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Wir sind jetzt

Freitag, den 24. September 2021
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MI 22.09.2021 | TV Now

Laura ist mit Olli zusammen. Und dann gibt es da noch Daniel. Der ist der beste Freund von Olli und auch von Laura. Was er aber verheimlicht: Daniel wäre gern mit Laura zusammen, und auch bei Laura scheinen Gefühle im Spiel zu sein. Auf einer Party kommt es zum Eklat, denn Laura und Daniel knutschen im Bad, Olli bekommt es mit und rastet aus. Besoffen steigt er ins Auto – und hat einen schweren Unfall.

Klingt nach dieser dieser Jugend-Seifenopern. Und dann noch bei RTL ZWEI. Aber “Wir sind jetzt” ist alles andere als eine dieser billig wirkenden Dailyserien, die bei dem Sender so laufen.
In “Wir sind jetzt” werden die Alltagsprobleme von jungen Leuten auf eine tolle Weise nähergebracht. Freundschaften und Liebe werden ebenso thematisiert wie Mobbing und Hass, Alkohol und Drogen. Elternprobleme und Geldsorgen. Zwei Staffeln liefen schon im Free-TV bei RTL ZWEI, Staffel 3 und die komplette Serie gibt es bisher nur bei TV Now.

Es geht dabei nicht nur um Laura und ihre Jungs. Es ist eine ganze Clique, die in dieser Serie begleitet wird. Ein bisschen erinnert das Konzept an die “funk”-Serie “Druck”. Denn “Wir sind jetzt” ist eigentlich für Social Media konzipiert worden, in Häppchen werden dort die Szenen ausgespielt. bei RTL ZWEI und komplett bei TV Now stehen drei Staffeln mit je 4 Folgen a 45 bis 50 Minuten zur Verfügung.
Laura wird gespielt von Lisa Marie Koroll, die für ihre Rolle für den Deutschen Fernsehpreis nominiert war. Denn fesselnd an der Serie ist auch, wie toll die Darsteller spielen, so selbstverständlich, alles andere als unprofesssionell.

Die Clique muss sich später mit Trauerbewältigung befassen, und in Staffel 3 dreht sich die Hauptgeschichte um einen Jugendlichen, der entdeckt, dass er nicht nur auf Jungs steht, sondern trans ist. Eine Story, die ans Herz geht und extrem wichtig ist.
“Wir sind jetzt” ist eine Serie, die man so nicht auf RTL ZWEI erwartet.

-> Die Serie bei TV Now

Hits: 98

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Daniela Katzenberger – Familienglück auf Mallorca

Samstag, den 29. Mai 2021
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MI 26.05.2021 | 20.15 Uhr | RTL ZWEI

Daniela Katzenberger erlebt gerade ihr Familienglück auf Mallorca. Und lässt sich dabei von einem Fernsehteam filmen. Am Mittwochabend liefen bei RTL ZWEI zwei neue Folgen diese wirklich packenden Dokusoap.

Wobei ich allerdings nicht genau weiß, was RTL ZWEI unter “Familienglück” versteht. Denn die Frau Katzenberger scheint ja eigentlich gar nicht so glücklich zu sein.
Stichwort: schlaffe Brüste.
Sie hat ein Beratungsgespräch in der Schönheitsklinik und ist sich nicht sicher, ob sie sich die Brüste für mehr Selbstwertgefühl operieren lassen soll. Die Antwort ist übrigens: ja. Und ihr Mann Lucas Cordalis überprüft nach der OP auch sogleich, ob denn die Brüste nun besser sitzen.
In der gleich danach gelaufenen Folge will sich Frau Katzenberger neue Unterwäsche kaufen, damit sie ihrem Lucas gefallen kann.

