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How to Dad

Mittwoch, den 3. August 2022
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DI 02.08.2022 | 21.45 Uhr | one

Sie treffen sich jeden Mittwoch, aber Freunde sind sie eigentlich nicht. Das Ballett ist schuld. Denn die vier Väter Alexander, Berti, Roman und Sami bringen ihre kleinen Mädchen immer am Mittwochnachmittag in die Ballettschule. Und dann haben sie Zeit – sie müssen ja warten.
So sitzen die vier Männer also zusammen und sprechen über die Erziehung ihrer Kinder, über ihre Partnerschaften, wenn es sie denn gibt, sie prahlen mit ihrem Familienleben, aber irgendwann bröckelt eben doch jede Fassade.
Als Ballettlehrerin Theresa zum Kursabschluss einen Vater-Kind-Tanz plant, da kommt dann auch noch der Ehrgeiz ins Spiel, schließlich will ja jeder von ihnen – also gemeinsam mit der Tochter – der beste sein…

“How to Dad” heißt die leider nur 5-teilige Comedyserie, die am Dienstagabend am Stück bei one zu sehen war und schon einige Zeit in der ARD-Mediathek zur Verfügung steht.
Es ist eine dieser Serien, die vor allem von den Gesprächen unter den Protagonisten lebt. Während Folge 1 irgendwie noch im Ungefähren bleibt, wird man bei Folge 3 endgültig gepackt, wenn nämlich wirklich klar ist, dass hier Poser aufeinander treffen, die nicht immer ganz die Wahrheit sagen – und bei denen hinter dem harten Kern oftmals noch viel Weiches steckt. Klar, Klischees bleiben nicht aus, aber auch diese werden in dieser Serie angepackt und auf links gedreht.
“How to Dad” ist nicht die große Megaserie, aber überaus sympathisch.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 2. März 2023)

Hits: 101

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All you need

Freitag, den 24. Juni 2022
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DI 21.06.2022 | 21.40 Uhr | one

Vince hat’s verkackt. So endete Staffel 1 von “All you need” im vergangenen Jahr. Vince hat mit dem Typen von seinem besten Freund rumgemacht – und natürlich kam es raus. Nun hat sich sein Freund Robbie von ihm getrennt. Und sein bester Freund Levo redet auch nicht mehr mit ihm. Nur seine beste Freundin Sarina spricht noch mit ihm – und als ihr Bruder Simon plötzlich bei ihr auftaucht, soll der bei Vince in die verwaiste WG ziehen.

Die ARD hat “All you need” eine 2. Staffel geschenkt, und die hat diesmal sogar sechs Folgen – wobei das ja für eine nicht ganz halbstündige Serie auch nicht wirklich viel ist.
Klar ist aber: Die Serie nimmt Fahrt auf – und geht in die Tiefe. Denn Vince muss sich mit sich und seinem Leben auseinandersetzen. Was ist ihm Freundschaft wert? Und was die Liebe? Und will er wirklich Arzt werden oder macht er da sich – und seiner Mutter – etwas vor?
Natürlich bemüht er sich sowohl um Robbie als auch um Levo. Zu sehen, wie sich alle irgendwie wieder annähern, macht Spaß. Ein echter Höhepunkt ist die Folge, in der Vince und Robbie in Robbies Heimat fahren und dort seine Vergangenheit aufrollen – viel Emotionen und Gänsehaut.

“All you need” macht in dieser Staffel 2 eine sehr erfreuliche Entwicklung. Weg von blöden Klischees, hin zu dichter erzählten Geschichten. Alle Hauptfiguren bekommen eine Tiefe.

