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phoenix vor Ort: “Was also ist mein Land?” – Altkanzlerin Merkel im Gespräch mit Alexander Osang

Donnerstag, den 9. Juni 2022
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DI 07.06.2022 | 20.00 Uhr | phoenix

Da isse wieder! Angela Merkel hat sich in der Öffentlichkeit zurückgemeldet. Am Dienstagabend stellte sie sich im Berliner Ensemble den Fragen des Schriftstellers und Journalisten Alexander Osang – live übertragen bei phoenix.
Natürlich stand auch in diesem Gespräch der Ukraine-Krieg im Mittelpunkt. Ihr Verhältnis zu Wladimir Putin, eventuelle Fehler, die aus ihrer Sicht begangen worden sind.
Gespräche mit Putin seien schon immer schwierig gewesen, sagte Merkel. Er habe ihr schon früh gesagt, dass der Untergang der Sowjetunion für Putin das schlimmste Ereignis des 20. Jahrhunderts seien – worauf sie ihm gesagt habe, dass die Wende ihr großes Glück gewesen sei.
Warum trotz des Wissens um Putins Gedanken und trotz der Krim-Annexion der Bau von Nordstream 2 genehmigt und durchgeführt worden sei – diese Frage wurde am Dienstag leider nicht beantwortet.

Ansonsten sah man aber eine recht entspannte, ja, fast schon unterhaltsam-lustige Angela Merkel. Man werfe ihr vor, dass sie jetzt nur noch die Wohlfühl-Termine mache, erzählte sie. Und sie antworte: Ja. Sie sei ja nun außer Dienst. Sie wolle weiterhin noch Gutes für ihr Land tun, aber ihre Projekte wolle sie sich aussuchen, und sie sei auch nicht mehr verpflichtet, sich zu allen aktuellen Nachrichten zu äußern.

Merkel erzählte vom Urlaub an der Ostsee und den verschwiegenen Menschen dort, die nichts an die Zeitungen ausgeplaudert hätten. Dass sie den Lokalteil der Ostsee-Zeitung lese, weil sie ja wissen wolle, was in ihrer Umgebung geschehe. Sie fühle sich in ihrem ehemaligen Wahlkreis weiter wohl.

Wie sich Merkel in Zukunft weiterhin einbringt, das wird interessant sein, zu beobachten. Auch, ob sie auch in späteren Jahren die Deutungshoheit über ihr Schaffen behält – etwas, was Kohl und Schröder nicht geschafft haben…

-> Die Sendung bei phoenix auf Youtube

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phoenix vor Ort: Kanzlerwahl im Bundestag

Donnerstag, den 9. Dezember 2021
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MI 08.12.2021 | 8.30 Uhr | phoenix

Da bekommt Deutschland eine neue Regierung, da wird sie gerade vereidigt, und im Ersten, im ZDF und bei tagesschau24 ist im “Mittagsmagazin” ein Porträt über einen Läufer zu sehen. Man muss eben Prioritäten setzen, auch wenn es eindeutig die falschen sind.

Den ganzen Tag dabei und nah am Geschehen war dagegen phoenix. Den ganzen Tag berichtete der Sender vom nun vollzogenen Regierungswechsel. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Vergangenheit, stattdessen wurde der neue Bundeskanzler Olaf Scholz gewählt und vereidigt. Zwischendurch bekam er von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Ernennungsurkunde in die Hand gedrückt – ein Akt ein wenigen Sekunden, Scholz war nur auf der Durchreise zurück zum Bundestag. Den Eid beschwor Scholz unterdessen ohne, auf die Hilfe von Gott zu hoffen.

Dass phoenix zwischenzeitlich viele Minuten mit der AfD-Frau Alice Weidel verplemperte, die irgendwelche zweifelhaften und auch falschen Aussagen zum Impfen traf, war absolut überflüssig. Auch wenn die AfD eine Partei im Bundestag ist – solchen Leuten diese große Bühne zu geben, ist jedenfalls kein Beitrag für die Demokratie.

Am Nachmittag schaltete phoenix zu den Übergabezeremonien im Kanzleramt und in verschiedenen Ministerien. So haben wir auch noch einiges über Nussknacker erfahren, denn so ein Ding war das Begrüßungsgeschenk für den neuen Gesundheitsminister Heiner Karl Lauterbach. Moderatorin Anja Chalet wollte die Ausführungen schon abwürgen – Nussknacker findet sie offenbar langweilig – aber dann sprach auch schon der scheidende Minister Jens Spahn.

