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Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss

Freitag, den 11. Januar 2019
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MI 09.01.2019 | 22.00 Uhr | SWR-Fernsehen

Als “Holocaust” 1979 erstmals im deutschen Fernsehen lief, da löste der US-Vierteiler einen Gefühlserdrutsch aus. Vorher waren die Verbrechen im Dritten Reich und die organisierte Tötung der Juden kaum ein Thema in der Bundesrepublik. Dann kam “Holocaust”, und die Skepsis vorher war groß: Kann eine eher soapige Darstellung der Geschichte für Aufklärung sorgen? Müssen das nicht Dokus und Diskussionssendungen leisten?
In der ARD war die Skepsis so groß, dass man sich nicht dazu durchringen konnte, den Vierteiler im Ersten Programm ausstrahlte. Stattdessen liefen die Filme in den zusammengeschlossenen Dritten.
Das Echo war riesig. Die Leute waren berührt, entsetzt und beschämt. Sie litten mit, sie trauerten mit. “Holocaust” sorgte dafür, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht nur in Deutschland eine andere wurde.

Ich habe “Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss” irgendwann Anfang der 90er gesehen, ich war ein Teenager. Aus der Oranienburger Bibliothek lieh ich mir die Videokassetten aus.
Bald war ich gebannt. Es war spannend zu sehen, was mit den Menschen in diesem Vierteiler passiert, und in Teil 4, wenn das Ende naht und die Familie quasi ausgelöscht wird… Ich habe an einigen Stellen sehr geweint. Es hat mich extrem getroffen, was dort geschah. Ich konnte diesen Wahnsinn – der ja in diesem Fall fiktiv ist, aber ja auch in Wirklichkeit stattfand – nicht fassen.

2019. NDR, WDR und SWR wiederholen “Holocaust” zum 40. Austrahlungsjubiläum. Der SWR ist am Mittwochabend eingestiegen. Leider haben die Dritten dafür nur Sendeplätze am späteren Abend.
Denn auch nach 40 Jahren sind diese Filme wichtig. Um zu zeigen, was war. Aber auch um zu zeigen, was nie mehr passieren darf. Und das in Zeiten, in der die Rechtsextremen wieder in die Mitte der Gesellschaft rutschen, in der Andersdenkende schleichend wieder diskriminiert und mundtot gemacht werden sollen. Denn so hat es damals auch angefangen, bevor der eigentliche Wahnsinn begann.

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Silvester im Südwesten: Willkommen 2019

Donnerstag, den 3. Januar 2019
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MO 31.12.2018 | 23.50 Uhr | SWR-Fernsehen

Silvester haben auch einige Dritte Programme live den Jahreswechsel übertragen. Dabei allerdings kann man so einiges falsch machen.
Deshalb an dieser Stelle einige wertvolle Tipps, wie man es 2019/20 eventuell besser machen kann.

1. Verpasse, um Gottes Willen, nicht die 0-Uhr-Marke!
Beim SWR hat sich die Moderatorin von “Silvester im Südwesten: Willkommen 2019” so sehr mit einem neben ihr stehenden Herren verquatscht, dass sie schlicht den Countdown verpasste. Sie führte einfach ihr Interview eiter. Drei Sekunden (!) vor Mitternacht muss ihr jemand von der Regie was ins Ohr gebrüllt haben, denn mitten im Gespräch riss sie dem Mann das Mikro weg und zählte die letzten drei Sekunden mit runter.

2. Nach 0 Uhr kann man die eingeblendete Uhr ruhig ausblenden.
Beim SWR hat man die Uhr einfach bis 0.18 Uhr weiter laufen lassen. Irgendwer wird sich schon noch für die Uhrzeit interessieren, dachte man sich da wohl.

