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„Wir sollten hier Modellregion werden“

Donnerstag, den 8. April 2021
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Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse über Coronaregeln, die Finanzlage und das Erntefest

MAZ Oberhavel, 8.4.2021

Kremmen.
Zum Abschluss der diesjährigen Reihe „MAZ zu Hause in Kremmen“ äußert sich Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) zu aktuellen Themen.

Halbzeit im Amt des Bürgermeisters. Macht’s noch Spaß?
Sebastian Busse: Ja, definitiv. Am 21. März war Halbzeit. Wie schnell doch die Zeit vergeht, das ist Wahnsinn. Es macht immer Spaß, die Bürgernähe zu haben. Jeder kann sich an mich wenden, egal ob auf der Straße oder über die sozialen Medien, ich versuche stets zu helfen.

Corona hat Ihnen nichts vom Spaß genommen?
Nein. Corona hat uns ja unter Umständen auch wieder mehr Zeit geschenkt für die Familie. Dafür bin ich sehr dankbar. Abendveranstaltungen, Einweihungen fallen ja alle aus. Man sollte bei allen Schwierigkeiten, die die Pandemie mit sich bringt, auch wieder zu schätzen lernen, dass unser Wasser aus der Wand kommt und wir jederzeit Grundnahrungsmittel zur Verfügung haben. Lösungen muss man finden, und kompromissbereit muss man sein.

Vergeht Ihnen manchmal der Spaß, wenn Sie auf die Finanzen der Stadt schauen?
Wir müssen schon mit offenen Augen haushalten und wirtschaften. Aber die Stadt hat die Finanzlage im Blick, da vergeht mir auch nicht der Spaß daran. Ich weiß ja, was passieren wird und kommen kann, so dass die Großprojekte mit Kita, Schule, Feuerwehr und Turnhalle finanzierbar sind. Aber ja, Kremmen kann nur mit Krediten und Fördermitteln solche Großprojekte stemmen. Als Nächstes werden wir einen Nachtragshaushalt für die Feuerwache und die Erweiterung der Kremmener Schule brauchen. Aber wir haben auch schon viel geschafft. Das Rathaus ist digitalisiert, da sind wir weiter als manch andere Kommunen oder Institutionen im Landkreis. Im Juni kann zudem der Erweiterungsbau der Kita Rhinstrolche bezogen werden.

In Oberkrämer wird gebaut ohne Ende, und das Geld dafür scheint immer da zu sein. Kremmen scheint da irgendwie auf der Stelle zu stehen.
Wir haben im Vergleich einiges auf den Weg gebracht. In den letzten zehn Jahren ist Oberkrämer enorm gewachsen, an Einwohnern sowie Gewerbebetrieben, und um wie viel Kremmen? Wir sind minimal gewachsen. Dadurch hat Oberkrämer schon mal höhere Einkommens- und Gewerbesteuereinnahmen. Wenn wir in den nächsten zehn Jahren um 1000 Einwohner wachsen, dann haben wir auch höhere Einnahmen. Ich finde es auch unsolidarisch, dass einer der größten Arbeitgeber in Kremmen hier bei uns keine Steuern zahlt. Da müsste es klare rechtliche Leitlinien von Bund und Land geben.

Im Kremmener Ortsbeirat wurde neulich über einen Grundstücksverkauf durch die Stadt in Groß-Ziethen diskutiert. Es ging an den Meistbietenden, zu einem höheren Preis als der geschätzte Wert. Im Ortsbeirat gab es Kritik, man wolle ein Einheimischenmodell. Was halten Sie davon?
Dazu muss man wissen: Wir haben wenig eigene Grundstücke. Wir haben vielleicht als Stadt noch ein paar eigene Fleckchen. Die große Fläche nahe der Straße der Einheit kann die Stadt Kremmen nicht selbst entwickeln. Da werden wir sicher einen Investor finden, der die Wohnbebauung vorantreibt. Was den Grundstücksverkauf in Groß-Ziethen angeht: Da hieß es, Einheimische hätten da keine Chance gehabt. Es gab zwar Anfragen. Aber am Bieterverfahren haben sich keine Einheimischen beteiligt. Auch nicht die, die vorher nachgefragt hatten. Es gab fünf Bieter, keiner von hier, und da geht es nun mal an den Meistbietenden. Da hat Kremmen auch nichts zu verschenken.

