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TV-Duell: Merkel – Schulz

Dienstag, den 5. September 2017
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SO 03.09.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Das war ja ein echt spannendes TV-Duett TV-Duell. Das einzige direkte Aufeinandertreffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz am Sonntagabend wirkte wie eine etwas verfrühte Koalitionsverhandlung. Schulz sagte was, und Merkel nickte. Merkel sagte was, und Schulz nickte. Wirklichen Streit gab es auch, aber nur selten.
Viel zu selten ist es dem Moderatorenquartett gelungen, die Unterschiede zwischen den beiden Politikern herauszukitzeln. Viel zu oft ließen sie es durchgehen, dass es einen Kuschelkurs gab.
Und dann ist da noch Sat.1-Mann Claus Strunz. Dass er scheinbar eher auf der rechten Seite der Politik steht, ist zunächst nicht verwerflich, schließlich muss nicht die komplette deutsche Journalistenschar auf der linken Seite stehen. Dass er aber im TV-Duell mehrfach falsche Zahlen und Zitate in den Ring warf und sich dafür von Merkel und Schulz korrigieren lassen muss – das ist dann doch peinlich und ärgerlich. Aber sonst kommentiert Strunz die deutsche Innenpolitik auch immer nur im wichtigen Sat.1-Politmagazin “Sat.1-Frühstücksfernsehen”. Da sollte er wieder hin.

Eigentlich drängten ja die vier übertragenden Sender auf zwei TV-Duelle. Obwohl es erstaunlich gut funktionierte, ist es doch ziemlich bekloppt, dass Merkel und Schulz gleich vier Moderatoren gegenüber stehen. Was aber eben daran liegt, dass vier Sender übertragen, und jeder Sender seinen Vertreter schicken wollte.
Gäbe es zwei TV-Duelle, liefe eines vermutlich nur bei ARD und ZDF und das zweite bei RTL und Sat.1. Dass gerade die auf Duell Nummer 2 drängen, mag wohl vor allem an den Einschaltquoten zu liegen: Wenn vier (mit phoenix fünf) Sender dasselbe zeigen, schalten die allermeisten Zuschauer Das Erste ein. So auch am Sonntag. Mehr als 16 Millionen Zuschauer waren dabei, allein mehr als 9 Millionen im Ersten. Das ZDF folgte mit weitem Abstand und 3,7 Millionen. Für RTL sah es mit gut 2 Millionen schon düster aus, bei Sat.1 waren es nicht mal eine Million. Die Privaten haben in Deutschland – leider zu recht – eben keine Bedeutung, wenn es um Informationssendungen geht.

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Wahl 2017: Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen. Klartext mit Claus Strunz

Freitag, den 1. September 2017
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MI 30.08.2017 | 22.30 Uhr | Sat.1

Das wurde aber auch Zeit, dass endlich mal jemand Klartext spricht. Claus Strunz hat sich auf Sat.1 getraut: “Wahl 2017: Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen. Klartext mit Claus Strunz”. Also endlich mal einer, der die Politiker so richtig grillt. Der die Fragen stellt, die uns allen sehr auf den Nägeln brennen.
Zum Beispiel die, ob Katrin Göring-Eckhardt (Grüne) den Christian Lindner (FDP) hübsch findet. Oder ob Katja Kipping (Linke) den Lindner auch geil oder scharf findet. Ja, das wollten wir immer mal wissen. Auch, ob der schöne Christian Lindner auf Tinder totalen Erfolg habe, weil er doch eben so schön sei.
Bei Alice Weidel (AfD) wurde eine Umfrage zugespielt, wo es darum ging, dass die Leuten einschätzen sollten, ob Weidel Humor habe. Ist ja auch soo wichtig für den Wahlkampf.
Immer und immer wieder zog sich Claus Strunz an diesen Nichtigkeiten hoch. Vielleicht, weil er selbst ein bisschen scharf auf Christian Lindner war. Oder auch schlicht, weil er eine Wahlsendung auf Sat.1 moderierte, und da nichts ohne Boulevardthemen geht.

Und wenn er nicht lüstern-naive Fragen stellte, dann doch andere merkwürdige: Ob Katja Kipping alle Menschen einladen würde, die in Deutschland ihr Glück versuchen wollen, vom Flüchtling bis zum Terroristen. Worauf die Linke erst mal fragen musste, ob es klug sei, Flüchtlinge und Terroristen in einen Topf zu werfen. Immerhin spiele das dem IS in die Karten, weil die ganz das zum Ziel haben, dass man sie in einen Topf wirft.

