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Die Sat.1 Comedy Konferenz – Promis in Quarantäne

Samstag, den 28. März 2020
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DO 26.03.2020 | 20.15 Uhr | Sat.1

Wie schlimm muss es eigentlich sein, vier Stunden lang alleine zu Hause vor einer Webcam zu hocken, um ab und zu mal ein laues Witzchen abzulassen?
Nicht genug, dass so viele Prominente – wie ja so viele Menschen auf der Welt – eine Kontaktsperre haben und in Quarantäne sitzen, nun werden sie auch noch stundenlang gezwungen, so zu tun, als seien sie unglaublich gut drauf und hätten gute und lustige Ideen.
Auf unglaubliche mehr als vier Stunden zog sich am Donnerstagabend “Die Sat.1 Comedy Konferenz”, und wenn man nach Mitternacht eingeschaltet hat, um festzustellen, dass die immer noch live auf Sendung sind, konnte die alle einem schon ziemlich leid tun.

In diesen Tagen lernen die Fernsehmacher einiges dazu. Erstens: Plötzlich können sie alle sehr spontan sein und Sendungen binnen vier Tagen Überlegungszeit auf Sendung schicken. Zweitens: Eine flotte Idee macht noch keine gute Sendung.

So langsam nimmt mein Interesse an den Coronavirus-Sondersendungen ab. Wir warten alle, dass es vorbeigeht, und jetzt wollen wir lieber Zerstreuung.
Aber ist Zerstreuung, Promis dabei zuzusehen, wie auch sie zu Hause rumsitzen und über ihre miese Internetleitung mit ihrer noch mieseren Heimtechnik so zu tun, als könnten sie uns unterhalten? Wollen wir uns wirklich geschlagene vier Stunden ansehen, wie Comedians (und Sarah Lombardi) in lauer Bild- und Tonqualität laue Gags loslassen?

Dass sich Promis zusammenschalten ist ja an sich eine schöne Idee. Aber auch in Zeiten des Coronavirus sollte es nicht zu viel verlangt sein, sich ein bisschen Mühe zu geben. Sich einfach nur vor eine billige Webcam zu setzen, kann kein Konzept für eine vierstündige Unterhaltungssendung sein.

-> Die Sendung auf sat1.de

Hits: 118

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Promis unter Palmen

Freitag, den 27. März 2020
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MI 25.03.2020 | 20.15 Uhr | Sat.1

Ihr wollt Trash? Ihr bekommt Trash! Sat.1 hat ein paar Promis… Ähm, Halt, Moment. Sat.1 hat ein paar Leute, die in irgendwelchen Realityformaten aufgetreten sind und jetzt für Promis gehalten werden, in den Urlaub geschickt. Nicht ins “Big Brother”-Haus, sondern in einen noblen Schuppen mit hauseigenen Strand. Okay, ist ja fast dasselbe.

Am Mittwochabend startete “Promis unter Palmen”. Ein Haufen von Z-Promis, Nicht-Promis und Désirée Nick wohnen in Thailand unter einem Dach, um eine schöne Zeit miteinander zu bringen. Ähm, nein, eher um sich ordentlich in die Haare zu kriegen.
Im appetitmachenden Vorspann sehen wir schon mal, wie Désirée Nick rumkeift und sich fast mit Claudia Obert (frag nicht, wer das sein soll) kloppt. Wir sehen auch Désirée Nick eben jene Claudia Obert anschreit, und alles ist herrlich trashig dramatisch.

Mit dabei ist auch Eva Benetatou. Die ist zum Beispiel total bekannt aus “Promi Big Brother”, und was sie damals zum Promi gemacht hat, habe ich entweder vergessen oder niemals gewusst. Ich tippe auf Letzteres. Carina Spack kennt man aus … Also, kennen andere Leute aus irgendwelchen Sendungen, wo irgendwer irgendwo verkuppelt werden wollte. Janine Pink gilt als Soap-Ikone, bekannt aus… na, ihr wisst schon. Ennesto Monté kennt man (hoffentlich nicht) von seiner Penisverlängerung bei RTL zwei. Und so weiter.

Es vergehen keine zehn Minuten, bis die Zickereien beginnen. Die eine kann den anderen nicht leiden. Ronald Schill begrabbelt Claudia Obert, wie die irgendwie gar nicht so schlimm findet und Désirée Nick und Matthias Mangiapane (kennste, kennste?) lästernd beobachten.
Wie die Nick der Obert eine Scheuert, sehen wir übrigens erst nächste Woche, wie wir dem appetitmachenden Trailer entnehmen konnten. Vielleicht aber auch erst in Folge 3. Wer weiß das schon so genau?