In acht Ortsspaziergängen wurde immer darauf hingewiesen, welche Geschäfte es früher mal gab, die heute nicht mehr da sind. Schmerzt das?
Ja, das schmerzt schon. Im Konsum in Staffelde war ich ja früher selbst noch einkaufen. In der Altstadt in Kremmen gab es früher mehrere Bäcker, die haben alle selber gebacken. Aber da gab es auch noch nicht die großen Discounter. Die Menschen mussten auch noch nicht so viel in der Tasche haben. Es muss Miete gezahlt werden, die Angestellten müssen bezahlt werden, und übrig bleiben muss auch noch was. Immerhin haben wir auf dem Markt wieder mehr Bewegung.

Kremmen hat den Kirchplatz, die Altstadt, das Scheunenviertel und relativ viel Wasser. Täuscht mein Eindruck, dass das touristische Potenzial noch nicht ausgeschöpft wird?
Da liegt es immer am Interesse des touristischen Ortes und des Betreibers, was man denn selber für Ziele hat. Kremmen kann viel bieten, aber das ist noch lange nicht ausgereizt. Wir sind unter anderem gerade dabei, eine Wanderkarte, die die neuen Brücken am Kanal mit aufzeigen soll, zu erstellen. Da soll es drei Wanderrouten geben, eine führt auch durch die Altstadt. Kremmen bietet außerhalb von Corona viele private Initiativen, die die Stadt gerne unterstützt. Stadtführungen sind auch immer wieder gut besucht.

Immer mal wieder heißt es in den Dörfern, dass durch die großen und wichtigen Projekte das meiste Geld in die Kernstadt fließe. Flatows Ortschef Gert Dietrich sagte gar, dass die Entscheidung, sich Kremmen anzuschließen, falsch gewesen sei.
Über die Aussage von Gert Dietrich war ich enttäuscht, dass er da nach 20 Jahren nicht mal über seinen Schatten gesprungen ist. Es fehlt doch an nichts in Flatow! Alles, was ein Problem war, haben wir angepackt oder versuchen wir zu machen. Dass alles seine Zeit braucht, ist normal. Da muss man geduldiger sein. Ich empfand die Zusammenarbeit mit dem Ortsteil Flatow immer positiv. Die Leute in Flatow profitieren von allen großen Investitionen in Kremmens Infrastruktur.

Die Sommerfelder wünschen sich ein neues Bürgerhaus. Angesichts der großen Kremmener Projekte, besteht doch da aber gerade auch keine Chance, oder?
Ich arbeite mit dem Ortsvorsteher Kurth eng zusammen, und er hat es realistisch dargestellt. Wir hatten zwei Orte im Fokus, der Wunschort des Beirates ist nicht genehmigungsfähig. Vielleicht klappt so was in den nächsten zehn bis 20 Jahren, auch in Verbindung mit einer neuen Feuerwache nahe des Sommerfelder Sportplatzes. Momentan ist ja alles da, und die Gaststätten, wo man sich treffen kann, müssen ja auch von etwas leben.

Ihr Parteikollege Frank Bommert setzt sich für eine Öffnungsstrategie ein, für einen Test, wie auch in Coronazeiten Theater und Restaurants wieder öffnen könnten. Könnten Sie sich vorstellen, sich mit der Stadt Kremmen an einem solchen Test zu beteiligen?
Wir sollten hier zu einer Modellregion werden. Ich unterstütze das überall, wo ich kann. Ich sehe hier in Kremmen ganz klar die Gastro- und Beherbergungsbetriebe, auch unser Scheunenviertel mit dem Theater. Wer einen negativen Test vorliegen hat, sollte die Möglichkeit haben, sich zu erholen, essen zu gehen oder Kultur zu erleben. Ich kann den Landrat nur ermutigen, den nächsten Schritt zur Normalität zu wählen! Wir haben seit dem ersten Lockdown nicht viel geschafft.

Angesichts des Regel-Wirrwarrs rund um die Corona-Pandemie kündigte Leegebruchs Bürgermeister Martin Rother kürzlich den Austritt aus der CDU an. Können sie das nachvollziehen?
Ich habe wirklich gezweifelt, als der Donnerstag vor Ostern ein Ruhetag werden sollte. Aber ich werde deshalb jetzt nicht aus der CDU austreten. Die CDU ist in anderen wichtigen Punkten für mich ein Eckpfeiler. Ich versuche immer, das Ganze zu sehen.

