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phoenix vor Ort: Vorstellung der Corona-Warn-App

Freitag, den 19. Juni 2020
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DI 16.06.2020 | 10.30 Uhr | phoenix

Am lustigsten sind ja die Leute, die sich auf Facebook darüber aufregen, dass die neue Corona-Warn-App ihren Datenschutz verletzten würde. Dass sie ja gläsern würden.
Überhaupt hat man ja auf Facebook und Co. den Eindruck, dass niemand diese App brauche und sich eigentlich alle nur darüber aufregen. Dass nach gerade mal zwei Tagen mehr als 7 Millionen Nuter die App runtergeladen haben, überrascht dann doch. Was auch zeigt, dass sich in den Sozialen Netzwerken nur die Nörgler aufhalten, die eh alles Sch… finden.

Am Dienstagvormittag ist die App vorgestellt worden, und phoenix übertrug live. Die Zeiten, wo auch die großen Sender live solche Pressekonferenzen übertragen, scheinen jedenfalls vorbei zu sein. ARD und ZDF haben ihr vormittägliches Wiederholungsprogramm für diese wichtige Pressekonferenz nicht unterbrochen. Dabei ist dort gut erklärt worden, wie diese App funktioniert und wieso die Menschen sie auch nutzen sollen und können. Immerhin schwirren Mythen durch das Internet, ist fast schon so dämlich sind, dass man nur noch lachen kann.

Die Daten der App gehen direkt zur Bundesregierung? Angela Merkel weiß, wann ich das Haus in Richtung Dönerladen verlasse? Und sie wird dann panisch den roten Knopf drücken?
Dabei gibt die App an sich erst mal gar nichts weiter. Sie merkt sich für eine gewisse Zeit, wann ich wo war. Was Google übrigens schon immer sehr präzise – erschreckend präzise – tut. Bekomme ich das Coronavirus, gibt es beim Arzt einen Code, und ich muss die App darüber informieren. Die wiederum checkt, wer in den letzten Tagen in meiner Nähe war. Und schlägt bei demjenigen Alarm, wo die Codes übereinstimmen. Derjenige muss dann auch zum Gesundheitsamt. Im Grunde erfährt also keiner was, die Daten sind auf dem Handy, und selbst ein Gewarnter kann die Warnung theoretisch für sich behalten, ohne dass jemand was merkt.
Eigentlich ist das simpel, und selbst der Chaos-Computer-Club sieht bei der App keine gravierenden Probleme. Ganz im Gegensatz zu Facebook, wo sich ja alle aufregen, wie schlimm die Corona-Warn-App ist…

-> Die Pressekonferenz bei phoenix via Youtube

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Augstein und Blome

Samstag, den 30. Mai 2020
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FR 29.05.2020 | 17.05 Uhr | phoenix

Wenn wir etwas in unserer Gesellschaft immer weniger können, das ist es das Streiten. Das Austauschen von Meinungen, ohne sich am Ende gleich abgrundtief zu hassen und sich für immer aus dem Weg zu gehen.

Ob sich Jakob Augstein und Nikolaus Blome privat hassen, ist nicht klar. Jeden Freitag zoffen sie sich 10 bis 15 Minuten lang in ihrer Sendung “Augstein und Blome” bei phoenix.
Es ist eine spannende Zusammensetzung. Jakob Augstein kommt eher aus dem linken Journalistenspektrum. Nikolaus Blome ist aus der konservativen, eher rechten Ecke (rechts im Sinne von: nicht links oder Mitte, “rechts” ist ja heutzutage fälschlicherweise schon ein Schimpfwort). Jede Woche kommen sie für ein paar Minuten zusammen, um über aktuelle Themen zu diskutieren. Ein Schlagabtausch.

Das machen sie auf eine interessante Weise, denn sie gehen nicht immer zimperlich miteinander um. Diese Woche ging es um “Wissenschaft und Politik – Was erlauben Drosten?”.
Augstein argumentierte, ob es gut sei, wissenschaftliches Halbwissen in die Öffentlichkeit zu pusten. Blome merkte hingegen an, es gebe eine zwangpolitisierte Wissenschaft.
Corona ist momentan natürlich ein Dauerthema, der eine will wissen, warum die Menschen derart eingeschränkt werden, der andere hat Verständnis.

Da fallen manchmal harte Worte. Andererseits machen die beiden das seit 2011. So richtig hassen kann man sich da eigentlich nicht, wenn man Woche für Woche auf diese Weise zusammenkommt.
Dass diese Sendung auch wieder nur in der Nische im Spartensender läuft, ist schade. Auch sie hätte mehr Aufmerksamkeit verdient, zum Beispiel an einem Tag nach den “Tagesthemen”.

