RTelenovela

Das Liederbuch aus der Bücherzelle

Mittwoch, den 14. September 2022
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Neulich parkte ich wegen eines Termins an der Sommerfelder Feuerwehr, und auf diesem Parkplatz befindet sich auch eine Bücherzelle. Leute stellen gebrauchte Bücher rein, andere nehmen ein Buch raus – alles ist möglich.
Ich schaute mal rein, immerhin findet man ja manchmal ein schönes Schätzchen. Ich ließ meinen Blick schweifen. Diverse Romane, ein paar Sachbücher – ehrlich gesagt nichts, was mich wirklich interessiert hat. Ich wollte fast schon wieder gehen, da fiel mein Blick nach unten, wo eine kleine Kiste stand.
Und da lag es: das “Liederbuch 5 bis 10”. Ich erkannte es sofort.

1989, Oranienburg war noch Teil der DDR, kam ich in die 5. Klasse. Immer am Ende der Sommerferien konnte ich meine neuen Schulbücher abholen, was ich immer sehr spannend fand. Zu Hause blätterte ich sie schon mal durch. Und eines der Bücher war dieses Liederbuch.

Der Verlag Volk und Wissen gab es 1989 offenbar sogar das erste Mal heraus, denn in dem Buch, das ich aus der Sommerfelder Bücherzelle holte, stand “1. Auflage” mit dem Jahr 1989.
Eine Seite weiter ist ein Schulstempel zu sehen: “Goethe-Schule – Oberschule – Kremmen – Krs. Oranienburg”.
Außer ein paar Rissen ist das Buch ganz gut enthalten, und drin sind unzählige Lieder, die für den Unterricht in der DDR geeignet waren: Friedenslieder, Freundschaftslieder, Solidaritätslieder, Kampflieder, Republiklieder, Heimat- und Volkslieder, aber auch Weihnachts- oder Frühlingslieder.
Und natürlich beginnt man gleich mal, alles durchzublättern – noch im Auto auf dem Sommerfelder Parkplatz.

“Der kleine Trompeter” darf nicht fehlen.
Von all unsern Kameraden
War keiner so lieb und so gut
Wie unser kleiner Trompeter
Ein lustiges Rotgardistenblut
Wie unser kleiner Trompeter
Ein lustiges Rotgardistenblut.

Haben wir als Kinder oft gesungen – also, singen müssen, im Unterricht. Nichts, was man privat gesungen hat.

Oder “Unsere Heimat”:
Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer.
Unsere Heimat sind auch all die Bäume im Wald.
Unsere Heimat ist das Gras auf der Wiese,
das Korn auf dem Feld und die Vögel in der Luft
und die Tiere der Erde.

Es gab aber auch unverfängliche Lieder – und “Am Lagerfeuer” habe ich damals sehr gemocht.
Matt ist das Feuer, bald ist’s verglommen.
Über unsre Häupter ist Nacht nun gekommen.
Schlaf nun ein mein Freund, sollst gute Träume finden.
Übers Jahr wirst du das Feuer neu entzünden.

Man hat alles besungen: Es gibt im Buch auch das “Lied gegen die Neutronenbombe”, das natürlich immer noch aktuell ist. Aber es gibt auch ganz andere, nun ja, sehr bemerkenswerte Lieder, die richtigerweise nicht mehr wirklich gesungen werden. Eines heißt “Meinst du, die Russen wollen Krieg?” Heute kennen wir die Antwort. Auch im Buch: “Wenn wir schreiten Seit an Seit”, “Auf, auf zum Kampf”, “Bau auf, bau auf (Freie Deutsche Jugend, bau auf!)”, “Geh voran, Pionier” – und wer es nicht begriffen hat, es gab auch “Pioniere voran!”. Ganz zukunftsweisend ist aber auch die heutige Europahymne drin.

Den Schatz aus Sommerfeld habe ich natürlich mitgenommen, und demnächst werde ich ein anderes Buch in die Zelle stellen – wenn es auch nicht von 1989 sein wird.

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Chronik Kremmen 2021

Freitag, den 31. Dezember 2021
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MAZ Oberhavel, 31.12.2021

Chronik Kremmen
Januar: In Sommerfeld wird an der Sana-Klinik eine Pandemie-Station eingerichtet. +++ Corona-Inzidenz über 200: Wer Kremmen in Richtung Ostprignitz-Ruppin verlassen will, muss einen 15-Kilometer-Radius einhalten. +++ Bürgermeister Busse wird am Blinddarm operiert.

