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Portugal (16): Der fürcherliche Kachelskandal

Montag, den 17. November 2014
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(15) -> 15.11.2014

Alles begann auf einem Trödelmarkt am Rande der Lissaboner Alfama. An einem der vielen Stände gab es bunte Kacheln. Die sind in den Souvenirläden der Stadt reichhaltig vorhanden, sie scheinen dort Tradition zu haben.
Es gibt einerseits Kacheln mit Kunstmustern und welche mit Lissaboner Motiven. Auf den allermeisten ist natürlich die alte Straßenbahn zu sehen.
Eine der Kacheln fand ich besonders schön. Die Häuser der Alfama waren in Schwarz-Weiß gehalten, nur die Bahn leuchtete in Gelb. Mir allerdings war die Kachel zu groß, deshalb verzichtete ich.
Ich kaufte mir an einem anderen Stand eine Kachel mit einem bunten, leicht kitschigen, aber dennoch schönen Motiv.

Eine Viertelstunde später stand der Rest der Familie erneut am ersten Kachelstand. Erneut stand das Schwarz-Weiße-Motiv in der engeren Wahl, meine Nichte hatte es sogar in der Hand, legte es aber noch mal weg.
Böser Fehler.
Als dann die Wahl auf eben jene Kachel fiel, war das gute Stück weg. Sekunden vorher muss es ein anderer Kunde gekauft haben. Und der Händler hatte kein zweites Stück dieses Motivs dabei. Ein anderes kam nicht in Frage.
Der Unmut war groß.

Aber, wie schon gesagt, diese Kacheln gibt es in Souvenirläden in ganz Lissabon.
Die Suche konnte also losgehen. Wir wanderten entlang der Straßenbahnlinie 28 in Richtung Zentrum. Jeder der Läden dort ist von uns inspiziert worden.
Das Motiv, um das es ging, gab es nicht.
Weiter ins Zentrum. Laden um Laden. Kachel für Kachel. Doch die Kachel aller Kachel fehlte. Die muss der Händler auf dem Trödelmarkt exclusiv gehabt haben. Was für ein unglaublicher Kachelskandal!
Dieser Tag endete ohne Happy-End.

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Portugal (15): Bahnbekanntschaften – Nicht gut genug für die Electrico?

Samstag, den 15. November 2014
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Portugal (14) -> 14.11.2014
Bahnbekanntschaften (81) -> 24.8.2014

Die alte Straßenbahn zuckelt alle fünf bis zehn Minuten durch die Lissaboner Alfama. Immer wieder hin und her. Eine garantie, dass einen die Electrico mitnimmt, hat man allerdings nicht, denn meistens ist sie gerammelt voll. So steht man dann – wenn man denn überhaupt nicht laufen will – schon mal länger an der Haltestelle.

Mit uns warteten einmal ein Mann und zwei Frauen, die allerdings in die andere Richtung fahren wollten. Die beiden Damen waren sichtbar keine Portugiesinnen, so weit man das beurteilen kann. Sie sprachen jedenfalls nicht portugiesisch.
Wer mit der Linie 28 mit will, muss ein Handzeichen geben. Deutlich sichtbar machte der Mann ein Handzeichen, doch die Bahn fuhr vorbei. Sie war voll, da ging nichts mehr.
Warten.
Als sich hinter der Ecke die nächste Uralt-Bahn ankündigt, bereitet sich die kleine Gruppe wieder auf den Enstieg vor: Hand raus – und zusehen, wie die Bahn vorbeifährt.
Diesmal war die Elctrico nicht voll. Der Fahrer muss gesehen haben, dass die Leute mitwollen. Aber er fuhr vorbei. Weil die Frau dunkelhäutig war?

Wir mussten ebenfalls warten, weil in unserer Richtung mal wieder ewig nichts kam. Sobald an irgendeiner Stelle die Gleise blockiert sind, bricht der Bahnverkehr zusammen, und das kommt in Lissabon nicht ganz so selten vor. Irgendeiner steht immer auf den Schienen rum, und sei es nur ein Kurzzeitparker, der in der schmalen Alfama keinen Stellplatz gefunden hat.

