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Rügen 2009 (7): Rendezvous mit Roland

Donnerstag, den 20. August 2009
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(6) -> 17.8.2009

Dienstag. Der letzte Tag. Am Abend steht schon wieder die Rückfahrt von Rügen auf dem Programm. Die Zeit verging wie immer viel zu schnell.

Den Vormittag in Binz beginne ich meistens mit einem Kakao und der Lektüre der Ostsee-Zeitung auf dem Kurplatz – mit Blick zur Ostsee. Das nennt man dann wohl: die Seele baumeln lassen.
Allerdings fallen mir zur Ostsee-Zeitung zwei Dinge ein: Das Blatt wirbt u.a. mit dem Spruch “Täglich mit neuem Inhalt”. Das ist für eine Tageszeitung eine ziemlich überraschende Aussage. Auch kundzutun, dass sie die Nummer 1 auf Rügen sei, wundert mich – wo doch die Ostsee-Zeitung auf Rügen gar keine Konkurrenz hat.

Mit dem “Rasenden Roland”, der historischen Schmalspurbahn bin ich schon seit 2003 nicht mehr gefahren. Es wurde mal wieder Zeit.
Von Binz nach Putbus. Wie sieht es eigentlich mit der Umwelt aus, wenn der Zug durch die Gegend dampft? Roland pustet jedenfalls ganz schön was in die Luft. Es muss kein Vergnügen sein, an der Strecke zu wohnen. Bei Seelvitz qualmt Roland zweimal pro Stunden die Garten und die hängende Wäsche voll. Auch müssen die Leute dort sicherlich ihre Fenster öfter putzen als anderswo.
In Putbus war dann ein wenig Zeit. Das Mittagessen kam glücklicherweise auch pünktlich, auch wenn das Fischfilet noch nicht ganz durch war. Na ja, man kann nicht alles haben.
Tourikinder sind schon eine ganz besondere Spezies. Wenn sie es mal eilig haben, pullern sie schon mal überall hin. Oder schlicht da, wo sie gerade stehen. Am Bahnsteigrand ließ ein Junge sein kleines Stück raushängen und strullte. Als der Zug losfahren sollte, packte er es, noch während es weiterstullte, wieder ein. Musste ja schnell gehen.
Von Putbus nach Göhren. Ab Binz wird es richtig kuschlig in den alten Waggons. Zwei Frauen mit vier kleinen Kindern stiegen zu und machten es sich auf dem Boden bequem. Eines der Mädchen wollte sich hinlegen, was die Mama aber rüde vereitelte. Mit Schrippenverbot und Strafstehen. Wenn’s hilft.
Zwischen Sellin und Baabe ist das Gleis offenbar in schlimmen Zustand. Es rumpelt gewaltig. Ebenso zwischen Baabe und der Waldbiegung in Richtung Göhren.
Von Göhren nach Binz. Es war so voll im Zug, dass sich die Menschen auch draußen auf den Plattformen drängelten. Obwohl es sicherer wäre, ist das Sitzen verboten. Aber wenn man die vielen Kinder an den wackeligen Geländern sieht, wird einem schwummerig. Aber so lange es die in den Abteilen sitzenden dazugehörigen Eltern nicht interessiert…
Der schönste Streckenabschnitt der ganzen Tour liegt übrigens zwischen Sellin-West und Binz. Da rollt Roland durch ein Waldgebiet, die Granitz. Berge, Bäume, eine Idylle. Und der Rauch der Lok wird in die Baumkronen gepustet. Scheint die Sonne drauf, sind im Rauch die Strahlen zu sehen, was ein surreales Bild abgibt.
In Binz treffen sich die Züge, Hunderte Touris stehen auf den Bahnsteigen. Kein Wunder, bei einem “So-lala-Wetter” ist eine Tour mit dem Rasenden Rolland tatsächlich eine feine Sache.

Und dann hieß es Abschied nehmen von Binz. Für das richtige Inselgefühl ging die Rückfahrt über Glewitz, wo die Fähre über den Bodden fährt.
Auf dem Weg dorthin fährt man eine der schönsten Alleen entlang, die ich je gesehen habe. Kurz vor Garz stehen die Bäume rechts und links der Straße. Die Baumkronen sind über der Straße zusammengewachsen. Es ist, als ob man durch einen Heckentunnel fährt. Beeindruckend!

Die Sonne ging unter, es dämmerte über dem Bodden. Mit der Fähre ging es aufs Festland, und als ich beim Losfahren wieder das Radio einschaltete, lief ein Song namens “Bye bye”. Das passte.