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Willkommen Österreich: Jürgens/Kurz

Donnerstag, den 23. April 2020
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DI 21.04.2020 | 22.00 Uhr | ORF1

“Lieb Vaterland! Lieb Vaterland, magst ruhig sein.”
Singt Sebastian Kurz, der österreichische Bundeskanzler. Mit der Stimme von Udo Jürgens.
Gesehen am Dienstagabend in der Late-Night-Show “Willkommen Österreich” auf ORF1. Das sah lustig aus, und es ist ein guter Gag. Schon wegen dieses merkwürdigen Songs, den Udo Jürgens damals, vor sehr langer Zeit gesungen hat, und den man nun Sebastian Kurz in den Mund gelegt hat.
Man hat dazu in das Gesicht von Udo Jürgens das von Sebastian Kurz gelegt. Das sah auf den ersten Blick ziemlich echt aus, auf den zweiten dann natürlich nicht mehr ganz so. Und darum ging es ja bei diesem Gag auch nicht.

Und so lustig das auch war – es machte auch nachdenklich. Wenn eine Comedyshow das Gesicht des Kanzlers technisch relativ gut ins Gesicht eines Schlagerstars montieren kann – wie gut muss das dann bei echten Profis aussehen?
Heutzutage ist es technisch möglich, von vorn bis hinten gefakte Filme herzustellen. Möchte man unliebsame Leute anscheißen, in dem man “beweist”, dass diese Person in Sonstwo war, sich mit sonstwem getroffen hat und sonstwas getan hat, dann kann man das bildlich genauso herstellen, dass es passt. Und dann kann man nur hoffen, dass es Leute gibt, die solche Fakes entlarven.

Was bei “Willkommen Österreich” noch ziemlich lustig ist, kann in anderen Fällen also eine ziemlich böse Sache werden.

-> Das Udo-Jürgens-Originalvideo auf Youtube
-> Der Ausschnitt in “Willkommen Österreich” in der ORF-TVThek (bis 27. April 2020)

Hits: 152

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Mr. Song Contest proudly presents: Der “kleine” Song Contest

Donnerstag, den 16. April 2020
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DI 14.04.2020 | 20.15 Uhr | ORF1

2020 wird es keinen Eurovision Song Contest geben. Die großen Shows in Rotterdam fallen aus – das Coronavirus macht das Event unmöglich.
Die ARD, die sich noch nie besonders darin hervorgetan hat, für die vielen ESC-Fans eine Programmbegleitung anzubieten, hat sich auch auf diese Absage ausgeruht. Den “Songcheck” gibt es zwar auch 2020, aber nicht mal mehr bei one, sondern nur noch im Internet. Am ESC-Tag selbst übernimmt die ARD die Ersatzshow der EBU und wird auch vorher einen Countdown – nicht von der Reeperbahn – ausstrahlen. Und ansonsten: nichts. Dipe pure Hilf- und Einfallslosigkeit, die man in dem Zusammenhang vom zuständigen NDR gewöhnt ist.

Beim ORF in Österreich wollen sie den Eurovision Song Contest nicht nicht sang- und klanglos fallen lassen. Denn die Songs des Jahrgangs 2020 gibt es ja. Und so gibt es im ORF1 den kleinen Song Contest.
Am Dienstagabend lief dort zur besten Sendezeit “Mr. Song Contest proudly presents: Der “kleine” Song Contest”. Andy Knoll ist in Österreich Mr. Song Contest. Er kommentiert die Show wie bei uns in Deutschland Peter Urban – nur sehr viel besser, lockerer und lustiger.
Knoll präsentiert in drei Sendungen alle Songs des 2020er ESC. Entweder als Videoclips oder als Mitschnitt aus den jeweiligen nationalen Vorentscheiden.
Die Songs werden von einer Jury bewertet, bestehend aus ehemaligen österreichischen Teilnehmern des ESC. Nach der dritten Sendung am Sonnabend gibt es dann eine Liste der jeweiligen Gewinner, und die Zuschauer können über ihren Sieger abstimmen. Dann gibt es zumindest einen ORF-Song-Contest-Gewinner 2020.

