RTZapper

Die Botschaft aus dem All

Donnerstag, den 18. April 2013
Tags: ,

MI 17.04.2013 | 13.45 Uhr | Die Neue Zeit TV

Richtet euch auf, um die rechte Geisteshaltung zu erlangen!
Ich sage euch, ich spreche durch mein Instrument, weil ihr mich noch nicht vernehmt!
Ich bereue von ganzem Herzen, was ich gefühlt und gedacht habe.
Ich bitte um Vergebung.
Ich tue das erkannte Sündhafte nicht mehr.

Bitte entspannt euch. Mit mir ist fast alles in Ordnung. Ich habe nur in das Programm von Die Neue Zeit TV reingeschaut, einem neuchristlichen Sender mit Sitz in der Schweiz. Dort gab es am Mittwochnachmittag “Die Botschaft aus dem All”.
Verlesen wurde diese wichtige Botschaft fast zwei Stunden lang von Gabriele, der Prophetin und Botschafterin Gottes. Wenn nämlich Gott uns etwas zu sagen hat, dann sagt er es über sie. Praktisch, so eine Pressesprecherin.

Sie ist streng. Die harter Stimme, gleichbleibendem Klang, sagt sie, was Er uns sagen will. Dazu sehen wir malerische, beruhigende Bilder von Wolken, von Blüten und von Wasserfällen.

Kein Wunder, dass die Prophetin streng ist, denn wir sind alle sündhaft, und wir müssen das gefälligst ablegen. Denn wer schlechte Gedanken hat und böse Taten verübt, der wird krank. Sehr krank. Ein Wunder, dass sich nicht draußen auch der Himmel zuzieht und ein Wolkenbruch niedergeht, wenn man das Programm sieht.
Gütig klingt ihre Stimme nur, wenn sie davon spricht, wie wir eins mit Ihm werden.
Aber nur kurz, denn dann mahnt sie: “Zweifle an nichts, erkenne.” Ihr Tipp: “Bete um die tiefe Reue, und du erlangst die Reue.”

Ich werde kurz darüber nachdenken.
Nie wieder sünden? Wirklich nie wieder? Nicht mal ein klitzekleines bisschen? Echt nicht? Mist. Da kann ich leider nichts versprechen. Tut mir Leid, Gabriele, äh, Gott.

RTZapper

ProChrist 2013: Mein Gott, dein Gott, kein Gott?

Freitag, den 8. März 2013
Tags: ,

DO 07.03.2013 | 19.45 Uhr | ERF 1

Und wieder mal die Frage: Gott, wer bist’n du eigentlich? Für mich habe ich schon versucht, eine Antwort zu finden. Die meisten Christen haben darauf natürlich eine ganz andere.

Deshalb scheint es bei “Pro Christ”, einer jedes Jahr stattfindenden einwöchigen Veranstaltungsreihe der Freikirchen, auch weniger um die Frage zu gehen, wer oder was dieser Gott eigentlich ist. Viel mehr es um Fragen des Lebens: um Leid, Weltanschauung, um Werte oder die sterbende Liebe. Am Ende geht es dann aber eben doch nur um die Frage: Glaube ich? Bekenne ich mich? Unterwerfe ich mich? Mache ich mit?
Für Außenstehende ist “Pro Christ” deshalb immer eine eher unheimliche Veranstaltung.

ERF 1 überträgt achtmal die von Musik und Talks umrahmten Predigten live aus Stuttgart. Am Donnerstagabend lautete das Thema: “Mein Gott, dein Gott, kein Gott?” Es sollte um die Weltanschauungen gehen, die sich jeder selber bastelt. Darum, ob der Anspruch, die absolute Wahrheit zu kennen und zu besitzen, automatisch zu Gewalttätigkeit beflügele. Ob die Bemühung um Frieden nicht wichtiger sei als die Beantwortung der Frage „Was ist Wahrheit?“

Doch wirklich kontrovers geht es nicht zu. Diskussionen, ein Pro und Contra liefert “pro Christ” nicht. Der Chor singt Lieder vom Gott, dem Herrn. Eine Sängerin preist Gott an. Ein Duo preist auch Gott an.
Die Predigt von Ulrich Parzany, der am Sonntag kurz vor der Show einen Schwächeanfall erlitt und auch am Donnerstag noch nicht wirklich gesund schien, war mit fast 40 Minuten unfassbar lang und ausschweifend. Eine Zumutung. Darin ging es um Gleichnisse, um den Glauben der Juden, um den einen Gott oder doch mehrere?