Februar: Der Salon Silke am Marktplatz in Kremmen schließt. +++ Ein Wolf in Kremmen? Entsprechende Infos zu einem Video erweisen sich als Fake. +++ Die Beetzer feiern den Karneval auf Youtube. +++ Kämmerei und Hauptamt werden zusammengelegt. +++ In der Berliner Straße brennt eine Lagerhalle.

März: Jugendkoordinator Danny See verlässt die Stadt. Nachfolgerin wird Simone Buttgereit. +++ Die Bibliothek zieht an den Marktplatz. +++ Flatows Ortschef Gert Dietrich hadert 20 Jahre nach der Eingemeindung immer noch damit, dass sein Dorf nun zu Kremmen gehört.

April: Kremmen hat nun einen Osterbrunnen. +++ Die Sanierung der Groß-Ziethener Kirche wird teurer – die Gemeinde bittet um Spenden. +++ Ein Corona-Testzentrum öffnet in der Stadtparkhalle. +++ Das Torfstecherhaus wird Denkmal des Monats. +++ Am Marktplatz öffnet eine Poststelle. +++ Im Eichenhain in Flatow werden 30 Bäume gefällt.

Mai: Wird Kremmen Storchenstadt? Zehn Störche kreisen über der Altstadt.

Juni: Die beiden Brücken am Kanal werden freigegeben. +++ Im Flatoewer Gartenweg brennt eine große Scheune.

Juli: Nach einem Starkregen sterben in Kremmen, Groß-Ziethen und Hohenbruch insgesamt acht Jungstörche. +++ Demo am Kremmener See: Noch immer gibt es keine Einigung über einen geregelten Badebetrieb. +++ Ehrenbürgerin Ursula Münchow wird 100. +++ Die Container an der Goetheschule bekommen eine zweite Etage.

August: Das Neptunfest findet diesmal am Beetzer See statt. +++ Der Anbau für die Kremmener Kita „Rhinstrolche“ wird eröffnet. +++ Bjarne Mädel dreht in Kremmen für den Film „Buba“. +++ Andreas Dalibor erklärt seinen Rücktritt als Stadtverordneter. Ihm folgt Andreas Kretzschmar.

September: Wie soll der Verkehr im Scheunenviertel und der Altstadt fließen? Zu einem entsprechenden Workshop kommen nur wenige Menschen. +++ Das Erntefest in Kremmen und das Herbstfest in Flatow finden mit einem Hygienekonzept statt. +++ Hohenbruch bekommt ein neues Gemeindehaus. +++ Der Posaunenchor Hohenbruch wird 70. +++ Bei der Bundestagswahl siegt in Kremmen die SPD vor der AfD.

Oktober: Die Straße zwischen Kremmen und Sommerfeld wird saniert. +++ Sturm Ignaz sorgt in Kremmen für Schäden, auf die Bahnstrecke fallen schwere Äste.

November: 62 Leute nehmen an der Schleppjagd in Staffelde teil. +++ Jugendclub und Schulen starten das Projekt Bauernhofpädagogik. +++ Nach einer satirischen Karnevalsrede von Bürgermeister Busse gibt es eine wütende Beschwerde von Stadtverordnetenvorsteherin Stefanie Gebauer.

Dezember: Sebastian Busse bleibt Bürgermeister, er verliert die Landratswahl gegen Alexander Tönnies.

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aRTikel

Seit vier Jahrzehnten wird gebohrt

Mittwoch, den 29. Dezember 2021
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Die Firma Brunnenbau Berger in Sommerfeld feiert Neujahr ihr 40. Jubiläum

