn die etwas ältere Zielgruppe in die Fernsehzeitung schaut. Hätte man besser machen können.

Und es darf gern noch interessanter werden. Immerhin hat uns Hape Kerkeling in seinem Jakobsweg-Buch auch viel über die menschlichen Begegnungen erzählt. Ob die vier Herren noch andere Menschen treffen, ist offen. Bislang waren sie auf noch abgelegenen Teilen des Weges unterwegs. Das belebte Stück kommt erst noch.
Auch sieht man nichts über die Herbergen entlang des Weges, aber vermutlich übernachtet das Team in Hotels und nicht dort, wo die Otto-Normal-Pilger schlafen.
Aber es sind ja noch neun Folgen.

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Dit is Fußball

Montag, den 29. August 2016
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SA 27.08.2016 | 19.40 Uhr | Tele 5

Fußballer sind ein bisschen doof, und bei jedem Mist beginnen sie gleich eine Prügelei. Das sind Klischees, und manchmal stimmen sie sogar. Aber sind sie auch lustig und reichen für eine Fußballcomedy?
Diese Frage versucht man seit Sonnabendabend bei Tele 5 zu beantworten. Da lief die erste von vier Folgen “Dit is Fußball”. Eine extrem erfolglose Fußballmannschaft soll aufgemöbelt werden, aber leider scheint das ein aussichtsloses Unterfangen.

Okay, Sitcoms müssen keine niveauvolle Unterhaltung bieten, und es ist eine Kunst, den schmalen Grad zwischen blödem Klaumauk und guten Gags zu schaffen. “Dit is Fußball” liegt irgendwo dazwischen, und das ist dann leider doch: ziemlich langweilig.
Dass die Ultras in dieser Serie allesamt Frauen sind, das ist zunächst lustig. Aber dass sie genauso rumprollen wie Kerle, ist einfach zu naheliegend. Da lässt einen am Ende schulterzuckend zurück und bietet keinen Anreiz, nächste Woche wieder einzuschalten.
Serien brauchen immer irgendwie Zeit, eine gewisse Faszination und Reife und Güte zu erreichen, aber die Autoren müssen in Folge 1 dennoch einen gewissen Grundreiz schaffen. Der fehlt bei “Dit is Fußball” leider.

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Die schlechtesten Filme aller Zeiten: Daniel, der Zauberer

Samstag, den 27. August 2016
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FR 26.08.2016 | 22.15 Uhr | Tele 5

Es geht immer noch schlimmer, und heute lief in der Reihe “Die schlechtesten Filme aller Zeiten” auf Tele 5 der wirklich schlechteste Film aller Zeiten: “Daniel, der Zauberer”.

Rückblick: 2003. Daniel Küblböck wurde durch die 1. Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” bekannt. 2004 wurde er der erste Dschungelkönig.
Da müssen sich ein paar Filmleute gedacht haben: Den machen wir fertig. Sie stümperten ein Drehbuch zusammen unter dem Titel “Daniel, der Zauberer”. Im Film von 2004 geht es um einen gewissen Daniel Küblböck, gespielt von Daniel Küblböck, der von seinen Fans geliebt, von anderen aber so gehasst wird, dass er umgebracht werden soll. Das kriegen die Hasser aber irgendwie nicht hin, und am Ende sind alle Freunde.
Hach ja.

Es kann nur so sein, dass Regisseur Ulli Lommel und Produzent Peter Schamoni den Küblböck abgrundtief hassten. Anders ist dieser Schrott nicht zu erklären, den sie da fabrizierten. Vom Stil wirkt “Daniel, der Zauberer” wie eine billige Dokusoap. Laiendarsteller stammeln ihren Text, und Daniel K. lächelt. Oder guckt erschrocken. Oder guckt so ein bisschen verschämt. Und immer wieder diese Hassfantasien.
Kann man sich so was ausdenken? Diesen Hass?

