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Abendshow

Samstag, den 18. Januar 2020
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DO 16.01.2020 | 20.15 Uhr | rbb

Der rbb beweist mit der “Abendshow” einen langen Atem. Als die Show im Oktober neu startete, ging das ordentlich in die Hose. Ingmar Stadelmann hatte mit miesen Witzchen zu kämpfen, mit einem nichtlachenden Publikum, mit allgemein lauer Stimmung.
Aber eigentlich soll man ja ein Urteil nicht über die erste Sendung fällen. Erinnert man sich an große Fernsehshows von damals, sollte man als Erinnerung nicht zwingend die allererste Sendung ansehen, denn die ist selten wirklich so gut wie die folgenden. Alles muss sich noch finden und einrenken. So auch bei der “Abendshow”.

Am Donnerstag lief im rbb die zweite Show in diesem Jahr. Man hält offenbar an der Primetime fest, obwohl es sich eigentlich um eine klassische Late Night handelt.
Aber das Team hat eindeutig an der Show gearbeitet. Zwar belacht das Publikum auch weiterhin nicht jeden Gag, die Gags sind aber durchaus lustig und bissig. Da geht es um die Fashion Week und andere aktuelle Berliner Themen. Ein bisschen mehr Brandenburg könnte thematisch noch rein, was zugegebenermaßen schwierig ist, weil da ja nicht wirklich was los ist. Moderator Ingmar Stadelmann hat die Show auch viel besser im Griff, er bringt die Gags sicher rüber und kann auch besser damit umgehen, wenn mal was nicht klappt.
Nicht alles funktioniert, aber im Großen und Ganzen ist die “Abendshow” unterhaltsam, und vielmehr Satire und Humor als in der Zeit vor Stadelmann. Das Ziel ist definitiv erreicht.

In einem der Einspieler war ein Reporter auf der Fashion Week und konfrontierte die Messebesucher mit Kinderarbeit. Ein Zwölfjähriger saß da, um Klamotten zu nähen. Die Reaktionen war so erschreckend wie witzig. Ein echter Knaller ist der Sandmann für Erwachsene.

Die größte Hürde der “Abendshow” ist es nun vermutlich, die verprellten Zuschauer zurückzuholen. Im Sendegebiet sahen am Donnerstag gerade mal 80.000 Menschen zu. Das ist viel zu wenig, und das ist unverdientermaßen viel zu wenig.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 16. Januar 2021)

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queer4you

Donnerstag, den 16. Januar 2020
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MO 13.01.2020 | 21.00 Uhr | rbb

Beate (50) braucht eine grundhafte Renovierung. Ihre Wohnung ist langweilig, ihre Klamotten sind langweilig, ihre Haare sind langweilig, und überhaupt ist alles langweilig an ihr.
Und deshalb müssen die Fuzzis vom Fernsehen kommen und der Frau mal zeigen, was sie alles verändern muss kann, damit sie weiterleben ein schöneres Leben hat.
Mit einem schwulen Mann geht sie nun in einen Second-Hand-Möbelgeschäft. Mit einem schwulen Mann sucht sie neue Klamotten aus. Mit einem schwulen Mann restauriert sie ihr Gesicht. Und währenddessen dekoriert ein schwuler Mann ihre Wohnungen komplett neu.

Bitte verzeiht, wenn ich das so betone. Aber an “queer4you” im rbb wundert mich so ziemlich alles. Die erste Folge lief im Montagabend im rbb.
Grundsätzlich ist es eh fraglich, warum man eine Frau dazu nötigt, ihr Leben zu ändern, weil andere der Meinung sind, sie müsse alles anders machen.
Merkwürdig ist, warum sie unbedingt “queer” sein muss. Und – in Zeiten des Kampfes um Gleichberechtigung – warum muss das Queere so hervorgehoben werden? Warum denkt man, es reiche als Konzept oder als Konzeptidee, dass da vier schwule Männer kommen, um Beates Leben umzukrempeln?
Dass durch die Veränderungen Beate gewissermaßen Ein Outing erlebt, und die vier Männer von ihren Outings erzählen, ist einerseits ein netter Gedanke, andererseits aber auch ein bisschen weit hergeholt.

Erfreulich ist immerhin, dass “queer4you” kein Format ist, das hysterisch und kreischig daher kommt. Auf Klischees wird weitgehend verzichtet. Andererseits ist “queer4you” ein einziges Klischee.
Und warum überhaupt ein so durch und durch privatfernsehmäßige Format einer Stil- und Stylingshow im rbb laufen muss, ist mir auch nicht wirklich klar. Zumal sie offenbar eindeutig bei ähnlichen Formaten geklaut ist.
Spätestens als das Wohnzimmer von Beate komplett umgebaut wird und völlig anders aussieht, ist es zwar schön zu sehen, wie sie sich am Ende freut. Aber ein bisschen übergriffig ist das dennoch.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 10. Februar 2020)

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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Land und lecker im Advent

Donnerstag, den 19. Dezember 2019
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MO 16.12.2019 | 20.15 Uhr | rbb

Die adventliche Genussreise der WDR-Dokureihe „Land und lecker“, die im rbb wiederholt worden ist, führte am Montagabend ins Löwenberger Land. Die Landfrauen, die sich vier Wochen lang gegenseitig bekochen, kamen diesmal nach Großmutz auf den Vierseithof von Marina Koch. Sie betreibt das Gehöft mit ihrem Mann Roland, und auch Sohn Jonathan hilft fleißig mit.

