RTZapper

phoenix vor ort: CDU zu Ergebnis der Europa- und Bremenwahl

Mittwoch, den 29. Mai 2019
Tags: , , ,

MO 27.05.2019 | 13.45 Uhr | phoenix

Annegret Kramp-Karrenbauer hat es nicht verstanden. Scheinbar nicht mal im Ansatz.
Die CDU ist bei der Europawahl ziemlich krachen gegangen, und AKK redet am Tag danach, man solle doch mal überlegen, was man gegen Wahlkampfbeeinflussung machen könne.

Sie sagte am Montag in einer von phoenix gezeigten Pressekonferenz: “Als die Nachricht kam, dass sich eine ganze Reihe von Youtubern zusammengeschlossen, um einen Wahlaufruf gegen CDU und SPD zu starten, habe ich mich gefragt, was wäre eigentlich in diesem Land los, wenn eine Reihe von, sagen wir mal, 70 Zeitungsredaktionen erklärt, wir machen einen gemeinsamen Aufruf, wählt bitte nicht CDU und SPD. Das wäre klare Meinungsmache vor der Wahl gewesen. Ich glaube, das hätte eine muntere Diskussion in diesem Land ausgelöst.”

Ja, das hätte es. Und das hat das Rezo-Video ja auch ausgelöst. Aber warum auch nicht? In den USA ist es völlig üblich, dass die Presse vor der Wahl eine Wahlempfehlung ausspricht. Das ist ungewöhnlich und hier nicht üblich. Aber wäre es verboten? Und würde AKK das gern verbieten wollen?
Zumal es in diesem Fall lauter Prominente sind (für Jugendliche sind das alles Promis!), die dort ihre Meinung gesagt haben. Und das will man ihnen verbieten, weil ja gefälligst gerade Wahlkampf zu sein hat und da nur die CDU sagen darf, dass man doch bitte CDU wählen soll?
Was geht eigentlich vor in diesen Politikerköpfen?

Annegret Kramp-Karrenbauer weiter: “Und ich glaube, die Frage stellt sich schon mit Blick auf das Thema Meinungsmache: Was sind eigentlich Regeln aus dem analogen Bereich und welche Regeln gelten eigentlich für den digitalen Bereich. Das ist eine sehr grundlegende Frage, über die wir uns unterhalten werden, und zwar nicht nur in der CDU, sondern auch, ich bin mir ganz sicher, in der gesamten medienpolitischen und demokratietheoretischen Diskussion der nächsten Zeit wird das eine Rolle spielen. Und deswegen werden wir diese Diskussion auch sehr offensiv angehen.“

Da bin ich wirklich gespannt, wie die aussehen soll. Was sind denn eigentlich die Regeln? Darf ein Promi im Internet keine Videos mehr veröffentlichen, in dem er seine Meinung äußert? Die lautete nun mal: Wählt nicht CDU, SPD und schon gar nicht AfD. Soll er das nicht dürfen, weil man das… nun ja, weil ja Wahlkampf ist? Es ist also erlaubt, dass Parteien sagen dürfen: Wählt uns! Andere dürfen aber nicht sagen: Wählt die nicht!
Und ist es nicht so, dass sich zig Videos und Blogs im Internet mit Parteien beschäftigen und am Ende feststellen: Wählt die nicht! Und nur weil jetzt ein Video mehr als 10 Millionen Zuschauer erreicht hat, kreigt man in der CDU plötzlich Muffensaufen.

Klar scheint zu sein: In der CDU ist man auch weiterhin nicht bereit, zu diskutieren. Stattdessen zeigt man mit dem Finger. Stattdessen will man Kritiker mit dem Daumen runterdrücken.
Annegret Kramp-Karrenbauer will nicht ernsthaft diskutieren, stattdessen lieber regulieren. Einige sprechen da von Zensur. Einige vergleichen sie mit Ergogan – was natürlich vollkommen übertrieben ist.
Klar ist aber, dass die CDU in der derzeitigen Debatte erschütternd kopflos und unprofessionell ist.
Am Tag danach tut AKK so, als sei sie missverstanden worden. Es sei absurd, ihr zu unterstellen, sie wolle Meinungen regulieren. Ihr gehe es um Regeln im Wahlkampf.
Was bedeutet, sie will Meinungen im Wahlkampf regulieren. Oder habe ich das jetzt auch wieder falsch verstanden? Was genau gibt es da eigentlich zu regulieren? Ein paar offene Debatten mehr wären stattdessen ganz schön.

