RTZapper

Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

Hits: 239

RTZapper

Browser Ballett – Satire in Serie

Samstag, den 30. Oktober 2021
Tags:

DO 28.10.2021 | 20.15 Uhr | one

Wieder kommt das “Browser Ballett” mit neuem Konzept on Air. Waren die kurzen Clips auf Youtube oftmals echte Hits – die Szene über die “Nazikeule im Dritten Reich” hat 1,33 Millionen Klicks – konnte die Fernsehversion nie so wirklich überzeugen. Zuletzt lief die Satire-Reihe als Show. Ohne Erfolg.
Kein Wunder, dass man erneut am Konzept schraubt. Am Donnerstagabend gingen bei one die ersten beiden neuen Folgen auf Sendung. Diesmal als “Browser Ballett – Satire in Serie”.

Die Handlung: Schlecky Silberstein ist Moderator der Late Night “Browser Ballett”. Doch hinter den Kulissen und auch zu Hause gibt es Krach.
Doch auch dieses Konzept will einfach nicht aufgehen. Denn eigentlich dient das vor allem als Rahmenhandlung,. um die bekannten Kurzclips einzufügen. Doch die Rahmenhandlung ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Gags sind oft lahm.
In Folge 1 tritt Klaas Heufer-Umlauf auf. Er spielt den genervt-arroganten Late-Night-Moderator, der bei Silberstein zu Gast ist. Die Redaktion ist verzweifelt, weil die Quoten mies sind (wie im wahren Leben) und versucht, durch blödsinnige Ideen, mehr Leute anzulocken.
Nur sind diese blödsinnigen Ideen auch als Teil der Serienhandlung nicht lustig. Wenn Klaas Heufer-Umlauf den Genervten spielt, dann fühlt man mit ihm. Am Ende sagt Klaas: “Ich wünsch dir noch viel Glück, bei dem hier.” Und dazu lacht er. Man möchte meinen, das sei eine echte Szene – denn sie passt auch zu dieser Serie im Allgemeinen.

Satire soll natürlich Missstände und Diskussionen darstellen. Aber allein in den ersten beiden Folgen werden so viele Themen angesprochen – Gendersternchen, Rassismus, Gleichberechtigung und viele, viele mehr -, dass die Serie sehr bald wie eine Abhandlung aller gesellschaftlichen Themen wirkt, die mal verkrampft und ganz dringend untergebracht werden mussten.

Das “Browser Ballett” sollte sich weiterhin auf die kurzen Clips konzentrieren. Längere Geschichten in Serie funktionieren einfach nicht.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 30. Oktober 2022)

Hits: 130

RTZapper

Eurovision Song Contest 2021 – 2. Halbfinale

Freitag, den 21. Mai 2021
Tags: , ,

DO 20.05.2021 | 21.00 Uhr | one

Österreich: raus.
Dänemark: raus.
Ja, seid ihr denn wahnsinnig?
Das Ende des 2. Halbfinales beim Eurovision Song Contest 2021 war leider sehr deprimierend. Zwar haben es meine Favoriten Schweiz und Island ins Finale geschafft, die anderen Länder jedoch nicht. Dabei ging Österreich mit dem wunderbaren “Amen” von Vincent Bueno an den Start. Tolle Melodie, tolle Atmosphäre. Dänemark holte den 80er-Sound zurück auf die ESC-Bühne, doch das kam in Europa offenbar nicht gut genug an.
Dass aber ein mieser Arschwackel-Song wie “Sugar” aus Moldawien weiter ist und der Österreicher nicht – das ist wirklich frustrierend.

