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Carmen

Sonntag, den 15. März 2020
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SA 14.03.2020 | 20.15 Uhr | rbb

Wenn die Leute nicht mehr in die Oper gehen können, dann muss die Oper eben zu den Leuten kommen. Und der rbb macht’s möglich.
Die Krise rund um den Coronavirus sorgt für ungewöhnliche Programmideen und -änderungen. Schon seit Mitte der Mitte dürfen die großen Theaterhäuser in Berlin keine Programme mehr spielen. Seit Sonnabendabend steht das Kulturleben komplett still.

Die Staatsoper in Berlin steht natürlich somit auch still. Am Donnerstagabend aber, da ging die Oper “Carmen” trotzdem über die Bühne. Zwar ohne Zuschauer im Saal, dafür aber mit Zuschauer im Internet. Die Oper wurde gestreamt. Der rbb übertrug sie auf Youtube und auf der eigenen Seite. Am Sonnabendabend lief die Aufzeichnung zur besten Sendezeit im rbb.

Das ist eine tolle Aktion: In dem Fall hieß sie “rbb macht Oper”. Wenn die Menschen nun wochenlang zu Hause sitzen müssen, weil nichts mehr geöffnet ist, dann sorgt eben der rbb dafür, dass Berliner Events in die Wohnzimmer kommen. So wird “Carmen” zudem auch einem größeren Publikum zugänglich gemacht.
Ob die Aktion fortgesetzt werden kann, ist jedoch ungewiss. Da keine Veranstaltungen mit mehr als 50 Leuten stattfinden dürfen, könnte es selbst für solche Aktionen unmöglich sein, sie durchzuziehen. Aber vielleicht überrascht uns der rbb ja noch.

-> Die Sendung auf Youtube

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extra 3: Ohne Zuschauer wegen Coronavirus

Donnerstag, den 12. März 2020
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MI 11.03.2020 | 22.50 Uhr | NDR

Keiner lacht. Keiner klatscht.
Ist nämlich keiner da.
Es war am Mittwochabend ungewöhnlich still im “extra 3”-Studio. Normalerweise ist das Studio der NDR-Satiresendung voller Leute. Aber wegen des Coronavirus und den Sicherheitsmaßnahmen müssen auch die Fernsehsender reagieren. So muss das Publikum erst mal draußen bleiben – und im Idealfall vor dem Fernseher sitzen.

Die Epidemie sorgt auch beim Fernsehen für einen Ausnahmezustand. Beim rbb wurde der Publikumsverkehr eingestellt. Auch beim NDR und beim ZDF. Sendungen wie “Das aktuelle Sportstudio” im ZDF bleiben ebenfalls frei von Zuschauern um Studio. Auch “Maybrit Illner” und “Anne Will” betrifft das.
Galas und Shows werden reihenweise abgesagt. die Verleihung des Grimme-Preises – 3sat wollte übertragen – fällt aus. Ob und wann sie nachgeholt wird: ungewiss. Die (letzte!) “Goldene Kamera” im ZDF – verschoben auf November. Die Liebes-Schlagershow mit Silbereisen im Ersten – verschoben. Der “ZDF-Fernsehgarten on Tour” – abgesagt. Der ORF1 hat sein “Let’s Dance”-Pendant “Dancing Stars” komplett gestoppt – wie es weiter geht: unklar. Nickelodeon wird seine “Kids Choice Awards” nur in kleinem Rahmen vergeben.

Aber es geht auch anders. Weil in Berlin die großen Theater dicht sind, springt der rbb ein und überträgt Opern und andere Ereignisse stattdessen im Livestream und später im normalen Programm – als Ersatz.
Es wird spannend, wie sich das alles noch weiterentwickelt.

“extra 3” lebt natürlich von seinen satirischen Beiträgen, da fällt die andere Atmosphäre nicht auf. Aber die Stille im Studio, wenn Christian Ehring spricht, die war schon sehr gewöhnungsbedürftig.4
Aber besser so, als wenn man die Sendung ganz absagen würde. Das wäre der falsche Weg.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek

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Chez Krömer: Erika Steinbach

Mittwoch, den 11. März 2020
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DI 10.03.2020 | 22.00 Uhr | rbb

Kurt, da war nix. Gar nix.
Kurt Krömer sagt, dass er sich in seine Sendung Freunde und Arschlöcher holt. Diesmal muss es Letzteres gewesen sein. Obwohl die Arschloch-Gespräche in der Regel weitaus gelungener sind.
Diesmal war Erika Steinbach in “Chez Krömer” zu Gast. Zu sehen war am Dienstagabend im rbb das grandiose Scheitern des Kurt Krömer.
Erika Steinbach war lange Präsentin des Bundes der Vertriebenen, nach langen Jahren ist sie aus der CDU ausgetreten, sagt offen, dass sie AfD wählt, und sie leitet eine AfD-nahe Stiftung. Bekannt ist sie für ihre rechtskonservativen Ansichten.

