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Eurovision Song Contest 2021 – 2. Halbfinale

Freitag, den 21. Mai 2021
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DO 20.05.2021 | 21.00 Uhr | one

Österreich: raus.
Dänemark: raus.
Ja, seid ihr denn wahnsinnig?
Das Ende des 2. Halbfinales beim Eurovision Song Contest 2021 war leider sehr deprimierend. Zwar haben es meine Favoriten Schweiz und Island ins Finale geschafft, die anderen Länder jedoch nicht. Dabei ging Österreich mit dem wunderbaren “Amen” von Vincent Bueno an den Start. Tolle Melodie, tolle Atmosphäre. Dänemark holte den 80er-Sound zurück auf die ESC-Bühne, doch das kam in Europa offenbar nicht gut genug an.
Dass aber ein mieser Arschwackel-Song wie “Sugar” aus Moldawien weiter ist und der Österreicher nicht – das ist wirklich frustrierend.

Am Donnerstag übertrug one die Show aus Rotterdam, die nun doch auch von Coronafällen überschattet ist. Und ausgerechnet die Isländer hat es getroffen. Wäre der Eurovision Song Contest 2020 ausgetragen worden, dann hätten Daði og Gagnamagnið den Wettbewerb nach Island geholt und wir wären in diesem Jahr in Reykjavik gewesen. Nun gab es die zweite Chance – und auch diesmal kann die Gruppe nicht live auf der Bühne stehen. Ein Bandmitglied hat Corona, und ohne ihn wollten sie nicht auftreten. Stattdessen wurde am Donnerstagabend der Probenauftritt gezeigt. Immerhin hat es trotzdem für das Finale gereicht – extrem traurig ist das trotzdem.
Und auch der 2019er-Sieger Duncan Laurence, der den ESC in die Niederlande geholt hatte, kann beim Finale nicht auftreten – auch er hat Corona. Da hilft wohl nur noch Daumendrücken, dass nicht noch mehr Fälle auftreten, denn die Künstler waren ja in den vergangenen Tagen in der Halle unterwegs.

Eines fiel außerdem sehr negativ auf: In diesem Jahr kann der Hintergrundgesang vom Band kommen. Das führt dazu, dass man bei recht vielen Auftretenden, vor allem bei den Frauen aus dem Ostblock, merkt, dass ihre Stimme im Hintergrund mehrfach zu hören ist. Im Grunde müssten sie nur die Lippen bewegen, und es singt trotzdem jemand. Diese Regel sollte dringend wieder abgeschafft werden.

-> Die Show auf Youtube
-> Sehenswert: Die Show mit Gebärdensprache in der ARD-Mediathek (bis 20. Mai 2022)

Hits: 190

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Eurovision Song Contest 2021 – 1. Halbfinale

Mittwoch, den 19. Mai 2021
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DI 18.05.2021 | 21.00 Uhr | one

Der Eurovision Song Contest 2021 ist in so vielerlei Hinsicht besonders.
Er findet statt.
Er findet mit Publikum statt.

Am Dienstagabend lief bei one das 1. Halbfinale des 2021er-ESC aus Rotterdam in den Niederlanden. Eigentlich hätte er dort schon 2020 stattfinden, aber irgend so ein Virus ist uns da dazwischen gekommen.
Deshalb war es schon mal ein sehr erhebendes Gefühl, diese Show sehen zu können. Zwei Jahre nach dem Event von Tel Aviv. Dafür ist extra ein Hygiene-Konzept erstellt worden, auch mehrere Varianten der Show lagen als Konzept in der Schublade – dass die Show auf jeden Fall stattfinden wird, war klar. Nicht, dass wirklich live vor Ort gesungen wird – und schon gar nicht, dass Publikum vor Ort ist.
Der Eurovision Song Contest 2021 ist ein wissenschaftliches Experiment. 3500 Menschen dürfen pro Show in die Halle, alle müssen sie sich davor und danach testen, alles genau begleitet, hochoffiziell von der niederländischen Regierung. Um diese Show zu retten, was natürlich auch finanzielle Gründe hat. Aber auch, um den Menschen wieder Hoffnung zu geben, dass wir auf einem guten Weg sind.

Nur Australien konnte nicht live dabei sein. Australien war am Dienstagabend mit einem Video vertreten. Alle Teilnehmenden mussten solche Live-Videos einreichen, falls die komplette Show in Rotterdam nicht möglich gewesen wäre. Und Australien musste davon Gebrauch machen. Und ist dann auch noch ausgeschieden.

