aRTikel

Videos über guten Geschmack

Mittwoch, den 8. April 2020
Tags: , , , ,

Coronavirus: Der Spirituosen-Verkauf in Sommerfeld geht weiter, die Bar in Berlin ist geschlossen – von Wien aus macht Nicolas Kröger Clips auf Youtube und Podcasts auf Spotify

MAZ Oberhavel, 8.4.2020

Sommerfeld.
Beruflich und privat pendelt Nicolas Kröger immer zwischen Sommerfeld und Wien. Jetzt sitzt er in der Hauptstadt Österreichs fest. Die Corona-Pandemie macht Reisen unmöglich. „Normalerweise bin ich drei Tage pro Woche hier in Wien“, sagt er. Dort lebt er bei seiner Freundin. Das heißt aber nicht, dass seine Firma „N. Kröger Fine Spirits“ in Sommerfeld brach liegt. Der 29-Jährige ist Spirituosen-Produzent. Bei ihm gibt es Gin, Rum oder Whisky. Er kreiert neue Sorten und füllt die Flaschen in seiner Sommerfelder Manufaktur ab und lässt sie etikettieren. „Die Produktion war vorbereitet, es kann dort weitergehen“, sagt er. Der Onlinehandel wird weiter abgewickelt. Seine „Wagemut“-Bar in Berlin allerdings ist geschlossen. „Ich hatte sie allerdings schon vorher auf Null gesetzt, das hatte mit Corona nichts zu tun“, sagt Nicolas Kröger. „Ich wollte eh einen Neustart machen und die Bar von Grund auf neu aufbauen.“ Die Neueröffnung war für den 1. April geplant – die muss nun warten. Wenn er wieder darf, will er mit neuem Team wieder loslegen – und er selbst will mehr mitmischen. Dafür sei vorher kaum Zeit gewesen.

In Wien hat er nun viel Zeit. Andererseits: Langweilig ist ihm nicht. Denn er hat sich neue Aufgaben gesucht. Nicolas Kröger macht nun Youtube-Videos und einen Podcast unter anderem beim Streamingdienst Spotify. Und natürlich dreht sich alles um das, was er besonders gut kann. Er gilt in der Branche als ein Feinsensoriker.„Das Wertvollste, was ich habe, ist zu wissen, was Leute geschmacklich wollen“, erzählte er in einem MAZ-Gespräch im Somer 2019. Er sitzt oft in Jurys und bewertet den Geschmack von Spirituosen. Auch hält er entsprechende Vorträge. „Aber die dauern dann eine halbe Stunde oder auch anderthalb Stunden. Das reicht nicht, da kann ich nicht alles rüberbringen, was mir wichtig ist.“

Schon im August 2018 startete er seinen Youtube-Kanal „Bar Wagemut“. „Aber dafür fehlte mir immer die Zeit.“ Die hat er nun. In seinen Videos zeigte er bereits, was seine Kunden aus den Produkten, die es bei ihm in Sommerfeld gibt, alles zaubern können. In der „Wagemut Taste Academy“ mixte er beispielsweise „Manhattan“-Variationen oder einen Espresso Martini. Auch startete er eine Reihe über die „Faszination Spirituosen“. In dem Video geht es um die vielfältige Welt des flüssigen Geschmacks. Er berichtet über guten und schlechten Geschmack, sensorische Manipulation oder wie Zucker die geschmackliche Wahrnehmung beeinflusse. Alles, was er dort erzählt, gibt es bei Spotify auch als Podcast in der Hörfassung – kostenlos unter dem Titel „Wagemut Taste Academy“.
Auch auf der Social-Media-Plattform „TikTok“ ist er vertreten. Dort erreichte eines seiner kurzen Videos bislang fast 100 000 Aufrufe. „Das ist mega.“

Fünf bis sechs Stunden am Tag arbeitet er an den Videos und Podcasts, außerdem beantwortet er Fragen und Kommentare der Menschen, die sich seine Clips ansehen oder anhören. „Die Interaktion mit den Leuten ist enorm wichtig“, sagt er. „Langeweile habe ich in meinem Leben noch nie gehabt. Und auch jetzt bin ich absolut gut beschäftigt“, sagt Nicolas Kröger. Er komme nicht mal dazu, in Ruhe einen Film zu sehen. Ihm bleibe jetzt nichts anderes übrig, als die Krise abzuwarten. Für seine Bar hofft er auf eine Mietvereinbarung, und in Sommerfeld läuft die Produktion weiter.

-> www.NKroeger.de; Auf Youtube: Bar Wagemut.

Hits: 195

RTZapper

Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

Hits: 374

KeineWochenShow

#124 – I’m sorry, Ibiza! Zero Points!

