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Grand Prix in Israel – Kein bisschen Frieden

Montag, den 6. Mai 2019
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SA 04.05.2019 | 19.20 Uhr | 3sat

Netta hat den Eurovision Song Contest 2019 nach Israel geholt. Es ist das dritte Mal, dass der “Grand Prix” in dem Land stattfindet, nach 1979 und 1999.
Das Mega-Event wird in Tel Aviv stattfinden, und eine Dokumentation auf 3sat hat am Sonnabendabend gezeigt, mit welchen Problemen die Show in diesem Jahr zu kämpfen hat. “Grand Prix in Israel – Kein bisschen Frieden” hieß der Film.

So sollte die Show eigentlich in Jerusalem stattfinden, die Regierung hätte das gern gesehen. Doch die Veranstalter zogen Tel Aviv vor, weil die Stadt mehr Möglichkeiten bietet. Sowohl in Sachen Veranstaltungsort als auch in der Infrastruktur.
Aber auch die palästinensisch organisierte und international vernetzte Boykottbewegung BDS (Boycott – Devestment – Sanction) protestiert. Sie will den ESC nicht, weil es Israel nur darum gehe, sich gut darzustellen.
Die israelische orthodox-religiöse Bevölkerung meint dagegen, dass die Show auf keinen Fall am Sonnabend stattfinden dürfe, weil an diesem Tag Schabbat ist. Da werde keine Musik gehört, es herrsche Stille, die Menschen würden sich nur bedächtig unterhalten. Auch herrsche ein Fahrverbot. Und man sei empört, dass der ESC sich darüber hinwegsetze und die Sitten des Landes missachte. Und die Show könne doch auch am Dienstag oder Mittwoch stattfinden. Wo doch immer von Toleranz gesprochen werde.

Das verwundert. Wie konnte eigentlich der ESC 1979 und 1999 stattfinden? Gab es da diese Regeln noch nicht?
Aus der Doku ging leider nicht so genau hervor, wie viele Menschen das eigentlich betrifft, wie groß der Anteil der Bevölkerung in Tel Aviv ist, der sich davon gestört fühle.

Schwieriges Thema. Denn natürlich sollte man religiöse Gefühle nicht verletzen. Allerdings ist Toleranz ja keine Einbahnstraße, und der Eurovision Song Contest ist kein lokales Event. Er folgt Regeln und Terminen, die schon lange festgelegt sind. Es hängen daran mehr als 40 Länder in der Eurovision.
Zumal ja angeblich der ESC in Israel jedes Jahr von vielen Menschen zelebriert werde, und die scheinen sich ja in den Vorjahren auch nicht um Regeln geschert zu haben. Im Gegenzug müsste das ja heißen, dass dieses Event ganz grundsätzlich im Land nicht verfolgt würde.

Es dauert nur noch acht Tage, bis die Halbfinals beginnen, die Proben laufen in Tel Aviv bereits. Hoffentlich wird der Eurovision Song Contest 2019 in Israel auch wieder ein fröhliches, kontinentales Fest, so wie wir es aus den Vorjahren kennen.

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KeineWochenShow

#120 – Was glaubst du eigentlich?

Sonntag, den 21. April 2019
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Zu Ostern 2019 gibt es eine besondere, ganz andere Ausgabe von KeineWochenShow: “Was glaubst du eigentlich?” ist das Motto und die Frage.

Gut 27 Minuten lang unterhalten wir uns nur zu diesem Thema: über den Glauben und über Gott. Warum wir Ostern feiern? Wieso Jesus gekreuzigt wurde? Und wie denn überhaupt der Glaube funktioniert? Was wir eigentlich von Gott erwarten können und was nicht? Und natürlich: Warum wir nicht glauben. Wie wir diesen Gott überhaupt sehen.

Wir sind gespannt auf eure Reaktionen. Das Ergebnis ist durchaus spannend. Ein Gespräch über den individuellen Umgang mit der Region. “Was glaubst du eigentlich? Ein KeineWochenShow Special” auf Youtube.
Und die Promi-Geburtstage der Woche gibt es diesmal im vorangestellten Teaser zu KeineWochenShow #120 auf Youtube.

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KeineWochenShow

#65 – Karl-Dietmar Plentz, Bäcker und Christ

Sonntag, den 1. April 2018
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Frohe Ostern! In unserer Oster-Ausgabe von “KeineWochenShow” haben wir unseren dritten Gast im Studio, und er passt zu diesem hohen christlichen Feiertag.

Bei uns ist Karl-Dietmar Plentz. Der Bäckermeister aus Schwante ist der Chef eine Unternehmens mit sechs Bäckerläden und -cafés in Schwante, Oranienburg, Germendorf, Kremmen und Velten. In unserer Sendung erzählt er, wie er in jungen Jahren in den Betrieb einstieg, was ihn umtreibt, wo seine Grenzen sind und was er in einer ZDF-Show erlebte.
Und passend zum Osterfest sprechen wir über den Glauben. Plentz ist praktizierender Christ in der Freikirche Oberkrämer in Vehlefanz. Wir sprechen über Gott, über das Beten und darüber, was und wer dieser Gott eigentlich ist.

