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Bis zur Premiere ist noch viel zu tun

Mittwoch, den 11. Januar 2017
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“Zwischen/Welten” heißt das neue Musical von Michael Wudick aus Grüneberg

MAZ Oberhavel, 11.1.2017

Grüneberg.
Am Freitagabend ist Premiere, aber bis dahin ist noch viel Arbeit zu erledigen. Im Rheinsberger Schlosstheater wird zum ersten Mal das Musical „Zwischen/Welten“ aufgeführt. Seit vielen Wochen arbeiten Kinder und Jugendliche aus Rheinsberg und Umgebung daran, dass die Aufführungen ein Erfolg werden.
Geschrieben hat das Stück Michael Wudick. Es ist das zweite komplett selbst verfasste Kindermusical des 35-Jährigen aus Grüneberg. „Es geht um eine nahe Zukunft auf der Erde“, erzählt er. „Die Klimakatastrophe steht unmittelbar bevor.“ In dem Musical geht es darum, die Erde vor diesem Kollaps zu retten. Sogar eine Zeitmaschine kommt dabei zum Einsatz.

Einmal im Jahr findet das Musicalprojekt mit Rheinsberger und Neuruppiner Kindern statt, und bei den letztjährigen Proben kam Michael „Wudi“ Wudick auch die Idee zu seinem neuen Werk. „Die Botschaft ist natürlich: Jeder sollte mal über das Klima und die Verschmutzung der Erde nachdenken.“ Aber auch das Verhältnis der Generationen untereinander spielt eine Rolle in dem Stück. „Ich bin beim Schreiben sehr pedantisch, dass wirklich alle Fakten stimmen.“ Deshalb recherchiert er sehr viel, während er an so einem Musical arbeitet.

Ein gutes Jahr hat es gedauert, bis das Stück fertig war. Wobei: Wirklich fertig wird es erst ganz kurz vor der Premiere. Denn in dieser Woche gab es überhaupt erst die richtigen Durchlaufproben. Das ist eine anstrengende Woche für alle Beteiligten, „aber wenn man das fertige Stück am Ende sieht, ist das toll!“, sagt er.

Musik war schon immer das Hobby von Michael Wudick. Bereits am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium stand er bis zum Abitur 2000 oft bei Konzerten auf der Bühne. Er schrieb danach viele Songs für verschiedene Stücke und Musicals. In Rheinsberg macht er das vierte Mal bei einer Produktion mit. Sein erstes komplett selbst geschriebenes Stück „Lost and Found“, das 2014 Premiere hatte, konnte er an einen Verlag verkaufen.
Für die Produktion ist Michael Wudick nach Grüneberg zurück gekommen – dort lebt auch seine Familie, das ist seine Heimat. Nach dem Abitur studierte er in Potsdam, promovierte in Frankreich und arbeitete als Naturwissenschaftler in Lissabon. Jetzt ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der University of Maryland in College Park, ganz in der Nähe der US-Hauptstadt Washington. Er arbeitet dort als Molekularbiologe in einem Grundlagenforschungslabor und forscht an Pflanzen. Gerade erst hat er seinen Vertrag um ein Jahr verlängert.

Wenn er von der Musik leben könnte, wäre das vielleicht auch eine Option. Danach sieht es aber momentan nicht aus, so schätzt der 35-Jährige. Für einen Sänger in Portugal hat „Wudi“ für eine Fado-CD eine Melodie komponiert., und wenn nächstes Jahr das nächste Rheinsberger Projekt ansteht, wird er sicherlich auch wieder dabei sein. Es ist so etwas wie eine Herzensangelegenheit.

RTelenovela

Die ziemlich spontane Nordbrandenburg-Tour

Dienstag, den 26. Juli 2016
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Es war einer dieser Ausflugstage, der ganz anders verläuft, als man sich das vorher überlegt hat. Der Plan war ganz simpel: Rheinsberg. Spazieren. Schlosspark, Altstadt, was essen.
Doch das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Losgefahren sind wir in Oranienburg bei sonnigen 31 Grad. In Lindow waren es nur nur 22 Grad, es war windig, Regen kündigte sich an.
Planänderung.