Hits: 151

RTZapper

phoenix vor Ort: 70 Jahre Grundgesetz – Rede des Bundespräsidenten

Donnerstag, den 23. Mai 2019
Tags: , ,

MI 22.05.2019 | 19.20 Uhr | phoenix

Herzlichen Glückwunsch! Die Bundesrepublik Deutschland feiert ihren 70. Geburtstag! Was für eine Party! Also, wenn sie denn stattfindet. Vielleicht sagt uns ja noch jemand Bescheid.
Findet es eigentlich niemand merkwürdig, dass unser Land ein wichtiges, großes Jubiläum feiert und es eigentlich nicht wirklich eine Rolle spielt?

Am Mittwochabend übertrug phoenix live aus Karlsruhe eine Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dort wird 70 Jahre Grundgesetzt gefeiert, und ich habe den Eindruck, dass wirklich nur in Karlsruhe… ja, nicht mal gefeiert wird, sondern zusammengesessen und gesprochen wird. Die Steinmeier-Rede in der Stadt des Bundesverfassungsgerichtes kann doch wohl nicht ernsthaft der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag unseres Landes sein?

In der DDR ist der Republikgeburtstag nicht nur ein Feiertag gewesen, es gab Paraden, und irgendwie haben viele Menschen – mehr oder weniger freiwillig – wirklich irgendwas gefeiert. Nun will heute natürlich (hoffentlich) niemand mehr Paraden. Aber wieso feiert man eigentlich den Geburtstag der Bundesrebublik so gar nicht? Vermutlich wissen am 23. Mai die allermeisten Deutschen nicht mal, dass die Deutschen einen wichtigen Tag begehen.
Ja, richtig, wir feiern den 3. Oktober jedes Jahr. Die deutsche Einheit, der ja eigentlich der Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des 1949 geschaffenen Grundgesetzes war. Aber 1990 entstand ja kein vollkommen neuerfundenes Land, und in der heutigen Zeit, in der vor allem rechte Populisten ganz andere Dinge mit uns vorhaben, ist die Erinnerung an ein solches Jubiläum sicher nicht das Schlechteste.

Frank-Walter Steinmeier sagte in Karlsruhe, dass die Menschen in der EU sich wieder mehr politisch engagieren sollten, sowohl außerhalb der Parteien, als auch dazu, “sich ruhig einmal hineinzuwagen in die Werkstätten der Demokratie, die Parteien immer noch sind, und wenigstens zu überprüfen, ob jedes Vorurteil berechtigt ist”.
Es würde aber auch Deutschland an sich gut zu Gesicht stehen, selbstbewusster aufzutreten, wenn es um das eigene Grundgesetz, um die Grundlage für unser Land, um das Fortbestehen unseres Landes geht.
Einige Bundesländer suchen neue Feiertage. Frauentag? Kindertag? Nein, der 23. Mai wäre ein guter Feiertag.

Hits: 157

RTZapper

Tagesschau: Brexit – Die Abstimmung

Samstag, den 19. Januar 2019
Tags: ,

DI 15.01.2019 | 20.15 Uhr | tagesschau24

Die Blicke richten sich in diesen Tagen nach London. Am Dienstagabend entschied sich im britischen Parlament, ob die Abgeordneten den Brexit-Vereinbarungen zustimmt, die Premierministerin Theresa May ausgehandelt hatte.
Die Abstimmung darüber erfolgte nach 20 Uhr, zu spät für die Hauptausgabe der Tagesschau.