Die Gruppe gegenüber startete unterdessen einen dritten Versuch, diesmal hielt nur die Frau die Hand raus, als sich wieder eine Bahn näherte. Erneut stoppte sie nicht, und erneut hätte sie stoppen können, denn sie war nur halbvoll.
Sind die Fahrer blind? Wollen sie keine Ausländer mitnehmen? Ist das ein Fall von Rassismus? Ignoranz?

Als dann doch mal eine bahn in unsere Richtung fährt, kommt die Gruppe einfach erst mal mit uns mit. Auf unser Winken stoppt die Bahn.

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Portugal (14): Der Verfall schleicht voran

Freitag, den 14. November 2014
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(13) -> 7.8.2013

Wir fliegen mit einer portugisischen Fluggesellschaft nach Lissabon. Schon beim Start spricht das Bordpersonal portugisisch mit uns, und ich muss ein bisschen lächeln.
Ich fliege zum vierten Mal dorthin, das dritte Mal nach Lissabon. Ich kann die Sprache zwar nicht – von “ola” und “obrigrado” mal abgesehen -, aber ich höre sie sehr gern. Und weil meine dortige Familie ja auch portugisisch spricht, klingt sie auch schon recht vertraut.

Mit dem Taxi fuhren wir in die Alfama, und glücklicherweise hatten wir dabei schon familiäre Begleitung. Es ist wohl leider kein Gerücht, dass einige Lissaboner Taxifahrer ihre Kunden schon mal abzocken. Die Tour in die Altstadt kostet in der Regel keine 10 Euro. Es soll aber Leute gegeben haben, die schon mal mehr als 20 Euro bezahlt haben. Einheimischen passiert das natürlich nicht, und ansonsten sollte man schon vorher ankündigen, dass man eine Quittung bräuchte.

Kaum in unserer Ferienwohnung, in der “Rosa Residence” (Rosa ist der einer der Nachnamen der Vermieterfamilie), angekommen, entere ich das Fensterbrett. Es ist der schönste Platz der Wohnung – ach was, von Lissabon. Von dort aus blicke ich auf unser kleines Viertel, die kleine Kreuzung, die schmale Straße und die Electrico, die Straßenbahn, die direkt unterm Fenster vorbeizuckelt.
Ein Spaziergang durch die Alfama ist wie ein Gang durch eine vergangene Zeit – beziehungsweise wähnt man sich nicht in Europa, sondern mehr in einem orientalischen Land. Ich liebe das.
Überall in den Häusern an den schmalen Gassen sind kleine Gaststätten, Souvenir- und Kramläden, und manchmal fragt man sich schon, wovon die Menschen dort eigentlich leben.

Vermutlich von: nicht viel. Die Wirtschaftskrise ist Lissabon leider deutlich anzusehen. Ich war das letzte Mal im Februar 2013 dort, und seitdem hat sich erneut einiges zum Schlechten verändert. Mehr Häuser stehen leer. Mehr Häuser verfallen. Mehr Baulücken und Ruinen sind plötzlich zu sehen.
Auch in der Innenstadt. Mehr an den Ladenstraßen entlangspaziert, könnte meinen, alles sieht schick aus – und es sieht ja auch vieles schick aus.
Dann aber haben wir eine Stadtrundfahrt gemacht, mit einem Cabriobus. Oben sitzend und mit freiem Blick sieht man dann auch, was über den Läden abgeht – die Dächer nämlich. Der Verfall schleicht voran, und es bricht einem das Herz.

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2013

Dienstag, den 31. Dezember 2013
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DIE BESTE PARTY
Neujahrsparty auf dem Binzer Kurplatz

DAS BESTE KONZERT
Karl Hyde in Berlin

DER BESTE SONG
Robin Stjernberg: You
außerdem:
ByeAlex: Kedvesem,
Casper: Im Ascheregen,
Moby: Everything that Rises,
Revolverheld: Das kann uns keiner nehmen,
Woodkid: Run Boy run,
Crystal Fighters: You & I,
Bosse: Schönste Zeit,
Olli Schulz: Rangelsong,
Frida Gold: Liebe ist meine Rebellion,
Tom Odell: Another Love

DAS BESTE ALBUM
Casper: Hinterland

DER BESTE FILM
Gravity
außerdem:
Alles eine Frage der Zeit,
Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger,
The Place beyond the Pines,
Sein letztes Rennen