3. Wenn man schon eine Countdown-Uhr einblendet, sollte man sie um 23.58 Uhr nicht einfach ausblenden.
Im WDR hat man es einfach andersrum gemacht wie beim SWR. In der “Lokalzeit extra: Silvesterfeuerwerk am Kölner Dom” lief die Uhr rückwärts – bis zur 0:02:00-Marke. Dann war sie weg. Vielleicht wollte man die WDR-Zuseher einfach ein bisschen mit dem Beginn von 2019 überraschen. Auch dort plauderte die Moderatorin noch bis zehn Sekunden vor Mitternacht, bevor dann doch noch mal ein Ziffern-Countdown zu sehen war.

4. Wenn schon zurückzählt, dann auch pünktlich.
Glaubt man der Uhrzeit im WDR-Videotext, ging der drei Sekunden nach. Zeigte der Videotext 0 Uhr an, stand der Countdown noch auf Drei.

5. Schweigen bringt’s auch nicht.
Waren die Moderatorinnen bei SWR und WDR ein wenig zu sehr in Plauderlaune, hat der Moderator beim rbb ab 45 Sekunden vor Mitternacht einfach geschwiegen. Wer das “Silvesterfeuerwerk am Brandenburger Tor” im rbb gesehen hat, hörte stattdessen im Hintergrund die ZDF-Leute den Countdown zählen. Aber so ein bisschen Stimmung verbreiten, sollte doch auch beim rbb zu machen sein.

6. Sprenge die Party nicht mit depressiven Erinnerungen!
Bevor der rbb-Moderator schwieg, erinnerte er noch mal an das vergangene 2018. An die schweren Waldbrände zum Beispiel. Und wie schlimm das war, als auch in Berlin Brandgeruch herrschte. Ein echt tolles Silvesterparty-Thema.

Werden bei den nächsten Silvester-Übertragungen diese wertvollen Tipps beherzigt, dann könnte das auch mit dem gelungenen Jahreswechsel klappen. Gern geschehen.
Andererseits: Irgendwie wäre es schon lustig gewesen, wenn beim SWR die 0-Uhr-Marke einfach überquatscht worden wäre.

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Das war 2018!

Montag, den 31. Dezember 2018
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Ein sonniger Winternachmittag auf dem Kudamm in Berlin. Die Lichter an den Bäumen sehen zum Träumen aus. Johannes B. Kerner und Marcus Lanz plaudern ein wenig, sie wollen auf den Weihnachtsmarkt, und Marcus freut sich schon auf das Mettbrot, das er sich kaufen will. Träumerisch blickt Johannes den Marcus an und greift nach seiner Hand, als… ähm…
Nein, nein, diese ausgedachten Geschichten sollte ich wirklich lassen. Das konnte Claas Relotius vom “Spiegel” sehr viel besser. Allerdings ist er damit im Dezember 2018 dann doch aufgeflogen. Peinliche Sache, auch für den “Spiegel”, der ja angeblich alles nachrecherchiert, was die Reporter so abliefern.

Der Skandal ist Futter für alle, die sowieso sagen, dass die Medien allesamt lügen, wenn es um brisante Themen geht. Dabei sind 2018 einige heikle Dinge aufgedeckt worden. Da ging es um die Football-Leaks und die Frage, wie sehr sich Fußballvereine von den Fans entfernen. Um den Steuer-Raubzug großer Banken bei den CumEx-Enthüllungen. Um nur zwei dieser Storys zu nennen.
Auch wenn es um die Flüchtlingskrise geht, haken die Journalisten inzwischen knallhart nach. Dass dabei andere, vielleicht sogar wichtigere Themen, untergehen, bemerken offenbar nur die Zuschauer. Bei den Sommerinterviews von ARD und ZDF ging es oft 18 Minuten um die Flüchtlingskrise und zwei um den Rest. Nur bei Alexander Gauland von der AfD ging es fast nur um den Rest – und Gauland schien ratlos.

