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Ein Kessel Buntes – XXL Spezial

Sonntag, den 10. April 2022
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SA 09.04.2022 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Manchmal hat man den Eindruck, dass sich ARD und ZDF gegenseitig die Augen auskratzen und sich keinen Zuschauer gönnen lassen wollen. Anders ist die Kampfprogrammierung am Sonnabend nicht zu erklären. Wohlgemerkt: Hier traten nicht Das Erste gegen das ZDF an, das wäre zu auffällig gewesen. Hier war es der mdr, der dem ZDF ordentlich Konkurrenz machen wollte.

Im ZDF lief am Sonnabend live die neueste Ausgabe der “Giovanni Zarrella Show”, eine Musiksendung, die vor allem die älteren Zuschauer anspricht. Eine Mischung aus Schlager und ein bisschen Pop – mit den üblichen Verdächtigen von Roland Kaiser über Marianne Rosenberg und Andrea Berg.
Der mdr setzte am Sonnabend eine “XXL Spezial”-Ausgabe von “Ein Kessel Buntes” dagegen. Auch das ist eine Musikshow, die sich schon allein wegen der DDR-Nostalgie an ein älteres Publikum richtet. Und weil die Zarrella-Show im ZDF gute drei Stunden dauert, programmierte man beim mdr den “Kessel” außergewöhnlicherweise gleich mehr als drei Stunden lang.

Und damit aber nicht genug: Der SWR mischte auch mit und sendete um 20.15 Uhr “Das Beste vom Schlager-Spaß”. Das war zwar – ähnlich wie im mdr – nur ein billiger Zusammenschnitt von schon ausgestrahlten Sendungen. Aber auch hier ging es darum, die Zielgruppe gegeneinander auszuspielen.

So sehr ich die Öffentlich-Rechtlichen schätze – aber diese Art von Kampfprogrammierung sollte nun wirklich vermieden werden.

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Unser Land in den 90ern

Freitag, den 4. März 2022
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MO 28.02.2022 | 13.45 Uhr | WDR

Rosenmontag im WDR. Das Dritte aus dem Westen zeigt einen Rückblick aus den 90ern. Was da so los war in NRW. Sehr spannend. Waren ja immerhin noch ganz andere Zeiten.
Aber, Moment: Rosenmontag im WDR? “Unser Land in den 90ern”? Müsste da nicht ein erbauliches Karnevalsprogramm laufen? Mit fröhlichen Schunkelliedern?

Aber es hat sich ausgeschunkelt. Der WDR hat sein komplettes Karnevalsprogramm gecancelt. Der Ukraine-Krieg lässt solche Schunkeleien momentan nicht zu.
Als an Weiberfastnacht am Donnerstag davor “Weiber live” vorzeitig beendet wurde, war auch klar, dass der WDR sein Programm umstellen wird.
Das ist deshalb bemerkenswert, weil der WDR normalerweise sechs Tage lang – von Weiberfastnacht bis zum Fastnachtsdienstag – komplett auf Karneval ausgerichtet ist. Heißt: Riesige Programmflächen mussten neu bestückt werden. Allein am Sonntag und Rosenmontag quasi das komplette Programm.
Vermutlich sind einige Leute in der Programmplanung da ordentlich ins Schwitzen geraten, als klar war, dass man über Tage sich ein neues Programm ausdenken musste.
Man behalf sich mit der Rückblickreihe des WDR: “Unser Land in den ..ern”, die quasi von vorn bis hinten und auf den verschiedensten Programmplätzen lief – vom Vormittag bis in die Nacht.

Ähnlich traf es auch das SWR-Fernsehen und auch das hr fernsehen, an Fastnacht auch das BR-Fernsehen – überall, wo Karneval oder Fasching gefeiert wird.

Aber nicht nur das: Auch zahlreiche Unterhaltungssendungen sind angesichts des Ukraine-Krieges ausgefallen. Das SWR-Fernsehen verzichtete auf den “Schlagerspaß”, das mdr-Fernsehen auf ein Schlagerquiz mit Florian Silbereisen.
Bei den Privatsendern fielen dagegen kaum Unterhaltungsshow aus – was vielleicht daran liegt, dass sie viel zeitloser sind. “DSDS” bei RTL ist eh vorproduziert und lässt sich auch in einer Krise senden. Ebenso die Topmodelsuche und die Stapelshow bei ProSieben.

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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

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Zoros Solo

Mittwoch, den 10. November 2021
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SO 07.11.2021 | 22.50 Uhr | SWR-Fernsehen

Singen? In einem Chor? Da ist Zoro eigentlich zu doof. Und dazu noch ist es ein christlicher Knabenchor. Und Zoro ist Moslem. Dabei, und das weiß er noch gar nicht, kann er hervorragend singen. Aber er muss in den Chor. Denn der reist bald zu einem besonderen Auftritt nach Ungarn.
Der 13-Jährige wünscht sich nichts mehr als eine Wiedervereinigung seiner Familie. Mit seiner Mutter und den Schwestern war er von Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. Sein Vater ist noch in Ungarn, und Zoro will ihn nach Schwaben holen.
Kein leichter Weg. Denn Chorleiterin Frau Lehmann hat große Vorurteile gegenüber Zoro, in Ansätzen rassistisch. Und Zoro muss sich immer wieder Geld beschaffen und wird dafür kriminell. Immerhin findet er mit Julian erstmals einen Freund – auch wenn es auch dort einen Zwischenfall gibt und die Freundschaft droht, zu Ende zu gehen.

