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1993: Regine Hildebrandt lobt neue Sommerfelder Rehaklinik

Dienstag, den 25. Juni 2013
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April/Mai 1993 -> 11.5.2013

Vor 20 Jahren: Ausbau des Hellmuth-Ulrici-Geländes kommt voran / Zoff um Schildower Amtsdirektor / Racheakt in Friedrichsthal

MAZ Oranienburg, 25.6.2013

Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal der Mai und Juni 1993.

OBERHAVEL
An der B 96 bei Nassenheide soll ein Motel gebaut werden. Entsprechende Pläne werden am 21. Mai 1993 bekannt. Entstehen soll es in rustikaler Blockbauweise mit mehr als 30 Betten, einer Gaststätte, Sauna und einem Fitnessbereich.

Der Löwenberger SV gewinnt das Fußball-Kreispokalfinale. Gegen den 1. FC Kremmen gewinnt die Mannschaft mit 3:2.

Die SPD ist die große Siegerin bei der Wahl zum Gemeindeparlament in Stolpe-Süd. Am 23. Mai 1993 bekommt sie mehr als 50 Prozent der Stimmen. Werner Ebert wird neuer Bürgermeister. Nach heftigen Streitigkeiten und dem Rücktritt fast aller Gemeindevertreter ist die Wahl notwendig geworden.

Sprengmeister Horst Reinhardt steht am 25. Mai 1993 vor seinem bis dahin schwierigsten Fall. Am Bachstelzenweg in Lehnitz muss eine 500-Kilo-Bombe entschärft werden. Sie liegt in sechs Metern Tiefe, lange muss erst das Grundwasser abgepumpt werden. Am Ende ist eine Sprengung aber doch nicht notwendig, Reinhardt gelingt es, sie zu entschärfen.
Nur 24 Stunden später ist wieder Bombenalarm, diesmal auf dem Gutsplatz in Lehnitz.

Peter Ihloff soll nicht mehr Amtsdirektor in Schildow sein. Sieben von acht Mitgliedern des Amtsausschusses sind am 26. Mai 1993 für seine Abberufung. Die Unzufriedenheit über die Arbeitsweise Ihloffs im Amt Schildow ist groß. Mühlenbecks Bürgermeister Helmut Woggon bemängelt vor allem das Finanzchaos, aber das bringt ihm Ärger ein. Auch Waggon sieht sich Rücktrittsforderungen ausgesetzt, denn die Mühlenbecker Gemeindevertretung hatte eigentlich gegen die Abwahl Ihloffs gestimmt. Die Mühlenbecker wollen Einspruch gegen die Entscheidung einlegen. Woggon bleibt zunächst Ortschef.

Am Birkengrund in Wensickendorf sollen auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern drei Tennisplätze entstehen. Zum Komplex gehört ein Klubhaus. Die Gemeindevertreter erhoffen sich auch Impulse für die Jugendlichen im Dorf.

Nach dem Brandanschlag von Solingen, bei dem Ende Mai 1993 fünf türkische Bewohner sterben, demonstrieren Schüler des Oranienburger Runge-Gymnasiums am 3. Juni gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass.

Die Liebenwalder Marktschule platzt aus allen Nähten. Die Konsequenz: Die 3. Klasse wird im kommenden Schuljahr 1993/94 in Räumen der Schule in Neuholland unterrichtet.

Erstmals wird der Kulturpreis des Kreises Oranienburg vergeben. Er geht 1993 an die Marwitzer Keramikerin Hedwig Bollhagen, die für ihre jahrzehntelange Arbeit geehrt wird.

Brandenburgs Sozialministerin Regine Hildebrandt (SPD) kommt am 9. Juni zur Eröffnung der Sommerfelder Rehaklinik. Es handelt sich um die erste Stufe des Ausbaus der Hellmuth-Ulrici-Kliniken. Hildebrandt versprach, sich um den Landtausch zu kümmern, denn das Gelände in Sommerfeld gehört immer noch dem Land Berlin.

Racheakt in Friedrichsthal. Vier Männer verwüsten ein Haus am Ortsrand, die Polizei kann sie am 9. Juni 1993 bei einer Verfolgungsjagd schnell festnehmen. Der Tat ging ein Vorfall voraus, bei dem der Hund der betreffenden Familie von einem anderen Hund gebissen worden ist. Daraufhin kam es zu einer brutalen Schlägerei unter den Besitzern.

