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Frankreich hat gewählt

Montag, den 25. April 2022
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SO 24.04.2022 | 20.20 Uhr | tagesschau24

Das ist ja noch mal gut gegangen. Emmanuel Macron hat die Präsidentschaftswahlen in Frankreich gegen die rechtsextreme Marine Le Pen gewonnen.
Klar, dass die Nachrichtensendungen in Deutschland über diese wichtige Wahl berichtet haben. Interessant war am Sonntagabend jedoch die Programmplanung der ARD.

Denn nach der “Tagesschau”, in der quasi live die Ergebnisse der Wahl eingingen, gab es so was wie einen “Brennpunkt” mit Ellen Ehni. Weil die Wahl aber gewissermaßen gut ausging, verzichtete man offenbar auf die Ausstrahlung der Sondersendung im Ersten. Stattdessen lief sie nur auf tagesschau24, und vorsichtshalber nciht als “Brennpunkt”, sondern unter dem Titel “Frankreich hat gewählt”.
Hätte Marine Le Pen gewonnen, wäre diese Sendung dann vermutlich sehr spontan ins Erste gewechselt, dann wäre der “Polizeiruf 110” um etwa 20 Minuten verschoben worden.

Interessant auch: Ziemlich kurzfristig hat man sich im Ersten entschieden, die “Tagesthemen” von 23.15 Uhr auf 21.45 Uhr vorzuziehen und später am Abend, nach “ttt”, noch eine “Tagesthemen extra” einzuschieben.
Warum man aber ausgerechnet am Abend dieser wichtigen Wahl in Frankreich überhaupt keine “Anne Will”-Sendung eingeplant hatte, weiß man wohl auch nur in der ARD.

Übrigens: Ursprünglich sollte auf dem Talkshow-Sendeplatz die Doku “Angela Merkel – Im Lauf der Zeit” laufen. Diese war Ende Februar wegen der Ereignisse in der Ukraine verschoben worden. Und nun hat man erneut auf die Ausstrahlung verzichtet. Wegen inhaltlicher Probleme. Weil sich vielleicht bestimmte Ansichten über bestimmte Dinge verändert haben? Weil es wegen der Frankreich-Wahl irgendwie wieder nicht passte. Vielleicht findet man im Ersten ja noch irgendwann mal einen Sendeplatz. Bei arte lief die Doku im Februar – noch vor Beginn des Ukraine-Krieges – ja schon mal.

-> Die Sondersendung von tagesschau24 auf Youtube

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Live: Statement von Bundesfamilienministerin Spiegel

Sonntag, den 17. April 2022
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SO 10.04.2022 | 21.08 Uhr | tagesschau24

Sie wirkt angestrengt, angeschlagen, auch niedergeschlagen. Mitten zur besten “Tatort”-Zeit am Sonntagabend tritt Bundesfamilienministerin Anne Spiegel vor die Kameras. Die Pressekonferenz wird live auf tagesschau24 übertragen, und es ist eine denkwürdige Veranstaltung.

Anne Spiegel ging im Sommer 2021 zehn Tage nach der Flutkatastrophe im Ahrtal für vier Wochen in den Urlaub. Das wurde ihr zum Vorwurf gemacht – auch, weil es zunächst geheißen hatte, sie habe dennoch an Kabinettssitzungen der Regierung in Rheinland-Pfalz teilgenommen. Zu dieser Zeit war sie dort Umweltministerin. Doch ihre Teilnahme hat sich als Lüge erwiesen.
Und nun stand Anne Spiegel da und versuchte, sich zu erklären. Ihr Mann sei schwerkrank, nach einem Schlaganfall brauche er Hilfe. Dazu sind vier Kinder und die Pandemie, die Familie habe den Urlaub gebraucht. Und sie sei immer erreichbar gewesen, sei auch einmal noch im Ahrtal gewesen, und sie hätte ihren Urlaub unterbrochen, wenn was gewesen wäre, so Spiegel weiter.

All das trägt sie mit leidender Miene vor. Sie bittet mehrfach um Entschuldigung. Für den Urlaub, für die unzutreffende Meldung ihrer Sitzungsteilnahme. Über die Opfer der Flutkatastrophe spricht sie nicht. Thema ihres Vortrages ist: Ich. Immer wieder: ich, ich, ich.
Sie ist um ihren Ruf bemüht, was ins Schema passt. Schon Wochen zuvor waren SMS-Nachrichten bekannt geworden, in der Anne Spiegel nach der Flut bemüht um das richtige Wording der Pressemitteilungen bemüht war.
Dazu passt auch der Schluss der Pressekonferenz: Anne Spiegel stockt plötzlich, dreht sich zu ihrem Pressesprecher um und sagt, sie überlege, ob sie noch irgendwas, ob sie es noch abbinden solle. Dann dreht sie sich wieder zur Kamera, setzt wieder ihre leidige Miene auf, dazu ihre brüchige Stimme – und bittet nochmals um Entschuldigung.
Es wirkt, als ob sie sich da eine Masche zurecht gelegt hat. Und auch wenn ihre Familienumstände tragisch sind, in diesem Moment wirkt es, als gehe es Anne Spiegel vor allem um Anne Spiegel – und ihre Angestrengtheit, ihre Demut wirkt plötzlich auch nicht mehr echt.