Bevor es nach Großmutz ging, fuhren die Landfrauen allerdings erst noch nach Himmelpfort. Dort genossen sie die Idylle des Haussees und machen dort eine kleine herbstliche Paddeltour über den leicht nebligen See. Ein Ausflug, den die Frauen genossen haben.
Danach sahen sich die Gäste – die anderen Frauen kommen aus dem Schwarzwald, Ostwestfalen-Lippe und aus Bayern – auf dem Hof in Großmutz um, wo sie von der Familie Koch und den anderen Helfern schon begrüßt worden sind. Auch ein Spaziergang durch das Dorf war noch möglich. So ging es auch um den lebendigen Adventskalender im Dorf. Den Frauen, die in Großmutz zu Gast waren, fiel auf, dass nicht alle Häuser bewohnt sind.
Als sie aber den Hof der Kochs betraten, spürten sie gleich die dortige Herzlichkeit. Aber eigentlich geht es in der Sendung „Land und lecker im Advent“ um das Kochen.

Martina Koch hat für die Landfrauen ein Drei-Gänge-Menü zubereitet. Los ging es mit Kesselsuppe, Salat und Wurstpotpourri. Als Hauptgang gab es eine Rinderroulade im Pilzbett mit Serviettenknödeln. Und die Nachspeise: Mascarpone-Crème mit beschwipsten Früchten und Klemmkuchen. Alles frisch in der Küche zubereitet. Den anderen Landfrauen hat es sichtlich geschmeckt.
Für die Region war diese Sendung fast schon eine Liebeserklärung. Selten wird die Idylle im Brandenburger Land so zelebriert.

-> Die Sendung in der WDR-Mediathek (bis 9. Dezember 2020)

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Polizeiruf 110: Mitternachtsfall

Montag, den 9. Dezember 2019
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MO 09.12.2019 | 23.30 Uhr | rbb

Immer mal wieder war Kremmen auch Drehort für Kino- oder Fernsehfilme. Im Sommer 1988 ist unter anderen in Kremmen und Orion der „Polizeiruf 110: Mitternachtsfall“ für das Fernsehen der DDR entstanden. Erstmals ausgestrahlt worden ist er am 8. Januar 1989 im 1. Programm des DDR-Fernsehens. Am Montagabend zeigt der rbb diesen Film noch einmal. Es ist der 125. Film aus der „Polizeiruf 110“-Reihe und der 75. Fall von Hauptmann Peter Fuchs, gespielt von Peter Borgelt.

Im Film zu sehen sind der Marktplatz mit dem Brunnen in Kremmens Zentrum, der damals noch etwas anders aussah als heute. Szenen entstanden am Bahnhof und auch am und im Stall der heutigen Orion Agrar GmbH, bei der damaligen LPG.
„Die Fernsehleute hatten uns angefragt“, erinnert sich Ellen Brunner. Vermutlich über Mundpropaganda sei man auf die LPG in Orion gekommen, vermutet sie. „Sie haben ja auch bei uns dann im Sauenstall gedreht.“ So gibt es eine Szene mit dem DDR-Star Fred Delmare, der in „Mitternachtsfall“ eine der Hauptrollen spielt, und Peter Bause, im Film der LPG-Vorsitzende.

Aus Orion stammt aber auch der Eber, der im DDR-Krimi eine Rolle gespielt hat. „Der taucht hier auch einmal in Kremmen auf.“ Ansonsten fanden die Dreharbeiten aber auch in Schönerlinde, im damaligen Kreis Bernau statt. „Wir mussten den Eber dann immer hin- und herfahren“, erinnert sich Ellen Brunner. Das sei durchaus problematisch gewesen. Aus seuchenschutzrechtlichen Gründen mussten die Kreistierärzte aus Oranienburg und Bernau den Transport zwischen Kremmen und Schönerlinde immer wieder neu absegnen.
Es sei mitunter während der Dreharbeiten im Sommer 1988 ziemlich warm gewesen. „Irgendwann wollte der Eber dann nicht mehr auf den Viehwagen steigen.“ Konsequenz: Er wurde nicht gefahren, sondern er musste selbst von Kremmen nach Orion laufen.
In einer Szene musste der Eber betrunken erscheinen. Für diese Szenen musste nachgeholfen werden. Durch Narkosemittel, gegeben von einem Tierarzt, wurde das Tier flach und taumelig gehalten. „Da hat man sich früher wohl nicht so einen Kopf gemacht“, sagt Ellen Brunner.