Um das miese Wetter abwarten – es begann tatsächlich heftig zu regnen – kehrten wir beim Italiener am Lindower Marktplatz ein.
Am Tisch nebenan vertrieb sich eine Familie die Zeit, die offenbar auch den Regen abwartete. Sie machten das mit einer ungewöhnlichen Methode. Sie spielten Karten. Ohne Karten zu haben. Sie machten die entsprechenden Handbewegungen, sagten irgendeine Zahl, und das alles hatte offenbar auch irgendwas zu bedeuten. Was, haben wir nicht rausbekommen.

In Rheinsberg begaben wir uns auf die Suche nach dem ominösen Schlosskater, über den schon so oft berichtet worden ist. Er soll sich auf dem Schlossparkgelände rumtreiben und die Touris erfreuen. Aber das Vieh hat sich nicht blicken lassen.
Danach hatten wir die Auswahl: Neuruppin oder Stechlin. Meine Begleiterinnen stimmten für Neuruppin.
Auf der Fahrt dorthin aber ein weiterer spontaner Zwischenstopp: Boltenmühle.

Boltenmühle ist ein wahnsinnig schönes Fleckchen Erde mitten in der Ruppiner Schweiz. Eine schmale Straße führt in das Tal, in dem sich ein Restaurant und ein kleiner Park, direkt am Tornowsee befinden.
Wer dort entlang spaziert, erlebt: die völlige Ruhe, die pure Entspannung und keinen Handyempfang. Was allerdings vermutlich zu den beiden erstgenannten Punkten führt.
Am Seeufer stehen Strandkörbe, in die man sich setzen kann. Man möchte gar nicht mehr aufstehen, sondern einfach nur über den kleinen Teich davor und auf den See dahinter blicken…

Weiter nach Neuruppin, zum Ruppiner See und zur Seepromenade. Dort kann man nicht nur langschlendern, sondern auch die Leute beobachten. Die sitzen auf den Steinen zusammen, unterhalten sich oder starren einfach nur auf ihre Smartphone, um da etwas Spannendes zu lesen oder anzusehen.

Letzte Station: das Scheunenviertel in Kremmen. Inzwischen war es nach 20 Uhr, und an einem Montagabend ist dort natürlich fast nichts mehr los. Schade ist vor allem, dass die geschlossenen Scheunen oft nicht mal den Eindruck machen, dass sie bewirtschaftet werden. So sieht das Theater “Tiefste Provinz”, das ja eine echte Kulturstätte ist, eher nach nichts aus, wenn die Tore dicht sind. Ein Schild würde da vielleicht weiterhelfen, so unsere nichteinheimische Begleiterin.

So endete unsere Nordbrandenburg-Tour nach mehr als sechs Stunden. Wir erreichten wieder Oranienburg und stellten fest, dass von Regen dort den ganzen Tag keine Rede war.

aRTikel

Die schönste Woche des Jahres

Mittwoch, den 31. Dezember 2014
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„Lost & Found“: Michael Wudick aus Grüneberg hat ein neues Musical geschrieben. Premiere ist am 16. Januar in Rheinsberg

MAZ Gransee, 31.12.2014

GRÜNEBERG
Oft kommen ihm die Ideen in der Bahn, wenn Michael Wudick aus Grüneberg zwischen Washington und Maryland unterwegs ist – zur Arbeit. „Ich schreibe meine Ideen ins Handy“, erzählt er. „Kleine Textzeilen oder Dialoge.“ Am 16. Januar feiert im Rheinsberger Schlosstheater das neue Musical „Lost & Found – Das Fundbüro“ seine Premiere.

Es ist das dritte Projekt, das der 33-Jährige in Rheinsberg umsetzt. Das Besondere: Schüler aus der Region führen es auf. Die Vorbereitungen laufen zwar schon seit einem Jahr, die ganz heiße Phase beginnt aber erst im Januar, wenn sich die Schüler eine Woche lang in Workshops intensiv mit dem Stück beschäftigen und am Ende auch auf die Bühne bringen.
In „Lost & Found“ geht es um ein Fundbüro mit lauter Gegenständen, die jede Nacht, wenn die Uhr achtmal schlägt, lebendig werden. Als aber der Laden zwangsvollstreckt werden soll, beschließen die Gegenstände auszubrechen und sich eine neue Bleibe zu suchen.