Warum übrigens nur die kleinen Parteien an dieser Sendung teilnehmen durften, verriet Claus Strunz auch nicht. Als ob die Linken, Grünen, FDP und AfD den Kanzler stellen würden. Warum durfte nur die Opposition sprechen? Und welchen Sinn macht es, die ab und zu doch mal politisch debattieren und dann die Leuten abstimmen zu wählen, wen sie daraufhin wählen würden. Es fehlen doch da Parteien.
Aber vielleicht ist Claus Strunz dann am Sonntag beim großen TV-Duell ja dann auch für Fragen wie diese zuständig: Frau Merkel, sind Sie scharf auf Herrn Schulz? Herr Schulz, sind Sie eigentlich lustig? Frau Merkel, kennen Sie Tinder?
Ich bin gespannt.

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Promi Big Brother

Samstag, den 26. August 2017
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FR 25.08.2017 | 20.15 Uhr | Sat.1

Jens Hilbert hat “Promi Big Brother” 2017 gewonnen.
Und damit du das nicht ganz schnell wieder vergisst, lies dir doch diesen Satz einfach noch mal durch.
Allerdings: Warum hat eigentlich schon wieder kein Promi gewonnen, und waren überhaupt Promis in “Promi Big Brother”?

Ich habe mal schnell gegoogelt: Jens Hilbert ist Friseur. Und Promi ist er angeblich, weil er mal in Realityshows mitgemacht hat. Hilbert konnte sich damit gegen die unfassbar bekannte Prominente Milo Moiré durchsetzen, die bekannt geworden ist durch…
Moment, ich muss wieder googeln…
Sie ist Nacktperformancetänzerin, habe ich gerade gelesen.
Nun gut. Nun erhebe ich nicht den Anspruch alle Promis dieser Welt zu kennen, aber von einer gewissen … wie heißt sie noch? … habe ich nun wirklich noch nie gehört.

“Promi Big Brother” scheiterte in diesem Jahr an fehlenden Promis. Dominik Brutner ist Model, Evelyn Burdecki lief mal beim “Bachelor” durchs Bild. Steffen von der Beeck war mal mit Jenny Elvers verheiratet. Sarah Kern ist Modedesignerin (sie sieht sich als Top-Promi, die arme), Claudia Obert ist Modeunternehmerin und Maria Hering ist… ach, ist doch wurscht.

Immerhin, ein paar der Bewohner waren irgendwie mal bekannt. Sarah “Dingens” Knappik war schon im Dschungelcamp, Zachi Noy spielte vor Jahrhunderten mal in der “Eis am Stiel”-Sexklamotte. Eloy de Jong sang bei Caught in the Act, und Willi Herren spielte in der “Lindenstraße”.

In den ersten Stunden mussten sich die, ähm, Promis erst selbst gegenseitig erzählen, was sie eigentlich zum Promi macht. Leider war das alles so langweilig und öde, dass der Spaß schnell auf der Strecke blieb.Willi Herren musste sich eines Abends Frauenkleider anziehen, und wenn das Sat.1-Humor ist, dann darf man dem Sender gern den Saft abdrehen – für immer. Die ewigen Challenges trugen leider auch nur zur Langeweile bei.

In den vergangenen Jahren war es immerhin noch lustig, die Late-Night-Show bei sixx zu sehen – dort wurde immer herrlich über das Spektakel gelästert. Dem kleinen Sender, der im Quotental dümpelt, brachte das Zuschauer. Wollte man offenbar nicht mehr, sixx war raus. Stattdessen lief eine kleinere Nachverwertungsshow nur im Internet, und das auch noch auf umständlichem Weg. Mir ist es jedenfalls nicht gelungen, diese Sendung live verfolgen zu können.

Sat.1 könnte aus “Promi Big Brother” ein echtes Sommer-Event machen, ähnlich wie das RTL-Dschungelcamp im Winter. Aber Sat.1 kriegt das nicht hin. Schlechtes Casting, lahme Location, öde Spielchen. Und, ähm, wie hieß noch mal der Sieger, und was macht der noch gleich…?

