RTelenovela

Rügen 2014 (1): Über den Bäumen

Samstag, den 26. April 2014
Tags: ,

2013 -> 4.11.2013

Immer im Kreis herum, und immer höher. Bis man über den Baumwipfeln steht und auf den Wald runter guckt.
Seit dem vergangenen Jahr lockt das Natur-Erbe-Zentrum in Prora die Besucher an. Es geht darum, einen neuen Blick auf den Wald zu bekommen. Auf die Bäume, den Boden, die Tiere.

Der Eintritt kostet 9,50 Euro (mit Kurkarte 9 Euro). Das klingt erst mal teuer, aber was da in den Wald gestellt worden ist, ist durchaus aufwändig.
Wie in einer Spirale geht es die ersten Meter nach oben. Etwas auf halber Baumhöhe geht es ein paar hundert Meter durch den Wald. Man sieht die Blätter sprießen, und auf Tafeln wird (kindgerecht) erklärt, was man denn da sieht – oder auch nur erahnen kann.

Zwischendurch gibt es Mutproben für Höhenängstige. Kleine Balanceübungen auf Minischwebebalken oder anderen Vorrichtungen. Runterfallen kann man natürlich nicht. Nach unten hin ist ein Gitter, aber ein recht durchsichtiges, und festhalten kann man sich natürlich auch. Ist aber trotzdem ein großer Spaß.

Der wahre Aufstieg beginnt aber erst nach einem längeren Spaziergang. Dann steht man vor einer Art Adlerhorst. Auch hier geht es spiralartig nach oben. Ich habe zwölf Runden gezählt, vielleicht auch elf oder 13. Es sind wohl 40 Meter, die man da erklimmt.
Zwischendurch kann man sich Vogelnester ansehen und erfahren, wie die verschiedenen Vögel verschiedene Nester bauen und verschiedene Eier legen.

Von oben hat man einen wunderbaren Blick auf die Gegend. Man sieht den Koloss von Prora, den Hafen in Neu-Mukran, natürlich die Ostsee, Binz und vieles mehr.
Bei Sturm muss man den Turm verlassen – allerdings ist die Frage: Was passiert, wenn ganz plötzlich ein Gewitter aufzieht? Denn innerhalb von einer Minute kommt man von diesem Turm nicht runter. Das dauert dann schon seine Zeit.

Den Abschluss der Rundtour bildet eine Ausstellung rund um die Umwelt auf der Insel Rügen. Zwei Stunden, die sich wirklich lohnen, die Spaß machen, die einen neuen Blick auf die Natur zulassen.

RT liest

Christa Bernuth: Innere Sicherheit

Freitag, den 15. November 2013
Tags: , ,

War es Mord? Oder eine gescheiterte Republikflucht? Als am Strand von Prora auf Rügen eine weibliche Leiche am Ostseeufer liegt, beginnen die Ermittlungen.
Martin Beck arbeitet als ABV, Abschnittsbevollmächtigter, in Binz. Er will wissen, warum Hanna Schön gestorben ist. Sie lebte mit ihrem Mann und ihrer Tochter im unweit entfernten Zirkow. Als sich aber ihr Mann erhängt und Martin erkennen muss, dass der Selbstmord nur vorgetäuscht ist, beginnt der Fall, mysteriös zu werden.
Bald wird er von den Ermittlungen abgezogen, und so ist bald klar: An diesem Fall ist etwas gehörig faul. Aber die DDR-Behörden verhindern, dass er weiter daran arbeitet. Aber Martin lässt sich nicht beirren.

Wir befinden uns in der Mitte der 80er-Jahre auf Rügen. Was relativ beschaulich, aber dennoch sehr spannend beginnt, entpuppt sich als deutsch-deutscher Kriminal- und Spionagefall. Christa Bernuth verbindet in ihrem Krimi die ruhige, fast schon triste Herbst- und Winterwelt der Insel Rügen mit der großen Politik der DDR und der Bundesrepublik. Die Autorin zeigt auf, mit welchen Mitteln der Staat arbeitete, um bestimmte Vorgänge zu vertuschen. Aber auch, wie viele Leute außerdem noch im Untergrund arbeiteten, und dass die Feindschaft der beiden deutschen Staaten fast schon präkere Züge annahm.
Insbesondere die erste Hälfte des Romans ist unfassbar fesselnd. Fast schon schade ist es, dass die Autorin die Insel zu klein für ihre Geschichte war und daraus die ganz große Spionagestory macht. Den Namen der Insel, Rügen, nämlich erwähnt sie seltsamerweise nie. Auch nicht, dass das kleine Städtchen, in dem Martin arbeitet und wohnt, Binz ist. Das ist umso seltsamer, weil sie alle anderen Orte in der Gegend recht detailiert nennt und beschreibt.
Gerade gegen Ende verliert sie sich in ewigen Erklärungen irgendwelcher Vorgänge, was dann leider doch eher ermüdend ist. Dann lässt leider auch die Spannung nach.

