RTZapper

ZDF Magazin Royale: Ukraine-Krieg

Dienstag, den 8. März 2022
Tags: ,

FR 04.03.2022 | 23.15 Uhr | ZDF

Es ist Krieg. Und er ist nicht all zu weit weg. Die Flüchtlingswelle erreicht seit vielen Tagen auch Deutschland. Die Ukraine wird unterdessen in Schutt und Asche gelegt. Darf man da im Fernsehen noch lustig sein?
Entweder es ist zeitlose Comedy, die unabhängig von allem sendbar ist – oder es schlägt die große Stunde der aktuellen Satiresendungen.

Florian Schroeder sagte es am Donnerstagabend im Ersten in seiner “Florian Schroeder Satire Show”: Jetzt die Klappe zu halten sei eine Kapitulation vor denen, die uns die Logik des Krieges aufzwingen wollen. Es folgte eine sehr ernste, unironische Rede zur Lage der Nation.
Ähnlich am Freitagabend im ZDF das “ZDF Magazin Royale” mit Jan Böhmermann, der in gut 25 Minuten aufzeigte, was dieser Krieg bedeutet und was seiner Ansicht gerade gewaltig schief läuft.

Schroeder berichtete davon, dass er durch und durch ein Friedenskind sei. Man müsse immer mit allen Seiten reden – mit dem Satz sei er groß geworden. Reden habe hier nichts gebracht, wie sich gezeigt habe. Und man sei blauäugig gewesen, wenn man gedacht habe, dass man Russland und Putin und die Art, wie er regiere irgendwie verstehen müsse. Am 24. Februar 2022 seien wir aus unserer Traumwelt gerissen worden und seien jetzt sprachlos angesichts der Dreistigkeit, Entschlossenheit und Härte von Putin, den wir immer nur verstehen wollten. Wir seien gescheitert, so Schroeder weiter. Weil wir geglaubt haben, der Krieg komme nicht wieder. “Wir dachten, er sei woanders, da, wo unsere Soldaten Brunnen bauen.” In vielen Ländern seien autoritäre Regierungen an der Macht. Putin bringe zu Ende, was um ihn herum passiert sei. Die Freiheit der Nachwendezeit sei offensichtlich nur ein Zwischenspiel gewesen.
Es komme auf uns an. “Wenn ein Geflüchteter vor Ihrer Tür steht: Machen Sie ihm auf! Wenn Ihnen jemand mit der wirklich absoluten wahren Wahrheit kommt: Haben Sie Zweifel! Wenn Ihnen jemand von seinen Zweifeln erzählt: Hören Sie zu! Wenn Ihnen niemand mehr zuhört: Hören Sie auf zu reden! Wenn Sie reden, stellen Sie Fragen! Wenn Sie auf eine Frage keine Antwort wissen, dann schweigen Sie! Und wenn Sie schweigen, dann erwecken Sie nie den Anschein, als stimmten Sie zu. Und wenn Ihnen jemand sagt, Frieden gibt es nur mit Waffen, dann wissen Sie, Sie haben es mit einem gefährlichen Lügner zu tun. Und die sitzen nicht nur in der russischen Taiga. Der Lügner ist in uns allen, in Ihnen, wie in mir. Hören wir ihm genau zu, um im richtigen Moment Widerstand zu leisten.”

Jan Böhmermanns Sendung muss kurzfristig zusammengestrickt worden sein, denn seine Manuskripte lagen diesmal vor ihm auf dem Tisch. Dennoch wirkte es, als rede er sich am Freitagabend seine Gedanken von der Seele – zwischenzeitlich durchaus emotional. Seine Mutter sei in Polen geboren, er sei halb Nato, halb Warschauer Pakt. Er habe es sich in Westdeutschland leisten, Pazifist zu sein. Er sei Komiker geworden, und nun seien Komiker Präsidenten von Leid und Krieg. Es sei gerade mal anderthalb Jahrzehnte her gewesen, als Wolodymyr Selenskyj in der ukrainischen Version von “Let’s Dance!” dabei war.
Es sei Krieg, “und zwar im Ernst”. Eine emotionale und intellektuelle Ausnahmesituation.
Böhmermann berichtete vom Krieg auf TikTok, von Propaganda im Internet, von Desinformation, er blickte zurück die die Jahre, in den die Kreml-Medien ihre gezielte Hetze verbreitete, den Desinformationskrieg längst führte. Von Schalke 04, die sich lange Zeit auf ihren russischen, regierungsnahen Sponsor verließen. Von der deutschen Regierung, die die Gas-Pipeline wollten, auch nach den Geschehnissen auf der Krim. Er zeigte, wie rassistisch der Krieg mitunter kommentiert wird, wenn es darum geht, zu sagen, warum es gute und schlechte Flüchtende gebe. Und auch Gerhard Schröder kriegte sein Fett weg – und überhaupt wir alle, die geglaubt haben: Wird schon nicht so schlimm.

