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Boomarama 3000

Freitag, den 24. März 2017
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DO 23.03.2017 | 0.20 Uhr (Fr.) | Tele 5

Ein bisschen bitter ist das ja schon: Am sehr späten Donnerstagabend ging es bei Tele 5 um das Scheitern. Und das in einer Sendung, die gerade selbst gescheitert ist: “Boomarama 3000″. Nachdem die erste Folge der neuen Staffel nur 110.000 Zuschauer hatte, ist sie vom Freitagabend auf die Nacht zum Freitag verbannt worden.
Das ist selbst für Tele 5 tatsächlich nicht so doll. Dass aber die Show nach nur einer Folge den Sendeplatz verliert, ist trotzdem seltsam. Wird doch bei Rele 5 gern damit kokettiert, dass man nicht so auf die Quoten schaue. Was dann ja wohl nicht stimmt.

Für Aurel Mertz ist das schade, denn seine wöchentliche Late-Night-Show ist durchaus sehenswert. Seit zwei Jahren macht er nun schon Fernsehen, und man merkt, dass er in dieser Zeit sehr an sich gearbeitet hat. Wenn die Gags mal gut sind, dann bringt er sie auf den Punkt, er ist locker und lustig.
In einem Einspieler sah man ihn gegen die Ringer-Weltmeisterin scheitern – das war kurzweilig.
Zu Gast war Late-Night-Talker Pierre M. Krause, der seit zig Jahren im SWR auf Sendung ist. Mertz und Krause haben gemeinsam, dass sie beide kaum Zuschauer haben. Und auch im Fall von Krause ist es schade, dass er selbst nach mehr als 500 Shows (!) dermaßen unbeachtet ist. Lustigerweise machten sie aber genau darüber auch Gags.

“Boomarama 3000″ ist keine ganz große Kunst, aber gutes, kurzweiliges Fernsehen in der Nische. Hoffentlich gibt Tele 5 Aurel Mertz weiter Zeit, sich zu entwickeln. Oder mal ein größerer Sender…

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Die Tele 5 Grimme-Nacht

Samstag, den 11. März 2017
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MI 08.03.2017 | 0.20 Uhr (Do.) | Tele 5

Es ist, wie es ist: Tele 5 sendet ziemlich viel Müll.
Aber zwischen diesem Müll befindet sich immer wieder so manche Perle. Das erkennt man offenbar auch in der Jury des Grimme-Preises. Denn seit 2012 war der kleine Privatsender erstaunlich oft nominiert.
Aus Anlass der Bekanntgabe der 2017er-Preisträger zeigte Tele 5 in der Nacht zum Donnerstag “Die Tele 5 Grimme-Nacht” und darin jeweils eine Folge aller nominierten Formate.

In den “Nichtgedanken” las Oliver Kalkofe aus irren Promi-Biografien. Herrlich absurd, und doch ein sehr leises Format.
In “Der Klügere kippt nach” trafen sich jeweils vier Promis zum Saufen und Quatschen in einer Hamburger Bar. Das war mitunter witzig, manchmal chaotisch und immer promillelastig. Ob man das nun für einen Grimme-Preis nominieren muss, sei mal dahin gestellt. Aber irgendwie war es doch sehenswert.
“Walulis sieht fern” bekam als einzige der Sendungen tatsächlich den Preis. Die Mediensatire mit Philipp Walulis nahm das Fernsehen kritisch auseinander. Hat Spaß gemacht und war hier und da sogar noch ganz erhellend. Nach diesem Erfolg wechselte das Format übrigens zum damaligen einsplus.
In “Playlist – Sound of my Life” musste ein Rateteam anhand einer Songliste erkennen, welcher Promi bei Bettina Rust zu Gast ist. Ein wirklich nettes Format, weil der Promi natürlich im Interview erklärte, warum er diesen oder jenen Song auswählte.
Bei der Talkshow “Stuckrad-Barre” ging es für Politiker im Talk schon mal hart zur Sache, weil der Moderator sie gern in grenzwertige Situationen führte – merkwürdige Studioaktionen, bei der die Frage war: Wie weit gehen die Gäste?

Alles sehr sehenswerte und schöne Sendungen, die in der Nacht noch mal vor Augen geführt worden sind.
In diesem Jahr wird Tele 5 keinen Grimme-Preis bekommen. Nominiert war das Slow-TV “Boccia Boccia”. Warum dieser langweilige Kunstkram so toll war, erschließt sich mir allerdings nicht. War einer meiner TV-Flops 2016.