Das Konzept ist nicht revolutionär. Es ist auch nicht sehr aufwendig, es ist vermutlich sogar recht preiswert für den Sender. Aber der ORF hat vor allem begriffen: Man kann den Fans auch etwas bieten, wenn ihr Event ausfallen muss. Man kann den Fans trotzdem ein kleines Zucker bieten und den ESC trotzdem feiern. Da kann sich die ARD, der NDR mal eine Scheibe von abschneiden.

-> Die Sendung in der ORF-TVThek (bis 20. April 2020)

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Willkommen Österreich: Gags, Gags, Gags aus der Quarantäne

Freitag, den 20. März 2020
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DI 17.03.2020 | 22.00 Uhr | ORF1

In einer so schwierigen Zeit wie jetzt ist Unterhaltung wichtig wie nie. Denn die Menschen brauchen neben Nachrichten auch Momente zum Abschalten oder für die etwas humoristischere Einordnung.
Aber manchmal kommen auch Unterhaltungsproduktionen an ihre Grenzen, und manchmal muss man schlicht improvisieren.
Das war am Dienstagabend im ORF1 gut zu beobachten. Normalerweise senden Christoph Grissemann und Dirk Stermann ihre Late-Night-Show “Willkommen Österreich” aus ihrem Studio vor Publikum.
Das hat diesmal nicht funktioniert, in Österreich ist man im Coronavirus-Ausnahmezustand. Offenbar war bis zum Ausstrahlungstag nicht klar, ob man eine neue Sendung produzieren oder ob eine Highlight-Sendung ausgestrahlt wird.

Doch dazu kam es nicht. Stattdessen meldeten sich Grissemann und Stermann getrennt und von zu Hause. Im Splitscreen reden sie über das Internet miteinander. Auch die Gäste sind per Internet zugeschaltet worden. Der Musikgast meldete sich ebenfalls von zu Hause und spielte dort improvisiert. Die Showband spielte jeder für sich zu Hause, und das ganze Intro ist zusammenmontiert worden.

Die Krise wirbelt auch im Fernsehen vieles durcheinander. Aber offenbar sorgt sie auch für viele neue kreative Einfälle und für den Willen zu improvisieren. Gut so.

Ähnlich übrigens “extra 3” am Mittwochabend im NDR. Christian Ehring ist in freiwilliger häuslicher Quarantäne, nachdem er in Österreich war. Die Sendung ist offenbar mit dem Smartphone zu Hause aufgenommen worden. Mal was anderes, außergewöhnlich und besser, als alles abzusagen.
Die nächsten Wochen bleiben auch in der Hinsicht spannend, wie die Unterhaltungsbranche mit der Krisensituation umgeht.

-> “Willkommen Österreich” in der ORF-TV-Thek (bis 23. März 2020)
-> “extra 3” in der ARD-Mediathek

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Let’s Dance: Fast ohne Zuschauer wegen Coronavirus

Samstag, den 14. März 2020
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FR 13.03.2020 | 20.15 Uhr | RTL

Nur Freunde und Familie.
Ganz ohne Publikum musste die RTL-Show “Let’s Dance” am Freitagabend dann doch nicht auskommen. Aber der größte Teil des Saales stand dann eben doch leer. Aber die wenigen Zuschauer, die noch dabei sein durften, sorgen auch schon für Stimmung.
Das Coronavirus und die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen dagegen sorgen auch bei den Fernsehsendern für Veränderung. Für Shows ohne Live-Publikum. Bei “extra 3” am Mittwoch im NDR waren gar keiner. Bei RTL am Freitag immerhin ein paar Leute.
Ein bisschen Atmosphäre braucht so eine Unterhaltungsshow dann eben doch.