„Die Zielgruppe sind Kinder ab der 2. Klasse“, erzählt Michael Wudick. „Aber es gibt auch ziemlich viele Anspielungen, die vor allem die Erwachsenen verstehen. Es ist ein Stück für Oma und Enkel.“ Etwa 30 Jugendliche ab Klasse sieben stehen in Rheinsberg auf und weitere 30 arbeiten hinter der Bühne. „Die Kinder sollen einen Einblick in die Theaterwelt bekommen“, sagt der Grüneberger. Zu den Geldgebern zählen der Kinder- und Jugendmusikförderverein Rheinsberg und die DGB-Jugendbildungsstätte Flecken-Zechlin.
Regie führt der Berliner Lehrer Stefan Labenz, mit dem Michael Wudick schon seit längerem befreundet ist. „Er war es auch, der mich nach Rheinsberg zu diesem Projekt geholt hat“, so Wudick. Der Aufwand ist für alle riesig. „Und wir machen das ja nur nebenbei.“

Für einen Monat ist Michael Wudick in die Heimat zurückgekehrt, in Grüneberg verbrachte er bei seinen Eltern das Weihnachtsfest. Nach dem Abi 2000 in Oranienburg studierte er in Potsdam, promovierte in Frankreich und arbeitete als Naturwissenschaftler drei Jahre in Lissabon. Inzwischen lebt er in Washington, gerade ist sein Visum um zwei Jahre verlängert worden. Er ist Molekularbiologe an der University of Maryland und beschäftigt sich mit Zellbiologie und Molekulargenetik.
Schon während der Schulzeit mischte er bei verschiedenen Konzerten mit und spielte Theater. Mit „Musical Hospital“ schrieb er sein erstes Bühnenstück, welches 2007 im Kulturhaus Spandau aufgeführt wurde.
Kurz nach dem Abi überlegte er, ob er die Musik zu seinem Beruf macht, die Sprachen oder die Wissenschaft. „Jetzt habe ich die perfekte Mischung“, sagt er. „Ich brauche im Job jeden Tag drei Fremdsprachen, bin Wissenschaftler und mache jeden Tag Musik.“

Die Zeit in Rheinsberg bezeichnet er als „die schönste Woche des Jahres, aber auch die anstrengendste“. Er habe zwar einen Monat frei bekommen, aber Urlaub habe er in dieser Zeit keinen.
Fünf Aufführungen von „Lost & Found – Das Fundbüro“ sind im Schlosstheater geplant. Die Premiere ist am Freitag, 16. Januar, um 19 Uhr. „Ich bin auch sehr gespannt“, so Michael Wudick.

RTelenovela

Mitreden – Der Brunchtalk (7)

Montag, den 5. August 2013
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(6) -> 25.3.2013

So langsam kommt der Wahlkampf in die heiße Phase. Sieben Wochen vor der Bundestagswahl war unser Brunchtalk im Kremmener Theater “Tiefste Provinz” ein Politikspecial.
Und weil wir Gregor Gysi, den Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag, bei uns zu Gast hatten, war das Ganze auch schon lange ausverkauft. Allerdings kam Gysi ein paar Minuten zu spät. Er war im Stau auf der A10 steckengeblieben, die Polizei musste ihn erst da raus holen. Man habe ihn mit einer Drohne da raus geholt, sagte er scherzhaft. Interessant und unterhaltsam berichtete er über seine politische Arbeit.

Ihm zur Seite saßen zwei Herren, die erst noch in den Bundestag wollen. Max Koziolek (23) aus Falkensee tritt für die FDP im Havelland an.Zu den Liberalen sei er gekommen, weil die am ehesten seine Standpunkte vertreten würden. Er ist für die Abschaffung des Solidaritätsbeitrages und findet es nicht schlimm, wenn er nur einen zeitlich gebundenen Arbeitsvertrag hätte – was die Kremmen mit Buh-Rufen quittierten.
Hans-Georg Rieger sitzt im Stadtparlament von Rheinsberg und will als Unabhängiger in den Bundestag. Er kommt aus Schwaben, und das hört man. Er ist gegen das Berufsbeamtentum und will, dass man sich endlich um die Langzeitarbeitslosen kümmern solle.

Harald Baumer arbeitet für die “Nürnberger Nachrichten” als Berlin-Korrespondent. Die Arbeit der Politiker sei schwieriger geworden, findet er. Sie müssten sich mit immer komplizierteren Dingen beschäftigen.
Musik im Programm hatten wir diesmal auch wieder: Die Kreisstadthelden aus Oranienburg brachten zwei ihrer Songs.