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1993: Christliches Jugendzentrum ohne Mietvertrag

Sonntag, den 17. Februar 2013
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Januar 1993 -> 26.1.2013

Vor 20 Jahren: Oranienburger Jugendliche nur noch mit Bleiberecht / Zoff in den Gemeinden Neu-Vehlefanz, Stolpe-Süd und Freienhagen

MAZ Oranienburg, 16.2.2013

Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal die erste Hälfte im Februar 1993.

OBERHAVEL
Das Christliche Jugendzentrum in Oranienburg steht in seinen Räumen in der Bernauer Straße ohne Mietvertrag da. Doch vorerst haben die Jugendlichen ein Bleiberecht. Wie es weitergehen soll, ist allerdings noch offen.

Die Gemeinde Neu-Vehlefanz muss einen Kredit in Höhe von 1,3 Millionen Mark aufnehmen, um wenigstens das Dringendste zahlen können. Amtsdirektor Helmut Jilg kritisiert die schwierige Zusammenarbeit.

Am unbeschrankten Bahnübergang zwischen Wensickendorf und Zehlendorf sterben am 2. Februar 1993 zwei Menschen. Die Fahrerin hat das Signal der Diesellok nicht gehört.

Die Mühlenbecker Abgeordneten geben grünes Licht für einen geplanten Hotelpark. 30 Millionen Mark sollen auf dem Gelände nördlich der Autobahn bis 1994 investiert werden. Bis zu 200 Gäste könnten in Bungalows unterkommen.

Das in Eichstädt geplante große Erlebnis- und Einkaufszentrum ist vom Land Brandenburg abgelehnt worden. Der Unmut im Amt Oberkrämer ist groß. „Vielleicht können wir ja in 20 Jahren als Wildhüter arbeiten“, sagt Bärenklaus Bürgermeister Karsten-Peter Schröder.

Am Kremmener See entsteht ein auf Pfählen errichtetes Gasthaus. Am 1. Mai 1993 will Bauherr Günter Funk es einweihen. Auch die danebenliegende Badestelle wird umgestaltet.

Die Entscheidung ist gefallen: Oranienburg wird Kreisstadt des neuen Kreises Oberhavel. Politiker in Gransee, Zehdenick, Fürstenberg und Löwenberg fordern die Potsdamer Landesregierung auf, den Beschluss zurückzunehmen.

Zoff in Stolpe-Süd: Die Gemeinde ist handlungsunfähig. Am 9. Februar 1993 treten vier Gemeindevertreter zurück, nachdem ihnen die Kommunalaufsicht Formfehler bei der Auswahl zweier Ratsmitglieder vorgeworfen hatte. Ärger gibt es auch um die geplante Ansiedlung eines Asylbewerberheimes.

Noch mehr Zoff in Freienhagen: Viele Bürger stürmen am 11. Februar 1993 den Gemeinderat, wollen über aktuelle Probleme sprechen, doch sie kommen nicht zu Wort, weil die Gemeindevertreter Wortmeldungen nicht zulassen. Es kommt zum Eklat, die Bürger verlassen wütend die Sitzung. Im nichtöffentlichen Teil tritt daraufhin Bürgermeister Uwe Mewes zurück.

In Kremmen und Schwante setzen unbekannte Personen Gewerbetreibende unter Druck und verlangen Schutzgelder. Die Rede ist von 300 Mark im Monat. Auch in Velten soll es ähnliche Fälle geben.

Das Kopfsteinpflaster in der Dorfstraße in Germendorf entwickelt sich zu einem Unfallschwerpunkt. Innerhalb von nur drei Tagen kommt es zu mehreren Unfällen mit drei Toten und sieben Schwerverletzten.

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1992: Abriss fürs Atrium beginnt

Mittwoch, den 29. Februar 2012
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Februar 1992 I -> 4.2.2012

Vor 20 Jahren: Bagger am Oranienburger Schloss / Lkw rammt Liebenwalder Brücke

MAZ Oranienburg, 29.2.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Diesmal: die zweite Hälfte im Februar 1992.

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Peter Ihloff bleibt Bürgermeister von Stolpe-Süd. Nach einer mitunter tumultartigen Sitzung stimmen am 14. Februar 1992 vier Gemeindevertreter für ihn, zwei gegen ihn. Zu Beginn war nicht mal klar, welche Abgeordneten überhaupt noch im Amt sind: Ihloff war im Januar 1992 vom Landrat entlassen worden – wegen Verfahrensfehler bei der Wahl.

