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Mitreden – Der Brunchtalk (7)

Montag, den 5. August 2013
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(6) -> 25.3.2013

So langsam kommt der Wahlkampf in die heiße Phase. Sieben Wochen vor der Bundestagswahl war unser Brunchtalk im Kremmener Theater “Tiefste Provinz” ein Politikspecial.
Und weil wir Gregor Gysi, den Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag, bei uns zu Gast hatten, war das Ganze auch schon lange ausverkauft. Allerdings kam Gysi ein paar Minuten zu spät. Er war im Stau auf der A10 steckengeblieben, die Polizei musste ihn erst da raus holen. Man habe ihn mit einer Drohne da raus geholt, sagte er scherzhaft. Interessant und unterhaltsam berichtete er über seine politische Arbeit.

Ihm zur Seite saßen zwei Herren, die erst noch in den Bundestag wollen. Max Koziolek (23) aus Falkensee tritt für die FDP im Havelland an.Zu den Liberalen sei er gekommen, weil die am ehesten seine Standpunkte vertreten würden. Er ist für die Abschaffung des Solidaritätsbeitrages und findet es nicht schlimm, wenn er nur einen zeitlich gebundenen Arbeitsvertrag hätte – was die Kremmen mit Buh-Rufen quittierten.
Hans-Georg Rieger sitzt im Stadtparlament von Rheinsberg und will als Unabhängiger in den Bundestag. Er kommt aus Schwaben, und das hört man. Er ist gegen das Berufsbeamtentum und will, dass man sich endlich um die Langzeitarbeitslosen kümmern solle.

Harald Baumer arbeitet für die “Nürnberger Nachrichten” als Berlin-Korrespondent. Die Arbeit der Politiker sei schwieriger geworden, findet er. Sie müssten sich mit immer komplizierteren Dingen beschäftigen.
Musik im Programm hatten wir diesmal auch wieder: Die Kreisstadthelden aus Oranienburg brachten zwei ihrer Songs.

Es war eine muntere, spannende und manchmal erhellende Runde. Gysi und Koziolek debattierten auf eine interessante Weise, Rieger brachte die etwas andere Note ins Spiel, Baumer sorgte für den Blick von der anderen Seite.
Gut 20 Minuten haben wir wieder überzogen, aber das war es wert. Weiter geht es am 6. Oktober.

aRTikel

Diaz plant bereits sein zweites Album

Mittwoch, den 13. April 2011
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Musik: Tobias Wojczewski (24) aus Zehdenick war Kandidat bei RTL-Castingshow

MAZ Gransee, 13.4.2011

Auch wenn er bei „Deutschland sucht den Superstar“ ausschied – Diaz macht weiter Musik und plant seine Zukunft.

ZEHDENICK
Wenn am 7. Mai bei RTL das Finale von „Deutschland sucht den Superstar“ läuft, werden sich wohl nur wenige an Diaz erinnern. Dabei schaffte es der 24-jährige Tobias Wojczewski aus Zehdenick bis ins Recall auf den sonnigen Malediven. Er war einer von 35.000 Teilnehmern der aktuellen Staffel der RTL-Castingshow.

„Ich wurde von Freunden angesprochen, dass ich dort mal mitmachen soll“, erzählt er. Mit einem selbstgeschriebenen Song und seiner Gitarre stellte er sich vor die Jury in Berlin. „Klar ist man aufgeregt“, sagt Diaz, „das sind ja nicht irgendwelche Leute.“ Dennoch hat er das Ganze locker gesehen und schaffte es eine Runde weiter. „Man steht dann ganz schön unter Zeitdruck, man muss Interviews geben, ständig sind da Kameras. Am Abend hatten wir dann Zeit, das Lied für unseren Auftritt beim Recall zu lernen.“

Im November flogen er und 34 weitere Kandidaten auf die Malediven. „Da habe ich mir dann allerdings nicht mehr richtig Mühe gegeben“, gibt er zu. Er wollte nicht in die Top-15-Shows, sagt er. Verträge mit RTL und der Plattenfirma waren für ihn tabu. Sie hätten ihm für einen Zeitraum von acht Monaten untersagt, eigene Titel zu veröffentlichen und Konzerte zu geben. Das wäre für ihn unmöglich gewesen, schließlich ist er in zwei Bands und auch solo musikalisch unterwegs.

