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Vernichtet – Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust

Dienstag, den 31. August 2021
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MI 25.08.2021 | 23.45 Uhr | rbb

Rosa Glabe war eine Einwohnerin von Glambeck im Löwenberger Land. Sie hatte einen Kolonialwarenladen, und eigentlich war alles gut. Bis zum 9. November 1938.
Nicht nur in Berlin brannten jüdische Geschäfte, nicht nur in Berlin wurden die Scheiben von Häusern eingeschlagen, die Juden gehörten. Auch in Glambeck gab es Pogrome.
Bewohner des Dorfes haben Rosa Glabe, alleinerziehende Mutter und die Besitzerin des Ladens, aus dem Haus gescheucht. Dann zündeten sie Hausrat und persönliche Dinge an. Rosa und ihre Kinder Paul (16), Dora (15) und Theo (13) standen vor dem Nichts. Sie spürten den Hass.

Das ist der Ausgangspunkt einer Dokumentation, die am späten Mittwochabend im rbb zu sehen war: “Vernichtet – Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust”.
Andreas Christoph Schmidt hat für seinen einstündigen Film recherchiert, was aus dem Glabes wurde. Sie verließen Glambeck, die jüdische Familie war dort nicht mehr erwünscht. Und so viel kann man sagen: Es ist der Weg in die Vernichtung. Familie Glabe wird den Zweiten Weltkrieg nicht überleben, sie ist ein Opfer des Holocausts.
Schmidt reist an die Orte, die für Glabes zu einem kurzzeitigen Ziel wurden, er spricht mit Experten, und irgendwann scheint er am Ende seiner Reisen und Recherchen – am Ende der Geschichte der Familie Glabe. Als alles vorbei war.
Kovno, Auschwitz, Treblinka: Das sind die Orte, das sind die Konzentrationslager, in denen die Glabes ermordet werden.

“Vernichtet” ist ein Film, der eigentlich so ruhig daherkommt. Man sieht die heutige Glambecker Dorfidylle. Man sieht Häuser der Großstadt, Gegenstände, viele ruhige Kamerafahrten. Auch ein KZ, eine heutige Gedenkstätte. Was aber erzählt wird, das ist das Grauen.
Ein wichtiger Film – und nicht umsonst bekam er in der vergangenen Woche einen Adolf-Grimme-Preis.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 24. August 2022)

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Lebensläufe: Herbert Köfer – Spielen ist mein Leben

Sonntag, den 1. August 2021
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DO 29.07.2021 | 23.25 Uhr | mdr-Fernsehen

Erst am 17. Februar hat Herbert Köfer die 100 vollgemacht. Der Schauspieler ist ein Jahrhundertmensch gewesen. Am Sonnabend ist er für immer eingeschlafen.

Und genau wie der 100. Geburtstag ist auch der Tod von Herbert Köfer fast nur im Osten Deutschlands wirklich ein Thema gewesen. In der Hinsicht ist das Land noch immer nicht zusammengewachsen.
Zwar bekam Köfer am Montag einen Nachruf in der Tagesschau – mehr war aber bundesweit im Ersten dann doch nicht drin. Während andere verdiente Schauspielerinnen und Schauspieler oder anderweitige Promis gern mal eine 15-minütige Nachruf-Doku bekommen – gerade erst im Fall von Alfred Biolek -, scheint das für Oststars nicht zu gelten. Oststars hat gefälligst der Osten zu würdigen. Der Westen würdigt keine Oststars.

Dabei ist die Wiedervereinigung 30 Jahre her, und Herbert Köfer hat auch in Gesamtdeutschland viele Rollen gespielt. Aber natürlich hatte er seine große Zeit noch in der DDR. Er war dabei, als der DFF gegründet worden ist und war auch dabei, als er 1991 abgewickelt wurde.
Aber bis heute will man offenbar die DDR-Geschichte in Gesamtdeutschland nicht als Teil der eigenen Geschichte wahrnehmen. So war es der mdr, der am Montag Köfer einen ganzen Abend widmete, ebenso der rbb. Und auch in den Tagen danach sendete der mdr Filme und Doku über den Schauspieler. Am Donnerstagabend schob der Sender noch den Film “Herbert Köfer – Spielen ist mein Leben” nach.
Der Osten blieb in der Trauer unter sich.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 28. August 2021)

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Ulli Zelle – Ein Leben für die Abendschau

