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Lius und sein vertontes Tagebuch

Dienstag, den 24. Februar 2009
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Musik: 20-Jähriger aus Paretz mit erster CD

MAZ Havelkultur, 24.2.2009

PARETZ
Wenn jemand ein Tagebuch führt, sollten das in den meisten Fällen keine anderen Leute zu lesen bekommen. Bei Lius ist das nicht so. Er möchte, dass jeder hört, was er zu sagen hat. Er packte sein Tagebuch in Form von 20 Rapsongs auf eine CD. Und das hört sich dann so an: „Deine erste Rose, dieser erste Kuss, ich weiß ja, wir verstehen uns; hatten jeden Tag nur uns zwei, Liebe, Werte und …“
Lius ist 20, heißt eigentlich Matthias Müller und wohnt im Ketziner Ortsteil Paretz. In Berlin absolviert er eine Lehre als Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistungen. Da bleibt gar nicht mal so viel Zeit für den Rap. Ein Jahr lang arbeitete er gemeinsam mit befreundeten Musikern in einem kleinen Tonstudio in Brieselang an seinem ersten Album. Auf „Tagebuch“ geht es im Allgemeinen um ihn selbst, wie Lius sagt. „Es sind aber auch Dinge, mit denen sich jeder identifizieren kann.“ Beziehungen, Lebensschmerz und Elternstress. In dem Song „Gemeinsam zerstört“ berichtet er von der Trennung von seiner Freundin, mit der er zweieinhalb Jahre zusammen war. „Ich erzähle, wie wir uns geliebt haben und dann gehasst“, sagt Lius. Das Lied lief vor Kurzem sogar im Radio, bei „Unsigned“, der Show, in der junge Musiker auf der rbb-Jugendwelle Fritz präsentiert werden.
Lius war zwölf, als er seinen ersten Text geschrieben hat. „Seitdem habe ich mich richtig da reingesteigert“, erinnert er sich. Den Namen hat sich seine Mutter ausgedacht. Sie nannte ihn früher scherzhaft „Corny“, denn Cornelius ist Matthias’ zweiter Vorname. „Corny“ hat ihm jedoch nicht gefallen, und seine Mutter schlug ihm vor: „Nenne dich doch Lius.“ Sie ist auch sein größter Fan und Kritiker.
Im Herbst 2007 stand er das erste Mal auf einer Bühne, in der Falkenseer Diskothek „Capitol“. Lius sagt, er sei sehr aufgeregt gewesen. Aber sein Traum ist es trotzdem, mal auf einem großen Hip-Hop-Event auftreten zu dürfen.
Aber darauf kommt es gar nicht so an. „Die Musik ist mein Hobby, aber ich habe auch noch ein anderes Leben“, sagt Lius. „Wenn es mit dem Rap nicht funktioniert, dann ist es eben so.“ Deshalb lässt er es langsam angehen. Über seine Internetseite bei Myspace können Interessierte seine CD für 7 Euro bestellen. „Ja, das ist nicht so billig“, sagt er, „aber ich saß über ein Jahr dran, und ein bisschen will ich schon dran verdienen.“ Zumal das Pressen der Scheiben über Myspace Lius auch einiges kostet. Als Nächstes will der 20-Jährige gemeinsam mit einem Freund ein kleines Studio bei sich zu Hause in Paretz aufbauen. Auf lange Sicht möchte er aber lieber in Berlin leben. „Meine Eltern haben hier ein schönes Leben, aber für Junge ist das nichts.“ Aber darüber wird er wohl auf seinem zweiten Album mehr erzählen.

Lius im Internet: www.myspace.com/100prozentlius

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Internettrends und Modelsuche

Mittwoch, den 31. Dezember 2008
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Rückblick: 53-mal „Willi“: Die MAZ-Jugendredaktion mit ihrer eigenen Jahresbilanz 2008

MAZ Falkensee, 31.12.2008

Pommes- und Dönertests, Konzerte und Jugendaktionen: Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen.

Januar:
Aufstand gegen das StudiVZ. Das Internetportal, in dem sich (nicht nur) Studenten einschreiben, will die Daten für gezielte Werbung verwenden. Viele Nutzer protestieren, wollen aussteigen. Dabei wird das auf anderen Seiten schon lange praktiziert.
Jugendliche aus dem Havelland wollen sich mehr in der Politik engagieren. In Falkensee und Nauen sind entsprechende Interessenvertretungen vorhanden oder im Aufbau.
Einheitliche Kleidungen an den Schulen im Havelland? Bei einer Umfrage am Leonardo-da-Vinci-Campus in Nauen sind die, die es betrifft, geteilter Ansicht.

Februar:
„Willi“ macht in Falkensee den Dönertest. Das Smirna-Grillhaus in Finkenkrug macht das Rennen.
Schülerinnen aus Falkensee drehen einen kurzen Zeichentrickfilm für das Aktionsbündnis Tolerantes Brandenburg. Der „Saftladen“ wird zum Trickfilmstudio.
Das Rauchverbot in öffentlichen Räumen gilt auch im Havelland: „Ich rauche seit dem 1. Januar weniger“, sagt eine junge Ketzinerin. Viele haben Verständnis für die neue Regelung – erstaunlicherweise.
Martyna aus Schönwalde-Glien möchte Model werden. Doch in der ProSieben-Show „Germanys Next Topmodel by Heidi Klum“ scheidet sie frühzeitig aus.

