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Überraschungsevent (2): Im Jüdischen Museum

Mittwoch, den 18. Mai 2016
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(1) -> 29.4.2016

Der Startschuss fiel im April: Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. In diesem Monat durfte sie das Event planen, im Juni bin ich wieder dran.

Diesmal ging es nach Berlin-Kreuzberg – ins Jüdische Museum.
Eine tolle Idee. Berlin hat so viele Museen, aber ich gehe einfach nie hin. Dabei gibt es wirklich interessante Museen – wie ein das Jüdische.
Wer waren dort für eine Führung über den jüdischen Alltag und jüdische Gebräuche angemeldet.
Wer ins Haus will, muss erst mal durch einen Metalldetektor – wie im Flughafen. Schade, dass für so ein Museum immer noch höhere Sicherheitsvorgaben herrschen müssen als anderswo.

Um es vorweg zu nehmen: Der Nachmittag brachte viel Neues. Vieles, das ich zwar schon mal gehört habe, aber worüber ich nichts Genaueres wusste.
Das Jüdische Museum ist schon rein architektonisch spannend. Wobei ich zugeben muss, dass der Neubau von außen nicht besonders hübsch ist, erst wenn man das Modell von oben sieht, merkt man den besonderen Schnitt in Zick-zack-Bauweise, den Daniel Libeskind erschaffen hat.
Es scheint, das alles in diesem Gebäude eine Bedeutung hat. Jede Ecke, jeder Winkel – nichts ist dem Zufall überlassen worden.

Während der Führung erfuhren wir etwas über die Tora, quasi die jüdische Bibel. Sie darf nicht berührt werden, weshalb es sich weniger um ein Buch, sondern um eine Rolle handelt. Mit Griffen und Rollen werden die Seiten weitergerollt. Toras werden handschriftlich verfasst – das dauert Monate.
Wir erfuhren, dass die Beschneidung von Jungen am achten Lebenstag stattfindet. Dass mit 13 Jahren die Bar Mitzwa stattfindet, das jüdische Pendant zur Jugendweihe oder der Konfirmation – der Eintritt ins Erwachsensein. Dass es auch die Bat Mitzwa gibt – für Mädchen.
Dass der “Sonntag” bei den Juden der Samstag/Sonnabend ist und Sabbat oder Schabbat heißt. Dass an diesem Tag nicht gearbeitet werden darf – auch nicht gekocht, Strom eingeschaltet oder gezockt werden darf. Wobei das clever umgangen wird. Das Licht wird halt vorher eingeschaltet – oder man benutzt eine Zeitschaltanlage. Oder man hat den Fernseher schon laufen oder die Kochplatte schon warm.

Klar, man hätte vieles schon wissen können – aber so im Detail kann man im Jüdischen Museum sehr viel erfahren und sehen. Die Mikwe, also das Tauchbad, das der Reinigung von ritueller Unreinheit durch rituelle Waschungen dient, kannte ich nicht. Und dass es solche Bäder auch in Berlin gibt, wusste keiner der Führungsteilnehmer, die erstaunlicherweise alle aus Berlin kamen – außer mir.
So zog sich das über die Stunden – immer wieder Neuigkeiten, immer wieder was gelernt.
Nach der Führung ging es dann weiter durchs Museum – über die Geschichte, besondere Ereignisse, das Holocaust-Grauen – und über den Hass, dem Juden schon jahrhundertelang ausgesetzt sind.

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Das Wort zum Sonntag: Seitenwechsel

Montag, den 16. Juni 2014
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SA 14.06.2014 | 0.50 Uhr (So.) | Das Erste

Die Predigerin Verena Maria Kitz bekommt nach der Halbzeitpause im Fußball gern mal einen Schreck, wenn die Mannschaften plötzlich die Seiten gewechselt haben und verkehrt herum spielen.
Das ist natürlich ihr gutes Recht. Wenn sie das aber ausgerechnet in der Halbzeitpause eines Fußball-WM-Spieles erzählt, dann kommt das eher nicht so gut an. Fans sind nämlich sehr sensibel, und wenn jemand daherkommt und zugibt, dass man ihr Spiel nicht kapiert, dann werden sie fuchsig und gemein.

