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Prominent und obdachlos – Gosse statt Glamour

Samstag, den 13. März 2021
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MI 10.03.2021 | 20.15 Uhr | RTL ZWEI

Tobi Wegener hat eigentlich schon am Anfang keinen Bock mehr. Er soll wirklich draußen schlafen? Wie ein Obdachloser? Damit hat er ja überhaupt nicht gerechnet.
Tja, wie hätte er auch damit rechnen sollen, wenn er an einem Format teilnimmt, das “Prominent und obdachlos” heißt? Denn normalerweise werden Promis in Realityshows im Fernsehen doch immer schön umsorgt – wenn sie nicht gerade im Dschungel hocken. Tobi Wegener hat es bei “Promis unter Palmen” erlebt. Schön den Champagner schlürfen, herrlich in der Sonne liegen.
Und jetzt: Leipzig. Ohne Hotel. Dafür mit Isomatte und Schlafsack. Armer Tobi.

In “Prominent und obdachlos – Gosse statt Glamour” schickt RTL ZWEI jetzt mittwochabends Prominente auf die Straße. Um dort zu bleiben und um dort auch zu übernachten. Nun könnte man denken: Noch ein Trash-Format. Und: Was sollen die Promis auf der Straße schon erleben? Sie werden ein bisschen rumheulen, wie mies es ihnen doch auf der Straße geht.
Aber erstaunlicher- und erfreulicherweise unterschätzt man dieses RTL-ZWEI-Format damit ein bisschen.

Denn Tobi Wegener trifft in Leipzig sehr bald auf richtige Obdachlose. Der Realitystar hat in seinem Leben ziemlich sicher noch nie mit Menschen zu tun gehabt, die auf der Straße leben. Und so stromert er wie ein scheues Reh über Leipzigs Plätze. Er redet mit Männern, die auf der Straße leben. Einer von ihnen beginnt morgens um halb 6 zu trinken. 15 Bier am Tag und 2 große Flaschen Schnaps. Tobi Wegener ist bestürzt – wie so oft in diesen Tagen. So lange dauert das Experiment, heißt es.

Währenddessen ist Désirée Nick aus ihrer Villa im beschaulichen Falkensee auf die Straßen Dortmunds gezogen. Sie ist deutlich tougher als Tobi in Leipzig. Sie geht auf die Leute zu, spricht mit ihnen. Eine junge Frau erzählt, dass sie momentan keine andere Möglichkeit sieht. Die Nick sagt, es müsse keine Obdachlosen geben, wenn sie das nicht wollten – von der Meinung rückt sie auch nach dem Experiment und den Gesprächen, die sie führte, ab. Das Schlafen irgendwo an einer Hauswand fällt ihr schwer, der Rücken tut weh, und am Morgen kommt der Straßenreiniger und bläst ihr den Staub ins Gesicht.

“Prominent und obdachlos” ist zumindest ansatzweise tiefgründig. Als Zuschauer bekommt man zumindest eine Ahnung davon, was auf den Straßen abgeht. Inwiefern alles geplant sein könnte, bleibt aber unklar. Es ist ja immer ein Kamerateam dabei. Die wirkliche Härte der Obdachlosigkeit, das ganze Ausmaß, bekommen die Promis nicht zu spüren. Aber alleine das Entsetzen und das Unbehagen von Tobi Wegener zeigen, dass er tatsächlich aus seiner Komfortzone rausgeholt worden ist.
Tiefgründiger wäre die Sendung übrigens, wenn man nicht pro Folge drei Promis begleitet, der Dritte war irgendein Billigsoap-Typ, der mir unbekannt war. Würde man sich auf zwei Promis beschränken, könnte man ausführlicher zeigen, wie die drei Tage abgelaufen sind.
Klar ist aber auch, dass zumindest diese erste Folge kein echter Trash war. RTL ZWEI lädt die Zuschauer in ein Milieu ein, das man nicht alle Tage so im Fernsehen präsentiert bekommt.

-> Die Sendung bei TV Now

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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

Hits: 472

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25 Jahre peep!

Mittwoch, den 2. September 2020
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MO 31.08.2020 | 22.00 Uhr | RTL zwei

Als 1995 auf dem damaligen RTL2 die schmuddelige Erotik-Talkshow “peep!” startete, da sorgte die Erotik in der Show noch für wohlige Schauer in der Hose. Zumindest so lange nicht Amanda Lear versuchte, zu moderieren.
25 Jahre später versuchte RTL zwei eine Neuauflage. Zum Jubiläum ist noch mal an “peep!” erinnert worden, diesmal moderiert von Model Bonnie Strange.
Publikum war zwar zu hören, kam aber nur vom Band, was die Sache ziemlich steril machte. Und außerdem hätte ja mal jemand der Frau Strange Bescheid sagen können, welches Jubiläum denn nun gefeiert werde. Nämlich nicht, dass vor 25 Jahren die letzte “peep!”-Show lief. Da lief die erste, weshalb die Show am Montagabend ja auch “25 Jahre peep!” hieß. Die Letzte gab es 2000.

