RT im Kino

Herr Wichmann aus der dritten Reihe

Sonntag, den 9. September 2012
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Herr Wichmann von der CDU hat’s geschafft – in den Landtag von Brandenburg. Knapp zehn Jahre, nachdem ihn der Filmemacher Andreas Dresen im Bundestagswahlkampf begleitet hat, können wir Henryk Wichmann wieder ein Stück bei der Arbeit beobachten.
Wichmann sitzt in der Opposition in Potsdam, sein Wahlkreis liegt im Norden von Oberhavel und in der Uckermark.

Und es ist viel zu tun. In Vogelsang hält zwar die Bahn im Bahnhof, öffnet aber nicht die Türen. In einem Kanal bei Prenzlau dürfen keine Boote fahren. Die Rentner in Himmelpfort möchten ihren Frust loslassen. In Templin ist eine große Rentnersause. In Gransee möchten Schulkinder etwas über seine Arbeit erfahren. Ein Schreiadler sorgt dafür, dass ein Radweg nicht gebaut werden kann. Im Landtag in Potsdam wird während der Landtagssitzung getratscht und abgestimmt (gern auch mal ohne zu wissen, worum es gerade geht). Und dann ist auch noch das Auto kaputt, weil Wichmann in Nassenheide statt Benzin Diesel getankt hat. Zwischendurch noch ein Besuch bei der Zeitung in Gransee und die Eröffnung des Wahlkreisbüros in Zehdenick.

Was’n Stress. “Herr Wichmann aus der dritten Reihe” bietet sehr spannende Einblicke in den Politikeralltag. Als Otto-Normal-Bürger lernt man auch dazu: Es ist unglaublich, womit sich ein Landtagsabgeordneter in der Provinz innerhalb weniger Monate beschäftigen muss, worin er auskennen muss, worüber er sich schlaumachen muss, was er sich anhören muss, versprechen muss, und und und.
Die Leute sagen gern mal: Politiker sind überbezahlt. Aber wenn Wichmann den Rentnerinnen in Himmelpfort erzählt, was er von seinen Diäten alles bezahlen muss, da wird einem schon schwindlig.

Sicherlich: Dresens Film ist vor allem für die Menschen nördlich von Berlin spannend, weil “Herr Wichmann aus der dritten Reihe” in gewisser Hinsicht auch ein Heimatfilm geworden ist. Allerdings wird es anderen Landespolitikern nicht sehr viel anders gehen als Henryk Wichmann aus Templin.

8/10

RTelenovela

Rumpelstraße 109

Donnerstag, den 11. März 2010
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Wer sich in Liebenwalde die Wegweiser an der Hauptstraße mal genauer ansieht, dem wird auffallen: Schon seit einiger Zeit führen zwei Bundesstraßen durch den Ort: die B167 und die B109. Erstere führte schon immer durch Liebenwalde, zweitere erst seit wenigen Jahren.

Früher führte die B109 relativ gerade von Berlin und Schönerlinde nach Prenzlau in der Uckermark. Inzwischen wird sie Bundesstraße zwischen Zerpenschleuse und Mittenwalde umgeleitet und führt über Liebenwalde, Zehdenick und Templin. Aber wie!
Allein der Abschnitt zwischen Zehdenick und Marienthal im Löwenberger Land ist eine einzige Katastrophe.
Schon in Zehdenick wirkt die B109 wie eine Nebenstraße. Außerhalb der Ortschaft ist die Fahrbahn so eng, dass es sich zwei Schwerlaster ins Gehege kommen, wenn sie sich begegnen. Das Pflaster ist mies, huckelig und voller Schlaglöcher.
Gibt es keine Maßgaben für Bundesstraßen? Diese Strecke würde sie ganz gewiss nicht erfüllen.
Zwischen Marienthal und Neuholland macht die B109 einen 150-Grad-Knick und biegt auf die B167. Von dort an bis Zerpenschleuse ist sie Teil der B167.
Ausgeschildert ist die B109 auch nur auf neueren Wegweisern.

Welchen Sinn macht eine Bundesstraße, wenn sie ellenlange Umwege macht? Wenn die Strecke nur ein rumpelweg ist?
Zwischen Zerpenschleuse und Mittenwalde ist die B109 nun die L100, eine Landesstraße. Die kann man natürlich auch weiterhin befahren und die Bundesstraßen-Streckenführung ignorieren. Aber wer denkt, er müsse die B109 befahren, um zum Ziel zu kommen (auf unserer Januar-Rügen-Rückfahrt ging es einem Freund so), erlebt einen Reinfall.

