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phoenix vor Ort: Merkel-Erklärung zum Fall Böhmermann

Samstag, den 16. April 2016
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FR 15.04.2016 | 13.05 Uhr | phoenix

Der Fall Böhmermann. Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln.
Böhmermann überall. In der Tagesschau, im Mittagsmagazin, im Frühstücksfernsehen, bei “aspekte”, als Topthema bei N24 – und natürlich die Live-Übertragung eines Merkel-Statements bei “phoenix vor Ort”.
Hätte so vor zwei Wochen auch niemand erwartet.

So aber war phoenix am Freitagmittag live dabei, als Bundeskanzlerin Merkel verkündete, dass die Bundesregierung es zulässt, dass die Staatsanwaltschaft gegen Böhmermann und das angebliche Schmähgedicht aus dem “NeoMagazin Royale” bei zdf_neo ermitteln kann. Stichwort: Ermächtigung.
Das Geschrei ist groß, und das zurecht.

Aber andererseits: Merkels Entscheidung ist richtig. Nicht der Staat darf über etwas entscheiden, was eigentlich Gerichte klären müssen. Gerichte und Richter sind dazu da, zu überprüfen, ob Gesetze eingehalten worden sind. Wenn ein Herr Erdogan aus der Türkei den Herrn Böhmermann aus Deutschland anzeigt, dann soll das Gericht prüfen, was damit passiert.
Und das Ergebnis kann mit gesundem Menschenverstand eigentlich nur heißen: Sieg für die Satirefreiheit.

Dass Angela Merkel gleich noch ankündigte, dass der Paragraf bald abgeschafft werden soll, der es Erdogan (noch) ermöglicht, zu klagen, das ist fast schon Ironie und auch schon Satire. Der Kabarettist Florian Schroeder sagte, das sei eine schallende Ohrfeige für Erdogan. Und damit hat er recht – auch wenn der ganze Vorgang zunächst anders wirkt.
Der Fehler der Kanzlerin war, dass sie sich nicht von vornherein aus dem Vorgang rausgehalten hat. Stattdessen faselte sie etwas von Böswilligkeit des Satirikers. Damit entzündete sie erst das Feuer.

Es hätte sicher sehr vielen Leuten gefallen, wenn Merkel nun die Ermächtigung verweigert hätte. Das wäre gut gewesen für Böhmermann , aber eben auch wieder eine Einmischung des Staates.
Sollen doch die Gerichte entscheiden, dazu haben wir sie.

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Tagesschau: Terror in Paris

Sonntag, den 15. November 2015
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FR 13.11.2015 | 23.00 Uhr | Das Erste

Diesen Freitag, den 13. November 2015, werden Matthias Opdenhövel, Mehmet Scholl und Tom Bartels wohl nie wieder vergessen. Sie kamen nach Paris, um ein Fußball-Freundschaftsspiel zu kommentieren – Frankreich gegen Deutschland. Am Ende mussten sie jedoch Horrormeldungen verkünden, das Grauen.
Und die Terroranschläge von Paris sind in der Tat der blanke Horror, und in Gedanken fühlen wir mit den Franzosen und trauern um die Opfer.

Über diesen Abend im Ersten wird jedoch zu reden sein. Denn die ARD-aktuell-Redaktion hat die Sportreporter am Freitagabend eiskalt im Regen stehen lassen.
Alles begann mit einem großen Knall während des Fußballspiels. Und noch einem.
Als in der zweiten Halbzeit die ersten Terrormeldungen eintrafen, musste Kommentator Tom Bartels sie verkünden – aber dennoch weiter das laufende Spiel kommentieren. Es fiel ihm hörbar schwer, und als die Nachricht kam, dass es dutzende Tote gab, hörte es sich an, dass er kurz die Fassung verlor.

Nach dem Abpfiff mussten dann Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl ran, sie standen im Stadionstudio. Sie wussten vom Terror nur wenig, sie wussten nur: Der Fußball ist zur Nebensache geworden, Spielerinterviews fielen weg.
Was aber sollten die Sportreporter nun sagen? Sie wurden dazu verdonnert, im Studio strammzustehen und zu beobachten, wie die Situation im Stadion ist. Mit umher irrenden Menschen, weinenden Kindern.