Erstmals musste der Hintergrund-Gesang nicht mehr live gesungen werden. Das ist schade, und das führt offenbar dazu, dass es immer mehr Acts gibt mit Sänger/Sängerinnen und fünf Tänzern. Das wikte in der Vielzhal dann auch manchmal etwas langweilig.

Favoriten im 1. Halbfinale: Go_A für die Ukrine mit “Shum”. Dabei handelt es sich um ein sehr hoch gesungenes abgewandeltes Volkslied, das aber immer schneller wird und bald ein hypnotischer Technokracher wird. Gehört zu den ESC-Hits 2021 – und hat es auch ins Finale geschafft. Ebenfalls dabei ist Schweden. Tusse singt “Voices” und hat damit ein typische, gute Eurovisionshymne geschaffen. Klingt wie ein Siegersong, wobei Schweden dann innerhalb von zehn Jahren das dritte Mal gewinnen würde.

-> Die Show in der ARD-Mediathek (bis 18. Mai 2022)

Hits: 164

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All you need

Mittwoch, den 19. Mai 2021
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MO 17.05.2021 | 21.45 Uhr | one

In der ARD sind sie mächtig stolz. Zum ersten Mal hat das Öffentlich-Rechtliche eine schwule Serie produziert. Wirklich Wahnsinn. Das ist nur 22 Jahre später als “Queer as Folk” auf Channel 4 in Großbritannien. Und weil sie sich bei der ARD so über diese Serie freuen, haben sie davon auch unglaubliche (bitte jetzt mal festhalten) fünf (5!!!) Folgen produzieren lassen. Das sind keine zweieinhalb Stunden. Und weil die ARD von diesen fünf Folgen dieser ersten eigenen schwulen Serie so begeistert ist, präsentiert sie sie im quotenmäßig kleinen Sender der ARD: bei one. Am sehr späten Sonntagabend und am nicht ganz so späten Montagabend.
Ja, darauf kann die ARD wirklich sehr, sehr stolz sein.

Aber okay, es gibt nun “All you need”, und eigentlich wurde sie vorrangig für die hippe ARD-Mediathek produziert. Die Zielgruppe streamt ja sowieso mehr als dass sie noch lineares Fernsehen einschalten. Aber es sollte gerade bei einer solchen Serie auch darum gehen, die einen oder anderen Leute zu erreichen, die so etwas nicht gezielt in der Mediathek anschauen.

In “All you need” geht es um zwei schwule beste Freunde in Berlin. Vince und Levo leben in einer WG. Vince ist Dauersingle, lernt aber im Club Robbie kennen – und sie verlieben sich schnell ineinander. So fix sie beschließen, ein Paar zu sein, stellen sie fest, dass sich in der Beziehung einiges noch einrenken muss. Vince, schwul und schwarz, ist genervt vom Alltagsrassismus, der ihm immer wieder entgegen schlägt. Robbie ist arbeitslos, immer auf der Suche nach Lebensperspektiven. Levo ist unterdessen seit einiger Zeit mit Tom zusammen – sie wollen zusammenziehen. Was natürlich auch Probleme mit sich bringt.

Sind die Dialoge in den ersten Minuten noch ernüchternd hölzern, entwickelt die Serie dann später doch noch eine gute Dynamik. Das liegt vor allem an den spannenden Beziehungen, die gezeigt werden. Einerseits treffen ein lange Geouteter und ein Spätgeouteter aufeinander. Andererseits zwei Männer aus verschiedenen Lebenswelten.
Dabei werden auch Klischees aufgegriffen, aber auch wichtige Themen und Aspekte aus dem Alltag. Allerdings ist auch klar, dass in fünfmal rund 30 Minuten keine wirklich tiefgehende Story erzählt werden kann.
Für die Serienmacher ist der einzige Vorteil der Nische, dass sie recht freizügig drehen konnten. Es wurde in Clubs gedreht, es gibt Sexszenen, bei denen nicht gleich weggeschwenkt wird, wie das vielleicht um 20.15 Uhr im Ersten der Fall gewesen wäre. Immerhin.