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Der Wunschbaum – Kinder machen Träume wahr

Dienstag, den 15. August 2017
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SO 13.08.2017 | 18.55 Uhr | Sat.1

Die Idee ist ganz schön: Kinder können sich was wünschen. Aber nicht für sich, sondern für einen Menschen, der es aus ihrer Sicht verdient hat.
Am Sonntag lief bei Sat.1 die erste Folge von “Der Wunschbaum – Kinder machen Träume wahr”. Und das Erfreulichste daran ist, dass Sat.1 daraus keine langgezogene Abendshow gemacht hat, in der die Emotionen in die Länge gezogen werden.
Zwar wirkt es ein wenig albern, dass Moderator Thore Schölermann mit einem riesigen Truck vor einer Schule auftaucht, um dort einen Baum aufzubauen (hä?), ansonsten ist es aber ein recht intimes Format. Einige Szenen sind offenbar nachgedreht, aber das meiste erscheint gedreht wie geschehen.

Es sind rührende Dinge, die dann geschehen. Ein Mädchen will mit der 90-jährigen Oma einen Berlin-Trip machen. Sie bekommen ihn.
Ein anderes Mädchen wünscht sich für die Mutter einen Urlaub. Denn das Mädchen war krebskrank, und die Mutter hatte sich jahrelang aufopferungsvoll gekümmert. Im Gespräch fängt Thore Schölermann an zu weinen. Das spricht einerseits für ihn, aber andererseits ist vollkommen unnötig, dass man ihn danach erzählen lässt, warum er denn heulen musste – und diese Momente scheinbar auch noch mal nachgedreht hat, weil in diesen Heul-Momenten das Mädchen nie zu sehen ist, sondern nur Thore selbst. Man hätte diesen Moment einfach für sich sprechen lassen können, aber das reicht heutzutage leider nicht.
Die Mutter bekommt ihren Urlaub, aber da gibt es ein Problem: Sie will nicht alleine weg und ist kurz davor, abzulehnen. Verständlich. Warum soll sie auch alleine auf Kreuzfahrt gehen. Da hat man in der Redaktion offenbar nicht richtig mitgedacht, dass Mutterliebe scheinbar doch anders funktioniert. Deshalb war das Happy End – das Mädchen durfte mit – nicht überraschend und der sinnfreie Spannungsaufbau (”Gleich erfahren wir…”) vollkommen unnötig.

“Der Wunschbaum” ist ein nettes Format. Aber eben leider nur nett, und irgendwie fehlt am Ende doch der Grund, warum man auch nächste Woche wieder einschalten sollte.

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Der Augenblick – Verzeihen ohne Worte

Dienstag, den 11. Juli 2017
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SO 09.07.2017 | 18.55 Uhr | Sat.1

Haben wir Zoff, werden wir laut. Und nach dem Lautwerden, sprechen wir dann manchmal gar nicht mehr miteinander. Oft tagelang, manchmal wochenlang, hin und wieder jahrelang. Oder gar für immer.
Bei Sat.1 hat man ein Mittel gefunden, um Streits ganz anders zu lösen: in dem man sich anschweigt.

“Der Augenblick – Verzeihen ohne Worte” heißt die Sendung, die am frühen Sonntagabend bei Sat.1 angelaufen ist. Dort treffen sich Menschen, die sich lange nichts mehr zu sagen hatten, die sich stritten, die sich vielleicht nicht mehr mögen.
Sie werden in eine Kabine gesetzt, dort sitzen sie sich gegenüber – und schweigen. Und sehen sich an.
Es ist beeindruckend, was dann geschieht: Man wird nervös, man schaut sich an, und da scheint ein Gefühl aufzukommen. Ist irgendwo noch Liebe und Zuneigung vorhanden, dann bricht sie dort unter Umständen wieder auf.

So war es am Sonntag: Ein Mann und seine Freundin saßen sich gegenüber. Sie hat Mist gebaut, ihr war das peinlich. Und dann saßen sie da. Der Mann brauchte nicht lange, dann musste er aufstehen, um sie zu umarmen. Irgendwie rührend.