Zehn Minuten später wird bei tagesschau24 die Korrespondentin vor Ort befragt, und die wunderte sich, dass Anne Spiegel in dieser PK nicht ihren Rücktritt verkündete.
Der kam am Montag. Und er kam nicht, weil die Frau und Mutter ist. Der kam, weil sie eine Situation falsch eingeschätzt hat und Unwahrheiten verbreitet hat, die sie selbst in ein gutes Licht rücken sollten.
Sie ist zurecht zurückgetreten.
Und falls jetzt jemand fragt: Hätte dann Andreas Scheuer nicht auch zurücktreten müssen, weil er sich noch viel Schlimmeres geleistet hatte, dann lautet die Antwort: Ja, natürlich!

-> Die Übertragung bei tagesschau24 auf Youtube

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tagesschau24: Angriff auf die Ukraine

Dienstag, den 1. März 2022
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DO 24.02.2022 | 23.50 Uhr | tagesschau24

Wer am Morgen des 24. Februar 2022 aufgewacht ist, befand sich in einer anderen Welt als die, in der er am Abend noch eingeschlafen war. Russland, Wladimir Putin hat einen Angriff auf die Ukraine gestartet. Nicht nur auf den Osten des Landes, sondern auf die komplette Ukraine.
Und plötzlich befand sich Europa in einem Krieg. In einem, der droht, sich weiter auszubreiten. In einem, der Auswirkungen auf Deutschland haben wird.

Und das deutsche Fernsehen ging in den Breaking-News-Modus über, am Donnerstag quasi dauerhaft. Aus Sicht der Medien-Beobachtung gab es dabei insbesondere im Ersten eine interessante Neuerung. Denn normalerweise schaltete sich tagesschau24 bei solchen besonderen Nachrichtensituationen auf das Signal des Ersten, wo dann eine Tagesschau begann. Nun wurde aber tagesschau24 zum wirklichen Nachrichtenkanal befördert. Nun ist Das Erste auf das Signal von tagesschau24 geschaltet worden. Der Nachrichtenkanal mit allen entsprechenden Einblendungen ist im Ersten zu sehen gewesen. Allein dort durchgehend von 9 bis 13, von 14 bis 17, von 18 bis 19.45 Uhr und von 23.50 bis 1 Uhr.
Dazwischen lief um 17.15 Uhr eine “Brisant”-Ausgabe, in der zunächst aber auch Ukraine-Berichte liefen, gefolgt von den Promi-News, die Moderatorin Kamilla Senjo mit fast brüchiger Stimme ansagte, weil es ihr fast peinlich zu sein schien.

RTL und ntv schalteten sich stundenlang ebenfalls zusammen. Sat.1 zeigte dagegen weitgehend das übliche Programm, aber immerhin gab es um 20.15 Uhr ein Spezial. Das ZDF zeigte auch stundenlange Sondersendungen, “Bares für Rares” lief zwischendurch dennoch – was angesichts der Dauerbeschallung mit Kriegsberichten aber auch verständlich war. Der Mensch muss gedanklich an so einem Tag auch mal abschalten.

Eine weitere interessante Allianz gab es in der Nacht zu Freitag. Für die öffentlich-rechtliche Nachrichtenversorgung war allein phoenix zuständig. Sowohl Das Erste, als auch tagesschau24 und das ZDF schalteten sich die komplette Nacht bis zum Morgenmagazin zu phoenix.

Krieg. Eine völlig neue Situation. Ein mulmiges Gefühl. Diese Dauerbeschallung ist ganz sicher angemessen. Aber im Laufe des Tages musste ich dann einfach mal abschalten.

-> tagesschau24 (ab 9 Uhr) in der Livestream-Aufzeichnung auf Youtube

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tagesschau24: Sturmtief Zeynep zieht über Deutschland

Montag, den 21. Februar 2022
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FR 18.02.2022 | 0.35 Uhr (Sa.) | tagesschau24

Es war 2006, da sind bei EinsExtra zusätzliche und längere Tagesschau-Strecken ausgestrahlt worden. 2009 wurden die langen Live-Strecken zwischen 9 und 19 Uhr eingeführt. Seit 2012 heißt der Sender tagesschau24.
Und nun, 2022, soll aus tagesschau24 auch ganz offiziell ein Nachrichtensender werden – nur 13 Jahre nach der Umwandlung zum (inoffiziellen) Nachrichtensender.
Weil die Politik nun nicht mehr reinredet, was die Öffentlich-Rechtlichen neben ihre beauftragten großen Sendern konzeptionell macht, hat man sich in der ARD dazu entschlossen, es nun ernst zu nehmen mit der Tagesschau. Die größte deutsche Fernsehnachrichtenmarke hat seit 13 Jahren einen eigenen Sender – und soll nun weiter ausgebaut werden.