Die AfD sitzt seit 2017 im Bundestag, und immer meinen die Blauen, Unrecht in den Medien aufgedeckt zu haben. Im Brennpunkt steht dabei die Band “Feine Sahne Fischfilet”. Dass sie mal vom Verfassungsschutz beobachtet worden ist, hängt ihr noch ewig nach, und die linke Band ist der rechten AfD ein Dorn im Auge. Andererseits wird aber auch jede Kleinigkeit über “Feine Sahne Fischfilet” in den Medien durchgekaut. Als die Band für das ZDF in Dessau ein Konzert aufzeichnen wollte, sagte der Veranstalter, die Bauhaus-Stiftung, den Veranstaltungsort ab. Eine Diskussion, die für die AfD ein voller Erfolg war.
Ebenso die Diskussion um eine KiKA-Doku über ein junges Mädchen, das einen Moslem liebt, wo die AfD der Meinung war, so etwas könne man nicht unkommentiert lassen. Als Deniz Yücel in der Türkei freigelassen worden ist, wollte die AfD wissen, ob der nicht vielleicht selber schuld war, dass er in Haft war. In den sozialen Netzwerken versuchen viele Parteimitglieder weiterhin, die Gesellschaft zu spalten.

In Cottbus hat das schon gut funktioniert. Die Rechten sind dort der Meinung, dass die Stadt überfremdet sei, dass es zu viele Straftaten von Flüchtlingen gebe. Der Hass bei den Demos, an denen Normalos mit den Rechtsextremen gemeinsam marschieren, richtet sich auch gegen die Medien. Der rbb wird ebenso angefeindet wie die Reporter der Lausitzer Rundschau. Da helfen auch Diskussionssendungen, die der rbb live aus Cottbus sendet, nur wenig. Aber wenigstens bleibt man im Gespräch. Irgendwie.

Das scheint auch das Ziel von CSU-Innenminister Horst Seehofer zu sein. Als er seinen Rücktritt, nun ja, androht, berichten die Nachrichtensender in Dauerschleife. Tritt er zurück? Oder doch nicht? Oder doch? Seehofer weiß nicht so recht, und ganz Deutschland wartet auf einen eventuellen Bruch der Großen Koalition. Als die Meldung bekannt wird, dass sich gar CSU und CDU trennen, schickt ntv die Breaking News gleich auf Sendung – um dann die nächste Breaking News hinterher zu schicken, dass man einer Ente aufgesessen sei. Aber es musste eben schnell gehen. Keiner hatte 2018 so viele Comebacks wie Seehofer.

Comeback ist sowieso ein gutes Stichwort. Fernsehmacher glauben, dass die Zuschauer darauf abfahren, wenn alte Serien wiederbelebt werden. In Deutschland floppte allerdings die Neuauflage von “Akte X” oder “Will & Grace”. Selbst Shows wie “Dingsda” im Ersten und “Die Montagsmaler” im SWR-Fernsehen laufen eher mau.
Die “Lindenstraße” dagegen wird nicht fortgesetzt. Im März 2020 wird nach fast 35 Jahren die letzte Folge laufen. Begründung: schlechte Quoten und inhaltliche Unzufriedenheit. Von einer Absetzung aus inhaltlichen Gründen von “In aller Freundschaft”, “Rote Rosen”, “Sturm der Liebe” oder “Rentnercops” ist allerdings noch nichts bekannt.
Auch an der Vormittagssendung “live nach neun” hält man im Ersten fest, obwohl die Zuschauerzahlen ein Desaster sind. Ähnlich sieht es am Vorabend in Sat.1 aus. Mit “Endlich Feierabend” versucht man da zum x-ten Mal das Frühstücksfernsehen zu kopieren – und scheitert zum x-ten Mal. In diesem miesen Sog läuft auch die neue Dailysoap “Alles oder nichts” ziemlich mies. Sie hatte nie eine wirkliche Chance.
Auch ProSieben hat Sorgen. Die neuen Folgen der “Simpsons” laufen richtig schlecht. Bei Sat.1 wird die Unternehmershow “Start up” abgesetzt, obwohl doch Jurymitglied Carsten Maschmeyer so doll dafür geworben hat. Aber vermutlich wollten gerade wegen ihm so wenige einschalten.
Bei Sky dachte man sich, es sei eine gute Idee, die Castingshow “X-Factor” aus der Versenkung zurückzuholen. Die Quoten waren kaum messbar, und wer gewonnen hat… ähm… Wer hat da eigentlich gewonnen? Eine weitere Staffel ist ausgeschlossen.