Christa Bernuth: Innere Sicherheit
Piper, 412 Seiten
7/10

RT liest

Katharina Peters: Dünenmord

Samstag, den 10. August 2013
Tags: , , ,

Am Strand von Göhren auf Rügen wird eine Frauenleiche gefunden. Monika Sänger scheint sich mit ihrem Mörder verabredet zu haben, denn Kommissarin Romy Beccare findet auf ihrem Handy eine entsprechende SMS.
Monika Sänger war eine Kindergärtnerin, sie galt eigentlich als beliebt. Ja, eigentlich. Aber die Mordkommission in Bergen stößt auf immer mehr Ungereimtheiten – und muss weit in die Vergangenheit zurückschauen: Was ist einst in Prora passiert? Und was mit dem Bausoldaten, der in den 80ern beim Hafenbau in Neu-Mukran ums Leben gekommen ist? Und wie war das vor 20 Jahren, als am Göhrener Strand ein Kind verschwunden ist?

Es ist ganz schön was los auf Rügen. Katharina Peters schafft in ihrem Roman “Dünenmord” einen interessanten Spagat aus Gegenwart und Vergangenheit. Als leser erfährt man einiges aus der Geschichte der Insel. So berichtet sie spannende Details über die NVA in Prora und beim Hafenbau.
Die Kriminalgeschichte bleibt bis zum Schluss spannend, auch wenn die Auflösung dann doch ein bisschen zu plötzlich kommt.
Sehr schön sind die ausführlichen und durchaus ins Detail gehenden Beschreibungen der Insel, die vielen verschiedenen Handlungsorte auf Rügen, die Schilderungen der Autofahrten von A nach B. Ein echter Heimatkrimi eben – für Rüganer und Rügen-Fans.

Katharina Peters: Dünenmord
Aufbau-Taschenbuch, 287 Seiten
8/10

RTelenovela

Rügen 2012 (7): Frühlingsdezember

Montag, den 31. Dezember 2012
Tags: , ,

(6) -> 30.12.2012

Die Sonne scheint. Es ist warm, frühlingshaft. Ich bin eindeutig zu dick angezogen, ich öffne meine Jacke, nehme den Schal ab.
Wir laufen am Strand von Binz entlang. Und wir sind nicht allein. Völkerwanderung.
Es ist Ende Dezember, aber es kommt uns vor wie April oder sogar Mai. Fast wollen wir schon eine Decke holen und uns an den Strand legen, um das Gesicht in die Sonne zu halten und die vielen Leute zu beobachten.
Jogger. Leute mit Hund. Leute mit Kindern. Rentner. Jungs, die ihre Bltzknaller ausprobieren. Und wir.

Wir wandern bis Prora. “Kollywood Studios” hat jemand an die große, braune Mauer am KdF-Bad, die den Strand pötzlich beendet, gesprüht. Müsste es sich nicht “Prollywood” heißen? Oder wofür steht das K?
Wir laufen zu dem ewig langen Gebäude, es ist kilometerlang. Hitler hat es bauen lassen, es ist nicht fertig geworden. In dem “Kraft durch Freude”-Ferienheim sollten in den 30ern und 40ern tausende Leute ihren Urlaub genießen. Nun schlummert der größte Teil des grauen kasten vor sich hin. Nur an wenigen Stellen gibt es eine Jugendherberge, Museen oder überraschenderweise Musterwohnungen (wofür auch immer).

Das Frühlingssonnenwetter hat uns inzwischen verlassen, dunkel ist es inzwischen geworden, es beginnt, in Strömen zu gießen. Den heftigsten Schauer überbrücken wir an einer Eingangsüberdachung des KdF-Klotzes. Eine Stunde länger hätte der Frühlingsdezember doch noch durchhalten können…

RTelenovela

Rügen 2009 (6): Kraft durch Putenbrüste

Montag, den 17. August 2009
Tags: , , , , , , ,

(5) -> 16.8.2009

Der Salat mit den Putenbruststreifen war gerade total lecker. Und das Diesel gerade auch. Die Bruschetta (oder so) sind auch zu empfehlen, die hatten wir am Sonnabend.
Ich schreibe das jetzt nicht, weil ich hier beim Italiener in Baabe das Internet auf meinem Laptop kostenlos nutzen darf – sondern weil es stimmt.

