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Die SWR3 MorningShow

Sonntag, den 14. Juni 2020
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FR 12.06.2020 | 6.00 Uhr | SWR-Fernsehen

Das Schöne am Radio ist ja: Man kann es nicht sehen. Man kann sich nur vorstellen, wie die Leute aussehen, die da moderieren, wie das Studio aussieht – und wie aufregend es im Verkehrszentrum ist.
Jeden Morgen aber entzaubert das SWR-Fernsehen diese Show im Kopf: Denn die “SWR3-Morningshow” läuft nicht nur im Radio bei SWR3, sondern von 6 bis 8 Uhr auch im Fernsehen. Allerdings handelt es sich dabei letztlich doch nur um abgefilmtes Radio, das wenig bis nichts zusätzlich kosten darf.

So gibt es zwar ein paar festinstallierte Kameras, aber irgendwie hätte man an die Einstellungen noch mal ran gehen können – zumindest am Freitagmorgen. Die Nachrichtensprecherin steht irgendwie am unteren Bildrand und wird auch noch überdeckt von der Einblendung der Nachrichten als Laufband. Immerhin sieht man ihren Kopf, und man sieht, wie sie nach dem letzten gesprochenen Wort aus dem Studio rennt. Übrigens nach zweieinhalb Minuten, mehr Nachrichten mutet man den SWR3-Hörern nicht zu.
Während der Wettermann seine Wettervorhersage liest, ist er – vermutlich mangels Kamera – nicht im Bild. Stattdessen sehen wir die beiden crazy draufen Morningshow-Moderatoren an ihren Mikros stehen, einer macht ungelenke Tanzbewegungen, um den 13 SWR-Fernsehzuschauern zu zeigen, wie unfassbar gut drauf er um 6.03 Uhr schon ist. Je nach Kameraposition ist übrigens immer einer der beiden Moderatoren vom Mikrohalter verdeckt. Immerhin aber sieht man sie, wenn auch nur im oberen rechten Bildrand.
Das Verkehrszentrum besteht übrigens aus einem Schreibtisch und einem Monitor sowie dem Mann, der liest, was auf dem Monitor zu lesen ist. Für die SWR-Zuschauer werden die Verkehrsmeldungen auch per Laufband eingeblendet, allerdings reicht die Zeit nicht, alles einmal durchlaufen zu lassen.

Während die coole SWR3-Pop-Chartsmusik läuft, sieht man im SWR-Fernsehen keine Videoclips, sondern einen Splitscreen. Oben links stehen Schlagzeilen, unten links ein paar Wetterinfos, daneben Verkehrsinfos. Unten rechts sind nichtssagende Standbilder von leeren Autobahnen und Bundesstraßen zu sehen. Immerhin erfährt man daraus, dass die Autobahn, die da zu sehen ist, leer ist. Welchen Nutzen das für den SWR-Zuschauer haben könnte, ist unklar. Außer, dass man denkt: Ui, ist ja ganz schön leer auf der B14 am Kappelbergtunnel in Richtung Stuttgart.
Auch erfahren wir, welcher Song läuft und welcher als Nächstes kommt.
Oben rechts sehen wir die Moderatoren, allerdings blöderweise verdeckt vom SWR-Senderlogo. Einer rennt erst mal raus, der andere blättert erst mal durch die “Bild”-Zeitung. Und weil zwischen den Songs nur ein Jingle läuft – die Hörer und Zuschauer müssen dringend erfahren, dass sie SWR3 hören – kann auch der andere nach der Zeitungslektüre noch mal raus. Aufs Klo vielleicht – leider gibt es da keine Kamera.

Dann ist doch mal Zeit für Inhalt. Es geht um Rettungsschwimmer, die erzählen, wie die Lage ist. Der Beitrag ist fertig, die Moderatoren müssen ihn nur anmoderieren. Der Beitrag ist flott geschnitten, im Musik läuft permanent Plingplangmusik, damit es nicht langweilig wird, und immerhin hat dieser Beitrag auch gute zwei Minuten gedauert, bevor sich Hörer und Moderatoren wieder bei Musik entspannen können.
Zehn Minuten und zwei Songs später plaudern die beiden Moderatoren über die Senkung der Mehrwertsteuer – also, zumindest einer von ihnen hat den Zettel mit dem Text in der Hand. Auch diese anderthalbminütige Plauderei ist mit Musik unterlegt, damit ja keiner wieder einschläft, und ein dazu passender Beitrag kommt erst gar nicht.