Sonntag, den 19. Mai 2019
Tags: , , ,

Es ist viel los gerade, und wir müssen darüber reden. In KeineWochenShow.
Ein Skandalvideo erschüttert Österreich, und alle rätseln darüber, wer dieses Video eigentlich gemacht hat.
Es war auch wieder die Woche des Eurovision Song Contests, wobei wir bei der Aufzeichnung am Sonnabendmittag natürlich das Ergebnis noch nicht kannten.
Wir sprechen wir Fehler auf den Wahlzetteln in Oranienburg und über die Frage, was denn mit den Briefwählern ist, die schon abgestimmt haben und jetzt vielleicht gar nicht mehr im Lande sind.
Es geht um drei Hennigsdorfer Schulen, die den Titel tragen “Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage”, dann aber bei der U18-Wahl gemeinsam fast 30 Prozent der AfD und NPD geben.

Außerdem geht es um die Thailand-Entschuldigung von Sat.1, um einen Pornos schauenden Lokführer – und einen Konzertausschnitt haben wir diesmal auch wieder. KeineWochenShow #124 gibt es auf Youtube.

Hits: 217

RTZapper

ZiB spezial: Zur Causa Ibiza

Samstag, den 18. Mai 2019
Tags: , , , , ,

SA 18.05.2019 | 10.30 Uhr | ORF2

Die Bombe platzte am Freitag um 18 Uhr. Die Süddeutsche Zeitung und Der Spiegel veröffentlichten ein Video, das Österreichs Vizekanzler Hans-Christian Strache (FPÖ) zeigt. Es ist im Sommer 2017 heimlich auf Ibiza gefilmt worden. Darin unterhält sich Strache mit der angeblichen Tochter eines russischen Oligarchen. Sie wolle nach Österreich ziehen und dort investieren. Es ging um: den Kauf der Kronen Zeitung. Um dann freundliche Berichterstattung über die FPÖ. Um Gelder für die Parteien. Um die Auftragsvergabe an bestimmte Leute und darüber, anderen bestimmte Aufträge nicht mehr zu geben.
Da kommt alles zusammen: Korruption, Pressefreiheit, die Aushöhlung des Staates.

Der ORF berichtete in seinen Programm schon Freitagabend ausführlich. Am Sonnabendvormittag begann im ORF2 ein “ZiB spezial”. Darin live übertragen: Straches Rücktrittsrede.
Darin beschwerte er sich zunächst, dass es dieses Video überhaupt gibt. Er sprach von Geheimdiensten, die in den Wahlkampf eingreifen, von den Linken – und von Jan Böhmermann. Er entschuldigte sich bei seiner Frau – und irgendwann später gab er auch zu, dass seine Aussagen falsch gewesen seien.
Aber eigentlich ging es ihm nur um die Opferrolle. Um das Mimimi, was man ihm denn angetan habe.

Man stelle sich mal vor: Olaf Scholz trifft sich heimlich auf Mallorca mit einer Verwandten eines russischen reichen Mannes, und man spreche darüber, dass der Russe die “Bild” kauft, um dann gute Berichte über die SPD abzudrucken.
Es ist ja völlig klar: Dass Strache sich überhaupt auf so ein Gespräch eingelassen hat, ist vielsagend. Nichts anderes als sein Rücktritt ist die richtige Konsequenz gewesen.

Spannend ist nun trotzdem, wer eigentlich dieses Video gemacht. Strache sprach Böhmermann an. Er hatte am Donnerstag am Ende vom “Neo Magazin Royale” in zdf neo gesagt, dass morgen Österreich brennen werde. Und schon vor Wochen hatte er bei der “Romy”-Preisverleihung im ORF2 verlauten lassen, dass er nicht kommen könne, und schon dort erwähnte er ein Haus auf Ibiza und weitere Dinge, die heute nun im klaren Licht stehen.
Böhmermanns Rolle ist unklar. Dass ihm das Video angeboten sei, dementierte sein Management. Aber er habe es gekannt. Bei der Süddeutschen beruft man sich auf den Quellenschutz.
Ob wir des Rätsels Lösung erfahren werden?

Hits: 322

RTZapper

kulturMontag: Jan Böhmermann

Donnerstag, den 9. Mai 2019
Tags: , , ,

MO 06.05.2019 | 22.30 Uhr | ORF2

„Der ORF distanziert sich von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns. Aber wie Sie wissen, darf Satire alles und der öffentlich-rechtliche Sender künstlerische Meinung wiedergeben.”
Clarissa Stadler, Moderatorin im “kulturMontag” im ORF2

Da muss etwas ganz Ungeheures passiert sein, dass sich die Moderatorin eines Kulturmagazins von Äußerungen eines Satirikers distanziert.
Vermutlich passiert im ORF genau das: Die Senderleute haben Schiss. Vor den Rechten.
In unserem Nachbarland Österreich sieht man momentan sehr gut, was passiert, wenn Rechtspopulisten an die Macht kommen. Da wird ein Journalist auf’s Schärfste angegriffen, wenn er seine Arbeit macht und Dinge kritisch hinterfragt. Da fordert Harald Vilimsky von der FPÖ – Mitglied im Aufsichtsgremium des ORF -, den Nachrichtenmoderator Armin Wolf abzusetzen, weil er ihm extrem unangenehme Fragen gestellt hat.
Beim ORF scheint blanke Angst zu herrschen. Deshalb macht es nun den Eindruck, dass die Leute dort sogar einen Kniefall machen, wo es nicht mal jemand verlangt hat.