Ihre Premiere feierte Staffel 2 übrigens auch wieder in der ARD-Mediathek, aber die TV-Premiere gab es diesmal im Ersten. Nicht auf einem sehr prominenten Sendeplatz, aber es handelt sich auch nicht um ein Primetime-Format. Bei one gab es zudem auch schon attraktivere Sendeplätze.
Und Staffel 3 ist übrigens schon in Planung.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 27. Oktober 2022)

Hits: 136

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Eurovision Song Contest 2022 – Aftershow

Montag, den 16. Mai 2022
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SA 14.05.2022 | 1.10 Uhr (So.) | Das Erste

Wann schmeißt der NDR endlich die bräsigen Countdown- und Aftershows zum Eurovision Song Contest aus dem Programm? Diese Sendungen, die einen Grand Prix Eurovision de la Chanson feiern, den es längst nicht mehr gibt. Diese Sendungen, in denen in schöner Regelmäßigkeit Johnny Logan auftritt, weil er im 20. Jahrhundert zweimal des ESC gewonnen hat. In denen Namika ein Liedchen singen darf, weil… weil sie sie wahrscheinlich gerade Zeit hat. In der Grand-Prix-Experte Thomas Herrmanns grinsend über längst vergangene Zeiten schwadroniert. In der Max Giesinger singen darf, weil er auch gerade zeit hat und weil das ja die letzten Jahre, wo er auch schon in der Show zu Gast war, auch schon so schön war.

Der NDR hat nicht mal getraut, die öde Sause live von der Reeperbahn zu übertragen. Stattdessen saßen alle gelangweilt im Hamburger Studio rum, dazu stellte Barbara Schöneberger ömmelige Grand-Prix-Quizfragen über irgendwelche Ereignisse beim ESC im 20. Jahrhundert.

Es sind keine Shows, die Bock auf den ESC machen. Es sind keine Shows, die junge Leute irgendwie vom Hocker reißen könnten. Und das, obwohl der Eurovision Song Contest auch hierzulande riesige Marktanteile bei den unter 30-Jährigen hat. Der NDR bietet ihnen nichts. Außer die Shows, die man nun schon seit zwei Jahrzehnten so und nicht anders über die Bühne bringt, weil man das ja schon immer so gemacht hat.

Einstimmung auf die große Show? Ein Vorbericht aus Turin? Ein erster Überblick auf die Teilnehmer? Eine Rückschau auf die Länder, die schon ausgeschieden sind?
Daran hat man kein Interesse. Überhaupt hat man eigentlich kein Interesse, die Menschen vor den Fernsehern auf die folgende Show vorzubereiten.

Und das, obwohl man das Personal vor Ort hat. Das Team von Eurovision.de – zugehörig zum NDR – berichtete ausführlich aus Turin. Mit Analysen, Interviews, Vor-Ort-Berichten, und das auf unterhaltsam-informative Weise. Bevor im Ersten um 20.15 Uhr die lahme Hamburg-Studio-Show begann, gab es um 19 Uhr auf Eurovision.de eine Pre-Show aus Turin. Alina Stiegler, Stefan Spiegel und Constantin Zöller moderierten die 45-minütige Einstimmung auf das ESC-Finale. Wieso wird das im Internet versteckt? Wieso wird das nicht mal auf one gezeigt? Wieso kann man diese oder eine ähnliche Sendung mit eben diesem kompetenten Team nicht um 20.15 Uhr im Ersten senden?
Warum hat der NDR ein großes Team vor Ort und greift am kompletten ESC-Abend nicht einmal für das Erste darauf zurück? Warum versteckt der NDR die tolle Arbeit dieses Teams komplett im Netz?

Es muss sich beim deutschen Geschehen rund um den Eurovision Song Contest nicht nur etwas bei der Songauswahl ändern. Sondern ganz klar auch bei der Präsentation und dem Rahmenprogramm im Fernsehen. Eine so unmodern-langweilige Countdown-Show (Highlight: Michelle stand beim Auftritt so unter Strom, dass ihr die Haare abstanden), ist kaum noch zumutbar. Und auch über eine Ablösung von Peter Urban als Kommentator sollte endlich nachgedacht werden – immerhin hat Constantin Zöller 2021 schon den Junior-ESC kommentiert.
Der NDR hat gute Leute – schiebt sie aber leider nicht ins Rampenlicht.