Normalerweise funktioniert die Sendung so, dass Krömer in seinem Verhörraum seinen Gast befragt. Er hakt nach, wenn irgendwas unklar ist, und er ist gut vorbereitet, hat Fakten auf seinem Tisch zu liegen.

Diesmal hatte Kurt Krömer: Emotionen. Abneigung. Er knallte Erika Steinbach lauter Platitüden an den Kopf. Mehrfach warf er ihr war, verbittert zu sein. Dabei lächelte sie ihn an, und es war klar: Die Frau ist einiges, aber nicht verbittert. Diese Frau ruht in sich, sie ist mit sich im Reinen, und Krömers Angriffe prallten an ihr ab, sie fand sie sogar amüsant.
Was sie sagt, widere ihn an, sagte Kurt Krömer. Zwischendurch ist er rausgegangen, um eine zu rauchen – und um sich zu beruhigen.
Zwischendurch wollte er sie in Sachen Thüringen festnageln, aber das war blödsinnig – denn was genau hätte sie dazu sagen sollen. Dass sie es gut findet, dass Ramelow bei der ersten Wahl nicht gewählt worden ist, ist nicht überraschend. Sie nannte Ramelow ein Kommunist. Genau da hätte Krömer einhaken können, aber statt Fakten zu bringen, eine Gegenrede, war er einfach nur empört.
Dass Erika Steinbach findet, dass die Ehe für alle keine gute Sache sei, fand er auch empörend und hielt ihr vor, welche AfDler oder Rechtspopulisten schwul oder lesbisch seien. Was nett ist, aber auch an Steinbach abprallte, denn sie sagte auch, dass die Leute privat machen könnten was sie wollen, nur die Ehe wolle sie ihnen nicht geben.

Es war quasi nicht auszuhalten. Kurt Krömer wirkte schlecht bis nicht vorbereitet, oder er ließ sich von seinen Ekelgefühlen übermannen. Er hatte der Frau nichts entgegenzusetzen, und Beschimpfungen helfen niemandem weiter. Das Schlimme ist: Erika Steinbach ging als Siegerin vom Platz. Sie konnte alles weglächeln, sie blieb ganz gelassen, sie lachte Krömer eigentlich sogar aus. Weil der ihr nichts vorhielt, was faktenbasiert war, musste sie sich auch nicht wirklich für etwas verteidigen.
Vielleicht ging es Kurt Krömer aber auch darum, die Hilflosigkeit aufzuzeigen, die wir an den Tag legen, wenn es darum geht, Leuten wie Erika Steinbach zu zeigen, wie die Gesellschaft heute ticken kann.
Wie auch immer Kurt Krömer an diese Sendung rangehen wollte – er ist grandios und auf schlimme Weise gescheitert.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 9. März 2021)

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Chez Krömer: Raed Saleh

Donnerstag, den 20. Februar 2020
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DI 18.02.2020 | 22.00 Uhr | rbb

Hat da gerade jemand wieder über das anhebliche Regierungsfernsehen gemosert? Über ARD und ZDF, das nur den Regierenden zum Munde spricht? Und die man am besten abschalten sollte?
Der hat ziemlich sicher am Dienstagabend nicht den rbb gesehen. Da hat nämlich Kurt Krömer die Berliner SPD zerlegt.

Ich habe den Namen Raed Saleh schon mal gehört. Wer das sein soll, wusste ich nicht, ein Gesicht hatte ich erst recht nicht vor Augen.
Raed Saleh ist schon seit 2011 Fraktionschef der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus. Er ist also eine große Nummer, und man hört, er wolle gern nach dem Rückzug von Michael Müller neuer SPD-Chef werden – also, nicht allein, sondern gemeinsam mit Franziska Giffey.
Ob daraus was wird, weiß man nicht. Vor allem nicht, seit er zu Gast war bei Kurt Krömer. Denn selten ist ein Politiker dermaßen entblößt worden wie in “Chez Krömer”.