Dienstag, den 22. Juni 2021
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SA 19.06.2021 | 16.15 Uhr | rbb

70 Jahre und noch lange nicht in Reporterrente!
Was wäre nur der rbb ohne Ulli Zelle?
Der Sender schenkte seinem Reporter-Urgestein am Sonnabend einen ganzen Nachmittag, inklusive einer Doku zum 70. Geburtstag. Was auch einfach nur angemessen ist. Denn wie kaum jemand anderes steht Ulli Zelle für den rbb – und fast noch mehr für seinen Vorgänger, den SFB aus Berlin. Denn bis heute Ulli Zelle vor allem der große Berlin-Reporter, der die kleinen und großen Geschichten aus der Hauptstadt erzählt.

“Ulli Zelle – Ein Leben für die Abendschau” hieß die Doku, die der rbb am Sonnabendnachmittag zeigte. Sie erinnerte daran, wo Ulli Zelle in den vergangenen Jahrzehnten aktiv war. Er besuchte den Roten Teppich der Berlinale, sprach mit den Stars, er befragte die Gäste des Bundespresseballs, er berichtete live vom Konzert der Rolling Stones. Er war beim Mauerfall 1989 dabei, berichtete ein paar Wochen später oben auf dem Brandenburger Tor, neben der Quadriga stehend. Er war bei Eisbär Knut, er berichtete von zig Demos – und er war einer der ersten, die für den rbb über den Anschlag am Breitscheidplatz berichtete.

Zelle ist eines der wichtigsten Gesichter des rbb, er steht für die großen Ereignisse, trifft sich aber auch mit den Menschen von nebenan, um ihre Probleme zu besprechen.
Für Zelle und den rbb kann man nur hoffen, dass sie noch eine Weile Lust aufeinander haben, denn auch mit 70 muss man nicht zum ganz alten Eisen gehören, das ausrangiert werden müsste.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 19. Juni 2022)

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Abendshow

Montag, den 31. Mai 2021
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FR 28.05.2021 | 22.00 Uhr | rbb

Beim rbb sind sie ja schon seit einiger Zeit die ganz große Innovationsmaschine. Was die sich da ausdenken, das ist immer der heiße Scheiß, und es gibt andere Sender, die den rbb um seinen Einfallsreichtum beneiden.
Die neueste Knaller-Idee aus dem Hause rbb: Am Herbst zeigt man das “Riverboat”. Das läuft zwar schon im mdr, aber wenn es zeitgleich auch im rbb läuft, dann ist das natürlich noch viel… ähm… irgendwas.

Wenn es um Talkshows geht, dann war der rbb in den vergangenen Jahrzehnten ja eher mäßig erfolgreich. Zuletzt floppte das Talkformat “Hier spricht Berlin”. Ein Flop und ganz mies war auch “Dickes B.”, und zu Zeiten des ORB versuchte es Cherno Jobatey mit “Cherno” und… reden wir nicht mehr drüber.
Weil es also der rbb alleine nicht hinbekommt, versucht man nun, sich an einer bekannte Marke zu hängen, um verzweifelt einen Erfolg zu bekommen. So läuft ab Herbst das “Riverboat” auch im rbb. Zudem wechseln sich mdr und rbb in der Produktion ab. Eine Woche kommt die Sendung aus Leipzig, dann schippert das Riverboat (eigentlich hat die Sendung schon seit Jahrzehntehn nichts mehr mit einem Boot zu tun, der Sendungsname ist total blödsinnig) nach Berlin und dann wieder zurück.

Was das mit der wunderbaren “Abendshow” zu tun hat?
Nun ja, der rbb findet die “Abendshow” so wunderbar, dass der Sender auf sie verzichten wird. Die “Abendshow” wird abgesetzt. Für das “Riverboat”.
So bekloppt ist man nur beim rbb.
Ingmar Stadelmann führte durch eine 30-minütige Sendung, die eine regionale Mischung aus “heute show” und “ZDF Magazin Royale” war. Allerdings zuletzt besser als die “heute show”, und Böhmermanns ZDF-Show gibt es noch nicht so lange wie die vom rbb. Stadelmann nahm das Berliner Politgeschehen aufs Korn, gesellschaftliche Probleme und Gegebenheiten. Das war sehr oft lustig, aber oftmals auch erhellend, weil die Sendung Themen auf andere Weise erklärte.

