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Wahl 2014: Eurovision-Debatte

Freitag, den 16. Mai 2014
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DO 15.05.2014 | 21.00 Uhr | phoenix

Eurovision? Schon wieder Song Contest?
Nein, nicht ganz. Diesmal ging es im Zusammenschluss der europäischen Fernsehsender ein bisschen (oder ein sehr viel) trockener zu als noch vergangene Woche beim Musikwettbewerb. Bei der “Eurovision-Debatte” ging es um die anstehende Europawahl, und erstmals gab es eine, ähm, Diskussion der Spitzenkandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten.

Vermutlich wäre es sinnvoll gewesen, den Zuschauern erst mal zu erklären, was überhaupt ein Kommissionspräsident ist (was übrigens nach Studieren des entspechenden Wikipedia-Eintrags immer noch, nun ja, ein bisschen unklar ist). Aber die Runde wird nicht umsonst in Deutschland nur auf phoenix ausgestrahlt worden sein. Das Interesse an der Europawahl hält sich in engen Grenzen, und die meisten leute werden nicht mal im Ansatz gewusst haben, was da für Leute in Brüssel vor den Kameras standen und was sie überhaupt wollten.

Und auch nach den 90 Minuten am Donnerstagabend ist man nicht wirklich schlauer. Wer zum ersten Mal mit Europapolitik in Kontakt kam, ist so schlau wie vorher. Wer ist noch mal diese Frau Keller? Und was ist denn diese ALDE? Ein Billigsupermarkt, nur europäisch? Ein paar Leute werden immerhin den Sozialdemokraten Martin Schulz kennen und von Jean-Claude Juncker gehört haben.

Und sonst? Gab es eine spannende Diskussion?
Nicht wirklich. Wie auch! Jeder hatte nur eine Minute, um was zu sagen. Gegenrede war 30 Sekunden lang möglich. In den 90 Minuten gab es zig Themen, aber nichts, was den deutschen Zuschauer jetzt irgendwie speziell betreffen könnte. Die Außenpolitik (welche auch immer) blieb weitgehend im Dunkeln, und auch sonst, also… ähm… Ja, viel hängengeblieben ist da nicht.
Mit dieser Debatte sind die Euromüden sicherlich nicht geweckt worden.

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Eurovision Song Contest 2014: 2. Halbfinale

Samstag, den 10. Mai 2014
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DO 08.05.2014 | 21.00 Uhr | phoenix

Alle wieder gemeinsam im Finale: Deutschland, Österreich und Schweiz, die deutschsprachigen Nachbarn, sind am Sonnabend in der großen ESC-Show in Kopenhagen vertreten. Wir dürfen also gespannt sein, ob sich die drei Länder an der allseits geächteten Punkteschacherei beteiligen werden.

Am auffälligsten dabei ist natürlich Conchita Wurst aus Österreich. Der Travestiekünstler Tom Neuwirth tritt in Frauenkleidern, aber mit Bart auf. Was diese aber dieser seltsame Name bedeiten soll, wieso nennt man sich denn Wurst? Weil es “wurst” ist, ob da ein Mann oder eine Frau auf der Bühne steht?
Er selbst begründet das jedenfalls so.

Im 2. Halbfinale, das am Donnerstag bei phoenix und einsplus lief, traten gerade mal noch 15 Songs an, von denen zehn weiterkamen. Da musste die zweistündige Show schon mächtig gestreckt und mit einem dritten Schnelldurchlauf (schon nach dem Votingschluss) aufgefüllt werden. Sollten 2015 noch weniger Lönder am ESC teilnehmen, wird wohl bald ein zweites Halbfinale überflüssig.

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Eurovision Song Contest 2014: 1. Halbfinale

Mittwoch, den 7. Mai 2014
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DI 06.05.2014 | 21.00 Uhr | phoenix

Bedauerlich! Wirklich sehr bedauerlich! Der Eurovision Song Contest 2014 scheint abgesagt worden zu sein. Stattdessen übertrugen phoenix und einsplus am Dienstagabend den Eurovision Artistik Contest live aus Kopenhagen. Was ist nicht da nicht fleißig geturnt worden? Ein Mann in einem Laufrad. Eine Frau an einem Hochseil. Seltsame Gymnastik. Eine Eiskunstläuferin. Und so weiter. Es ging sehr sportlich zu in Kopenhagen.

