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Boris Becker – Der Spieler

Donnerstag, den 23. November 2017
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MI 22.11.2017 | 20.15 Uhr | SWR-Fernsehen

Der Leimener. Unser Boris. Das Bobbele. Aber eigentlich ist er: Herr Becker.
Am Mittwoch ist Boris Becker 50 geworden. Das SWR-Fernsehen zeigte deshalb am Abend noch mal die Doku, die am Montag im ersten leider ins Spätprogramm verschoben werden musste: “Boris Becker – Der Spieler”. Es war ein bemerkenswerter Film über einen aber auch bemerkenswerten Mann – in verschiedenen Hinsichten.

Ob er es will oder nicht: Er steht im Rampenlicht, und das, seit er 17 Jahre alt war. 1985 gewann er das Tennisturnier in Wimbledon. Der Rasenplatz wurde zu seinem Wohnzimmer. Und Boris Becker zu einem Sportler, der alles preisgegeben hat – preisgeben musste. Es blieb ihm wohl kaum eine Wahl. Wer ein Star ist, muss mit dem Ruhm leben und damit, dass auch sein Privatleben in den Boulevardmedien ausgeschlachtet wird.
Becker wollte das nie, und so hört er sich sehr bitter an, wenn er über seine Popularität spricht. Denn die heißt auch: Wenn man ganz unten ist, wird nachgetreten. Beckers Schulden – und es wird kübelweise Häme ausgeschüttet.

Der SWR-Film begleitet Becker ein Jahr lang. Durch Höhen und Tiefen. Schulden? Erst weist er alles von sich, aber nach und nach wird doch klar, dass da was ist. Als er wegen einer Sprunggelenk-OP humpelt, will er, dass auch das gezeigt wird, es sei ja schließlich die Wahrheit.
Becker – ein gebrochener Mann? Zumindest bitter, so scheint es. Er wolle nicht “unser Boris” sein, das sei er noch nie gewesen, sagt er. Herr Becker, das sei er. Er möchte selbst aussuchen, wer ihn Boris nennen darf. Und wenn er es sich aussuchen könnte, dann wolle er in den Medien, insbesondere bei “Bild” und Co gar nicht mehr vorkommen.

Becker hat – Stichwort Schulden – ganz sicher Fehler gemacht. Zur Ruhe kommen lässt man ihn aber nicht – einmal Star, immer Star, wenn auch in einer anderen Kategorie. Diesen Boris Becker mal zu sehen, so offen, so gebrochen, das ist genauso spannend wie traurig.

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Von Neuanfängen und Wendepunkten – Das Leben in die Hand nehmen

Freitag, den 3. November 2017
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DO 02.11.2017 | 0.00 Uhr (Fr.) | SWR-Fernsehen

Ein Mann, der Selbstmord begehen wollte und gerettet wurde und ein neues Leben anfangen konnte. Ein querschnittsgelähmter Mann, der durch moderne Technik wieder laufen kann. Eine Frau, die bis vor sieben Wochen noch ein Mann war. Eine Sängerin aus Deutschland, die in Uganda ein Star ist.
Sieben Gäste sprachen am späten Donnerstagabend im SWR-Fernsehen über Wendepunkte in ihrem Leben. Sehr persönlich, durchaus intim. Befragt von insgesamt 14 Moderatorinnen und Moderatoren.

Ja, genau. 14! Denn die Sendung “Von Neuanfängen und Wendepunkten – Das Leben in die Hand nehmen” war nicht nur wegen des Themas interessant, sondern auch wegen der Produktionsumstände.
Jede der kleinen Talkrunden wurde von zwei anderen Moderatoren geleitet. Denn bei dieser Talkshow handelte es sich um das Abschlussprojekt des Institutes für Moderation (IMO). Die 14 Absolventen haben ein Jahr lang im Institut geübt, wie man gut und richtig moderiert. Im SWR hatten sie dann die Chance, tatsächlich erstmals im Fernsehen durch eine Sendung, durch ein Gespräch zu führen. da ist es auch zu verschmerzen, dass so was erst um Mitternacht ausgestrahlt wird.

Als Zuschauer ist man ja durchaus geübt, zu erkennen, ob jemand gut moderiert. Da gab es einen, der sich mehrere “Ähs” nicht verkneifen konnte. Oder die junge Frau, die im Interview extrem steif wirkte und nicht wie in einer Gesprächssituation. Oder die andere Moderatorin, die sich ihre ruckartigen Kopfbewegungen noch abgewöhnen sollte.
Eigentlich wäre es nun noch interessant gewesen, zu erfahren, welche Bewertungen denn die 14 Absolventen bekommen haben. Andererseits war es kein RTL-Casting, bei dem einen am Ende Dieter Bohlen fertig macht. Deshalb müssen wir warten, und vielleicht begegnen wir ja noch mal jemanden, der in dieser SWR-Sendung das Fernsehdebüt feierte.