Wird es ein Erntefest 2021 geben?
Ja. Abgespeckt. Daran arbeiten wir gerade. Es wird in diesem Jahr was geben. In welcher Größenordnung weiß ich noch nicht.

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Früher hatte jedes Dorf seine Ladenstraße

Sonntag, den 28. März 2021
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Wer wissen möchte, welchen wirtschaftlichen Kahlschlag die Wende in Ostdeutschland mit sich gebracht hat, muss nur mal durch die vielen Dörfer spazieren und sich erzählen lassen, an welchen Stellen welche Geschäfte waren.

In den vergangenen zwei Wochen habe ich in Kremmen und Umgebung die Kleinstadt und sieben Dörfer besucht. Dazu gehörte ein kleiner Spaziergang durch den Ort, und oft war jemand dabei, der oder die den Ort schon länger kannte und mir erzählt hat, was früher im Ort so los war.

In Sommerfeld zum Beispiel. An der Dorfstraße gibt es noch eine kleine Gaststätte und einen Getränkehandel. Früher gab es dort eine Post, mehrere Gaststätten, ein Haushaltswarengeschäft, ein Bäcker und noch einiges mehr. Es ist und war ein kleines Dorf, aber es gab dort in der DDR eine Infrastruktur.
Ähnlich in Beetz. Dort gibt es in der Dorfstraße praktisch kein Geschäft mehr. Zu DDR-Zeiten waren auch dort mehrere Gaststätten, zwei (!) Fleischer, ein Bäcker, ein Konsum – und und und. Immerhin gibt es dort heute noch die Grundschule mit einer Turnhalle.
Die Kremmener Altstadt war früher ein sehr wirtschaftlicher Ort. Läuft man durch die Straßen, dann erfährt man, was es dort alles gab. Ebenfalls diverse Kneipen, mehrere Bäcker, Fleischer, Schuster, Konsumläden und so weiter. Die Altstadt war mal ein Ort, an dem viel los war. Heute wohnen dort immer noch viele Leute, es gibt auch noch einen Friseur und einen Partyservice – da hört es aber schon langsam auf. Die restlichen, noch aktiven Läden befinden sich nur noch an den Hauptstraßen und auf dem Marktplatz.
In Staffelde gibt es noch einen Fleischer. Aber der Konsum ist weg, mehrere Gaststätten – und so weiter.
In Groß-Ziethen gab es auch einen Konsum, mehrere Gaststätten, ein Ärztehaus, sogar einen Tanzsaal. Es ist nur noch der Bäcker übrig, und immerhin gibt es dort noch das Schloss Ziethen.
Selbst im kleinen Ludwigsaue, 100 Einwohner, gab es früher eine Post, eine Schule, einen Konsum. Dort allerdings starb das meiste alles schon vor der Wende aus.

Vermutlich würde man das in so ziemlich allen Dörfern erfahren, in denen man unterwegs ist. Und sicherlich gibt es auch im Westen Deutschlands Orte, in denen ein wirtschaftlicher Kahlschlag stattgefunden hat. Aber dass in jedem Kremmener Dorf Geschichten vom Niedergang der Konsumwirtschaft nach dem Ende der DDR erzählt werden, ist bemerkenswert und traurig.
Natürlich hat der Niedergang viele Gründe. Nach der Wende verlagerte sich der Konsum in die Städte, in denen es mehr und billigere Produkte gab. Alles sollte besser, westlicher werden. Da konnten die Dörfer offenbar nicht mithalten.
Heute braucht man nicht mehr davon zu träumen, die Dörfer auf diese Art wiederzubeleben. Selbst Handelsketten überlegen knallhart, wo sie Märkte eröffnen und wo nicht.

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Sommerfeld grüßt seine Gäste mit dem Land-Lädchen

Dienstag, den 23. März 2021
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Dorf-Spaziergang: Der Friedhof ist der wohl höchste Punkt des Ortes – an der Dorfstraße gibt es viel Vergangenes zu sehen, aber es tut sich auch einiges

MAZ Oberhavel, 23.3.2021

Sommerfeld.
Normalerweise ist der Friedhof eines Ortes nicht gerade der Ort, zu dem man besonders gern geht. Aber der Sommerfelder Friedhof hat etwas Besonderes an sich: Denn er liegt so hoch, dass man erst mal ordentlich bergauf läuft, wenn man das Gelände an der Kremmener Straße betritt. Es könnte der höchste Punkt des Dorfes sein, blickt man sich um, hat man einen sehr schönen Ausblick auf Sommerfeld. Auf die Felder, auf die Häuser, auf die Kirche.
Aber natürlich ist der Friedhof auch mit Erinnerungen verbunden. Ortsvorsteher Jürgen Kurth blickt auf den Grabstein von „Munne“ Weißbrich. „Sie war stellvertretende Leiterin der Feuerwehr, sie war Chormitglied und hatte ein großes Herz für Tiere.“ Eine prägende Persönlichkeit. Sie fehlt nun in Sommerfeld.