Während die Nick noch ein bisschen Würze in die Trash-Urlaubssause reinbringt, fragt man sich, warum man sich so einen Schwachsinn eigentlich reinzieht. Vielleicht einfach deshalb – weil es so herrlich bescheuert ist, und auch weil keiner über Corona spricht. Wobei es sein kann, dass in dieser thailändischen Nobelbutze ganz andere Nervenkrankheiten schon übergegriffen haben.

-> Die Sendung bei Joyn

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Luke, allein zu Haus

Mittwoch, den 25. März 2020
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DI 24.03.2020 | 18.00 Uhr | Sat.1

Das Fernsehen entdeckt ein ganz neues Genre für sich: Die Corona-Not-Sendungen. Das sind Shows, in denen die Promis zu Hause sitzen und sich per Videochat zusammenschalten.
Weil wir ja jetzt alle zu Hause sitzen müssen, sind solche Durchhalte-Unterhaltungsformate auch durchaus sinnvoll. Zumal sie vermutlich sehr wenig kosten und günstig Sendezeit füllen. Andererseits ist Unterhaltung in der momentan schwierigen Zeit sehr wichtig, und es ist erstaunlich wie flexibel und ideenreich die Sender plötzlich sind, wenn es heißt, neue Formate an den Start zu bringen. Nicht nur wegen der Formate an sich, sondern auch das Tempo ist atemberaubend.

Am Donnerstag war Sat.1 der Vorreiter für ein Coronavirus-Sonderprogramm. Der Sender kündigte ein neues Format an, das schon vier Tage danach auf Sendung gehen sollte. Luke Mockridge meldet sich nun montags bis freitags um 18 Uhr mit seiner neuen Sendung – live!
Allerdings hat der Titel “Luke, allein zu Haus” einen Haken. Luke ist nicht allein, und Luke ist nicht zu Hause.
“Luke, allein zu Haus” wird in einem Studio produziert, es gibt eine sehr kleine Kulisse, und so ein bisschen erinnert alles an “TV total”, nur einige Nummern kleiner.

Das Konzept: Luke Mockridge möchte uns die Zeit des zu Hause Rumsitzens versüßen und Quatsch machen. Am Montag haben allerdings alle Beteiligten gemerkt: Nur eine Idee zu haben, reicht nicht. Luke Mockridge wirkte im Laufe der Stunde, als ob er selbst gemerkt hat, dass sich das alles nicht trägt. Viel Leerlauf und Videochats, die wegen des schlechten W-Lans im Studio nicht so richtig funktionierten.
Einerseits wirkte das alles wie ein gesendetes Nichts. Aber andererseits war das eine spannende Art zu scheitern, denn das muss man sich ja auch erst mal trauen.
Wir als Zuschauer sind vom Fernsehen nur perfekte Abläufe geplant. Alles funktioniert, und war diese Improvisation, diese Langeweile schon wieder spannend.
Aber an einer ersten Sendung lässt sich ja oft wenig über das sagen, worauf es hinauslaufen soll.

Am Dienstag wirkte “Luke, allein zu Haus” schon sehr viel durchdachter. Zwar war Luke wieder nicht allein – ein Aufnahmeleiter und die Kameraleute, aber auch Schauspieler Frederick Lau war zu Gast und brachte Stimmung rein. Luke schaltete seine Mutter dazu, außerdem ging es in eine Familie, die auch zu Hause ausharrt.
Es ist keine perfekte Unterhaltung, es ist nicht die ganz große Nummer – aber für die aktuelle Kontaktsperre-Zeit ein nettes Format für den Vorabend, das hoffentlich noch ein paar spontane Überraschungen bereit hält. Das entwickelt sich sicherlich noch weiter.

-> Die Sendung bei Joyn

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Big Brother

Freitag, den 28. Februar 2020
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MI 26.01.2020 | 19.00 Uhr | Sat.1

Bei Sat.1 scheint blanke Panik zu herrschen. Die Quoten von “Big Brother” sind mies. Eigentlich erwartungsgemäß, weil das Format heute nichts besonderes mehr zu scheint scheint, aber bei Sat.1 hat man sich wohl eingeredet, dass sie da das ganz große Ding aufziehen.
Man will das Format noch retten, und deshalb herrscht jetzt blanker und blinder Aktionismus. Irgendwas wollten sie, mussten sie offenbar tun.
Deshalb sind am Montag einfach mal komplett die Regeln und das ganze Konzept über den Haufen geworfen worden.

