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1992: Zühlsdorfer für Oranienburg

Dienstag, den 30. Oktober 2012
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Oktober 1992 I -> 12.10.2012

Vor 20 Jahren: Bewohner haben die Wahl

MAZ Oranienburg, 30.10.2012

Was passierte vor 20 Jahren in der Region? Diesmal die zweite Hälfte im Oktober 1992.

OBERHAVEL
Hunderte schwere Laster poltern jeden Tag über das Kopfsteinpflaster auf der B 273 in Staffelde. Im Oktober 1992 haben die Anwohner die Nase voll. Sie starten eine Unterschriftensammlung für eine Ortsumgehung.

Die Räume des Flatower Dorfkonsums stehen nicht mehr leer. Am 15. Oktober 1992 eröffnet die Kremmenerin Heike Busse den neuen Spar-Markt.

In Zühlsdorf fällt am 18. Oktober 1992 die Entscheidung, ob der Ort zu Wandlitz und damit zum Nachbarkreis Bernau oder zum Amt Schildow, also zum Kreis Oranienburg, gehören soll. 82,26 Prozent entscheiden sich für Oranienburg – und das, obwohl eigentlich alle Weichen für Wandlitz längst gestellt waren.

Der Bau der neuen Schule in Vehlefanz gerät ins Stocken. Der Potsdamer Bewilligungsausschuss erhängt einen Finanzierungsstopp. Dennoch müsse der zu zwei Dritteln fertige Bau fortgesetzt werden, so der Vehlefanzer Bürgermeister Hubert Gediga, das Dach müsse vor dem Winter geschlossen sein.

Grundsteinlegung in Birkenwerder: Die Firma Francotyp Postalia lässt sich für 50 Millionen Mark den neuen Unternehmenssitz bauen. Zunächst entstehen eine 10 000 Quadratmeter große Produktionshalle und ein Verwaltungsgebäude.

Das Stahlwerk-Klubhaus in Hennigsdorf steht auch künftig den Berliner Filmleuten offen, die dort schon diverse Filme und Serien gedreht haben. Einen entsprechenden Beschluss fassen die Stadtverordneten am 21. Oktober 1992. Die Großdisko ist somit vom Tisch.

Kremmens Amtsdirektor Werner Neue wechselt nach Zehdenick. Oder eher: Er verzichtet auf Kremmen. Im Oktober 1992 stellt sich heraus, dass sich Neue sowohl in Kremmen als auch in Zehdenick zum Amtsdirektor hat wählen lassen. Er entscheidet sich für Zehdenick, da seien die Herausforderungen größer, so Neue. Helmut Glanzer übernimmt das Amt Kremmen nun kommissarisch, die Stelle wird ausgeschrieben.

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1992: Wirbel um Gasalarm in Birkenwerder

Montag, den 17. September 2012
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August 1992 II -> 1.9.2012

Vor 20 Jahren: Rundfunk vermeldet versehentlich Explosion / Weiter Streit um Asylanten im Landkreis

MAZ Oranienburg, 17.9.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Und was berichtete die MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im September 1992.

OBERHAVEL
Die alten Fachschließanlagen der Post haben ausgedient. Am 1. September 1992 kommen die Briefe und Karten direkt ans Haus. Das Problem: Viele Leute haben noch gar keinen eigenen Briefkasten am Haus.

Der ehemalige Bürgermeister von Lehnitz, Richard Wienecke, hat einen neuen Job: Er wird Amtsdirektor des neu gebildeten Amtes Oranienburg-Land.

Am Asylbewerberheim in Neuholland kommt es am 2. September 1992 zu einem massiven Polizeieinsatz. Mitarbeiter des Sozialamtes versuchten zuvor vergeblich, das Taschengeld und die Verpflegung auszugeben. Die Asylanten wehren sich gegen die Ausgabe der Mittel in dieser Form. Sie werfen Einrichtungsgegenstände und Kleider durch die Fenster. Das Gebäude wird teilweise stark beschädigt. Eine große Zahl der Asylbewerber distanziert sich allerdings von der Aktion.
Unterdessen legt die Bundeswehr ein Veto ein. Auf einem Areal im Wald bei Beetz sollte ein weiteres Asylbewerberheim entstehen. Die Bundeswehr will bis 1994 dort weiter ein Tanklager betreiben. Das bringt die Kreisverwaltung in Schwierigkeiten. Es gibt keine Plätze mehr in den Heimen.