Ich finde es wirklich gut, dass uns Frau Katzenberger an ihrem Leben so teilhaben lässt. Was sie da für Unterwäsche kauft, um ihren Mann anzuheizen, ist zwar überhaupt nicht spannend, aber es füllt viele sinnlose Fernsehminuten im Privatfernsehen für die Menschen, die sich keine Streamingdienste leisten können.
Und RTL ZWEI tut gleich auch was Gutes für die Katzenberger-Cordalis-Kasse, die in Coronazeiten sicherlich auch leidet, außerdem kann man da auch beruhigt Unterwäsche kaufen und sich eine Schönheits-OP leisten, wenn dabei ein paar Kameras laufen.
Auch der Nachwuchs wird natürlich schon vor die Kamera gezerrt. Die fünfjährige Tochter ist bei einem Werbedreh in Deutschland mit dabei. Das gibt es dann nächste Woche zu sehen. Also, nicht für mich, sondern für die, die das interessieren könnte.
Mir tut allerdings das Kind leid.

Hits: 151

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Prominent und obdachlos – Gosse statt Glamour

Samstag, den 13. März 2021
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MI 10.03.2021 | 20.15 Uhr | RTL ZWEI

Tobi Wegener hat eigentlich schon am Anfang keinen Bock mehr. Er soll wirklich draußen schlafen? Wie ein Obdachloser? Damit hat er ja überhaupt nicht gerechnet.
Tja, wie hätte er auch damit rechnen sollen, wenn er an einem Format teilnimmt, das “Prominent und obdachlos” heißt? Denn normalerweise werden Promis in Realityshows im Fernsehen doch immer schön umsorgt – wenn sie nicht gerade im Dschungel hocken. Tobi Wegener hat es bei “Promis unter Palmen” erlebt. Schön den Champagner schlürfen, herrlich in der Sonne liegen.
Und jetzt: Leipzig. Ohne Hotel. Dafür mit Isomatte und Schlafsack. Armer Tobi.

In “Prominent und obdachlos – Gosse statt Glamour” schickt RTL ZWEI jetzt mittwochabends Prominente auf die Straße. Um dort zu bleiben und um dort auch zu übernachten. Nun könnte man denken: Noch ein Trash-Format. Und: Was sollen die Promis auf der Straße schon erleben? Sie werden ein bisschen rumheulen, wie mies es ihnen doch auf der Straße geht.
Aber erstaunlicher- und erfreulicherweise unterschätzt man dieses RTL-ZWEI-Format damit ein bisschen.

Denn Tobi Wegener trifft in Leipzig sehr bald auf richtige Obdachlose. Der Realitystar hat in seinem Leben ziemlich sicher noch nie mit Menschen zu tun gehabt, die auf der Straße leben. Und so stromert er wie ein scheues Reh über Leipzigs Plätze. Er redet mit Männern, die auf der Straße leben. Einer von ihnen beginnt morgens um halb 6 zu trinken. 15 Bier am Tag und 2 große Flaschen Schnaps. Tobi Wegener ist bestürzt – wie so oft in diesen Tagen. So lange dauert das Experiment, heißt es.

Währenddessen ist Désirée Nick aus ihrer Villa im beschaulichen Falkensee auf die Straßen Dortmunds gezogen. Sie ist deutlich tougher als Tobi in Leipzig. Sie geht auf die Leute zu, spricht mit ihnen. Eine junge Frau erzählt, dass sie momentan keine andere Möglichkeit sieht. Die Nick sagt, es müsse keine Obdachlosen geben, wenn sie das nicht wollten – von der Meinung rückt sie auch nach dem Experiment und den Gesprächen, die sie führte, ab. Das Schlafen irgendwo an einer Hauswand fällt ihr schwer, der Rücken tut weh, und am Morgen kommt der Straßenreiniger und bläst ihr den Staub ins Gesicht.

“Prominent und obdachlos” ist zumindest ansatzweise tiefgründig. Als Zuschauer bekommt man zumindest eine Ahnung davon, was auf den Straßen abgeht. Inwiefern alles geplant sein könnte, bleibt aber unklar. Es ist ja immer ein Kamerateam dabei. Die wirkliche Härte der Obdachlosigkeit, das ganze Ausmaß, bekommen die Promis nicht zu spüren. Aber alleine das Entsetzen und das Unbehagen von Tobi Wegener zeigen, dass er tatsächlich aus seiner Komfortzone rausgeholt worden ist.
Tiefgründiger wäre die Sendung übrigens, wenn man nicht pro Folge drei Promis begleitet, der Dritte war irgendein Billigsoap-Typ, der mir unbekannt war. Würde man sich auf zwei Promis beschränken, könnte man ausführlicher zeigen, wie die drei Tage abgelaufen sind.
Klar ist aber auch, dass zumindest diese erste Folge kein echter Trash war. RTL ZWEI lädt die Zuschauer in ein Milieu ein, das man nicht alle Tage so im Fernsehen präsentiert bekommt.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 186

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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

Hits: 514

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25 Jahre peep!

