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Berliner Philharmoniker in der Waldbühne 2022

Donnerstag, den 30. Juni 2022
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SA 25.06.2022 | 20.15 Uhr | rbb

Das Saison-Abschlusskonzert der Berliner Philharmoniker in der Waldbühne ist immer ein ganz besonderer Höhepunkt der klassischen Musik. Mehr als 20.000 Menschen kommen zu einem der schönsten Berliner Veranstaltungsorte, um unter freiem Himmel ein Konzert zu genießen. Der rbb übertrug das Konzert am Sonnabend live. Im Ersten gibt es am 3. Juli die Aufzeichnung.

In diesem Jahr waren die Umstände aber besonders. Denn unter der Leitung des aus Russland stammenden Dirigenten Kirill Petrenko spielte das Orchester ausschließlich Werke von russischen Komponisten.
Kann man in Zeiten des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine einen schönen, lauen Sommerabend mit russischer Klassik verbringen?

Man kann. Denn es ist falsch, die ganze Kultur eines Landes auszulöschen, weil aktuell und heute dieses Land Kriegsverbrechen begeht. Zumal die Kunst, die Musik, in diesem Fall mitunter Jahrhunderte alt ist.
Dennoch betonte rbb-Moderatorin Petra Gute, dass man an diesem Abend besonders an die Ukraine und Kiew denke – und dass so ein Abend ja schon sehr lange im Voraus geplant werde.

Ein Lied war dann doch kein russisches – denn immer am Ende wird die Berliner Luft, Luft, Luft gespielt – unter dem großen Applaus des Publikums…

-> Das Konzert in der ARD-Mediathek (bis 24. August 2022)

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Unser Sandmännchen: Pittiplatsch

Freitag, den 17. Juni 2022
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DO 16.06.2022 | 17.55 Uhr | rbb

Und plötzlich rennen da Pittplatsch und Schnatterinchen durchs Bild. Also, mit Beinen und so…
Weil Pittiplatsch (“Platschquatsch!”) in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag feiert, bekommt er besondere Auftritte. Dazu gehörte am Donnerstag auch ein Gastauftritt in den Sandmann-Filmen. Denn normalerweise taucht Pitti ja nur innerhalb der Sandmann-Filme auf, nicht aber in der Rahmengeschichte.

Am Donnerstag trat nun der Sonderfall ein, dass Pittiplatsch, Schnatterinchen und Moppi sowohl in der Rahmenhandlung als auch im Film selbst auftauchten – beides neu produziert.
Allerdings: In der Rahmenhandlung waren die Figuren animiert, es war kein Puppenspiel. Und so hatten Pitti und Schnattchen Beine, mit denen sie auch durchs Bild rannten. Als Puppen können sie das nicht. Moppi dagegen musste vom Sandmann von einem Hochstand gerettet werden.
Dass die Figuren animiert ganz anders aussehen als in ihrer Puppenversion durfte den jungen Zuschauern am Donnerstagabend besonders aufgefallen sein. Der Kopf von Hund Moppi sah animiert merkwürdigerweise aus wie Spencer aus “Hallo Spencer!”.
Und das Sandmännchen ist animiert wahrscheinlich so flexibel und beweglich und sportlich wie noch nie. Auch wenn Nostalgiker an der Stelle sicherlich seufzen werden…

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 23. Juni 2022)

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Chez Krömer: Harald Glööckler

Mittwoch, den 6. April 2022
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DI 05.04.2022 | 22.15 Uhr | rbb

Kurt Krömer nimmt sie alle auseinander. Mit den Arschlöchern, wie er sagt, redet er Tacheles, mit Freunden plaudert er. Aber es geht auch ganz anders.

Bei “Chez Krämer” am Dienstagabend im rbb war diesmal der Modemacher Harald Glööckler zu Gast, der in diesem Jahr durch seine Teilnahme am Dschungelcamp aufgefallen ist.
Nicht nur, dass er ehrlich zugegeben hat, dass er nach Südafrika reiste, weil er nach zwei Jahren Corona-Langeweile mal wieder ein bisschen Aufmerksamkeit wollte (nicht des Geldes wegen). Es entwickelte sich sich Krömer und Glööckler ein extrem spannendes Gespräch.