Anfangs hatte die “Abendshow” noch ein anderes Konzeot und andere Moderatoren und war typisch rbb-trutschig und langweilig. Mit Stadelmann änderte sich das Konzept, und nach leichten Startschwierigkeiten erwies sich die “Abendshow” als guter Start ins Wochenende – noch dazu passend genau vor der “heute show” im ZDF.

Der rbb meint, auf so ein Format verzichten zu müssen. Dabei ist es gerade in Berlin wichtig, den Politikern, der Wirtschaft und den Menschen in der Stadt auch satirisch auf die Finger zu hauen. Es ist einfach nur schade und – sorry – absolut dämlich, darauf verzichten zu wollen. Für das “Riverboat”.
So verliert der rbb sein bestes Format.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 28. Mai 2022)

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Best of zibb-Gäste

Freitag, den 7. Mai 2021
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MI 05.05.2021 | 18.30 Uhr | rbb

Das ist ein harter Schlag für den rbb. Statt 9 bis 10 Prozent Marktanteil, erreichte das Vorabendmagazin “zibb” am frühen Mittwochabend gerade mal dreieinhalb Prozent.
Allerdings lief auch keine normale Ausgabe der Sendung, sondern nur ein Best of der zibb-Talks. Die eigentliche Sendung ist ausgefallen – und das hatte für den rbb einen unschönen Grund.

Zum Jahresende wird “zibb” abgesetzt. Der rbb wird im Januar 2022 ein neues Vorabendprogramm starten. Das allerdings hat man sich bei NDR und WDR hübsch abgeguckt. Es wird Nachrichten geben, ein Servicemagazin und ein Talkformat.
Dafür braucht man, so heißt es beim rbb, nicht nur weniger Geld – man muss sparen -, sondern auch weniger Mitarbeitende. 75 Menschen sind betroffen – freie Beschäftigte. Das sind Leute, die zwar mehr oder weniger regelmäßig für “zibb” arbeiten, aber eben nicht fest angestellt sind. Eine in den Medien weit verbreitete Beschäftigungspraxis. Die Freien weheren sich nun und haben drei Tage lang gestreikt.

Der Streik führte nun dazu, dass in den Radiosendern mehr Musik lief als sonst – und “zibb” fiel gleich ganz aus, gleich dreimal.
Ein guter Erfolg für die betroffenen Menschen, dass sie es schaffen, eines der Magazin-Flaggschiffe gleich mal zu Fall gebracht wird. Denn dieser Ausfall zeigt, wie abhängig ein Sender wie der rbb von diesen Menschen ist. Auch wenn es für Außenstehende vermutlich erstaunlich ist, dass es ohne die Freien offenbar gar nicht mehr geht. Dass man nicht mal eine Notsendung hinbekommt.

Dass “zibb” eingestellt wird, ist allerdings nicht wirklich schade. Auch wenn die Sendung sich inhaltlich eigentlich nur wenig von anderen Regionalmagazinen unterscheidet, wirkte sie seltsam altbacken. Allerdings ist so ein Talkformat, dass es ja zur selben Zeit mit “Das!” auch im NDR gibt, jetzt auch nicht sehr einfallsreich.
Dass der rbb sparen muss, ist dem Programm übrigens so ziemlich jeden Tag auf bittere Weise anzusehen. Wo Sender wie NDR oder mdr mit sehr viel regionaler Berichterstattung glänzen können, muss man sich beim rbb mit vielen Wiederholungen über Wasser halten.

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Charité intensiv: Station 43

Freitag, den 16. April 2021
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MI 14.04.2021 | 21.00 Uhr | rbb

Der Mann ist knapp über 40, ein bisschen übergewichtig, aber eigentlich war er vollkommen gesund. Und nun liegt er in der Klinik und bekommt immer schlechter Luft.
Er hat sich infiziert, mit Covid-19, dem Coronavirus. Etwas, womit er nie gerechnet habe, wie er sagt. Anderthalb Wochen nach dem die Krankheit ausbrach, veränderte sich die Situation schlagartig zum Schlechten. Nun liegt er auf der Station 43.

Er ist einer von vielen Patienten, die derzeit auf den deutschen Intensivstationen liegen, während andere in unserem Land meckern, weil sie Masken tragen und sich testen lassen sollen. Da gibt es in den Kliniken ganz andere Schicksale, die aber noch viel zu selten zu sehen und damit kaum im Blickfeld der Menschen sind.
Eine vierteilige rbb-Dokureihe will das ändern. Am Mittwochabend lief Folge 1 von “Charité intensiv: Station 43”. Komplett ist die Serie schon in der ARD-Mediathek zu sehen.