An der Schule in Staffelde gibt es Zoff. Auf einer Versammlung regen sich die Eltern über miese hygienische Zustände auf. Kinder und Lehrer müssen aufs Plumpsklo gehen, auch die Waschgelegenheiten lassen zu Wünschen übrig. Ein entsprechender Anbau lässt auf sich warten.

Die Oranienburger Kreis- und Stadtbibliothek soll geschlossen werden. Das Landratsamt will die Bücherei bis zum 31. Dezember 1992 abwickeln. Immerhin bekennt sich Oranienburgs Bürgermeister Wolfgang Arps dazu, eine Stadtbibliothek weiterführen zu wollen. Die entlassenen Mitarbeiter könnten sich dafür bewerben. Der Bücherbestand werde aufgeteilt, so heißt es.

Polizei und Ordnungsamt räumen am 11. September 1992 eine Wohnung in Hennigsdorf. Seit Wochen stank es daraus bestialisch. Gefunden werden von den Mitarbeitern vergammelte Speisereste, Wasser in der Spüle und Schaben in der Wohnung. Die Wohnung muss desinfiziert werden.

Der Rundfunk vermeldet am 12. September 1992 eine Gasexplosion in Birkenwerder. So schlimm ist es nicht, aber der Gasalarm wegen einer defekten Leitung an einem Hausanschluss stoppt den S-Bahn-Verkehr, viele Autos und das Radrennen „Rund um Berlin“.

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1992: Abriss fürs Atrium beginnt

Mittwoch, den 29. Februar 2012
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Februar 1992 I -> 4.2.2012

Vor 20 Jahren: Bagger am Oranienburger Schloss / Lkw rammt Liebenwalder Brücke

MAZ Oranienburg, 29.2.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Diesmal: die zweite Hälfte im Februar 1992.

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Peter Ihloff bleibt Bürgermeister von Stolpe-Süd. Nach einer mitunter tumultartigen Sitzung stimmen am 14. Februar 1992 vier Gemeindevertreter für ihn, zwei gegen ihn. Zu Beginn war nicht mal klar, welche Abgeordneten überhaupt noch im Amt sind: Ihloff war im Januar 1992 vom Landrat entlassen worden – wegen Verfahrensfehler bei der Wahl.

Zurücktreten will dagegen Alexander Michaelis, der Bürgermeister von Vehlefanz. Er will mehr Zeit für die Familie.

Neuhollands Ortschef Gerhard Steger muss dagegen Rauchzeichen geben. Seine Büronummer ist seit einem Vierteljahr gestört, aber die Telekom rührt sich nicht.

In Schwante finden Bauarbeiter am 17. Februar 1992 am Dorfanger Teile eines menschlichen Skelettes. Es liegt einen halben Meter tief in der Erde. Es soll sich nicht um eine Straftat handeln.

Das Leegebrucher Volkshaus soll verkauft worden. Es könne nicht Aufgabe der Gemeinde sein, eine Gaststätte zu führen, sagt Bürgermeister Horst Eckert. Der neue Besitzer müsste sechs Millionen Mark investieren.

Bei der Vergabe der Oranienburger Schlossgaststätte soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Den Zuschlag bekam eine Frau, die auch schon das Gesellschaftshaus gepachtet hat. Zwei weitere Interessenten haben von der Stadt angeblich nicht mal eine Antwort bekommen, und der stellvertretende Bürgermeister Laesicke habe auch nur das eine Angebot vorgestellt. Es sei das Beste gewesen, so Laesicke.

In Liebenwalde kommt es zum Brückencrash. Am 25. Februar 1992 bleibt in der Straße Am Kietz die Ladung eines Stattelschleppers an der Eisenbahnbrücke hängen. Tragende Teile der Brücke sind aus der Verankerung gerissen, starke Gleisverwerfungen sind die Folge. Die Polizei hat der Fahrer nicht gerufen, er hat sich stattdessen schlafen gelegt. Zum Glück hat der Fahrer des Zuges den Schaden rechtzeitig entdeckt und bremste.

Das Amt Kremmen kann gebildet werden. Staffelde schließt sich nun doch nicht den Autobahngemeinden, sondern Kremmen an.

