RTZapper

Guten Morgen, Deutschland: Trauer um Jan Hahn

Samstag, den 8. Mai 2021
Tags: ,

FR 07.05.2021 | 6.00 Uhr | RTL

Normalerweise ist das Frühstücksfernsehen ein Ort der guten Laune. Schließlich sollen die Zuschauer ja fröhlich geweckt werden.
Aber am Freitagmorgen war alles anders. Es herrschte Trauer, es flossen Tränen. Das Team des RTL-Magazins “Guten Morgen Deutschland” trauerte um Jan Hahn. Der Moderator war gerade mal mit 47 Jahren an einem Krebsleiden gestorben. Mitten aus dem Leben gerissen. Mitte Februar war er das letzte Mal bei RTL zu sehen gewesen, im März meldete er sich krank.
Ein noch junger, fröhlicher Mensch ist nicht mehr da. Viele Jahre hat er das Frühstücksfernsehen moderiert, elf Jahre lang bei Sat.1, dann bis zum Schluss bei RTL. Davor war Jan Hahn Morningman bei verschiedenen Radiosendern.

Wenn die Leute im Fernsehen ihre Fassung verlieren, wenn man ihnen ihren Schock ansieht, dann gerät auch der Fernsehalltag ins Wanken. Am Donnerstagnachmittag wurde die Nachricht bekannt. In “Explosiv” verkündete der Moderator die traurige Nachricht, und er musste sich sehr beherrschen, im Anschluss bei “Exclusiv” flossen in der Live-Sendung die Tränen der Moderatorin. Am Ende von “RTL aktuell” ist geschwiegen worden, dazu wurde eine Trauertafel eingeblendet.

In “Guten Morgen, Deutschland” wurde getan, was in solchen Fällen das Beste ist, was man machen kann. Zusammenkommen und reden. Sich erinnern. Das ganze Moderatorenteam war im Studio, man erinnerte sich gemeinsam an den Kollegen, zeigte schöne Ausschnitte mit ihm.
Getrauert wurde am Freitag auch im Sat.1-Frühstücksfernsehen, dort gehörte Jan Jahn viele, viele Jahre zur “Familie”.

Die Leute im Fernsehen sind keine Maschinen. Auch sie haben Gefühle, und wenn das Schicksal einen der ihren plötzlich trifft, dann ist alle Routine dahin.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 213

RTZapper

Promis unter Palmen – Die Late Night Show

Freitag, den 23. April 2021
Tags:

MO 19.04.2021 | 22.20 Uhr | Sat.1

Willi Herren ist tot. Der Schauspieler, Schlagersänger und Entertainer ist am Dienstag in seiner Kölner Wohnung gestorben. Für die Branche und für die Fans ein Schock.
Denn noch am Montagabend war er in der zweiten Folge der zweiten Staffel von “Promis unter Palmen” zu sehen. Willi wie er leibt und lebt, und eigentlich wäre zu seinem Auftritt in dieser Show einiges sagen gewesen.
Sat.1 hat sich am Dienstag schnell entschlossen, “Promis unter Palmen” zu beenden, die restlichen Folgen werden nicht ausgestrahlt.

So zynisch das klingen mag: Für Sat.1 war diese Sendung eh ein PR-Desaster. Nach dem Homophobie-Skandal und den Alkohol-Exzessen in Folge 1, scheint man bei Sat.1 noch mal extrem an Folge 2 gearbeitet zu haben. Denn sie war plötzlich eine halbe Stunde kürzer als ursprünglich angekündigt.
Von Transparenz allerdings keine Spur: Was wurde rausgeschnitten? Was ist vorgefallen? Von Sat.1 gab es dazu kein Wort. Vermutlich hat man einige Streitigkeiten rausgeschnitten, denn das Abend-Geschehen im Haus ist in Folge 2 quasi unter den Tisch gefallen.

Dafür lief “Promis unter Palmen – Die Late Night Show” früher – und nicht bei sixx, sondern direkt auch in Sat.1. Dort hätte man die Chance ergreifen können, sich zur kürzeren Folge zu äußern. Aber auch dort: kein Wort dazu. Nur eine schmollende Patricia Blanco, die soeben ausgeschieden war.

