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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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SFB-Sondersendung zum Mauerfall

Sonntag, den 10. November 2019
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SA 09.11.2019 | 1.00 Uhr (So.) | tagesschau24

Ursendung: DO 09.11.1989 | 1.35 Uhr (Fr.) | ARD
Wenn es heute immer heißt, dass das Fernsehen beim Mauerfall die ganze Nacht durchsendete, dann stimmt das nicht so ganz. Dennoch war es 1989 doch schon ziemlich erstaunlich, dass nach der Spätausgabe der “Tagesschau” gegen 1.35 Uhr noch einmal eine Sondersendung begann. Und das so spontan, dass sie nicht mal einen Namen hatte. Im Rahmen des Themenabends “30 Jahre Mauerfall – der 9.11.89 in Echtzeit” zeigte tagesschau24 diese historische Sendung noch einmal.
Aus dem Berliner Studio des SFB gab es neue Informationen. Und die ARD hatte ein echtes Privileg: den einzigen Reporter an der Berliner Mauer, der überhaupt in dieser Nacht live auf Sendung war: Robin Lautenbach.

Nicht nur für Deutschland, auch für das Fernsehen war die Nacht zum 10. November 1989 denkwürdig. Vor dem Sonderbericht in der ARD, war der SFB sehr lange auf dem Kanal vom damaligen N3 live auf Sendung. Ein Moderator und seine Gäste, die stellenweise vor Rührung mit den Tränen zum kämpfen hatten. Irgendwelche Berliner, die plötzlich ganz spontan im Studio erschienen, weil alle dachten, es seien DDR-Bürger, die gerade über die Grenze kamen. Doch es waren Flüchtlinge, die schon länger im Westen waren und sich beschweren wollten, dass sie auch in dieser Nacht nicht nach Ost-Berlin einreisen durften.
Als sie wieder weg waren, wieder ganz spontan hinten am gerade sprechenden Moderator vorbei, kam ein Mann von der Requisite und räumte kopfschüttelnd einen der Studiostühle weg.

Irgendwann, gegen 2 Uhr, hat die ARD dann aber auch Sendeschluss gemacht. Um 7 Uhr erst begann eine “Abendschau extra” im SFB-Regionalprogramm.
Heutzutage wäre das anders: Da wäre die Sondersendung nicht ins Dritte Programm abgeschoben worden. Da gäbe es keinen Sendeschluss, da wäre alles live übertragen worden. Stundenlang, nächtelang, tagelang. So ändern sich die Zeiten.

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Live: Abstimmung über Neuwahlen

Dienstag, den 10. September 2019
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MO 09.09.2019 | 20.15 Uhr | tagesschau24

Der Nachrichtensender tagesschau24 hatte am Montagabend ein echtes Programmhighlight. Nach der 20-Uhr-Tagesschau wurde sehr spontan das Programm geändert, und man schaltete live nach London – ins britische Parlament. Pünktlich um 20.16 Uhr kamen wir noch rechtzeitig – um das fast leere Parlament zu sehen. tagesschau24 übertrug zur Primetime gute 15 Minuten lang die Debattenpause.

Wenn am Abend das britische Parlament rund um den Brexit-Zoff tagt, dann ist auch tagesschau24 live mit dabei. Zwar gibt es im Tagesprogramm solche Übertragungen nicht, und eigentlich ist sie auch am Abend völlig unnötig, denn auch phoenix hat live übertragen. Auf tagesschau24 gibt es allerdings keine Überstzung, die zeigen die Debatte im englischen Original – aber auch das ist bei phoenix möglich.

Der Sinn dieser abendlichen Live-Übertragungen auf tagesschau24 ist also vollkommen unklar. Laut Videotext sollte um 20.15 Uhr eigentlich “Anne Will” beginnen, stattdessen gab es nach der 20-Uhr-Tagesschau eine offenbar vorher aufgezeichnete Moderation, in der der Moderator angekündigte, dass man nun ins Parlament schalte, um zu übertragen, ob denn eine Entscheidung für Neuwahlen falle.
Nur leider war gerade im Parlament nichts los. Pause. Der Saal war fast leer. Das hinderte bei tagesschau24 niemanden daran, trotzdem nach London zu schalten – und auch drauf zu bleiben. 15 Minuten lang zeigte man die Pause. Es war niemand da, der mal hätte einen Beitrag einspielen können oder für Einschätzungen aus dem Studio. Stattdessen: schweigen.
Andererseits: Im ganzen Brexit-Stress ist die Live-Übertragung einer Pause ja auch mal was Beruhigendes.