Am Donnerstag übertrug one die Show aus Rotterdam, die nun doch auch von Coronafällen überschattet ist. Und ausgerechnet die Isländer hat es getroffen. Wäre der Eurovision Song Contest 2020 ausgetragen worden, dann hätten Daði og Gagnamagnið den Wettbewerb nach Island geholt und wir wären in diesem Jahr in Reykjavik gewesen. Nun gab es die zweite Chance – und auch diesmal kann die Gruppe nicht live auf der Bühne stehen. Ein Bandmitglied hat Corona, und ohne ihn wollten sie nicht auftreten. Stattdessen wurde am Donnerstagabend der Probenauftritt gezeigt. Immerhin hat es trotzdem für das Finale gereicht – extrem traurig ist das trotzdem.
Und auch der 2019er-Sieger Duncan Laurence, der den ESC in die Niederlande geholt hatte, kann beim Finale nicht auftreten – auch er hat Corona. Da hilft wohl nur noch Daumendrücken, dass nicht noch mehr Fälle auftreten, denn die Künstler waren ja in den vergangenen Tagen in der Halle unterwegs.

Eines fiel außerdem sehr negativ auf: In diesem Jahr kann der Hintergrundgesang vom Band kommen. Das führt dazu, dass man bei recht vielen Auftretenden, vor allem bei den Frauen aus dem Ostblock, merkt, dass ihre Stimme im Hintergrund mehrfach zu hören ist. Im Grunde müssten sie nur die Lippen bewegen, und es singt trotzdem jemand. Diese Regel sollte dringend wieder abgeschafft werden.

-> Die Show auf Youtube
-> Sehenswert: Die Show mit Gebärdensprache in der ARD-Mediathek (bis 20. Mai 2022)

Hits: 220

RTZapper

Eurovision Song Contest 2021 – 1. Halbfinale

Mittwoch, den 19. Mai 2021
Tags: , ,

DI 18.05.2021 | 21.00 Uhr | one

Der Eurovision Song Contest 2021 ist in so vielerlei Hinsicht besonders.
Er findet statt.
Er findet mit Publikum statt.

Am Dienstagabend lief bei one das 1. Halbfinale des 2021er-ESC aus Rotterdam in den Niederlanden. Eigentlich hätte er dort schon 2020 stattfinden, aber irgend so ein Virus ist uns da dazwischen gekommen.
Deshalb war es schon mal ein sehr erhebendes Gefühl, diese Show sehen zu können. Zwei Jahre nach dem Event von Tel Aviv. Dafür ist extra ein Hygiene-Konzept erstellt worden, auch mehrere Varianten der Show lagen als Konzept in der Schublade – dass die Show auf jeden Fall stattfinden wird, war klar. Nicht, dass wirklich live vor Ort gesungen wird – und schon gar nicht, dass Publikum vor Ort ist.
Der Eurovision Song Contest 2021 ist ein wissenschaftliches Experiment. 3500 Menschen dürfen pro Show in die Halle, alle müssen sie sich davor und danach testen, alles genau begleitet, hochoffiziell von der niederländischen Regierung. Um diese Show zu retten, was natürlich auch finanzielle Gründe hat. Aber auch, um den Menschen wieder Hoffnung zu geben, dass wir auf einem guten Weg sind.

Nur Australien konnte nicht live dabei sein. Australien war am Dienstagabend mit einem Video vertreten. Alle Teilnehmenden mussten solche Live-Videos einreichen, falls die komplette Show in Rotterdam nicht möglich gewesen wäre. Und Australien musste davon Gebrauch machen. Und ist dann auch noch ausgeschieden.

Erstmals musste der Hintergrund-Gesang nicht mehr live gesungen werden. Das ist schade, und das führt offenbar dazu, dass es immer mehr Acts gibt mit Sänger/Sängerinnen und fünf Tänzern. Das wikte in der Vielzhal dann auch manchmal etwas langweilig.

Favoriten im 1. Halbfinale: Go_A für die Ukrine mit “Shum”. Dabei handelt es sich um ein sehr hoch gesungenes abgewandeltes Volkslied, das aber immer schneller wird und bald ein hypnotischer Technokracher wird. Gehört zu den ESC-Hits 2021 – und hat es auch ins Finale geschafft. Ebenfalls dabei ist Schweden. Tusse singt “Voices” und hat damit ein typische, gute Eurovisionshymne geschaffen. Klingt wie ein Siegersong, wobei Schweden dann innerhalb von zehn Jahren das dritte Mal gewinnen würde.

