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Breaking News: Zwischenfall in Münster

Dienstag, den 10. April 2018
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SA 07.04.2018 | 20.00 Uhr | ntv

Bitte nicht spekulieren. Die Polizei in Münster hat höflich darum gebeten, und irgendwie fanden ja alle, dass Spekulationen gar nicht gut seien und niemandem nutzen würden. Aber was, um Gottes Willen, soll man denn sonst erzählen, wenn man nichts, aber auch gar nichts weiß?

Am Sonnabendnachmittag raste in der Innenstadt von Münster ein Kleinlaster in eine Menschenmasse. Motiv: unklar.
Beim WDR dauerte es gute zwei Stunden, bis man mit einer kurzen Nachrichtensendung informierte. Bei phoenix ging es ein bisschen früher los.
Aber die privaten Nachrichtensender ntv und Welt waren dafür total präsent. Senden, senden, senden – dass die Reporter nichts wussten, war zweitrangig.

Die Wörter “offenbar” und “wohl” und “vielleicht” und “eventuell” hatten Hochkonjunktur. Angeblich gingen die Behörden von einem Anschlag aus, will man bei Welt erfahren haben. Und bei ntv faselte die Moderatorin davon, dass es ja total klar sei, dass man zu diesem Zeitpunkt – um kurz nach 17 Uhr, viel spekulieren müsse. Also, ähm, nein, man wolle natürlich nicht spekulieren, und man solle ja auch nicht spekulieren. Aber ntv war nun mal live und dauerhaft auf Sendung, ja, da MUSS man eben spekulieren, auch wenn einen das irgendwie…. ähm, na ja, den Puls hochtreibt, weil endlich mal wieder mehr Leute ntv einschalten. Dennoch, man wolle sich zurückhalten mit Spekulationen, stattdessen sagen, was man denn wisse.
Und weil das schlicht und einfach: nichts war, orakelten die Journalisten munter trotzdem gute drei Stunden lang, was das Zeug hält. Irgendwer hat bei Twitter von einem Anschlag gesprochen, was man bei ntv natürlich gleich verkündet – ist ja schließlich eine brauchbare Quelle, dieses Twitter.

Beim Teilzeitnachrichtensender Welt ist man unterdessen empört, dass ja auch viele Falschmeldungen im Umlauf seien. Wie zum Beispiel die von Welt, es könnte sich um einen Terroranschlag handeln.
Bei AfD mehren sich unterdessen die Erregungserektionen, viele sind da schon ganz aufgeregt und natürlich empört, empört, empört – weil es ist ja – und das weiß ja jeder – ein Terroranschlag! Natürlich hat Angela Merkel daran schuld, und deshalb twittert AfD-Frau Beatrix von Storch “Wir schaffen das!” – mit Kotzsmiley. Andere würden vielleicht erst mal Beileid wünschen und auf Fahndungsergebnisse warten – nicht so die AfD-Leute, die sich zu freuen scheinen, dass endlich mal wieder ein Islamist was gemacht habe.

Bei Welt telefoniert man unterdessen mit einem Reporter namens Jens (ui!), der allerdings in Köln sitzt und auch nicht mehr weiß, als die Kollegen in Berlin. Vermutlich war man kurz davor, auch den Reporter in Washington noch anzurufen, um ihn zu fragen, ob er irgendwas gehört hat.
Natürlich saßen bald auch die Terrorexperten mit in den Nachrichtenstudios, denn auch wenn man noch nicht weiß, ob es Terror war (aber man geht ja davon aus, was soll es sonst sein?), kann man ja schon mal über eine Terrorzelle und über Mitwisser spekulieren. Und ein bisschen über die Salafisten plaudern. Und wenn es denn ein Anschlag sein sollte, man müsse es ja NOCH so sagen, meint der Terrorexperte. Rainer Wendet von der Polizeigewerkschaft ist auch schon da, und erläutert, dass man ja inzwischen mit allen möglichen Gegenständen Terroranschläge verüben könne. Und in der Regie kriegen alle schon ganz glasige Augen.
Zwischendurch noch schnell Twitterklatsch, wonach ein zweiter Täter auf der Flucht sei und aktuell eine Bombe entschärft werde. Wahrheitsgehalt: ungeprüft. Egal. Füllt Sendezeit. Auf Sendung damit.