An der Leninallee (Berliner Straße) in Oranienburg beginnt am 28. Februar 1992 der Abriss der Häuser für den Bau des geplanten Atrium-Centers am Schloss.

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1992: Der Kremmener Bahnhof ist für einen Tag voller Flüchtlinge

Samstag, den 4. Februar 2012
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Januar 1992 II -> 31.1.2012

Vor 20 Jahren: Dreharbeiten für den Kriegsfilm „Die Krücke“ / Explosion im Oranienburger Heizwerk / Veltener streiten um Hafenflächen

MAZ Oranienburg, 4.2.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Diesmal: die erste Hälfte im Februar 1992.

OBERHAVEL
Der Kremmener Bahnhof verwandelt sich am 1. Februar 1992 in den Bahnhof der schlesischen Stadt Namslau. Und nicht nur das: Tiefflieger nähern sich der Stadt. Das ZDF und die Defa drehen den Film „Die Krücke“. Der Bahnsteig ist voller „Flüchtlinge“, einen Tag wird die Zeit um mehr als 45 Jahre zurückgedreht. Die Filmcrew entschied sich für Kremmen, weil dort seit 1945 der Bahnhof kaum modernisiert wurde.

In Oranienburg explodiert am selben Tag im Heizwerk an der Klagenfurter Straße ein Kessel. Offenbar sind bestimmte Messwerte nicht beachtet worden. Zum Glück nehmen weder Menschen noch Umwelt Schaden.

Auch die Sumpfbieber an der Havel lassen sich davon nicht stören. Sie werden 1992 am Blauen Wunder in der Kreisstadt heimisch. Sie kommen offenbar von einer Nutriafarm, aus der Tierschützer kurz zuvor 500 der Nager befreiten. Von den Oranienburgern werden die Sumpfbieber nun liebevoll gefüttert.

Zoff gibt es dagegen in Liebenthal. Die Mehrheit der Bewohner spricht sich für eine Fusion mit Groß Schönebeck und gegen Liebenwalde aus. Im Landratsamt in Oranienburg ist man wenig begeistert.

Auch die Veltener haben Ärger. Am Hafen sind städtische Flächen durch die Treuhand an private Investoren verkauft worden – ohne Wissen der Verwaltung. Bürgermeister Frank-Michael Reinhardt kündigt an, die Treuhand zu verklagen. Denn nun wäre der aufwändig sanierte Umschlagplatz der Stadt nur noch von zwei Stellen aus erreichbar.

Unterdessen nimmt im Kreis Oranienburg die Zahl de Arbeitslosen rasant zu. Die Quote liegt nun bei 20,3 Prozent. Es heißt, zum 31. Dezember 1991 seien viele Arbeitsverträge ausgelaufen.

Rund um das Gut Pinnow soll ein Freizeit- und Naherholungszentrum entstehen. Dazu gehören ein Reiterhof, eine Pension und Wohnräume. 60 Millionen Mark sollen dafür investiert und 65 Arbeitsplätze geschaffen werden. Allerdings will Bürgermeister Lothar Wolf das Handtuch werfen, denn das Projekt gerät ins Stocken. Der Verwalter, die Stadtgüter Berlin GmbH, sieht sich im Februar 1992 nicht in der Lage, irgendetwas zu entscheiden.

In der Oranienburger Schulstraße legt die Telekom den Grundstein für ein neues Gebäude. In den Mehrgeschosser ziehen die digitale Fernsprechvermittlung, Geschäfte und Büros. Das Erdgeschoss ist bei der Zeremonie am 7. Februar schon zu sehen.

Auch Kremmen würde gern feiern. Ein Unternehmer aus Mainz hat das frühere städtische Klubhaus am Markt übernommen und will daraus eine gastronomische Perle machen, wie er sich in der MAZ ausdrückt. Der Umbau soll nach dem Fasching beginnen.

Die Bürgermeisterwahl in Stolpe-Süd am 7. Februar 1992 fällt aus. Das teilte Gemeindevertreterchef Heinrich Nabrowsky den Kollegen kurzfristig per Brief mit. Am Tag der Wahl ist er nicht zu erreichen, es heißt, er sei krank. Damit spitzt sich der Streit in der Gemeinde – Ende Januar 1991 hat Landrat Schröter den Bürgermeister wegen angeblicher Verfahrensfehler entlassen – weiter zu.

