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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

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Geh aufs Ganze!

Montag, den 29. November 2021
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FR 26.11.2021 | 20.15 Uhr | Sat.1

Neues von der Retrowelle. Nun ist auch der Zonk zurück. Und mit ihm “Geh aufs Ganze!” und Jörg Draeger.
Dass eine Show in nur fünf Jahren zum Kult werden sollte, ist das eigentlich Überraschende daran. Denn “Geh aufs Ganze!” lief bei Sat.1 überhaupt nur von 1992 bis 1997, abgesetzt worden ist sie beim Sender also sogar noch lange vor dem “Glücksrad”. Und das wird Gründe gehabt haben. Zuletzt hatte da Elmar Hörig moderiert, weil Draeger von RTL weggekauft worden ist. Von 1999 bis 2003 gab es die Show noch mal bei Kabel 1, aber scheinbar war der Erfolg auch nicht mehr so doll.

Aber 25 Jahre danach erscheint ja immer alles in einem neuen Licht. Und deshalb tut man 2021 auch so, als würde der ganz, ganz große Kult auf den Bildschirm zurückkehren. Aber ist das wirklich bemerkenswerte daran, dass die Privatsender das Genre Spielshow heutzutage gar nicht mehr im Tagesprogramm hat. Sie sind einfach verschwunden, weil RTL, Sat.1 und Co. der Ansicht waren, dass das Publikum zu alt sei. Inzwischen schielen die Privatsender auch auf die ältere Zielgruppe – weil die Jungen am Tage so gut wie gar nicht mehr einschalten. Allerdings sieht man gerade sehr gut bei RTL, dass sich die Sender auf den Kopf stellen können – die älteren Zuschauer bleiben auch fern, weil sie sich erstaunlich grundsätzlich vom Privatfernsehen abgewandt haben.

Dass Draeger das Zocken immer noch drauf hat, hat er in den vergangenen Jahren in diversen Shows auf diversen Sendern gezeigt. Zuletzt vor seinem Einzug bei “Promi Big Brother” im Sommer 2021 auf Sat.1. So kam vermutlich die Idee, daraus eine – nein, drei Primetimeshows zu machen.
Am Freitagabend nun lief die Comebackshow von “Geh aufs Ganze!” bei Sat.1. Dem 76-jährigen Jörg Draeger wurde Daniel Boschmann danebengestellt, der die Mitspielenden aus dem Publikum holt und ein paar Nebenbeiaktionen macht.

Natürlich funktioniert die Show noch immer. Umschlag oder Tor 2? Tor 2 oder 1000 Euro? Und so weiter. Draeger jat’s drauf, auch wenn die Menschen heutzutage irgendwie nur noch selten richtig zocken wollen und sich nicht so richtig auf Draeger einlassen. Und tatsächlich haben nicht alle gewonnen – die Show endete mit dem Zonk.

Die Quoten waren okay, wenn auch nicht überragend. Und vermutlich würde selbst “Geh aufs Ganze” heute nicht mehr als tägliche Show im Vorabendprogramm auf Dauer funktionieren. Seit langer Zeit wird Sat.1 nach 18 Uhr konsequent von den Leuten ignoriert, egal, was Sat.1 da sendet. Junge Zuschauer wird man damit nicht begeistern, eher die Leute ab 35, die die damalige Show noch kannten. Retro eben. Und Retro funktioniert heutzutage eher als Event.

-> Die Show bei Joyn

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Sat.1-Frühstücksfernsehen am Sonntag

Montag, den 25. Oktober 2021
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SO 24.10.2021 | 9.00 Uhr | Sat.1

Dass da noch niemand drauf gekommen ist! Sat.1 sendet jetzt auch sonntags ein Frühstücksfernsehen. Allerdings beginnt es nicht um 5.30 Uhr wie unter der Woche. Denn wer steht am Sonntag um halb 6 auf? Um diese Zeit gehen die Clubgänger gerade mal ins Bett. Und den Moderatoren möchte man es auch nicht zumuten, sonntags schon sonstwann aufstehen, um gute Fernsehlaune zu verbreiten.
Sonntags geht es erst um 9 Uhr los, zu einer Zeit, wo bei vielen tatsächlich das Sonntagsfrühstück auf dem Tisch steht. Zum Auftakt dauerte das Gute-Laune-Magazin bis 11.35 Uhr. Also bis kurz vorm Mittach.

