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Dinner-Party – Der Late-Night-Talk: So wird 2018!

Samstag, den 6. Januar 2018
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DI 02.01.2018 | 0.15 Uhr (Mi.) | Sat.1

Hellseher Florian Rateuke wird in diesem Jahr keinen Berliner Weihnachtsmarkt besuchen. Das plauderte er am späten Dienstagabend bei der “Dinner-Party” auf Sat.1 aus. Rateuke hat Angst, denn er sieht, dass es wieder einen Anschlag geben wird, irgendwann kurz vor Weihnachten. Also, ähm, 2018. Da hat Moderator Oliver Pocher extra noch mal nachgefragt, denn mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ist diese Sendung lange vor Weihnachten 2017 aufgezeichnet worden. Und ob der 20-jährige Seher nun 2017 meint oder doch 2018 – ist doch wurscht, was er sieht. So oder so – seriös ist das nicht. Und hoffentlich liegt er mit seiner Hellseherei falsch, im Dezember 2017 hat er immerhin daneben gegriffen. Aber er meinte ja wirklich ganz sicher 2018.

Manchmal reibt man sich wirklich die Augen. Da moderiert also der einstige Comedian eine rumpelige Nacht-Talkshow bei Sat.1, in der Seher über die Erkenntnisse über 2018 plaudern. Und wie sie überhaupt ihr Hellseher-Geschäft verrichten. Es gab eine zeit, in der sich Oliver pocher (völlig zu recht) über solche Leute lustig gemacht hat. Dass es nun scheinbar so schlecht läuft, dass er Engagements für solche Sendungen annehmen muss, ist ziemlich bitter. Pocher konnte mal mehr.

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Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

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TV-Duell: Merkel – Schulz

Dienstag, den 5. September 2017
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SO 03.09.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Das war ja ein echt spannendes TV-Duett TV-Duell. Das einzige direkte Aufeinandertreffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz am Sonntagabend wirkte wie eine etwas verfrühte Koalitionsverhandlung. Schulz sagte was, und Merkel nickte. Merkel sagte was, und Schulz nickte. Wirklichen Streit gab es auch, aber nur selten.
Viel zu selten ist es dem Moderatorenquartett gelungen, die Unterschiede zwischen den beiden Politikern herauszukitzeln. Viel zu oft ließen sie es durchgehen, dass es einen Kuschelkurs gab.
Und dann ist da noch Sat.1-Mann Claus Strunz. Dass er scheinbar eher auf der rechten Seite der Politik steht, ist zunächst nicht verwerflich, schließlich muss nicht die komplette deutsche Journalistenschar auf der linken Seite stehen. Dass er aber im TV-Duell mehrfach falsche Zahlen und Zitate in den Ring warf und sich dafür von Merkel und Schulz korrigieren lassen muss – das ist dann doch peinlich und ärgerlich. Aber sonst kommentiert Strunz die deutsche Innenpolitik auch immer nur im wichtigen Sat.1-Politmagazin “Sat.1-Frühstücksfernsehen”. Da sollte er wieder hin.

Eigentlich drängten ja die vier übertragenden Sender auf zwei TV-Duelle. Obwohl es erstaunlich gut funktionierte, ist es doch ziemlich bekloppt, dass Merkel und Schulz gleich vier Moderatoren gegenüber stehen. Was aber eben daran liegt, dass vier Sender übertragen, und jeder Sender seinen Vertreter schicken wollte.
Gäbe es zwei TV-Duelle, liefe eines vermutlich nur bei ARD und ZDF und das zweite bei RTL und Sat.1. Dass gerade die auf Duell Nummer 2 drängen, mag wohl vor allem an den Einschaltquoten zu liegen: Wenn vier (mit phoenix fünf) Sender dasselbe zeigen, schalten die allermeisten Zuschauer Das Erste ein. So auch am Sonntag. Mehr als 16 Millionen Zuschauer waren dabei, allein mehr als 9 Millionen im Ersten. Das ZDF folgte mit weitem Abstand und 3,7 Millionen. Für RTL sah es mit gut 2 Millionen schon düster aus, bei Sat.1 waren es nicht mal eine Million. Die Privaten haben in Deutschland – leider zu recht – eben keine Bedeutung, wenn es um Informationssendungen geht.

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Wahl 2017: Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen. Klartext mit Claus Strunz

Freitag, den 1. September 2017
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MI 30.08.2017 | 22.30 Uhr | Sat.1

Das wurde aber auch Zeit, dass endlich mal jemand Klartext spricht. Claus Strunz hat sich auf Sat.1 getraut: “Wahl 2017: Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen. Klartext mit Claus Strunz”. Also endlich mal einer, der die Politiker so richtig grillt. Der die Fragen stellt, die uns allen sehr auf den Nägeln brennen.
Zum Beispiel die, ob Katrin Göring-Eckhardt (Grüne) den Christian Lindner (FDP) hübsch findet. Oder ob Katja Kipping (Linke) den Lindner auch geil oder scharf findet. Ja, das wollten wir immer mal wissen. Auch, ob der schöne Christian Lindner auf Tinder totalen Erfolg habe, weil er doch eben so schön sei.
Bei Alice Weidel (AfD) wurde eine Umfrage zugespielt, wo es darum ging, dass die Leuten einschätzen sollten, ob Weidel Humor habe. Ist ja auch soo wichtig für den Wahlkampf.
Immer und immer wieder zog sich Claus Strunz an diesen Nichtigkeiten hoch. Vielleicht, weil er selbst ein bisschen scharf auf Christian Lindner war. Oder auch schlicht, weil er eine Wahlsendung auf Sat.1 moderierte, und da nichts ohne Boulevardthemen geht.