Inzwischen ist Binz mein zwischenzeitliches Zuhause, nachdem wir Baabe am Sonntagvormittag verlassen haben. Am Binzer Strand holte ich mir überall da einen Sonnenbrand, wo ich mich leichtsinnigerweise nicht eingerieben habe. Da sieht man aber auch, dass der Lichtschutzfaktor 10 so einiges ausmacht.

Wenn ich schon mal in Binz bin, dann wollte ich natürlich auch etwas Sinnvolles tun. Momentan schreibe ich ja am Schwuttke-Ableger “Weihnachtsparadies”. Die Serie spielt in Binz. Und da liegt es ja nahe, auch mindestens eine Folge auch gerade dort, also in Binz, zu schreiben.
So entstand gestern Abend das Kapitel 3, das auch am 3. Dezember 2009 spielt, in Binz. Auf dem Kurplatz saß ich mit dem laptop auf dem Schoß auf einer Bank und sah auf die Ostsee, die Seebrückle und hörte das Rauschen des Wassers. Herrlich.

Das Wetter war heute ziemlich durchwachsen, nicht unbedingt Strandwetter. Deshalb stand heute Kultur, Geschichte und Politik auf dem Programm. Und ein zufälliges Treffen mit Arbeitskollegen im Edeka (wobei ich wusste, dass sie gerade auch in Binz sind).
Mit der Bäderbahn ging es in den Nachbarort Prora, zum Museum im “Koloss von Rügen”. In dem mehr als vier Kilometer langen Gebäude sollte Anfang der 40er-Jahre das Seebad der “Kraft durch Freude”-Organisation untergebracht werden. Bis zu 20000 Touristen hätten gleichzeitig untergebracht werden können. Doch dann kam den Nazis was dazwischen – glücklicherweise. Aus dem KdF-Quartier wurde eine NVA-Kaserne. heute wird überlegt, was daraus wird.
Das Museum in einem Teil des Hauses ist jedoch hochinteressant. Man kann sich eine gesamte NVA-Kompanie ansehen mit Waffenkammer, Offizierszimmer und Soldatenquartieren. Wirklich sehr spannend! Dazu kann man sich ansehen, wie die Zimmer für die Touristen ausgesehen hätten, wenn es “KdF” gegeben hätte, man kann sich die Binzer und die Rügener Geschichte ansehen und viel über die DDR ansehen. Zum Beispiel, dass es auch 200- und 500-Mark-Scheine gab, die aber nie in Umlauf gingen.

Kultur und Politik stand dann am Abend in Baabe auf dem Programm: Kabarett in der Lachmöwe. Der Abend hieß “Die Dreigroschenopas” und beschäftigte sich mit der Frage, wie denn das mal mit der Rente weitergehen könnte. Und das aus Sicht von etwa 30-Jährigen. Was ganz gut passte, ich bin ja nun auch schon 29b.
Jetzt regnet’s draußen, ich bin – fast – der letzte Gast hier beim Italiener in Baabe, und so langsam wird es zeit, wieder nach Binz zu fahren.
Morgen Abend geht es wieder nach Hause. Viel zu früh.

RTelenovela

Rügen 2007 (4)

Montag, den 6. August 2007
Tags: , , , , , , , , , , , , ,

Ich habe umsonst auf meinen “stern” in Baabe gewartet. Er hat den Weg auf die Insel wohl nicht gefunden. Oder ist irgendwo verloren gegangen. Oder – ich weiß es nicht.
Die Briefkastenanlage befand sich quasi vor unserem kleinen Häuschen. Leider stimmt die Nummer unseres Postkasten nicht mit der Nummer des Hauses überein. Wäre ja auch zu einfach. Und: Der Schlüssel klemmte. Nichts bewegte sich. Kein Wunder, wie ich dann feststellte: Ich stand an Anlage 1. Unser Postkasten befand sich jedoch bei Anlage 2 – mehrere 100 Meter entfernt. Meinen “stern” habe ich dennoch nicht bekommen. Habe ihn mir dann gekauft…

Hubschraubereinsatz in Baabe. Ein paarmal kreiste er über den Strand und landete schließlich auf der kleinen Wiese zwischen den Imbissen und dem Kurpark, am Ende der Strandstraße. Und riss diverse Werbeständer, Tische und Stühle um. Auch die Leute standen überall rum. Dass der Heli genau hier landen würde, damit hat keiner gerechnet.
Es war ein Notarzteinsatz, in einem Hotel ein paar Meter entfernt. Der Abflug war dann auch vorbereiteter. Tisch, Stühle und Aufsteller wurden weggestellt oder gesichert, die Leute wurden auf Abstand gehalten. Denn das Aufsteigsmanöver war nicht einfach. Sehr gefährlich nahe an den Bäumen landete der Hubschrauber. Aber es ist alles gut gegangen und die Touris (inklusive mich) hatten ihre Tagesaction.