KeineWochenShow #65 gibt es auf YouTube.

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RTZapper

7 Tage … unter radikalen Christen

Samstag, den 24. März 2018
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MI 21.03.2018 | 23.50 Uhr | NDR

“Vergib’s, Herr, wo wir zugelassen haben, dass die ganze Perversion in unser Land kommt, Herr. Und ich danke dir, dass jeder Dreck hinaus gefegt wird aus diesem Lande. Jede Perversion, die herein gekommen ist. (…) Ich bitte dich so, dass du die Gesetze änderst, Herr.”

Dies ist ein Gebet, das eine Frau in einer freikirchlichen Gemeinde bei Stuttgart an Gott richtet.
Ein Gebet, das nachdenklich macht. Weil es so voller Hass ist. Voller Frust, voller Furcht. Und weil ein Bild Gottes vermittelt, das ebenfalls von einem seltsamen Hass ausgeht. Davon, andere auszugrenzen, runterzumachen.

Im NDR lief am späten Mittwochabend ein Beitrag in der Reihe “7 Tage…”. Ein Reporter war zu Gast unter radikalen Christen. Erstaunlich offen gaben sie Einblicke, die man nicht oft bekommt.

Diese Christen beten dafür, dass Gott andere Gesetze schafft, dass Angela Merkel zur Vernunft findet. Die Trennung von Kirche und Staat finden sie nicht sinnvoll, sagen sie. Sex vor der Ehe und Homosexualität lehnen sie ab. Sie sagen nicht, dass sie solche Leute rausschmeißen würden – aber schwuler Sex sei Sünde, sagt eine der Frauen, die in der Gemeinde das Sagen hat. Und für diese Sünde müsse sich der Betroffene vor Gott verantworten. Frage des Reporters: Hat Gott nicht auch die Homosexuellen geschaffen? Antwort: Nein.

Es ist ein Gottesbild, das ich nicht teilen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott so denkt und handelt. Dass dieser Gott so engstirnig ist. ich glaube ja, dass ein Gott uns alle beobachtet und selbst mit dem Kopf schüttelt, was die Menschen für einen Mist bauen. Sie sprechen zu ihm, er spricht zu ihnen – wie auch immer. Aber greift er auch ein? Beeinflusst er? Bestraft er Sünden? Oder ist er einfach nur da, ohne zu bestrafen?

Es ist ein merkwürdiges Gottesverständnis, wenn man andere Menschen als Dreck bezeichnet. Wenn man von Perversionen spricht und damit alles Fremde von vornherein ablehnt. Will Gott so was?
Diese radikalen Christen haben, so finde ich, entweder einen anderen Gott oder sie haben irgendwas falsch verstanden – oder sie hören nicht, wenn ihnen ihr Gott ordentlich den Marsch bläst.

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RTZapper

der moscheereport

Donnerstag, den 30. März 2017
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MO 27.03.2017 | 21.17 Uhr | tagesschau24

Viele reden immer nur über Moscheen in Deutschland. Aber kaum jemand geht mal rein und hört zu, was da so gesagt wird.
Seit einigen Wochen arbeitet der Journalist Constantin Schreiber für die ARD. Als Nachrichtenvorleser bei der “Tagesschau” machte er hinsichtlich seiner Aussprache zuletzt zwar keine besonders gute Figur – aber er erweist sich dennoch als großer Glücksgriff. Schreiber spricht und versteht arabisch – und das ist heutzutage für einen Journalisten ein Gewinn. Wenn Schreiber in eine Moschee geht, weiß er, was dort geredet wird.
Und so begab er sich in den vergangenen Monaten in einige Moscheen in Deutschland, vor allem, um die Freitagsgebete zu verfolgen. Was wird dort gesagt? Wie wird es gesagt? Was könnte dahinter stecken?

Umso merkwürdiger, dass die ARD nun den “Moscheereport” im Spartenprogramm tagesschau24 versteckt. Dort lief die erste Folge am Montagabend. Vermutlich lief sie vorher auch schon im Tagesprogramm, denn im Internet war die Folge schon seit dem Nachmittag verfügbar.

In Folge 1 war er in einer Moschee in Hamburg. Der erste Teil der Sendung bestand aus einem auf Deutsch untertitelten Predigtmitschnitt, gefolgt von einem Interview mit dem Imam, der kaum Deutsch spricht.
Er redet von der Integration der Flüchtlinge und vom gemeinsamen Leben in Deutschland.