Das haben auch die Macher der “heute show” im ZDF festgestellt. Auch das Studio der Satireshow war leer. Fast. Nur eine Handvoll Leute waren da – das Team nämlich. Die sorgten wenigstens stellenweise für (spärlichen) Applaus, was aber auch noch mal lustig war.

Im Studio von “Gute Nacht, Österreich!” am Donnerstagabend im ORF1 war auch Publikum – aber auch dort stark ausgedünnt. Viele Plätze blieben leer, dort durften nicht mehr als 100 Menschen im Studio sein.

Es wird spannend, wie die Fernsehmacher weiterhin Stimmung in ihre Sendungen bekommen. Denn klar ist auch: Wir werden diese Sendungen unbedingt brauchen. Der Mensch braucht Zerstreuung, gerade in der aktuell schwierigen Zeit. Da ist “Let’s Dance” das ziemlich gut gemachte Entertainment, das jetzt nötig ist.

-> Die Sendung bei TV Now

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extra 3: Ohne Zuschauer wegen Coronavirus

Donnerstag, den 12. März 2020
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MI 11.03.2020 | 22.50 Uhr | NDR

Keiner lacht. Keiner klatscht.
Ist nämlich keiner da.
Es war am Mittwochabend ungewöhnlich still im “extra 3”-Studio. Normalerweise ist das Studio der NDR-Satiresendung voller Leute. Aber wegen des Coronavirus und den Sicherheitsmaßnahmen müssen auch die Fernsehsender reagieren. So muss das Publikum erst mal draußen bleiben – und im Idealfall vor dem Fernseher sitzen.

Die Epidemie sorgt auch beim Fernsehen für einen Ausnahmezustand. Beim rbb wurde der Publikumsverkehr eingestellt. Auch beim NDR und beim ZDF. Sendungen wie “Das aktuelle Sportstudio” im ZDF bleiben ebenfalls frei von Zuschauern um Studio. Auch “Maybrit Illner” und “Anne Will” betrifft das.
Galas und Shows werden reihenweise abgesagt. die Verleihung des Grimme-Preises – 3sat wollte übertragen – fällt aus. Ob und wann sie nachgeholt wird: ungewiss. Die (letzte!) “Goldene Kamera” im ZDF – verschoben auf November. Die Liebes-Schlagershow mit Silbereisen im Ersten – verschoben. Der “ZDF-Fernsehgarten on Tour” – abgesagt. Der ORF1 hat sein “Let’s Dance”-Pendant “Dancing Stars” komplett gestoppt – wie es weiter geht: unklar. Nickelodeon wird seine “Kids Choice Awards” nur in kleinem Rahmen vergeben.

Aber es geht auch anders. Weil in Berlin die großen Theater dicht sind, springt der rbb ein und überträgt Opern und andere Ereignisse stattdessen im Livestream und später im normalen Programm – als Ersatz.
Es wird spannend, wie sich das alles noch weiterentwickelt.

“extra 3” lebt natürlich von seinen satirischen Beiträgen, da fällt die andere Atmosphäre nicht auf. Aber die Stille im Studio, wenn Christian Ehring spricht, die war schon sehr gewöhnungsbedürftig.4
Aber besser so, als wenn man die Sendung ganz absagen würde. Das wäre der falsche Weg.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek

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Gute Nacht Österreich

Samstag, den 14. September 2019
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DO 12.09.2019 | 21.50 Uhr | ORF1

Österreich hat eine neue Late-Night-Show. Peter Klien ist bekannt durch die wöchentliche Show “Willkommen Österreich”. Für Grissemann und Stermann ist (oder war?) er dort oft als rasender Reporter bei meist politischen Events unterwegs und sorgte dort mit seinen bissigen Fragen für Lacher.