Aber immerhin schaffte es “Das Wort zum Sonntag”, das diesmal ja wirklich erst am Sonntag im Ersten lief, in die Twitter-Trendliste, wo sich die Netzgemeinde das Maul zerriss.
Dabei kann es der ja meist eher verschnarchten Sendung nichts Besseres passieren, als dass über sie geredet wird. Und ganz doof ist es auch nicht, in der WM-Halbzeitpause über den Fußball und ein entsprechendes Gleichnis zum Thema “Seitenwechsel” zu sprechen.
Zumal Verena Maria Kitz wusste, dass sie es mit einem normalerweise flüchtenden Publikum zu tun hatte, denn sie begann mit Ansprache mit den Worten “Halt, laufen Sie nicht gleich weg!”

Dabei wollte sie doch nur erzählen, das Seitenwechsel auch im normalen Leben dazu gehören. Warum soll immer nur Frauchen das Pausenbier holen? Da kann doch auch Sohnemann mal in den Keller gehen. Dem rülpsenden Männer-WM-Zuschauervolk kann dieses “Wort zum Sonntag” ja eigentlich nur gefallen haben.

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Organansprechung aus dem Geiste Gottes

Samstag, den 14. Juni 2014
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FR 13.06.2014 | 22.00 Uhr | Sophia TV

Mein Enddarm wartet ruhig auf seine Aufgabe.
Das wolltest du gerade gar nicht wissen, sagst du?
Dabei geht es hier um ein wichtiges Thema: um die Organansprechung aus dem Geiste Gottes nämlich. Wenn man nur gut genug mit seinen Organen umgeht und immer mal wieder mit ihnen kommunziert, dann klappt alles wie geschmiert.

Während halb Deutschland am Freitagabend Fußball schaute, gab es auf dem Kirchensender Sophia TV eben jene “Organansprechung aus dem Geiste Gottes”. Und seitdem geht es mir sehr viel besser.
Zu sehen war nicht mehr als eine Schrifttafel und eine Jesusfigur. Zu hören war eine Frau, die relativ streng ihre Texte vorlas, übrigens dieselbe Frau, die auch “Die Botschaft aus dem All” vermittelt.

Bitte halte kurz inne und sprich mit: “Mein Enddarm wartet ruhig auf seine Aufgabe. Er ist bereit zur Aufnahme all dessen, was der Körper nicht benötigt, und entleert sich regelmäßig.” Auch an die Hämorrhoiden denken wir noch kurz, damit sie sich zurückbilden, und dann kommt noch der kosmische Heilstrahl zum Beckenraum, zur Blase und zu den Geschlechtsorganen.
Und, ähm, ich glaube, ich muss mal kurz raus gehen.

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aRTikel

Seit 25 Jahren im Dienst des Herrn

Donnerstag, den 10. Oktober 2013
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Sabine Dill gibt in Kremmen Religionsunterricht und sitzt in der Kirche an der Orgel

MAZ Oranienburg, 10.10.2013

KREMMEN
Die Anonymität der Großstadt ist nicht ihr Ding. „Ich möchte es überschaubar“, sagt Sabine Dill. Deshalb mag sie das Leben in der kleinen Stadt. Seit 2005 lebt sie mit ihrem Mann Matthias und den zwei Söhnen in Kremmen.
In diesen Tagen feiert Sabine Dill ein Berufsjubiläum. Seit 25 Jahren ist sie Katechetin. Der Begriff bedeutet „Unterweisung“. „Ich unterrichte Kinder und Jugendliche im christlichen Glauben“, sagt sie. Zu ihr kommen die Kinder zur Christenlehre nach Beetz. An der Goetheschule in Kremmen gibt die 48-Jährige freitags Religionsunterricht. Ihre Schüler kommen freiwillig zu ihr. „Christenlehre klingt sehr streng, aber es soll auch Spaß machen“, sagt Sabine Dill und lächelt.
In Kremmen kümmert sie sich aber auch um die Kirchenmusik. Mittwochs ist Musicalprobe, donnerstags gibt sie Blockflötenunterricht für Kinder, außerdem kommt der Flötenkreis zusammen. Am Sonnabend hat sie ein wenig Zeit zum Orgelspielen, sonntags begleitet sie in der Regel zwei Gottesdienste auf dem Instrument. „24 Stunden sind ziemlich wenig Zeit“, sagt sie. „Und eine Familie habe ich ja schließlich auch noch.“