DER SCHLECHTESTE FILM
Les Misérables
außerdem:
Only God forgives,
The Hangover III,
The Bling Ring,
Systemfehler – Wenn Inge tanzt

BESTE TV-SENDUNG
Sowas wie Glück – Eine Reise mit Anke Engelke, Das Erste
außerdem:
Arnes Nachlass, Das Erste;
Nichts mehr wie vorher, Sat.1;
Dance Academy, KiKA;
neoParadise/Circus Halligalli, zdf_neo/ProSieben;
Homeland, Sat.1;
heute show, ZDF
ClubBEATZZ, einsplus

SCHLECHTESTE TV-SENDUNG
20 Jahre RTL II – Die Zukunft ist jetzt, RTL II
außerdem:
“Das!” mit Katja Riemann, NDR fernsehen;
Promi Big Brother, Sat.1;
7 Tage Sex, RTL;
Jungfrau sucht die große Liebe, RTL II

BESTER RADIOSENDER
Gar keine Frage: radioeins.

BESTES BUCH
T.A. Wegberg: Klassenziel

BESTER AUGENBLICK
Fünf Tage Odeceixe – Der abendliche Blick in den Sternenhimmel

SCHLECHTESTER AUGENBLICK
Die Galle

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Tausche 5-Euro-neu gegen 5-Euro-alt

Donnerstag, den 3. Oktober 2013
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Seit gut einem Vierteljahr gibt es in ganz Europa die neuen 5-Euro-Scheine. Das Motiv ist so ziemlich das Gleiche, die große “5″ steht woanders, sicherer soll er sein, aber irgendwie sieht er jetzt noch mehr wie Spielgeld aus.
Die meisten der Scheine sind – im Gegensatz zu den alten – noch ganz frisch, ungeknickt und nicht so abgegriffen.

Im Sommer war es noch etwas ganz Besonderes, den neuen Fünfer zu bekommen. Als ich Ende Juli in Portugal war, gab es dort Leute, die ihn noch gesammelt, quasi als Heiligtum betrachtet haben.
Aber nach und nach verschwindet der alte, der neue nimmt seine Stellung ein. Neulich habe ich einem Oranienburger Zeitungsladen gesehen, dass der alte 5-Euro-Schein in einem Extra-Fach landete – er wird ganz offensichtlich aussortiert. Man bekommt heute so gut wie nie mehr einen alten Fünfer ausgehändigt.
Außer in Kremmen, im Theater, da bekam ich das nun bald historische Stück noch einmal ausgehändigt. Und ich habe beschlossen, ihn zu behalten. Bald gibt es ihn ja ansonsten nur noch in Erinnerungen…

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Portugal (13): Treffpunkt Odeceixe

Mittwoch, den 7. August 2013
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(12) -> 6.8.2013

Wenn der Tag gelaufen ist, wenn es draußen langsam dunkel und vor allem wieder kühler wird, dann kommen sie raus, die Menschen. Dann setzen sie sich zusammen, besprechen den Tag oder sinnieren herum.
In Odeceixe kann man das sehr schön beobachten, und fast ist es schon ziemlich klischeemäßig. Geht man am Abend durch das Dorf spazieren, dann läuft man immer wieder an Gruppen mit Rentnern vorbei. Sie sitzen nebeneinander auf den Bänken. Manchmal schweigen sie, aber meistens haben sie sich viel zu erzählen.
Vielleicht habe ich ja mal das Glück und gehöre im hohen Alter auch zu so einer Gruppe von Leuten.

Aber nicht nur die Alten treffen sich, auch die Jungen, die ganz Jungen. Auf einem der Plätze im Dorf, da wo die vielen Kneipen sind, da herrscht Geschrei. Da treffen sich nämlich die kleinen Kinder von Odeceixe. Die, die da wohnen, oder die, die nur zu Gast sind. Dann rasen sie mit dem kleinen Fahrrad den Berg hinab und wechseln sich dabei immer ab. Sie juchzen, und ehrlich gesagt, sieht das ganz schön gefährlich aus. Die sind ja auch erst 4 oder 5 Jahre alt. Sie spielen irgendein Rollenspiel, das sich den Erwachsenen nicht wirklich erschließt. Sie spielen bis zum Abwinken – oder eher zum Einschlafen. Am Ende, es ist dann gern mal schon 23 Uhr, sind sie völlig fertig.

