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Hilfe, die Berliner S-Bahn stirbt aus!

Freitag, den 17. Juli 2009
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Die S-Bahn in Berlin stirbt. Zumindest zu zwei Dritteln, und zumindest vorübergehend. Ab Montag ist nur noch ein Drittel der Zugflotte unterwegs.
Auf der Stadtbahn zwischen Zoo und dem Ostbahnhof geht gar nichts mehr. Ebenso von Spandau bis zum Olympiastadion, zwischen Hohen Neuendorf und Blankenburg, Strausberg Nord und Strausberg, Adlershof und Schönefeld und weiteren Streckenabschnitten.
Die Züge müssen in die Inspektion, wegen der Räder und wegen der Sicherheit.
Regionalzüge ersetzen die S-Bahn nur teilweise. Wer zum Savignyplatz oder nach Bellevue will, muss sich was überlegen. Die Bahn wird da jedenfalls nicht mehr hinfahren.

Dass ich so was noch erleben darf. Vielleicht wird man der nächsten Generation mal davon erzählen: Weißt du noch, als die S-Bahn nicht mehr fuhr?
Was kommt noch? Brauchen wir bald eine Luftbrücke, weil auch die Regionalzüge ausfallen? Und was ist eigentlich mit den U-Bahnen? Hat die Busse jemand mal kontrolliert?

Und wieso ist eigentlich nur die Berliner S-Bahn dermaßen unter Beschuss? Wenn ich mir beispielsweise die Rumpelwaggons bei der Münchner U-Bahn ansehe, wird mir auch immer angst und bange. Kontrolliert die eigentlich auch mal jemand oder wurde gerade nur Berlin unter die Lupe genommen?

Die nächsten Wochen werden jedenfalls spannend in Berlin und dem Umland.
Da fällt mir ein: Gibt es die alten Ferkeltaxen noch? Vielleicht können die ja in Berlin eingesetzt werden. Oder wie wäre es mit Draisinen? Ja, das wär’s doch: eine echte Hauptstadt-Touri-Sause – mit der Draisine vom Ostbahnhof bis zum Zoologischen Garten. Wer braucht da schon die S-Bahn?

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aRTikel

Probe mit Willi, dem Hasen

Dienstag, den 31. Dezember 2002
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Greensession und die MAZ: Ein Jahr mit Höhen, Tiefen und einem umjubelten Höhepunkt

