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Hoffmanns und ihr Trabi-Doppel

Mittwoch, den 21. Februar 2018
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Die Autoschlosser-Familie aus Neu-Vehlefanz hütet ihre beiden Schätze aus den 80er-Jahren

MAZ Oberhavel, 21.2.2018

Neu-Vehlefanz.
Allzu oft wollen Hoffmanns ihre beiden Trabis nicht bewegen. „Die sollen ja noch lange halten”, sagt Fred Hoffmann. Einer der Trabis hat ein Saisonkennzeichen von April bis Juni, der andere darf von Juli bis September auf die Straße.

Die Neu-Vehlefanzer, die nebenan in Wolfslake eine Autowerkstatt betreiben, hegen und pflegen ihre beiden Fahrzeuge. Einer ist Baujahr 1985, der andere aus den letzten Tagen der DDR, von 1989. „Ich hätte ja nach der Wende nie gedacht, dass die Trabis mal zum DDR-Kulturerbe zählen“, sagt Fred Hoffmann. „Da hätte ich eher auf den Wartburg getippt. Zur Wende hat ja jeder den Trabi regelrecht weggeschmissen.“ Er selbst hat 1968 an seinem ersten Trabant geschraubt, als er in Velten mit seiner Autoschlosser-Lehre begonnen hatte. Vielleicht sein Meisterstück: Von 1979 bis 1981 hat er einen alten P 600 zum 601er umgebaut. Der Trabant hatte sich bei einem Unfall überschlagen, und Hoffmann holte sich beim damaligen Rat des Kreises eine Aufbaugenehmigung. „Das war ein Neuaufbau, das ist in der DDR nicht oft passiert.“ Bis 1987 war er dann in Besitz der Familie, „dann war der wieder reif für die Insel.“

Die beiden Trabis, die Hoffmanns jetzt in Neu-Vehlefanz haben, können schon eine bewegte Geschichte erzählen. Den 1985er-Trabant hat Fred Hoffmann auf dem Dorfplatz in Klein-Ziethen entdeckt. Nach einem schweren Sturm war ein Baum auf’s Auto gefallen. Der Besitzer wollte ihn auf den Schrott bringen. „Ich habe ihm einen Zehner gegeben und weggeschnappt.“
Der Trabant von 1989 stammt aus Neu-Vehlefanz. Der ehemalige Revierförster hatte ihn gefahren. „Er war damit auf der Jagd.“ Auch diesen Wagen hat er restauriert. „Allerdings bekommt man die original Türgummis nicht mehr“, erzählt der Autoschrauber. „Jetzt sind es welche vom Golf 2, die passen da original rein“, erklärt er und lächelt. Ansonsten legen sie aber Wert auf wirkliche Originalität. „Er soll nicht flacher oder breiter sein, sondern wie ab Werk.“ Was ihm allerdings mal gefallen hat, war eine Trabant-Stretchlimo. „Die habe ich mal bei einem Trabitreffen gesehen, und die war handwerklich gut gemacht.“

Es sind Erinnerungen, die daran hängen. „Das ist ein Hobby und die Pflege der Rest-DDR-Kultur. Es geht nicht um einen geldwerten Vorteil.“ Mehrere Touren unternehmen die Hoffmanns im Jahr. So geht es immer zur Oldtimerveranstaltung nach Paaren im Glien. „Aber nicht im Regen. Das ist ein Schönwetter-Auto, die kriegt man ja nie wieder sauber.“ Deshalb fahren sie auch gleich nach Hause, wenn ein Regenguss droht. Immerhin 78 000 Kilometer hat der 1985er runter, der 1989er liegt laut Tachostand bei 50 000. „Davon ist er 30000 bestimmt im Wald gefahren“, sagt Fred Hoffmann.
Beide Trabis haben übrigens eine spezielle Plakette an der Frontscheibe zu kleben, sie erinnern an die gängigen Umweltplaketten, sehen aber auf den Trabis sehr anders aus: „Mobile Randgruppe 1“ – darunter ein Totenkopf. „So was gibt es auf Oldtimertreffen“, sagt Fred Hoffmann.