Als Mitglied der Gruppe Aura spielt er Rock, Pop und Raggae. In der Liedermacherband „Die Bier-Tenöre“ präsentiert er auch seine eigenen Songs. „Über Liebe, über Menschen, die allein sind, über Sex oder auch einfach nur Sauflieder.“ Die Bier-Tenöre geben bald ihr zweites Album heraus, Aura demnächst eine EP, Diaz selbst plant ebenfalls seine zweite Platte.
„Mit der Musik kann ich mich ausleben und Spaß haben“, erzählt er. Gelernt hat er auf der Exin-Gesamtschule in Zehdenick, danach lebte er mehrere Jahre in Rheinsberg, ging in die Lehre als Schuhfertiger und später als Mediengestalter. Seinen Zivildienst leistete er in der Seeklinik in Dorf Zechlin (Ostprignitz-Ruppin) ab. Dann jedoch zog er nach Berlin.

„DSDS“ bezeichnet er als echtes Sprungbrett. Er macht weiter Musik, vielleicht moderiert er demnächst bei MTV oder Viva eine Show. Mit Jurymitglied Patrick Nuo steht er auch in Kontakt. Um Diaz muss sich also niemand Sorgen machen.

aRTikel

Erst Aquaporine, jetzt das Zwiebelchen

Donnerstag, den 20. Januar 2011
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Kultur: Michael Wudick aus Grüneberg hat die Lieder für ein Musical geschrieben, das morgen Premiere hat

MAZ Gransee, 20.1.2011

GRÜNEBERG
Normalerweise lassen Zwiebeln oft die Tränen kullern. Nicht so das „Zwiebelchen“, das morgen im Rheinsberger Schlosstheater Premiere feiert. Kinder und Jugendliche der Heinrich-Rau-Oberschule haben die ganze Woche in einem Projekt für die Aufführung geübt: Texte, Tänze und Lieder.
Es sind genau 20 Lieder. Geschrieben hat sie der Grüneberger Michael Wudick. „Die Liedtexte und die Musik sind von mir“, sagt der 29-Jährige. Die Idee für das Musical entstand im Herbst 2009. „Da fing ich schon an, die ersten Lieder zu schreiben“, erzählt Wudick. Die Sprechtexte schrieb sein Freund Stefan Labenz, mit dem er schon mehrere Jahre in einer Theatergruppe zusammenarbeitet.

„Zwiebelchen“ spielt in einer Gemüsewelt. Der Hauptdarsteller – eben jenes Zwiebelchen – setzt sich für seine Gemüsefreunde ein und steht ihnen in der Welt der Angeber- und Herrschergemüse zur Seite. Mehr als 70 Kinder und Jugendliche sind an dem Stück beteiligt. „Das macht super Spaß“, sagt Michael Wudick. „Auch wenn es stressig ist. Aber die Kinder haben die Eltern mit den Liedern schon angesteckt.“ Kinder seien sehr dankbare Mitarbeiter, findet der Grüneberger. Viermal wird „Zwiebelchen“ in den nächsten Tagen in Rheinsberg aufgeführt. „Mal sehen, was dann ist“, sagt Michael Wudick.