Einen rührenden Moment gab es schon am Dienstagabend bei “Willkommen Österreich” mit Grissemann und Stermann im ORF1. Die Showband Russkaja war auch diesmal mit dabei, aber Frontmann Georgij Alexandrowitsch Makazaria verzichtete auf das übliche Intro. Stattdessen gab es ein Gespräch mit Dirk Stermann, in dem Georgij seine Sicht auf die Lage schilderte – wie grauenvoll diese Situation sei und er im Grunde keine Worte habe. Am Ende umarmten sich die beiden Männer kurz.

Es ist eine Zeit, in der die Satire nicht ruhen darf. Aber mehr denn je muss sie sich positionieren, mehr denn je muss sie ernst sein, aber dennoch auch pointiert. Diese drei Sendungen – und auch “extra 3” im Ersten haben diesen Spagat sehr gut hinbekommen.

-> Die Schroeder-Rede auf Youtube
-> Das “ZDF Magazin Royale” in der ZDF-Mediathek (bis 3. März 2023)

Hits: 148

RTZapper

Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

Hits: 326

RTZapper

Dok 1: Nichts geht mehr – 7 Tage ohne Strom

Freitag, den 5. November 2021
Tags:

MI 03.11.2021 | 20.15 Uhr | ORF1

Stehen wir kurz vor einem Blackout? Könnte es sein, dass wir demnächst einen langen Stromausfall haben? Und was passiert dann eigentlich?
Die Sendung “Dok 1” im ORF1 zeichnete am Mittwochabend ein ziemlich düsteres Szenario. Denn ohne Strom geht gar nichts mehr.

Ohne Strom kein Licht. Kein Kühlschrank. Kein Geld aus dem Automaten. Kein Internet. Kein Handy. Auch kein Festnetz, weil es die stromlosen Apparate fast nicht mehr gibt. Ohne Strom kein Fernsehen, keine Nachrichten. Ohne Strom kein Benzin, keine Supermarktkassen, keine neuen Waren. Keine Heizung, bald kein Essen. Kein Wasser. Keine Klospülung. Am Anfang stecken die Menschen in Aufzügen fest, auf Riesenrädern vielleicht
Wir sind ohne Strom am Ende, falls es mal länger dauern sollte.

Hanno Settele befasste sich damit, was denn passiert, wenn es eine Woche keinen Strom gibt. Und auch wenn sein eigenes Zu-Hause-Experiment sehr harmlos-lustig aussah, wenn er so ohne Licht im Zimmer rumsaß und über die müffelige Milch traurig war – die Vorstellung ist beängstigend. Denn was die Doku nicht zeigte: dass im Laufe der Tage Plünderungen und Gewaltausbrüche drohen – das wurde nur hauchzart angedeutet.

Dass der ORF diesem Thema so viel Aufmerksamkeit zur besten Sendezeit schenkt – auch in Deutschland liefen in einigen Dritten ähnliche Dokus – ist mindestens bemerkenswert. Denn am Ende gab es Tipps für die Menschen: Vorräte anschaffen. Ein batteriebetriebenes Radio, ein bisschen Bargeld und und und. Und die Doku zeigte, wie fix es gehen kann, dass der Blackout da ist. Vielleicht sollten wir uns wirklich alle vorbereiten?

-> Die Sendung in der ORF-TV-Thek (bis 10. November 2021)

Hits: 183

RTZapper

Gute Nacht Österreich

Montag, den 1. Februar 2021
Tags: ,

FR 29.01.2021 | 23.20 Uhr | ORF1

Gute Nacht, Österreich! Dieser Ruf erklang am Freitagabend im ORF1 zum letzten Mal. Oder, wie es hieß: zum vorerst letzten Mal. Die im September 2019 gestartete Late-Night-Show mit Peter Klien ist schon wieder eingestellt worden. Wobei alle Beteiligten scheinbar nicht genau wissen, ob es tatsächlich nicht weitergeht. Im Herbst 2020 hatte Klien wohl aus den Medien erfahren, dass seine Sendung endet.
Die Quoten war nicht so doll, deshalb wurde die Show vom Donnerstag auf den Mittwochabend verschoben – wo aber wegen diverser Fußball-Übertragungen die Show mitunter wochenlang ausfiel. Und scheinbar um die Verträge noch zu erfüllen, gab es 2021 noch mal drei Folgen, die dann aber am späten Freitagabend liefen – übrigens mit einem größeren Zuschauer-Erfolg, wie es heißt. Und in den drei Folgen hatte man das Copyright-Jahr im Abspann nicht mal von 2020 auf 2021 geändert.

