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Die schlechtesten Filme aller Zeiten: Hai-Alarm auf Mallorca

Montag, den 12. September 2022
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FR 09.09.2022 | 22.20 Uhr | Tele 5

Es war der 17. Oktober 2004, als bei RTL der große Eventfilm “Hai-Alarm auf Mallorca” zu sehen war. Zumindest fand man bei RTL, dass man da einen echten Knaller an den Start gebracht hat.
Dass es such vielmehr um einen über weite Strecken ziemlich peinlichen Actionfilm-Unfall mit großen Soap-Elementen handelte, wollte man beim Sender scheinbar nicht so richtig einsehen.
Und dabei hatte man damals die Crème de la Crème der Schauspieler aufgefahren. Allen voran Ralf Moeller, auch Katy Karrenbauer war dabei (wurde dann leider vom Hai gefrühstückt), und nicht zu vergessen Carsten Spengemann und Ottfried Fischer.

Am Freitagabend lief der Film überraschenderweise nicht bei RTL, sondern auf Tele 5. Allerdings: Ganz so überraschend war das dann doch nicht, denn bei Tele 5 starteten neue Folgen von “Die schlechtesten Filme aller Zeiten”, kurz: SchleFaZ. Gute zehn Jahre, heißt es, habe man bei RTL immer wieder angefragt, ob man den Film in der Reihe mal zeigen könne. Jetzt war es endlich so weit.

Oliver Kalkofe und Peter Rütten nahmen den Film ordentlich durch den Kakao – satirisch. Indem sie nämlich die ganze Zeit behaupteten, es handele sich um ein Meisterwerk. Dabei vermieden sie es die ganze Zeit, den Namen des damals ausstrahlenden Senders zu nennen. Und die Frage ist: Wollte RTL nicht, dass man die Herkunft nennt? Aber wollte RTL auch nicht, dass sich Tele 5 damit schmücken kann? Denn immerhin war das Senderlogo während der kompletten SchleFaZ-Ausgabe nicht eingeblendet, was ja eher unüblich. Und in die Mediathek durfte Tele 5 die Sendung ebenfalls nicht stellen. Vermutlich gibt es nicht mal das Recht, die Sendung inklusive Film zu wiederholen.

Stattdessen wurde das Werk – natürlich ohne das SchleFaZ-Beiwerk bei RTL+ zur Verfügung gestellt. Ein paar Klicks will man dann vom Hype wohl dennoch abhaben. Denn immerhin war der Twitter-Hashtag #HaiAlarmaufMallorca am Freitagabend in den Top5-Trends.
Und ein bisschen versucht man bei RTL+ auch, mit dem, ähm, Meisterwerk zu prahlen: Die Premiere von “Hai-Alarm auf Mallorca” sei eigentlich für den Sommer 2004 geplant gewesen, und die Aufnahmen seien bis dahin auch grundsätzlich fertig gewesen. “Es gab jedoch noch Fehler und Unsauberkeiten bei den Computer-Animationen, die noch ausgemerzt werden mussten. Das war der Grund für die verspätete Premiere, die schließlich im Oktober 2004 zu sehen war.” Und aus Sicht der RTL+-Leute scheint es sich absolut gelohnt zu haben: “Bei dem Film im Stream kannst du also perfekte Animationen vom Riesenhai online sehen, die durch die verlängerte Vorbereitungszeit sehr realistisch wirken.”
Nun ja, was man so realistisch nennt: Spätestens, als Katy Karrenbauer im Maul des Hais hopps, äh, happs geht, möchte man den Filmemacher zurufen, dass sie mit der Premiere vielleicht besser bis zum Sommer 2008 gewartet hätten – damit die Effekte wirklich gut ausgesehen hätten.

Aber durch den “SchleFaZ”, und der Film gehört definitiv in die Liste der schlechtesten Filme, bekommt “Hai-Alarm auf Mallorca” doch noch ein bisschen Ruhm. Wenn auch nicht der, den RTL erhofft hat.