Der weitere Lebensweg wird ihn aus dem Löwenberger Land nach Lissabon, in die Hauptstadt Portugals führen. Er übernimmt dort eine sogenannte Nachdoktorandenstelle. Seit Frühjahr ist er Doktor der Naturwissenschaften und darf sich „Dr. rer. nat.“ nennen. Seine Doktorarbeit schrieb er über Aquaporine – über Wasserkanäle, also Proteine, die den Transport von Wasser über Zellmembranen erleichtern. Dafür lebte er drei Jahre im französischen Montpellier. In Lissabon möchte er nun weiterforschen. Jetzt aber steht zunächst das „Zwiebelchen“ an erster Stelle.

aRTikel

Der Test zum Welttoilettentag

Donnerstag, den 19. November 2009
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Den Gedenktag gibt es seit 2001: Die MAZ testete neun Anlagen

MAZ Neuruppin, 19.11.2009

Heute ist der Welttoilettentag. Deshalb hat sich die MAZ am Dienstag auf eine Reise zu den öffentlichen Toiletten in Neuruppin, Lindow, Rheinsberg und entlang der Autobahn A 24 begeben. Relevant waren jedoch nicht nur die Toilettenbecken an sich, sondern auch das Umfeld. Sind die Anlagen einfach zu finden? Sind sie problemlos zu bedienen? Dabei schnitten die Toiletten auf den Autobahnraststätten und dem Autohof in Herzsprung insgesamt etwas besser ab als die in den drei Städten.

Erstmals ausgerufen wurde der Welttoilettentag übrigens am 19. November 2001 von der Welttoilettenorganisation. Die Vereinten Nationen unterstützen den jährlichen Feiertag. Damit soll vor allem auf fehlende ausreichend hygienische Sanitäreinrichtungen für mehr als 40 Prozent der Menschen auf der Welt hingewiesen werden. Ein Problem, das unterschätzt wird, obwohl es ein wichtiges Hindernis für soziale und wirtschaftliche Entwicklung ist, so ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums.

*

Wie im Tierkäfig
Die Toilette an der Neuruppiner Post wirkt gruselig – die Klos am Schulplatz sind alt, aber sauber

NEURUPPIN
Die Toilette am Neuruppiner Schulplatz ist eher ein Insidertipp. Ich habe sie nur zufällig entdeckt. Sie ist nicht ausgeschildert. Hinter dem Bistro am alten Gymnasium führt eine Treppe nach unten. Auf den ersten Blick sieht die gesamte Anlage schon ein bisschen älter aus. Auf den zweiten zwar auch, aber auf die Sauberkeit kommt es schließlich an. Die ist gegeben.
Die Atmosphäre ist locker. Die Toilettenfrau unterhält sich angeregt mit anderen Gästen, grüßt aber freundlich. Es herrscht Leben in der Bude. Auf einem der Klodeckel klebt ein Bild, auf dem sich ein Männchen die Nase zuhält. So schlimm ist es noch nicht. Leider fehlt allerdings ein Handtuch oder ein Trockner – irgendwas, womit ich mir die Hände abtrocknen kann. Die 30 Cent zahle ich dann bei der Toilettenfrau, die sich inzwischen in ihr zigarettenverrauchtes Kabuff gesetzt hat.

Unweit vom Schulplatz, direkt neben der Post, steht ein vollautomatisches Toilettenhaus. Der Zutritt kostet eigentlich 20 Cent, die Tür öffnet sich aber auch so. Doch der erste Eindruck ist gruselig. Die Tür fällt zu, und ich bin gefangen. Mein Eindruck: Ich stehe in einem Tierkäfig – oder einer Gefängniszelle. Licht gibt es nicht, nur von oben dringt ein wenig Helligkeit durchs Gitter. Toilette, Pissoir und das Ding, das entfernt an ein Waschbecken erinnert, sind aus Stahl und glänzen im matten Licht. Das wirkt alles andere als vertraulich.
Ich beschließe: Auf dieses Klo werde ich mich ganz bestimmt nicht setzen. Und ich kenne niemanden, der sich auf so etwas freiwillig setzen würde. Das Häuschen ist nicht wirklich dreckig, aber schön ist was anderes.

Ein besonderer Anblick bietet sich übrigens in der Neuruppiner Regattastraße gegenüber dem Evangelischen Gymnasium: ein verwitterter, abgeschlossener Container, an dem das Schild „Toilette“ klebt. Was mich drinnen erwartet hätte, will ich mir aber lieber gar nicht ausmalen.