MAZ Oberhavel, 29.12.2021

Sommerfeld.
Heute ist die Firma so groß wie nie: 28 Leute arbeiten für das Sommerfelder Unternehmen Brunnenbau Berger. Und in diesen Tagen gibt es etwas zu feiern – am 1. Januar wird die Firma 40 Jahre alt. „Wir haben es jahrelang versucht“, erzählt Firmengründer Klaus Berger. Aber in der DDR eine Gewerbegenehmigung zu bekommen, war nicht so einfach. „Sie kam im November 1981, völlig überraschend.“ Klaus Berger hatte damals eine Frau und zwei Kinder, war viel auf Montage. „Und irgendwann willst du ja mal zu Hause sein.“
Schon sein Vater Max war Brunnenbauer, auch schon dessen Vater. Inzwischen führen Klaus und sein Sohn Brian die Firma. „1982 war ich erst mal alleine, dann kam ein Mitarbeiter dazu“, erinnert sich Klaus Berger. Aber dann ging alles recht schnell. „Ich war der erste im Bezirk Potsdam, der Spülbohranlagen eingesetzt hat.“
Mit der Wende kam zunächst die Angst – wie würde alles weitergehen? „Aber eigentlich hatten wir dann doch nie einen richtigen Einbruch gehabt, wir haben die Wende gut überstanden.“ Ein Problem war in den frühen 90ern eher die Zahlungsmoral, da sei die Firma schon mal auf größeren Geldbeträgen sitzengeblieben. Das hält sich bis heute. „Wirtschaftlich können wir nicht klagen“, sagt Brian Berger. „Die Personalsuche ist das Problem.“

Auch bei Brian Berger (39) war immer klar, „dass ich Brunnenbauer werde“, erzählt er. „Ich bin damit aufgewachsen, als Jugendlicher musste ich auch schon mal helfen“, erklärt er. Im Jahre 2012 machte er seinen Meister, er stieg in die Firma ein. Vor sechs Jahren wurde die GmbH gegründet. Auch Bruder Gil ist Teil der Firma. Brunnenbau Berger ist ein echtes Familienunternehmen. Im Büro arbeitet auch Brian Bergers Ehefrau Wenke. „Ich könnte es ohne meine Frau nicht machen“, sagt er.

Die Firma besitzt momentan mehr als 30 Fahrzeuge, rechnet man die verschiedenen Anhänger mit. „Wir brauchen viel schwere Technik“, sagt Brian Berger. Gearbeitet wird vorwiegend im Raum Berlin-Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern bis runter nach Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Ablaufplan für die einzelnen Maschinen steht teilweise schon bis zum Herbst 2022 fest. „Das wird auch nicht weniger.“ Es gebe immer weniger Brunnenbau-Betriebe. „Im großen Bereich gibt es nicht mehr so viele“, so Brian Berger. Fragt man, wo die Sommerfelder überall Brunnen gebaut haben, ist die Liste sehr lang. In Kyritz wurden vier Brunnen fürs Wasserwerk gebaut, außerdem für die Wasserwerke in Börnicke, Fürstenberg, in Sachsenhausen ist eine Probebohrung schon fertig, im nächsten Jahr steht Liebenwalde auf dem Plan. 2020 wurden drei Glaskugelbrunnen gebohrt. „Das war auch für uns Neuland.“

Der Standort der Firma war immer Sommerfeld. Los ging es mit dem Büro in der Wohnstube, später standen drei Bürocontainer, auch das Grundstück selbst wurde größer. Zum Jubiläum gibt es einen Umzug nach Hohenbruch. „Die Werkstatt bleibt hier, aber das Büro und der Rest ziehen um“, sagt Brian Berger. „Für mich ist es dann nicht mehr so weit zu fahren“, sagt der 39-Jährige, der auch in Hohenbruch wohnt.

Es bleibt viel zu tun für die Brunnenbauer. Firmengründer Klaus Berger (70) will unterdessen im nächsten Jahr ein bisschen weniger arbeiten. Wobei sein Sohn Brian betont: „Ich kann nicht sagen, dass ich unterm Pantoffel stehe. Das war noch nie so. Wir sind auf einer Wellenlänge.“

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KeineWochenShow

#225 – Alle nicht ganz dicht?!

Sonntag, den 25. April 2021
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Was für eine Woche! Am Donnerstagabend sind auf Youtube 53 Videos von Schauspielerinnen und Schauspielern erschienen – unter dem Hashtag #allesdichtmachen. In den Filmen wird auf verschiedenste Weise über die Coronamaßnahmen, die Regierung, die Medien gesprochen. Oft ironisch oder zynisch. Klar, dass wir darüber in KeineWochenShow sprechen – vor allem über Jan-Josef Liefers, der meint, es gebe nur eine Medienmeinung.