Es wird für das herkömmliche Fernsehen immer schwieriger, Aufmerksamkeit zu erregen. Die Mehrzahl der jungen Zuschauer schaut schon überwiegend online. Und dann eher Netflix oder Amazon Prime, auch Youtube ist ein echter Konkurrent.
Ein Opfer ist der Musiksender VIVA. Nach 25 Jahren wird Silvester der Stecker gezogen, MTV aus dem gleichen Senderkonzern lebt weiter, aber in der Nische. Immerhin noch wacker hält sich Deluxe Music. Musikclips schaut man an sich aber eher bei Youtube.

Immerhin: Man bemüht sich aber noch. Im Ersten läuft im Herbst “Babylon Berlin”, die teure Co-Produktion mit Sky. Auf dem “Tatort”-Sendeplatz werden etwa acht Millionen Zuschauer erreicht. Das Interesse am Berlin der 20er-Jahre schwindet jedoch, am Ende schauen weniger als vier Millionen zu. Allerdings stehen in den diversen Kritiken zur Serie, in denen es hieß, man müsse als Zuschauer drei Folgen durchhalten, bis man es eventuell verdammt gut fände, auch für sich. Allerdings sorgt die Serie auch für einen der magischsten Momente des Fernsehjahres – nämlich mit einer Szene in einem Tanzclub, die für Gänsehaut sorgt.
Im ZDF wird “Bad Banks” von der Kritik gelobt, ist aber dennoch langweilig. Amazon Prime dagegen trumpft mit einer neuen Staffel “Deutschland 86” auf und mit “Pastewka” auf.

Das Fernsehen steht aber immerhin noch für Events. In diesem Land lief es glücklicherweise für Deutschland auch mal gut beim Eurovision Song Contest in Lissabon. Michael Schulte schaffte den 4. Platz. Die Diskussionen darum, dass niemand Deutschland mag und wählt, finden nicht statt.
Bei der Fußball-WM dagegen, ach, lassen wir das. Immerhin sorgte das WM-Spiel von Deutschland gegen Schweden mit 27,48 Millionen Zuschauer für den 2018er-Quotenrekord.
Und auch als in Großbritannien Harry und Meghan heirateten, waren ein paar Millionen dabei – auch Ross Antony, der für RTL vor Ort und ausrastete, nur weil das Prinzenpaar in der Kutsche an ihm vorbeirauschte.

Aber nicht alle haben Glück mit Großereignissen. In letzter Minute hatte Eurosport für die Olympischen Winterspiele in Korea Sublizenzen an ARD und ZDF vergeben. Die Folge: Die meisten Zuschauer waren bei ARD und ZDF dabei, für Eurosport 1 und den Frauensender TLC blieben kaum Zuschauer übrig. Selbst die Abendshow “Zwanzig18” hatte auf zwei Sendern parallel gerade mal 200.000 Zuschauer. Dass man in Korea eventuell einen koreanischen Dolmetscher braucht, konnte man im Ersten allerdings echt nicht ahnen.
Und dann der Echo. Der Musikpreis gerät 2018 zum Debakel. Farid Bang und Kollegah rappten davon, dass sein Körper definierter sei als von Auschwitz-Insassen. Kam nicht überall gut an, Preise gab es dafür trotzdem, und Proteste auch. Selbst in der Show herrschte Unruhe. Danach geben diverse Promis ihre Echos zurück. Ende vom Lied: Der Echo ist tot.