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Boy Machine

Montag, den 27. Februar 2017
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SA 25.02.2017 | 20.15 Uhr | Tele 5

Ach, diese 90er. Das waren noch Zeiten. Als in der “Bravo” der Kampf unter den Boygroups ausbrach. Und natürlich in den Klassenräumen – wenn es darum ging, ob die New Kids on the Block, Take That, die Backstreet Boys oder ‘N Sync die beste Band ist.
Tele 5 erinnerte am Wochenende daran und machte wieder mal die Rolle rückwärts – mit einem 90er-Special. Inklusive dem alten Logo aus dieser Zeit, Nachrichtenberichten von damals und Werbespots aus dieser Zeit.

Höhepunkt des Revivals war die schwedische Comedyserie “Boy Machine” – über eine Gruppe Männer, die mal als Boygroup sehr erfolgreich waren und sich nun wieder zusammenraufen wollen. Aus Geldgründen oder wegen der Nostalgie, alle haben andere Gründe.
Die achtteilige Serie zeigt, ob es den Männern gelingt, wieder durchzustarten.
Dass es ausgerechnet die Schweden sind, die mit einer solchen Serie um die Ecke kommen, verwundert nicht. Immerhin ist Schweden ja eine der erfolgreichsten Eurovision-Song-Contest-Nationen. Mit Musik kennen die sich also aus.
Und mit Comedyserien? Na ja. Hätte lustiger und knalliger sein können.

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Kalkofes Mattscheibe rekalked spezial: Kalkofes Dschungelbuch

Sonntag, den 12. Februar 2017
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SA 11.02.2017 | 20.15 Uhr | Tele 5

Die “Mattscheibe” mit Oliver Kalkofe, wie wir sie seit langem kennen, ist wohl Geschichte. Seit 1994 nahm der Kritiker das fernsehen und seine Protagonisten auseinander. Und das in kurzen Sequenzen, in anfangs sieben-, später 15- und am Ende 25-minütigen Sendungen. Die mehr oder weniger schnelle Abfolge von kritisierten Sendungen machte das Salz ind er Suppe aus – das Zappen innerhalb einer “Mattscheibe”-Folge.
Doch dieses Format wird wohl – zumindest 2017 – in dieser Form nicht mehr produziert. Stattdessen gibt es mehrere bis zu zwei Stunden (oder längere?) Specials.

Das erste Special war am Sonnabend “Kalkofes Dschungelbuch”. Es war Kalkis Abrechnung mit dem diesjährigen Dschungelcamp, und der Sendeplatz war natürlich nicht zufällig gewählt. Denn direkt nach der Tele-5-Sendung gab es bei RTL “Das Nachspiel”, wo bei Sonja Zietlow und Daniel Hartwich noch mal die Dschungelstars zusammenkamen.
Kalkofe und Tele 5 schwammen also auf der Dschungelwelle mit.

Allerdings zeigte sich: Eine monothematische Sendung kann relativ anstrengend sein. Die Macher mussten sie sehr strecken. Lange Minuten bestanden darin, dass Kalkofe an einem Tisch stand und Monologe hielt. Das ist auf Dauer eintönig, und das grundsätzliche Problem am Dschungel ist: Die Dschungelstars sind an sich Trash, aber der Trash wird durch das Format ja schon thematisiert. Heißt: Kalkofe kann nicht wirklich einen drauf setzen. Einfach nur den Trash zu parodieren, reicht da einfach nicht aus – oder hat kaum Mehrwert.
So schade das ist – aber dieses Kalkofe-Special war ziemlich langweilig.

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Das war 2016!

Samstag, den 31. Dezember 2016
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Was war das für 1 Jahr???!!!!11!!
Die Welt wird immer verrückter. Nein, eigentlich sind es die Menschen, die immer irrer werden. Die sich gegenseitig anstacheln, die nur noch ihre eigenen Wahrheiten akzeptieren, alles andere als Lüge abtun. Die immer und überall Verschwörungen wittern und nicht mal mehr offiziellen Mitteilungen der Polizei glauben.
Stattdessen wird immer mehr als gefühlte Wahrheiten gesetzt. Was ich fühle, wie ich etwas empfinde, ist auch ein Fakt. Wir leben im postfaktischen Zeitalter, und das ist auch das Wort des Jahres. Eigentlich ja eher das Unwort.

