RTZapper

Studio 3 – Live aus Babelsberg

Dienstag, den 4. Januar 2022
Tags:

MO 03.01.2022 | 18.45 Uhr | rbb

“Na hoffentlich haben wir die Sendung nicht in den Sand gesetzt!”, sagte der Potsdamer Filmemacher Volker Schlöndorff am Ende.
Das ganz sicher nicht. Auch wenn kurz vorm Wegblenden Moderatorin Janna Falkenstein aufgefallen ist, dass sie ja gar nicht mit ihm über “Die Blechtrommel” gesprochen habe. Letzteres ist überhaupt nicht schlimm, denn die beiden hatten sich auch so viel zu erzählen.

Am Montagabend hatte das “Studio 3 – Live aus Babelsberg” im rbb Premiere – und damit auch ein vollkommen neues Vorabendprogramm.
Das Vorabendprogramm ist für die regionalen Dritten Programme gewissermaßen die Primetime, die quotentechnisch in den Regionalmagazinen “Abendschau” und “Brandenburg aktuell” gipfelt. Und für so eine Primetime hatte das Magazin “zibb” zu schlechte Quoten. Es wurde abgesetzt – auch damit der rbb sparen kann.

Und so sparsam ist dann auch der neue rbb-Vorabend. Um 18.15 Uhr startete das Magazin “schön + gut” mit Verbraucherthemen, die mitunter herrlich wahllos über den Sender flimmerten. Aber immerhin konnte man sich während der Beiträge von der nervigen Wackelkamera erholen, der der Kameramann die ganze Zeit im Studio rumläuft.

Danach folgte das neue Format “Studio 3”, das nichts anderes als ein “Das!”-Klon ist. Auf dem Sofa sitzt ein Promi, hin und wieder gibt es zwischendurch einen Beitrag, wie den über ein Ehepaar das schon seeehr lange zusammen lebt. Andererseits gab es auch in “zibb” schon Gäste, weshalb das Fazit auch sein könnte: längerer Talk, weniger Beiträge.

Aber was beim NDR mit “Das!” und dem Roten Sofa funktioniert, könnte auch dem rbb vielleicht ein neues Stammpublikum bringen. Die Neugier war immerhin so groß, dass am Montag mehr Leute “Studio 3” einschalteten als zuletzt “zibb”.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 10. Januar 2022)

Hits: 139

RTZapper

Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

Hits: 233

RTZapper

zibb: Finale

Samstag, den 11. Dezember 2021
Tags:

FR 10.12.2021 | 18.27 Uhr | rbb

Ciao! So simpel hat sich am Freitagabend im rbb das Magazin “zibb” vom Bildschirm verabschiedet. Zuvor flossen bei den Moderatoren ein paar Tränen, als sie Abschied genommen haben.
Der rbb hat “zibb” abgesetzt.
Das ist durchaus bemerkenswert.

Die Dritten Programme – gerade die mit dem klammen Geldbeutel – stecken in der Regel ihre meiste Power ins Vorabendprogramm mit der regionalen Berichterstattung. So auch der rbb. Der Rest ist meist recht mau. Und der rbb muss weiter sparen. Und man spart ausgerechnet beim Vorabendprogramm?
Könnte man jedenfalls meinen. Denn was gerne unter den Tisch gekehrt wird: Das Magazin “zibb” ist schon lange kein Quotenerfolg mehr. Die Marktanteile waren für so ein regionales Vorabendmagazin viel zu niedrig. Erst mit “Brandenburg aktuell” und “Abendschau” zogen die Quoten an.
Warum das so ist, ist nicht klar. Bei jungen Leuten war “zibb” relativ sicher kein Einschaltgrund, schon der Name machte kaum neugierig.

