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Claudias House of Love

Donnerstag, den 1. April 2021
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DI 30.03.2021 | 20.15 Uhr | Sat.1

Prösterchen! Claudia Obert sucht einen Kerl. Darauf kann man schon mal einen heben. Oder fünf. Claudia Obert ist Unternehmerin, aber vor allem durch ihre beschwippsten Auftritte in Realityshows bekannt geworden.
Ob sie wirklich einen Typen fürs Bett und für den Rest sucht, weiß man nicht so genau, und man will es eigentlich auch nicht so genau wissen. Was Sat.1 nicht davon abgehalten hat, sie in einer neuen Dokusoap auf Männerfang zu schicken.

Dafür ist nochmals das “Big Brother”-Haus vom vergangenen Jahr aktiviert worden. Am Dienstagabend liefen die ersten beiden Folgen von “Claudias House of Love”. Eine Reihe Männer kommt zu ihr und sie zu knacken.
Ja, das mag hart klingen. Aber im Grunde geht es genau darum.

Der Mario zum Beispiel. Der ist 24, seine älteste Bettgespielin war bislang 43. Die Obert ist 59, und Mario ist ganz heiß auf sie. “Ich will einfach nur Spaß haben”, sagt er. Er ist Student und veranstaltet Partys. Was er vom Leben erwartet, sei “Champus, Schlampen und Schalentiere”. Das erstaunliche daran ist ja, dass es solche Prolls, die ihren Selbstekel offenbar abgelegt haben, offenbar immer noch gibt.
Aber damit ist er in Claudia Liebeshaus nicht allein. Torsten, oder Totti, ist ein schon ein bisschen in die Jahre gekommener DJ. Die Claudia sei eine geile Braut, sagt er. Und “ich bin der Geilste.” Womit er sich zwar irrt, aber natürlich macht es das alles noch… nein, nicht lustiger. Eigentlich steigt die Übelkeit da schon ziemlich an.
Aber dann kommt noch Nicolai, er nennt sich “Bezirksbefruchter a.D.”, und es muss sehr lange hergewesen sein. “Wer mich kennt, nimmt mich täglich”, sagt er und meint vermutlich irgendwelche Tabletten. Er habe sieben Kinder von sieben Frauen. Vielleicht stimmt so ja sogar, traurigerweise.

Claudia scharwenzelt um alle herum, und trotz ihrer Beschwippstheit kann man sich schwer vorstellen, dass sie sich wirklich für einen dieser Typen interssiert.
Der geile Mario zum Beispiel ist schnell darüber enttäuscht, dass Claudia ihn irgendwie gar nicht so geil findet. Weshalb er sich auch gleich mal so besäuft, dass er nur noch wankend durchs Lovehouse latscht und wirres Zeug redet.
Am Ende der Folge muss sich Claudia Obert entscheiden, wen sie aus dem Haus schmeißt. Wer ist ist, erfahren wir in Folge 2. Wenn man das denn will.
Eher nicht.

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Du sollst nicht lügen

Donnerstag, den 11. Februar 2021
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MI 10.02.2021 | 20.30 Uhr | Sat.1

Es beginnt harmlos, sogar ziemlich romantisch – und es endet in einer Katastrophe. Wobei sich beide Seiten alle andere als einig darüber, was eigentlich in dieser Nacht passiert ist.
Laura ist Lehrerin, und beziehungstechnisch läuft es gerade nicht so gut. In der Schule lernt sie den Vater ihres Schülers Lukas kennen. Es scheint zwischen ihr und Hendrik schnell zu funken. Sie verabreden sich.
Am nächsten Morgen der Schock: Laura ist fest davon überzeugt, von Hendrik vergewaltigt worden zu sein. Es könnten K.O.-Tropfen im Spiel gewesen sein. Hendrik bestreitet das. Er sagt, sie hatten einvernehmlichen Sex. Laura schaltet die Polizei ein.