MAZ Oranienburg, 31.12.2002

OBERHAVEL
Ist es wirklich schon 16 Monate her, dass ich das erste Mal im Proberaum von Greensession stand? Proben, Konzerte, Fototermine: Fast immer war ich dabei. Lernte die Jungs näher kennen, viele Leute, viele Orte. „Die MAZ-Jugendseite begleitet Greensession auf dem Weg nach oben“, heißt es immer im Vorspann zu den Artikeln dieser Reihe. Und auch ich selbst hätte nie gedacht, wo uns dieser Weg überall hinführen würde.
Zum Beispiel nach Kremmen, in die Stadtparkhalle. Wo man offensichtlich nicht mitbekommen hat, dass der Aschermittwoch schon vier Tage zurücklag. Egal, beim Kinderkarneval achtet da eh’ keiner drauf. Die vier Jungs, Rafi, Flo, Christoph und Benny, hatten die Ehre, das abgeschlossene Faschingsprogramm abzuschließen. Nun ja. Nach eben diesem lustigen Programm mit Büttenrede und „Mini-Playback-Show“ waren alle Leute bereits gegangen, weshalb das Greensession-Konzert auch vor der abbauenden Truppe stattfand.
Umso erfreulicher war der 4.Platz beim Rockwettbewerb im Fuchsbau Mitte März in Berlin-Reinickendorf. Insgesamt 50 Bands haben sich beworben. Greensession schaffte es bis ins Finale, in dem ansonsten eher die härtere Musik-Fraktion vertreten war. Die Freude bei allen war riesengroß, der Finaleinzug aber auch verdient.
Im Mai gab es dagegen von der Jury des RockPopJazz-Festivals in Strausberg härtere Worte. Die Herren waren nicht zimperlich. Sätze wie „Du stehst nicht dahinter!“ fielen. Das hat erst mal gesessen, damit hat niemand gerechnet.
Ganz anders, viel erfreulicher, sah das schon wieder im Juni bei „La Jeune Fête de la Musique“ in der Wuhlheide aus. Der erste Platz! Der erste gewonnene Bandwettbewerb. Leider nur vor 16 Zuschauern. In dem Zusammenhang ist es auch immer wieder interessant, was die Veranstalter im Vorfeld eines Konzertes für Besucherzahlen ankündigen. So hieß es, beim Naturparkfest in Briese rechne man mit Leuten im vierstelligen Bereich. Nun gut, es waren nicht ganz so viele. Vor der Bühne standen vielleicht zehn Leute. Das war einer der weniger angenehmen Momente.
Dies war auch Rafis letzter Auftritt als Sänger, er wollte sich schon immer lieber nur um die Gitarre kümmern. Da kam Tobi gerade richtig. Für eine Demo-CD sollte er Greensession seine Stimme leihen. Für ihn selbst war recht schnell klar, dass er länger bleiben wolle. Nun mussten ihn die Jungs nur noch fragen. Sie trauten sich: auf der Party zu Christophs 18. Geburtstag. Der flotte Fünfer war perfekt.
Als solcher ging es Mitte November ins Hennigsdorfer Conny Island. Vor mehr als 100 Gästen gab Greensession das bisher größte Konzert. Vor jubelnden Fans stellten Tobi, Rafi, Flo, Christoph und Benny das Ergebnis einer langen und ertragreichen Probenphase vor. Mit zwei Zugaben – ein voller Erfolg. Ein Jahresabschluss, wie wir ihn uns alle gewünscht haben: Die Zuschauer waren begeistert, die „Greenies“, wie sie danach im Forum ihrer Internetseite genannt wurden, überglücklich. Und ich natürlich auch. Denn natürlich sind uns allen Erfolge lieber als alles andere. Der Auftritt im „Conny“ fand nicht nur in der MAZ Erwähnung. Auch von den Kollegen kamen anerkennende Zeilen.
Meine interessantesten und schönsten Augenblicke mit Greensession hatte ich selbst allerdings vor und nach den Konzerten, beziehungsweise ganz abseits der großen und kleinen Auftritte. Auf langen Autofahrten wurde viel gelacht, während mancher Probe gab’s ein Extra-Ständchen
à la „Willi, der Hase“.
Und wohin führt der Weg im nächsten Jahr? Egal wohin – viel Erfolg dabei!

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RockPopJazz

Sonntag, den 12. Mai 2002
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Es ist war ein wenig erschreckend, was da am Wochenende in Strausberg abging. Die Besucherzahl war eigentlich gleich 0. Es gab offensichtlich überhaupt keine Resonanz. Es waren zwar ein paar Leute da, aber die gehörten überwiegend zu den Bands, die eben grad nicht gespielt haben.
Wurde keine Werbung gemacht? Oder interessiert sich niemand für junge Nachwuchsbands? Ich begreife es nicht.
Andererseits hat sich auch die Jury des ganzen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Entscheidungen waren sehr fragwürdig. Am Ende wurden vier Bands gewählt, die noch einmal auftreten durften. Mindestens eine davon waren eine glatte Fehlentscheidung. Allerdings schien der Modus auch nicht so gewesen sein, dass eben nur die besten Bands ins Finale kamen… Diese Sachen stellten den Wert der ganzen Veranstaltung in Frage.
Ich möchte nicht damit sagen, dass GS nun unbedingt ins Finale gehört hätten (oder doch?), aber ich möchte schon anmerken, dass wenn die Kindercombo “Stressband” es ins Finale schafft, man sich schon darüber seine Gedanken macht… Aber so ist das Musik-Business.
Meine Favoriten übrigens: Cockring, Ars Vivendi…
Aber egal, denn: “Das Leben ist eine Party!!” und “Ich kann auf eignen Füßen stehn!”