Warum muss die Gottessause so dröge sein? In einer Zeit, in der der ewige Frontalunterricht in der Schule abgeschafft wird, redet ein Prediger weit mehr als eine halbe Stunde so dahin. Und wenn es am Ende dann doch nur darin gipfelt, dass man doch – natüürlich nur, wenn man möchte – sich zum Glauben bekennen soll, dann ist das immer wieder sehr enttäuschend. Es macht aus der ganzen Sache doch nur eine Dauerwerbesendung für die Kirche. Aber nichts anderes ist “Pro Christ” ja wahrscheinlich auch.

Wirkliche Diskussionen entstehen erst, wenn man in einer gemütlichen Runde sitzt und sich zu diesen Themen austauscht. Es wäre schön, wenn Ansätze davon, auch in der Live-Sendung zu sehen wären.

aRTikel

Alles eine Spur festlicher

Samstag, den 22. Dezember 2012
Tags: , , , , , ,

Vikar Matthäus Monz hält am Montag seine erste Weihnachtspredigt

MAZ Oranienburg, 22.12.2012

Der 31-jährige Pfarrer in Ausbildung stammt aus Bottrop und lebt mit seiner zukünftigen Frau seit etwas mehr als einem Jahr in Oranienburg.

ORANIENBURG
Matthäus Monz fährt lieber mit dem Rad durch Oranienburg. „Das geht schneller“, sagt er, während er sich zum Beginn des Interviews seinen Helm absetzt. Seit 16 Monaten lebt er mit seiner Freundin in der Kreisstadt.
Der 31-Jährige arbeitet als Vikar in der Evangelischen Kirchengemeinde. Noch bis November 2013 ist er Pfarrer in Ausbildung. „Ich bin seit März in der Gemeinde“, erzählt er. „Die Leute haben mich hier sehr offen empfangen.“ Schnell war er begeistert von der Herzlichkeit in der Oranienburger Kirche. „Neue bekommen hier offenbar immer eine Chance“, sagt Matthäus Monz. Wenn er einen Gottesdienst abhält, dann kann er sich sicher sein, ein Feedback von den Leuten zu bekommen. „Das ist wirklich konstruktive Kritik. Sie sagen mir, was ich gut gemacht habe, aber auch, was nicht so ganz optimal lief.“

Monz stammt eigentlich aus Bottrop im Ruhrgebiet. Als er 1995 zum Konfirmandenunterricht ging, war er enttäuscht. Sein damaliger Pfarrer machte Frontalunterricht. „Das war sehr einschläfernd“, erinnert sich Monz. Das wollte er anders machen.
Er begann später in Münster sein Theologiestudium. Nach der Zwischenprüfung wollte er etwas Neues kennenlernen und zog nach Halle/Saale. Dort machte er auch 2009 sein Examen. Nachdem er von der Mitteldeutschen Landeskirche eine Absage für ein Vikariat bekommen hatte, versuchte er es erfolgreich bei der EKBO, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg – schlesische Oberlausitz. Die schickte ihn nach Oranienburg.

Zu Weihnachten hat Matthäus Monz seine nächste Bewährungsprobe vor sich. Heiligabend wird er zweimal die Weihnachtspredigt halten – erst am Nachmittag in der Dorfkirche in Schmachtenhagen, dann noch einmal in der Nachtmesse in der Oranienburger Nicolaikirche. „Heilig-abend herrscht eine besondere Atmosphäre in der Kirche“, sagt er. „Alles ist eine Spur festlicher. Die Leute sitzen anders, das Haus ist voller, man freut sich.“
Heiligabend und die Kirche gehören auch in der heutigen Zeit bei vielen Menschen noch zusammen, sagt Monz. „Der klassische Gottesdienst spricht leider viele nicht mehr an.“ Was, wie der 31-Jährige sagt, auch daran liegt, dass sonntagmorgens um 9 oder 10 Uhr die Menschen lieber ihr Wochenende genießen. „Das macht mich nicht traurig, aber ich finde es schade.“ Veranstaltungen wie der „etwas andere Gottesdienst“, der in regelmäßigen Abständen nachmittags stattfindet und anders gestaltet wird, könnte ein Gegenmittel sein.
Seine Heiligabend-Predigt hat er nach dem Amoklauf in der Grundschule in der US-Kleinstadt Newtown umgeschrieben. „Dieses Ereignis geht an keinem vorbei“, sagt der junge Pfarrer. Er wolle keinen Jahresrückblick besprechen, aber aktuelle Punkte könne er nicht ausblenden. „Ansonsten läuft was falsch“, sagt er. Er möchte den Menschen, die am Montag zu ihm in die Kirchen kommen, das Besondere mitgeben. „Ich hoffe, das kommt rüber – wenn möglich bis in die letzte Reihe.“ Der Glaube spielt in seinem Leben eine große Rolle. „Er gibt mir Kraft“, sagt er. Diese könne man in bedrückenden Augenblicken auch an andere weitergeben.