Aber reicht das für eine einstündige Sendung? Anscheinend nicht, denn die Quoten waren mehr als mau. Allerdings wirkt “Der Augenblick” auch seltsam kalt, was an der Beziehungsexpertin liegt, die spröde und im Österreich-Dialekt ständig irgendwas erklärt und dabei wie eine strenge Frau Doktor wirkt. Macht irgendwie alles kaputt. Wir überhaupt drumherum ziemlich viel geredet wird, denn nur Schweigen war sogar für die Sat.1-Verantwortlichen zu wenig.
Auch wird man es bei Sat.1 wohl nie lernen, Werbeblöcke richtig zu platzieren: Sie kamen immer direkt vor der Begegnung. Was an sich spannend ist, aber die Sendung begann nach der Reklame kommentarlos mit den Schweige-Sequenzen. Für Zufalls-Zapper eher ein Grund zum Weiterzappen.

Deshalb: Schöne Idee, aber nichts, was man sich öfter ansehen würde. Eher so was für den Augenblick…

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MacGyver

Mittwoch, den 21. Juni 2017
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MO 19.06.2017 | 1.00 Uhr (Di.) | Sat.1

Fans von MacGyver mussten einen kleinen Moment warten. Nur 25 Jahre nach der 7. Staffel gibt es neuen Stoff der Actionserie. Leider konnte Richard Dean Anderson nicht so lange warten, so dass nun ein gewisser Lucas Till seine Rolle spielen muss. Aber vielleicht fällt das den Fans ja nicht so aus – die können ja eventuell sowieso nicht mehr so gut sehen.

Am Montagabend startete bei Sat.1 die neue “MacGyver”-Version. Kann man sehen, muss man aber nun wirklich nicht. Und die eigentliche Frage muss heißen: Fällt den Fernsehleuten nichts Neues ein?
Es ist nicht nur die Einfallslosigkeit, die das Fernsehen erfasst hat. Es macht den Eindruck von großer Angst bei den Machern. Ehe man mit irgendwelchen Kram im Quotental versinkt, versucht man sein alt gewordenes Publikum mit Nostalgie zu nerven. Denn die Alten schauen noch fern, während die jungen sich bei Netflix und Co. rumtreiben.

Aber also soll den “MacGyver”-Aufguss sehen? Die, die vor 30 Jahren die alte Serie mochten? Warum sollten die die ach so moderne Version gut finden? Die Nostalgie-Blase lässt so was kaum zu.
Und die Jungen? Können die was mit dem Kult anfangen? Sicherlich auch nicht wirklich. Heißt also: Es gibt keine echte Zielgruppe für solche Möchtegern-Comebacks.
Aber wahre Serienfans holen sich ihren Stoff inzwischen eh woanders.

PS: Wann kommen “Bonanza” und die “Rauchenden Colts” wieder? Oder “Ein Colt für alle Fälle”?
Wird Zeit! Nicht!

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Dinner Party – Marlene lädt zum Talk

Freitag, den 2. Juni 2017
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DI 30.05.2017 | 0.15 Uhr (Mi.) | Sat.1

Warum nicht mal beim leckeren Essen über den IS plaudern? Über die Radikalisierung von Familienmitgliedern, guten Freunden. Über mögliche Anschläge. Dazu geht man doch gern mal zu einer Dinner-Party. Smalltalk kann man schließlich viel zu oft.
Das müssen sich die Macher der neuen Talkshow bei Sat.1 gedacht haben. Am sehr späten Dienstagabend lief dort die “Dinner Party – Marlene lädt zum Talk”. Aber die Party muss irgendwie ausgefallen oder woanders stattgefunden haben.

Aber irgendwas müssen sich die Macher der Sendung ja dabei gedacht haben. Oder auch nicht.
Das Konzept: Ein paar Menschen treffen sich bei Marlene Lufen. Die werden bekocht, und am Tisch wird geplaudert.
Aber irgendwie müssen sich die Verantwortlichen gedacht haben: Das ist uns zu pupsig. Also gab es zur Premiere gleich das ganz harte Thema: Islamisten, Radikalisierung, Terror.

Konzept und Thema passten somit null zusammen. Während sich die Gäste ernste Geschichten erzählten, die mitunter schockierten, wurde hin und wieder zum Koch geschnitten, der gerade irgendwas umgerührt hat. Oder was schnippelte. Oder man sah eine Kerze in Großaufnahme, dieses Party-Setting.
Das Thema war spannend, das Umfeld unpassend. Es war einfach ein bisschen viel Anspruch für ein Konzept, bei dem man keinen Anspruch erwartet.