RTelenovela

Bei Netto liegt der “stern” länger rum

Sonntag, den 11. September 2022
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In Sachen Printprodukt gibt es bei mir immer noch einige Konstanten: Dazu gehört immer am Donnerstag der “stern”. Doch es ist nicht immer ganz so einfach, das Heft zu bekommen. Also, das aktuelle Heft.

Weil ich am Vormittag sowieso in Schwante war, stoppte ich am dortigen Netto-Markt. Ich rannte bei strömendem Regen aus dem Auto in den Markt, warf noch eine Dose in den Pfandautomaten und ging gleich zum Zeitschriftenregal. Schon von weitem ah ich, dass der “stern” dort drin lag. Ich griff zu und stutzte: Auf dem Titel war Gerhard Schröder. Im Zeitschriftenregal lag also ein gut fünf Wochen alter “stern”. Ich legte die Zeitschrift zurück.
So ging ich zur Kasse und legte den Pfandbon hin, um 25 Cent zu kassieren. Und merkte beim Kassierer noch an, dass ich leider keinen “stern” kaufen konnte, weil er uralt sei. Man wolle das prüfen, so die Antwort.

Zweite Chance in Oranienburg: Bevor ich zum Mittagsessen ins Bistro 23 ging, bog ich noch zum dortigen Netto ab. Vor dem Zeitschriftenregal stehend entdeckte ich auch dort den “stern”. Vorn drauf war Marcus Söder. Und ich fluchte. Dieser “stern” war vom Mai (!). Ich schmiss das Altpapier über den Bild-Zeitungsstapel und ging wortlos durch den Kassenbereich.
Achtet da echt keiner drauf, wie aktuell der Kram ist, der da so rumliegt?

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Rügen 2022 (5): Binz und der Journalismus-Versuch der Berliner Zeitung

Freitag, den 26. August 2022
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(4) -> 25.8.2022

Ein Artikel der Berliner Zeitung sorgt auf Rügen für ordentlichen Wirbel. Auch ich habe den Artikel von einem Freund zugespielt bekommen.
Titel des Artikels: “Von Arenal bis Binz: Wo wir 2023 auf keinen Fall mehr Urlaub machen wollen” Darin gehe es um eine No-Go-Liste der Reiseziele.
Und Binz steht auf 1.

Nun saß ich also in Binz und las, wie scheiße Binz sein soll.
Und konnte es nicht glauben, weil über Binz fast nur Stuss verbreitet worden ist.
Der Autor Marcus Weingärtner seufzt zuvor wohlig, dass ja Sellin, Putbus und sogar Bergen ganz schön seien. Letzteres ist eine eher erstaunliche Feststellung.

“Unbedingt meiden aber sollte man den Ort Binz: eine überteuerte Rentner-Bubble ohne Charme.” Ferienwohnungen seien so teuer wie in europäischen Metropolen, aber in Binz werde nach 20 Uhr der Bürgersteig hochgeklappt.
Rentner-Bubble? Nein. Wirklich nicht. Vielleicht ist der Autor ja zufällig in einem Hotel abgestiegen, wo sich gerade viele Rentner aufhalten. Aber Binz ist alles andere als eine Rentner-Bubble. Und dass nach 20 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden, ist ganz schlicht gelogen. Ich kenne keinen Ort, wo man nach Mitternacht beim Italiener noch Pizza bestellen kann. Wenn man die dann auch nicht draußen essen kann, sondern ins Restaurant muss. In der Hauptstraße sind da auch immer noch Leute unterwegs. Am Strand hat die Bar bi nach 22 Uhr geöffnet, eine weitere noch länger.

Der Ort sei langweilig und überteuert und wenn es regne, könne man nur einer Beschäftigung folgen: Die Strandpromenade rauf und runterspazieren, “gemeinsam mit den anderen Seniorinnen und Senioren in den immergleichen Klamotten: Camp-David-Shirts, Tom-Tailor-Hosen und Tommy-Hilfiger-Jacken so weit das Auge reicht.”
Nun ja, wenn es im Urlaub regnet, ist es immer blöd. Aber Binz und Rügen hat nun wirklich genug zu bieten, was man auch bei Regen machen könnte. Und dass Marcus Weingärtner nicht in der Lage ist, zu recherchieren, wie man die Freizeit verbringen könnte, spricht das gegen ihn.

Weiter schreibt der Autor der ehemals angesehenen Berliner Zeitung: “Regnet es nicht, kann man wenigstens ins Wasser gehen oder eine Radtour machen. Vielleicht hat man ja Glück und verfährt sich so, dass man nicht zurückfindet.”
Das ist dann nur noch billige Polemik, die Marcus Weingärtner offenbar irgendwie lustig findet.