“Du sollst nicht lügen” führt auch den Zuschauer ordentlich aufs Glatteis. Denn auch wenn der gesunde Menschenverstand sagt, dass Laura recht haben sollte – ganz sicher sein kann man sich nicht. Zum einen weil auch Laura mit unsauberen Methoden handelt und weil auch sie eine Vergangenheit hat. Die hat aber auch Hendrik, und bald ist auch bei ihm klar: Ganz so einfach gestaltet sich dieser Fall nicht.
Das Spannende an dieser 4-teiligen Serie ist durchaus, dass man auch als Zuschauer ins Grübeln kommt, weil man sich auch selbst überlegt, auf wessen Seite man sich stellen soll. Ist Laura vielleicht doch nur hysterisch? Oder ist Hendrik doch ein Ekel? Dieses Hin und Her ist durchaus fesselnd.

-> Die Serie bei Joyn

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Marlene Lufen: Deutschland im Lockdown

Mittwoch, den 10. Februar 2021
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MO 08.02.2021 | 20.15 Uhr | Sat.1

Der Denkfehler liegt schon in der Moderation dieses Psychotalks. Weil Sat.1-Moderatorin Marlene Lufen mit einem Instagram-Video 11 Millionen Abrufe erreichte, dachte man sich bei Sat.1, dass man ihr doch dazu auch eine (vermutlich) einmalige Sendung geben könnte.
Marlene Lufen sprach in ihrem Video davon, dass man in der Coronakrise auch an die Kinder, die Depressiven und an die vielen anderen Lockdown-Folgen denken sollte. Damit hat sie natürlich recht. Dass über diese vielen Gruppen aber nie nachgedacht werde, stimmt so aber auch nicht.
Da wäre es vielleicht besser gewesen, Marlene Lufen in eine solche Talkshow einzuladen, in der sie über ihr Video, ihre Recherchen und ihre Erfahrungen sprechen kann.
Stattdessen ging am Montagabend sehr kurzfristig “Marlene Lufen: Deutschland im Lockdown” auf Sendung. Und manchmal wirkte es, als ob Marlene Lufen selbst am meisten zu erzählen hatte.

In der Sendung kamen ein Schüler, eine depressive Frau, ein Gastronom und Koch und eine Kinderärztin zu Wort. Der Schüler sprach darüber, dass es gerade schwierig: Wie verläuft das Abi? Was kommt danach? Wie geht das ohne soziale Kontakte? Probleme, über die man sprechen muss. Die depressive Frau erzählte davon, dass es für Leute wie sie gerade eine schlimme Zeit ist: kaum Kontakte, schwierige Zukunftsaussichten. In einem Einspieler sprachen Kinder davon, was ihnen jetzt fehle: Schule, die Freunde – und es gibt die Sorge vor der Krankheit selbst. Und der Koch erzählte von der Krise seiner Branche.
Alles richtig. Alles wichtig. Alles hochproblematisch.

Was aber ist der Ausweg? Was aber wäre die Alternative? Was machen wir jetzt mit dem Lockdown? Und was ist mit den Krankenhäusern? Mit dem Pflegepersonal? Wie leiden die eigentlich? Und grundsätzlich: Leiden wir nicht gerade alle? Leiden wir nicht alle an fehlenden sozialen Kontakten? An fehlenden Erlebnissen? An fehlender Zukunftsperspektive?

Marlene Lufen sagt ja, man wolle jetzt auch mal über die Lockdown-Probleme sprechen, die ja sonst angeblich nie besprochen werden – Stichwort: Einseitigkeit. Dabei war dieser Talk ebenfalls einseitig. Es wirkte manchmal, als sei der Lockdown an allem Schuld, nicht aber das Coronavirus, über das an sich eigentlich nie gesprochen worden ist. Wenn der Gastronom und Koch sagt, man bekomme die finanziellen Hilfen nicht, dann muss da jemand sitzen, der ihm was dazu sagt, warum das so ist.
Es kann in einer journalistischen Talkshow (nun gut, es war keine journalistische Talkshow) doch nicht nur darum gehen, jetzt endlich was sagen zu dürfen. Besser wäre es gewesen, den Betroffenen Menschen gegenüber zu stellen, die vielleicht darauf antworten können, Gegenthesen aufstellen oder Dinge begründen oder bedenken oder auch überdenken können. So drehte sich die Talkshow vollkommen im Kreis, weil alle nur sagten, wie schlimm (und das ist es!) alles sei. Wie ein Selbsthilfe-Gesprächskreis. Ein bisschen mehr sollte eine solche Sendung aber schon bieten.

