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phoenix vor Ort: Das Referendum

Freitag, den 24. Juni 2016
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DO 23.06.2016 | 22.45 Uhr | phoenix

Wenn du glaubst, dass die “Tagesschau” im Ersten oder die “heute”-Leute im ZDF ein großes Studio haben, dann hast du wahrscheinlich noch nie die Nachrichten der BBC gesehen.
Im Laufe der phoenix-Berichterstattung über das britische Referendum zum möglichen EU-Austritt ist auch immer wieder zur BBC geschaltet worden, um deren Live-Sendung zu übernehmen.

Um einen Tisch saßen lauter Experten, aber dahinter, irgendwo ganz klein im hinteren Teil des Studios stand ein weiterer Moderator, um zu zeigen, wo in Großbritannien schon abgestimmt worden ist. An einer riesigen, ewig langen Wand wurde irgendwelche Balken eingeblendet. Es schien, als ob jeder Wahlkreis einen Balken hatte, denn es waren unfassbar viele Balken.
Davor war noch auf dem Boden eine große Karte der britischen Insel, die immer farbiger wurde, je nachdem wo schon ein Ergebnis vorlag. Aber selbst die Kameraleute schienen Probleme gehabt zu haben, die riesigen Studiodimensionen einzufangen. In einigen Einstellungen war der BBC-Mann so klein, das man ihn im Bild kaum noch erkennen konnte.
Zumal es sich offenbar um ein virtuelles Studio handelt, denn der Moderator stakste ein wenig unsicher durch seine Fernsehhalle. Ist ja auch blöd, wenn man stundenlang und immer wieder ins grüne Nichts zeigen muss.
Dagegen ist das Tagesschau-Studio ja noch kuschelig klein und beruhigend real.

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phoenix vor Ort: Fußball-EM 2016 – DFB-Pressekonferenz

Mittwoch, den 15. Juni 2016
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DI 14.06.2016 | 12.45 Uhr | phoenix

Ja, okay, das waren etwas, nun ja, unschöne Szenen. Und sie spielten sich zwar bei der Fußball-EM ab, aber nicht unmittelbar auf dem Platz. Sondern daneben. Erst schiebt sich Bundestrainer Jogi Löw die Hand in die Hose, dann schnüffelt er an der Hand. Das gleiche Spiel dann, ähm, hinten.
Nun kann man sich natürlich einerseits fragen, warum Löw das macht, obwohl er ja weiß, dass er permanent von Kamera beobachtet wird. Aber andererseits ist das auch typisch Internet: Tausende Leute schicken sich diese Szenen amüsiert und hämischem Muahahaha in den sozialen Netzwerken rum. Hat sich Jogi also an die Eier gepackt.
Das also war es, worüber sich Fußballdeutschland am Dienstag das Maul zerrissen hat.

Und natürlich war das am Dienstagmittag auch bei der von phoenix gezeigten DFB-Pressekonferenz ein Thema. Ein Journalist wollte wissen, was denn die Mannschaft davon halte, als ob da jetzt eine große Krise ausgebrochen wäre.
Aber Lukas Podolski hatte die richtige Antwort darauf parat: Schließlich würden sich ja 80 Prozent von uns mal an die Eier packen. Bäm. Und damit war das Thema erledigt. Zumindest in der Pressekonferenz. Ansonsten wird Jogi Löw diese Bilder wohl so schnell nicht mehr los.

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Peter Hahne: Alles für die Alten – Kommen die Jungen zu kurz?

Dienstag, den 14. Juni 2016
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SO 12.06.2016 | 1.20 Uhr (Mo.) | ZDF

Kurz vor zwei, mitten in der Nacht zum Montag im ZDF: Peter Hahne diskutiert mit seinen Gästen über den Generationenkonflikt. Darüber, was denn mal aus der Rente wird. Und ob die Alten vielleicht egoistisch sind.
Die eigentliche Frage ist aber: Wer sieht sich so was gezielt an, nachts um 1.20 Uhr?

