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SWR extra: Bundeskanzlerin Merkel besucht das Hochwassergebiet

Montag, den 19. Juli 2021
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SO 18.07.2021 | 12.45 Uhr | SWR-Fernsehen

Der Besuch von Bundespräsident Steinmeier am Sonnabend in Erftstadt war voller Anteilnahme, aber dennoch auch ziemlich distanziert. Es heißt, dass vor der Pressekonferenz Bürger fortgeschickt worden seien. Sie sollten nicht, nun ja, stören. So wurde es später in den sozialen Netzwerken berichtet.

Ein ganz anderes Bild am Sonntag. Das SWR-Fernsehen übertrug in einer Sondersendung den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Schuld in Rheinland-Pfalz. Mit dabei war auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer.
Dreyer, die durch ihre MS-Erkrankung sowieso geschwächt ist, hatte Mühe, als sie durch das Katastrophengebiet lief, sie hakte sich bei einem Begleiter unter, Merkel nahm sie bei der Hand. Ganz selbstverständlich.
Beide kamen sie mit Rettern ins Gespräch, mit Menschen, die alles verloren haben, Menschen, die helfen aufzuräumen. Sie sprachen mit Feuerwehrleuten, Bundeswehrangehörigen. Und das Fernsehen begleitete sie alle live.
Es war ehrliches Interesse, ehrliche Anteilnahme – wie geht es Ihnen, was für Hilfe brauchen Sie? Das Versprechen, dass Hilfe geleistet werden soll. Mitunter mussten aber auch – völlig verständlich – mit der Wut der Angesprochenen klarkommen.

Merkel ist keine der wahlkämpfenden Politikmenschen in diesen Tagen, sie muss keinem was beweisen, sie muss keinem mehr gefallen. Als Regierungschefin muss sie und will sie ganz offenbar auch Präsenz zeigen. Den Menschen zuhören, ihnen zeigen, dass sie bei ihnen ist.

Nicht nur der Rundgang gehörte zu den eindrücklichen Momenten dieses Tages, auch die Pressekonferenz wenig später, ebenfalls u.a. vom SWR-Fernsehen übertragen, war mitunter ergreifend. Zwischendurch konnte der Bürgermeister seine Tränen nicht zurückhalten – ansonsten blieb er tapfer und berichtete von den schweren Stunden der Katastrophe und der Zeit danach.
Und einen interessanten Moment gab es. Auch Bürger verfolgten die Veranstaltung, und eine Frau hatte es bis ans Presse-Mikro geschafft. Ob denn auch Bürger Fragen stellen dürften, wollte sie wissen. Sie fragte, wie denn die Situationen der Kliniken in der Regio sei – und sie bekam eine Antwort. Wobei Merkel Malu Dreyer unterbrechen musste und nach hinten rief, dass die Reporterin der BILD doch bitte abwarten möge, und die Frau, die gerade was gefragt habe, wolle doch sicher auch die Antwort mitbekommen. Ganz tough sowohl die BILD-Frau als auch die Fragende abgewatscht.

-> Die Sendung mit dem Rundgang in der ARD-Mediathek (bis 18. Juli 2022)
-> Die Sendung mit der Pressekonferenz in der ARD-Mediathek (bis 18. Juli 2022)

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Almania

Donnerstag, den 20. Mai 2021
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DI 18.05.2021 | 22.00 Uhr | SWR-Fernsehen

Frank Stimpel ist ein Alman. Hinter dem Begriff verbirgt sich laut Wikipedia eine türkische Bezeichnung für einen Deutschen ohne Migrationshintergrund. Der Alman ist überkorrekt, regelbesessen, genau und auch noch laktoseintolerant. Zumindest auf Frank Stimpel trifft das wohl zu.
Der 28-jährige Lehrer wird nach einem rassistischen Spruch an eine Gesamtschule versetzt. Dort bekommt er es mit echten pädagogischen Härtefällen zu tun.

