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Jäger der versunkenen Lok

Mittwoch, den 24. Oktober 2018
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SO 21.10.2018 | 20.15 Uhr | SWR-Fernsehen

Aus der Reihe: Die dramatischsten Programmänderungen aller Zeiten.
Eigentlich sollte am Sonntagnachmittag im SWR-Fernsehen etwas sehr Spektakuläres live übertragen werden.
Im Februar 1852 fiel die Lokomotive „Rhein“ von einem Transportschiff in den Rhein. 1993 wurde damit intensiv begonnen, das Teil zu bergen. Es wurde geforscht, überprüft, wo genau die Lok liegen könnte, dann gegraben. Am Sonntagnachmittag sollte eigentlich die Bergung bei Cochem beginnen und die Lok ans Tageslicht gehoben werden.
Doch die Übertragung mit dem Titel “Jäger der versunkenen Lok” fiel aus.
Es gab keine Lok.

Es ist ein unfassbares Drama und für Horst Müller eine persönliche Tragödie. 55 (!) Jahre lang hat er sich mit seinem Lebenstraum befasst. Seit 1962 beschäftigte er sich mit der Bergung der Lokomotive. Viele Helfer und Sponsoren waren dabei – bis Anfang Oktober festgestellt worden ist: Dort, wo die Lok vermutet wurde, ist sie nicht. Entweder haben sich die Sonden geirrt oder es wurden die falschen Schlüsse aus den Signalen gezogen.
Eine große Expedition ist somit in letzter Minute gescheitert, und aus dem Mega-Event im SWR wurde am Sonntagabend eine depressive Doku mit lauter fassungslosen und traurigen Männern.
Aber diesen Schock und diesen Schmerz – den kann man sehr gut nachvollziehen. Für Häme ist da kein Platz.

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Die Montagsmaler

Mittwoch, den 29. August 2018
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MO 27.08.2018 | 22.45 Uhr | SWR-Fernsehen

Nun auch noch “Die Montagsmaler”. In der aktuellen Retro-TV-Welle, von der man nicht weiß, ob es sich um blanke Verzweiflung handelt, weil den Fernsehfuzzis nichts Neues mehr einfällt, oder um blanke Verzweiflung, weil junge Zuschauer eh nicht mehr einschalten und die Alten sich mit wohligen Gefühlen an früher erinnern und Neuauflagen des alten Krams wieder sehen wollen.

Aber so richtig scheint man beim SWR nicht auf “Die Montagsmaler” zu bauen. Immerhin läuft die Neuauflage immer montags – sehr lange liefen “Die Montagsmaler” einst dienstags -, aber erst sehr spät am Abend – um 22.45 Uhr. Für eine Familienshow, in der auch Kinder auftreten, darf man das mindestens merkwürdig finden. Wen genau will man um 22.45 Uhr in Sachen Familie noch erreichen?

Ansonsten hat sich der SWR immerhin getraut, das Format sanft zu modernisieren. Zwar müssen die Kandidatengruppen immer noch malen und die anderen erraten, was sie da malen (“Hund – Katze – Maus!”), aber es gibt neue Variationen des Spiels. Einmal verschwindet das Gezeichnete nach drei Sekunden, ein anderes Mal malt jemand aus dem Publikum und beide Teams müssen raten.
Da kann der neue Moderator Guido Cantz auch nicht mehr viel falsch machen. Er muss ja im Grunde nur daneben stehen und – zumindest den Kindern – Tipps geben. Wobei es ja auch schön gewesen wäre, wenn der SWR vielleicht auch dem Moderatorennachwuchs eine Chance gegeben hätte.

“Die Montagsmaler” hat 2018 eigentlich nicht wirklich jemand gebraucht, aber es ist nett-harmloses Fernsehen, das nicht weh tut. Ob man es jede Woche gucken muss, ist eine ganz andere Frage.

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Der große Paola und Kurt Felix Abend

Montag, den 2. April 2018
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SA 31.03.2018 | 22.15 Uhr | NDR

Es gibt Partys, für die braucht man keine Anlässe. So scheint das auch für den “Großen Paola und Kurt Felix Abend” zu gelten, der am Sonnabend gemeinsam von NDR und SWR veranstaltet worden ist. Man setzt sich einfach mal wieder zusammen hin und schwelgt in den alten Zeiten.

Wieder wurden die alten Sketche aus den 80ern gezeigt, als “Verstehen Sie Spaß?” seine goldenen Zeiten erlebte. Wieder hat Paola Felix erzählt, wie das damals alles so war. Wieder haben Stars erzählt, wie das damals so war.
Das kann man so machen, und ehrlich gesagt, sehe ich mir das auch immer wieder gern an. Hätte aber genauso gut auch eine Wiederholung seine können.
Und, lieber NDR und SWR, wenn ihr so etwas schon sendet und diese Show in diversen Sendungen ankündigt – warum läuft sie dann spät um 22.15 Uhr? Nach einem Best of einer Kai-Pflaume-Show? Und wieso lief sie gleichzeitig in beiden Sendern? Wäre doch eine dolle Idee gewesen: der NDR zeigt sie 20.15 Uhr und der SWR um 22.15 Uhr. Wäre ja auch alles viel zu einfach…

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Krause kommt!: Michael Wendler

Dienstag, den 13. März 2018
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FR 09.03.2018 | 23.30 Uhr | SWR-Fernsehen

Der SWR hat neuerdings eine Immobilienshow im Programm. Blöderweise wussten die das aber selbst nicht – erst am Freitag um 23.30 Uhr könnten die das mitbekommen. Da hat nämlich der Wendler dem Krause sein Haus gezeigt.