Und dann: Ups, ist ein Deutscher. Also, laut ntv-Reporter ein Fast-Deutscher. Und da muss man ja wirklich noch mal ganz deutlich nachfragen, ob es denn nicht eventuell und vielleicht doch um einen islamistischen Anschlag handeln könnte – schließlich habe man ja nun stundenlang im Terrormodus gesendet, und da wäre ja ja blöd, wenn es doch nur der Jens – also nicht der Welt-Jens – gewesen wäre, der einfach nur psychisch krank ist und kein Terrorist.

Und im Ersten war Münster der “Tagesschau” drei Minuten und keinen Brennpunkt wert. Wer zu diesem Zeitpunkt drei Stunden lang die Breaking News auf ntv und Welt gesehen hat, wird vermutlich wieder mosern, man zahle ja schließlich Rundfunkgebühren – und dann nicht mal ein Brennpunkt? Im Nachhinein ist die Entscheidung richtig.
Vielleicht ist es in unserer rasend schnellen Welt der Informationen manchmal schmerzhaft, abzuwarten. Und sich erst mal zurückzuhalten. Münster war dafür ein Lehrstück. Dass da jemand etwas draus gelernt hat, ist jedoch unwahrscheinlich. Welt und ntv haben am Sonnabend gezeigt, wie man die Menschen ganz schnell erregen und aufhetzen kann, in dem sie einfach munter Gerüchte verbreiteten und sich gleichzeitig empörten, dass irgendjemand Gerüchte verbreiteten. Also sie selbst.

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Bundestag live: Wahl der Bundeskanzlerin

Donnerstag, den 15. März 2018
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MI 14.03.2018 | 8.30 Uhr | phoenix

Auweia! Merkel hat keine 100 Prozent bekommen! Schlimme Sache!
Auf phoenix war am Mittwochmorgen die Wahl von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin zu sehen. Völlig überraschend hat sie gewonnen – aber nur 91 Prozent der möglichen Stimmen der Großen Koalition bekommen. Schock!
Da wunderten sich auch die phoenix-Kommentatoren, und überhaupt alle sehen schon die Dämmerung wieder aufziehen.

Dabei ist es sehr selten, dass bei der Kanzlerwahl alle Koalitionsstimmen an die Kanzlerin vergeben wurden. 2013 waren es 92 Prozent, 2005, bei Merkels erster Wahl sogar “nur” 89 Prozent.
Man könnte sagen, dass bei der Wahl nichts Außergewöhnliches passiert ist. Aber das wäre ja langweilig.

Dass die SPD ihrer Quasi-Chefin aber kaum Applaus gespendet haben, als die Wahl verkündet worden ist, das wirkte dann aber doch ein bisschen merkwürdig. Kein Jubel bei der GroKo-Verkündung, kaum eine Regung bei der Kanzlerinwahl – die SPD wirkt ein wenig wie eine Geisel in Schockstarre.

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Bundestag live: Verhalten der Bundesregierung im Fall Deniz Yücel

Freitag, den 23. Februar 2018
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DO 22.02.2018 | 18.15 Uhr | phoenix

Dass ausgerechnet die AfD sich über angebliche Hassprediger beschwert, ist ja schon ein bisschen lustig. Wo doch in der AfD selbst so viele Hassprediger sind. Die werden zwar danach von der Parteispitze abgemahnt, aber in Wirklichkeit lachen die da vermutlich herzlich drüber.
Dass ausgerechnet die AfD und vor allem ihre Anhänger sich über angebliche Meinungsfreiheit beschweren, ist auch ein bisschen lustig. Wo doch die AfD und vor allem ihre Anhänger andersdenkenden Menschen (also anders denkend als AfD-Fans) den Mund verbieten wollen und oft extrem beleidigend werden.
Am frühen Donnerstagabend sorgte die angebliche Alternative für Deutschland dafür, dass der Bundestag über Deniz Yücel sprechen musste. Nach etwas über einem Jahr kam der “Welt”-Journalist aus türkischer Haft frei. Das ist erfreulich, auch wenn nun andererseits über die vielen anderen noch inhaftierten Journalisten nicht mehr gesprochen wird.

AfD-Politiker jedoch zogen es vor, über Yücel zu hetzen (wobei AfD-Politiker an der Stelle sich verbitten, von Hetze zu sprechen). Er sei weder Deutscher, noch Journalist, hieß es da. Und am Donnerstag ging es auf Antrag der AfD im Bundestag darum, dass Yücel nach zwei Kolumnen in der taz gemaßregelt wird. Die sind zwar schon sieben und sechs Jahre alt – aber egal. Dass der Bundestag oder die Regierung nicht befugt sind, Journalisten maßzuregeln, auch das ist egal.