Allerdings liegt es auch an der Show selbst, dass sie in Österreich vielleicht nicht so gut angekommen ist, und der Lockdown hat ihr den Rest gegeben. Seit nämlich auch kein Publikum mehr in der Sendung sitzt, ist es sehr still geworden. Und wo andere Sendungen das ganz gut kompensieren können, klappte das in “Gute Nacht Österreich” leider nicht.
Als beim ZDF Jan Böhmermann mit dem “ZDF Magazin Royale” auf Sendung ging, merkte man erst recht, dass dagegen “GNÖ” im ORF1 sehr dröge ist. Beide Shows haben nämlich fast dasselbe Konzept. Ein Stand-Up, die Themen der Woche und in der zweiten Hälfte ein Schwerpunktthema, das auch durchaus mal ernst sein kann.
Wo Böhmermann aber mit Lockerheit und Leichtigkeit punktet, wirkt Klien leider recht steif. Wenn er minutenlang zu einem Thema referiert und es dann auch kaum noch Einspieler gibt, wirken auch große Enthüllungen in ihrer Art sie darzureichen, zäh. Das gelingt Böhmermann um Längen besser.

Ob “Gute Nacht Österreich” zurückkehrt, ist offen – aber wirklich damit zu rechnen, ist nicht. Am Ende ist schon die Kulisse weggeräumt worden. Und wenn, dann müsste ordentlich am Konzept geschraubt werden, und auch Peter Klien, der als Reporter toll ist, müsste als Moderator an sich arbeiten.
Dennoch stark: Ganz am Schluss hob Peter Klien zum Appell an auf den unabhängigen Journalismus, auf Sender, die sich nichts aus der Politik reinreden lassen, und es wirkte ein wenig, ob auch hier, zum Sendungs-Aus die Politik etwas zu sagen hatte. In Österreich wäre das nicht verwunderlich.

-> Die Sendung in der ORF-TVthek (bis 4. Februar 2021)

Hits: 273

RTZapper

Willkommen Österreich: Jürgens/Kurz

Donnerstag, den 23. April 2020
Tags: ,

DI 21.04.2020 | 22.00 Uhr | ORF1

“Lieb Vaterland! Lieb Vaterland, magst ruhig sein.”
Singt Sebastian Kurz, der österreichische Bundeskanzler. Mit der Stimme von Udo Jürgens.
Gesehen am Dienstagabend in der Late-Night-Show “Willkommen Österreich” auf ORF1. Das sah lustig aus, und es ist ein guter Gag. Schon wegen dieses merkwürdigen Songs, den Udo Jürgens damals, vor sehr langer Zeit gesungen hat, und den man nun Sebastian Kurz in den Mund gelegt hat.
Man hat dazu in das Gesicht von Udo Jürgens das von Sebastian Kurz gelegt. Das sah auf den ersten Blick ziemlich echt aus, auf den zweiten dann natürlich nicht mehr ganz so. Und darum ging es ja bei diesem Gag auch nicht.

Und so lustig das auch war – es machte auch nachdenklich. Wenn eine Comedyshow das Gesicht des Kanzlers technisch relativ gut ins Gesicht eines Schlagerstars montieren kann – wie gut muss das dann bei echten Profis aussehen?
Heutzutage ist es technisch möglich, von vorn bis hinten gefakte Filme herzustellen. Möchte man unliebsame Leute anscheißen, in dem man “beweist”, dass diese Person in Sonstwo war, sich mit sonstwem getroffen hat und sonstwas getan hat, dann kann man das bildlich genauso herstellen, dass es passt. Und dann kann man nur hoffen, dass es Leute gibt, die solche Fakes entlarven.

Was bei “Willkommen Österreich” noch ziemlich lustig ist, kann in anderen Fällen also eine ziemlich böse Sache werden.

