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#NichtSelbstverständlich

Freitag, den 2. April 2021
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MI 31.03.2021 | 20.20 Uhr | ProSieben

Morgens um kurz vor 6 läuft sie aus dem Parkhaus über einen dunklen Hof in ein Gebäude. Schnell noch einen Kaffee aus dem Automaten. Umziehen. Und los geht’s.
Minutenlang wissen wir gar nicht genau, was da eigentlich passiert, wen wir da begleiten. Aber die Doku, die ProSieben am Mittwochabend zur besten Sendezeit zeigte, war in so vielerlei Hinsicht anders.
Es dauert gute zehn Minuten, bis wir wissen: Meike Ista ist Krankenschwester, sie arbeitet in der Uniklinik in Münster, und wir begleiten sie in ihrem Arbeitsalltag.

Das Duell “Joko & Klaas gegen ProSieben” haben die beiden Moderatoren am Dienstagabend gewonnen. Dementsprechend heißt es am Mittwoch immer 15 Minuten lang “Joko & Klaas live”. Wie sie die Sendezeit füllen, ist ihnen überlassen, und sie nutzen die Zeit schon für aufsehenerregende Aktionen.

Diesmal ging es um die Pflegebranche. Und um einen Einblick in die Arbeit einer Krankenschwester zu bekommen, muss man den einfach auch mal erleben. Also gaben Joko & Klaas und vor allem auch ProSieben Meike Ista und ihren Kolleginnen und Kollegen eine Plattform.
Nun ist es schwierig, den Arbeitsalltag im Krankenhaus in einer 15-minütigen Sendung zu zeigen. Weshalb sie dann am Ende auch 460 Minuten dauerte. Ohne Werbung.

Wir verfolgten Meike Ista fast auf ihrer kompletten Schicht. Wie sie von Zimmer zu Zimmer geht. Sich mit den Menschen unterhält. Schaut, dass alles in Ordnung ist. Fragt, ob sie helfen kann. Betten machen. Schläuche wechseln. Sauber machen. Desinfizieren. Zwischendurch Beratungen, und dann geht irgendwo wieder ein Alarmknopf. Pläne werden ständig über den Haufen geworfen. Immer wieder kommt was dazwischen. Und wollte sie nicht was trinken? Und was essen? Überhaupt, kurz mal hinsetzen, Pause machen? Ist nicht drin.

In der Doku “#NichtSelbstverständlich” verläuft alles in Echtzeit. Das Betten machen dauert eben. Wir erleben rührende Gespräche mit Patientinnen. Alle waren bereit, sich filmen zu lassen.
Meike Ista blieb in der Zeit immer freundlich, sie hatte immer ein Lachen, wie wirkte locker. Aber mit der Zeit waren deutlich die Anstrengung, der Stress zu merken. Der Atem ging schneller, die Stimme zitterte ein wenig, und irgendwann, Gott sei Dank, konnte sie sich doch mal hinsetzen.

Bis 2.55 Uhr dauerte der Film. Dafür hat man bei ProSieben das komplette Programm abgeräumt – ohne Ankündigung. Das muss man sich auch mal trauen. Zwei Werbepartner hatten es möglich gemacht, fast sieben Stunden ohne Werbung auszukommen.
Angehörige der Branche erzählten im Splitscreen zwischendurch, welche Probleme es in der Pflegebranche gibt. Und warum sie ihren Job dennoch lieben. Per Social Media konnten Zuschauer ihre Eindrücke schildern.

Ob diese Doku etwas auslösen kann, weiß man natürlich nicht. Aber zumindest kann sie es schaffen, den Zuschauern zu Hause ein Gespür dafür zu geben, welch einen wichtiger Job diese Menschen in den Kliniken leisten. Und was für ein Knochenjob das sein kann.
Toll, was da im Privatfernsehen möglich ist.

-> Infos und Videos auf ProSieben.de

Hits: 156

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ABBA – Songs für die Ewigkeit

Donnerstag, den 11. Februar 2021
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DI 09.02.2021 | 20.15 Uhr | ProSieben

“Dancing Queen”, “Thank you for Music”. Hits von ABBA.
Aber wie sind die eigentlich entstanden? Und was macht den speziellen ABBA-Sound aus?
Und wieso wird das eigentlich auf ProSieben besprochen – zur Primetime?

“ABBA – Songs für die Ewigkeit”, hieß die Doku, die am Dienstagabend bei ProSieben zu sehen war. Das ist in vielerlei Hinsicht erstaunlich. Grundsätzlich würde man so eine Musikdoku ja eher auf arte erwarten, und selbst dort bekommt sie eher einen Sendeplatz um 20.15 Uhr. Dass aber der sehr junge Sender ProSieben über ABBA berichtet, ist auch deshalb seltsam, weil die ProSieben-Zielgruppe nicht mal ansatzweise gelebt hat, als ABBA aktiv waren. Die Doku wirkte auf dort ein wenig wie “Opa erzählt von damals”.