“Krause kommt” heißt ein sehr schönes Format spätfreitagabends im SWR-Fernsehen. Pierre M. Krause besucht in der Sendung einen Prominenten in seiner Wohnung. Sie plaudern, besuchen Orte, die dem Promi wichtig sind, und Krause übernachtet dann auch bei dem Promi. Krause ist also quasi Gast in seiner eigenen Sendung.

Auch Schlagerstar Michael Wendler hat das SWR-Team in sein Haus gelassen. Er ist ein Anwesen in Dinslaken, einen alten Pferdehof. Der Wendler führte den Krause durchs Haus. Der große Flur, die schöne Küche, das herrliche Kaminzimmer, das Schwimmbad und der riesige Kraftraum. Muss man gesehen haben. Und gut, dass sich die SWR-Leute das alles mal ansehen konnten, denn der Wendler will die Klitsche nämlich verkaufen. Bis jetzt hat sich aber niemand gefunden – vielleicht ist das ja nach der SWR-Immobilenschau anders. Der Wendler lebt nun mit seiner Familie in den USA, in Dinslaken ist er eigentlich nur, wenn… ja, wenn der SWR kommt und sein Haus abfilmt.

Ziemlich berechnend, möchte man meinen. Aber vielleicht tut man dem Wendler damit auch mal wieder unrecht.
Denn: Irgendwie sympathisch ist er ja doch, der Wendler. Sehr offen erzählt er über sein Leben. Wie er zur Musik gekommen ist, was ihn beschäftigt, wie er mit der umfassenden Häme klargekommen ist – oder auch nicht klargekommen ist. Fast schüchtern wirkt er, fast zerbrechlich. Dass dieser Typ oftmals so großfressig rumlief, scheint in diesen Augenblicken so gar nicht fassbar zu sein. Sein Image passt einfach nicht zu dem Menschen, als der sich der Wendler dem Krause zeigt.
Dschungelcamp? Hätte er nicht machen sollen. Oder nicht vorzeitig rausgehen dürfen. Dass er sich bei einer RTL-Show so schwer verletzt hat, dass seine Hand dauerhaft Schaden nahm, ist bitter. Sein Image jedoch kam wie ein Bumerang zurück, es flog ihm um die Ohren – in Deutschland spielte er ziemlich plötzlich kaum noch eine Rolle.
Und wenn er dann in der Doku so erzählt – da möchte man das alles kaum glauben. Dass so ein schüchterner Mensch leider so oft so seltsam unsympathisch rüberkam.

So hatte diese SWR-Doku dann doch was Gutes – es zeigte den Wendler wirklich mal von einer Seite, die man ganz offenbar viel zu selten zu sehen bekam.

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Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Sonntag, den 24. Dezember 2017
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SA 23.12.2017 | 23.15 Uhr | WDR

Warum ein Film zum Kult wird, weiß man nicht so genau. Aber vielleicht muss man ihn nur oft genug im Fernsehen zeigen, dass auch wirklich jeder eine Chance hat, ihn zu sehen.
Als ich “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” zum ersten Mal Ende der 80er-Jahre im Fernsehen der DDR sah, da war an einen Kult noch nicht zu denken. Es war einfach ein schöner Märchenfilm, der ab und zu gesendet wurde – und das nicht mal zwingend zu Weihnachten. Denn eigentlich ist das Werk (DDR/CSSR) von 1973 ja gar kein expliziter Weihnachtsfilm.
Anfang der 90er lief das Märchen im Freitagnachmittagsprogramm des Ersten, und da nahm ich ihn das erste Mal auf VHS auf – und guckte ihn seitdem öfter mal.
Irgendwann da muss auch der Rest des Landes angesteckt worden sein.

Am Sonnabend konnte das Aschenbrödel im WDR schon mal vorglühen. Allein von Sonnabend bis zum ersten Weihnachtsfeiertag gibt es zehn Ausstrahlungen. Und Heiligabend bietet die ARD einen ganz besonderen Service. Da kann man den Film zwischen 12 und 18 Uhr in der Dauerschleife sehen. Los geht es um 12.05 Uhr im Ersten, dann um 13.35 Uhr im WDR, um 15.05 Uhr im NDR und um 16.40 Uhr im SWR und SR. Wer das nicht schafft, bekommt um 20.15 Uhr im rbb und 21.05 Uhr bei one weitere Chancen – wenn man ihn nicht eh auf DVD hat.

