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#Zusammenhalten – Die Show

Montag, den 19. Oktober 2020
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SA 17.10.2020 | 21.50 Uhr | SWR-Fernsehen

Die Kultur in Deutschland droht, vor die Hunde zu gehen.
Zu Beginn der Coronapandemie mussten Theater und Kinos schließen. Kultur fand praktisch nicht mehr statt. Keine Theaterstücke, keine Comedy, keine Filme, keine Konzerte. Einiges fand online statt, später gab es Autokino-Veranstaltungen. Im Laufe des Sommers öffnete viele Kulturhäuser wieder, aber wegen der Corona-Sicherheitsmaßnahmen darf nur ein Bruchteil der Plätze besetzt werden.
Heißt: lange keine und dann weniger Einnahmen, keine und dann weniger Umsätze, keine oder kaum Aufträge für Solokünstler und für die vielen Berufsgruppen, die am Kulturbetrieb dranhängen.
Die Krise der Kultur spielt dennoch im Bewusstsein der Menschen eine recht kleine Rolle.

Das will der SWR ändern. Das Wochenende stand im Zeichen der Kultur. Motto: #Zusammenhalten für die Kultur.
Am Sonnabend lief dazu am späten Abend eine Show aus der Württembergischen Landesbühne Esslingen. Moderator Constantin Zöller begrüßte die Theaterverantwortlichen aus Esslingen sowie Künstler aus der Region.
Bitter: Es interessiert die Menschen tatsächlich kaum. Im SWR/SR-Sendegebiet im Südwesten schalteten am Sonnabend gerade mal 54.000 Menschen ein. Marktanteil: klägliche 1 Prozent.

Dabei ist diese Sendung genau das, was Öffentlich-Rechtliche jetzt leisten sollten. Vermehrt Kultur produzieren, und das nicht im Studio, sondern dort, wo sonst auch Kultur gemacht wird. Das Fernsehen sollte raus in die kleinen Theater. Diese Häuser hätten auf diese Weise vielleicht ein paar Einnahmen, Mitarbeiter hätten Aufgaben. Und nebenbei könnte man die Vielfalt der Kultur hierzulande darstellen.
Vielleicht sollte der SWR sowas dann aber anders und besser betiteln und bewerben. “#Zusammenhalten – Die Show” ist zwar ein gutes Anliegen, zieht aber offenbar kaum Zuschauer an.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 16. Oktober 2021)

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Walulis Woche

Dienstag, den 29. September 2020
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SO 27.09.2020 | 23.20 Uhr | SWR-Fernsehen

Otto hatte mal wieder drei Probleme, und was ihm helfen konnte, war ein Neger. Bimbo, so nannte er den Neger, verkaufte er an eine reiche Ministergattin als Sklaven, von der er wenig später ein paar SCheine abknöpfte, und weil das zu wenig war, nahm er Bimbo, den Sklaven, gleich wieder mit.
Das war 1985 in “Otto – Der Film”.
Neger? Ein Schwarzer als Sklave? Und dann auch noch mit Namen Bimbo?
Das ist doch…. also… das kann doch nur RASSISTISCH sein!!!
Oder auch nicht.

Nicht nur um “Otto – Der Film” gibt es derzeit eine Rassismusdebatte. Eine von vielen. Es wird darüber gestritten, was man denn mit mehr oder weniger historischen Comedynummern macht, in denen deutsche Comedians Asiaten mit Schlitzaugen gespielt haben, sich schwarz geschminkt haben, um Schwarze zu spielen, die Inder mit entsprechendem Dialekt gespielt haben oder sich als schwule Kreischtucken in Filmkulissen gestellt haben.