Warum ist der Glööckler eigentlich wie er ist? Warum ist er so auffällig gekleidet und geschminkt? Viele halten ihn für etwas durchgeknallt. Wer aber dieses Gespräch gesehen hat, wird ein wenig hinter die Kulissen geschaut haben. Glööckler erzählte davon, wie er als Kind geschlagen wurde, wie er erlebt hat, auf welch tragische Weise seine Mutter gestorben ist, wie er von einem anderen Verwandten missbraucht worden ist. Wie schwer es gewesen sei, das alles zu verarbeiten. Und wie er sich vorgenommen habe, sich nicht zu verstecken, sein Leben zu leben.

Das war beeindruckend. Krömer hörte sich interessiert und erschüttert an, was sein Gesprächspartner zu sagen hatte. Und durch Krömers Depressionsouting hat dieses Gespräch so oder so eine ganz andere, ernste Ebene.
So kann “Chez Krömer” eben auch sein.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 5. April 2023)

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Let’s Dance

Sonntag, den 27. März 2022
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FR 25.03.2022 | 20.30 Uhr | RTL

Daniel Hartwich hat Corona.
Es gab ja mal Zeiten, da war das quasi eine Eilmeldung wert, wenn ein Promi sich mit dem Coronavirus angesteckt hat. Heute sorgt das fast schon für ein Schulterzucken.
Bei Fernsehproduktionen kommen sie allerdings in dieser Saison ordentlich ins Schwitzen. Insbesondere bei der RTL-Tanzshow “Let’s Dance” kann man in diesem Jahr nicht wirklich wirklich von einem geordneten Ablauf sprechen.
Gleich in Folge 1 war Juror Joachim Llambi wegen Corona ausgefallen. In Laufe der nächsten Wochen mussten ständig Profitänzer ausgewechselt werden, und auch diverse Promitänzer fielen aus. Mal wurde dementsprechend niemand am Ende der Show rausgewählt, mal dann plötzlich zwei – um irgendwie noch so etwas wie eine regelkonforme Show abliefern zu können. Aber im Grunde genommen ist in dieser Staffel scheinbar eh schon alles wurscht.
Und in dieser Woche dann auch noch der Moderator: Jan Köppen sprang ein und machte seine Sache gut. Und vielleicht ist das ja schon ein Signal in Richtung Dschungelcamp-Nachfolge für Hartwich?

Aber die Liste der Corona-Ausfälle ist inzwischen schon sehr lang. Kein Wunder, wenn sich inzwischen pro Woche 1,5 Millionen Menschen (!) in Deutschland anstecken.
Maybrit Illner konnte ihre ZDF-Talkshow nicht moderieren. Matthias Opdenhövel fiel bei ProSieben in gleich zwei Shows aus, den Auftakt von “The Masked Singer” durfte stattdessen in der vergangenen Wochen Thore Schölermann moderieren. Und in dieser Woche der nächste Ausfall: Einer der Promis unter einer Maske ist krank.
Katja Burkard bei “Punkt 12” von RTL fällt ebenfalls aus. Jan Böhmermann musste seine ZDF-Show neulich von zu Hause aus moderieren. Thea Dorn musste im “Literarischen Quartett” im ZDF neulich auch passen. Sebastian Pufpaff musste bei “TV total” auf ProSieben auch einmal an Elton abgeben. Birgit Schrowange musste gleich komplett den Start ihrer neuen Sat.1-Sendung um Wochen verschieben. Kim Fisher durfte am Freitag im rbb nicht das “Riverboat” betreten.
Und so weiter, und so weiter…

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Sound of Peace – Das große Friedensevent vor dem Brandenburger Tor

Montag, den 21. März 2022
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SO 20.03.2022 | 15.00 Uhr | ProSieben