2018 war wieder ein Jahr der Abschiede. Wir mussten uns von vielen Promis verabschieden. Die große Aretha Franklin lebt nicht mehr. Monserrat Caballé ist verstummt. Ebenso die Musiker Holger Biege, Jürgen Marcus, DJ Avicii, Lys Assia, France Gall, Ingo Insterburg, Abi Ofarim, Dolores Edwards (Cranberries) und Charles Aznavour. Auch nicht mehr da: die Schauspieler Rolf Hoppe, Morten Grunwald, Burt Reynolds, Rolf Zacher, Siegfried Rauch, Wolfgang Völz, Jochen Senf und Ulrich Pleitgen. Die Sportler Markus Beyer und Graciano Rocchigiani. Die Fernsehleute Dieter-Thomas Heck, Egon Hoegen, Wilfried Scharnagl, Gunther Witte, Friedrich Moll, Stefanie Tücking, Martin Haas, Thomas Leif und Dagobert Lindlau. Die Entertainer Jens Büchner und Daniel Küblböck, der am Jahresende nach einem Sturz vom Schiff immer noch als vermisst gilt. Die Politiker George Bush, seine Frau Barbara Bush, Philipp Jenninger und Kofi Annan. Wissenschaftler Stephen Hawking, Sternekoch Paul Bocuse, Kirchenmann Karl Kardinal Lehmann, Unternehmerin Käthe Wohlfahrt. Die Autorin Philip Roth und Christine Nöstlinger. Sie werden fehlen.

Auch Nachrichten fehlen. RTL II findet, dass die News zu wenige Zuschauer haben. Deshalb laufen die nun am Nachmittag und sind fünf Minuten kürzer. Und auch der rbb hat seine Spätnachrichten um die Hälfte auf 15 Minuten gekürzt. Damit um 22 Uhr gut abgehangene und preiswerte ARD-Degeto-Schnulzen laufen können. Bei N24 hat sich dagegen wenig geändert – bis auf den Namen: Welt.

Und sonst so? Sascha Hehn will nicht mehr Kapitän vom Traumschiff sein. Ist ihm vielleicht zu doof geworden. Kein Wunder.
Spiegel TV ist 30 geworden. Geschenk von RTL: Sendeplatzverschiebung auf den späten Montagabend. Glückwunsch.
Auf Sat.1 durfte im “Promi Big Brother”-Haus eine gewisse Katja Krasavice minutenlang in der Wanne mit dem Duschkopf masturbieren.
Die Chefs vom FC Bayern München teilten den Journalisten mit, dass die ein bisschen genervt von der ewigen Kritik seien. Bitte mal aufhören. Danke.
Dunja Hayali moderiert nun auch das “Aktuelle Sportstudio” im ZDF. Ihren Hatern bleibt aber auch gar nichts erspart.
Das SWR-Mega-Live-Event “Jäger der versunkenen Lok” musste ausfallen. Mangels versunkener Lok. Ist aber erst nach 25 Jahren Suche aufgefallen.
Und dann noch die Helene und der Flori. Es ist so traurig.

Kann man da eigentlich noch das Jahresende feiern? Darf man sich da noch auf 2019 freuen? Mit neuen Diskussionen und Hasskommentaren und den aktuellen Wasserstandsmeldungen von “Feine Sahne Fischfilet?” Und den neuen Schluckaufs der AfD? Wir bleiben dran und freuen uns auf 2019. Und Michelle ist auch dabei.

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Jäger der versunkenen Lok

Mittwoch, den 24. Oktober 2018
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SO 21.10.2018 | 20.15 Uhr | SWR-Fernsehen

Aus der Reihe: Die dramatischsten Programmänderungen aller Zeiten.
Eigentlich sollte am Sonntagnachmittag im SWR-Fernsehen etwas sehr Spektakuläres live übertragen werden.
Im Februar 1852 fiel die Lokomotive „Rhein“ von einem Transportschiff in den Rhein. 1993 wurde damit intensiv begonnen, das Teil zu bergen. Es wurde geforscht, überprüft, wo genau die Lok liegen könnte, dann gegraben. Am Sonntagnachmittag sollte eigentlich die Bergung bei Cochem beginnen und die Lok ans Tageslicht gehoben werden.
Doch die Übertragung mit dem Titel “Jäger der versunkenen Lok” fiel aus.
Es gab keine Lok.