So geht das alle halbe Stunde. Nachrichten, Wetter, Verkehr, Musik, Musik, Beitrag, Musik, Musik, Plauderei, Musik, Musik, Trailer, Nachrichten…
“Die SWR3 Morningshow” ist ein routiniert gemachtes Formatradio, das nicht wirklich oder gar keine Überraschungen bietet. Warum man das fürs Fernsehen abfilmt, obwohl aufs Fernsehen nie Bezug genommen wird und auch niemand in eine der Kameras schaut, nicht nicht klar. Vermutlich sind es schlicht sehr preiswerte Sendeminuten.

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Koch mal Anders

Montag, den 9. März 2020
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FR 06.03.2020 | 13.45 Uhr | SWR-Fernsehen

Kochen ist ja eigentlich eine etwas langweilige Angelegenheit. Gerade, wenn man so schön ins Plaudern kommt. Da steht man dann in der Küche rum und kocht gar nicht mehr.
So schien es auch Thomas Anders und Francine Jodi zu gehen.

Thomas Anders, wir kennen ihn von Modern Talking, moderiert immer mal wieder Fernsehformate im Tagesprogramm. Mal geht es um Ahnenforschung, jetzt wandelt er auf den Pfaden von Alfred Biolek.
Der hat sich jahrelang in “Alfredissimo” Gäste zum Kochen eingeladen. Dann wurde geschnippelt, gebrutzelt und geplaudert, und Alfred Biolek hat mit seinen Mmmhhhmmms ausgedrückt, wie gut oder wie schlecht (“Ach, das schmeckt ja interessant!) es ihm schmeckt.

Die SWR-Sendung “Koch mal Anders” erinnert sehr stark an “Alfredissimo”. Denn auch diese Sendung beginnt, wenn Gast und Gastgeber schon plaudern. Und auch Thomas Anders schwadronierte zwischendurch, wie das mit den Mmmmhhhms so funktioniert.

Am Freitagnachmittag war die Schalgersängerin Francine Jordi zu Gast. Sie kochte Züricher Geschnetzeltes. Aber das spielte zwischendurch keine Rolle mehr. Anders und Jordi standen in der Küche und plauderten über ihre Schlagerkarriere. Dass in so vielen Shows aufgetreten sei, mit immer demselben Lied, und so viele Shows wie damals gibt es ja gar nicht mehr…
Und wer will denn bei so spannenden Gesprächen noch kochen?

“Koch mal Anders” dauert 45 Minuten. Es würde der Sendung aber gut tun, sie mehr zu straffen – Alfred Biolek haben ja 30 Minuten einst auch gereicht. Da war kein Platz für überflüssige Labereien.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 24. Februar 2021)

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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Landfrauenküche im Advent

Freitag, den 20. Dezember 2019
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MO 16.12.2019 | 20.15 Uhr | BR-Fernsehen

Montag, 20.15 Uhr, im BR-Fernsehen: In der Sendung “Landfrauenküche im Advent” kocht Cathi aus dem Berchtesgadener Land frischen Saibling.
Montag, 20.15 Uhr, im WDR: In der Sendung “Land und lecker im Advent” kocht Cathi aus dem Berchtesgadener Land frischen Saibling.
Montag, 20.15 Uhr, im SWR-Fernsehen: In der Sendung “Lecker aufs Land im Advent” kocht Cathi aus dem Berchtesgadener Land frischen Saibling.
Drei Sendungen, eine kochende Frau? Was ist da los?

Was da jeden Montagabend in drei Dritten Programmen vor sich geht, ist in der Tat bemerkenswert. Denn einerseits handelt es sich – zeitgleich im BR, WDR und SWR – um verschiedene Sendungen. Aber das Sendematerial ist dasselbe.
Überall kochte am Montag Cathi aus dem Berchtesgadener Land frischen Saibling und hatte drei andere Landfrauen zu Gast. Die haben in den Vorwochen gekocht.
Allerdings: Der Off-Kommentar war in jeden Sender ein anderer. Die Musik im Hintergrund war eine andere, mitunter war der Schnitt auch anders.
Die Frage ist: Warum wird nach einem Dreh eine Sendung in drei verschiedenen Versionen produziert und gleichzeitig ausgestrahlt?