Mal abgesehen davon: Ich war heute das erste Mal so richtig in Zehdenick. Ganz schön schlimm, die Stadt.

RTelenovela

Rügen 2010 (1): Der Binzer Neujahrskrieg

Sonntag, den 3. Januar 2010
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2009 -> 1.1.2010

Null. Und der Krieg begann.
Binz, am 1. Januar 2010 um 0 Uhr. Am Strand brach der Neujahrskrieg aus. Und sorgte wieder einmal für ein Superlativ.
Kaum war der Countdown runtergezählt, das Jahr da, begann das große Zischen, Knallen und Krachen. Wie war das mit der Wirtschaftskrise?
Ein Strand voller Menschen. Hunderte Menschen. Und überall Raketen und Böller. Wir fühlten uns schrecklich unsicher. Überall hätte es uns treffen können. Selbst den Rückzug konnten wir nicht antreten, wohin hätten wir gehen sollen? Um Haaresbreite gingen einige Böller an uns vorbei.
Irgendwann gab ich es auf. Ich stellte mich hin, wir unterhielten uns und sahen nicht mehr genau hin. Einfach ignorieren. So übersteht man den schwersten Neujahrskrieg. Und das Kalkül ging auf.
Eine halbe Stunden nach Mitternacht traten wir dann den Rückweg an. Die Knallerei war da nicht nicht zu Ende.
Aber: Wahnsinn. So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. Und der Strand war übersäht mit Dreck.

Ich hätte wetten können: Gleich am Neujahrsmorgen ist der Strand wieder sauber. Ich hätte die Wette verloren. Noch am Sonnabend lag der ganze Dreck noch überall am Strand rum.
Vielleicht hat aber den Saubermännern der Schnee einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am Neujahrsmorgen begann es zu schneien. Binz und der Rest der Insel bekamen ein weißes Kleid angezogen.
So einen richtigen Winterdienst scheint es in Binz allerdings nicht zu geben. Die Hauptstraße: eine glatte Strecke. Viele andere Wege: auch nicht geräumt oder Matsch.
Andererseits: Binz. Ein Wintertraum. Der Schmachter See ist zugefroren und weiß. Auf der Seebrücke ist es zwar glatt, aber der Anblick des winterlichen Ortes entschädigt für alles.

Rückweg. Der war ein Problem. Es war Sonnabend, alle wollten nach Hause, und die Straßen waren glatt.
Im Verkehrsfunk hieß es schon: Von Bergen bis Stralsund ist alles dicht. Und auch per Telefon kamen die ersten Botschaften. Stau schon in Zirkow, noch vor Bergen. Zwei Stunden von Binz bis Bergen.
Nächster Anruf von anderen bekannten: Stau auch auf der anderen Strecke schon ab Karow. Auch noch lange vor Bergen.
Wir warteten ab. Liefen noch mal durch Binz, auf die Seebrücke, gingen was Essen, fuhren zum Tanken.
Nächster Anruf: Die Nebenstrecke über Putbus und Garz ist frei.
Wir machten uns also auf den Weg. Die herrliche Allee vor Garz war zwar nicht grün wie im Sommer, weckte aber Erinnerungen an die Fahrt im Sommer. Und ich lernte ganz neue Orte kennen: Poseritz beispielsweise. Der Ort, wo dann auch unser Stau in Richtung Altefähr/Stralsund begann. Doch im Gegensatz zu den Leuten auf der Hauptstrecke auf der B96 brauchten wir trotzdem nur gute 75 Minuten von Binz bis Altefähr, auf dem Rügendamm rollte der Verkehr wieder.
Radiomeldungen, dass inzwischen auch auf der A20 zwischen Stralsund und Neubrandenburg Stau sei, bewahrheiteten sich nicht. Dafür aber der Stau auf der A11. Die Ostseewelle stimmte uns optimistisch. Aus den anfänglich 15 Kilometer wurden 12. Doch später, bei radioeins waren es plötzlich sogar 20 Kilometer. Unsere Sofortmaßnahme: Wir verließen die A20 bei Prenzlau. Ich rollte noch mal durch meine Bundeswehrheimat und weiter die B109 Richtung Berlin., Und es war erstaunlich: Die Strecke war zwar stellenweise schneebedeckt, aber völlig frei. 20 Kilometer Stau auf der A11 interessierten uns nicht mehr.
Freunde von uns nahmen alle Staus mit und brauchten fast acht Stunden. Wir nur fünf. So muss es laufen.