Darüber muss man sprechen, denn aus heutiger Sicht, sagen viele Menschen, gehen Witze, die man 1995 oder 2005 gemacht hat, nicht mehr. Witze, die Minderheiten beleidigen, sich über andere Ethnien lustig machen oder sexistisch sind.
Darum ging es am Sonntagabend in der ersten Sendung von “Walulis Woche” im SWR-Fernsehen.
In den USA werden ganze Folgen von Serien gelöscht, weil das Schauspieler Blackfacing betreiben, “Little Britain” ist teilweise nicht mehr zu sehen, weil sich auch da, wie es heißt, über Minderheiten lustig gemacht wird.
Ja, gelöscht – weg damit.

Aber das Fazit von Philipp Walulis, und der Meinung bin ich auch: Löschen ist falsch. Einfach unter den Tisch fallen zu lassen, ist nicht der richtige Weg. Aus den Augen, aus dem Sinn bringt nur wenig. Man muss die Szenen weiter zugänglich machen. Um sie in die Zeit einzuordnen, um sie aus heutiger Sicht beurteilen zu können. Um zu sehen, was damals eventuell nicht so gut war.

Und Otto? Ottos erster Film war nicht rassistisch. Denn im Film ging es nicht darum, sich über “Neger” lustig zu machen. Günther Kaufmann ist dunkelhäutig, und er spielte den Mann, den Otto als Bimbo als Sklave an die reiche Tussi verkaufte. Die Frau, für es Sklavenhandel mit “Negern” völlig normal zu sein schien. Das ist der Witz – er sich gegen die Frau richtet und nicht gegen den Schwarzen.
Es sei wichtig, hieß es in “Walulis Woch”, zu betrachten, welches Ziel ein Gag habe. Geht es einfach nur darum, irgendwie lustig zu sein wollen oder gegen es darum, was aufzuzeigen? Bei der Beurteilung von solchen Szenen und Momenten müsse das immer bedacht werden.

Dass übrigens Walulis jetzt auch im SWR-Fernsehen vertreten ist, ist gut. Bei Funk, dem ARD/ZDF-Jugendangebot, ist er auf Youtube mit seinen Videos sehr gut vertreten. In “Walulis Daily” geht es um Aktuelles aus der Medien- und Influencer-Szene, hinzu kommt “Walulis Story” mit dem Hauptbeitrag, der dann auch in der SWR-Sendung zu sehen ist.
Im SWR-Sendegebiet haben die Sendung am Sonntag gerade mal 18.000 Menschen gesehen. Das ist haarsträubend wenig und viel weniger, als Walulis auf Youtube erreicht. Da muss der SWR wohl noch viel mehr trommeln.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 27. September 2021)

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Krause kommt!: Désirée Nick

Dienstag, den 4. August 2020
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FR 31.07.2020 | 23.30 Uhr | SWR-Fernsehen

Wenn Krause kommt, dann ist er zwei Tage lang mit einem Promi zusammen, unternimmt mit ihnen was, schaut sich im Haus um, übernachtet dort. Da ist auch mal Zeit für tiefgründige Gespräche.
Bei Desirée Nick war alles etwas, nun ja, anders. Am Freitagabend lief im SWR-Fernsehen die neue Folge von “Krause kommt!” Pierre M. Krause reiste diesmal nach Falkensee in Brandenburg. Dort wohnt la Nick.

Bevor die Nick zu den Beleidigungen übergeht, duzt sie Pierre gleich mal nebenbei. Die Folge ist schon in der Vorweihnachtszeit 2019 entstanden, lange vor “Promis unter Palmen”. Aber wir kennen sie auch aus dem Dschungelcamp, aus dem “Promi Big Brother”-Haus, und immer war sie diejenige, die mit spitzer Zunge alle anderen in Grund und Boden redete. In unnachahmlicher Art, mal zerstörerisch, mal weil es nötig war.
Und auch in seiner eigenen Sendung kommt Pierre M. Krause nicht so richtig zu Wort. In der Küche darf er nicht helfen, hat gefälligst am Tisch sitzen zu bleiben, weil er auch so porzellanpuppenhaft aussehe.