Ja, okay, gesungen worden ist da auch. Aber nach dem starken 2013er-Jahrgang in Oslo konnte es eigentlich nur schlechter werden. Durchschnittsware ist in diesem Jahr offenbar trumpf. Da fallen in Russen in die 80er-Jahre zurück, stellen zwei blonde Frauen auf die Bühne, eine Windmaschine davor und lassen sie einen nichtssagenden Schlager trällern. Weitergekommen sind sie damit trotzdem. Wobei ja Russland auch stumm auf der Bühne stehen könnte, die würden trotzdem ins Finale kommen.

Der alte Grand-Prix-Haudegen Ralph Siegel wollte es in diesem jahr mal so richtig krachen lassen. Beim Beitrag aus San Marino (die Deutschen lassen ihn ja nicht mehr) saß er auf der Bühne am Klavier. Und weil sein Song irgendwie so gar nicht ralphsiegelig klang (aber trotzdem nicht wirklich doll), darf er sogar im Finale noch mal ran. Glückwunsch, Ralph!

Highlight des Abends: The Common Linnets aus den Niederlanden mit ihrem Song “Calm after the Storm”. Eine einfache, aber eingängige, schöne Country-Folk-Nummer. Die musste einfach ins Finale!
Und hoffentlich hat das 2. Halbfinale am Donnerstag ein paar Höhepunkte mehr parat!

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Die Insel West-Berlin – Wo alle Himmelsrichtungen Osten sind

Montag, den 10. März 2014
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SO 09.03.2014 | 15.30 Uhr | phoenix

Selbst für die heute 25-Jährigen ist das gar nicht mehr vorstellbar: das geteilte Berlin. Dass der Westteil des Stadt mal eingemauert war. Dass es für West-Berliner zwischen 1961 und 1989 nicht oder nur schwer möglich war, ins Umland der Großstadt zu reisen.

Auf phoenix gab es am Sonntagnachmittag einen spannenden Themennachmittag zu den deutsch-deutschen Beziehungen zwischen 1961 und 1990. Nach einer Doku über das Leben in Ost-Berlin ging es danach um “Die Insel West-Berlin – Wo alle Himmelsrichtungen Osten sind”.
Und ich habe sogar etwas gelernt: Nach 1961 dürften die West-Berliner zunächst gar nicht nach Ost-Berlin einreisen – aber die Westtdeutschen durften das. Was dazu geführt hat, dass sich Berliner in Hamburg gemeldet haben, um sich dort einen Ausweis zu besorgen und von dort in die DDR einzureisen.

Obwohl West-Berlin der freie Teil der Stadt war, war es der eingemauerte Teil. und obwohl es mitunter ewig dauerte, in Dreilinden die DDR-Grenze in Richtung Transitautobahn zu passieren, haben sich die West-Berliner nicht eingemauert gefühlt. Baumblüte in Werder? Unerreichbar, aber dafür gab’s nun ein Fest in Britz. Die Brandenburger Wälder? West-Berlin hatte den Grunewald. Brandenburger Seen? West-Berliner hatten den Wannsee.

2014 staunt man nur noch darüber, wie es in Berlin einst zuging. Dass die Stadt mal geteilt war, sieht man nur noch bei genauerem Hinsehen. Umso besser, dass es solche Dokus gibt, wie phoenix sie am Sonntag zeigte.

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phoenix vor Ort: Aktuelles zur Lage in der Ukraine

Mittwoch, den 19. Februar 2014
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DI 18.02.2014 | 21.00 Uhr | phoenix

Die politische Lage in der Ukraine scheint erneut zu eskalieren. Auf dem Maidan-Platz in Kiew greift die Polizei gegen die Demonstranten durch. Mehrere Feuer brennen.
Der Sender phoenix berichtete in zwei Sondersendungen von “phoenix vor Ort” über die Ereignisse in Kiew.

Bei Twitter im Internet regte sich unterdessen mal wieder Protest. In Kiew herrsche eine brisante politische Lage, und Das Erste zeigt Arztserien, und im ZDF gibt’s Humtata-Karneval. Sondersendungen? Fehlanzeige.
Und da war sie wieder, die Welle der Empörung, die wieder mal in dem Satz gipfelte: “Und dafür zahlen wir Gebühren.”

Ja, genau. Dass phoenix zweimal sein Programm unterbrochen hat, um aus Kiew zu berichten, dafür zahle ich meine Gebühren. Auch dafür, dass der “Report” im Ersten live nach Kiew geschaltet hat.
Die überwiegende Twitter-Meinung jedoch war, dass Das Erste und das ZDF ihre Programme hätten unterbrechen müssen. Ein “Brennpunkt” hätte mindestens drin sein können.