Es ist ein unfassbares Drama und für Horst Müller eine persönliche Tragödie. 55 (!) Jahre lang hat er sich mit seinem Lebenstraum befasst. Seit 1962 beschäftigte er sich mit der Bergung der Lokomotive. Viele Helfer und Sponsoren waren dabei – bis Anfang Oktober festgestellt worden ist: Dort, wo die Lok vermutet wurde, ist sie nicht. Entweder haben sich die Sonden geirrt oder es wurden die falschen Schlüsse aus den Signalen gezogen.
Eine große Expedition ist somit in letzter Minute gescheitert, und aus dem Mega-Event im SWR wurde am Sonntagabend eine depressive Doku mit lauter fassungslosen und traurigen Männern.
Aber diesen Schock und diesen Schmerz – den kann man sehr gut nachvollziehen. Für Häme ist da kein Platz.

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Die Montagsmaler

Mittwoch, den 29. August 2018
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MO 27.08.2018 | 22.45 Uhr | SWR-Fernsehen

Nun auch noch “Die Montagsmaler”. In der aktuellen Retro-TV-Welle, von der man nicht weiß, ob es sich um blanke Verzweiflung handelt, weil den Fernsehfuzzis nichts Neues mehr einfällt, oder um blanke Verzweiflung, weil junge Zuschauer eh nicht mehr einschalten und die Alten sich mit wohligen Gefühlen an früher erinnern und Neuauflagen des alten Krams wieder sehen wollen.

Aber so richtig scheint man beim SWR nicht auf “Die Montagsmaler” zu bauen. Immerhin läuft die Neuauflage immer montags – sehr lange liefen “Die Montagsmaler” einst dienstags -, aber erst sehr spät am Abend – um 22.45 Uhr. Für eine Familienshow, in der auch Kinder auftreten, darf man das mindestens merkwürdig finden. Wen genau will man um 22.45 Uhr in Sachen Familie noch erreichen?

Ansonsten hat sich der SWR immerhin getraut, das Format sanft zu modernisieren. Zwar müssen die Kandidatengruppen immer noch malen und die anderen erraten, was sie da malen (“Hund – Katze – Maus!”), aber es gibt neue Variationen des Spiels. Einmal verschwindet das Gezeichnete nach drei Sekunden, ein anderes Mal malt jemand aus dem Publikum und beide Teams müssen raten.
Da kann der neue Moderator Guido Cantz auch nicht mehr viel falsch machen. Er muss ja im Grunde nur daneben stehen und – zumindest den Kindern – Tipps geben. Wobei es ja auch schön gewesen wäre, wenn der SWR vielleicht auch dem Moderatorennachwuchs eine Chance gegeben hätte.

“Die Montagsmaler” hat 2018 eigentlich nicht wirklich jemand gebraucht, aber es ist nett-harmloses Fernsehen, das nicht weh tut. Ob man es jede Woche gucken muss, ist eine ganz andere Frage.

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Der große Paola und Kurt Felix Abend

Montag, den 2. April 2018
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SA 31.03.2018 | 22.15 Uhr | NDR

Es gibt Partys, für die braucht man keine Anlässe. So scheint das auch für den “Großen Paola und Kurt Felix Abend” zu gelten, der am Sonnabend gemeinsam von NDR und SWR veranstaltet worden ist. Man setzt sich einfach mal wieder zusammen hin und schwelgt in den alten Zeiten.

