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phoenix vor Ort: Außerordentlicher SPD-Bundesparteitag

Mittwoch, den 24. Januar 2018
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SO 21.01.2018 | 10.45 Uhr | phoenix

Die SPD erlebt gerade nicht ihre allerschönste Zeit. Am Sonntag stand beim außerordentlichen Bundesparteitag die Frage im Raum, ob Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU aufgenommen werden sollen.
Man kann ja von Politik halten, was man will: Aber es gibt diese Momente, wo sie sehr spannend sein kann.

Normalerweise schlägt man sich den Sonntag ja nicht mit einer viereinstündigen Übertragung einer Debatte mit lauter Monologen um die Ohren. Insofern bot phoenix nicht unbedingt ein unterhaltsames Entspannungsprogramm.
Aber zu erleben, wie sich die Genossen stritten, wie die Jusos vehement dagegen redeten, in eine erneute Große Koalition einzutreten, wie andererseits Martin Schulz und Andrea Nahles mehr oder weniger emotional an ihre Parteikollegen zu appellieren, mit “Ja” zu stimmen, das war fesselnd.

Die einen warnen, dass die SPD vor die Hunde geht, die anderen warnen, dass auch #NoGroKo dazu führt, dass die SPD den Niedergang erlebt und Neuwahlen alles andere als gut wären.

Und, dann nach 16 Uhr, der Showdown: die Abstimmung, an dessen Ende ein relativ knappes “Ja” stand. Interessant ist das auch deshalb, weil dieses “Ja” zeigte, dass die Ablehnenden zwar die lauteren Menschen sind – sie sind aber eben nicht in der Mehrheit. Minderheiten müssen auf sich aufmerksam machen, aber sie sind eben doch Minderheiten. So wie im richtigen Leben auch.

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phoenix vor Ort: Pressekonferenz zum Ende der Sondierungen

Sonntag, den 14. Januar 2018
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FR 12.01.2018 | 10.50 Uhr | phoenix

Uijuijui. Nur fast vier Monate nach der Bundestagswahl erleben wir das Ende von Sondierungen. Also, diesmal mit positivem Ende. CDU/CSU und SPD haben miteinander gesprochen und haben vereinbart, dass sie demnächst verhandeln wollen. Aber nur, wenn die Leute in der SPD-Basis das auch wollen. Wenn die das nicht wollen, dann folgen auf die Sondierungen wohl doch keine Verhandlungen, und dann weiß eigentlich keiner mehr so genau, wie es weiter geht. Und wen man überhaupt noch wählen soll, weil in Wirklichkeit keiner mehr so richtig Bock hat zu regieren und irgendwelche Kompromisse zu machen.

Nun standen sie am Freitagvormittag also vor den Kameras – phoenix und andere Sender übertrugen live -, nach ihren eintägigen Verha…, äh, Sondierungen: Martin Schulz sagte, man habe den Wunsch und den Willen den Zusammenhalt zu fördern und zu stärken. Und die Erneuerung. Und die Stärkung des vertrauens. Er sprach von hervorragenden Ergebnissen – während an der Basis schon wieder die #noGroKo-Bilder für die Facebook-Seiten vorbereitet worden sind.

Auch Merkel und Seehofer machten gute Miene zum eigentlich nicht so guten Spiel – aber was sollen sie auch anderes machen. Sie können ja nun nicht niederknien und die SPD-Leute anbetteln, doch nun wirklich verhandeln und eine Regierung bilden zu dürfen.
Das ist das Schlimme an der aktuellen Situation: Egal, was rauskommt – es ist nicht besonders gut für unser Land. Es spaltet – selbst in den SPD-Reihen, überall. Aber Alternativen? Minderheitsregierung? Schwierig. Noch mal die FDP fragen. Na ja. Neuwahl? Was soll da raus kommen? Irgendwie ist das alles nicht gerade motivierend.

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Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

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Peter Hahne: Fußball, Gott und die große Bühne

Dienstag, den 12. Dezember 2017
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SA 09.12.2017 | 19.30 Uhr | phoenix

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass in Zukunft das Wochenende nicht mehr vollständig ist? Dass man was vermisst, weil einen Peter Hahne nicht mehr angrinst und dämliche Fragen stellt, ob es mir auch so geht wie ihm? Dass man sich am Wochenende nicht mehr einlullen lassen kann, weil die gepflegte Laberei auf phoenix im ZDF bedauerlicherweise eingestellt worden ist?