-> Die Show in der ARD-Mediathek (bis 18. Mai 2022)

Hits: 191

RTZapper

All you need

Mittwoch, den 19. Mai 2021
Tags:

MO 17.05.2021 | 21.45 Uhr | one

In der ARD sind sie mächtig stolz. Zum ersten Mal hat das Öffentlich-Rechtliche eine schwule Serie produziert. Wirklich Wahnsinn. Das ist nur 22 Jahre später als “Queer as Folk” auf Channel 4 in Großbritannien. Und weil sie sich bei der ARD so über diese Serie freuen, haben sie davon auch unglaubliche (bitte jetzt mal festhalten) fünf (5!!!) Folgen produzieren lassen. Das sind keine zweieinhalb Stunden. Und weil die ARD von diesen fünf Folgen dieser ersten eigenen schwulen Serie so begeistert ist, präsentiert sie sie im quotenmäßig kleinen Sender der ARD: bei one. Am sehr späten Sonntagabend und am nicht ganz so späten Montagabend.
Ja, darauf kann die ARD wirklich sehr, sehr stolz sein.

Aber okay, es gibt nun “All you need”, und eigentlich wurde sie vorrangig für die hippe ARD-Mediathek produziert. Die Zielgruppe streamt ja sowieso mehr als dass sie noch lineares Fernsehen einschalten. Aber es sollte gerade bei einer solchen Serie auch darum gehen, die einen oder anderen Leute zu erreichen, die so etwas nicht gezielt in der Mediathek anschauen.

In “All you need” geht es um zwei schwule beste Freunde in Berlin. Vince und Levo leben in einer WG. Vince ist Dauersingle, lernt aber im Club Robbie kennen – und sie verlieben sich schnell ineinander. So fix sie beschließen, ein Paar zu sein, stellen sie fest, dass sich in der Beziehung einiges noch einrenken muss. Vince, schwul und schwarz, ist genervt vom Alltagsrassismus, der ihm immer wieder entgegen schlägt. Robbie ist arbeitslos, immer auf der Suche nach Lebensperspektiven. Levo ist unterdessen seit einiger Zeit mit Tom zusammen – sie wollen zusammenziehen. Was natürlich auch Probleme mit sich bringt.

Sind die Dialoge in den ersten Minuten noch ernüchternd hölzern, entwickelt die Serie dann später doch noch eine gute Dynamik. Das liegt vor allem an den spannenden Beziehungen, die gezeigt werden. Einerseits treffen ein lange Geouteter und ein Spätgeouteter aufeinander. Andererseits zwei Männer aus verschiedenen Lebenswelten.
Dabei werden auch Klischees aufgegriffen, aber auch wichtige Themen und Aspekte aus dem Alltag. Allerdings ist auch klar, dass in fünfmal rund 30 Minuten keine wirklich tiefgehende Story erzählt werden kann.
Für die Serienmacher ist der einzige Vorteil der Nische, dass sie recht freizügig drehen konnten. Es wurde in Clubs gedreht, es gibt Sexszenen, bei denen nicht gleich weggeschwenkt wird, wie das vielleicht um 20.15 Uhr im Ersten der Fall gewesen wäre. Immerhin.

Weil die ARD so geil ist, hat sie übrigens auch schon beschlossen, dass eine 2. Staffel produziert wird. Sie wird – und jetzt bitte wieder festhalten – sechs (6!!!!!) Folgen haben. Wahnsinn.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 7. November 2021)

Hits: 210

RTZapper

Abramakabra

Dienstag, den 30. März 2021
Tags: ,

SO 28.03.2021 | 12.25 Uhr | one

In 70 Jahren hat die ARD ein gewaltiges Sendearchiv zusammengesammelt. Vieles davon ist eigentlich viel zu schade, um es im Archiv ungesehen versauern zu lassen.