Am Dienstagabend zeigte das SWR-Fernsehen die 1. Staffel zwei Folgen von “Alman”. Mehr gibt es noch nicht, von einer Staffel kann man da nicht unbedingt sprechen. Vermutlich will man diese Serie erst mal beim Publikum testen. Schon seit März steht sie in der ARD-Mediathek zur Verfügung. Die Frage ist nur, was es da zu testen gibt, den Stimpel, der Alman, ist keine neue Figur. Phil Laude spielt ihn für die ARD/ZDF-Jugendplattform Funk schon längere Zeit, die Folgen sind auf Youtube zu sehen.

“Alman” soll lustig sein, aber der Lehrer ist dermaßen überzeichnet, dass man es manchmal gar nicht glauben kann. Denn dieser Stimpel scheint gar kein Gefühl dafür zu haben, wann man gewisse Dinge besser nicht sagt. Er merkt etwas spät, dass es irgendwie komisch wirkt “Völkerball” geil zu finden, weil man da irgendwie Krieg spielt. Oder “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann”, so doch die stellvertretende Schulleiterin, schwarz, am Hallenrand sitzt.
Aber genau dieses Klischee will Laude bedienen. Diese Typen, die völlig unbedacht vor sich irgendwelchen Müll plappern. Als Zuschauer weiß man trotzdem nicht, ob man lachen oder die Luft anhalten soll.
Diese Fremdscham-Augenblicke kennen wir von Serien wie “Stromberg”, wo auch damit gespielt worden ist, dass man als Zuschauer sehr befremdliche Typen aushalten soll – und weil sie so abgedreht sind, unter Umständen auch lustig findet.

Es wäre schön, wenn von “Alman” weitere Folgen produziert werden, und vielleicht gibt es ja auch einen besseren Sendeplatz als im trutschigen SWR an einem späten Dienstagabend.
Die ARD will mehr Inhalte für die Mediathek produzieren. Aber ein bisschen mehr Mühe geben mit annehmbaren linearen Sendeplätzen könnte sich der Senderverbund aber auch.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 18. Mai 2022)

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Gottschalk feiert: Nochmal 18!

Samstag, den 17. April 2021
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FR 16.04.2021 | 20.15 Uhr | SWR-Fernsehen

Wer Angst hatte, dass Thomas Gottschalk mit der Verabschiedung von “Wetten, dass…?” in der Versenkung verschwinden würde, muss sich scheinbar überhaupt keine Sorgen macht. Der Showmaster ist scheinbar so präsent wie nie.
Erst neulich sprang er für Dieter Bohlen bei “Deutschland sucht den Superstar” ein. Am Sonnabend spielt er live bei RTL mit bei “Denn sie wissen nicht, was passiert” mit. Am Freitagabend startete etwas versteckt im SWR-Fernsehen eine neue Show.
Sie widmet sich einem Thema, das eigentlich zu Gottschalk wie die Faust aufs Auge passt: Nostalgie.

Das Konzept ist weder neu noch innovativ: Gottschalk lädt sich drei Gäste verschiedener Generationen ein und spricht mit ihnen über die Zeit rund um ihren 18. Geburtstag. Mit Jutta Speidel ging es in die frühen 70er, mit Kai Pflaume in die Zeit Mitte der 80er und mit Max Giesinger ins WM-Jahr 2006.

Musik, Kultur, Trends, persönliche Erinnerungen – und das 90 Minuten lang. Das ist nette und harmlose Unterhaltung, unaufgeregt, aber dennoch durchaus amüsant.
Mit Jutta Speidel konnte Gottschalk über die gute alte Zeit schwärmen, bei Kai Pflaume geriet er ein wenig ins Schleudern, weil Gottschalk offenbar wenig über die DDR weiß. An diesem Punkt der Show offenbar sich übrigens auch wieder, wie wenig DDR-Geschichte überhaupt eine Rolle spielt. In einem Ausschnitt der DDR-Musikshow “Bong” war auch Inka Bause zu sehen, die ihren “Spielverderber” sang, ein großer DDR-Hit. Die Sprecherin sagte dazu, dass “Bong” auch Stars hervorgebracht habe. Das hat “Bong” nicht nur mit Inka, sondern auch mit vielen weiteren Stars, die aber eben nur damals in der DDR Stars waren. Die Sprecherin meinte aber natürlich: heutige Stars, und wen interessieren schon Stars in der DDR, die man heute im Westen nicht mehr kennt oder kennen will?
Mit Max Giesinger konnte Gottschalk dagegen über die schlechtere neue Zeit granteln und über Songs, die man schon mal gehört hat, dessen Name aber keiner mehr kenne.