Weil die ARD so geil ist, hat sie übrigens auch schon beschlossen, dass eine 2. Staffel produziert wird. Sie wird – und jetzt bitte wieder festhalten – sechs (6!!!!!) Folgen haben. Wahnsinn.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 7. November 2021)

Hits: 174

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Abramakabra

Dienstag, den 30. März 2021
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SO 28.03.2021 | 12.25 Uhr | one

In 70 Jahren hat die ARD ein gewaltiges Sendearchiv zusammengesammelt. Vieles davon ist eigentlich viel zu schade, um es im Archiv ungesehen versauern zu lassen.

Am Sonntagmittag zeigte one “Abramakabra”. Eine Reihe, von der ich bislang noch nie was gehört habe. Kann ich auch gar nicht. Denn die Serie lief von 1972 bis 1976 im Deutschen Fernsehen – und ist komplett seitdem nie wiederholt worden.
Es handelt sich dabei um eine Art Sketchreihe, u.a. mit Helga Feddersen und Dieter Hallervorden. Ein Genre, das bis heute immer wieder bedient wird. In einer der Sketche lässt sich Helga Feddersen mit einem Bott ganz weit raus fahren, weil sie Angst vor ihrem Mann hat, der sie überallhin verfolgt. Was sie nicht weiß, ist, dass der Kapitän ihren Ollen längst an Bord geschmuggelt hat.
Das ist mal mehr, mal weniger lustig – aber vermutlich mit viel Zeitgeist. Zudem spielte Hallervorden noch nicht so schrecklich kalauerisch, denn “Nonstop Nonsens” und seine Zeit als Didi folgen erst danach.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum sich ARD und ZDF nicht einen Retrokanal leisten, auf dem lauter ganz alte Serien und Show gezeigt werden. Oder die Mediatheken werden mit dem alten Kram offensiv gefüllt – was offenbar nicht immer möglich ist. Denn auch “Abramakabra” läuft zwar bei one, steht aber in der ARD-Mediathek nicht zur Verfügung. Zum Glück gibt es Youtube, wo sich inzwischen viele der Fernsehschätze angesammelt haben.

Hits: 201

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Sportschau live: Eiskunstlauf-WM 2021 – Kür der Herren

Sonntag, den 28. März 2021
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SA 27.03.2021 | 11.00 Uhr | one

Handball? Skifliegen? Nein, das spektakulärste Sport-Highlight dieses Wochenendes lieferte die Eiskunstlauf-WM 2021 in Stockholm.

Der US-Amerikaner Nathan Chen legte bei der Kür der Herren einen Tanz auf die Eisfläche, die Staunen und Gänsehaut erzeugte. So viele Vierfach- und Dreifach-Sprünge in einer Kür hat wohl noch nie ein Eiskunstläufer gezeigt. Er glitt übers Eis, er zeigte Pirouetten und das: den Vierfach-Lutz, den Vierfach-Flip, Dreifach-Toe-Loop, Dreifach-Lutz, Vierfach-Salchow, Vierfach-Toe-Lopp-, Dreifach-Flip, Vierfach-Toeloop, Dreifach-Toe-Loop und den Dreifach-Axel. Alles Sport-Fachbegriffe, aber allein die Anzahl der “Dreifach” und “Vierfach”-Drehungen lässt einem den Atem stocken.
Dazu hatte er ein wahnsinnig schönes klassisches Stück Musik ausgesucht. Es war eine Kür, der man voller Faszination folgte, viereinhalb Minuten feinster Sport.

Übertragen wurde dieser tolle Sport übrigens bei one. Die ARD hat zwar die Übertragungsrechte, dort geht man aber davon aus, dass das kaum jemand sehen will.
Vielleicht denkt man aber auch, dass Eiskunstlauf nicht mehr zeitgemäß ist. Denn dieser Sport, so hart er für den Tänzer ist, ist auch entschleunigend. Wir sehen Nathan Chen tanzen, die Kamera hat ihn immer im Fokus, beobachtet ihn. Es gibt nur eine zweite Kamera, auf die ab und zu umgeschnitten wird. Aber ansonsten gibt es sehr lange Einstellungen, die es zulassen, sich sehr genau auf das Geschehen auf dem Eis konzentrieren zu können.