Nun kann das natürlich seine Meinung sein. Aber wenn man sagt, dass man Binz doch bitte meiden solle, dann wäre es doch zumindest angebracht, mit Fakten um die Ecke zu kommen. Fakt ist, dass nach Binz extrem viele Familien kommen, sogar junge Leute. Wer durch Binz läuft, hat nicht den Eindruck einer Rentner-Bubble. Die ache mit den hochgeklappten Bürgersteigen ist schlicht Schwachsinn.

Am Freitag berichtete dann ist Ostsee-Zeitung über die Kolumne des Kollegen aus Berlin. Was u.a. dabei herauskam: Marcus Weingärtner war angeblich vor zwei Jahren im Frühjahr in Binz (war da nicht der erste Pandemie-Höhepunkt?).
Der Autor hat also etwa niedergeschrieben, das er vor Jahren während der Nebensaison erlebt hat. So was nennt man bei der Berliner Zeitung offenbar guten Journalismus und irrt damit gewaltig. Auch wenn es sich um einen Meinungsbeitrag handelt – auch Meinungen müssen wahrhaftig untermauert sein.
Ich werde jedenfalls wieder nach Binz zurückkehren – da kann mir die Berliner Zeitung echt gestohlen bleiben.

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RT im Kino

Die letzten Reporter

Donnerstag, den 18. November 2021
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Ein Sportreporter. Ein Gesellschaftsreporter. Eine Lokalreporterin.
Sie alle schreiben für eine Tageszeitung. Die Männer seit Jahrzehnten, die junge Frau erst seit kurzem.
Sie arbeiten für ein Medium, das im Wandel ist. Die gedruckte Tageszeitung droht auf lange Sicht auszusterben, stattdessen verlagert sich die Berichterstattung ins Internet.
Und nun sitzt da der langjährige Sportreporter und muss sich erklären lassen, wie er Teaser für Internet schreiben muss, was er wo hinzuschreiben hat und wie das jetzt alles funktionieren soll.
Und da muss der Gesellschaftsreporter sein Büro räumen und blättert nostalgisch in 25 Jahre alten Ordnern und schwärmt von den ausführlichen Berichten von den Pressebällen. Oder er ruft Kaya Yanar an, um ihn irgendwelchen gelangweilten Quatsch zu fragen, der vor 20 Jahren mal aktuell war.
Während die junge Reporterin auch mal ein Video dreht und sich auch selbst vor die Kamera stellt.

Es sind “Die letzten Reporter”, die der Filmemacher Jean Boué in seiner Dokumentation vorstellt. Er stellt die ältere und die jüngere Generation gegenüber. Ihre Probleme und Sorgen, den Fatalismus und den vorsichtigen Optimismus.
So interessant diese Doku auch ist, so spannend es ist, zu sehen, wie diese Menschen arbeiten, was sie umtreibt. Es gibt auch viele Momente, die nachdenklich machen. Wie die älteren Herren mit der neuen Technik kämpfen und gleichzeitig an den Computer mit den halb fertigen Seiten hängen, weil diese ja auch gefüllt werden müssen. Mit welcher Langweiligkeit eine junge Frau ihren Kollegen die neue Technik beibringen will und dabei einen Eifer ausstrahlt wie ein windstiller Hochsommertag.
Jean Boué zeigt in seinem Film einen Ist-Zustand, und der sieht nicht so wirklich rosig aus. Sind es wirklich “Die letzten Reporter”, die dort in den Zeitungsredaktionen zu sehen sind?

-> Trailer auf Youtube
-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 1. Februar 2022)

Die letzten Reporter
D 2020, Regie: Jean Boué
JABFilm, 94 Minuten, ab 0
7/10

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Leipzigs hässliche Antisemitismus-Fratze

Mittwoch, den 6. Oktober 2021
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“Packen Sie Ihren Stern ein.”
Willkommen in der Messestadt Leipzig. Willkommen im Westin am Leipziger Innenstadtring. Das heißt, einer war nicht Willkommen, jedenfalls nicht mit einem Davidstern an seiner Halskette.

Der Musiker Gil Ofarim erzählte seine schockierende Geschichte in einer Story auf Instagram. Er wollte ins besagte Hotel einchecken. Aber erst habe man ihn in der Schlange ignoriert, dann habe er auf sich aufmerksam gemacht.
Aber erst rief jemand von der Seite, dass er den Stern abnehmen solle, so sagte es dann auch der Typ am Empfang. Der Davidstern, den Ofarim am Hals trug, sorgte dafür, dass er nicht ins Hotel gelassen werden sollte.
Antisemitismus von der übelsten Sorte, in Deutschland, 2021.
Gil Ofarim kämpfte zwischenzeitlich mit den Tränen, als er das erzählte.

