RT liest

Katharina Peters: Klippenmord

Mittwoch, den 1. Juli 2015
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Schon wieder ein Mord auf Rügen. Diesmal findet ein Ranger des Nationalparks Jasmund eine Leiche. In dessen Nähe wird außerdem ein blutverschmierter Stein und eine Schleuder entdeckt. Der Tote ist Mitarbeiter eiens Anwalts in Stralsund.
Das Team um Kommissarin Romy Beccare nimmt die Ermittlungen auf. Und sie – alles andere wäre als auch unspannend – sind alles andere als einfach. Denn bald ist klar, dass sie sich in die Niederungen der Naziszene begeben müssen. Was zum Beispiel ist vor elf Jahren in Prora passiert, als ein Mädchen spurlos verschwunden ist. Und was hat die damals stattgefundene Nazifeier damit zu tun?

Katharina Peters schafft es in “Klippenmord” wieder recht gekonnt, markante Punkte der Insel Rügen in ihren Krimi einzuarbeiten. Sie macht das geschickt, denn die Orte sind sowohl bei den Einhemischen als auch bei den Rügen-Touristen bekannt. Die Zielgruppe ist also groß. So spielen einige Szenen auch abseits der Insel: in Stralsund oder in Stahlbrode, wo die Rügen-Fähre losfährt.
Davon abgesehen schreibt locker und flüssig, ihre Story liest sich sehr gut, die Kommissare sind recht sympathisch, es gibt auch kurze Schmunzelmomente.
Die Auflösung des Falls erscheint jedoch sehr plötzlich und fast willkürlich. das war schon ein wenig enttäuschend. Aber wirklich nur ein wenig.

Katharina Peters: Klippenmord
aufbau taschenbuch, 315 Seiten
7/10

RTelenovela

Rügen 2014 (7): Wind und Wellen

Mittwoch, den 30. Juli 2014
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(6) -> 27.7.2014

Die Sache mit den Ostseewellen. Kaum sind sie mal ein bisschen höher, machen die Leute eine Welle. Als ich im vergangenen Sommer auf Rügen war, hat man von der Ostsee kaum etwas gemerkt, weil sie wie ein stiller Tümpel da lag. Vergangene Woche war das anders: Die Wellen rauschten an den Strand, es war laut und irgendwie herrlich.
Aber diese Wellen haben auch eine andere Seite, die unvorsichtigen Menschen nämlich. Die, die die Wellen nicht richtig einschätzen können und ertrinken. Sieben Leute sind an einem Wochenende an der Küste ums Leben gekommen, und das, wohl sie immer wieder gewarnt worden sind.

Am Strand von Binz gingen überall gelbe Flaggen. Ebenso am Strand von Prora. Auf Usedom war das Baden sogar ganz verboten. Das heißt, nicht verboten – die rote Flagge bedeutet, dass man den Badegästen empfiehlt, besser nicht ins Wasser zu gehen. Verbieten darf man es ihnen nicht, und bestrafen darf man die Menschen schon mal gar nicht. Eigentlich erstaunlich, dass das so lax gehandhabt wird, wo doch hierzulande alles geregelt ist. Zumal die Menschen ja nicht nur sich selbst in Gefahr bringen, sondern auch die Retter.

Ich selbst passte mein Badeverhalten dem an, wie ich es auch im vergangenen Jahr in Portugal praktizierte. Ich ging bis zum Bauch ins Wasser und ließ die Wellen auf mich zukommen. Das hat völlig gereicht. Und so machen die Portugiesen am Atlantik in der Regel auch, da sind die Wellen aber natürlich noch ein Stück höher. Dort gibt es allerdings auch ganz konkret ausgeschilderte Badebereiche, wo anders dürfen die Leute überhaupt nicht ins Wasser.
Insofern sind die Ostsee-Urlauber noch gut dran damit, dass sie überall, wo sie wollen, ins Wasser gehen können.