“Zoros Solo” ist der Debütfilm des Regisseurs Martin Busker. Es lief als Free-TV-Premiere am Sonntagabend im SWR-Fernsehen. Erzählt wird die Geschichte eines Jugendlichen, der für die Durchsetzung seiner Ziele konsequente Wege gehen will. Bald muss er aber feststellen, dass seine Wege vielleicht die falschen sind oder dass er falsch an die Sache herangeht.
Mert Dinver spielt Zoro, der verzweifelt ist, weil er zunächst keinen Weg sieht, seinen Vater zum Rest der Familie zu holen. Zudem muss er sich gegen die von Andrea Sawatzki gespielte Chorleiterin wehren, die anfangs keine guten Worten für den ehemaligen Flüchtling findet. Zoro muss sich aber auch mit dem Thema Freundschaft befassen – wie viel ist so eine Freundschaft wert und was muss sie auch mal aushalten können?
Zwar sind die Szenen, in denen der Chor singt, eher weniger glaubwürdig, man nimmt einigen der Jungen die glockenklare Stimme schlicht nicht ab, und der Chorgesang ist auch viel zu perfekt für eine Probe in einem Rumpelraum. Und nicht immer muss der Gesang gleich mit einem Soundtrack unterlegt sein.
Aber ansonsten ist “Zoros Solo” ein spannender Film mit rührenden und lustigen Momenten. Ein Plädoyer für die Herzlichkeit, die Freundschaft und den Zusammenhalt.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 4. Februar 2022)

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Die Ross Antony Show

Montag, den 1. November 2021
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SA 30.10.2021 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Immer wieder gibt es Kritik daran, dass sich ARD und ZDF mit ähnlichen Programmkonzepten Konkurrenz machen. Jetzt aber macht sich die ARD schon selbst Konkurrenz. Und das auch noch in einem Segment, in dem Konkurrenz vollkommen unnötig ist.
Am Sonnabend liefen zur besten Sendezeit im mdr und im SWR Schlagershows.

Während das mdr-Fernsehen am Sonnabend eine weitere Ausgabe der “Ross Antony Show” auf Sendung schickte, lief im SWR-Fernsehen zeitgleich “SWR Schlager – Die Show”.
Wäre das vor 30 Jahren vielleicht noch nicht so dramatisch gewesen, als die Dritten Programme noch nicht flächendeckend empfangbar waren, kann man heute im Sendegebiet des SWR auch den mdr empfangen. Was die einzelnen Sendeanstalten nicht daran hindert, zeitgleich ähnliche Shows anzubieten.
Freitagabends ist das seit vielen Jahren schon normal, fast jedes Dritte braucht da ganz dringend eine eigene Talkshow, man macht sich mit den Plauderrunden selbst Konkurrenz. Jetzt auch noch mit dem Schlager.
Jede der Show hatte etwa 1 Million Zuschauer. Das hätte sicher anders ausgesehen, wenn die Programmplanung besser gewesen wäre.

Übrigens scheint das Publikum in der Show mit Ross Antony zeitweise nicht wirklich Interesse am Geschehen im Studio gehabt zu haben. Denn während einiger Interviews – zum Beispiel mit Matze Knop – herrschte im Saal ein dermaßen lautes Stimmengewirr, dass man dem Gespräch kaum folgen konnte. Wie laut muss da bloß in Wirklichkeit gewesen sein?

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SWR extra: Bundeskanzlerin Merkel besucht das Hochwassergebiet

Montag, den 19. Juli 2021
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SO 18.07.2021 | 12.45 Uhr | SWR-Fernsehen

Der Besuch von Bundespräsident Steinmeier am Sonnabend in Erftstadt war voller Anteilnahme, aber dennoch auch ziemlich distanziert. Es heißt, dass vor der Pressekonferenz Bürger fortgeschickt worden seien. Sie sollten nicht, nun ja, stören. So wurde es später in den sozialen Netzwerken berichtet.