Es war eine muntere, spannende und manchmal erhellende Runde. Gysi und Koziolek debattierten auf eine interessante Weise, Rieger brachte die etwas andere Note ins Spiel, Baumer sorgte für den Blick von der anderen Seite.
Gut 20 Minuten haben wir wieder überzogen, aber das war es wert. Weiter geht es am 6. Oktober.

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Diaz plant bereits sein zweites Album

Mittwoch, den 13. April 2011
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Musik: Tobias Wojczewski (24) aus Zehdenick war Kandidat bei RTL-Castingshow

MAZ Gransee, 13.4.2011

Auch wenn er bei „Deutschland sucht den Superstar“ ausschied – Diaz macht weiter Musik und plant seine Zukunft.

ZEHDENICK
Wenn am 7. Mai bei RTL das Finale von „Deutschland sucht den Superstar“ läuft, werden sich wohl nur wenige an Diaz erinnern. Dabei schaffte es der 24-jährige Tobias Wojczewski aus Zehdenick bis ins Recall auf den sonnigen Malediven. Er war einer von 35.000 Teilnehmern der aktuellen Staffel der RTL-Castingshow.

„Ich wurde von Freunden angesprochen, dass ich dort mal mitmachen soll“, erzählt er. Mit einem selbstgeschriebenen Song und seiner Gitarre stellte er sich vor die Jury in Berlin. „Klar ist man aufgeregt“, sagt Diaz, „das sind ja nicht irgendwelche Leute.“ Dennoch hat er das Ganze locker gesehen und schaffte es eine Runde weiter. „Man steht dann ganz schön unter Zeitdruck, man muss Interviews geben, ständig sind da Kameras. Am Abend hatten wir dann Zeit, das Lied für unseren Auftritt beim Recall zu lernen.“

Im November flogen er und 34 weitere Kandidaten auf die Malediven. „Da habe ich mir dann allerdings nicht mehr richtig Mühe gegeben“, gibt er zu. Er wollte nicht in die Top-15-Shows, sagt er. Verträge mit RTL und der Plattenfirma waren für ihn tabu. Sie hätten ihm für einen Zeitraum von acht Monaten untersagt, eigene Titel zu veröffentlichen und Konzerte zu geben. Das wäre für ihn unmöglich gewesen, schließlich ist er in zwei Bands und auch solo musikalisch unterwegs.

Als Mitglied der Gruppe Aura spielt er Rock, Pop und Raggae. In der Liedermacherband „Die Bier-Tenöre“ präsentiert er auch seine eigenen Songs. „Über Liebe, über Menschen, die allein sind, über Sex oder auch einfach nur Sauflieder.“ Die Bier-Tenöre geben bald ihr zweites Album heraus, Aura demnächst eine EP, Diaz selbst plant ebenfalls seine zweite Platte.
„Mit der Musik kann ich mich ausleben und Spaß haben“, erzählt er. Gelernt hat er auf der Exin-Gesamtschule in Zehdenick, danach lebte er mehrere Jahre in Rheinsberg, ging in die Lehre als Schuhfertiger und später als Mediengestalter. Seinen Zivildienst leistete er in der Seeklinik in Dorf Zechlin (Ostprignitz-Ruppin) ab. Dann jedoch zog er nach Berlin.

„DSDS“ bezeichnet er als echtes Sprungbrett. Er macht weiter Musik, vielleicht moderiert er demnächst bei MTV oder Viva eine Show. Mit Jurymitglied Patrick Nuo steht er auch in Kontakt. Um Diaz muss sich also niemand Sorgen machen.