Hätten man machen können, ja. Aber was hätte man zeigen sollen. Die Totale vom Maidan in Kiew. Ein Reporter, der nicht mehr machen kann, als zu sagen, was er sieht?
So bitter das klingt: Es ist schlimm, was in Kiew passiert, aber im Laufe des Abends gab es dazu wenig Neues zu sagen.
Die “Tagesschau” berichtete aus Kiew. Danach gab’s auf n-tv Live-Bilder. Später auf phoenix. Was Neues ist in der Zeit nicht passiert, außer dass man sehen konnte, dass es immer noch brennt auf dem Maidan.

Die “Tagesthemen” brachten die Zuschauer im Ersten dann wieder auf den aktuellen Stand – der allerdings kaum anders war als zwei Stunden vorher in der “Tagesschau”. Dass sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen unglaubwürdig macht, nur weil es nicht ständig aus Kiew berichtet, dem würde ich keineswegs zustimmen. Zumal phoenix eben jene Updates lieferte, und dafür ist der Sender auch da. Die Lage erforderte es aber wohl kaum, dass auch die Hauptprogramme ihre Sendungen unterbrechen. Und wer doch permanent ein Auge auf die Ereignisse in der ukrainischen Hauptstadt haben möchte, für den gibt es die Livestreams im Internet.

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Das war 2013!

Dienstag, den 31. Dezember 2013
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Aufschrei! Der Twitter-Hashtag gehört ganz sicher zu den Wörtern des Jahres 2013. Und das nicht nur, weil FDP-Mann (was war noch gleich diese FDP?) Rainer Brüderle einer “stern”-Journalistin verbal etwas zu nahe gekommen ist. Die Medien wittern in diesem Jahr ständig und immer wieder einen Skandal.
Der Stinkefinger des Herrn Steinbrück. Aufschrei!! Der Rundfunkbeitrag für ARD und ZDF. Aufschrei!! Beim NSU-Prozess gibt es nicht für alle Journalisten einen Platz. Aufschrei!! Markus Lanz hat bei “Wetten, dass…?” schon wieder was falsch gemacht. Aufschrei!!
Es folgt eine Hysterie nach der anderen, die eine verpufft schneller, die andere bis heute nicht. Nur beim NSA-Abhörskandal, da dauert es ein bisschen bis zu jenem Aufschrei.
Aber mal ganz von vorn.

Für das ZDF und sein Aushängeschild “Wetten, dass…?” ist es ein schweres Jahr. Die Quoten sinken, die Kritiker mosern, überall gibt es etwas zu meckern. An vielen Stellen zurecht. Hollywoodstars bekommen Eiswürfel in die Hose geschüttet, und plötzlich sitzen Roooobert Geiß und seine Prollfrau auf der Wettcouch. Inzwischen sind alle Innovationen abgeschafft, die Show so pupsig wie früher, nur Gottschalk fehlt noch. Bis heute fehlt der Show eine vernünftige Redaktion im Hintergrund, die sich wirklich mal Gedanken macht, wie diese Sause aus dem Dreck gezogen werden könnte.

Eigentlich können wir ja froh sein, dass es solche Shows noch gibt. Denn ein Großteil des Programms bei den Privaten wird weiterhin mit billigen Dokusoaps bestritten. Der Asifaktor steigt. Bei RTL müssen Paare “7 Tage Sex” haben – und wir dürfen zuschauen. Allerdings wollen die Zuschauer das gar nicht, die Reihe floppt. ProSieben schickt “Reality-Queens auf Safari” und RTL “Wild Girls auf Highheels durch Afrika”. Seltsamerweise sind auch da die Zuschauer bockig und wollen Tussis auf Reisen lieber nicht sehen. Ebenso wenig besoffene Jugendliche in Sölden oder Single-Tierfreunde, die einen Partner suchen.

Billig, aber erfolgreich sind dagegen die pseudoechten Serien “Berlin – Tag & Nacht” sowie das im Januar gestartete “Köln 50667″. Bei der Jugend kommt das doofe Geblöke erstaunlich gut an. Prolls scheinen in zu sein. Als RTL II seinen 20. Geburtstag feiert, ist die Party voll mit Menschen, denen man außerhalb von RTL II lieber nicht begegnen will. Die Prollparty des Jahres.