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Der große ABBA-Abend

Freitag, den 10. Mai 2002
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Es gibt Momente, da ärgert man sich ganz gewaltig, dass man weder eine Videokamera noch ein Diktiergerät dabei hat, um alles, was gerade passiert, festhalten zu können. Gestern war so ein Moment.
Es hatte etwas von einer Klassenfahrt. Der „Alte Gutshof“ in Strausberg, eine Art Jugendherberge. Ein großes Zimmer mit sechs Doppelstockbetten. Darin sind drei der Bands einquartiert, die am RockPopJazz-Festival des Landes Brandenburg teilnehmen. Auch Greensession. Man kann nicht gerade behaupten, dass man vom Fußboden des Raumes essen könnte. Flaschen, Papier, Sand, Rucksäcke, Decken, diverse Instrumente – alles liegt wie wild im ganzen Zimmer verstreut.
Rafi, Flo und Benny sind vom ersten Konzerttag, der gerade zu Ende gegangen ist, ein wenig geschafft. Die drei haben sich in ihre kleine Ecke verzogen und bereiten sich noch einmal auf ihren Auftritt am Sonnabend vor. Christoph kam erst heute dazu. Er bereitet sich auf den Wettbewerb „Bester Schlagzeuger Brandenburgs“ vor, bei dem er den 2.Platz erreichte.
Die Stimmung auf dem Zimmer ist gut, auch die anderen spielen auf ihren Instrumenten, auch wenn der Alkoholpegel bei einigen von ihnen schon bedenklich hoch ist. Flo haut in seine Klaviertasten und nervt Rafi mit diversen ABBA-Songs.
„Ihr seid die von Greenspirit, oder?“, fragt jemand von der anderen Band. Und dann kommt der Moment der Wahrheit: „Wieso heißt ihr eigentlich Greensession?“ Die Frage können die Jungs ja bekannterweise selbst nicht mehr so genau beantworten. So lenkt Rafi auch geschickt vom Thema ab. Benny, der es sich auf Flos Liege bequem gemacht hat, ist inzwischen eingeschlummert. Auch einige andere liegen schon in ihren Betten. Der Abend in der Herberge neigt sich dem Ende zu. Und keine Kamera, kein Diktiergerät weit und breit. Echt schade.

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Zehn Monate beim Bund – ein Fazit

Freitag, den 25. Juni 1999
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Zehn Monate Bundeswehr. Eine lange Zeit ist zu Ende gegangen. Was wird bleiben? Welche Erinnerungen werden sich tief in mein Gehirn eingraben? Sind es eher die positiven oder die negativen? Die harten Anstrengungen oder das langweilige Rumgammeln?
Während der achtwöchigen Allgemeinen Grundausbildung (AGA), die ich in Havelberg absolvierte, lernt man zunächst, daß bei der Bw Abkürzungen das A und O sind. Und natürlich auch, daß man selbst ein Nichts ist. Nach den ersten Stunden und Tagen war ich erst mal völlig fertig. Ständig wurde man angebrüllt, wenn man mal wieder was falsch gemacht hatte.
Zur Einkleidung in Burg lief im Radio „In the Army now”, was nicht gerade zur guten Stimmung beigetragen hat. Und die Verwandlung vom Zivilisten zum Uniformierten ist wirklich erschreckend. Dann wurde das volle Programm durchgezogen. Formaldienste (Marsch in der Formation), AMiLa (Allgemeines Militärisches Lauftraining), 20-km-Gewaltmärsche, Gewehre auseinandemehmen und wieder zusammensetzen (in Rekordzeit!), sich in diversen Unterrichten zulabern lassen und abends fertig ins Bett fallen.
Schön waren auch die Zeltausflüge, genannt BIWAK („Blöde Idioten warten auf Krieg”). Unter anderen nach Klietz und Wesendorf. Man durfte sich mit einem netten Kameraden ein kleines Zelt („Hundehütte”) teilen, Löcher („Stellungen”) in die Wiese buddeln und auf einen nicht vorhandenen Feind warten. Und nach einer Woche konnte man sich auch wieder waschen.
Das feierliche Gelöbnis ist eigentlich auch eine nette Sache. Da durften wir in Strausberg über eine Stunde lang stillstehen und beobachten, wie unsere Kameraden, einer nach dem anderen, in Ohnmacht fielen.
In der folgenden Zeit hatte ich in Prenzlau und Geltow viele ruhige Stunden in diversen Büroräumen. Ich weiß jetzt, wie ein Kopierer, ein Faxgerät oder ein Computer funktionieren. Mit meinem heißumkämpften Bw-Führerschein habe ich die Kasernen Deutschlands kennengelernt. Und natürlich auch deren Küchen. Aber darüber möchte ich hier nicht sprechen. Das Thema ist zu traurig …
Traurig ist aus meiner Sicht auch das Thema Ärzte in der Bw. Eine Sprechstunde bei einem dieser netten Leute bestand oft darin, daß ich ihnen etwas erzählte und er seine Schwester fragte, was denn noch für Medikamente im Schrank seien. Tolle Sache! Als „freier Mensch” hätte ich nicht nur einmal den Arzt gewechselt! Positiv war allerdings die gute Kameradschaft unter den Mannschaftsdienstgraden, besonders während der AGA. Und: Je höher der Dienstgrad, um so lockerer die Leute. Insgesamt wird die Arroganz unter ihnen aber ziemlich groß geschrieben …
Würde ich mich noch mal für den Wehrdienst entscheiden? Ich glaube nicht, denn Zivildienst ist (meistens) doch noch ein wenig sinnvoller.