Aber ist Bonnie Strange die richtige Frau für dieses Format? Immerhin kann die Frau ganz offensichtlich zwei gerade Sätze fehlerfrei aussprechen. Dabei war doch der Kult an “peep!” das Gestammel der jeweiligen Moderatorinnen. Wobei man sich bei RTL zwei ganz offentlich nur an die Sendungen mit Verona Feldbusch erinnern konnte, denn in den Highlightclips von damals gab es fast ausschließlich Ausschnitte mit ihr.

Zu Gast waren Jenny Elvers und Olivia Jones, die durften sich Sexspielzeuge anschauen und anzügliche Witzchen machen. Sehr aufregend.
Zwischendurch liefen überlange Beiträge über Sexdoll und über einen etwas schmierigen und unsympathischen Bordellbesitzer, der den “peep!”-Zuschauer seinen Bumstempel zeigte und nicht müde wurde, zu jedem Zimmer zu deuten, und zu sagen, dass darin gefickt werde. Vom Coronavirus war übrigens keine Rede, weil die Beiträge scheinbar schon einige Monate auf dem Buckel hatten. So fix kann sogar Sex unaktuell werden.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 162

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Battle of the Bands – Boys vs. Girls

Sonntag, den 2. August 2020
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DO 30.07.2020 | 20.15 Uhr | RTL zwei

Bei RTL zwei suchen sie mal wieder eine Band, die dann einen Song auf Platz 98 für eine Woche in den deutschen Charts platziert. Aber so ein lahmes Casting wäre dann für RTL zwei dann doch zu langweilig.
Am Donnerstagabend startete dort “Battle of the Bands” Dort treten Boy und Girls gegeneinander an.
Das klingt absolut nicht aufregend, und das ist auch alles andere als aufregend. Was im Jahr 2000 irgendwie spannend gewesen wäre, wirkt 2020 einfach nur noch lächerlich.

Sechs Boys und sechs Girls stehen sich bei diesem Battle gegenüber. Innerhalb von einer Stunde müssen sie eine Performance planen und dann auch präsentieren.
Dabei zeigt sich: So richtig toll singen kann da keiner, und dass man bei einer Gesangscastingshow mit einem Playback arbeiten muss, spricht auch nicht gerade für die Teilnehmenden. Nicht mal lippensynchron war das, was da fabriziert worden ist.
Und während die Boys, ähm, sangen, zerrissen sich die Girls das Maul darüber, dass das ja alles eher mäßig sei. Spricht sich gut im Glashaus, und als die Boys fertig waren, wisperten die Girls, wie toll sie das alles fanden. So von wegen aufrichtiger Kritik.

Danach durften die Girls noch einen Boys rauswählen, und die Boys wählte ein Girls raus. Die einen wählten die Person, die zu gut war, um die eigene Gruppe nicht zu gefährden, die anderen wollten fair bleiben und die wirklich schlechteste Person rauswählen.
Nun ja, bei diesem wirren Konzept kommt ganz sicher eine charttaugliche Band raus, die uns die nächsten 50 Jahre, äh, Tage, äh, Sekunden begleiten wird.

Und weil man bei RTL zwei weiß, dass die Halbwertzeit der neuen Band vermutlich schon vor Ende der Ausstrahlung abgelaufen sein wird, fügte man noch ein Soap-Element hinzu. Sich streitende Girls und Boys, Beleidigungen, Streits. Und wenn es zu öde wurde, geht halt jemand duschen.
Gut, dass so was selbst die jungen Leute nicht mehr interessiert. Die Einschaltquoten waren für RTL zwei eine Katastrophe, und ob wir das Ende von “Battle of the Bands” überhaupt noch erleben, ist fraglich.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 212

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Kampf der Realitystars

Samstag, den 25. Juli 2020
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MI 22.07.2020 | 20.15 Uhr | RTL zwei

Georgina Fleur möchte endlich durchstarten, wieder so ein richtig tolles Comeback hinlegen. Sie war beim “Bachelor”, im Dschungelcamp und ist in diesem Jahr auch im “Sommerhaus der Stars”. Sie ist dort ein Star, weil sie beim jeweils anderen Format dabei war. Die Bachelorjagd machte sie so was wie prominent, und immer wieder sie die Zicke.
Ihre, ähm, Fans waren nun schon sehr traurig, dass man nun so lange nichts mehr von ihr gehört habe. Sagt sie. Und deshalb freue sie sich über ihr Comeback im nächsten Reality-Pseudo-Stars-Trash-Format. Diesmal macht sie mit beim “Kampf der Realitystars”.

Realitystars bei RTL zwei heißt: Leute, die in irgendwelchen Dokusoaps bei RTL zwei rumlaufen. Vielleicht auch beim großen RTL. Diese Realityleute sind nun beim Realityformat, um im nächsten Realityformat wieder als Realitystars aufzutreten. Ein ewiger Kreis.