RT Deutsch zum Beispiel. Das russische Auslandsfernsehen sei reine Propaganda, sagen die einen. Das sei alles die Wahrheit, und nur dort gebe es sie, sagen die anderen. Als in Berlin angeblich ein Asylbewerber eine junge Russlanddeutsche entführt und vergewaltigt, kocht die Volksseele, angestachelt auch durch Berichte von RT Deutsch. Dass das Mädchen die Schule geschwänzt und der Mann ihr Freund war – irgendwann hat es schlicht keinen der Demonstrierenden mehr interessiert.
Es sind nämlich nicht nur von Gefühlen geprägte Kommentare, die verbreitet werden – sondern auch Fakenews, Nachrichten, die schlicht ausgedacht, die eine Lüge sind. Da werden Politiker Worte in den Mund gelegt, die sie nie gesagt haben. Oder Gerüchte über angebliche Taten von Ausländern gegenüber Deutschen, die so nie stattfanden.
So haben EU-Gegner den Brexit in Großbritannien erreicht, dass die Wähler für den Austritt des Königreiches aus der EU stimmen, hatten wenige für möglich gehalten. So hat es Donald Trump in den USA geschafft, Präsident zu werden. Gefühle statt Fakten. Irgendwelche Zahlen statt echtem Inhalt.
Oder eben irgendwas daher gelabert. So macht das Mario Barth. In New York sendete er live auf Facebook und wunderte sich, dass zwar über Anti-Trump-Demo berichtet werde, er aber keine sehe. Dass es am Tage war und die Straße, an der er stand, gesperrt – na ja, das hat Mario ja nicht wissen können.
Facebook, Twitter und Co. werden aufgefordert, etwas gegen die Verbreitung solcher Fakenews zu unternehmen. Darüber wird 2017 noch zu reden sein.

Ganz unschuldig sind die Medien aber nicht, dass man ihnen nicht glaubt. Als in der Neujahrsnacht rund um den Kölner Hauptbahnhof hunderte Männer Frauen begrapschen und Passanten berauben, dauerte es Tage, bis umfassend berichtet worden ist. Der WDR sendete um Mitternacht sogar live aus der Domregion – da hat man das offenbar nicht mitbekommen. Beim ZDF war selbst am 4. Januar, als alle anderen endlich berichteten, noch nichts dazu zu sehen. Man bat um Verzeihung. Im Laufe des Jahres ist dann aber recherchiert worden: Dass es sich vorwiegend um Täter aus Nordafrika handelt. Dass die Polizei haarsträubend unterbesetzt war, dass Fehlentscheidungen getroffen und in einer ersten Pressemitteilung beschönigt worden ist.

Es war kein schönes Jahr. Terror, Unglücke, Todesfälle.
Und immer startet die Breaking-News-Maschine. Ein Zwischenfall in Berlin? Da darf gern mal schwadroniert und vermutet werden – immer mit der Betonung, man wolle nichts vermuten. Amoklauf in München? Da zeigt man bei RTL schon mal, wie Leichen abtransportiert werden und live hinter dem Reporter, wie Polizisten mit Waffen auf Passanten zielen. Auch der Teilzeitnachrichtensender N24 ist da ganz weit vorn mit bei.
Und immer wieder der Vorwurf an ARD und ZDF, es werde in solchen Fällen zu spät reagiert. Nach dem Zugunglück in Bayern ging der BR erst nach Stunden auf Sendung, nach dem Berliner Zwischenfall das ZDF erst nach fast zwei Stunden.