Aber überraschenderweise gingen um 20.15 Uhr im Nachrichtenkanal tagesschau24 weiter. “Brexit – Die Abstimmung” hieß die Sondersendung, die mit einer (vermutlich aufgezeichneten Anmoderation) eines zuvor schon mal gesendeten Beitrages begann. Dann kündigte der Sprecher eine Live-Übertragung aus dem Parlament an – im Originalton. Die Übertragung begann mit einer etwa fünf Minuten langen Totale des Parlamentraumes, weil gerade die Abstimmung lief.

Diese Sondersendung war auch mehreren Gründen merkwürdig. Solche Live-Übertragungen sind auf tagesschau24 eigentlich nicht üblich. Und genau genommen auch nicht nötig, denn parallel übertrug phoenix. Dort ist das Geschehen auch begleitet, kommentiert und eingeordnet worden. Auch konnte man dort den Originalton einstellen.
Welchen Sinn hatte es also, zur Primetime auf tagesschau24 auf gut Glück unkommentiert ins Parlament zu schalten, um minutenlang eigentlich nichts zu übertragen? Wenn man schon eine solche Sondersendung als Tagesschau zeigt, wieso gab es keine Moderation?

Man könnte sagen: Die Sondersendung auf tagesschau24 hatte in dieser Art schlicht absolut keinen Sinn.

Hits: 146

RTZapper

Das war 2018!

Montag, den 31. Dezember 2018
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Ein sonniger Winternachmittag auf dem Kudamm in Berlin. Die Lichter an den Bäumen sehen zum Träumen aus. Johannes B. Kerner und Marcus Lanz plaudern ein wenig, sie wollen auf den Weihnachtsmarkt, und Marcus freut sich schon auf das Mettbrot, das er sich kaufen will. Träumerisch blickt Johannes den Marcus an und greift nach seiner Hand, als… ähm…
Nein, nein, diese ausgedachten Geschichten sollte ich wirklich lassen. Das konnte Claas Relotius vom “Spiegel” sehr viel besser. Allerdings ist er damit im Dezember 2018 dann doch aufgeflogen. Peinliche Sache, auch für den “Spiegel”, der ja angeblich alles nachrecherchiert, was die Reporter so abliefern.

Der Skandal ist Futter für alle, die sowieso sagen, dass die Medien allesamt lügen, wenn es um brisante Themen geht. Dabei sind 2018 einige heikle Dinge aufgedeckt worden. Da ging es um die Football-Leaks und die Frage, wie sehr sich Fußballvereine von den Fans entfernen. Um den Steuer-Raubzug großer Banken bei den CumEx-Enthüllungen. Um nur zwei dieser Storys zu nennen.
Auch wenn es um die Flüchtlingskrise geht, haken die Journalisten inzwischen knallhart nach. Dass dabei andere, vielleicht sogar wichtigere Themen, untergehen, bemerken offenbar nur die Zuschauer. Bei den Sommerinterviews von ARD und ZDF ging es oft 18 Minuten um die Flüchtlingskrise und zwei um den Rest. Nur bei Alexander Gauland von der AfD ging es fast nur um den Rest – und Gauland schien ratlos.

Die AfD sitzt seit 2017 im Bundestag, und immer meinen die Blauen, Unrecht in den Medien aufgedeckt zu haben. Im Brennpunkt steht dabei die Band “Feine Sahne Fischfilet”. Dass sie mal vom Verfassungsschutz beobachtet worden ist, hängt ihr noch ewig nach, und die linke Band ist der rechten AfD ein Dorn im Auge. Andererseits wird aber auch jede Kleinigkeit über “Feine Sahne Fischfilet” in den Medien durchgekaut. Als die Band für das ZDF in Dessau ein Konzert aufzeichnen wollte, sagte der Veranstalter, die Bauhaus-Stiftung, den Veranstaltungsort ab. Eine Diskussion, die für die AfD ein voller Erfolg war.
Ebenso die Diskussion um eine KiKA-Doku über ein junges Mädchen, das einen Moslem liebt, wo die AfD der Meinung war, so etwas könne man nicht unkommentiert lassen. Als Deniz Yücel in der Türkei freigelassen worden ist, wollte die AfD wissen, ob der nicht vielleicht selber schuld war, dass er in Haft war. In den sozialen Netzwerken versuchen viele Parteimitglieder weiterhin, die Gesellschaft zu spalten.