Es sind schöne Zeitreisen, die in “Gottschalk feiert: Nochmal 18!” unternommen werden. Das Konzept gab es so ähnlich schon mal, aber das juckt vermutlich die wenigsten Menschen. Die Show ist gute Unterhaltung zum Start des Wochenendes.
Albern ist eigentlich nur, dass man zu Beginn und mehrfach in der Sendung schon Zusammenfassungen bekommt, was man denn gleich sehen würde. Bitte wieder abschaffen.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 16. April 2022)

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Die Pierre M. Krause Show

Mittwoch, den 31. März 2021
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SO 28.03.2021 | 23.05 Uhr | SWR-Fernsehen

Es war einmal eine kleine Late-Night-Show im SWR-Fernsehen. Jahrelang führte “Die Pierre M. Krause Show” ein Schattendasein. Die Show gibt es schon seit 2003, aber dennoch ist ihr Bekanntheitsgrad ziemlich, nun ja, klein. Sie kam aber auch nie aus der kleinen SWR-Nische raus, hatte schwierige Sendeplätze. Dennoch hielt sich Moderator Pierre M. Krause wacker. Er machte einen Stand-up, es gab Einspielfilme, am Schluss Gäste, oft auch Musikgäste. Eine typische Late Night eben.

Aber seit einiger Zeit scheint immer weniger in die Show investiert zu werden. Am Sonntagabend zum Beispiel. Krause begrüßte die Zuschauer aus einem Konzerthaus in Karlsruhe – um an die Kulturstätten zu erinnern, die momentan geschlossen sind. Auch in der Sendung in der Vorwoche meldete er sich von dort.
Man scheint aber mehrere Folgen am Stück aufgezeichnet zu haben, und viel Mühe scheint man sich nicht mehr zu geben.
Nach der Begrüßung am Sonntagabend kündigte Krause einen Beitrag an, in dem er mit Anke Engelke in den Zoo geht. Der dauerte fast 23 Minuten. Eigentlich fast die ganze Sendung, die 30 Minuten dauert. Danach war noch Zeit für einen Musikact und für ein “Auf Wiedersehen”. Ein aktueller Stand-up? Fehlanzeige? Aktionen gab es auch nicht.
Zudem gab es den Engelke-Beitrag aus der “Kurzstrecke”-Reihe schon vor Wochen auf Youtube, war also nur eine Wiederholung.

Das ist schade. Denn das Format mit Pierre M. Krause ist mal sehenswert gewesen. Der Engelke-Beitrag war es an sich auch. Aber er hat in einer Late Night nichts zu suchen – nicht die vollen 23 Minuten.
Mit der “Kurzstrecke” hat Krause ein schönes neues Format, und “Krause kommt” ist auch sehenswert. Ob seine Late Night dagegen bald den Bach runtergeht?

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 25. März 2022)

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Ferdinand von Schirach: Feinde

Dienstag, den 5. Januar 2021
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SO 03.01.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste / one / Dritte Programme

Ein Film, zwei Blickwinkel, elf Sender. Die ARD ist ja eher selten wirklich experimentierfreudig, aber am Sonntagabend hat sie es mal wieder gewagt.

Ein junges Mädchen wird entführt. Der Entführer fordert von der reichen Familien viel Geld für die Freilassung. Kommissar Nadler ermittelt und fokussiert sich auf das Umfeld der Familie. Sicherheitsmann Kelz wird verhört, und Nadler ist sich sicher: Kelz hat das Mädchen entführt. Weil aber Kelz nichts zugibt und auch nicht sagt, wo das Mädchen ist, greift er zu drastischen Mitteln.
Strafverteidiger Biegler muss sich vor seiner Frau rechtfertigen, weil er Kelz verteidigen wird. In der ausführlichen Befragung seines Mandanten bringt er Ungeheuerliches ans Licht.

