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Sondersendung: Gespräche und Analysen zum Sommer im September

Donnerstag, den 17. September 2020
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DI 15.09.2020 | 18.15 Uhr | tagesschau24

Diese Sommerhitze – uijuijui! Das ist ja wirklich schlimm und so total außergewöhnlich. 30 Grad! Richtig krass! Und das Mitte September… Da ist doch, ähm, da ist doch, also… Sommer?

Bei tagesschau24 war man dennoch so aus dem Häuschen, dass man zum Sommer im September (und es ist ja jedes Jahr bis zum Herbstanfang am 22. September im September noch Sommer) eine ganze Sondersendung bringen musste. Inklusive der Eilmeldung-Einblendung, dass man wegen des Sommers im September eine Sondersendung sende.

Bei tagesschau24 sind diese Sondersendung scheinbar eine neue Sache. Bislang hat man sich ja relativ stur am 15-Minuten-Rhythmus gehalten und neben den Nachrichten nur Sport-, Kultur- oder Wirtschaftsblöcke gesendet. Schon für wichtige Pressekonferenzen oder andere Live-Ereignisse gab es in den vergangenen Wochen spezielle Sendungen, die aus den Redaktionsräumen der Tagesschau übertragen worden sind.
Scheinbar ist das Konzept so neu, dass die Sondersendung noch nicht mal einen Namen hat und schlicht als Sondersendung gesendet wird.

Diese Sondersendung über den Sommer im September war den Leuten von tagesschau24 aber so wichtig, dass sie auch live auf Facebook, Twitter und Youtube gestreamt worden ist. Und weil da ja vor allem die jungen Leute zuschauen, muss auch die Tagesschau ein bisschen cooler rüberkommen. Also zog sich Moderator Gerrit Derkowski on Air erstmal sein Jackett aus.

Es folgten Bericht darüber, wie warm es doch in Deutschland ist. Danach erzählte Reporterin Nadine Cibu aus Mühldorf in Bayern darüber, wie warm es dort war und wie die Menschen das dort überlebt erlebt haben. Später ging es in einem Beitrag darum, wie warm es in Neustrelitz war. Es folgte eine Schalte nach Laboe in Schleswig-Holstein, wo ein Wetterexperte darüber sprach, wie warm es in Laboe war und dass die Ostsee irgendwann, also, demnächst, also, bald zum neuen Mittelmeer werde. Ein Reporter berichtete dann vom Biggesee in NRW, um zu erzählen, wie warm es am Biggesee war. Im Anschluss berichtete Wettermann Sven Plöger noch, wie warm es in Deutschland war und wo es in Deutschland am wärmsten war. In Sankt Augustin. 34,6 Grad. Puh. Mitte September. Unfassbar. Und nach ein bisschen Klimawandel-Geraune gab es zum Schluss noch die Wettervorhersage, wo wir erfuhren, wie warm es morgen in Deutschland wird. Nicht mehr ganz so warm.
Was schade ist. Ich hätte gerne weitere Hitzemeldungen aus ganz Deutschland bei tagesschau24 gesehen. Und vielleicht hätte sich ja der Moderator irgendwann ganz nackig gemacht. Immerhin muss sich auch die Tagesschau verjüngen.

-> Die Sendung auf Youtube

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Tagesschau: Mehr Sendezeit für die Tagesthemen

Donnerstag, den 3. September 2020
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DI 01.09.2020 | 11.00 Uhr | tagesschau24

Die Tagesthemen dauern jetzt immer 35 Minuten. Diese etwas unrunde Sendelänge ist aber dringend nötig, weil neuerdings auch regional-lokale Beiträge in der Sendung laufen sollen: “Tagesthemen mittendrin”.
Darüber berichtete die Tagesschau am Dienstagvormittag in eigener Sache im Nachrichtenkanal tagesschau24. Moderator Michail Paweletz begrüßte den zweiten Chefredakteur Helge Fuhst, den er seltsamerweise siezte – aber vielleicht ist man ja in der Tagesschau-Redaktion nicht so locker.
Michail Paweletz fragte seinen Boss auch gleich, was denn am Abend in der neuen Reihe zu sehen sein wird. Nämlich einen Beitrag über die Regenmessstation mit dem wenigsten Regen – dass der Beitrag gerade eben davor schon mal gelaufen ist, hat Paweletz scheinbar nicht mitbekommen. Oder die Frage stand halt auf seinem Zettel, und er las sie einfach vor.

Und noch eine Neuigkeit hatte Helge Fuhst zu verkunden. Der Kommentar in den Tagesthemen heißt jetzt “Meinung”. Und zwar, weil der Kommentar ja ein journalistischer Begriff sei, und wenn das jetzt “Meinung” heiße, dann wüssten die Zuschauer, dass es sich um die Meinung dieser einzelnen Person handele.
Aha. Das sagt zwar der Begriff “Kommentar” auch, und ich hatte nicht den Eindruck, dass die Zuschauer nicht wussten, worum es sich beim Kommentar handelt, aber vielleicht kapiert es ja auch jetzt der Letzte.