Wieder wurden die alten Sketche aus den 80ern gezeigt, als “Verstehen Sie Spaß?” seine goldenen Zeiten erlebte. Wieder hat Paola Felix erzählt, wie das damals alles so war. Wieder haben Stars erzählt, wie das damals so war.
Das kann man so machen, und ehrlich gesagt, sehe ich mir das auch immer wieder gern an. Hätte aber genauso gut auch eine Wiederholung seine können.
Und, lieber NDR und SWR, wenn ihr so etwas schon sendet und diese Show in diversen Sendungen ankündigt – warum läuft sie dann spät um 22.15 Uhr? Nach einem Best of einer Kai-Pflaume-Show? Und wieso lief sie gleichzeitig in beiden Sendern? Wäre doch eine dolle Idee gewesen: der NDR zeigt sie 20.15 Uhr und der SWR um 22.15 Uhr. Wäre ja auch alles viel zu einfach…

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Krause kommt!: Michael Wendler

Dienstag, den 13. März 2018
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FR 09.03.2018 | 23.30 Uhr | SWR-Fernsehen

Der SWR hat neuerdings eine Immobilienshow im Programm. Blöderweise wussten die das aber selbst nicht – erst am Freitag um 23.30 Uhr könnten die das mitbekommen. Da hat nämlich der Wendler dem Krause sein Haus gezeigt.

“Krause kommt” heißt ein sehr schönes Format spätfreitagabends im SWR-Fernsehen. Pierre M. Krause besucht in der Sendung einen Prominenten in seiner Wohnung. Sie plaudern, besuchen Orte, die dem Promi wichtig sind, und Krause übernachtet dann auch bei dem Promi. Krause ist also quasi Gast in seiner eigenen Sendung.

Auch Schlagerstar Michael Wendler hat das SWR-Team in sein Haus gelassen. Er ist ein Anwesen in Dinslaken, einen alten Pferdehof. Der Wendler führte den Krause durchs Haus. Der große Flur, die schöne Küche, das herrliche Kaminzimmer, das Schwimmbad und der riesige Kraftraum. Muss man gesehen haben. Und gut, dass sich die SWR-Leute das alles mal ansehen konnten, denn der Wendler will die Klitsche nämlich verkaufen. Bis jetzt hat sich aber niemand gefunden – vielleicht ist das ja nach der SWR-Immobilenschau anders. Der Wendler lebt nun mit seiner Familie in den USA, in Dinslaken ist er eigentlich nur, wenn… ja, wenn der SWR kommt und sein Haus abfilmt.

Ziemlich berechnend, möchte man meinen. Aber vielleicht tut man dem Wendler damit auch mal wieder unrecht.
Denn: Irgendwie sympathisch ist er ja doch, der Wendler. Sehr offen erzählt er über sein Leben. Wie er zur Musik gekommen ist, was ihn beschäftigt, wie er mit der umfassenden Häme klargekommen ist – oder auch nicht klargekommen ist. Fast schüchtern wirkt er, fast zerbrechlich. Dass dieser Typ oftmals so großfressig rumlief, scheint in diesen Augenblicken so gar nicht fassbar zu sein. Sein Image passt einfach nicht zu dem Menschen, als der sich der Wendler dem Krause zeigt.
Dschungelcamp? Hätte er nicht machen sollen. Oder nicht vorzeitig rausgehen dürfen. Dass er sich bei einer RTL-Show so schwer verletzt hat, dass seine Hand dauerhaft Schaden nahm, ist bitter. Sein Image jedoch kam wie ein Bumerang zurück, es flog ihm um die Ohren – in Deutschland spielte er ziemlich plötzlich kaum noch eine Rolle.
Und wenn er dann in der Doku so erzählt – da möchte man das alles kaum glauben. Dass so ein schüchterner Mensch leider so oft so seltsam unsympathisch rüberkam.

So hatte diese SWR-Doku dann doch was Gutes – es zeigte den Wendler wirklich mal von einer Seite, die man ganz offenbar viel zu selten zu sehen bekam.

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