Die Antwort ist einerseits einleuchtend, andererseits trotzdem bekloppt.
Die selbe Produktionsfirma stellt für den BR, WDR und SWR dieselbe Idee um. Landfrauen treffen und bekochen sich. Im BR heißt die Serie “Landfrauenküche”, im WDR “Land und lecker”, im SWR “Lecker aufs Land”.
Das fällt so lange nicht auf, wie die Reihen in den jeweiligen Bundesländern Geschichten aus den jeweiligen Bundesländern erzählen. Wenn aber die drei Reihen aufeinandertreffen, dann rückt dieser Irrsinn ins Blickfeld. Vor allem dann, wenn in den Programmzeitschriften die drei Sendung direkt nebeneinander stehen.

Anstatt dass eine Sendung (mit meinetwegen drei verschiedenen Vorspännen) entsteht, haben sich drei komplett verschiedene Teams an die jeweilige Bearbeitung der Sendung gemacht.
Der Umfang der finanziellen Verschwendung hält sich vermutlich in Grenzen. Es erzählt aber dennoch etwas über den ARD-Irrsinn, der da hin und wieder um sich greift.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek: in der BR-Version (bis 17. November 2020) – in der WDR-Version (bis 16. November 2020) – in der SWR-Version. (bis 21. November 2024)

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Schlager-Spaß mit Andy Borg

Mittwoch, den 3. April 2019
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SA 30.03.2019 | 20.15 Uhr | SWR-Fernsehen

Der Musikantenstadl: tot. Die Feste der Volksmusik: modernisiert, die Volksmusik: tot.
Aber die heile Welt ist noch nicht ganz ausgestorben. Beim SWR lebt sie weiter – sogar am Sonnabend zur Primetime. Auch wenn der “Schlager-Spaß mit Andy Borg” wie eine längst verschollene Wiederholung aus den frühen 90ern wirkt.

Andy Borg begrüßt die Zuschauer aus einem Weinlokal. Wein ist immer gut, denn vermutlich braucht man einen gewissen Pegel, um diese Show in voller Länge zu ertragen.
Vorsichtshalber hat man bei der Vorspannmusik das rhythmische Klatschen des Publikums gleich mitvorproduziert. Wäre vermutlich auch zu aufwendig, wenn die Leute im Saal angeheizt werden müssen – es scheint sowieso schon sehr warm dort zu sein.
Der Andy stimmt uns mit einem feschen Lidl auf die kommenden zwei Stunden ein. “Wo gibt’s dies und das und viel Schlager-Spaß?”, fragt er in seinem Lied, und eigentlich möchte man lieber wissen, was dies ist und ob das spannender ist.

Stattdessen gibt es Schlager. Volkstümlichen. Die Nockis playbacken etwas über den schwarzen Sand von Santa Cruz, und das Publikum wirkt schon in Minute 4 seltsam abwesend. Als Bata Illic zu Gast ist, wirkt er ein bisschen heiser, und sein Alter merkt man ihm inzwischen deutlich an. Aber gut, dass auch er zum Jahrzehnte alten Playback die Lippen bewegen darf – schon wirkt er 40 Jahre jünger. Oder 50.
Dazwischen macht der Nady ein paar herzerfrischende Gags, eine Blaskapelle macht “Peng”, äh heißt “Peng”, die Amigos werden ebenfalls auf die Zuschauer losgelassen, deren Fernbedienung bedauerlicherweise kaputtgegangen ist.

Was Anita und Alexandra Hoffmann gesungen haben, weiß ich leider nicht mehr – es muss ein Koma gewesen sein, auch Helmut Lotti konnte mich davon nicht erlösen.

Es ist völlig in Ordnung, dass der SWR, das öffentlich-rechtliche Fernsehen, auch den volkstümlichen Schlager anbietet. Aber der “Schlager-Spaß” durfte vermutlich auch für viele 70-Jährige abschreckend wirken, weil sie sich für diese Show viel zu jung fühlen.

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Stockacher Narrengericht

Montag, den 4. März 2019
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DO 28.02.2019 | 20.15 Uhr | SWR-Fernsehen

“Guckt euch doch mal die Männer von heute an! Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette.” Tusch!