Dann, endlich, gut zehn Minuten nach Abpfiff, folgte die Übergabe zur Tagesschau. Susanne Daubner rief kurz die Paris-Korrespondentin, die kurz die Erkenntnisse schilderte. Das war’s, zurück zum Sport.
Und dann standen sie da, die beiden Sportreporter. Mehmet Scholl sagte gar nichts mehr, Matthias Opdenhövel war deutlich anzusehen, dass es ihm gar nicht passte, die weiteren Horrormeldungen zu verbreiten und immer wieder ins Stadion zu schalten.
Zwischendurch auch noch Fußballberichte von den anderen Länderspielen – immer mit Opdenhövels Hinweis, dass das ja eigentlich gar keinen mehr wirklich interessiere.
Gegen 23.30 Uhr (!) folgte eine weitere kurze Tagesschau, und erst um 0 Uhr übernahm die Tagesschau endgültig für eine 100-minütige Sondersendung.

Gar keine Frage: Die Sportreporter haben gemacht, was sie machen konnten, und das war angesichts der dramatischen und unübersichtlichen Lage sehr gut.
Aber es ist nicht ihre Aufgabe.
Es ist die Aufgabe der ARD-aktuell-Redaktion. Die aber war nicht bereit.
Chefredakteur Kai Gniffke verteidigt sich, man habe gedacht, der Brennpunkt sei rund um das Stadion und habe deshalb die Sportler weitermachen lassen.
Das kann aber nur eine Lüge sein, denn das ZDF war ab 23.08 Uhr mit dem (sowieso an der Stelle geplanten) “heute journal” auf Sendung, phoenix um 23.00 Uhr mit dem (ebenfalls planmäßigen) Magazin “Der Tag”. Außerdem gab es nach 23.30 uhr bereits Statements und Pressekonferenzen, die man ja hätte ebenso live zeigen können, um Zeit zu überbrücken. Und nicht Fußballspiele.
Auf anderen Sendern war es also möglich, dass Nachrichtenredaktionen die Nachrichten verbreiten. Im Ersten nicht.

Scheinbar hat es sich gerächt, dass das Erste an Fußballabenden in Sachen Nachrichten nicht auf Stand-by ist. An Fußballabenden gibt es neben der “Tagesschau” um 20 Uhr nur noch die “Tagesthemen”, sieben Minuten in der Fußball-Halbzeitpause. Am Freitag wären die nächsten regulären Nachrichten erst um 1.30 Uhr (!) gekommen. Heißt: Im Grunde gibt es an solchen Abenden weder “Tagesthemen” noch “Nachtmagazin”. Es ist kaum was vorbereitet.
Kann es also sein, dass in der Nachrichtenredaktion in Hamburg schlicht Personalflaute herrschte? Oder warum konnten ZDF und Co. etwas, was Das Erste nicht konnte?

Dieser schreckliche Nachrichtentag sollte auch in der ARD zur Erkenntnis führen, auch an Fußballabenden eine vernünftige Nachrichtenversorgung zu gewährleisten.
Denn die ARD kann das – am Sonnabend hat sie es eindrucksvoll präsentiert. Auch zum Tod von Helmut Schmidt oder dem Flugzeugabsturz in den Alpen – beides geschah aber am Tage, als der Nachrichtenbetrieb sowieso auf Hochtouren lief.
Im Nachrichtennotfall aber hat sie versagt.

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Eurovision Song Contest 2015 – 1. Halbfinale

Mittwoch, den 20. Mai 2015
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DI 19.05.2015 | 21.00 Uhr | phoenix

Gut gemeint, aber trotzdem ausgeschieden. Finnland hat es nicht ins Finale des Eurovision Song Contests 2015 geschafft. Dabei sorgte die Band Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN) für Furore: Mit nur 100 Sekunden lieferten sie mit “Aina mun pitää” (Ich muss immer) den kürzesten ESC-Song aller Zeiten. Und: Alle vier Punkmusiker haben eine geistige Behinderung. Drei haben das Down-Syndrom, einer ist Autist. Integration lautet das Stichwort, und sie bekamen viel Aufmerksamkeit. es heiß, der Einzug ins Finale sei sicher, und eigentlich haben sie das auch schon wieder gewonnen.
Nur leider: Der Song war nicht gut. Und so ein kleines bisschen geht es beim Eurovision Song Contest ja auch um eben jenen Song. Und der ist durchgefallen, und das zurecht. Auch wenn es für die Jungs natürlich schade ist.

Nach dem Sieg von Conchita (die “Wurst” scheint Geschichte zu sein), ist der Eurovisionszirkus in Wien zu Gast. Mit einer pompösen Show startete das dreiteilige Event am Dienstag, übertragen von phoenix. Erstmals können auch gehörlose Zuschauer dabei sein, denn auf einsplus läuft parallel die Show mit Gebärdendolmetschern.