-> Der Film (ohne SchleFaZ) bei RTL+

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#KulFaZ: La Boum – Die Fete

Sonntag, den 19. Juni 2022
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FR 17.06.2022 | 20.15 Uhr | Tele 5

“#SchleFaZ” ist bei Tele 5 zu einer echten Marke geworden. Oliver Kalkofe und Peter Rütten zeigen dort “Die schlechtesten Filme aller Zeiten” und kommentieren sie davor, in den Unterbrechungen und auch danach.
Klar, dass der Sender daraus noch mehr Kapital schlagen will – auch wenn es so scheint, dass das nicht besonders gut finanziert wird.
Es gibt jetzt neben den “#SchleFaz” auch die “#KulFaZ”, “Die kultigsten Filme aller Zeiten”.

Am Freitagabend lief bei Tele 5 in dieser Reihe die französische Teeniekomödie “La Boum – Die Fete” von 1980. Weil der Film auch für mich Kult ist, kenne ich ihn natürlich fast auswendig, dennoch war es natürlich interessant, zu sehen, was Kalkofe und Rütten dazu zu sagen hatten.

Doch für die “#KulFaZ” wird wesentlich weniger Aufwand betrieben als für den “#SchleFaZ”. Nach einer 15-minütigen (!) Einführung, in der mehr oder weniger humorvoll der Film vorgestellt wurde, gab es in den drei Werbepausen im Grunde genau ein Motiv. Kalkofe und Rütten in der Disco mit kurzen Dialogen. Da geht beim “#SchleFaZ” aber sehr viel mehr.
Nach dem Film wurde “La Boum” dann auch noch madig gemacht, weil Kalkofe und Rütten Punkte vergaben, und Kalkofe plötzlich der Meinung war, er sei gar nicht so kultig, so lustig und nicht sehr gut gealtert. Irgendwie ein großer Stimmungskiller. Auch fällt auf, wie sehr die beiden an den Telepromptern hängen und ihre Texte ablesen.

So ist es einerseits eine gute Idee, Filme im Tele 5-Programm auf irgendeine Art zu kuratieren, aber die Umsetzung ist im Fall von “#KulFaZ” ziemlich ernüchternd, zumindest an diesem Freitag bei “La Boum”.

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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

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Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding

Montag, den 10. Februar 2020
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FR 07.02.2020 | 3.55 Uhr (Sa.) | Tele 5

3.55 Uhr. Das ist ja wirklich eine miese Startzeit. In der Nacht zum Sonnabend zeigte Tele 5 um kurz vor vier in der Nacht die deutsche Komödie “Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding”.
Ein Ganove muss für einen anderen Ganoven Geld beschaffen.

Verpasst? Keine Sorge. Tele 5 zeigt den Film am nächsten Freitag noch mal, dann um 2.15 Uhr. Und am Freitag danach noch mal. Dann sogar schon um 0.05 Uhr. Und am Freitag danach noch mal. Dann um 0.40 Uhr.
Wie auch vom Freitag der vergangenen Woche, und auch am Freitag in der Woche davor. Und in der Woche davor auch. Und…

Zuschauer von Tele 5 haben seit einem halben Jahr ein Déjà-vu. Denn seit Ende August 2019 läuft “Bang Boom Bang” jeden Freitag. Inzwischen also gute 25-mal. Und ein Ende ist nicht abzusehen.
Dabei geht es nicht um die Frage, ob die Leute von Tele 5 die Zuschauer für bescheuert halten. Es handelt sich um eine Jubiläumsaktion. Im August 2019 wurde der Film 20 Jahre, und deshalb sendet Tele 5 ihn ein Jahr lang (!) jeden (!!) Freitag (!!!) am späten Abend oder in der Nacht.

