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Alles Nichts Oder?!

Montag, den 4. Februar 2019
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FR 01.02.2019 | 0.15 Uhr (Sa.) | RTLplus

28 Jahre her. Oh. Mein. Gott.
Manchmal muss man sich wirklich kneifen, wenn man sich alte Fernsehshows ansieht und sich bewusst macht, wie alt die schon sind.

Am späten Freitagabend wiederholte RTLplus mehrere Folgen von “Alles Nichts Oder?” – zum 35. RTL-Jubiläum und auch zum 60. Geburtstage von Hella von Sinnen.
Am 11. Mai 1991 war Thommi Piper zu Gast, der zu dieser Zeit durch seine Synchronisation von Alf sehr bekannt war. Diese Folge zeigte RTLplus als Auftakt des Erinnerungsblocks.

Diese Show war immer eins ehr lustiger Kindergeburtstag für Erwachsene. Hella von Sinnen und Hugo-Egon Balder luden sich immer einen Gast ein. Sie unterhielten sich mit ihm, aber vor allem: Sie spielten mit dem Gast. Zungenbrecher, Koffer packen, Merkspiele, Quizrunden und vieles mehr. Und am Ende flogen die Torten.
Inoffiziell war “Alles Nichts Oder?!” der Vorläufer von “Zimmer frei!” – nur dass die WDR-Show dann schon ein bisschen biederer war.

Das Besondere, wenn man diese Show 2019 sieht, ist: Sie wirkt immer noch frisch. “Alles Nichts Oder?!” gehört offenbar zu den Sendungen, die auch heute noch nicht angestaubt wirken. Damals war sie fast eine Revolution in ihrer Art und Weise, und auch heute noch ist sie sympathisch, nur selten angestaubt (was dann aber an heute inzwischen unbekannten Gästen liegt) und sehenswert.
Wenn man das 28 Jahre nach der Erstausstrahlung sagen kann, dann muss es eine wirklich gute Sendung gewesen sein.

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35 Jahre RTL plus – Der große Kultabend

Sonntag, den 3. Februar 2019
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FR 01.02.2019 | 20.15 Uhr | RTLplus

War das Fernsehen früher eigentlich besser? Hört man ja immer wieder.
Dabei war das Fernsehen auch früher schon immer mal wieder schlecht – wie man aber erst 30 Jahre später erkennt. Aber man war jung und fand alles noch sehr aufregend, und Jugenderinnerungen sind immer was Neues. So denken wir heute gern, dass das Fernsehen früher hervorragend gewesen sei.

Am Freitagabend feierte RTL seinen 35. Geburtstag mut einer großen Show.
Ähm, nein.
Am Freitagabend feierte RTL seinen 35. Geburtstag mit einer kleinen Show – und nicht bei RTL selbst, sondern beim Minisender RTLplus. Vermutlich hat man bei RTL keinen Bock mehr auf große Feiern – und vor allem darauf zu zeigen, dass ja früher angeblich alles besser war.

“35 Jahre RTL plus – Der große Kultabend” war aber eigentlich eine sehr schöne Sendung. Vier Stunden lang live, in eines Studio, ein paar Zuschauer und Gäste, die von früher plauderten. Mehr Nostalgie geht nicht.
Wir sahen noch mal Ausschnitte aus “Traumhochzeit” und “Glücksritter” – und erfuhren, was aus damaligen Kandidaten wurde. Oder wie phänomenal es damals war, als in der “100.000 Mark Show” plötzlich ein Megabetrag zu gewinnen war. Alte Nachrichten, Serien, Shows.

Auch wenn alles früher nicht besser war: Der Rückblick zeigte, dass sich aber auf jeden Fall auch ein Sender wie RTL sich früher mehr Mühe gegeben hat. Manchmal kam etwas Ramschiges bei raus, aber man hatte sich Gedanken gemacht, man hat sich was getraut, man wollte anders sein. Heute soll es vor allem billig sein – Shows verfolgen oft ein Schema F.
Vielleicht wollte man bei RTL wirklich nicht, dass die Zuschauer das alles vor Augen geführt bekommen.

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Werbung: Schau HD TV

Donnerstag, den 11. Oktober 2018
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SO 07.10.2018 | 2.44 Uhr (Mo.) | RTL

Hach, Fernsehen ist ja so toll. Und bei RTL sind sie ja immer so emotional. In einem Werbespot wird das HD-Fernsehen angepriesen – vor allem, weil die Leute extra dafür zahlen müssen, wenn sie RTL und Co. in HD sehen wollen.
Fußball, Formel 1 und Musikshows – solche Glücksmomente könne man nur in HD genießen.

Nun ja. Vielleicht meint RTL ja die Glücksmomente bei den “25 bizarrsten Alltagssituationen, in denen auch Sie morgen landen könnten”. Das kann man sich ja nur in total scharfem HD antun. Auch Chris Tall und seine Haha-Gags funktionieren nur in HD. Die “Exclusiv”-Klatschnews kann man auch nur ertragen, wenn sie wenigstens in HD gezeigt werden. Das Jugendgericht, Strafgericht und Familiengericht bei RTLplus gehen natürlich auch nur in HD.

Vielleicht könnte RTL ja zur Abwechslung mal besseres Fernsehen machen, dann müsste man nicht mehr so viel über Bild-, sondern könnte über die Programmqualität sprechen. Aber für die wenigen Shows, die man bei RTL noch ohne Brechreiz sehen kann, auch noch extra zahlen, um die Brechmittel noch schärfer sehen zu können?
Och nö.