Schockierend ist auch, dass es sich um einen Hotelangestellten handelte. Ein Typ, der internationale Gäste empfängt, der für ein an sich weltoffenes Haus arbeitet. Wie konnte er glauben, dass er mit dieser Aktion durchkommt.
Vermutlich kannte er Gil Ofarim nicht. Vielleicht hätte er den Promi Ofarim nicht behelligt. Was aber das perfide Denken des Hotelangestellten erst recht zeigen würde.

Das Westin hat reagiert, die betroffenen Mitarbeiter sind beurlaubt. In der Leipziger Volkszeitung wird die stellvertretende Hotelmanagerin Antje Reichstein so zitiert: „Wir sind ein weltoffenes Hotel und lehnen jede Form von Intoleranz, Diskriminierung und Antisemitismus auf das Schärfste ab. Deshalb sind wir über die unerträglichen Vorwürfe von Herrn Ofarim besorgt und alarmiert. Antisemitismus ist nicht entschuldbar und wird in ihrem Hotel nicht geduldet.”

Nun gibt es vielleicht einige, die sagen, die Sache werde aufgebauscht. Nein, wird sie nicht. Denn der Fall zeigt: Wenn so etwas einem Promi passiert, der seine Reichweite nutzt, um seine Geschichte zu erzählen und zu erreichen, dass sie bekannt wird – wie es muss es erst den vielen Menschen gehen, die Ähnliches erleben, aber nicht die Bühne bekommen, es öffentlich zu machen?
Antisemitismus ist und bleibt ein deutsches Problem. Dem müssen wir uns entgegen stellen. Immer wieder.

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Kreisch! Merkel ist geizig!

Sonntag, den 26. September 2021
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Was wäre Deutschland nur ohne die BILD? Bäckereien würden pleite gehen. Der Niedergang wäre nicht aufzuhalten. Der wirtschaftliche und gesellschaftliche!

Das Unglaubliche geschah am Sonnabend, als Angela Merkel und Armin Laschet in einer Dortmunder Bäckerei Espresso und Wasser getrunken haben. Preis: 20,10 Euro.
Die Schnüffler von der BILD haben das natürlich beobachtet, denn wenn Merkel und Laschet Espresso trinken, ist es natürlich ein Weltereignis. Als die beiden weg waren, hat BILD noch mal nachgefragt: Wie hoch denn das Trinkgeld gewesen sei.
Und der Schock: Null!

NULL!!!
N U L L ! ! ! ! ! ! !
Bei der BILD war man – nicht zum ersten Mal – empört!
Merkel geizig!!! Laschet geizig!!!
Es ist zwar nicht ungewöhnlich, dass man, wenn man am Tresen bestellt und bezahlt, kein Trinkgeld gibt, aber bei der BILD ist man dennoch empört. Schließlich wäre die BILD nicht die BILD, wenn es nichts zum Empören gebe.
Und weil man so empört, empört und empört war, hat die BILD einfach mal das Trinkgeld übernommen und einen Fünfer über den Tresen gereicht. Mensch, Mensch, die sind ja so gut bei der BILD. Und so heuchlerisch.

Später tauchte Laschet übrigens selbst noch mal beim Bäcker auf und zahlte auch noch mal ein Trinkgeld. Schließlich hatte er keine Lust auf weitere empörte Schlagzeilen.
Was für ein Zirkus. Wird Zeit, dass gewählt wird.

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RT liest

Birk Meinhardt: Wie ich meine Zeitung verlor – Ein Jahrebuch

Dienstag, den 8. Dezember 2020
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Wie ich meine Zeitung verlor. Das klingt wie ein Abgesang auf ein ganzes Medium. Vielleicht auch wie eine Analyse der Situation der Zeitungslandschaft.
Das alles ist dieses Buch nicht. Sondern eine persönliche Abrechnung mit der Süddeutschen Zeitung, bei der der Autor arbeitet.