Das ZDF scheint Peter Hahne einfach nicht loszuwerden. Immer noch steht er grinsend am Beginn der Sendung im Studio rum und fragt die Zuschauer: “Geht Ihnen das auch so…?” Und vielleicht will er ja sagen: “Geht es Ihnen auch so, dass Sie nachts nicht schlafen können, um meine verschnarchte Sendung sehen zu können? Aber das ZDF wird mich nicht los!”
Ja, so scheint es. Das ZDF kann sich noch so viele Programmreformen ausdenken – Hahne sendet weiter. Angefangen hat er am Mittag gegen 13 Uhr, dann wurde die Sendung wegen akuter Quotenschwäche auf 10.15 Uhr vorgezogen und wegen immer noch großer Quotenschwäche in die Nacht abgeschoben. Immerhin läuft die Premiere von “Peter Hahne” mit Peter Hahne nun aber sonnabends um 19.30 Uhr auf phoenix.

Aber Hahne scheint einen Vertrag auf Lebenszeit zu haben – unkündbar? Vermutlich würde er auch grinsend die Leute befragen (”Geht es Ihnen auch so? Senile Bettflucht?”), wenn es 3 Uhr nachts wäre.

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Eurovision Song Contest 2016 – 2. Halbfinale

Freitag, den 13. Mai 2016
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DO 12.05.2016 | 21.00 Uhr | phoenix

Immerhin ist Litauen im Finale. Donny Montell hatte mit “I’ve been waiting for this Night” am Donnerstagabend immerhin noch einen schönen Song mit einem tollen Refrain geliefert. Das war der beste Song des Abends – allerdings stach er auch nur wenig aus der Masse heraus.

Das muss man leider so sagen: Das 2. Halbfinale des Eurovision Song Contests 2016, live übertragen von phoenix und einsfestival, war leider ganz schön langweilig. Europa kam mit viel Einheitsquark daher. Gefälliger Pop. Rock, der aber auch nur gefallen wollte. Und selbst Australien hat schnell gelernt und schickte eine Sängerin mit Glitzerkleid und Ballade nach Stockholm.
Alles war nett, manchmal ein bisschen schief, und wenn man die Nettigkeit kaschieren wollte, dann arbeitete man eben mit Videoeffekten, in denen der Sänger irgendwie nackt zu sehen ist – so wie Weißrussland in diesem Jahr. Und damit hat er es noch nicht mal ins Finale geschafft.

Mit nur “nett” wird so eine Show aber leider nicht aufregend. In dieser Hinsicht hatte das Halbfinale 1 sehr viel mehr zu bieten.

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Eurovision Song Contest 2016 – 1. Halbfinale

Mittwoch, den 11. Mai 2016
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DI 10.05.2016 | 21.00 Uhr | phoenix

Europa, wir müssen reden. Mal wieder. Leute, irgendwie schafft ihr es immer wieder, meine persönlichen ESC-Favoriten zu ignorieren.
Im 1. Halbfinale des Eurovision Song Contests 2016 in Stockholm traf es diesmal Serhat, der für San Marino antrat. “I don’t know” war eine recht außergewöhnliche 70er-Jahre-Disconummer, die aber irgendwie sehr cool war. Nur stehe ich mit der Meinung wohl relativ alleine da. San Marino ist raus. Wobei der Auftritt des Mittfünzigers irgendwie auch nicht so cool rüberkam, wie im vorher veröffentlichten Video, in dem allerdings wesentlich mehr Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne waren (beim ESC selbst dürgen nur sechs Leute auf der Bühne stehen – könnte man mal abschaffen, die Regel).

Ansonsten bot die Show, die am Dienstagabend bei phoenix und einsfestival zu sehen war, viel Pop, ein bisschen Folklore, ein bisschen Rock, Windmaschinen und eine Spur Langeweile – alles wie immer also. Allerdings nutzen immer mehr Länder, die Bühne für aufwendige visuelle Effekte.

Russland zum Beispiel tritt mit einem mittelmäßigen Song an – donnert dafür aber die ganze Power in die Bühnenshow, die dann allerdings so künstlich und kalt wirkte, dass sie irgendwie gar nicht funktionierte. Ist aber wurscht, weil die Russen eh immer weiter kommen.