Und dann immer wieder die Empörungswellen, die durch Deutschland rollen.
Letzter Platz beim Eurovision Song Contest? Empörung! Keiner hat uns lieb! Alles Fake! Und überhaupt! Dass unser Song mies war, zieht keiner in Betracht – obwohl er in den deutschen Charts auch unterbelichtet war. Na ja, diese Fakten halt.
Die Sache mit dem Nachbarn Boateng. AfD-Mann Alexander Gauland habe gesagt, keiner wolle, dass Boateng sein Nachbar sei. Mag er so gesagt haben, er meinte aber wohl eher, dass viele Deutsche erst mal schlucken würden, wenn ein Dunkelhäutiger nebenan einziehen würde. Dennoch: Empörung! Aber eher eine geheuchelte, weil nicht weiter nachgedacht, sondern nur auf einen Satz Bezug genommen wurde, aber nicht auf den Kontext.
Fußball-Bundestrainer Jogi Löw kratzt sich während eines EM-Spiels an den Eiern und riecht dann an seiner Hand. Groooße Aufregung! Viele Berichte und Artikel, als ob wir keine anderen Sorgen haben.
Diskuswerfer Christoph Harting gewinnt Gold bei Olympia und erdreistet sich, bei der Hymne nicht ernsthaft zu sein. Empörung! Wie kann er nur so respektlos sein!! Meine Güte.
Und so weiter.

Da geht es schon mal fast unter, wenn Journalisten etwas enthüllen – die Panamapapers. Es ging um Briefkastenfirmen in Panama und um Geldwäsche von Unternehmen und Promis. Da wird ein großes Ding aufgedeckt, es ist das, was die Menschen fordern: diese Art des Enthüllungsjournalismus. Zwei Abende lang ist das ein Thema, dann verpufft es schon wieder. Empörung? Hält sich in Grenzen.
Oder wenn Jan Böhmermann in seiner zdf_neo-Show “Neo Magazin Royale” aufdeckt, wie die Leute in der RTL-Dokusoap “Schwiegertochter gesucht” arbeiten, wie sie die Teilnehmer und Zuschauer veralbern. Kurze Aufregung und gleich wieder verpufft. Quasi ohne Folgen.

Apropos Böhmermann: Nach einer “extra 3″-Satire über den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan legte er in seiner Show noch einen drauf. Er wolle mal zeigen, was denn ein Schmähgedicht sei und wie es klingen müsse: und trug eines vor. Und wieder: groooooße Aufregung. Das ZDF löschte vorsichtshalber die Passage aus der Mediathek, in der Wiederholung lief die Show verkürzt. Erdogan forderte eine Strafe, die Bundesregierung gab den Fall zur Ermittlung frei. Böhmermann zog sich einige Wochen zurück. Am Ende siegte dennoch die Satirefreiheit. Zumal viele Kritiker schlicht den Kontext des Gedichtes ausblendeten. Dass Böhmermann Aufsehen erregen wird, ahnte er wohl, dass das Aufsehen so groß wird – inklusive Berichte in “Tagesschau” und Co., das ahnte er sicher nicht.

Aber zwischendurch waren die Deutschen sowieso mit, ähm, wichtigeren Dingen beschäftigt: dass sich Sarah und Pietro getrennt haben. Weshalb RTL II das auch ordentlich ausschlachtete. Dass Babette von Kienlin (Einstmann) zum zweiten Mal in ihrer ZDF-”Drehscheibe” zusammengebrochen ist. Dass irgendwo irgendwelche Horrorclowns aufgetreten sind.
Oder dass sich Til Schweiger unfassbar toll findet. Sein Nick Tschiller im “Tatort” sei der beste Krimi, der je im Fernsehen lief, und jeder Kritiker habe keine Ahnung, so schrieb er auf Facebook. Von Fernsehgeschichte war da die Rede. Nun ja.

Einer hat keine Lust mehr auf den Zirkus: Im Herbst hing Tobias Schlegl seinen Fernsehjob an den Nagel – um sich zum Notfallsanitäter umschulen zu lassen.
Auch Jürgen Domian will nicht mehr – jedenfalls nicht Nacht für Nacht im 1LIVE-Studio sitzen. Nach 22 Jahren endet seine Call-in-Show “Domian”. Sie wird schwerstens vermisst.

Viele werden am Ende des Jahres vermisst. Sehr viele Promis – sehr viele Musiker sind 2016 gestorben.
George Michael ist tot, ebenso Prince und David Bowie. Leonard Cohen und Roger Cicero. Achim Mentzel und Ekki Göpelt. Außerdem “Trio”-Schlagzeuger Peter Behrens und Manfred Durban von den Flippers. Der Publizist Roger Willemsen, die Politiker Guido Westerwelle, Hans-Dietrich Genscher, Lothar Späth, Peter Hintze, Jutta Limbach, Hildegard Hamm-Brücher, Henning Voscherau und Walter Scheel. In Kuba Fidel Castro. Der Produzent Wolfgang Rademann. Die Schauspieler Götz George, Manfred Krug, Uwe Friedrichsen, Alan Rickman, Bud Spencer, Maja Maranow, Gisela May, Hans Korte, Hilmar Thate, Karl-Heinz von Hassel und Peter Lustig. Die Moderatorinnen Erika Berger und Miriam Pielhau, die Journalisten Günter-Peter Ploog und Jana Thiel, Tamme Hanken, Schriftsteller Umberto Eco, Synchronsprecher Arne Elsholtz, Comiczeichner Lothar Draeger, DDR-Regimefrau Morgot Honecker und der Boxer Muhammad Ali.