Wir verlassen den Friedhof wieder und laufen an Webers Eck vorbei. Der Gebäudekomplex verfällt mehr und mehr – nicht wirklich ein Hingucker. Aber das soll sich ändern. Auf dem Gelände sollen bald neue Gebäude mit Wohnungen und Gewerberäumen entstehen. Die Sommerfelder warten seit langer Zeit darauf.

Harald Schmidt lebt seit 1960 im Dorf. „Meine Frau ist gebürtige Sommerfelderin, und durch die kam ich hierher“, erzählt er. „Eigentlich bin ich schnell heimisch geworden. Das liegt auch an den Menschen hier, an den Sportvereinen. Ich habe damals einen Tischtennisverein gegründet, den gab es bis nach der Wende.“ Er war einst Mitglied im Ortsbeirat und auch im Gemeindekirchenrat. „In der Kirche war ich immer sehr engagiert, damals haben wir auch das Kirchendach saniert.“ Ortsvorsteher Jürgen Kurth ergänzt: „Er war auch im damaligen Gemeinderat, als der Wohnpark gebaut worden ist. „Am liebsten bin ich im Wald“, sagt Harald Schmidt. „Ich gehe über die Straße und bin schon im Wald. Man kann auch runtergehen zum Beetzer See, einen Rundgang dort finde ich sehr gut“, so der 83-Jährige. Er mag auch die Weinschmiede, das neue Hofcafé und das italienische Lokal im „Alten Hof“. „Es gibt hier ja wirklich Möglichkeiten.“ Auch sei die Klinik für den Ort eine gute Sache. „Viele Sommerfelder arbeiten dort.“
Harald Schmidt hat schon mehrere Bücher rausgebracht, mit Geschichten, Anekdoten und Erinnerungen. „Im Moment bin ich aber ein bisschen gehandicapt.“ Trotz diverser OPs sei er aber im Kopf immer noch gut drauf und momentan auch fit.

Der Spaziergang führt weiter entlang der westlichen Dorfstraße. Sie zeugt davon, dass Sommerfeld mal mehrere Läden und Gasthäuser hatte. „Hier war mal ein Motorradhandel drin“, sagt Jürgen Kurth am verfallenen „Webers Eck“. „Drüben, im gelben Haus, war ein Industriewarenladen.“ Die hölzerne Leiter, die er dort damals gekauft hat, habe er heute noch. In der Nummer 44a war Bäcker Lehmann drin. Immerhin gibt es noch den Getränkehandel und gegenüber die Weinschmiede. „Hinter dem Spielplatz war mal das Postamt.“ Der Spaziergang in Sommerfeld ist auch immer ein Blick zurück. Mit dem Neubau an der Kremmener Straße/Dorfstraße könnte sich das endlich ändern.

Plötzlich meldet sich beim Spaziergang eine weibliche Stimme. Wir bleiben stehen, eine Frau lehnt sich aus dem Fenster ihres Hauses. „Wir möbeln gerade unsere Wohnung auf“, sagt Monika Altmann. Ob wir denn mitmalern wollen? War natürlich nicht ganz ernst gemeint. „Es ist hier ruhiger als in der Stadt“, sagt sie. „Wir sind ja ausgewanderte Berliner. Es ist hier nicht so schmutzig, und ich genieße natürlich den Platz, den man hier hat.“

Wir laufen weiter, zurück in Richtung Kirche. Sommerfeld hat noch mehr zu bieten. Die Kita ist ausgebaut und hübsch, und wenn man bis ans Ende des Löwenberger Weges läuft, dann steht man mitten im Wald und kann die Natur genießen. Und die Stille.

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Wo kommt denn nun das Ortsschild hin?