Jenny Elvers fällt 2013 zwar nicht durch Prollgehabe auf, dafür aber mit ihrer Alkoholbeichte. In einem einstündigen RTL-Special entblättert sich die ehemalige Frau Elvers-Elbertzhagen und erzählt der sehr verständnisvollen Frauke Ludowig von ihren Saufeskapaden – und wie ihr Mann ihr da rausgeholfen hat. Später trennt sich ihr liebender Gatte von ihr.
Bei Markus Lanz hat die Schauspielerin Katrin Sass sehr schlechte Laune. Sie ist wütend, weil man ihren Grimmepreis besudelte. Das RTL-Dschungelcamp ist nämlich nominiert, und darüber ist die Sass so erbost, dass sie im ZDF den Dschungelkönig Peer Kusmagk runtermacht – oder eher zusammenblökt.

Den Grimmepreis bekommt das Dschungelcamp später zwar nicht, gutes Fernsehen ist das aber trotzdem – bei aller Häme. Und für einen der rührendsten TV-Augenblicke 2013 sorgt die Show auch noch: In Folge 1 nimmt das Team Abschied von Dirk Bach. “Ta, Dickie!”, heißt es am Ende.
Auch Sat.1 möchte etwas von dem RTL-Erfolg abhaben. Nur A-Promis wollen sie ins “Big Brother”-Haus schicken. “Wir nehmen nur die Besten.” Die scheinen allerdings keine Zeit zu haben. Da gibt es stattdessen die Blondine, die in irgendeiner gefloppten ProSieben Doku-Titten-Soap mitgemacht hat. Einen Sänger, der mal bei “The Voice of Germany” mitgemacht hat. Einen Doku-Soap-Typ und einen, der irgendwas im Internet macht. Und dazu Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn, die so gar nicht harmonieren wollen und einen Gag nach dem anderen versemmeln. Selten ist ein Format dermaßen in den Sand gesetzt worden.
Aber damit kennt man sich bei Sat.1 aus. Auch die “Patchwork Family” floppt. Die Zuschauer strafen schlechtes Fernsehen mit Missachtung.

Umso erstaunlicher, dass Marc Bator vom Nachrichten-Flaggschiff “Tagesschau” zu den “Sat.1-Nachrichten” wechselt. Vielleicht bekommt er dort mehr Geld, dafür aber weniger Image.
Sein Vorgänger Peter Limbourg, inzwischen Chef der Deutschen Welle, muss im März geradezu darum betteln, auf Sendung bleiben zu dürfen. Gerade soll in Rom der neue Papst verkündet werden, doch bei Sat.1 will man die Live-Sendung für so eine Nichtigkeit nicht verlängern.
RTL unterbricht für den neuen Papst immerhin die Sendung “Teenies auf Partyurlaub”. Ein wirklich päpstliches Kontrastprogramm.

2013 dreht sich das Personalkarussell auch auf anderen Sendern. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf wechseln von zdf_neo zu ProSieben und sorgen dort für gute, unverkrampfte, einfallsreiche, gern auch mal sinnfreie Unterhaltung. Joko entert sogar die ProSieben-Newstime, darf dort live die Nachrichten sprechen und wird dort – ja, live – von Klaas angerufen. Bei ProSieben ist man not amüsed.
Tom Buhrow verlässt die “Tagesthemen” und wird WDR-Intendant. Dort muss er einen harten Sparkurs verkünden. Das Nachwuchstalent Thomas Roth ist sein Nachfolger bei den Abendnachrichten.
Christian Rach geht von RTL zum ZDF und will nun dort kochen – oder so.

Natürlich gab es auch 2013 gutes Programm. “Homeland” auf Sat.1 war extrem spannend, ebenso die “American Horror Story” auf sixx. Leider mit miesen Quoten. Das ZDF zeigte “Unsere Mütter, unsere Väter”, eine Aufarbeitung über den Alltag im Dritten Reich. Für den “Super Bowl” gab sich Sat.1 ausnahmsweise richtig Mühe und konnte so sogar den Stadionstromausfall ordentlich überbrücken. Die ARD zeigte mit “Operation Zucker” einen aufwühlenden Film über Kinderhandel – und musste ihn zensieren, weil die FSK das Ende nicht positiv genug fand. Die ARD traut sich an den Showklassiker “Dalli Dalli” ran. “Das ist spitze!” heißt die Neuauflage, die großen Spaß macht.