-> Das Udo-Jürgens-Originalvideo auf Youtube
-> Der Ausschnitt in “Willkommen Österreich” in der ORF-TVThek (bis 27. April 2020)

Hits: 300

RTZapper

Mr. Song Contest proudly presents: Der “kleine” Song Contest

Donnerstag, den 16. April 2020
Tags: , ,

DI 14.04.2020 | 20.15 Uhr | ORF1

2020 wird es keinen Eurovision Song Contest geben. Die großen Shows in Rotterdam fallen aus – das Coronavirus macht das Event unmöglich.
Die ARD, die sich noch nie besonders darin hervorgetan hat, für die vielen ESC-Fans eine Programmbegleitung anzubieten, hat sich auch auf diese Absage ausgeruht. Den “Songcheck” gibt es zwar auch 2020, aber nicht mal mehr bei one, sondern nur noch im Internet. Am ESC-Tag selbst übernimmt die ARD die Ersatzshow der EBU und wird auch vorher einen Countdown – nicht von der Reeperbahn – ausstrahlen. Und ansonsten: nichts. Dipe pure Hilf- und Einfallslosigkeit, die man in dem Zusammenhang vom zuständigen NDR gewöhnt ist.

Beim ORF in Österreich wollen sie den Eurovision Song Contest nicht nicht sang- und klanglos fallen lassen. Denn die Songs des Jahrgangs 2020 gibt es ja. Und so gibt es im ORF1 den kleinen Song Contest.
Am Dienstagabend lief dort zur besten Sendezeit “Mr. Song Contest proudly presents: Der “kleine” Song Contest”. Andy Knoll ist in Österreich Mr. Song Contest. Er kommentiert die Show wie bei uns in Deutschland Peter Urban – nur sehr viel besser, lockerer und lustiger.
Knoll präsentiert in drei Sendungen alle Songs des 2020er ESC. Entweder als Videoclips oder als Mitschnitt aus den jeweiligen nationalen Vorentscheiden.
Die Songs werden von einer Jury bewertet, bestehend aus ehemaligen österreichischen Teilnehmern des ESC. Nach der dritten Sendung am Sonnabend gibt es dann eine Liste der jeweiligen Gewinner, und die Zuschauer können über ihren Sieger abstimmen. Dann gibt es zumindest einen ORF-Song-Contest-Gewinner 2020.

Das Konzept ist nicht revolutionär. Es ist auch nicht sehr aufwendig, es ist vermutlich sogar recht preiswert für den Sender. Aber der ORF hat vor allem begriffen: Man kann den Fans auch etwas bieten, wenn ihr Event ausfallen muss. Man kann den Fans trotzdem ein kleines Zucker bieten und den ESC trotzdem feiern. Da kann sich die ARD, der NDR mal eine Scheibe von abschneiden.

-> Die Sendung in der ORF-TVThek (bis 20. April 2020)

Hits: 505

RTZapper

Willkommen Österreich: Gags, Gags, Gags aus der Quarantäne

Freitag, den 20. März 2020
Tags: ,

DI 17.03.2020 | 22.00 Uhr | ORF1

In einer so schwierigen Zeit wie jetzt ist Unterhaltung wichtig wie nie. Denn die Menschen brauchen neben Nachrichten auch Momente zum Abschalten oder für die etwas humoristischere Einordnung.
Aber manchmal kommen auch Unterhaltungsproduktionen an ihre Grenzen, und manchmal muss man schlicht improvisieren.
Das war am Dienstagabend im ORF1 gut zu beobachten. Normalerweise senden Christoph Grissemann und Dirk Stermann ihre Late-Night-Show “Willkommen Österreich” aus ihrem Studio vor Publikum.
Das hat diesmal nicht funktioniert, in Österreich ist man im Coronavirus-Ausnahmezustand. Offenbar war bis zum Ausstrahlungstag nicht klar, ob man eine neue Sendung produzieren oder ob eine Highlight-Sendung ausgestrahlt wird.

Doch dazu kam es nicht. Stattdessen meldeten sich Grissemann und Stermann getrennt und von zu Hause. Im Splitscreen reden sie über das Internet miteinander. Auch die Gäste sind per Internet zugeschaltet worden. Der Musikgast meldete sich ebenfalls von zu Hause und spielte dort improvisiert. Die Showband spielte jeder für sich zu Hause, und das ganze Intro ist zusammenmontiert worden.

Die Krise wirbelt auch im Fernsehen vieles durcheinander. Aber offenbar sorgt sie auch für viele neue kreative Einfälle und für den Willen zu improvisieren. Gut so.

Ähnlich übrigens “extra 3” am Mittwochabend im NDR. Christian Ehring ist in freiwilliger häuslicher Quarantäne, nachdem er in Österreich war. Die Sendung ist offenbar mit dem Smartphone zu Hause aufgenommen worden. Mal was anderes, außergewöhnlich und besser, als alles abzusagen.
Die nächsten Wochen bleiben auch in der Hinsicht spannend, wie die Unterhaltungsbranche mit der Krisensituation umgeht.

-> “Willkommen Österreich” in der ORF-TV-Thek (bis 23. März 2020)
-> “extra 3” in der ARD-Mediathek

Hits: 222