In der Sendung “kulturMontag” auf ORF2 ging es um die Eröffnung der Böhmermann-Ausstellung “Deuscthland#ASNCHLUSS#Östereich” im Künstlerhaus in Graz. Filmen durfte der ORF dort nicht, aber Jan Böhmermann gab dem Kulturmagazin ein Interview.
Böhmermann ist ein Satiker. Aber was er im Interview sagte, war durchaus ernst. Mitunter lustig-munter rübergebracht, im Kern aber sehr ernst. Kanzler Sebastian Kurz sei ein 32-jähriger Versicherungsvertreter. Der österreichische Vizekanzler würde “volksverhetzende Scheiße” auf Facebook posten. Die acht Millionen Österreicher seien debil und der Ruf nach autoritärer Führung sei sehr laut.
Böhmermanns Gesprächspartner fühlte sich sichtbar gut unterhalten. Dazu Böhmermann: “Sie lachen, aber warum eigentlich? Sie sind doch beim ORF beschäftigt, gibt’s da noch was zu lachen?” Hintergrund ist das Wolf-Interview und die Folgen und das geplante neue ORF-Gesetz, das momentan von der Regierungskoalition verhandelt wird. Böhmermann sagte auch, man müsse sich nicht fragen, warum Wolf sich da hinstelle, sondern, warum man sich als Journalist nicht dazustelle. Und als ob er es geahnt hat: „Dürfen Sie das eigentlich senden, wenn ich das sage?”

Der ORF darf. Aber ein bisschen unwohl fühlte man sich in der Kulturredaktion dann doch. Aber dass der ORF ein Interview ausstrahlt, damit sich die Moderatorin danach davon distanzieren muss, das ist mindestens erstaunlich. Denn während des Interviews hat sich der ORF-Frager ja noch köstlich amüsiert – aber vielleicht wird man ihn deshalb ja auch bald feuern.
Wovon wird sich der ORF bald noch distanzieren? Wird der ORF demnächst gar keine Satire mehr ausstrahlen, weil sich irgendjemand beleidigt fühlen könnte? Wird der ORF überhaupt noch Interviews führen, weil Angst herrscht, jemand könnte was Schlimmes sagen?
Schon am Dienstag griffen das Stermann und Grissemann in ihrer ORF1-Late-Night-Show “Willkommen Österreich” auf. Während ihres Stand-Ups mit politischen Gags, lief diese Schrift durchs Bild: “Achtung! Der ORF distanziert sich laufend von den müden Witzen und schalen Gags von Stermann und Grissemann. Aber wie Sie wissen darf Satire alles und der öffentlich-rechtliche Rundfunk künstlerische Meinung wiedergeben.” Na hoffentlich wird “Willkommen Österreich” nicht abgesetzt. Weil sich Rechtspopulisten gestört fühlen könnten.

Hits: 273

RT im Kino

Der Trafikant

Mittwoch, den 7. November 2018
Tags:

Österreich, 1937. Franz Huchel (Simon Morzé) ist 17, und hat ein beschauliches Leben auf dem Lande. Nun aber soll er eine Lehre beginnen. Seine Mutter schickt ihn nach Wien zu Otto Trsnjek (Johannes Krisch). In dessen Trafik (in Österreich so etwas wie ein Tabak- und Zeitschriftenladen) soll in die Lehre gehen.
Dort lernt er auch den Professor kennen. Sigmund Freud (Bruno Ganz) ist Stammkunde, kauft jeden Tag seine Zeitung und Zigarren. Franz und er kommen ins Gespräch, ihn fragt der Jugendliche um Rat. Er hat sich nämlich verliebt – in Anezka (Emma Drogunova) aus Böhmen. Aber er kommt nicht so richtig an sie ran – und wenn doch, dann ist sie danach spurlos verschwunden.
Unterdessen droht auch in Wien die Machtübernahme Hitlers, die Wahlen zum Anschluss Österreich ans Deutsche Reich stehen an.

