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Rügen 2018 (16): Cujo

Mittwoch, den 8. August 2018
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(15) -> 7.8.2018

Sonntags ist Trödelmarkt auf dem Parkplatz an der B196 im Ostseebad Sellin. Es war diesmal sogar ziemlich voll, sowohl was die Zahl der Händler angeht, als auch die Zahl der Besucher.

Eigentlich bin ich ja kein Trödelmarktgänger. Ich frage mich ja immer, wer Klamotten kauft, die schon ziemlich ramponiert aussehen und nun auf irgendeiner Decke rumliegen. Oder uralte Videokassetten. Oder Musikkassetten, die teilweise ohne Hülle in der Sonne rumliegen. Was will man von diesen Teilen noch erwarten?
Schallplatten finde ich immerhin noch ansatzweise interessant, weil ich jemanden kenne, der sie sammelt und hört.

Bei meinem Rundgang lachte mich dann aber ein Buch an. Es war der Roman “Cujo” von Stephen King. Der Roman war meine King-Premiere, irgendwann in den frühen 90ern, hatte ich ihn mir aus der Oranienburger Bibliothek ausgeliehen.
Ich warf also einen Blick auf das Buch – ging aber erst mal weiter.
Auf dem Rückweg blieb ich noch mal stehen. Das Buch war aus den späten 90ern, es kostete damals gerade mal 8 D-Mark, und es stand schon der Hinweis darauf, dass es nach der Umstellung 4 Euro kosten wird. Wahnsinn. Heute gibt es kaum noch Taschenbücher, die unter 10 Euro kosten.

Ich fragte die Verkäuferin, was sie denn für das schon leicht vergilbte Buch haben möchte. Ihre Antwort: 2 Euro. Das erschien mir für ein Buch mit dem 4-Euro-Neuwert vor 20 Jahren ziemlich viel. Ich bot ihr einen Euro an – sie verneinte. Ich hätte ihr jetzt natürlich 1,50 Euro anbieten können. Sie hätte das auch machen können.
So aber blieb “Cujo” liegen. Irgendwie schade. Aber irgendwie auch nicht.

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Rügen 2018 (8): Da, wo mal der Sand von Rügen war

Dienstag, den 3. April 2018
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(7) -> 2.4.2018

Es muss 2002 gewesen sein. Die Sängerin Gaby Rückert trat in Baabe auf Rügen auf, und wir waren dabei. Das Konzert fand auf einer leicht hügeligen Wiese mit einem kleinen Wäldchen statt – am Ende der Hauptstraße, kurz vor dem Strand.
Der Freund, mit dem ich da war, kannte mehrere Songs von ihr, und dadurch bin ich mit dem wunderschönen Lied “Berührung” in Berührung gekommen. Und mit ihrem Lied “Der Sand von Rügen” – das hat sie damals auch dort gesungen, natürlich mit dem Hinweis, dass sie das ja auf Rügen besonders gern singen würde.

2018. Das Gelände in Baabe gibt es nicht mehr. Wieder verschwindet eine Baulücke. Die Bäume sind gerodet, die Wiese verschwunden und die Hügel sind eingeebnet.
An der Ecke Hauptstraße/Am Kurpark entstehen neue Häuser – Appartements für Touristen. In der Ferne – in Richtung des ehemaligen Zeltplatzes – sieht man solche Häuser schon, und es werden mehr. Die ganze Ecke ist dann zugepflastert mit den großen hellen Hausklötzen. Wie es Baabe überhaupt versäumt hat, entlang der ersten Reihe eine vernünftige Bäderarchitektur zu schaffen. Am Kurpark stehen jetzt schon beliebig aussehende Klötze.

Und apropos verschwundene Baulücken. Direkt an der Seebrücke von Sellin ist nun gegenüber des Kurhauses ein neues Hotel eröffnet worden. Auch so ein weißer Klotz, aber immerhin zumindest ansatzweise zur Architektur passend.
Auch an der Schillerstraße in Binz ist in den vergangenen Monaten ein neues Wohn- und Geschäftshaus eröffnet worden. In der Hauptstraße dagegen steht der ehemalige Bäcker schon länger leer, und ich bin gespannt, ob da was Neues reinkommt oder ob das Ding komplett weggerissen wird.

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Rügen 2018 (7): Durch den Winterwunderwald

Montag, den 2. April 2018
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(6) -> 1.4.2018

1. April, und es schneit. Und hört nicht mehr auf. Binz verwandelte sich zu Ostern noch einmal in ein Winterwunderland.
Rechtzeitig zum Beginn unseres Tagesausfluges stellte dann auch die Bäderbahn den Betrieb ein. Auf dem Schneematsch wären die Fahrten wohl zu gefährlich geworden. so mussten wir im Schneetreiben über den Binzer Klünderberg zum Bahnhof des Rasenden Roland laufen.