Du musst dir das so vorstellen. Lahme Karnevalssendung des SWR am Donnerstagabend, das “Stockacher Narrengericht”. Eine Frau mit seltsamer roten Mütze steht da und sagt mehr schlecht als recht auswendig gelernte Sätze auf. Sie macht einen Witz, und der ist so mau wie so vieles in diesen Faschingsveranstaltungen.
Die Sache ist nur: Die Rednerin ist die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Was Witze angeht, ist das scheinbar nicht ihr Gebiet. Und was die Inhalte angeht – da sollte man zumindest mal kurz drüber sprechen.

Ja, es ist so: Karneval, da geht es witzig zu. Da wird über viele Themen gesprochen, und da darf und muss es auch mal weh tun. Da müssen sich diverse Zielgruppen (Stichwort: Doppelnamen) einiges gefallen lassen.
Nur: Normalerweise stehen da Leute aus dem Volk, die in solchen Karnevalsshows ihre Reden halten. Oder eben Comedians und Narren. Die treten dann auch gern mal nach oben.

Hier jedoch tritt eine von oben, eine, die in der politischen Machtzentrale sitzt, nach unten. Das wird es schon schwieriger. Man kann diese Rede als das sehen, was sie ja sein soll – als ironische Betrachtung einer gesellschaftlichen Entwicklung.
Wie sieht es denn aber aus, wenn sich Annegret Kramp-Karrenbauer – AKK – mal auf ernster und politischer Ebene mit den Männern befassen muss, “die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen”? Sagt sie dann auch “Täätää” und wechselt das Thema, weil sie es als erledigt erachtet?

Es ist gar keine Frage, dass sich auch Intersexuelle Witze über sich im Karneval gefallen lassen müssen, auch wenn es manchmal hart ist. Da gab es mal den schönen Spruch: Jede Minderheit habe das Recht, verarscht zu werden. Pikant ist eben in diesem Fall die Absenderin dieses Gags. Diesem Shitsturm muss sich Annegret Kramp-Karrenbauer stellen.

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Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss

Freitag, den 11. Januar 2019
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MI 09.01.2019 | 22.00 Uhr | SWR-Fernsehen

Als “Holocaust” 1979 erstmals im deutschen Fernsehen lief, da löste der US-Vierteiler einen Gefühlserdrutsch aus. Vorher waren die Verbrechen im Dritten Reich und die organisierte Tötung der Juden kaum ein Thema in der Bundesrepublik. Dann kam “Holocaust”, und die Skepsis vorher war groß: Kann eine eher soapige Darstellung der Geschichte für Aufklärung sorgen? Müssen das nicht Dokus und Diskussionssendungen leisten?
In der ARD war die Skepsis so groß, dass man sich nicht dazu durchringen konnte, den Vierteiler im Ersten Programm ausstrahlte. Stattdessen liefen die Filme in den zusammengeschlossenen Dritten.
Das Echo war riesig. Die Leute waren berührt, entsetzt und beschämt. Sie litten mit, sie trauerten mit. “Holocaust” sorgte dafür, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht nur in Deutschland eine andere wurde.

Ich habe “Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss” irgendwann Anfang der 90er gesehen, ich war ein Teenager. Aus der Oranienburger Bibliothek lieh ich mir die Videokassetten aus.
Bald war ich gebannt. Es war spannend zu sehen, was mit den Menschen in diesem Vierteiler passiert, und in Teil 4, wenn das Ende naht und die Familie quasi ausgelöscht wird… Ich habe an einigen Stellen sehr geweint. Es hat mich extrem getroffen, was dort geschah. Ich konnte diesen Wahnsinn – der ja in diesem Fall fiktiv ist, aber ja auch in Wirklichkeit stattfand – nicht fassen.

2019. NDR, WDR und SWR wiederholen “Holocaust” zum 40. Austrahlungsjubiläum. Der SWR ist am Mittwochabend eingestiegen. Leider haben die Dritten dafür nur Sendeplätze am späteren Abend.
Denn auch nach 40 Jahren sind diese Filme wichtig. Um zu zeigen, was war. Aber auch um zu zeigen, was nie mehr passieren darf. Und das in Zeiten, in der die Rechtsextremen wieder in die Mitte der Gesellschaft rutschen, in der Andersdenkende schleichend wieder diskriminiert und mundtot gemacht werden sollen. Denn so hat es damals auch angefangen, bevor der eigentliche Wahnsinn begann.

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