Mittwoch, den 2. September 2020
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MO 31.08.2020 | 22.00 Uhr | RTL zwei

Als 1995 auf dem damaligen RTL2 die schmuddelige Erotik-Talkshow “peep!” startete, da sorgte die Erotik in der Show noch für wohlige Schauer in der Hose. Zumindest so lange nicht Amanda Lear versuchte, zu moderieren.
25 Jahre später versuchte RTL zwei eine Neuauflage. Zum Jubiläum ist noch mal an “peep!” erinnert worden, diesmal moderiert von Model Bonnie Strange.
Publikum war zwar zu hören, kam aber nur vom Band, was die Sache ziemlich steril machte. Und außerdem hätte ja mal jemand der Frau Strange Bescheid sagen können, welches Jubiläum denn nun gefeiert werde. Nämlich nicht, dass vor 25 Jahren die letzte “peep!”-Show lief. Da lief die erste, weshalb die Show am Montagabend ja auch “25 Jahre peep!” hieß. Die Letzte gab es 2000.

Aber ist Bonnie Strange die richtige Frau für dieses Format? Immerhin kann die Frau ganz offensichtlich zwei gerade Sätze fehlerfrei aussprechen. Dabei war doch der Kult an “peep!” das Gestammel der jeweiligen Moderatorinnen. Wobei man sich bei RTL zwei ganz offentlich nur an die Sendungen mit Verona Feldbusch erinnern konnte, denn in den Highlightclips von damals gab es fast ausschließlich Ausschnitte mit ihr.

Zu Gast waren Jenny Elvers und Olivia Jones, die durften sich Sexspielzeuge anschauen und anzügliche Witzchen machen. Sehr aufregend.
Zwischendurch liefen überlange Beiträge über Sexdoll und über einen etwas schmierigen und unsympathischen Bordellbesitzer, der den “peep!”-Zuschauer seinen Bumstempel zeigte und nicht müde wurde, zu jedem Zimmer zu deuten, und zu sagen, dass darin gefickt werde. Vom Coronavirus war übrigens keine Rede, weil die Beiträge scheinbar schon einige Monate auf dem Buckel hatten. So fix kann sogar Sex unaktuell werden.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 191

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Battle of the Bands – Boys vs. Girls

Sonntag, den 2. August 2020
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DO 30.07.2020 | 20.15 Uhr | RTL zwei

Bei RTL zwei suchen sie mal wieder eine Band, die dann einen Song auf Platz 98 für eine Woche in den deutschen Charts platziert. Aber so ein lahmes Casting wäre dann für RTL zwei dann doch zu langweilig.
Am Donnerstagabend startete dort “Battle of the Bands” Dort treten Boy und Girls gegeneinander an.
Das klingt absolut nicht aufregend, und das ist auch alles andere als aufregend. Was im Jahr 2000 irgendwie spannend gewesen wäre, wirkt 2020 einfach nur noch lächerlich.

Sechs Boys und sechs Girls stehen sich bei diesem Battle gegenüber. Innerhalb von einer Stunde müssen sie eine Performance planen und dann auch präsentieren.
Dabei zeigt sich: So richtig toll singen kann da keiner, und dass man bei einer Gesangscastingshow mit einem Playback arbeiten muss, spricht auch nicht gerade für die Teilnehmenden. Nicht mal lippensynchron war das, was da fabriziert worden ist.
Und während die Boys, ähm, sangen, zerrissen sich die Girls das Maul darüber, dass das ja alles eher mäßig sei. Spricht sich gut im Glashaus, und als die Boys fertig waren, wisperten die Girls, wie toll sie das alles fanden. So von wegen aufrichtiger Kritik.