Die Medien suchen aber lieber nach Skandalen, als zu loben. Während sich fast ganz Journalistendeutschland aufplustert, weil nicht alle von ihnen beim NSU-Prozess berücksichtigt werden, und es doch ein Skandal sei, weil die ehrwürdige FAZ nicht dabei sei, hält sich das Interesse beim NSA-Abhörskandal erst mal in Grenzen. In der heißen Phase diskutiert selbst Günther Jauch im Ersten lieber über Schlaglöcher. Als aber klar ist, dass auch das merkelsche Kanzlerinnenhandy abgehört wurde – ja, jahaaa, da ist der Aufschrei groß.

Gar keinen Aufschrei gibt es, als das ZDF verkündet, dass zdf.kultur eingestellt wird. Der innovativste und interessanteste Spartenkanal hat miese Quoten. Leider. Eigentlich sollte Silvester Schluss sein. Nun hat der Sender doch noch eine Schonfrist und sendet auch 2014.
Für Das 4. ist dagegen am 31. Dezember Schluss. Mitte Januar 2014 startet auf dem Programmplatz der Disney Channel. Der Micky-Maus-Konzern kauft Das 4. und schafft ihn ab.
Auch ARD und ZDF hätten gern einen Jugendkanal, wofür das Zweite eben auch zdf.kultur opfern will. Die Politik möchte da jedoch mitreden und hat das Konzept abgelehnt. Das Konzept liegt auf Eis, und der SWR macht’s im Alleingang und fragt erst niemanden: einsplus ist inzwischen fast vollständig zum Jugendkanal mutiert.

Mit gedruckten Zeitungen hat die Jugend unterdessen immer weniger am Hut. Die Auflagen sinken, die Verlage sparen. Springer stößt diverse Regionalzeitungen an die Funke-Gruppe ab, darunter die “Berliner Morgenpost”. Dafür weitet Springer die Aktivitäten im Internet aus und kauft N24.
Die “Westfälische Rundschau” erscheint zwar noch, hat aber keine eigenen Inhalte mehr. Der Mantel kommt vom zentralen Desk, der Lokalteil von der Konkurrenz. Ganz dicht machen will man das Blatt nicht – der publizistischen Vielfalt wegen. Aha.
Die Nachrichtenagentur dapd ist nicht mehr zu retten.
Die Mediengruppe Madsack gliedert die Lokalredaktionen der “Märkischen Allgemeinen” aus. Bis 2018 will man außerdem in Hannover einen Großteil der Inhalte für die Regionalzeitungen vorproduzieren. Ressorcen will man sparen, heißt es.

Die wahre Musik spielt im Internet. Und bei Twitter meist nachts, dann sind nämlich Boris Becker und Oliver Pocher noch wach und zoffen sich. Der ehemalige Tennisgott Becker hat ein Buch geschrieben, darin kommt auch seine Ex (und inzwischen auch Pochers Ex) Allessandra vor, und das nicht sehr positiv. Am Ende kommt Becker in Pochers RTL-Show “Alle auf den Kleinen”, um sich endgültig lächerlich zu machen.
Pochers anderer Ex, Harald Schmidt nämlich, sendet unterdessen bei Sky unter Ausschluss der großen Öffentlichkeit. Aber nur noch bis März 2014. Mitte Dezember verkündet Sky das Aus für “Die Harald Schmidt Show”. Der Aufschrei hält sich in Grenzen.

Weichen Politiker mal vom Langweiler- und Weichspülkurs ab, dann aber ist besagter Aufschrei doch wieder groß. Der Bundestagswahlkampf plätschert eher vor sich hin – bis SPD-Mann Steinbrück für ein wortloses Interview mit dem SZ-Magazin den Stinkefinger zeigt. Nur leider scheinen Journalisten keinen Humor zu haben – oder doch lieber den Skandal herschreiben zu wollen.
Gleiches gilt, wenn ZDF-Frau Marietta Slomka im Interview mit SPD-Chef Sigmar Gabriel eher plan- und hilflos wirkt und Gabriel deutlich macht, dass er ihren pikierten Interviewstil, nun ja, seltsam findet. Slomka wird von vielen Zuschauern als Heldin gefeiert. Warum auch immer.

Die Hörer von radioeins hatten tatsächlich was zu feiern: die Rückkehr der Radiolegenden. Zwei Wochen lang waren sie jeweils drei Stunden auf Sendung: Thomas Gottschalk, Frank Elstner oder Jürgen Kuttner. Noch einmal “Sprechfunk”, so wie früher, nur diesmal eben an einem Vormittag. Herrlich.