In Cottbus hat das schon gut funktioniert. Die Rechten sind dort der Meinung, dass die Stadt überfremdet sei, dass es zu viele Straftaten von Flüchtlingen gebe. Der Hass bei den Demos, an denen Normalos mit den Rechtsextremen gemeinsam marschieren, richtet sich auch gegen die Medien. Der rbb wird ebenso angefeindet wie die Reporter der Lausitzer Rundschau. Da helfen auch Diskussionssendungen, die der rbb live aus Cottbus sendet, nur wenig. Aber wenigstens bleibt man im Gespräch. Irgendwie.

Das scheint auch das Ziel von CSU-Innenminister Horst Seehofer zu sein. Als er seinen Rücktritt, nun ja, androht, berichten die Nachrichtensender in Dauerschleife. Tritt er zurück? Oder doch nicht? Oder doch? Seehofer weiß nicht so recht, und ganz Deutschland wartet auf einen eventuellen Bruch der Großen Koalition. Als die Meldung bekannt wird, dass sich gar CSU und CDU trennen, schickt ntv die Breaking News gleich auf Sendung – um dann die nächste Breaking News hinterher zu schicken, dass man einer Ente aufgesessen sei. Aber es musste eben schnell gehen. Keiner hatte 2018 so viele Comebacks wie Seehofer.

Comeback ist sowieso ein gutes Stichwort. Fernsehmacher glauben, dass die Zuschauer darauf abfahren, wenn alte Serien wiederbelebt werden. In Deutschland floppte allerdings die Neuauflage von “Akte X” oder “Will & Grace”. Selbst Shows wie “Dingsda” im Ersten und “Die Montagsmaler” im SWR-Fernsehen laufen eher mau.
Die “Lindenstraße” dagegen wird nicht fortgesetzt. Im März 2020 wird nach fast 35 Jahren die letzte Folge laufen. Begründung: schlechte Quoten und inhaltliche Unzufriedenheit. Von einer Absetzung aus inhaltlichen Gründen von “In aller Freundschaft”, “Rote Rosen”, “Sturm der Liebe” oder “Rentnercops” ist allerdings noch nichts bekannt.
Auch an der Vormittagssendung “live nach neun” hält man im Ersten fest, obwohl die Zuschauerzahlen ein Desaster sind. Ähnlich sieht es am Vorabend in Sat.1 aus. Mit “Endlich Feierabend” versucht man da zum x-ten Mal das Frühstücksfernsehen zu kopieren – und scheitert zum x-ten Mal. In diesem miesen Sog läuft auch die neue Dailysoap “Alles oder nichts” ziemlich mies. Sie hatte nie eine wirkliche Chance.
Auch ProSieben hat Sorgen. Die neuen Folgen der “Simpsons” laufen richtig schlecht. Bei Sat.1 wird die Unternehmershow “Start up” abgesetzt, obwohl doch Jurymitglied Carsten Maschmeyer so doll dafür geworben hat. Aber vermutlich wollten gerade wegen ihm so wenige einschalten.
Bei Sky dachte man sich, es sei eine gute Idee, die Castingshow “X-Factor” aus der Versenkung zurückzuholen. Die Quoten waren kaum messbar, und wer gewonnen hat… ähm… Wer hat da eigentlich gewonnen? Eine weitere Staffel ist ausgeschlossen.

Es wird für das herkömmliche Fernsehen immer schwieriger, Aufmerksamkeit zu erregen. Die Mehrzahl der jungen Zuschauer schaut schon überwiegend online. Und dann eher Netflix oder Amazon Prime, auch Youtube ist ein echter Konkurrent.
Ein Opfer ist der Musiksender VIVA. Nach 25 Jahren wird Silvester der Stecker gezogen, MTV aus dem gleichen Senderkonzern lebt weiter, aber in der Nische. Immerhin noch wacker hält sich Deluxe Music. Musikclips schaut man an sich aber eher bei Youtube.