Die ARD sollte diese Übertragungsrechte nicht verkommen lassen. Auch wenn Eurosport 1 ebenfalls übertragen hat: Zu one muss man so was nun wirklich nicht verschieben. Im Ersten lief in dieser Zeit ein 15 Jahre alter Fernsehefilm mit Christine Neubauer. Nun ja. Wer’s braucht…

-> Die Übertragung auf sportschau.de (bis 27. März 2022)

Hits: 213

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Gösta

Mittwoch, den 6. Januar 2021
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MO 04.01.2021 | 3.40 Uhr (Di.) | NDR

Der junge Kinderpsychologe Gösta meint es nur gut. Immer. Und mit allen. Er kann einfach nicht Nein sagen, und Konfrontationen sind ihm zuwider.
Er wohnt ganz weit draußen, mitten auf dem Land, und eigentlich wohnt er dort alleine.
Bis er einen Flüchtling aufgenommen hat. Bis plötzlich sein Vater bei ihm vor der Tür steht, weil er Probleme hat. Bis seine Freundin vor der Tür steht, die irgendwie mehr will als er selbst. Bis seine Ex vor der Tür steht, die nicht Ex sein will. Bis seine Mutter vor der Tür steht, die ein neues Filmprojekt im Wald umsetzen will. Bis der Vater einen Hund ins Haus schleppt. Bis sein Kumpel vor der Tür steht, der einfach mal raus wollte.

“Gösta” heißt die 12-teilige Serie aus Schweden, die im Dezember am Stück bei one zu sehen war und am Sonntag und Montag mitten in der Nacht beim NDR versendet worden ist.
Allerdings macht es Gösta – der Typ und die Serie – es einem als Zuschauer nicht ganz einfach. Denn Gösta ist nett, aber eigentlich viel zu nett, weil er sich von allen ausnutzen lässt.
Er holt sich mitunter unfassbare Egoisten ins Haus. Alle scheinen sie nur an sich zu denken. Ich, ich, ich – das ist das Motto, wenn es darum geht, was denn jetzt das Beste für alle ist.
Das ist mit der Zeit immer schwerer auszuhalten, weil auch Göstas Gäste immer krasser und psychotischer zu werden scheinen. Es ist ein langer Zeit bis Gösta mal auf den Tisch haut.
Das ist tatsächlich irgendwie interessant, aber dieses Gefühl, dass man sich eigentlich viel ärgert über diese Leute – auch über Gösta – das ist kein Wohlfühlfernsehen.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 5. Februar 2021)

Hits: 185

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Ferdinand von Schirach: Feinde

Dienstag, den 5. Januar 2021
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SO 03.01.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste / one / Dritte Programme

Ein Film, zwei Blickwinkel, elf Sender. Die ARD ist ja eher selten wirklich experimentierfreudig, aber am Sonntagabend hat sie es mal wieder gewagt.

Ein junges Mädchen wird entführt. Der Entführer fordert von der reichen Familien viel Geld für die Freilassung. Kommissar Nadler ermittelt und fokussiert sich auf das Umfeld der Familie. Sicherheitsmann Kelz wird verhört, und Nadler ist sich sicher: Kelz hat das Mädchen entführt. Weil aber Kelz nichts zugibt und auch nicht sagt, wo das Mädchen ist, greift er zu drastischen Mitteln.
Strafverteidiger Biegler muss sich vor seiner Frau rechtfertigen, weil er Kelz verteidigen wird. In der ausführlichen Befragung seines Mandanten bringt er Ungeheuerliches ans Licht.

Das Thema von “Ferdinand von Schirach: Feinde” ist extrem spannend. Denn der Zuschauer war bei der Entführung dabei, und man kann ziemlich sicher sein, dass Kelz ein Täter ist. Ziemlich. Aber nicht hundertprozentig.
Nadler foltert Kelz während des Polizeiverhörs, um ein Geständnis zu erpressen. Ist diese Art der Folter legitim? Sind alle Mittel recht, um ein Mädchen aus ihrer Gefangenschaft zu befreien?
Die Antwort ist sehr eindeutig, denn der Strafverteidiger nimmt Nadler während der Gerichtsverhandlung regelrecht auseinander. Nadler hatte keine Beweise, die Spurensicherung war quasi nicht vorhanden, es war lediglich ein Gefühl, dass Kelz es gewesen sei. Dass Nadler Kelz gefoltert hat, fliegt dem Ermittler um die Ohren.

Bjarne Mädel spielt in “Feinde” den Ermittler Nadler, und das macht er hervorragend. Einmal mehr zeigt er, dass er ein fantastischer Schauspieler ist. Ebenso aber Klaus Maria Brandauer, der den Strafverteidiger spielt.