Minutenlang schwärmt Pierre M. Krause davon, dass die Nick ja selber Kuchen backe, und sie zeigt ihm einen der Kuchen auch noch stolz. Als sie den Apfelkuchen mut halbsteifer Sahne verspeisen, freut sich der Pierre immer noch über das Selbstgebackene und kriegt sich gar nicht mehr ein – bis die Nick raushaut: “Der Kuchen ist von Lidl.” Da war Krause kurz mal sprachlos, und vielleicht gibt es den wirklich (?) selbstgebackenen Kuchen ja später mal.
Später teilte sie ihm mit, dass er im Schuppen nebenan schlafe, und Krause Falten auf der Stirn werden immer größer. Auch wenn der Schuppen ein kleines Gästehaus ist.

Vorm Schlafen, Krause trägt schon ein Frauen-Nachthemd, zeigt ihm die Nick noch ihre Lieblingsbücher. Krause will wissen, ob sie eine rebellische Schülerin gewesen sei. Nick ignoriert die Frage – mehrfach. Es ist ein seltsam einseitiges Gespräch.
Wie überhaupt diese Sendung sehr spannend ist. Man weiß nicht genau, ob die beiden irgendwie eine Beziehung aufbauen. Krause scheint ziemlich genervt von Nicks Art, sich immer in ein gutes Licht zu rücken, ohne tiefgründig zu werden. Die liebevoll-strenge Bevormundung, die die Nick immer wieder an den Tag legt, irritiert Pierre M. Krause sichtlich.
Er hat als Interviewer sehr kräftig an ihr zu knabbern, und genau das macht “Krause kommt” in dem Fall alles andere als langweilig.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 2. April 2021)

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Die SWR3 MorningShow

Sonntag, den 14. Juni 2020
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FR 12.06.2020 | 6.00 Uhr | SWR-Fernsehen

Das Schöne am Radio ist ja: Man kann es nicht sehen. Man kann sich nur vorstellen, wie die Leute aussehen, die da moderieren, wie das Studio aussieht – und wie aufregend es im Verkehrszentrum ist.
Jeden Morgen aber entzaubert das SWR-Fernsehen diese Show im Kopf: Denn die “SWR3-Morningshow” läuft nicht nur im Radio bei SWR3, sondern von 6 bis 8 Uhr auch im Fernsehen. Allerdings handelt es sich dabei letztlich doch nur um abgefilmtes Radio, das wenig bis nichts zusätzlich kosten darf.

So gibt es zwar ein paar festinstallierte Kameras, aber irgendwie hätte man an die Einstellungen noch mal ran gehen können – zumindest am Freitagmorgen. Die Nachrichtensprecherin steht irgendwie am unteren Bildrand und wird auch noch überdeckt von der Einblendung der Nachrichten als Laufband. Immerhin sieht man ihren Kopf, und man sieht, wie sie nach dem letzten gesprochenen Wort aus dem Studio rennt. Übrigens nach zweieinhalb Minuten, mehr Nachrichten mutet man den SWR3-Hörern nicht zu.
Während der Wettermann seine Wettervorhersage liest, ist er – vermutlich mangels Kamera – nicht im Bild. Stattdessen sehen wir die beiden crazy draufen Morningshow-Moderatoren an ihren Mikros stehen, einer macht ungelenke Tanzbewegungen, um den 13 SWR-Fernsehzuschauern zu zeigen, wie unfassbar gut drauf er um 6.03 Uhr schon ist. Je nach Kameraposition ist übrigens immer einer der beiden Moderatoren vom Mikrohalter verdeckt. Immerhin aber sieht man sie, wenn auch nur im oberen rechten Bildrand.
Das Verkehrszentrum besteht übrigens aus einem Schreibtisch und einem Monitor sowie dem Mann, der liest, was auf dem Monitor zu lesen ist. Für die SWR-Zuschauer werden die Verkehrsmeldungen auch per Laufband eingeblendet, allerdings reicht die Zeit nicht, alles einmal durchlaufen zu lassen.