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Erst Aquaporine, jetzt das Zwiebelchen

Donnerstag, den 20. Januar 2011
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Kultur: Michael Wudick aus Grüneberg hat die Lieder für ein Musical geschrieben, das morgen Premiere hat

MAZ Gransee, 20.1.2011

GRÜNEBERG
Normalerweise lassen Zwiebeln oft die Tränen kullern. Nicht so das „Zwiebelchen“, das morgen im Rheinsberger Schlosstheater Premiere feiert. Kinder und Jugendliche der Heinrich-Rau-Oberschule haben die ganze Woche in einem Projekt für die Aufführung geübt: Texte, Tänze und Lieder.
Es sind genau 20 Lieder. Geschrieben hat sie der Grüneberger Michael Wudick. „Die Liedtexte und die Musik sind von mir“, sagt der 29-Jährige. Die Idee für das Musical entstand im Herbst 2009. „Da fing ich schon an, die ersten Lieder zu schreiben“, erzählt Wudick. Die Sprechtexte schrieb sein Freund Stefan Labenz, mit dem er schon mehrere Jahre in einer Theatergruppe zusammenarbeitet.

„Zwiebelchen“ spielt in einer Gemüsewelt. Der Hauptdarsteller – eben jenes Zwiebelchen – setzt sich für seine Gemüsefreunde ein und steht ihnen in der Welt der Angeber- und Herrschergemüse zur Seite. Mehr als 70 Kinder und Jugendliche sind an dem Stück beteiligt. „Das macht super Spaß“, sagt Michael Wudick. „Auch wenn es stressig ist. Aber die Kinder haben die Eltern mit den Liedern schon angesteckt.“ Kinder seien sehr dankbare Mitarbeiter, findet der Grüneberger. Viermal wird „Zwiebelchen“ in den nächsten Tagen in Rheinsberg aufgeführt. „Mal sehen, was dann ist“, sagt Michael Wudick.

Der weitere Lebensweg wird ihn aus dem Löwenberger Land nach Lissabon, in die Hauptstadt Portugals führen. Er übernimmt dort eine sogenannte Nachdoktorandenstelle. Seit Frühjahr ist er Doktor der Naturwissenschaften und darf sich „Dr. rer. nat.“ nennen. Seine Doktorarbeit schrieb er über Aquaporine – über Wasserkanäle, also Proteine, die den Transport von Wasser über Zellmembranen erleichtern. Dafür lebte er drei Jahre im französischen Montpellier. In Lissabon möchte er nun weiterforschen. Jetzt aber steht zunächst das „Zwiebelchen“ an erster Stelle.

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Der Test zum Welttoilettentag

Donnerstag, den 19. November 2009
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Den Gedenktag gibt es seit 2001: Die MAZ testete neun Anlagen

MAZ Neuruppin, 19.11.2009

Heute ist der Welttoilettentag. Deshalb hat sich die MAZ am Dienstag auf eine Reise zu den öffentlichen Toiletten in Neuruppin, Lindow, Rheinsberg und entlang der Autobahn A 24 begeben. Relevant waren jedoch nicht nur die Toilettenbecken an sich, sondern auch das Umfeld. Sind die Anlagen einfach zu finden? Sind sie problemlos zu bedienen? Dabei schnitten die Toiletten auf den Autobahnraststätten und dem Autohof in Herzsprung insgesamt etwas besser ab als die in den drei Städten.

Erstmals ausgerufen wurde der Welttoilettentag übrigens am 19. November 2001 von der Welttoilettenorganisation. Die Vereinten Nationen unterstützen den jährlichen Feiertag. Damit soll vor allem auf fehlende ausreichend hygienische Sanitäreinrichtungen für mehr als 40 Prozent der Menschen auf der Welt hingewiesen werden. Ein Problem, das unterschätzt wird, obwohl es ein wichtiges Hindernis für soziale und wirtschaftliche Entwicklung ist, so ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums.

*

Wie im Tierkäfig
Die Toilette an der Neuruppiner Post wirkt gruselig – die Klos am Schulplatz sind alt, aber sauber

NEURUPPIN
Die Toilette am Neuruppiner Schulplatz ist eher ein Insidertipp. Ich habe sie nur zufällig entdeckt. Sie ist nicht ausgeschildert. Hinter dem Bistro am alten Gymnasium führt eine Treppe nach unten. Auf den ersten Blick sieht die gesamte Anlage schon ein bisschen älter aus. Auf den zweiten zwar auch, aber auf die Sauberkeit kommt es schließlich an. Die ist gegeben.
Die Atmosphäre ist locker. Die Toilettenfrau unterhält sich angeregt mit anderen Gästen, grüßt aber freundlich. Es herrscht Leben in der Bude. Auf einem der Klodeckel klebt ein Bild, auf dem sich ein Männchen die Nase zuhält. So schlimm ist es noch nicht. Leider fehlt allerdings ein Handtuch oder ein Trockner – irgendwas, womit ich mir die Hände abtrocknen kann. Die 30 Cent zahle ich dann bei der Toilettenfrau, die sich inzwischen in ihr zigarettenverrauchtes Kabuff gesetzt hat.