Auch seinen Sohn René hat der Neu-Vehlefanzer mit seiner Liebe zu den Trabis angesteckt. „Es ist eine Erfahrung zu erleben, wie das früher mal war“, sagt er. „Da ist ein echter Unterschied zu merken, schon allein, wie hart das Autofahren mal war. Das merkt man dann schon, wenn man mal zwei Stunden mit dem Trabi fährt.“ Sein Vater Fred nickt lächelnd, und René Hoffmann erzählt: „Nach so einer längeren Tour ist man fix und fertig. Ein Auto ohne Servolenkung und ohne Klimaanlage. Das ist laut und heiß.“
Aber beide sind sich einig. Die beiden Trabis sollen noch lange halten, damit ein Stück DDR-Geschichte erlebbar bleibt.

RTelenovela

Ein Hoch auf die Technik (43): Keine Bewegung!

Freitag, den 2. Februar 2018
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(42) -> 16.1.2018

Lichtschalter sind out. Macht man heute nicht mehr. Lässt man einfach weg. Bewegungsmelder sind viel moderner.
In einer Gaststätte in Germendorf bin ich neulich auf’s Klo gegangen. Der Bewegungsmelder sorgte für das nötige Licht.
Ohne ins Detail zu gehen – aber ich saß dann ein bisschen auf dem Klo rum, als plötzlich das Licht ausging. Der Bewegungsmelder hat keine Bewegung mehr erkannt.
Ähnlich ging es mit im Herbst in einer Gaststätte in Baabe auf Rügen. Auch war es im kompletten Sanitärbereich plötzlich zappenduster.

Was tut man in einer solchen Situation? Sich bewegen! Dem Bewegungsmelder sagen, dass da jemand ist. Winken! Aufstehen. Kleine Schritte machen!
Und letztlich: Mit dem Smartphone für Licht sorgen. Denn meistens erkennt der Bewegungsmelder auf den Klos keine Bewegungen.

Wer plant so was eigentlich? Gehen Planer davon aus, dass sich im Sanitärbereich Leute permanent bewegen? Ist es nicht vorgesehen, dass man sich ein paar Minuten bewegungslos auf dem Klo aufhält?
Und diese Sache mit den Lichtschaltern – ist die nicht doch ganz sinnvoll?

RTZapper

Werbung: Ford Kuga

Montag, den 22. Januar 2018
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FR 19.01.2018 | 23.51 Uhr | RTL

Ärgerlich! Da will man mal mit dem Auto in den Wald fahren, weil man sich mit Joggen gesund halten will und überhaupt mal ein bisschen Natur genießen möchte, und dann gibt es eine Baustelle – mitten auf der Straße.
Blöde Sache, das.
Aber es gibt ja diese neumodischen, großen Autos! Da ist das ja alles gar kein Problem! Man legt den Gang ein, und dann brettert man über den schmalen Waldweg. Ist ja mit den großen Reifen gar dein Ding. Um in die schöne Natur zu kommen, brettert man mal eben durch selbige.

Wirklich schön, diese Autowelt in der Werbung. Am Freitagabend lief bei RTL der Spot für den Ford Kuga.
In einer Zeit, in der über Umweltverschmutzung geredet wird. In der die dreckigen Diesel-Autos angeprangert werden. Wo es darum geht, die Umwelt zu schützen: Da zeigt die Reklame zwei Männer, die mit ihrem fetten Wagen durch den Wald brummen. Weil sie es mit der Karre einfach können. Sie parken das Teil mitten auf einer Lichtung, und die Leute bei Ford denken, das sei unfassbar cool.
Nein, ist es nicht.
Viel cooler wäre es doch, die Spritschleuder am Straßenrand zu parken und von dort loszujoggen. Aber vermutlich bräuchte man dazu keinen Ford Kuga. Und schon gar nicht diesen Werbespot, der so völlig aus der Zeit gefallen ist.