Nun steht ja das Sat.1-Frühstücksfernsehen eher (sehr) selten für journalistische Höchstleistungen, sondern eher für den Boulevard, für leichte Themen, Tipps und anstrengend gute Laune. Das ist sonntags nicht anders. Ausführlich wurde noch mal “The masked Singer” vom Vorabend durchgekaut, es ging erstaunlicherweise um Lieder, die man ja sonntags in der Kirche singt (na ja, wenigstens noch ein paar Leute, die aber in der Kirche sind und deshalb kein Frühstücksfernsehen schauen), dazu Promiklatsch und Internet-Clip-Kram.
Kein Programm, das man gespannt im Sessel verfolgt, eher eine Geräuschkulisse am Sonntagvormittag, wenn die Kinder nicht mehr ihre Zeichentrickserien schauen wollen oder man lieber nicht “Die Sendung mit der Maus” sehen will.
Relativ verzichtbar, aber vielleicht verirren sich ja ein paar Leute sonntags zu Sat.1. Wer’s braucht…

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Halbpension mit Schmitz

Samstag, den 23. Oktober 2021
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FR 22.10.2021 | 22.45 Uhr | Sat.1

Ein paar Comedians auf der Bühne. Sie spielen eine Szene, und alle haben sie einen Knopf im Ohr. Ein Spielleiter gibt einem von ihnen zwischendurch Aufgaben, die sie durch Improvisation erledigen sollen.
Fertig ist die “Schillerstraße”.
Könnte man jedenfalls meinen. Stattdessen gab es am Freitagabend bei Sat.1 die Halbpension mit Schmitz”.

Sat.1 hat – und das nicht zum ersten Mal – sein eigenes einstiges Erfolgsrezept kopiert. Das Publikum sitzt vor einer Bühne, mehrere Comedians spielen etwas, der Spielleiter sitzt auf einem Podest im Publikum.
Das ist einerseits einfallslos, und eigentlich hätte man das auch wieder “Schillerstraße” nennen können. Andererseits bringt eine neue Idee auch neuen Drive in eine Show.
Neuer Spielleiter ist Pierre M. Krause, er gibt diesmal den Comedians die Anweisungen aufs Ohr.

Dieser Beitrag ist übrigens auch eine Kopie. Denn so ziemlich dasselbe habe ich auch schon geschrieben, als bei Sat.1 “Mord mit Ansage – Die Krimi-Impro-Show” auf Sendung ging. Da gab es auch eine Bühne mit Comedians, nur dass Bill Mockridge derjenige war, der die Aufgaben einflüsterte – und dass man mitraten konnte, wer der Mörder ist.

Bei der “Halbpension mit Schmitz” handelt es sich um eine Beschäftigungstherapie für Ralf Schmitz. Den hat Sat.1 nämlich von RTL geklaut, und irgendwas muss man mit den Neu-Stars ja anfangen. Also gibt man ihnen eine Show, die schon mal einigermaßen funktioniert hat – also, damals, in der Anfangszeit der “Schillerstraße”, in der Ralf Schmitz auch öfter auftauchte.
Das Problem der “Halbpension” ist leider die ziemliche Unlustigkeit. Ralf Schmitz soll ein Bild malen, Janine Kunze ist seine Muse und Simon Pearce ist auch nicht lustiger.
Ralf Schmitz sprach am Freitag in der Impro davon, dass ihn die Muse geküsst habe. Das kann man von dieser Show jedoch nicht behaupten.

-> Die Sendung bei Joyn

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Der Deutsche Comedypreis 2021

Samstag, den 2. Oktober 2021
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FR 01.10.2021 | 20.15 Uhr | Sat.1

Es war einiges anders als sonst. Ernster. Kurz vor Schluss bekam “Der Deutsche Comedypreis 2021”, am Freitagabend live bei Sat.1, noch eine überraschende Wendung – mit Kritik in verschiedene Richtungen, auch an die Gala selbst.
Dafür zuständig war Maren Kroymann. Die große Maren Kroymann hatte vollkommen zurecht den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk bekommen. Und sie hatte einiges zu sagen.