Und schon in der Nacht zum Sonnabend hat man bei tagesschau24 gezeigt, was das für den Sender bedeuten kann. Als der Orkan Zeynep über Deutschland hinwegfegte, da startete um 0.35 Uhr eine Sondersendung. Diese kam allerdings zum überwiegenden Teil nicht aus dem eigentlichen Nachrichtenstudio, sondern aus dem Redaktionshaus. Dort standen ein Moderator und ein Wetter-Experte, die stundenlang die aktuelle Wetterlage verfolgten, ab und zu ins Land zu Reportern schalteten und Fragen von Zuschauenden beantworteten – denn die Sendung lief nicht nur live bei tagesschau24, sondern auch auf Youtube und Facebook. Und zeitweise sogar im Ersten. Die Live-Berichterstattung endete gegen 5.45 Uhr, und tagesschau24 war in dieser Nacht zumindest unter den Fernsehsendern der einzige Kanal, der live auf Sendung war.

Das ist die Zukunft des Senders. Man will live da sein, wenn es nötig ist. Geschehen Breaking News, dann will die ARD bei tagesschau24 künftig die Sofort-Informationen bieten – das, was man in der Vergangenheit so oft, gerade am Abend, vermisst hat. Davon wird ach das Erste profitieren, denn wenn die Nachrichtenredaktion sowieso am Ball ist, kann man leichter entscheiden, ob auch im Ersten im Bedarf das Programm zu unterbrechen ist.

-> Die Sendung auf Youtube

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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

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Tagesschau: André Schünke

Freitag, den 26. November 2021
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DO 25.11.2021 | 20.00 Uhr | Das Erste

Woran man merkt, dass die Tagesschau um 20 Uhr immer noch die wichtigste Sendung im deutschen Fernsehen ist? Passiert etwas Außergewöhnliches, dann geht ein Ruck durchs Land. So auch am Donnerstagabend.

Denn nach dem Gong tauchte plötzlich ein Gesicht auf, das um 20 Uhr bislang noch nie am Nachrichtentisch stand. André Schünke führte erstmals durch die Hauptausgabe der Tagesschau. Unbekannt ist er aber nicht, denn bei tagesschau24 ist er regelmäßig auf Sendung – zum Beispiel am Mittwochnachmittag bei der Berichterstattung rund um die Pressekonferenz mit der “Ampel”-Vorstellung.

Dass Schünke aber die 20-Uhr-Tagesschau war jedoch nicht geplant. Wie der NDR mitteilte, habe eine Planungspanne dazu geführt, dass der Sprecherplatz drohte, leer zu bleiben. Schünke, der für tagesschau24 auch am Donnerstag im Dienst war, sprang kurzerhand ein.
Und er machte es gut. Souverän führte er durch die Sendung, die viele Millionen Menschen gesehen haben – und nicht nur ein paar Zehntausend auf auf tagesschau24.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek

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Live: Bundespressekonferenz mit Merkel

Samstag, den 24. Juli 2021
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DO 22.07.2021 | 11.00 Uhr | tagesschau24

Man konnte da fast ein bisschen Wehmut spüren – weniger von Seiten Angela Merkels, mehr auf der Seite der Journalisten. Am Donnerstagvormittag kam die Bundeskanzlerin voraussichtlich das letzte Mal in die Bundespressekonferenz, um sich den Fragen der Journalisten zu stellen. Übertragen wurde das u.a. von tagesschau24.

Allerdings gab es ein Problem. Denn im Zuschauerraum gab es nur ein einziges funktionierendes Mikrofon. Alle anderen ließen sich nicht mehr einschalten.
Im Raum vor Ort war das vielleicht nicht so schlimm, wenn die Fragen ohne Mikrofon gestellt worden sind. Aber für die Fernsehübertragung war das eher nicht so optimal.
Und so wurden die Journalisten gebeten, für ihre Fragen doch eventuell ans einzige funktionierende Mikro zu gehen. Einige Frauen taten das, die allermeisten Männer blieben jedoch bräsig und faul auf ihren Stühlen sitzen, egal, ob sie nun zu verstehen waren oder nicht.

Journalist Boris Reitschuster hat sich danach auf Twitter darüber beschwert. Also, nicht über die Faulheit der Fragenden, sondern über die technische Panne. Er selbst sah sich nämlich auch nicht imstande, mal aufzustehen und ans Mikro zu gehen – stattdessen nuschelte er sich seine Frage über Risse in der Regierung auf seinem Sitz fläzend hinter seine Maske. Über seine Bequemlichkeit hat er sich natürlich danach auf Twitter nicht beschwert.

-> Die Übertragung von tagesschau24 auf Youtube

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