Die Debatte ist am Donnerstag live auf phoenix übertragen worden, und wenn es irgendwas Gutes hat, dass die rechten Blauen im Bundestag sind, dann, dass plötzlich wieder lebhaft gestritten wird, dass da sich die Politiker eindeutiger positionieren, sich besser vorbereiten, leidenschaftlicher für ihre Sache eintreten. Dass der Bundestag ausgeschlafen hat.

Man muss wirklich nicht gut finden, was Deniz Yücel damals in den betreffenden Kolumnen geschrieben hat, und tatsächlich musste die taz damals wegen einiger Äußerungen im Artikel 20.000 Euro an Thilo Sarrazin zahlen. Aber der Bundestag redet ja auch nicht über die mitunter sehr populistischen Artikel in der rechten Presse.

Cem Özdemir von den Grünen hielt eine leidenschaftliche Gegenrede. Er warf der AfD vor, mit dem türkischen Präsidenten Erdogan in einem Boot zu sitzen, der wolle auch allen vorschreiben was Recht ist. Die Blauen, so Özdemir weiter, wollen eine Gleichschaltung. “In unserem Land, in der Bundesrepublik Deutschland, gibt es keine Gleichschaltung, von der Sie nachts träumen, bei uns gibt es Pressefreiheit.” Und weiter: “Sie wollen bestimmen, wer Deutscher ist und wer nicht! Wie kann jemand, der Deutschland, der unsere gemeinsame Heimat so verachtet, wie Sie es tun, darüber bestimmen, wer Deutscher ist?” Die AfD würde das Land verachten, das Parlament, die Werte der Aufklärung und alles, wofür Deutschland weltweit geachtet und respektiert werde.

Da prallen Welten aufeinander, und die AfD spielt sich mal wieder als Opfer auf. AfD-Anhänger sprechen davon, dass Özdemir ein Pöbler sei, keine Manieren und nur beleidigt habe. Dabei leben die Blauen auch genau davon. Von Provokation, Grenzverletzungen, verbalen Attacken, von Angstmacherei, von Hass.
Aber das Schlimme ist, dass es immer schwieriger sein wird, diese Gegensätze irgendwie noch unter einen Hut zu bekommen. Die AfD-Anhänger haben kein Ohr mehr dafür, was man ihnen sagt. Andersrum aber auch nicht. Da schaukelt sich etwas hoch, und in der AfD wird man sich genüsslich die Hände reiben.

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phoenix vor Ort: Außerordentlicher SPD-Bundesparteitag

Mittwoch, den 24. Januar 2018
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SO 21.01.2018 | 10.45 Uhr | phoenix

Die SPD erlebt gerade nicht ihre allerschönste Zeit. Am Sonntag stand beim außerordentlichen Bundesparteitag die Frage im Raum, ob Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU aufgenommen werden sollen.
Man kann ja von Politik halten, was man will: Aber es gibt diese Momente, wo sie sehr spannend sein kann.

Normalerweise schlägt man sich den Sonntag ja nicht mit einer viereinstündigen Übertragung einer Debatte mit lauter Monologen um die Ohren. Insofern bot phoenix nicht unbedingt ein unterhaltsames Entspannungsprogramm.
Aber zu erleben, wie sich die Genossen stritten, wie die Jusos vehement dagegen redeten, in eine erneute Große Koalition einzutreten, wie andererseits Martin Schulz und Andrea Nahles mehr oder weniger emotional an ihre Parteikollegen zu appellieren, mit “Ja” zu stimmen, das war fesselnd.

Die einen warnen, dass die SPD vor die Hunde geht, die anderen warnen, dass auch #NoGroKo dazu führt, dass die SPD den Niedergang erlebt und Neuwahlen alles andere als gut wären.

Und, dann nach 16 Uhr, der Showdown: die Abstimmung, an dessen Ende ein relativ knappes “Ja” stand. Interessant ist das auch deshalb, weil dieses “Ja” zeigte, dass die Ablehnenden zwar die lauteren Menschen sind – sie sind aber eben nicht in der Mehrheit. Minderheiten müssen auf sich aufmerksam machen, aber sie sind eben doch Minderheiten. So wie im richtigen Leben auch.