*

Das Hinweisschild zeigt auf Kronprinz Friedrich
Die Rheinsberger Toilette ist sauber, aber schwer zu finden

RHEINSBERG
Rheinsberg hat ein ordentliches, sauberes Klo. Da gibt es nichts zu meckern. Nur leider habe ich ewig danach suchen müssen.
Das Hinweisschild für die Toilette habe ich schnell entdeckt. Es steht gegenüber dem Tor zum Schlosspark. Lustigerweise zeigt es direkt auf das Denkmal von Kronprinz Friedrich. Ich vermute jedoch, dass es nicht gemeint sein kann. Mit etwas gutem Willen zeigt das Schild auch in Richtung der Touristeninfo. Also laufe ich dort hin.

Ich ahne, dass ich falsch bin, denn dort fehlt jeder weitere Hinweis auf ein Klo. Ich frage nach. „Da müssen Sie in den Schlosspark zum Marstall“, bekomme ich als Auskunft. Ich laufe also zurück zum Schlossparkeingang. Und wieder bin ich ratlos. Ich sehe mich im Park um. Welches der Gebäude könnte denn nun der Marstall sein? Ich denke erneut an das Hinweisschild vor dem Park. Es zeigt auf das vom Tor aus gelegen rechte Gebäude. Ich mache mich auf den Weg.
Einen weiteren Hinweis auf eine Toilette – oder überhaupt irgendeinen Tipp finde ich nicht. Schließlich stehe ich vor einer verschlossenen Tür mit der Aufschrift „Schlosstheater Rheinsberg“. Ein Klo gibt es hier nicht. Missmutig laufe ich wieder zum Eingang zurück. Unterwegs sprechen mich zwei Frauen an: „Wissen Sie, wo die Toiletten sind?“ Gute Frage. Da sind wir ja nun schon zu dritt. Ich habe keine Antwort, und wir sind schnell per du.

Auf dem Rückweg entdecke ich dann doch noch eine Übersichtstafel. Die muss ich wohl übersehen haben. Auf ihr kann ich ablesen, wo nun genau der Marstall ist. Es ist das linke Gebäude, das eingerüstete. Das Hinweisschild draußen zeigt also in eine völlig falsche Richtung. Direkt vor dem Eingang erwartet mich eine große Hinweistafel: WC. Gut zu wissen.

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Die Tür fällt zu, der Gast steht im Dunkeln
In Lindow sind die Räume beschmiert

LINDOW
Normalerweise kostet der Zutritt zur Toilette an der Lindower Touristeninfo im Ortszentrum 20 Cent und ist eine Wissenschaft. Die kleine Hinweistafel spricht Bände: Tür kräftig innerhalb von drei Sekunden öffnen. Was für ein Stress. Den habe ich glücklicherweise nicht, ein Mitarbeiter der Touristen-info schließt mir auf. Derzeit müssen die 20 Cent für die Männertoilette nicht gezahlt werden, weil der Raum völlig mit Graffiti beschmiert ist. Diverse Krakel von verschiedenen „Künstlern“ zieren Vorraum und Kabine.

Zunächst muss ich allerdings nach dem Lichtschalter suchen. Als die Tür zufällt, stehe ich nämlich völlig im Dunkeln. Nichts für Leute mit Platzangst. Ich taste die Wand ab nach dem Schalter.
Auch ohne Graffiti wirkt der düstere Raum nicht sehr gastlich. Das Pissoir neben dem Miniwaschbecken ist ungepflegt, das darin stehende Wasser gelb. Insgesamt sollten die Lindower darüber nachdenken, das Ding gründlich zu sanieren.