Dienstag, den 29. Dezember 2020
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Nachfragen an den Landkreis Oberhavel – ausgehend von der Diskussion am Schäferweg in Vehlefanz

MAZ Oberhavel, 29.12.2020

Oberkrämer/Kremmen.
Wo beginnt eigentlich eine Ortschaft? Und an welcher Stelle muss ein Ortsschild aufgestellt werden – und wo kann es auf keinen Fall stehen? Die Antworten sind mitunter verwirrend, und am Beispiel Schäferweg in Vehlefanz ist zu sehen, dass sie auch für Kopfschütteln sorgen können.

Im ausgebauten Schäferweg steht nun am Sportplatz ein Ortsausgangsschild – dort endet laut Beschilderung Vehlefanz. Ein paar hundert Meter weiter stehen dann aber doch ein paar Häuser, und deshalb wurde dort eine grüne Ortstafel „Koppehof“ aufgestellt. Allerdings: Grüne Ortstafeln bringen kein Tempo-50-Limit mit sich. Das ärgert die Bewohner – denn sie verstehen nicht, warum das Areal nun keine „echte“ Ortschaft sein soll.
Irina Schmidt, Pressesprecherin der Oberhaveler Kreisverwaltung, schreibt dazu: „Wo sich ein Ortsein- oder -ausgang befindet, regelt insbesondere die VwV-StVO zu § 42.“ VwV-StVO bedeutet übrigens Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung. „Sie gibt als zusätzliche klare Maßgabe vor, dass das Zeichen ohne Rücksicht auf Gemeindegrenzen und Straßenbaulast nur dort anzuordnen ist, wo ungeachtet einzelner unbebauter Grundstücke die geschlossene Bebauung auf einer der beiden Seiten der Straße für den ortseinwärts Fahrenden erkennbar beginnt. Es kommt also nicht darauf an, dass eine durchgängige Bebauung vorliegt, sondern es muss sich vielmehr um eine geschlossene Bebauung handeln.“
Nun hat man aber offenbar festgestellt, dass es in Koppehof genau diese geschlossene Bebauung gibt und diese einen funktionalen Bezug zur Straße habe. „Nach uns erst jetzt von der Gemeinde vorliegenden Aussagen ist das bei der Siedlung Koppehof gegeben“, so Irina Schmidt. Eine Aussage die verwundert, da es vorher aus der Verwaltung in Oberkrämer hieß, es habe mit allen Entscheidern eine Begehung der Straße gegeben.

Nun soll das gelbe Vehlefanzer Ortsschild jedenfalls vom Sportplatz in Richtung des Bahnübergangs versetzt werden. Dirk Eger, der Chef des Bauamtes in Oberkrämer, ist skeptisch: „Die vom Landkreis nunmehr vorgeschlagene Lösung für den Schäferweg sehen wir nicht unkritisch.“ Hintergrund könnte sein, dass es auch dann immer noch Grundstücke gebe, die im Bereich ohne ausgeschildertem Tempolimit lägen. „Da aber eine verkehrsrechtliche Anordnung nicht für alle Zeit in Stein gemeißelt ist, kommen wir der Bitte des Landkreises nach und werden einen dementsprechend geänderten Beschilderungsplan dort zur Genehmigung einreichen.“ Bedeutet offenbar: Der Landkreis gibt vor, was geht, und dann muss die Gemeinde einen entsprechenden Antrag einreichen, damit der Landkreis sagen kann, dass das gehe. „Mit einigem Interesse sehe ich dann den Reaktionen der Vehlefanzer Bürgerinnen und Bürgern entgegen“, sagt Dirk Eger.

Warum nicht einfach die grüne Koppehof-Ortstafel durch ein Tempo-50-Schild ergänzt werden kann, begründet Irina Schmidt so: Das könnte nur aufgrund von Verkehrsbeobachtungen oder Unfalluntersuchungen dort angeordnet werden, „wo ein vernünftiger umsichtiger Verkehrsteilnehmer selbst bei entsprechender Aufmerksamkeit nicht erkennen kann, dass eine bestimmte Strecke oder Stelle nur mit einer verminderten, als die zulässige Geschwindigkeit befahren werden darf. Der Fahrzeugführer hat sein Fahrverhalten den örtlichen Gegebenheiten anzupassen“.