RTelenovela

Rügen 2014 (1): Über den Bäumen

Samstag, den 26. April 2014
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2013 -> 4.11.2013

Immer im Kreis herum, und immer höher. Bis man über den Baumwipfeln steht und auf den Wald runter guckt.
Seit dem vergangenen Jahr lockt das Natur-Erbe-Zentrum in Prora die Besucher an. Es geht darum, einen neuen Blick auf den Wald zu bekommen. Auf die Bäume, den Boden, die Tiere.

Der Eintritt kostet 9,50 Euro (mit Kurkarte 9 Euro). Das klingt erst mal teuer, aber was da in den Wald gestellt worden ist, ist durchaus aufwändig.
Wie in einer Spirale geht es die ersten Meter nach oben. Etwas auf halber Baumhöhe geht es ein paar hundert Meter durch den Wald. Man sieht die Blätter sprießen, und auf Tafeln wird (kindgerecht) erklärt, was man denn da sieht – oder auch nur erahnen kann.

Zwischendurch gibt es Mutproben für Höhenängstige. Kleine Balanceübungen auf Minischwebebalken oder anderen Vorrichtungen. Runterfallen kann man natürlich nicht. Nach unten hin ist ein Gitter, aber ein recht durchsichtiges, und festhalten kann man sich natürlich auch. Ist aber trotzdem ein großer Spaß.

Der wahre Aufstieg beginnt aber erst nach einem längeren Spaziergang. Dann steht man vor einer Art Adlerhorst. Auch hier geht es spiralartig nach oben. Ich habe zwölf Runden gezählt, vielleicht auch elf oder 13. Es sind wohl 40 Meter, die man da erklimmt.
Zwischendurch kann man sich Vogelnester ansehen und erfahren, wie die verschiedenen Vögel verschiedene Nester bauen und verschiedene Eier legen.

Von oben hat man einen wunderbaren Blick auf die Gegend. Man sieht den Koloss von Prora, den Hafen in Neu-Mukran, natürlich die Ostsee, Binz und vieles mehr.
Bei Sturm muss man den Turm verlassen – allerdings ist die Frage: Was passiert, wenn ganz plötzlich ein Gewitter aufzieht? Denn innerhalb von einer Minute kommt man von diesem Turm nicht runter. Das dauert dann schon seine Zeit.

Den Abschluss der Rundtour bildet eine Ausstellung rund um die Umwelt auf der Insel Rügen. Zwei Stunden, die sich wirklich lohnen, die Spaß machen, die einen neuen Blick auf die Natur zulassen.

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Christa Bernuth: Innere Sicherheit

Freitag, den 15. November 2013
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War es Mord? Oder eine gescheiterte Republikflucht? Als am Strand von Prora auf Rügen eine weibliche Leiche am Ostseeufer liegt, beginnen die Ermittlungen.
Martin Beck arbeitet als ABV, Abschnittsbevollmächtigter, in Binz. Er will wissen, warum Hanna Schön gestorben ist. Sie lebte mit ihrem Mann und ihrer Tochter im unweit entfernten Zirkow. Als sich aber ihr Mann erhängt und Martin erkennen muss, dass der Selbstmord nur vorgetäuscht ist, beginnt der Fall, mysteriös zu werden.
Bald wird er von den Ermittlungen abgezogen, und so ist bald klar: An diesem Fall ist etwas gehörig faul. Aber die DDR-Behörden verhindern, dass er weiter daran arbeitet. Aber Martin lässt sich nicht beirren.