Das Konzept war: Im Glashaus leben die Bewohner im Luxus, müssen sich aber immer wieder zeigen lassen, wie beliebt sie sind. In einem Ranking und mit Zuschauerkommentaren. Im Blockhaus ist alles knapp, die Bewohner müssen sich viel erarbeiten. Dafür leben die analog, kriegen nichts mit, bekommen keine Bewertungen.
Am Montag wurde das Blockhaus geschlossen, stattdessen wurden alle ins Glashaus gefercht.

Offenbar dachte man bei Sat.1, dass nun wirklich alle bewerttet werden müssen. Dass sie Druck auf die Bewohner ausüben müssen, indem sie eng aufeinander hocken.
Aber eigentlich ist das nichts anderes als eine Bankrotterklärung.

Ein interessantes Detail: Die Bewohner des Blockhauses hatten alle eine sehr viel bessere Bewertung als die im Glashaus. Das könnte daran gelegen haben, dass im Blockhaus-Leute viel entspannter waren. Sie führten spannende Gespräche, und sie mussten viel tun – Hühner füttern, Aufgaben erledigen. Das war schlichtweg spannender.
Im Glashaus dreht sich jetzt alles um die idiotischen Bewertungen. Alle reden sie nun meist nur noch über sich selbst, über diese Bewertungen. Das ist öde.
Und schade ist, dass man einige Charaktere damit zu brechen droht. Wenn Sympathieträger wie Pat oder Tim plötzlich leiden, dann macht das auch keinen Spaß mehr. Weil dieses Leiden unnötig ist, weil es nur auf die Panikreaktion von Sat.1 fußt.
Wenn sich “Big Brother” nur noch darum dreht, dass man den Leuten an den Kopf wirft, was man von ihnen hält, und sie sich nur noch darüber unterhalten – dann ist das nicht wirklich interessant.

Viel spannender wäre es doch gewesen, den Leuten in beiden Bereichen mehr Aufgaben zu geben. Dass es mehr Möglichkeiten gibt, zu wechseln. Dass es Stunden gibt, wo sie alle zusammen sind. Auch das hätte Lästerpotenzial gehabt, das in den zwei Häusern immer wieder ausgewertet worden wäre.
Anstatt dass man sich bei Sat.1 überlegt hat, was man mit den Leuten in den beiden Bereichen anstellen kann, wie man mehr Abwechslung reinbringt, wirft man alles über den Haufen.
Das wird sich nicht auszahlen.

-> Die Sendung vom Mittwoch bei Joyn

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Big Brother

Donnerstag, den 13. Februar 2020
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MI 12.02.2020 | 19.00 Uhr | Sat.1

Es war die Sensation! Im “Big Brother”-Haus wohnen unbekannte Leute und lassen sich 24 Stunden filmen. Und wir schauen alle zu. Jeden Tag.
2000 war das. Vor unglaublichen 20 Jahren. Als 2015 auf sixx nach mehrjähriger Pause mal wieder Bewohner ins “Big Brother”-Haus einzogen, was das Interesse eher gering.
Dass Sat.1 nun, im Jahr 2020, mit einer 13. Staffel daherkommt, ist hoffentlich nicht von vornherein ein schlechtes Omen. Denn die Vorzeichen stehen eigentlich nicht gut. In den Zeiten, wo es eine Reality-Soap nach der anderen läuft, wo jeder auf Youtube auf Sendung gehen kann, ist “Big Brother” nichts Besonderes mehr.
Zudem: Als 2000 die 1. Staffel lief, da wussten die Bewohner nicht, was auf sie zukommt und was für ein Hype um sie entstand.

Deshalb musste sich Sat.1 auch mehr einfallen lassen, als nur irgendwelche Leute ins Haus einziehen zu lassen. Die Idee: Die Zuschauer können die Bewohner bewerten – mit bis zu fünf Sternen. Das sorgte schon im Vorfeld für Zoff, der durchaus berechtigt war – andererseits aber auch albern und heuchlerisch.
Es gibt nämlich zwei Häuser: das Glashaus und das Blockhaus. In Letzterem herrscht ein analoges Leben ohne Luxus und vor allem ohne digitale Technik. Im Glashaus herrscht dagegen moderater Luxus – aber vor allem bedeutet Glas, dass die Leute immer wieder informiert werden, sie wie draußen ankommen.
So saßen sie am Mittwochabend in der 3. Folge da und waren mitunter entsetzt über die Bewertungen. Es nagt an ihnen, wenn sie sehen, dass man sie draußen nicht mag.

