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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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Das TV-Duell – Wer führt die SPD?

Mittwoch, den 20. November 2019
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MO 18.11.2019 | 19.00 Uhr | phoenix

Der neue, vielleicht allerdings nicht ganz so heiße Scheiß: So langsam geht die Castingshow DSPDSZNV in die Zielgerade. Das Finale rückt näher, und dann wissen wir endlich, wer Germany’s next SPD-Vorsitzende sind. Seit gefühlten neunzehneinhalb Monaten beschäftigt man sich in der SPD mit der Frage, ob es irgendjemanden in der Partei gibt, der sie für fünf Monate führen kann, bevor das Vorsitzende-Casting in die nächste Runde geht. Bewerben konnte sich, wie im Casting üblich jeder, und es schien, als ob sich auch jeder beworben hat – bis hin zu Jan Böhmermann.

Am Montagabend übertrug phoenix dann auch noch “Das TV-Duell – Wer führt die SPD?”. Die Kandidatenteams Olaf Scholz und Klara Geywitz gegen Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken.
Das große Aufeinandertreffen, und leider war weder Heidi Klum vor Ort, um Rosen zu verteilen, noch Prince Charming, um Olaf oder Norbert die Krawatte vom Hals zu reißen.

Zweieinhalb Stunden dauerte das Politspektakel, von dem zu hoffen ist, dass dieses schier endlose Casting endlich mal ein Ende findet. Dass eine Partei Monate braucht, um Fakten zu schaffen, hat zwar auch viel mit Demokratie zu tun. Aber andererseits wirft es kein gutes Licht auf die SPD, dass sie in den eigenen Reihen scheinbar niemanden mehr hat, der oder die sich von vornherein für so einen Job anbietet.

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phoenix vor Ort: UN-Klimagipfel

Donnerstag, den 26. September 2019
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DI 24.09.2019 | 9.00 Uhr | phoenix

„Meine Botschaft ist, dass wir euch beobachten! Das hier ist alles falsch, ich sollte hier nicht sein, ich sollte zurück in der Schule sein auf der anderen Seite des Ozeans – aber ihr kommt immer noch zu uns jungen Menschen, um Euch Hoffnung zu geben! Wie konntet ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit euren leeren Worten? Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum – wie könnt ihr es wagen?”

Da sitzt also eine 16-Jährige beim UN-Klimagipfel und liest den dort anwesenden Politikern ordentlich die Leviten. Hochemotional, wütend, den Tränen nah.
Bei phoenix lief die etwas mehr als vierminütige Rede am Dienstagvormittag noch mal komplett. Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg lässt ihrer Wut freien Lauf.
Und im Grunde sagt sie genau das, was viele denken: Es geht immer nur um Geld, und eigentlich hat sich seit Jahrzehnten niemand in Sachen Umweltschutz wirklich bewegt.

Dafür wird sie einerseits gefeiert, andererseits regelrecht gehasst. Dabei ist es doch total angesagt, Politikern mitzuteilen, was für eine miese Arbeit sie machen. Wenn es aber eine 16-Jährige tut, dann ist sie wahlweise irre, böse, eine Schulschwänzerin und sowieso total bescheuert.

Dabei geht es vor allem ums Aufrütteln. Es ist vielleicht wirklich so, dass diese Rede emotional ein wenig zu sehr aufgeladen war. Aber vermutlich ist diese Rede einfach nur der Gipfel dessen, was Thunberg bei dem UN-Treffen erlebt hat – sehr viel inhaltsfreie Laberei nämlich. Dass die alte Generation eher lächerlich findet und sie dafür verhöhnt, damit muss sie offenbar leben. Dabei ist die Tatsache, dass sie auf diese Weise für ihre Ziele (eigentlich müssten es ja unser aller Ziele sein) kämpft, nicht gerade einfach. Es ist sehr mutig, sich da hinzustellen und so zu reden.

Dennoch müssen sich die Medien aber auch fragen lassen, ob es sinnvoll ist, jede Regung von Greta dermaßen hochzujazzen und auf klickgeile Weise ins Netz zu feuern, dass allein schon der Name Greta bei vielen für Pickel sorgt.

-> Die Rede auf Youtube

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phoenix – Der Tag: Wahlen 2019

Sonntag, den 1. September 2019
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FR 30.08.2019 | 23.00 Uhr | phoenix

“Tja, eigentlich könnte alles gut sein in Brandenburg, denn es geht aufwärts im Land. Die rot-rote Landesregierung scheint alles richtig zu machen.”

Diesen Satz sagte Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke am Freitag beim Wahlkampffinale in Oranienburg. Also, ähm, nicht. Woidke hätte das vielleicht gesagt, aber er war es nicht.
Diesen Satz sagte am Freitagabend die Moderatorin von “phoenix – Der Tag”. Und darüber darf man sich mindestens wundern.
Immerhin schob sie noch den Satz nach: “Trotzdem ist ihr ein Sieg am Sonntag alles andere als sicher.” Aber dabei handelte es sich auch nicht um einen Kommentar, sondern um die Anmoderation eines Beitrages zur anstehenden Landtagswahl in Brandenburg.