Während die coole SWR3-Pop-Chartsmusik läuft, sieht man im SWR-Fernsehen keine Videoclips, sondern einen Splitscreen. Oben links stehen Schlagzeilen, unten links ein paar Wetterinfos, daneben Verkehrsinfos. Unten rechts sind nichtssagende Standbilder von leeren Autobahnen und Bundesstraßen zu sehen. Immerhin erfährt man daraus, dass die Autobahn, die da zu sehen ist, leer ist. Welchen Nutzen das für den SWR-Zuschauer haben könnte, ist unklar. Außer, dass man denkt: Ui, ist ja ganz schön leer auf der B14 am Kappelbergtunnel in Richtung Stuttgart.
Auch erfahren wir, welcher Song läuft und welcher als Nächstes kommt.
Oben rechts sehen wir die Moderatoren, allerdings blöderweise verdeckt vom SWR-Senderlogo. Einer rennt erst mal raus, der andere blättert erst mal durch die “Bild”-Zeitung. Und weil zwischen den Songs nur ein Jingle läuft – die Hörer und Zuschauer müssen dringend erfahren, dass sie SWR3 hören – kann auch der andere nach der Zeitungslektüre noch mal raus. Aufs Klo vielleicht – leider gibt es da keine Kamera.

Dann ist doch mal Zeit für Inhalt. Es geht um Rettungsschwimmer, die erzählen, wie die Lage ist. Der Beitrag ist fertig, die Moderatoren müssen ihn nur anmoderieren. Der Beitrag ist flott geschnitten, im Musik läuft permanent Plingplangmusik, damit es nicht langweilig wird, und immerhin hat dieser Beitrag auch gute zwei Minuten gedauert, bevor sich Hörer und Moderatoren wieder bei Musik entspannen können.
Zehn Minuten und zwei Songs später plaudern die beiden Moderatoren über die Senkung der Mehrwertsteuer – also, zumindest einer von ihnen hat den Zettel mit dem Text in der Hand. Auch diese anderthalbminütige Plauderei ist mit Musik unterlegt, damit ja keiner wieder einschläft, und ein dazu passender Beitrag kommt erst gar nicht.

So geht das alle halbe Stunde. Nachrichten, Wetter, Verkehr, Musik, Musik, Beitrag, Musik, Musik, Plauderei, Musik, Musik, Trailer, Nachrichten…
“Die SWR3 Morningshow” ist ein routiniert gemachtes Formatradio, das nicht wirklich oder gar keine Überraschungen bietet. Warum man das fürs Fernsehen abfilmt, obwohl aufs Fernsehen nie Bezug genommen wird und auch niemand in eine der Kameras schaut, nicht nicht klar. Vermutlich sind es schlicht sehr preiswerte Sendeminuten.

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Koch mal Anders

Montag, den 9. März 2020
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FR 06.03.2020 | 13.45 Uhr | SWR-Fernsehen

Kochen ist ja eigentlich eine etwas langweilige Angelegenheit. Gerade, wenn man so schön ins Plaudern kommt. Da steht man dann in der Küche rum und kocht gar nicht mehr.
So schien es auch Thomas Anders und Francine Jodi zu gehen.

Thomas Anders, wir kennen ihn von Modern Talking, moderiert immer mal wieder Fernsehformate im Tagesprogramm. Mal geht es um Ahnenforschung, jetzt wandelt er auf den Pfaden von Alfred Biolek.
Der hat sich jahrelang in “Alfredissimo” Gäste zum Kochen eingeladen. Dann wurde geschnippelt, gebrutzelt und geplaudert, und Alfred Biolek hat mit seinen Mmmhhhmmms ausgedrückt, wie gut oder wie schlecht (“Ach, das schmeckt ja interessant!) es ihm schmeckt.