Immerhin: Man bemüht sich aber noch. Im Ersten läuft im Herbst “Babylon Berlin”, die teure Co-Produktion mit Sky. Auf dem “Tatort”-Sendeplatz werden etwa acht Millionen Zuschauer erreicht. Das Interesse am Berlin der 20er-Jahre schwindet jedoch, am Ende schauen weniger als vier Millionen zu. Allerdings stehen in den diversen Kritiken zur Serie, in denen es hieß, man müsse als Zuschauer drei Folgen durchhalten, bis man es eventuell verdammt gut fände, auch für sich. Allerdings sorgt die Serie auch für einen der magischsten Momente des Fernsehjahres – nämlich mit einer Szene in einem Tanzclub, die für Gänsehaut sorgt.
Im ZDF wird “Bad Banks” von der Kritik gelobt, ist aber dennoch langweilig. Amazon Prime dagegen trumpft mit einer neuen Staffel “Deutschland 86” auf und mit “Pastewka” auf.

Das Fernsehen steht aber immerhin noch für Events. In diesem Land lief es glücklicherweise für Deutschland auch mal gut beim Eurovision Song Contest in Lissabon. Michael Schulte schaffte den 4. Platz. Die Diskussionen darum, dass niemand Deutschland mag und wählt, finden nicht statt.
Bei der Fußball-WM dagegen, ach, lassen wir das. Immerhin sorgte das WM-Spiel von Deutschland gegen Schweden mit 27,48 Millionen Zuschauer für den 2018er-Quotenrekord.
Und auch als in Großbritannien Harry und Meghan heirateten, waren ein paar Millionen dabei – auch Ross Antony, der für RTL vor Ort und ausrastete, nur weil das Prinzenpaar in der Kutsche an ihm vorbeirauschte.

Aber nicht alle haben Glück mit Großereignissen. In letzter Minute hatte Eurosport für die Olympischen Winterspiele in Korea Sublizenzen an ARD und ZDF vergeben. Die Folge: Die meisten Zuschauer waren bei ARD und ZDF dabei, für Eurosport 1 und den Frauensender TLC blieben kaum Zuschauer übrig. Selbst die Abendshow “Zwanzig18” hatte auf zwei Sendern parallel gerade mal 200.000 Zuschauer. Dass man in Korea eventuell einen koreanischen Dolmetscher braucht, konnte man im Ersten allerdings echt nicht ahnen.
Und dann der Echo. Der Musikpreis gerät 2018 zum Debakel. Farid Bang und Kollegah rappten davon, dass sein Körper definierter sei als von Auschwitz-Insassen. Kam nicht überall gut an, Preise gab es dafür trotzdem, und Proteste auch. Selbst in der Show herrschte Unruhe. Danach geben diverse Promis ihre Echos zurück. Ende vom Lied: Der Echo ist tot.

2018 war wieder ein Jahr der Abschiede. Wir mussten uns von vielen Promis verabschieden. Die große Aretha Franklin lebt nicht mehr. Monserrat Caballé ist verstummt. Ebenso die Musiker Holger Biege, Jürgen Marcus, DJ Avicii, Lys Assia, France Gall, Ingo Insterburg, Abi Ofarim, Dolores Edwards (Cranberries) und Charles Aznavour. Auch nicht mehr da: die Schauspieler Rolf Hoppe, Morten Grunwald, Burt Reynolds, Rolf Zacher, Siegfried Rauch, Wolfgang Völz, Jochen Senf und Ulrich Pleitgen. Die Sportler Markus Beyer und Graciano Rocchigiani. Die Fernsehleute Dieter-Thomas Heck, Egon Hoegen, Wilfried Scharnagl, Gunther Witte, Friedrich Moll, Stefanie Tücking, Martin Haas, Thomas Leif und Dagobert Lindlau. Die Entertainer Jens Büchner und Daniel Küblböck, der am Jahresende nach einem Sturz vom Schiff immer noch als vermisst gilt. Die Politiker George Bush, seine Frau Barbara Bush, Philipp Jenninger und Kofi Annan. Wissenschaftler Stephen Hawking, Sternekoch Paul Bocuse, Kirchenmann Karl Kardinal Lehmann, Unternehmerin Käthe Wohlfahrt. Die Autorin Philip Roth und Christine Nöstlinger. Sie werden fehlen.