Das Thema von “Ferdinand von Schirach: Feinde” ist extrem spannend. Denn der Zuschauer war bei der Entführung dabei, und man kann ziemlich sicher sein, dass Kelz ein Täter ist. Ziemlich. Aber nicht hundertprozentig.
Nadler foltert Kelz während des Polizeiverhörs, um ein Geständnis zu erpressen. Ist diese Art der Folter legitim? Sind alle Mittel recht, um ein Mädchen aus ihrer Gefangenschaft zu befreien?
Die Antwort ist sehr eindeutig, denn der Strafverteidiger nimmt Nadler während der Gerichtsverhandlung regelrecht auseinander. Nadler hatte keine Beweise, die Spurensicherung war quasi nicht vorhanden, es war lediglich ein Gefühl, dass Kelz es gewesen sei. Dass Nadler Kelz gefoltert hat, fliegt dem Ermittler um die Ohren.

Bjarne Mädel spielt in “Feinde” den Ermittler Nadler, und das macht er hervorragend. Einmal mehr zeigt er, dass er ein fantastischer Schauspieler ist. Ebenso aber Klaus Maria Brandauer, der den Strafverteidiger spielt.

Es gibt zwei Versionen dieses Films. In Version 1 geht es vor allem um die Sichtweise des Ermittlers. Der Zuschauer ist dabei, wenn Nadler zunächst im Dunkeln tappt und später beim Verhör, das dann eskaliert. Diese Version lief im Ersten.
In Version 2 verfolgen wir, wie Strafverteidiger Biegler arbeitet, wie er hadert und sich dann seiner Aufgabe widmet, wie er schließlich Kelz verhört und auf die Tatsache der Folter stößt. Die erstengut 15 Minuten sind deckungsgleich, die letzten 25 Minuten auch – zumindest fast. Denn im Prozess ist die Kameraführung vor allem auf Biegler fokussiert, und am Ende erfährt der Zuschauer auch mehr über die Urteilsbegründung, während in Version 1 der Zuschauer mit Nadler relativ zügig nach der Urteilsverkündung den Saal verlässt. Version 2 lief bei one und in allen neun Dritten Programmen.

Das Experiment: Die beiden Filme laufen parallel, und der Zuschauer kann entscheiden, aus welcher Sicht er das Ganze sehen will. Oder er konnte hin- und herschalten, um zwischendurch zu schauen, was der Strafverteidiger ermittelt.
Ich habe das probiert und habe gezappt. Gut ist, dass man tatsächlich nicht nennenswert etwas in den jeweils anderen Versionen verpasst hat. Allerdings verliefen die Handlungen nicht immer wirklich parallel. So gab es in Version 1 ein Zusammentreffen von Nadler und Biegler, das aber da nicht gleichzeitig in Version 2 gab.
Andererseits gab es in Version 1 die Folterszenen, während Kelz in Version 2 die Szenen schilderte und der Anwalt darauf reagierte. Das war ein spannender Gegensatz, der auch nur so unmittelbar funktioniert.
Wer dagegen die beiden Filme hintereinander sah – weil viele den Eindruck hatten, es habe sich um einen zweiten Teil gehandelt – sah dagegen viele Doppelungen, die dann langweilig erschienen.

Version 1 im Ersten. Version 2 auf one, im WDR, NDR, radiobremen tv, BR, SWR, SR. hr, mdr und im rbb. Ein Film auf zehn Sendern. War das wirklich nötig? Die ARD hielt das offenbar für nötig, und sicherlich ist dabei zu bedenken, dass wahrscheinlich nicht jeder Fernsehzuschauer wirklich jedes Dritte Programm und one empfängt. Es heißt, dass über DVB-T nur bestimmte Dritte zu empfangen sind. Um also sicherzustellen, dass wirklich alle Zuschauer am kompletten Experiment teilnehmen können, wurde der Film also durchgeschaltet.
Ob es grundsätzlich den zweiten Film gebracht hätte, ist eine andere Sache. Das Experiment war spannend, aber mit 120 statt 90 Minuten Länge hätte man auch alles erzählen können. Was dann aber vermutlich wieder weniger Aufmerksamkeit bekommen hätte, weil es dann eben nur ein Film im Ersten gewesen wäre.