In der Zwischenzeit versammelt sich auch die Dorfjugend und vermischt sich mit der Touristenjugend. Alle zusammen gehen sie in die Bar, die um 22 Uhr öffnet und aus der schon Popmusik zu hören ist. Lange halten sie sich dort aber nicht auf, vielleicht ist es dort drin doch zu öde. Denn nicht sehr viel später sieht man sie schon wieder in den schmalen Gassen des Dorfes, sie unterhalten sich auf Englisch und Portugiesisch.

So geht das wohl jeden Abend in Odeceixe, und irgendwie hat das was sehr Entspanntes. Also, wenn nicht gerade eines der Kinder auf die Fresse fliegt.

Mal schauen, ich hoffe, dass ich nicht das einzige Mal in Odeceixe zu Gast war. Das Fleckchen Erde ist es wert, wieder hinzufahren.

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Portugal (12): Ein Funke genügt

Dienstag, den 6. August 2013
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(11) -> 4.8.2013

Ein Ausflug während der Woche in der Algarve führte uns zu einer Bekannten meiner Cousine. Die deutsche Familie lebt seit zehn Jahren in Portugal. Der Mann arbeitet in einer Bäckerei, die Frau bewirtschaftet den Hof, der Sohn besucht eine portugiesische Schule.
Der Weg zum Hof führt quasi durch die Steppe. Von der großen Hauptstraße führt ein schmaler Sandweg durchs Nichts, ein extrem holpriger Weg, bei dem das Auto schon mal aufsetzt, bringt uns zum Hof.
Die Ruhe dort ist fast schon ein bisschen bedrückend.

Die Familie war einst lange auf der Suche nach einem Grundstück, erzählt die Frau. Das, wo sie jetzt leben, sei das Letzte gewesen, was sich sich angesehen hatten – im strömenden Regen. Man solle sich Grundstücke immer im Regen ansehen, wenn es gerade nicht so gut aussieht, wie zum Beispiel bei Sonnenschein. Heute bereuen sie es ein wenig, sich einen so großen Hof und ein altes Haus zugelegt zu haben. Jetzt, zehn Jahre danach, hätten sie sehr viel damit zun tun, alles instandzuhalten. Viel Geld, alles in Schuss zu halten, sei nicht da.

Spannend werde es, wenn es irgendwie in der Nähe einen Brand gibt. Und das kommt im Sommer leider gar nicht so selten vor. So weit, dass sie kurz davor waren, zu flüchten, Haus und Hof aufzugeben, waren sie wohl erst einmal. Jetzt setzen sie sich irgendwo hin und beobachten, wie sich das Feuer entwickelt. Rast es auf sie zu, dann müssen sie eben handeln. Vorher bleibt ihnen nichts anderes übrig, als zu warten. Bei der Trockenheit fehlt nicht viel, um ein Feuer auszulösen. Und der kleinste Funke kann in der dortigen Steppe eine Katastrophe auslösen.

Unweit des Hofes gibt es riesige Flächen, auf denen beispielsweise Erdbeeren und Himbeeren angebaut werden – ganzjährig, teilweise im Gewächshaus. Bis vor einigen Jahren hätten vor allem Bulgaren diese Arbeit erledigt, nun seien es oft Thailänder. Und die Portugiesen – das kommt einem irgendwie bekannt vor – haben nun Angst, dass ihnen die Thailänder alles unter dem Arsch wegklauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Sei natürlich alles Unsinn, sagt die Frau.
Zudem gebe es bei den Pflückern eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Portugiesen dürften so zum Beispiel nur Erdbeeren pflücken, die auf einer Erhöhung angebaut seien. Die Thailänder dagegen müssen sich bücken, müssen schwerer arbeiten und werden dafür mieser bezahlt. Kein Wunder also, dass Portugiesen die Scheißarbeit nicht machen wollen.
Solche Zustände und Befindlichkeiten gibt es also nicht nur in Deutschland. Interessant, so was mal zu hören.