PS: Das Eurovision.de-Team war es auch, das am Sonntagmittag – auch nur im Internet – in einer Live-Sendung im Nachklang zum ESC-Finale erstaunlich schonungslos mit dem deutschen Geschehen rund um den Wettbewerb umgingen. Gut so!

-> Die Aftershow in der ARD-Mediathek (bis 14. Mai 2023)
-> Das ESC-Frühstücksfernsehen 2022 von Eurovision.de auf Youtube

Hits: 183

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Eurovision Song Contest 2022 – 2. Halbfinale

Freitag, den 13. Mai 2022
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DO 12.05.2022 | 21.00 Uhr | one

Der Eurovision Song Contest 2022 in Turin setzt ein Zeichen in Sachen Klimawandel. Aber genau wie der Klimawandel ungewollt über uns hereinbricht, ist das das “Statement” in Turin ebenfalls so gar nicht beabsichtigt gewesen. Denn auf der Bühne des ESC gibt es ein Sonnenproblem.

Beim zweiten ESC-Halbfinale am Donnerstagabend, live übertragen bei one, ist sie wieder aufgefallen. Das größte Element auf der Bühne, ist eine Art Bogen – so was wie eine schwarze Sonne.
Oft scheint es, als würde sie im Weg rumstehen, denn die dahinter projizierten Bilder werden oft von ihr überdeckt. Kein Wunder: Denn die Sonne ist kaputt. Eigentlich sollte sie sich bewegen, auseinander gehen oder einige weitere technische Effekte möglich machen.
Das Teil blinkt zwar hier und da – aber ansonsten sieht es nur hässlich, blöd und finster aus.

Aber, hey, dafür gibt es einen Wasserfall an der Bühne, der die ganze Zeit dahinplätschert. Wenn einen die dusslige Sonne stört, dann guckt man eben aufs Wasser. Ist doch auch schön.

Eine Band, die darunter litt, war Circus Mircus aus Georgien. Bei ihrem Auftritt sollte die große Wand dahinter für große Projektionen genutzt werden – aber die Sonne war im Weg. Nun gut, dass die Gruppe mit ihrem tollen Song (live leider nicht so gut rübergebracht) ausgeschieden ist, hat ja vielleicht nicht nur mit der technischen Katastrophe zu tun.
Ausgeschieden ist leider auch San Marino mit Achille Lauro – da hat es auch nichts genützt, dass die Bühnenshow knallte und er den Rodeoreiter gab.

Im Finale sind aber The Rasmus aus Finnland, die im Halbfinale den Auftakt bildeten und das Publikum mal ordentlich wachrüttelten. Schweden ist mit gefälligem Pop weiter, ebenso Polen nach fünf Jahren Final-Abwesenheit.
Außerdem präsentierte sich erstmals Sam Ryder aus Großbritannien mit seinem “Space Man” – er gehört zum Favoritenkreis, was erstaunlich ist, weil UK in den vergangenen Jahren ja eher… nun ja, nicht ganz vorne mitspielte. Wo wir auch schon bei Deutschland sind – auch Malik Harris präsentierte seinen Auftritt fürs Finale, der intim, aber sehr ansehnlich ist. Schaffen wir es vielleicht mal wieder unter die Top 20?

-> Die Sendung in die ARD-Mediathek (bis 12. Juni 2023)

Hits: 193

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Eurovision Song Contest 2022 – 1. Halbfinale

Donnerstag, den 12. Mai 2022
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DI 10.05.2022 | 21.00 Uhr | one

Diodato! Der stärkste Moment des ersten Halbfinales beim Eurovision Song Contest 2022 in Turin hatte mit dem Wettbewerb gar nichts zu tun.
Stattdessen aber mit dem Contest von 2020, der ja leider nicht stattfinden konnte. Den hätte vielleicht Island gewonnen – aber eben vielleicht auch Italien. Denn mit “Fai rumore” hatte er einen Gänsehautsong abgeliefert. Der sorgte 2020 in Italien dennoch für Furore – er hatte sich zu einer Hymne in der Coronakrise entwickelt.
Am Dienstagabend hatte Diodato nun endlich seinen großen ESC-Auftritt in Turin – und das Publikum in der Arena sang kräftig mit, denn alle dort kennen “Fai rumore” und feiern das Lied.
Eigentlich wäre das ein großartiger Pausenact im Finale gewesen – ein sehr würdiger Song dafür.