Am Donnerstagabend lief im ORF1 erstmals “Gute Nacht Österreich”, und die zeigt Peter Kliem in einer etwas anderen Rolle. Und da muss er sich messen lassen.
Eine Late Night beginnt mit einem Stand-up, dann gibt es vom Schreibtisch aus lustige Einspieler oder andere Aktionen. Kennt man von Harald Schmidt und vielen anderen Moderatoren mit ähnlichen Shows.
Biss muss er haben, so ein Late-Night-Mann. Eine zackige Sprache, ein richtiges Timing, wie die Gags zu setzen sind und natürlich auch eine gute Aussprache und einen Sinn für Aussprache.

Das alles fehlt Peter Klien aber leider. Stattdessen wirkt er seltsam tranig. Er spricht merkwürdig monoton, betont seine Sätze viel zu wenig, spricht allgemein seltsam dröge und langsam. Seine Monologe wirken an vielen Stellen aufgesagt und auswendig gelernt.
Das ist alles andere als bissig und zackig. Bedauerlich ist es deshalb, weil Peter Klien tatsächlich bissige Dinge sagt. Inhaltlich hat das Biss, aber er macht diesen Biss durch seine biedere Art kaputt. An dieser Art muss er arbeiten, sonst heißt es nicht mehr “Gute Nacht Österreich”, sondern “Gute Nacht, Peter!”

-> Die Sendung in der ORF-TVthek (bis 19. September 2019)

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Eurovision Song Contest 2019 – Setteles Zugabe

Montag, den 20. Mai 2019
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SA 18.05.2019 | 1.20 Uhr (So.) | ORF1

Nach dem 24. Platz und den null Punkten vom Publikum beim Eurovision Song Contest 2019 herrscht wieder Unruhe in Deutschland. Auch und gerade bei den Verantwortlichen für den ESC. Schon jetzt heißt es: 2020 müsse wieder einiges anders werden.
Da können wir auch gleich mal über das deutsche Rahmenprogramm der Show reden. Das ist nämlich auch eine Katastrophe.

Nach der großen Show und den Nachrichten gab es im ORF1 in Österreich “Setteles Zugabe”. Die Sendung bestand aus vier Leuten – darunter Christoph Grissemann -, und sie unterhielten sich 20 Minuten lang über die gerade gesehene Show. Über ihre Höhe- und Tiefpunkte, es gab noch mal Ausschnitte und eine Schaltung nach Tel Aviv.
Das war interessant, lustig und der Sache angemessen. Nach der großen Show wurde noch mal durchgeatmet und ein Fazit gezogen. Eine Sendung, die gut funktioniert.
Vor dem Song Contest um 20.15 Uhr zeigte ORF1 eine einführende Sendung mit Beiträgen aus Tel Aviv und einer Vorschau auf die Show.

Und in Deutschland? Im Ersten begann nach der Show die “Grand Prix Party”. Ein Titel von gestern, denn vom Grand Prix sprechen die jungen Zuschauer schon lange nicht mehr. Die Sendung begann mit einem Auftritt von Stefanie Heinzmann.
Was diese Show überhaupt soll, ist unklar. Denn an sich ist es vollkommen überflüssig, dass nach der Show noch eine Show läuft. Zumal man ja eigentlich eher das Bedürfnis hat, über das gerade Gesehene zu reden. Stattdessen kommt Live-Musik. Immerhin spricht Moderatorin Barbara Schöneberger noch mit der deutschen Jury, und Schalten nach Tel Aviv gibt es auch.
Aber dennoch: Die Sendung von der Reeperbahn ist altbacken. Es wäre viel sinnvoller vor dem Eurovision Song Contest ab 20.15 Uhr etwas über das Land zu sagen, über die Teilnehmer (wir reden viel zu viel über uns selbst, also Deutschland) und über die beiden Halbfinalshows. Und danach eine kleine Runde, die einordnet – würde völlig reichen.
Aber in der ARD ist man nicht gewillt, etwas zu ändern. Daran, den ESC in Deutschland zu einem Event zu machen. Daran, einen guten Weg zu finden, Künstler zum Event zu schicken. Daran, die Show vernünftig zu kommentieren. Daran, die Show gut zu flankieren. Neue Leute sollten sich dieser Aufgabe annehmen.

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