Mit einer dicken Akte kam Kurti wieder in sein Verhörzimmer, in dem Raed Saleh schon wartete – und Geschenke dabei hatte: SPD-Fan-Kram – den Krömer aber vom Tisch wegfegte, und was am Boden liege, dürfe man nicht aufheben und annehmen.
Am Boden liegen war da auch eine spannende Metapher für seinen Gesprächsgast. Saleh wand sich.
Krömer wollte wissen, warum er eigentlich gemeinsam mit Franziska Giffey SPD-Chef werden wolle. Weil sie so toll sei. Ob sie denn besser sei, wollte Krömer wissen. Und wie denn die SPD erfolgreich werden wolle. “Ich glaube, dass die SPD gebraucht wird“, sagte Saleh. Und er „möchte gemeinsam mit Franziska Giffey Verantwortung übernehmen.“
Immer und immer wieder kramte Saleh seine abgedroschenen Phrasen hervor, da konnte Krömer noch so sehr fragen.

Irgendwas darüber, warum eigentlich dieser Saleh gut sei? Saleh wusste es nicht, konnte es nicht sagen, wollte es nicht sagen, was auch immer.
Eigentlich scheint Raed Saleh gar nichts zu sagen zu haben. Er lachte und giggelte alles weg, schien den Auftritt nicht ernst zu nehmen, unterschätzte vollkommen, was eigentlich in der Sendung abgeht. Dass das gar kein Spaß sein soll.

Selten ist ein Politiker so demontiert worden. Aber andererseits steht man als Zuschauer auch da, sieht sich das an, und man fragt sich sehr ernsthaft: Das soll ein hochrangiger Politiker in Berlin sein? Raed Saleh, der sagt, seine Zeit bei Burger King sei die schönste seines Lebens gewesen. Man will ihm nicht zu nahe treten, aber immer wieder denkt man: Ist das Ihr ernst? Sagen Sie das echt? Denken Sie wirklich so schlicht? Sind Sie so schlicht?
Und man kann nur beten, dass Raed Saleh nicht für die komplette SPD in Berlin steht. Denn das wäre das Ende, und wenn Saleh davon spricht, dass er bei den nächsten Wahlen 30 Prozent holen will, dann möchte man ihm am liebsten liebevoll auf die Schaltern fassen: Ach, komm, lass mal gut sein.

Einmal mehr hat sich “Chez Krömer” als ein tolles Format herausgestellt. Auch wenn die eigentliche Überraschung ist, wie leicht es Raed Saleh seinem Gastgeber gemacht hat.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 17. Februar 2021)

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Verbotene Liebe

Montag, den 10. Februar 2020
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FR 07.02.2020 | 22.30 Uhr | rbb

Der Titel “Verbotene Liebe” ist seit der ARD-Seifenoper ein wenig verbraucht. Dabei steckt hinter diesem Titel auch ein sehr sehenswerter und kontroverser Film aus der Endzeit der DDR.
Denn bei dieser verbotenen Liebe geht es um ein wirklich ernstes Thema, das auf sehr interessante Weise umgesetzt worden ist. Er wurde 1989 von der Defa gedreht und hatte nach dem Mauerfall im April 1990 Premiere.
Am Freitagabend lief er im rbb in der “Retro”-Reihe.

Georg (Hans-Peter Dahm) ist 16, Barbara (Julia Brendler) ist 12. Sie sind Nachbarn, und sie verlieben sich ineinander. Ja, es ist Liebe. Aber sie ist verboten, denn Barbara ist nach dem Gesetz ein Kind. Und als Georg 18 ist, wird er von Barbaras Vater angezeigt. Es kommt zum Prozess – und zur Belastungsprobe für die Menschen im Dorf, in der Kleinstadt, an der Schule. Hält man zu Georg? Ist die Liebe wirklich auch moralisch verboten, wenn sie von beiden Seiten kommt? Kann man wirklich sagen, dass Georg Barbara missbraucht hat?

“Verbotene Liebe” gehört zu den ganz starken Filmen aus der DDR. Eindringliche Bilder, großartige Schauspieler, untermalt mit einer unter die Haut gehenden Musik. Dazu geschliffene Dialog, es gibt Momente, da hängt man den Schauspielern an den Lippen.
Und: Der Film wertet nicht. Das Urteil ist dem Zuschauer überlassen. Er soll sich selbst Gedanken machen, ob es in Ordnung ist, dass Georg und Barbara sich lieben. Wir hören beide Seiten, Zustimmung und Ablehnung. Es wird sehr deutlich, dass dieser Fall kein einfacher ist. Es gibt kein Gut und Böse.