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Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Die Stunde danach: Finale 2018

Dienstag, den 6. Februar 2018
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SA 03.02.2018 | 0.40 Uhr (So.) | RTLplus

Das RTL-Dschungelcamp hat in diesem Jahr so richtig aufgedreht, wenn es eigentlich schon zu Ende war – nämlich bei RTLplus. Nahtlos konnten die Fans erstmals von RTL zum kleinen Ableger schalten. Dort meldeten sich Moderatorin Angela Finger-Erben jeden Tag mit drei Gästen, die allermeistens auch schon im Dschungel waren.
Das ist an sich noch nicht sehr originell, zumal es, anders als vorher versprochen, keine exklusiven Einblicke ins Camp gab – und Live-Schalten ins Camp schon gar nicht.
Dennoch hat sich die Sendung gelohnt und Spaß gemacht.

Denn in “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Die Stunde danach” wurde ordentlich gelästert. Da durfte Desiree Nick sagen, dass sie die Camper langweilig findet und dass schlecht zusammengecastet worden sind. Ex-Camper wie Julian F.M. Stöckel oder Ross Antony machten sich über die aktuellen, ähm, Stars im Dschungel lustig – oder nahmen sich wahlweise selbst oder gegenseitig auf die Schippe.
Es war kein anspruchsvolles Fernsehen, für Fans aber allemal kurzweilig. Denn RTLplus lieferte keine Drögen Zusammenfassungen, sondern ergänzte das eigentliche Spektakel. Und sorgte nebenbei übrigens auch für den Beweis, wie schön es ist, solche Sendungen tatsächlich live zu produzieren und einfach mal laufen zu lassen, egal wie abgedreht das ist, was da gerade passiert – egal, welche bitteren Wahrheiten eventuell angesprochen werden. Rausgeschnitten werden konnte nichts, und das war gut so.
Bitte 2019 wieder!

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stern TV: Dschungelcamp

Samstag, den 27. Januar 2018
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MI 24.01.2018 | 23.25 Uhr | RTL

Da haben ja die RTL-Programmplaner ganze Arbeit geleistet.
Das Dschungelcamp bringt Quoten – immer noch -, und deshalb geht mittwochs auch “stern TV” auf das Fernsehevent ein. Zu Gast waren ehemalige Dschungelstars.
Und weil das Dschungelcamp Quoten bringt, geht auch RTLplus jeden Abend in “Die Stunde danach” auf das Fernsehevent ein. Zu Gast waren ehemalige Dschungelstars.
RTL und RTL plus brachten also inhaltlich dasselbe Programm – was dann besonders grotesk wurde, weil am Ende der letzten Dschungel-Werbepause bei RTL erst auf “stern TV” und dann auf die Sendung bei RTLplus hingewiesen worden ist.

Irgendwas muss da bei der Planung schiefgegangen sein. Am Montag nämlich im umgekehrten Fall. Da berichtet normalerweise “Extra” im Dschungel-Anschluss live aus Australien. Deshalb fiel die RTLplus-Sendung Montag weg. Dann aber verlängerte RTL das Camp bis 0.00 Uhr, und “Extra” fiel aus. Somit fielen beide Sendungen aus.
Aber vielleicht bekommen die das nächste Woche ja besser hin. Obwohl: Nein, ich glaube nicht.

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Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Die Stunde danach

Dienstag, den 23. Januar 2018
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FR 19.01.2018 | 0.05 Uhr (Sa.) | RTLplus

Respekt, RTL! Manchmal reagieren die Fernsehmacher extrem schnell. Nur 14 Jahre mussten vergehen, bis irgendjemand bei RTL aufgefallen ist, dass man nach der aktuellen Folge des Dschungelcamps ja noch eine Nachbetrachtung hinterher schieben könnte. Eins, fix, drei gibt es nun diese Sendung.
Wenn Sonja Zietlow und Daniel Hartwich live bei RTL verkündet haben, wer in die nächste Dschungelprüfung muss, dann können die Fans nun nahtlos weiter schalten: zu RTLplus. Dort läuft “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Die Stunde danach”.

Blöd nur, wenn die Leute beim Muttersender überziehen. Das führte am Freitagabend dazu, dass man sieben Minuten lang bei RTLplus sehen konnte, wie vier Menschen RTL gucken und warten. Und sich nicht bewegen dürfen, weil ja die Kameras schon laufen und weil man live auf Sendung sei. Erst als das Camp bei RTL durch war, konnte die Sendung bei RTLplus beginnen.
Glücklicherweise ist auch den Verantwortlichen aufgefallen, dass das doof ist. Am Tag danach, als RTL wieder überzogen hat, liefen bei RTLplus bis zum Beginn der Sendung Clips aus “Samstag Nacht”.

Was man bei RTLplus aber leider nicht bekommt: Weitere Live-Bilder aus dem Camp. Oder ungesendetes Material. Das ist schade, denn nur so ist diese Nachwäsche sinnvoll. Ex-Dschungelbewohnern beim Plaudern zuzusehen, ist ja an sich noch nicht so aufregend. Aber das kriegen sie ja vielleicht dann in fünf Jahren hin. Sind eben ganz fix, beim RTL.

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Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3” daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld – zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (“Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

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