Und wenn er nicht lüstern-naive Fragen stellte, dann doch andere merkwürdige: Ob Katja Kipping alle Menschen einladen würde, die in Deutschland ihr Glück versuchen wollen, vom Flüchtling bis zum Terroristen. Worauf die Linke erst mal fragen musste, ob es klug sei, Flüchtlinge und Terroristen in einen Topf zu werfen. Immerhin spiele das dem IS in die Karten, weil die ganz das zum Ziel haben, dass man sie in einen Topf wirft.

Warum übrigens nur die kleinen Parteien an dieser Sendung teilnehmen durften, verriet Claus Strunz auch nicht. Als ob die Linken, Grünen, FDP und AfD den Kanzler stellen würden. Warum durfte nur die Opposition sprechen? Und welchen Sinn macht es, die ab und zu doch mal politisch debattieren und dann die Leuten abstimmen zu wählen, wen sie daraufhin wählen würden. Es fehlen doch da Parteien.
Aber vielleicht ist Claus Strunz dann am Sonntag beim großen TV-Duell ja dann auch für Fragen wie diese zuständig: Frau Merkel, sind Sie scharf auf Herrn Schulz? Herr Schulz, sind Sie eigentlich lustig? Frau Merkel, kennen Sie Tinder?
Ich bin gespannt.

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Promi Big Brother

Samstag, den 26. August 2017
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FR 25.08.2017 | 20.15 Uhr | Sat.1

Jens Hilbert hat “Promi Big Brother” 2017 gewonnen.
Und damit du das nicht ganz schnell wieder vergisst, lies dir doch diesen Satz einfach noch mal durch.
Allerdings: Warum hat eigentlich schon wieder kein Promi gewonnen, und waren überhaupt Promis in “Promi Big Brother”?

Ich habe mal schnell gegoogelt: Jens Hilbert ist Friseur. Und Promi ist er angeblich, weil er mal in Realityshows mitgemacht hat. Hilbert konnte sich damit gegen die unfassbar bekannte Prominente Milo Moiré durchsetzen, die bekannt geworden ist durch…
Moment, ich muss wieder googeln…
Sie ist Nacktperformancetänzerin, habe ich gerade gelesen.
Nun gut. Nun erhebe ich nicht den Anspruch alle Promis dieser Welt zu kennen, aber von einer gewissen … wie heißt sie noch? … habe ich nun wirklich noch nie gehört.

“Promi Big Brother” scheiterte in diesem Jahr an fehlenden Promis. Dominik Brutner ist Model, Evelyn Burdecki lief mal beim “Bachelor” durchs Bild. Steffen von der Beeck war mal mit Jenny Elvers verheiratet. Sarah Kern ist Modedesignerin (sie sieht sich als Top-Promi, die arme), Claudia Obert ist Modeunternehmerin und Maria Hering ist… ach, ist doch wurscht.

Immerhin, ein paar der Bewohner waren irgendwie mal bekannt. Sarah “Dingens” Knappik war schon im Dschungelcamp, Zachi Noy spielte vor Jahrhunderten mal in der “Eis am Stiel”-Sexklamotte. Eloy de Jong sang bei Caught in the Act, und Willi Herren spielte in der “Lindenstraße”.

In den ersten Stunden mussten sich die, ähm, Promis erst selbst gegenseitig erzählen, was sie eigentlich zum Promi macht. Leider war das alles so langweilig und öde, dass der Spaß schnell auf der Strecke blieb.Willi Herren musste sich eines Abends Frauenkleider anziehen, und wenn das Sat.1-Humor ist, dann darf man dem Sender gern den Saft abdrehen – für immer. Die ewigen Challenges trugen leider auch nur zur Langeweile bei.

In den vergangenen Jahren war es immerhin noch lustig, die Late-Night-Show bei sixx zu sehen – dort wurde immer herrlich über das Spektakel gelästert. Dem kleinen Sender, der im Quotental dümpelt, brachte das Zuschauer. Wollte man offenbar nicht mehr, sixx war raus. Stattdessen lief eine kleinere Nachverwertungsshow nur im Internet, und das auch noch auf umständlichem Weg. Mir ist es jedenfalls nicht gelungen, diese Sendung live verfolgen zu können.

Sat.1 könnte aus “Promi Big Brother” ein echtes Sommer-Event machen, ähnlich wie das RTL-Dschungelcamp im Winter. Aber Sat.1 kriegt das nicht hin. Schlechtes Casting, lahme Location, öde Spielchen. Und, ähm, wie hieß noch mal der Sieger, und was macht der noch gleich…?

