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Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt

Montag, den 5. November 2018
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SA 03.11.2018 | 20.15 Uhr | rbb

Skandal in West-Berlin! Die Schrippen werden teurer! Im Grunde kann sich nun niemand mehr Schrippen leisten, und die “Berliner Abendschau” vom SFB hat mal bei einem Bäcker nachgefragt, wieso die Schrippen nun so unverschämt teurer werden.
Sie haben mal 6 Pfennige gekostet. Nun sollen sie, und durch West-Berlin geht ein gewaltiger Ruck, 7 Pfennige kosten. Unfassbar. Nun wird befürchtet, dass die West-Berliner verstärkt nach Ost-Berlin fahren, um das Schrippen zu kaufen. Dort sind sie nämlich noch billiger.

Willkommen im Jahr 1961. Es sind die Monate vor dem Mauerbau, bald wird die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin gebaut. Sie wird bis 1989 stehen.
Der rbb widmet diesen Jahren eine Mammut-Doku. Am Sonnabend lief zur Primetime die erste Folge von “Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt”. In insgesamt 30 Folgen werden in je 90 Minuten die Jahre bis zur Wiedervereinigung skizziert.

Das ist mutig: eine 90-minütige Geschichtsdoku am Sonnabend zur Primetime. Zumal es diese Reihe eigentlich schon gab. Sie hieß “Mauerjahre”, und auch dort ging es um die Jahre 1961 bis 1990. Allerdings waren die einzelnen Folgen da nur 15 Minuten lang. Einerseits war das Konzept griffiger, und manchmal ist Kompaktheit besser als ausgedehnte Filme. Und bei “Mauerjahre” gab man sich wesentlich mehr Mühe bei den Grafiken und Layouts, in der Hinsicht wirkt die neue Doku eher lustlos. Auch die eigentlich tolle Katharina Thalbach wirkt als Sprecherin der Doku eher fehl am Platz, weil ihre Stimme sehr prägnant, zu prägnant und knarzig für eine solche Doku ist.

Aber dennoch: Der rbb leistet mit seiner Reihe, dessen 3. Staffel am 9. November 2019 – zum 30. Mauerfall-Jubiläum – enden soll, einen guten Bildungsbeitrag.

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Bitte einsteigen! ICE-Führerstandsmitfahrt von München nach Berlin

Montag, den 22. Oktober 2018
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SA 20.10.2018 | 5.55 Uhr | rbb

Manchmal – viel zu selten – überrascht der rbb mit außergewöhnlichen Programmideen. Am Sonnabendmorgen lief dort vier Stunden lang in Echtzeit unter dem Titel “Bitte einsteigen!” eine Führerstandsmitfahrt mit dem ICE-Sprinter von München nach Berlin.
Der Clou: Dafür schaltete sich der rbb in Berlin und Brandenburg auseinander. In Berlin sah man die Zufahrt nach vorne gefilmt. In Brandenburg gab es die Zugfahrt nach hinten raus gefilmt. Wer wollte – und die technische Möglichkeit hatte -, konnte also immer mal hin- und herschalten.

Slow-TV. In anderen Ländern gibt es solche Formate viel öfter, und sie kommen beim Publikum ganz gut an. Das isländische Fernsehen zeigte 2016 live eine 25-stündige Reise rund um das Land. Das norwegische Fernsehen filmt öfter mal lange Zugfahrten ab – alles ist auch auf Youtube zu finden.

Leider hat der rbb die schöne Idee nicht besonders schön umgesetzt. Am irritierendsten ist die schlechte Bildqualität. Das Bild zittert, ist manchmal unscharf und wirkt oft ziemlich breiig wie bei einer schlechten Internetbandbreite. Anfangs ist es noch sehr schummrig. Die Fahrt ist mit Smartphones gefilmt worden, und das war leider offenbar nicht die beste Idee. Auch wären ab und zu Einblendungen schön gewesen, wie schnell der Zug gerade fährt und wo man sich gerade befindet.
Es reicht also nicht zwingend, zwei Handys im Zug zu platzieren und daraus ein Fernsehprogramm zu machen. Zumindest als rbb. Gute Technik und Bildqualität und ein wenig Nachbearbeitung sollten schon drin sein.
Dann könnten gern weitere Slow-TV-Ideen umgesetzt werden.

-> Die Fahrt auf Youtube.