Ab Montag sendet zunächst auf dem Sendeplatz das “Weihnachtsjournal”, und ab Januar gibt es nach einer “rbb24-Ausgabe um 18 Uhr eine Ratgeber-Sendung um 18.15 Uhr. Danach, um 18.45 Uhr, folgt eine Sendung namens “Studio 3”. Dort, so heißt es, sei immer ein Studiogast, dazu gibt es einige aktuelle Beiträge.
Der rbb verkauft das als was ganz Tolles. Dabei hat man sich das alles von WDR und NDR zusammengeklaut. Auch der WDR hat um 18.15 Uhr eine Ratgeberschiene. Der NDR hat um 18.45 Uhr “Das!” mit dem Roten Sofa. Dass der rbb das Konzept einfach kopiert, ist alles andere als innovativ.
Denn hätte der rbb auch gleich richtig sparen können und einfach die NDR-Sendung “Das!” im eigenen Programm übernehmen können.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 17. Dezember 2021)

Hits: 130

RTZapper

Riverboat Berlin

Sonntag, den 17. Oktober 2021
Tags:

FR 15.10.2021 | 22.00 Uhr | rbb

Darauf haben die rbb-Zuschauer schon lange gewartet: Endlich können sie das “Riverboat” nicht mehr nur im mdr sehen, sondern auch im rbb. Statt der “Abendshow” lief am Freitagabend die Talkshow erstmals auf dem Sendeplatz am Freitagabend.
Künftig kommt das “Riverboat” abwechselnd aus Leipzig und aus Berlin. Wobei es mit einem Boot auf einem Fluss schon sehr, sehr lange nichts mehr zu tun hat. Man gibt sich in der Studiogestaltung nicht mal mehr ansatzweise die Mühe, so zu tun, als befinde man sich wirklich noch auf einem Riverboat. Das war nur in den ersten Jahren, ab 1992, so. Aber irgendwie waren wohl die Mücken und Fliegen auf dem Schiff zu lästig.

Mücken und Fliegen hatte man am Freitag auch nicht im sterilen Studio an der Berliner Masurenallee – dafür war aber Mario Barth zu Gast. Wie immer hatte der Comedian nicht wirklich was erzählen, auch wenn es anders wirkte. Aber Barth braucht immer nur ein Stichwort, um Ausschnitte aus seinem Programm runterzunudeln. Seine Freundin und so. Mitunter klischeehafter, sexistischer Kram. Die 90er lassen grüßen.
Ich warte eigentlich mal auf den Tag, wo ein anderer der Talkshowgäste mal den öden Mario Barth unterbricht, um ihm zu sagen, wie unlustig und machohaft er ist. So schwafelte er etwas über die Brüste einer Krankenschwester in einer Klinik. Geil. Da wurde der Mario nämlich ziemlich… kennste, kennste, wa?!
Um ihn herum saßen im rbb-Studio übrigens lauter Pflegekräfte, die als Publikum einladen worden waren. Hätte da nicht mal jemand aufstehen und ihm eine runterhauen können?

130 Minuten lange folgte im “Riverboat Berlin” das übliche Frage-Antwort-Spiel. Im Sendegebiet des rbb gab es dafür gerade mal 80.000 Zuschauer. Sehr viel weniger hatte die “Abendshow” auch nicht.
Aber Hauptsache, der rbb kann jetzt auch am Freitagabend richtig schön trutschig sein. Wie ja sonst auch.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 15. Oktober 2022)

Hits: 157

RTZapper

Nuhr im Ersten

Donnerstag, den 30. September 2021
Tags: ,

DI 28.09.2021 | 23.30 Uhr | rbb

Dieter Nuhr lügt. Oder er will uns was weismachen, was gar nicht stimmt.
Am Dienstagabend lief im rbb die Kabarettshow “Nuhr im Ersten”. Im rbb, wie gesagt.
Heißt: “Nuhr im Ersten” läuft gar nicht nur im Ersten. Dass bei aller Aufregung, die ständig über Dieter Nuhr in den unsozialen Netzwerken herrscht, der eigentliche Skandal noch nie ein Thema war. Die Show läuft auch nicht nur im rbb. Sondern auch bei one. Und bei 3sat.

Vielleicht wird es Zeit, sich mal einen neuen Namen für diese Show auszudenken, in der ja auch nicht nur Nuhr vorkommt. Das könnte also kompliziert werden.
Wie wäre es mit: Nuhr im Ersten, im Dritten, bei one und 3sat?
Oder: Nicht Nuhr im Ersten?
Aber eigentlich müsste man noch korrekter sein: Nicht nur Nuhr nicht nur im Ersten.
Oder: Nuhr und andere unter anderem im Ersten.

Da ist doch bestimmt was Schönes dabei! Dieter Nuhr sollte beim Sendungstitel endlich mal ehrlich sein.