Im Studiotalk ging es dann durchaus kritisch zur Sache. Schreiber berichtete, dass bei einem zweiten Besuch der Moschee gar nicht mehr so gemäßigt geprädigt worden sei. Dass er die Erfahrung gemacht habe, dass die Imame oft sehr laut reden, ja, fast schreien. Und dass es dem Team auch ein wenig Angst gemacht habe.
Seine Studioexpertin aus dem Moschee-Umfeld versuchte das immer wieder abzuwiegeln, aber Schreiber konterte immer wieder, und sie wirkte zwischendurch doch ein wenig zerknirscht.

Es ist gut, dass es eine solche Sendung gibt. es ist gut, dass ein Journalist uns näher bringt, was in den Moscheen geschieht. Es ist gut, dass er vieles sehr kritisch hinterfragt. Es ist nicht gut, dass diese Sendung so versteckt wird.

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Kreuzweg

Mittwoch, den 15. Februar 2017
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MO 13.02.2017 | 20.15 Uhr | arte

Quälend. In einer einzigen, nicht enden wollen Einstellung, ganz ohne Schnitt, wirklich minutenlang spricht ein Priester auf eine Gruppe junger Teenies ein. Wie böse die moderne Popmusik ist. Die “Bravo” natürlich. Und eigentlich alle, die nicht an das glauben, was er ihnen vermittelt.
In einer anderen Szene, die ebenfalls nicht enden will, die ohne Schnitt und Schwenk auskommt, sehen wir eine Gruppe Teenies beim Schulsport. Ein Mädchen macht nicht mit, weil es die Musik sündhaft und teuflisch findet. Es muss nicht mitmachen, und dann wird eine andere Musik gespielt. Die anderen rebellieren, und die Lehrerin spricht über Toleranz. Worauf die anderen meinen, dass ja auch das Mädchen nicht tolerant sei.

Dietrich Brüggemann packte für seinen Film “Kreuzweg”, der am Montagabend erstmals bei arte lief, ein heißes Eisen an: Wie aus Kindern Soldaten Jesu Christi werden sollen.
Da wird auf die Kinder immer und immer wieder eingeredet, dass sie von allem Abstand halten müssen, was sündhaft sein kann. Musik, andere Jungs oder Mädchen, Nichtgläubige.
Ist das für den Zuschauer anfangs ein wenig ermüdend – auch durch die lange, starre Art des Films, in vielen Szenen nur eine Einstellung zu wählen – so ist jede Szene an sich, dann doch packend. Zeigen sie doch, welchen Einfluss fundamentale Christen nehmen und welche Folgen das haben kann, wenn Kinder dann auf die “Realität” draußen treffen. Wenn sie schon dafür bestraft werden, nur weil sie in einem Chor der anderen evangelischen Gemeinde singen wollen.
“Kreuzweg” zeigt durchaus eindrücklich, welchen Hass Religion sähen kann, wenn man von ihr gerade besessen ist und keinen anderen neben sich zulassen will.
2014 gab es dafür bei der Berlinale zurecht den Silbernen Bären.

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Christian Linker: Dschihad Calling

Donnerstag, den 8. September 2016
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Irgendwie ist Jakob da in etwas reingeraten. Irgendwie schleichend. Aber es hat ihn fasziniert und dann infiziert. Und dann wurde aus Jakob binnen Wochen Ya’qub.
Alles beginnt damit, dass der 18-Jährige in einen Streit eingreift. Samira trägt ein Gesichtsschleier und wird von Neonazis angriffen. Jakob kann sie retten.
Kurz danach entdeckt er das Mädchen in Presseberichten wieder – sie ist Salafistin. Dennoch will er Kontakt mit ihr aufnehmen. Er lernt ihren Bruder Adil kennen. Er ist Mitglied in einer islamischen Gemeinde. Jakob geht mit in die Moschee. Er ist beeindruckt, vielleicht auch ein wenig beängstigt – aber auch fasziniert. Er fühlt sich angezogen von den Salafisten, vom Gedankengut des “Islamischen Staates”.
Jakob entfernt sich von seinen Freunden, hat nun neue. Er tritt dem Islam bei.
Adil will bald nach Syrien – und Jakob, inzwischen Ya’qub, soll mit.

Christian Linker erzählt eine Geschichte, die extrem aktuell ist. Und zwar wie ein junger Mann in einen religiösen Strudel geraten kann. Er gewährt einige Einblicke, was in Moscheen vor sich geht, zeigt aber vor allem auch, welche Konflikte es im Hintergrund gibt. Natürlich arbeitet der Autor auch mit einigen Klischees, aber die gehören wohl dazu, um eine Geschichte auf diese Art zu erzählen und Jugendlichen dieses Thema näher zu bringen.
Natürlich ist Jakob nicht ganz auf den Kopf gefallen. Es ist interessant zu lesen, welche Schritte er macht, welche Gedankengänge eine Rolle spielen – aber auch wo er Gegenwind bekommt.
Liest sich gut.

Christian Linker: Dschihad Calling
dtv, 317 Seiten
7/10

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