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phoenix vor Ort: Pressekonferenz zum Ende der Sondierungen

Sonntag, den 14. Januar 2018
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FR 12.01.2018 | 10.50 Uhr | phoenix

Uijuijui. Nur fast vier Monate nach der Bundestagswahl erleben wir das Ende von Sondierungen. Also, diesmal mit positivem Ende. CDU/CSU und SPD haben miteinander gesprochen und haben vereinbart, dass sie demnächst verhandeln wollen. Aber nur, wenn die Leute in der SPD-Basis das auch wollen. Wenn die das nicht wollen, dann folgen auf die Sondierungen wohl doch keine Verhandlungen, und dann weiß eigentlich keiner mehr so genau, wie es weiter geht. Und wen man überhaupt noch wählen soll, weil in Wirklichkeit keiner mehr so richtig Bock hat zu regieren und irgendwelche Kompromisse zu machen.

Nun standen sie am Freitagvormittag also vor den Kameras – phoenix und andere Sender übertrugen live -, nach ihren eintägigen Verha…, äh, Sondierungen: Martin Schulz sagte, man habe den Wunsch und den Willen den Zusammenhalt zu fördern und zu stärken. Und die Erneuerung. Und die Stärkung des vertrauens. Er sprach von hervorragenden Ergebnissen – während an der Basis schon wieder die #noGroKo-Bilder für die Facebook-Seiten vorbereitet worden sind.

Auch Merkel und Seehofer machten gute Miene zum eigentlich nicht so guten Spiel – aber was sollen sie auch anderes machen. Sie können ja nun nicht niederknien und die SPD-Leute anbetteln, doch nun wirklich verhandeln und eine Regierung bilden zu dürfen.
Das ist das Schlimme an der aktuellen Situation: Egal, was rauskommt – es ist nicht besonders gut für unser Land. Es spaltet – selbst in den SPD-Reihen, überall. Aber Alternativen? Minderheitsregierung? Schwierig. Noch mal die FDP fragen. Na ja. Neuwahl? Was soll da raus kommen? Irgendwie ist das alles nicht gerade motivierend.

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Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

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Peter Hahne: Fußball, Gott und die große Bühne

Dienstag, den 12. Dezember 2017
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SA 09.12.2017 | 19.30 Uhr | phoenix

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass in Zukunft das Wochenende nicht mehr vollständig ist? Dass man was vermisst, weil einen Peter Hahne nicht mehr angrinst und dämliche Fragen stellt, ob es mir auch so geht wie ihm? Dass man sich am Wochenende nicht mehr einlullen lassen kann, weil die gepflegte Laberei auf phoenix im ZDF bedauerlicherweise eingestellt worden ist?

Geht es dir auch so wie mir, wenn ich sage, dass das Ende von “Peter Hahne” kein großer Verlust ist? Am Wochenende lief die letzte Ausgabe seiner Gesprächssendung. Das ZDF scheint auch nicht mehr viel von ihrem Ex-Star gehalten zu haben, denn die kleine Talkshow hat man irgendwann ins tiefe Nachtprogramm abgeschoben. Immerhin gab es zuletzt eine Erstausstrahlung am Tag zuvor auf phoenix – fast zur Primetime. Aber auch da scheint er quotentechnisch nicht für Furore gesorgt zu haben. Vielleicht wollten sich die Leute dort auch nicht blöd von der Seite anquatschen lassen, ob man sich auch so fühle wie Hahnes Peter. Deshalb geht er nun in Rente.

Aber vermutlich wird er weiter von sich reden machen – wie beispielsweise mit seinen wunderlichen Kolumnen in der “Bild am Sonntag”. Dort nölte er über das moderne Weihnachtsfest. Das sei alles nicht mehr schön, weil die Leute jetzt alleine zu hause sitzen und Geschenke im Internet bestellen. da sei man ja total alleine. Für den Kirchenmann Peter Hahne ist Weihnachten nämlich, sich ins Kaufhaus-Getümmel zu stürzen, das Gedränge zu ertragen und dem Kaufrausch im Laden zu erliegen. Gut zu wissen. Ich dachte ja immer, dass für Kirchenleute Weihnachten eine ganz andere Bedeutung hat. Aber beim Hahne, Peter zählt halt auch nur der Kommerz. Frohes Fest.