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Tatort: Weil sie böse sind

Donnerstag, den 3. Mai 2018
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DI 01.05.2018 | 21.45 Uhr | hr fernsehen

Wieder mal große Aufregung um die ach so einfallslose öffentlich-rechtliche ARD: Am Maifeiertag liefen in den verschiedenen Dritten Programme gleich acht “Tatort”-Filme, davon fünf mehr oder weniger parallel – im hr fernsehen, im WDR, im NDR, im BR-Fernsehen und im rbb. Au weia.
In den Internetforen tönte es wieder: Und dafür zahlen wir Gebühren! Die Anti-Gebühren-Trolle hatten mal wieder Schnappatmung.

Dabei sollte die Frage lauten: na und?
Im Grunde ist der “Tatort” doch bloß eine Marke, hinter der sich die verschiedensten Serien befinden. Der WDR zeigte einen Fall aus Köln, der hr mit “Weil sie böse sind” einen aus Frankfurt/Main, der rbb einen aus Berlin, der NDR einen aus Münster, der BR einen aus München (aus den 70ern!).
Was also ist so aufregend und dramatisch schlimm daran, wenn auf verschiedenen Sendern diese Krimis laufen, meistens sogar regional passend im regionalen Dritten?

Würden die Dritten stattdessen an einem Abend, wo im ZDF die quotenstarke Champions League mit dem FC Bayern München übertragen wird, aufwendige eigene und erstausgestrahlte Shows senden, wäre das auch nicht recht. Mal wird gemeckert, wenn die Sender klotzen, mal wird gemeckert, wenn die Sender sparen. Die Hater wissen irgendwie auch nicht, was sie denn eigentlich wollen.
Die Parallelausstrahlung von mehreren sehr unterschiedlichen “Tatort”-Reihen sollte nichts sein, was uns aufregt. Da gibt es bei ARD und Co. ganz andere Baustellen!

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rbb spezial: Bombenentschärfung in Berlin

Sonntag, den 22. April 2018
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FR 20.04.2018 | 11.00 Uhr | rbb

Wenn in Oranienburg Bombe Nummer 204 entschärft wird, dann scheint das außerhalb Oranienburgs scheinbar niemanden zu interessieren.
Anders in Berlin. Dort ist in der Heidestraße, unweit des Hauptbahnhofs, eine Bombe gefunden worden.

Während also eine Bombe in der Provinz, wo aber auch gern mal mehr als 10.000 Leute evakuiert werden müssen, im rbb nur eine Randnotiz ist, zeigte der Sender am Freitag gleich drei Sondersendungen. Zu sehen war im Hintergrund des Moderators der leere Hauptbahnhof, Reporter standen auf leeren Straßen, um zu erzählen, dass die Straßen leer sind. Ein anderer Reporter stand draußen an der Bundesstraße, um zu erzählen, dass kein Stau ist.

Zwischendurch noch ein Beitrag über Bomben in Berlin und Brandenburg im Allgemeinen, mit dem Hinweis, dass Evakuierungen in Oranienburg ja schon Alltag seien. Weshalb es beim rbb da auch keine Sondersendungen mehr gibt. Aber vielleicht gibt’s solche “Events“ ja in Zukunft auch öfter in Berlin, und irgendwann winkt man beim rbb auch ab und schenkt sich das aufwendige Sonderprogramm.

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Die Florian Schroeder radioeins Satireshow

Donnerstag, den 22. März 2018
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DI 20.03.2018 | 0.00 Uhr (Mi.) | rbb

Was ist denn beim verschnarchten rbb los? Still und heimlich hat der Sender eine Late Night Show eingeführt. Und während man bei der ProSieben-Show mit Klaas Heufer-Umlauf einen riesigen Aufriss gemacht hat, hielten sich die Berichte über Florian Schroeder und seine Sendung in sehr engen Grenzen. Wenn es überhaupt welche gab.

Nach dem Abgang von Harald Schmidt steht in Deutschland die Frage im Raum, wer mal in dessen Fußstapfen treten kann. Jan Böhmermann ist ein Kandidat, Pierre M. Krause sendet seit Jahren im SWR vor sich hin. Grissemann und Stermann sind toll, senden aber beim ORFeins in Österreich und irgendwann nachts in Deutschland auf 3sat. Klaas ist neuerdings auf Sendung.

Wer aber am sehr späten Dienstagabend den rbb eingeschaltet hat, stieß auf die “radioeins Satireshow”. Oder genauer: “Die Florian Schroeder radioeins Satireshow”, wenn man dem Sendungslogo Glauben schenken darf.
Die Satireshow gibt es schon länger – immer live im Berliner “Tipi am Kanzleramt” und als Stream bei radioeins. Nun erstmals als Fernsehfassung im rbb.
Ein launiger Vorspann mit Gästeankündigung. Ein Stand-up mit bissiger Politkritik. Ein Schreibtisch mit Gästestuhl daneben. Ein Sidekick, der am Tisch am Bühnenrand sitzt. Ein Gast. Ein Musiact. Klingt nach Late Night, und ist auch eine.