Auch Nachrichten fehlen. RTL II findet, dass die News zu wenige Zuschauer haben. Deshalb laufen die nun am Nachmittag und sind fünf Minuten kürzer. Und auch der rbb hat seine Spätnachrichten um die Hälfte auf 15 Minuten gekürzt. Damit um 22 Uhr gut abgehangene und preiswerte ARD-Degeto-Schnulzen laufen können. Bei N24 hat sich dagegen wenig geändert – bis auf den Namen: Welt.

Und sonst so? Sascha Hehn will nicht mehr Kapitän vom Traumschiff sein. Ist ihm vielleicht zu doof geworden. Kein Wunder.
Spiegel TV ist 30 geworden. Geschenk von RTL: Sendeplatzverschiebung auf den späten Montagabend. Glückwunsch.
Auf Sat.1 durfte im “Promi Big Brother”-Haus eine gewisse Katja Krasavice minutenlang in der Wanne mit dem Duschkopf masturbieren.
Die Chefs vom FC Bayern München teilten den Journalisten mit, dass die ein bisschen genervt von der ewigen Kritik seien. Bitte mal aufhören. Danke.
Dunja Hayali moderiert nun auch das “Aktuelle Sportstudio” im ZDF. Ihren Hatern bleibt aber auch gar nichts erspart.
Das SWR-Mega-Live-Event “Jäger der versunkenen Lok” musste ausfallen. Mangels versunkener Lok. Ist aber erst nach 25 Jahren Suche aufgefallen.
Und dann noch die Helene und der Flori. Es ist so traurig.

Kann man da eigentlich noch das Jahresende feiern? Darf man sich da noch auf 2019 freuen? Mit neuen Diskussionen und Hasskommentaren und den aktuellen Wasserstandsmeldungen von “Feine Sahne Fischfilet?” Und den neuen Schluckaufs der AfD? Wir bleiben dran und freuen uns auf 2019. Und Michelle ist auch dabei.

Hits: 297

RTZapper

Wir müssen reden – Der phoenix-Bürgerabend

Freitag, den 7. Dezember 2018
Tags: , ,

MI 05.12.2018 | 21.45 Uhr | phoenix

In der Regel erinnern sich die Fernsehsender immer nur vor großen Wahlen daran, dass man ja mal Diskussionssendungen veranstalten könnte, in denen Otto-Normal-Bürger eventuell mit Politikern ins Gespräch kommen können. Inzwischen gibt es solche Formate hin und wieder auch mittendrin in den Dritten Programmen. Am Mittwochabend hatte der Bürgerabend unter dem Motto “Wir müssen reden” bei phoenix Premiere.

In Leipzig trafen etwa 60 Zuschauer auf eine Handvoll Entscheider. Ein sächsischer CDU-Mann war da. Gesine Schwan, die ja inzwischen so was wir eine Ost-Versteherin ist, und ein Redakteur einer Zeitung.
Und weil ja zwar drei Themenblöcke geplant waren, aber ansonsten alles dem Zufall überlassen wurde, nahm die 75-minütige Sendung einen eher unberechenbaren Ablauf.

phoenix ging damit raus aus der Komfortzone. Stattdessen: Hin zu den Leuten und ihnen zuhören. Die Kamera folgte den beiden Moderatoren, und keiner wusste, was nun kommt.

Da war zum Beispiel der junge Mann, der sagte, dass wir uns um die Bildung kümmern müssten, und dass wir deshalb keine Kapazitäten für (weitere) Asylbewerber oder Migranten hätten. Gesine Schwan sprach dagegen, sie sagte, man müsse auch mit diesen Leuten für die Zukunft investieren.
Die beiden wurden kurzerhand in die Mitte geholt, sie standen sich nun direkt gegenüber und tauschten Argumente aus. Sie kamen nicht zwingend auf einen Nenner, dennoch gaben sie sich am Ende die Hand. Eine wichtige und gute Geste: im Gespräch bleiben, auch wenn man nicht einer Meinung ist.

