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1991: Das alte Pionierhaus muss schließen

Dienstag, den 31. Mai 2011
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Mai 1991 I -> 21.5.2011

Rückblick: Im Mai 1991 gibt es keine Perspektive für die Einrichtung / Kremmener wollen Denkmal abreißen

MAZ Oranienburg, 31.5.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die zweite Hälfte im Mai 1991.

OBERHAVEL
Die Windmühle in Vehlefanz dreht sich wieder. Am 19. Mai 1991 hat sie ihre Premiere als technisches Denkmal.

Die Oranienburger Plastimat GmbH ist privatisiert. Nach wochenlangen Querelen mit der Treuhand geht der Verkauf nun über die Bühne. Neuer Besitzer ist die westfälische S und M GmbH, die bis Ende Juni 1991 bereits 2,6 Millionen Mark in Oranienburg investieren will. 90 der 96 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

Die Bewohner der Oranienburger Robert-Koch-Straße und der Pasteurstraße sind überrascht: Unbekannte Heinzelmännchen entfernten das alte Straßenschild und ersetzten es durch ein Neues. Es ist nun allerdings das einzige Moderne im ganzen Wohnviertel.

Der Schmachtenhagener Gemeinderat erwartet, dass die Zahl der Einwohner des Ortes in den nächsten Jahr auf mehr als 7000 steigt. In der Siedlung Schmachtenhagen-West sollen 50 bis 60 neue Einfamilienhäuser entstehen.

Das Oranienburger Schülerfreizeitzentrum (das ehemalige Pionierhaus) steht vor dem Aus. Das Landratsamt sieht keine Chance auf ein Überleben. Ein Grund ist, dass in den Gebäuden an der Heidelberger Straße (heute Turm-Gelände) Asbest vermutet wird.

Die Kremmener Stadtverordneten wollen das Ehrenmal für gefallene sowjetische Soldaten des Zweiten Weltkrieges auf dem Marktplatz in Kürze abreißen lassen. Bürgermeister Michael Kinne sagt, dass das Monument nicht mehr zeitgemäß sei. Der Platz soll nun ohne Denkmal auskommen.

Olympia in Lehnitz? Eine Fachgruppe besichtigt nun den Schießplatz. Falls Berlin den Zuschlag für Olympia 2000 bekommt, sollen in Lehnitz die Schießwettbewerbe stattfinden. Das Fazit der Tester: Der Platz erfüllt die Anforderungen, einen S-Bahn-Anschluss gibt’s auch – nur ein Autobahnzubringer fehlt.

Die Borgsdorfer Kreuzung hat nun eine Ampel – zunächst jedoch nur eine mobile. Zwischen 1988 und Mai 1991 passierten an der Stelle 19 schwere Unfälle, dabei starben drei Menschen.

Gundula Klatt, die Bürgermeisterin von Vehlefanz, tritt am 23. Mai 1991 zurück. Hintergrund ist wohl der Streit um das geplante Gewerbegebiet in Vehlefanz. Neuer Bürgermeister ist Alexander Michaelis.

Landrat Karl-Heinz Schröter greift ein: Die Stadt Oranienburg will das Rathaus (in der DDR bekannt als „Rat der Stadt“) an der Straße des Friedens (Bernauer Straße) an die Dresdner Bank verkaufen. Das Landratsamt lehnt das ab, weil Büroflächen benötigt werden. Hinzu kommt, dass die meisten Stadtverordneten von den Verkaufsabsichten nichts wissen.

Das Grundstück Straße des Friedens 100 in Oranienburg ist unterdessen eine Großbaustelle. Dort entsteht das „Nahversorgungszentrum für die Neustadt“.

Bittere Nachricht für die Mitarbeiter in den Umschlagslagern der Spar-AG: Am 31. Mai ist in den Zweigstellen in Borgsdorf und Sachsenhausen Schluss. Dann folgt die letzte Auslieferung. Für die 162 Angestellten bedeutet das: Kurzarbeit null. Es gebe keine Perspektive für die Lager mehr, so Geschäftsführer Adolf Stuhr.