Ein ganz anderes Bild am Sonntag. Das SWR-Fernsehen übertrug in einer Sondersendung den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Schuld in Rheinland-Pfalz. Mit dabei war auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer.
Dreyer, die durch ihre MS-Erkrankung sowieso geschwächt ist, hatte Mühe, als sie durch das Katastrophengebiet lief, sie hakte sich bei einem Begleiter unter, Merkel nahm sie bei der Hand. Ganz selbstverständlich.
Beide kamen sie mit Rettern ins Gespräch, mit Menschen, die alles verloren haben, Menschen, die helfen aufzuräumen. Sie sprachen mit Feuerwehrleuten, Bundeswehrangehörigen. Und das Fernsehen begleitete sie alle live.
Es war ehrliches Interesse, ehrliche Anteilnahme – wie geht es Ihnen, was für Hilfe brauchen Sie? Das Versprechen, dass Hilfe geleistet werden soll. Mitunter mussten aber auch – völlig verständlich – mit der Wut der Angesprochenen klarkommen.

Merkel ist keine der wahlkämpfenden Politikmenschen in diesen Tagen, sie muss keinem was beweisen, sie muss keinem mehr gefallen. Als Regierungschefin muss sie und will sie ganz offenbar auch Präsenz zeigen. Den Menschen zuhören, ihnen zeigen, dass sie bei ihnen ist.

Nicht nur der Rundgang gehörte zu den eindrücklichen Momenten dieses Tages, auch die Pressekonferenz wenig später, ebenfalls u.a. vom SWR-Fernsehen übertragen, war mitunter ergreifend. Zwischendurch konnte der Bürgermeister seine Tränen nicht zurückhalten – ansonsten blieb er tapfer und berichtete von den schweren Stunden der Katastrophe und der Zeit danach.
Und einen interessanten Moment gab es. Auch Bürger verfolgten die Veranstaltung, und eine Frau hatte es bis ans Presse-Mikro geschafft. Ob denn auch Bürger Fragen stellen dürften, wollte sie wissen. Sie fragte, wie denn die Situationen der Kliniken in der Regio sei – und sie bekam eine Antwort. Wobei Merkel Malu Dreyer unterbrechen musste und nach hinten rief, dass die Reporterin der BILD doch bitte abwarten möge, und die Frau, die gerade was gefragt habe, wolle doch sicher auch die Antwort mitbekommen. Ganz tough sowohl die BILD-Frau als auch die Fragende abgewatscht.

-> Die Sendung mit dem Rundgang in der ARD-Mediathek (bis 18. Juli 2022)
-> Die Sendung mit der Pressekonferenz in der ARD-Mediathek (bis 18. Juli 2022)

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Almania

Donnerstag, den 20. Mai 2021
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DI 18.05.2021 | 22.00 Uhr | SWR-Fernsehen

Frank Stimpel ist ein Alman. Hinter dem Begriff verbirgt sich laut Wikipedia eine türkische Bezeichnung für einen Deutschen ohne Migrationshintergrund. Der Alman ist überkorrekt, regelbesessen, genau und auch noch laktoseintolerant. Zumindest auf Frank Stimpel trifft das wohl zu.
Der 28-jährige Lehrer wird nach einem rassistischen Spruch an eine Gesamtschule versetzt. Dort bekommt er es mit echten pädagogischen Härtefällen zu tun.

Am Dienstagabend zeigte das SWR-Fernsehen die 1. Staffel zwei Folgen von “Alman”. Mehr gibt es noch nicht, von einer Staffel kann man da nicht unbedingt sprechen. Vermutlich will man diese Serie erst mal beim Publikum testen. Schon seit März steht sie in der ARD-Mediathek zur Verfügung. Die Frage ist nur, was es da zu testen gibt, den Stimpel, der Alman, ist keine neue Figur. Phil Laude spielt ihn für die ARD/ZDF-Jugendplattform Funk schon längere Zeit, die Folgen sind auf Youtube zu sehen.

“Alman” soll lustig sein, aber der Lehrer ist dermaßen überzeichnet, dass man es manchmal gar nicht glauben kann. Denn dieser Stimpel scheint gar kein Gefühl dafür zu haben, wann man gewisse Dinge besser nicht sagt. Er merkt etwas spät, dass es irgendwie komisch wirkt “Völkerball” geil zu finden, weil man da irgendwie Krieg spielt. Oder “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann”, so doch die stellvertretende Schulleiterin, schwarz, am Hallenrand sitzt.
Aber genau dieses Klischee will Laude bedienen. Diese Typen, die völlig unbedacht vor sich irgendwelchen Müll plappern. Als Zuschauer weiß man trotzdem nicht, ob man lachen oder die Luft anhalten soll.
Diese Fremdscham-Augenblicke kennen wir von Serien wie “Stromberg”, wo auch damit gespielt worden ist, dass man als Zuschauer sehr befremdliche Typen aushalten soll – und weil sie so abgedreht sind, unter Umständen auch lustig findet.

Es wäre schön, wenn von “Alman” weitere Folgen produziert werden, und vielleicht gibt es ja auch einen besseren Sendeplatz als im trutschigen SWR an einem späten Dienstagabend.
Die ARD will mehr Inhalte für die Mediathek produzieren. Aber ein bisschen mehr Mühe geben mit annehmbaren linearen Sendeplätzen könnte sich der Senderverbund aber auch.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 18. Mai 2022)

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