Drei Fernsehsender haben sich auch verabschiedet: Der Social-Media-Sender joiz ist erst verkauft worden, dann ging er in Insolvenz, das Studio ließ der Besitzer schon mal ausräumen – ein Musiksender sollte daraus werden. Am Ende zog man den Stecker. einsplus und zdf.kultur gibt es auch nicht mehr. Dafür aber das ARD/ZDF-Jugendangebot Funk – allerdings nur im Internet.
Und was ist mit Servus TV? Erst ließ Besitzer und Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz verkünden, er mache den Sender zum Jahresende dicht. Zu Hohe Kosten. Und von der Gründung eines Betriebsrates war die Rede. Nur einen Tag später hieß es: Es geht doch weiter. Und dann: Servus TV beendet die Ausstrahlung in Deutschland. Und dann: doch nicht, alles geht weiter. Ein Hü und Hott.

Was war sonst so?
Der Deutsche Fernsehpreis ist nun eine rumpelige Gala in den Düsseldorfer Rheinterrassen. Eine öde Party.
Harald Schmidt ist auch noch da – in grausamen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen – und auf dem Traumschiff.
Weibliche Fußball-Kommentatorinnen wollen einige deutsche Männer nicht haben: Als Claudia Neumann im ZDF ein Herren-EM-Spiel kommentiert, wird im Internet fies gepöbelt. Wo doch angeblich nur Asylbewerber nicht gut mit ihren Frauen umgehen. Wobei, sorry, im Fußball gelten natürlich andere Regeln.
RTL hat einen neuen Ableger: RTLplus. Noch mehr Sendeflächen für Gerichtsshow-Resterampen.
Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis teilen ihr Leben mit den RTL-II-Zuschauern: Hochzeit und Heiligabend live. Puh.
Auch puh, aber anders: Als Jörg Draeger, Frederic Meißner, Björn-Hergen Schmipf und Harry Wijnvoord den Jakobsweg liefen, entstand daraus die 12-teilige Dokureihe “OGOT” bei Tele 5. Slow-TV vom feinsten. Ein kleines TV-Highlight.
Sehr sehenswert war auch “Terror – Ihr Urteil”. Der Film bestand nur aus einer Gerichtsverhandlung um den Abschluss eines Flugzeuges, das von Terroristen entführt worden ist, und am Ende konnte das Fernsehvolk abstimmen. Ein spannendes Experiment, und immerhin ist das auch einen Tag diskutiert worden.
Olympia in Rio. Das letzte Mal bei ARD und ZDF – nun übernimmt Eurosport.
Als an einem Sonntag morgens um kurz vor halb 7 im ZDF der Horrorfilm “Halloween – Nacht des Grauens” statt Kinderfernsehen läuft, fragen ein paar Leute via Twitter mal nach. Erst da fällt den ZDF-Leuten was auf. Ups.

Da ist man schon mal aufgeregt. Und bei all dem Neuen blickt sowieso keiner mehr durch. Deshalb kommen nun auch viele Sendungen von damals wieder. Für die guten Gefühle. Oder so. Das “Glücksrad” ist wieder da. “Herzblatt”, das “Familien-Duell”, “Jeopardy!”, “Ruck Zuck”, “Akte X”, “Der heiße Stuhl” und – da haben wir ja wirklich drauf gewartet: “Tutti Frutti”.
Mal sehen, wer oder was 2017 alles zurückkommt. Und ob wir uns alle ein bisschen abregen. So ganz allgemein.
Guten Rutsch.

