RTelenovela

Am Obersalzberg (1): Moritz sucht eine Frau

Freitag, den 3. Dezember 2010
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Das kam unerwartet. Mit einem leichten Rumpeln landete unser Flugzeug in Salzburg. Im dicken Nebel war nichts, aber auch gar nichts zu sehen.
Und wer mal direkt vor seinem Grundstückszaun ein Flugzeug vorbeirollen sehen will, sollte in die Eichetsiedlung am Rande von Salzburg und dem kleinen Ort Himmelreich ziehen. Dort führt die Landebahn quasi durch die Gartensiedlung, die Häuser stehen so dicht an der Bahn, dass man im Sommer sicherlich sehen kann, was die Bewohner auf dem Grill zu liegen haben.

Ziel unserer Reise: Obersalzberg, ein Ortsteil von Berchtesgaden. Dazu passierten wir die Grenze von Österreich nach Deutschland.
Im Berchtesgadener Land werden wir Adventsbräuche studieren.
Unser Hotel befindet sich in einer Höhe von etwa 1000 Metern. Die letzten 500 Höhenmeter führt eine Straße mit einer 24-prozentigen Steigung hinauf. Dass die straße leicht verschneit war, nein, unseren Busfahrer störte das nicht besonders. Er donnerte die Serpentinen entlang, hin und wieder kam er leicht ins Schleudern. Hier würde jeder so fahren, meinte er. Man müsse ans Limit gehen. Wer nicht ans Limit gehe, fahre auch nicht richtig.

Wahnsinn: Mein Hotelzimmer ist größer als meine komplette Wohnung. In meinem bad gibt es eine Badewanne, einen abgegrenzten Duschraum und eine Toilette in einem Extraraum. Es gibt Obst, und abends kommt jemand und schlägt mir mein Bett auf.

Ansonsten denkt man beim Begriff Obersalzberg natürlich an zwei Dinge. Im Dritten Reich hatte Adolf Hitler hier sein Feriendomizil. Inzwischen kennt man “Obersalzberg” auch als Stromberg-Parodie in “Switch Reloaded”.
Es ist eine sehr abgeschiedene Gegend hier. Stellt man sich in den Garten des Hotels, hört man – nichts. Keinen Vogel, der etwa 40 Zentimeter hohe Schnee dämpft alle weiteren Geräsuche. Es ist so drückend still, dass ich meinen Tinnitus höre.

Weiter geht’s nach Bad Reichenhall. Auf dem dortigen Rathausplatz befindet sich der Christkindlmarkt. Ein herrlicher Ort. Geschmückte Häuser und Bäume, dazu ein paar Buden und junge Leute, die Weihnachtslieder spielen. Im Hintergrund läutet die Kirchenglocke. Was für eine Idylle. Ein kurzer Moment der weihnachtlichen Besinnung. Aber davon werden noch weitere kommen.

Auf der Burg Gruttenstein ist ein weiterer kleiner Weihnachtsmarkt. Die Burg gehört seit 2006 einer Frau, dessen Mann eigentlich Fan davon war. Er kaufte die Burg, starb dann jedoch. Die Frau wollte die Burg verkaufen. Als aber der Käufer absprang, entschloss sie sich, selbst etwas daraus zu machen. Nun veranstaltet sie eben jenen Markt, im Sommer weitere Feste. Es ist der Stoff wie für eine Fernsehserie oder Soap gemacht.

Momentan warten viele Leute im Berchtesgadener Land auf Moritz. Moritz sucht nämlich eine Frau. Deshalb streunt er momentan noch in Österreich rum, aber vielleicht kommt er ja bald über die Grenze. Moritz ist ein Bär. Und es wäre doch eine dolle Sache, wenn Moritz in Deutschland wäre. Dass Bayern auf Bären nicht wirklich gut zu sprechen sind, scheint hier kein Thema zu sein. Schließlich gehöre Moritz nicht zur Problembärfamilie, wie uns erklärt wurde. Ein problem sei jedoch noch nicht gelöst und ehrlicherweise habe darüber auch noch niemand nachgedacht: Auch in Deutschland gibt es keine Frau für Moritz.

Morgen geht’s weiter: Wir treffen einen Böllermacher, der die Geräte zum Salutschießen herstellt. Mit ihnen wird das Christkind angeschossen (was das bedeutet, werden wir auch nmoch erfahren). Außerdem fahren wir zu einem Mann, der Holzspielzeug fertigt. Wir fahren über den Königssee zur Batholomä-Weihnacht.
Herrlicher Advent.