Überall auf Rügen ist Ostersonntag wohl der Bahnverkehr eingestellt gewesen – nicht so zwischen Lauterbach und Göhren. Der Rasende Roland, die Kleinbahn auf Rügen, fuhr.
Die Frau vom Fahrkartenverkauf musste zwischendurch raus zum Schneeschippen. Schließlich sollte gleich der nächste Zug einrollen, und da musste der Bahnsteig einigermaßen frei sein.

Der Zug rollte dann in die Granitz, in den Winterwunderwald. Es schneite noch immer. Alles war weiß – die Felder, die Hänge, die Bäume und die zugefrorenen Tümpel. Am Bahnhof vom Jagdschloss Granitz standen Leute, auf denen sich auf den Kapuzen Schnee sammelte.
In Sellin schienen wir in eine wärmere Zone gefahren zu sein. Der Schnee stand nicht mehr ganz so hoch, es war mehr Matsch als noch in Binz zu sehen.
Als der Zug Göhren erreichte und wir dann zum Strand liegen, pfiff uns der Schnee um die Ohren. Die Ostsee toste mit riesigen Wellen auf den Strand zu. Der war sehr viel schmaler als sonst, das Beachvolleyballfeld war zu einem Viertel im Wasser verschwunden.
Schneesturm, wilde See – ein Wetter wie im tiefsten Winter. Anfang April! Aber ein tolles Erlebnis. Trotzdem oder gerade deshalb.

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Rügen 2018 (6): Sturm statt Feuer

Sonntag, den 1. April 2018
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(5) -> 31.3.2018

Es ist ein Fluch. Ein Wetterfluch. Am Rosenmontag 2016 war ich in Altlußheim in Baden-Württemberg, um mir den Karnevalsumzug anzusehen. Er fiel aus, weil es stürmte und regnete.
Ostern 2018: Wir sind nach Binz gefahren, weil es dort immer am Ostersonnabend am Stand die Osterfeuermeile gibt – 24 Feuerchen. Soll immer ganz toll sein. Aber stattdessen: Sturm und Schnee. Die Meile wurde abgesagt.
Frustrierend.

Andererseits ist es aber auch schön, die Ostsee mal wieder so richtig tosend zu erleben. Momentan rollen auf den Binzer Strand ordentliche Wellen zu, es rauscht ganz ordentlich. Einige Wellensurfer nutzen die Chance, um sich in die… ähm, auf die Wellen zu stürzen.
Der Schiffsverkehr zu den Seebrücken ist eingestellt.

In Sellin haben sie ein paar Wellenbrecher vor der Seebrücke installiert, so rollen im direkten Umfeld nicht die ganz großen Wellen heran.
In Baabe gibt es diesen Schutz nicht, dafür aber Schilder, die auf den höchsten Wasserstand der Ostsee hinweisen. Mitte der 90er muss die See mal ordentlich gedrückt haben.

In der Nacht zum Ostersonntag schneit oder regnet es in Binz immer abwechselnd. Angeblich sollen bis zum Vormittag ein paar Zentimeter runterkommen. Ich bin gespannt. Frohe Weih…, äh, Ostern!

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Rügen 2017 (19): Dingsbums lässt schön grüßen

Donnerstag, den 16. November 2017
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(18) -> 15.11.2017

Zwei Damen betreten den Wellnessbereich des Hotels in Sellin. Am Tresen lehnt sich eine von ihnen – sie sind um die 60 – mit dem Oberkörper auf die Tischplatte. Sie fragt die junge Frau hinterm Tresen, ob denn der Hans da sei. Die Mitarbeiterin bejaht das. “und die Claudia, ist die auch noch da? Und die Judith?” Die Mitarbeiterin schaut irritiert, lächelt dann und sagt, dass nur der Hans noch hier arbeite, er sei derjenige, der auch am längsten da sei. “Ich soll nämlich den Hans schön grüßen!”

Und dann kommt er auch schon, der Hans. Hans kennt die Frau nicht, die da halb auf dem Tresen liegt. “Ich soll sie von Britta grüßen!” Hans reagiert nicht, er kann sich scheinbar an keine Britta erinnern. “Na, die Britta, die vor vier Jahren ihre Ausbildung hier gemacht hat.” Hans überlegt weiter, fragt nach dem Nachnamen, und die Frau nennt ihm ihn. So ganz kann sich Hans aber immer noch nicht erinnern, und die Grüßende erzählt ihm, Brittas weitere Geschichte und wo sie nun gelandet ist – in ihrem Geschäft nämlich.
Hans ist höflich, deshalb fällt ihm auch bald ein, wer diese Britta ist, und er hört sich sehr geduldsam an, was die Frau ihm noch alles über diese Britta zu sagen hat.