Bezugnehmend auf die Regelung, wo denn Ortsschilder stehen können und wo nicht, gibt es in Oberkrämer und Kremmen weitere Beispiele, die zu Nachfragen führen. Im Gustav-Büchsenschütz-Weg in Eichstädt-Ausbau ist die gepflasterte Straße recht schmal, die Grundstückstore befinden sich sehr dicht an der Fahrbahn. Trotzdem steht dort nur eine grüne Ortstafel – allerdings zusätzlich mit einem Tempo-70-Schild. Schon vor einiger Zeit hatte Eichstädts Ortsvorsteher Dirk Ostendorf angemerkt, dass er das für viel zu viel halte – und in der Tat muss man sich das erst mal trauen, mit Tempo 70 durch Eichstädt-Ausbau zu donnern. Es handele sich um eine Einzelfallentscheidung, sagte Irina Schmidt. „Die Wahl der Geschwindigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel Lage der Örtlichkeit, Unfallgeschehen, Verkehrsaufkommen, Gefahrenlage. Die Straßenverkehrsbehörde wird Ihren Hinweis aufgreifen und sich die Örtlichkeit demnächst ansehen.“
Bauamtschef Dirk Eger erinnert sich, dass Tempo 70 dort der kleinste gemeinsame Nenner gewesen sei, er sei auch nicht glücklich über dieses Tempolimit.

Anderes Beispiel: Hohenbruch hat auf der Landesstraße 191 in Höhe Johannisthal ein gelbes Ortsschild, trotz sehr luftiger Bebauung, links sind nur Felder. „Es ist eine einseitige, geschlossene Bebauung vorhanden, die einen Funktionalitätsbezug zur Straße aufweist. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt dort 60 km/h“, erklärt Irina Schmidt. Die geschlossene Bebauung besteht aus Feldern und Pferdehöfen, rein optisch ist die Bebauung loser als in Koppehof.

In Sommerfeld steht das gelbe Schild von Hohenbruch kommend vor dem Wohnpark, an der Straße gibt es bis auf ein einzelnes Grundstück keine Bebauung, nur die Wohnpark-Ausfahrt. Irina Schmidt: „ Die Lage der Ortstafel resultiert aus einer Weisung des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung von vor rund zehn Jahren.“

Diese Beispiele zeigen, dass in Sachen Standorten von Schildern und Anweisungen von Tempolimits scheinbar durchaus Spielräume bestehen. Dirk Eger vom Bauamt in Oberkrämer geht auch davon aus, dass die Umsetzung des Schildes in Vehlefanz noch nicht das Ende der Geschichte sein könnte.

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Chronik Kremmen 2020

Donnerstag, den 24. Dezember 2020
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MAZ Oberhavel, 24.12.2020

Januar:
Kremmens Stadtbrandmeister Gerd Lerche verabschiedet sich Anfang Januar von seiner Aufgabe. Doch so ohne Weiteres wollen ihn die Kameraden nicht „entlassen“. Der Einsatz auf dem Sommerfelder Sportplatz entpuppt sich für Gerd Lerche dann als Abschieds- Überraschungsparty. +++ Zu wenig Platz in der Stadtparkhalle: An der Kremmener Goethe-Grundschule werden die Sportstunden gekürzt. +++Marcel Steinke ist neuer Jugendbeauftragter. +++ An der Goethe-Oberschule gibt es einen Krätze-Fall. +++ Familie Glanzer wird im eigenen Lokal in Staffelde überrascht. Denn die Freunde der Gaststätte und der Familie wollen zum Abschied ein zünftiges Überraschungsfest veranstalten. Nach 23 Jahren geben Glanzers die „Tenne“ auf, einen Nachfolger haben sie nicht finden können. +++ Zum Neujahrsempfang kommen 300 Gäste. +++ Hauptamtsleiterin Bianca Haak verlässt die Verwaltung.

Februar:
Um die Sirene in Groß-Ziethen gibt es eine Diskussion. Sie schallt direkt auf den Hof einer Anwohnerin. +++ Simone Bahr und Wolfgang Engel sind die neuen Vorsitzenden des Seniorenbeirates. +++ Bei Hohenbruch stirbt ein Mann bei einem Autounfall. +++ Der langjähriger Flatower Wehrführer Ewald Werder ist gestorben. +++ In der Kremmener Spargelscheune feiern die Treckerkerls ihr zehnjähriges Bestehen. Aus einer Bierlaune heraus wird die Spaßgruppe 2010 gegründet.