RTZapper

Sport und Talk aus dem Hangar-7

Donnerstag, den 18. November 2010
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MO 15.11.2010 | 21.05 Uhr | ServusTV

Red Bull ist toll. Das wollen wir hier mal festhalten. Red Bull ist nämlich nicht nur das süße Gesöff, sondern betreibt auch einen Fernsehsender in Österreich und ein Formel-1-Rennteam. Und das alles ist total toll. Ganz sauber. Ganz seriös. Dafür wollen wir jetzt mal kurz aufstehen und applaudieren. Und jubeln.
Sagte ich kurz? Nein, gern auch länger.

In der Sendung “Sport und Talk aus dem Hangar-7″ bei ServusTV war am Montagabend der neue Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel zu Gast. Ein Coup für den kleinen Sender.
Auf den ersten Blick.
Auf den zweiten Blick hatte Vettel wahrscheinlich keine Wahl.
ServusTV gehört nämlich zu 100 Prozent der Red Bull Media House GmbH, einer Tochterfirma der Red Bull GmbH. Und auch das Team, für das Vettel fährt, gehört zu Red Bull.
Toll: Das Red-Bull-Team auf dem Red-Bull-Sender. Da bleibt eine Prise Eigenlob natürlich nicht aus.

Aber es wäre plump, das selbst zu tun. Also hebt Rennsport-As Niki Lauda zu einer Lobrede an.
ServusTV sei toll, besser als der öffentlich-rechtliche ORF. Applaus des Publikums. Jubel. Standing Ovations.
Das Rennsportteam sei toll. Und ganz sauber, das sei ja mal ganz anders gewesen. Aber jetzt nicht mehr. Das Red-Bull-Team habe den saubersten Sieg jemals eingefangen. Applaus des Publikums. Jubel. Standing Ovations.
Ach ja, und dem Zweiten im Team, Mark Webber, will man natürlich auch danken. Ganz toller Mann. Applaus des Publikums. Jubel. Standing Ovations. Und war da nicht gerade ein Anheizer kurz im Bild?

Sebastian Vettel fallen unterdessen fast die Augen zu. Nach seinem Sieg in Abu Dhabi bekam der WM-Fahrer nur wenig Schlaf. Mit schweren Lidern verfolgt er Lauda Laudatio. Aber um die Werbe- und PR-Sause kam er wohl nicht herum. So ein Titel hat eben nicht nur Vorteile.

RTelenovela

Die Sache mit der TRANSPARENZ, der groß geschriebenen

Mittwoch, den 27. Oktober 2010
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“Bei uns wird TRANSPARENZ groß geschrieben.” So steht’s auf der Internetseite von flug.de. Aber irgendwie weiß ich nicht genau, was die damit meinen.

Im Dezember fliege ich von Berlin nach Salzburg. dafür musste ich mir natürlich einen Hin- und einen Rückflug buchen. Man gibt Tage und Tageszeiten ein, dann sucht das System passende Flüge. Und findet welche.
Zum Beispiel für schlappe 120 Euro. Inklusive Gebühren. Na, das ist doch toll. Angeklickt, und Überraschung erlebt. Diese 120 Euro galten für einen Alternativ-Flug am Abend, ich wollte jedoch am Vormittag fliegen. Und, schwupp, standen da 143 Euro. Ist das Transparenz?

Hinzu kommt noch eine Vermittlungsgebühr, etwa 15 Euro. Nun gut, wenn’s denn sein muss, das steht ja auch von Anfang an dabei.
Und, schwupps, stehen da noch mal 5 Euro mehr – fürs Bezahlen nämlich, mit der Kreditkarte. Ohne Kreditkarte kann man nicht bezahlen. Ist das Transparenz?

Schade, ich hatte flug.de eigentlich gar nicht so unseriös in Erinnerung.

RTZapper

Kommissar Rex: Chinesische Schatten

Freitag, den 17. Juli 2009
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DO 16.07.2009 | 20.15 Uhr | ZDF

Früher hatte “Kommissar Rex” mal Charme. Mit Wiener Schmäh lösten die Kommissare mit dem Hund ihre Fälle. Und Rex bekam seine Wurstsemmel.
Doch dann wechselten die Ermittler mehrmals, die Quoten sanken, und der ORF und Sat.1 entschlossen sich, die Serie einzustellen.

Doch nun ist Rex zurück. Allerdings musste er dafür von Wien nach Rom ziehen. Die Wiederholungen bei der italienischen RAI laufen so gut, dass sich der Sender entschloss, neue Folgen von “Kommissar Rex” zu drehen. In Deutschland laufen die Folgen seit der vergangenen Woche im ZDF, heute lief Folge 2, “Chinesische Schatten”.
Doch der Rom-Rex funktioniert nicht so richtig. Die Serie hat ihren Charme verloren. Die Ermittler bleiben blass, die Handlung ist seltsam plump-witzig, die Synchronisation mitunter unterirdisch.
Manchmal ist es vielleicht doch besser, Mythen ruhen zu lassen, als sie krampfhaft fortsetzen zu wollen.