März:
„Die Welle“ startet in den Kinos. Gedreht wurde der Film größtenteils am Marie-Curie-Gymnasium in Dallgow-Döberitz. Bei einer Sondervorführung in Spandau können sich die Dallgower auf der großen Leinwand bewundern.
Schüler aus Nauen und Rathenow präsentieren Zeitzeugeninterviews, die sie geführt haben. Sie wollten klären, was eigentlich während des Zweiten Weltkrieges im Havelland geschehen ist.
Das Redaktionsteam der Schülerzeitung der Dallgow-Döberitzer Grundschule „Am Wasserturm“ bekommt den dritten Preis im landesweiten Wettbewerb.

April:
Bei der Frühlingsausgabe der „Vier-Jahreszeiten“-Konzerte im Ketziner Jugendklub „BarRock“ treten unter anderem die Bands Pusteblumenzäcken und Subto auf.
Nico Schlott aus Wustermark betreibt ein Internettagebuch für das Havelland. Unter dem Dach der landesweiten „Freisein“-Blogs schreibt er über Neuigkeiten und Trends in der Region.

Mai:
Die DDR-Geschichte kommt im Unterricht zu kurz. Das sagt eine Mehrheit von befragten Schülern im Havelland.
Tomas Morandi (17) aus Argentinien lebt für ein halbes Jahr bei einer Familie in Dallgow-Döberitz. Er lebte sich schnell ein.
In Spandau beginnt das „Citadel Music Festival“. Mehr als 30 Konzerte finden bis September statt. Musikgrößen wie Ich+Ich, Schiller und Juanes stehen auf dem Programm.

Juni:
Eine ganze Staffel „24“ am Stück. „Willi“ wagte das Experiment, alle 24 Folgen der US-Krimiserie (fast) ohne Pause zu sehen. Das schlaucht, und am Ende bekommt man nicht wirklich mehr etwas mit.
Die Havelländer glauben, dass Deutschland Fußball-Europameister wird. Hat irgendwie nicht so ganz funktioniert. Na ja, aber fast.
Die Nauener „Musicarena“ schließt. Der Mietvertrag des Diskobetreibers wurde nicht verlängert.
Nauener Schülerinnen beschäftigen sich mit schwul-lesbischer Literatur. Die Filia-Frauenstiftung stellt für die Bibliothek in Nauen entsprechende neue Bücher zur Verfügung.

Juli:
Rache an der Gesellschaft. So begründet ein 16-jähriger Falkenseer bei „Willi“, warum er Hauswände und Mauern mit Graffiti besprüht.
Großer Pommestest von „Willi“ im Havelpark in Dallgow-Döberitz. Es gewinnt der Kaufmarkt-Imbiss, allerdings erreicht keiner der fünf Testkandidaten eine bessere Note als 2.

August:
Til Schweigers Filmhit „Keinohrhasen“ erscheint auf DVD. Zuvor sahen die Komödie mehr als sechs Millionen Menschen in den Kinos. Der erfolgreichste Streifen des Jahres. Einige Szenen entstanden in Paretz.
„Willi“ übergibt einen Buchgewinn an die Bibliothek in Friesack und hatte ein nicht sehr kleines Paket mit weiteren Büchern und einigen CDs dabei.
Das Musikfestival „Frierock“ in Friesack findet zum neunten Mal statt. Innerhalb von zwei Tagen treten neun Gruppen auf.

September:
Ana van Helsing aus Dallgow-Döberitz ist die Initiatorin der Konzertreihe „Fang mich auf“. Es soll Geld für den Verein Dunkelziffer gesammelt werden, der sich um missbrauchte Kinder kümmert. Das Spandauer Konzert wird allerdings kurzfristig abgesagt.
Falkensee im Internet: Rund 160 Filme haben Nutzer bei Youtube und MyVideo hochgeladen. Zu sehen sind Theateraufführungen und Impressionen.
Fritzi Zachau (18) aus Falkensee reiste für sieben Wochen nach Australien und nahm auch am Weltjugendtag in Sydney teil.

Oktober:
Neuer Trend im Internet: Couchsurfing. Jugendliche, die verreisen, aber wenig Geld ausgeben wollen, melden sich auf einem Internetportal. Dort bieten Fremde ihr Sofa als Übernachtungsmöglichkeit an.
Die Doku „Heimatkunde“ läuft in den Kinos an. „Titanic“-Chef Martin Sonneborn sah sich dafür auch im Havelland um, um Spuren der Wendezeit aufzuspüren.
Nach sechswöchiger Umbaupause eröffnet die Diskothek „Crazy“ in Friesack wieder für das Publikum.