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tagesschau24: Notre-Dame brennt

Dienstag, den 16. April 2019
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MO 15.04.2019 | 21.35 Uhr | tagesschau24

Eigentlich ist tagesschau24 ein Nachrichtensender. Aber uneigentlich darf die ARD gar keinen Nachrichtensender betreiben. Was also will dieses tagesschau24 denn nun sein? Und was darf es sein?

Breaking News am Montagabend: Die Kathedrale Notre-Dame in Paris stand in Flammen. Die Nachrichtensender ntv, Welt und euronews übertrugen in Deutschland die Live-Bilder aus der französischen Hauptstadt.
Und auf tagesschau24? Da lief der Weltspiegel vom Vorabend. Und nicht mal eine Breaking-News-Info. Und auf phoenix? Eine Doku. Ohne Nachrichtenlaufband.

Um 20 Uhr gab es dann die reguläre Tagesschau, das Feuer in Notre-Dame war an dritter Stelle mit einem Korrespondentenbericht. Mehr war nicht drin. Um 20.15 Uhr begann im Ersten eine Tierdoku, auf tagesschau24 eine 90-minütige Doku über ein Jugendamt, auf phoenix eine Geschichtsdoku.

Nun kann man natürlich drüber streiten: In Paris brennt ein Gebäude. Muss man da live berichten, obwohl man ja noch gar nichts weiß? Ja, ein Nachrichtensender muss das. Der muss schließlich zur Stelle sein, wenn Menschen von der Breaking News erfahren und erste Infos wollen.
Aber offiziell ist ja tagesschau24 kein Nachrichtensender. Gegen 19.15 Uhr endet die News-Schiene, dann gibt es nur noch Dokus. Ebenso bei phoenix.
Wäre die Katastrophe am Mittag passiert, dann hätte das sicherlich ganz anders ausgesehen. Auf phoenix hätte es sicherlich Übertragungen gegeben, ebenso auf tagesschau24, die für das Erste zugeliefert hätten.
Nach 20 Uhr aber: Still ruft der öffentlich-rechtliche See.

Auf ntv und Welt gab es die Bilder aus Paris stundenlang. Dazu holten sie sich Experten ins Studio. Feuerwehr-Insider oder Leute, die sich mit solchen historischen Bauten auskennen. Die Orakelei hielt sich ziemlich in Grenzen. Aber bei den Sendern wusste man: Das wollen die Leute sehen, denn Notre-Dame ist ein Gebäude, an dem bei vielen das Herz hängt.

Bei tagesschau24 müssen sie aber hin- und hergerissen gewesen sein. Gegen 21.35 Uhr brach die Doku plötzlich ab, und auf tagesschau24 gab es plötzlich unkommentierte Live-Bilder aus Paris. Dann aber herrschte Chaos.
Immer wieder erschien die Tagesschau-Uhr, dann wieder die Paris-Bilder. Wieder die Uhr, wieder zurück. Und so weiter. Gegen 21.47 Uhr begann plötzlich doch eine Tagesschau. Jens Riewa interviewte darin, ohne die Zuschauer zu begrüßen, den Paris-Korrespondenten. Danach, ohne eine Verabschiedung oder weiteren Hinweis zum Ablauf, gab es plötzlich einen scheinbar wahllos zusammengeschnittenen Mix aus Paris-Bildern, unkommentiert. Und diese Schleife wiederholte sich auch immer wieder. Inklusive der eingeblendeten Uhr, die am Anfang der Schleife immer wieder die alte Uhrzeit zeigte. Nach 22 Uhr gab es das Interview einfach noch mal, direkt nach eine weitere improvierte Tagesschau, das aber auch nur aus dem Interview bestand.
Vermutlich wurden die beiden Stücke nur fürs Internet produziert, und tagesschau24 hat sie mit versendet.
Aber in Wirklichkeit wirkte das extrem stümperhaft und war der ARD nicht würdig.
Um 22.15 Uhr konnten sie beim Sender aufatmen und die Tagesthemen vom Ersten übernehmen. Dort gab es fundierte Infos, wenn auch nicht sehr ausführlich.

Deshalb also die Frage: Was soll, was will, was darf tagesschau24 eigentlich? Es müssen Entscheidungen her. Und die kann eigentlich nur in die Richtung gehen, dass tagesschau24 auch am Abend ein Nachrichten-Backup liefen müssen kann. Denn das peinliche Gewurschtel, was da am Montagabend zu sehen war, schadet der Marke “Tagesschau” einfach nur.