-> Der Ausschnitt aus der Tagesschau bei Youtube

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Tagesschau vor 20 Jahren: 24. August 2000

Mittwoch, den 26. August 2020
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MO 24.08.2020 | 22.45 Uhr | tagesschau24

Eine Unternehmensinitiative fordert, alle deutschen Schulen mit Internet in den Unterrichtsräumen auszustatten und Lehrer entsprechend auszubilden. Die Wirtschaft sei bereit zu helfen, aber auch der Staat solle sich finanziell engagieren.
Ja, in Coronazeiten ist das ein wichtiges Thema. Darüber berichtete die Tagesschau am Montagabend. Immerhin ging es ja auch darum, sozial Schwachen den Zugang zum Internet möglich zu machen, und überhaupt sei es wichtig, das Internet in der Schule nutzen zu können.

Gut, dass die Tagesschau darüber berichtet.
Allerdings ist es in diesem Fall die Tagesschau von vor 20 Jahren. Auf tagesschau24 lief am Montagabend die Ausgabe vom 24. August 2000 mit dem noch jüngeren Jens Riewa.
Dass zwei Jahrzehnte später, im Jahr 2020, immer noch nicht alle Schulen in den Unterrichtsräumen mit Internet ausgestattet sind, ist nichts anderes als ein Armutszeugnis für so ein reiches Land wie Deutschland. Selbst in den Zeiten wo wegen des Coronavirus für die Wirtschaftshilfe plötzlich Milliarden fließen, spielt die Ausstattung der Schulen eine nicht ganz so große Rolle.

Wenn man dann diese 20 Jahre alten Nachrichten sieht, dann weiß man eigentlich nicht, ob man lachen oder weinend den Kopf schütteln soll.

-> Die Sendung auf tagesschau.de

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Hiobsbotschaft – Wie Ärzte um die richtigen Worte ringen

Montag, den 27. Juli 2020
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FR 24.07.2020 | 21.17 Uhr | tagesschau24

Die schlechte Nachricht überbringen. Sie werden sterben. Der Tumor ist gewachsen. Die Therapie hat nicht angeschlagen. Sie haben nur noch wenige Wochen. Sie sind austherapiert. Viele, sehr viele Ärzte haben nicht explizit gelernt, wie man solche Hiobsbotschaften dem Patienten überbringt. Dabei ist es ein wichtiger Baustein, zu lernen, wie man einfühlsame, ernste und traurige Gespräche führt. Wie man Menschen dabei nicht verletzt, wie man die Balance schafft zwischen zuhören und erklären.

Die Doku “Hiobsbotschaft – Wie Ärzte um die richtigen Worte ringen”, am Freitagabend auf tagesschau24 – die Erstausstrahlung lief Anfang der Woche im Ersten – zeigte, wie diesem Zustand entgegen gesteuert wird.
Das Problem: Geld. Das Vergütungssystem in den Kliniken honoriert Diagnosen und Therapien sehr viel besser als die “sprechende Medizin”. Was übrigens auch ein Grund dafür ist, dass vielen Kliniken spezielle Kinderstationen zu teuer sind. Schon jetzt bleibt im Klinikalltag zu wenig Zeit für Visiten und entsprechende Patientengespräche. Und in dieser Hektik dann noch einfühlsame Gespräche führen sollen?

Die Doku zeigte einerseits Gruppenübungen, bei denen Hiobsbotschaftsgespräche geführt wurden. Ein junger angehender Arzt und ein Patient erlaubten dem Drehteam aber auch, bei einem echten Gespräch dabei zu sein. Es war das erste derartige Gespräch für den jungen Arzt in Ausbildung überhaupt. Er musste dem Mann sagen, dass die Therapie nicht angeschlagen habe. Wie lange noch?, wollte der Patient wissen, und: Werde ich Schmerzen haben.
Man merkte beiden an, wie schlimm dieser Moment war, aber auch, dass es gut war, klare Worte zu finden und dabei so einfühlsam zu möglich zu sein.
Das zu lernen und auch die Möglichkeit zu bekommen, das zu lernen, ist wichtig, denn nichts ist schlimmer, als wenn alle Seiten bei so einem Gespräch überfordert sind.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 20. Juni 2021)

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Ansprache der Bundeskanzlerin

Sonntag, den 22. März 2020
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MI 18.03.2020 | 19.15 Uhr | tagesschau24

“Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.”

Sie lässt uns die Wahl. Wir haben Alternativen. Entweder die lockere Kette, und wir müssen verantwortlich handeln. Oder harte Bandagen, knallharte Regeln.
Am Mittwochabend wandte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Fernsehansprache an die Deutschen. Premiere hatte die Rede auf dem Nachrichtenkanal tagesschau24.