Zurücktreten will dagegen Alexander Michaelis, der Bürgermeister von Vehlefanz. Er will mehr Zeit für die Familie.

Neuhollands Ortschef Gerhard Steger muss dagegen Rauchzeichen geben. Seine Büronummer ist seit einem Vierteljahr gestört, aber die Telekom rührt sich nicht.

In Schwante finden Bauarbeiter am 17. Februar 1992 am Dorfanger Teile eines menschlichen Skelettes. Es liegt einen halben Meter tief in der Erde. Es soll sich nicht um eine Straftat handeln.

Das Leegebrucher Volkshaus soll verkauft worden. Es könne nicht Aufgabe der Gemeinde sein, eine Gaststätte zu führen, sagt Bürgermeister Horst Eckert. Der neue Besitzer müsste sechs Millionen Mark investieren.

Bei der Vergabe der Oranienburger Schlossgaststätte soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Den Zuschlag bekam eine Frau, die auch schon das Gesellschaftshaus gepachtet hat. Zwei weitere Interessenten haben von der Stadt angeblich nicht mal eine Antwort bekommen, und der stellvertretende Bürgermeister Laesicke habe auch nur das eine Angebot vorgestellt. Es sei das Beste gewesen, so Laesicke.

In Liebenwalde kommt es zum Brückencrash. Am 25. Februar 1992 bleibt in der Straße Am Kietz die Ladung eines Stattelschleppers an der Eisenbahnbrücke hängen. Tragende Teile der Brücke sind aus der Verankerung gerissen, starke Gleisverwerfungen sind die Folge. Die Polizei hat der Fahrer nicht gerufen, er hat sich stattdessen schlafen gelegt. Zum Glück hat der Fahrer des Zuges den Schaden rechtzeitig entdeckt und bremste.

Das Amt Kremmen kann gebildet werden. Staffelde schließt sich nun doch nicht den Autobahngemeinden, sondern Kremmen an.

An der Leninallee (Berliner Straße) in Oranienburg beginnt am 28. Februar 1992 der Abriss der Häuser für den Bau des geplanten Atrium-Centers am Schloss.

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1992: Der Kremmener Bahnhof ist für einen Tag voller Flüchtlinge

Samstag, den 4. Februar 2012
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Januar 1992 II -> 31.1.2012

Vor 20 Jahren: Dreharbeiten für den Kriegsfilm „Die Krücke“ / Explosion im Oranienburger Heizwerk / Veltener streiten um Hafenflächen

MAZ Oranienburg, 4.2.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Diesmal: die erste Hälfte im Februar 1992.

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Der Kremmener Bahnhof verwandelt sich am 1. Februar 1992 in den Bahnhof der schlesischen Stadt Namslau. Und nicht nur das: Tiefflieger nähern sich der Stadt. Das ZDF und die Defa drehen den Film „Die Krücke“. Der Bahnsteig ist voller „Flüchtlinge“, einen Tag wird die Zeit um mehr als 45 Jahre zurückgedreht. Die Filmcrew entschied sich für Kremmen, weil dort seit 1945 der Bahnhof kaum modernisiert wurde.

In Oranienburg explodiert am selben Tag im Heizwerk an der Klagenfurter Straße ein Kessel. Offenbar sind bestimmte Messwerte nicht beachtet worden. Zum Glück nehmen weder Menschen noch Umwelt Schaden.

Auch die Sumpfbieber an der Havel lassen sich davon nicht stören. Sie werden 1992 am Blauen Wunder in der Kreisstadt heimisch. Sie kommen offenbar von einer Nutriafarm, aus der Tierschützer kurz zuvor 500 der Nager befreiten. Von den Oranienburgern werden die Sumpfbieber nun liebevoll gefüttert.

Zoff gibt es dagegen in Liebenthal. Die Mehrheit der Bewohner spricht sich für eine Fusion mit Groß Schönebeck und gegen Liebenwalde aus. Im Landratsamt in Oranienburg ist man wenig begeistert.

Auch die Veltener haben Ärger. Am Hafen sind städtische Flächen durch die Treuhand an private Investoren verkauft worden – ohne Wissen der Verwaltung. Bürgermeister Frank-Michael Reinhardt kündigt an, die Treuhand zu verklagen. Denn nun wäre der aufwändig sanierte Umschlagplatz der Stadt nur noch von zwei Stellen aus erreichbar.