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Toiletten an der Autobahn

Papierreste auf dem Boden
LINUM
In der Toilettenanlage der Raststätte Linumer Bruch – an der Autobahn in Fahrtrichtung Hamburg – empfängt mich zunächst ein eigenwilliger Geruch. Im Toilettenraum selbst ist der Duft glücklicherweise neutraler. In einer der Kabinen liegen noch Reste des Klopapiers vom Vorgänger. In den Urinalen liegen stellenweise noch lauter Haarbüschel, was nun wirklich kein schöner Anblick ist. Aber ansonsten ist die Anlage annehmbar sauber. Clever: Der Toilettenmann am Ausgang hat sein Schild so hingelegt, dass der Besucher die 50 Cent Gebühr als Aufforderung versteht – und nicht als freiwillige Gabe.

Ein paar Minuten Urlaubsflair
WALSLEBEN
Idylle an der Raststätte Walsleben-Ost. Das Toilettenhaus ist ein Extracontainer neben der Gaststätte, dahinter beginnt der Wald. Das Gebäude hat von außen das Flair eines Urlaubsbungalows. Am frischesten riecht es im Vorraum, drinnen duftet es neutral, alles ist sauber. Allerdings beginnen die Klobrillen langsam zu verkeimen. Auf der anderen Seite der Autobahn, in Walsleben-West, wartet die Toilettenfrau vor der Tür rauchend auf ihre Kunden. Dennoch werde ich freundlich begrüßt. Der Toilettenraum ist ähnlich eingerichtet wie in Walsleben-Ost, wirkt jedoch noch viel heller und ausgesprochen freundlich. Die Becken sind sauber. Da lässt sich der Kunde gern nieder und gibt 30Cent oder mehr.

Duschen für die Brummifahrer
HERZSPRUNG
Aus dem Radio beschallen die größten Hits der 80er, 90er und das Beste von heute den Waschraum. Im Sanitärbereich auf dem Autohof in Herzsprung können die Brummifahrer auch duschen. Der Toilettenmann gibt sich Mühe: Überall stehen kleine Töpfe mit Blumen. Ein kleines Problem scheint es in einigen der Kabinen zu geben. Das Wasser läuft permanent. In Sachen Sauberkeit lässt die Anlage aber keine Wünsche offen. Ein Nachteil auf dem riesigen gepflasterten Rastplatz ist jedoch die völlige Orientierungslosigkeit. Der Reisende verirrt sich – sowohl bei der Zu- als auch bei der Abfahrt.

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Im nächsten Jahr kommt der Anbau
Interview: In Flecken Zechlin nachgefragt

Am Toilettentest kann Flecken Zechlin mangels Testobjekt nicht teilnehmen. Robert Tiesler fragte beim Ortsbürgermeister Wilfried Schmidt nach.

Flecken Zechlin hat als Touristenort bislang keine öffentliche Toilette. Warum ist das so?
Wilfried Schmidt:Bisher bestand kein Bedarf. Aber als Tourismusort werden wir eine öffentliche Toilette brauchen.

Und wie weit sind die Überlegungen?
Schmidt: Die Toilette ist in Planung.

Wann und wo soll es denn so weit sein?
Schmidt:Ich gehe davon aus, dass sie im Jahr 2010 gebaut wird. Es ist ein Anbau an die Touristeninformation geplant. Ein Architektenbüro ist schon an der Arbeit.

aRTikel

Die Spätfolgen werden unterschätzt

Freitag, den 13. November 2009
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Gesundheit: Diabetes kann Augen und Füße schädigen / In der Region gibt es mehrere Selbsthilfegruppen

MAZ Neuruppin, 13.11.2009

Acht Millionen Deutsche haben Diabetes. Günther Miekley aus Vielitz muss sich viermal am Tag Insulin spritzen.

NEURUPPIN
Bald sind es drei volle Jahrzehnte. Es war 1980, als Günther Miekley erfuhr, dass er Diabetiker ist. „Man hat das damals so hingenommen“, sagt der 72-jährige Vielitzer. „Aber seit 1991 muss ich mir Insulin spritzen. Viermal am Tag. Das ist viel.“
Miekley leidet an Diabetes mellitus, im Volksmund die Zuckerkrankheit. Seine Bauchspeicheldrüse produziert zu wenig Insulin, wodurch der Blutzuckerspiegel zu hoch ist. Deshalb muss er viermal am Tag spritzen – zu genau festgelegten Zeiten: um 7.30 Uhr, zum Mittag, zum Abendbrot und vor dem Schlafengehen. Ausnahmen gibt es nicht.