Von 16 Songs kamen zehn weiter. Ein richtiger Kracher fehlte im ersten Halbfinale aber leider. Die Belgier mit dem jungen Mann, der offenbar erst seinen Stimmbruch noch vor sich hat, sind weiter – und hatten einen der besseren Beiträge am Dienstagabend. Die Russen kamen mit einem Friedenslied daher, auf der Bühne standen alle ganz in Weiß – Roy Black nimmt das oben im Himmel sicherlich interessiert zur Kenntnis.
Meine drei weiteren Favoriten, Moldawien (Rowdy macht Polizistin an), Weißrussland (die Geigerin hat’s rausgerissen) und Dänemark (die Band “Anti Social Media” ist bei Facebook), haben es leider nicht geschafft.
Dafür aber Armenien, obwohl das Musical-Arie-Pop-Mischmasch so gar nicht in mein Ohr wollte.

Für das 2. Halbfinale am Donnerstag ist noch sehr viel Luft nach oben. Und ich bin gespannt auf The Makemakes aus Österreich – das Lied finde ich mehr und mehr favoritenverdächtig. Aber ob die Ösis den ESC auch 2016 wieder ausrichten wollen?

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phoenix vor Ort: PK der Staatsanwaltschaft zum Flugzeugabsturz

Freitag, den 27. März 2015
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DO 26.03.2015 | 12.30 Uhr | phoenix

Es ist schier unglaublich: Das Flugzeug, das am Dienstagvormittag in den französischen Alpen abgestürzt ist, ist höchstwahrscheinlich vom Co-Piloten mit voller Absicht an den Felsen gelenkt worden.
Das macht die an sich schon grausame Katastrophe noch unfassbarer. Saß da tatsächlich jemand im Cockpit, der Selbstmord begangen hat und 149 Leute mit in den Tod gerissen hat?

Am Donnerstagmittag übertrug phoenix die Pressekonferenz der französischen Staatsanschaft live, und es war die wohl erschütternste Pressekonferenz des Jahres. Sie selbst war recht nüchtern, aber der Inhalt – der war ein Schock.

Was sie allerdings auslöste war noch aus einem anderen Grund bemerkenswert, denn im Internet begann direkt danach die Hatz auf den Co-Piloten und seine Familie.
Da in der PK sein Name und sein Wohnort genannt wurde, ist damit auch die Jagd auf ihn eröffnet worden.
Mehrere Zeitungen veröffentlichten sofort Fotos des Mannes, samit kompletter Namensnennung. Sie reisten zu seinem Haus, fotografierten das Klingelschild der Eltern, ganze Klickstrecken. Auf Facebook ist sein Profil schnell gelöscht worden, dafür erschienen zig Fakeprofile und Hassseiten, auf denen der Mann übelst beschmipft worden ist.
In Momenten des Schocks, in Momenten des Entsetzens und der Trauer, da verlieren eienige Menschen offenbar jegliches Augenmaß.

Wenn es denn so ist, wie in der PK erzählt wurde, wenn der Co-Pilot seinen Pilot ausgesperrt hat und den Sinkflug einleitete, wenn es wirklich ein Suizid, ein 149-facher Mord war – dann ist das eine unfassbare, grauenvolle Tat.
Aber mit einer Menschenjagd machen wir es nicht besser, mit einem Kübel Hass ist niemandem geholfen.

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phoenix vor Ort: Sonnenfinsternis

Samstag, den 21. März 2015
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FR 20.03.2015 | 10.40 Uhr | phoenix

Meine Güte, da waren wir alle aber wieder ganz dolle aufgeregt! Sonnenfinsternis! Wahnsinn! Da wird es so richtig doll und verdammt dunkel! Da wird der Strom ausfallen, und überhaupt könnte alles wieder ganz schlimm werden!
Schon am Donnerstagabend berichtete das “Nachtmagazin” im Ersten, dass die Experten Angst haben, dass der Strom ausfällt, wenn die Sonne verdeckt wird. Schließlich bekommen die Solaranlagen dann keinen Saft mehr.

Am Freitagvormittag haben die Nachrichtensender dann ausführlich über die Sonnenfinsternis, die ja in Deutschland nur eine partielle Sonnenfinsternis war, berichtet. Auf phoenix unterbrach man dafür sogar die Live-Übertragung aus dem Bundestag.
Auf n-tv sahen die Zuschauer minutenlang zwei Live-Bilder der Sonne, die halb oder viertel oder ein achtel vom Mond bedeckt war. Aus Potsdam. Aus Norwegen. Aus Wasweißich. Wahnsinnig spannend. Auf N24 schalteten sie aufs Senderdach, wo die Wetterfrau beobachtete, dass es doch nicht dunkel wird (verflixt aber auch, das wusste man ja echt nicht vorher), aber wenigstens so ein bisschen fahles Licht herrschte. Angeblich wurden die Vögel ruhiger und angeblich war auf den Autobahnen kaum Verkehr weil angeblich alle auf die 80-Prozent-SoFi starrten.