März:
Vom Sommerfelder Klinik-Gelände werden 16 Bienenvölker gestohlen. +++ Heidi Sommer ist neue Gleichstellungsbeauftragte. +++ Musiklehrer und Musiker Ulf Gruber aus Beetz ist gestorben. +++ Frank Bommert (CDU) tritt als Stadtverordneter zurück. +++ Die Poststelle wird geschlossen, weil die Kunden die Corona-Regeln nicht einhalten. +++ Die Staffelder Naturkita schließt. +++ Das Coronavirus sorgt für Einschränkungen. Schulen und Kitas müssen schließen. Das Seniorenfest wird abgesagt.

April:
Am Rathaus ist ein Banner befestigt worden: „Kremmen ist diszipliniert, motiviert, dankbar … und hält Abstand“. +++ Am Spargelhof Kremmen öffnet ein Spargel-Drive-In. Wegen der Pandemie darf das Restaurant nicht öffnen. +++ Das Erntefest wird abgesagt – Corona. +++ Der Jugendclub verlagert seine Aktivitäten ins Internet. +++ Es gibt keine Osterfeuer.

Mai:
Die Sommerfelder Badestelle ist saniert worden. +++ Vier tote Storchenbabys in Kremmen sorgen für Trauer. +++ Katharina Neumann ist neue Betreiberin der „Alten Lebkuchenfabrik“ in Kremmen.

Juni:
Diskussion um die Badestelle am Kremmener See. Der Steg darf nicht mehr benutzt werden, die Öffnungszeiten werden stark eingeschränkt – der Betreiber muss Rettungsschwimmer bereitstellen. +++ Ministerin Julia Klöckner kommt auf den Spargelhof.

Juli:
Der FC Kremmen wird 100 – kann aber nicht feiern. +++ Die Sommerfelder Kitaleiterin Elke Schilling und ihre Beetzer Kollegin Anita Hahn gehen in den Ruhestand. +++ Der Heimatverein Groß-Ziethen löst sich auf. +++ Der Grundstein für den Kremmener Kita-Anbau wird gelegt.

August:
Im alten Aldi-Markt öffnen die Beekeepers. +++ Tina Tischendorf ist neue Pächterin im Sommerfelder Café Hofkultur. +++ Der ehemaliger Groß-Ziethener Ortsvorsteher Lutz Dubrow ist gestorben. +++ Bei Flatow stirbt ein Mann bei einem Verkehrsunfall.

September:
In Flatow herrscht Unzufriedenheit über die Qualität der Denkmal-Sanierung. +++ Bei Kremmen wird ein Teilstück der sanierten A 24 freigegeben.

Oktober:
Auf dem ehemaligen NVA-Gelände im Beetzer Wald findet im Bunker eine illegale Partys statt. Daraufhin wird beschlossen, den Bunker zu sichern, so dass er nicht mehr betretbar ist. +++ Das Asylbewerberheim in Kremmen ist leergezogen. Nun beginnt der Umbau zu Mietwohnungen. +++ Jan Rawitzer (14)aus Sommerfeld hat es ins Radio geschafft. Der Schüler des Veltener Hedwig-Bollhagen-Gymnasiums hat sich ein ganz besonderes Praktikum rausgesucht. Er schickt eine Bewerbung zum Berliner Radiosender Star FM – und bekommt den Zuschlag dafür. Er darf sich zwei Wochen lang nicht nur in der Redaktion umsehen und an vielen Stellen mithelfen. Er geht auch on Air, ist mehrfach im Radio zu hören. +++ Der Gehweg in der Kremmener Straße der Einheit ist saniert. +++ Das Beetzer Kirchenbüro schließt.

November:
Die evangelische Gemeinde eröffnet das neue Gemeindehaus. +++ Zwei Klassen der Goethe-Grundschule lernen jetzt im Container. +++ Die Feuerwehr bekommt ein neues Drehleiterfahrzeug gesponsert.

Dezember:
Der musikalische Adventskalender der Goethe-Grundschule wird online veranstaltet. +++ In Kremmen wird der neue Lidl-Markt eröffnet.