“Jetzt bin ich doch froh, dass ich hergekommen bin”, so begann sie. Es schwebe eine Wolke über dem Saal. “Ein Kollege von uns hat Übergriffe gemacht, und eine junge Kollegin hat das gesagt. Ich werde dafür ausgezeichnet, dass ich lustige Geschichten erzähle und es gibt Frauen, die ihre Geschichte erzählen, die nicht lustig sind.” Maren Kroymann hält das für ein Missverständnis.
Sie spricht damit das Thema an, das tatsächlich ganzen Abend über allem schwebte. Die Akademie hatte vorher zusammen mit Netflix und Sat.1 entschieden, die Serie “Über Weihnachten” von der Nominiertenliste für die beste Comedyserie zu nehmen. Man wolle die Serie und den Cast schützen, so hieß es. Eine entsprechende Erklärung las auch Moderator Steven Gätjen vor. Konkret geht es um den Vorwurf von sexuellen Übergriffen seitens Mockridge.
“Ich hätte gerne gehabt, dass Verantwortliche hier für diesen Preis, von dem Sender, die Eier gehabt hätten zu sagen: Wir solidarisieren uns nicht nur mit unserem beliebten Künstler, sondern mit den Frauen die betroffen sind. Ich würde mir wünschen, dass ihre Geschichte gehört wird, dass diese Frauen ernst genommen werden, dass sie respektiert werden. Dass man ihnen glaubt.”
Was Sat.1 angeht, hat sie natürlich recht. Der Rest ist kritisch. Man sollte nämlich alle Menschen ernstnehmen, und bevor eine Sache nicht endgültig geklärt ist, jemanden an den Pranger zu stellen, ist schon mehrfach nach hinten losgegangen. Wobei Hazel Brugger mit ihrem “Konsequenzen für Comedian XY”-T-Shirt noch viel heuchlerischer war: Einerseits Dinge nicht konkret aussprechen, andererseits Konsequenzen für etwas fordern, wovon wir alle nicht wissen, wie es genau war. Zumal es immer auch darum gehen muss, ob wir von privaten oder auch beruflichen Konsequenzen sprechen – und ob das eine das andere immer bedingen muss.
Kroymann sprach auch über den langen Weg der Frauenemanzipation, und in dem Zusammenhang kritisierte sie auch die Macher der Gala – warum denn die Frauen, die die Preise bringen, solche Kleider tragen müssen. Um gut auszusehen?
Das wiederum saß, das waren wichtige Worte.

Für “Über Weihnachten” ist die Nicht-Nominierung übrigens bitter. Denn die Serie ist mehr als nur ihr Hauptdarsteller. Sie hätte recht sicher unter normalen Umständen den Titel der besten Serie gewonnen – aber eine normale Abstimmung – alle Preise wurden über Telefonvotings vergeben – war so kaum möglich.

Aber auch sonst war “Der Deutsche Comedypreis 2021” erstaunlich unlustig. Die Show wirkte, als ob man sich an Erfolgskonzepte aus den 00er-Jahren orientiert hat. Also, die, die damals schon unlustig waren.
Katrin Bauerfeind und Steven Gätjen moderieren fast ohne Witz die Show runter, und wehmütig erinnert man sich an Dieter Nuhr, Max Giermann oder Atze Schröder – als Comedyleute noch den Comedypreis moderierten. Platte Gags im Zwischenprogramm, eine ewig lange Quizshow mit einem schlecht gelaunten Faisal Kawusi und unfassbar blöden und lahmen Live-Schalten zu einer Familie, die von Ralf Schmitz besucht worden ist.
Angeblich war die Show die witzigste Gal des Jahres. Ähm, nein.

Dass die Menschen zu Hause in allen Kategorien voten konnten, ist einerseits eine demokratische Sache. Aber andererseits: Wie viel Bedeutung hat, was ein paar Sat.1-Zuschauer denken, wie gut bestimmte Sendungen sind? Noch dazu für 50 Cent pro Anruf? Und dass nur die gewinnen, die genügend Fans mobilisieren können, muss auch nicht immer für die Qualität einer Serie oder einer Show sprechen.
Und dass in der Kategorie beste/r Komiker/in Männer und Frauen gemeinsam antreten, könnte 2022 wohl auch wieder abgeschafft werden. Die Sache mit der Gleichberechtigung ist nämlich nach hinten losgegangen. Beide Komikerinnen sind nämlich schon vor dem Finale der besten 3 rausgeflogen – übrig blieben nur Männer. Dumm gelaufen.