Dass Sat.1 auf die weitere Ausstrahlung (vorerst?) verzichtet, wirft ein Licht darauf, was uns denn noch alles erwartet hätte. Ganz sicher gab es noch ordentlichen Zoff, deftige Worte und vielleicht sogar mehr Tiefpunkte. Angesichts des verstorbenen Willi Herren, der Teil der Gruppe war, wäre die Ausstrahlung sicherlich für viele Beteiligte einfach nur noch unerträglich geworden.

Hits: 189

RTZapper

Abschied von Prinz Philip – Sat.1 spezial

Sonntag, den 18. April 2021
Tags:

SA 17.04.2021 | 14.30 Uhr | Sat.1

Normalerweise sendet Sat.1 am Sonnabend Ware aus der Reality-Resterampe. Neun Folgen “Auf Streife” und zwei Folgen der “Rohrpottwache” waren für diesen Tag angekündigt, und eigentlich hätte man bei Sat.1 auch ein Testbild senden können, so egal ist das Programm des Senders mittlerweile. Hauptsache ein paar Leute schalten zufällig mal zu.
Um so seltsamer ist es, dass man sich bei Sat.1 berufen sieht, die Trauerfeier eines britischen Royalisten zu übertragen. Als ob das bei Sat.1 jemand erwarten würde.

Am Sonnabendnachmittag jedenfalls gab es bei Sat.1 nach den neuen Folgen “Auf Streife” plötzlich ein Live-Programm: “Abschied von Prinz Philip – Sat.1 spezial”.
Vanessa Blumhagen, die Promi- und Adelsexpertin von Sat.1, hatte mit einigermaßen ernster Miene einiges über Prinz Philip zu sagen, der 99-jährig verstorben war. Der Mann von Königin Elisabeth II. ist am Sonnabend in Windsor beigesetzt worden. Und Expertin Blumhagen erzählte, was sie so wusste und natürlich niemand wusste, der kein Adelsexperte ist.

Zur Trauerfeier gehörte auch ein sehr stiller, ehrwürdiger Gottesdienst, eine Trauerzeremonie mit ruhigen Gesängen und teilweise lateinischen Texten.
Ein. nun ja, für Sat.1 eher ungewöhnliches Programm, vor allem wenn man eigentlich mit der “Ruhrpottwache” ein Nachmittagsschläfchen halten wollte.

RTL war übrigens der erste Sender in Deutschland, der eine Übertragung des Trauerakts angekündigt hatte. Aber natürlich wollten auch die anderen ein Stück vom Trauerkuchen haben. Und so übertragen schließlich Das Erste, das ZDF, phoenix, tagesschau24, RTL, Sat.1, Welt und ntv.
Zumindest kann niemand behaupten, beim nachmittäglichen Durchzappen nicht mitbekommen zu haben, dass Prinz Philip beigesetzt worden ist.

Hits: 161

RTZapper

Promis unter Palmen

Mittwoch, den 14. April 2021
Tags:

MO 12.04.2021 | 20.15 Uhr | Sat.1

Die Mobbing-Attacke 2020 bei “Promis unter Palmen” hat viele Diskussionen ausgelöst. Bei Sat.1 allerdings, so scheint es heute, ausschließlich Erektionen. Denn 2021 ist nichts besser geworden – eher noch schlimmer. Und Produzent Rainer Laux stellt sich dabei als absoluter Heuchler heraus.

Am Montagabend startete bei Sat.1 die zweite Staffel von “Promis unter Palmen”, und schon an den eingeladenen zwölf Promis (nun ja, Promis gibt es dort nicht wirklich) kann man sehr gut erkennen, worauf Sat.1 auch 2021 hinaus will: Krawall. Und zwar ohne Ende.
Elena Miras steht für Krawall. Chris Töpperwien steht für Krawall. Prinz Markus von Anhalt steht für Krawall. Melanie Müller steht für Krawall. Willi Herren steht für Krawall. Patricia Blanco steht für Krawall. Und Calvin Kleinen holt vielleicht noch mal seinen Lümmel raus. Plus noch ein paar andere, die ja vielleicht auch Krawall machen.