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Praktikant am Radio-Mikrofon

Samstag, den 10. Oktober 2020
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Jan Rawitzer (14) aus Sommerfeld durfte für zwei Wochen bei Star FM arbeiten

MAZ Oberhavel, 10.10.2020

Sommerfeld.
Seit er acht Jahre war, hört Jan Rawitzer den Sender Star FM. Zum Einschlafen hörte er oft die „Heavy Hour“, die Heavy-Metal-Sendung des Berliner Radiosenders, wie er erzählte. Inzwischen ist der Sommerfelder 14, und in den vergangenen zwei Wochen konnte er bei Star FM sein Schülerpraktikum absolvieren – und war sogar mehrfach on Air, also am Mikrofon im Radio zu hören.
„Es hat mir super gut gefallen“, sagte der Schüler des Veltener Hedwig-Bollhagen-Gymnasiums am Freitag. Bei einem „Tag der offenen Tür“ hatte er erfahren, dass beim Sender auch Praktika möglich sind. Daraufhin hatte er sich dort beworben – und wurde angenommen. Für zwei Wochen durfte er dort arbeiten, am Freitag war sein letzter Tag.

Los ging es für ihn immer gegen 8 Uhr, dafür musste er in Sommerfeld das Haus um 6.30 Uhr verlassen, um die Bahn in Sommerfeld zu bekommen. Am ersten Tag bekam er einen Einarbeitungszettel und lernte die Kollegen kennen – und durfte schon gleich ans Mikro. In der Sendung „@Work“ ging es um die Ausbildungsinitiative, „da wurde ich gefragt, was ich später mal machen möchte“, erzählt Jan Rawitzer. Im „Breakfast Club“ durfte er in den folgenden Tagen auch öfter ans Mikro. Auch konnte er das Wetter moderieren.

Er war nach den Radioauftritten mit sich selbst sehr zufrieden, sagt er. „Ich fand mein Auftreten nicht aufgeregt.“ Auch Programmdirektor Jan Seifert ist zufrieden mit seinem Praktikanten. „Er war in der Redaktion, hat sich um Themen gekümmert, hat sie recherchiert, mit Hörern telefoniert und sich auch um die Gewinnspiel-Abwicklung mitgekümmert.“
Jan Rawitzer findet es schade, dass das Praktikum jetzt vorbei ist. Im Laufe der zwei Wochen konnte er sich in den verschiedenen Bereichen des Radiosenders umsehen – aber die unmittelbaren Sendungen, die fand er am spannendsten.

Seine Mutter, Andrea Rawitzer, ist stolz auf ihren Sohn. „Er hat da angerufen und sich beworben.“ Das habe ihr imponiert. Es sei gut gewesen, dass das Praktikum auch in Coronazeiten stattgefunden habe, immerhin sei die Jugendweihe-Feier wegen Corona ausgefallen, auch die geplante Englandfahrt musste gecancelt werden. Ihren Sohn im Radio zu hören, „ist drollig“.
Von seinen Mitschülern hat der 14-Jährige bislang keine Rückmeldung bekommen. „Aber die sind ja am Vormittag auch unterwegs im Praktikum“, sagte er. Um seine zwei Wochen zu dokumentieren, muss er für die Schule nun eine Belegarbeit schreiben.

Was er später mal machen möchte, weiß er noch nicht. „Da habe ich noch keinen richtigen Plan, Spaß gemacht hat es hier beim Sender aber auf jeden Fall.“ Seine Lieblingsfächer in der Schule: Mathematik, Physik, Informatik.

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Besuch? Ist nicht vorgesehen!

Donnerstag, den 24. September 2020
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Kleiner Tipp für Besucher des Sommerfelder Wohnparks: Komme mit dem Bus. Oder mit dem Rad. Oder mit dem Flugzeug. Komme aber keineswegs mit dem Auto. Besucher, die mit dem Auto kommen, sind im Sommerfelder Wohnpark schlicht nicht vorgesehen.
Schon an der Einfahrt in diesen Bereich warnt ein Schild, dass man doch bitte nicht auf Grünflächen parken solle. Und auch nicht hier und bloß nicht dort. Man könnte auch zusammenfassend sagen: Parkt am besten gar nicht.

Ich hatte in dieser Woche einen Termin in der Lindenallee, und ich hatte mein Auto – mangels Parkfläche – auf dem Gehweg abstellt. Natürlich mit schlechtem Gewissen (ein bisschen). Sogleich wurde ich darauf hingewiesen, dass bestimmt gleich das Ordnungsamt komme und mein Auto mit einem Knöllchen versehen werde.
Ich durfte dann in die Einfahrt und mein Auto dort parken.

Ich weiß, Wohnraum ist teuer, aber muss man wirklich alles so eng planen, dass Besucher außen vor bleiben? Dass Straßen so schmal sind, dass man nirgendwo eine Chance hat, zu parken? Oder wenigstens am Rand des Parks für entsprechende Flächen zu sorgen?

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