Kremmen und Liebenwalde haben währenddessen Probleme bei der Bildung eines Amtes. Kremmen fehlen 400 zu den geforderten 5000 Einwohnern. Hohenbruch will sich Oranienburg anschließen. Die Lösung wäre, dass Staffelde dazustößt. Staffelde will jedoch nach Eichstädt. Auch Liebenwalde verhandelt noch – Mitte Februar 1992 mit Falkenthal. Doch die Chancen stehen schlecht, Falkenthal hat eine Verwaltungsgemeinschaft mit Zehdenick. Freienhagen will lieber nach Oranienburg. Müssen sich nun die Liebenthaler trotz gegenteiligem Votums doch nach Liebenwalde orientieren?

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Ententeich im Weizenfeld

Donnerstag, den 18. August 2011
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Landwirtschaft: Überflutete Äcker sorgen in der Region für Probleme bei der Ernte

MAZ Oranienburg, 18.8.2011

Die Mähdrescher können nicht auf die Felder. Der Kremmener Landwirt Malte Voigts kämpft mit erheblichen Ernteausfällen.

KREMMEN/TIETZOW
Dass inmitten seines Weizenfeldes ein Ententeich liegt, war so nicht vorgesehen. Malte Voigts, Prokurist der Kremmener Rhinland Agrar GmbH, steht auf einem seiner Felder bei Tietzow (Havelland). Mit den hohen Gummistiefeln steht er 15 Zentimeter tief im Wasser. Der Teich – es ist bei weitem nicht der Einzige – ist das Ergebnis der heftigen und langanhaltenden Regenfälle der vergangenen Wochen.
Eigentlich müsste er den Weizen jetzt ernten – aber er kann nicht. Die schweren Maschinen würden im Matsch stecken bleiben. Sind sie auch schon: Am Dienstag musste er mithelfen, eine Mähmaschine vom Nachbarfeld abzuschleppen. Die tiefen Spuren im Schlamm sind immer noch zu sehen.
Die Furchen im Feld haben sich in kleine Flüsschen verwandelt. Voigts erwartet auf dem Tietzower Gehöft Ernteeinbußen von 70 bis 80 Prozent. Auch auf anderen Rhinland-Feldern sieht es kaum besser aus, auch wenn die Verluste dort wohl nicht so hoch sind. Auf einem Rapsfeld zwischen Staffelde und Orion sind die Spuren der Ernteversuche ebenfalls deutlich zu sehen: einige Flächen sind gemäht, an anderen Stellen nur einzelne Bahnen.

Gestern Vormittag machte sich Udo Folgart, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, ein Bild von der Situation. „In Brandenburg gibt es einige Betriebe, die nach der Frühjahrstrockenheit mehr als die Hälfte ihrer Ernte verloren haben.“

Bei einer Pressekonferenz in Kremmen sagte Malte Voigts gestern, dass er keine Chance sieht, seine mit dem Landhandel geschlossenen Verträge einzuhalten, und das, obwohl er nur einen überschaubaren Anteil der Ernte vertraglich an einen Abnehmer gebunden habe.
Die Situation führt bei der Kremmener Firma durchaus zu Problemen, Mitarbeiter müssen jedoch nicht entlassen werden, so Voigts. „Wir werden es einmal überstehen, aber wir hoffen auf ein besseres, nächstes Jahr.“ Auch seien die Erträge vom Spargelhof im Frühjahr in gewisser Hinsicht eine Subvention für die Getreideernte gewesen. „Man macht den Beruf gerne, aber man hat Magengrummeln.“ Morgen soll ein Ketten-Drescher mit Allrad aufs Feld. Voigts nahm dafür mit einer norddeutschen Firma Kontakt auf.

Allein am letzten Juli-Wochenende fielen in der Region innerhalb von drei Tagen 211 Liter Regen pro Quadratmeter.

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1990 – Jahr der Einheit: Kohl-Sieg macht Schröter betroffen

Samstag, den 18. Dezember 2010
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November 1990 -> 18.11.2010

Rückblick: Im Dezember 1990 zieht der Landrat in den Bundestag ein / Hooligan-Überfall in Hennigsdorf

MAZ Oranienburg, 18.12.2010

Was passierte im Jahr der Einheit im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im Dezember 1990.