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Die Pierre M. Krause Show – SWR3latenight: Voll live

Freitag, den 29. September 2017
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DI 26.09.2017 | 23.30 Uhr | SWR-Fernsehen

Nach der Bundestagswahl herrscht große Spannung, was in den Satire-, Comedy- und Late-Night-Shows zur politischen Entwicklung gesagt wird. Gerade von der Satire und der Late-Night sollte man als Zuschauer das auch erwarten dürfen.
Am Dienstagabend zeigte das SWR-Fernsehen die neue Ausgabe der “Pierre M. Krause Show”. Schon seit vielen Jahren sendet Krause in der Nische des Dritten Programms vor sich hin. Allerdings scheint der SWR selbst keine große Stücke darauf zu bauen.

Was also erzählte Krause am Dienstag zur Wahl? Nichts! Stattdessen schwadronierte er darüber, dass seine Sendung ja auf jeden Fall live – oder zumindest an diesem Dienstag aufgezeichnet sei. Minutenlang hackte er im Stand-up und in einem Einspieler darauf herum.
Die Show war aufgezeichnet – und zwar irgendwann vor der Wahl. Scheinbar wird “Die Pierre M. Krause” längst nicht mehr wochenaktuell aufgezeichnet, sondern in Blöcken.
So wirkte es dann auch in der Pseudo-Witzigkeit fast schon verzweifelt, als Krause auf diesem lauen Witz herumritt.

Eine vor Ewigkeiten aufgezeichnete Late-Night-Show ist aber auch eine Bankrotterklärung. Ein vernünftiger Stand up ist somit nicht mehr möglich. Um Allerwelts-Bla-Bla zu erzählen, braucht es ein solches Format nicht. Dem SWR scheint es das aber auch nicht wert zu sein, denn sonst hätte man sich die Mühe gemacht, nach der Wahl eine wirklich aktuelle Sendung zu produzieren.
Es ist extrem schade um diese Sendung, aber so wie sie momentan produziert wird, ist sie leider überflüssig. Oder das Team muss das Konzept radikal ändern und sich vom Late-Night-Format verabschieden.

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Rhein in Flammen von Konstanz bis Koblenz

Montag, den 14. August 2017
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SA 12.08.2017 | 20.15 Uhr | SWR-Fernsehen

Mehr als dreieinhalb Stunden übertrug der SWR live vom Event “Rhein in Flammen” in Konstanz und Koblenz. Höhepunkt des Abends sind da natürlich die Feuerwerke über dem Rhein.
Und man könnte ja meinen, dass man sich beim SWR Gedanken darüber macht, wie man denn ein Feuerwerk im Fernsehen übertragen könnte. Denn das ist schwer als man denken könnte.

Wer bei einer Veranstaltung ist, kann beeindruckende Feuerwerke erleben. Wenn es knallt und im Himmel tolle Bilder zu sehen sind, dann sorgt das für Emotionen. Mit unseren Augen erfassen wir, was wir sehen möchten oder wo gerade etwas passiert.
Im Fernsehen müssen das für uns Kamera und Regisseur übernehmen. Leider gelingt es in den allerwenigsten Fällen. Auch am Sonnabend im SWR nicht.

Dort zeigte man am späten Sonnabendabend live das Feuerwerk über dem Rhein in Koblenz. Mal abgesehen davon, dass es es lang war und auch nicht sehr originell, weil zwar schmissige Musik gespielt wurde, das Feuerwerk rhythmisch und punktuell darauf nicht eingegangen ist.
Das Problem im SWR: Eine Kamera stand zu weit weg, da war das Feuerwerk zu klein. Eine weitere irrlichterte mitten im Feuerwerk herum. Es wurde wirr hin- und hergeschwenkt und teilweise waren nur Lichter zu sehen, ohne Zusammenhang. Eine dritte Kamera erfasste das Ganze auch nicht vernünftig.

Es ist nicht das erste Mal, dass der SWR das Event überträgt. So langsam sollte man es mal drauf haben. Aber vielleicht ist es auch schlicht so, dass Feuerwerke eh nur vor Ort wirklich funktionieren.

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Gefragt – Gejagt

Donnerstag, den 13. Juli 2017
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MO 10.07.2017 | 16.15 Uhr | rbb

Es ist immer wieder ein Jammer. Hat eine Sendung viele Zuschauer, dann neigen die Senderverantwortlichen in ihrer verzweifelten Einfallslosigkeit dazu, das Format bis zum Letzten auszuquetschen und immer und immer wieder auf diversen Sendeplätzen zu verheizen.