Unser neues Jahrzehnt begann also auf meiner Lieblingsinsel. Und vielleicht führt mich mein Weg Ende April wieder dorthin. Wir planen einen Kollegenausflug.

ORA aktuell

Landesgartenschau: Die Oranienburger nahmen Abschied

Sonntag, den 18. Oktober 2009
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Mit einem großen Feuerwerk endete am Sonntagabend die Landesgartenschau in Oranienburg. Tausende Oranienburger sowie Touristen sahen sich vorher ein letztes Mal auf dem Gelände neben dem Schloss um.
Seit April besuchten fast 600000 Menschen die Laga. Damit ist die Oranienburger Schau die bisher erfolgreichste Brandenburger Laga.
Am Nachmittag übergab Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke den Staffelstab an seinen Amtskollegen aus Prenzlau, Hendrik Sommer. Die nächste Landesgartenschau beginnt 2013. “Die Latte liegt hoch”, so Sommer.

aRTikel

Bahnfans mit leuchtenden Augen

Montag, den 18. Mai 2009
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Wirtschaft: Zehntausende Brandenburger nutzten den „Tag des offenen Unternehmens“ für Firmenbesuche

MAZ, 18.5.2009

Trotz oft schlechten Wetters strömten die Brandenburger in die Betriebe. Etwa 500 Firmen beteiligten sich.

POTSDAM
Eisenbahnexperten unter sich. Ein Dialog zwischen einem Vater und seinem etwa zehnjährigen Sohn, aufgeschnappt in einem ausgestellten Eisenbahnwaggon: „Papa, ist das hier ein 422?“ „Nein, das ist ein 442.“ Der Sohn schüttelt skeptisch den Kopf: „Aber der 442er, mit dem ich gefahren bin, hatte keine Toilette.“
Solche Gespräche waren am Sonnabend auf dem Gelände des Schienenfahrzeugherstellers Bombardier-Transportation in Hennigsdorf (Oberhavel) häufig zu hören. Mit leuchtenden Augen schlenderten vor allem große und kleine Männer an den Werkshallen, den alten Lokomotiven und den modernen Eisenbahnwaggons vorbei. Das Unternehmen war eines von landesweit fast 500, die am Sonnabend zum „Tag der offenen Unternehmen“ einluden: von der „A bis Z Oberflächenveredelung“ in Zehdenick (Oberhavel) bis zu „Zweirad-Hübner“ in Cottbus .
Regen, Wind und nasskaltes Wetter können die Brandenburger an diesem Sonnabendvormittag nicht schrecken. Trotz dunkler Wolken pilgern sie zu Zehntausenden zu den vielen Firmen, die sich präsentieren. „An diesem Tag geht es auch um die Zukunft nach der Krise“, gibt Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Morgen beim Besuch der Elektro-Firma Gottschalk in Prenzlau (Uckermark) gewissermaßen das Motto vor.

Von einer Krise ist auf dem Bombardier-Gelände in Hennigsdorf wenig zu spüren. „Die Leute sollen sich davon überzeugen, dass wir ein faszinierendes Werk haben“, sagt Standortleiter Marc Diening vor den Besuchern auf der Festwiese. Er verweist darauf, dass in Hennigsdorf nicht nur Züge gebaut, sondern auch neue entwickelt würden. Mit etwa 2000 Beschäftigten ist Bombardier einer der größten Arbeitergeber Brandenburgs. „Wir bekennen uns zu der gewaltigen Verantwortung, die wir in der Region haben“, so Diening weiter. Währenddessen reißt der Himmel über Hennigsdorf auf, die Sonne kämpft sich durch.
Karl Völker aus Berlin steht mit seinem Enkel vor einer Traditionslok. Großes Staunen. „Die Kinder sind neugierig“, sagt der ehemalige AEG-Angestellte und kann nicht verhehlen: „Aber auch ich finde es hier sehr interessant.“ Am beeindruckendsten findet er die Sauberkeit in den Hallen. „Früher war es hier sehr viel dreckiger“, sagt Völker und läuft langsam weiter. Auf der Festwiese wurden in der Zwischenzeit die ersten Testfahrten auf diversen Loks verlost. Einmal im Führerstand die Knöpfe drücken – ein Traum für viele und ein Mekka für Eisenbahnfans.