Natürlich ist es richtig, alle diese Menschen zu Wort kommen zu lassen. Wir alle müssen schauen, dass uns der Laden nicht um die Ohren fliegt, wir alle müssen aufpassen, nicht verrückt zu werden. Diese Sendung hat aber nur die Wirkung: Wir haben mal drüber gesprochen. Wenn den Leuten bei Sat.1 das reicht…

Irritierend war Marlene Lufens Abschlussmoderation, in der sie darauf hinwies, man solle doch mit Verständnis für die Sichtweise des anderen diskutieren, denn wir haben alle unterschiedliche Empfindungen und habe verschiedene Perspektiven auf die Krise.
Das stimmt, nur kamen in dieser Sendung eben nicht verschiedene Sichtweisen zutage. Alle waren sich über ihre Themen einig, Dispute waren nicht gewollt. Verschiedene Perspektiven erst recht nicht.

-> Die Sendung bei Joyn

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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

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Auf Streife – Berlin

Montag, den 23. November 2020
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SA 21.11.2020 | 5.20 Uhr | Sat.1

Dass es den privaten Fernsehsendern schon lange nicht mehr darum geht, die Zuschauer zu unterhalten, ist ja nichts Neues. Programmflächen füllen – darum geht es. Egal was, egal wie lange.

Am Sonnabend hat Sat.1 das sehr eindrucksvoll bewiesen. Da begann im Morgenprogramm eine Folge von “Auf Streife – Berlin”. Eine Dokusoap, die Polizisten begleitet.
Nach fünf Folgen dieser Reihe ging es am Vormittag weiter mit “Auf Streife – Die Spezialisten”. Im Grunde dasselbe wie “Auf Streife – Berlin”, klingt aber besser. Davon liefen nicht fünf Folgen, nicht sieben, sondern sage und schreibe zehn Folgen am Stück, fast zehn Stunden lang.

In der Zeit von 5.20 bis 19.55 Uhr liefen am Sonnabend bei Sat.1 also 15 (!!) Folgen von “Auf Streife” am Stück, nur unterbrochen von einer einminütigen (!) Kirchensendung mit einem aufgesagten Sprüchlein.

Einfallslos, lieblos, billig. Mehr lässt sich über den großflächig verteilten Ramsch im Sat.1-Tagesprogramm am Sonnabend nicht sagen. Netflix und Co. reiben sich die Hände.

Hits: 141

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Buchstaben Battle

Dienstag, den 13. Oktober 2020
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MO 12.10.2020 | 18.00 Uhr | Sat.1

Die Verzweiflung der Fernsehredakteure ist gerade greifbar.
Da laufen bei der guten, alten Tante ARD um 18 Uhr diverse erfolgreiche Quizshows. Und beim ZDF sind sie mit Krimis noch erfolgreicher.
Sat.1 dagegen dümpelt seit Jahren mit mehr als mauen Quoten rum. Dokusoaps, eine müde, altbackene Rateshow – die Zuschauer umfahren diese Fernsehzone bislang weiträumig. Bei Sat.1 hat man mal wieder fieberhaft überlegt, womit man denn mehr Aufmerksamkeit bekommen hat. Und eingefallen ist ihnen, gegen das Quiz der ARD ein Quiz zu setzen. Herzlichen Glückwunsch, Sat.1!

Am Montag lief nun das erste “Buchstaben Battle”. Wobei man bei Sat.1 von der Idee, irgendwas mit Buchstaben zu machen, irgendwie nicht ganz überzeugt gewesen sein muss. Denn in der ersten Runde der Show drehte sich alles darum, irgendwelche Wörter zu erraten – die haben zwar Buchstaben, das aber war eigentlich unerheblich.