Im Kanzleramt hatte Angela Merkel ihren wirklich letzten Auftritt in ihrer politischen Rolle. Nun wird sie den ganzen Kram, der uns umgibt, von zu Hause aus beobachten. Von 100 auf null – ein krasser Gedanke.
Dass nun ein anderer Wind wehen wird – nämlich eher ein laues Lüftchen – zeigte das Olaf-Scholz-Interview am Abend im Ersten. Der neue Kanzler sollte definitiv seine Beruhigungspillen absetzen.

-> Die Übertragung (Teil 1) und (Teil 2) auf der Youtube-Seite von phoenix

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phoenix vor Ort: Aktuelles zur Hochwasserlage

Sonntag, den 18. Juli 2021
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SA 17.07.2021 | 12.15 Uhr | phoenix

Wie unprofessionell kann man eigentlich sein? Wie wenig kann man ein Gespür für eine ernste Situation haben? NRW-Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der Union, Armin Laschet, ist am Sonnabendmittag in einen Fettnapf gelatscht, der nicht hätte größer sein können. Und das live.

Auf phoenix gab es am Sonnabendmittag eine Sendung mit Neuigkeiten rund um die Hochwasserlage in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Bestandteil der Berichterstattung war auch die Live-Übertragung aus Erftstadt, wo Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sich ein Bild der Lage machte. Nach ersten Gesprächen gab Steinmeier ein Statement ab, in der er auch über seine Erschütterung sprach, darüber wie schlimm die Situation ist – Erftstadt ist mit seinem Ortsteil Blessem besonders von der Unwetterkatastrophe betroffen.
Während Steinmeier sprach, stand im Hintergrund Armin Laschet mit weiteren Leuten, und irgendwie muss da was Amüsantes erzählt worden sein, denn Laschet beömmelte sich zwischendurch, lachte herzhaft. Live zu sehen bei phoenix, wenn auch nur leicht unscharf im Hintergrund – aber doch deutlich zu erkennen.

Nun ist es ja so, dass auch auf traurigen Veranstaltungen nicht immer alles wirklich traurig ist, dass man selbst da auch mal lacht.
Aber es ist nun mal nicht sehr clever als Politiker, sich in dieser Situation so zu zeigen. Es ist taktlos, es ist instinktlos, es ist unüberlegt. Wird eine ernste Rede gehalten, beömmelt man sich nicht im Hintergrund. Laschet sollte wissen, dass er dabei beobachtet wird, dass das ein Thema sein wird.
Aber vielleicht findet er das Hochwasser und die Folgen ja gar nicht so schlimm, und Umweltpolitik – wer braucht die schon? Armin Laschet wird eine gute Erklärung für sein Tun finden müssen. Und sich entschuldigen müssen.

-> Die phoenix-Übertragung auf Youtube

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Live: Pressekonferenz nach Bund-Länder-Treffen

Mittwoch, den 24. März 2021
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MO 22.03.2021 | 2.35 Uhr (Di.) | tagesschau24

Es hat ein bisschen länger gedauert. Oder auch ein bisschen mehr. Angela Merkel hat sich den halben Tag lang mit den Ministerpräsidenten gefetzt, um zu regeln, wie denn Deutschland die dritte Coronawelle abwehren könnte. Was dabei raus kam, ist… nun ja.

Aber dass es bis in tiefe Nacht gedauert hat, das ist neu. Um 2.35 Uhr begann die Pressekonferenz nach dem Bund-Länder-Treffen.
Seit 18 Uhr etwa hatten etliche Sender auf diese PK gewartet. Auf phoenix sendete man den ganzen Abend im Splitscreen, immer mit dem Hinweis, dass die Übertragung “in Kürze erwartet” werde. Um kurz nach Mitternacht erwähnte allerdings der Berlin-Korrespondent, dass es wohl erst mal nix werde mit der PK, schon gar nicht “in Kürze”. Damit endete dann die Live-Berichterstattung, und auch als es um 2.35 Uhr endlich losging, schlief man bei phoenix schon tief und fest.