Wir befinden uns in der Mitte der 80er-Jahre auf Rügen. Was relativ beschaulich, aber dennoch sehr spannend beginnt, entpuppt sich als deutsch-deutscher Kriminal- und Spionagefall. Christa Bernuth verbindet in ihrem Krimi die ruhige, fast schon triste Herbst- und Winterwelt der Insel Rügen mit der großen Politik der DDR und der Bundesrepublik. Die Autorin zeigt auf, mit welchen Mitteln der Staat arbeitete, um bestimmte Vorgänge zu vertuschen. Aber auch, wie viele Leute außerdem noch im Untergrund arbeiteten, und dass die Feindschaft der beiden deutschen Staaten fast schon präkere Züge annahm.
Insbesondere die erste Hälfte des Romans ist unfassbar fesselnd. Fast schon schade ist es, dass die Autorin die Insel zu klein für ihre Geschichte war und daraus die ganz große Spionagestory macht. Den Namen der Insel, Rügen, nämlich erwähnt sie seltsamerweise nie. Auch nicht, dass das kleine Städtchen, in dem Martin arbeitet und wohnt, Binz ist. Das ist umso seltsamer, weil sie alle anderen Orte in der Gegend recht detailiert nennt und beschreibt.
Gerade gegen Ende verliert sie sich in ewigen Erklärungen irgendwelcher Vorgänge, was dann leider doch eher ermüdend ist. Dann lässt leider auch die Spannung nach.

Christa Bernuth: Innere Sicherheit
Piper, 412 Seiten
7/10

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Katharina Peters: Dünenmord

Samstag, den 10. August 2013
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Am Strand von Göhren auf Rügen wird eine Frauenleiche gefunden. Monika Sänger scheint sich mit ihrem Mörder verabredet zu haben, denn Kommissarin Romy Beccare findet auf ihrem Handy eine entsprechende SMS.
Monika Sänger war eine Kindergärtnerin, sie galt eigentlich als beliebt. Ja, eigentlich. Aber die Mordkommission in Bergen stößt auf immer mehr Ungereimtheiten – und muss weit in die Vergangenheit zurückschauen: Was ist einst in Prora passiert? Und was mit dem Bausoldaten, der in den 80ern beim Hafenbau in Neu-Mukran ums Leben gekommen ist? Und wie war das vor 20 Jahren, als am Göhrener Strand ein Kind verschwunden ist?

Es ist ganz schön was los auf Rügen. Katharina Peters schafft in ihrem Roman “Dünenmord” einen interessanten Spagat aus Gegenwart und Vergangenheit. Als leser erfährt man einiges aus der Geschichte der Insel. So berichtet sie spannende Details über die NVA in Prora und beim Hafenbau.
Die Kriminalgeschichte bleibt bis zum Schluss spannend, auch wenn die Auflösung dann doch ein bisschen zu plötzlich kommt.
Sehr schön sind die ausführlichen und durchaus ins Detail gehenden Beschreibungen der Insel, die vielen verschiedenen Handlungsorte auf Rügen, die Schilderungen der Autofahrten von A nach B. Ein echter Heimatkrimi eben – für Rüganer und Rügen-Fans.

Katharina Peters: Dünenmord
Aufbau-Taschenbuch, 287 Seiten
8/10

RTelenovela

Rügen 2012 (7): Frühlingsdezember

Montag, den 31. Dezember 2012
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(6) -> 30.12.2012

Die Sonne scheint. Es ist warm, frühlingshaft. Ich bin eindeutig zu dick angezogen, ich öffne meine Jacke, nehme den Schal ab.
Wir laufen am Strand von Binz entlang. Und wir sind nicht allein. Völkerwanderung.
Es ist Ende Dezember, aber es kommt uns vor wie April oder sogar Mai. Fast wollen wir schon eine Decke holen und uns an den Strand legen, um das Gesicht in die Sonne zu halten und die vielen Leute zu beobachten.
Jogger. Leute mit Hund. Leute mit Kindern. Rentner. Jungs, die ihre Bltzknaller ausprobieren. Und wir.

Wir wandern bis Prora. “Kollywood Studios” hat jemand an die große, braune Mauer am KdF-Bad, die den Strand pötzlich beendet, gesprüht. Müsste es sich nicht “Prollywood” heißen? Oder wofür steht das K?
Wir laufen zu dem ewig langen Gebäude, es ist kilometerlang. Hitler hat es bauen lassen, es ist nicht fertig geworden. In dem “Kraft durch Freude”-Ferienheim sollten in den 30ern und 40ern tausende Leute ihren Urlaub genießen. Nun schlummert der größte Teil des grauen kasten vor sich hin. Nur an wenigen Stellen gibt es eine Jugendherberge, Museen oder überraschenderweise Musterwohnungen (wofür auch immer).