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Thadeusz und die Beobachter

Freitag, den 28. September 2018
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DI 25.09.2018 | 23.30 Uhr | rbb

Gut, dass die öffentlich-rechtlichen Programm nicht auf die Quote schauen müssen. Deshalb platzieren sie ihre Infoprogramme auch immer gern in zuschauerstarke Zeiten.
Da war natürlich pure Ironie. Der rbb setzt stattdessen weiter auf Seichtes.

Am Dienstagabend kehrten “Thadeusz und die Beobachter” zurück aus der Sommerpause. In dieser Sendung diskutiert Jörg Thadeusz mit vier Journalistinnen und Journalisten über das aktuelle Geschehen.
Bislang lief die Sendung wöchentlich um 22.15 Uhr, und ich finde die immer sehr interessant, weil die Runde sich bei weitem nicht immer einig ist.
Aber offenbar haben zu wenige Leute zugesehen, denn nun gibt es diese Sendung immer erst um 23.30 Uhr. Davor zeigt man lieber ARD-Schmonzetten wie die Familiendramödie “Ellas Baby”. Harten Stoff will der rbb seinen Zuschauern nicht mehr so früh zumuten. Lieber verschiebt man die Politdiskussion ins Nachtprogramm, wo nur noch Nachteulen zusehen.

Klar, man könnte in die Mediathek schauen. So wie ich. Aber gerade in Brandenburg – draußen auf dem Land – haben sie gar kein schnelles Internet und müssen sich die Sendung eben doch dann ansehen, wann sie läuft.
Die Sendeplatzverschiebung spricht in keinem Fall für den rbb.

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Berlin-Marathon 2018

Mittwoch, den 19. September 2018
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SO 16.09.2018 | 9.00 Uhr | rbb

Der Marathon in Berlin ist mehr als eine internationale Laufveranstaltung. Es ist ein Mega-Stadtfest. Denn es sind nicht nur mehr als 40.000 Menschen auf der Strecke, sondern auch Hunderttausende, die an der Strecke stehen. Die anfeuern, die Musik machen, die Spaß haben.
Es ist schön, dass der rbb bei der Live-Übertragung darauf eingeht.

Allerdings war die Programmplanung beim Berlin-Marathon 2018 etwas merkwürdig. Denn der rbb ging um 9 Uhr auf Sendung, Das Erste aber erst 9.05 Uhr. Und scheinbar hat den rbb-Reportern keiner Bescheid gegeben, dass man dort schon fünf Minuten früher loslegt.
So waren die Sprecher auf Sendung und rätseln, dass es ja bald losgehen müsse. Und dass ja hoffentlich jemand Bescheid sage. Und andere Belanglosigkeiten.
Irgendwann hat die Regie gemerkt, dass da was schief geht und auf einen Pausenfilm umgeschaltet, bis sich Das Erste dazugeschaltet hat und es losgehen konnte.

Das Erste sendete bis 12 Uhr, danach machte der rbb “allein” weiter, und nach der reinen Sportberichterstattung mit dem Weltrekord ging es dann eher um das Umfeld.
Das ist nicht nur eine ganz andere Komponente dieses Events, sondern macht Spaß, zuzusehen. Wenn Reporter Ulli Zelle etwas ungelenk zwischen einer Trommelgruppe herumstakst und ständig angerempelt wird oder ein Reporter in den Bus steigt,. in dem die letzten Läufer aufgesammelt werden, dann ist das sehr spannend.
Wäre schön, wenn der rbb wieder häufiger Events live begleitet.

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Die lange Abendschau-Nacht

Dienstag, den 4. September 2018
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SA 01.09.2018 | 0.15 Uhr (So.) | rbb

60 Jahre Abendschau in Berlin! Was für eine lange Zeit! Im rbb ist am Sonnabend ein ganz großes Jubiläum gefeiert worden. Am 1. September 1959 flimmerte im damaligen SFB die erste „Berliner Abendschau“ über die noch nicht ganz so vielen Fernseher.

In den 80ern gehörte das Magazin auch bei uns zu Hause zum Pflichtprogramm. Immerhin ging es um eine Stadt, dessen Grenzen nur etwas mehr als 10 Kilometer von uns entfernt war – aber dennoch unerreichbar. Damals fanden wir sogar noch die Werbung vor und nach Sendung interessant – obwohl wir davon nichts kaufen konnten. Außer, wir hatten ein bisschen Kohle für den Interschop.

Zum Geburtstag gab es für die Abendschau ein neues Studio – im Zuge der Vereinheitlichung der rbb-Nachrichtensendungen sieht nun alles allerdings etwas beliebiger aus, wenn auch das Studio nun riesig ist und optisch was hermacht.