Ansonsten hat sich die CDU/CSU endlich mal auf einen Kanzlerkandidaten einigen können – nach einer ewigen Hängepartie. Aber ist Laschet der richtige Mann? Und warum ging das bei Baerbock und den Grünen so geräuschlos daher?
Und über das Coronavirus sprechen wir auch noch – und über die Bundesnotbremse.
Über den Machtkampf in der Union, über Öffnungsmaßnahmen und -projekte und über Corona und die Auswirkungen auf den Landtag in Potsdam spricht Frank Bommert im Interview. Der Sommerfelder ist CDU-Chef in Oberhavel und Vize-Chef in Brandenburg.

Wir sprechen aber auch über den Schalke-04-Abstieg, über die FDP in Oberhavel und die Pressefreiheit, über Willi Herren und mehr – in KeineWochenShow #225 auf Youtube.

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Der Konservative mit der Streitaxt: Frank Bommert wird 60

Samstag, den 24. April 2021
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Frank Bommert sitzt für die CDU im Landtag, er ist Kreisvorsitzender seiner Partei in Oberhavel und schaut keine Provokationen. Und nebenbei führt er auch seine Metallbaufirma. An Rente denkt er noch lange nicht. Am Sonntag wird der Sommerfelder 60 Jahre alt.

MAZ-online, 23.4.2021

Sommerfeld.
Früher dachte er, mit 60 sei man ja alt. Seit Sonntag, weiß er, wie das ist. „Ich fühle mich Null wie 60“, sagt Frank Bommert. „Und ich könnte mir auch nicht vorstellen, in fünf Jahren in Rente zu gehen.“ Da ist er sich schon sicher. Es wäre sicher eine große Feier gewesen, denn der Sommerfelder Unternehmer und Politiker ist eine Größe in der Region – bei den einen beliebt, bei den anderen, vorsichtig gesagt, unter kritischer Beobachtung.

Frank Bommert ist Vorsitzender der CDU in Oberhavel, er ist Mitglied des Kreistages und dort stellvertretender Fraktionschef seiner Partei. Außerdem sitzt er im Aufsichtsrat der Oberhavel-Holding. Seit 2009 ist er auch landespolitisch aktiv. Er ist Landtagsabgeordneter, stellvertretender CDU-Chef in Brandenburg und Vize-Fraktionsvorsitzender, außerdem leitet er den Wirtschaftsausschuss des Landtages. Seinen politischen Start hatte er jedoch in der DSU – was auch viel mit seinem Vater zu tun hatte, wie er erzählt.

Geboren wurde er am 25. April 1961 in Hennigsdorf. Er lebt schon immer in Sommerfeld. Bereits seit 1908 gehört seiner Familie das Gehöft im Dorf. „Ich lebte in einem wohlbehüteten, bürgerlichen Elternhaus“, erzählt er. Seine Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb. Urlaub gab es deshalb kaum. In der Nachbarschaft hatte er zwei Freunde, gemeinsam stromerten sie durchs Dorf. Er besuchte zunächst die Schule in Sommerfeld, später die Beetzer Schule. Nach der 10. Klasse begann er 1977 bei der Baumechanik in Hennigsdorf eine Lehre zum Instandhaltungsmechaniker. „Wir haben Maschinen gewartet.“ Sein eigentliches Ziel war aber die Selbstständigkeit. In der DDR war ihm das in den 80ern noch nicht vergönnt, so arbeitete er weiter in Hennigsdorf. „Wir waren aber auch ein tolles Team.“
Im März 1990 stand fest: Er kann seine eigene Firma eröffnen. „Ich wollte nicht mehr, dass mir jemand sagt: Mach’ das und das.“ Am Anfang arbeitete er alleine, in besten Zeiten hatte er zwölf Mitarbeiter. Inzwischen sind sie zu fünft. In seiner Metallbaufirma werden Wintergärten eingebaut, Fenster, Türen, Terrassendächer. Das größte Projekt in den 30 Jahren: die Fenster und Türen für das Gebäude der S-Bahn Berlin GmbH in der Hauptstadt. Die Zukunft ist auch schon gesichert: „Mein Sohn wird die Firma weiterführen. Das größte Problem ist heute eigentlich die Mitarbeitergewinnung.“

