RTelenovela

Urlaub in der Innenstadt

Dienstag, den 1. September 2020
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Ich werde ja öfter mal dafür belächelt, immer und immer wieder in Binz auf Rügen Urlaub zu machen. Und wenn ich dort nicht mit dem Auto auf Rügen unterwegs bin, dann ist dort auch mein Bewegungsradius nicht allzu groß. Doch Binz musste diesen Sommer ausfallen.
Also hielt ich Ausschau, welche Ecke von Deutschland ich mir denn sonst noch so ansehen könnte. Der Spreewald war extrem teuer, auch nach München wollte ich erst mal nicht noch mal, und schon gar nicht mit dem Zug. Stichwort: Abstand.
Freunde von mir waren im vergangenen Jahr in der Elbe-Havel-Region, und ich wollte eh schon immer mal wieder nach Havelberg. Also schaute ich, was da sonst noch für Orte sind und stieß auf Stendal in der Altmark in Sachsen-Anhalt. Ich nahm mir ein Hotel mitten in der Alt- und Innenstadt.

Das war eine sehr gute Entscheidung. Denn Stendal hat sich für mich als idealer Ort zum Nichtstun herausgestellt. Vom Hotel aus bin ich in wenigen Schritten mitten in der Fußgängerzone. Dort gibt es mehrere Bäcker, es gibt Buchläden (sogar drei!), Gaststätten und vieles mehr. Außerdem mehrere Kirchen, das Rathaus mit einem schönen Platz. Wunderbar zum Spazierengehen, zum Einkehren, zum Abschalten.
Ich war nur zwei Nächte in Stendal. Und eigentlich hatte ich mich umgeschaut, in welchen Ort ich an Tag 2 fahren könnte. Ich blieb stattdessen in der Stadt und lebte den Müßiggang. Herrlich.

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RTelenovela

Kleine Zusatzleistungen gefällig?

Montag, den 31. August 2020
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Wenn man verreist und dann die Schuhe im Eimer sind, dann muss man wohl auch unterwegs mal in den Schuhladen. Ich wunderte mich zwar, dass ich bei jeder kleinsten Feuchtigkeit nasse Socken bekomme, aber erst unterwegs im Hotel schaue ich mal nach, was da eigentlich los ist. Kaputte Schuhsohle.
Also mache ich mich in Stendal auf in den Schuhladen.

Deichmann gilt ja als preiswertes Schuhgeschäft, und tatsächlich greife ich mich gleich zwei Paar Schuhe. Aber das Preiswerte im Laden muss ja irgendwo herkommen. Und woher, das erfährt der Kunde an der Kasse.
Die Frau hinterm Tressen nimmt die zwei Paar Schuhe entgegen und fragt, ob ich denn auch eine Einlage haben will. Sie erklärt mir, dass der Boden der Schuhe ja relativ rauh sei, und da mache sich so eine Einlage sehr gut. Klar, die kosten auch was. Ich verzichte.
Aber sie gibt nicht auf. Sie fragt, ob sie die Schuhe für mich beschichten soll, damit vor allen Einflüssen geschützt seien. Sie ist schon dabei, das erste Paar Schuhe in den Automaten zu stellen, und ganz am Ende der Erläuterungen erwähnt sie auch den Preis für diese Beschichtung. Irgendwas um die 3 oder 4 Euro. Beim ersten Paar ist es eigentlich schon zu spät, Nein zu sagen. Beim zweiten Paar sage ich, die würde ich ja erst später brauchen, deshalb brauche ich das da nicht.

Aber sie macht das schon sehr geschickt, und hätte ich allem eingewilligt, was sie mir vorm Kassieren angeboten hat, hätte ich gut und gerne mehr als 15 Euro drauf gezahlt.
So macht man Geschäfte.

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KeineWochenShow

#191 – Hörst du die Glocken läuten?

Sonntag, den 30. August 2020
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Die KeineWochenShow-Sommertour 2020 geht weiter. Erneut werden wir zusammengeschaltet. Der eine in Oranienburg, der andere in Stendal in der Altmark in Sachsen-Anhalt. Zur Feier des Tages gibt es ein Glockenspiel, das fast die ganze Zeit im Hintergrund zu hören ist.
Und es gibt einen Abstecher nach Havelberg auf der anderen Seite der Elbe und der Havel – mit Erinnerungen an die Bundeswehr-Zeit 1998.