Am Sonntagmittag zeigte one “Abramakabra”. Eine Reihe, von der ich bislang noch nie was gehört habe. Kann ich auch gar nicht. Denn die Serie lief von 1972 bis 1976 im Deutschen Fernsehen – und ist komplett seitdem nie wiederholt worden.
Es handelt sich dabei um eine Art Sketchreihe, u.a. mit Helga Feddersen und Dieter Hallervorden. Ein Genre, das bis heute immer wieder bedient wird. In einer der Sketche lässt sich Helga Feddersen mit einem Bott ganz weit raus fahren, weil sie Angst vor ihrem Mann hat, der sie überallhin verfolgt. Was sie nicht weiß, ist, dass der Kapitän ihren Ollen längst an Bord geschmuggelt hat.
Das ist mal mehr, mal weniger lustig – aber vermutlich mit viel Zeitgeist. Zudem spielte Hallervorden noch nicht so schrecklich kalauerisch, denn “Nonstop Nonsens” und seine Zeit als Didi folgen erst danach.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum sich ARD und ZDF nicht einen Retrokanal leisten, auf dem lauter ganz alte Serien und Show gezeigt werden. Oder die Mediatheken werden mit dem alten Kram offensiv gefüllt – was offenbar nicht immer möglich ist. Denn auch “Abramakabra” läuft zwar bei one, steht aber in der ARD-Mediathek nicht zur Verfügung. Zum Glück gibt es Youtube, wo sich inzwischen viele der Fernsehschätze angesammelt haben.

Hits: 225

RTZapper

Sportschau live: Eiskunstlauf-WM 2021 – Kür der Herren

Sonntag, den 28. März 2021
Tags: , ,

SA 27.03.2021 | 11.00 Uhr | one

Handball? Skifliegen? Nein, das spektakulärste Sport-Highlight dieses Wochenendes lieferte die Eiskunstlauf-WM 2021 in Stockholm.

Der US-Amerikaner Nathan Chen legte bei der Kür der Herren einen Tanz auf die Eisfläche, die Staunen und Gänsehaut erzeugte. So viele Vierfach- und Dreifach-Sprünge in einer Kür hat wohl noch nie ein Eiskunstläufer gezeigt. Er glitt übers Eis, er zeigte Pirouetten und das: den Vierfach-Lutz, den Vierfach-Flip, Dreifach-Toe-Loop, Dreifach-Lutz, Vierfach-Salchow, Vierfach-Toe-Lopp-, Dreifach-Flip, Vierfach-Toeloop, Dreifach-Toe-Loop und den Dreifach-Axel. Alles Sport-Fachbegriffe, aber allein die Anzahl der “Dreifach” und “Vierfach”-Drehungen lässt einem den Atem stocken.
Dazu hatte er ein wahnsinnig schönes klassisches Stück Musik ausgesucht. Es war eine Kür, der man voller Faszination folgte, viereinhalb Minuten feinster Sport.

Übertragen wurde dieser tolle Sport übrigens bei one. Die ARD hat zwar die Übertragungsrechte, dort geht man aber davon aus, dass das kaum jemand sehen will.
Vielleicht denkt man aber auch, dass Eiskunstlauf nicht mehr zeitgemäß ist. Denn dieser Sport, so hart er für den Tänzer ist, ist auch entschleunigend. Wir sehen Nathan Chen tanzen, die Kamera hat ihn immer im Fokus, beobachtet ihn. Es gibt nur eine zweite Kamera, auf die ab und zu umgeschnitten wird. Aber ansonsten gibt es sehr lange Einstellungen, die es zulassen, sich sehr genau auf das Geschehen auf dem Eis konzentrieren zu können.

Die ARD sollte diese Übertragungsrechte nicht verkommen lassen. Auch wenn Eurosport 1 ebenfalls übertragen hat: Zu one muss man so was nun wirklich nicht verschieben. Im Ersten lief in dieser Zeit ein 15 Jahre alter Fernsehefilm mit Christine Neubauer. Nun ja. Wer’s braucht…

-> Die Übertragung auf sportschau.de (bis 27. März 2022)

Hits: 246