In der Tat ist das ein zweischneidiges Schwert. Leute auf diese Art mit bis zu fünf Sternen zu bewerten, ist unangenehm. Vor allem wenn man sieht, wie sie drauf reagieren. Aber darüber empört zu sein, ist gerade im Medienbereich nicht angebracht. Immerhin gibt es nach fast jedem Fußballspiel Schulnoten, in bestimmten Bereichen werden immer wieder Menschen auf eine oft harte Art bewertet.
Dass die Kritik aufkam, dass die gelben Sterne einen Bezug zum Holocaust und zur Judenverfolgung haben sollen – das war eine mindestens irritierende und weit hergeholte Diskussion.

Nach Folge 3 kann man aber sagen, dass “Big Brother” 2020 erstaunlich gut funktioniert. Dass es zwei Bereiche gibt, sorgt die Abwechslung. Anfangs haben sich die Bewohner viel miteinander unterhalten, was auch die Gelegenheit für die Zuschauer war, alle näher kennenzulernen. Gut ist auch, dass es Sat.1 weitgehend vermieden hat, prollige Influcencer in die Show zu holen. Es gibt einige echte Sympathieträger, Leute, die man schnell ins Herz schließen kann – und gibt es die Gegenpole. Wobei sich zeigen muss, ob es Streits oder Skandale braucht, um es spannender zu machen. Aber vermutlich wird die Harmonie keine 100 Tage anhalten – schon allein wegen der Bewertungen, die am Mittwoch auch schon für Unmut sorgten.
Es ist nun spannend zu beobachten, ob “Big Brother” auch 2020 für die deutschen Zuschauer noch eine Rolle spielt. Wobei die Quotenansprüche von Sat.1 inzwischen ja nicht mehr sehr hoch sind.

-> Die Sendungen bei Joyn

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No Body is perfect – Das Nacktexperiment

Mittwoch, den 15. Januar 2020
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MO 13.01.2020 | 20.15 Uhr | Sat.1

Einerseits scheint unsere Gesellschaft immer sexualisierter zu werden. Und alle müssen wir immer perfekter werden. Da ist es eigentlich kein Wunder, dass es auch immer mehr Menschen gibt, die, weil sie keinen perfekten Körper haben, sich nicht mal mehr selbst ansehen möchten.
Insofern betreibt Sat.1 mit der neuen Sendung am Montagabend fast schon einen sozialen Dienst.

Fast möchte man meinen, dass Sat.1 mit dem Stichwort “Nacktexperiment” Leute anziehen will, die eigentlich was ganz anderes erwarten. Aber in “No Body is perfect” sind die Nackten genau das: unperfekt. Das Besondere ist: Es geht nicht darum, sie perfekt(er) zu machen. Sondern darum, sich mit dem, was sie haben, anzufreunden und lockerer damit umzugehen.

Auch besonders ist, dass es nicht nur um Übergewicht geht: Patrick hat schon als Kind Krebs gehabt, die Bestrahlungen haben seine Haut zerstört. Mit seinen Narben mag er sich nicht zeigen, mal an den Strand zu gehen, ist unmöglich. Tatjana und Stephanie dagegen können sich mit ihren fülligen Körpern nicht anfreunden. Strand? Unmöglich! Sich nackt im Spiegel sehen? Geht gar nicht!
Niemals geht es in dieser Sendung darum, was sie an sich ändern müssen. Niemals geht es darum, ihnen zu sagen, ob an ihrem Körper was arbeiten sollen. Was im Fall von Patrick auch schwierig wäre. Immer nur geht es darum, am Selbstwertgefühl zu arbeiten. Mit sich umzugehen. Das ist ein gutes Anliegen.

Auch die vier Coaches haben keine perfekten Körper. Sexpertin Paula Lambert, Curvy-Model Silvana Denker, Tanzpädagogin Sandra Wurster und Plus-Size-Model Daniel Schneider sind da, um die beiden Frauen und den jungen Mann zu mehr Liebe zu sich selbst zu ermutigen.
Und das so ziemlich ohne Effekthascherei und sachlich. Da hat Sat.1 mal eine positive Überraschung abgeliefert.

-> Die Sendung bei Joyn

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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