Sabine Dill ist über die Musik zur Kirche gekommen – und über ihr Elternhaus. „Meine Eltern waren sehr gläubig.“ Sie lacht und sagt dann: „Ich bin bei Kirchens aufgewachsen.“ Sie stammt aus Magdeburg-Olvenstedt. „Meine Familie konnte mit dem DDR-Sozialismus nicht viel anfangen, in dem Staat war die Kirche mein Zuhause.“ Sie fing eine Kleidungsfacharbeiterlehre an. Mit 18 lernte sie Orgelspielen und begann daraufhin ein Kirchenmusikstudium in Halle an der Saale. „Ich habe als Kind schon Klavier gespielt und gern gesungen.“ 1988 trat sie ihre erste Stelle als Katechetin in Erfurt an und arbeitete auch dort schon nebenamtlich als Kirchenmusikerin. Sie blieb bis 2005 in Thüringen und kam dann mit ihrer Familie nach Kremmen. „Nach so langer Zeit wollte ich noch mal wechseln“, sagt Sabine Dill.

38 Kinder nehmen am Religionsunterricht an der Kremmener Schule teil. „Die Vermittlung ist schwieriger geworden.“ Das Interesse an den Grundlagen des Glaubens sei kaum noch da. „Ich muss alles erklären.“ Im ländlichen Bereich würden sich die Leute ganz allgemein immer weniger auf die Kirche einlassen. „Das hat nichts mit der DDR-Vergangenheit zu tun. Es spielt einfach im Alltag keine Rolle mehr.“ Sabine Dill findet das schade, denn ihr ist der Glaube wichtig. „Gott hat mich durch schwierige Lebensphasen hindurchgetragen“, sagt sie. Wobei Glauben nicht heiße, dass das Leben nur dadurch leichter und fröhlicher sei. „Gott ist nicht dazu da, unsere Wünsche zu erfüllen. Aber er hört mir zu, wenn ich bete, er gibt mir Kraft, auch körperliche Kraft. Er kann helfen, durchs Leben zu kommen.“
Sonntags kommen immer weniger Menschen in die Kirchen, aber das sei gar nicht mal so schlimm. „Gottesdienste haben heute einen anderen Stellenwert. Sonntags wollen die Leute in ihren Familien sein.“ Wichtiger seien gemeinsame Feiern wie das Johannis- oder Martinsfest – und natürlich Weihnachten. Da sind die Kirchen voll. „Klar ist es schade, dass die Leute nur zu solchen Feiertagen zu uns kommen, aber wir müssen diese Möglichkeit nutzen.“

Zeit, ihr Berufsjubiläum zu feiern, hat Sabine Dill kaum. Die Gemeindearbeit nimmt sie sehr ein. Aber die Silberhochzeit mit ihrem Mann – die war ein rauschendes Fest

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Die Botschaft aus dem All

Donnerstag, den 18. April 2013
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MI 17.04.2013 | 13.45 Uhr | Die Neue Zeit TV

Richtet euch auf, um die rechte Geisteshaltung zu erlangen!
Ich sage euch, ich spreche durch mein Instrument, weil ihr mich noch nicht vernehmt!
Ich bereue von ganzem Herzen, was ich gefühlt und gedacht habe.
Ich bitte um Vergebung.
Ich tue das erkannte Sündhafte nicht mehr.

Bitte entspannt euch. Mit mir ist fast alles in Ordnung. Ich habe nur in das Programm von Die Neue Zeit TV reingeschaut, einem neuchristlichen Sender mit Sitz in der Schweiz. Dort gab es am Mittwochnachmittag “Die Botschaft aus dem All”.
Verlesen wurde diese wichtige Botschaft fast zwei Stunden lang von Gabriele, der Prophetin und Botschafterin Gottes. Wenn nämlich Gott uns etwas zu sagen hat, dann sagt er es über sie. Praktisch, so eine Pressesprecherin.

Sie ist streng. Die harter Stimme, gleichbleibendem Klang, sagt sie, was Er uns sagen will. Dazu sehen wir malerische, beruhigende Bilder von Wolken, von Blüten und von Wasserfällen.