Interessant ist die Debatte darüber, dass der Osten immer noch hinterhinke, dass die Einheit auch nach 29 Jahren nicht komplett erreicht sei. Man müsse ordentlich Geld in den Osten pumpen, meinte ein Mann.
Dabei ist es ja inzwischen auch der Westen, der leidet. Auch im Westen sind marode Straßen und Betriebe, das wird im Osten gern ausgeblendet, dass in Sachen Wirtschaft und Armut das Ost-West-Gefälle nicht mehr zwingend da ist, sondern sich verlagert hat.

“Wir müssen reden” sollte bei phoenix in Serie gehen. Dem Volk aufs Maul zu schauen, kann jedenfalls niemals schaden!

Hits: 148

RTZapper

phoenix vor Ort: Friedrich Merz – Kandidatur für Parteivorsitz der CDU

Samstag, den 3. November 2018
Tags: ,

MI 31.10.2018 | 14.30 Uhr | phoenix

Mein Name ist Friedrich Merz.
Und da war er wieder. Er ist wieder im Spiel.

Nachdem Angela Merkel am Montag mitteilte, dass sie im Dezember nicht mehr zur Wahl für den CDU-Vorsitz antreten wird und bei der nächsten Wahl – wann immer die ist – nicht mehr als Kanzlerkandidatin antreten wird, ist es wieder spannend geworden in der CDU.
Wer folgt auf Merkel? Jens Spahn? Annegret Kramp-Karrenbauer? Oder eben Friedrich Merz.

Er wolle frischen Wind und junge Leute, sagte er. Das ist wohl das, was von der Rede von Friedrich Merz bei den meisten hängen geblieben ist. Merz ist gerade mal ein Jahr jünger als Merkel.
Bei phoenix ist die Pressekonferenz am Mittwochnachmittag komplett live übertragen worden. Wer sich diese PK angesehen hat, wird gemerkt haben, dass Merz schon noch etwas mehr zu sagen hatte.
Er werde mit Merkel zusammenarbeiten können – wobei Merz nicht sagte, ob gut oder sehr gut oder so lala. Dass ihm Europa wichtig sei. Die Staaten des Westens. Dass er im Aufsichtsrat eines riesigen Finanzunternehmens sitzt, sorgt in dem Zusammenhang für Kritik.

Was aber nur gut sein kann: Politik bleibt spannend. In den nächsten Wochen erleben wir Wahlkampf in der CDU, und auch mit phoenix erleben wir den mit.
Andererseits wird vermutlich weiterhin erst mal kaum Sachpolitik betrieben. Oder zumindest über sie gesprochen. Was wiederum schade ist.

Hits: 116

RTZapper

phoenix vor Ort: Statements Merkel und Erdogan

Sonntag, den 30. September 2018
Tags: ,

FR 28.09.2018 | 13.00 Uhr | phoenix

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan lächelt.
Auf phoenix wurde am Freitagmittag die Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Erdogan übertragen. Nach etwa mehr als 20 Minuten kommt es plötzlich zu einem Zwischenfall. Ein türkischer Journalist wird aus dem Saal gebracht – und der protestiert, er habe nichts getan.

Ganz stimmt das allerdings nicht. Adil Yigit trug während der Pressekonferenz ein T-Shirt, auf dem er sich für “Pressefreiheit für Journalisten in der Türkei” aussprach – auf Deutsch und Türkisch.
Das ist ein richtiges und wichtiges Anliegen – aber gehört es in eine Pressekonferenz im Kanzleramt? Ist das nicht eher der Ort, wo man durch Fragen die Politiker nerven sollte? Durch hartes Nachfragen? Das gehört ein Stück weit auch zur Professionalität der Journalisten.

Ob der Mann nun gleich “abgeführt” werden musste, sei aber auch mal dahingestellt. Man hätte ihn ja vielleicht zunächst mal bitten können, sich eine Jacke überzuziehen. Für Erdogan muss dieser Moment jedenfalls ein guter gewesen sein.

Hits: 24