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Live: Bundespressekonferenz mit Merkel

Samstag, den 24. Juli 2021
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DO 22.07.2021 | 11.00 Uhr | tagesschau24

Man konnte da fast ein bisschen Wehmut spüren – weniger von Seiten Angela Merkels, mehr auf der Seite der Journalisten. Am Donnerstagvormittag kam die Bundeskanzlerin voraussichtlich das letzte Mal in die Bundespressekonferenz, um sich den Fragen der Journalisten zu stellen. Übertragen wurde das u.a. von tagesschau24.

Allerdings gab es ein Problem. Denn im Zuschauerraum gab es nur ein einziges funktionierendes Mikrofon. Alle anderen ließen sich nicht mehr einschalten.
Im Raum vor Ort war das vielleicht nicht so schlimm, wenn die Fragen ohne Mikrofon gestellt worden sind. Aber für die Fernsehübertragung war das eher nicht so optimal.
Und so wurden die Journalisten gebeten, für ihre Fragen doch eventuell ans einzige funktionierende Mikro zu gehen. Einige Frauen taten das, die allermeisten Männer blieben jedoch bräsig und faul auf ihren Stühlen sitzen, egal, ob sie nun zu verstehen waren oder nicht.

Journalist Boris Reitschuster hat sich danach auf Twitter darüber beschwert. Also, nicht über die Faulheit der Fragenden, sondern über die technische Panne. Er selbst sah sich nämlich auch nicht imstande, mal aufzustehen und ans Mikro zu gehen – stattdessen nuschelte er sich seine Frage über Risse in der Regierung auf seinem Sitz fläzend hinter seine Maske. Über seine Bequemlichkeit hat er sich natürlich danach auf Twitter nicht beschwert.

-> Die Übertragung von tagesschau24 auf Youtube

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Live: Jeff Bezos startet ins All

Freitag, den 23. Juli 2021
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MI 21.07.2021 | 14.30 Uhr | tagesschau24

Was für Gegensätze. Auf der einen Seite kämpfen Menschen darum, dass nach einer Hochwasserkatastrophe ihr Leben wieder ins Lot kommt. Und auf der anderen Seite setzt sich ein Milliardär in eine Rakete, um mal ein paar Minuten im All zu sein.

Bei tagesschau24 ist am Mittwochnachmittag live die Umsetzung eines ziemlich dekadenten Hobbys übertragen worden. Jeff Bezos, Gründer von Amazon, hat sich mit mehreren Gastpassagieren ins All schießen lassen, um mal kurz zu schauen, wie es dort aussieht – nur wenige Minuten später landete das Ding wieder auf der Erde.
Man hat ja sonst nichts zu tun, wenn man so viel Geld hat, dass man leider nicht weiß, wohin damit. Wobei mir da einige Dinge einfallen würden, was man so unfassbar viel Kohle anfangen könnte.

Andererseits ist es aber doch gut von tagesschau24, dass dieses, nun ja, Ereignis live übertragen habe. Denn schließlich habe ich Bezos’ Ausflug ja mitbezahlt – und mit mir viele andere Menschen. “Ich möchte auch allen Amazon-Mitarbeitern und Amazon-Kunden danken”, sagte Bezos später auf einer Pressekonferenz. “Denn ihr habt all das bezahlt. Deshalb danke ich euch aus tiefstem Herzen.”
Ich antworte, als Kunde, doch sehr gern: “Nicht dafür, Jeff.” Den Nachsatz: “Du zynischer Wi…er!” würde ich vielleicht nur flüstern, obwohl man ihm das dann doch gerne ins Gesicht schreien möchte.

-> Die Sendung von tagesschau24 auf Youtube

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Umgewendet – Schule nach dem Mauerfall

Sonntag, den 9. Mai 2021
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FR 07.05.2021 | 21.30 Uhr | tagesschau24

Die Wendezeit in der DDR ist noch lange nicht auserzählt. Eine rbb-Doku, die am Montag im Ersten und am Freitagabend bei tagesschau24 lief, beleuchtet ein heute recht wenig beleuchtetes Thema im Zusammenhang mit dem Mauerfall in der DDR. Es ist aber eines, das einmal mehr zeigt, wie schwierig es ist, innerhalb weniger Wochen einen ganzen Apparat von einem System aufs andere umzuswitchen.