November:
Das illegale Runterladen von Musik im Internet wird immer gefährlicher. Fahnder begeben sich nicht nur virtuell auf die Suche nach den Tätern.
Sven Pichowsky (21) aus Brieselang organisiert im Falkenseer „Capitol“ eine Rapparty. Für diverse Musiker aus dem Havelland produziert er ganze Alben.
Eine Schulklasse aus Nauen erstellt Berufspodcasts. Die kurzen Hörstücke mit Interviews zu verschiedenen Berufen können im Internet runtergeladen werden.
Die Friesacker Band Harmoana schaffen es bis ins Deutschlandfinale des „Local Heroes“-Wettbewerbes. Für einen Sieg reicht es dort allerdings nicht.

Dezember:
Bei so vielen Internetthemen im Jahr 2008: „Willi“ machte den Selbsttest. Eine Woche ganz ohne das virtuelle, weltweite Netz. Keine Mails, kein StudiVZ, keine Blogs. Zu vermelden sind leichte bis mittlere Entzugserscheinungen und Kommunikationshürden. Aber auch neue Gespräche – ganz reale, wohlbemerkt.
Nauener Schüler feiern den „Tag der Menschenrechte“. Sie erstellen ein kleines Programm und gestalten Plakate, auf denen die Menschenrechte vermerkt sind.

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Sven bringt den Rap zum Leben

Donnerstag, den 30. Oktober 2008
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Szene: 21-Jähriger aus Brieselang produziert Alben für Musiker aus dem Havelland

MAZ Falkensee, 30.10.2008

Mit einem neuen PC und Techno fing alles an. Inzwischen produziert Sven Pichowsky aus Brieselang vor allem Hip Hop.

BRIESELANG
Mit 15 bekam Sven Pichowsky einen Computer geschenkt und begann Musik zu machen. „Ich war fasziniert vom Techno“, sagt der heute 21-jährige Brieselanger. Er wollte wissen, wie die Musik entsteht, fabrizierte auch erste eigene Titel. Unter dem Namen Firebass stellte er mehrere Alben fertig und verteilte sie unter die Leute. Inzwischen ist viel passiert: Vom Techno hat er sich nicht ganz verabschiedet, jetzt aber organisiert er ein Hip-Hop-Event in Falkensee.
Ein Freund kam eines Tages zu ihm und fragte, ob die beiden nicht was „rapmäßiges“ machen könnten. „Das war eigentlich nicht mein Fall“, sagt Sven. Dennoch begann er, sich mit der Musik zu beschäftigen – und fand Gefallen daran. Inzwischen sitzt er abends stundenlang am Computer und macht Musik.
Folgt man dem, was der blonde, junge Mann erzählt, kommt einem schnell Dieter Bohlen in den Sinn: weniger der Sänger und Mensch, mehr der umtriebige Musikproduzent. Denn Sven Pichowsky macht in gewisser Hinsicht das Gleiche: Musiker aus dem Havelland kommen zu ihm, nehmen Songs auf, und Sven bearbeitet sie, mischt sie, stellt sie fertig. Wenn Freunde ihn aufsuchen und sagen, sie haben Texte, dann ist er derjenige, der die Zeilen mit musikalischem Leben erfüllt.
Zeit für andere Hobbys scheint es kaum zu geben, das Produzieren ist ein Vollzeitjob, zumindest fast. Den Rest füllt seine Lehre zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen in Potsdam. Derzeit muss er mehrmals in der Woche in den Außendienst nach Oranienburg. Bis zum Sommer 2009 dauert die Ausbildung. Ein Musikstudium wäre auch klasse gewesen, sagt er, aber das kostet Geld. Den Traum, mal ein richtiger Plattenproduzent zu werden, den hat er aber nicht fallengelassen. „Schön wäre es irgendwann“, meint Sven. Aber jetzt zählt erst mal die finanzielle Sicherheit.
Es gibt einen festen Kreis von Musikern, für die er arbeitet. Meist aus dem Hip-Hop-Bereich, aber auch moderne Tanzmusik, Pop, Ambient und Trance, gehören zu seinem Repertoire. Mit Lius aus Paretz arbeitet er am Album „Tagebuch“, das wohl noch im Dezember fertig wird. „Das wollen wir auch verkaufen“, sagt Sven. Mit einer namhaften Metalband nimmt er Anfang des nächsten Jahres ein Album auf. Näheres will er noch nicht verraten.
Der Rap im Havelland lebt also, und Sven trägt einen großen Anteil daran, dass das so ist. „Der Rap lebt“ ist auch der Titel der Veranstaltung in der Falkenseer „Capitol“-Disko am 8. November. Sie fand schon mehrmals statt, rund 450 Leute waren beim letzten Mal da. Sven, DJ NocDune, wie sich Sven auch nennt, wird dort auch auftreten, als Back-Up im Hintergrund bei Dazzle 5 und anderen.
Als Musikproduzent steht Sven Pichowsky meist im Hintergrund – auch wenn er bei der Entstehung der Musik alles andere als unwichtig ist.

www.myspace.com/nocdune