Unweit vom Schulplatz, direkt neben der Post, steht ein vollautomatisches Toilettenhaus. Der Zutritt kostet eigentlich 20 Cent, die Tür öffnet sich aber auch so. Doch der erste Eindruck ist gruselig. Die Tür fällt zu, und ich bin gefangen. Mein Eindruck: Ich stehe in einem Tierkäfig – oder einer Gefängniszelle. Licht gibt es nicht, nur von oben dringt ein wenig Helligkeit durchs Gitter. Toilette, Pissoir und das Ding, das entfernt an ein Waschbecken erinnert, sind aus Stahl und glänzen im matten Licht. Das wirkt alles andere als vertraulich.
Ich beschließe: Auf dieses Klo werde ich mich ganz bestimmt nicht setzen. Und ich kenne niemanden, der sich auf so etwas freiwillig setzen würde. Das Häuschen ist nicht wirklich dreckig, aber schön ist was anderes.

Ein besonderer Anblick bietet sich übrigens in der Neuruppiner Regattastraße gegenüber dem Evangelischen Gymnasium: ein verwitterter, abgeschlossener Container, an dem das Schild „Toilette“ klebt. Was mich drinnen erwartet hätte, will ich mir aber lieber gar nicht ausmalen.

*

Das Hinweisschild zeigt auf Kronprinz Friedrich
Die Rheinsberger Toilette ist sauber, aber schwer zu finden

RHEINSBERG
Rheinsberg hat ein ordentliches, sauberes Klo. Da gibt es nichts zu meckern. Nur leider habe ich ewig danach suchen müssen.
Das Hinweisschild für die Toilette habe ich schnell entdeckt. Es steht gegenüber dem Tor zum Schlosspark. Lustigerweise zeigt es direkt auf das Denkmal von Kronprinz Friedrich. Ich vermute jedoch, dass es nicht gemeint sein kann. Mit etwas gutem Willen zeigt das Schild auch in Richtung der Touristeninfo. Also laufe ich dort hin.

Ich ahne, dass ich falsch bin, denn dort fehlt jeder weitere Hinweis auf ein Klo. Ich frage nach. „Da müssen Sie in den Schlosspark zum Marstall“, bekomme ich als Auskunft. Ich laufe also zurück zum Schlossparkeingang. Und wieder bin ich ratlos. Ich sehe mich im Park um. Welches der Gebäude könnte denn nun der Marstall sein? Ich denke erneut an das Hinweisschild vor dem Park. Es zeigt auf das vom Tor aus gelegen rechte Gebäude. Ich mache mich auf den Weg.
Einen weiteren Hinweis auf eine Toilette – oder überhaupt irgendeinen Tipp finde ich nicht. Schließlich stehe ich vor einer verschlossenen Tür mit der Aufschrift „Schlosstheater Rheinsberg“. Ein Klo gibt es hier nicht. Missmutig laufe ich wieder zum Eingang zurück. Unterwegs sprechen mich zwei Frauen an: „Wissen Sie, wo die Toiletten sind?“ Gute Frage. Da sind wir ja nun schon zu dritt. Ich habe keine Antwort, und wir sind schnell per du.

Auf dem Rückweg entdecke ich dann doch noch eine Übersichtstafel. Die muss ich wohl übersehen haben. Auf ihr kann ich ablesen, wo nun genau der Marstall ist. Es ist das linke Gebäude, das eingerüstete. Das Hinweisschild draußen zeigt also in eine völlig falsche Richtung. Direkt vor dem Eingang erwartet mich eine große Hinweistafel: WC. Gut zu wissen.