In der Doku “Umgewendet – Schule nach dem Mauerfall” ist erzählt worden, wie sich Schulen und Lehrende innerhalb weniger Wochen komplett neu orientieren mussten – und mit ihnen natürlich die Kinder und Jugendlichen.
Das Schulsystem in der DDR und so ziemlich alles, was dort gelehrt worden war, war ideologisch gefärbt. Der SED-Staat gab vor, was gut und was böse zu sein hatte. In Staatsbürgerkunde war zu hören, wie böse der Kapitalismus war – Wochen später war man selber im Kapitalismus, und das Fach Staatsbürgerkunde war abgeschafft.

Lehrende wussten mitunter gar nicht, was sie den vor ihnen sitzenden Kindern und Jugendlichen nun beibringen sollen. Die Staatslehre gab es nicht mehr, und plötzlich sollten sie Philosophie lehren.
Und die Schülerinnen und Schüler hatten es plötzlich mit Lehrenden zu tun, die ihnen gerade noch was vom guten Staat DDR erzählten und nun plötzlich ganz andere Worte wählten – oftmals verbunden mit einem großen Autoritätsverlust.
In dieser Doku wurde das alles sehr anschaulich erzählt. Sie zeigt, wie schwierig es für alle Seiten war, plötzlich in einem anderen System zu arbeiten und zu lernen. Sich plötzlich mit neuen “Wahrheiten” befassen zu müssen.

Ich war 1989/90 in der 5. Klasse, ich besuchte eine polytechnische Oberschule in Oranienburg, und plötzlich spielten Pioniere keine Rolle mehr. Plötzlich mussten wir keine Wandzeitungen mehr erstellen. Plötzlich diskutierten wir darüber, ob wir wirklich noch Russisch lernen müssen, und der Russischlehrer war sowieso unten durch. Wir bekamen einen neuen Direktor, der alte von der SED war plötzlich weg.
In der 5. Klasse war das alles noch nicht das große Problem, und ich selbst und meine Familie waren sowieso eher geprägt davon, dass wir uns über die Entwicklung extrem gefreut hatten. Aber, und das kann man nicht unter den Tisch fallen lasen, für viele ist im Herbst 1989 auch eine Welt zusammengebrochen. Gar nicht wegen des Verlustes der DDR, viel wegen Zukunftsängsten, Vertrauensverlusten und Ungewissheiten. Während die einen voller Vorfreunde auf das blickten, was da kam, waren die anderen besorgt und desillusioniert.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 3. Mai 2022)

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Farbe bekennen: Armin Laschet

Freitag, den 23. April 2021
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DI 20.04.2021 | 17.15 Uhr | tagesschau24

Bis zur Primetime warten, um das Interview mit Kanzlerkandidat Armin Laschet sehen zu können? Das muss nicht sein, aber die ARD will das lieber nicht so hochkochen.
Nach ewigem Gezänk stand am Dienstag fest, dass Markus Söder kein Bundeskanzler in Deutschland werden und stattdessen Armin Laschet scheitern antreten wird.
Für das ARD-Hauptstadtstudio wurde er dann von Tina Hassel und Oliver Köhr befragt. In “Farbe bekennen” musste sich Laschet auch zum Machtkampf äußern, der wochenlang in der UDU/CSU schwelte.

Was nur wenige wussten: Während das Interview im Ersten um 20.15 Uhr lief, war es auf tagesschau24 bereits um 17.15 Uhr auf Sendung – vermutlich sogar live.
In den vergangenen Wochen hat sich beim Nachrichtenkanal tagesschau24 viel geändert. Der Aufwand, den man sich macht, ist größer geworden. Auch am Abend gibt es inzwischen Nachrichtenstrecken, bei Breaking-News-Situationen sogar durchlaufend. Inzwischen bleibt tagesschau24 sogar öfter auf Sendung, wenn im Ersten eine reguläre Tagesschau läuft. Auch gibt es spezielle Live-Formate, die zwar hauptsächlich für Social-Media produziert werden, aber oft auch bei tagesschau24 zu sehen sind – warum auch nicht?

Irritierend ist allerdings, dass tagesschau24 inzwischen eine Konkurrenz zu phoenix geworden ist. Zwar laufen bei tagesschau24 selten Bundestagsdebatten, aber dafür auch viele Pressekonferenzen und andere Live-Ereignisse. Das ist an sich sinnvoll und richtig, dennoch wirft eine die Zukunftsfrage für phoenix auf. Zumal man im Ersten bei der Übertragung von Pressekonferenzen nicht auf phoenix, sondern auf tagesschau24 hinweist.
Die Tagesschau ist die wichtigste Nachrichtenmarke in Deutschland, ein Nachrichtensender dazu ist gut und sinnvoll. Deshalb ist es spannend, wie die ARD damit in Zukunft umgehen wird.