Franz ist “Der Trafikant”. Im Film von Nikolaus Leytner nach dem gleichnamigen Roman von Robert Seethaler sehen wir, wie aus dem verspielten Jungen, in der in heilen Welt lebt, ein Jugendlicher auf dem Weg zum Mann wird. Denn er muss sich ernsthaft mit seinem Leben befassen – und mit dem Leben der Menschen in seinem Umfeld.
Wir erleben Wien in einer Zeit des großen Umbruchs. Nach und nach schleichen sich die Nazis ins Leben des Trafikanten. Franz wird bald ins kalte Wasser geworfen, als er nämlich weitreichende Entscheidungen treffen muss. Das zu beobachten ist interessant, spannend, manchmal rührend.
Die Darsteller sind stark. Allen voran Simon Morzé als Franz, der auf den Gruß “Heil Hitler!” antwortet: “Ihnen auch.”

Der Trafikant
Österreich 2018, Regie: Nikolaus Leytner
Tobis, 113 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 234

aRTikel

Überflieger: Von der Theatergruppe Obst zum öffentlichen Eigentum

Samstag, den 24. Februar 2018
Tags: , , , ,

Runge-Absolvent Florian Appelius (27) aus Lehnitz ist Schauspieler

MAZ Oberhavel, 24.2.2018

Lehnitz.
Elshorn, Bad Orb, Lingen, Hameln, Cuxhaven. Das sind die Orte, die Florian Appelius in den nächsten Tagen und Wochen bereisen wird. Der 27-Jährige aus Lehnitz ist Schauspieler und tritt mit Rainer Hunold („Der Staatsanwalt“) und Ulrich Gebauer (spielt den Schulleiter in „Der Lehrer“) im Stück „Öffentliches Eigentum“ auf. Es ist das erste größere Engagement des Absolventen des Oranienburger Runge-Gymnasiums.

Im Stück geht es um einen Nachrichtensprecher, der seine neue Liebe mit einem Mann verheimlichen will. Aber der junge Jamie findet es raus und will ihn erpressen. „Das ist sehr kontrovers, nicht das typische Schenkelklopferstück“, sagt Florian Appelius. 38-mal steht er insgesamt mit diesem Stück auf der Bühne. Premiere hatte er damit Ende Januar im Berliner Schlosspark-Theater. Hunold und Gebauer spielen das Stück schon länger, der Lehnitzer ist der Neue im Team. „Ich hatte zwei Wochen Probezeit.“ Zuvor brauchte er eine Woche, bis er seinen Text drauf hatte. Für die Berliner Aufführungen „habe ich selber fleißig Werbung gemacht, Es waren viele Freunde da. Das war sehr schön.“ Seine Freunde sind es auch, die ihm sagen, ob das Stück gut ist, was ihnen gefällt und was nicht.

Schon als Kind zog es Florian Appelius ins Rampenlicht. Er hat sich verkleidet und auf Feiern Lieder zum Playback performt. „Wir sind noch mal davon gekommen“, hieß das erste Theaterstück, in dem er mitspielte. Er ging in die 9. Klasse des Runge-Gymnasiums in Oranienburg. Fünf Jahre hat er in der Theatergruppe „Obst“ gespielt. „Es hat mir Spaß gemacht, so was zu entwickeln. Ich habe gemerkt, ich kann Leute bewegen, die finden mich lustig.“ Er sei immer auf der heiteren Schiene unterwegs gewesen.
2010 machte er sein Abi, danach hat er erst mal gejobbt. 2011 und 2012 absolvierte er ein Praxisjahr am Wiener Burgtheater. „Das ist eine tolle Erfahrung. Das Theater ist im deutschsprachigen Raum sehr renommiert. Es hat 1000 Plätze.“ Sein Ziel danach ist die Schauspielschule. In Berlin nahm er zunächst privaten Unterricht und ging ab 2013 für vier Jahre auf das Wiener Konservatorium. Im Juni 2017 schloss er sein Schauspielstudium mit dem Bachelor of Arts ab.

Auch für das Fernsehen hat er schon gedreht. Im preisgekrönten ZDF-Film „Be my Baby“, der am 19. März noch mal ausgestrahlt wird, stand er vor der Kamera. Aber eigentlich zieht es ihn weiterhin auf die Bühne. „Wenn ich mir das aussuchen kann, habe ich es geschafft“, sagt er. „Das Theater ist mir lieber. Film und Fernsehen sind sehr technisch, da muss man auch anders spielen.“ Er mag es, auf der Bühne zu stehen, auch weil er dort sofort die Publikumsreaktionen mitbekommt. „Es ist spannend zu sehen, wie die Leute drauf sind und ob die Technik klappt.“ Am liebsten wäre ihm ein festes Engagement. Das Leben als frei arbeitender Schauspieler sei gerade in jungen Jahren schwer. „Es wird lieber erst mal auf bekannte Gesichter gesetzt“, sagt Florian Appelius. Vielleicht gehört seines ja bald dazu.

In „Öffentliches Eigentum“ ist Florian Appelius am 21. März im Theater Brandenburg zu sehen.

Hits: 97