Die SWR-Sendung “Koch mal Anders” erinnert sehr stark an “Alfredissimo”. Denn auch diese Sendung beginnt, wenn Gast und Gastgeber schon plaudern. Und auch Thomas Anders schwadronierte zwischendurch, wie das mit den Mmmmhhhms so funktioniert.

Am Freitagnachmittag war die Schalgersängerin Francine Jordi zu Gast. Sie kochte Züricher Geschnetzeltes. Aber das spielte zwischendurch keine Rolle mehr. Anders und Jordi standen in der Küche und plauderten über ihre Schlagerkarriere. Dass in so vielen Shows aufgetreten sei, mit immer demselben Lied, und so viele Shows wie damals gibt es ja gar nicht mehr…
Und wer will denn bei so spannenden Gesprächen noch kochen?

“Koch mal Anders” dauert 45 Minuten. Es würde der Sendung aber gut tun, sie mehr zu straffen – Alfred Biolek haben ja 30 Minuten einst auch gereicht. Da war kein Platz für überflüssige Labereien.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 24. Februar 2021)

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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Landfrauenküche im Advent

Freitag, den 20. Dezember 2019
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MO 16.12.2019 | 20.15 Uhr | BR-Fernsehen

Montag, 20.15 Uhr, im BR-Fernsehen: In der Sendung “Landfrauenküche im Advent” kocht Cathi aus dem Berchtesgadener Land frischen Saibling.
Montag, 20.15 Uhr, im WDR: In der Sendung “Land und lecker im Advent” kocht Cathi aus dem Berchtesgadener Land frischen Saibling.
Montag, 20.15 Uhr, im SWR-Fernsehen: In der Sendung “Lecker aufs Land im Advent” kocht Cathi aus dem Berchtesgadener Land frischen Saibling.
Drei Sendungen, eine kochende Frau? Was ist da los?

Was da jeden Montagabend in drei Dritten Programmen vor sich geht, ist in der Tat bemerkenswert. Denn einerseits handelt es sich – zeitgleich im BR, WDR und SWR – um verschiedene Sendungen. Aber das Sendematerial ist dasselbe.
Überall kochte am Montag Cathi aus dem Berchtesgadener Land frischen Saibling und hatte drei andere Landfrauen zu Gast. Die haben in den Vorwochen gekocht.
Allerdings: Der Off-Kommentar war in jeden Sender ein anderer. Die Musik im Hintergrund war eine andere, mitunter war der Schnitt auch anders.
Die Frage ist: Warum wird nach einem Dreh eine Sendung in drei verschiedenen Versionen produziert und gleichzeitig ausgestrahlt?

Die Antwort ist einerseits einleuchtend, andererseits trotzdem bekloppt.
Die selbe Produktionsfirma stellt für den BR, WDR und SWR dieselbe Idee um. Landfrauen treffen und bekochen sich. Im BR heißt die Serie “Landfrauenküche”, im WDR “Land und lecker”, im SWR “Lecker aufs Land”.
Das fällt so lange nicht auf, wie die Reihen in den jeweiligen Bundesländern Geschichten aus den jeweiligen Bundesländern erzählen. Wenn aber die drei Reihen aufeinandertreffen, dann rückt dieser Irrsinn ins Blickfeld. Vor allem dann, wenn in den Programmzeitschriften die drei Sendung direkt nebeneinander stehen.

Anstatt dass eine Sendung (mit meinetwegen drei verschiedenen Vorspännen) entsteht, haben sich drei komplett verschiedene Teams an die jeweilige Bearbeitung der Sendung gemacht.
Der Umfang der finanziellen Verschwendung hält sich vermutlich in Grenzen. Es erzählt aber dennoch etwas über den ARD-Irrsinn, der da hin und wieder um sich greift.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek: in der BR-Version (bis 17. November 2020) – in der WDR-Version (bis 16. November 2020) – in der SWR-Version. (bis 21. November 2024)

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