Kein Wunder, dass die Prophetin streng ist, denn wir sind alle sündhaft, und wir müssen das gefälligst ablegen. Denn wer schlechte Gedanken hat und böse Taten verübt, der wird krank. Sehr krank. Ein Wunder, dass sich nicht draußen auch der Himmel zuzieht und ein Wolkenbruch niedergeht, wenn man das Programm sieht.
Gütig klingt ihre Stimme nur, wenn sie davon spricht, wie wir eins mit Ihm werden.
Aber nur kurz, denn dann mahnt sie: “Zweifle an nichts, erkenne.” Ihr Tipp: “Bete um die tiefe Reue, und du erlangst die Reue.”

Ich werde kurz darüber nachdenken.
Nie wieder sünden? Wirklich nie wieder? Nicht mal ein klitzekleines bisschen? Echt nicht? Mist. Da kann ich leider nichts versprechen. Tut mir Leid, Gabriele, äh, Gott.

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ProChrist 2013: Mein Gott, dein Gott, kein Gott?

Freitag, den 8. März 2013
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DO 07.03.2013 | 19.45 Uhr | ERF 1

Und wieder mal die Frage: Gott, wer bist’n du eigentlich? Für mich habe ich schon versucht, eine Antwort zu finden. Die meisten Christen haben darauf natürlich eine ganz andere.

Deshalb scheint es bei “Pro Christ”, einer jedes Jahr stattfindenden einwöchigen Veranstaltungsreihe der Freikirchen, auch weniger um die Frage zu gehen, wer oder was dieser Gott eigentlich ist. Viel mehr es um Fragen des Lebens: um Leid, Weltanschauung, um Werte oder die sterbende Liebe. Am Ende geht es dann aber eben doch nur um die Frage: Glaube ich? Bekenne ich mich? Unterwerfe ich mich? Mache ich mit?
Für Außenstehende ist “Pro Christ” deshalb immer eine eher unheimliche Veranstaltung.

ERF 1 überträgt achtmal die von Musik und Talks umrahmten Predigten live aus Stuttgart. Am Donnerstagabend lautete das Thema: “Mein Gott, dein Gott, kein Gott?” Es sollte um die Weltanschauungen gehen, die sich jeder selber bastelt. Darum, ob der Anspruch, die absolute Wahrheit zu kennen und zu besitzen, automatisch zu Gewalttätigkeit beflügele. Ob die Bemühung um Frieden nicht wichtiger sei als die Beantwortung der Frage „Was ist Wahrheit?“

Doch wirklich kontrovers geht es nicht zu. Diskussionen, ein Pro und Contra liefert “pro Christ” nicht. Der Chor singt Lieder vom Gott, dem Herrn. Eine Sängerin preist Gott an. Ein Duo preist auch Gott an.
Die Predigt von Ulrich Parzany, der am Sonntag kurz vor der Show einen Schwächeanfall erlitt und auch am Donnerstag noch nicht wirklich gesund schien, war mit fast 40 Minuten unfassbar lang und ausschweifend. Eine Zumutung. Darin ging es um Gleichnisse, um den Glauben der Juden, um den einen Gott oder doch mehrere?

Warum muss die Gottessause so dröge sein? In einer Zeit, in der der ewige Frontalunterricht in der Schule abgeschafft wird, redet ein Prediger weit mehr als eine halbe Stunde so dahin. Und wenn es am Ende dann doch nur darin gipfelt, dass man doch – natüürlich nur, wenn man möchte – sich zum Glauben bekennen soll, dann ist das immer wieder sehr enttäuschend. Es macht aus der ganzen Sache doch nur eine Dauerwerbesendung für die Kirche. Aber nichts anderes ist “Pro Christ” ja wahrscheinlich auch.

Wirkliche Diskussionen entstehen erst, wenn man in einer gemütlichen Runde sitzt und sich zu diesen Themen austauscht. Es wäre schön, wenn Ansätze davon, auch in der Live-Sendung zu sehen wären.