-> Die Sendung auf Youtube

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phoenix vor Ort: Virtueller CSU-Parteitag

Montag, den 25. Mai 2020
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FR 22.05.2020 | 17.00 Uhr | phoenix

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel mal ein zehnminütige Fernsehansprache hält, dann ist es ja einigen Leuten auch schon zu viel, als dass sie ihr folgen könnten. Am Freitagabend aber, da saß Marcus Söder, der bayerische Ministerpräsident, eine gute dreiviertel Stunde an seinem Tisch und redete und redete und redete. Es nahm einfach kein Ende.
Dabei war seine Redezeit gar nicht mal so ungewöhnlich. Ungewöhnlich war viel mehr die Art und Weise seiner Rede. Normalerweise würde sie er vor anderen Menschen halten und nicht alleine und immer an der Kamera vorbeischauend.
Es war CSU-Parteitag, und weil wir wegen des Coronavirus keine Großveranstaltungen durchführen können, musste eben auch der CSU-Parteitag virtuell abgehalten werden.
Der Sender phoenix übertrug am Freitag trotzdem live. Und nun eben nicht aus einer großen Halle, sondern man übernahm einfach das Signal der CSU-Übertragung. Was ein bisschen wirkte wie der offene Kanal.

Immerhin hat sich Gastredner Sebastian Kurz, der Bundeskanzler in Österreich, in einen Raum gesetzt, in dem hinter ihm Fahnen standen und neben ein… tja, man weiß es nicht genau. Ein Ofen vielleicht? Es hallte, weil er kein Mikro hatte.
Einen Blick in sein Wohnzimmer ließ er aber nicht zu – ganz im Gegensatz zu Ilse Aigner, der Präsidentin des Landtages in Bayern. Auf ihrem Schrank stehen so viele Bilder rum, dass sie fast bis ans Wandbild ranreichen. Aber vielleicht kann man der Frau Aigner ja mal den Tipp geben, die Wandbilder etwas höher zu hängen. Sehr geschmackvoll ist aber die Blume mit den weißen Blüten neben der Tür. Was sie erzählt hat, weiß ich nicht mehr, ich war ganz auf ihre schlicht eingerichtete Wohnung konzentriert.
Angelika Niebler meldete dich aus einem Dachzimmer, in dem kläglich wenige Bücher rumstanden und eine kleine Europaflagge. Und daneben irgendein Porzellan-Dingsbums mit den weiß-blauen Farben im Bauchbereich. Sehr geschmackvoll. Sie hat auch über irgendwas geredet (“schwere Stunde”, “Nachbarn nicht hängen lassen”), aber dieses Zimmer ganz in Grautönen war einfach zu…. na ja, spannend wäre nun das falsche Wort.

Es ging im einen Leitantrag, um die Rolle der Frauen in der Krise und so weiter. Aber das Ambiente dieses CSU-Parteitags at Home war dann doch viel faszinierender. Als dann die nächste Rednerin nur noch per Telefon zugeschaltet war, war dann aber auch mein Interesse erloschen.

-> Der CSU-Parteitag auf Youtube (Welt-Livestream)

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phoenix vor Ort: Bundeskanzlerin nach Treffen von Corona-Kabinett

Samstag, den 11. April 2020
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DO 09.04.2020 | 15.30 Uhr | phoenix

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde Bundeskanzlerei Angela Merkel von der Berliner Journaille niedergeschrieben. Sie wirkte kraftlos, habe keine Ideen, ziehe sich zurück, man höre nichts von ihr, sie gebe keine Impulse mehr.
Nichts mehr davon.
Denn einmal mehr zeigt sich momentan, wie wichtig Angela Merkel für Deutschland ist. Am Donnerstagnachmittag war das in der von phoenix live übertragenen Pressekonferenz zur Corona-Situation vor dem Osterfest einmal mehr nachdrücklich zu erleben gewesen.

Während Staatschefs wie Donald Trump oder Emmanuel Macron gerne kämpferische Kriegsrhetorik verwenden und insbesondere Donald Trump in den USA so tun als wäre er der Allwissende, der alles schon längst gewusst habe, spricht Angela Merkel auf ganz andere Weise zu den Menschen.
Sie erklärt was Sache ist. Sie sagt, was bekannt ist und was nicht bekannt ist. Sie macht keine Hoffnungen, wo sie es noch nicht machen kann. Sie sagt, dass es nach Ostern Gespräche und Entscheidungen geben werde. Sie sagt in diesem Moment nichts, was sie nicht wirklich versprechen kann.
Und vor allem: Sie macht keine Illusionen. Sie erklärt, dass Lockerungen der Kontaktverbote auch erst mal dazu führen, dass man schauen müsse, was die Lockerungen bewirken. Es geht um Vorsicht, damit Entscheidungen nicht zurückgenommen werden müssten.