Die Wende brachte aber nicht nur die Selbstständigkeit. Es war auch die Zeit, in der Frank Bommert die Politik für sich entdeckte. „Damals hat man viel über Politik gesprochen.“ Sein Vater war einst Anhänger vom CSU-Politiker Franz-Josef Strauß. „Der war ein beeindruckender Redner.“ 1990 wollte sich die CSU auch in der DDR etablieren. Stattdessen entstand die DSU, die Deutsche Soziale Union. „Die wurde in Hohen Neuendorf bei Zahnarzt Thomas Schmidt im Keller gegründet“, erinnert sich Frank Bommert. In Sommerfeld holte er bei der Wahl im Frühjahr 1990 gleich mal 18 Prozent. Damals ging es ihm vor allem um seinen Heimatort. Entscheidungen mussten getroffen werden, damals entstand der Wohnpark, am Ortsrand entstand ein Hotel. „Das war eine spannende Zeit. Es herrschte eine Aufbruchstimmung.“
Später ging die DSU in der CDU auf, deren Mitglied Bommert dann 1993 wurde. Um die Jahrtausendwende begann sein Engagement im Kreistag, er wurde unter Wolfgang Krüger Vizechef der CDU in Oberhavel. 2004 bewarb er sich erstmals um einen Sitz im Landtag, aber er verlor die CDU-interne Kandidatenabstimmung. „Ehrlich gesagt, war ich froh, dass ich es nicht geworden bin. Damals war ich noch nicht so weit.“ 2009 schaffte er es dann aber in den Landtag. Außerdem wurde der Kreisvorsitzender seiner Partei in Oberhavel.
„Im Landtag hatte ich ein bisschen Glück, dass wir in die Opposition gegangen sind“, sagt er rückblickend. In der Opposition sei die Arbeit einfacher, in einer Regierungskoalition müsse man sich viel untereinander abstimmen. „Mein wichtiges Projekt war die Einführung der Meistergründungsprämie“, sagt er. „Dafür haben wir fünf Jahre gekämpft.“ Er sei ein treibender Keil gewesen. Gerade will er sich dafür einsetzen, Modellregionen zu schaffen, in denen die Menschen nach Coronatests in Lokale oder Theater gehen können.

Viele sehen Frank Bommert als der „Rechtsaußen der CDU“. „Wenn es heißt, ich gehöre zum konservativen Flügel, dann würde ich sagen: ja.“ Aber das gehöre bei einer Partei dazu, dass verschiedene Meinungen aufeinander treffen. „Für viele ist es ein Problem, dass ich sage, was ich denke. Manche würden das anders machen.“ Es gebe das Zitat eines Politikers, in dem es über ihn heiße: „Wo andere das Florett ziehen, nimmt Frank Bommert die rostige Streitaxt.“ Er selbst findet das lustig und würde es wohl auch nicht abstreiten. Aber: „Jemand von der SPD sagte mal, dass man meine Absprachefestigkeit schätze. Und das stimmt: Was ich sage, da stehe ich auch zu.“
Für Wirbel sorgte sein Facebook-Statement nach der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen, bei der FDP-Mann Thomas Kemmerich mit den AfD-Stimmen gewählt worden war. „Geile Nummer, das Ende von diesem dunkelrot-rot-grünen Spuk“, schrieb er. Viele haben ihm das übel genommen, und auch das „Rechtsaußen“-Stichwort fiel wieder. Bommert sagt, man habe ihm das falsch ausgelegt. Es sei ihm um die (zwischenzeitliche) Abwahl von Bodo Ramelow (Linke) gegangen, nicht um die AfD. „Zur AfD gibt es im Landtag eine starke Abgrenzung“, sagt der Sommerfelder. Mit dem neuen Fraktionschef Berndt sei der Ton bei der AfD noch rauer geworden.
Bei den Linken habe er dagegen zu viele Erinnerungen an die Repressalien der SED in der DDR. Aber Bommert sagt auch: „Zum Parlament gehört auch eine gesunde Opposition.“ So lange die Geschichte nicht verklärt werde. 2024 will er auf jeden Fall noch mal antreten.