Und plötzlich bekommt ein Lied wie “Freiheit” von Marius Müller-Westernhagen eine ganz neue Bedeutung. Wenn man sich der Freiheit plötzlich bewusst wird. Wenn man sieht, dass anderswo Krieg herrscht und die Menschen von der Freiheit nur träumen können.
Westernhagen sang seinen Song am Sonntagabend auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Dort fand das Event “Sound of Peace” statt, ein Konzert für den Frieden. Innerhalb weniger Tage ist es auf die Beine gestellt worden, ProSieben und Sat.1 übertrugen am Nachmittag, ProSieben und der rbb am Abend live.
War eine Demonstration mit viel Musik, aber auch mit Gesprächen, Reden und Gedanken rund um den Krieg in der Ukraine. Und den vielen anderen Kriegen auf der Welt, die am Sonntag auch nicht vergessen worden sind.

Silbermond präsentierten einen emotionalen Auftritt, Oliver Kalkofe mahnte, das es Frieden geben müsse, Sarah Connor berichtete von ihrem Einsatz für Flüchtlinge, Peter Maffay sang von den sieben Brücken, über die du gehen müsstest. Clueso sang gemeinsamen mit einer Lehrerin aus der Ukraine.
Ein Tag voller Emotionen. Dazu sind mehr als 12 Millionen Euro gespendet worden.

Natürlich beendet ein Konzert keinen Krieg. Und auch Appelle und eine Demonstration nicht. Dafür aber den Zusammenhalt unter Menschen, die zeigen, dass sie zusammenstehen und Flagge zeigen. 15.000 waren laut Polizei gekommen, was zunächst für die Straße des 17. Juni fast schon wenig erscheint. Andererseits waren über das Fernsehen sicherlich noch sehr, sehr viel mehr Menschen dabei. Es sind Bilder, die in die Welt getragen worden sind.

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Studio 3 – Live aus Babelsberg

Dienstag, den 4. Januar 2022
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MO 03.01.2022 | 18.45 Uhr | rbb

“Na hoffentlich haben wir die Sendung nicht in den Sand gesetzt!”, sagte der Potsdamer Filmemacher Volker Schlöndorff am Ende.
Das ganz sicher nicht. Auch wenn kurz vorm Wegblenden Moderatorin Janna Falkenstein aufgefallen ist, dass sie ja gar nicht mit ihm über “Die Blechtrommel” gesprochen habe. Letzteres ist überhaupt nicht schlimm, denn die beiden hatten sich auch so viel zu erzählen.

Am Montagabend hatte das “Studio 3 – Live aus Babelsberg” im rbb Premiere – und damit auch ein vollkommen neues Vorabendprogramm.
Das Vorabendprogramm ist für die regionalen Dritten Programme gewissermaßen die Primetime, die quotentechnisch in den Regionalmagazinen “Abendschau” und “Brandenburg aktuell” gipfelt. Und für so eine Primetime hatte das Magazin “zibb” zu schlechte Quoten. Es wurde abgesetzt – auch damit der rbb sparen kann.

Und so sparsam ist dann auch der neue rbb-Vorabend. Um 18.15 Uhr startete das Magazin “schön + gut” mit Verbraucherthemen, die mitunter herrlich wahllos über den Sender flimmerten. Aber immerhin konnte man sich während der Beiträge von der nervigen Wackelkamera erholen, der der Kameramann die ganze Zeit im Studio rumläuft.

Danach folgte das neue Format “Studio 3”, das nichts anderes als ein “Das!”-Klon ist. Auf dem Sofa sitzt ein Promi, hin und wieder gibt es zwischendurch einen Beitrag, wie den über ein Ehepaar das schon seeehr lange zusammen lebt. Andererseits gab es auch in “zibb” schon Gäste, weshalb das Fazit auch sein könnte: längerer Talk, weniger Beiträge.

Aber was beim NDR mit “Das!” und dem Roten Sofa funktioniert, könnte auch dem rbb vielleicht ein neues Stammpublikum bringen. Die Neugier war immerhin so groß, dass am Montag mehr Leute “Studio 3” einschalteten als zuletzt “zibb”.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 10. Januar 2022)

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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

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