Der Umgang mit dem Experiment in der ARD war jedoch lausig. Man hat den Zuschauer mit den Filmen leider sehr allein gelassen. Man hat sich darauf verlassen, dass alle vorher informiert waren, was denn da jetzt passiert.
Nicht nur, dass der Film in den meisten Dritten nicht zeitgleich mit dem Film im Ersten startete, sondern schon etwas früher. Er startete ohne Info an die Zuschauer.
Eigentlich hätten alle elf Sender zu Beginn wirklich zusammengeschaltet werden müssen. Ein(e) Ansager(in) (ja, sowas gibt es ja leider nicht mehr) hätte den Zuschauern erklären müssen, was jetzt passiert und was die Zuschauer machen können. Auch während des Films hätte es ab und zu Einblendungen geben müssen. An bestimmten Stellen hätte man “Umschalthilfen” geben können, in dem man sagt, was gerade in der anderen Version passiert. Dazu hätte man während des Films vielleicht zwei oder drei Punkte schaffen müssen, wo sich die Storys kreuzen und man dem Zuschauer das durch entsprechende Einblendungen sagen können.
Aber die Mühe hat man sich dann leider nicht gemacht, so wirkte das ganze wie eine gute Idee, die man aber nicht zu Ende gedacht hat.

Fast elf Millionen Menschen haben am Sonntagabend zur Primetime einen der beiden Filme gesehen. Das ist ein Erfolg, und solche Experimente könnte es gern mal wieder geben. Dann aber bitte noch mehr durchdacht.

-> Die Filme in der ARD-Mediathek (bis 3. April 2021)

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#Zusammenhalten – Die Show

Montag, den 19. Oktober 2020
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SA 17.10.2020 | 21.50 Uhr | SWR-Fernsehen

Die Kultur in Deutschland droht, vor die Hunde zu gehen.
Zu Beginn der Coronapandemie mussten Theater und Kinos schließen. Kultur fand praktisch nicht mehr statt. Keine Theaterstücke, keine Comedy, keine Filme, keine Konzerte. Einiges fand online statt, später gab es Autokino-Veranstaltungen. Im Laufe des Sommers öffnete viele Kulturhäuser wieder, aber wegen der Corona-Sicherheitsmaßnahmen darf nur ein Bruchteil der Plätze besetzt werden.
Heißt: lange keine und dann weniger Einnahmen, keine und dann weniger Umsätze, keine oder kaum Aufträge für Solokünstler und für die vielen Berufsgruppen, die am Kulturbetrieb dranhängen.
Die Krise der Kultur spielt dennoch im Bewusstsein der Menschen eine recht kleine Rolle.

Das will der SWR ändern. Das Wochenende stand im Zeichen der Kultur. Motto: #Zusammenhalten für die Kultur.
Am Sonnabend lief dazu am späten Abend eine Show aus der Württembergischen Landesbühne Esslingen. Moderator Constantin Zöller begrüßte die Theaterverantwortlichen aus Esslingen sowie Künstler aus der Region.
Bitter: Es interessiert die Menschen tatsächlich kaum. Im SWR/SR-Sendegebiet im Südwesten schalteten am Sonnabend gerade mal 54.000 Menschen ein. Marktanteil: klägliche 1 Prozent.