-> Die Show bei Joyn

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Kannste Kanzleramt? – Baerbock, Laschet und Scholz zurück in der Schule

Samstag, den 11. September 2021
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DO 09.09.2021 | 20.15 Uhr | Sat.1

“Heut ist so ein schöner Tag, schalalalala, heut ist so ein schöner Tag, schalalalala!”
Da steht er nun vor einer Grundschulklasse und tanzt. Und singt manchmal sogar mit, beim “Fliegerlied”, das er beim “Summ-Spiel” zuvor nicht erkannt hatte.
Es ist eine ganz neue Situation für Armin Laschet. Der Kanzlerkandidat der Union muss sich in einer etwas anderen Wahlsendung präsentieren.
Bei Sat.1 wurde am Donnerstagabend gefragt: “Kannste Kanzleramt?”, und die Fragen sind von Kindern gestellt worden. Nacheinander mussten sich Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz dieser Situation stellen.

Zwar brachte die Sendung kaum neue Erkenntnisse, dennoch war es spannend zu beobachten, wie sich die beiden Politiker und die Politikerin mit den Kindern unterhielten, wie sie ihnen Dinge erklärten. Die Kindern stellten Fragen dazu, was ihnen Angst macht, sie wollten etwas über CO2-Sparen wissen, aber auch zu Navalny. Von Baerbock wollte ein Kind wissen, wie das denn mit den sogenannten Buchfälschungen war. Manchmal fragte man sich zwar schon, ob alle diese Fragen wirklich von den Kindern kamen – andererseits schienen sie aber über diverse Themen erstaunlich gut informiert zu sein.
Deshalb war diese “Wahlarena” vermutlich die außergewöhnlichste des Jahres – aber auch eine sehr kurzweilige.

Bei der “Bild” bekamen sie unterdessen mal wieder Schnappatmung, und Bild-Chef Julian Reichelt war mal wieder empört, empört und extrem empört. Denn die Kinder in der bei Sat.1 gezeigten Schulklasse trugen keine Maske – ebenso Scholz, Baerbock und Laschet. Und das sei, erwähnte ich das schon, empörend, fand man bei der Bild.
Dabei gelten für Fernsehproduktionen ganz andere Regeln als für die Schule. Alle Teilnehmenden wurden – wie das beim Fernsehen üblich ist – vorher getestet.
Zumal die Frage ist, ob es sich überhaupt um eine komplette Schulklasse handelt, denn als Armin Laschet auf Bitte der Kinder einen Politpromi anrief – Jens Spahn – da erwähnte er, dass Kinder aus verschiedenen Bundesländer vor ihm sitzen.
Aber so hatte die “Bild” wenigstens wieder mal was, worüber man sich aufregen konnte und womit Streit erzeugt werden kann.

-> Die Sendung bei Joyn

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Let the Music play – Das Hit Quiz

Montag, den 16. August 2021
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DO 12.08.2021 | 19.00 Uhr | Sat.1

Eines muss man den Leuten von Sat.1 ja lassen. Sie haben noch nicht kapituliert. Seit Jahren denken sie sich für den Sendeplatz um 19 Uhr neue Shows aus – die dann alle vom Publikum weitgehend ignoriert werden.

Am Montag startete dort nun “Let the Music play – Das Hit Quiz”. In dieser Sendung müssen Songtitel erraten werden. Es handelt sich dabei um die Neuauflage der Show “Hast du Töne”, die von 1999 bis 2001 bei VOX lief.
Und man hat sich sogar richtig Mühe gegeben, denn im Studio steht eine Live-Band, die alle Songs anspielt. Also nicht nur eine Konserve.
Und dennoch: Der Funke springt nicht über. Es ist eigentlich das Schlimmste, was passieren kann: Die Show ist irgendwie egal. Ja, es ist ganz putzig, dass man gemeinsam mit den Frauen und Männern an den Ratepulten die Songs erraten kann – aber dafür jeden Tag wieder einschalten?

Es ist die ganz große Frage: Was ist dem Publikum der Fernsehsender nicht egal? Was wollen sie sehen? Was gibt es, dass sie jeden Tag wieder einschalten?
Eine Antwort darauf hat man bei Sat.1 nicht gefunden, auch nicht mit “Let the Music play”. Seit langer Zeit stagnieren die Zuschauerzahlen zwischen 500.000 und 800.000 Zuschauenden. Es gab nicht mal beim Neustart am Montag einen Einschaltimpuls aus Neugier. Die Quote dümpelte dahin wie auch schon bei “Rolling”, bei den “Genial daneben”-Varianten und bei “Big Brother”.
Vielleicht versucht Sat.1 demnächst mit fünf “K11”-Folgen am Stück. Oder mit Videotext-Tafeln. Oder mit dem Testbild.

-> Die Sendung bei Joyn

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