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Die Tür fällt zu, der Gast steht im Dunkeln
In Lindow sind die Räume beschmiert

LINDOW
Normalerweise kostet der Zutritt zur Toilette an der Lindower Touristeninfo im Ortszentrum 20 Cent und ist eine Wissenschaft. Die kleine Hinweistafel spricht Bände: Tür kräftig innerhalb von drei Sekunden öffnen. Was für ein Stress. Den habe ich glücklicherweise nicht, ein Mitarbeiter der Touristen-info schließt mir auf. Derzeit müssen die 20 Cent für die Männertoilette nicht gezahlt werden, weil der Raum völlig mit Graffiti beschmiert ist. Diverse Krakel von verschiedenen „Künstlern“ zieren Vorraum und Kabine.

Zunächst muss ich allerdings nach dem Lichtschalter suchen. Als die Tür zufällt, stehe ich nämlich völlig im Dunkeln. Nichts für Leute mit Platzangst. Ich taste die Wand ab nach dem Schalter.
Auch ohne Graffiti wirkt der düstere Raum nicht sehr gastlich. Das Pissoir neben dem Miniwaschbecken ist ungepflegt, das darin stehende Wasser gelb. Insgesamt sollten die Lindower darüber nachdenken, das Ding gründlich zu sanieren.

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Toiletten an der Autobahn

Papierreste auf dem Boden
LINUM
In der Toilettenanlage der Raststätte Linumer Bruch – an der Autobahn in Fahrtrichtung Hamburg – empfängt mich zunächst ein eigenwilliger Geruch. Im Toilettenraum selbst ist der Duft glücklicherweise neutraler. In einer der Kabinen liegen noch Reste des Klopapiers vom Vorgänger. In den Urinalen liegen stellenweise noch lauter Haarbüschel, was nun wirklich kein schöner Anblick ist. Aber ansonsten ist die Anlage annehmbar sauber. Clever: Der Toilettenmann am Ausgang hat sein Schild so hingelegt, dass der Besucher die 50 Cent Gebühr als Aufforderung versteht – und nicht als freiwillige Gabe.

Ein paar Minuten Urlaubsflair
WALSLEBEN
Idylle an der Raststätte Walsleben-Ost. Das Toilettenhaus ist ein Extracontainer neben der Gaststätte, dahinter beginnt der Wald. Das Gebäude hat von außen das Flair eines Urlaubsbungalows. Am frischesten riecht es im Vorraum, drinnen duftet es neutral, alles ist sauber. Allerdings beginnen die Klobrillen langsam zu verkeimen. Auf der anderen Seite der Autobahn, in Walsleben-West, wartet die Toilettenfrau vor der Tür rauchend auf ihre Kunden. Dennoch werde ich freundlich begrüßt. Der Toilettenraum ist ähnlich eingerichtet wie in Walsleben-Ost, wirkt jedoch noch viel heller und ausgesprochen freundlich. Die Becken sind sauber. Da lässt sich der Kunde gern nieder und gibt 30Cent oder mehr.

Duschen für die Brummifahrer
HERZSPRUNG
Aus dem Radio beschallen die größten Hits der 80er, 90er und das Beste von heute den Waschraum. Im Sanitärbereich auf dem Autohof in Herzsprung können die Brummifahrer auch duschen. Der Toilettenmann gibt sich Mühe: Überall stehen kleine Töpfe mit Blumen. Ein kleines Problem scheint es in einigen der Kabinen zu geben. Das Wasser läuft permanent. In Sachen Sauberkeit lässt die Anlage aber keine Wünsche offen. Ein Nachteil auf dem riesigen gepflasterten Rastplatz ist jedoch die völlige Orientierungslosigkeit. Der Reisende verirrt sich – sowohl bei der Zu- als auch bei der Abfahrt.

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Im nächsten Jahr kommt der Anbau
Interview: In Flecken Zechlin nachgefragt

Am Toilettentest kann Flecken Zechlin mangels Testobjekt nicht teilnehmen. Robert Tiesler fragte beim Ortsbürgermeister Wilfried Schmidt nach.

Flecken Zechlin hat als Touristenort bislang keine öffentliche Toilette. Warum ist das so?
Wilfried Schmidt:Bisher bestand kein Bedarf. Aber als Tourismusort werden wir eine öffentliche Toilette brauchen.

Und wie weit sind die Überlegungen?
Schmidt: Die Toilette ist in Planung.

Wann und wo soll es denn so weit sein?
Schmidt:Ich gehe davon aus, dass sie im Jahr 2010 gebaut wird. Es ist ein Anbau an die Touristeninformation geplant. Ein Architektenbüro ist schon an der Arbeit.