Frohes Fest!

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Boris Becker – Der Spieler

Donnerstag, den 23. November 2017
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MI 22.11.2017 | 20.15 Uhr | SWR-Fernsehen

Der Leimener. Unser Boris. Das Bobbele. Aber eigentlich ist er: Herr Becker.
Am Mittwoch ist Boris Becker 50 geworden. Das SWR-Fernsehen zeigte deshalb am Abend noch mal die Doku, die am Montag im ersten leider ins Spätprogramm verschoben werden musste: “Boris Becker – Der Spieler”. Es war ein bemerkenswerter Film über einen aber auch bemerkenswerten Mann – in verschiedenen Hinsichten.

Ob er es will oder nicht: Er steht im Rampenlicht, und das, seit er 17 Jahre alt war. 1985 gewann er das Tennisturnier in Wimbledon. Der Rasenplatz wurde zu seinem Wohnzimmer. Und Boris Becker zu einem Sportler, der alles preisgegeben hat – preisgeben musste. Es blieb ihm wohl kaum eine Wahl. Wer ein Star ist, muss mit dem Ruhm leben und damit, dass auch sein Privatleben in den Boulevardmedien ausgeschlachtet wird.
Becker wollte das nie, und so hört er sich sehr bitter an, wenn er über seine Popularität spricht. Denn die heißt auch: Wenn man ganz unten ist, wird nachgetreten. Beckers Schulden – und es wird kübelweise Häme ausgeschüttet.

Der SWR-Film begleitet Becker ein Jahr lang. Durch Höhen und Tiefen. Schulden? Erst weist er alles von sich, aber nach und nach wird doch klar, dass da was ist. Als er wegen einer Sprunggelenk-OP humpelt, will er, dass auch das gezeigt wird, es sei ja schließlich die Wahrheit.
Becker – ein gebrochener Mann? Zumindest bitter, so scheint es. Er wolle nicht “unser Boris” sein, das sei er noch nie gewesen, sagt er. Herr Becker, das sei er. Er möchte selbst aussuchen, wer ihn Boris nennen darf. Und wenn er es sich aussuchen könnte, dann wolle er in den Medien, insbesondere bei “Bild” und Co gar nicht mehr vorkommen.

Becker hat – Stichwort Schulden – ganz sicher Fehler gemacht. Zur Ruhe kommen lässt man ihn aber nicht – einmal Star, immer Star, wenn auch in einer anderen Kategorie. Diesen Boris Becker mal zu sehen, so offen, so gebrochen, das ist genauso spannend wie traurig.

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Von Neuanfängen und Wendepunkten – Das Leben in die Hand nehmen

Freitag, den 3. November 2017
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DO 02.11.2017 | 0.00 Uhr (Fr.) | SWR-Fernsehen

Ein Mann, der Selbstmord begehen wollte und gerettet wurde und ein neues Leben anfangen konnte. Ein querschnittsgelähmter Mann, der durch moderne Technik wieder laufen kann. Eine Frau, die bis vor sieben Wochen noch ein Mann war. Eine Sängerin aus Deutschland, die in Uganda ein Star ist.
Sieben Gäste sprachen am späten Donnerstagabend im SWR-Fernsehen über Wendepunkte in ihrem Leben. Sehr persönlich, durchaus intim. Befragt von insgesamt 14 Moderatorinnen und Moderatoren.

Ja, genau. 14! Denn die Sendung “Von Neuanfängen und Wendepunkten – Das Leben in die Hand nehmen” war nicht nur wegen des Themas interessant, sondern auch wegen der Produktionsumstände.
Jede der kleinen Talkrunden wurde von zwei anderen Moderatoren geleitet. Denn bei dieser Talkshow handelte es sich um das Abschlussprojekt des Institutes für Moderation (IMO). Die 14 Absolventen haben ein Jahr lang im Institut geübt, wie man gut und richtig moderiert. Im SWR hatten sie dann die Chance, tatsächlich erstmals im Fernsehen durch eine Sendung, durch ein Gespräch zu führen. da ist es auch zu verschmerzen, dass so was erst um Mitternacht ausgestrahlt wird.

Als Zuschauer ist man ja durchaus geübt, zu erkennen, ob jemand gut moderiert. Da gab es einen, der sich mehrere “Ähs” nicht verkneifen konnte. Oder die junge Frau, die im Interview extrem steif wirkte und nicht wie in einer Gesprächssituation. Oder die andere Moderatorin, die sich ihre ruckartigen Kopfbewegungen noch abgewöhnen sollte.
Eigentlich wäre es nun noch interessant gewesen, zu erfahren, welche Bewertungen denn die 14 Absolventen bekommen haben. Andererseits war es kein RTL-Casting, bei dem einen am Ende Dieter Bohlen fertig macht. Deshalb müssen wir warten, und vielleicht begegnen wir ja noch mal jemanden, der in dieser SWR-Sendung das Fernsehdebüt feierte.