Und überall die Experten. Auf phoenix wie denn das nun ist auf Spitzbergen. Auf N24 wie denn das nun ist mit dem Strom, und auf n-tv wie denn das nun ist, so überhaupt.
Und dann – ja, dann war es soweit: der Höhepunkt der SoFi in Potsdam und Berlin, dunkel wurde es nicht, spektakulär auch nicht, der Stromausfall ist ausgefallen, aber das war ja dann irgendwie egal, immerhin hatte man was zu erzählen.
Das Bild der schwarzen Sonne aus dem ganz hohen Norden gab’s dann auch noch, und alle waren total glücklich.

Was wird bloß werden, wenn 2081 die nächste richtige Sonnenfinsternis in Deutschland stattfindet? Voraussichtlich werde ich diesen Showdown mit vermutlich drei Tage langen Sondersendungen nicht mehr erleben.

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Wahl 2014: Eurovision-Debatte

Freitag, den 16. Mai 2014
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DO 15.05.2014 | 21.00 Uhr | phoenix

Eurovision? Schon wieder Song Contest?
Nein, nicht ganz. Diesmal ging es im Zusammenschluss der europäischen Fernsehsender ein bisschen (oder ein sehr viel) trockener zu als noch vergangene Woche beim Musikwettbewerb. Bei der “Eurovision-Debatte” ging es um die anstehende Europawahl, und erstmals gab es eine, ähm, Diskussion der Spitzenkandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten.

Vermutlich wäre es sinnvoll gewesen, den Zuschauern erst mal zu erklären, was überhaupt ein Kommissionspräsident ist (was übrigens nach Studieren des entspechenden Wikipedia-Eintrags immer noch, nun ja, ein bisschen unklar ist). Aber die Runde wird nicht umsonst in Deutschland nur auf phoenix ausgestrahlt worden sein. Das Interesse an der Europawahl hält sich in engen Grenzen, und die meisten leute werden nicht mal im Ansatz gewusst haben, was da für Leute in Brüssel vor den Kameras standen und was sie überhaupt wollten.

Und auch nach den 90 Minuten am Donnerstagabend ist man nicht wirklich schlauer. Wer zum ersten Mal mit Europapolitik in Kontakt kam, ist so schlau wie vorher. Wer ist noch mal diese Frau Keller? Und was ist denn diese ALDE? Ein Billigsupermarkt, nur europäisch? Ein paar Leute werden immerhin den Sozialdemokraten Martin Schulz kennen und von Jean-Claude Juncker gehört haben.

Und sonst? Gab es eine spannende Diskussion?
Nicht wirklich. Wie auch! Jeder hatte nur eine Minute, um was zu sagen. Gegenrede war 30 Sekunden lang möglich. In den 90 Minuten gab es zig Themen, aber nichts, was den deutschen Zuschauer jetzt irgendwie speziell betreffen könnte. Die Außenpolitik (welche auch immer) blieb weitgehend im Dunkeln, und auch sonst, also… ähm… Ja, viel hängengeblieben ist da nicht.
Mit dieser Debatte sind die Euromüden sicherlich nicht geweckt worden.

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Eurovision Song Contest 2014: 2. Halbfinale

Samstag, den 10. Mai 2014
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DO 08.05.2014 | 21.00 Uhr | phoenix

Alle wieder gemeinsam im Finale: Deutschland, Österreich und Schweiz, die deutschsprachigen Nachbarn, sind am Sonnabend in der großen ESC-Show in Kopenhagen vertreten. Wir dürfen also gespannt sein, ob sich die drei Länder an der allseits geächteten Punkteschacherei beteiligen werden.

Am auffälligsten dabei ist natürlich Conchita Wurst aus Österreich. Der Travestiekünstler Tom Neuwirth tritt in Frauenkleidern, aber mit Bart auf. Was diese aber dieser seltsame Name bedeiten soll, wieso nennt man sich denn Wurst? Weil es “wurst” ist, ob da ein Mann oder eine Frau auf der Bühne steht?
Er selbst begründet das jedenfalls so.

Im 2. Halbfinale, das am Donnerstag bei phoenix und einsplus lief, traten gerade mal noch 15 Songs an, von denen zehn weiterkamen. Da musste die zweistündige Show schon mächtig gestreckt und mit einem dritten Schnelldurchlauf (schon nach dem Votingschluss) aufgefüllt werden. Sollten 2015 noch weniger Lönder am ESC teilnehmen, wird wohl bald ein zweites Halbfinale überflüssig.