Im Bäckerhandwerk ist von den schwierigen Zeiten momentan auch wenig zu spüren. In Falkensee (Havelland) jedenfalls entstand auf dem Gelände des Biobackhauses an der Bahnhofstraße erst vor einigen Monaten ein Hallenanbau. Die Kapazität reichte nicht mehr aus. Allein 3500 Brote und 20000 Brötchen werden dort pro Tag gebacken. 120 Leute sind im Biobackhaus mit seinen neun Filialen beschäftigt.
Die achtjährige Sarah nutzt die Gunst der Stunde und probiert sich an einem Teigschneckchen. Auf den ersten Blick recht einfach: den Teig kneten und rollen, so dass vier kleine, längliche Würstchen entstehen sollten. „Eigentlich möchte ich Tierpflegerin werden“ sagte Sarah, während sie sich mit dem Teig abmüht. Helfen lassen will sie sich nicht, das wäre schließlich gegen ihre Ehre. Als aber aus dem als Schneckchen geplanten Backwerk allmählich ein Türmchen wird, greifen die Profibäcker dann doch kurz ein.
„Wir möchten die Leute überraschen“, sagt Bäckermeister und Firmengründer Hans-Jürgen Leib. „Viele denken, wir sind nur ein kleiner Laden, dann kommen sie aber zu uns nach hinten und sehen, was alles dahinter steckt.“ Die Neugierde scheint groß zu sein: Allein bis zum Mittag kommen etwa 50 Neugierige in die Falkenseer Bäckerei.

Doch nicht überall ist der „Tag des offenen Unternehmens“ ein Erfolg. Beatrice Barenthin wartet in ihrem Friseurgeschäft an der Karl-Marx-Straße in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) an diesem Vormittag vergeblich auf Gäste, die sich über Haarschneidetechniken und Berufschancen informieren wollten. „Bei uns waren bislang nur die üblichen Kunden“, sagt Barenthin, und die Enttäuschung ist ihr anzumerken. „Wir hatten Plakate aufgehängt und Flyer verteilt.“ Woran liegt es, das trotzdem niemand kommt? „Ich denke, viele sind heute bei den Jugendweihen“ mutmaßt Barenthin. „Vielleicht ist das Interesse aber auch nicht vorhanden.“ Was jedoch nicht bedeutet, dass es in Neuruppin einen Mangel an Azubi-Anwärtern gäbe. Vier bis fünf Lehrlinge stellt die Friseurgenossenschaft, zu der Beatrice Barenthins Geschäft gehört, jährlich ein, im „Juniorsalon“ dürfen die angehenden Friseure die Haare der Kunden schneiden.
Ob das Geschäft noch einmal am „Tag der offenen Unternehmen“ teilnimmt, ist noch unklar: „Mehr als präsent zu sein, können wir nicht“, sagt Beatrice Barenthin.

aRTikel

Sie sehen nicht weg

Montag, den 30. Oktober 2006
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Ein Nachmittag zum Thema Gewalt

MAZ Oranienburg, 30.10.2006

LEHNITZ

Meldungen, die nachdenklich machen: 19 Prozent der organisierten Arbeitnehmer neigen zum Rechtsextremismus. 31 Prozent der Brandenburger denken ausländerfeindlich. Ein CDU-Abgeordneter drohte per E-Mail seinem Prenzlauer PDS-Kollegen mit einem Brandanschlag. Zu einer aktuellen Stunde im Bundestag kamen nur 20 Prozent aller Abgeordneten ins Plenum. Diese Ansammlung von Nachrichten der vergangenen Zeit ist nur ein kleiner Auszug aus der Realität.
Gemeinsam mit den Liedermachern Jörg Kokott und Frank Viehweg war am Sonnabendnachmittag Klaus Feldmann zu Gast in der Lehnitzer Friedrich-Wolf-Gedenkstätte. Im Rahmen der „Wir sehen nicht weg“-Tour 2006, einer Aktion des Vereins „kommunalpolitisches Forum Brandenburg“, trug der einstige DDR-Fernsehliebling und Sprecher der „Aktuellen Kamera“ ausgewählte Studien und Nachrichten zu rechter Gewalt, Ausländerfeindlichkeit und Kriegsgefahren vor. Die Lieder von Kokott und Viehweg kommentierten und ergänzten die nachdenklich machenden Texte.
Erstmals trafen die drei im vergangenen Jahr bei einer Kleinkunstnacht in Mecklenburg-Vorpommern aufeinander. Dort wurde auch über rechte Gewalt gesprochen. „Man müsste mal was tun“, waren sie sich einig. Und sie tun etwas. Versuchen mit dem 90-minütigen Programm, die Leute aufzurütteln.
„Ich habe meinen Bücherschrank geplündert“, erzählt Klaus Feldmann über die Vorbereitungen. Gefunden habe er Texte von Tucholsky, Kästner, Stengel und vielen weiteren Autoren. „Aber auch viele aktuelle Beiträge: Nachrichten, Gedichte, Geschichten. Alle möglichen Genres.“ Dabei wirken auch die älteren von Feldmann vorgetragenen Texte mitunter erschreckend aktuell.
Leider fanden sich nur 15 Zuhörer in der Friedrich-Wolf-Gedenkstätte ein. Darunter nur ein junges Mädchen. Dabei sollte dieses Programm gerade für Jugendliche interessant sein. Plakatwerbung gab es beispielsweise auch vor dem Oranienburger Runge-Gymnasium. „Es gibt wenig Interesse von Schulen“, sagt Klaus Feldmann. „Alle sind immer betroffen, wenn tatsächlich etwas passiert, trotzdem ist es nicht so, dass wir jeden Tag Angebote bekommen.“ Er überlegt. „Vielleicht ist es ihnen zu links.“
Aufgeben wollen sie aber trotzdem nicht. Auch im Jahre 2007 soll ihre Tour weitergehen.