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Tagesschau: Beginn des Straßenkarnevals

Samstag, den 2. März 2019
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DO 28.02.2019 | 11.00 Uhr | tagesschau24

Die Kölner kriegen es einfach nicht auf die Reihe. Oder diese ganze Sache mit der 11.11-Uhr-Marke, die ist vollkommen überholt.
Auf tagesschau24 berichteten sie am Donnerstagvormittag live aus Köln. Dort sollte um 11.11 Uhr der Straßenkarneval 2019 beginnen. Zur Weiberfastnacht versammeln sich die Menschen, um zu feiern.
Und es wurde 11.11 Uhr, und es passierte nichts. Die Musik spielte weiter, und der Reporter wunderte sich.

Nun geht es ja erfreulicherweise auch bei der Tagesschau mal humorvoll zu, und der Live-Bericht vom Karneval ist ja auch kein trockenes Ereignis, das durchweg ernsthaft kommentiert werden müsste. Also brüllte der Reporter in Richtung Bühne, dass es ja schon 11.11 Uhr sei, und man solle zählen und nicht singen.
Und tatsächlich: Irgendwann, um 11.12 Uhr, zählte man in Köln den Countdown. Aber vermutlich kommt es beim Karneval auf Pünktlichkeit auch nicht wirklich an. Kölle Alaaf!

-> Der Ausschnitt auf Youtube.

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Tagesschau: Brexit – Die Abstimmung

Samstag, den 19. Januar 2019
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DI 15.01.2019 | 20.15 Uhr | tagesschau24

Die Blicke richten sich in diesen Tagen nach London. Am Dienstagabend entschied sich im britischen Parlament, ob die Abgeordneten den Brexit-Vereinbarungen zustimmt, die Premierministerin Theresa May ausgehandelt hatte.
Die Abstimmung darüber erfolgte nach 20 Uhr, zu spät für die Hauptausgabe der Tagesschau.

Aber überraschenderweise gingen um 20.15 Uhr im Nachrichtenkanal tagesschau24 weiter. “Brexit – Die Abstimmung” hieß die Sondersendung, die mit einer (vermutlich aufgezeichneten Anmoderation) eines zuvor schon mal gesendeten Beitrages begann. Dann kündigte der Sprecher eine Live-Übertragung aus dem Parlament an – im Originalton. Die Übertragung begann mit einer etwa fünf Minuten langen Totale des Parlamentraumes, weil gerade die Abstimmung lief.

Diese Sondersendung war auch mehreren Gründen merkwürdig. Solche Live-Übertragungen sind auf tagesschau24 eigentlich nicht üblich. Und genau genommen auch nicht nötig, denn parallel übertrug phoenix. Dort ist das Geschehen auch begleitet, kommentiert und eingeordnet worden. Auch konnte man dort den Originalton einstellen.
Welchen Sinn hatte es also, zur Primetime auf tagesschau24 auf gut Glück unkommentiert ins Parlament zu schalten, um minutenlang eigentlich nichts zu übertragen? Wenn man schon eine solche Sondersendung als Tagesschau zeigt, wieso gab es keine Moderation?

Man könnte sagen: Die Sondersendung auf tagesschau24 hatte in dieser Art schlicht absolut keinen Sinn.

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Die Story im Ersten: Das schmutzige Geschäft mit der Grillkohle

Mittwoch, den 4. Juli 2018
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MO 02.07.2018 | 23.50 Uhr | Das Erste

In der deutschen Politik läuft es gerade nicht so optimal. Bei der Fußball-WM läuft es für Deutschland… ach, lassen wir das. Und jetzt auch noch das: Das Fernsehen will uns das Grillen vermiesen. Jetzt soll uns auch noch die letzte Freude, die wir haben, genommen werden.

Am späten Montagabend zeigte Das Erste eine Doku über “Das schmutzige Geschäft mit der Grillkohle”. Aufgedeckt worden ist, dass in den Säcken mit der Kohle sich in Wirklichkeit oft illegales geschlagenes Tropenholz befindet. Während nämlich normales Holz diversen Überprüfungsmechanismen unterworfen, sieht das bei der Holzkohle schon ganz anders aus. Hinter dem Handel stecken oft kriminelle Netzwerke. Und selbst, wer auf irgendwie Siegel mit Herkunftsinformationen achtet, könne darauf nicht vertrauen.

Nun könnte man sagen: Das ist doch kein großes Ding. Ist es aber – vor allem, weil die Deutschen nicht umsonst als die Grillweltmeister gelten und Unmengen von Holzkohle aus den Tropen hergeschafft werden.
Der eigentliche Skandal ist, dass die ARD für dieses gesellschaftlich gern unter den Tisch gekehrtes, aber durchaus relevantes Thema nur einen Sendeplatz vor vor Mitternacht gefunden hat.
Immerhin: Wiederholung am Donnerstag, 5. Juli, bei tagesschau24 – um 20.15 Uhr. Aber wer kennt diesen Sendern schon?!

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