Dass diese Sendung im rbb-Nachtprogramm verramscht wird, ist das eigentlich traurige. Denn diese Show hat das Zeug zu mehr – und Florian Schroeder sowieso. Dass er noch keine regelmäßige Show auf einem großen Sender hat, darf mindestens verwundern.
Denn seine Gags sind auf den Punkt, er kann Politik sowohl erklären als auch gnadenlos auseinandernehmen. Seine Stand-ups sind fast immer hörenswert. Und er kann das, wie er in seinen Bühnenshows beweist, bei denen er gern mal zweieinhalb Stunden durchredet.

Am kommenden Dienstag läuft um 23.15 Uhr eine weitere Folge, und hoffentlich besinnt man sich beim rbb – oder besser noch in der großen ARD -, Florian Schroeder mehr einzubinden.

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rbb vor Ort: Cottbus – unerhört?!

Sonntag, den 4. März 2018
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DO 01.03.2018 | 21.00 Uhr | rbb

Miteinander reden. Versuchen, dass kein Riss durch die Stadt und ihre Bevölkerung geht. Es ist der Theologe und Chef der Sächsischen Zentrale für politische Bildung, Frank Richter, der am Donnerstagabend scheinbar einen kühlen Kopf behält.
Dabei ist das gar nicht so einfach. Denn in Cottbus herrscht ordentlich Zoff. Die einen sagen, es gäbe zu viele Flüchtlinge in der Stadt, und man müsse Angst haben, weil es so viele Überfälle gäbe. Die anderen sagen, die Integration der Flüchtlinge funktioniere gut, und man müsse keine Angst haben. Die einen protestieren lautstark und nehmen in Kauf, dass sich in den Protest Rechtsextreme mischen, die diese Situation für sich ausnutzen wollen. Die anderen werden angefeindet und scheinen immer weniger Gehör zu finden.

Der rbb hat am Donnerstagabend versucht, beide Seiten zusammen zu bringen. Erstmals gab es eine Sendung unter dem Titel “rbb vor Ort”. Sie lässt – unabhängig vom Thema – übrigens spüren, dass der rbb so eine Bürgertalksendung dringend nötig hat. Eine Sendung, die dort produziert wird, wo es brennt und auch mal ungemütlich ist.
Die Diskussion unter dem Titel “Cottbus – unerhört?!” zeigte jedoch, dass es noch ein sehr langer weg ist, beide Seiten irgendwie zu einen. Einerseits kommen offen rassistische Meinungen zutage – und das von Menschen, die es vermutlich unverschämt finden, wenn man sie rassistisch nennt. Ein junger Ex-Flüchtling muss sich ausbuhen und auslachen lassen und muss sich von einem überlegen schauen Herrn anhören, er sei ja gar kein Flüchtling, weil er ja diverse Länder durchreist habe.
Was soll man da bloß sagen? Wie kann man bei solchen Standpunkten einen gemeinsamen Nenner finden? Das scheint ziemlich unmöglich, auch wenn man das Gefühl hat, dass die von den Rechten so verhassten “Gutmenschen” immer noch viel zu still sind, sich immer noch zu ruhig verhalten, immer noch zu viel hinnehmen.

Unerhört ist Cottbus immerhin nicht mehr. Aber der Titel “Unerhört?!” ist doppeldeutig. Denn man kann es durchaus unerhört finden, was da gerade in der Lausitzstadt abgeht – und selbst diesen Satz werden die verschiedenen Gruppen unterschiedlich bewerten.

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Zug der fröhlichen Leute 2018

Mittwoch, den 14. Februar 2018
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SO 11.02.2018 | 14.00 Uhr | rbb

Helau! Endlich konnten die Cottbuser wieder ein bisschen feiern und so richtig befreit und fröhlich sein! Ach, war das herrlich. Der rbb übertrug am Sonntagnachmittag live den “Zug der fröhlichen Leute” 2018. Die Narren zogen durch Cottbus, und am Straßenrand jubelten ein paar Leute ihnen zu.

Helau! Mit guter Laune marschierten die Narren durch Cottbus, und endlich hatte das fernsehen mal nichts Böses über die Lausitz-Stadt zu berichten. Der rbb hatte Reporter vor Ort, und alle waren gut drauf.
Helau! Und natürlich teilen die Narren auch ordentlich aus. GroKo. SPD und Union. Trump. Kohle. Und was es sonst noch so für aktuelle Themen im Land gibt.