Sommerfeld dagegen ist der Ort, wo er sich erdet. Am liebsten sitzt er in seinem Wintergarten oder auf der Terrasse. Oder er fährt zum Kremmener Spargelhof. „Da treffe ich auch viele Leute von hier.“ In Sommerfeld werfen ihm einige Leute vor, er würde sich im Dorf nicht mehr engagieren. „Mein Engagement ist zeitlich begrenzt“, sagt er. „Ich habe ja auch noch die Firma.“ Aber er trage Kremmener Interessen in den Landkreis oder in den Landtag.
Frank Bommert hat zwei Kinder. Sein Sohn ist 34, mit seiner neuen Partnerin bekam er eine Tochter, die nun zwei Jahre alt ist. „Ihr geht es gut“, sagt er. Sie musste mehrere schwere Herz-Operationen über sich ergehen lassen. „Das war schon bitter. Wenn sie das Kind zur OP bringen und es übergeben, da haut es einen weg.“ Das sind die Momente, in denen Stille und Nachdenklichkeit einkehrt.
In der Politik wird es den stillen Bommert aber eher selten geben. „Ich bin in die Politik reingewachsen, sie ist mir zu einer Herzenssache geworden.“ Deshalb ist auch klar: Wenn Frank Bommert am Sonntag 60 wird, ist noch lange nicht Schluss.

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„Wir sollten hier Modellregion werden“

Donnerstag, den 8. April 2021
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Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse über Coronaregeln, die Finanzlage und das Erntefest

MAZ Oberhavel, 8.4.2021

Kremmen.
Zum Abschluss der diesjährigen Reihe „MAZ zu Hause in Kremmen“ äußert sich Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) zu aktuellen Themen.

Halbzeit im Amt des Bürgermeisters. Macht’s noch Spaß?
Sebastian Busse: Ja, definitiv. Am 21. März war Halbzeit. Wie schnell doch die Zeit vergeht, das ist Wahnsinn. Es macht immer Spaß, die Bürgernähe zu haben. Jeder kann sich an mich wenden, egal ob auf der Straße oder über die sozialen Medien, ich versuche stets zu helfen.

Corona hat Ihnen nichts vom Spaß genommen?
Nein. Corona hat uns ja unter Umständen auch wieder mehr Zeit geschenkt für die Familie. Dafür bin ich sehr dankbar. Abendveranstaltungen, Einweihungen fallen ja alle aus. Man sollte bei allen Schwierigkeiten, die die Pandemie mit sich bringt, auch wieder zu schätzen lernen, dass unser Wasser aus der Wand kommt und wir jederzeit Grundnahrungsmittel zur Verfügung haben. Lösungen muss man finden, und kompromissbereit muss man sein.

Vergeht Ihnen manchmal der Spaß, wenn Sie auf die Finanzen der Stadt schauen?
Wir müssen schon mit offenen Augen haushalten und wirtschaften. Aber die Stadt hat die Finanzlage im Blick, da vergeht mir auch nicht der Spaß daran. Ich weiß ja, was passieren wird und kommen kann, so dass die Großprojekte mit Kita, Schule, Feuerwehr und Turnhalle finanzierbar sind. Aber ja, Kremmen kann nur mit Krediten und Fördermitteln solche Großprojekte stemmen. Als Nächstes werden wir einen Nachtragshaushalt für die Feuerwache und die Erweiterung der Kremmener Schule brauchen. Aber wir haben auch schon viel geschafft. Das Rathaus ist digitalisiert, da sind wir weiter als manch andere Kommunen oder Institutionen im Landkreis. Im Juni kann zudem der Erweiterungsbau der Kita Rhinstrolche bezogen werden.

In Oberkrämer wird gebaut ohne Ende, und das Geld dafür scheint immer da zu sein. Kremmen scheint da irgendwie auf der Stelle zu stehen.
Wir haben im Vergleich einiges auf den Weg gebracht. In den letzten zehn Jahren ist Oberkrämer enorm gewachsen, an Einwohnern sowie Gewerbebetrieben, und um wie viel Kremmen? Wir sind minimal gewachsen. Dadurch hat Oberkrämer schon mal höhere Einkommens- und Gewerbesteuereinnahmen. Wenn wir in den nächsten zehn Jahren um 1000 Einwohner wachsen, dann haben wir auch höhere Einnahmen. Ich finde es auch unsolidarisch, dass einer der größten Arbeitgeber in Kremmen hier bei uns keine Steuern zahlt. Da müsste es klare rechtliche Leitlinien von Bund und Land geben.