So was muss man sich auch erst mal trauen. Aber die bei Tele 5 machen das einfach.
Es ist also noch ein bisschen Zeit, falls du den Film noch sehen möchtest. Bis August immer am Freitag.

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Die große Jubiläumsgala – 25 Jahre Kalkofes Mattscheibe

Montag, den 22. April 2019
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FR 19.04.2019 | 20.15 Uhr | Tele 5

Die große Gala zum 25. Jubiläum von “Kalkofes Mattscheibe” war, nun ja, ein bisschen anders als erwartet. Am Karfreitag schenkte Tele 5 Oliver Kalkofe eine vierstündige Gala, und einer fehlte: Kalkofe.
Stattdessen stand ein stammelnder Typ auf der Bühne, und das Publikum schien ratlos. Es folgten ein paar Kalkofe-Clips aus der “Mattscheibe”. Später versuchte der stammelnde Typ die Lage irgendwie unter Kontrolle zu bringen, während der eigentliche Moderator Peter Rütten quer durch Berlin reiste, um Kalkofe zu suchen.

Am Anfang herrschte Entsetzen, und bei Twitter machte sich Enttäuschung breit über diese missglückte Gala. Und was viele nicht wussten und merkten: Das Spektakel auf der Bühne und das Publikum sind zusammenmontiert worden.
Das Publikum stammte nämlich aus einer Kalkofe-Show, die am 17. Dezember 2018 im Berliner Schillertheater über die Bühne ging. Bevor die Show startete, durfte das Publikum applaudieren, Emotionen zeigen und so weiter. Immer mit der Maßgabe, dass man am 19. April 2019 sehen werde, wofür das alles war.
Alles, was auf der Bühne des Schillertheaters stattfand, muss später aufgezeichnet worden sein. Bühnengeschehen und Publikum müssen dann am Computer zusammengefügt worden sein.

Um das vorweg zu nehmen: Die Gala drehte sich letztlich um die Suche nach Kalkofe. Das hatte im Laufe der Zeit ganz lustige Momente. Wenn Simon Gosejohann vom Aushilfsmoderator immer wieder falsch benannt wird, wenn sich die Bühnengäste kabbeln, wenn lustige Dinge passieren.
Dass es leider nicht immer – und besonders am Anfang – nicht funktionierte, lag leider an einer nicht immer guten Inszenierung. Wenn man seine Zuschauer aufs Glatteis führen will, dann muss jede Szene sitzen. Dann muss die Story auf den Punkt sein. War sie erst später, aber leider hatte man da schon einen Teil des Publikums verloren.

Wirklich problematisch war das falsche Publikum, das es in Wirklichkeit nicht gab. Jedenfalls nicht zur Gala. Denn dem normalen Zuschauer wurde das nicht ersichtlich. Die optische Täuschung war zu gut, dass ein ungeübtes Auge das hätte erkennen können. Am Ende hätte man vielleicht eine lustige Auflösung machen können, aber auch das gab es nicht. Der normale Zuschauer musste glauben, dass es im Schillertheater Leute gab, die das alles verfolgten.
Dass man das Publikum “vorproduziert” hat, macht andererseits Sinn, weil es sonst ja kein Geheimnis geblieben wäre, dass die Gala gar keine sein würde. Aber es hätte den Punkt geben müssen, wo man die Karten offengelegt hätte.
Wie groß wäre der Aufschrei, wenn andere Sendungen dermaßen verfälscht werden?

Am Ende war “Die große Jubiläumsgala – 25 Jahre Kalkofes Mattscheibe” auf Tele 5 ein streckenweise unterhaltsamer Abend. Aber eben einer mit bitterem Beigeschmack.

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Werbung: stern

Samstag, den 20. April 2019
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DO 18.04.2019 | 22.32 Uhr | Tele 5

Die Auflage des “stern” sinkt rasant. Die Zeitschrift, die es inzwischen mehr als 70 Jahre gibt, muss auf sich aufmerksam machen, und deshalb schaltet sie Werbung. Am Donnerstag war auf Tele 5 der aktuelle Clip zu sehen, in dem auf das Osterheft hingewiesen wird.

