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Das Comeback des Autokinos

Mittwoch, den 15. Juli 2020
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Ich habe in meinem Leben bislang drei Autokinos besucht, und nur eines davon gibt es noch: das in Zempow, nördlich von Rheinsberg. Dort waren wir erstmals 1998, und es ist ein sehr schönes Autokino.
Später waren wir in Flatow im Autokino, aber das ist schon vor langer Zeit geschlossen worden, und auch das Autokino in Prora auf Rügen gibt es schon lange nicht mehr.
Allerdings hat das Coronavirus zu einem Comeback des Autokinos geführt. Die Leute suchten nach einem Ersatz, weil es keine Kinos gab, keine Konzerte, keine Theaterstücke.
Allerdings – das hört man aus Mecklenburg-Vorpommern – ist der große Boom wohl schon wieder vorbei, im Norden sind viele Autokinos schon wieder verschwunden.

Deshalb kam die Eröffnung des Autokinos Mildenberg, ein Ortsteil von Zehdenick, etwa 50 Kilometer nördlich von Berlin, fast schon ein bisschen spät. Jeden Tag laufen dort Filme, einmal gab es dort schon ein kleines Konzert, am Sonnabend ist ein Auto-Event geplant, und am 20. Juli kommen Emmi und Willnowsky auf die Autokino-Bühne.

Wir haben uns allerdings erst mal verfahren. Wir erreichten zwar Mildenberg, bogen vorher auch an der richtigen Stelle rechts ab. Aber in Mildenberg selbst müssen wir ein Schild übersehen haben. Wir verließen das Dorf, und irgendwann waren wir im Nachbardorf Ribbeck – und eindeutig falsch. Also: umdrehen.
Diesmal nahmen wir die richtige Straße, die zum Ziegeleipark Mildenberg führt. Erstaunlicherweise waren wir beide dort noch nie, obwohl dort normalerweise viele Veranstaltungen stattfinden.
Im Ziegeleipark selbst verpassten wir dann auch noch die Autokino-Einfahrt – wieder haben wir das entsprechende Schild übersehen. Also drehten wir im Hafen eine Ehrenrunde.

Das Ticket muss man vorher kaufen. Das ist für die schade, die sich spontan entscheiden, ins Autokino zu fahren. Zumal die Gefährlichkeit der Pandemie momentan so klein ist, dass diese Regeln gar nicht so streng gehandhabt werden müssten – schließlich bezahle ich jeden Tag irgendwo mit Bargeld. Und die Tickets wurden uns dann auch durchs Fenster gereicht. Dabei war der Ausdruck ja eigentlich schon unser Ticket.
Das Autokino ist auf einer Wiese, am Rand steht die große Leinwand. Einerseits ist der Platz recht karg. Aber andererseits stehen am Rand ein paar Loren, auf der anderen Seite ist ein Bierwagen.
Obwohl es im Internet heißt, man dürfe nicht aussteigen, ist dann alles doch nicht so streng. Wir könnten auch noch schnell zum Bierwagen.
Andererseits ist der Andrang nicht groß. Nur zehn Autos stehen vor der Leinwand. Eine Gruppe kommt mit einem Pritschen-Armeewagen, ein paar Leute sitzen oben drauf und sehen von dort aus den Film.

Auch wenn es noch nicht dunkel ist, beginnt der Film. Die Leinwand hat eine gute Qualität, alles ist gut zu erkennen und scharf. Der Ton ist aus dem Autoradio hat eine Top-Qualität. Als es dunkler wird, kommt natürlich noch mehr Kino-Atmosphäre auf.
Draußen zirpen die Grillen, und irgendwann kommen auch die Mücken.
Als der Film zu Ende ist, werden alle Autos rausgelotst.
Der Besuch des Autokinos in Mildenberg lohnt sich, es macht durchaus Spaß. Aber ich fürchte, wenn weiterhin so wenige Leite kommen, dann ist dieses Kapitel relativ schnell wieder vorbei.

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