Das Frühlingssonnenwetter hat uns inzwischen verlassen, dunkel ist es inzwischen geworden, es beginnt, in Strömen zu gießen. Den heftigsten Schauer überbrücken wir an einer Eingangsüberdachung des KdF-Klotzes. Eine Stunde länger hätte der Frühlingsdezember doch noch durchhalten können…

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Rügen 2009 (6): Kraft durch Putenbrüste

Montag, den 17. August 2009
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(5) -> 16.8.2009

Der Salat mit den Putenbruststreifen war gerade total lecker. Und das Diesel gerade auch. Die Bruschetta (oder so) sind auch zu empfehlen, die hatten wir am Sonnabend.
Ich schreibe das jetzt nicht, weil ich hier beim Italiener in Baabe das Internet auf meinem Laptop kostenlos nutzen darf – sondern weil es stimmt.

Inzwischen ist Binz mein zwischenzeitliches Zuhause, nachdem wir Baabe am Sonntagvormittag verlassen haben. Am Binzer Strand holte ich mir überall da einen Sonnenbrand, wo ich mich leichtsinnigerweise nicht eingerieben habe. Da sieht man aber auch, dass der Lichtschutzfaktor 10 so einiges ausmacht.

Wenn ich schon mal in Binz bin, dann wollte ich natürlich auch etwas Sinnvolles tun. Momentan schreibe ich ja am Schwuttke-Ableger “Weihnachtsparadies”. Die Serie spielt in Binz. Und da liegt es ja nahe, auch mindestens eine Folge auch gerade dort, also in Binz, zu schreiben.
So entstand gestern Abend das Kapitel 3, das auch am 3. Dezember 2009 spielt, in Binz. Auf dem Kurplatz saß ich mit dem laptop auf dem Schoß auf einer Bank und sah auf die Ostsee, die Seebrückle und hörte das Rauschen des Wassers. Herrlich.

Das Wetter war heute ziemlich durchwachsen, nicht unbedingt Strandwetter. Deshalb stand heute Kultur, Geschichte und Politik auf dem Programm. Und ein zufälliges Treffen mit Arbeitskollegen im Edeka (wobei ich wusste, dass sie gerade auch in Binz sind).
Mit der Bäderbahn ging es in den Nachbarort Prora, zum Museum im “Koloss von Rügen”. In dem mehr als vier Kilometer langen Gebäude sollte Anfang der 40er-Jahre das Seebad der “Kraft durch Freude”-Organisation untergebracht werden. Bis zu 20000 Touristen hätten gleichzeitig untergebracht werden können. Doch dann kam den Nazis was dazwischen – glücklicherweise. Aus dem KdF-Quartier wurde eine NVA-Kaserne. heute wird überlegt, was daraus wird.
Das Museum in einem Teil des Hauses ist jedoch hochinteressant. Man kann sich eine gesamte NVA-Kompanie ansehen mit Waffenkammer, Offizierszimmer und Soldatenquartieren. Wirklich sehr spannend! Dazu kann man sich ansehen, wie die Zimmer für die Touristen ausgesehen hätten, wenn es “KdF” gegeben hätte, man kann sich die Binzer und die Rügener Geschichte ansehen und viel über die DDR ansehen. Zum Beispiel, dass es auch 200- und 500-Mark-Scheine gab, die aber nie in Umlauf gingen.

Kultur und Politik stand dann am Abend in Baabe auf dem Programm: Kabarett in der Lachmöwe. Der Abend hieß “Die Dreigroschenopas” und beschäftigte sich mit der Frage, wie denn das mal mit der Rente weitergehen könnte. Und das aus Sicht von etwa 30-Jährigen. Was ganz gut passte, ich bin ja nun auch schon 29b.
Jetzt regnet’s draußen, ich bin – fast – der letzte Gast hier beim Italiener in Baabe, und so langsam wird es zeit, wieder nach Binz zu fahren.
Morgen Abend geht es wieder nach Hause. Viel zu früh.