Und demnächst auf ProSieben: “Die Flippers – Songs für das Altersheim”. “Modern Talking – Songs für Gehörlose”. “BAP – Songs zum Weglaufen”. Da kann sich die junge Zielgruppe schon mal drauf freuen!

-> Die Doku bei Joyn

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ran: Football – SuperBowl 55 – Halbzeitshow

Montag, den 8. Februar 2021
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SO 07.02.2021 | 2.25 Uhr (Mo.) | ProSieben

Es gibt die Footballfans, die jeden Sonntag dabei sind. Und es gibt die Leute – wie ich -, die genau einmal im Jahr Football schauen: Wenn der SuperBowl stattfindet.
Und für diese entertainmenthungrigen Menschen gibt es scheinbar beim SuperBowl die Halbzeitshow. In der treten große Stars der Musikbranche auf, um für zehn Minuten die ganz große Sause zu bieten.

2021 war es The Weeknd, der ein Spektakel feiern wollte – und es auch tat. Mit einer Megatanzshow auf dem Spielfeld und zuvor mit tollen Kulissen und natürlich auch tollen Songs.
Blöd nur, wenn der Ton mies ist. Denn es wirkte für die ProSieben-Zuschauer, als ob wir nur vor dem Stadion stehen und den halligen Sound zu hören bekommen. Wenn The Weeknd sang, dann klang das “sehr weit weg”, aber auch die Musik selbst klang so. Als ob jemand irgendwo einen falschen Knopf gedrückt hat und nur den Stadionton, nicht aber den Bühnenton übertragen hat. Wo diese Panne auftrat, ist nicht bekannt. Aber da sie selbst im gleich danach hochgeladenen Youtube-Video so zu hören ist, muss es ein internes Problem vor Ort gewesen sein. Und das, wo The Weeknd angeblich 7 Millionen Dollar aus eigener Tasche dazugezahlt hat, damit alles perfekt sei.
Nun ja. Es ist ein Jammer. Denn so kann eine starke Show schlicht ruiniert werden.

-> Die Show auf Youtube

Hits: 231

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Wer stiehlt mir die Show?

Donnerstag, den 14. Januar 2021
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DI 12.01.2021 | 20.15 Uhr | ProSieben

Ist ja schon irgendwie blöd, wenn man selbst nicht so genau weiß, wie die Sendung eigentlich heißt, in der man da gerade rumsitzt. Stiehl mir nicht die Show! Ich stehe dir die Show! Oder eben so ähnlich.
Dabei heißt die Show ganz genau “Wer stiehlt mir die Show?”. Sie läuft dienstagabends auf ProSieben – und es ein echter Lichtblick in der zunehmend öden Show-Landschaft in Deutschland.

Der Titel ist auch die zentrale Frage der Show. Denn Joko Winterscheidt moderiert die Sendung zwar, es kann aber sein, dass er sie am Ende verliert und am Dienstag danach zum Rateteam gehört und stattdessen der Gewinner beim nächsten Mal vorne steht.
Das ist schon mal ein lustiger Ansatz, der sehr reizvoll ist. Dass es am Ende doch auch nur die x-te Variante eines Quiz’ ist, ist in diesem Fall alles andere als schlimm.

Das liegt auch am Rateteam. Dazu gehören Palina Rojinski, Elyas M’Barek und Thomas Gottschalk. Die sorgen für gute Unterhaltung, weil sie alle auf ihre Art einen guten Humor haben. Hinzu kommt pro Show ein(e) Kandidat(in) aus dem “normalen Leben” – heißt: Theoretisch könnte nächste Woche ein No-Name moderieren.

Die Quiz-Runden sind abwechslungsreich, den Machern sind viele skurrile Ideen eingefallen – und wenn es mal um ganz einfache Fragen geht, wie denn die, wie diese Show hier eigentlich heißt, dann entstehen daraus sehr, sehr lustige Momente, wenn rauskommt, dass die Kandidaten da mächtig ins Schleudern kommen.
Und auch für Joko Winterscheidt gehört diese Show zu den besten, die er solo moderiert hat. Man merkt ihm den Spaß an, das Zusammenspiel mit den anderen drei ist hervorragend.

Nach zwei Shows gehört die Show immer noch Joko Winterscheidt. Es wird spannend, was passiert, wenn er sie wirklich mal verliert.