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Punkt 12: Prinz Philip ist tot

Montag, den 12. April 2021
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FR 09.04.2021 | 12.00 Uhr | RTL

Eigentlich dachte Roberta Bieling am Freitagmittag, dass sie gegen 14 Uhr ihr RTL-Studio verlassen darf. Denn normalerweise endet die Nachrichtenboulevardsuppe “Punkt 12” um Punkt 2.
Dann aber kam die Nachricht, dass Prinz Philip gestorben ist, und bei RTL setzte das Breaking-News-Fieber ein.
Der Prinzgemahl von König Elisabeth starb kurz vor seinem 100. Geburtstag.

Hurtig – eigentlich sogar sofort – war schon der erste Nachruf gesendet (von hochbetagten Promis liegen die ja schon fertig im Archiv), und dann dauerte es auch nicht sehr lange, bis Michael Begasse neben Roberta Bielang saß. Michael Begasse ist ein sogenannte Adelsexperte, weil er sich mit Adel besonders gut auskennt.
So fabulierte er darüber, dass Königin Elisabeth jetzt sicherlich sehr traurig sei. Und es ist gut, dass der Adelsexperte so was weiß. Ich weiß so was nämlich… ähm, nicht. Und natürlich gehe er auch fest davon aus, dass die Queen dabei war, als Philip einschlief. Man könnte sagen, er blubbert irgendwas ins Blaue rein.
Aber immerhin wird damit sehr, sehr viel Sendezeit gefüllt.

Denn natürlich endete “Punkt 12” nicht um Punkt 2. „Wir gehen hier gar nicht mehr weg“, sagte Roberta Bielang später, denn bei RTL wird man sich die Hände gerieben haben, denn mit dem normalen Reality-Gedöns erreicht man immer weniger Zuschauer, da kam RTL der tote Prinz doch gerade recht.
„Weil das alles so interessant ist, was du uns erzählst, haben wir nochmal verlängert“, sagte Roberta Bielang am Nachmittag, obwohl natürlich nichts von dem, was Michael Begasse zu erzählen hatte, irgendwie interessant war. Stattdessen viel Geraune und Geschwurbel, nur um ja nicht die Sendung beenden zu müssen.
Sie endete übrigens um Punkt 4.

Bei tagesschau24 blendete man sich gegen 13.35 Uhr aus dem “Mittagsmagazin” aus, um eine eigene Berichterstattung anzubieten. Den London-Korrespondenten aber zu fragen, wie die Briten denn den Tod Philips aufgenommen haben, ist angesichts dessen, dass die Meldung erst ein paar Minuten alt war, ein wenig albern.

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Live: Pressekonferenz nach Bund-Länder-Treffen

Mittwoch, den 24. März 2021
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MO 22.03.2021 | 2.35 Uhr (Di.) | tagesschau24

Es hat ein bisschen länger gedauert. Oder auch ein bisschen mehr. Angela Merkel hat sich den halben Tag lang mit den Ministerpräsidenten gefetzt, um zu regeln, wie denn Deutschland die dritte Coronawelle abwehren könnte. Was dabei raus kam, ist… nun ja.

Aber dass es bis in tiefe Nacht gedauert hat, das ist neu. Um 2.35 Uhr begann die Pressekonferenz nach dem Bund-Länder-Treffen.
Seit 18 Uhr etwa hatten etliche Sender auf diese PK gewartet. Auf phoenix sendete man den ganzen Abend im Splitscreen, immer mit dem Hinweis, dass die Übertragung “in Kürze erwartet” werde. Um kurz nach Mitternacht erwähnte allerdings der Berlin-Korrespondent, dass es wohl erst mal nix werde mit der PK, schon gar nicht “in Kürze”. Damit endete dann die Live-Berichterstattung, und auch als es um 2.35 Uhr endlich losging, schlief man bei phoenix schon tief und fest.

Auch Das Erste und das ZDF waren längst in den Nachtprogramm-Modus gegangen. Bei tagesschau24 hielt man sich dagegen wacker, sendete die Nachrichtenschleife wieder und wieder und wieder. Immer dieselben paar Minuten. Irgendwer muss um 2.35 Uhr aufgeatmet haben, als es live weiterging. Bis etwa 3.20 Uhr dauerte das Ganze, und danach blieb nur noch eine Verabschiedung des Tagesschau-Moderators übrig – vermutlich aufgezeichnet. Um die Zeit hatte nur noch Bild in seinem Livestream die Muße für eine ausführliche und wütende Analyse.