Im Kremmener Ortsbeirat wurde neulich über einen Grundstücksverkauf durch die Stadt in Groß-Ziethen diskutiert. Es ging an den Meistbietenden, zu einem höheren Preis als der geschätzte Wert. Im Ortsbeirat gab es Kritik, man wolle ein Einheimischenmodell. Was halten Sie davon?
Dazu muss man wissen: Wir haben wenig eigene Grundstücke. Wir haben vielleicht als Stadt noch ein paar eigene Fleckchen. Die große Fläche nahe der Straße der Einheit kann die Stadt Kremmen nicht selbst entwickeln. Da werden wir sicher einen Investor finden, der die Wohnbebauung vorantreibt. Was den Grundstücksverkauf in Groß-Ziethen angeht: Da hieß es, Einheimische hätten da keine Chance gehabt. Es gab zwar Anfragen. Aber am Bieterverfahren haben sich keine Einheimischen beteiligt. Auch nicht die, die vorher nachgefragt hatten. Es gab fünf Bieter, keiner von hier, und da geht es nun mal an den Meistbietenden. Da hat Kremmen auch nichts zu verschenken.

In acht Ortsspaziergängen wurde immer darauf hingewiesen, welche Geschäfte es früher mal gab, die heute nicht mehr da sind. Schmerzt das?
Ja, das schmerzt schon. Im Konsum in Staffelde war ich ja früher selbst noch einkaufen. In der Altstadt in Kremmen gab es früher mehrere Bäcker, die haben alle selber gebacken. Aber da gab es auch noch nicht die großen Discounter. Die Menschen mussten auch noch nicht so viel in der Tasche haben. Es muss Miete gezahlt werden, die Angestellten müssen bezahlt werden, und übrig bleiben muss auch noch was. Immerhin haben wir auf dem Markt wieder mehr Bewegung.

Kremmen hat den Kirchplatz, die Altstadt, das Scheunenviertel und relativ viel Wasser. Täuscht mein Eindruck, dass das touristische Potenzial noch nicht ausgeschöpft wird?
Da liegt es immer am Interesse des touristischen Ortes und des Betreibers, was man denn selber für Ziele hat. Kremmen kann viel bieten, aber das ist noch lange nicht ausgereizt. Wir sind unter anderem gerade dabei, eine Wanderkarte, die die neuen Brücken am Kanal mit aufzeigen soll, zu erstellen. Da soll es drei Wanderrouten geben, eine führt auch durch die Altstadt. Kremmen bietet außerhalb von Corona viele private Initiativen, die die Stadt gerne unterstützt. Stadtführungen sind auch immer wieder gut besucht.

Immer mal wieder heißt es in den Dörfern, dass durch die großen und wichtigen Projekte das meiste Geld in die Kernstadt fließe. Flatows Ortschef Gert Dietrich sagte gar, dass die Entscheidung, sich Kremmen anzuschließen, falsch gewesen sei.
Über die Aussage von Gert Dietrich war ich enttäuscht, dass er da nach 20 Jahren nicht mal über seinen Schatten gesprungen ist. Es fehlt doch an nichts in Flatow! Alles, was ein Problem war, haben wir angepackt oder versuchen wir zu machen. Dass alles seine Zeit braucht, ist normal. Da muss man geduldiger sein. Ich empfand die Zusammenarbeit mit dem Ortsteil Flatow immer positiv. Die Leute in Flatow profitieren von allen großen Investitionen in Kremmens Infrastruktur.

Die Sommerfelder wünschen sich ein neues Bürgerhaus. Angesichts der großen Kremmener Projekte, besteht doch da aber gerade auch keine Chance, oder?
Ich arbeite mit dem Ortsvorsteher Kurth eng zusammen, und er hat es realistisch dargestellt. Wir hatten zwei Orte im Fokus, der Wunschort des Beirates ist nicht genehmigungsfähig. Vielleicht klappt so was in den nächsten zehn bis 20 Jahren, auch in Verbindung mit einer neuen Feuerwache nahe des Sommerfelder Sportplatzes. Momentan ist ja alles da, und die Gaststätten, wo man sich treffen kann, müssen ja auch von etwas leben.

Ihr Parteikollege Frank Bommert setzt sich für eine Öffnungsstrategie ein, für einen Test, wie auch in Coronazeiten Theater und Restaurants wieder öffnen könnten. Könnten Sie sich vorstellen, sich mit der Stadt Kremmen an einem solchen Test zu beteiligen?
Wir sollten hier zu einer Modellregion werden. Ich unterstütze das überall, wo ich kann. Ich sehe hier in Kremmen ganz klar die Gastro- und Beherbergungsbetriebe, auch unser Scheunenviertel mit dem Theater. Wer einen negativen Test vorliegen hat, sollte die Möglichkeit haben, sich zu erholen, essen zu gehen oder Kultur zu erleben. Ich kann den Landrat nur ermutigen, den nächsten Schritt zur Normalität zu wählen! Wir haben seit dem ersten Lockdown nicht viel geschafft.