Hits: 142

RTZapper

Vernichtet – Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust

Dienstag, den 31. August 2021
Tags: , ,

MI 25.08.2021 | 23.45 Uhr | rbb

Rosa Glabe war eine Einwohnerin von Glambeck im Löwenberger Land. Sie hatte einen Kolonialwarenladen, und eigentlich war alles gut. Bis zum 9. November 1938.
Nicht nur in Berlin brannten jüdische Geschäfte, nicht nur in Berlin wurden die Scheiben von Häusern eingeschlagen, die Juden gehörten. Auch in Glambeck gab es Pogrome.
Bewohner des Dorfes haben Rosa Glabe, alleinerziehende Mutter und die Besitzerin des Ladens, aus dem Haus gescheucht. Dann zündeten sie Hausrat und persönliche Dinge an. Rosa und ihre Kinder Paul (16), Dora (15) und Theo (13) standen vor dem Nichts. Sie spürten den Hass.

Das ist der Ausgangspunkt einer Dokumentation, die am späten Mittwochabend im rbb zu sehen war: “Vernichtet – Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust”.
Andreas Christoph Schmidt hat für seinen einstündigen Film recherchiert, was aus dem Glabes wurde. Sie verließen Glambeck, die jüdische Familie war dort nicht mehr erwünscht. Und so viel kann man sagen: Es ist der Weg in die Vernichtung. Familie Glabe wird den Zweiten Weltkrieg nicht überleben, sie ist ein Opfer des Holocausts.
Schmidt reist an die Orte, die für Glabes zu einem kurzzeitigen Ziel wurden, er spricht mit Experten, und irgendwann scheint er am Ende seiner Reisen und Recherchen – am Ende der Geschichte der Familie Glabe. Als alles vorbei war.
Kovno, Auschwitz, Treblinka: Das sind die Orte, das sind die Konzentrationslager, in denen die Glabes ermordet werden.

“Vernichtet” ist ein Film, der eigentlich so ruhig daherkommt. Man sieht die heutige Glambecker Dorfidylle. Man sieht Häuser der Großstadt, Gegenstände, viele ruhige Kamerafahrten. Auch ein KZ, eine heutige Gedenkstätte. Was aber erzählt wird, das ist das Grauen.
Ein wichtiger Film – und nicht umsonst bekam er in der vergangenen Woche einen Adolf-Grimme-Preis.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 24. August 2022)

Hits: 159

RTZapper

Lebensläufe: Herbert Köfer – Spielen ist mein Leben

Sonntag, den 1. August 2021
Tags: , ,

DO 29.07.2021 | 23.25 Uhr | mdr-Fernsehen

Erst am 17. Februar hat Herbert Köfer die 100 vollgemacht. Der Schauspieler ist ein Jahrhundertmensch gewesen. Am Sonnabend ist er für immer eingeschlafen.

Und genau wie der 100. Geburtstag ist auch der Tod von Herbert Köfer fast nur im Osten Deutschlands wirklich ein Thema gewesen. In der Hinsicht ist das Land noch immer nicht zusammengewachsen.
Zwar bekam Köfer am Montag einen Nachruf in der Tagesschau – mehr war aber bundesweit im Ersten dann doch nicht drin. Während andere verdiente Schauspielerinnen und Schauspieler oder anderweitige Promis gern mal eine 15-minütige Nachruf-Doku bekommen – gerade erst im Fall von Alfred Biolek -, scheint das für Oststars nicht zu gelten. Oststars hat gefälligst der Osten zu würdigen. Der Westen würdigt keine Oststars.

Dabei ist die Wiedervereinigung 30 Jahre her, und Herbert Köfer hat auch in Gesamtdeutschland viele Rollen gespielt. Aber natürlich hatte er seine große Zeit noch in der DDR. Er war dabei, als der DFF gegründet worden ist und war auch dabei, als er 1991 abgewickelt wurde.
Aber bis heute will man offenbar die DDR-Geschichte in Gesamtdeutschland nicht als Teil der eigenen Geschichte wahrnehmen. So war es der mdr, der am Montag Köfer einen ganzen Abend widmete, ebenso der rbb. Und auch in den Tagen danach sendete der mdr Filme und Doku über den Schauspieler. Am Donnerstagabend schob der Sender noch den Film “Herbert Köfer – Spielen ist mein Leben” nach.
Der Osten blieb in der Trauer unter sich.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 28. August 2021)

Hits: 190