-> Trailer auf Youtube

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Abendshow

Samstag, den 18. Januar 2020
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DO 16.01.2020 | 20.15 Uhr | rbb

Der rbb beweist mit der “Abendshow” einen langen Atem. Als die Show im Oktober neu startete, ging das ordentlich in die Hose. Ingmar Stadelmann hatte mit miesen Witzchen zu kämpfen, mit einem nichtlachenden Publikum, mit allgemein lauer Stimmung.
Aber eigentlich soll man ja ein Urteil nicht über die erste Sendung fällen. Erinnert man sich an große Fernsehshows von damals, sollte man als Erinnerung nicht zwingend die allererste Sendung ansehen, denn die ist selten wirklich so gut wie die folgenden. Alles muss sich noch finden und einrenken. So auch bei der “Abendshow”.

Am Donnerstag lief im rbb die zweite Show in diesem Jahr. Man hält offenbar an der Primetime fest, obwohl es sich eigentlich um eine klassische Late Night handelt.
Aber das Team hat eindeutig an der Show gearbeitet. Zwar belacht das Publikum auch weiterhin nicht jeden Gag, die Gags sind aber durchaus lustig und bissig. Da geht es um die Fashion Week und andere aktuelle Berliner Themen. Ein bisschen mehr Brandenburg könnte thematisch noch rein, was zugegebenermaßen schwierig ist, weil da ja nicht wirklich was los ist. Moderator Ingmar Stadelmann hat die Show auch viel besser im Griff, er bringt die Gags sicher rüber und kann auch besser damit umgehen, wenn mal was nicht klappt.
Nicht alles funktioniert, aber im Großen und Ganzen ist die “Abendshow” unterhaltsam, und vielmehr Satire und Humor als in der Zeit vor Stadelmann. Das Ziel ist definitiv erreicht.

In einem der Einspieler war ein Reporter auf der Fashion Week und konfrontierte die Messebesucher mit Kinderarbeit. Ein Zwölfjähriger saß da, um Klamotten zu nähen. Die Reaktionen war so erschreckend wie witzig. Ein echter Knaller ist der Sandmann für Erwachsene.

Die größte Hürde der “Abendshow” ist es nun vermutlich, die verprellten Zuschauer zurückzuholen. Im Sendegebiet sahen am Donnerstag gerade mal 80.000 Menschen zu. Das ist viel zu wenig, und das ist unverdientermaßen viel zu wenig.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 16. Januar 2021)

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queer4you

Donnerstag, den 16. Januar 2020
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MO 13.01.2020 | 21.00 Uhr | rbb

Beate (50) braucht eine grundhafte Renovierung. Ihre Wohnung ist langweilig, ihre Klamotten sind langweilig, ihre Haare sind langweilig, und überhaupt ist alles langweilig an ihr.
Und deshalb müssen die Fuzzis vom Fernsehen kommen und der Frau mal zeigen, was sie alles verändern muss kann, damit sie weiterleben ein schöneres Leben hat.
Mit einem schwulen Mann geht sie nun in einen Second-Hand-Möbelgeschäft. Mit einem schwulen Mann sucht sie neue Klamotten aus. Mit einem schwulen Mann restauriert sie ihr Gesicht. Und währenddessen dekoriert ein schwuler Mann ihre Wohnungen komplett neu.

Bitte verzeiht, wenn ich das so betone. Aber an “queer4you” im rbb wundert mich so ziemlich alles. Die erste Folge lief im Montagabend im rbb.
Grundsätzlich ist es eh fraglich, warum man eine Frau dazu nötigt, ihr Leben zu ändern, weil andere der Meinung sind, sie müsse alles anders machen.
Merkwürdig ist, warum sie unbedingt “queer” sein muss. Und – in Zeiten des Kampfes um Gleichberechtigung – warum muss das Queere so hervorgehoben werden? Warum denkt man, es reiche als Konzept oder als Konzeptidee, dass da vier schwule Männer kommen, um Beates Leben umzukrempeln?
Dass durch die Veränderungen Beate gewissermaßen Ein Outing erlebt, und die vier Männer von ihren Outings erzählen, ist einerseits ein netter Gedanke, andererseits aber auch ein bisschen weit hergeholt.

Erfreulich ist immerhin, dass “queer4you” kein Format ist, das hysterisch und kreischig daher kommt. Auf Klischees wird weitgehend verzichtet. Andererseits ist “queer4you” ein einziges Klischee.
Und warum überhaupt ein so durch und durch privatfernsehmäßige Format einer Stil- und Stylingshow im rbb laufen muss, ist mir auch nicht wirklich klar. Zumal sie offenbar eindeutig bei ähnlichen Formaten geklaut ist.
Spätestens als das Wohnzimmer von Beate komplett umgebaut wird und völlig anders aussieht, ist es zwar schön zu sehen, wie sie sich am Ende freut. Aber ein bisschen übergriffig ist das dennoch.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 10. Februar 2020)

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