Titelstory: “Endlich wieder raus!” Es geht um den Frühling. Mit dieser packenden Story will also der “stern” erreichen, dass wieder mehr Leute “stern” lesen.
Dass es sich dabei um die vermutlich maueste Titelstory der vergangenen 70 Jahre handelt, wird dort natürlich verschwiegen. Darin geht es nämlich darum, dass es dem Körper gut tue, jetzt mal raus zu gehen. Ach was. Es wird darüber schwadroniert, wie jetzt die Natur aufblüht. Soso. Dass unsere Sehnsucht jetzt Bewegung sei. Nun ja. Dass wir wieder mehr Lust haben in den Wald wollen. Hui.

Macht schon die Reklame für die Frühlingsgeschichte eher müde, wird man es erst recht, wenn man die Geschichte liest. Oder sagen wir eher: überfliegt.
Ich kaufe den “stern” jede Woche, aber beim Lesen dieser packenden Story, habe ich daran doch mal gezweifelt.

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25 Jahre Kalkofes Mattscheibe: Die Anfänge des TV-Kults

Freitag, den 19. April 2019
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DO 18.04.2019 | 22.10 Uhr | Tele 5

Ich weiß noch, was ich am 17. April 1994 gemacht habe. Ferngesehen. Es war kurz nach 20 Uhr, auf premiere lief unverschlüsselt die erste “Mattscheibe”, damals noch als Teil der Sendung “8!”
Oliver Kalkofe zeigte Fernsehausschnitte und kommentierte sie. Ich habe das von Anfang an geliebt. Ich fand das Fernsehen und die Auseinandersetzung damit schon damals sehr spannend. Damals gab es auf premiere auch “Zapping”, wo jeden Tag die interessantesten und lustigsten Ausschnitte des Vortages zu sehen waren.

Schnell wurde “Kalkofes Mattscheibe” Kult. Die Sendung wurde sehr bekannt, obwohl sie nur auf dem kleinen Pay-TV-Sender lief, der ja nur zeitweise frei empfangbar war. Aber ich zum Beispiel nahm die Folgen auf Video auf, und sogar in der Schule haben wir die “Mattscheibe” gesehen, wenn es mal – warum auch immer – keinen normalen Unterricht gab. Dann wurde der VHS-Zusammenschnitt rausgeholt.

Der Spaß endete 1998, eine lange Pause folgte – bis Kalkofe im Ersten zu sehen war. Mit einer Sportvariante der Sendung. Später ging es auf ProSieben weiter, inzwischen sendet er auf Tele 5.

Am Gründonnerstag begann der Kalkfreitag. Zum 25. Jubiläum der Sendung zeigt Tele 5 einen 25-Stunden-Marathon. Eigentlich sind es sogar 27 Stunden, aber da wollen wir ja mal nicht so sein.

25 Jahre! Eine wahnsinnig lange Zeit. In dem Rückblick auf ein Vierteljahrhundert sehen wir auch ein Stück Fernsehgeschichte. Talkshow-Wahnsinn aus den 90ern, Sextalks, Volksmusik – der ganze Wahnsinn.
“Die Anfänge des TV-Kults” am Donnerstagabend zeigte, wie alles begann. Denn “Kalkofes Mattscheibe” war zu Beginn auch ein Experiment. Die Macher wussten selbst noch nicht genau, was eigentlich technisch zu geht. So saß Kalkofe anfangs noch neben einer Mattscheibe und kommentierte das Geschehen. Bald tauchte er im Originalbild auf, dann folgten die Parodien.
Kalkofe hat in den 25 Jahren definitiv auch selbst Fernsehgeschichte geschrieben. Die große Gala zum Fest gibt’s am Karfreitag um 20.15 Uhr.

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