Es heißt, die Neuauflage von Rex war in Italien nur mäßig erfolgreich. Das wäre nun wirklich kein Wunder.

aRTikel

Das Grauen beim Kuchenessen

Donnerstag, den 25. Juni 2009
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Jelineks „Rechnitz“ an den Münchner Kammerspielen

Übungstext für die Akademie der Bayerischen Presse, 24.6.2009

Wenn man 180 Leute erschossen hat, dann ist der Rest kein Problem mehr. Und das Vergraben der Leichen klappt dann auch schon. Während die Protagonisten auf der Bühne das Unheimliche aussprechen, verspeisen sie ganz gemütlich ein Hühnerbeinchen nach dem nächsten.

Es geht um Mord. Um heimtückischen Mord an 200 Menschen. Umgekommen kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in Rechnitz, an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Die Autorin Elfriede Jelinek brachte das Grauen auf die Bühne. Weniger in Bildern, mehr in Worten. Ein paar Bilder mehr wären allerdings an einigen Stellen ganz hilfreich gewesen.
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ unter der Regie von Jossi Wieler wurde am Dienstagabend an den Münchner Kammerspielen aufgeführt.

Das Unfassbare spielte sich in der Nacht zum 25. März 1945 auf Schloss Rechnitz ab. SS-Offiziere, Gestapoführer und einheimische Nazis feierten ein „Gefolgschaftsfest“. Sie tranken, tanzten – und mordeten. Während dieser Party wurden fast 200 jüdische Zwangsarbeiter erschossen. Vorher mussten sie sich nackt ausziehen und brutalste Gewalt über sich ergehen lassen. Unter den Partygästen verteilte der NSDAP-Ortsgruppenleiter dazu an ausgewählte Gäste Waffen – unter ihnen auch Graf und Gräfin Batthyány, die Besitzer des Schlosses. Die „Gastgeber der Hölle“.
Bis heute ist unklar, wo sich die Massengräber von Rechnitz befinden, der kleine Ort mit 3000 Einwohnern ist auch 2009 noch gezeichnet von dem Schrecken, geredet wird ungern über dieses schwarze Kapitel.

Elfriede Jelinek nahm das nicht hin, verarbeitete das Grauen stattdessen in einem Theaterstück. Die Tat selbst lässt sich offenbar auf der Bühne nicht darstellen. Stattdessen stehen den Zuschauern fünf Boten gegenüber, Berichterstatter, Zeugen des Verbrechens. Nach und nach erzählen sie, was geschehen ist, kommentieren, ordnen ein. Nebenher amüsieren sie sich, rekeln sich auf dem Boden, mampfen Kuchen. Eine Verhöhnung der Opfer.
Geschichtsaufarbeitung über Berichte von Zeitzeugen, die jedoch mehr als Zeitzeugen sind, vielleicht sogar Täter.
Doch das Konzept, das sich Jelinek für die Darstellung dieser Geschichtsepisode ausgedacht hat, geht nicht auf. Zu statisch bleibt das Erzählte. Zu eintönig auch Jossi Wielers Inszenierung. Das Grauen überträgt sich nur sehr selten. Nur dann, wenn die Einflüsse von außen auch auf die Bühne und in den Zuschauerraum dringen. Als Schüsse von allen Seiten zu hören sind, kommt ein Gruselschauer auf: Wenn sich die Boten unter Kopfhörern verschanzen, weil sie vom Beschuss nichts hören wollen. Ansonsten aber wird der Zuschauer über weite Strecken auf eine Geduldsprobe gestellt. Lange braucht er, um zu erfahren, worum es überhaupt geht in dem Stück. Ohne Vorwissen ist das Geschehen kaum zu begreifen.
An den Schauspielern liegt es nicht. Im Gegenteil: Katja Bürkle, André Jung, Hans Kremer, Steven Scharf und Hildegard Schmahl beeindrucken durch ihre Natürlichkeit. Sie sprechen 110 Minuten lang, als ob sie spontan daherplaudern. Manchmal kommt gar beschauliche Klassenfahrtatmosphäre auf, als wenn sich abends alle noch einmal treffen und dann jeder etwas erzählt.
Doch die Texte, so ganz ohne Anschauung, führen leider nur selten dazu, dass der Zuschauer gepackt wird, emotional getroffen ist.
Mit ihrem Stück scheint Elfriede Jelinek vor allem ein gehobenes Publikum erreichen zu wollen, denn den Otto-Normalbürger wird sie damit überfordern, ja, vielleicht sogar langweilen. Womit sie das Potenzial dieser unheimlichen Geschichte nicht ausgeschöpft hat. Szenen, wie die speisende Gruppe, die über Morde plaudert, können ein dramaturgischer Kniff sein – ein ganzes, langes Stück trägt diese Idee jedoch nicht.