“Ich wende mich heute auf diesem ungewöhnlichen Weg an Sie”, sagte sie zu Beginn ihrer gut 13-minütigen Rede. Normalerweise redet sie nur zu Silvester in einer Ansprache direkt zu uns. Nun also in ihrer Amtszeit das erste Mal außer der Reihe. Dann muss es ernst sein.
Angela Merkel erklärte den Deutschen die Lage rund um die Sicherheitsmaßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus und der Pandemie. Das Interessante: Sie holte uns alle mit ins Boot, machte uns klar, dass es nicht nur auf die Politik ankommt. “Ich glaube fest daran, dass wir diese Aufgabe bestehen, wenn wirklich alle Bürgerinnen und Bürger sie als IHRE Aufgabe begreifen”, sagte sie.

Sie sprach auch zu den Menschen, die jetzt ganz vorn stehen in der Krise – die Menschen im Gesundheitswesen, die Forscher, die Leute in den Lebensmittelmärkten, den Apotheken – alle, die uns jetzt durch die Krise führen.
Sie erklärte, warum das öffentliche Leben jetzt fast still steht – um die Zahl der Neuerkrankungen zu verkleinern, um die Krankenhäuser nicht in Not zu bringen.
Sie zeigte Verständnis, dass es für alle nicht einfach sein würde, wies darauf, dass man sich bemühe, die Wirtschaft abzufedern, und es ging auch darum, kreativ zu sein in der Krise.

Merkel blieb immer dicht dran an den Leuten. Sie sprach einfache Sätze, die jeden erreicht haben müssten (außer die, die eh nicht mehr zuhören wollen). Während in anderen Ländern Kriegsrhetorik bemüht worden ist, verzichte sie darauf, sie fand eine Mischung aus Sanftem und Ernstem. Psychologisch sehr geschickt. Denn am Ende stand: Wir sind alle im selben Boot.
Bei aller Kritik an Merkel: Diese Rede war angemessen und gut. Was die Deutschen draus machen, wird sich zeigen. Und klar ist auch: Viele werden sie und ihre ruhige und besonnene Art vermissen, wenn sie mal abtritt.

-> Die Rede in der ARD-Mediathek

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Coronavirus-Update

Samstag, den 21. März 2020
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MI 18.03.2020 | 16.30 Uhr | tagesschau24

Auf tagesschau24 ist neuerdings am Nachmittag eine halbe Stunde lang ein Standbild zu sehen. Zu hören ist ein Interview. Eine halbe Stunde lang wird über den Coronavirus gesprochen, und eigentlich kann man auch die Augen zumachen, denn auf dem Bildschirm ist nur ein Foto von einem Mann zu sehen.
Denn genau genommen zeigt tagesschau24 da auch keine Fernsehsendung, sondern ein Radioprogramm: Das “Coronavirus-Update”.

Die Welt steckt in einer großen Krise. Und jede Krise hat ihre Helden. Es sind die, die den Laden momentan am Laufen halten.
Und dann gibt die, die uns die Krise erklären, die uns an die Hand nehmen und uns durch diesen Wahnsinn führen. Die sagen, was ist. Die sagen, warum etwas so ist. Und was wir zu tun und zu lassen haben.
Christian Drosten ist Professor für Virologie und Leiter des Fachbereichs an der Berliner Charité. Jeden Tag unterhält er sich mit einer Redakteurin von NDR Info über den aktuellen Stand der Krise, über Forschungsergebnisse, Verhaltensregeln und alles, was er aus medizinischer Sicht dazu sagen kann.

Er macht das kompetent, aber überhaupt nicht oberlehrerhaft. In einem lockeren Ton plaudert er mit seiner Gesprächspartnerin, und manchmal ist es, als ob er uns ein bisschen die Ängste und Sorgen nimmt. Entschlossen handeln, Dinge sein lassen, aber keine Angst haben, keine Panik bekommen. Er redet über Gefahren und Zukunftsperspektiven. Und er macht es in der Regel so, dass wir es verstehen.

Die Sendung gibt es montags bis freitags als Podcast auf NDR.de, in der ARD-Audiothek und neuerdings auch auf tagesschau24 mit einem Standbild visualisiert. Auch in der ARD-Mediathek ist das abrufbar.
Aber das wird sich ändern, denn der NDR bereitet inzwischen Fernsehfassungen vor. Das Interview wird zwar wohl auch weiterhin erstmal nicht bildtechnisch aufgezeichnet, aber der NDR reichert die Sendung mit Bildern und visuellen Darstellungen an.
Das “Coronavirus-Update” ist einer der wichtigen Lotsen in dieser merkwürdigen, nervös machenden Zeit.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 18. März 2021)

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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