Birk Meinhardt hat seine Journalistenkarriere in der DDR, bei der “Wochenpost” gestartet, was im Buchumschlag in der Kurzvita vorsichtshalber nicht so richtig erwähnt wird, weil es vielleicht nicht so gut klingt wie die Autorenschaft bei der SZ. Er erwähnt es aber immerhin im Buch selbst.
Zweimal bekam er Kisch-Preise für Artikel, ansonsten arbeitete er sich auch bei der SZ hoch und schien ein angesehener Autor zu sein.
Allerdings, so beschreibt er, gab es dann immer wieder Probleme. Einer seiner Artikel sollte noch mal überarbeitet werden, letztlich gab es darum Streit, und der Text ist nie erschienen. Später ärgerte er sich über einen aus seiner Sicht einseitigen Beitrag über die US-Streitkräfte in Deutschland und verfasste einen Gegentext.
Überhaupt habe sich die SZ sehr einseitig entwickelt, er wirft der Redaktion vor, bestimmte Meinungen nicht mehr zuzulassen.

Fast möchte man ein bisschen weinen, wenn man das alles liest. Übermedien hat dazu recherchiert und einen langen Beitrag dazu veröffentlicht, der auch die andere Seite mal beleuchtet.
Das tut Meinhardt nicht. Muss er auch nicht, denn es handelt sich ja um ein Buch, das seine Erlebnisse widerspiegelt.
Dennoch fällt auf, dass der Autor Vorwürfe in den Raum stellt, einseitig zu berichten, um es dann selbst zu tun. Wie Übermedien berichtet und aufzählt, steht dieser Vorwurf zudem auf sehr wackligen Füßen, kann schnell widerlegt werden.
Unverschämt wird Meinhardt, als er davon berichtet, wie ihm mitgeteilt wird, dass er erst mal nicht mehr für die Zeitung schreiben darf. Er schwurbelt rum, warum das jetzt passiere – um dann ein paar Seiten später lapidar zu erzählen, dass der Grund ganz woanders lag.
Meinungen kann man dem Autor nicht nehmen. Aber in diesem Buch wirkt vieles so, als stünden da eher diverse Kränkungen im Raum. Und wenn man seine Behauptungen, die tatsächlich erst mal für Staunen sorgen, so widerlegt sieht – dann bleibt letztlich nicht mehr viel übrig. Und das ist dann nur noch: ärgerlich. Genauso wie übrigens die 15 Euro für gerade mal 143 Seiten.

Birk Meinhardt: Wie ich meine Zeitung verlor – Ein Jahrebuch
Das Neue Berlin, 143 Seiten
1/10

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So zynisch und bitter endet ein Leben

Mittwoch, den 5. August 2020
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“Ob ein Lkw mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet ist, ist (…) keine Frage der Bequemlichkeit oder der Kosten. Es ist eine Frage von Leben und Tod.”
Das schrieb mein Journalistenkollege Mathias Puddig am 11. Juli 2018 in einem Zeitungskommentar.
In seinem Beitrag ging es um die meist fehlenden Abbiegeassistenten in Lastkraftwagen. Sie müssten rasch her, forderte er. “Ein Brummifahrer sitzt höher als die meisten Autodächer, sein Wagen ist fast so breit, wie ein Smart lang ist, er muss sechs Seitenspiegel im Blick behalten – und einen toten Winkel gibt es trotzdem noch. Steht dort ein Radfahrer oder auch ein Fußgänger, ist er beim Rechtsabbiegen des Lasters chancenlos – egal, ob er sich an die Straßenverkehrsordnung hält oder nicht.”
Zehn Jahre werde es dauern, bis die Dinger überall eingebaut sein würden. “Bedenkt man, dass fast im Wochentakt ein Radfahrer in Deutschland umkommt, weil ein Lkw-Fahrer ihn nicht gesehen hat, ist das viel zu lang.”

Am 3. August 2020 um 13.15 Uhr erfasst an einer Kreuzung in Berlin-Adlershof ein Lkw einen Radfahrer. Der stirbt noch an der Unfallstelle.
Mathias Puddig wurde nur 35 Jahre alt.

Er begann als Jugendlicher beim Oranienburger Generalanzeiger, machte ein Volontariat bei der Märkischen Oderzeitung, arbeitete zuletzt in der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft, die diverse Zeitungen wie die MOZ mit Beiträgen beliefert. Der Berliner Korrespondent führte erst vor ein paar Tagen ein Interview mit SPD-Chefin Saskia Esken.

Und dann dieser grauenvolle, tragische Tod. Wenn man sich dann noch den zwei Jahre alten Kommentar ins Gedächtnis ruft, dann läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken. So zynisch und bitter endet ein Leben. Viel zu jung.
Mein Beileid gilt den Kollegen, seinem Partner, seiner Familie und seinen Freunden.

-> Kommentar vom 11. Juli 2018
-> Nachruf der Märkischen Oderzeitung

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