-> Die Show bei Joyn

Hits: 148

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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

Hits: 472

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The Masked Singer

Donnerstag, den 26. November 2020
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DI 24.11.2020 | 20.15 Uhr | ProSieben

Sarah Lombardi gewinnt Staffel 3 von “The Masked Singer” auf ProSieben. Sie steckte hinter der Skelett-Maske und war die Letzte, die sich am Dienstagabend entblättern durfte.
Das heißt, eigentlich war genaugenommen schon Mittwochmorgen.
Wieso, um Himmels Willen, musste das Finale der Show dermaßen aufgebläht werden, dass es inklusive Werbung gut 260 Minuten – abzüglich Werbung etwa 187 Minuten – lang dauern musste? Erst nach 0.30 Uhr war Schluss, und das mitten in der Woche.

Ansonsten aber hatte die 3. Staffel viele schöne Momente. Sonja Zietlow, die Ruth Moschner in der Jury diesmal ersetzte, und Bülent Ceylan machten sehr viel Spaß. Dass eine Künstlerin wie Vicky Leandros als Katze dabei war, spricht dafür, dass “The Masked Singer” ein hohes Ansehen in der Branche hat und die Leute daran große Freude haben. Auch Jochen Schropp war dabei, Veronica Ferres, Wigald Boning, Nelson Müller und Daniela Katzenberger & Lucas Cordalis.
Dass Boning und Leandros letztlich schnell zu erkennen waren, war nicht schlimm. Denn selbst wenn die Promis an der Stimme zu erkennen waren, machte es dennoch Spaß, zu sehen, was sie in ihren Kostümen so trieben.

Dennoch könnte die Show ein bisschen mehr Tempo bekommen, damit die Sause spätestens um 23 Uhr zu Ende ist. Was ProSieben nicht tun wird – Stichwort: Marktanteile. Staffel 4 endet dann vor dem Frühstücksfernsehen.

-> Die Sendung auf Joyn

Hits: 159

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ProSieben Spezial: Rechts. Deutsch. Radikal.

Donnerstag, den 1. Oktober 2020
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MO 28.09.2020 | 20.15 Uhr | ProSieben

Schock. So schlimm ist also der Rechtsextremismus in Deutschland. So denkt man in der AfD über Deutschland.
Ja, ja, es stimmt schon, dass die Doku über den Rechtsradikalismus in Deutschland nur wenig ganz neue Erkenntnisse brachte. Es ist wahr, dass solche Dokus bei ARD und ZDF schon öfter gelaufen sind.
Dennoch ist es sehr bemerkenswert, sehr gut und extrem wichtig, dass ProSieben diesem Thema so viel Raum gegeben hat.

Am Montagabend zeigte ProSieben zur besten Sendezeit die Doku “Rechts. Deutsch. Radikal.”. Mehr als zwei Stunden und komplett werbefrei.
Schon diese beiden Faktoren sorgten dafür, dass der Film eine sehr viel höhere Aufmerksamkeit bekommen hat als alle anderen Neonazidokus, die auf anderen Sendern schon gelaufen sind. Denn ein Sender wie ProSieben erreicht eine sehr viel jüngere Zielgruppe als die anderen. Es sind Leute, die sich vermutlich mit diesem gesellschaftlich wichtigen Thema sonst kaum befassen. Sie werden sehr viel Neues erfahren haben.

Reporter Thilo Mischke hat anderthalb Jahre lang für diese Doku recherchiert. Er hat sich mit Rechtsextremen unterhalten, er traf einen AfD-Jungpolitiker, der davon sprach, dass er nicht dulde, dass Leute in seine Partei kämen, die irgendwie extrem seien. Später zeigte die Doku mit versteckter Kamera, wie man in der AfD tatsächlich tickt: Gehe es Deutschland schlecht, gehe es der AfD gut. Die Erkenntnis ist nicht neu, dass sie jemand ausspricht, der auch vertraut ist mit Größen wie Gauland, das ist aber dann doch bemerkenswert. Dass der Chef des Verfassungsschutzes in Thüringen sagt, dass die Lage schon kritisch sei und die Demokratie in Gefahr sei, dann macht das nachdenklich.

Es ist gut, wenn Journalisten den brauen Sumpf aufzeigen, die Gefahr, die von ihnen für die Demokratie ausgeht deutlich machen. Wenn ein Sender das seinen jungen Zusehern bewusst macht und einige zum Umdenken oder Handeln bewegt, dann hat der Sender einen guten Job gemacht.

Und übrigens zeigt die Doku auch, dass auch solche Formate Interesse hervorruft. Dass nicht nur Unterhaltung die Menschen anzieht. ARD und ZDF bieten viele spannende Doku, und es ist ihre Aufgabe, zu überlegen, wie man sie an die junge Zielgruppe bringt.

-> Die Doku auf prosieben.de

Hits: 186