RTelenovela

Investiert bei Sanifair

Freitag, den 19. Januar 2018
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Dass man an Autobahnraststätten für den Toilettengang zahlen muss, kann man doof finden – aber immerhin gehe ich dann auch davon aus, eine saubere Anlage vorzufinden.

Neulich an der A20-Raststätte Demminer Land in Völschow. Was man für 70 Cent bei Sanifair bekommt: einen kaputten Einlassautomaten und eine lange Schlange vor dem, der noch funktioniert. Eine kaputte Toilette und zwei kaputte Automaten für Papierhandtücher.
Gute Investion.

RTelenovela

Ein Hoch auf die Technik (42): Vom Parken nach 18 Uhr

Dienstag, den 16. Januar 2018
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(41) -> 7.12.2017

Die schöne neue Technikwelt ist schon lange auch bei den Parkautomaten angekommen – dort kann man auch bargeldlos bezahlen.
Also, nein, nicht im in der Hinsicht verschlafenen Oranienburg, sondern in Berlin.
Ich hatte das in Prenzlauer Berg schon mal ausprobiert. Da konnte ich an eine bestimmte Nummer eine SMS schicken, ich bekam eine Bestätigung – und fertig war der Parkvorgang.

Neulich in Charlottenburg. Erstaunlich fix habe ich einen Parkplatz nahe der Bleibtreustraße gefunden. Leider hatte ich kein Kleingeld bei, aber es gibt ja die supermodernen Automaten.
Auf einem Aufkleber habe ich dann erfahren, dass ich mir entweder eine Park-App runterladen oder eine Telefonnummer anrufen kann. Das mit der App ist ohne W-Lan doof – immerhin erfährt man ja nicht, wie umfangreich die App ist, was also an Datenvolumen flöten geht, wenn man sie runterlädt.

Also rief ich die Telefonnummer an – um zu erfahren, dass nach 18 Uhr niemand mehr zu erreichen sei. Und es war nach 18.30 Uhr. Das gleiche Spiel bei der Nummer eines anderen Parkplatzanbieters.
Heißt also, nach 18 Uhr gibt es keine Parkplätze mehr am Telefon. Gewisse Öffnungszeiten muss man eben einhalten, wen man kein Geld und keine App hat.

RTZapper

Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

RTelenovela

Die aktuelle Christvesperkritik 2017 – unplugged

Sonntag, den 24. Dezember 2017
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2016 -> 25.12.2016

Ohne Strom kein Licht.
Ohne Strom keine Orgel.
Ohne Strom keine Glocken.
Irgendwer hat der Schmachtenhagener Kirche heute den Saft abgedreht. So ging die Christvesper ohne Strom und sehr individuell über die Bühne – als Impro-Version.

Der geplante Ablauf war hinfällig, weil offenbar auch der Männerchor, der ja immer da ist, nicht so spontan ein paar Lieder vom zettel singen kann. Deshalb fielen alle orgelbegleitete Lieder einfach weg. Bis auf “O du Fröhliche”, das die Besucher der Kirche aber so gut schmetterten, dass Pfarrer Humburg im Anschluss meinte, dass man ja gar keine Orgel brauchte.
Er musste sich ein bisschen beeilen, denn draußen wurde es langsam dunkel, und somit versank auch das Kircheninnere im Schummerlicht.

Passenderweise ging es in der Predigt um Veränderungen und eventuelle Enttäuschungen. Man solle nicht gleich alles infrage stellen, nur weil eine geplante Sache nicht so funktioniert wie geplant.
Die “Stille Nacht” sangen wir dann doch noch gemeinsam mit dem Chor, der Pfarrer verabschiedete uns, und genau in dem Augenblick, als seine letzten Worte verklungen waren, ging das Licht in der Kirche an.

Mit einem großen Lacher und Applaus endete die (mal wieder) sehr denkwürdige Christvesper am Heiligabend 2017 in Schmachtenhagen. Frohes Fest!