Im von one live übertragenen Spektakel traten wieder 17 Länder an, von denen es aber nur zehn ins Finale schaffen. Mit dabei: die Ukraine. Sie wird im Finale dabei sein, und im muffeligen Social Media wird schon darüber gemeckert, dass ja alles schon abgemachte Sache sei. Dabei wäre das Kalush Orchestra auch ohne Krieg ins Finale gekommen. Wie auch Go_A 2021 funktioniert die Mischung aus heimischer Folklore und Pop recht gut.
Leider nicht im Finale dabei ist die Schülerband LPS aus Slowenien mit ihrem Song “Disko”. Vielleicht war die Stimme etwas wacklig, aber es wäre doch irgendwie rührend gewesen, wenn so eine junge Truppe beim Mega-Event hätte dabei sein können.
Überraschend ist auch Österreich ausgeschieden – wie auch 2021. Die Elektro-Nummer “Halo” von DJ LUM!X & Pia Maria hat scheinbar nicht gut genug funktioniert.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 10. Juni 2023)

Hits: 133

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ZERV – Zeit der Abrechnung

Sonntag, den 27. Februar 2022
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DO 24.02.2022 | 20.15 Uhr | one

Es ist ein heute nur wenig bekanntes Stück deutsche Nachwendegeschichte. 1991 wird in Berlin nach einem Beschluss der Bundesregierung die ZERV, die Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität, gegründet. Diese Sondereinheit sollte kapitale Verbrechen aus der DDR-Zeit und der Wende ermitteln und aufklären.
Eine sechsteilige Krimireihe im Ersten brachte die ZERV breiter in Öffentlichkeit. Die Folgen liefen am Dienstag und Mittwoch im Ersten, am Donnerstag wegen der Kriegsberichterstattung kurzfristig nur bei one.

In “ZERV – Zeit der Abrechnung” muss Peter Simon, Kommissar aus dem Westen, mit Karo Schubert, seiner Kollegin aus dem Osten, in einem Mordfall ermitteln. Damit kommen sie nur schwer klar, denn ihre Arbeitsweisen sind sehr verschieden. Matthias Trockland, der für die Auflösung der NVA mitverantwortlich war, ist tot. Er wurde in seinem Kleingarten gefunden. War es Mord? Oder ein suizid? Die Ermittlungen beginnen, geheime Unterlagen tauchen auf – und ein Waffenfund auf einem NVA-Gelände in Oranienburg. Als dann auch Zeugen sterben und die Ermittler bedroht werden, nimmt der Krimi richtig Fahrt auf.

Tatsächlich ist der Sechsteiler über weite Strecken sehr spannend, führt die Story in der Tat zu einem sehr interessanten Teil der Nachwendezeit. Zu sehen sind alte, runtergekommene Fabrikgelände, wie sie in Ostdeutschland noch lange nach der Wende zu sehen waren. Die Ost-Kommissarin ist mit einem Wartburg unterwegs, irgendwo stehen auch noch ein paar Trabants rum.
Ein Gewinn sind die beiden Hauptdarsteller: Nadja Uhl und Fabian Hinrichs spielen die beiden Kommissare aus Ost und West, die sich irgendwie zusammenraufen müssen, was immer wieder zu spannenden und auch humorigen Momenten führt – und auch der Fall selbst ist spannend bis zum Schluss.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 22. August 2022)

Hits: 174

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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

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