Journalisten stehen auch in Deutschland unter vermehrter Beobachtung, und gerade auf der rechten und rechtsextremen Seite herrscht Argwohn, und immer wieder steht der Vorwurf im Raum der sogenannten “linksgrün-versifften Journalisten”.
Umso mehr müssen die Journalisten darauf achten, was sie wie formulieren. Vermutlich hat Moderatorin Constanze Abratzky das Richtige gemeint. Nämlich dass es Brandenburg wirtschaftlich recht gut gehe und dass die Regierung einen Anteil daran haben könnte. Aber so, wie sie es sagte, klang es wie eine Meinung, wie ein Kommentar. Die gewählte Formulierung ist schludrig und unklar, und genau das sollte man bei phoenix – und überhaupt – besser machen. Die “Staatsfunk”-Rufer haben sie nur wieder Futter bekommen – vollkommen unnötigerweise.

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phoenix vor ort: CDU zu Ergebnis der Europa- und Bremenwahl

Mittwoch, den 29. Mai 2019
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MO 27.05.2019 | 13.45 Uhr | phoenix

Annegret Kramp-Karrenbauer hat es nicht verstanden. Scheinbar nicht mal im Ansatz.
Die CDU ist bei der Europawahl ziemlich krachen gegangen, und AKK redet am Tag danach, man solle doch mal überlegen, was man gegen Wahlkampfbeeinflussung machen könne.

Sie sagte am Montag in einer von phoenix gezeigten Pressekonferenz: “Als die Nachricht kam, dass sich eine ganze Reihe von Youtubern zusammengeschlossen, um einen Wahlaufruf gegen CDU und SPD zu starten, habe ich mich gefragt, was wäre eigentlich in diesem Land los, wenn eine Reihe von, sagen wir mal, 70 Zeitungsredaktionen erklärt, wir machen einen gemeinsamen Aufruf, wählt bitte nicht CDU und SPD. Das wäre klare Meinungsmache vor der Wahl gewesen. Ich glaube, das hätte eine muntere Diskussion in diesem Land ausgelöst.”

Ja, das hätte es. Und das hat das Rezo-Video ja auch ausgelöst. Aber warum auch nicht? In den USA ist es völlig üblich, dass die Presse vor der Wahl eine Wahlempfehlung ausspricht. Das ist ungewöhnlich und hier nicht üblich. Aber wäre es verboten? Und würde AKK das gern verbieten wollen?
Zumal es in diesem Fall lauter Prominente sind (für Jugendliche sind das alles Promis!), die dort ihre Meinung gesagt haben. Und das will man ihnen verbieten, weil ja gefälligst gerade Wahlkampf zu sein hat und da nur die CDU sagen darf, dass man doch bitte CDU wählen soll?
Was geht eigentlich vor in diesen Politikerköpfen?

Annegret Kramp-Karrenbauer weiter: “Und ich glaube, die Frage stellt sich schon mit Blick auf das Thema Meinungsmache: Was sind eigentlich Regeln aus dem analogen Bereich und welche Regeln gelten eigentlich für den digitalen Bereich. Das ist eine sehr grundlegende Frage, über die wir uns unterhalten werden, und zwar nicht nur in der CDU, sondern auch, ich bin mir ganz sicher, in der gesamten medienpolitischen und demokratietheoretischen Diskussion der nächsten Zeit wird das eine Rolle spielen. Und deswegen werden wir diese Diskussion auch sehr offensiv angehen.“

Da bin ich wirklich gespannt, wie die aussehen soll. Was sind denn eigentlich die Regeln? Darf ein Promi im Internet keine Videos mehr veröffentlichen, in dem er seine Meinung äußert? Die lautete nun mal: Wählt nicht CDU, SPD und schon gar nicht AfD. Soll er das nicht dürfen, weil man das… nun ja, weil ja Wahlkampf ist? Es ist also erlaubt, dass Parteien sagen dürfen: Wählt uns! Andere dürfen aber nicht sagen: Wählt die nicht!
Und ist es nicht so, dass sich zig Videos und Blogs im Internet mit Parteien beschäftigen und am Ende feststellen: Wählt die nicht! Und nur weil jetzt ein Video mehr als 10 Millionen Zuschauer erreicht hat, kreigt man in der CDU plötzlich Muffensaufen.

Klar scheint zu sein: In der CDU ist man auch weiterhin nicht bereit, zu diskutieren. Stattdessen zeigt man mit dem Finger. Stattdessen will man Kritiker mit dem Daumen runterdrücken.
Annegret Kramp-Karrenbauer will nicht ernsthaft diskutieren, stattdessen lieber regulieren. Einige sprechen da von Zensur. Einige vergleichen sie mit Ergogan – was natürlich vollkommen übertrieben ist.
Klar ist aber, dass die CDU in der derzeitigen Debatte erschütternd kopflos und unprofessionell ist.
Am Tag danach tut AKK so, als sei sie missverstanden worden. Es sei absurd, ihr zu unterstellen, sie wolle Meinungen regulieren. Ihr gehe es um Regeln im Wahlkampf.
Was bedeutet, sie will Meinungen im Wahlkampf regulieren. Oder habe ich das jetzt auch wieder falsch verstanden? Was genau gibt es da eigentlich zu regulieren? Ein paar offene Debatten mehr wären stattdessen ganz schön.