Dabei ist diese Sendung genau das, was Öffentlich-Rechtliche jetzt leisten sollten. Vermehrt Kultur produzieren, und das nicht im Studio, sondern dort, wo sonst auch Kultur gemacht wird. Das Fernsehen sollte raus in die kleinen Theater. Diese Häuser hätten auf diese Weise vielleicht ein paar Einnahmen, Mitarbeiter hätten Aufgaben. Und nebenbei könnte man die Vielfalt der Kultur hierzulande darstellen.
Vielleicht sollte der SWR sowas dann aber anders und besser betiteln und bewerben. “#Zusammenhalten – Die Show” ist zwar ein gutes Anliegen, zieht aber offenbar kaum Zuschauer an.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 16. Oktober 2021)

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Walulis Woche

Dienstag, den 29. September 2020
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SO 27.09.2020 | 23.20 Uhr | SWR-Fernsehen

Otto hatte mal wieder drei Probleme, und was ihm helfen konnte, war ein Neger. Bimbo, so nannte er den Neger, verkaufte er an eine reiche Ministergattin als Sklaven, von der er wenig später ein paar SCheine abknöpfte, und weil das zu wenig war, nahm er Bimbo, den Sklaven, gleich wieder mit.
Das war 1985 in “Otto – Der Film”.
Neger? Ein Schwarzer als Sklave? Und dann auch noch mit Namen Bimbo?
Das ist doch…. also… das kann doch nur RASSISTISCH sein!!!
Oder auch nicht.

Nicht nur um “Otto – Der Film” gibt es derzeit eine Rassismusdebatte. Eine von vielen. Es wird darüber gestritten, was man denn mit mehr oder weniger historischen Comedynummern macht, in denen deutsche Comedians Asiaten mit Schlitzaugen gespielt haben, sich schwarz geschminkt haben, um Schwarze zu spielen, die Inder mit entsprechendem Dialekt gespielt haben oder sich als schwule Kreischtucken in Filmkulissen gestellt haben.

Darüber muss man sprechen, denn aus heutiger Sicht, sagen viele Menschen, gehen Witze, die man 1995 oder 2005 gemacht hat, nicht mehr. Witze, die Minderheiten beleidigen, sich über andere Ethnien lustig machen oder sexistisch sind.
Darum ging es am Sonntagabend in der ersten Sendung von “Walulis Woche” im SWR-Fernsehen.
In den USA werden ganze Folgen von Serien gelöscht, weil das Schauspieler Blackfacing betreiben, “Little Britain” ist teilweise nicht mehr zu sehen, weil sich auch da, wie es heißt, über Minderheiten lustig gemacht wird.
Ja, gelöscht – weg damit.

Aber das Fazit von Philipp Walulis, und der Meinung bin ich auch: Löschen ist falsch. Einfach unter den Tisch fallen zu lassen, ist nicht der richtige Weg. Aus den Augen, aus dem Sinn bringt nur wenig. Man muss die Szenen weiter zugänglich machen. Um sie in die Zeit einzuordnen, um sie aus heutiger Sicht beurteilen zu können. Um zu sehen, was damals eventuell nicht so gut war.

Und Otto? Ottos erster Film war nicht rassistisch. Denn im Film ging es nicht darum, sich über “Neger” lustig zu machen. Günther Kaufmann ist dunkelhäutig, und er spielte den Mann, den Otto als Bimbo als Sklave an die reiche Tussi verkaufte. Die Frau, für es Sklavenhandel mit “Negern” völlig normal zu sein schien. Das ist der Witz – er sich gegen die Frau richtet und nicht gegen den Schwarzen.
Es sei wichtig, hieß es in “Walulis Woch”, zu betrachten, welches Ziel ein Gag habe. Geht es einfach nur darum, irgendwie lustig zu sein wollen oder gegen es darum, was aufzuzeigen? Bei der Beurteilung von solchen Szenen und Momenten müsse das immer bedacht werden.

Dass übrigens Walulis jetzt auch im SWR-Fernsehen vertreten ist, ist gut. Bei Funk, dem ARD/ZDF-Jugendangebot, ist er auf Youtube mit seinen Videos sehr gut vertreten. In “Walulis Daily” geht es um Aktuelles aus der Medien- und Influencer-Szene, hinzu kommt “Walulis Story” mit dem Hauptbeitrag, der dann auch in der SWR-Sendung zu sehen ist.
Im SWR-Sendegebiet haben die Sendung am Sonntag gerade mal 18.000 Menschen gesehen. Das ist haarsträubend wenig und viel weniger, als Walulis auf Youtube erreicht. Da muss der SWR wohl noch viel mehr trommeln.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 27. September 2021)

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