Deutschlandweit sind bislang acht Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, von der es zwei Typen gibt. Mit 92 Prozent leidet die größte Zahl der Betroffenen an der Typ-2-Diabetes. Zu ihnen gehört auch Günther Miekley. Diese Form der Zuckerkrankheit ist meist genetisch veranlagt.
Siegfried Ringleb dagegen leidet am Typ 1 der Diabetes. Und das schon seit 50 Jahren. Beim Typ 1 zerstört der Körper die eigenen Insulinzellen. Ringleb muss nicht zu festen Zeiten spritzen. „Ich kann im Großen und Ganzen auch essen, was ich will und muss danach eine entsprechende Menge des Insulinpräparates zuführen.“
Am Anfang musste sich der heute 75-Jährige dazu überwinden. „Und anderen Leuten kann ich dabei immer noch nicht zusehen.“ Als der Neuruppiner 1959 von der Krankheit erfuhr, war der Schock groß: Am Bett seiner schlafenden Kinder kam die Angst: „Ich wusste nicht, ob ich noch erlebe, wie sie aufwachsen“, erzählt er.

Ringleb arbeitet ehrenamtlich für den Deutschen Diabetiker Bund in Neuruppin und organisiert Selbsthilfegruppen. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder in Neuruppin, Rheinsberg, Lindow und Fehrbellin. Sie sind zwischen 65 und 90 Jahre alt. „Wir sprechen über unsere Erfahrungen und aktuelle Forschungsergebnisse“, so Ringleb.
„Wir haben 72 Mitglieder“, sagt er. „Ich schätze, die Zahl der Betroffenen ist sehr viel höher. Diabetes ist zu einer echten Volkskrankheit geworden“, sagt der Neuruppiner. „Sehr viele Menschen bewegen sich zu wenig und ernähren sich schlecht. Jedes fünfte Kind ist übergewichtig.“ Somit steige das Risiko, zu erkranken. „Wenn es dann passiert, dann nehmen es die Betroffenen anfangs nicht ernst genug“, so Ringleb.

Das glauben auch Irmgard Deutschmann (70) aus Vielitz sowie die Neuruppinerin Evelie Urban (77), die beide die Selbsthilfegruppen des Diabetikerbundes besuchen. „Gerade viele junge Leute unterschätzen die Spätfolgen der Krankheit“, sagt Evelie Urban. Die Rentnerin muss regelmäßig zum Augenarzt, denn ein zu hoher Blutzuckerspiegel führt zu Sehschwächen, im schlimmsten Fall erblinden die Betroffenen. Auch die Füße sind gefährdet, Gefäßschäden können die Hautoberfläche taub werden lassen. Wunden empfinden Diabetiker oft nicht als Schmerz. Das könnte zur Amputation des Beines führen.
In den Selbsthilfegruppen wird das alles besprochen. „Mir hilft das sehr“, sagt Irmgard Deutschmann. Auch Diät-Nahrungsmittel für Diabetiker sind bei den Treffen ein Thema. „Ich verzichte darauf“, so Deutschmann. „Sie sind nicht notwendig.“ Zuckerkranke könnten auch normale Lebensmittel essen, sogar Schokolade. „Aber in Maßen, nicht im Massen.“

Wichtig sei, dass sich jeder mit dem Essen, was er täglich zu sich nimmt, beschäftigt. Zuckergehalt. Nährwert. Broteinheiten. Alles muss berechnet und berücksichtigt werden. Jede Stunde, jeden Tag.