Ich stehe die ganze Zeit dahinter, weil ich eigentlich auch noch eine Frage habe, aber die Frau, die halb auf dem Tresen liegt, muss die Britta-Geschichte noch loswerden. Sie fühlt sich offenbar, als würde sie zur Selliner Wellness-Familie gehören. Vielleicht hatte sie auch einfach nur Redebedarf.

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Rügen 2017 (17): Der Sänger und sein ignorantes Publikum

Dienstag, den 14. November 2017
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(16) -> 23.7.2017

Sonnabend, zur Primetime. Im Hotel in Sellin hat ein junger Sänger seinen Auftritt. Erstaunliche drei Stunden – mit zwei Pausen – wird er Songs spielen. Eigene und gecoverte.
Ich vermute mal, dass das ganz gut bezahlt wird, und eventuell wird ihm ja auch das Hotelzimmer gezahlt. Aber vor einem Hotelpublikum zu spielen, ist sehr hartes Brot.

Es ist 22.45 Uhr, als ich dazu stoße. Ich setze mich ein wenig an den Rand. Der junge Mann spielt, und es klingt gut. Aber längst nicht alle hören zu. Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe Frauen. Sie hören nicht im Ansatz zu, sie sind ins Gespräch vertieft. Flüstern scheint auch irgendwie aus der Mode gekommen sein. Die Frauen stören, und es interessiert sie nicht. Als zwei der Frauen aufstehen und gehen wollen, verabschieden sie sich lauthals und verabreden sich für morgen. Ist das Ignoranz? Verachtung? Auf jeden Fall unverschämt.
Andere Leute gehen mitten im Lied. An anderen Tisch branden immer wieder lautere Gespräche auf.

Viele der Leute sehen den jungen Mann nur als Hintergrundgeräusch, und das ist repektlos. Aber so läuft das wohl, wenn man sich in den Hotelsessel fläzt, nicht für den Künstler zahlen muss und dann einfach mal losquatscht – und sich vielleicht noch von der Live-Musik gestört fühlt.

Als das Konzert kurz nach Mitternacht zu Ende ist, sitzen noch ein gutes Dutzend Menschen da. Der Musiker hat es tapfer zu Ende gebracht, und ich vermute mal, er wird an seine hoffentlich gute Gage gedacht und den Rest ausgeblendet haben.

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Katharina Peters: Leuchtturmmord

Freitag, den 28. April 2017
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(4) -> 18.5.2016

Schon wieder ein Mord auf Rügen: Am Leuchtturm in Maltzien auf der Halbinsel Zudar wird eine junge Frau gefunden. Es ist Merle Zober aus Putbus, sie war zweifache Mutter und gerade mal 28 Jahre alt.
Kommissarin Romy Beccare und ihr Team fischen im Dunkeln – zunächst. Sie finden heraus, dass die Frau ein Verhältnis mit einem Mann hatte, der Kontakte ins Rotlichtmilieu hat.
Es gibt aber weitere Merkwürdigkeiten: Merle gehörte zu einer Jugendclique, dessen Mitglieder nach und nach ums Leben kamen. Zwei junge Männer hatten einen tödlichen Unfall, eine junge Frau starb unerwartet in der Klinik.
Was haben brutale Boxkämpfe damit zu tun? Und wieso interessiert sich ein Staatsanwalt aus Greifswald besonders für diesen Fall?

“Leuchtturmmord” ist der fünf Roman aus der Rügen-Krimi-Reihe von Katharina Peters. Und er ist erneut sehr gelungen. Der Autorin gelingt es nicht nur, den Lokalkolorit in die Geschichte unterzubringen, sie erzählt von einem sehr spannenden Fall – der ja eigentlich aus mehreren Fällen besteht.
Sie erzählt sehr kurzweilig, denn in jedem der 26 Kapitel werden mehrere Handlungsstränge weitergeführt. Dass es dennoch nicht unübersichtlich wird, spricht für die Autorin. Der Effekt ist, dass man unbedingt wissen will, wie es weiter geht. Zudem ist der Blick in das Boxermilieu sehr interessant.
Schade, dass der Verlag ein wenig zu plakativ werben will: Auf dem Buchcover ist die Seebrücke von Sellin zu sehen. Sie kommt in der kompletten Geschichte nicht vor.

Katharina Peters: Leuchtturmmord
aufbau taschenbuch, 323 Seiten
9/10