Danach durften die Girls noch einen Boys rauswählen, und die Boys wählte ein Girls raus. Die einen wählten die Person, die zu gut war, um die eigene Gruppe nicht zu gefährden, die anderen wollten fair bleiben und die wirklich schlechteste Person rauswählen.
Nun ja, bei diesem wirren Konzept kommt ganz sicher eine charttaugliche Band raus, die uns die nächsten 50 Jahre, äh, Tage, äh, Sekunden begleiten wird.

Und weil man bei RTL zwei weiß, dass die Halbwertzeit der neuen Band vermutlich schon vor Ende der Ausstrahlung abgelaufen sein wird, fügte man noch ein Soap-Element hinzu. Sich streitende Girls und Boys, Beleidigungen, Streits. Und wenn es zu öde wurde, geht halt jemand duschen.
Gut, dass so was selbst die jungen Leute nicht mehr interessiert. Die Einschaltquoten waren für RTL zwei eine Katastrophe, und ob wir das Ende von “Battle of the Bands” überhaupt noch erleben, ist fraglich.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 231

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Kampf der Realitystars

Samstag, den 25. Juli 2020
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MI 22.07.2020 | 20.15 Uhr | RTL zwei

Georgina Fleur möchte endlich durchstarten, wieder so ein richtig tolles Comeback hinlegen. Sie war beim “Bachelor”, im Dschungelcamp und ist in diesem Jahr auch im “Sommerhaus der Stars”. Sie ist dort ein Star, weil sie beim jeweils anderen Format dabei war. Die Bachelorjagd machte sie so was wie prominent, und immer wieder sie die Zicke.
Ihre, ähm, Fans waren nun schon sehr traurig, dass man nun so lange nichts mehr von ihr gehört habe. Sagt sie. Und deshalb freue sie sich über ihr Comeback im nächsten Reality-Pseudo-Stars-Trash-Format. Diesmal macht sie mit beim “Kampf der Realitystars”.

Realitystars bei RTL zwei heißt: Leute, die in irgendwelchen Dokusoaps bei RTL zwei rumlaufen. Vielleicht auch beim großen RTL. Diese Realityleute sind nun beim Realityformat, um im nächsten Realityformat wieder als Realitystars aufzutreten. Ein ewiger Kreis.

Die RTL-zwei-Sause findet auf Thailand statt. In einem Urlaubssetting müssen die, ähm, Promis in Spielen gegeneinander antreten und ansonsten irgendwie miteinander klarkommen. Oder besser noch: nicht miteinander klarkommen. Gab es zwar schon bei “Promis unter Palmen”, aber das fällt den Zuschauern sicherlich nicht auf. Und der gaaaanz große Unterschied ist ja eh, dass die RTL-zwei-Sause nicht in einem Luxushaus gedreht wird, sondern in einem Haus ohne Luxus. Und auch gern mal ohne Betten.
Die Spiele sind wurscht, die sind reiner Zeitvertreib. Reicht schon wenn sich Sam Dylan, “Prince Charming”-Teilnehmer, der für Zoffszenen bekannt wurde, gleich mal für Zoff sorgt. Oder wenn die anderen über die anderen lästern. Oder wenn die Zwillinge Tayisiya und Yana Morderger – angeblich spielen die Tennis, waren aber beide auch schon in Realityformaten – sich irgendwas zusäuseln und dabei mit ihren hohen Stimmchen und ihrem seltsam beschränkten Wortschatz wie Figuren aus einem Horrorfilm klingen.

Ganz schlimm erwischte es Hubert Fellah. Den kennt man (oder auch nicht) durch seine TV-Hochzeit mit Matthias Mangiapane – er gehörte zu den Mobbern unter Palmen -, und eigentlich wollte er endlich mal zeigen, was er allein drauf hat (bestimmt total viel), wie er so drauf ist (bestimmt nur etwas wenig biestig als sein Mann) und ein bisschen mehr Fernsehzeit ohne Matthias haben. Hat nicht geklappt: Er wurde rausgewählt. Was die, hüstel, Stars übrigens selbst entscheiden, je nach Sympathie, einfach so. Da lässt das Mobbing in den nächsten Wochen sicher nicht lange auf sich warten.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 236