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phoenix vor Ort: 70 Jahre Grundgesetz – Rede des Bundespräsidenten

Donnerstag, den 23. Mai 2019
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MI 22.05.2019 | 19.20 Uhr | phoenix

Herzlichen Glückwunsch! Die Bundesrepublik Deutschland feiert ihren 70. Geburtstag! Was für eine Party! Also, wenn sie denn stattfindet. Vielleicht sagt uns ja noch jemand Bescheid.
Findet es eigentlich niemand merkwürdig, dass unser Land ein wichtiges, großes Jubiläum feiert und es eigentlich nicht wirklich eine Rolle spielt?

Am Mittwochabend übertrug phoenix live aus Karlsruhe eine Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dort wird 70 Jahre Grundgesetzt gefeiert, und ich habe den Eindruck, dass wirklich nur in Karlsruhe… ja, nicht mal gefeiert wird, sondern zusammengesessen und gesprochen wird. Die Steinmeier-Rede in der Stadt des Bundesverfassungsgerichtes kann doch wohl nicht ernsthaft der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag unseres Landes sein?

In der DDR ist der Republikgeburtstag nicht nur ein Feiertag gewesen, es gab Paraden, und irgendwie haben viele Menschen – mehr oder weniger freiwillig – wirklich irgendwas gefeiert. Nun will heute natürlich (hoffentlich) niemand mehr Paraden. Aber wieso feiert man eigentlich den Geburtstag der Bundesrebublik so gar nicht? Vermutlich wissen am 23. Mai die allermeisten Deutschen nicht mal, dass die Deutschen einen wichtigen Tag begehen.
Ja, richtig, wir feiern den 3. Oktober jedes Jahr. Die deutsche Einheit, der ja eigentlich der Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des 1949 geschaffenen Grundgesetzes war. Aber 1990 entstand ja kein vollkommen neuerfundenes Land, und in der heutigen Zeit, in der vor allem rechte Populisten ganz andere Dinge mit uns vorhaben, ist die Erinnerung an ein solches Jubiläum sicher nicht das Schlechteste.

Frank-Walter Steinmeier sagte in Karlsruhe, dass die Menschen in der EU sich wieder mehr politisch engagieren sollten, sowohl außerhalb der Parteien, als auch dazu, “sich ruhig einmal hineinzuwagen in die Werkstätten der Demokratie, die Parteien immer noch sind, und wenigstens zu überprüfen, ob jedes Vorurteil berechtigt ist”.
Es würde aber auch Deutschland an sich gut zu Gesicht stehen, selbstbewusster aufzutreten, wenn es um das eigene Grundgesetz, um die Grundlage für unser Land, um das Fortbestehen unseres Landes geht.
Einige Bundesländer suchen neue Feiertage. Frauentag? Kindertag? Nein, der 23. Mai wäre ein guter Feiertag.

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Tagesschau: Brexit – Die Abstimmung

Samstag, den 19. Januar 2019
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DI 15.01.2019 | 20.15 Uhr | tagesschau24

Die Blicke richten sich in diesen Tagen nach London. Am Dienstagabend entschied sich im britischen Parlament, ob die Abgeordneten den Brexit-Vereinbarungen zustimmt, die Premierministerin Theresa May ausgehandelt hatte.
Die Abstimmung darüber erfolgte nach 20 Uhr, zu spät für die Hauptausgabe der Tagesschau.

Aber überraschenderweise gingen um 20.15 Uhr im Nachrichtenkanal tagesschau24 weiter. “Brexit – Die Abstimmung” hieß die Sondersendung, die mit einer (vermutlich aufgezeichneten Anmoderation) eines zuvor schon mal gesendeten Beitrages begann. Dann kündigte der Sprecher eine Live-Übertragung aus dem Parlament an – im Originalton. Die Übertragung begann mit einer etwa fünf Minuten langen Totale des Parlamentraumes, weil gerade die Abstimmung lief.

Diese Sondersendung war auch mehreren Gründen merkwürdig. Solche Live-Übertragungen sind auf tagesschau24 eigentlich nicht üblich. Und genau genommen auch nicht nötig, denn parallel übertrug phoenix. Dort ist das Geschehen auch begleitet, kommentiert und eingeordnet worden. Auch konnte man dort den Originalton einstellen.
Welchen Sinn hatte es also, zur Primetime auf tagesschau24 auf gut Glück unkommentiert ins Parlament zu schalten, um minutenlang eigentlich nichts zu übertragen? Wenn man schon eine solche Sondersendung als Tagesschau zeigt, wieso gab es keine Moderation?

Man könnte sagen: Die Sondersendung auf tagesschau24 hatte in dieser Art schlicht absolut keinen Sinn.

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