RTelenovela

Zehn Monate beim Bund – ein Fazit

Freitag, den 25. Juni 1999
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Zehn Monate Bundeswehr. Eine lange Zeit ist zu Ende gegangen. Was wird bleiben? Welche Erinnerungen werden sich tief in mein Gehirn eingraben? Sind es eher die positiven oder die negativen? Die harten Anstrengungen oder das langweilige Rumgammeln?
Während der achtwöchigen Allgemeinen Grundausbildung (AGA), die ich in Havelberg absolvierte, lernt man zunächst, daß bei der Bw Abkürzungen das A und O sind. Und natürlich auch, daß man selbst ein Nichts ist. Nach den ersten Stunden und Tagen war ich erst mal völlig fertig. Ständig wurde man angebrüllt, wenn man mal wieder was falsch gemacht hatte.
Zur Einkleidung in Burg lief im Radio „In the Army now”, was nicht gerade zur guten Stimmung beigetragen hat. Und die Verwandlung vom Zivilisten zum Uniformierten ist wirklich erschreckend. Dann wurde das volle Programm durchgezogen. Formaldienste (Marsch in der Formation), AMiLa (Allgemeines Militärisches Lauftraining), 20-km-Gewaltmärsche, Gewehre auseinandemehmen und wieder zusammensetzen (in Rekordzeit!), sich in diversen Unterrichten zulabern lassen und abends fertig ins Bett fallen.
Schön waren auch die Zeltausflüge, genannt BIWAK („Blöde Idioten warten auf Krieg”). Unter anderen nach Klietz und Wesendorf. Man durfte sich mit einem netten Kameraden ein kleines Zelt („Hundehütte”) teilen, Löcher („Stellungen”) in die Wiese buddeln und auf einen nicht vorhandenen Feind warten. Und nach einer Woche konnte man sich auch wieder waschen.
Das feierliche Gelöbnis ist eigentlich auch eine nette Sache. Da durften wir in Strausberg über eine Stunde lang stillstehen und beobachten, wie unsere Kameraden, einer nach dem anderen, in Ohnmacht fielen.
In der folgenden Zeit hatte ich in Prenzlau und Geltow viele ruhige Stunden in diversen Büroräumen. Ich weiß jetzt, wie ein Kopierer, ein Faxgerät oder ein Computer funktionieren. Mit meinem heißumkämpften Bw-Führerschein habe ich die Kasernen Deutschlands kennengelernt. Und natürlich auch deren Küchen. Aber darüber möchte ich hier nicht sprechen. Das Thema ist zu traurig …
Traurig ist aus meiner Sicht auch das Thema Ärzte in der Bw. Eine Sprechstunde bei einem dieser netten Leute bestand oft darin, daß ich ihnen etwas erzählte und er seine Schwester fragte, was denn noch für Medikamente im Schrank seien. Tolle Sache! Als „freier Mensch” hätte ich nicht nur einmal den Arzt gewechselt! Positiv war allerdings die gute Kameradschaft unter den Mannschaftsdienstgraden, besonders während der AGA. Und: Je höher der Dienstgrad, um so lockerer die Leute. Insgesamt wird die Arroganz unter ihnen aber ziemlich groß geschrieben …
Würde ich mich noch mal für den Wehrdienst entscheiden? Ich glaube nicht, denn Zivildienst ist (meistens) doch noch ein wenig sinnvoller.