Am Montagnachmittag begrüßte Alexander Bommes im rbb wieder mal seine Kandidaten im Quiz “Gefragt – Gejagt”. Er machte das auch schon vier Stunden zuvor im rbb. Aber nicht nur dort: Gleichzeitig (!) zur Ausstrahlung im rbb zeigte auch Das Erste eine Folge der Show. Und auch im Ersten war es bereits die zweite Sendung, denn um 11.15 Uhr lief schon mal eine.
Und dann immer noch nicht genug: Der NDR zeigte am Montag ab 22 Uhr gleich zwei Folgen. Im BR-Fernsehen war eine um 14.40 Uhr zu sehen. Das SWR-Fernsehen hatte um 23.30 Uhr eine Folge parat. Im hr-Fernsehen musste man immerhin bis 1.40 Uhr warten. Dafür zeigte das mdr-Fernsehen schon um 8.30 Uhr zwei Folgen am Stück.

Wenn man möchte, dass sich die Zuschauer an einem Format sattsehen soll, dann muss man es so machen wie die ARD: “Gefragt – Gejagt” rauf- und runtersenden.

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Sondersendung zum Tode von Helmut Kohl

Dienstag, den 20. Juni 2017
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FR 16.06.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Woran denkt man beim Fernsehen, wenn ein wichtiger Politiker gestorben ist? Das Erste hat darauf am Freitagabend eine sehr bemerkenswerte Antwort gefunden. Die “Sondersendung zum Tode von Helmut Kohl” zur besten Sendezeit im Ersten und zeitgleich im SWR-Fernsehen, begann mit der wichtigsten Frage, die anlässlich des Ablebens dieses Mannes zu klären ist: Was ist eigentlich auf der Straße von Kohls Haus in Ludwigshafen-Oggersheim los?

Die Sendung begann tatsächlich mit einer Schalte zu einer Reporterin, die nervös herumhaspelte, dass nach der Todesnachricht in der Straße am Kohl-Privathaus ziemlich viel los ist. Schön, dass wir das mal erfahren haben und die ARD das eine herrlich sinnlose Reporter-Schalte wert war.

Es folgten viele Rückblicke auf Helmut Kohls Leben, viele Interviews mit Wegbegleitern und noch mehr rückblickende Beiträge. Um 21 Uhr war dann eigentlich alles gesagt. Die Sendung war zu Ende und wurde im Südwest-Dritten dann von einem “SWR spezial” abgelöst, in dem noch einmal Rückblicke und Interviews gesendet worden sind. Im Ersten gab es zeitgleich eine rückblickende Doku, in dem noch einmal vieles von dem erzählt worden ist, was gerade schon in der Sondersendung ein Thema war.

Auch wenn es um Kohl ging, und auch wenn er ein wichtiger Mann war: Manchmal ist dann doch weniger mehr. Oder soll ich an dieser Stelle auch noch mal von vorn anfangen?

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Sag die Wahrheit

Sonntag, den 23. April 2017
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FR 21.04.2017 | 18.50 Uhr | Das Erste

Drei Männer behaupten, dass sie Flirtcoach seien. Ist es der mittelalte Herr, der recht seriös aussieht? Ist es der blonde Schnösel? Oder der sympathisch dreinblickende dunkelhaarige junge Mann?
Ein fünfköpiges Rateteam, darunter Smudo, Pierre M. Krause und Kim Fisher, muss nun rausfinden, wer der echte Flirtcoach ist.
Am Ende ist es ausgerechnet der blonde Schnösel, von dem man es am wenigsten erwartet hat.

“Sag die Wahrheit” heißt die kurzweilige Rateshow, die am Freitagabend erstmals im Ersten lief. Das heißt, eigentlich stimmt das nicht. Denn schon 1959 lief die erste Folge von “Sag die Wahrheit” auf diesem Sender, der sich damals noch schlicht “Deutsches Fernsehen” nannte. Von 1971 bis 1986 war Pause, dann gab es eine Neuauflage, die wiederum bis 1995 lief – und seit 2003 hat sie im SWR-Fernsehen ihre Heimat.

Dass die Quoten am Freitag nicht berauschend waren, liegt keineswegs an der Show. Der Sendeplatz um 18.50 Uhr ist vielleicht nicht der Beste. “Sag die Wahrheit” ist simpel, relativ unaufgeregt, und als Zuschauer kann man wunderbar mitraten, weil man seine Menschenkenntnis testen kann. Keine Hochkultur, aber auch keineswegs ein Deppenformat.