Es gibt zwei Versionen dieses Films. In Version 1 geht es vor allem um die Sichtweise des Ermittlers. Der Zuschauer ist dabei, wenn Nadler zunächst im Dunkeln tappt und später beim Verhör, das dann eskaliert. Diese Version lief im Ersten.
In Version 2 verfolgen wir, wie Strafverteidiger Biegler arbeitet, wie er hadert und sich dann seiner Aufgabe widmet, wie er schließlich Kelz verhört und auf die Tatsache der Folter stößt. Die erstengut 15 Minuten sind deckungsgleich, die letzten 25 Minuten auch – zumindest fast. Denn im Prozess ist die Kameraführung vor allem auf Biegler fokussiert, und am Ende erfährt der Zuschauer auch mehr über die Urteilsbegründung, während in Version 1 der Zuschauer mit Nadler relativ zügig nach der Urteilsverkündung den Saal verlässt. Version 2 lief bei one und in allen neun Dritten Programmen.

Das Experiment: Die beiden Filme laufen parallel, und der Zuschauer kann entscheiden, aus welcher Sicht er das Ganze sehen will. Oder er konnte hin- und herschalten, um zwischendurch zu schauen, was der Strafverteidiger ermittelt.
Ich habe das probiert und habe gezappt. Gut ist, dass man tatsächlich nicht nennenswert etwas in den jeweils anderen Versionen verpasst hat. Allerdings verliefen die Handlungen nicht immer wirklich parallel. So gab es in Version 1 ein Zusammentreffen von Nadler und Biegler, das aber da nicht gleichzeitig in Version 2 gab.
Andererseits gab es in Version 1 die Folterszenen, während Kelz in Version 2 die Szenen schilderte und der Anwalt darauf reagierte. Das war ein spannender Gegensatz, der auch nur so unmittelbar funktioniert.
Wer dagegen die beiden Filme hintereinander sah – weil viele den Eindruck hatten, es habe sich um einen zweiten Teil gehandelt – sah dagegen viele Doppelungen, die dann langweilig erschienen.

Version 1 im Ersten. Version 2 auf one, im WDR, NDR, radiobremen tv, BR, SWR, SR. hr, mdr und im rbb. Ein Film auf zehn Sendern. War das wirklich nötig? Die ARD hielt das offenbar für nötig, und sicherlich ist dabei zu bedenken, dass wahrscheinlich nicht jeder Fernsehzuschauer wirklich jedes Dritte Programm und one empfängt. Es heißt, dass über DVB-T nur bestimmte Dritte zu empfangen sind. Um also sicherzustellen, dass wirklich alle Zuschauer am kompletten Experiment teilnehmen können, wurde der Film also durchgeschaltet.
Ob es grundsätzlich den zweiten Film gebracht hätte, ist eine andere Sache. Das Experiment war spannend, aber mit 120 statt 90 Minuten Länge hätte man auch alles erzählen können. Was dann aber vermutlich wieder weniger Aufmerksamkeit bekommen hätte, weil es dann eben nur ein Film im Ersten gewesen wäre.

Der Umgang mit dem Experiment in der ARD war jedoch lausig. Man hat den Zuschauer mit den Filmen leider sehr allein gelassen. Man hat sich darauf verlassen, dass alle vorher informiert waren, was denn da jetzt passiert.
Nicht nur, dass der Film in den meisten Dritten nicht zeitgleich mit dem Film im Ersten startete, sondern schon etwas früher. Er startete ohne Info an die Zuschauer.
Eigentlich hätten alle elf Sender zu Beginn wirklich zusammengeschaltet werden müssen. Ein(e) Ansager(in) (ja, sowas gibt es ja leider nicht mehr) hätte den Zuschauern erklären müssen, was jetzt passiert und was die Zuschauer machen können. Auch während des Films hätte es ab und zu Einblendungen geben müssen. An bestimmten Stellen hätte man “Umschalthilfen” geben können, in dem man sagt, was gerade in der anderen Version passiert. Dazu hätte man während des Films vielleicht zwei oder drei Punkte schaffen müssen, wo sich die Storys kreuzen und man dem Zuschauer das durch entsprechende Einblendungen sagen können.
Aber die Mühe hat man sich dann leider nicht gemacht, so wirkte das ganze wie eine gute Idee, die man aber nicht zu Ende gedacht hat.

Fast elf Millionen Menschen haben am Sonntagabend zur Primetime einen der beiden Filme gesehen. Das ist ein Erfolg, und solche Experimente könnte es gern mal wieder geben. Dann aber bitte noch mehr durchdacht.

-> Die Filme in der ARD-Mediathek (bis 3. April 2021)

Hits: 246