Ich weiß nicht, wie oft ich schon auf Rügen war. Trotzdem gibt es immer unentdeckte Flecken. Die Landzunge Reddevitzer Höft zum Beispiel. Die liegt westlich von Middelhagen. Hier hat man einen tollen Blick auf den (oder die?) Having. In Alt Reddevitz genoss ich mit einem Fischbrötchen den Blick auf den Bodden – wo am Ufer ein toter Vogel lag. Unbemerkt lag er da. Nur Kinderspielzeug lag daneben.

Mein Lesestoff auf Rügen kam sehr gut an. So zeigte sich Freitagnachmittag folgendes Bild: Marcel las mein “Vollidiot”-Buch. Nico den Nachfolger “Millionär”. Und Mandy den “stern”, den ich mir gekauft hatte. Tja. Nun habe ich mich schon mit Lesestoff versorgt und langweile mich trotzdem.
Am Sonnabend verschlang dann übrigens auch Mandy noch den “Vollidioten”. Nur Franzi verweigerte sich…

Vor fünf Jahren war ich mit Flo das erste Mal im Autokino in Prora. Diesmal sah ich mit Nico und Marcel den Simpsons-Film. Sehr geil, sehr lustig (-> 2.8.2007)! Allerdings gab es vor fünf Jahren auf dem gelände noch Imbiss und Klo. Beides wurde inzwischen abgeschafft. Auf Ersteres hatte ich gesetzt und das Zweite benötigt.

In Binz kann man die Reichen und Schönen beobachten. Besonders am Abend, wenn in der Hauptstraße an den Cafés, Bars und Discos Hochbetrieb herrscht. Da werden die teuren Autos schon mal hin und her bewegt. man muss ja zeigen, was man hat. Da gilt auch für die jungen Damen, deren Oberweite offenbar in letzter Zeit auch ordentlich zugelegt hat. Was mit der Natur aber wenig zu tun hat.

Superwetter am Wochenende. Sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag rund 8 Stunden Strand. Sonntag habe ich mich dann endlich auch ins Wasser getraut.

Essenstipp: Am Ende der Baaber Strandstraße ist man bestens versorgt. Im “BaabeQ” gibts leckere Cheeseburger, im Laden daneben gute Döner. Und daneben extrem leckere Bismarck-Brötchen. Ganz frisch, mit Zwiebeln! Mhhh!
Von den Waffeln an der Binzer Hauptstraße hatte ich schon erzählt?

Seebrückenfest am Sonnabendabend in Göhren. Der Abend wird der live spielenden Showband wohl länger in Erinnerung bleiben. Besoffenes Prolljungvolk, das wild tanzt und gröhlt kommt eben immer gut. Ohne echte Zugabe beenden sie gegen Mitternacht ihr Programm. “Ihr wart ein tolles Publikum. Getränke gibts dort links und rechts.” Der pure Hass war aus der Ansage heraus zu hören. Minutenlang gröhlte das Tourivolk Schlager weiter und man hatte kurzzeitig das Gefühl, dass der Göhrener Kurplatz demnächst auseinander genommen würde. Aber es steht alles noch…

Mit einem FKK-Ostseebad, Fischbrötchen und Eis verabschiedeten wir uns Sonntagabend von Baabe, vom Strand und von der Ostsee. Hinter rambin gab es dann noch den üblichen Rügendammstau.
Ach ja, der Rügendamm. Auch das letzte Mal. Eigentlich ist es ganz gut, dass es da Stau gibt. Denn dann kann man sich ein wenig länger die neue gigantische Rügenbrücke ansehen. Die zweite Querung des Strelasunds bei Stralsund wird noch im Herbst eröffnet. Dann werden die Staus hoffentlich seltener.
Wir sind dennoch ganz gut durchgekommen. Bis zum Megastau auf der A11 – hier trafen sich alle Ostseeurlauber zum rund 70-minütigen Beisammensein…

Rügen 2007 – schon war’s!