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aRTikel

Alles eine Spur festlicher

Samstag, den 22. Dezember 2012
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Vikar Matthäus Monz hält am Montag seine erste Weihnachtspredigt

MAZ Oranienburg, 22.12.2012

Der 31-jährige Pfarrer in Ausbildung stammt aus Bottrop und lebt mit seiner zukünftigen Frau seit etwas mehr als einem Jahr in Oranienburg.

ORANIENBURG
Matthäus Monz fährt lieber mit dem Rad durch Oranienburg. „Das geht schneller“, sagt er, während er sich zum Beginn des Interviews seinen Helm absetzt. Seit 16 Monaten lebt er mit seiner Freundin in der Kreisstadt.
Der 31-Jährige arbeitet als Vikar in der Evangelischen Kirchengemeinde. Noch bis November 2013 ist er Pfarrer in Ausbildung. „Ich bin seit März in der Gemeinde“, erzählt er. „Die Leute haben mich hier sehr offen empfangen.“ Schnell war er begeistert von der Herzlichkeit in der Oranienburger Kirche. „Neue bekommen hier offenbar immer eine Chance“, sagt Matthäus Monz. Wenn er einen Gottesdienst abhält, dann kann er sich sicher sein, ein Feedback von den Leuten zu bekommen. „Das ist wirklich konstruktive Kritik. Sie sagen mir, was ich gut gemacht habe, aber auch, was nicht so ganz optimal lief.“

Monz stammt eigentlich aus Bottrop im Ruhrgebiet. Als er 1995 zum Konfirmandenunterricht ging, war er enttäuscht. Sein damaliger Pfarrer machte Frontalunterricht. „Das war sehr einschläfernd“, erinnert sich Monz. Das wollte er anders machen.
Er begann später in Münster sein Theologiestudium. Nach der Zwischenprüfung wollte er etwas Neues kennenlernen und zog nach Halle/Saale. Dort machte er auch 2009 sein Examen. Nachdem er von der Mitteldeutschen Landeskirche eine Absage für ein Vikariat bekommen hatte, versuchte er es erfolgreich bei der EKBO, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg – schlesische Oberlausitz. Die schickte ihn nach Oranienburg.

Zu Weihnachten hat Matthäus Monz seine nächste Bewährungsprobe vor sich. Heiligabend wird er zweimal die Weihnachtspredigt halten – erst am Nachmittag in der Dorfkirche in Schmachtenhagen, dann noch einmal in der Nachtmesse in der Oranienburger Nicolaikirche. „Heilig-abend herrscht eine besondere Atmosphäre in der Kirche“, sagt er. „Alles ist eine Spur festlicher. Die Leute sitzen anders, das Haus ist voller, man freut sich.“
Heiligabend und die Kirche gehören auch in der heutigen Zeit bei vielen Menschen noch zusammen, sagt Monz. „Der klassische Gottesdienst spricht leider viele nicht mehr an.“ Was, wie der 31-Jährige sagt, auch daran liegt, dass sonntagmorgens um 9 oder 10 Uhr die Menschen lieber ihr Wochenende genießen. „Das macht mich nicht traurig, aber ich finde es schade.“ Veranstaltungen wie der „etwas andere Gottesdienst“, der in regelmäßigen Abständen nachmittags stattfindet und anders gestaltet wird, könnte ein Gegenmittel sein.
Seine Heiligabend-Predigt hat er nach dem Amoklauf in der Grundschule in der US-Kleinstadt Newtown umgeschrieben. „Dieses Ereignis geht an keinem vorbei“, sagt der junge Pfarrer. Er wolle keinen Jahresrückblick besprechen, aber aktuelle Punkte könne er nicht ausblenden. „Ansonsten läuft was falsch“, sagt er. Er möchte den Menschen, die am Montag zu ihm in die Kirchen kommen, das Besondere mitgeben. „Ich hoffe, das kommt rüber – wenn möglich bis in die letzte Reihe.“ Der Glaube spielt in seinem Leben eine große Rolle. „Er gibt mir Kraft“, sagt er. Diese könne man in bedrückenden Augenblicken auch an andere weitergeben.

Wenn alles gut geht, wird Monz im Februar 2014 in den Entsendungsdienst geschickt. Wohin, weiß er noch nicht, wohl irgendwo nach Brandenburg. Erst mal steht 2013 eine Hochzeit ins Haus.

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