RTelenovela

Der erste Schnee 2009: Darauf war ich doch gar nicht vorbereitet

Mittwoch, den 4. November 2009
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Mehr als acht Zentimeter Schnee fielen allein in Neuruppin. Der Winter kam so plötzlich, dass eigentlich noch niemand darauf eingestellt war. Und weil selbst der Wetterdienst nichts davon ahnte.

Der Morgen begann mit Graupel. Als ich in Oranienburg mein Haus verließ, kam schon leichter Schneeregen vom Himmel.
Auf der Fahrt nach Rheinsberg dachte ich noch: Die Sache mit den Winterreifen müssen wir bis spätestens Anfang Dezember hinbekommen.
Kurz vor Löwenberg war die B 96 schon ganz leicht weiß angehaucht. Die Felder nebenan schon sanft schneebedeckt. Aber immer noch im gelben Bereich.
In Gransee machte ich das erste Mal einen Bremstest. Er funktionierte, alles war immer noch schick. Doch der Winter rückte immer näher.
Es begann zu schneien. Als ich gerade Köpernitz bei Rheinsberg erreichte, rief mich mein Bruder an – wegen der Winterreifen, die nun bald kommen. Als ich mich aber umsah, wusste ich: Eigentlich bräcuhte ich sie genau jetzt. Denn in Köpernitz war Winter, die Straßen weiß – und glatt.
Ich schlich bis nach Rheinsberg rein, der Schneefall wurde heftiger.
Auf radioeins sagten sie immer noch unverdrossenheit Regen und Graupel voraus. Von starkem Schneefall war nicht die Rede.

Die Lesung, die ich besuchte, begann später. Die Autorin kam zu spät. Auch sie brauchte wohl auf den winterlichen Straßen einen Tick länger.
Dennoch war ich zu dem Zeitpunkt, am Vormittag, immer noch entspannt. Der Wetterdienst wusste sowieso nicht, dass es schneit und kündigte 3 bis 8 Grad an. Wird also bis nachher wieder tauen, dachte ich.

Es taute aber nicht. Es schneite weiter. Dicke Flocken. Die Schneeschicht auf meinem Auto war schon zentimeterdick.
Im langsamen Tempo von 40 km/h verließ ich Rheinsberg.
Ostprignitz-Ruppin – ein Wintertraum. Das wäre es zumindest, wenn ich erstens Winterreifen am Auto hätte und zweitens vernünftige Winterschuhe.
So tuckerte ich also durch den Wald und durch die engen Kurven von Zippelsförde. Glücklicherweise gibt es dort aber keine größeren Berge.
Alt Ruppin war dann jedoch eine Herausforderung. Bergab, Kurven, Kopfsteinpflaster, bergauf. Das ging gerade noch, war aber nicht mehr schön.
Auf den Straßen von Neuruppin war die Situation jedoch am gefährlichsten. Die Straßen waren nicht nur schneebedeckt, sondern auch spiegelglatt.
Als ich das Büro erreichte, war ich fertig – und brauchte erst mal eine Pause…

Irgendwas muss da bei den Wetterläuten schiefgegangen sein. Oder wir hatten eine besonders ungewöhnliche Wetterlage. Denn erst der Neuruppiner Bauhof musste die Leute vom Wetterdienst darüber informieren, dass Schnee liegt. Bei uns vor der Tür bis zu 8,5 Zentimeter.
Anfang November haben zudem die wenigsten wohl schon Winterreifen auf dem Auto. So ging in den Bergen von Kunsterspring zeitweise gar nichts mehr. Auf der Autobahn bei Putlitz kam ein Sattelschlepper von der Strecke ab. Er hatte Ferraris und Oldtimer geladen. Die sind nun Schrott. Schaden: mehr als eine Million Euro.
Der erste Schnee wurde für einige Leute somit verdammt teuer…

aRTikel

Von Potter bis Pilcher

Mittwoch, den 21. Oktober 2009
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Porträt: Britta Strohschein hat ihren Traumberuf – als Bibliothekarin an der Grundschule in Flecken Zechlin

MAZ Neuruppin, 21.10.2009

Bevor Britta Strohschein aus Flecken Zechlin sich um die Bücher in der Schule kümmerte, war sie Köchin – was ihr wenig Spaß machte.