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Zum vierten Mal im Jahr 1990 treten die Bewohner des Kreises Oranienburg an die Wahlurnen. Bei der Bundestagswahl gewinnt in der Region Oranienburg/Nauen die CDU mit 36,9 Prozent vor der SPD (34,6), FDP (10,0), PDS (9,2) und Bündnis 90/Grüne (6,0). Die CDU-Hochburg liegt in Staffelde. Dort erhält die Kohl-Partei 62,5 Prozent der Stimmen. Die SPD schneidet mit 47,2 Prozent besonders gut in Malz ab. In Hohen Neuendorf erhalten die „Mündigen Bürger“ gerade mal eine einzige Stimme. Landrat Karl-Heinz Schröter (SPD) kann die meisten Erststimmen erringen und zieht in den Bundestag. Dass Helmut Kohl erfolgreich ist, mache ihn „nachdenklich, sogar betroffen“.

Inzwischen weihnachtet es sehr. Außer in Oranienburg. Die Mitarbeiter des dortigen Marktcafés sind sauer. Der Weihnachtsmarkt habe kein Flair. Nur DJ Ossi mit seiner Disko verbreite festliche Stimmung, ansonsten sei eigentlich alles wie immer auf dem Markt.

Den Stadtverordneten in Velten steht der Sinn noch nicht nach Weihnachtsfeiern. Die Stadt muss einen Kredit in Höhe von 5,8 Millionen Euro aufnehmen. Bürgermeister Frank-Michael Reinhardt sagt, dass das Geld für neue Ampeln, Straßen und die Sanierung von Schulen gebraucht werde.

Auf den Imbiss an der Veltener Straße der Freundschaft wird unterdessen am 3. Dezember 1990 ein brutaler Überfall verübt. „Geld her!“, schreit der Unbekannte und besprüht die Verkäuferin mit Reizgas. Die Beute: 1000 Mark.

Schockierende Szenen spielen sich fünf Tage danach im Hennigsdorfer LEW-Haus ab. Etwa 30 Hooligans im Skinhead-Look tauchen bei einer Feier auf. Als sie die Bar stürmen, stellen sich ihnen jedoch mutige Männer entgegen. Mit Feuerlöschern schlagen sie die Glatzen in die Flucht. Die Polizei lässt 30 Minuten auf sich warten. Sie findet kaputte Scheiben, demolierte Lampen und eingedrückte Türen vor.

Nach der Währungsunion kaufen sich immer mehr Leute neue Autos. Und die alten? Die lassen sie einfach irgendwo stehen. Die Stadt Oranienburg kündigt nun an, die Wracks zu entfernen. „Der Kundendienst wird ein teurer Spaß“, so ein Sprecher aus dem Landratsamt. Am Ende der Aktion stehen 19 Schrottautos weniger in der Stadt herum.

Auch gefragt nach der Wende: neue Immobilien. Doch einen entsprechenden Markt gibt es bislang noch nicht. Am 6. Dezember 1990 öffnet die Firma Bendzko-Immobilien die erste Filiale vor den Toren Berlins.

Der Arbeitsmarkt erholt sich leicht. Die Quote der Erwerbslosen im Kreis sinkt von 8,7 auf 8,1 Prozent.

Teschendorf bekommt zum Jahresende eine neue Kita mit 60 Plätzen. Der Rohbau war bereits im Frühjahr 1990 fertig, doch nach der Währungsunion im Sommer ging das Geld aus. Die Kreisverwaltung gab 240.000 Euro dazu.

Der Gewerbepark in Hohenschöpping soll sehr viel kleiner werden als bislang geplant. Aus ursprünglich 270 Hektar sind nun 60 geworden. Der Ökologie-Kreistagsausschuss stimmt dem neuen Plan zu.

Der Kreis Oranienburg bekommt Mitte Dezember ein neues Wappen: Zu sehen sind ein roter Adler, darunter zwei silberne Schwäne auf grünem Grund – eine Zusammenfassung der alten Kreiswappen von Niederbarnim und Osthavelland.

Unterdessen versinkt der Kreis im Schnee. Der Winterdienst ist im Dauereinsatz. Es will einfach nicht aufhören zu schneien. Auf der B96 zwischen Birkenwerder und Borgsdorf stürzt ein Baum auf die Straße. Unfälle passieren jedoch nicht. Alle fahren vorsichtig.