Geht es dir auch so wie mir, wenn ich sage, dass das Ende von “Peter Hahne” kein großer Verlust ist? Am Wochenende lief die letzte Ausgabe seiner Gesprächssendung. Das ZDF scheint auch nicht mehr viel von ihrem Ex-Star gehalten zu haben, denn die kleine Talkshow hat man irgendwann ins tiefe Nachtprogramm abgeschoben. Immerhin gab es zuletzt eine Erstausstrahlung am Tag zuvor auf phoenix – fast zur Primetime. Aber auch da scheint er quotentechnisch nicht für Furore gesorgt zu haben. Vielleicht wollten sich die Leute dort auch nicht blöd von der Seite anquatschen lassen, ob man sich auch so fühle wie Hahnes Peter. Deshalb geht er nun in Rente.

Aber vermutlich wird er weiter von sich reden machen – wie beispielsweise mit seinen wunderlichen Kolumnen in der “Bild am Sonntag”. Dort nölte er über das moderne Weihnachtsfest. Das sei alles nicht mehr schön, weil die Leute jetzt alleine zu hause sitzen und Geschenke im Internet bestellen. da sei man ja total alleine. Für den Kirchenmann Peter Hahne ist Weihnachten nämlich, sich ins Kaufhaus-Getümmel zu stürzen, das Gedränge zu ertragen und dem Kaufrausch im Laden zu erliegen. Gut zu wissen. Ich dachte ja immer, dass für Kirchenleute Weihnachten eine ganz andere Bedeutung hat. Aber beim Hahne, Peter zählt halt auch nur der Kommerz. Frohes Fest.

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phoenix vor Ort: Aktuelles nach der Bundestagswahl

Donnerstag, den 28. September 2017
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DI 26.09.2017 | 9.00 Uhr | phoenix

AfD! Bei den drei Buchstaben wird man in vielen Redaktionen schon ganz nervös. Hat wieder ein AfDler irgendwas Schlimmes gesagt? Ist das eine Schlagzeile wert? Bringt das Klicks und Quote? Oder ist Ignorieren nicht manchmal auch besser? Oder einfach mal nüchtern zu berichten?
Das ist momentan ein großes Thema, weil in diesen Tagen ARD und ZDF immer wieder vorgeworfen wird, zum Erfolg der AfD mit beigetragen zu haben (und von der “Bild” spricht niemand?).
Als Pauschalvorwurf ist das natürlich Quatsch. Immer ganz von der Hand zu weisen ist das aber auch nicht – wie ein denkwürdiges Interview am Dienstag zeigte. Eine WDR-Reporterin sprach mit Marcus Pretzell, der ihr erzählte, dass er die AfD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag verlassen werde und die Partei gleich mit. Eine richtige Begründung nannte er nicht, was die nicht sichtbare Reporterin hörbar störte.

Die Reporterin hakte nach. Ob er nicht dazu gehören wolle zu den grölenden Höckes und den Gaulands, die Frau Merkel jagen wollen, um das deutsche Volk wieder heimzuholen.
Dazu Marcus Pretzell: “Ach, wissen Sie. Das sind so Fragen, die Sie stellen, die mich überlegen lassen. Ob es nicht vielleicht Sie sind, die genau zu einer solchen Radikalisierung der Gesellschaft beitragen – ganz maßgeblich, und der WDR ist da leider sehr weit vorne, weil auch Ihnen leider die Fähigkeit zur Differenzierung völlig abgeht.”
Die WDR-Frau tat das ab, ein bisschen Medienschelte müsse immer sein. Worauf Pretzell ihr nochmals vorwarf, dass sie nicht differenziert sei.

Nun kann man sich sicher wieder empören. Über die AfD. Über Pretzell.
Nur leider: Pretzell hat im Kern nicht Unrecht.
Denn die WDR-Journalistin war gerade in diesem Interview – ausgestrahlt am Dienstagnachmittag auf phoenix – alles andere als differenziert und unvoreingenommen. Wenn sie von den “grölenden Höckes und den Gaulands” spricht, macht sie ihre persönliche Meinung deutlich. Sicherlich, sie kann Pretzell mit Aussagen von Gauland konfrontieren, aber nicht auf die Art, mit der sie gleich vorweg schickt, dass sie selbst, sie ganz persönlich, das unerhört findet. Das ist unprofessionell. Die WDR-Frau kann privat denken und sagen, was sie will. Im Job muss sie sich überlegen, wie sie ihre Fragen verpackt – im Idealfall ohne Wertung. Dass sie das als doofe Medienschelte abtut, ist ebenso undifferenziert, denn in diesem Fall ging es konkret um sie selbst.
Die WDR-Frau hat nicht gut gearbeitet, und hier wurde sofort der Finger in die klaffende Wunde gelegt.