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In der AGA (13): Das Gelöbnis

Freitag, den 18. September 1998
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Verdammt früh war es heute Morgen, als wir geweckt wurden. Seit 6 Uhr sitzen wir nun im Bus, der uns zu unserem feierlichen Gelöbnis nach Strausberg bringen soll.
Überraschenderweise geht das Ganze relativ locker über die Bühne, wir werden unseren Eid in unseren Tarnuniformen sprechen. In den vergangenen Tagen haben wir noch mal das Marschieren (möglichst im Gleichschritt) geübt und auch das „Havelberg-Lied“ können wir inzwischen nahezu perfekt.

Strausberg. Auf einem großen Parkplatz kommen Busse aus den verschiedenen Kasernen. Soldaten aus Prenzlau, Storkow, wir aus Havelberg und eben auch aus Strausberg nehmen am Gelöbnis teil. Vor den Bussen stehen große getarnte Trauben von teilweise rauchenden Soldaten.

Der große Augenblick rückt näher. Oberfeldwebel S. befiehlt uns, uns zu formieren. Natürlich werden wir unser „Havelberg-Lied“ schmettern, wenn wir den Sportplatz betreten, auf dem das ganze Brimborium stattfindet. Das Besondere ist, dass wir diesmal in der ganzen Kompanie marschieren und uns unser Kompanieführer Hauptmann J. anzählt. „Vierte Kompanie – Im Gleichschritt – Marsch!“ Und wir setzen uns in Bewegung. „Vierte Kompanie – Ein Lied!“ Nachdem wir uns alle mitgeteilt haben, dass wir überraschenderweise das „Havelberg-Lied“ schmettern werden, geht’s auch schon los, im Takt unseres Marsches. „In Havelberg – am Havelstrand – da dienen wir – mit Herz und Verstand. – Tsching Tschinging Bajuh – Tsching Tschinging Bajuh – und die Sonne scheint – weit über das Land!“

Wie wir es nicht anders erwartet haben, hat uns die Strausberger Kaserne keine Stühle für die Prozedur zur Verfügung gestellt. So heißt es: stehen bleiben – und warten. Lange warten. Denn ehe alle anderen Kompanien auf ihren Plätzen stehen, vergeht schon eine gewisse Zeit.

Nach einer Stunde warten auf den Beginn der Zeremonie beginnt das Warten auf das Ende der selbigen.
Das wird uns versüßt durch die Musik einer Militärkapelle, die an uns vorbeimarschiert. Wir heucheln Interesse. Was bleibt uns auch anderes übrig? Als nächstes stolziert irgend so ein hoher Offizier an uns Soldaten vorüber. Wir heucheln Ehrfurcht vor ihm. Was sollen wir auch anderes machen? Dann steht ein junger Typ und erzählt uns, wie toll es doch beim Bund ist. Wir heucheln Zustimmung. Was soll der arme Kerl da vorne auch anderes erzählen? Er wird ganz sicher dazu gezwungen.

Es gibt noch weitere spannende Reden, diverse musikalische Einlagen. Ein paar von uns haben dann die zweifelhafte Ehre, nach vorn zur Fahne zu dürfen, um den Eid auf die selbige zu sprechen. Inzwischen habe ich mitbekommen, dass sich meine Familie ausgerechnet hinter uns eingefunden hat.

„Gelöbnisaufstellung – Still gestanden!“, ruft das hohe Tier da vorne ins Mikro. Wir gehorchen. „Augen links!“ Wir starren zur Fahne. „Soldaten! – Ich gelobe…“ Und wir (das heißt, ich bewege nur die Lippen): „Ich gelobe…“ – „… der Bundesrepublik Deutschland…“ – „… der Bundesrepublik Deutschland…“ – „… treu zu dienen…“ – „… treu zu dienen…“ – „… und das Recht…“ – „… und das Recht…“ – „… und die Freiheit des deutschen Volkes…“ – „… und die Freiheit des deutschen Volkes…“ – „… Kraftvoll zu verteidigen.“ – „… Kraftvoll er verteidigen.“ Dann wird die Nationalhymne gespielt und wir sind vereidigt. „Gelöbnisaufstellung – Augen geradeaus!“ Bei der Brandenburger Hymne, „Märkische Heide“, brauchen wir nicht auf die Fahne zu glotzen.