Und schon Folge 1 zeigt, wo bei Sat.1 der Hammer hängt. Das heißt, eigentlich ist er längst 20 Meter tief vergraben, denn der Cast hat ein Niveau, das unterirdisch ist.
Für Empörung sorgte vor allem Prinz Markus von Anhalt, der mit extrem homophoben Attacken von sich reden machte. Katy Bähm musste sich von ihm anhören lassen, was der “Prinz” von Homosexuellen halte. Nichts, um es mal sehr vorsichtig auszudrücken.
Überraschenderweise war es Willi Herren, der daraufhin ausrastete und dem “Prinzen” ordentlich die Meinung geigte.
Es waren bedrückende Szenen. Ein verbaler Ausfall beim “Prinzen”, der sprachlos machte.

Bei Sat.1 kannte man die Szenen seit vielen Wochen, immerhin ist “Promis unter Palmen” ja nicht live. Man hatte also lange Zeit, zu überlegen, wie man mit dieser Attacke umgehen könnte. Hat man nicht getan. Ein dahingerotztes Twitter-Statement nach Ausstrahlung musste reichen.
Im Interview mit dem Medienmagazin DWDL sagte Produzent Rainer Laux zu den Konsequenzen aus Staffel 1: “Wir haben natürlich alle Folgen in den Nachbesprechungen und in den Vorbereitungen auf die aktuelle Staffel analysiert und hätten im Rückblick die ein oder andere Situation anders gelöst.” Zu Konsequenzen daraus hat man sich aber offenbar nicht hinreißen können. Die Konsequenz aus dieser Überlegung scheint zu sein: “Och, machen wir doch einfach ganz genau so weiter.”
In der Sendung sollen, so Laux, die “Grenzen des normalen Zusammenlebens – und gegebenenfalls auch eine extreme Streitkultur – dabei nicht überschritten werden. Sonst muss man eingreifen und auch Kandidaten vor sich selbst schützen.” Gut gesagt, bloß handelt man offenbar nicht danach. Die Worte des Produzenten wirken nach der ersten Folge der zweiten Staffel heuchlerisch.
Eigentlich hätte der “Prinz” sofort aus dem Haus geschmissen werden müssen. Das wäre die logische Konsequenz gewesen. Rausscheiden wäre dann aber auch der falsche Weg gewesen. Immerhin bekam Prinz Homophobia ordentlich und lauten Gegenwind.

Völlig unter geht in der Debatte allerdings, dass es ja noch mehr schlimme Ausfälle in der Sendung gibt. Calvin Kleinen und Henrik Stoltenberg gaben sich an zwei Abenden dermaßen die Kante, dass sie nur noch lallten und torkelten und unangenehme Proll-Diskussionen anfingen. Das ungehemmte Saufen, das widerliche Benehmen der zwei jungen Schnösel muss aber ebenfalls thematisiert werden – und dass eine Produktion so etwas hinnimmt, spricht auch gegen die ach so weisen Worte des Produzenten.
Nein, es ist ganz klar: Rainer Lux will diese Eskalation. Und Sat.1 auch.
Sat.1 ließ die Folge vom Montag am Dienstagnachmittag plötzlich sperren. Weil ja alles so schlimm sei. Was natürlich auch pure Heuchelei ist. Sat.1 wollte genau diese Provokation. Irgendwer muss ja Reality-Katastrophe ja abgenommen haben.
Und wir sind ja offenbar längst noch nicht am Ende. Immerhin ist schon durchgesickert, dass wohl zwei Promis unfreiwillig das Haus verlassen mussten. Angesichts dessen, was schon in Folge 1 zu sehen war und keine Folgen hatte, kann man nur Angst – und Ekel – bekommen.

Hits: 249

RTZapper

Claudias House of Love

Donnerstag, den 1. April 2021
Tags:

DI 30.03.2021 | 20.15 Uhr | Sat.1

Prösterchen! Claudia Obert sucht einen Kerl. Darauf kann man schon mal einen heben. Oder fünf. Claudia Obert ist Unternehmerin, aber vor allem durch ihre beschwippsten Auftritte in Realityshows bekannt geworden.
Ob sie wirklich einen Typen fürs Bett und für den Rest sucht, weiß man nicht so genau, und man will es eigentlich auch nicht so genau wissen. Was Sat.1 nicht davon abgehalten hat, sie in einer neuen Dokusoap auf Männerfang zu schicken.

Dafür ist nochmals das “Big Brother”-Haus vom vergangenen Jahr aktiviert worden. Am Dienstagabend liefen die ersten beiden Folgen von “Claudias House of Love”. Eine Reihe Männer kommt zu ihr und sie zu knacken.
Ja, das mag hart klingen. Aber im Grunde geht es genau darum.