Immerhin haben es die Niederländer geschafft – mit einem Song, der ein bisschen wie ein Oldie klingt mit einem Hauch Country und einem tollen Refrain: “Slow down”. Und auch die Österreicher sind weiter, erstaunlicherweise mit einem Song auf Französisch. Aber Zoe ist damit offenbar gut angekommen, und das freut mich für unser Nachbarland.

Dass der ESC auch politisch sein kann, zeigte das Pausenprogramm – mit einem Tanz rund um das Thema Flüchtlinge. Am Ende schminkten sich die grauen Menschen ab, lächelten, gingen ins Publikum, und alle nahmen sich an die Hände und feierten die Freiheit. Ein Gänsehautmoment.

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phoenix vor Ort: Merkel-Erklärung zum Fall Böhmermann

Samstag, den 16. April 2016
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FR 15.04.2016 | 13.05 Uhr | phoenix

Der Fall Böhmermann. Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln.
Böhmermann überall. In der Tagesschau, im Mittagsmagazin, im Frühstücksfernsehen, bei “aspekte”, als Topthema bei N24 – und natürlich die Live-Übertragung eines Merkel-Statements bei “phoenix vor Ort”.
Hätte so vor zwei Wochen auch niemand erwartet.

So aber war phoenix am Freitagmittag live dabei, als Bundeskanzlerin Merkel verkündete, dass die Bundesregierung es zulässt, dass die Staatsanwaltschaft gegen Böhmermann und das angebliche Schmähgedicht aus dem “NeoMagazin Royale” bei zdf_neo ermitteln kann. Stichwort: Ermächtigung.
Das Geschrei ist groß, und das zurecht.

Aber andererseits: Merkels Entscheidung ist richtig. Nicht der Staat darf über etwas entscheiden, was eigentlich Gerichte klären müssen. Gerichte und Richter sind dazu da, zu überprüfen, ob Gesetze eingehalten worden sind. Wenn ein Herr Erdogan aus der Türkei den Herrn Böhmermann aus Deutschland anzeigt, dann soll das Gericht prüfen, was damit passiert.
Und das Ergebnis kann mit gesundem Menschenverstand eigentlich nur heißen: Sieg für die Satirefreiheit.

Dass Angela Merkel gleich noch ankündigte, dass der Paragraf bald abgeschafft werden soll, der es Erdogan (noch) ermöglicht, zu klagen, das ist fast schon Ironie und auch schon Satire. Der Kabarettist Florian Schroeder sagte, das sei eine schallende Ohrfeige für Erdogan. Und damit hat er recht – auch wenn der ganze Vorgang zunächst anders wirkt.
Der Fehler der Kanzlerin war, dass sie sich nicht von vornherein aus dem Vorgang rausgehalten hat. Stattdessen faselte sie etwas von Böswilligkeit des Satirikers. Damit entzündete sie erst das Feuer.

Es hätte sicher sehr vielen Leuten gefallen, wenn Merkel nun die Ermächtigung verweigert hätte. Das wäre gut gewesen für Böhmermann , aber eben auch wieder eine Einmischung des Staates.
Sollen doch die Gerichte entscheiden, dazu haben wir sie.

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Tagesschau: Terror in Paris

Sonntag, den 15. November 2015
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FR 13.11.2015 | 23.00 Uhr | Das Erste

Diesen Freitag, den 13. November 2015, werden Matthias Opdenhövel, Mehmet Scholl und Tom Bartels wohl nie wieder vergessen. Sie kamen nach Paris, um ein Fußball-Freundschaftsspiel zu kommentieren – Frankreich gegen Deutschland. Am Ende mussten sie jedoch Horrormeldungen verkünden, das Grauen.
Und die Terroranschläge von Paris sind in der Tat der blanke Horror, und in Gedanken fühlen wir mit den Franzosen und trauern um die Opfer.

Über diesen Abend im Ersten wird jedoch zu reden sein. Denn die ARD-aktuell-Redaktion hat die Sportreporter am Freitagabend eiskalt im Regen stehen lassen.
Alles begann mit einem großen Knall während des Fußballspiels. Und noch einem.
Als in der zweiten Halbzeit die ersten Terrormeldungen eintrafen, musste Kommentator Tom Bartels sie verkünden – aber dennoch weiter das laufende Spiel kommentieren. Es fiel ihm hörbar schwer, und als die Nachricht kam, dass es dutzende Tote gab, hörte es sich an, dass er kurz die Fassung verlor.