Außerdem geht es um den (abgesagten) Lockdown, um die Coronademos, um den neuen Ärzte-Song, um die Mohrenstraße in Berlin und die Zigeunersauce. Das und mehr in KeineWochenShow #191 auf Youtube.

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aRTikel

Als die Tagesschau über die Dorfneuigkeiten berichtete

Mittwoch, den 8. Oktober 2014
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Auffällig viele Autos im Ort: Die Bewohner in Schwante haben aber von der SDP-Gründung erst hinterher erfahren – aus dem Westfernsehen.

MAZ Oranienburg, 8.10.2014

SCHWANTE
Alle im Dorf wussten, dass was los ist. Allerdings wussten sie nicht was. „Wir konnten nur erahnen, dass da was vor sich geht“, erinnert sich Dieter Blumberg. Der Schwantener, der heute ehrenamtlich die Schmiede im Dorfkern betreibt, erinnert sich noch recht genau an den 7. Oktober 1989. Es war der Tag, als in Schwante die Sozialdemokratische Partei der DDR gegründet wurde, die SDP. „Wir Leute aus dem Dorf waren da aber nicht involviert“, sagt Dieter Blumberg. Für sie war zunächst der 40.DDR-Republik-Geburtstag vordergründig. Doch die Festumzüge fanden woanders statt. „Große Feiern im Dorf gab es nicht“, so Blumberg. Die wurden eher im zehn Kilometer entfernten Oranienburg abgehalten – und natürlich in Berlin.

An diesem 7. Oktober aber waren ungewöhnlich viele Autos im Dorf unterwegs. Aber nicht nur das: „Dann gab es noch die Autos, die mal hier, mal dort standen und auf irgendwas warteten, das war schon sehr auffällig“, so Blumberg weiter. Auch ungewöhnlich viel Polizei sei in Schwante an diesem Tag unterwegs gewesen.
Es begann das große Getuschel. Der Andrang richtete sich aufs Pfarrhaus, das war auch den Schwantenern klar. „In Leipzig gab es zu der Zeit ja schon Demonstrationen gegen das SED-Regime, und wir dachten damals, dass die Aktionen jetzt auch auf unsere Region überschwappen“, erzählt Dieter Blumberg. Die Dorfbewohner trauten dem damaligen Pfarrer Joachim Kähler zu, dass er mit im Spiel ist. „Er war immer ein Gegner des Regimes und hat das in seinen Predigten auf wunderbare Weise zum Ausdruck gebracht.“

Und in der Tat, Joachim Kähler hatte die Aktion mit vorbereitet. Er kannte die Pfarrerskollegen Markus Meckel und Martin Gutzeit schon länger. Letzterer lebte in Marwitz, und da war der Vorschlag, die SDP-Gründung in Kählers Pfarrhaus in Schwante zu vollziehen, sehr willkommen. „Ich habe ihnen diesen Ort angeboten“, erzählt Joachim Kähler, der inzwischen Pfarrer in Stendal (Sachsen-Anhalt) ist. Natürlich blieb die geheime Aktion aber nicht geheim – jedenfalls nicht gegenüber der Staatssicherheit. Es seien merkwürdige Autos im Ort unterwegs gewesen. „Die Stasi hat uns von der Ortsbibliothek auf der anderen Straßenseite aus beobachtet“, erzählt Kähler. Dass Gründungsmitglied Ibrahim Böhme selbst bei der Stasi war, das wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Einen Tag danach, am 8. Oktober 1989, berichtete das Westfernsehen von der SDP-Gründung in Schwante, Kreis Oranienburg. Die Nachricht und die Bilder sind an ein ARD-Team weitergereicht worden. „Ich habe es aus der Tagesschau erfahren“, erzählt Karsten Peter Schröder. „Das hat sich wie ein Strohfeuer verbreitet“, so der Bärenklauer. „Mich hat das damals tief bewegt.“ Und nicht nur das. Im Januar 1990 gründete Schröder den Bärenklauer SDP-Ortsverein mit 23 Mitgliedern. Noch heute ist er in der Oberhavel- und Oberkrämer-SPD sehr aktiv. Was am 7.Oktober 1989 in Schwante begann, war für ihn eine Initialzündung.

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