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Slow TV auf Tele 5: Boccia Boccia

Mittwoch, den 5. Oktober 2016
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SO 02.10.2016 | 22.10 Uhr | Tele 5

In Skandinavien soll ja Slow-TV der große Hit sein. Da kann man dann zig Stunden live dabei sein, wenn ein Zug von A nach B fährt. Oder man kann irgendwem stundenlang beim Stricken zusehen.
Bei Tele 5 muss man dieses Slow-TV-Konnzept irgendwie falsch verstanden und mit Edel-Trash verwechselt haben.

Am Sonntagabend gab es erstmals “Slow TV auf Tele 5″. Friedrich Liechtenstein präsentierte den Film “Boccia Boccia”. Darin traf sich eine große Gesellschaft und spielte überaschenderweise Boccia.
Und das machten sie gaaaaaaanz laaaaaangsam. Der komplette Film war in einer Art Slowmotion aufgenommen. Leute, die durch einen Park schlenderten. Leute, die seltsame Gruppenbewegungen machten. Und sogar Leute, die Boccia spielten. Und andere, die zuschauten. Und soffen, natürlich Champagner.
Alles in Slomo.
Dazu chillige Musik und irgendein Geseier von Friedrich Liechtenstein.

Das war kein Slow-TV, das war Hochkultur! Und das auf Tele 5. Ergab nur keinen Sinn, machte keinen Spaß, war total langweilig und seltsam hochtrabend. War zwar langsam, hat mit der Slow-TV-Idee war so gut wie nichts zu tun.
Kein Wunder, dass die Zuschauer in Scharen flohen.

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OGOT – Old Guys on Tour: Finale

Montag, den 3. Oktober 2016
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SO 02.10.2016 | 20.15 Uhr | Tele 5

Sie stritten sich, schwiegen sich an, und am Ende hatten sie sich wieder lieb. Die old Guys haben Santiago de Compostela erreicht.
Zwölf Folgen lang konnten wir Jörg Draeger, Frederic Meißner, Björn-Hergen Schmipf und Harry Wijnvoord dabei zusehen, wie sie auf dem Jakobsweg pilgern. Karl Dall empfing die Männer an den jeweiligen Etappenzielen.
Am Sonntagabend ging “OGOT – Old Guys on Tour” mit der Ankunft in Santiago de Compostela zu Ende. Das aber ein bisschen enttäuschend – für alle Beteiligten.

Tele 5 hat mit der Sendung für ein leider viel zu wenig beachtetes Fernsehhighlight gesorgt. Das Konzept war dabei sehr simpel: vier Männer wandern, und wir schauen zu. Kein Skript, keine Challenges. Nur der Weg. Nur das Ziel erreichen. Nur darum ging es.
Ein wenig war das Slow-TV, denn Tele 5 hat auch darauf verzichtet, dieses Projekt so aufzupeppen, dass das ganz große Ding draus wurde. Fast muss man sagen, Tele 5 hätte ein wenig mehr draus machen können, schon durch den seltsamen Titel, “OGOT”, sind sicherlich viele Zuschauer gar nicht auf das Jakobsweg-Projekt aufmerksam geworden.

Vermutlich ist noch nie so ausführlich – immerhin mehr als 13 Stunden – vom Jakobsweg berichtet worden. Wir haben gesehen, dass es oft öde ist. Dass es tolle Momente und Stellen gibt. Dass man sich anstrengen, überwinden muss. Dass man den inneren Schweinehund besiegen muss. Herrliche Gegenden, runtergekommene Wege, lange Steppen, schöne Dörfer und Städte.

Auch ohne Challenges – eigentlich ist natürlich der Weg selbst die Challenge – ist viel passiert. Denn die vier Männer kamen nicht immer miteinander klar. Jörg und Frederic waren immer schnellen Schrittes, Björn und Harry eher weniger. Und Harry war genervt. Am Ende so sehr, dass er sich mehr und mehr an den anderen entfernte. Was wiederum die anderen aufregte.
So war die Stimmung leider am Ende sehr gedrückt, in Santiago de Compostela herrschte wenig Euphorie. Und dann wurden sie auch noch aus der Kathedrale rausgeschmissen, weil man da nicht mit Rucksäcken rein darf. So gab es auch nicht den berühmten Gottesdienst mit dem großen Weihrauch-Pendel zu sehen. Wirklich schade.

So war das Finale dann eher Gesprächstherapie. Aussprache. Aber wenigstens konnten beim Abschluss-Picknick alle wieder lachen.
Fazit am Ende: “Ogot” – schön, es gesehen zu haben.