Im „Mitternachtsfall“ geht es um den Schweinezüchter Wilhelm (Fred Delmare), der schwer verletzt aufgefunden wird. Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) und Oberleutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) nehmen die Ermittlungen auf. Es kommt raus, dass der Schweinezüchter zu viel trinkt und Ärger mit dem LPG-Vorsitzenden hat.
Ellen Brunner hat den Film mehrfach gesehen. „Den haben sie öfter gezeigt. MDR und rbb bringen ja immer wieder die alten Polizeiruf-Filme.“ Auch andere Filme oder Serien seien in Kremmen gedreht worden. So seien Szenen für die DDR-Fernsehserie „Das unsichtbare Visier“ am Bahnhof entstanden, erinnert sich Ellen Brunner.

(für MAZ Oranienburg, 5.12.2019)

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Urteil oder Unsinn

Mittwoch, den 4. Dezember 2019
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DI 03.12.2019 | 22.00 Uhr | rbb

Ein Ehepaar bucht eine Reise in einem Haus mit Gartengrundstück. Der Schock: Es gibt nur ein Plumpsklo im Garten. Das Paar klagt. Mit Recht?
Um solche Fälle geht es in der neuen Comedyshow des rbb. “Urteil oder Unsinn” ist die Frage. Die erste Folge lief am Dienstagabend, Jürgen von der Lippe moderiert, er ist der Richter, auch wenn er gar nichts zum Urteilen hat, sondern die echten Urteile nur vorliest.

Im Panel sitzen Ilka Bessin, Markus Majowski, Kim Fisher und Matze Knop – sie diskutieren über die Fälle und müssen am Ende entscheiden, wie das Urteil gelautet haben könnte.
Das ist sehr interessant, aber technisch erstaunlich schlecht umgesetzt.

Die Fälle sind spannend. So geht es auch um einen Liebeszauber, der nicht geklappt hat, und wo die Kundin Geld wiederhaben will. Um einen Mann, der am Arbeitsplatz einnickt und sich dabei die Nase bricht – Arbeitsunfall?
An sich sind die Diskussionen darum spannend, weshalb “Urteil oder Unsinn” eigentlich ein schöner Einfall ist.

Schade ist, dass die Fälle sehr schnell abgehandelt werden, so wird nur an der Oberfläche gekratzt. Noch mehr Fachsimpelei wäre reizvoller gewesen. Auch wird danach gar nicht mehr über das Urteil gesprochen, ein paar Kommentare dazu würde es auch noch interessanter machen. Viel zu oft meint Jürgen von der Lippe nur, dass man jetzt zum nächsten Fall komme. Verschenktes Potenzial.
Das Studio wirkt wie ein Gerichtssaal – vielleicht ist es auch einer. Dass sich aber Richter und Panel nicht gegenübersitzen, ist nicht optimal. Das ganze Set ist viel zu weiträumig.
Der Ton wirkt gerade am Anfang sehr hallig, Lacher scheinen immer wieder nur reingeschnitten, und zwar so, dass auffällt. Der Applaus scheint manchmal auch zusammengeschnitten zu sein.
Vielleicht fallen diese technischen Mäkeleien dem normalen Zuschauer kaum auf, aber eine gute Studioatmosphäre ist für so eine Sendung nicht ganz unwichtig.

So ist “Urteil oder Unsinn” grundsätzlich ein tolles Konzept – an der Umsetzung müsste noch gearbeitet werden, die wirkt manchmal nicht professionell.

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Pittiplatsch

Dienstag, den 19. November 2019
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MO 18.11.2019 | 8.30 Uhr | KiKA

Pittiplatsch ist wieder da!
Nun könnte man sagen: Er war doch nie weg!
Aber in Wirklichkeit sind seit unglaublichen 28 Jahren keine neue Folgen der Puppentrickserie gedreht worden. Was erstaunlich ist, denn die Geschichten von Pittiplatsch, Schnatterinchen und Moppi laufen bis heute immer wieder beim “Sandmännchen” im KiKA, mdr und rbb – aber eben immer altes Material.
So kennen auch Kinder von heute den kleinen Kobold und seine Freunde. Warum man die Serie nie fortgesetzt hat, ist unverständlich.

Nun ist feiert das Sandmännchen seinen 60. Geburtstag, und aus diesem Anlass ließen rbb, mdr und NDR endlich neue Folgen produzieren. Die Vorpremiere erleben die Kleinen seit Montag im KiKA. Der Kinderkanal zeigt “Pittiplatsch” im Frühprogramm. Die eigentliche Premiere in “Unser Sandmännchen”, dann auch im rbb und mdr, ist für den 26. November geplant.

“Ist doch Schrott” hieß Folge 1 am Montagmorgen im KiKA. Moppi wollte eine alte Harke entsorgen, doch Pittiplatsch hatte doch noch eine andere Idee.
Eine kurze, sehr sympathische Geschichte. Die Puppen sind behutsam modernisiert, sowohl Pitti als auch Moppi sind plüschiger, Pitti hat nun einen beweglichen Mund. Dass die Stimmen andere sind, ist klar, aber die neuen Sprecher haben sich sehr an dem Stil der Figuren bis 1991 orientiert.
Die Übertragung auf 2019 hat bei Pittiplatsch gut funktioniert. Hoffentlich sehen die Kinder das genauso, und hoffentlich haben Pitti und seine Freunde noch eine lange Zukunft.

-> Die Sendung in der KiKA-Mediathek

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