Wenn alles gut geht, wird Monz im Februar 2014 in den Entsendungsdienst geschickt. Wohin, weiß er noch nicht, wohl irgendwo nach Brandenburg. Erst mal steht 2013 eine Hochzeit ins Haus.

RT im Kino

Jesus liebt mich

Samstag, den 22. Dezember 2012
Tags:

Er heißt Jeshua (Florian David Fitz) und kommt aus Galiläa. Marie (Jessica Schwarz) ist sich relativ sicher, dass er ein Terrorist ist. Aber trotzdem steht sie auf ihn.
Erst später erfährt sie: Jeshua ist Jesus, und er hat eine Mission. Am Dienstag findet die Apokalypse statt. Das will Marie verhindern. Die Frage ist nur: wie?

“Jesus liebt mich” ist der neue Fitz-Film – er schrieb das Buch und führte Regie. Nach “Vincent will meer” waren die Erwartungen groß, und sie wurden am Ende überraschend heftig enttäuscht. Der Film ist leider Murks.
Fitz spielt Jesus als säuselndes Weichei, die Figur ist relativ langweilig. Die in den Trailern gezeigte Beziehungen zwischen Jeshua und Marie spielt bald nur eine untergeordnete Rolle, irgendwann geht’s auch um den Teufel , der da sein Unwesen treibt.
Die Witze sind lau, die Handlung ist mitunter holprig, einige Szenen wirken in ihrer Umsetzung billig. Das Ende, wo dann irgendwie die Welt untergehen sollen, ist absurd und lässt einen dennoch oder gerade deshalb völlig kalt. Bald ist das Interesse am Film fast komplett erloschen.
Schade, das Thema hätte mehr hergegeben.

Jesus liebt mich
Warner Bros, 100 Minuten, ab 12
4/10

RT liest

Ralf König: Archetyp

Montag, den 3. Dezember 2012
Tags:

Vergesst alles, was ihr über Noah und seine Arche gelernt habt. Das ist alles blanker Unsinn. Der Comiczeichner Ralf König deckt das alles schungslos auf.
In Wirklichkeit nat Noah den Herrgott zur Sintflut überredet, ja, geradezu genötigt. Noah war nämlich der Meinung, dass die Menschheit in Sünde lebt. Homoehe und so. Bäh. Geht gar nicht, findet Noah. Und das mit der Arche, ja, ja, das war schon irgendwie so, aber dass das so viele Tiere sind, die Gott erschaffen hat und unbedingt weitererhalten will, das hätte sich Noah auch nicht erträumen lassen. Dieser Noah war ein ziemlich eingebildeter, egoististischer Fatzke!

Herrlich! Der Comic von Ralf König (”Der bewegte Mann”) ist einfach köstlich. Der Bild- und Wortwitz in seiner Geschichte sind fantastisch, man kann sich das akustisch richtig gut vorstellen, wie Noah und Gott sich zoffen. Liebevoll und modern nimmt König die Bibelgeschichte aufs Korn, ohne sich lächerlich zu machen. Vielmehr stellt er die Fragen zur aktuellen Zeit und spricht bei allem Humor viele wahre Worte aus.

Ralf König: Archetyp
ro ro ro, 140 Seiten
9/10

RTZapper

Gläubig auf Probe – Sven Kuntze auf der Suche nach dem lieben Gott

Dienstag, den 1. November 2011
Tags: , ,

MO 31.10.2011 | 22.50 Uhr | Das Erste

Sven Kuntze sucht nach dem lieben Gott. Am Ende findet er ihn nicht. Aber seine Suche ist ein wahnsinnig spannendes, zu Herzen gehendes Stück Fernsehen.

Der 69-jährige Journalist (zuletzt bekannt aus dem ARD-Morgenmagazin) genießt seine Rente, aber immer nur Golf spielen will er auch nicht. Und ins Altersheim ebenfalls nicht.
In seinen zwei bisherigen Dokumenationen übte er sich im Gut sein und im Alt sein – nun folgte als Drittes: religiös sein.
Aber die Suche nach Gott ist nicht einfach. Dabei haben Glaube, Spiritualität und Transzendenz heutzutage Hochkonjunktur. Und dann kommt der Kuntze daher, der Plauderer und soll eine Woche überwiegend schweigend in einem katholischen Kloster verbringen. Oder fasten. Oder die Kunst der Meditation erlernen. Oder sich in die Hände einer Engelsfrau begeben.