Nach dem offiziellen Akt dürfen die Angehörigen auf den Sportplatz kommen, um uns zu fotografieren oder uns in Großaufnahme auf den Videofilm zu bannen. Man kommt sich echt vor wie im Zoo.
Und alle sind sie gekommen. Vati, Mutti und mein Bruder.
Nun kommt noch Hauptmann J., wünscht uns alles Gute. Oberfeldwebel S. meint, wir sollten uns am Wochenende nicht zu sehr betrinken, am Montag gehe es ins Biwak nach Nitzow.
J. schreit: „Vierte Kompanie – Auf Ihr feierliches Gelöbnis jetzt ein dreifaches Anker…“ Und wir: „… wirf!“ – „Anker…“ – „… wirf!“ – „Anker…“ – „… wirf!“ – „Und jetzt wünsche ich Ihnen noch ein angenehmes Wochenende – und einen guten Heimweg. Vierte Kompanie – Ins Wochenende weggetreten!“ – Und wir zackig (und ehrlich): „Hurra!!“

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In der AGA (10): Das Havelberglied

Freitag, den 11. September 1998
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Was kann man an einem Freitagvormittag Besseres tun, als hintereinander in einer Gruppe über das Kasernengelände zu latschen, äh marschieren und zu üben, wie man richtig läuft?
Doch für heute hat unser Unteroffizier G. etwas ganz Besonderes angekündigt. Er lässt uns an einen abgelegenen Ort des Geländes marschieren und erklärt uns dann, was uns nun bevorsteht.
In einer Woche sei ja das Gelöbnis in Strausberg und da wollen wir den anderen auch zeigen, was wir hier drauf haben. Und ganz nebebei: Ja, es stimmt: Das Bataillon geht Mitte Oktober für zwei Wochen ins Biwak nach Klietz, ungefähr 30 Kilometer von hier. Wir sind aber nur ungefähr zehn Tage da und marschieren dann zurück nach Havelberg. Das ist dann gleichzeitig unsere Rekrutenprüfung.“ Gemurmel unter uns Soldaten setzt ein.

Aber eigentlich wollte der Uffz ja was Besonderes mit uns machen. „Wir lernen heute ein Lied. Wir lernen, während des Marschierens zu singen. Das Havelberglied.“ Er zieht einen Zettel aus der Brusttasche und liest vor.
„In Havelberg am Havelstrand,
da dienen wir mit Herz und Verstand.
Tsching tschinging bajuh, tsching tschinging bajuh.
Und die Sonne scheint weit über das Land.“
Wir sehen uns ein wenig belustigt an. Tsching tschinging bajuh? Was soll das denn?
„Am Havelstrand sind wir zu Haus,
im Brückenbau kennen wir uns aus.
Tsching tschinging bajuh…“
Und bleibt ja nichts anderes übrig. Wir marschieren los und versuchen im Rhythmus des Marsches zu singen. „In Havelberg… am Havelstrand… da dienen wir… mit Herz und Verstand… Tsching tschinging bajuh… Tsching tschinging bajuh… und die Sonne scheint… weit über das Land.“
Irgendwie muss das nicht allzu gut geklungen haben, denn G. verzieht sein Gesicht. „Das ist doch nicht Ihr Ernst, oder?!“
Und wir marschieren wieder los, G. zählt den Takt. „Links… zwo… drei…vier… links… zwo… drei… vier… zweite Gruppe… ein Lied…“ Jetzt ruft jeder seinem Hintermann den Namen des Liedes, das jetzt gesungen werden soll. „Havelberglied“ – „Havelberglied“ – … Und dann der Letzte: „Drei… vier… Die Kompanie… in der wir sind… die macht uns heiß… und schnell wie der Wind… Tsching tschinging bajuh… Tsching tschinging bajuh… und die Sonne scheint… weit über das Land… Und unser Spieß… wär ja so nett… wenn er nur nicht… seine Launen hätt… Tsching tschinging bajuh…“ – „Lied aus!“
Am Ende bekamen wir einen Zettel in die Hand, um das Lied übers Wochenende auswendig lernen zu können.

Und damit ins Wochenende. So richtig mit Freitagnachmittag, Sonnabend und Sonntag! Am Sonntag um 1.00 Uhr müssen wir wieder in der Kaserne sein.

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