Übrigens war dieser Schlagabtausch auch deshalb spannend, weil Marcus Pretzell schon gar nicht mehr als AfD-Mann zu sprechen schien. Denn er machte deutlich, wie die Medienmasche – und es ist definitiv eine Medienmasche – funktioniert. Jemand sagt etwas, und dann wird es aufgebauscht, ohne mal ganz genau zu betrachten, was da eigentlich abging. Es gibt bei der AfD sehr sicher sehr viele Gründe empört zu sein. Das Problem: Die Medien nutzen diese Empörung zu oft für sich selbst aus. Denn Empörung bringt Klicks. Und gerade die “Bild” ist auf diesem Empörungstrip und merkt vielleicht nicht mal, dass sie die besten Pusher für die AfD sind. Dem WDR warf Pretzell dies ebenfalls vor. Die Journlastin, die da gerade vor ihm stand, hat ihm da leider wieder sehr viel Futter hingeworfen.

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TV-Duell: Merkel – Schulz

Dienstag, den 5. September 2017
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SO 03.09.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Das war ja ein echt spannendes TV-Duett TV-Duell. Das einzige direkte Aufeinandertreffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz am Sonntagabend wirkte wie eine etwas verfrühte Koalitionsverhandlung. Schulz sagte was, und Merkel nickte. Merkel sagte was, und Schulz nickte. Wirklichen Streit gab es auch, aber nur selten.
Viel zu selten ist es dem Moderatorenquartett gelungen, die Unterschiede zwischen den beiden Politikern herauszukitzeln. Viel zu oft ließen sie es durchgehen, dass es einen Kuschelkurs gab.
Und dann ist da noch Sat.1-Mann Claus Strunz. Dass er scheinbar eher auf der rechten Seite der Politik steht, ist zunächst nicht verwerflich, schließlich muss nicht die komplette deutsche Journalistenschar auf der linken Seite stehen. Dass er aber im TV-Duell mehrfach falsche Zahlen und Zitate in den Ring warf und sich dafür von Merkel und Schulz korrigieren lassen muss – das ist dann doch peinlich und ärgerlich. Aber sonst kommentiert Strunz die deutsche Innenpolitik auch immer nur im wichtigen Sat.1-Politmagazin “Sat.1-Frühstücksfernsehen”. Da sollte er wieder hin.

Eigentlich drängten ja die vier übertragenden Sender auf zwei TV-Duelle. Obwohl es erstaunlich gut funktionierte, ist es doch ziemlich bekloppt, dass Merkel und Schulz gleich vier Moderatoren gegenüber stehen. Was aber eben daran liegt, dass vier Sender übertragen, und jeder Sender seinen Vertreter schicken wollte.
Gäbe es zwei TV-Duelle, liefe eines vermutlich nur bei ARD und ZDF und das zweite bei RTL und Sat.1. Dass gerade die auf Duell Nummer 2 drängen, mag wohl vor allem an den Einschaltquoten zu liegen: Wenn vier (mit phoenix fünf) Sender dasselbe zeigen, schalten die allermeisten Zuschauer Das Erste ein. So auch am Sonntag. Mehr als 16 Millionen Zuschauer waren dabei, allein mehr als 9 Millionen im Ersten. Das ZDF folgte mit weitem Abstand und 3,7 Millionen. Für RTL sah es mit gut 2 Millionen schon düster aus, bei Sat.1 waren es nicht mal eine Million. Die Privaten haben in Deutschland – leider zu recht – eben keine Bedeutung, wenn es um Informationssendungen geht.

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phoenix vor Ort: Merkels Kandidatur

Montag, den 21. November 2016
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SO 20.11.2016 | 18.15 Uhr | phoenix

Immer wieder ist sie gefragt worden: Wird Angela Merkel auch 2017 wieder für die CDU als Kanzlerkandidatin antreten?
Am Sonntagabend gab sie die Antwort: ja. Sie wird.

phoenix übertrug die Pressekonferenz live, und auch die Fragen der Journalisten im Anschluss an das Merkel-Statement. Aber manchmal fasst man sich an den Kopf: Nun hat Merkel Ja zu 2017 gesagt, und schon wollte eine Journalistin wissen, wie sie denn eigentlich aus diesem Hamsterrad rauskomme und wie das denn im Jahr 2021 aussehe.
Klar, Merkel konnte dazu nichts sagen, sie merkte nur an, dass ja auch niemand wisse, ob die fragende Journalistin dann noch an Bord sei. Blöde Frage gut gekontert.