Die total gut draufe Ruth Moschner moderiert dieses Battle. Zwei Teams treten gegeneinander an. Die Teams bestehen aus je zwei Promis und einem Normalo, für den das erspielte Geld am Ende ist.
Aleksandra Bechtel wies dabei etwas überdreht immer wieder darauf hin, dass sie keinen zu erratenden Promi kenne, und auch sonst war sie so hibbelig, dass sie sich und ihren Mitratern im Wege stand.

Einige Spiele drehten sich dann tatsächlich auch um Buchstaben. Wie einst beim “Glücksrad” – nur ohne Rad – mussten Wörter geraten werden, in dem Buchstaben genannt wurden. Zwischendurch war das mit den Buchstaben aber wieder doof, und man ließ die Kandidaten lieber Songs raten. Als ob die Redaktion vom Konzept ihrer Sendung nicht ganz überzeugt war, dabei war die Sendung immer dann am spannendsten, wenn es um Buchstaben ging und man gut miträtseln konnte.

Am Ende gab es ganz lapidar einen Sieger, aber so die wirkliche Finalspannung fehlte auch hier. So ist das “Buchstaben Battle” leider eine lauwarme Angelegenheit. Viel zu lang, 30 Minuten würden reichen, viel zu unkonzentriert und viel zu groß und showig.
Manchmal wirkt es, als ob die heutigen Fernsehleute keinen Sinn mehr dafür haben, die richtige Stimmung und Spannung zu erzeugen, es fehlt an Timing und an einem straffen Konzept.
Keine Sendung, die ich jetzt gern jeden Tag einschalten muss. Oder überhaupt noch mal.

-> Die Sendung bei Joyn

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Der Deutsche Comedypreis 2020

Samstag, den 3. Oktober 2020
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FR 02.10.2020 | 20.15 Uhr | Sat.1

Die deutsche Comedy ist tot.
Könnte man jedenfalls meinen, wenn man der Verleihung des Deutschen Comedypreises 2020 beiwohnt.
Aber wenn man in die müden Gesichter des coronabedingt spärlichen Publikums im Saal sieht, wenn bekommt man eine Ahnung davon, wie es ist, sich dieses Drama der Unlustigkeit live anschauen zu müssen. Nach dem guten Intro ging es steil bergab. Immer wieder zeigt die Regie völlig treffsicher Menschen, die sich abgrundtief zu langweilen scheinen. Felix Lobrecht wurde immer wieder gezeigt, als ob die Regie auf irgendeine lustige Reaktion gewartet hat.

Der Deutsche Comedypreis wechselte zu Sat.1. Aber es scheint, dass der Witz, der in den vergangenen Jahren abhanden gekommen war, nun endgültig vermisst wird.
Aber vielleicht musste man auch die Zeit strecken. Die Nominierungsfilme waren überlang, vermutlich auch, weil die Zuschauer ja mitwählen und die teure 50-Cent-Hotline nutzen sollten – bei jedem Anruf, bei jeder Kategorie.

Dass “Chez Krömer” vom rbb als beste Comedyshow nominiert war, ist schon merkwürdig genug (die Talkshow ist ja oft genug gar keine Comedy), noch dazu mit Shows wie “Darf er das?” oder “Luke! Die Greatnightshow”. Gewonnen hat aber erstaunlicherweise das “World Wide Wohnzimmer” von Funk.
Noch erstaunlicherweise war, dass bei der besten Comedyserie “Slavik – Auf Staats Nacken” von Joyn gewonnen hat. Nie davon gehört. Nie gesehen. Eine Knallerserie wie “Jerks.” von ProSieben ging dagegen leer aus.
Dass die Mutter der Podcasts, “Fest & Flauschig” von Spotify, keinen Preis gewann, lässt sich verschmerzen, denn auch “Gemischtes Hack” von Felix Lobrecht ist extrem erfolgreich.

Sicher, es war sehr leer im Saal, die Lacher kamen recht penetrant vom Band. Aber irgendwie sollte in so eine Comedygala doch ein bisschen mehr Esprit reinbekommen.

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