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1990 – Jahr der Einheit: Die Straße des Friedens wird zur Jubelmeile

Samstag, den 17. Juli 2010
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Juni 1990 -> 17.6.2010

Rückblick: Oranienburg feiert im Juli 1990 die Fußball-Weltmeister / LPG in Kremmen am Ende

MAZ Oranienburg, 17.7.2010

Was passierte im Jahr der Einheit im Altkreis Oranienburg – und was stand in der Märkischen Volksstimme? Diesmal: Juli 1990.

OBERHAVEL
Die D-Mark ist da! Waren die Regale in den Kaufhallen Ende Juni noch ratzekahl leer, so sind mit der D-Mark am 1. Juli 1990 auch die Westwaren dort eingezogen. Wieder ein Stück deutsche Einheit.

Mit der Währungsunion kommt auch das Finanzamt. Von der Oranienburger Otto-Nuschke-Straße (Lehnitzstraße) aus werden die ersten 2000 Umsatzsteuerbescheide verschickt. 50 Mitarbeiter hat das Finanzamt, bis Ende 1990 sollen es 100 sein, am Ende dann 210. Das Haus platzt aus allen Nähten, eine Lösung muss her.

Zwischen Oranienburg und Berlin-Tegel nehmen die Schiffe wieder Fahrt auf. An Bord der „Berlin“ sind bei der Premierentour 400 Leute sowie die Bürgermeister Semper aus Oranienburg und Dzembritzki aus Reinickendorf.

Oranienburg hat unterdessen endlich seine zweite innerstädtische Havelbrücke. In der Saarlandstraße wird am 3. Juli 1990 die Trasse für den Verkehr freigegeben. Eigentlich war das für den 7. Oktober 1989, den Republikgeburtstag, geplant. Nun aber schneidet Baudezernent Michael Ney an der Dropebrücke das Bändchen durch.

Die Kohle bekommt Konkurrenz. Bei der Firma Hustan in Oranienburg steht der erste Heizöltankwagen. Bislang gibt es jedoch dafür nur zwei Kunden.

Die IG Metall ruft zu einem Warnstreik auf. Am 6. Juli legen 1000 Demonstranten den Verkehr im Oranienburger Zentrum lahm. Bei der Kundgebung am Platz vor dem Gesellschaftshaus an der Straße des Friedens (Bernauer Straße) fordern sie unter anderem die 40-Stunden-Woche und 20 Tage Grundurlaub.

Zwei Tage danach ist das Zentrum schon wieder dicht. Hunderte feiern in den späten Abendstunden des 8. Juli auf der Straße des Friedens den WM-Sieg der (west)deutschen Fußballer.

20 Vermieter im Kreis Oranienburg kündigen der Märkha-GmbH die Räume. Betroffen sind unter anderem der Kremmener Delikat-Laden, das Café Petit in Hohen Neuendorf sowie Geschäfte in Oranienburg, Velten, Leegebruch, Hennigsdorf, Bergfelde und Marwitz. Die Mitarbeiter müssen anderswo eingesetzt werden.

Die Tierproduzenten der LPG in Kremmen sind am Ende. Die langfristigen Kredite hat die Bank gestoppt und das Konto gesperrt. Der Verkauf von Läuferschweinen ist ausgesetzt, die Lage hoffnungslos. Der Vorstand versucht in West-Berlin ein paar Tiere loszuwerden. In den Ställen stehen unterdessen noch etwa 2000 Bullen und 1800 Schweine.

Die Ruderer von Motor Hennigsdorf sind bei den DDR-Meisterschaften in Brandenburg an der Havel dagegen überaus erfolgreich. Zehn Boote schaffen es ins Finale, acht holen einen Titel.

In Oranienburg hat die „Milchbar“ an der Straße des Friedens wiedereröffnet. Neuerdings gibt es auch einen kleinen Imbiss für die Gäste.

Dreister Diebstahl in Birkenwerder: Gerade ist der neue Gehweg an der Hauptstraße fertig geworden, als plötzlich 18 komplette Platten fehlen.

In Oranienburg tut sich was: Das Areal zwischen Leninallee (Berliner Straße), Havelstraße, Blutgasse und Breite Straße soll ein „städtebaulicher Höhepunkt“ werden. Erste Entwürfe hängen im Schaufenster der Stadtbibliothek. Zu sehen ist ein Wohn- und Geschäftshaus.

Am Parkplatz an der Fischerstraße ist dagegen nicht wirklich von einem städtebaulichen Höhepunkt zu sprechen. Die Dresdener Bank ließ Containerbüros aufstellen. Das Stadtbauamt weist darauf hin, dass das keine Dauerlösung sei. An der Stelle in direkter Havelnähe soll eine Schwimmhalle oder ein Kulturhaus gebaut werden.

Am 30. Juli 1990 muss die Oranienburger Feuerwehr ausrücken. Im Munitionslager des Hans-Beimler-Regiments an der Straße des Friedens sind Brände ausgebrochen. Es riecht streng. Ein Feuerwehrmann sagt, es sei bedenklich, dass die Flammen gleichzeitig an verschiedenen Stellen aufflackerten.

Die Hennigsdorfer und die Spandauer wollen zusammenrücken, brauchen dafür jedoch eine Straße. Auf der Spandauer Seite endet die Niederneuendorfer Straße im dichten Wald. Sie müsste komplett neu gebaut werden.