Nach dem Abpfiff mussten dann Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl ran, sie standen im Stadionstudio. Sie wussten vom Terror nur wenig, sie wussten nur: Der Fußball ist zur Nebensache geworden, Spielerinterviews fielen weg.
Was aber sollten die Sportreporter nun sagen? Sie wurden dazu verdonnert, im Studio strammzustehen und zu beobachten, wie die Situation im Stadion ist. Mit umher irrenden Menschen, weinenden Kindern.

Dann, endlich, gut zehn Minuten nach Abpfiff, folgte die Übergabe zur Tagesschau. Susanne Daubner rief kurz die Paris-Korrespondentin, die kurz die Erkenntnisse schilderte. Das war’s, zurück zum Sport.
Und dann standen sie da, die beiden Sportreporter. Mehmet Scholl sagte gar nichts mehr, Matthias Opdenhövel war deutlich anzusehen, dass es ihm gar nicht passte, die weiteren Horrormeldungen zu verbreiten und immer wieder ins Stadion zu schalten.
Zwischendurch auch noch Fußballberichte von den anderen Länderspielen – immer mit Opdenhövels Hinweis, dass das ja eigentlich gar keinen mehr wirklich interessiere.
Gegen 23.30 Uhr (!) folgte eine weitere kurze Tagesschau, und erst um 0 Uhr übernahm die Tagesschau endgültig für eine 100-minütige Sondersendung.

Gar keine Frage: Die Sportreporter haben gemacht, was sie machen konnten, und das war angesichts der dramatischen und unübersichtlichen Lage sehr gut.
Aber es ist nicht ihre Aufgabe.
Es ist die Aufgabe der ARD-aktuell-Redaktion. Die aber war nicht bereit.
Chefredakteur Kai Gniffke verteidigt sich, man habe gedacht, der Brennpunkt sei rund um das Stadion und habe deshalb die Sportler weitermachen lassen.
Das kann aber nur eine Lüge sein, denn das ZDF war ab 23.08 Uhr mit dem (sowieso an der Stelle geplanten) “heute journal” auf Sendung, phoenix um 23.00 Uhr mit dem (ebenfalls planmäßigen) Magazin “Der Tag”. Außerdem gab es nach 23.30 uhr bereits Statements und Pressekonferenzen, die man ja hätte ebenso live zeigen können, um Zeit zu überbrücken. Und nicht Fußballspiele.
Auf anderen Sendern war es also möglich, dass Nachrichtenredaktionen die Nachrichten verbreiten. Im Ersten nicht.

Scheinbar hat es sich gerächt, dass das Erste an Fußballabenden in Sachen Nachrichten nicht auf Stand-by ist. An Fußballabenden gibt es neben der “Tagesschau” um 20 Uhr nur noch die “Tagesthemen”, sieben Minuten in der Fußball-Halbzeitpause. Am Freitag wären die nächsten regulären Nachrichten erst um 1.30 Uhr (!) gekommen. Heißt: Im Grunde gibt es an solchen Abenden weder “Tagesthemen” noch “Nachtmagazin”. Es ist kaum was vorbereitet.
Kann es also sein, dass in der Nachrichtenredaktion in Hamburg schlicht Personalflaute herrschte? Oder warum konnten ZDF und Co. etwas, was Das Erste nicht konnte?

Dieser schreckliche Nachrichtentag sollte auch in der ARD zur Erkenntnis führen, auch an Fußballabenden eine vernünftige Nachrichtenversorgung zu gewährleisten.
Denn die ARD kann das – am Sonnabend hat sie es eindrucksvoll präsentiert. Auch zum Tod von Helmut Schmidt oder dem Flugzeugabsturz in den Alpen – beides geschah aber am Tage, als der Nachrichtenbetrieb sowieso auf Hochtouren lief.
Im Nachrichtennotfall aber hat sie versagt.