Falls der Hass der Filmemacher eventuell doch nicht der Grund für dieses Machwerk ist, dann ist es wohl doch eher Unfähigkeit. Die Story war hanebüchen, die Szenerie lausig und billig-billig, die Dialoge gruselig doof – und der ganze Film einfach nur unfassbar langweilig.
So mies, dass sich heute auch Daniel Küblböck selbst davon distanziert und sich dafür entschuldigt. Via Twitter plauderte er aus, dass der Film angeblich nur deshalb überhaupt in die Kinos kam, weil die Produzentenfrau beim Ansehen des Films geweint habe.
Nun ja, vielleicht weinte sie ja wegen der Filmqualität und nicht wegen des Inhaltes.

Für Oliver Kalkofe und Peter Rütten muss dieser Film eine besondere Herausforderung gewesen sein. Denn “Daniel, der Zauberer” ist ein so tiefer Tiefpunkt, dass man kaum noch drüber lästern kann. Und vielleicht hat der eine oder andere Zuschauer diesen Streifen ja auch überlebt.

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Die schlechtesten Filme aller Zeiten: Musik, Musik – da wackelt die Penne

Samstag, den 16. Juli 2016
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FR 15.07.2016 | 22.05 Uhr | Tele 5

Gruselig. Der junge Chris Roberts sitzt in einem Klassenzimmer, setzt sich neben ein blondes Zopfmädchen, nimmt es in den Arm und singt sein Teddybär-Lied.
“Baby, ich wollt’ ich wär’, Baby, dein Teddybär. Du würdest mich küssen, mich sehr vermissen. Baby, ich wollt’ ich wär’, oh Baby, dein Teddybär. Sei wieder zärtlich und komme zu mir. All meine Liebe schenke ich dir. Oh biduda, sing’ ich, oh bidudi. So schön wie heute war es noch nie.”
Die Szene ist von 1970, und damals hat man sich vielleicht nichts dabei gedacht. Aber heute – da wird einem übel.

“Musik, Musik, da wackelt die Penne” – so heißt der Musikfilm, den uns Oliver Kalkofe und Peter Rütten in ihrer Tele-5-Reihe mit den schlechtesten Filmen aller Zeiten zugemutet haben.
Und wirken Filme wie “Sharknado” oft so, als sei die Scheißigkeit so gewollt – da ist der deutsche Film “Musik, Musik” einfach wirklich nur unterirdisch schlimm.
Nicht nur wegen Chris Roberts, der aus dem Nichts auftaucht, um im Klassenzimmer zu trällern und sich an ein minderjähriges Mädchen ranzumachen.

Damals waren Paukerfilme total in, also lustige Klamotten rund um Schüler und Lehrer. In diesem Fall wollte es Regisseur Frank Antel aber wohl besonders billig. Besonders auf eine schlüssige Story ist verzichtet worden. Der junge Hansi Kraus wird von seinem Vater, einem Unterrichtsminister (was auch immer das ist), gezwungen, das Nach-Abitur zu machen was auch immer das wieder ist). Er muss auf eine Schule, und seine Freude, die grad eh nichts zu tun haben, kommen einfach mit – sie proben gerade an einem Musical.

Es gibt ja guten Trash und miesen. Es gab gute Paukerfilme und die, die nicht zu ertragen sind. “Musik, Musik – da wackelt die Penne” gehört beide Male in die zweite Kategorie.
Insbesondere der damals unfassbar überschätzte Ilja Richter spielt wie ein Schülertheater-Laie, mit völlig übertriebenen Gesten und unnatürlichen Bewegungen. Keine Ahnung, wie aus dem damals ein Star werden konnte.
Hinzu kommt Howard Carpendale, der sein schönes Mädchen auf Seite 1 besingt und sich während des Liedes auf einem Motorboot rumfahren lässt. Warum, weiß niemand. Vermutlich nur aus PR-Gründen.

Aber – einmal mehr – zum Glück hatten wir ja Kalkofe und Rütten, die die Perle mit ihren Kommentaren erträglich gemacht haben.
In Berlin wurde das Spektakel schon vorab im Kino “International” gezeigt, und es war eine große Party mit Szenenapplaus und großen Lachern. So lassen sich auch die beschissensten Filme ertragen. Wobei: “Musik, Musik” ist schon wirklich atemberaubend schlecht.