-> Die Pressekonferenz bei der Tagesschau auf Youtube

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Tagesschau: Trump-Anhänger dringen ins Capitol ein

Samstag, den 9. Januar 2021
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MI 06.01.2021 | 20.57 Uhr | tagesschau24

Wenn man in einer Blase lebt, in der man nichts anderes erfährt als alternative Fakten, dann hält man die vermutlich sehr schnell für die einzig wahre Wahrheit.
Was dann irgendwann passiert, ist am Mittwochabend deutscher Zeit sichtbar geworden.
Im US-Capitol in Washington ging es darum, die Wahl von Präsident Joe Biden endgültig abzuschließen – ein formaler Akt. Eigentlich.
Zuvor jedoch hatte Noch-Präsident Donald Trump die Meute aufgehetzt, erneut den Wahlsieg Bidens angezweifelt, er sprach von Wahlbetrug, und seine Anhänger sollten nun zum Capitol gehen.
Dort drangen sie bald durch die Sperren und gewaltsam ins Capitol ein. Die Sitzung musste abgebrochen werden, Waffen wurden auf den Eingang des Sitzungssaals gerichtet.
Rundum schockierend.

Und draußen schrie der Mob Reporter an, blökten ihre “Fakenews”-Tiraden und begannen schließlich, TV-Technik zu zerstören und Technikteile zu stehlen.
Ein Anschlag auf die Demokratie, ein Anschlag auf die Pressefreiheit. Das ist Terror von innen.
Und alles live. Live in aller Welt.

Die Ereignisse vom Mittwoch zeigen, wie weit es gehen kann, wenn ein Herrscher sein Volk aufhetzt, es bewusst spaltet – und irgendwie den Eindruck macht, als säße er in einer TV-Show und müsse das fiese Spiel bis zum bitteren Ende weiterspielen.

Die Tagesschau berichtete über die Ereignisse ab etwa 20.57 Uhr auf tagesschau24. Als erster deutscher Sender reagierte phoenix gegen 20.40 Uhr, also etwa zehn Minuten nach dem “Showdown”, wo aber im Netz sowieso schon ein Livestream aus dem US-Capitol lief.
Und dennoch gibt es mal wieder Vorwürfe an die Öffentlich-Rechtlichen. Das Erste reagierte erst gegen 21.47 Uhr mit einer Extra-Ausgabe der Tagesthemen. Das ZDF wartete bis um 21.45 Uhr das reguläre heute-journal begann.
Dafür ist später im Ersten der laufende Film abgebrochen worden, und die Tagesthemen begannen schon früher, um 23 Uhr und dauerten statt 20 fast 65 Minuten. Im ZDF gab es gegen 23.05 Uhr ein zusätzliches heute-journal. Auf phoenix gab es bis Mitternacht eine durchlaufende Berichterstattung, ebenso auf tagesschau24.

Dass unbedingt immer ARD und ZDF ihre Hauptprogramme abbrechen müssen, ist eine Forderung, die nicht neu ist. Das hat sicherlich auch mit einem gesteigerten Info-Bedürfnis zu tun. Dabei handelt es sich da nicht im Nachrichtensender, dafür gibt es die Sparten mit phoenix und tagesschau24, für die Hauptprogramme gelten sicherlich andere Maßstäbe, die gelten, um das Programm zu unterbrechen.
Aber: Die ARD schafft es nach wie vor nicht, zu seinen Angeboten zu stehen, darauf hinzuweisen. Zwar gab es während des Films “Für immer Sommer 90” Breaking-News-Einblendungen, aber auch nur mit dem Hinweis auf die Sondersendung im Anschluss. Dass tagesschau24 und phoenix live sendeten – kein Hinweis darauf. Warum nicht? Warum kann die ARD nicht auf ihre eigenen Angebote hinweisen? Aus Angst, die Leute würden vom Film wegschalten? Das Risiko muss eingegangen werden.

Aber auch tagesschau24 muss dringend gestärkt werden. Am Abend hapert es ganz stark am Programm. Über längere Zeit wurde nach der Extra-Tagesschau um 20.57 Uhr ein unkommentiertes Live-Bild gezeigt, später schaltete sich ein Social-Media-Redakteur ins Bild – offenbar aus dem Homeoffice. Das ist der ARD und ARD-aktuell nicht würdig! Das Studio ist da, also sollte es auch genutzt werden. Das Tagesschau- und Tagesthemen-Team, das ja fürs Erste sowieso da ist – wieso kann das nicht sofort auf tagesschau24 auf Sendung gehen?
Seitens der ARD heißt es, man wolle tagesschau24 demnächst auch nach 20 Uhr stärken – was immer das heißt.

-> Die Berichterstattung von tagesschau24 auf Youtube

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