Der Mario zum Beispiel. Der ist 24, seine älteste Bettgespielin war bislang 43. Die Obert ist 59, und Mario ist ganz heiß auf sie. “Ich will einfach nur Spaß haben”, sagt er. Er ist Student und veranstaltet Partys. Was er vom Leben erwartet, sei “Champus, Schlampen und Schalentiere”. Das erstaunliche daran ist ja, dass es solche Prolls, die ihren Selbstekel offenbar abgelegt haben, offenbar immer noch gibt.
Aber damit ist er in Claudia Liebeshaus nicht allein. Torsten, oder Totti, ist ein schon ein bisschen in die Jahre gekommener DJ. Die Claudia sei eine geile Braut, sagt er. Und “ich bin der Geilste.” Womit er sich zwar irrt, aber natürlich macht es das alles noch… nein, nicht lustiger. Eigentlich steigt die Übelkeit da schon ziemlich an.
Aber dann kommt noch Nicolai, er nennt sich “Bezirksbefruchter a.D.”, und es muss sehr lange hergewesen sein. “Wer mich kennt, nimmt mich täglich”, sagt er und meint vermutlich irgendwelche Tabletten. Er habe sieben Kinder von sieben Frauen. Vielleicht stimmt so ja sogar, traurigerweise.

Claudia scharwenzelt um alle herum, und trotz ihrer Beschwippstheit kann man sich schwer vorstellen, dass sie sich wirklich für einen dieser Typen interssiert.
Der geile Mario zum Beispiel ist schnell darüber enttäuscht, dass Claudia ihn irgendwie gar nicht so geil findet. Weshalb er sich auch gleich mal so besäuft, dass er nur noch wankend durchs Lovehouse latscht und wirres Zeug redet.
Am Ende der Folge muss sich Claudia Obert entscheiden, wen sie aus dem Haus schmeißt. Wer ist ist, erfahren wir in Folge 2. Wenn man das denn will.
Eher nicht.

-> Die Sendung bei Joyn

Hits: 249

RTZapper

Du sollst nicht lügen

Donnerstag, den 11. Februar 2021
Tags:

MI 10.02.2021 | 20.30 Uhr | Sat.1

Es beginnt harmlos, sogar ziemlich romantisch – und es endet in einer Katastrophe. Wobei sich beide Seiten alle andere als einig darüber, was eigentlich in dieser Nacht passiert ist.
Laura ist Lehrerin, und beziehungstechnisch läuft es gerade nicht so gut. In der Schule lernt sie den Vater ihres Schülers Lukas kennen. Es scheint zwischen ihr und Hendrik schnell zu funken. Sie verabreden sich.
Am nächsten Morgen der Schock: Laura ist fest davon überzeugt, von Hendrik vergewaltigt worden zu sein. Es könnten K.O.-Tropfen im Spiel gewesen sein. Hendrik bestreitet das. Er sagt, sie hatten einvernehmlichen Sex. Laura schaltet die Polizei ein.

“Du sollst nicht lügen” führt auch den Zuschauer ordentlich aufs Glatteis. Denn auch wenn der gesunde Menschenverstand sagt, dass Laura recht haben sollte – ganz sicher sein kann man sich nicht. Zum einen weil auch Laura mit unsauberen Methoden handelt und weil auch sie eine Vergangenheit hat. Die hat aber auch Hendrik, und bald ist auch bei ihm klar: Ganz so einfach gestaltet sich dieser Fall nicht.
Das Spannende an dieser 4-teiligen Serie ist durchaus, dass man auch als Zuschauer ins Grübeln kommt, weil man sich auch selbst überlegt, auf wessen Seite man sich stellen soll. Ist Laura vielleicht doch nur hysterisch? Oder ist Hendrik doch ein Ekel? Dieses Hin und Her ist durchaus fesselnd.