Unterdessen nimmt im Kreis Oranienburg die Zahl de Arbeitslosen rasant zu. Die Quote liegt nun bei 20,3 Prozent. Es heißt, zum 31. Dezember 1991 seien viele Arbeitsverträge ausgelaufen.

Rund um das Gut Pinnow soll ein Freizeit- und Naherholungszentrum entstehen. Dazu gehören ein Reiterhof, eine Pension und Wohnräume. 60 Millionen Mark sollen dafür investiert und 65 Arbeitsplätze geschaffen werden. Allerdings will Bürgermeister Lothar Wolf das Handtuch werfen, denn das Projekt gerät ins Stocken. Der Verwalter, die Stadtgüter Berlin GmbH, sieht sich im Februar 1992 nicht in der Lage, irgendetwas zu entscheiden.

In der Oranienburger Schulstraße legt die Telekom den Grundstein für ein neues Gebäude. In den Mehrgeschosser ziehen die digitale Fernsprechvermittlung, Geschäfte und Büros. Das Erdgeschoss ist bei der Zeremonie am 7. Februar schon zu sehen.

Auch Kremmen würde gern feiern. Ein Unternehmer aus Mainz hat das frühere städtische Klubhaus am Markt übernommen und will daraus eine gastronomische Perle machen, wie er sich in der MAZ ausdrückt. Der Umbau soll nach dem Fasching beginnen.

Die Bürgermeisterwahl in Stolpe-Süd am 7. Februar 1992 fällt aus. Das teilte Gemeindevertreterchef Heinrich Nabrowsky den Kollegen kurzfristig per Brief mit. Am Tag der Wahl ist er nicht zu erreichen, es heißt, er sei krank. Damit spitzt sich der Streit in der Gemeinde – Ende Januar 1991 hat Landrat Schröter den Bürgermeister wegen angeblicher Verfahrensfehler entlassen – weiter zu.

Kremmen und Liebenwalde haben währenddessen Probleme bei der Bildung eines Amtes. Kremmen fehlen 400 zu den geforderten 5000 Einwohnern. Hohenbruch will sich Oranienburg anschließen. Die Lösung wäre, dass Staffelde dazustößt. Staffelde will jedoch nach Eichstädt. Auch Liebenwalde verhandelt noch – Mitte Februar 1992 mit Falkenthal. Doch die Chancen stehen schlecht, Falkenthal hat eine Verwaltungsgemeinschaft mit Zehdenick. Freienhagen will lieber nach Oranienburg. Müssen sich nun die Liebenthaler trotz gegenteiligem Votums doch nach Liebenwalde orientieren?

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1992: Landrat sperrt Gemeinderäume mit DDR-Siegel

Dienstag, den 31. Januar 2012
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Januar 1992 I -> 28.1.2012

Vor 20 Jahren: Zoff um Bürgermeister in Stolpe-Süd / Otto Schily verteidigt Schröter in Rufmord-Prozess

MAZ Oranienburg, 31.1.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Diesmal: die zweite Hälfte im Januar 1992.

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Die Mitarbeiter des Oranienburger Arbeitsamtes haben etwas zu feiern. In der André-Pican-Straße wird nach nur drei Monaten Bauzeit das neue Amtsgebäude fertiggestellt. Es ist das erste dieser Art in Ostdeutschland. Auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern arbeiten 58 Leute.

Mehr Platz bräuchte dagegen die Kremmener Gesamtschule. Nun sollen Container die drastische Raumnot lösen. In die geplanten Container könnten Teile der Grundschule ziehen. Kosten: 600 000 Mark. Noch nicht vom Tisch sind außerdem Ideen für eine gymnasiale Oberstufe in Kremmen.

Über Lehnitz liegt am 18. Januar 1992 Dieselgeruch. Auf dem Lehnitzsee ist ein Schubschiff gesunken, das an einem Wohnschiff festgemacht war. 5000 Liter Diesel gelangen in den See, der nun eine Ölpest erlebt.

In Schwante feiert Bäcker Karl-Dietmar Plentz am 21. Januar 1992 die Eröffnung seines erweiterten Geschäftes. Es hat einen Pavillon sowie zwei neue Backöfen.