Auch Das Erste und das ZDF waren längst in den Nachtprogramm-Modus gegangen. Bei tagesschau24 hielt man sich dagegen wacker, sendete die Nachrichtenschleife wieder und wieder und wieder. Immer dieselben paar Minuten. Irgendwer muss um 2.35 Uhr aufgeatmet haben, als es live weiterging. Bis etwa 3.20 Uhr dauerte das Ganze, und danach blieb nur noch eine Verabschiedung des Tagesschau-Moderators übrig – vermutlich aufgezeichnet. Um die Zeit hatte nur noch Bild in seinem Livestream die Muße für eine ausführliche und wütende Analyse.

-> Die Pressekonferenz bei der Tagesschau auf Youtube

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phoenix vor Ort: Amtseinführung von Joe Biden

Donnerstag, den 21. Januar 2021
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MI 20.01.2021 | 16.00 Uhr | phoenix

Wenn Lady Gaga die US-amerikanische Nationalhymne singt, wenn sie dabei auf ihrem Kleid eine goldene Friedenstaube trägt, dann ist das ein großer Moment. Nicht nur wegen Lady Gaga an sich.
Denn sie besingt nicht nur ihr Land, sondern auch die Hoffnung auf Frieden. Und sie besingt die neuen US-Präsidenten Joe Biden. Und wahrscheinlich besingt sie auch die Freude darüber, dass ein gewisser Donald Trump endlich das Weiße Haus geräumt hat.

Am Mittwochnachmittag übertrugen phoenix und viele andere Sender die Amtseinführung von Joe Biden als neuer US-Präsident. Wegen des Coronavirus gab es in Washington keine Zuschauer, aber man kann trotzdem erahnen, dass in diesem Moment, in dem Lady Gaga gesungen hat, Tränen in den Augen hatten. Später sang Jennifer Lopez „This Land is my Land” und “America the Beautiful”. Und sie sprach auf Spanisch: “Eine Nation unter Gott, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle”.

Joe Biden sprach den Eid, und später erklärte er, wie er seine Landsleute wieder mehr einen möchte. Wie wohltuend ist das nach vier Jahren Trump und seinem Hass.

Das hätte ich gern wieder öfter: Dass das Fernsehen ein überaus positives Ereignis überträgt. Ein Tag voller Erleichterung.

-> Die Zeremonie auf tagesschau24 via Youtube

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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

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phoenix streitgut: Brennglas Corona – Wie gerecht ist unsere Gesellschaft?

Montag, den 21. Dezember 2020
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SA 19.12.2020 | 13.00 Uhr | phoenix

Das muss man phoenix lassen. In der Nische bietet der Sender fast jeden Tag verschiedenste politische und gesellschaftliche Diskussionen. Politiker diskutieren, Journalisten, Experten unterschiedlichster Gebiete und in mehreren Formaten auch “normale Bürger”.

Am Sonnabendmittag zeigte phoenix das neue Format “Streitgut”. Darin sprechen eine Stunde lang 16 Leute aus ganz Deutschland über aktuelle Themen und über allgemeine gesellschaftliche Probleme und Ideen.
Wegen der Coronakrise können die 16 Leute nicht zusammenkommen, sondern sie werden per Videokonferenz zusammengeschaltet, und im Studio steht Moderator Daniel Privitera, um das Ganze in geordnete Bahnen zu bringen. Privitera hat das Format, laut Senderinfo, selbst entwickelt und in diesem Fall für phoenix umgesetzt.

Dass es so was im Fernsehen noch nie gegeben habe, stimmt zwar nicht, aber es kann nie falsch sein, solche Sendungen zu veranstalten.
Dass sie nun so steril daher kam, ist der Videokonferenz geschuldet. Daniel Privitera stand die ganze Zeit leicht schluffig im Studio rum und wirkte mit seiner sanften Stimme und der harmlos-freundlichen Art ein bisschen wie ein Grundschullehrer, der immer wieder Fragen in den Raum wirft und drum bittet, dass man sich melde. Wer sich meldet, nimmt er dran.
Es fehlt den “Streitgut” ein wenig an Streit, und überhaupt könnte dem Ganzen ein bisschen Pepp nicht schaden. Zwar scheint es nicht Priviteras Aufgabe zu sein, die Diskussion ein bisschen anzufachen, aber das bloße Abfragen ist auf Dauer ein wenig öde.

So ist diese neue Sendung grundsätzlich ein guter Ansatz, an der Umsetzung hapert es noch. Und richtig funktionieren könnte sie auch erst, wenn alle Leute im Studio zusammenkommen.

-> Die Sendung bei phoenix auf Youtube.

Hits: 250