Einen Winter lang durfte der Dokumentarfilmer Carl Gierstorfer den Alltag auf der Corona-Intensiv-Station in Berln begleiten. Wobei: Von Alltag kann keine Rede sein.
Da gibt es den Patienten, der darauf vorbereitet wird, an die Beatmungsmaschine angeschlossen zu werden, weil sich die Werte weiter verschlechtern. Da gibt es die Patientin, für die leider nichts mehr getan werden kann. Es muss Abschied genommen werden. Da gibt es die Patienten, die auf den Bauch gelegt werden musste, damit die Lunge besser arbeiten kann – was einen Tag danach Wirkung zeigt.

Leben und Tod stehen in dieser Doku dicht beieinander. Und dabei aber auch erstaunlich und erfreulich viel Menschlichkeit. Denn bei allem Leid sind es die Menschen, die sich um die Kranken kümmern, voller Hingabe. Die versuchen zu retten, was scheinbar nicht zu retten ist.
“Charité intensiv” erlaubt spannende, bedrückende, traurige, aber auch fröhliche Einblicke in einen Alltag, den wir uns vor mehr als einem Jahr nicht hätten träumen lassen.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 31. März 2022)

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Unser Sandmännchen

Sonntag, den 4. April 2021
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FR 02.04.2021 | 17.45 Uhr | rbb

Es gibt ihn immer noch, und noch immer wirft er mit Sand um sich, bevor er geht. Mit Schlafsand, damit die jungen Zuschauer sich müde die Äuglein reiben. Seit 1959 hat “Unser Sandmännchen” seinen regelmäßigen Auftritt im Fernsehen, und wenn man nicht auf die festen Sendezeiten warten will, gibt es ihn auch im Internet.

Allerdings scheint auch das Sandmännchen mit der Zeit zu gehen – oder gehen zu müssen. In der Folge, die am Karfreitag im rbb zu sehen war, zeigte sich das ganz deutlich.
Wir Erwachsenen erinnern uns gern an die animierten Puppentrickfilme. Dazu sind die Puppen Millimeter für Millimeter bewegt worden. Dazu sind unzählige Landschaften gebaut worden und Modelle, mit denen der Sandmann unterwegs war.
Ganz anders am Karfreitag: Der Einführungsfilm war sehr kurz und sehr lapidar. Ein Junge spaziert durch einen Wald, der Sandmann kommt mit dem Motorrad, sie reden kurz, und dann beginnt auch schon der Film.
Allerdings: Es ist kein Puppentrick mehr. Es ist eine Animation aus dem Computer. Der Wald mit Glühwürmchen ist zeichnerisch erschreckend schlicht gehalten. Auch Haare und Bart vom Sandmann sind nicht mehr detailverliebt dargestellt. Dafür klimpern der Junge und der Sandmann jetzt mit den Augen.
Da kommt Wehmut auf. Auch weil es so billig wirkt.

Völlig im Gegensatz dazu gab es am Karfreitag eine uralte Folge von Herrn Fuchs und Frau Elster, und da waren sie wieder, die guten alten Fernsehzeiten.
Aber auch ältere Sandmann-Geschichten mit der Puppentrickfigur laufen noch in den “Unser Sandmännchen”-Ausgaben.

Der rbb bietet für hörgeschädigte Kinder übrigens alle Folgen mit Gebärdensprache an. Das ist auch für Hörende mal durchaus sehenswert. Oft sind es junge Leute, die in einem kleinen Bildausschnitt das Gesagte in die Gebärden übersetzen. Es wirkt rührend, die wie das “Sandmann, lieber Sandmann”-Lied übersetzen. Und wenn man sich die Übersetzungen der verschiedenen Dolmetschenden anschaut, merkt man auch da Unterschiede. Die einen übersetzen sanfter und liebevoll, die anderen eher “sachlich”.
Und auch wenn sich Fuchs und Elster streiten und der Gebärdendolmetscher auch die Art und Weise rüberbringt, wie sich die Puppen unterhalten, dann ist das gerade rührend und macht Spaß. Und ist übrigens auch eine schöne Art, sich da ein paar Übersetzungen draufzuschaffen.

-> Die Sendung (inklusive Gebärden) in der ARD-Mediathek (bis 9. April 2021)

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