Der bekannte Anwalt Otto Schily verteidigt Landrat Karl-Heinz Schröter und seinen Stellvertreter Michael Ney gegen den Vorwurf des Rufmordes. Schröter soll Georg Johne, dem Geschäftsführer des Krupp-Kaltwalzwerkes, vorgeworfen haben, sich „stalinistischer Führungsmethoden“ zu bedienen und sich persönlich bereichert zu haben. Der Prozess beginnt am 21. Januar 1992.

Zwei Bürgermeister räumen ihren Stuhl. Günter Siebert geht freiwillig. Der 65-jährige Stadtchef von Hohen Neuendorf sagt, die Anspannungen forderten ihren Tribut.
Peter Ihloff aus Stolpe-Süd wird dagegen regelrecht gefeuert. Am 28. Januar 1992 bekommt er ein Schreiben von Landrat Schröter. Darin wird er über seine Kündigung in Kenntnis gesetzt. Die Bürgermeisterwahl von 1991 sei ungültig, so Schröter – es gebe Unstimmigkeiten in den Protokollen. Ihloff fühlt sich in die kriminelle Ecke gestellt. Tatsächlich spielt sich in Stolpe-Süd ein kleiner Krimi ab. Am Morgen steht ein Streifenwagen der Polizei vor dem Gemeindehaus. Die Räume werden versiegelt – pikanterweise mit der Siegelaufschrift „Deutsche Demokratische Republik“. Die Gemeinde will vor Gericht ziehen – und die DDR-Sache gesondert prüfen lassen.

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1991: Zoff zwischen Stolpe und Stolpe-Süd

Samstag, den 22. Oktober 2011
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September 1991 II -> 30.9.2011

Rückblick: Oktober 1991 – Streit um Gemarkungsgrenzen / U-Bahn nach Hennigsdorf?

MAZ Oranienburg, 22.10.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im Oktober 1991.

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Schwante hat einen neuen Pfarrer. Johannes Kölbel wird in einer gut gefüllten Dorfkirche begrüßt. Kölbel bleibt vorerst für drei Jahre in Schwante, also bis 1994.

Ein illegaler Autofriedhof empört die Menschen in Velten. 30 Autos westlicher Bauart mit Berliner Kennzeichen wollte ein Händler auf einem Bauernhof eigentlich nur zwischenlagern. Der Hofbesitzer scheint ihm auf den Leim gegangen zu sein. Aus den Motoren läuft nun Öl in die Erde. Auch aus Zehlendorf, Zühlsdorf und Leegebruch werden illegale Autofriedhöfe gemeldet.

In der S-Bahn sind schwarze Sheriffs unterwegs. Zwischen Oranienburg und Schönhauser Allee sind vor allem abends mit schwarzen Lederjacken bekleidete Wachmänner unterwegs. Damit reagiert die Reichsbahn auf die Zunahme von Gewalt und Zerstörungen.

ABM-Kräfte machen sich am Louise-Henriette-Steg zu schaffen. Die so genannte Schwindsuchtsbrücke über die Havel in Oranienburg bekommt neue Holzbohlen.

Die schon mehr als ein Jahr andauernde Städtepartnerschaft zwischen Hennigsdorf und Alsdorf ist nun auch offiziell besiegelt. Zum Festakt am 3. Oktober 1991 reisen die Hennigsdorfer Stadtpolitiker nach Alsdorf in die Nähe von Aachen.

Stolpe und Stolpe-Süd streiten um ihre Gemarkungsgrenzen. 1945 hatten sich die Alliierten geeinigt, Stolpe mit dem alten Gutsdorf und der Feldmark der sowjetischen und Stolpe-Süd mit der Waldsiedlung und dem Forst der französischen Zone zuzuschlagen. Stolpe beharrt auf Grundbucheinträgen, in denen nur von Stolpe die Rede ist. Die bisherigen Grenzen müssten annulliert werden, Stolpe-Süd würde so das Wasserwerk und die ehemalige Grenzübergangsstelle verlieren. Für ein eventuelles Gesamt-Stolpe müssten Neuwahlen stattfinden.

Auch die Liebenwalder sind sauer. Überall tut sich was – nur in Liebenwalde nicht. „Bei uns wird nur das Rathaus gemacht“, sagt Stadtverordnetenvorsteher Michael Lüttke. Das Gründungsmitglied der Ost-FDP kündigt an, am 15. Oktober einen Ortsverein der CDU zu gründen. An der Apotheke will Lüttke einen Kummerkasten installieren. Der Bau von Sozialwohnungen am Markt in Liebenwalde zieht sich unterdessen hin.