Angesichts des Regel-Wirrwarrs rund um die Corona-Pandemie kündigte Leegebruchs Bürgermeister Martin Rother kürzlich den Austritt aus der CDU an. Können sie das nachvollziehen?
Ich habe wirklich gezweifelt, als der Donnerstag vor Ostern ein Ruhetag werden sollte. Aber ich werde deshalb jetzt nicht aus der CDU austreten. Die CDU ist in anderen wichtigen Punkten für mich ein Eckpfeiler. Ich versuche immer, das Ganze zu sehen.

Wird es ein Erntefest 2021 geben?
Ja. Abgespeckt. Daran arbeiten wir gerade. Es wird in diesem Jahr was geben. In welcher Größenordnung weiß ich noch nicht.

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Früher hatte jedes Dorf seine Ladenstraße

Sonntag, den 28. März 2021
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Wer wissen möchte, welchen wirtschaftlichen Kahlschlag die Wende in Ostdeutschland mit sich gebracht hat, muss nur mal durch die vielen Dörfer spazieren und sich erzählen lassen, an welchen Stellen welche Geschäfte waren.

In den vergangenen zwei Wochen habe ich in Kremmen und Umgebung die Kleinstadt und sieben Dörfer besucht. Dazu gehörte ein kleiner Spaziergang durch den Ort, und oft war jemand dabei, der oder die den Ort schon länger kannte und mir erzählt hat, was früher im Ort so los war.

In Sommerfeld zum Beispiel. An der Dorfstraße gibt es noch eine kleine Gaststätte und einen Getränkehandel. Früher gab es dort eine Post, mehrere Gaststätten, ein Haushaltswarengeschäft, ein Bäcker und noch einiges mehr. Es ist und war ein kleines Dorf, aber es gab dort in der DDR eine Infrastruktur.
Ähnlich in Beetz. Dort gibt es in der Dorfstraße praktisch kein Geschäft mehr. Zu DDR-Zeiten waren auch dort mehrere Gaststätten, zwei (!) Fleischer, ein Bäcker, ein Konsum – und und und. Immerhin gibt es dort heute noch die Grundschule mit einer Turnhalle.
Die Kremmener Altstadt war früher ein sehr wirtschaftlicher Ort. Läuft man durch die Straßen, dann erfährt man, was es dort alles gab. Ebenfalls diverse Kneipen, mehrere Bäcker, Fleischer, Schuster, Konsumläden und so weiter. Die Altstadt war mal ein Ort, an dem viel los war. Heute wohnen dort immer noch viele Leute, es gibt auch noch einen Friseur und einen Partyservice – da hört es aber schon langsam auf. Die restlichen, noch aktiven Läden befinden sich nur noch an den Hauptstraßen und auf dem Marktplatz.
In Staffelde gibt es noch einen Fleischer. Aber der Konsum ist weg, mehrere Gaststätten – und so weiter.
In Groß-Ziethen gab es auch einen Konsum, mehrere Gaststätten, ein Ärztehaus, sogar einen Tanzsaal. Es ist nur noch der Bäcker übrig, und immerhin gibt es dort noch das Schloss Ziethen.
Selbst im kleinen Ludwigsaue, 100 Einwohner, gab es früher eine Post, eine Schule, einen Konsum. Dort allerdings starb das meiste alles schon vor der Wende aus.

Vermutlich würde man das in so ziemlich allen Dörfern erfahren, in denen man unterwegs ist. Und sicherlich gibt es auch im Westen Deutschlands Orte, in denen ein wirtschaftlicher Kahlschlag stattgefunden hat. Aber dass in jedem Kremmener Dorf Geschichten vom Niedergang der Konsumwirtschaft nach dem Ende der DDR erzählt werden, ist bemerkenswert und traurig.
Natürlich hat der Niedergang viele Gründe. Nach der Wende verlagerte sich der Konsum in die Städte, in denen es mehr und billigere Produkte gab. Alles sollte besser, westlicher werden. Da konnten die Dörfer offenbar nicht mithalten.
Heute braucht man nicht mehr davon zu träumen, die Dörfer auf diese Art wiederzubeleben. Selbst Handelsketten überlegen knallhart, wo sie Märkte eröffnen und wo nicht.

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