Leider nicht sehr viel Mühe gab sich der rbb die „Die lange Abendschau-Nacht“ in der Nacht zum Sonntag. Die Mischung der Beiträge war etwas merkwürdig. Los ging es mit Rückb,lick von Jahr zu Jahr, angefangen im Abendschau-Startjahr 1959. Mitte der 90er hörte dieser Rückblick aber plötzlich auf, stattdessen zeigte man mehrere komplette Sendungen mit verschiedenen Moderatoren aus 60 Jahren. Am Ende wurden Geschichten erzählt, in denen Reporter und Team-Mitarbeiter, aber auch Protagonisten erzählten, wie sie bestimmte Ereignisse miterlebten.

In dieser langen Nacht fehlte leider komplett eine Klammer, irgendeine Idee, wie man dieses Jubiläum denn nun feiern möchte. Als ob man mit der Produktion nicht fertig geworden ist. Die lange Nacht endete sang- und klanglos am Ende eines Berichtes, ohne Abspann.
Ziemlich billig, und das hat doch so ein Jubilar nicht verdient.

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Tatort: Weil sie böse sind

Donnerstag, den 3. Mai 2018
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DI 01.05.2018 | 21.45 Uhr | hr fernsehen

Wieder mal große Aufregung um die ach so einfallslose öffentlich-rechtliche ARD: Am Maifeiertag liefen in den verschiedenen Dritten Programme gleich acht “Tatort”-Filme, davon fünf mehr oder weniger parallel – im hr fernsehen, im WDR, im NDR, im BR-Fernsehen und im rbb. Au weia.
In den Internetforen tönte es wieder: Und dafür zahlen wir Gebühren! Die Anti-Gebühren-Trolle hatten mal wieder Schnappatmung.

Dabei sollte die Frage lauten: na und?
Im Grunde ist der “Tatort” doch bloß eine Marke, hinter der sich die verschiedensten Serien befinden. Der WDR zeigte einen Fall aus Köln, der hr mit “Weil sie böse sind” einen aus Frankfurt/Main, der rbb einen aus Berlin, der NDR einen aus Münster, der BR einen aus München (aus den 70ern!).
Was also ist so aufregend und dramatisch schlimm daran, wenn auf verschiedenen Sendern diese Krimis laufen, meistens sogar regional passend im regionalen Dritten?

Würden die Dritten stattdessen an einem Abend, wo im ZDF die quotenstarke Champions League mit dem FC Bayern München übertragen wird, aufwendige eigene und erstausgestrahlte Shows senden, wäre das auch nicht recht. Mal wird gemeckert, wenn die Sender klotzen, mal wird gemeckert, wenn die Sender sparen. Die Hater wissen irgendwie auch nicht, was sie denn eigentlich wollen.
Die Parallelausstrahlung von mehreren sehr unterschiedlichen “Tatort”-Reihen sollte nichts sein, was uns aufregt. Da gibt es bei ARD und Co. ganz andere Baustellen!

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rbb spezial: Bombenentschärfung in Berlin

Sonntag, den 22. April 2018
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FR 20.04.2018 | 11.00 Uhr | rbb

Wenn in Oranienburg Bombe Nummer 204 entschärft wird, dann scheint das außerhalb Oranienburgs scheinbar niemanden zu interessieren.
Anders in Berlin. Dort ist in der Heidestraße, unweit des Hauptbahnhofs, eine Bombe gefunden worden.

Während also eine Bombe in der Provinz, wo aber auch gern mal mehr als 10.000 Leute evakuiert werden müssen, im rbb nur eine Randnotiz ist, zeigte der Sender am Freitag gleich drei Sondersendungen. Zu sehen war im Hintergrund des Moderators der leere Hauptbahnhof, Reporter standen auf leeren Straßen, um zu erzählen, dass die Straßen leer sind. Ein anderer Reporter stand draußen an der Bundesstraße, um zu erzählen, dass kein Stau ist.

Zwischendurch noch ein Beitrag über Bomben in Berlin und Brandenburg im Allgemeinen, mit dem Hinweis, dass Evakuierungen in Oranienburg ja schon Alltag seien. Weshalb es beim rbb da auch keine Sondersendungen mehr gibt. Aber vielleicht gibt’s solche “Events“ ja in Zukunft auch öfter in Berlin, und irgendwann winkt man beim rbb auch ab und schenkt sich das aufwendige Sonderprogramm.