Die Landesstraße zwischen Hennigsdorf und Berlin-Heiligensee ist zu schmal. Begegnen sich in Stolpe-Süd zwei Busse, dann ist die Fahrbahn 20 Zentimeter zu schmal. Deshalb müssen die Busse von Tegel nach Hennigsdorf über die Autobahn fahren. Peter Ihloff, Bürgermeister von Stolpe-Süd, fordert, dass sich an diesem Zustand endlich was ändert.

Unterdessen gibt es Überlegungen, zwischen Hennigsdorf und Berlin-Spandau die M-Bahn fahren zu lassen. Die Magnetbahn könnte zur Wiederherstellung des Verkehrs in der Region beitragen, heißt es in einer Verkehrsstudie von LEW und AEG. Möglich seien auch eine S-Bahn-Verbindung, die Reaktivierung der Straßenbahn oder eine U-Bahn-Linie von Spandau nach Hennigsdorf.

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1991: Anonymes Faltblatt sorgt für Ärger

Dienstag, den 27. September 2011
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August 1991 II -> 21.8.2011

Rückblick: Im September 1991 gibt es Korruptionsvorwürfe und einen Postraub

MAZ Oranienburg, 27.9.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im September 1991.

OBERHAVEL
Über Bergfelde kreist am 5. September 1991 ein Polizeihubschrauber. Ein Unbekannter überfiel am Morgen die Post. Er trägt einen roten Motorradhelm und erzwingt die Herausgabe von 1600 Mark. Die Postfrau rennt hinterher, kann sich zumindest das Autokennzeichen merken. Doch die Polizei tappt tagelang im Dunkeln.

Die Firma Altana übernimmt die Oranienburger Pharmawerk GmbH. Für die 370 Beschäftigten soll es eine Garantie geben, außerdem seien umfangreiche Investitionen geplant, so Geschäftsführer Manfred Müller. Klar ist auch: Ab April 1992 stinkt es nicht mehr in Oranienburg. Dann geht die Ära der chemischen Produktion zu Ende – die Ausgangsstoffe werden dann angeliefert.

Jette meckert am 9. September 1991 über den Konsum-Terror in Eichstädt. Eine Leserin beschwerte sich: Die Wurst, die sie im Eichstädter Konsum kaufte, sei frisch, ließ sie sich von der Verkäuferin sagen. Doch am Tag danach schimmelte die Wurst schon. Und der Dank? Die Kundin wurde von der Verkäuferin beschimpft, nachdem sie sie darauf hinwies.

In Nassenheide laufen die Vorbereitungen für die Tankstelle am Ortsausgang Richtung Teschendorf. Am 10. September kommt der 11,8 Tonnen schwere Tank mit einem Fassungsvermögen von 60 000 Litern. Mit zwei weiteren Tanks bildet er die „Quelle“ für die Tankstelle.

Das Hennigsdorfer Stahl-Klubhaus soll verkauft werden. Weil die Stahl-GmbH privatisiert wird, muss sie sich von allen Bereichen trennen, die nicht zum unmittelbaren Geschäft gehören – so eben auch vom Klubhaus. Interesse bekundeten eine große Handelskette und eine Künstleragentur – beide schieden jedoch aus. Chancen haben noch eine Großdisko sowie eine Kultur-GmbH.

Der Kreis Oranienburg bekommt drei Politessen. Bedarf besteht vor allem in Oranienburg, Hennigsdorf und Velten, so Horst Schütt vom Straßenverkehrsamt.

Die Mühlenbecker sind erstaunt über ein anonymes Faltblatt, das per Post aus Schildow kam. Darauf wird Bürgermeister Helmut Waggon unter anderem der Korruption bezichtigt. Er soll „dicke Provisionen“ für die Vermittlung von Baugrundstücken kassiert haben.

Die Ruppiner Chaussee zwischen Hennigsdorf, Stolpe-Süd und Berlin-Heiligensee soll wieder geschlossen werden. Hintergrund: 1985 beschloss das Reinickendorfer Bezirksamt, die damalige Sackgasse zu beruhigen und zu begrünen. Nur wegen Bürgerprotesten sei es dazu noch nicht gekommen. Nun – nach dem Mauerfall – liegt der sechs Jahre alte Beschluss wieder auf dem Tisch