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Wendejahr 1989: Zwischen Party und Pflegenotstand

Sonntag, den 8. November 2009
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Oktober 1989 II -> 27.10.2009

Rückblick: Anfang November 1989 reden die DDR-Bürger Tacheles – und feiern an der Mauer

MAZ Oranienburg, 7.11.2009

Was stand im Wendejahr in der Märkischen Volksstimme (MV)? Und was nicht? Wir blättern zurück. Diesmal die erste November-Hälfte 1989.

OBERHAVEL
Jetzt werden die Karten auf den Tisch gelegt. Die DDR-Bürger machen ihrem Ärger Luft. „Dialog“ ist das Wort der Stunde im November 1989. Die MV wird in diesem Monat zum Ankündigungsorgan für Dialog-Termine. Friedrichsthal, Lehnitz, Birkenwerder, Hohen Neuendorf, Schildow, Teschendorf, Hennigsdorf, Velten. Dort und in vielen weiteren Orten im Kreis Oranienburg treffen sich die Menschen, um Tacheles zu reden.

Und auch in der „Meckerstimme“, wie die MV im Volksmund hieß, standen plötzlich ganz andere Überschriften und Kommentare. „Kreistag lernt aus Widerspruch“, heißt es am 2. November. Und weiter: „Ein Versammlungsbericht alten Stils ist nicht möglich.“

Einen Tag davor, am 1. November, steht in der MV: „Es war nützlich, den Sonntagabend im Gespräch zu verbringen. Ich habe dazugelernt.“ Die Rede ist von einer Diskussion im Oranienburger Jugendklub „Freundschaft“. Dort beklagen die Lehrer der Pablo-Neruda-Oberschule fehlende Sportanlagen und „nervende Bedingungen bei der Essenseinnahme“. Die Schüler der Neruda- und der Allendeschule müssen seit Jahren in die sogenannte Essenbaracke in die Augustin-Sandtner-Straße laufen, um Mittagspause zu machen. Vom Kreisschulrat seien bisher keine Antworten zu diesem Thema gekommen.

In derselben Veranstaltung sprechen die Oranienburger die Missstände im Gesundheitswesen an. Die Wartezeit in den Arztpraxen betrage schon mal sieben Stunden. Das Personal des Oranienburger Kreiskrankenhauses geht noch weiter in seiner Kritik. Die Mitarbeiter seien kaum mehr vertretbaren Belastungen ausgesetzt. Es fehle Personal, ebenso das Material und natürlich Geld. Auf der inneren Abteilung herrsche ein drastischer Pflegenotstand.

Bei einem Dialogabend im Glienicker Jugendklub wird der „absolute Machtanspruch der Partei in Frage gestellt“. Der Umgang in der SED mit Menschen unterschiedlicher politischer Auffassungen müsse sich ändern.

Jede Menge Zoff gibt es auch in Velten. Die Sportler der Ofenstadt fühlen sich verschaukelt. 80 Frauen und 40 Kinder (wohl keine Männer) der Sektion Popgymnasitik der BSG Chemie Velten trainieren mittwochs und donnerstags in der Sporthalle in Velten-Süd. Oder wollen es zumindest. Seit acht Wochen passiert nichts. Die Hallenzeiten seien zwar im September vergeben worden, doch die Halle ist Anfang November noch immer verschlossen. Einen Hallenwart gibt es ebenfalls nicht. Und auch die Sektion Turnen und Gymnastik protestiert: Die Halle in der Rathausstraße diene immer öfter als Versammlungsraum für Bürgersprechstunden – und keiner von ihnen hat Turnschuhe an! Ein Skandal.

Auch die Bewohner von Staffelde ärgern sich. Seit zwei Jahren warten sie auf einen neuen, befestigten Fußweg im Dorf. Doch die Firma wurde für andere Zwecke abgezogen, heißt es am 7. November in der MV.

Aber dann kommt das Wochenende, an dem vorübergehend alle Sorgen vergessen sind. Am Abend des 9. November 1989 werden in Berlin die Grenzen geöffnet. Einen Tag später bildet sich auf der Autobahn, der heutigen A111, am Grenzübergang Stolpe, ein langer Stau. Ein Ereignis, über das die Oranienburger MV jedoch nicht berichtete. Dennoch war der Jubel groß. Von Stolpe nach Berlin-Heiligensee: freie Fahrt in den Westen, und der Beginn einer Party.