Legenden kommen, andere gehen. Es hieß Abschied nehmen. Viele Stars haben uns 2013 verlassen.
Marcel Reich-Ranicki wird keine Bücher mehr verreißen, Paul Kuhn spielt nicht mehr Klavier. Reinhard Lakomy besingt nie mehr den Traumzauberbaum. Der afrikanische Held Nelson Mandela ist verstummt. Außerdem die Schauspieler Dieter Pfaff, Eddie Arent, Hildegard Krekel, Rosemarie Fendel, Heinz Meier, Jörg Pleva, Otto Sander, James Gandolfini, Ulrich Matschoss und Peter O’Toole, die Politiker Lothar Bisky, Manfred Rommel und Margaret Thatcher, Radiolegende Chris Howland, die Musiker Lou Reed und Esther Williams, die Humoristen Dieter Hildebrandt, Peter Ensikat und Günter Willumeit, die Moderatoren Vivi Bach und Elmar Gunsch, Sportmanager Peter Graf, die Schriftsteller Doris Lessing, Otfried Preußler, Walter Jens und Wolfgang Herrndorf sowie Prinz Johan Friso von Oranien.

2013. War sonst noch was?
Ach ja. “Inka” im ZDF, das neue, frische Format am Nachmittag. War dann aber leider doch nicht so frisch, sondern ziemlich altbacken und oberflächlich. Nach einem Vierteljahr zieht das ZDF den Stecker. Damit endet auch die Dailytalk-Ära, denn auch “Britt” auf Sat.1 musste sich veranschieden.
Stefan Raab mischt für ProSieben beim TV-Duell mit Merkel und Steinbrück mit. Und macht seine Sache gut.
Das Erste bricht in der Nacht einen Boxkampf für einen Spielfilm mittendrin ab, weil es so im Programmplan stand.
Hinter den Kulissen der kultigen zdf.kultur-Talkshow “Roche & Böhmermann” kracht es so sehr, dass Schluss ist. Und die Zuschauer das erst für einen Gag halten.
Heino bekommt großartige PR, weil er Ärzte-Songs nachsingt und sich darüber angeblich jemand aufregt.
Die Lotto-Ziehungen gibt’s nicht mehr im Fernsehen, weil das die Zuschauer angeblich langweilt.
phoenix unterbricht sein Programm für einen Asteroiden-Vorbeiflug und zeigt helle Striche.
Waldemar Hartmann blamiert sich bei “Wer wird Millionär?” weil er die deutsche Fußball-WM 1974 vergisst.
Und da ist er schon, der nächste Aufschrei. Einer von vielen, in diesem 2013.

Ach, und fast hätte ich das Wichtigste vergessen: Dieter Moor heißt jetzt Max. Ähm, ja, genau.
Guten Rutsch.

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phoenix vor Ort: Koalitionsverhandlungen

Mittwoch, den 27. November 2013
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DI 26.11.2013 | 0.45 Uhr (Mi.) | phoenix

Eine lange Nacht in Berlin, und phoenix ist vor Ort. Live! Um 0.45 Uhr.
Was haben wir erfahren? Es ist kalt geworden in Berlin. Inzwischen ist es dunkel. Und es sind auch nicht mehr so viele Reporter da. Und in sieben Stunden ist schon wieder Sonnenaufgang. Und man würde ausharren.
Mensch, ist das alles spannend, und für diese heißen Informationen zeigt phoenix in der Nacht zu Mittwoch eine Sondersendung und schaltet zum frierenden Reporter nach Berlin. Respekt!

Okay, irgendwie ist es ja auch spannend. Sie verhandeln immer noch! Kommt die GroKo? Die Große Koalition? Können sich CDU/CSU und SPD einigen? Und stimmen die SPD-Mitglieder dieser GroKo dann auch zu?
Es sind spannende Tage, und die Politik-Reporter in Berlin müssen viele Sonderschichten einlegen. Aber manchmal sind die berichte ein wenig zu viel Guten – oder auch einfach nur überflüssig.

In der “phoenix vor Ort”-Sondersendung gab es jedenfalls nichts (und wirklich nichts!) Neues zu berichten. Politiker-Statements sind in der 15-minütigen Berichterstattung mitunter aus lauter Verzweiflung gleich zweimal gezeigt worden.
Die phoenix-Leute bleiben dran. Vielleicht gibt’s in der Nacht ja noch eine Sondersendung, in der nichts Neues verkündet wird. Oder die Journalisten haben Glück, und die Klüngelrunde hat fertig palavert – dann gäbe es ja zur Abwechslung wirklich mal Neuigkeiten.