FDP-Lindner poltert, dass die Regierungen mit den Menschen wie mit Kindern spreche. Das mag vielleicht sein, aber was ist daran falsch? Was die Regierung, hier Merkel, erklärt, müssen und sollen alle Menschen verstehen. Gerade jetzt ist es wichtig, die Dinge so auszudrücken, dass es alle verstehen, dass alle mitgenommen werden.
Und das schafft Angela Merkel momentan sehr gut. Dass es Menschen gibt, die mit den aktuellen Maßnahmen nicht einverstanden sind, das mag so sein. Allerdings sind die Gegenargumente auch nicht wirklich schlüssig.
Wichtig ist, dass die Menschen in dieser schwierigen Zeit Vertrauen in die Maßnahmen haben, die getroffen werden. Und das Vertrauen haben, dass verantwortungsvoll damit umgegangen werden, die Maßnahmen nach und nach zu lockern.
Dass darüber nachgedacht werden muss, wie es mit der Wirtschaft weitergeht, ist unstrittig, und ich bin mir sehr sicher, dass das passiert. Unstrittig sollte aber auch sein, dass alles zu seiner Zeit stattfinden muss.

Ich bin jedenfalls momentan sehr froh, dass wir eine Frau wie Angela Merkel an der Spitze des Landes haben. Besonnenheit und überlegtes Handeln – das brauchen wir.

-> Die Übertragung von phoenix auf Youtube.

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phoenix – Der Tag: Brexit

Samstag, den 1. Februar 2020
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FR 31.01.2020 | 23.00 Uhr | phoenix

Ja, okay, sehr viel ist um 0 Uhr (oder 23 Uhr in London) nicht passiert. Außer dass ein Countdown runtergezählt war und man das Glockenspiel von Big Ben hörte. Und dass gesungen worden ist.
Der Brexit-Moment.
Auch wenn nichts wirklich Unerwartetes passierte, es war dennoch ein historischer Augenblick. Großbritannien hat die EU verlassen.

Klar, dass dieses Ereignis live von phoenix gewürdigt und übertragen worden ist. Aber hätte Moderator Thomas Bade nicht wenigstens mal 15 Sekunden schweigen können? Er überlaberte die Stunde Null, redete ohne Punkt und Komma weiter mit seinem Gesprächspartner. Ohne den Hauch eines Gespürs dafür, wann man mal kurz den Atem anzuhalten hat. Aber das scheint eine allgemeine Moderatorenkrankheit zu sein.

Auch im Ersten ist der Brexit-Moment live übertragen worden – in einem “Tagesthemen extra”. Ganz am Ende wurde noch eine Projektion gezeigt, die auf den Felsen von Dover zu sehen war: “Ihr seit unsere Freunde, Kollegen, unsere Familie. Wir lieben euch immer noch.” Das war rührend, und da hatte Moderator Ingo Zamperoni tatsächlich Wasser in den Augen.

-> Die “Tagesthemen extra” in der ARD-Mediathek

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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Das TV-Duell – Wer führt die SPD?

Mittwoch, den 20. November 2019
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MO 18.11.2019 | 19.00 Uhr | phoenix

Der neue, vielleicht allerdings nicht ganz so heiße Scheiß: So langsam geht die Castingshow DSPDSZNV in die Zielgerade. Das Finale rückt näher, und dann wissen wir endlich, wer Germany’s next SPD-Vorsitzende sind. Seit gefühlten neunzehneinhalb Monaten beschäftigt man sich in der SPD mit der Frage, ob es irgendjemanden in der Partei gibt, der sie für fünf Monate führen kann, bevor das Vorsitzende-Casting in die nächste Runde geht. Bewerben konnte sich, wie im Casting üblich jeder, und es schien, als ob sich auch jeder beworben hat – bis hin zu Jan Böhmermann.

Am Montagabend übertrug phoenix dann auch noch “Das TV-Duell – Wer führt die SPD?”. Die Kandidatenteams Olaf Scholz und Klara Geywitz gegen Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken.
Das große Aufeinandertreffen, und leider war weder Heidi Klum vor Ort, um Rosen zu verteilen, noch Prince Charming, um Olaf oder Norbert die Krawatte vom Hals zu reißen.

Zweieinhalb Stunden dauerte das Politspektakel, von dem zu hoffen ist, dass dieses schier endlose Casting endlich mal ein Ende findet. Dass eine Partei Monate braucht, um Fakten zu schaffen, hat zwar auch viel mit Demokratie zu tun. Aber andererseits wirft es kein gutes Licht auf die SPD, dass sie in den eigenen Reihen scheinbar niemanden mehr hat, der oder die sich von vornherein für so einen Job anbietet.

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