Die RTL-zwei-Sause findet auf Thailand statt. In einem Urlaubssetting müssen die, ähm, Promis in Spielen gegeneinander antreten und ansonsten irgendwie miteinander klarkommen. Oder besser noch: nicht miteinander klarkommen. Gab es zwar schon bei “Promis unter Palmen”, aber das fällt den Zuschauern sicherlich nicht auf. Und der gaaaanz große Unterschied ist ja eh, dass die RTL-zwei-Sause nicht in einem Luxushaus gedreht wird, sondern in einem Haus ohne Luxus. Und auch gern mal ohne Betten.
Die Spiele sind wurscht, die sind reiner Zeitvertreib. Reicht schon wenn sich Sam Dylan, “Prince Charming”-Teilnehmer, der für Zoffszenen bekannt wurde, gleich mal für Zoff sorgt. Oder wenn die anderen über die anderen lästern. Oder wenn die Zwillinge Tayisiya und Yana Morderger – angeblich spielen die Tennis, waren aber beide auch schon in Realityformaten – sich irgendwas zusäuseln und dabei mit ihren hohen Stimmchen und ihrem seltsam beschränkten Wortschatz wie Figuren aus einem Horrorfilm klingen.

Ganz schlimm erwischte es Hubert Fellah. Den kennt man (oder auch nicht) durch seine TV-Hochzeit mit Matthias Mangiapane – er gehörte zu den Mobbern unter Palmen -, und eigentlich wollte er endlich mal zeigen, was er allein drauf hat (bestimmt total viel), wie er so drauf ist (bestimmt nur etwas wenig biestig als sein Mann) und ein bisschen mehr Fernsehzeit ohne Matthias haben. Hat nicht geklappt: Er wurde rausgewählt. Was die, hüstel, Stars übrigens selbst entscheiden, je nach Sympathie, einfach so. Da lässt das Mobbing in den nächsten Wochen sicher nicht lange auf sich warten.

-> Die Sendung bei TV Now

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Deine Hochzeit – Live!

Montag, den 13. Juli 2020
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SA 11.07.2020 | 20.15 Uhr | RTL zwei

Hach, wie romantisch. NDW-Star Markus heiratet, und wir dürfen dabei sein. Das Fernsehen überträgt live. In der Sonnabend-Primetime auf RTL zwei. Das ist nur folgerichtig. Denn Markus und Yvonne waren ja auch schon im “Sommerhaus der Stars”, und da hat er ihr einen Antrag gemacht. Also muss doch auch der Vollzug in der Glotze zu sehen sein. Auch wenn Markus beim Ansehen der Sommerhaus-Szenen heute sagt, sie seien peinlich und würden zu Fremdscham führen. Da kann man schon mal auf den Gedanken kommen, dass man deshalb ja auch die Hochzeit im Fernsehen zelebriert.

Bei RTL zwei dachte man, dass es sehr viele Menschen interessieren könnte, wie zwei Paare heiraten. Das neue Format heißt “Deine Hochzeit – Live!” und lief am Sonnabend zum ersten Mal zur besten Sendezeit. Eventuell auch das letzte Mal, denn RTL zwei sucht zwar weiter willige Paare, mit vor Kameras Ja sagen wollen, aber das Interesse der Zuschauer hielt sich dann doch sehr in Grenzen.

Das ist nicht verwunderlich. Denn diese Hochzeitssendung war zwar erstaunlich untrashig, aber eben leider auch: unglaublich langweilig.
So grundsätzlich ist es einfach nicht interessant, wenn völlig aus dem Nichts NDW-Star Markus auf einem Schiff auf dem Rhein heiratet. Der Wendler lässt immerhin eine zigteilige Dokusoap draus stricken. Und wenn dann noch ein Schamane seltsames Zeug daherredet, dann hofft man fast schon, dass entweder über dem Schiff ein Wolkenbruch beginnt oder dass RTL zwei dringend Werbung zeigen muss.

Das zweite Paar des Abends war Oleg und Leslie. Lange habe ich überlegt, woher man diese Leute kennen könnte – aber bald war klar: Das sind “Normalos”. Ganz normal war aber auch diese Hochzeit nicht. Eine Seherin gab gute Aussichten, und als Gast war Matthias Mangiapane vor Ort – was nicht unbedingt dafür spricht, dass die Hochzeitsgäste handverlesen waren.
Oleg war trotzdem aufgeregt, so sehr, dass er anfangs sogar den Namen seines Kindes vergessen hat. Jaden? James? Oder doch Jason? Da kann man schon mal durcheinander kommen, wenn man vom Moderator gefragt wird.

Nach zweieinhalb Stunden waren beide Paare unter der Haube. Keiner hat Nein gesagt, was diese eher lahme Sause ein bisschen aufregender gemacht hätte. Nur einmal ging es nicht nach Plan: Eine junge Frau las während der Trauung plötzlich irgendeinen Brief vor, allerdings hatte sie kein Mikro. Dafür hörte man aus dem Off eine Stimme, die sich aufregte, dass er ja davon nichts wüsste und wie er denn jetzt dorthin kommen solle. Die Frau war nicht zu hören, aber der Tonmann musste trotzdem irgendwie zu ihr. Diese 30 Sekunden waren dann packend, auch wenn die Spannungskurve danach wieder steil bergab ging.

-> Die Sendung bei TV Now

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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