-> Die Serie bei Joyn

Hits: 161

RTZapper

Marlene Lufen: Deutschland im Lockdown

Mittwoch, den 10. Februar 2021
Tags:

MO 08.02.2021 | 20.15 Uhr | Sat.1

Der Denkfehler liegt schon in der Moderation dieses Psychotalks. Weil Sat.1-Moderatorin Marlene Lufen mit einem Instagram-Video 11 Millionen Abrufe erreichte, dachte man sich bei Sat.1, dass man ihr doch dazu auch eine (vermutlich) einmalige Sendung geben könnte.
Marlene Lufen sprach in ihrem Video davon, dass man in der Coronakrise auch an die Kinder, die Depressiven und an die vielen anderen Lockdown-Folgen denken sollte. Damit hat sie natürlich recht. Dass über diese vielen Gruppen aber nie nachgedacht werde, stimmt so aber auch nicht.
Da wäre es vielleicht besser gewesen, Marlene Lufen in eine solche Talkshow einzuladen, in der sie über ihr Video, ihre Recherchen und ihre Erfahrungen sprechen kann.
Stattdessen ging am Montagabend sehr kurzfristig “Marlene Lufen: Deutschland im Lockdown” auf Sendung. Und manchmal wirkte es, als ob Marlene Lufen selbst am meisten zu erzählen hatte.

In der Sendung kamen ein Schüler, eine depressive Frau, ein Gastronom und Koch und eine Kinderärztin zu Wort. Der Schüler sprach darüber, dass es gerade schwierig: Wie verläuft das Abi? Was kommt danach? Wie geht das ohne soziale Kontakte? Probleme, über die man sprechen muss. Die depressive Frau erzählte davon, dass es für Leute wie sie gerade eine schlimme Zeit ist: kaum Kontakte, schwierige Zukunftsaussichten. In einem Einspieler sprachen Kinder davon, was ihnen jetzt fehle: Schule, die Freunde – und es gibt die Sorge vor der Krankheit selbst. Und der Koch erzählte von der Krise seiner Branche.
Alles richtig. Alles wichtig. Alles hochproblematisch.

Was aber ist der Ausweg? Was aber wäre die Alternative? Was machen wir jetzt mit dem Lockdown? Und was ist mit den Krankenhäusern? Mit dem Pflegepersonal? Wie leiden die eigentlich? Und grundsätzlich: Leiden wir nicht gerade alle? Leiden wir nicht alle an fehlenden sozialen Kontakten? An fehlenden Erlebnissen? An fehlender Zukunftsperspektive?

Marlene Lufen sagt ja, man wolle jetzt auch mal über die Lockdown-Probleme sprechen, die ja sonst angeblich nie besprochen werden – Stichwort: Einseitigkeit. Dabei war dieser Talk ebenfalls einseitig. Es wirkte manchmal, als sei der Lockdown an allem Schuld, nicht aber das Coronavirus, über das an sich eigentlich nie gesprochen worden ist. Wenn der Gastronom und Koch sagt, man bekomme die finanziellen Hilfen nicht, dann muss da jemand sitzen, der ihm was dazu sagt, warum das so ist.
Es kann in einer journalistischen Talkshow (nun gut, es war keine journalistische Talkshow) doch nicht nur darum gehen, jetzt endlich was sagen zu dürfen. Besser wäre es gewesen, den Betroffenen Menschen gegenüber zu stellen, die vielleicht darauf antworten können, Gegenthesen aufstellen oder Dinge begründen oder bedenken oder auch überdenken können. So drehte sich die Talkshow vollkommen im Kreis, weil alle nur sagten, wie schlimm (und das ist es!) alles sei. Wie ein Selbsthilfe-Gesprächskreis. Ein bisschen mehr sollte eine solche Sendung aber schon bieten.

Natürlich ist es richtig, alle diese Menschen zu Wort kommen zu lassen. Wir alle müssen schauen, dass uns der Laden nicht um die Ohren fliegt, wir alle müssen aufpassen, nicht verrückt zu werden. Diese Sendung hat aber nur die Wirkung: Wir haben mal drüber gesprochen. Wenn den Leuten bei Sat.1 das reicht…

Irritierend war Marlene Lufens Abschlussmoderation, in der sie darauf hinwies, man solle doch mit Verständnis für die Sichtweise des anderen diskutieren, denn wir haben alle unterschiedliche Empfindungen und habe verschiedene Perspektiven auf die Krise.
Das stimmt, nur kamen in dieser Sendung eben nicht verschiedene Sichtweisen zutage. Alle waren sich über ihre Themen einig, Dispute waren nicht gewollt. Verschiedene Perspektiven erst recht nicht.

-> Die Sendung bei Joyn

Hits: 181