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Der Wunschbaum – Kinder machen Träume wahr

Dienstag, den 15. August 2017
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SO 13.08.2017 | 18.55 Uhr | Sat.1

Die Idee ist ganz schön: Kinder können sich was wünschen. Aber nicht für sich, sondern für einen Menschen, der es aus ihrer Sicht verdient hat.
Am Sonntag lief bei Sat.1 die erste Folge von “Der Wunschbaum – Kinder machen Träume wahr”. Und das Erfreulichste daran ist, dass Sat.1 daraus keine langgezogene Abendshow gemacht hat, in der die Emotionen in die Länge gezogen werden.
Zwar wirkt es ein wenig albern, dass Moderator Thore Schölermann mit einem riesigen Truck vor einer Schule auftaucht, um dort einen Baum aufzubauen (hä?), ansonsten ist es aber ein recht intimes Format. Einige Szenen sind offenbar nachgedreht, aber das meiste erscheint gedreht wie geschehen.

Es sind rührende Dinge, die dann geschehen. Ein Mädchen will mit der 90-jährigen Oma einen Berlin-Trip machen. Sie bekommen ihn.
Ein anderes Mädchen wünscht sich für die Mutter einen Urlaub. Denn das Mädchen war krebskrank, und die Mutter hatte sich jahrelang aufopferungsvoll gekümmert. Im Gespräch fängt Thore Schölermann an zu weinen. Das spricht einerseits für ihn, aber andererseits ist vollkommen unnötig, dass man ihn danach erzählen lässt, warum er denn heulen musste – und diese Momente scheinbar auch noch mal nachgedreht hat, weil in diesen Heul-Momenten das Mädchen nie zu sehen ist, sondern nur Thore selbst. Man hätte diesen Moment einfach für sich sprechen lassen können, aber das reicht heutzutage leider nicht.
Die Mutter bekommt ihren Urlaub, aber da gibt es ein Problem: Sie will nicht alleine weg und ist kurz davor, abzulehnen. Verständlich. Warum soll sie auch alleine auf Kreuzfahrt gehen. Da hat man in der Redaktion offenbar nicht richtig mitgedacht, dass Mutterliebe scheinbar doch anders funktioniert. Deshalb war das Happy End – das Mädchen durfte mit – nicht überraschend und der sinnfreie Spannungsaufbau (”Gleich erfahren wir…”) vollkommen unnötig.

“Der Wunschbaum” ist ein nettes Format. Aber eben leider nur nett, und irgendwie fehlt am Ende doch der Grund, warum man auch nächste Woche wieder einschalten sollte.

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Der Augenblick – Verzeihen ohne Worte

Dienstag, den 11. Juli 2017
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SO 09.07.2017 | 18.55 Uhr | Sat.1

Haben wir Zoff, werden wir laut. Und nach dem Lautwerden, sprechen wir dann manchmal gar nicht mehr miteinander. Oft tagelang, manchmal wochenlang, hin und wieder jahrelang. Oder gar für immer.
Bei Sat.1 hat man ein Mittel gefunden, um Streits ganz anders zu lösen: in dem man sich anschweigt.

“Der Augenblick – Verzeihen ohne Worte” heißt die Sendung, die am frühen Sonntagabend bei Sat.1 angelaufen ist. Dort treffen sich Menschen, die sich lange nichts mehr zu sagen hatten, die sich stritten, die sich vielleicht nicht mehr mögen.
Sie werden in eine Kabine gesetzt, dort sitzen sie sich gegenüber – und schweigen. Und sehen sich an.
Es ist beeindruckend, was dann geschieht: Man wird nervös, man schaut sich an, und da scheint ein Gefühl aufzukommen. Ist irgendwo noch Liebe und Zuneigung vorhanden, dann bricht sie dort unter Umständen wieder auf.

So war es am Sonntag: Ein Mann und seine Freundin saßen sich gegenüber. Sie hat Mist gebaut, ihr war das peinlich. Und dann saßen sie da. Der Mann brauchte nicht lange, dann musste er aufstehen, um sie zu umarmen. Irgendwie rührend.

Aber reicht das für eine einstündige Sendung? Anscheinend nicht, denn die Quoten waren mehr als mau. Allerdings wirkt “Der Augenblick” auch seltsam kalt, was an der Beziehungsexpertin liegt, die spröde und im Österreich-Dialekt ständig irgendwas erklärt und dabei wie eine strenge Frau Doktor wirkt. Macht irgendwie alles kaputt. Wir überhaupt drumherum ziemlich viel geredet wird, denn nur Schweigen war sogar für die Sat.1-Verantwortlichen zu wenig.
Auch wird man es bei Sat.1 wohl nie lernen, Werbeblöcke richtig zu platzieren: Sie kamen immer direkt vor der Begegnung. Was an sich spannend ist, aber die Sendung begann nach der Reklame kommentarlos mit den Schweige-Sequenzen. Für Zufalls-Zapper eher ein Grund zum Weiterzappen.

Deshalb: Schöne Idee, aber nichts, was man sich öfter ansehen würde. Eher so was für den Augenblick…