Aber da war doch noch was. Rechtspopulisten haben in der Stadt in den vergangenen Wochen für Aufregung gesorgt – und werden das auch weiter tun. Die Menschen sind unzufrieden, sie machen sich sich Sorgen, schließen sich den Rechten an. Auf den Demo geht es ruppig zu, es wird gepöbelt, und das Bild von Cottbus nach außen leidet. Die Stadtpolitik beschwichtigt, auch auch einige Cottbuser haben sich geäußert.
Und im Karneval? Nichts. Keine Positionierung, kein Statement – zumindest nicht sichtbar. Man wollte sich nicht die gute Laue verderben lassen. Und verscherzen möchten es sich die Narren ja auch mit niemandem. Helau!

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zibb: Kremmen

Montag, den 12. Februar 2018
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FR 09.02.2018 | 18.30 Uhr | rbb

Ach, herrlich, diese kleine schrullige Kleinstadt. Eigentlich ja ein Dorf. Nüscht ist da los, gar nüscht. Aber irgendwie muss ja trotzdem eine Reportage fertig werden.

Im Vorabendmagazin “zibb” im rbb gibt es eine Rubrik, in der es darum geht zu zeigen, welche Orte sich hinter Autobahnabfahrten verbirgen. Und Kremmen an der A24 kenne ja man nur aus den Stau- und Blitzermeldungen, sagen die beiden Moderatoren zu Beginn.
Ein Reporter fuhr also nach Kremmen rein – und fand das Nichts.
Niemand da im Scheunenviertel. Niemand da in der Altstadt. Es hätte sicherlich Orte gegeben, wo man jemanden angetroffen hätte, aber das wäre ja nicht so schrullig gewesen.

In der Altstadt fand das Team dann aber doch jemanden. Eine alte Frau verteilte ein Magazin in die Briefkästen rund um die Kirche. In der ersten Sequenz sieht man sie über ein Gitter klettern, und es sieht ein bisschen unbeholfen aus. Später erzählt die Frau, und immer wieder scheint sie verwirrt von der Fernsehtechnik. Und die Dohlen fliegen um die Kirche.
Das ist irgendwie nett, vielleicht ein bisschen lustig. Und schrullig. Der Beitrag ist haarscharf davor, sich über diese Frau lustig zu machen. Die nicht genau weiß, was eigentlich im Magazin steht, die immer mal wieder fragt, wo sie denn hingehen und -gucken müsse.
Ob man sich da beim Schnitt juchzend auf die Schenkel geschlagen hat?

Was genau will uns der rbb eigentlich mit so einem Beitrag sagen? Wenn es darum ging zu zeigen, was da abseits der Autobahn zu sehen ist, dann hat man sich null Mühe gegeben. Die Idee ist ja nett, aber man muss ja beim rbb nicht so tun, als sei man noch nie in der Stadt gewesen. Wenn es aktuell nichts zu sehen gibt, könnte man ja mal kurz ins Archiv greifen.
So aber wirkte diese rbb-Reportage wie gewollt und kaum gekonnt. Die Reporter aus der Großstadt kommen in die Kleinstadt und sagen uns, wie öde sie ist und wie lustig die Leute da sind. Ist irgendwie nicht so cool. Und eigentlich kann der rbb das besser – im “Landschleicher”, der scheinbar dasselbe Prinzip hat, aber weitaus liebevoller ist.

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rbb spezial: Sturmtief “Friederike” in Berlin und Brandenburg

Sonntag, den 21. Januar 2018
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DO 18.01.2018 | 20.15 Uhr | rbb

Der rbb muss sparen. Produziert die Nachrichtenredaktion einen Beitrag für das Programm, dann ist er einfach viel zu schade dafür, nur einmal ausgestrahlt zu werden.
Am Donnerstag wütete der Orkan Friederike über Deutschland. In Brandenburg war vor allem der Süden betroffen, im Norden gab es heftigen Schneefall. Klar, dass der Sender da zur Primetime ein “rbb spezial” einschob: “Sturmtief ,Friederike’ in Berlin und Brandenburg”.

Die Info, dass genau zeitgleich ein “Brennpunkt” im Ersten zum selben Thema lief, ist vielleicht in Potsdam nicht angekommen. Andererseits vielleicht ja doch. Denn das “rbb spezial” bestand fast ausschließlich aus Wiederholungen aus “Brandenburg aktuell”.

Das Nachrichtenmagazin lief um 19.30 Uhr – mit einem Beitrag zu den Schäden aus Auswirkungen des Sturms. Dazu eine Schalte zum Hauptbahnhof, um zu schauen, wie es um den Zugverkehr bestellt ist. Genau der Hauptbeitrag lief 45 Minuten später im “rbb spezial” noch mal. Nicht mal die Schalte hat man noch mal gemacht – stattdessen wiederholte man einfach die Live-Reportage, die schon eine dreiviertel Stunde vorher lief.

Sparen ist ja gut und schön. Aber wenn es keine Neuigkeiten gibt, keine Idee, wie man denn die Informationen um Friederike noch gestalten kann, wenn man stattdessen noch mal Altes aufwärmt – dann kann man sich eine Sondersendung zur Primetime getrost sparen.