FLECKEN ZECHLIN
Jedes Buch hat eine Seele. Es gehört nicht in den Müll. Niemals. Britta Strohschein lächelt. Seit zwei Jahren arbeitet die 42-Jährige als Bibliothekarin an der Grundschule in Flecken Zechlin. Dreimal pro Woche ist die Bücherei für je eine Stunde am Mittag geöffnet. „Meist bleibt es aber nicht bei dieser einen Stunde“, sagt Britta Strohschein. Sie räumt die neuen Bücher ein, katalogisiert sie, plant Aktionen. „Ich habe Märchenrätsel ausgearbeitet, die die Kinder lösen können.“ Bis Mai kommenden Jahres haben sie Zeit. Die Schlauesten bekommen Preise, die Britta Strohschein bis dahin besorgen will.
„Es ist heutzutage schwer, die jungen Leute vom Computer wegzubekommen“, sagt sie. Deshalb hat es sich die Flecken Zechlinerin zur Aufgabe gemacht, die Kinder zum Lesen zu bewegen. „Es muss ja kein Roman sein. Aber Bücher können uns viel von den Dingen beibringen, über die wir noch nichts wissen. Durch Worte kann man viele Menschen erreichen.“

Bibliothekarin war schon immer der Traumberuf von Britta Strohschein gewesen. „Ich habe bereits als Kind viel gelesen“, erinnert sie sich. Die „Buddenbrooks“ zum Beispiel. Es hat allerdings viele Jahre gedauert, bis sie tatsächlich einen Job in einer Bücherei übernehmen konnte. „Ursprünglich war ich Köchin und später Restaurantfachfrau“, erzählt sie.
Gelernt hat sie im ehemaligen „Märkischen Hof“ in Neuruppin. Später arbeitete sie als Köchin im Rheinsberger Kernkraftwerk, im FDGB-Schulungsheim in Linowsee, in einer Rheinsberger Backstube und in der Marina Wolfsbruch in Kleinzerlang. Britta Strohschein erinnert sich: „Aber Köchin zu sein hat mir nie so richtig Spaß gemacht, wenn ich so zurückblicke.“ Trotz einer langwierigen Krankheit schaffte sie 2004 einen weiteren Abschluss, der es ihr erlaubt, Lehrlinge auszubilden.

Sie selbst kehrte aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht mehr in den Beruf zurück. Der Zufall wollte es, dass sie dann im Juni 2007 die Bibliothek an der Grundschule in Flecken Zechlin übernahm. „Ich wurde gefragt, ob ich mich dafür bewerben will“, erzählt Britta Strohschein. „Am Anfang war alles ein wenig chaotisch. Niemand wusste, wo welches Buch steht.“ Doch das hat sich inzwischen geändert. „Wir bekommen auch hin und wieder welche geschenkt. Manchmal sogar noch Ungelesene.“ Auch sie gibt manchmal ein paar Euro privat für Bücher dazu. Als sie auf der Suche nach Romanen der „Harry Potter“-Reihe war, fragte sie beim Verlag nach, der ihr sogleich Band fünf und sechs kostenlos zuschickte.

Sie liest am liebsten Familiengeschichten. „Schicksale, die sich über mehrere Generationen erstrecken, mag ich besonders“, sagt sie. Und wenn sie nicht liest, dann kümmert sie sich um ihre Katze oder sieht Rosamunde-Pilcher-Filme im Pay-TV. „Ich liebe die irischen Landschaften“, erzählt sie und lächelt.
Nebenher singt sie in zwei Chören. „Frohsinn“ heißt der eine in Flecken Zechlin. „Da singen wir Volkslieder und Schlager.“ Der andere ist der Singkreis in Dorf-Zechlin: „Meine Bücher, der Chor – das alles gibt mir sehr viel Kraft“, sagt sie.