Aber Kuntze zweifelt. Und er macht es nicht im Stillen. Er äußert seine Zweifel. Er sagt aber auch, dass es nicht an den Leuten liegt, die er kennenlernt. Er zweifelt den Glauben der Leute nicht an. Er merkt nur, dass er ihn nicht annehmen kann, dass er Gott nicht sieht.
Kuntze geht ohne Glauben aus diesem Film. Aber dafür mit mehr Wissen, mit mehr Eindrücken. Und das gilt auch für den Zuschauer.

RTelenovela

Gott? Wer bist’n du eigentlich?

Freitag, den 21. Januar 2011
Tags: , ,

Wenn eine Katastrophe passiert oder wenn ein Mensch stirbt, dann haben sehr viele Leute lauter Fragen – Gott betreffend: Warum hat Gott das so gewollt? Oder: Warum musste Gott ihn so früh zu sich holen? Oder: Wenn es einen Gott gibt – wie kann er das zulassen?
Ich denke: Gott nimmt darauf gar keinen Einfluss.

Nach dem Tod meines Vaters habe ich mir über Gott einige Gedanken gemacht und habe mit mehreren Leuten darüber gesprochen. Was ist dieser Gott eigentlich für mich? Gibt es einen Gott, an den ich glaube? Oder was ist es überhaupt, woran ich glaube? Glaube ich überhaupt an etwas?
Die letzte der Fragen kann ich mit einem vorsichtigen Ja beantworten. Es gibt da etwas, woran ich glaube. Ich denke durchaus, dass es jemanden, dass es etwas gibt, was da oben oder sonstwo ist.

Ich glaube allerdings, dass dieser Jemand – nennen wir ihn mal Gott – eher ein Beobachter ist. Vielleicht war er ja wirklich mal derjenige, der das alles hier geschaffen hat. Das war’s dann aber auch. Nun beobachtet er uns nur noch. Er nimmt keinen Einfluss. Für das, was hier so passiert, sind wir selbst verantwortlich. Gott greift nicht ein, vielleicht kommentiert er, aber eigentlich sieht er nur zu. Mehr kann er nicht tun.

Passiert ein Unglück, halten manche Leute Schilder hoch: “Warum?”, steht darauf. Und richtet die Frage oft an Gott. Ich glaube aber, dass Gott da nur mit den Schultern zuckt und sagt: Menschliches Versagen. Pech. Zufall. Krankheit. Natur. Ihr seid doch selber schuld.
Kommen Seuchen auf, hat Gott die nicht auf die Erde gebracht. Seuchen haben weltliche Ursachen.
Passiert ein Unfall, hat nicht Gott den verursacht. Unfälle haben meistens menschliche Ursachen.
Und ich glaube auch nicht, dass es Gott ist, der entscheidet, ob am 28. Dezember 2010 um 16.45 Uhr jemand stirbt.

Gott allerdings ist vielleicht derjenige, der den Verstorben bei sich empfängt. Er sagt: Komm doch vorbei. Aber nicht: Du musst nun kommen.

Aus meiner Sicht beeinflusst Gott auch nicht unser tägliches Leben. Klar, man nimmt Kontakt mit ihm auf. Der eine öfter, der andere seltener oder nie. Aber Gott hört eher zu, ist unser stilles Gegenüber. Der, der immer da ist, wenn man jemanden zum Reden braucht. Der Begleiter im Hintergrund.
Mit der Bibel oder den zehn Geboten hat der Gott, wie ich ihn sehe, dabei nichts zu tun. Die Bibel ist ein Buch, das irgendjemand geschrieben hat. Die Gebote sind Regeln, die irgendjemand mal aufgestellt hat. Klar, es sind Regeln des Miteinanders – aber an sich denke ich, dass Gott damit wenig zu tun hat. Gott ist es an sich erst mal egal, ob die Menschen schon vor der Ehe in die Kiste steigen, schwul oder lesbisch sind, sich scheiden lassen oder fremd gehen. Vielleicht findet er die Leute sogar blöd, die das immer predigen und keine andere Ansicht zulassen. Aber dennoch greift er nicht ein – weil es nicht seine Aufgabe ist.

So weit geht meine Gottesgläubigkeit allerdings nicht, dass ich das Gefühl habe, dass er permanent da ist.
Aber das ist der Trost, den Gott vielen Menschen gibt: Man ist nicht allein. Er ist immer da, ihm kann man alles anvertrauen. Ich kann verstehen, dass das vielen Menschen Halt gibt. Aber umso weniger habe ich Verständnis für radikale Gläubige. Die morden, Kriege führen – und sagen, Gott wolle das so. Nein, will er nicht.

Heute werden wir meinen Vater beerdigen. Gott wird uns in dieser Stunde etwas näher sein als sonst.