RT im Kino

James Bond 007: Ein Quantum Trost

Donnerstag, den 6. November 2008
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Der berühmteste Geheimagent der Welt ist zurück. 2008 kommt das 22. James-Bond-Abenteuer in die Kinos. Und man kann nicht gerade behaupten, dass er langweilig geworden ist, überholt, rückständig. Ganz im Gegenteil: Mit Daniel Craig wurde James Bond zu einer realistischeren Figur, verletzlich und hart.
“Ein Quantum Trost” schließt (zum ersten Mal in der Bond-Filmgeschichte) direkt an den Vorgänger “Casino Royale” an: Nachdem Vesper, die Frau, die er geliebt hat, getötet wurde, kämpft 007 auch gegen sich selbst: Dass er seine nächste Mission zu einer persönlichen Angelegenheit macht. Er jagt die Organisation “Quantum”, die Vesper erpresst hatte und trifft auf Dominic Greene (Mathieu Mamlric), einem rücksichtslosen Geschäftsmann und angeblichen Wohltäter. Der schmiedet ein Komplott, das Bond rund um die Welt führt.
Unter der Regie von Marc Forster entstand ein weiterer rasanter 007-Thriller. Zwar kommt er diesmal mit ein bisschen zu wenigen selbstironischen Elementen aus, hält aber die ganze Zeit über (103 Minuten, sehr kurz für einen Bond-Film) konstant eine Spannung. Einige Actionszenen am Anfang sind so rasant im Halbsekundentakt geschnitten, dass es für den Zuschauer fast schon zu anstregend ist, dem zu folgen.
Die interessanteste Kulisse bietet dem Film übrigens die Bregenzer Seebühne in Österreich, die in Deutschland zur Fußball-EM während für die ZDF-Übertragungen genutzt wurde. “Tosca”-Klänge zu üblen Schlägereien.
“Ein Quantum Trost” gehört gewiss nicht zu den Filmen, die uns ewig in Erinnerung bleiben, ist aber trotzdem gute Unterhaltung auf hohem filmischem Niveau.
Eine einzige wirkliche Enttäuschung ist jedoch der grauenvolle Bondsong von Jack White und Alicia Keys – ein ohrenbetäubendes Gejaule mit undefinierbarer Melodie. Furchtbar und schade zugleich.

8/10

RTZapper

EM live – Halbfinale: Deutschland – Türkei

Donnerstag, den 26. Juni 2008
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MI 25.06.2008 | 20.40 Uhr | ZDF

Das mag erstmal komisch klingen, aber an dieser Stelle mal einen ganz herzlichen Dank an das ZDF! Ernsthaft!
Schrecksekunde. Graues Bild, kein Ton. Und vor allem: kein Fußball! Super-GAU! Das ZDF hat heute wahrscheinlich die höchste Einschlatquote des Jahres, Hunderttausende sehen das ZDF auf den Fanmeilen. Und dann das: Bildausfall. Minutenlang nur eine tonlose Tafel. Später dann kommentierte Bela Rethy das Spiel ohne Bild, wurde also zum Radioreporter.
Dann kam das Bild wieder -um dann wieder auszufallen. Und plötzlich lief über die Sender des ZDF das Signal des Schweizer Fernsehens SF. So viele Zuschauer werden die höchstwahrscheinlich noch nie gehabt haben!
Das ZDF hat die Notleitung gestrickt, das Signal des SF übernommen. Ansonsten hätten wir zwei Tore und die gesamte Schlussphase des EM-Spiels komplett vergessen können.
In anderen Ländern war an der Stelle Sense, das ZDF hat relativ schnell reagiert. Und deshalb der völlig ernstgemeinte Dank.
Grund für den Gau war ein sehr heftiges Unwetter über Wien. Das Pressezentrum musste, wie auch die Wiener Fanmeile evakuiert werden, es kam zum Stromausfall. Bis auf die Schweizer übernehmen die Sender in aller Welt das UEFA-Signal aus Wien. So lange es intakt war. Und weil das SF nicht über den Wien-Umweg aus Basel sendete, hatten wir das Glück, das Spiel weiter sehen zu können.
Übrigens fiel selbst im Radio die Übertragung ins Wasser. Die Infowelle B5 aktuell vom BR übernahm kurzerhand den TV-Radioreporterbericht des ZDF…
Deutschland ist im Finale, schlug am Ende die Türkei mit 3:2. Das Spiel war so lala. Denkwürdig war es aber auf jeden Fall.